Im Jahre 1820 .26,147,439 Fr. „ 1830 27,131,95 5 ⸗ 1831. 19,943,750 1832 .20,380,408 1833 26,889,337 1834 . . 27,683,924 1835 . . 29,048,192 1816 29,594,380 1837 .. . 30,861,156 v11“““ 953, 71 „ „ 1840 . . 29,905,542 „
Die Durchschnittszahl dieser zwoͤlf Jahre ist 27,298,595 Fr. Seit 1834 ward dieselbe stets uͤberschritten. Die geringen Ein⸗ nahmen von 1831 und 1832 sind eine Folge der Juli⸗Ereignisse.
Auch aus Lyon wird berichtet, daß daselbst eine große Pro⸗ zession stattgefunden habe. Dieselbe wurde von einigen Soldaten des 12. Artillerie⸗Regimentes und mehreren Stadt⸗Sergeanten er⸗ oͤffnet, dann folgten eine Menge Banner und das Personal der Geistlichkeit und der Bruͤderschaften. Der Zug bestand aus un⸗ gefaͤhr 3000 Personen. In der Furcht, daß die Ruhe gestoͤrt werden moͤchte, waren alle Posten verdoppelt worden, und die ganze Polizei auf den Beinen.
Nach dem „Censeur de Lyon“ hat die Zahl der dort woh⸗ nenden Jesuiten so zugenommen, daß die Straße Sala zu ihrer Unterbringung nicht laͤnger ausreicht, und daß sie daher in dem Namen einer dritten Person ein geraͤumiges und schoͤn gelegenes Gebaͤude zu Fouviéeres gekauft haben, wo eine Anzahl von ihnen nach Kloster⸗Art zusammenleben will. Die alten und duͤrftigen Priester, welche bisher ein Asyl in diesem Gebaͤude fanden, muͤs⸗ sen sich jetzt nach einem anderen umthun.
Der Moniteur parisien meldet, der Admiral Stopford sey von der Levante⸗Station abberufen worden. Dasselbe Blatt berichtet: „Man benachrichtigt uns, daß die Englaͤnder in die⸗ sem Augenblicke Verstaͤrkungs⸗Truppen zu Chatam zusammenzie⸗ hen, um die Truppen⸗Corps, welche den Krieg gegen die Chine⸗ sen begonnen haben, zu unterstuͤtzen. 800 Mann sollen sofort eingeschifft werden und man erwartet die baldige Ankunft einer gleichen Anzahl Soldaten.“
Boͤrse vom 17. Juni. Die (irrige) Nachricht, das neue Oesterreichische 5proc. Anlehn sey zu Paris uͤbernommen worden, hat nachtheilig auf die Boͤrse gewirkt. Man berechnete, daß unter solchen Umstaͤnden die 5proc. Rente zu hoch stehe. Einige Spe⸗ kulanten entaͤußerten sich mehrerer Posten Franzoͤsischer Fonds, in der Absicht, neue Oesterreichische dafuͤr einzukaufen. Inzwischen hielt sich die Notirung fast unveraͤndert. — Was von dem laut gewordenen Vorwurf, Herr Humann habe sich am Geldmarkt uberfluͤgeln lassen und werde nun das (durch die Politik des Herrn Thiers noͤthig gewordene) Anlehn zu haͤrteren Bedingungen ab⸗ schließen muͤssen, zu halten ist, muß noch dahin gestellt bleiben.
Straßburg, 15. Juni. Gestern stellten die Tirailleurs von Vincennes zum erstenmale einige Uebungen im Großen an. Dieselben fanden auf der geraͤumigen und guͤnstig gelegenen Ebene der „Polygone“ statt und fielen, was die persoͤnliche Kraft und Gewandtheit der Einzelnen anbetrifft, sehr befriedigend aus; lie⸗ hen aber in den planmaͤßigen Bewegungen der Reihen und Haufen noch manches zu wuͤnschen uͤbrig. Namentlich schien dies von
mehreren, wahrscheinlich neu befoͤrderten Offizieren zu gelten, die oft ganz verkehrte Befehle ertheilten. Uebrigens wurden diese Elite⸗Compagnieen erst vor kurzer Zeit — ungefaͤhr vor funfzehn Monaten — gebildet, und koͤnnen daher unmoͤglich jetzt schon Alles leisten, was man von aͤlteren Regimentern zu erwarten be⸗ Großbritanien und Irland. ondon, 18. Juni. Die Koͤnigin und Prinz Albrecht sind von einem Besuch, mit dem sie den Erzbischof von York auf dessen Landsitz zu Nuneham beehrt, wieder hier eingetroffen. Iimn Parlamente ist an den beiden letzten Abenden gar nichts von Bedeutung vorgekommen. Das Oberhaus setzte gestern im Ausschusse seine Berathungen uͤber die Bill wegen Beschraͤnkung der Todesstrafe fort, vertagte dieselben aber, ohne über ein zwei⸗ tes Amendement zu der Klausel, wonach auch das Verbrechen der Nothzucht nicht mehr mit dem Tode bestraft werden soll, entschieden zu haben. Das Amendement hatte zum Zweck, die Todesstrafe wenigstens dann bestehen zu lassen, wenn jen s Ver⸗ brechen mit Huͤlfe einer zweiten oder mehrerer Personen veruͤbt worden. Das Unterhaus hielt nur ganz kurze, bis gegen 6 Uhr dauernde Sitzungen, in denen fast bloß Bittschriften uberrescht wurden.
Von Seiten der ministeriellen Blätter werden mehrere Ver⸗ aͤnderungen in den öoberen Verwaltungsstellen angekuͤndigt. Un ter Anderen soll Sir George Grey Wirklicher Kabineis Minister werden und Herr Shiel als General⸗Auditeur an seine Stelle treten; dieser wuͤrde dann in dem Amte eines Vice Praͤsidenten der Handels⸗Kammer Herrn Fox Maule zum Nachfolger erhal⸗ ten, und als Unter⸗Staats⸗Secretair des Innern wuͤrde Lord Seymour, setzt Secretair der Ostindischen Kontrolle, an die Stelle des Letzteren treten.
