1841 / 175 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

und Arbeitslohn und uͤber die Billigkeit der Steuern auf Le⸗ Unter Anleitung des Grafen Fitzwilliam, eines hoff⸗ nungsvollen Schuͤlers der hoͤheren Klasse, uͤbten sie sich fuͤr gruͤndlichere Pruͤfung, sammelten Thatsachen und Beweismittel Verstaͤndige Zu- hoͤrer sahen mit Frenden, daß so viele kluge Koͤpfe sich so nuͤtz⸗ lich beschaͤftigten. Daß ploͤtzlich Lord Brougham's heile, empha⸗ uͤber⸗ der sale aussetzen.

bensmittel. und kraͤftigten ihre Einsicht durch Anstrengung.

tische Stimme dazwifchen erschallte, machte eine raschende Wirkung. Es lebt jetzt kein Staatsmann,

Lord Brougham an Einsicht gleichstaäände. Er hat zu seine

Zeit der Sache einer vernuͤnftigen Regierung Dienste geleistet,

deren kein Anderer faͤhig war. Oft setzte er seinen hohen Ru

mit einer Verwegenheit aufs Spiel, die ein minder kraͤftiger Geist ohne völligen und unersetzlichen Untergang nie haͤtte begehen duͤr⸗ fen. Jetzt steht er da in der Reife seiner Kraft, durch Zeit und TEsheil auf der liberalen Seite; allein obgleich solche Talente ihren ausuͤben, so

Erfahrung gestaͤrkt. dungen.

dauernden Sinn lehrte er eine Versammlung, die natuͤrlich nicht mit ihm gleichfuͤhlen kann, ehrfurchtsvoll und besorgt auf ihn hoͤ⸗ Fall. ren. Selbst der aufgeregteste Theil der Demokratie betrachtet Sinn, der sich durch Redefertigkeit wenig bestechen laͤßt.

ihn mit Wohlwollen. Er vermag die große Sache, die jetzt an⸗

häaͤngig ist, mit mehr Kenntniß, groͤßerer Belehrung und staͤrke⸗

rem Nachdrucke zu vertheidigen als irgend ein lebender Redner. Er vermag sie den Lords annehmlicher zu machen als irgendwer, ihm werden die Chartisten groͤßere Aufmerksamkeit schenken als irgend einem Anderen. Wird er der Wortfuͤhrer der Grundsaͤtze, unbekuͤmmert, wer sich anschließe oder nicht, so kann er sich zum Vertreter fuͤr die Rechte der Industrie und zum Centralpunkte fuͤr die Vereinigung der verschiedensten Richtungen machen. Er kann fuͤr Handelsfreiheit jetzt mehr thun, als er einst gegen die Geheimeraths⸗Befehle gethan und so seinem Lande einen Dienst leisten, der seine fruͤheren Dienste eben so weit uͤbertrifft, wie Pes Brougham's gereifte Kraft Henry Brougham's wunderliche nergie“

Bei Gelegenheit des mit einer Majoritaͤt von einer Stimme einig in sich selbst bleibt und durch seine Gesetzantraͤge einen festen die Bedenken der Gegenpartei auf grundlosen Voraussetzungen, da einmal, was den Personen⸗Verkehr anbetrifft, nicht leicht

angenommenen Antrages Sir R. Pecls gegen die Minister wird

von hiesigen Blaͤttern bemerkt, daß schon fruͤher in zwei sehr

wichtigen Faͤllen die Entscheidung nur durch eine gleiche Majori⸗ rät erfolgt sey, nämlich im Jahre 1831, wo Lord J. Russell's Reformbill, und im Jahre 1701, wo die Erbfolge des Hauses Hannover mit einer Majoritaͤt von nur einer einzigen Stimme durchgesetzt worden.

O9 Connell hat in Irland an die katholische Geistlichkeit eine

Adresse erlassen, worin er dieselbe zur thaͤtigsten Mitwirkung

bei den Wahlen auffordert. Im Jahre 1840 wurden 146 Bills vom Parlament ange⸗ nommen, wovon aber erst 94 von der Koͤnigin sanktionirt sind.

Niededlandee.

8 Aus dem Haag, 20. Juni. Am l5ten d. hat hier die Auswechselung der Ratificationen eines Handels⸗Vertrages zwischen

dem Koͤnigreich der Niederlande und der Republik Texas statt⸗

gefunden. General James Hamilton fungirte dabei als Bevoll⸗ maͤchtigter der Letzteren. Das Handelsblad sagt, dieser Traktat sey von derselben erleuchteren Politik beseelt, die den Abschluß der fruͤheren Vertraͤge mit dem Deutschen Zollverband und Frank⸗

ret 1 Peligkien.

Bruͤssel, 21. Junt. Der Koͤnigl. Preuß.

der Eidgenossenschaft, Geheime Legationsrath Dr. Bunsen, ist auf

der Reise nach London von Berlin hier eingetroffen und im Ho⸗ tel des Koͤnigl. Preuß. Gesandten abgestiegen.

Es heißt, daß der Baron von Stassart, der sich mit dem Ministerium gaͤnzlich ausgesoͤhnt hat, zum Staats⸗Minister oder zum Gesandten in Frankfurt a. M. ernannt werden wird.

Das Palais in Bruͤssel (Palast des Prinzen von Oranien), das Sr. Mafestaͤt dem Koͤnige der Niederlande gehoͤrt und das so viele Jahre unter Sequester stand, wird jetzt auf Befehl und auf Kosten Sr. Majestaͤt ausgebessert, und zwar ganz so, wie es bereits von der Sequestrirungs⸗Kommission angeordnet war.

Waͤhrend des Monats Mai sind auf den Belgischen Eisen⸗ bahnen 62,000 Personen mehr als im Mai 1840 befoͤrdert wor⸗ den. Man schreibt dies dem herabgesetzten Tarif zu. Die Ein⸗ nahmen im Monat April 1841, wo noch der alte Tarif galt, be⸗ trugen 361,000 Fr.; im Mai stiegen sie unter dem neuen Tarif auf 507,000 Fr.

