1841 / 157 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

Berlin. In der Sitzung der geographischen Gesellschaft

5. Juni legte Herr Ritter die Erläuterungen zu der Uebersichtskarte der nnt legte Hrmationen im Europäischen Rußland von Helmersen

or, gab dazu mehrere Nachrichten und sprach von den noch zu erwar⸗ enden, mit dieser Unternehmung in Verbindung stehenden Arbeiten. Sodann lenkte er die Aufmerksamkeit auf die von Herrn A. Erman berauszugebende Zeitschrift: Archiv für wissenschaftliche Kunde von Rußland. Herr Steffens theilte Nachrichten über Brasilien mit; insonderheit sprach er über den Bau des Megatherium und des Me⸗ galonvr, und deren wahrscheinliche Lebensweise nach Lund’s Darstel⸗ lung. Herr W. Rose gab eine Reise⸗Skizze über die Bergstraße zwi⸗ schen Nizza und Turin. Herr Michaelis legte kartegraphische Skiz⸗ zen von Gebirgsgegenden vor, erläuterte die Prinzipien, welche seiner neuen Darstellung zum Grunde liegen und diejenigen Methoden, welche bisher angewendet wurden. Herr Dr. Klöden gab nach eigener Beobachtung eine Darstellung des Karstgebirges in Krain und legte eine Zeichnung dieser merkwürdigen Gebirgsgegend vor. Herr Dr. Minding sprach über die in Dr. Vetter's Annalen der Struveschen Brunnen⸗Anstalten enthaltenen Untersuchungen über die Auslaugung der Felsmassen als Erklärungsgrund für die Entstehung der Mineral⸗ quellen. Herr Zeune theilte eine Rechtfertigung seiner früheren Mit⸗ theilung über die Entdeckung des Süd⸗Polarlandes durch Cap. Wilkes mit und gab dann eine Darstellung der östlichen Nord⸗Amerikanischen Gebirgsketten nach neueren Quellen.

Verlin. Königliches Theater. Die Anwesenheit der Dlle. Tuczek aus Wien hat es möglich gemacht, auch eine der beliebtesten omischen Opern von Auber, die Gesandtin, die wir seit dem Ab⸗ gange der Dlle. Sophie Löwe, nicht mehr hörten, wieder auf die Bühne u bringen. Die fremde Sängerin hatte in dieser Oper einen schweren tand, da ihre Vorgängerin in der Rolle der Antoinette ganz beson⸗ ders glänzte. Aber Dlle. Tuczek errang in ihrer Art einen eben so

entschirdenen Sieg. Sie nahm die Partie nicht so murhwillig, so aus⸗

gelassen, so witzig fein, in Spiel und Gesang, wie Sophie Löwe; dafür aber hüllte sie ihre Darstellung in den ganzen Zauber weiblicher Innig⸗ keit und reinster Gefangsschoönheit, die eden so unwiderstehlich auf das Gemüth wirkten, wie die größere Beweglichkeit ihrer Vorgängerin den Sinn mannigfaltig anregte und beschäftigte. Dlle. Tuczek hat durch die That bewiesen, daß auch in dieser Französischen Musik, . ist, die idealere Richtung der Kunst, die in schönem, Gleichgewicht aller Theile ihre Hauptwirkung sucht, sich mit glücklich⸗ stem Erfolg geltend machen kann, wogegen jene andere Richtung, die

nach starken Kontrasten und zierlichen Details strebt, darüber oft den Die Gesangs⸗Par⸗

Sinn und die Mittel für die edlere Kunst verliert. ise der Antoinette in der „Gesandtin“ wurde von Dlle. Tuczek nicht nur mit einer Virtuosität in Passagen und Trillern ausgeführt, welche von neuem die beste Schule und den edelsten Geschmack bekundeten, sondern auch mit noch nüancirterem Ausdruck und weicherem Ton, als die bisher von ihr gesungen Rollen. Die vollkommene Reinbeit der Intonation, die besonders in dem Ensembie's von vortrefflicher

seyn braucht. Wohl aber verdient bervorgehoben zu werden, was einen besonderen Schmuck ihrer letzten Darstellung bildete: der von tie⸗

rchdrungene Vortrag der Couplets im Quintett des 1 8 1 1“ ngertt ersten Aktes, deren Melodie am Schluß der Sper wieverkehrt; die bril⸗ den, die mit so viei Musiksinn und trefflich gebildeter, jugendlich frischer - ersten Akts und die Stimme ein so anmuthig seines Spiel verbände. 10.