Der Examiner ist der Meinung, daß die Minister eigent lich durch das von Sir R. Peel hervorgerusene Votum des Un⸗ terhauses sich nicht haͤtten sollen abhalten lassen, ihren Plan fuͤr die Herabsetzung der Getraidezoͤlle dennoch zur Verhandlung zu bringen. Daß die Monopolisten in dem jetzigen Unterhause zu stark seyen, um eine Durchfuͤhrung dieser Maßregel hoffen zu lau⸗ sen, habe sich ja schon fruͤher und noch staͤrker ausgesprochen, als die Herabsfetzung der Zuckerzölle mit 36 Stimmen Majorttät ge⸗ gen die Minister verworfen worden. Nach dieser Niederlage habe aber Lord J. Russell dennoch die Getratdezoͤlle zur Sprache brin⸗ gen wollen, und es sey deshalb um so weniger nothig gewesen, diese Absicht spaͤter wieder aufzugeben, da die Erklaͤrung des Unterhauses ja bloß darauf berechnet gewesen sey, die Ver⸗ handlungen üher die Getraidezoͤlle zu verhindern, und da sie nur eine einzige Stimme Maoritat gegen die Minister erhalten habe. Dadurch, daß die Minister nach der Annahme von Sir R. Peel's Antrag ihren Plan aufgegeben, haͤtten sie diesem eme weit gröoͤßere Wichtigkeit verschafft, als er sonst gehabt haben wuͤrde. Sie haͤtten sagen sollen: „Ihr habt einen Theil unsers Plans verworfen und uns verurtheilt, nachdem ihr diesen Theil an⸗ gehoͤrt; hoͤrt ihn ganz; schlage, aber hoͤre!“
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die Einwuͤrse gegen einen solchen Schritt uͤberschaäͤtzt haͤtten, weil es leicht den Anschein gewinnen konnte,
meint, Lord J. hehauptete, eine die Herabsetzung
Der Spectator gehabt, als er riellen Plans fuüͤr
Eroͤrterung des
sie vielmehr vermindert haben.
liger Handelsfreiheit, der Spott der Monopolisten und die eigene Anstrengung der Minister, den Plan recht unschaͤdlich und un⸗ bedeutend erscheinen zu lassen, haͤtte nothwendig die Popularität der Maßregel vermindert. Uebrigens ist der radikale „Specta⸗ tor“ noch immer sehr wenig zufrieden mit den Ministern und behauptet unter Anderm, wenn sie auch nicht, wie Sir R. Peel es angedeutet, zwei Budgets vorbereitet gehabt, eins fuͤr gutes, eins fuͤr schlechtes Wetter, so sey es doch hoͤchst wahrscheinlich, daß noch gar kein Budget entworfen gewesen, und daß etwas Handelsfreiheit hineingethan werden sollte, so weit dies durch Niederlagen noͤthig gemacht worden. 8 Die Chartisten regen sich noch fortwaͤhrend, wie aus nach⸗ stehendem Bericht der Hereford Times hervorgeht: „Dieser Tage traf in Newport mit der Postkutsche ein Paket aus Bristol ein, welches an Herrn C. Moore zu Pontopool abgeliefert wer⸗ den sollte, wegen entstandenen Verdachts aber auf die Polizei ge⸗ bracht wurde. Man fand darin zwei Flinten, zwei Basonneite,
zwei Pistolen, fuͤnf Kugelgießformen, eine Pumpe fuͤr eine Wind⸗
Y buͤchse, eine große Menge aufreizender Chartistischer Aufrufe, ein Exemplar von Oberst Macerone's Buch: „Anweisung fuͤr das I Volk zur Anfertigung entzuͤndlicher Stoffe“ und eine Anzahl Erxemplare von Cobbett's Schriften, nebst einer Menge Baum⸗ wollen⸗, Leinen⸗ und Garnwaaren, welche so geschickt um die Waffen verpackt waren, daß Niemand etwas Anderes als Ellen⸗ waaren vermuthen konnte. Am folgenden Tage fragte ein Mann im Post⸗Buͤreau nach dem Paket und wurde alsbald verhaftet. Es ergab sich, daß der Festgenommene ein bekannter Chartisten⸗Agi⸗ tator und Redner aus Nottingham, Namens Black, war, wel⸗ cher nebenbei auch den Namen C. Moore fuͤhrt und angeblich herumreiste, um mit den Ellenwaaren zu hausiren. Er wurde von dem Polizei⸗Gerichte zu einmonatlicher Zwangsarbeit im Correctionshause verurtheilt.“
Sir J. Graham will als Parlaments⸗Kandidat fuͤr die City von Westminster auftreten. Der Globe hofft, daß ihm auf dem Wahlgeruͤste die Verachtung der Waͤhler eine schmaͤh⸗ liche Niederlage bereiten werde.
O Connell ist am IIten Abends zu Dublin eingetroffen, um die Anstalten zu den bevorstehenden Wahlkämpfen zu leiten, von denen er sich den guͤnstigsten Erfolg fuͤr die Whigs verspricht.
Der Commodore Napier hat bei der Ernennung der Par⸗ laments⸗Kandidaten fuͤr Marylebone, welche der Wahl voraus⸗ geht eine Majoritaͤt von 986 Stimmen uͤber seinen Gegner, den Tory⸗Kandidaten Young, davongetragen; dieser erhielt nur 945, Sir Ch. Napier aber 1931 Stimmen.
Herr Grote, Mitglied des Unterhauses fuͤr die City von London und zu der Partei der Radikalen gehoͤrig, hat ein Schrei⸗ ben an seine Waͤhler erlassen, worin er erklaͤrt, daß er bei den bevorstehenden neuen Wahlen sich um keinen Parlamentssitz be⸗ werben werde, da er glaube, daß bei dem jetzigen Stande der Parteien ein Mann, dessen politische Ansichten uͤber die des jetzi⸗
Das genannte Blatt fuͤgt jedoch hinzu, es begreife sehr wohl, daß die Minister
daß sie dabei nur die eigennüͤtzige Absicht hegten, ihre Amtsfuͤhrung zu verlaͤngern. . Russell habe sehr Recht ministe⸗ der Getraide⸗Zoͤlle wuͤrde nicht, wie die Tories einwendeten, die Aufregung vermehrt, sondern Die Kritik der Vertheidiger voͤl⸗
gen Ministeriums noch hinausgingen, und der weder geneigt sey, Sir R. Peel noch auch Lord Melbourne stetige Unterstuͤtzung zu versprechen, in dem bevorstehenden Parlament nicht mit Vortheil werde wirken koͤnnen.
Mit dem Rheder Herrn Green soll ein Kontrakt wegen
Befoͤrderung von 1000 Mann Truppen, welche die Regierung direkt nach China schicken will, abgeschlossen seyn, und es sind angeblich drei Schiffe fuͤr 15,000 Pfd. St. dazu in Dienst ge⸗ nommen.
