gedehnteren Grundlagen zu errichten und bedeutende Maͤnner
aller Meinungen dazu heranzuziehen. Herr Guizot, dem man dies Projekt mittheilte, hat es jedoch mit der Zuruͤckhaltung, die seine offizielle Stellung ihm aufzuerlegen schien, gutgeheißen. Es wuͤrde ziemlich schwierig seyn, gegenwaͤrtig den Zweck des Comité's und die Folgen seiner Bemuͤhungen anzugeben. Man scheint indeß das fruͤhere Verfahren, welches die Emancipation Griechenlands herbeifuͤhrte, befolgen zu wollen. Man wird zu⸗ erst durch Manifeste, durch Flugschriften, durch die Journale agiren, sowohl, um das Interesse fuͤr die Sache in Frankreich u erregen, als um den Muth der Insurgenten aufrecht zu er⸗ zalren und sie auf das vorzubereiten, was man die Emanci⸗ pation nennt, die politische und religioͤse Emancipation. Dies sind die Worte des Ministers der auswaͤrtigen Angelegenheiten, der nicht will, daß man zur Insurrection antreibe. Sobald in⸗ deß die Bewegung der Christen Konsistenz gewonnen hat, und sobald das Interesse dafuͤr in Frankreich erregt worden ist, so werden auch den muͤndlichen Demonstrationen die Subscriptionen folgen und die Regierung scheint nicht abgeneigt zu seyn, dem Comité finanzielle Huͤlfsmittel zur Verfuͤäung zu stellen.
Das Comite hat bereits ein Manifest entworfen, worin die Doktrinen von 1789 mit den christlichen Prinzipien verschmolzen und die Erinnerungen an den heiligen Ludwig mit der Wirkung der gegenwaͤrtigen Zeit vermischt worden sind. Unbestimmt in seinen Ausdruͤcken ist dies Aktenstuͤck absichtlich so abgefaßt wor⸗ den, wie alle der Art, naͤmlich so, daß man nicht gleich den Zweck angiebt, den man sich eigentlich vorgesetzt hat. Die Zu⸗ kunft wird dieses Dunkel zerstreuen und dem Comité wahrschein⸗ lich klarere Inspirationen eingeben. Sein Kreuzzug, wie es ihn selbst nennt, ist uͤbrigens vor allen Dingen ein evangelischer und intellektueller; es handelt sich darum, das Interesse der Franzoͤsischen Nation fuͤr die Christen im Orient zu erre⸗ gen. Weiter geht man nicht. Wenn man indeß nur ein wenig daruͤber nachdenkt, so wird man einsehen, daß man dabei nicht stehen bleiben kann, namentlich, wenn man der aufgestellten Analogie treu bleiben will. Wir sprechen von der Griechischen Insurrection. Zuerst waren es Manifeste, Wuͤnsche und nichts weiter; dann kamen die Subscriptionen, dann die Sendungen von Waffen und Kriegs⸗Material aller Art und endlich, um das Werk zu kroͤnen, die bewaffnete Intervention. Und doch hatte dies Alles mit Comité's begonnen. Das Pro⸗ blem ist heut zu Tage allerdings verwickelter; es schließt die Existenz des Osmanischen Reiches selbst in sich; auch sind die Interessen der verschiedenen Maͤchte weit wichtiger und entgegen⸗ gesetzter, als zu einer anderen Zeit; endlich steht Frankreich in der orientalischen Frage ein Gegengewicht gegenuͤber, das zur Zeit der Bildung des Koͤnigreichs Griechenland nicht vorhanden war.