lante Ausführung der großen Arie zu Ende des mit wahrem Nachtigallklang der Stimme gesungene, reich verzierte Ge⸗ sangs⸗Scene auf dem doppelten Theater; endlich die sittsame Grazie, welche ihr ganzes Spiel erfüllte. Nur in der Aussprache möchte die treffliche Künstlerin sich noch größerer Deutlichkeit befleißigen und in die gesprochenen Worte mehr Modulation zu bringen suchen. Wie er⸗ greifend sie durch ihren schönen Gesang auf das zahlreiche Auditorium wirkte, bewies der oft unwillkürlich einfallende, den Fluß der Musik unterbrechende Applaus, welchem ein wiederholter Hervorruf, nach dem ersten Akt und am Schluß der Vorstellung, folgte, wobei ihr ein viel⸗ siimmiges: Hierbleiben! entgegenscholl. In bescheidenen Worten dankte die Hervorgerufene für die Anerkennung, welche ihr zu Theil geworden, und bat um freundliche Nachsicht bei dem Vergleich mit ihrer berühm⸗ ten Vorgängerin. Dlle. Tuczek wurde von dem in der „Gesandtin“ u den Personal, den Tenor ausgenommen, sehr gut unterstützt. Leistungen der Herren Bader und Zschiesche und der Madame Valentini sind von früher her in dieser Oper bekannt. Dlle. Hed⸗ wig Schulze aber sang zum erstenmal die Partie der Charlotte und trug in den Ensemble's durch ihre wohlklingende Stimme wesent⸗ lich zur Gesammtwirkung bei; für die erste Arie möchte sie sich nur noch etwas mehr Zungengelänsigkeit ancignen, und das Lachen zu An⸗ fange des Emsemblestücks im zweiten Akt bätte weniger heftig seyn tönnen. Sehr ansprechend war ihr Gesang in der Arie und dem Duett des letzten Akts. Die Partie der Mutter, Mad. Barneck, hatte die seit einiger Zeit hüer anwesende Sängerin, Mad. Pohlmann⸗Kreßner, übernommen, und sie führte dieselbe besonders im Spiel mit richtigem Maß des komischen Effektes aus; im Gesang schien ihr die Partie etwas zu tief zu liegen, indeß bewährte sie sich als eine sichere, routi⸗ irte Sängerin, wie wir sie schon in einigen Konzert⸗Piecen, welche sie kürzlich im Königlichen Operubause vor einer Theater⸗Vorstellung vortrug, kennen gelernt hatten. Der Tenorist, Herr Börner, der die Partie des Benedikt sang, ist offenbar noch Anfänger, und wir dürfen daher seine Leistung nicht zu streng beurtheilen; seine Stimme scheint in der eigentlichen Tenorlage nicht ohne Fonds, aber die tieferen Töne und das Falsett sind noch ganz unausgebildet. Zu bedauern ist es, daß in der Zeit des Gastspiels der Dlle. Tuczek Herr Mantius sich gerade auf Reisen befindet; er wäre der eigentliche Partner für diese Sängerin. Sollte derselbe noch vor dem Schluß ihrer Gastrollen zu⸗ rückkehren, so wäre eine Aufführung des „Postillon von Lonjumean“ mit Dlle. Tuczek gewiß sehr erwünscht; die Partie der Madeleine würde für sie besonders geeignet seyn. Auch als Desdemona in „S hello“ wünschten wir Dlle. Tuczek wohl zu hören; sie würde darin gewiß aus eigener Anlage sehr dem unvergeßlichen Vorbilde der Sontag sich nä⸗ vern, ohne diese Sängerin je gekannt zu haben.

Ein anderes, mehr in der leidenschaftlichen, grandiesen Art der Schröder⸗Devrient gehaltenes Bild gab uns in der eben. genann⸗ ien Rolle Dlle. Carl, welche mit derselben von uns Abschied nahm und vor kurzem, nachdem sie durch den Litel einer Kö⸗ niglich Preußischen Kammer⸗Sängerin ausgezeichnet worden, wie der nach Pesth zurückgeiehrt ist. Die Zahl ihrer hier gegebenen Gastrollen war geringer, als man anfangs erwartet hatte; den verdien⸗ ten Beifall hat das Publikum auch dieser Bravonr⸗Sängerin in reichem

mitwirken⸗

ser modernen welche vorzugsweise auf pikanten Reiz berechnet harmonischen

Die

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1 8 u Maße zu Theil werden lassen, und am Schlusse ihrer Vorstellu⸗ fehlte es nicht an Kränzen. Ein glänzender, in guter Italiänischer Schule gebildeter Gesang, mit volltönender, der höchsten Anstrengun⸗ gen fähiger Stimme verbunden, ist ihr Haupt⸗Vorzug.

Alle Schönheiten der klassisch⸗Itallänischen Schule aber haben wir in noch vollendeterem Grade kürzlich von einer Künstlerin gehört, die wohl den ersten Meisterinnen des Gesanges beizuzäh⸗ jen ist, von Mad. Dufflot⸗Maillard, welche früher beim

Theater zu Mailand angagirt war und jetzt eine Kunstreise durch

Europa macht. Man hatte zwar bisher nur Gelegenheit, sie als Kon⸗ zert⸗Sängerin kennen zu lernen, indem sie an zwei Abenden im König⸗ lichen Theater vor den Vorstellungen mehrere einzelne Arien vortrug, aber das dramatische Feuer, welches ihren Gesang belebte, ließ auf ein nicht minder ausgezeichnetes Talent für die scenische Darstellung schlie⸗ ßen, und am Dienstag, den 8ien d., wird Mad. Dufflot Maillard sich auf dem Theater zu Potsdam auch in diesem Fache zeigen. Das Pro⸗ gramm für den besagten Abend bringt uns unter anderen Musikstüͤcken im ersten Theil ein Rondo mit Variationen aus 12 Ceneren⸗ tola von Rossini, ein Duett aus „Tankred“ von demselben Komponi⸗ sten und zwei Französische Lieder, sämmtlich von Mad. Dufflot Mail⸗ lard gesungen, das Duett unter Mitwirkung der Dlle. H. Schulze; ferner, als zweiten Theil, die vollständige scenische Aufführung des drit⸗ ten Aktes aus der Oper Montecchi e Capuleti von Vaccai und eines Stücks aus der Oper „Belisar“ von Donizetti, ebenfalls von der frem⸗ den Sängerin und von Dlle. Schulze ausgeführt. Leider scheint keine Aussicht vorhanden, Madame Dufflot⸗Maillard noch einmal in den hiesigen Theatern zu hören, indeß dürfte eine Fahrt auf der Eisenbahn nach Potsdam, bloß um der dort angekündigten Vorstellung beizuwoh⸗ nen, keinen unserer Musikfreunde gereuen. in ihrem Gesange das Großartige und Liebliche in seltener Harmonie,

und ihre effektvolle Stimme führt alle Passagen und Verzierungen mit einer höchst präcisen, klaren und geschmeidigen Geläuftgkeit aus.

Soiree des Herrn F. Prume. Eine sehr zahlreiche Versamm⸗ lung hatte sich zu der Abend⸗Unterhaltung eingefunden, welche von dem in allen Nüancen und Kunstmitteln des Violinspiels so gewandten Virtuosen François Prume aus Lüttich gestern vor seiner baldigen Ab⸗ reise noch veranstaltet war. 1 1 ten Konzertstücken ließ uns derfelbe diesmal auch eine Polonaise von Mavseder mit Quartett⸗Begleitung und einige Etüden von eigener Compeosition hören. Unter letzteren zeichnete sich besonders der „Hexen⸗ tanz“ durch phantastische Harmonie⸗Combinationen aus. Hier war die Bizarrerie ganz am rechten Orte, die sich Herr Prume sonst manchmal ohne eigentliches Motiv gestattet und die dann seinem übrigens so vollendeten Spiel eher Eintrag thut, als daß sie es höbe. Indeß es scheint der⸗ gleichen bei unseren meisten jüngeren Virtuosen, besonders bei de⸗ nen des Auslandes, nun einmal zur unvermeidlichen Mode zu gehören, und man nimmt es am Ende mit in den Kauf, wenn nur, wie bei Prume, eine nach allen Seiten hin zur höchsten Vollendung durchgebildete Meisterschaft die Grundlage bildet.