Die hiesigen Zeitungen melden in ihrem Polizei⸗Berichte von einem angeblichen neuen Attentate gegen das Leben des be⸗ kannten Nauendorff, der sich Herzog der Normandie nennt und fuür den Sohn Ludwig's XVI. ausgiebt. Nach der Erzaͤhlung der Blaͤtter wurde derselbe vor etwa einem Monat benachrichtigt, daß sein Leben in Gefahr sey; er begnuͤgte sich indeß zu erwie⸗ dern, er werde die Polizei davon in Kenntniß setzen. Seit ei— niger Zeit hatte er seinen Aufenthalt auf einem Landgute bei London; hier hatte er sein Laboratorium errichtet, in welchem er sich mit der Verfertigung von Kriegswaffen und mit einer Er⸗ findung beschaͤftigte. Zum Behufe eines Versuchs dieser Erfin⸗
duna, eines neuen furchtbaren Wurfgeschosses, hatte ihm ein aus
Ober⸗Offizieren zusammengesetztes Comité, vor dem er Proben
mit demselben ablegte, zwoͤlf Bomben, von 32 Pfund eine jede, und spaͤter auf sein Ersuchen noch eine Bombe von
82 Pfund zugeschickt. Nauendorff, mit den noͤthigen Vorberei—
tungen beschaͤftigt, verfuͤgte sich zu diesem Zwecke mehrere Male nach London. Bei seiner letzten Abwesenheit schlichen sich meh⸗ rere von seinen politischen Feinden, besoldete Agenten, welche seine Diener gewonnen hatten, in sein Haus; sie drangen bis in sein Laboratorium ein, wo er immer allein arbeitete; doch gelang ih⸗ nen ihr Vorhaben nur unvollkommen. Als Nauendorff zuruͤck— kam, gewahrte er zwar in seinem Laboratorium nichts, was sei⸗ nen Verdacht rege machen konnte; doch fand er im Hause
einen dem seinigen aͤhnlichen Schluͤssel; er wiederholte deshalb die strengsten Befehle, Niemanden, unter welchem Vorwande
V es auch sey, in das Haus zu lassen; einen ihm deshalb verdaͤch— tigen Diener entließ er. Als er am folgenden Tage in seinem Laboratorium arbeitete, erfolgte ploͤtzlich in einer Ecke des Ge⸗ machs eine Explosion; in weniger als drei Sekunden war das ganze Zimmer in Flammen. Neben dem Fenster stand ein klei⸗ nes Faß, angefuͤllt mit zuͤndbaren Stoffen, die er zur Composi— tion seiner Erfindung gebrauchte; er stuͤrzte sich mitten durch die Flammen, um dieses Faͤßchen zum Fenster hinauszuwerfen. In
diesem Augenblicke aber wurde es von den Flammen erreicht Folgendes hinzuzufuͤgen.
und platzte, gerade als er es hinauswarf. Er wurde durch die Explosion im Gesicht und an den Händen schwer ver⸗ Ltzt. Es gelang ihm indeß, sich durch die Thuͤr zu retten. Da aber erinnerte er sich, daß in einer Ecke des Gemachs die Maschine stand, welche zu Woolwich probirt werden sollte, die seine einzige Hoffnung war, und fuͤr die er seine letzten Mittel aufgeopfert hatte. Er drang zu wiederholten Malen mit Wasser, vorrachen in das brennende Gemach und setzte sich einem fast gewissen Tode aus; doch gelang es ihm endlich, ohne andere Huͤlfe, des Feuers Meister zu werden und seine Maschine zu retten; er selbst aber soll, da seine Kleider von dem Feuer ergrif⸗
Polizei hat, wie berichtet, eine Untersuchung üͤber die Sache ein⸗ geleitet
Ueber Sir David Wilkie, dessen Tod vor einigen Tagen be⸗ richtet wurde, sagt der Standard: „Die traurige Nachricht von dem Ableben dieses ausgezeichneten Mitgliedes der Briti⸗ schen Kunst⸗Akademie wird bei allen Freunden der schoͤnen Kuͤnste großes Bedauern erregen. Der Verstorbene war der Sohn ei⸗ nes Pfarrers zu Cults in Fifeshire und im Jahr 1785 geboren, also erst 56 Jahre alt. In seinem 20sten Lebensjahre kam er aus Schottland nach London, und von da begann seine glän⸗ zende Laufbahn, die ihn den ausgezeichnetsten Malern der Neu⸗ zeit anreihte. Im Jahre 1806 stellte er in der Koͤniglichen Aka⸗ demie seine ersten Gemaͤlde aus, und schon vier Jahre darauf wurde er akademischer Kuͤnstler und 1812 wirklicher Akademiker.
Sir David war erster ordentlicher Hofmaler, und auf Befehl Ihrer Majestät, so viel wir wissen, machte er die Reise nach Konstantinopel und Syrien, um einige große Bilder fuͤr die Koͤ⸗ nigliche Sammlung zu malen.“ .
Der „Standard“ hatte angekuͤndigt, daß der Schatz⸗Secre⸗ tair Herr E. Stanley als Gouverneur nach Bombay gehen werde. Der Globe widerspricht dieser Angabe und fuͤgt hinzu
daß Herr Stanley einen höheren Posten, aber in England selbst,
erhalten werde.
Von der kuͤrzlich abgegangenen Expedition zur Beschiffung des Nigers in Afrika sind bereits Nachrichten eingegangen. Das
eiserne Dampfboot „Sudan“, welches Plymouth am 17. Apri verlassen hatte, war am 14. Mai in Teneriffa eingetroffen. E sollte sich von da nach den Inseln des Gruͤnen Vorgebirges bege ben, daselbst die beiden anderen Dampfboͤte „Albert“ und „Wil berforce“”“ erwarten und mit beiden nach dem Niger abgehen.
In Windsor hatte Dlle. Rachel neulich auch die Ehre, in einer Abendgesellschaft der Koͤnigin mehrere Stuͤcke aus Franzoͤsi⸗
schen Tragikern vorzutragen, und erhielt von Ihrer Majestaͤt ei
reiches Armband zum Geschenke.
Der Contre⸗Admiral Sir R. Barrie, der in seinen juͤngeren Jahren mit Vancouver auf einer Entdeckungs⸗Reise die Erd umsegelt und sich spaͤter in den Kriegen gegen Frankreich und Nord⸗Amerika ausgezeichnet hatte, ist auf seinem Landsitze Swarth dale, in Lancashire, in seinem 67. Jahre mit Tode abgegangen Der Admiral war seit 1834 auch Commandeur des Hannoverschen
Guelphen⸗Ordens. Der alte Graf von Fortescue, Vater des Lord⸗Lieutenants
von Irland, ist am Dienstag in seinem 8ogsten Lebensjahre ge⸗ storben.
Der Polnische Edelmann Gurowski, der die Prinzessin
Isabella, Tochter des Infanten Francisco de Paula, entfuͤhrt
hatte, ist in der vorigen Woche zu Dover angekommen, wo dt, dem Vernehmen nach, ein Haus fuͤr sich gemiethet hat.