8ꝙ Bruͤssel, 21. Junt. Der Ausgang der Wahlen hat in der Stellung der verschiedenen Parteien zu einander und dieser zu dem Ministerium nicht einige unbedeutende Veraͤnderungen hervorgebracht, welche die Aufgabe des letzteren immerhin etwas schwieriger machen. Der Minister des Innern, Herr Nothomb, hatte bei seinem Antritte in dem Rnndschreiben an die Gouver⸗ neurs der Provinzen erklaͤrt, daß das neue Kabinet bei den bevor⸗ stehenden Wahlen keine Veraͤnderung fuͤr noͤthig erachte, da es mit der Kammer in ihrer zeitweiligen Zusammensetzung regieren zu koͤnnen glaube. Es war damit zugleich angedeutet, daß das Ministerium bei den Wahlen sich neutral verhalten wuͤrde, falls es sich nicht durch eine ungerechte Provocation von der liberalen Seite zu einem enischiedenen Auftreten genoͤthigt sehe. Daß nun die liberalen Blaͤtter gleich von Anfang an das Kabinet sehr hef⸗ tig angegriffen haben, ist bekannt, wir haben aber auch sogleich bemerkt, daß alle Gemaͤßigteren, welche bei den Wahlen den Ausschlag geben, eine ruhig beobachtende Stellung genommen hatten. Sei es nun aber das feindliche Auftreten jener Blaͤtter, oder seyen es andere Ruͤcksichten, Thatsache ist es, daß mehrere Mitglieder des Kabinets auf eine entschiedene Weise den Regierungseinfluß in den verschiedenen Provinzen zu Gunsten der katholischen Partei angewandt haben. Diese letztere hatte nun die, fuͤr sie guͤnstigen Umstaͤnde benutzen zu muͤs⸗ sen geglaubt, um in den Lokalitaͤten, wo sie Herr zu seyn meinte auch die sehr gemaͤßigten liberalen Deputirten auszuschließen unds selbst solche, die man mit mehr Recht zu der katholischen als der liberalen Seite gezaͤhlt hatte; man wollte, scheint, jetzt unbedingte Partei- Maͤnner haben, auf die man bei jeder Gelegenheit zaͤhlen koͤnnte. Das Land hat nun freilich anders entschieden. Alle li⸗ berale Deputirten, ohne eine einzige Ausnahme, die vermittelnden sowohl wie die durchaus entschiedenen, sind wiedererwaͤhlt worden, und zwar, was wohl zu beachten ist, durch die alleinige Staͤrke der liberalen Meinung. Jetzt beschweren sich nun diese Depu⸗ tirten uͤber die unduldsame Weise, mit welcher man gegen sie ver⸗ fahren ist, so wie uͤber den Antheil, den mehrere Mitglieder des Kabinets bei den Wahlen gegen sie genommen haben. Die Folge davon ist, daß sich auch diese vermittelnden Deputirten durch die letzten Vorgaͤnge gezwungen sehen, sich auf eine ent⸗ schiedenere Weise der liberalen Meinung anzuschließen und dieje⸗ nigen als Gegner anzusehen, von denen sie selbst als solche behan⸗ delt worden sind. Es treten daher freilich dieselben Deputirten, aber mit einer anderen Richtung, in die Kammer wieder ein.

Er steht da, frei von allen Partei⸗Verbin⸗ d Im Vertrauen auf seinen eigenen Genius und aus⸗ Einfluß in

Demohngeachter kann das Ministerium wohl sicher seyn, keine systematische Opposition zu finden, vielmehr darauf rechnen, zweckmaͤ⸗ ßige Gesetzantraͤge von einer bedeutenden Majoritäͤt unterstuͤtzt zu sehen. Eine systematische Opposition ist zum erstenmale unter dem vorigen Kabinette von der katholischen Seite versucht worden; allein die Wahlen haben gezeiat, wie eine solche im Lande nicht hinrei⸗ chenden Anklang findet. Wollte nun jetzt die liberale Partei eine aͤhn⸗ liche Stellung einnehmen, so wuͤrde sie flch einem gleichen Schick⸗ Freilich wird eine Folge der Vorfaͤlle der letzten r. drei Monate seyn, daß die Diskussionen in der Deputirten⸗Kam⸗ mer, im Anfange wenigstens, unter groͤßerer Aufregung gefuͤhrt f werden, und das Kabinet einen etwas schweren Stand haben

ruhen wird. Die Redner⸗Talente befinden sich zum groͤßten jeder gesellschaftlichen Berathung ist dies doch in der hiesigen Deputirten⸗Kammer weniger der Es herrscht hier im Allgemeinen ein praktischer nuͤchterner r sich d Moͤge daher das Ministerium nur nuͤtzliche Gesetz⸗Vorschlaͤge machen und es wird der Beistimmung der großen Majoritat nicht erman⸗ geln. Es ist auch hohe Zeit, daß ein Ministerium durch ein ent⸗ schiedenes Auftreten die verschiedenen wichtigen Gesetz Entwuͤrfe, die seit drei Jahren schon in den Kartons schlummern, wirklich zur Berathung bringe, und es ist das jetzige Kabinet vielleicht durch seine Stellung zu den Parteien mehr dazu geeignet, diese

Gesetze durchzubringen, als es das fruͤhere war. Denn die ka⸗

tholische Partei, die sich mit der Zusammensetzung des Kabinets

gleich Anfangs zufrieden zeigte, darf jetzt um so weniger an eine

ernstliche Opposition gegen diese Gesetz⸗Entwuͤrfe denken, als ihr

die letzten Wahlen die liberale Richtung des Landes unverkenn⸗ bar angezeigt haben. Sie ist daher gezwungen, einige Konzessio⸗ nen zu machen, damit das Ministerium auch die gemaͤßigte libe⸗

rale Meinung befriedigen kann. Wenn daher das Kabinet nur

aber versoͤhnlichen Willen kundgiebt, so wird es von keiner ernst⸗ lichen Gefahr bedroht seyn. 8 8 Deutsche Bundesstaaten. Hannover, 14. Juni. (Prot. Ausz.) Allgemeine Staͤnde⸗Versammlung. Zweite Kammer. (Sitzung vom 10. Juni.) Der Praͤsident verkuͤndigte den Eingang einer Vor⸗ stellung des Moor⸗Commissairs Wehner zu Goͤttingen wegen Ver⸗ V1 letzung der Verfassung durch die gegen ihn verfuͤgte Konfinirung.

herrn von Ketteler⸗Bollen schlug Herr Buddenberg vor, „um

erster Kammer qualifizirt seyen, da sie in Preußen domizi⸗ lirt und Preußische Unterthanen seyen, aber nicht konstire, daß in diesem Staate nicht das Gegentheil vorgeschrieben sey.“ Herr Wedekind emendirte, „da zuverlaͤssig bezeugt sey, daß der Graf von Korff⸗Schmiesing und Freiherr von Ketteler⸗ Bollen Preußische Unterthanen, in diesem Staate aber, bei Er⸗ mangelung allgemeiner Staͤnde, die Reziprozitaͤt nicht beobachtet werden coͤnne, dieselben fuͤr zulaͤssig nicht zu erachten seyen.“ Diesem Antrag raͤumte Herr Buddenberg die Praͤcedenz ein; er wurde jedoch abgelehnt, dagegen der Antrag des Herrn Budden⸗ berg mit großer Majoritaͤt genehmigt., Das Koͤnigl. Schreiben wegen des Haushalts der General Kasse wurde an die Budget⸗ Kommission verwiesen; desgleichen das Kabinetsschreiben uͤber die Wahl der Schatzraͤthe und das Koͤnigl. Schreiben uͤber die Dienstanwei⸗

sung fuͤr das Schatz⸗Kollegium. Die Kommission zur Entwerfung der Adresse wurde gewaͤhlt, so wie zur Konferenz uͤber die Zulassung des Der General⸗ Syndikus referirte aus der Vorstellung des Advokaten Detmold wider im Verwaltungswege gegen ihn verfuͤgte verfassungswidrige Gunsten der Stadttheile geltend gemacht,

Heern Stuͤve. (Sitzung vom 11. Juni.)

