ö“ 1u“ 8 8 — 111“] gen ist. Diese brutalen Verse sind uͤbrigens, und diese Thatsache perdient alle Beachtung, bis heute nur von einem einzigen Jour⸗ nale wiederholt worden, wogegen dann freilich auf der andern Seite sich keine Stimme erhoben hat, um sie, wenn auch nur im Namen des guten Geschmacks, zu desavouniren. Fuͤr eine Entgegnung aus Deutscher Feder wuͤrde sich schwerlich ein Platz in irgend einem der bedeutenderen Blaͤtter finden, denn die Pa⸗ riser Presse, so vielfach auch ihre Meinungsschattirungen sind, beobachtet einmuͤthig und unverbruͤchlich die Taktik jede Idee, ede Ansicht, die ihren Interessen oder ihren Vorurtheilen nicht entspricht, durch ein systematisches Schweigen zu ersticken.
Die Kabinets⸗Krisis ist dies Mal gluͤcklich abgewendet; der zuversichtliche Ton, die ganze Art und Weise in welcher sich das Zournal des Debats heute aͤußert, laͤßt Niemandem, der die Bewohnheiten dieses Blattes kennt, den geringsten Zweifel dar⸗ uüͤber. Der Marschall Soult ist in der That der unentbehrliche Mann des Augenblicks, nicht weil seine Individualitaͤt durchaus nothwendig ist, sondern weil sein Ruͤcktritt die Aufloͤsung des gan⸗ zen Ministeriums zur unvermeidlichen Folge, und die Bildung eines neuen Kabinets unendliche Schwierigkeiten haben wuͤrde. Daher ist es denn auch ganz natuͤrlich daß man Alles aufgeboten, keinen Schritt gespart und keine Concession gescheut hat, um den Kriegs⸗Minister zur Beibehaltung seines Portefeuille zu bestimmen.
Großbritanien und Irland.
Parlaments⸗Verhandlungen. Oberhaus. Sitzung vom 7. Juni. Graf Fitzwilliam zeigte an, daß er am 15ten d. (wenn naͤmlich das Parlament dann noch versammelt ist) darauf antragen werde, das Haus solle erklaͤren, daß die Angemessenheit der Beibehaltung der jetzigen Korngesetze gleich zu Anfange der naͤchsten Session in Berathung gezogen werden muͤsse. Lord Brougham, der an diesem Abend nach seiner Ruͤckkehr vom Kontinent zum erstenmale wieder im Parlamente erschien, aͤußerte sich sehr erfreut uͤber den Schritt, welchen das Ministerium in Betreff der Korngesetze gethan. Er bedauerte es, daß das Haus dieser Sache keine günstigere Erwaͤgung ge⸗ schenkt habe. Den Vorschlag eines festen Zolles begruͤßte er mit Freuden als den ersten Schritt zu einer gaͤnzlichen Aufhebung
der Korngesetze.
Unterhaus. Sitzung vom 7. Juni. Das Haus bot an diesem Abend schon lange vor dem Beginn der Verhandlun⸗ gen einen sehr belebten Anblick dar; jeder Platz im unteren Raume und auf den Gallerieen war besetzt, und eine Anzahl von Mit⸗ gliedern stand um den Sprecherstuhl, um die beiden Parteifuͤh rer, von denen Vortraͤge erwartet wurden, besser zu hoͤren. Man mußte sich indeß einige Zeit gedulden, da noch mehrere vorlaͤu⸗ fige Geschaͤfte abzumachen waren Endlich erhob sich Lord John Russell, um das Verfahren anzugeben, welches das Ministe⸗ rium einschlagen wolle.
„Man wird sich erinnern“, sagte der Minister, daß ich meine MPeotlon in Betreff der Korngesetze au dem Tage ankündigte, wo der Kanzler der Schatztammer sein Budget und die Finanz⸗Veranschlagun⸗
en für das Jahr vorlegte. etzte die Debatte darüber auf vorigen Freitag an. Es war allerdings meine Absicht, diese Frage, als eine von höchster Wichtigkeit, zur Sprache zu bringen, nicht bloß um ihrer Erörterung willen, — denn sie war schon früher oft erörtert worden, — sondern weil ich die An⸗ sicht des Hauses in Betreff der Angemessenheit einer Veränderung in den Korngesetzen und in Betreff des von mir im Namen der Regie⸗ rung vorzuschlagenden Prinzips dieser Veränderung genau zu erfahren wünschte. Der sehr ehrenwerthe Baronet (Sir R. Peel) zeigte indeß
vor vierzehn Tagen an, er wolle eine Resolution des Inhalts beantra⸗
en, daß die Minister, da sie nicht im Stande gewesen, die von ihnen lir die Wohlfahrt des Landes als wesentlich erachteten Maßregeln, durchzuführen, das Vertrauen des Hauses nicht besäßen, und daß ihr längeres Verbleiben im Amte mit dem Geist der Verfassung im Wider⸗ spruch sev. Als der sehr ehrenwerthe Baronet diese Anzeige gemacht hatte, stellte ich meinen Kollegen vor, daß, wenn dessen Motion eine Majorität erhielte, ich, meiner Ansicht nach, mich der von dem Kabi⸗ net erhaltenen Autorität nicht bedienen und den von mir im Namen der Regierung angezeigten Antrag nicht vorbringen dürfe. Ich gab ihnen 2 bedenken, daß es, wenn das Haus entschiede, die Minister be⸗ äßen sein Vertrauen nicht und dürften daher nicht im Amte verblei⸗ den, weder mit der schuldigen Ehrerbietung gegen das Haus, noch mit meiner Pflicht sich vertragen würde, demselben Unterhause noch eine so wichtige Maßregel, wie die Korngesetze, vorzulegen. Erst nach der am Sonnabend Morgen von dem Hause getroffenen Entscheidung brachte ich diese Sache im Kabinet wieder zur Sprache und äußerte ganz dieselbe An⸗ sicht, die ich schon früher ausgesprochen hatte. Ich fand, daß meine Kollegen nitmir gleicher Meinung waren, und ich werde daher die Korngesetze für jetzt nicht zur Diskussion bringen. Dabei sey es mir jedoch vergönnt, nicht auf die ganze Frage einzugehen, sondern nur zu erklären, daß ich durch keinen der verschiedenen Gründe, welche von ehrenwerthen Herren ge⸗ genüber gegen eine Veränderung der Korngesetze angeführt worden von der Vorbringung meiner Motion abgeschreckt worden bin. Die Hründe, welche das Ministerium bewogen haben, die Erwägung der Armengesetz⸗Bill aufzuschieben, sind, meiner Meinung nach, auf die Korngesetz⸗Frage durchaus nicht anwendbar. Man hat als einen Grund gegen das Vorschreiten mit der Diskussion der Korngesetze angeführt, daß dadurch die in dieser Hinsicht schon herrschende Aufregung noch würde vergrößert werden. Ich gestehe jedoch, daß ich eine solche Folge der Erörterung dieser Frage im Unterhause nicht für wahrschelnlich halte. Die Gründe, mit denen ich meinen Antrag unterstützt haben würde, beziehen sich auf die allgemeine Angemessenheit dieser Ge⸗ setze, und ich laube, ich würde im Stande gewesen seyn, zu zeigen, daß die Frage nicht nur die Erwägung des lUluterbanses verdient, Lüv 88 gegen eine Veränderung aufgestellten Argumente gichtlich der Fetpeiteeine aut 9 all die übertriebenen Behauptungen bin Interesße 8.ee er Zoll⸗Veränderung, nämlich daß das Agrikultur⸗ se dadurch mit einem Male ins Verderben gestürzt werden und
H. FE. des Landes aufhören würde, dürften durch liche Diskussion weit eher, als auf irgend anderem Wege, sich haben berichtigen lassen 8 — ge,
rung gekommen, so würd (Pört, vört!) Wäre die Sache zur Erörte⸗ ds h ein. süärkere Renes meiner Argumente gewesen seyn, daß, 3 8 evolkerung haben als früher, die auf der Nous avons eu, votre Rhin allemand Que faisaient vos vertus germaines Quand notre César tout -puissant De son ombre couvrait vos plaines? Ou tomba-teil alors, ce dernier ossement?