Daß dem genialen Künstler der rauschendste Applaus zu Theil wurde bedarf kaum einer Erwähnung. Dlle. Tuczek trug in dieser Soiree

irfung war, ist uns bei dieser Sängerin nun schon zu einer so fest⸗ eine von Beriot für die Malibran komponirte Arie vor und zeigte sich

ehenden Sache geworden, daß davon fernerhin nicht mehr die Rede zu

darin auch als eine Virtnosin des Konzertgesanges. Möchte nur der Wunsch, daß sie dauernd bei uns bleibe, den das Publikum bei ibrer

Gast⸗Vorstellung am Freitag so laut aussprach, in Erfüllung gehen;

man wird in Deutschland vielleicht kaum noch eine zweite Sängerin fin⸗

Die Gemälde⸗Gallerie des Koͤniglichen Museums, in Lithographieen der vorzuͤglichsten Gemaͤlde desselben. Sr. Mafestaͤt dem Koͤnig Friedrich Wil⸗ helm IV. in tiefster Ehrerbietung zugeeignet. Herausge⸗ geben und verlegt von Simion. Berlin 1840.

Es ist hier ein Unternehmen ans Licht getreten, das sich, ähnlich, wie die Gemälde der Münchner und der Dresdner Gallerie in Litho⸗ graphieen erscheinen, die Aufgabe gestellt hat, nach und nach die Schätze unserer hiesigen Bilder⸗Gallerie in lithographischen Abbildungen den Kunstfreunden darzubieten. Drei unserer ausgezeichnetsten Lithogra⸗ phen, Jentzen, Wildt und Fischer, haben sich hauptsächlich diesem Un⸗ ternehmen gewidmet, womit aber die Beihülfe anderer Künstler nicht ausgeschlossen ist. 40 der werthvollsten und berühmtesten Stücke dem Pm. fern, also ist derselbe keinesweges maßlos und unabsehbar. lleber⸗ dies ist man entschlossen, nicht sowohl Bilder von historischem und kunstgeschichtlichem Interesse, an denen unser Museum so reich ist, sondern von klassischem Werth und populärem gefälligem Eindruck zu wählen, wodurch denn hoffentlich in den Augen des größeren Publikums manchem ausgestreuten falschen Urtheil über die Tendenz der Gallerie begegnet werden kann. Wenn nun diese Wahl hauptsächlich mehrere der neuerworbenen Gemälde, z. B. Ti.

tian’s Tochter Lavinia, das große Heiligen⸗Bild von Andrea del Sarto,

und den Antonius von Padua von Murillo, getroffen hat, so geht

daraus zugleich deutlich bervor, in welchem Sinne die neueren Erwer⸗ Jedes Heft wird aus drei Blättern in groß das erste 2nthält das berühmte Bild von Correggio, Fupiter und Jo, das nicht minder berühmte Bild von Gerhard Ter⸗

bungen gemacht worden. Folio bestehen;

Rubens, in der man nicht mit Unrecht Christus und Johannes zu erkennen glaubt. Jeder der drei genaunten Lithographen hat hier gezeigt, was von ihm das Unternehmen das Beste

zu erwarten steht und daraus darf für geschlossen werden. Jentzen hat sich bei der Auffassung des Bildes von jenem gleichsam schwindelnden Reiz des Helldunkels, das den ver⸗ wegenen und schwungvollen Moment umschwebt,

gefühlvoller Zartheit geführt. Bekanntlich existirt das Bild noch ein⸗

mal im Kaiserl. Belvedere zu Wien, und daß dieses ein Original sey,

steht außer Frage, der Augenschein lehrt es; darum aber bie Origina⸗

lität unseres Bildes, welches auch eine gute Beglaubigung für sich bat, in Zweifel zu ziehen, wäre gewagt; jedenfalls gehören dann beide Bil⸗

der ganz verschiedenen Epochen des Künstlers an, das Wiener in die frühere, das unsrige in die spätere Epoche. in der Zeichnung und in Form, Farbe und in der tieferen Mystik des Helldunkels. nau entspräche, als diese Lithographie dem unsrigen, neben einauder halten zu können. der Leda,

ngen litten haben; die Restauration von Schlesinger, welche einer früheren

Die Künstlerin vereinigt

Außer zwei schon früher von ihm gespiel⸗

Der Plan geht dahin, eine Sammlung von etwa Publikum zu lie⸗

und

burg, genannt: der väterliche Rath, und drittens eine Kindergruppe von

1 nicht ohne Begeiste⸗ rung für die Schönheiten des Originats gezeigt und den Cravon mit

Jenes hat seine Vorzüge dem noch zarteren Gefühl für Umriß und üunseres dagegen in den volleren und lyrischeren Accorden der Wie interessant würde es seyn, eine Abbildung, welche dem Wiener Original gleich ge⸗

Bekauntlich ist der Kopf unseres Bildes, gleich dem leider nicht mehr Hriginal, ein Schaden, den die Bilder in

der Gallerie des Herzogs von Orleans, der sie dereinst angehö rten, er⸗

Französischen nachgeholfen hat, läßt aber diesen Verlust, so be deutend er auch ist, doch nur bei näherem Suchen, und wenn man davon weiß, empfinden.