Freiheits⸗Beschraͤnkung mit dem Antrage, „die Vorstellung dem

Kabinet zu uͤberweisen und dabei zu erkennen zu geben, daß, da eine solche administrative Be⸗

weuiin es sich so verhalte schraͤnkung der persoͤnlichen Freiheit mit den Rechten der Un⸗ terthanen und der Landes⸗Verfassung durchaus unverein⸗ bar erscheine, Staͤnde die schleunigste Abstellung damit zu beantragen fuͤr dringende Pflicht halten muͤssen.“ Herr

Klenze schlug verbessernd vor, „einfach bei Koͤnigl. Kabinet um baldthunlichste Aufhebung der Maßregel quaest. nachzusuchen.“

Herr Siemens aber einzuschalten, „in sofern solches mit Vor⸗ wissen des Kabinets geschehen.“ (ersteres mit 52 gege

Die Kammer schritt zur ersten Berathung des Gesetzes uͤber die Rechtsverhaͤltnisse der Juden und gelangte bis zum §. 55.

Leipzig, 23. Juni. (L. A. Z.) Den Bitten seiner Freunde nachgebend, nahm Thorwaldsen gestern die Einladung zu einem

rasch beschlossenen Festmahl an, zu dem sich um 1 Uhr gegen 80 Maͤnner und Frauen im Gartensaale des Hotel de Saxe verei⸗

nigten. Der hochgefeierte Gast wurde bei seinem Eintreten in den Saal mit Musik empfangen; Toaste, Musik und Gesang er— heiterten das Mahl, und als die Tafel aufgehoben, nahm Men⸗ delssohn⸗Bartholdy an einem Fortepiano Platz und entzuͤckte durch sein Spiel alle Zuhoͤrer, wobei uns die Erinnerung um so schmerz⸗ licher war, daß wir diesen allverehrten Kuͤnstler nun bald, wenn auch hoffentlich nicht auf immer, scheiden sehen. Einige von einer kunstgeuͤbten Dilettantin mit gewohnter Vollendung vorgetragene Lieder beschlossen diesen allen Anwesenden gewiß unvergeßlichen Tag, und nachdem der Ehrengast sich auf das herzlichste ausge⸗ rochen, reiste er noch denselben Abend nach Weimar ab. Der Fuͤrst von Fuͤrstenberg hat dem Mechaniker Wagner e erforderlichen Lokalitäten und eine Summe von 7000 Fl. zur Verfuͤgung gestellt, damit dieser die von ihm erfundene elektromag⸗ ketische Maschine im Großen herstellen koͤnne, an welche Bedin⸗ ng die von der Bundesversammlung bewilligte Nationalbeloh⸗ ng von 100,000 Fl. geknuͤpft ist. In Bayern ist das Verbot der Pferdeausfuhr vom 22. Jur auf zwei Monate verlaͤngert worden.

& Leipzig, 23. Juni. Gestern Vormittag 9 Uhr fand in der hiesigen Buchhändler⸗Boͤrse die erste General⸗Versammlung der Saͤchsisch⸗Bayerischen Eisenbahn⸗Compagnie statt. Wohl sel⸗ ten hat sich bei uns, denen dergleichen oͤffentliche Versammlungen doch im Ganzen noch etwas Neues sind, an eine solche ein so lebhaftes und thaͤtiges Interesse geknuͤpft, als an die gestrige. Wochenlang vorher war man darauf durch Wort und Schrift vorbereitet worden, und am Tage der Versammlung selbst war ganz Leipzig in Bewegung; wer nicht selbst mitwirken konnte, der theilte wenigstens die allgemeine Spannung und Erwartung, mit welcher man dem Resultate dieser Zusammenkunft entgegen⸗ sah. Um diese ungewoͤhnliche Bewegung zu erklaͤren, muß ich

wird, da es nicht stark an gewandten Rednern ist, und die Last der Diskussion fast ausschließlich auf den Minister des Innern

einige Verhaͤltnisse genauer beruͤhren, um welche es sich hierbei vorzugsweise handelt.

Nachdem näͤmlich die Hauptfrage wegen des Baues der Leipzig⸗Hoser Bahn entschieden, und dadurch die Besorgnisse zer⸗ streut waren, welchen man sich vorher in Bezug auf das 8 meine Saͤchsische Interesse hingegeben hatte, erhob sich eine

zweite Frage von zwar nur lokaler, aber um so unmittelbarerer Wichtigkeit fuͤr die Bevoͤlkerung Leipzigs, die Frage naͤmlich: wo soll die neue Bahn ausmuͤnden? Die oͤffentliche Meinung theilte sich in Bezug auf diese Frage in zwei scharf getrennte Parteien. Die eine verlangte, im Interesse des Publikums, de Bahn selbst, der beiden anstoßenden Bahnen und endlich im In⸗ teresse Leipzigs und Sachsens, die unmittelbare Verbindung des neuanzulegenden Bahnhofes mit den beiden schon bestehenden, dem der Leipzig-⸗Dresdner und dem der Leipzig⸗Magdeburger Bahn. Es sey zweckwidrig, meinte man, die Ausmuͤndungen der Bahnen, auf deren Wechselverkehr hauptsaͤchlich gerechnet sey, zu trennen, und so einen langwierigen und kostspieligen Transport der Personen und Guͤter von einem Bahnhof in den anderen herbeizufuͤhren. Ein solcher Mißgriff muͤsse sich nothwendig in einer verminderten Benutzung der Bahn fuͤhlbar machen, und wenn es besonders noch dahin kommen sollte, daß uͤber Eisenach und Koburg eine Parallelbahn mit der Leipzig⸗Hofer angelegt wuͤrde, so werde der Personen⸗Verkehr und besonders der Guͤter⸗ Transport sich auf jene Bahn werfen und die unsere verlassen,

Zu den Vollmachten des Grafen von Korff⸗Schmiesing und Frei⸗

Auskunft daruͤber zu bitten, ob dieselben zur Mitgliedschaft

Beide Amendements wurden 24 Stimmen) abgelehnt und der Antrag des General⸗Syndikus mit 69 gegen 7 Stimmen angenommen. bisher nur vor dem Forum der oͤffentlichen Meinung gefuͤhrt,

um den Verzoͤgerungen und den Kosten der Umladung zu ent⸗ gehen. Daher wurde vorgeschlagen, den Bahnhof entweder in die Gegend des Schießhauses, also dicht neben den Leipzig⸗ Dresdner, oder zwischen diesen und den Leipzig⸗Magdeburger, oder endlich hinter diesen zu verlegen, die Bahn selbst also auf einen Umweg um den ganzen suͤdoͤstlichen Theil der Stadt herum⸗ zufuͤhren und in die Leipzig⸗Dresdner, etwa 1 Stunde vor ihrem Eintritt in den Bahnhof, einmuͤnden zu lassen.