Der Globe meldet in seinem Boͤrsenbericht, daß in den letzten zehn Tagen sich der Ausfuhrhandel nach dem Kontinent bedeutend gebessert habe, und daß wieder Bestellungen einzulau⸗ fen anfingen. Dies hat guten Eindruck zu Manchester und Li— verpool gemacht, und namentlich in Baumwolle haben sich die Geschaͤfte gehoben. *
c
Mastricht, 16. Juni. Gestern Morgen hat der Koͤnig Audienz gegeben und sich unter Anderem lange mit der Belgischen Graͤnz⸗Kommission unterhalten. Am Abend begab er sich auf den Ball. Zwei Medaillen wurden ihm uͤberreicht, eine, die zu Ehren dieser ersten Reise des Koͤnigs, die andere, die zu Ehren der Ein⸗ weihung der neue Synagoge geschlagen worden. Heute Morgen hat er unsere Denkwuͤrdigkeiten und sonstigen Etablissements be⸗ sucht und Morgen begiebt er sich nach Kirchrath. Der Koͤnig hat mehrere Orden verliehen, unter anderen das Commandeur⸗ Kreuz an den Bischof Paredis in Roeremonde.
Die Kommission fuͤr Erbauung einer Eisenbahn von Mastricht nach Aachen hat dem Koͤnige ein Memoir uͤber dieses Projekt uͤbergeben. Der Koͤnig hat es mit großem Wohlwollen aufge⸗ nommen und sie des lebhaftesten Interesses versichert, welches er an dem Gluͤck Limburgs nehme. — Bei dem Diner hat der Koͤnig den ersten Toast auf das Wohl Limburgs und Mastrichts ausgebracht. Mehrmals sagte er, er sey tief von dem ihm ge⸗ wordenen Empfang geruͤhrt und bedauerte, daß Mastricht so weit vom Haag entfernt waͤre, da er sonst oͤfter wiederkommen wuͤrde.
Sgen.
Bruͤssel, 17. Juni. Es gebt hier das Geruͤcht, Graf von Muelenaere werde das Portefeuille der auswaͤrtigen Angelegen⸗ heiten niederlegen, und Herr Nothomb dasselbe an seiner Stelle uͤbernehmen. Herr Desmaisières wuͤrde dann Minister des Innern und das Departement der oͤffentlichen Bauten mit dem des Innern vereinigt werden. .
Nachdem der Minister van Volxem die Functionen als Buͤr⸗ germeister der Stadt Bruͤssel niedergelegt, sind dieselben vom Koͤnige dem bisherigen Schoͤffen Wyns de Raucour uͤbertragen worden.
Der Niederlaͤndische Staatsrath Baron von Anethan, ist hier im 72sten Jahre seines Alters mit Tode abgegangen.
8E11 v“ Neapel, 8. Juni. Die Entschaͤdigungssumme, welche die hiesige Regierung der Franzoͤsischen Compagnie Taix Aynard und Comp. wegen Aufloͤsung des Schwefel⸗Kontraktes verguͤtet hat, betraͤgt nicht eine Million Franken, sondern eine Million Du⸗ cati, also 4 ½ Millionen Franken. Außerdem hat sich die hie⸗ sige Regierung verpflichtet, alle (nicht unbedeutenden) Schwefel⸗ Depots der Compagnie auf den auswaͤrtigen Pläͤtzen zu den ho⸗ hen Kostenpreisen zu uͤbernehmen, worauf ihr ein sehr betraͤchtli⸗ cher Verlust bevorsteht. IIb Konstantinopel, 2. Juni. (A. Z.) Gestern ist endlich mit dem Russischen Dampfboot „Silatsch“ das Ultimatum der Pforte an Mehmed Ali nach Alexandrien abgegangen. Daß der Hatti⸗ scherif vom 13. Februar durch das genannte Ultimatum bedeu⸗ tende Modificationen erhalten, ist bereits bekannt. Ich habe da⸗ her zur Vervollstaͤndigung der bereits gemachten Angaben nur Der Heimfall Aegyptens an die Pforte oder vielmehr das Wiederaufleben der freien Wahl des Sultan hinsichtlich der Besetzung des dortigen Paschapostens findet mit dem Aussterben der maͤnnlichen Nachfolger Mehmed Ali's statt. Weiber und durch Weiber verwandte Nachkommen bleiben von der Nachfolge ausgeschlossen. Hinsichtlich der Armee bleibt, wie schon berichtet, dem jedesmaligen Pascha die Wahl der Land⸗ und See⸗Hffiziere bis zum Obersten verliehen; es wird ferner seine
Einsicht und seinem Billigkeitsgefuͤhl uͤberlassen, die im Hatti⸗
scherif auf fuͤnf Jahre bemessene Capitulationszeit fuͤr die Aegyp⸗ tischen Seldaten auf eine langere Dauer auszudehnen. Dem
sen wurden, am ganzen Koͤrper furchtbar verbrannt seyn. Die Pascha von Aegypten soll kein hoͤherer Rang, kein auszeichnen
derer Titel zukommen, als andern Wesiren. Auch bleibt, wie fruͤher der Hattischerif bestimmte und im neuen Ferman noch⸗ mals wiederholt wird, Aegypten in einem strengen Unter⸗ wuͤrfigkeitsbande mit der Pforte, so daß alle fuͤr die uͤbrigen Pro⸗ vinzen geltenden Gesetze und Normen auch in dieser ihre Anwen⸗ dung finden sollen. Die Behauptung irgend einer stattfinden⸗ den Ausnahme von den allgemeinen Gesetzen muͤsse aus dem Hattischerif und aus den gegenwaͤrtigen Fermanen bewiesen wer⸗ den. Auch die Bestimmung der fuͤr Aegypten bestehenden Ver⸗ bindlichkeit, jedem mit auswaͤrtigen Maͤchten geschlossenen Trak⸗ tat Folge zu geben, ist wieder in dem Ferman aufgenommen. Endlich soll Aegypten allen fuͤr das Osmanische Reich bereits
erlassenen oder noch zu erlassenden Verordnungen in Finanz!
sachen wie sede andere Provinz unterworfen seyn, sedoch mit
der Beschraͤnkung, daß die Verwendung der Einkuͤnfte nach Berichtigung des jaͤhrlichen Tributs an die Pforte dem Pascha uͤberlassen bleiben soll, so daß nur die Bemessung des Budgets, die Vertheilung und Erhebung der Steuern und Ab⸗ gaben den Osmanischen Gesetzen unterworfen bleiben duͤrfte. Der zweite nach Alexandrien abgeschickte Ferman bestimmt den von Aegypten an die Pforte zu entrichtenden jaͤhrlichen Tribut, der, wie erwaͤhnt, auf 80,000 Beutel festgesetzt worden ist. Hinsicht⸗ lich dieser Summe scheinen an Muhib Efendi, den noch immer in Alexandrien befindlichen Großherrlichen Kommissar, eigene In⸗ structionen ergangen zu seyn, in Folge deren weitere Unterhand⸗ lungen mit Mehmed Ali uͤber diesen Punkt als zulaͤssig erschei⸗ nen. Man glaubt allgemein, daß ein Nachlaß von 20 bis 30,000 Beuteln zu erwarten stehe.