Nous l’'avons eu, votre Rbin allemane Si vous oublien votre histoire, Vos jeunes filles süͤrement Ont mieux gardé notre mémoire. Elles nous ont versé votre petit vin blane
Sil est à vous, votre Rhin allemand Lavez-y doncg votre livrée. Mais parlez en moins fieérement. Combien, au jour de la eurée, Üties- vons de corbeaux contre l'aigle expirant?
Qu'il coule en paixv, votre Rhin allomand. Que vos cathédrales gothiques S'v reflètent modestement. Muais craignez que vos airs bachiques Ne réveillent les morts de leur repos sanglant
Ich erneuerte diese Motion später und
Verantwortlichkeit dafür dem Ministerium überlassen.
704
„ Getraide⸗Einfuhr lastenden Gesetze den Handel mehr hemmten und ein
größeres Uebel für das Land seven, als irgend ein Korngesetz seit den Zeiten Karl'’'s II., mit Ausnahme desjenigen, welches von 1815 bis 1828 in Kraft war. Ein anderes meiner Argumente würde ich aus der Getraide⸗Einfuhr der letzten Jahre und dem Zoll, zu welchem diese Einfuhr stattfand, hergenommen haben, und ich glaube, es würde mir gelungen seyn, hieraus zu beweisen, daß man nicht be⸗ haupten könne, England würde in Betreff seines Getraide⸗Bedarfs ganz von anderen Ländern abhängig werden. Was die Behauptung betrifft, daß die jetzigen Gesetz darauf berechnet und dazu geeignet seven, den Agrikulturisten Schutz zu gewähren, würde ich, wie ich glaube, aus dem, was seit 1828 vorgefallen, haben darthun können, daß dieselben Acker⸗ bau⸗Noth nicht verhinderten, und daß der jetzt bestehende fluktuirende Zoll nicht nur die Wirkung hat, den regelmäßigen und beständigen Han⸗ del mit anderen Theilen der Welt, durch welchen Stetigkeit des Preises hätte aufrecht erhalten werden können, zu hemmen, sondern daß sie in der That ein Steigen der Preise in Preußen und anderen Theilen des Kontinents veranlaßten. Ich würde auch haben zeigen können, daß ein fester Zoll von einigen der talentvollsten Schriftsteller, die über diesen Gegenstand geschrieben, nicht aus dem Streben nach Volksbei⸗ fall, sondern in der Stille ihrer Gemächer und mit Rücksicht auf die Interessen und die Wohlfahrt des Volkes vertheidigt worden. Unmöglich kann ich die Beschuldigung unerwiedert lassen, die gegen das Ministerium erhoben worden, daß es diese Frage nur, um Aufregung
im Lande zu erzeugen, und nicht um der Sache selbst willen, habe zur Sprache bringen wollen. Unser Vorschlag sollte weder übertriebene Hoffnungen erregen, noch einen falschen Eindruck machen. Man be
denke nur, daß die ganze Grundlage, auf welcher das Budget einge⸗
bracht wurde, das Prinzip war, man könne nicht länger bei dem jetzi⸗
gen Prohibitiv⸗Svstem beharren, und der Ausfall in der Staats Ein⸗ nahme lasse sich durch eine Veränderung der Prohibitiv⸗Zölle decken. (Hört, hört!) Der Kanzler der Schatzkammer wäre vielleicht im Vor⸗ theil gewesen, wenn er seine Vorschläge mit Beiseitlassung der Kornge⸗ setze hätte machen können, wenn er diese Frage so gelassen hätte, wie sie seit einigen Jahren stand, wie sie unter der Verwaltung des Grafen Grey stand, nämlich als eine offene Frage, und wenn er sie gar nicht mit dem Vorschlag in Betreff der Zucker⸗ und Bauholz⸗Zölle hätte in Verbindung zu bringen branchen. Aber ich glaube nicht, daß dies redlich gegen die Agrikultur⸗Interessen gehandelt gewesen wäre. Wir durften, so scheint es mir, nicht den allgemeinen Grundsatz aufstellen, daß das Prohibitiv⸗Svstem aufgegeben, daß unser ganzer Tarif revi⸗ dirt, daß Veränderungen zu Gunsten einer Vermehrung der Staats⸗ Einnahme vorgenommen werden sollten, ohne zugleich die Korngesetz⸗ Frage vor dem Parlament zur Diskussion zu bringen. Es erschien mir als ein offeneres und redlicheres Verfahren, diese Prinzipien nicht nur mit Hinsicht auf die Vermehrung der Staats⸗Einnahme aufzustellen, — denn dies ist die geringste Rücksicht, — sondern mit Hinsicht auf die ver⸗ schiedenen anderen bedeutenden Interessen, welche dadurch berührt werden, und deshalb hielt ich es für das Beste, gleichzeitig eine Veränderung in den Korngesetzen 9c—sget. Der Minister widersprach dann dem ihm von Sir R. Peel am Freitage gemachten Vorwurf, daß das Ministerium zwei Budgets zu Anfang der Session entworfen hätte,
eines für gutes und ein anderes für schlechtes Wetter. Er erklärte dann, daß es nach der Abstimmung am Sonnabend unzweifelhaft sey, daß
weder das jetzige Ministerium, noch eines, an dessen Spitze Sir R. Peel
stände, das Land mit dem jetzigen Unterhause verwalten könne. Der einzige
Weg, aus dieser Schwierigkelt herauszukommen, sey daher, daß man dem
Lande die Entscheidung anheimstelle, indem man durch eine Auflösung des
Parlaments an dasselbe appellire. „Wenn“, sagte Lord J. Russell, „das
Land nach dieser Appellation sich für die jetzt in der Opposition befind⸗
liche Partei entscheidet, so würde es, meiner Ansicht nach, für die jetzi⸗
gen Minister unrathsam sevn, noch einen neuen Kampf zu beginnen