Dagegen erhob sich nun aber eine andere Partei mit den energischsten Vorstellungen und gleichfalls unter Aufzaͤhlung vie⸗ ler gewichtiger Gruͤnde fuͤr ihre Ansicht. Dieser zufolge, beruhen

Jemand durch Leipzig durchreisen werde, ohne sich hier aufzuhal⸗ ten, zumal da die Fahrzeiten der verschiedenen Bahnen schwerlich so zusammenstimmen moͤchten, daß der Reisende sofort nach seiner Ankunft auf der einen mittelst der anderen weiter befoͤrdert werden koͤnnte, ferner auch fuͤr einen solchen Fall durch das bequeme und billige Droschken⸗Fuhrwerk hinlaͤnglich gesorgt sey, und endlich bei den Guͤtern eine Umladung und Verpackung ohnehin, auch zwischen den eng beisammengelegenen Bahnhoͤfen stattfinden muͤsse. Ferner wurde, als Grund wider die Vereinigung der Bahnhoͤfe ange⸗ fuͤhrt, daß kein passender Platz fuͤr einen dritten Bahnhof zu er⸗ mitteln seyn werde, da es schon fuͤr die beiden vorhandenen an den noͤthigen Raͤumlichkeiten fehle; daß die Zusammendraͤngung eines so ungeheuren Materials, einer so großen Menge von Guͤ⸗ tern und Personen, vielfache Uebelstaͤnde und Gefahren mit sich

bringe, und besonders die polizeiliche Kontrole und die Aufrecht⸗ erhaltung der Ordnung außerordentlich erschwere; daß das Ein⸗ muͤnden einer Bahn in die andere und die Verschmelzung beider in eine auf eine ziemliche Strecke hoͤchst bedenklich sey; endlich daß dadurch den Unternehmern ein Mehraufwand von ungefaͤhr 200,000 Rthlr., wegen des großen Umwegs, den dann die Bahn nehmen muͤsse, den Reisenden aber aus demselben Grunde eine Verzoͤgerung und Vertheuerung ihrer Reise erwachsen werde. Auch wurde darauf Bezug genommen, daß, im Falle noch eine Bahn von hier nach Duͤrrenberg und weiter nach Naumburg,

zu Stande kommen sollte, der Bahnhof derselben nothwendig von den beiden bestehenden entfernt, dagegen ziemlich auf dieselbe Seite

der Stadt gelegt werden wuͤrde, fuͤr welche man den Saͤchsisch⸗

Bayerischen in Anspruch nehme. Neben diesen allgemeineren,

aus dem Interesse der Bahn selbst abgeleiteten Gruͤnden wurden

nun aber auch Ruͤcksichten der Gerechtigkeit und Billigkeit zu

welche den Ba

in ihrer unmittelbaren Naͤhe zu sehen G

einen lebendigeren Antheil an den Gesammt⸗Verkehr Leipzigs zu

erhalten, dessen betraͤchtliches Wachsthum ihnen bisher so wenig

zu Gute gekommen ist, daß sie vielmehr nur noch mehr veroͤdet

sind, als fruͤher, da die ganze Bewegung der Reisenden und Be⸗

sucher Leipzigs sich auf die Gegend der beiden Bahnhoͤfe und der

Post, und auf die innere Stadt konzentrirt.

Dies war der Stand der Parteien in der Bahnhofs⸗Frage, welche seit Monaten die Gemuͤther beschaͤftigte und besonders in dem hiesigen Tageblatte (welches, beilaͤufig gesagt, in allen solchen Fragen unseres lokalen oͤffentlichen Lebens eine Macht ist) in ei⸗ ner wahren Fluth von Aufsaͤtzen diskutirt wurde. Dieser Streit,

sollte nun in der General⸗Versammlung der Actionaire seine fak⸗ tische Entscheidung erhalten, zwar nicht unmitteldar, aber doch in sofern, als von der in dieser Versammlung vor⸗ zunehmenden Wahl des Ausschusses hoͤchst wahrscheinlich das Schicksal der Bahnhofs⸗Angelegenheit abhinge. Daher bot denn jede der beiden Parteien Alles auf, um sich den Sieg bei den Wahlen zu sichern; Wahl⸗Kandidaten⸗Listen wurden mehrere Tage vorher verbreitet und den Actionairs, welche man zu gewinnen hoffte, zugesendet; Besprechungen fan⸗ den statt; auf der Straße, am Eingange in das Versammlungs⸗ Lokal und selbst innerhalb desselben sah man die Fuͤhrer von beiden Seiten thaͤtig durch Vertheilung von Actien und durch Zusprache die Stimmen ihrer Partei zu verstaͤrken. Daher bot die unge⸗ woͤhnlich zahlreiche Versammlung (uͤber 500 Personen, welche zu⸗ sammen fast 24,000 Stuͤck Actien repraͤsentirten) einen aͤußerst belebten und interessanten Anblick dar. Die Verhandlungen selbst, welche der Wahl vorangingen, waren dagegen, wie vorauszusehen, von geringerer Bedeutung, und bestanden nur in einem Vortrage des bisherigen Vorsitzenden, Kaufmann Olearius, welcher di

Entstehung und den bisherigen Fortgang des Unternehmen

schilderte, und am Schlusse desselben die Versammlung, der For

wegen fragte, ob sie sich definitiv als Actien⸗Gesellschaft konsti⸗ tuiren wolle, und einer auf diese Abstimmung Bezug nehmen⸗ den Rede des Koͤnigl. Kommissars, Kreis⸗Direktors von Fal⸗ kenstein, welcher in dem Namen der Koͤnigl. Saͤchsischen und

Herzogl. Sachsen-Altenburgischen Regierung die Zusicherungen

der von beiden Regierungen dem Unternehmen zu gewaͤhrenden Unterstuͤtzung wiederholte, der Uebereinkunft zwischen den genannten beiden Staaten und der Krone Bayern gedachte wonach die ganze Straße von Leipzig bis Nuͤrnberg binnen 6 Jahren vollen⸗ det seyn soll, zugleich auch die Weiterfuͤhrung der Bahn vom letzteren Orte bis Augsburg, auf Staatskosten verheißen wird, und endlich der Versammlung eroͤffnete, daß zu den zwei statutenmaͤßig von den beiden Regierungen zu besetzenden Stellen im Direktorium der Compagnie, von Seiten der Koͤnigl. Saͤch⸗ sischen Regierung der Regierungsrath Freiherr von Friesen, von Seiten der Herzogl. Saͤchsischen, aber der Dr. Hofmann, Advokat in Leipzig, und bisheriger Secretair der Gesellschaft, er⸗

8

nannt worden sey. Hierauf wurden noch folgende Fragen, naͤm⸗ lich 1) ob die Gesellschaft alles dasjenige gutheiße und bestaͤtige, was das provisorische Comité angeordnet habe, und 2) ob die Gesellschaft ein Gesuch an die beiden Regierungen richten wolle, des Inhalts, daß die Verzeichnung des Actien⸗Kapitals vom 1. Juli d. J. an beginne, vom Vorsitzenden gestellt, und von der Versammlung durch Acclamation bejaht, sodann aber zur Wahl geschritten, deren Resultat jedoch offiziell erst morgen be⸗ kannt gemacht werden wird.