Es verbreitet sich in diesem Augenblick das Geruͤcht von einer bedeutenden Schlappe, welche die Kandioten den Tuͤrkischen Trup⸗ pen auf Kreta beigebracht haben sollen. Auch aus Bulgarien, Maeedonien sind, wie es heißt, beunruhigende Berichte an die Pforte eingegangen.
ö“ .“ Magdeburg, 20. Juni. Die Magd. Ztg., die spaͤter
noch einen ausfuͤhrlicheren Bericht uͤber die Festlichkeiten waͤhrend der Anwesenheit Ihrer Koͤnigl. Majestaͤten geben will, meldet in ihrem heutigen Blatte, daß die Ruͤckkehr Sr. Majestaͤt und der Koͤnigl. Prinzen von Sommerschenburg hierher den 18ten, Abends nach 7 Uhr, erfolgte, und daß Hoͤchstdieselben, — wie uͤberhaupt die hohen Gaͤste, jedesmal, wenn und wo sie sich zeigten, von einem großen Theile der freudigen Einwohnerschaft umgeben wa⸗ ren — von einer zahllosen versammelten Volksmenge mit Enthu⸗ siasmus begruͤßt wurden. Drei Abende hindurch, den 17ten,
18ten und I9ten, war eine allgemeine Erleuchtung der Stadt.
Die Erleuchtung des Rathhauses und des Portals der Johannis⸗ kirche entfaltete so viel Glanz und Geschmack, daß sie nament⸗ liche Erwaͤhnung verdient; die Privathaͤuser, welche sich durch reiche und gefaͤllige Erleuchtung auszeichneten, alle zu nennen, gestattet der Raum dieser Blaͤtter nicht, so groß war ihre Anzahl. Am lsten Abends fand ein Fackelzug der Frei⸗ willigen aus den Jahren 1813 — 15, und ein anderer der Hand⸗
lungsbeflissenen, jeder Zug mit Fahnen und einem Musik⸗Corps, statt, ein Schauspiel, das besonders fuͤr unsere Stadt, wo wir dergleichen zu sehen weniger Gelegenheit haben, einen großen
Effekt nicht verfehlte. Nachdem Ihre Majestaͤten und die hier
anwesenden Prinzen an diesem Abend geruht, die Erleuchtung der Stadt in Augenschein zu nehmen und den Fackelzuͤgen eine gnaͤdige Aufnahme zu schenken, besuchten Hoͤchstdieselben den Beleuchtung mit Benga⸗
Dom, wo bei einer effektvollen lischem Feuer von dem trefflichen Dom⸗Corps eine Ge— sang⸗Auffuͤhrung dargebracht wurde. Am 19ten war fruͤh große Parade der hiesigen Garnison vor Sr. Majestät und spaͤter Diner im Königlichen Palais. Fuͤr den Nach— mittag war von der Stadt, zu Ehren Ihrer Majestaͤten, eine Fest⸗
lichkeit auf dem Herrenkrug veranstaltet worden, wohin sich Ihre
Käjestaͤten und saͤmmtliche hohe Gaͤste, so wie die eingeladenen Civil⸗- und Militair⸗Personen und Buͤrger auf dem reich und freundlich geschmuͤckten und mit einem Musik⸗Corps besetzten
Dampfschiff der Magdeburg-⸗Hamburger Compagnie „Koͤnigin Elisabeth“”“ begaben. Wie groß der Andrang der Einwohner nach diesem eine Stunde von hier entfernten Vergnuͤgungsorte war, zeigt schon der eine Umstand, daß drei Dampfschiffe der oben er⸗ waͤhnten Compagnie zum Transport der Reiselustigen in fortwaͤhren⸗ der Thaͤtigkeit waren. Den 19ten Abends fand unter Musikbegleitung ein Aufzug des hiesigen Rettungsvereins mit farbigen Laternen statt, der von Sr. Majestaͤt sehr guͤnstig ausgenommen wurde und in der That durch den eigenthuͤmlichen Reiz, den er gewaͤhrte, einen freundlichen Eindruck auf das Auge des Zuschauers machte. Auch geruhete Se. Majestaͤt der Koͤnig, den Gesang der vereinigten hiesigen Liedertafeln anzuhoͤren und sich beifaͤllig daruͤber zu aͤußern. Nachdem Ihre Majestaͤten der Koͤnig und die Koͤnigin heute noch dem Gottesdienste im Dom beigewohnt und eine zweite Huldigung der in unserm fruͤhern Berichte erwaͤhnten 11 Ge⸗ werke anzunehmen geruht hatten, verließen Allerhoͤchstdieselben heute Nachmittag 2 ½ Uhr unsere Stadt, ihr in schoͤnen Erin⸗ nerungen ein dauerndes Gedaͤchtniß an Ihre hohe Huld und Gnade zuruͤcklassend. Auch der Prinz von Preußen Koͤnigliche Hoheit, desgleichen die Prinzen Karl und Albrecht Koͤnigliche Hoheiten, haben unsere Stadt verlassen; ebenso sind Ihre Durchl. der Herzog von Braunschweig und der Prinz von Solms⸗ Braunfels wieder von hier abgereist.
Ihre Durchl. der Herzog und die Herzogin von Anhalt⸗ Bernburg trafen heute Vormittag hier ein und empfingen kurz darauf von Sr. Majestaͤt dem Koͤnige einen Besuch, welchen Sie sofort erwiederten. Se. Herzogl. Durchl. und Gemahlin haben darauf sogleich Ihre Ruͤckreise wieder angetreten.