oder den bisherigen fortzusetzen, um sich im Amte zu behaupten. Wenn bingegen das Land anders entscheidet und den jetzigen Ministern eine Majorität giebt, so kann mit den Maßregeln vorgeschritten werden, die wir für das Wohl des Landes so wesentlich nöthig erachten. Dies ist Alles, was ich im Namen des Kabinets in Betreff des Verfahrens zu sagen habe, welches das Ministerium einzuschlagen beabsichtigt. Wir wollen heute Abend nur diejenigen Bewilligungen für den Civildienst verlangen, welche unumgénglich nöthig sind, um Ungelegenheiten zu vermeiden.“
Sir R. Peel antwortete, es sev im Lande allerdings die Meinung verbreitet, daß das Ministerium sein Budget erst ganz kürzlich in der Weise entworfen habe, wie dasselbe dem Hause vorgelegt worden, indeß wolle er gern der Versicherung des edlen Lords glauben, daß diese Mei nung irrig sev. Ueber die Angemessenheit der Parlaments⸗Auflösung enthielt er sich jeder Meinungs⸗Aeußerung, sondern wollte die ganze „Doch“, fügte er hinzu, „wenn diese Königliche Prärogative ausgeübt werden soll, so muß es so bald als möglich geschehen und das neue Parlament auch, ohne Rücksicht auf die persönliche Konvenienz der Mitglieder, so früh⸗ zeitig als möglich einberufen werden. Will mir der edle Lord die Ver⸗ sicherung geben, daß dies geschehen solle, so werde ich mich dem Antrage des Kanzlers der Schatzkammer auf Bewilligung der nöthigen Subsi⸗ dien für den Civildienst auf sechs Monate, vom 1. April an gerechnet, nicht widersetzen; aber einem Verfahren, welches die Minister in den Stand setzen könnte, die Einberufung des neuen Parlaments sechs Mo⸗ nate lang zu verzögern, kann ich mich nicht beigesellen.“
Lord J Russel!l erwiederte, da ihm die Ansichten seines edlen Freundes, des Premier⸗Ministers, in dieser Beziehung bekannt seven, so könne er ohne Bedenken erklären, daß man das neue Parlament ohne Säumen einberufen werde.“
Hiermit erklaͤrte sich Six R. Peel zufrieden, worauf eine große Anzahl von Mitgliedern, da das Haupt⸗Interesse der Sitzung voruͤber war, sich aus dem Hause entfernte und nach einigen weiteren Diskussionen zwischen beiden Parteien im Aus⸗ schusse die von dem Kanzler der Schatzkammer beantragten Sub⸗ sidien ohne Abstimmung genehmigt wurden.
London, §. Juni. Da durch den Beschluß der Parla ments⸗Aufloͤsung die Krisis in der Verwaltung fuͤrs erste besei⸗ tigt ist, so hat auch die Koͤnigin gestern London verlassen und sich mit ihrem Gemahl nach Windsor begeben, nachdem vorher Lord Melbourne noch eine Audienz bei Ihrer Majfestaͤt gehabt
atte.
h Feargus O Connor, der bekanntlich in Folge seiner charti⸗ stischen Umtiebe im Gefeͤngnisse sitzt, sagt in seinem Journal, dem Nothern Star: „Ich war erschrocken und wie vom Blitze getroffen, als ich von einer Uebereinkunft der Chartisten mit den Tories hoͤrte. Ich schreibe dies hauptsaͤchlich, um fuͤr meine Person gegen ein solches Verfahren zu protestiren. Und serner sagt man mir, daß die Tories mich losgeben wuͤrden! Großer Gott! Obwohl meine Glieder stark sind, wuͤrden sie mir doch den Dienst versagen, wenn sie erfuͤhren, daß sie ihre Freiheit den aͤrgsten Bedruͤckern meines Vaterlandes zu danken haͤtten. Wie? ich sollte Erlaubniß erhalten, umherzugehen und zu hoͤren: Er dankt seine Freiheit dem Baronet aus Tamworth, dem Manne, dessen Name in dem blutigen Verzeichnisse der neuern Unter⸗ druͤckung Irlands dicht hinter Castlereagh folgt! Wer hat so viel gethan, Katholiken gegen Protestanten, und Orangisten ge⸗ gen eingeborene Irlaͤnder aufzureizen, als Sir R. Peel? Nie⸗ mand! Und ich sollte umhergehen als ein lebendiges Denkmal der Dankbarkeit fuͤr eine Freiheit, die er meinem Vaterlande raubte? Nein! Nein! Nimmer! Eher stirbt OConnor! Diese Uebereinkunft hat meinen Entschluß fuͤr den Rest meiner Gefan⸗ genschaft besiegelt! Denn bei dem Schatten jedes gemordeten Ir⸗ aäͤnders, bei meines Vaterlandes Leiden schwoͤre ich, wenn mor⸗
gen von einer Tory⸗Verwaltung ein Befreiungsbefehl eintritt, ver⸗ sasse ich meinen Kerker nicht! ⁷
dem fruͤher in der Handelskammer angestellten Herrn David Hume herruͤhrenden, Vorschlag in Bezug auf den Getraide⸗Zoll, als einen Mittelweg zwischen dem von dem Ministerium projek⸗ tirten festen Zoll und der jetzigen fluctuirenden Skala, dem auch der ministerielle „Globe“ einen Platz in seinen Spalten anweist, mit der Bemerkung, daß das Gutachten jenes sachkundigen Man⸗ nes wohl Aufmerksamkeit verdiene: „Wenn“, so heißt es in diesem Vorschlage, „der Durchschnittspreis des Weizens auf oder uͤber 45 Sh., aber nicht uͤber 55 Sh. fuͤr den Quarter staͤnde, muͤßte der Zoll 8 Sh. betragen. Fuͤr jeden Shilling, um den dieser Preis unter 45 Sh. fiele, muͤßte der Zoll um 6 Pence erhoͤht und fuͤr jeden Shilling, um den der Preis uͤber 55 Sh. stiege, muͤßte der Zoll um 6 Pence erniedrigt werden, bis dieser Preis uͤber 65 Sh. staͤnde, in welchem Fall der Zoll nur 2 Sh. 6 Pence betragen muͤßte. Die Absicht hierbei ist, nach beiden Seiten hin die Extreme zu vermeiden und doch die Staats⸗Ein⸗ nahme nicht außer Acht zu lassen, auch Fluctuationen in gewoͤhn⸗ lichen Jahren vorzubeugen.“ Der Unterschied zwischen dieser und der jetzigen Zoll⸗Skala waͤre dann folgender:
Durchschnittspreis. Jetzige Zoll⸗Skala. Vorgeschlagene Skala.