Frankfurt, 22. Juni. Dem Comits fuͤr Errichtung eines Monumentes fuͤr Goͤthe wurde in seiner gestrigen Sitzung zwei Skizzen Schwanthalers, welcher seit wenigen Tagen hier anwesend ist, aber der gestrigen Sitzung nicht beigewohnt, vorge⸗ legt. Man entschied sich fuͤr die Skizze, welche den großen Dich⸗ ter in wuͤrdiger Haltung stehend, mit einem Urberwurf, dem Griffel und der Rolle in der Hand, darstellt. Die Basreliefs zeigen die Bekraͤnzung Goͤthe's von den Musen und die bekann⸗

testen Personen seiner Meisterwerke. Schwanthaler wird nun ruͤstig mit der Arbeit beginnen und wir duͤrfen aus seiner Hand ein neues Meisterwerk erwarten.

Ahreke.

v16“

Franzoͤsische Blaͤtter theilen ein Schreiben aus Syra vom 6. Juni mit, welches Nachstehendes aus Kandien meldet: „Den glaubwuͤrdigsten, uns neuerdings zugegangenen Nachrichten von der Insel Kandien zufolge, haben die Griechi⸗ schen Insurgenten bereits eine in drei Corps getheilte Armee von 16,0000 Mann unter den Waffen. Das erste, aus mehr als 4000 Mann bestehende Corps hatte eine konzentrirte Stel⸗ lung bei Stiliari inne; das zweite Corps von 6090 Mann ist zur Vertheidigung einer unbezwinglichen Stellung bei Castro, so wie der benachbarten Distrikte aufgestellt; ein drittes Corps von 6000 Mann ist im Innern der Insel zerstreut, wo es die wich⸗ tigsten Punkte besetzt haͤlt. Man sieht taͤglich bewaffnete Grie⸗ chen aus allen Theilen der Europaͤischen Tuͤrkei hier eintreffen; Deserteure der Armee des Koͤnigs Otto, Offiziere und Soldaten, begeben sich mit Waffen und Gevpaͤck nach Kandien, obgleich die Regierung die strengsten Maßregeln getroffen hat, um dieser Auswanderung Einhalt zu thun. Die Kandiotische Armee ist mit Waffen und Munition sehr gut versehen. Die Kandiotische Regierung hat in Smyrna allein 1500 Fässer Pulver und ganz neuerdings 8000 Flinten gekauft, die ihr vor einigen Tagen in sehr gutem Zustande uͤberliefert worden sind. Die gegenwaͤrtig in den Haͤfen von Kanea und Kastro versammelten Tuͤrkischen Streitkraͤfte bestehen aus 12,000 Mann und ihre Flotte schaͤtzt man auf fuͤnf bis sechs Linienschiffe nebst Transport⸗ und an⸗ deren kleinen Schiffen. Eine Englische Fregatte und eine Fran⸗ oͤsische Fregatte und Korvette liegen auf der Rhede vor Anker. er drei Tagen kauften 40 Hydrioten im hiesigen Hafen zwei Schiffe, die sie als Brander ausruͤsten wollen; sie sind unver⸗ uͤglich nach Kandien abgereist, um bei erster Gelegenheit die tische Flotte in Brand zustecken.

Wir erfahren aus Konstantinopel, daß Herr Titoff, Rus⸗ sischer Geschaͤftstraͤger bei der Osmanischen Pforte, dem Divan eine sehr energische Note uͤberreicht hat, die sich auf die furcht⸗ baren Niedermetzelungen, deren die Tuͤrken sich in 70 Bulgari⸗ schen Doͤrfern schuldig gemacht haben, so wie auf die bedeutende Zahl christlicher Bulgaren bezieht, die ihrer Heimath entrissen

los Andrada, daß nach alten Portugiesischen Gesetzen ihm, als Minister des Innern, die Interims⸗Verwaltung gehoͤre, unbe⸗ kuͤmmert um den Eindruck, den dies auf den Kaiser selbst und auf den ganzen Hof machen mußte. Aureliano aber, dem der Kaiser und seine Schwestern von jeher das größte Vertrauen be⸗ wiesen, wußte, wie es scheint, den Ausbruch dieses Mißvergnuͤ⸗ gens klug zuruͤck zu halten, bis der rechte Augenblick gekommen war. Ein Seer . in einer Abend⸗Gesellschaft des Kai⸗ sers gesprochenes ort gab das Signal, und als der Kaiser, von der Menge von Anklagen, die sich plöͤtzlich von allen Seiten erhoben, uͤberrascht und betroffen, Aureliano in sein Kabinet berief, nahm dieser den Zeitpunkt wahr, die Lage des Landes zu schildern. Seines Erfolges sicher, erhob er sich in dem naͤchsten Minister Conseil mit einer Entschiedenheit, die man bis dahin nie an ihm wahrgenommen. Der Gegenstand der Dis⸗ kussion war die Provinz Rio grande; Aureliano erklaͤrte, falls der Kaiser die Vorschlaͤge der Andradas billige, muͤsse er um seine Entlassung bitten, und da diese mit demselben Dilemma ihm ent⸗ gegen traten, so mußte sich der Kaiser entscheiden, und er entschied fuͤr Aureliano.