Dieselbe Zeitung schreibt aus Sommerschenburg vom 18. Juni: „Am heutigen Tage fand die so glaͤnzende als wuͤr⸗ dige Einweihung des, dem verstorbenen General⸗Feldmarschall Grafen von Gneisenau hierselbst errichteten Denkmals statt. Die Feierlichkeiten, beguͤnstigt vom herrlichsten Wetter, fanden in fol⸗ gender Art statt. Die Leichen⸗Parade, unter Kommando des General⸗Majors von Zollikoffer, bestehend aus dem lsten Ba— taillon des 26sten Infanterie⸗Regiments, dem 2ten Bataillon des 27sten Infanterie⸗Regiments, dem 7ten Kuͤrassier⸗Regiment und 12 Fußgeschuͤtzen, war so placirt, daß das lste Bataillon mit dem rechten Fluͤgel sich an die Mauer des Schloßparkes lehnte, in welchem die Familiengruft des Verstorbenen, so wie das errich⸗ tete Denkmal sich befinden; dann folgte das 2te Bataillon, Front gegen das Denkmal; dann die 12 Geschuͤtze und, dem Isten Ba—
taillon gegenuͤber, das te Kuͤrassier⸗Regiment in Linie. Die
Infanterie war in Kolonne in Compagnie⸗Fronten formirt. Auf dem rechten Fluͤgel hatte sich der Landsturm der Gegend, beste⸗ hend aus alten Kriegern, aufgestellt. Nachdem Se. Majestaͤt der Koͤnig um 9 ½ Uhr vor der Kirche von Sommersdorf er⸗ schienen war, erfolgte die Einsegnung der Leiche nach katholischem 1g — Alsdann marschirte die Ite Compagnie des 26sten In⸗ offi beren Regiments dem Sarge voraus, welcher von 12 Unter⸗ S b dten Infanterie⸗Regiments (genannt Kolbergsches), Satge foigt er Verstorbene gewesen, getragen wurde. Dem N Pen zu Fuß Se. Majestaͤt der Koͤnig, saͤmmtliche vin Boöhen de so wie die gegenwaͤrtigen Generale von Bor⸗ Lindheim, uühe 8,99 Wedel 1., von Kanitz, von Nostitz, und von Personen. Waͤhrend ansehnliche Zahl hoͤherer Militair⸗-und Civil⸗ seuer und die Arzillere 8 Beisetzung gaben die Truppen Bataillons⸗ sich hierauf nach de e Geschuͤtzfeuer. Se. Majestaͤt der Koͤnig begab welche der Milttair⸗Obrdeden Seite des Denkmals. Nach der Rede, von Borstel, als din Crediger Dr. Große hielt, trat der General nung, welche des hchenerat, hervor und dankte fuͤr die Auszeich⸗ durch Errichtung eines Denkmals gescheajestit Sens 9
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jestaͤt der regierende Koͤnig, umgeben von saͤmmtlichen Prinzen des Hauses, durch Hoͤchstihre Gegenwart bei der Leichen⸗Feier erwiesen; und bat um die Erlaubniß, daß das Denkmal enthuͤllt werde, worauf durch die beiden dasselbe bewachenden Offiziere (1 Infanterie⸗ und 1 Kuͤrassier⸗Offizier), der Vorhang, welcher das Denkmal noch bedeckte, herabgelassen wurde, dessen Anblick durch ein vom General von Borstel Sr. Majestaͤt dem Koͤnige gebrachtes, aus tausend Stimmen wiederhallendes Hurrah be⸗ gruͤßt wurde. Se. Majestaͤt reichte dem General von Borstel nun die Hand und umarmte ihn. Demnaͤchst ließ der Koͤnig Sich durch den Grafen Gneisenau das Band des Schwarzen Adler⸗Ordens abloͤsen, trat zum General von Boyen und uͤberreichte demselben dieses Band, um ihn als einen Freund des Verstorbenen, der es einst getragen, an diesem feierlichen Tage damit zu schmuͤcken. Se. Majestaͤt der Koͤnig umarmte dann auch den General von Boyen. Die auf⸗ gestellten Truppen praͤsentirten und Se. Majestaͤt ging die Front
entlang; dann defilirten die Truppen en parade an Se. Majestät
den Koͤnig vorbei; eben so die oben genannten Krieger. Hierauf begab Sich Se. Majestaͤt durch den Park nach dem Schlosse, wo der Graf Gneisenau unter einem eigens errichteten Zelte, aus welchem man die reizendste Aussicht nach dem Braunschwei⸗ gischen genoß, ein glaͤnzendes Diner von 190 Couverts gab. (Als eine Berichtigung der im vorletzten Stuͤcke der Zeitung
gegebenen Notiz bemerken wir, daß die Leiche des verstorbenen
unaͤchst nach Wormsdorf
General von Gneisenau von Posen ommerschenburg gebracht
und erst am 18. Juni von dort nach wurde.)
Berlin, 22. Juni. Auf der Berlin⸗Anhaltschen Eisenbahn,
deren Eroͤffnung fuͤr die Fahrten von hier bis Juͤterbogk binnen
kurzem bevorsteht, sind seit einigen Tagen Probefahrten veran⸗ staltet worden, und zwar unter Anderem auch mit einer Lokomo⸗ tive, die in der hiesigen Maschinenbau-Anstalt des Herrn Borsig
b Da Kochsolz nicht zur Speise selbst, sondern nur zur Wuͤrze
der Speise dient; so bleibt das Maß dessen, was der Einzelne zu seiner Verzehrung bedarf, stets sehr gering: es ist allerdings verschieden, nach Beschaffenheit der Speisen; doch mag nach einer billigen Schaͤtzung der Mensch hoͤchstens halb so viel Lothe Salz verbrauchen, als er Pfunde Nahrungsstoffe genießt. Der Ankauf dieses Salzes kann demnach nur laͤstig werden entweder, wo jeder Ankauf fuͤr baares Geld uͤberhaupt laͤstig wird, oder bei sehr hohen Salzpreisen. In Ländern, wo die Naturalwirthschaft noch bei weitem uͤberwiegend vorherrscht, und wo der Arbeitslohn und selbst die Boden⸗Rente noch fast ganz in Naturalien besteht, er⸗ schwingt allerdings der Handarbeiter nur mit großer Anstren⸗ gung das Geld zum Ankaufe des Salzes, wenn er auch außer⸗ dem mit Kost, Kleidung und Wohnung hinreichend versorgt ist; und selbst dem wohlhabenden Grundbesitzer wird die baare Verwendung fuͤr Salz beschwerlich. Aber ein solcher Zustand ist uͤberhaupt unvertraͤglich mit den Anspruͤchen auf Bil⸗ dung, Lebensgenuß und Macht, wozu Menschen und Staaten im heutigen Europa sich berechtigt halten. Kochsalz wird an seinen Erzeugungsorten groͤßtentheils mit so wenig Aufwand an Arbeit gewonnen, daß es daselbst betraͤchtlich wohlfeiler ist, als das gleiche Gewicht der gemeinsten Nahrungsmittel: waͤhrend die achtzig Pfunde Roggen, welche der Preußische Scheffel enthaͤlt, im mittleren Europa gewoöͤhnlich mehr als einen Preußischen Thaler gelten; wird das gleiche Gewicht an Salz oͤfters für we⸗ niger als einen halben Thaler erzeugt. Das zur Wuͤrze der Speisen erforderliche Salz kann daher nur da verhaͤltnißmaͤßig theuer erscheinen, wenn entweder Versendungskosten oder Steuern darauf lasten, welche den Erzeugungspreis vielfach uͤbersteigen. Im Innern von Afrika, wohin das Salz nur durch das Schiff der Wuͤste, das Kameel, aus weiter Ferne gelangt, gilt der täͤg⸗ liche Genuß des Salzes spruͤchwoͤrtlich fuͤr eine Bezeichnung aus⸗ gezeichneten Reichthums: in Europa ist eine solche Vertheurung durch Versendungskosten unmoͤglich vermoͤge der Leichtigkeit der Land⸗ und Wasser⸗Verbindungen, und der Aufmerksamkeit, womit
gebaut ist. Dieser Dampfwagen, der sich auch durch sein solides und elegantes Aeußere auszeichnet, hat allen Erwartungen vollkommen entsprochen, so daß zu hoffen ist, die vaterlaͤndische Industrie werde auch auf diesem Felde bald mit der Britischen und Nord⸗Ameri⸗ kanischen konkurriren koͤnnen. 8
Duͤsseldorf, 19. Juni. Am 21. Dezember 1838 war auf der Duͤsseldorf⸗Elberfelder Eisenbahn die Bahnstrecke von hier nach Erkrath dem Verkehr eroͤffnet, und sind seitdem bis zum 23. Mai d. J. an 280 Fahrtagen im Ganzen 162, 122 Personen auf dieser dem eigentlichen Verkehr wenig zugaͤnglichen Strecke befoͤrdert worden. — Zwischen hier und Vohwinkel fuhren seit der Eoͤffnung am 28. Mai d. J. bis incl 13. Juni, mithin an 17 Fahrtagen, zusammen 20,856 Personen.