40 Sh. 46 Sh. 8 Pece. 10 Sh. 6 Pce.
45 1 8 „ — — „»„
55 8 31 „
26 65 21 19 10 72 2 8
Der ministerielle Globe enthaͤlt in einem seiner letzten Blaͤtter noch folgende Bemerkungen uͤber die Lage der Dinge in China: „Von allen Kriegen, welche wir in Asten gefuͤhrt haben, scheint der mit China der schwierigste werden zu wollen. Die bekannt gewordenen Ereignisse koͤnnen nicht umhin, eine Umgestaltung des ganzen Kaiserreichs zu Wege zu bringen. Haͤtte der Kaiser dem Traktate seine Zustimmung gegeben, der jedenfalls fuͤr ihn vortheil⸗ hafter war, als fuͤr uns, so wuͤrden seine Unterthanen die Rechte seiner Dynastie als unverletzt angesehen haben. Aber die Feind⸗ seligkeiten, zu denen man uns jetzt zwingt, werden uns noͤthigen, unsere Operationen auszudehnen. Wir muͤssen uns entschließen, entweder China und den Handel mit demselben ganz aufzugeben, oder den Kaiser von China, die Pistole auf der Brust, zur Nach⸗ giebigkeit zwingen.“
Noch immer ist das Dampfschiff „Britannia“ von Boston und Halifax nicht angekommen, welches schon in der vorigen Woche aͤngstlich erwartet wurde. Die Besorgnisse sind natuͤrlich diesmal um so staͤrker, da man nun schon an dem „President“ ein so trauriges Beispiel vor sich hat, und die Versicherungs⸗Praͤ⸗ mien haben daher auch auf die „Britannia“ schon die Hoͤhe von 20 pCt. erreicht. In New⸗York zweifelte man, beim Abgang der letzten Nachrichten von dort, nicht mehr am Untergang des „President“, denn ein dort angekommenes Schiff hatte in der Gegend der Azoren vom 28. Mäͤrz ein großes Wrack treiben se⸗ hen, welches man nach den ungefaͤhren Beschreibungen fuͤr das des „President“ hielt; es sollte daruͤber vor dem Britischen Kon⸗ sulat in New⸗York eine naͤhere Ausforschung eingeleitet werden.
Lord John Russell wird sich, wie hiesige Blaͤtter melden, naͤchstens mit Lady Fanny Elliot, der zweiten Tochter des Gra⸗ fen Minto, vermaͤhlen. Der Minister, der im Jahre 1838 seine erste Gattin, Lady Ribblesdale, verlor, mit der er sich 1835 ver⸗ band und von der er einen Sohn und eine Tochter hat, ist jetzt in B a9sten Lebensjahre, und seine jetzige Braut zaͤhlt 26 Jahre.
Sir David Wilkie, der beruͤhmte Maler, ist auf seiner Ruͤckreise aus der Levante am 1. d. M. ploͤtzlich zu Gibraltar ge⸗ storben; bei der Landung daselbst wurde er von einer Krankheit befallen, die ihm binnen kurzem den Tod brachte.
Die neuesten Nachrichten aus New⸗York reichen bis zum 15. Mai, an welchem Tage gerade der Prozeß des Herrn Mac Leod vor dem Ober⸗Gerichtshof des Staates New⸗York zur Ver⸗ handlung kommen sollte.
Es soll jetzt beschlossen seyn, noch im Laufe dieses Jahres einen protestantischen Bischof fuͤr die Insel Malta zu ernennen.
Heute fruͤh brach in Astley's Theater Feuer aus, welches nicht nur dieses Gebaͤude zerstoͤrte, sondern auch mehreren benach⸗ barten Haͤusern bedeutenden Schaden zufuͤgte. Das Eigenthum des Herrn Ducrow, jetzigen Direktors dieses Theaters, soll zwar zu 8000 Pfd. versichert seyn, aber der Verlust, den er durch die Feuersbrunst erlitten, wird auf 12,000 Pf:d. geschͤtzt.
An der Boͤrse werden wenig Geschaͤfte gemacht, man hofft aber, daß das bewegtere Leben und der bedeutende Geldumlauf, wozu die Wahlen veranlassen werden, auch auf den Handel einen belebenden Einfluß ausuͤben und die uͤbergroße Behutsamkeit, welche jetzt den Unternehmungsgeist so sehr laͤhmt, beseitigen duͤrften.
N;Ng;d
Aus dem Haag, 7. Juni. Gestern waren hier die Mei⸗ ster vom Stuhl und zahlreiche Deputirten aller Freimaurer⸗ Löogen des Koͤnigreichs versammelt, um den Tag zu feiern, an welchem vor 25 Jahren Se. Koͤnigl. Hoheit der Prinz Friedrich die Wuͤrde eines Großmeisters der Landeslogen uͤbernommen hatte. Se. Koͤnigl. Hoheit selbst hatte die Versammlung mit seiner Gegenwart beehrt, und eine Hoͤchstdemselben zu Ehren ge⸗ praͤgte Medaille anzunehmen geruht. Der Prinz hat eine Summe ausgesetzt, aus deren Zinsen beduͤrftige Freimaurer un⸗ terstuͤtzt werden sollen.