Das Bild von Terburg ist von Wildt mit all der Feinheit und Delikatesse behandelt worden, welche es seinem Darsteller zur Pflicht macht; der sanfte Vorwurf des Vaters und die beschämte Stellung der Tochter, welche sich sogar vor dem Beschauer verbirgt und ihn nur ihr Atlaskleid bewundern läßt, Alles ist trefflich vorgestellt, namentlich auch dies vielgerühmte Arlaskleid; in den reichen Falten des glatten Stoffes glaubt man auch in der Lithographie die farbigen Reflexe zu erkennen. Bei der Darstellung des kleinen Bildchens von Rubens Hand vatte der gewandte Künstler, Fischer, einen schweren Stand, weil der freie und frische Pinsel dieses Meisters und seine gewagte Carnation in den zur Monotonie neigenden Mitteln des lithographischen Cravons kaum irgend ein Analogon findet. Dennoch ist der Charakter wohl gefaßt und in leichter und gefälliger Behandlung wiederagegeben.

Das nächste Heft wird zwei der größten Schätze unseres Musenms bringen, die Bilder von Titian und Murillo; hinsichtlich beider sind wir gleich sehr gespannt, zu sehen, was die lithographische Kunst auch bei uns leisten könne. Auch auf die Landschaft wird man sich wenden; der Prospectus verspricht das große Bild von Clande Lorain, ferner Rupsdael und Everdingen.

Auf Seiten des Drucks hat man es nicht an Fleiß und Sorgfalt fehlen lassen; bliebe hier etwas zu wünschen, so wäre es in der Schwärze, welche, verglichen mit der Pariser, zugleich noch leichter und noch tie⸗ fer seyn kann. Das Blatt von Wildt ist in dem hiesigen König. lhographischen Institut gedruckt worden; die Blätter von Jentzen und Fischer hbei Haufstengel in Dresden. 8

Wer gerecht seyn will, wird allen Betheiligten zugestehen müssen, daß sie bemüht waren etwas Tüchtiges zu geben, das der Aufgabe würdig sev. Möge denn das Unternehmen der Lithographie, welche bei uns eine so ausgedehnte und so hochgestellte Aufgabe noch nicht gehabt hat, einen neuen Schwung mittheilen, namentlich sofern die Nachbildung der Werke alter Meister ihr Gediegenheit, Ernst und Stvl verleihen fönnen; ohnedies hat sie in der nenerdings auch bei uns mit so vielem Glück ausgeübten schwarzen Kunst eine gefährliche Rivalität zu bestehen.

Gr.

Dauer der Eisenbahn⸗Fahrten am 5. Juni.

Sbgang Zeildauer Abgang Zeirdauer M.

8 von 8 EqEE1II11“ St. p Uhr Morgens. 142 .

——ℳk

Potsdam. St. Um 8 Vormitt.. 43 Nachmitt.. 44 12 - S 8 45 2 Abends.. 41 1 Z“ 54 .—

Um 6 ½ Uhr Morgens.. - Bormitt... Nachmitt.

Abends.. I

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1“ Amsterdam, 2 Juni Niederl. wirkl. Schuld 5113 6. 5 % do. 100. Kanz-Bill. 2412 c. 5 %, Span. 22 1. Passive 55 ⁄⁄1 Ausg. —. Ziusl. —. Preuss. Präm. Sch. —. Pol. —. Oesterr. 1057 3. Antwerpen, 1. Juni. Zinsl. 5 à¾. Neue Anl. 223⁄16 Br. Hamburg, 4. Juni Bank-Actien 1645 Br. Engl. Russ. 1077⁄⁄.

London, 1. Juni.

Cons. 3 % 89 ¾. Belg. 100. Neue Anl. 23 ½. Passive 5 ½. Ausg. Sch. 11 ¾. 2 ½ % Holl. 52 1. 5 % 99 ⁄½. 5 % Port. 33 5⁄1. 3 % 20. Engl. Russ. 113 ½. Bras. 67 ½. Coölumb. 213 ⁄1. Mex. 28. Peru 15 ½. Chili 61.

Paris, 1. Juni. h 5 % Rente fin cour. 114. 75. 3 % Kente fin caur. 78. 80. G“ au compt. 104. 60. 50 % Span. Rente 24 ¾4 Passive 5 1. ort. —.

590% 20 3 0

Wien, 1. Juni.

Bank-Actien 1654. Apl. de 1834 134. de 1839 110.

W 111111““ Montag, 7. Juni. Kein Schauspiel. Das Blllet⸗Verkaufs⸗Buͤreau ist an diesem Tage geschlossen. Dienstag, 8. Juni. Im Schauspielhause: Richard Savage, Trauerspiel in 5 Abth., von C. Gutzkow. (Herr von Lavallade, vom Stadttheater zu Frankfurt a. M.: Richard Savage, als Gastrolle.)

Koͤnigsstaͤdtisches Theater.

Montag, 7. Juni. Keine Vorstellung.

Dienstag, 8. Juni. Der Talisman. Posse mit Gesang in 3 Akten, von J. Nestroy. Musik von A. Muͤller.

Mittwoch, 9. Juni. (Achtzehnte Italiaͤnische Opern⸗Vor⸗ stellung.) L'Elisir d'amore. (Der Liebestrank). Opera buffa in 2 Alti. Poesia del Signor Romani. Musica del Maestro Gaetano Donizetti.

Preise der Plaͤtze: Ein Platz in den Logen und im Balkon des ersten Ranges 1 Rthlr. ꝛc.

Der Anfang der Italiaͤnischen Opern⸗Vorstellungen ist um 6 ½ Uhr. Die Kasse wird um 5 ½ Uhr geoͤffnet.

Textbuͤcher in Italiaͤnischer und Deutscher Sprache sind im Biller Verkaufs⸗Buͤreau und Abends an der Kasse à 5 Sgr. zu haben.

Verantwortlicher Redacteur Dr. J. W. Zinkeisen.

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Gedruckt bei A. W. Hayn.

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Allgemeiner

Bekanntmachunge Mund, gute Zäh des Kinn, angenehme Gesichts⸗ halten daber für überflüssig, zur . * Zähne, rundes Kinn, angenehme Gestc 1m 8

8 1 2 8 dusdung gesunde Gesichtsfarbe, wohlklingende Sprache, durchaus nach authentischen Quellen schrift weiter Worte zu mashen nn

vemerken, daß sie in allen Buchhandlungen zu haben ist. ferkrin Sarkophe Saceaet bemerken, si Mag ngerchtmann. Tranerkränze auf den Sarkophag Seiner Hochseligen

E1ö11ö1n Her unten näher bezeichnete ehemalige Regierungs Civil⸗Supernumerarius Friedrich Wilheim Leo⸗ pold Nicolaus vomn Breansky, welcher wegen

braune Haare und Augenbraunen und freie Stirn. Potsdam, den 2. Juni 1841. Königliches Stadtgericht hiesiger Residenz.