Bald nach dem „glorreichen 23. Juli“ hatte der Kaiser be⸗ kanntlich eine politische Amnestie erlassen, und mit diesem Dekret sandte man nach Rio grande einen Deputirten, Alvares Machado, einen Mann, der sich durch eine graͤnzenlose Geschwaäͤtzigkeit eine Art von Bedeutung in der Kammer verschafft hat. Er erhielt jedoch keinen offiziellen Charakter und kam dadurch gleich in eine schiefe Stellung zu dem General Andrea, der zugleich Praͤsident und Militair⸗Kommandant (general das armas) in jener Provinz war. Bento Gonzalves, der Chef der Insurgenten nachdem der alte Bento-Manoel sich kurz zuvor unterworfen und nach Montevideo zuruͤckgezogen hatte, erklaͤrte, er wolle gern unterhandeln, aber nur in Gemeinschaft mit den uͤbrigen Aufruͤhrern, und da er durch Andrea von diesen getrennt und blokirt sey, so muͤßten die Regierungs⸗Truppen zuruͤckgezogen werden. dem General, der ihm erklaͤrte, die Amnestie koͤnne nur fuͤr die⸗

Mit diesen Vorschlaͤgen kam der gefaͤllige Vermittler zu

jenigen gelten, welche die Waffen niederlegten, er werde sicherlich

gen zu verlassen. ten einen Vorwand, den verhaßten Andrea zu entlassen. Alva⸗ res Machado wurde Praͤsident, und man schickte ihm als Gene⸗

reto, der sich durch seine friedliche Gesinnung empfahl.

frischer Kraft im Felde. Waͤhrend man aber die Regierungs⸗ Truppen verstaͤrkte und von hier drei Offiziere schickte, um unter des Marschalls Oberbefehl die drei Waffengattungen zu komman⸗ diren, erschien ein De. Vieira, ein sehr angesehener Riogran⸗ denser, der eine Art neutraler Stellung behauptet, d. h nicht selbst die Waffen gefuͤhrt hatte, mit neuen gen: man solle ihm blanche geben, einen General seiner Wahl zu ernennen; dann garantire er die Unterwerfung der Provinz. Und darauf gingen die Andradas ein! Vieira reiste ab, mit dem Versprechen, seine Ernennung sofort zu erhalten; sie war ausgefertigt und lag dem Kaiser zur Unterschrift vor, als Aureliano seinen letzten Ver⸗

und als Sklaven verkauft worden sind. Im Namen seines Sou⸗ verains, des Beschuͤtzers der Christen im Orient, protestirt er mit Nachdruck gegen das barbarische Recht, welches sich die Tuͤrki⸗ schen Befehlshaber in Bulgarien angemaßt haben.

berufen worden, um Rechenschaft uͤber ihr Benehmen abzulegen. Die Tuͤrkischen Behoͤrden in Bulgarien und den benachbarten Provinzen haben den Befehl erhalten, alle bis heut von den Tuͤrken bis zum heutigen Tage zu Sklaven gemachte Bulgaren auf Ko⸗

sten der Pforte loszukaufen, in ihre Doͤrfer zuruͤckzubringen und

ihnen die noͤthigen Mitttel zu geben, damit sie ihre durch die Tuͤrken gepluͤnderten oder niedergebrannten Haͤuser wiederher⸗ stellen und ihre Beschaͤftigungen als Ackerbauer wieder beginnen können. Gleichzeitig hat die Pforte dem Fuͤrsten von Serbien auf offizielle Weise ihren Dank dafuͤr zu erkennen gegeben, daß er die fluͤchtigen Bulgarischen Christen aufgenommen und ihnen ein Asyl gegen die Grausamkeiten der Tuͤrken gewaͤhrt hat. Nachschrift. Man theilt uns so eben die durch ein Eng⸗ lisches Dampfboot von Kandien nach dem Pyraͤus gebrachte offi— zielle Nachricht mit, daß die Tuͤrken, nachdem sie die Festungen Kanea und Kastro verlassen, um zu versuchen, ob sie sich im In⸗ nern der Insel halten koͤnnten, zuruͤckgeworfen und gezwungen worden sind, sich in jene beiden festen Orte einzuschließen, wo sie eng blokirt werden. Das Signal zu Feindseligkeiten ist von den Tuͤrken in Bulgarien und auf der Insel Kandien gegeben worden und wird in allen Provinzen der Europaͤischen Tuͤrkei, deren Bewohner der Mehrzahl nach Christen sind, Wiederhall finden. Schon ist die Insurrection in Macedonien und Thessalien organisirt. Wir haben mehrere mit dem Siegel der dort einge⸗ setzten neuen Behoͤrden versehenen Aktenstuͤcke gesehen und mit Freuden das Griechische Kreuz erblickt mit der Umschrift: „Ma- kedonon politeia“, Thessalon politeia’. Man glaubt, daß auch Romanien, ganz in der Naͤhe von Konstantinopel, in kurzem sich unabhaͤn⸗gig erklaͤren und seinen alten Namen „Thracien“ wieder annehmen werde. Vor langer Zeit hat man gesagt, daß die Tuͤrken in Europa gelagert seyen; der Augenblick naht heran, wo sie gezwungen seyn werden, ihre Lager zu verlassen.“ 111““ Rio Janeiro, 14. April. Schneller ind ploͤtzlicher, als es irgend Jemand erwarten konnte, hat das Ministerium der Andrada's sein Ende genommen, und damit schließt wohl uͤber⸗ 1 haupt das politische Leben dieser Familie, die seit 20 Jahren in der Geschichte Brasiliens eine bedeutende Rolle gespielt hat. Mit ihnen zugleich nahm sofort auch Limpo de Abréu seinen Abschied, 8 nach einigem Zoͤgern folgten schweren Herzens die beiden Cavalcanti; nur Aureliano, der Minister der auswärtigen Ange⸗ legenheiten, blieb und erreichte so das Ziel, welches er unstreitig im Auge hatre, als er am 23. Juli v. J. den Andradas, seinen Todfeinden, sich als Kollege anschloß.

Es war zunaͤchst eine Palast⸗Intrigue, der das „Ministerium der Majorennitaͤt“⸗ unterlag. Die Andradas hatten zwar den Kaiser moͤglichst mit ihren Kreaturen umgeben und wußten Leute, die ihnen haͤtten entgegenwirken koͤnnen, mit großer Strenge von ihm fern zu halten; aber das Hof⸗Personal hatten sie nicht ver⸗ ündern koͤnnen, und in der Verblendung ihres Stolzes gaben sie sich auch nicht die geringste Muͤhe, ihre Feinde zu schonen. Ja, als der Ober⸗Hofmarschall (Mordomo mor), Marquis S. Idao da Palma, auf seine Guͤter ging und der Kaiser schon seinem fruͤheren Voruunde, dem Marquis von Itanhaem, die interimistische

8 Verwaltung dieser Stelle versprochen hatte, erklaͤrte Antonio Car⸗

8

8 Bule In Folge dieser Note sind die Pascha's von Bulgarien nach Konstantinopel

such machte. Der erste Schritt des neuen Ministeriums war nun: Saturnino, Aureliano's Bruder, zum Praͤsidenten und, auf seinen Wunsch, den Grafen Rio Pardo zum General zu er⸗ nennen; freilich findet diese Wahl auch nicht allgemeinen Beifall,

zwischen dem Kommandirenden und Mißtrauen und Zwietracht zu naͤhren.

men, um auf ihre Kosten ein Bataillon auszuruͤsten und vorlaͤufig fuͤr ein Jahr zu besolden.