Nach dem von der hiesigen Handels⸗Kammer mitgetheilten Berichte war der Verkehr im hiesigen Hafen im Jahre 1840 nachfolgender: Eingefuͤhrt wurden vom Oberrhein im Ganzen 390,467 Ctr., wovon 92,211 Ctr. die Dampfschiffe einbrachten. Vom Niederrhein 770,485 Ctr. Total also 1,160,952 Ctr. Außerdem wird die Guͤter⸗Zufuhr zu Lande auf 120,000 CEtr. veranschlagt. Die Ausfuhr dagegen hat betragen 135,825 Ctr., wovon die Dampfschiffe 65,930 Ctr. befoͤrderten. Die Guͤter— Einfuhr war im Jahre 1840 mehr als 1839 90,214 Ctr. und die Ausfuhr weniger 56,203 Ctr. Mit den sechs Duͤsseldorfer Dampfschiffen sind in den 275 Reisen, welche gemacht wurden, 152,387 Personen und 179,600 Ctr. Guͤter befoͤrdert wor den.
Aachen, 18. Juni. Man schreibt aus Heerlen, daß Se. Majestaͤt der Koͤnig der Niederlande bei seiner Tour von Maest⸗ richt nach Kirchrath gestern Nachmittag einem großen Ungluͤcke entgangen ist. Auf der Chaussee kurz vor dem Flecken scheuten die Pferde und der Wagen, in welchem vier den Koͤnig beglei kende Offiziere saßen, wurde umgeworfen, und in das ziemlich tiefe, zur Seite der Straße befindliche Wasser geschleudert. Der Koͤnig sprang sogleich aus seinem Wagen und stieg selbst in das
Wasser herab, um den Verungluͤckten beizustehen, die mit Huͤlfe
einiger herbeigeeilten Landleute bald ans Land gebracht wurden, doch außer Stande waren, Se. Majestaͤt weiter zu begleiten. 1 Berichtigung. In Nr. 167 der „Staats⸗Ztg.“ ist in einer Korrespondenz aus Leipzig irrthuͤmlich berichtet worden, daß der daselbst am 14. Juni verstorbene Prinz Emil von Holstein⸗Sonderburg⸗Au⸗
gustenburg in Folge einer nicht ebenbuͤrtigen Ehe auf die Anwart⸗ schaft auf den Daͤnischen Thron Verzicht geleistet habe. Eine
solche Verzichtleistung konnte schon aus dem Grunde nicht statt— finden, weil der Verstorbene der zweite Sohn des Herzogs von Augustenburg war und als solcher keine Anwartschaft auf Erer⸗ bung der Herrschaft Augustenburg, noch viel weniger auf den Daͤnischen Thron, hatte. Denn die Holsteinsche Familie hatte damals uͤberhaupt keine Erb⸗Anspruͤche in letzterer Beziehung.
Bemerkungen uͤber den Einfluß der Salzsteuer auf den Zustand der Arbeiterfamilien.
Wir bitten Alle um das taͤgliche Brod; demungeachtet tritt nicht in Irland allein, sondern selbst in einigen Fabrik⸗Gegenden Deutschlands die taͤgliche Kartoffel in dessen Stelle; und wenn auch Brod täglich auf die Tafeln der Reichsten und Maͤchtigsten kommt, so ist der Antheil mehrentheils ganz unbedeutend, den es an ihrer Ernaͤhrung hat. Vom Kochsalz laͤßt sich nicht dasselbe sagen: es wird dem Aermsten nur um so unentbehrlicher, je groͤber und minder nahrhaft die Speisen sind, womit er sich naͤhrt; und der uͤppigste Genuß alles dessen, was einen verwoͤhten Gaumen noch zu reizen vermag, entwoͤhnt nicht von dem Gebrauche des⸗ selben. Beut die Natur auch Kochsalz in reicher Fuͤlle dar, ist das Weltmeer davon erfuͤllt, und enthaͤlt es der Boden einiger
üͤberall vorhandener Sole nachgespuͤrt wird. Die Schifffahrt auf dem Meere bringt den Centner Salz fuͤr weniger als einen Thaler von den suͤdlichen Kuͤsten Portugals bis in den Finnischen Meerbusen. Auf schwaͤnkendes Andeuten hin wurde hunderte von Fußen tief nach Salz gebohrt, und Salzquellen von sehr geringem Gehalte sind durch kostbare Gradirwerke versiedbar ge⸗ worden. Nur die Besteurung allein kann daher das Kochsalz, welches zum Wuͤrzen der Speisen gebraucht wird, so sehr ver⸗ theuern, daß dessen Ankauf den Handarbeitern auch da laͤstig ist, wo fuͤr die Beduͤrfnisse seines Zustandes hinreichender Lohn in baarem Gelde gezahlt wird. Die Leichtigkeit, den Salzverbrauch zu besteuern, hat die Regierungen allerdings veranlaßt, Abgaben darauf zu legen, welche verhaͤltnißmaͤßig sehr viel hoͤher sind, als bei irgend einem anderen Gegenstande der Verzehrung. Brandt⸗ wein und Taback sind in den meisten Staaten niedriger besteuert, als um den einfachen Betrag der Erzeugungskosten; selbst im Britischen Reiche wurde die Besteurung solcher Lebensmittel wie Zucker, Kaffee, Thee und Wein nicht leicht hoͤher getrieben, als auf das Doppelte oder Dreifache des Preises, wozu sie steuerfrei haͤtten verkauft werden koͤnnen: aber die Preußische Regierung, welche die vorgenannten Genußmittel nur mit etwa einem Drit⸗ theile des Werthes besteuert, erhoͤht den Salzpreis durchschnittlich ungefaͤhr auf das Dreifache, und in Großbritanien war sogar nach Mac⸗Culloch's Zeugnisse das Kochsalz. mit dem Vierzigfachen seines dort sehr niedrigen Erzeugungspreises besteuert. So hart es alles erscheint; so war es doch in den meisten Faͤllen gar nicht die Schwierigkeit, Salz fuͤr die Verzehrung zu so sehr erhoͤhten Preisen anzuschaffen, was den Unwillen daruͤber