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Belgien. “
Bruͤssel, S8. Mai. Die Wahlen, so weit sie zur Ergaͤn zung der Deputirten⸗Kammer noͤthig sind, haben heute hier und in allen Stäͤdten des Landes stattgefunden und sie sind so ausgefallen, wie man erwartet hat, insofern naͤmlich sowohl die abgetretenen als die neuen Minister, so wie uͤberhaupt die Stimmfuͤhrer bei⸗ der Parteien, wiedergewaͤhlt worden sind (s. das nachfolgende Privatschreiben). Von beiden Seiten gab man sich ungeheure Muͤhe, die Waͤhler noch kurz vor den Wahlen zu bearbeiten und fuͤr die Maͤnner zu stimmen, die man ausschließlich beguͤnstigte. Das Or⸗ gan der katholischen Partei, das Journal de Bruxelles, erzaͤhlt, die Zugaͤnge des hiesigen Rathhauses, in welchem ein Theil der Bruͤsse⸗ ler Wahlen stattfand, seyen foͤrmlich belagert gewesen von Emissarien der Liberalen, die namentlich zur Ueberredung der Landleute, die meistens der katholischen Partei angehoͤren, alle ihre Flamaͤn⸗ dische Beredsamkeit aufboten. Ferner, erzaͤhlt dieses Blatt, habe man an den Schau⸗Fenstern der meisten Kunsthäͤndler eine Karri⸗ katur ausgehaͤngt, auf welcher zwei Priester abgebildet seyen, die eine Heerde von Waͤhlern nach der Stadt treiben. Einer dieser Geistlichen traͤgt eine Fahne mit den Worten: „Zehnten und geist⸗ liche Grundstuͤcke“; der andere traͤgt einen langen Gaͤnsestock; die in Blousen gekleideten Waͤhler jedoch sind mit Schafs⸗, Rinder und
In einem Morgenblatt findet man folgenden, angeblich von
Eselskoͤpfen ausgestattet. Aller dieser Machinationen ungeachtet,
haͤtte sich jedoch der gesunde Sinn des Landmannes in seinen An⸗ sichten nicht beruͤcken lassen. Die liberalen Blaͤtter dagegen erzaͤh⸗ len unter Anderem, vor dem Wahl⸗Buͤreau einer Bruͤsseler Vor⸗ stadt, wo die meisten laͤndlichen Waͤhler abstimmten, habe man jünf Pfarrer beobachtet, die auf jeden Schritt der Bauern ein scharfes Auge gehalten und endlich auch ihre Abstimmungen auf das Genaueste kontrollirt haͤtten.
Bruͤssel, 9. Juni. Seit der politischen Konstituirung des Landes haben gewiß nie Wahlen eine groͤßere Wichtigkeit gehabt, als die, welche gestern von der Haͤlfte der Provinzen vor⸗ genommen worden sind. Nie haben auch mehr Waͤhler ihr Wahlrecht wirklich ausgeuübt. Die Entscheidung ist der Rich⸗ tung nach zu Gunsten der gemaͤßigten liberalen Meinung ausgefallen. Die Wahlen haben aber auch zum ersten⸗ male die Staäͤrke der einschließlich auf sich selbst angewie⸗ senen liberalen Partei kundgegeben. In Folge einer durch die letzten Ereignisse aufgeregten Leidenschaftlichkeit war von den Wortfuͤhrern ein System der Ausschließung nicht bloß gegen die Kandidaten der entgegenstehenden Partei, sondern auch gegen die dem jetzigen gemischten Ministerium ergebenen Deputirten, befolgt worden, und das Ministerium, gegen welches man dadurch in eine entschiedene Opposition trat, hatte daher geglaubt, im Allge⸗ meinen die Kandidaten der katholischen Liste durch seinen bedeu⸗ tenden Regierungs⸗Einfluß in den verschiedenen Lokalitäͤten unter⸗ stuͤtzen zu muͤssen. Auf diese Weise befanden sich die Libera⸗ len in einer isolirten Stellung und hatten gegen eine große vereinigte Macht zu kaͤmpfen. Es hat aber der gemaͤ ßigte Sinn der großen Mehrzahl der Waͤhler den Mittelweg in einer verstaͤndigen Auswahl getroffen, so daß, wie es jetzt den Haupt⸗Resultaten nach bekannt ist, die austretenden liberalen De⸗ putirten zwar uͤberall wiedererwählt worden sind, von der anderen Seite aber auch die katholische Meinung, der Zahl nach, vielleicht nur einen verloren hat, aber an die Stelle von ganz unfaͤhigen und blind fuͤr diese Partei stimmenden Deputirten einige tuͤchti⸗ gere, einsichtsvollere und der gemaͤßigten Meinung sich mehr zuneigende ernannt worden sind. Am bedeutungsvollsten sind unstreitig die Wahlen der Hauptstadt gewesen. Von fruͤh Morgens an sah man, trotz des unguͤnstigen Wetters, aus allen umliegenden kleineren Staͤdten und Landgemeinden große Schaa⸗ ren von Waͤhlern, mit Geistlichen an der Spitze, auf den Markt⸗ platz ziehen. Groß wurde die Befuͤrchtung auf der liberalen Seite, da man nie eine solche Masse von Landleuten bei den Wahlen gesehen hatte. An den fruͤheren Wahlen hatten nie mehr als 2000 Waͤhler Theil genommen; diesmal hatten sich 3640 ein⸗ gesunden und die Ueberzahl war zum großen Theil durch die Landleute gebildet. Das Resultat fiel aus, wie wir es in unserem letzten Berichte vorhergesagt hatten. Die fruͤheren liberalen Deputirten und unter ihnen vor Allen der fruͤhere Minister Herr Lebeau, welchen die katholische Partei hatte ausschließen wollen, waren wiedererwaͤhlt; von der anderen Seite waren aber auch der jetzige Minister, Herr van Volxem, und der Gouverneur der großen Bank, gegen welche sich die entgegen⸗ gesetzten Leidenschaften erklaͤrt hatten, ebenfalls mit Huͤlfe der Gemäͤßigteren wiedererwaͤhlt. Von den eigentlich katholischen Kandidaten ist keiner ernannt worden. Auf diese Weise ist die fruͤhere im Ganzen liberale Deputation von der Hauptstadt un⸗ veraͤndert geblieben. Selbst Herr Verhaegen, der entschiedenste Gegner der katholischen Richtung, ist wieder erwaͤhlt worden. An die Stelle des fruͤheren Justiz⸗Ministers, Herrn Leclerc, der als jetziger General⸗Prokurator am Cassationshofe dem Gesetze nach nicht wieder waͤhlbar ist, trat bei einer Ballottirung mit einer großen Stimmenmehrheit Herr Devaur, derselbe ausgezeichnete Staats⸗ mann, den die katholische Partei mit einer Unbill ohne Gleichen behan⸗ delt hatte. Die beiden anderen fruͤheren Minister, Herr Rogier und Herr Mercier, sind mit einer ansehnlichen Majoritaͤt in Ant⸗ werpen und Nivelles wieder ernannt. Auch die gegen⸗ waͤrtigen Minister selbst sind wiedergewaäͤhlt worden, und das Kabinet darf hoffen, nach seinen Handlungen beur⸗ theilt zu werden. Aber die Richtung des Landes kann ihm in diesen Wahlen nicht entgangen seyn. Es kann sich nicht verhehlen, daß es nicht von ihm abgehangen hat, wenn die liberalen Deputirten wiederernannt worden sind, wohl aber, daß die Zahl der katholischen Deputirten haͤtte verringert werden koͤnnen, wenn es fuͤr zweckmaͤßig gehalten, seinen Einfluß anders anzuwenden oder durchgaͤngig neutral zu bleiben. — Morgen wird man Gewißheit uͤber alle Wahlen haben. Wir glauben, daß fast uͤberall dieselben Deputirten wieder ernannt werden; wir wollen aber doch das Naͤhere spaͤter angeben. 1
Nachschrift. So eben erfahren wir mit Gewißheit, daß Herr Devauyx in Bruͤgge wiedergewaͤhlt worden. Er erhaͤlt auf
e
diese Weise die Ehre einer doppelten Ernennung Donem ark.