Diebstahls zur Untersuchung gezogen worden, hat sich vor seiner Verhaftung von hier heimlich entfernt, und es ist sein Aufenthalt bis jetzt nicht bekannt geworden.

Es werden daher alle resp. Militair⸗ und Civil⸗Be⸗ vörden unter Erbietung ähnlicher Gedendienste hier durch ersucht, auf den gedachten v. Breauskv vigili⸗ ren, ihn im Betretungsfalle verhaften und gegen Er⸗ satlung der Kosten an unsere Gefangen⸗Anstalt ablie⸗

fern zu lassen. Signalement.

dam geboren, 5 Fuß 6 Zoll

Literarische Anzeigen. DSDie letzten Tage Sr. Majestät V Der 7. . Friedrich G Gesang mit Begl. des Pfte. Preis: 2 ½ sgr. Eine Erinnerungsschrift auf das Jahr 1840 von 8

8 F. E. Freiherrn von Hackewitz, 1“

Lieutenant im Kaiser Alexander Grenad. Reg. Der Name und die Stellung des Hrn. Verf. wer⸗ an den 7. Ju ni, Der ꝛc, von Breanskp ist 20 ½ Jahr alt, in Pots⸗ den schon allein verhüten, daß man dies Werkchen mit des Hochseligen groß, schlanker Statur, in die Klasse der vielen Broschüren zählt, welchen die hat graue Augen, eiwas gebogene Nase, gewöhnlichen leidige Speculation ihr ephemeres Daseyn gab. Wir Das Testament desselben nebst dem Erlaß Sr. Maje⸗

ist so eben erschienen: Wilhelm s

8 u m.

Anzeiger fuͤr die Preußise Empfehlung dieser

bearbeiteten Denk⸗ begnügen uns, zu

leaen , V

den Todestag Sr. Majestät Buch⸗ u. Kunsthändler, unter den Linden Nr. 23, im Königs Friedrich Wilhelm II. des Gerechten. 1

hen Staaten.

stät des regierenden Königs, in Form eines Tableau erfunden und gez vom Professor Klöben. Große Ausgabe 20 sgr. Kleine Ausgabe 10 sgr.

Majestät König Friedrich Wilhelm's III. 9S

2te Anf⸗

lage. 10 sgr.

In der Weipleschen Buchdr., Spandauerstr. 49, Erinnerungen aus den ersten Tagen des Juni 1840.

Juni 1841.

3 Gedichte von A. Kopisch. 5 sgr. Ansicht des Mausoleums in Charlottenburg, gez⸗ und lithegr. v. Lütke, groß Quer⸗Quart, schwarz 7 ½ sgr.,⸗ fein ausgemalt 20 sgr.

8 Erschienen und zu haben bei ““ 6. H. Svyhrdeder,

ööe“

Jagorschen Hause.

Posen den Titel eines Rechnungs⸗Rathes zu verleihen.

nach Dresden.

* zwischen

sischt Staͤats⸗.

Berlin, Dienstag den 8üen Juni

n a . Amtl. Nachr. 8 b 1

Rußland u. Polen. St. Petersb. Ankunft des Kaisers in Mos⸗

kau. Neue Erzbischöfe. Hospital auf der Insel Oesel.

Frankreich. Paris. Pairs⸗Kammer. Simon Didier. Zur Bevölkerungs⸗Statistik von Frankreich. Vermischtes. Privat⸗ schreiben. (Die Resultate der Session der Deputirten⸗Kammer; die orientalische Frage; der Gesetz⸗Entwurf über das literarische Eigen⸗ thum; votirte Gesetze; Vorzüge und Nachtheile der Pairs⸗Kammer.)

Großbrit. u. Irland. London. Petition von Stroud gegen Aen⸗ derungen der Korngesetze. Beschluß der Schottischen General⸗Kir⸗ chen⸗Versammlung in der Patronatssache. Napier's Erklärun hin⸗ seines Kommando's. Frankreichs Verpflichtung hinsichtlich Algiers. vom Cap. Vermischtes.

Niederl. Haag. Reisen hoher Personen.

b’ Brüssel. Abreise der Herzogin von Kent. Wahl⸗Um⸗ riebe.

Deutsche Bundesst. Regensburg. Feuersbrunst in Wörth. Hannover. Der Kronprinz Mitglied der ersten Kammer. Prä⸗ sidenten⸗Wahl in erster und zweiter Kammer. Darmstadt. Zu⸗ sammenstoß zweier Dampfschiffe auf dem Rhein. Deßau. Berlin⸗ Anhaltische Eisenbahn. Frankfurt. Privatschreiben. (Die orien⸗

v. Angelegenheiten. Börse und Geldmarkt. Bäder.)

Hesterreich. Schreiben aus Wien. (Fest auf der Villa⸗Metternich. Raaber⸗Eisenbahn. Türkische Post. Literarisches und Thea⸗ tralisches. Preis⸗Bühnenstücke.)

Italien. Neapel. Mord⸗Anfall auf einen hierher berufenen Deut⸗ schen. Dampfschifffahrt und Eisenbahn.

Spanien. Madrid. Privatschreiben. (Erstes Auftreten des neuen Ministeriums. Die Vormundschaft der Königin Isabella.)

Portugal. Mißhelligkeiten zwischen Spanien und Portugal.

Nord⸗Amerika. Beginn des Prozesses gegen Mac Leod. Neue Kommission zur Entscheidung der Amerikanischen Gränz⸗Frage.

Inland. Aachen. Taufe eines Chinesen. Die Insel Hong⸗Kong und die Bai von Canton. Wiss., K. u. Lit. Kunst⸗Bericht aus Wien.

Amtliche Nachrichten.

Kronik bdes Tages.