erzeugte. Ehe die reichen Solen am Untern Neckar erbohrt wurden, hatte Frankfurt a. M. im freien Verkehr ungefaͤhr eben so hohe Salzpreise, als der Preußische Staat bei der jetzigen Besteurung. Die nahen Salinen zu Nauheim, Orb, Kreuznach und Muͤnster am Stein konnten kein wohlfeileres Salz verschaffen, weil die Versiedun Fihrer sehr schwachen Solen großen Aufwand an Arbeit und Feu⸗ rungs⸗Material erforderte: das Salz aus den Niederlaͤndischen Raffinerien und aus den Lothringschen Salzwerken wurde dage gen durch hohe Versendungskosten eben so sehr vertheuert Sehr betraͤchtliche Landstrecken in anderen Gegenden Europa' haben nicht minder hohe Salzpreise bloß in Folge ihrer Ent⸗ ferung von großen Salzwerken, vom Meere und von den schiff baren Stroͤmen. Dem Arbeiter, welcher das Salz nur pfund⸗ oder metzenweise kaufen kann, wird es oft auch dadurch betraͤcht⸗ lich vertheuert, daß es durch viele Haͤnde geht, ehe es endlich bis zu ihm gelangt: uͤberdies haftet die Befugniß zum Einzelnhandel mit Salz, oder der sogenannte Salzschank zuweilen ausschließ⸗ lich auf gewissen Grundstuͤcken, deren Eigenthuͤmer ihr Monopol auf Kosten ihrer Abnehmer wohl zu nuͤtzen wissen. In allen solchen Faͤllen verbraucht der groͤßte Theil des Volks zur Wuͤrze seiner Speisen verhaͤltnißmäͤßig theures Salz, ohne daß dieser gewohnte Zustand erhebliche Klagen erzeugte, oder einen merklich nachthei⸗ ligen Einfluß auf seinen Wohlstand und Lebensgenuß außerte. Auch eine schon betraͤchtlich hohe Besteuerung wuͤrde nicht anders wirken, wenn das Kochsalz nur bloß in den Haushaltungen zur eigenen Verzehrung verbraucht, und kein unbesteuertes Salz in der Naͤhe kaͤuschlich waͤre. Ganz andere Verhaͤltnisse bilden sich dagegen, wo Kochsalz zum Gewerbbetriebe gebraucht, also cent⸗ ner- oder tonnenweise gekauft, und wo dasselbe in geringer Ent⸗ fernung steuerfrei feilgeboten wird. Ein sorgfaͤltiger Betrieb der Landwirthschaft fuͤhrt solche Verhältnisse schon in weitem Umfange herbei. Alle wiederkaͤuenden Thiere sind sehr begierig nach Salz, dessen haͤufiger Genuß ihr Gedeihen auch sichtlich befoͤrdert. Ein aufmerksamer Landwirth gewaͤhrt seinen Rind⸗ und Schaf⸗Herden gern diesen Genuß: aber hohe Salzpreise erschweren ihm diese Ver⸗ besserung seiner Viehzucht, und machen sie selbst unmoͤglich, wenn der Aufwand auf Salz fuͤr sein Vieh den Vortheil uͤbersteigt, den er daraus zu ziehen vermag. Noch viel groͤßer ist der Ein⸗ fluß der Salzpreise auf den Betrieb der großen Fischereien.
Laͤnder in ungeheuren Massen: so kann der Mensch doch nur
unter den seltensten oͤrtlichen Verhaͤltnissen seinen Bedarf davon
unmittelbar einsammmeln. Fast allgemein erkauft Jeder das Salz, das er genießt; und die Bereitung desselben fuͤr den Handel er⸗ fordert Anstalten von solchem Umfange, daß sie der oͤffentlichen Kunde nicht entgehen koͤnnen. Eine Waare, deren Verbrauch so wenig entbehrt, und deren Erzeugung so wenig verheimlicht wer⸗ den kann, eignet sich ganz besonders zur Besteurung. Wirklich ist auch kein Gegenstand allgemeiner besteuert worden, als eben das Kochsalz. Als Ausnahme von großem staatswirthschaftlichen Gewichte wird gewoͤhnlich angefuͤhrt, daß Großbritanien bei der umfaßensten Anwendung von Verbrauchssteuern, doch das Koch— salz unbesteuert lasse: uͤbersehen wird aber hierbei, daß die Brittische Nation seit der Regierung Koͤnig Wilhelm III. und bis zum Jahre 1823, also mehr als hundert Jahre hindurch, sich einer Salzsteuer unterworfen hatte, die nur erst vor acht ehn Jahren vor dem Unwillen verschwand, den ein rüͤcksichtafoser Mißbrauch darauf gehaͤuft hatte. 8 N. Bne
Wenn die Tonne Haͤringe der gemeinsten Art bei dem Salzpreise von einem Thaler fuͤr den Centner fuͤr sieben bis zehn Thaler verkauft werden kann; so wuͤrde der Preis derselben um dreißig bis funfzig Procent erhoͤht werden muͤssen, wenn im Preußischen Staate vollstaͤndig versteuertes Salz dazu verwendet werden sollte. Auch zum Bereiten der harten Seise, zum Gerben, Faͤrben, und vielen chemischen Präͤparaten wird Kochsalz in nicht geringem Maaße verbraucht. Der Betrieb solcher Gewerbe wird empfind⸗ lich gedruͤckt, wo nicht ganz unmoͤglich gemacht, wenn die Re⸗ gierung das Salz, dessen sie beduͤrfen, eben so hoch besteuert, als sie ganz fuͤglich dasjenige Salz besteuern kann, welches in den Haushaltungen zur Wuͤrze der Speisen verbraucht wird. 8₰ willigt sie dagegen dem Salze zur gewerblichen d 8 Steuerfreiheit, oder doch einen betraͤchtlichen Seruela2; 8 - 8 die große Verschiedenheit der nebeneinander bestehenden noga —
Versuche zur Umgehung der Steuer auf. Die ee. best
sicht, welche sie denselben entgegenzusetzen genoͤthigt 2 der Bn der Verschiedenheit dieser Preise, und wird bet sehr hobe 8