Kopenhagen, 5. Juni. (Hamb. K.) In diesen Tagen ist das Budget zugleich mit einem Normal⸗Reglement, dessen Bestimmungen nach und nach realisirt werden sollen, im Druck erschienen, zugleich mit recht instruktiven Beilagen, zusammen 60 Bogen groß. Das Koͤnigl. Reskript, welches diesem Werk als Einleitung dient, verspricht, daß alljaͤhrlich ein solches Bud⸗ get fuͤr das kommende Jahr veroͤffentlicht werden solle, begleitet von einer Rechenschaft uͤber das naͤchst vorhergegangene, worin namentlich jede Abweichung von den im Budget veranschlagten Summen ausfuͤhrlich gerechtfertigt werden sollen. Sowohl das Budget fuͤr 1841, als in noch hoͤherem Grade das Normal⸗Re⸗ glement weisen einen Ueberschuß der Einnahmen uͤber die Aus⸗ gaben nach, weshalb das genannte Restript verspricht, daß das Zahlen⸗Lotto ehestens voͤllig abgeschafft werden solle, ohne durch eine andere Steuer ersetzt zu werden. Der so lange genaͤhrte
Wunsch um Oeffentlichkeit der Finanz⸗Verwaltung kann hiermit als im Wesentlichen erfuͤllt angesehen werden, so wie auch die ein 1 — n- wachen, daß sie hoͤchstens 6000 Mann werden ins Feld stellen
Bestrebungen des Koͤnigs, groͤßere Ordnung und Energie in die
Staats⸗Verwaltung zu bringen, gebuͤhrende Anerkennung verdiente Es werden hier Vorbereitungen zum feierlichen Empfange ger 1 tracht. Dagegen hat sich der Aufstand der Christen vollkommen
der neuen Kronprinzessin getroffen. Am 19ten d. M. wird das Geschwader, welches sie abholt, hier auf der Rhede erwartet, wo der Koͤnig ihr am Bord des Linienschiffs inkognito einen Besuch abstatten wird. Am folgenden Tage wird der feierliche Einzug stattfinden, und zwar zu Wasser durch den Hafen bis zum Schloß⸗
platze hinan, wo eine eigene Landungstreppe gebaut und von da
816 zum Schlosse ein von Tribunen umgebener, erhoͤheter, mit Sammet bedeckter Weg eingerichtet wird. Nachdem hier der
Köoͤnig und die Koͤnigin die neue Schwiegertochter feierlichst em⸗ pfangen haben, werden Hof⸗Feten, Cour, Diners, Soupers, Bal⸗
parés, fétes champétres ꝛc. auf einander folgen und am Ende mit einem großen Fest auf dem Friedrichsburger Schlosse, 5 Meilen von Kopenhagen, endigen. Deutsche Bundesstaaten. Muͤnchen, §. Juni. Der Koͤnig, durch die vorgest
rungswechseln eingehalten.
etretene sehr unguͤnstige Witterung bewogen, die Ruͤckreise zu be⸗
sünnagen, ist bereits gestern Abend nach 9 Uhr im erwuͤnschte⸗ sten Wohlseyn in hiesiger Residenz eingetroffen. Se. Majestaͤt reiste gestern fruͤh halb 4 Uhr von Werfen ab und verweilte in Salzburg nur kurze Zeit, um den dort neu aufgefundenen Roͤ⸗ mischen Mosaikboden in Augenschein zu nehmen.
Stuttgart, 7. Juni. (Schwoͤb. Merk.) ausserordentliche Synode mit der Berathung des Entwurfs zu einer Liturgie den Anfang gemacht, nachdem sie die ersten viert⸗ halb Wochen und fuͤnfzehn Sitzungen zur Pruͤfung des Gesang⸗ buchs⸗Entwurfs gebraucht und in der sechszehnten Sitzung uͤber eine Revision der Leidens⸗Geschichte, so wie uͤber die Prinzipien, welche einem, dem neuen Gesangbuche entsprechenden, Choralbuche zu Grunde zu legen waͤren, sich ausgesprochen hatte.
Hannover, 9. Juni. (L. A. Z.) Von Gesetz⸗Entwuͤrfen und landesherrlichen Propositionen sind bis jetzt drei an die Staͤnde gelangt: 1) ein Gesetz⸗Entwurf uͤber die Rechts⸗Verhaͤlt⸗ nisse der Juden; 2) ein Gesetz⸗Entwurf, durch welchen diejenige
Bestimmung der Goͤhrder Constitution vom 19. Oktober 1719
aufgehoben wird, welche die Beurtheilung des modus servitiorum und desfalls noͤthig werdende Abmeierung der Unterthanen, uͤber welche den landeshesherrlichen Aemtern die Gutsherrschaft zusteht, der Cognition der Gerichte entzog und allein zur Beurtheilung der Domainen⸗Kammer stellte. Die Leitung und Entscheidung dieser Angelegenheiten wird (wie §. 38 des Landes⸗Verfassungs⸗
Gesetzes dies schon in Aussicht stellte) durch dieses Gesetz wieder
den ordentlicherweise zustaͤndigen Gerichten zugetheilt. 3) Das
Budget uͤber Einnahmen und Ausgaben fuͤr die Jahre vom 1. Juli 184 ⅛2 und 184 à¼3, worin der mit dem 1. Januar 1872 (also in sechs Monaten) eintretenden Trennung Braun-⸗
schweigs von dem diesseitigen Steuer⸗Vereine erwaähnt wird, um zu erklaͤren, daß trotz dieses am 1. Januar 1842 stattfindenden Ausscheidens und der daraus resultirenden Ungewißheit des Er⸗ trags der indirekten Steuern, der Anschlag der Steuer⸗Einnah⸗ men (fuͤr 181 ¼ 2 und 18428) doch noch „auf den bisherigen Zustand gegruͤndet sey.“
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8 “ Lissabon, 31. Mai. (Engl. Bl.) Es ist hier wieder zu einer Minister⸗Krisis gekommen, die theilweise, wie es scheint, durch die Differenz zwischen den Ministern und einigen ihrer ge⸗ woͤhnlichen Anhaͤnger in den Cortes uͤber die Frage in Betreff der temporairen Beibehaltung der neu organisirten, auf einige Zeit den fruͤheren National⸗Garden substituirten Miliz⸗Bataillone herbeigefuͤhrt wurde. Die Minister selbst waren hieruͤber nicht ganz einig, was zu neuen Debatten bei der Wiedereroͤffnung der Cortes fuͤhrte, wobei die Opposition zuletzt mit 45 Stimmen ge⸗ gen 38 unterlag. Aber es erhob sich noch eine andere Frage von ernsterem Charakter, indem der Finanz⸗Minister, Baron Tojal, sich weigerte, in einige der Vorschlaͤge der speziellen Finanz⸗Kom⸗ mission zu willigen, wovon einer, nach welchem die Ri ckstaͤnde von Gehalten und Pensionen in 2 ½½ bis 6 Ct. zinstragende Papiere kapi⸗ talisirt werden sollten, unter den Banquiers und Geldleuten gro⸗ ßen Allarm erregte. Die Bank konferirte daruͤber mit der Re⸗
gierung und drohte ihre Thuͤren zu schließen, wenn der Plan
der Kommission nicht von den Ministern verworfen wuͤrde; sie hatte auch schon mit der gewoͤhnlichen Diskontirung von Regie⸗ Die hierdurch verursachten Schwie⸗ rigkeiten, in Verbindung mit dem Streit uͤber die Organisirung der National⸗Bataillone, veranlaßten die Minister, am 2sten ihre Entlassung einzureichen. Die Koͤnigin schickte nach dem Herzog von Palmella, der aber bis jetzt noch nichts zu Stande gebracht hat. Man glaubt, daß das neue Kabinet aus derselben Partei und selbst mit Einschluß einiger der jetzigen Verwaltungs⸗ mitglieder werde gebildet werden.