Se. Majestaͤt der Koͤnig haben Allergnaͤdigst geruht: Dem Ober⸗Landesgerichts⸗Deposital⸗Rendanten Muͤller zu

Se. Koͤnigl. Hoheit der Prinz Karl ist aus der Provinz Sachsen und Se. Koͤnigl. Hoheit der Prinz Albrecht ist von Freystadt

hier eingetroffen.

Angekommen: Se. Excellenz der Geheime Staats⸗Minister Rother, von Luͤben.

Abgereist: Se. Excellenz der General⸗Lieutenant und Com⸗ mandeur der Garde⸗Infanterie, von Roͤder, nach Neu⸗Strelitz.

Der Koͤnigl. Schwedische Ober⸗Jaͤgermeister Syckrona,

Ausland.

Rußland und Polen.

St. Petersburg, 30. Mai. Am 25. d. M. ist Se. Maj. der Kaiser in Moskau angekommen. Das Volk eilte sogleich nach dem Kreml, um den Landesvater in gewohnter Weise zu be⸗ willkommnen. Ein Bericht in der Nordischen Biene theilt ber diese Scene Folgendes mit: „Weder die Geschaͤfte des Ta⸗ ges, noch Lebens⸗Sorgen konnten die Moskowiter von der Woh⸗ nung des Monarchen zuruͤckhalten, und Tausende draͤngten sich den Kathedralen und dem Palast. Um 11 Uhr begann das Gelaͤute der Glocken auf dem Iwan Welikij, und in der freudigen Ungeduld, ihren Monarchen zu sehen, schienen die Volkshaufen sich zu verdoppeln. Als der Kaiser auf die Freitreppe trat und, begleitet von einem glaͤnzenden Gefolge, sich in den Dom zur Himmelfahrt Mariaͤ begab, be⸗

zeugte das Volk durch lauten Freudenruf sein Gluͤck, als wolle

es Ihm feine ganze Freude, alle treuen Gefuͤhle seiner Seele wiedergeben. Bei dem Eintritt in die Kathedrale wurde Se. Majestaͤt der Kaiser von dem Metropoliten von Moskau und

der angesehenen Geistlichkeit mit dem Kreuze und dem Weih⸗

wasser empfangen; nun begann das kurze Dankgebet, worauf der Monarch Seine Andacht vor den Heiligenbildern und Reliquien der heiligen Maͤrtyrer verrichtete. Nachdem Se. Magestaͤt den Dom verlassen, besichtigten Sie die Granowitaja Palata, die Er⸗ kerzimmer, den erneuten Palast, und begaben sich zur Mittags⸗ tafel in den Petrowskischen Palast, zum Empfange der hohen

Neuvermaͤhlten.“

Der Kaiser hat den bisherigen Bischof von Tamboff und

Schatzk, Arsenius, zum Erzbischof von Podolsk und Bratslav er⸗

nannt und zu gleicher Zeit die Bischoͤfe von Minsk, Mohilew und Polotzk zu Erzbischoͤfen 8g f Mohile Der Adel der Insel Oesel errichtet auf seine eigene Kosten

zu Arensburg ein Hospital fuͤr invalide Soldaten, di Guͤtern dieses Adels rekrutirt worden. E.ö

8 Frankreich.

Paris, 2. Juni. Die Pairs⸗Kammer votir 8 i 4 irte in ihrer gestri⸗ gen Seganhn mehrere Gesetz⸗Entwuͤrfe; darunter einen, 15 Gesetz in Betreff der fremden Fluͤchtlinge bis zu Ende des Jahres

6

Bauholz⸗Einfuhr aus Preußen. Ausfuhr von Wolle

Gericht zu stellen.

V geben worden. 8 tivirt werden, daß in dem Briefe behauptet wird,

1842 verlaͤngert und einen anderen, der die Konzession der Eisenbahn von Bordeaux nach der Teste in verschiedenen Punkten modifi⸗

zirt. In der heutigen Sitzung begann die Kammer die

Eroͤrterung des Gesetz⸗Entwurfs der außerordentlichen und nachtraͤglichen Kredit⸗Bewilligungen fuͤr das Jahr 1841. Der Graf von Alton Shee machte einen heftigen Ausfall auf das Ministerium vom 1. Maͤrz. Diesem waͤlzte er die Verant⸗ wortlichkeit fuͤr alle begangenen Fehler auf; es habe Frankreich isolirt und seinen Austritt aus dem Kongresse der Europaͤischen Maͤchte herbeigefuͤhrt, indem es Bedingungen ausgeschlagen, welche eben so vortheilhaft fuͤr Frankreich selbst, wie fuͤr Meh⸗ med Ali gewesen, durch seine Zoͤgerungen und Weigerungen habe es den Abschluß des Traktats vom 15. Juli ohne Frankreichs Beitritt veranlaßt. Es habe Frankreich uͤber⸗ redet, daß es beleidigt sey, und doch nichts gethan, um es zu raͤchen. Der groͤßte Vorwurf aber, der es treffe, sey der Vorschlag zu den Fortificationen. Der Herzog von Har⸗

court sprach sich dagegen aus, daß man das vorige Ministerium

noch angreifen wolle, nachdem man einen Theil seiner Handlun⸗

gen gebilligt, und ihm durch die geheimen Fonds ein Vertrauens⸗

Votum bewilligt. Der Baron Pelet wies auf die Nothwen⸗

V digkeit hin, welche damals vorhanden gewesen, das Kriegs⸗ Mate⸗ rial zu vermehren. Der Baron Dupin behauptete, der Efek⸗ tiv⸗Bestand der Armee sey im Jahre 1840 garnicht so gering ge⸗

wesen, als man glaube, und habe sogar die gesetzliche Zahl um 1840 Mann uͤberstiegen, die Zahl der Pferde sey kaum ein Zwan⸗ zigtheil unter den Veranschlagungen gewesen. Zugleich wies er darauf hin, daß die fremden Maͤchte sich durch die Franzoͤsischen Ruͤstungen nicht haͤtten bewegen lassen, den Bestand ihrer Armeen auch nur um einen Mann zu vermehren, und daß sich Frankreich somit ganz allein durch die bedeutenden Ausgaben und Ruͤstun⸗ gen geschwaͤcht habe.