Auch in den noͤrdlichen Provinzen hat die Regierung der Andradas eben keine glaͤnzende Folgen gehabt. Der Zweck, den sie vorzugsweise im Auge hatten, waren die Deputirten⸗Wahlen, und diese Ruͤcksicht bestimmte die Wahl der neuen Praͤsidenten. Die Folge davon ist, daß Para, welches, kaum beruhigt, eben anfing, seinen uner⸗ meßlichen natuͤrlichen Reichthum etwas zu entwickeln, schon wie⸗ der in dumpfer Gaͤhrung ist. In Ceara ist es schon zu blutigen Auftritten gekommen, diese Provinz ist indeß so groß und zugleich so wenig bevoͤlkert, daß Bewegungen der Art fuͤr das Ganze von geringer Bedeutung sind. Unstreitig die bluͤhendste Provinz ist aber Pernambuco; der Praͤsident, F. do Rego Barros, ist so populair, daß keines der Ministerien, die in den letzten Jahren auf einander folgten, ihn zu entlassen wagte; die Truppen dieser Provinz, die besten des Landes, waren immer am schnellsten bei der Hand, und zwar in dem fernen Rio grande eben sowohl als in Bahia; die Andradas aber wußten ihm unter der Hand solche Widerwaͤrtigkeiten zu bereiten, daß er seinen Abschied forderte, und das haͤtte hoͤchst wahrscheinlich zum Abfalle dieser Provinz gefuͤhrt. Besonders traurig ist der Zustand von Bahia in Folge

mit voͤlliger Straflosigkeit veruͤbt. In der Provinz Sergipe zwischen Bahia und Pernambuco erschien kuͤrzlich in einer kleinen Stadt mit Tagesanbruch ein Trupp von etwa 50 Mann, angefuͤhrt von einem Pater, umstellte das Haus des Friedens⸗ richters und eroͤffnete ein regelmaͤßiges Feuer auf dasselbe. Fuͤnf Stunden lang vertheidigte sich der Ungluͤckliche, ohne daß sich

drang in das Haus, zerriß und verbrannte saͤmmtliche Akten und zog dann ganz ruhig ab. Nun erst kam der Juiz de direito zum Vorschein, es dauerte jedoch ein npaar Tage, ehe aus der Hauptstadt der Provinz ein kleines Detaschement erschien und die In⸗ struction des Prozesses begann, natuͤrlich eine ganz leere Foͤrm⸗ lichkeit. Dergleichen Vorfaͤlle, die in den Provinzen gar keine Seltenheit sind, zeigen dann, wie gering das Gebiet ist, auf wel⸗ ches die Regierung eine regelmaͤßige Wirkung ausuüben kann, und wie wenig noch von den großen Kuͤsten⸗Staͤdten aus, der Sinn fuͤr wirkliche Civilisation in das Innere des Landes einge⸗ drungen ist.

Die Amnestie wurde uͤbrigens ohne Weiteres auch auf die⸗ jenigen ausgedehnt, die wegen der letzten Revolution in Bahia theils zum Tode, theils zu ewigem Gefaͤngniß verurtheilt waren, und deren Urtheil in letzter Instanz noch nicht gefaͤllt war; nur ist ihnen der Aufenthalt in anderen fernen Provinzen vorgeschrie⸗ ben. So erschien in Rio der Dr. Sabino, Chef jener Empoͤrung, dem Goyaz zur Wohnung angewiesen war; er lebte anfangs als Gast in dem Hause des Justiz⸗Ministers Limpo und betrieb, wie es heißt, eine Reclamation bei der Regierung: als Folge der Amnestie verlangte er seinen ruͤckstaͤndigen Gehalt als Pro⸗

““

nicht den Rebellen den Gefallen thun, seine vortheilhaften Stellun⸗ Das wollten die Andradas gerade; sie wuͤnsch⸗

ral das Armas den Marschall Joao Paulo dos Santos

on neuem begannen die Unterhandlungen, und als sie abgebrochen werden mußten, weil die Bedingungen der Insurgenten wahrhaft naiv unverschaͤmt waren, hatten diese inzwischen ohne Schwert⸗

streich sich aus ihrer Klemme befreit und stehen jetzt wieder mit vom 23. Maͤrz sind: Minister des Innern, der Senator Can

rine, Marquis Paranagua t . vorlaͤufige Combination; man wollte nicht sofort in das andere

8 Vorschlaͤ⸗ die Praͤsidentschaft und zugleich carte

fessor der Chirurgie an der Lehranstalt in Bahia. Von einer Absendung nach Goyaz war keine Rede, und ein Regierungs⸗ Journal aͤußerte die Hoffnung, man werde ihn ruhig hier lassen und ihm nach so langer Gefangenschaft nicht noch ein so hartes Exil auferlegen. Das jetzige Ministerium jedoch hat ihn sogleich unter Eskorte dorthin abfuͤhren lassen; es heißt, er habe sogar hier in der Umgegend neue Umtriebe angefangen; inwiesern es wahr ist, daß man bei ihm verraͤtherische Briese von A. C. Andrada gesunden habe, weiß ich freilich nicht, gewiß aber ist, daß die beiden Bruͤ⸗ der nach ihrer Provinz, S. Paulo, zuruͤck wollten, daß man ih⸗ nen jedoch Schwierigkeiten machte, worauf sie sich an den wandten, der ihnen schreiben ließ: er glaube zwar nicht an verleum⸗ derische Geruͤchte, wuͤnsche aber, daß sie bis zur Kroͤnung hier blieben.

So hat Antonio Carlos die allgemeinen Angelegenheiten des Landes gelenkt; sein Bruder, Martin Francisco, ist mit den Fi⸗ nanzen nicht gluͤcklicher gewesen. Die Kammer hatten ihm be⸗ kanntlich einen sehr bedeutenden Kredit bewilligt, und die natüͤr⸗ liche Folge davon war, daß die Kapitalisten ihr Geld zuruͤckhicl⸗ ten und der Zinsfuß stieg, das nannte aber der Minister ein Verschwoͤrung der Boͤrse gegen den Staat, und Kampf gegen di Boͤrse wurde sein Losungswort. Montezuma wurde nach Eng⸗ land geschickt, um eine Anleihe zu machen, und so sicher rechnete man auf das Gelingen, daß man die faͤlligen Zinsen nicht remit⸗ tirte, wodurch denn, da alle Versuche bis jetzt fehlgeschlagen sind, die Lage der Regierung nur verschlimmert worden ist. Die Glaͤu⸗ biger der Arsenale wurden indeß gezwungen, Apolices (Staats schuldscheine) zu einem Course zu rechnen, den ihnen der Mini⸗ ster vorschrieb; dieser that ferner, was er einst dem Minister Can dido Baptista als das abscheulichste Verbrechen vorgeworfen: er nahm als Anleihen aus der Amortisationskasse das Geld, wel⸗ ches zur Tilgung bereit lag; dazu hatte er das Gluͤck, einen ungewoͤhnlich reichlichen Ertrag der Zoͤlle zu erhal⸗ ten. Da aber alles das nicht ausreichte, so wendete er sich an einzelne Kapitalisten und erhielt auf diese Weise nicht unbedeu tende Summen zu mäͤßigen Zinsen, zum Theil ganz zinsfrei aber freilich immer nur auf kurze Zeit; dergleichen hieß dann Patriotismus und wurde mit dem Christus Orden belohnt. Kurz, unwuͤrdiger und kleinlicher kann das Finanz⸗Devartement nich geleitet werden, und der Vorwurf, welchen Martin Francisco als Oppositions⸗Deputirter dem damaligen Finanz⸗Minister machte trifft ihn selbst vollkommen. Wie es eigentlich mit den Finanzen steht, wird man freilich erst erfkahren, wenn die Kammern zu⸗ sammenkommen. Gegenwäͤrtig uͤbrigens ist dies Ministerium wieder in der Hand von Calmon, dem Brastlianischen Financier bar excellence. b Die uͤbrigen Mitglieder der jetzigen Verwaltung sie datir