Die Nachricht, daß Donna Maria vom Papste anerkannt und daß ihrem Botschafter, dem Visconde Carreira, von Sr. Heiligkeit eine Audienz bewilligt worden, hat am hiesigen Hofe große Freude erregt; da aber Visconde Carreira seine Instruc⸗ tionen in einigen Punkten uͤberschritten hat, bei denen es sich um die Wuͤrde der Portugiesischen Krone handelt, so werden einige
weitere Unterhandlungen fuͤr noͤthig erachtet, ehe ein Nuntius aus Rom in Lissabon angenommen werden kann. Der Spanische
Gesandte, Herr Aguilar, soll uͤber die Aussicht auf eine baldige Aussoͤhnung zwischen Portugal und dem Papste und uͤber die gerade in diesem Augenblick in Rom erfolgte Anerkennung Donna Maria's sehr mißvergnuͤgt seyn.
Griechenland.
Athen, 27. Mai. (A. Z.) Die Koͤnigin wird am 360sten d., begleitet von dem Koͤnig und dem Kronprinzen von Bayern, mit der Korvette „Amalie“ nach Kalamaki gehen und von dort nach Corinth, wo die hohen Herrschaften bis zum 2. Juni ver⸗ weilen werden; dann begiebt sich Ihre Majestaͤt auf das Sie er⸗ wartende Dampfschiff „Otto“, um die Reise nach Ancona anzu⸗ treten. Der Koͤnig und der Kronprinz von Bayern aber werden zu Land uͤber Megara hierher zuruͤckkehren.
Athen, 27. Mai. (A. Z.). Die hiesigen Freunde Kreta's sind sehr gespannt auf Nachrichten aus der Insel, und man hoffte heute Naͤheres uͤber die Ereignisse nach Tahir Pascha's Ankunft zu erfahren, aber bis zur Stunde, wo ich dieses schreibe, waren keine Briefe eingelaufen. Man weiß nur, daß Tahir Pascha dort angelangt war, und daß taͤglich ein Treffen erwartet wurde. Mit Einschluß der Verstaͤrkungen, welche die großherrliche Flotte hinuͤbergefuͤhrt hat, mag die ganze Anzahl der bewaffneten Tuͤr⸗ ken auf der Insel jetzt sich auf 10,000 belaufen: eingeborne Kre⸗ tische Tuͤrken, Aegyptier, Albanesen und Truppen aus Konstan⸗ nopel. Allein sie haben so viele Stadte und Festungen zu be⸗
koͤnnen; und unter diesen kommen nur etwa 800 Albanesen und ein Theil der Eingebornen als tapfere Krieger wirklich in Be⸗
befestigt, und ihr Entschluß, zu siegen, ist unerschuͤtterlich, ob⸗ gleich sie noch immer den groͤßten Mangel an Munition und Waffen leiden. Nur etwa ein Viertheil der Maͤnner, aber alte versuchte Kämpfer aus dem letzten Kriege, sind vollstaͤndig be⸗ waffnet; die begeisterte Jugend ruͤstet sich mit Lanzen und Keu⸗ len. Nothwendig muß schon ein Treffen stattgefunden haben;
und die bestunterrichteten der hiesigen Kreter zweifeln nicht an
dem Siege. Aber selbst wenn der erste Schlag fuͤr die Insur⸗ genten unglüͤcklich ausgefallen waͤre, wird ihre Sache nicht er⸗ liegen.
Hier in Athen wurde vor einigen Tagen eine Oper zum Besten der ltheendenden gegeben, die einen fuͤr die hiesigen Verhaͤltnisse sehr bedeutenden Ertrag abgeworfen hat, zwischen 7 und 8000 Drachmen. Hoffentlich wird dies Geld zunaͤchst zur Unterstuͤtzung der vielen beduͤrftigen kretischen Familien ver⸗
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wandt werden, die in Hellas zuruͤckgeblieben sind oder sich neuer dings hierher gefluͤchtet haben. Auch Ihre b — — Kronprinz von Bayern, die Tags zuvor von einer — se nach Sparta zuruͤckgekehrt waren, geruhten das S 25. kurzen Besuch zu 8 5 8 g dem gefuͤllten Hause mit dem lebhaftesten Enthusiasmus begrußzt.. Nicht ee Civilstand verlassen Viele ihren Heerd und ihren Wirkungskreis, um ihren Glaubensbruͤdern auf Kreta oder in Thessalien beizustehen; auch unter dem 2]7 thut ein gleicher Sinn sich kund. Schon mehrere 0 daten verschiedener Waffengattungen sind desertirt. Die 8 mandantschaft hat daher die Hafenwache vom Piraͤeus verstaͤrk und nach dem Phalerus ebenfalls ein Detaschement gelegt. Allein 8 es bleibt unmoͤglich, in einem kuͤstenreichen Lande wie Griechen
land das Einschiffen zu hindern. *ℳ
1u“ Aegypten. Ein Korrespondent der Allg. Zeitung in Alexandrie giebt folgende Uebersicht der gegenwaͤrtigen Aegyptischen Armee: 12 Regimenter Infanterie à vier Bataillone 39,300 Mann 2 „ der Garde 6,000 „ 2 „ Veteranen 6,000 „ 9 * Kavallerie „ 3 „ Artillerie 2 66,200 Mann.