Wie es scheint, beabsichtigt die Regierung, Simon Didier wegen des Briefes, den er zur Rechtfertigung seines Vaters in die „Gazette de Dauphiné“ hatte einruͤcken lassen, unter Anschuldigung der Aufreizung zum Hasse gegen die Regie⸗ rung, und der Beleidigung gegen die Person des Koͤnigs vor Ein Blatt will sogar wissen, es sey beschlos⸗ sen worden, den Prozeß vor den Pairshof zu bringen; doch waͤre auf Vorstellung des Großkanzlers dieser Entschluß wieder aufge⸗ Die gerichtliche Verfolgung wuͤrde dadurch mo⸗ es habe im Jahre 1816 eine Verschwoͤrung bestanden, zu welcher Didier, der Vater des Briefstellers, den Plan entworfen, und die zun Zweck gehabt haͤtte, den Herzog von Orleans auf den Thron u setzen.

1 Folgende Liste giebt das Wachsen der Volksmenge in Frank⸗

reich seit 140 Jahren an:

Dieselbe wurde veranschlagt: Im Jahre 1700 auf 1762 » 1784 1800 1806 1811 1826

19,669,320 21,769,933 24,800,000 27,349,003 29,107,125 30,461,875 31,858,937 1831 32,569,223 1836 33,540,910

Berichten aus Algier zufolge, hatte der General Guesviller, welcher eine Abtheilung in der Provinz Konstantine befehligt, die Stadt Zamura, welche 12 Meilen nordoͤstlich von Setif liegt, eingenommen. 8

Der General Hamilton, Gesandter der Republik Texas, ist von London hier eingetroffen.

Vor einiger Zeit wurde gemeldet, Simon Deutz, der Ver⸗

Ergaͤnzungs⸗Kredite fuͤr die Jahre 1838 und 1839 1

Zuschuß⸗ und außerordentliche Kredite fuͤr 1840

Zuschuß⸗ und außerordentliche Kredite fuͤr 1841

Budget fuͤr 1842 und Zuschuß⸗ und außer⸗ ordentliche Kredite fuͤr dieselbe Finanz⸗Epoche

5,715,765 Fr. 198,754,825 229,579,714

1,380,160,075 G8 1,877,210,380 Fr.

Unter den Krediten fuͤr 1842 figurirt das von der Deputir⸗ ten⸗Kammer votirte Jahres⸗Budget mit der Summe von 1276 Millionen Fr. Die lebhaftesten und anhaltendsten Diskussionen riefen die fuͤr 1840 und 1841 verlangten Kredite (im Betrage von 198 und 229 Millionen) hervor, worunter die Ausgaben fuͤr die juͤngsten Ruͤstungen mitbegriffen sind. Bei beiden Gelegenheiten kam die orientalische Frage zur Sprache und die Vorwuͤrfe, welche sich das gestuͤrzte Kabinet und das jetzige Ministerium ge⸗ gegenseitig machten, wurden zuweilen bis zur ungemessensten Hef⸗ tigkeit getrieben. Im Allgemeinen haben in dieser langen De⸗ batte uͤber die orientalischen Angelegenheiten, die mit der Eroͤrte⸗ rung der Adresse begann und erst mit der Session selbst endigte, die Kaͤmpfenden ihre sehr deutlich bezeichneten persoͤnlichen In⸗ teressen durchblicken lassen. Man hat sich von beiden Seiten große Muͤhe gegeben, gegenseitige Fehler auf udecken, um An⸗ klage Punkte daraus zu bilden und was man gethan, sich zum Ver⸗ brechen anzurechnen; aber nach Beendigung aller dieser parlamen⸗ tarischen Streitigkeiten ist das Problem doch nicht geloͤst. Das System des lsten Maͤrz, welches nicht die Billigung des Lan⸗ des hatte und die Empfindlichkeit Europas erregte, besteht fort; es ist noch immer der bewaffnete Friede, allerdings in etwas weniger starken Verhaͤltnissen, als unter dem Kabinet des Herrn Thiers. Die Sprache ist eine andere, aber die Thatsachen sind dieselben, und jene langen und lebhaften parlamentarischen Evo⸗ lutionen haben den Stand der Dinge definitiv nicht merklich ge⸗ aͤndert. Der Konflikt in den Formen ist weniger gewaltsam, ohne daß deshalb die Elemente der Uneinigkeit verschwunden oder auch nur modifizirt worden waͤren.

Man hat auf der Tribuͤne freilich erklaͤrt, daß die Politik des Herrn Thiers geaͤndert worden sey, und daß man ein dem seinigen entgegengesetztes System angenommen habe, naͤmlich das des allgemeinen Friedens. Aber nachdem dies Glaubensbekennt⸗ niß einmal abgelegt worden war, war es logisch nothwendig, die Entwaffnung zu beginnen, die von Herrn Thiers verschwendeten wieder zu ordnen, und endlich Handlungen und Worte in Uebereinstimmung zu bringen. Aber was haben wir statt dessen gesehen? Welches sind die Buͤrgschaften des Friedens, die wir geben? Die Befestigung von Paris, die Befestigung der Graͤnze in ungewoͤhnlichem Maaßstabe, die Vermehrung der Ar⸗

ariffe, jene Vorwuͤrfe der Verschwendung und der skandaloͤsen

raͤther der Herzogin von Berry, habe sich selbst den Tod gegeben. Man erfaͤhrt jetzt, daß diese Angabe falsch war.