8

dido José de Araujo Vianna; der Justiz, Paulino José Soure de gJ des Krieges, José Clemente Pereira, und der Ma⸗ Doch haͤlt man dies nur fuͤr eine

Extrem fallen, dessen „Unvermeidlichkeit’“ doch Jeder einsiehr,

Fünts Chee. in das Ministerium zu berufen; dieser hat gehalten, was er erklaͤrte: er hat die Fensterscheiben, die man ihm am 23. Juli eingeschlagen, nicht machen lassen und die Laͤ⸗ den auf der ganzen Front seines Hauses geschlossen gehalten.

EEIII

Berlin, 25. Juni. Wir geben nachstehenden Bericht uͤber das Woll⸗Geschaͤft seit Ende Juni 1840 und uͤber den diesjaͤhri⸗

denn Saturnino war schon einmal Praͤsident, und man warf ihm vor, sich zu viel in die militairischen Operationen zu mischen und H seinen Unterbefehlshabern

Das hiesige Publikum indeß nimmt ploͤtzlich einen gewaltig patriotischen Aufschwung; wäaͤhrend ein reicher Kaufmann 4 Contos (etwa 500 Pfund St.)

zu den Kriegs⸗Kosten schenkt, tritt eine Anzahl Anderer zusam⸗ 8 so daß sich anfanas September ein Vorrath von 50 60,000 Ctr.

gen Woll⸗Markt in Berlin, abgestattet von dem vereideten Ko⸗ sonial“’, Produkten und Manufakturwaaren⸗Makler Herrn J. A Koöͤnig hier: e 1 „Gleich nach Beendigung des hiesigen vorjaͤhrigen Woll Marktes bis gegen Ende August v. J. war der Umsatz von Woll hier sehr unbedeutend und das Wenige, was verkauft wurde, be⸗ zahlte man 4 à 6 Rthlr. unter dem Markt⸗Preise. Die Zufuhren waren sehr bedeutend, wodurch sich die hiesigen Lager haͤuften,

gebildet hatte. Durch die alsdann von Zeit zu Zeit hier einge troffenen fremden Kaͤufer namentlich Franzosen, Niederlaͤnder, Rheinlaͤnder, so wie Fabrikanten aus dem Gebiete des Zoll⸗Ver⸗ bandes, belebte sich zwar der Umsatz doch nur zu gedruͤckten Preisen circa 2 à 4 Rthlr. unter den Markt⸗ Preisen. Erst im Spätherbst und bis Ende April d. J. erhoben sich

die Preise der feinen Gattungen bis zu den vorjaͤhrigen Markt preisen, in einigen Faͤllen sogar mit einer kleinen Erhoͤhung uͤber den Marktpreis, und wurden diese Gattungen auf dem Platze geraͤumt. Auch von anderen Gattungen wurde Bedeutendes umgesetzt, aber nur selten die vorjaͤhrigen Marktpreise erreicht. Die Zufuhren dauerten, wenn auch schwaͤcher, bis zu Ende Fe⸗ bruar d. J. fort, die inlaͤndischen Fabrikanten blieben Kaͤufer und zwar nicht unbedeutend, obgleich die sehr gedruͤckten Preise des Fabrikats kaum in richtigem Verhaͤl:niß mit dem rohen Pro⸗ dukt standen. Von England lauteten die Berichte uͤber den Ar⸗ tikel wegen der in jenem Lande, wie bekannt, herrschenden Miß⸗

der obgedachten Amnestie; politische Mordthaten werden am Tage

eine Hand in der Stadt ruͤhrte; endlich unterlag er; die Rotte

konjunkturen, fortdauernd unguͤnstig, so daß nur wenig Neigung zur Speculation auf die diesjaͤhrige Schur entstehen konnte, es wurde daher auch nur wenig auf Kontrakte abgeschlossen.

Wenn dessenungeachtet auf den diesjaͤhrigen dem unsrigen vorangehenden Maͤrkten eine unerwartete Erhoͤhung der Wollpreise stattfand, so duͤrfte sich dies aus folgenden Ursachen erklaͤren lassen: 1) waren die Preise auf den gedachten Maͤrkten im v. J. unge⸗ faͤhr nur eben so viel niedriger als auf dem hiesigen Markte; 2) ist die Waͤsche in diesem Jahre uͤberall bedeutend besser als im vorigen Jahre; 3) hat man im Allgemeinen in diesem Jahre eine ins Gewicht leichter fallende Wolle geschoren und so duͤrften aus diesen Gruͤnden sich die dem Namen nach hoͤher bezahlten Preise fuͤr den Konsumenten eigentlich nicht hoͤher als voriges Pesn stellen. 8 1

Wenn nun auch hier hoͤhere Preise als im vorigen Jahre angelegt worden sind, so moͤgen die ad 2 und 3 angefuͤhrten Gruͤnde ebenfalls dazu beigetragen haben.

Durch die von den hiesigen Behoͤrden in diesem Jahre ge⸗ troffene zweckmaͤßige Einrichtung der Kontrolle der wirklichen Zu⸗ fuhren zum hiesigen Markte haben sich folgende Resultate ergeben:

Die Zufuhren zum diesjaͤhrigen hiesigen 8 1

Markte betrugen . . . . . . . .... .. circa 70,000 Ctr.

Bestand von der vorjaͤhrigen Schur, groͤß⸗ . tentheils ordinaire und Mittel Gattung 10,000 Frca 80,000 Ctr. 65,000 » hiervon wurden verkauft 2

2 2 Frr

Es bleibt daher Bestand Fen. Aacen de⸗

der meistens aus ordinairen, Mittel; und ö im vorigen steht, die nur sehr wenig in erster 8 .1 standes von 1839

war das Preme erschee Quantum ine mͤr Figes ,ohU .

““