Infanterie und Kavallerie der verschiedenen irregulairen Waffengattungen: Beduinen, ꝛc. 1 8
Tuͤrkische Artilleristen „
10 Regimenter National⸗Garde 32,000
113,800 Mann
Auch kann der Pascha noch uͤber circa 10,000 Matrosen und
Marine⸗Soldaten verfuͤgen. Scheiden wir nun von dieser Summe
die Arnauten, Beduinen und anderes Gesindel aus, welche nur
zum leichten Dienst, und erst dann gut sind, wenn der Fein schon besiegt ist, und es ans Pluͤndern kommt, eben so die Na tional Gardisten, die wohl nur davon laufen koͤnnen, die sich uͤber dies mit dem groͤßten Unwillen in den Dienst fuͤgen, so verhlet⸗ ben dem Pascha noch etwa 70 bis 75,000 Mann regulaire Truppen. 8 8
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I1 Stettin, 11. Juni. (Boͤrsen⸗N.) Zuverlaͤssige Handels⸗
Briefe vom 1. d. aus Paris enthalten Folgendes: „Wir verfeh⸗ len nicht, Ihnen mitzutheilen, daß so eben ein neues Gesetz, vom 6. Mai datirt, in Bezug auf die Einfuhren in fremden Schiffen, promulgirt worden ist. Danach erhäͤlt der seither bestandene (Décime) Zuschlag von 15 Cent. pr. 100 Kilog. Waaren, in fremen Schiffen importirt, eine Erhoͤhung von 1 Fr. 50 TCent. und betraͤgt demnach 1 Fr. 65 Cent Diese Erhoͤhung von Fr. 50 Cent. pr. 100 Kilog. (6 Silbergr. pr. Zoll⸗Ctr,) ist fuͤr manche Waaren so druͤckend, daß die Einfuhr davon, wenn nicht durch Franzoͤsische Schiffe erreichbar, ganz wird unterbleiben muͤssen.“ — Hinzufuͤgen koͤnnen wir unsererseits, daß man aus Frankreich, in Folge senes Gesetzes, Auftraͤge hierher gegeben hat, Zink von hier nur in Franzoͤsischen Schiffen zu verladen, und daß einige von hier dahin beabsichtigte Abladungen Zink bereits auf andere Wege hin disponirt worden sind.
Bonn, 5. Juni. (Rh. u. Mos. Z.) An die Stelle des mit Tode abgegangenen Konsistorial⸗Direktors Dr. Augusti ist der Professor Dr. Pluͤcker, ein durch wissenschaftliche Tuͤchtigkeit und Humanitaͤt der Bildung gleich ausgezeichneter Mann, zum Di⸗ rektor der wissenschaftlichen Pruͤfungs⸗Kommission fuͤr die Rhein⸗
lichsten Läͤnder Europas von den nördlichen
Provinzen ernannt worden.
Zur Vervollstaͤndigung des Streites uͤber den Englisch⸗Deut⸗ schen Handels⸗ und Schifffahrts⸗Vertrag theilen wir hier einen zweiten sehr lesenswerthen Aufsatz aus der neuesten Nummer der Boͤrsen⸗Nachrichten der Ostsee mit: 1
Zur Polemik über den Schifffahrts⸗Vertrag. Die Augsb. Allg. Ztg. enthält abermals einige leidenschaftliche
Angriffe auf den Schifffahrts⸗Vertrag. Aber, wer sind denn diese Leute, die es wagen dürfen, den für verkauft an England oder seine eigene Dummheit auszugeben, der einer Doktrin anhängt, die von den größten Gelehrten und den erleuchtetsten Staatsmännern Europas be⸗ kannt wird, deren Praris seit einiger Zeit zum Heile der Menschheit die ersten Nationen zustreben? Wo ist der Europäische Name, der des Wahns leben darf, ein Europäisches System in zwei oder drei Zeitungs⸗ Artikeln umgestürzt zu haben? — Hoffentlich haben wir Alle dasselbe Ziel: die Größe Deutschlands, unseres Vaterlandes. Wir wollen, daß seine Macht und sein Reichthum wieder der Tüchtigkeit seiner Söhne entspreche; wir wollen, daß es aufs neue die Stelle einnehme, die ihm durch Geschichte und Lage gebührt: — Vermittler und Schiedsrichter Europas zu seyn. Nur dürfen die, welche dies Ziel durch ein System erreichen zu können glauben, das an allen Ecken und Enden Monopole, Privilegien und Privatvortheile zusichert, nicht die Anhänger eines anderen Svstems des Verraths oder des Eigennutzes beschuldigen, das von allen diesen Dingen gar nichts wissen will.
Der Vertrag ist jetzt ratifizirt. Vereinsschiffe haben das Recht, aus allen Häfen von der Maas bis zur Elbe solche Güter nach Eng⸗ land einzuführen, „die gesetzlich von diesen Schiffen in das vereinigte Königreich und die auswärtigen Britischen Besitzungen aus den Häfen derjenigen Länder eingeführt werden dürfen, welchen dieselben ange⸗ hören.“*) Was sind dies für Waaren? Nicht bloß Deutsche Erzeug⸗ nisse, wie die Merkantilisten wähnen, sondern, dem Buchstaben des Vertrags und der Englischen Schifffahrtsgesetze nach, alle Europäische Produkte; dem faktischen Verhältnisse nach die meisten und bedeu⸗ tendsien derselben. Nach der Schifffahrtsakte können nämlich alle Europäischen Erzeugnisse auf beliebigen Schiffen in England eingeführt werden, mit Ausnahme der „enumerated articles“, die dahin nur auf Britischen Schiffen, in Schiffen des Landes, wo solche Waa⸗ ren erzeugt, oder in Schiffen des Landes, von woher dieselben eingebracht werden“, geführt werden dürfen. Es ist also fremden Schiffen gestattet, von den benannten Artikeln nicht bloß diejenigen in England einzuführen, die Produkte des eigenen Lan⸗ des sind, sondern auch solche, die nur von den eigenen Häfen aus ver⸗ laden werden. Dies können aber gesetzlich alle seyn, wenn diese Bedingung erfüllt wird; faktisch werden dagegen die meisten der süd⸗ äfen ausgeschlossen sevyn. Allein bei der vermehrten Dampfschifffahrt und den allerwärts im Bau begriffenen Eisenbahnen wird sich allmälig der Exportations⸗Rayon un⸗ serer Häfen bis auf sehr südliche Länder und Erzeugnisse ausdehnen und das faktische Verhältniß wird sich dann in Folge der Schifffahrts Akte und des vorliegenden Vertrags so stellen, daß Vereinsschiffe das Recht haben, fast alle Europaͤtschen Erzeugnisse nicht bloß von eigenen Haͤfen aus nach England einzuführen, sondern auch vhelt des Häfen von der Maas bis zur Elbe. Der allerbedeutendste The
*) Eine ganz andere und wohl sehr sonderbare ven.e. gieb .N.
ein neuer Artikel der Augsb. Zeitung vom nten un 85