„. Paris, 2. Juni. Die Session von 1841 ist de facto geschlossen, die Deputirten haben Paris verlassen und die Pairs⸗ Kammer ist wie gewoͤhnlich gezwungen, die Finanz⸗Gesetze so wie sie von der Deputirten⸗Kammer angenommen worden sind, zu votiren, ohne die geringste Veraͤnderung mit denselben vorneh⸗ men zu koͤnnen. Bezug auf das Budget die Haͤnde gebunden, sondern auch noch andere Gesetze erwarten ihre unbedingte Sanction; so die Gesetze uͤber die außerordentlichen Kredite fuͤr 1841, uͤber die außerordent⸗

lichen oͤffentlichen Arbeiten, uͤber die Rekrutirung, uͤber die Re⸗

serve⸗Armee u. s. w. Die beiden letzten Gesetze finden ernstlichen Widerspruch, allein die Pairie kann nichts daran aͤndern, da die Deputirten⸗Kammer sich de facto aufgeloͤst hat und das Ministerium ihr die Dringlichkeit und Wichtigkeit des Votums entgegensetzt. Man begreift, daß bei dieser Verfahrungs⸗ weise die Gesetze der Pruͤfung eigentlich nur einer einzigen der gesetzgebenden Gewalten unterliegen. Dies schadet ebensowohl der Vervollkommnung der Gesetze, als der Unabhaͤngigkeit der Pairie, welche sich die von der Constitution ihr uͤbertragene Ge⸗ walt unter den Haͤnden entziehen laͤßt. Seit zwoͤlf Jahren be⸗ folgt man dasselbe Verfahren: Das Budget wird erst am Ende der Session diskutirt und sobald dies Geschaͤft abgethan ist, rei⸗ sen die Deputirten in aller Eile ab; dann bleibt der Pairs⸗Kam⸗ mer nur die Alternative, entweder das Budget zu verwerfen, in⸗

dem sie es in dem einen oder dem anderen seiner Theile modi⸗

fizirt, oder es ohne Diskussion absolut anzunehmen. Man weiß, daß sie stets das Letztere thut, indem sie sich lebhaft uͤber einen 2 beklagt, der sie einer ihrer bedeutendsten Praͤrogativen eraubt.

Die Session von 1841 war vornehmlich eine Geld⸗Session und zu keiner Zeit hat man in einer einzigen Parlaments⸗ Sitzung so außerordentliche Summen votirt. Saͤmmtliche bewilligte Kredite betragen nicht weniger als 1814 Millionen Fr.; sie wurden durch 36 verschiedene Abstimmungen und zwar zu folgenden Ausgaben bewilligtt

d

Aber in diesem Jahre sind ihr nicht bloß in

Bnf ciss vssitt F.

mee durch Bildung neuer Cadres und die Verstaͤrkung der Mi⸗ litair⸗Marine in einem Verhaͤltnisse, das an einen bevorstehenden Seekrieg glauben machen koͤnnte. Dies sind die politischen Re⸗ sultate der Session und jener langen Verhandlungen, bei welchen die Interessen Frankreichs und Europa's so wenig in Betracht gezogen worden sind. Und diese Politik wird durch die Votirung von mehr als 1800 Millionen unterstuͤtzt, wobei sich doch auch noch die Summen befinden, die dem 1. Maͤrz jene heftigen An⸗

Verwaltung zugezogen haben. Es war in der That kaum der Muͤhe werth, die Zeit der Session mit einer solchen Polemik zu verschwenden, um zuletzt zu einem solchen Resultate zu gelangen. Mehr als dreißig Sitzungen sind direkt oder indirekt der orienta⸗ lischen Frage gewidmet gewesen, und diese Frage erscheint gleich⸗ wohl jetzt nicht besser bestellt, als vor sechs oder acht Mona⸗ ten zur Zeit der Ernennung des gegenwaͤrtigen Ministeriums. Leider ist dies haͤufig das Schicksal eines Parlaments, wo die Partei⸗-Leidenschaften und die persoͤnlichen Anspruͤche die wichtig⸗ sten Interessen beherrschen.

In Bezug auf die Inkonsistenz des Votums und die unmäͤßi⸗ gen und weitschweisigen Diskussionen hat die Orientalische Ange⸗ legenheit ein Seitenstuͤck in dem Gesetz⸗Entwurf uͤber das li⸗ terarische Eigenthum. Hier ist der Gegenstand weit weni⸗ ger wichtig und die Entwickelung ist nur laͤcherlich, ohne gefaͤhr⸗

lich zu seyn. Dieser Gesetz⸗Entwurf, der von einer Kommission

ausgearbeitet worden, welche die genauesten Untersuchungen an⸗ gestellt hatte, wurde mit einigen Aenderungen von der Pairs⸗ Kammer angenommen. Von da gelangte er in den Palast Bour⸗ bon. Die Kommission der Deputirten⸗Kammer begann ihre Ar⸗ beiten. Vaudevillisten, Journalisten, Dichter, Historiker, Pro⸗ fessoren und Advokaten wurden von der Kommission gehoͤrt, Je⸗ dermann sagte seine Meinung und Alle, Reiche und Arme, woll⸗ ten, daß das literarische Eigenthum ewig dauern und wenn es sich thun lasse, eben so gut garantirt werden solle, wie das Eigen⸗ thum des Bodens. Schriften mußten naruͤrlich bei einem solchen Gegenstande dem Worte zur Huͤlfe kommen und man sah in der That unzaͤhlige Broschuͤren das kuͤnftige Schicksal noch nicht erschienener Werke vertheidigen. b Die gut unterrichtete und aufgeklaͤrte Kommisston ernannte Herrn von Lamartine zu ihrem Berichterstatter. Man kennt den in einer schoͤnen und edlen Sprache geschriebenen Bericht, voll feiner und origineller Ueberblicke, voll Eleganz und Harmo⸗ nie des Stils, aber ohne allen praktischen Blick, ohne alle tra⸗ ditionelle Gedanken, nichts von der Erfahrung, und alles von der Phantasie fordernd. Er wuͤrde bei Jedermann, nur nicht bei den Juristen, Beifall gefunden haben, und obgleich er nicht die ewige, sondern nur die 30jaͤhrige Dauer des literarischen Eigen⸗ thums festsetzte, so betrachteten dennoch gewisse Leute Herrn von Lamartine als den Gruͤnder einer neuen Aera fuͤr die Werke des Geistes. Aber dies war nicht Alles; er mußte den Bericht und dessen Folgerungen vor der Kammer vertheidigen. Diese, weni⸗

ger poetisch, als der Berichterstatter, wollte klare, genaue und be⸗

stimmte Artikel eines Gesetzes; sie ging in die praktischen Details ein, stuͤtzte sich auf die alte Gesetzgebung und begann mit einem Worte Untersuchungen, in denen Rechtsgelehrte einen un⸗ geheuren Vortheil uͤber die ausgezeichnetsten Poeten haben. Herr von Lamartine, wenig vertraut mit dem Codo civi