Wie dem auch sey, die Insurrection der Christen erscheint dem Kabinet als ein gluͤckliches Ereigniß. Es legt demselben eine große Wichtigkeit bei und die mysterioͤse Sendung des Herrn Piscatory, Mitglieds der Deputirten⸗Kammer, hat wahrscheinlich keinen anderen Zweck, als die Dinge in der Nahe und mit den Augen eines dabei Interessirten zu betrachten. Das Comité, welches die Emancipation predigen und damit endigen wird, sie durch materielle Mittel zu beguͤnstigen, wird aus demselben Grunde die Unterstuͤtzung der Regierung erhalten. Die christ— lichen Voͤlkerschaften werden auch ihrerseits erkenntlich seyn und
.“* saͤchlich aus reich geschmuͤckten Damen bestanden. Die Koͤnigin hieß Ihre Herrlichkeiten sich niedersetzen, und der Ceremonien⸗ meister wurde abgeschickt, um die Mitglieder des Unterhauses an die Barre zu laden. Als die Gemeinen, den Sprecher an ihrer Spitze, erschienen waren, hielt dieser eine Anrede an Ihre Ma⸗ jestaͤt, in welcher die Ergebnisse der Session resumirt waren, und die mit der Bitte schloß, daß Ihre Majestaͤt der Subsidien⸗Bill ihre Zustimmung geben moͤge. Die Koͤnigin genehmigte diese und noch einige andere Bills und verlas dann vom Throne mit lauter, fester Stimme folgende Schluß⸗Rede:
„Mylords und Herren! Nach reiflicher Erwägung des gegenwaͤrtigen Zustandes der oͤffentlichen Angelegenheiten bin Ich zu dem Entschlusse gekom⸗ men, das Parlament zu prorogiren, um es sodann unverzuͤglich aufzuloͤsen. 8 Die hohe (paramount) Wichtigkeit des Handels und der In⸗ dustrie des Landes und Mein eifriger Wunsch, die Erfordernisse des öͤffentlichen Dienstes auf die fuͤr das Gemeinwesen am we⸗ nigsten druͤckende Art herbeigeschafft zu sehen, hat Mich bewogen, zu dem Mir von der Verfassung verliehenen Mittel zu greifen, um die Ansichten Meines Volkes in Bezug auf Gegenstaͤnde, 1 sein Wohhlergehen so innig beruͤhren, in Erfahrung zu ringen. 8 Ich hege die Hoffnung, daß ein neues Parlament, welches Ich ohne Verzug einberufen lassen werde, die Kraft haben wird, die Foͤrderung der oͤffentlichen Geschaͤfte zu erleichtern und Spal⸗ tungen zu beseitigen, die einer staͤtigen Politik und nuͤtzlichen Ge⸗ setzgebung verderblich in den Weg treten.“
„Herren vom Hause der Gemeinen!
Ich danke Ihnen fuͤr die Bereitwilligkeit, mit welcher Sie die fuͤr die Civil’ und Militair⸗Einrichtung noͤthigen Geld⸗Sum⸗ men votirt haben.“
wenn eine bewaffnete Huͤlfsmacht noͤthig seyn sollte, so wuͤrde Frankreich sicherlich den Vorzug erhalten.
Dies sind die Grundzuüͤge eines Projekts, das noch keines⸗
weges reif ist; dies die Hoffnungen des neuen Comité's, welches sich bildet und das es nicht an Thaͤtigkett bei einer Frage wird fehlen lassen, wobei Politik und Religion eine so bedeutende Rolle spielen.
Großbritanien und Irland. Parlaments⸗Verhandlungen. Oberhaus. Sitzung vom 21. Juni. In dieser Sitzung erhielt noch eine Bill uͤber die Kriminal⸗Justiz, nachdem ein auf lokale Verhaͤltnisse der Stadt Manchester bezuͤgliches, von der Opposition beantragtes Amende⸗
gent, dessen eigentliche Bedeutung aus den Blaͤttern nicht zu er⸗
ehen ist, mit 70 gegen 36 Stimmen durchgegangen war, die
ritte Lesung, und durch eine Kommission wurde dann 148 Bills
ie Koͤnigl. Zustimmung ertheilt, einer groͤßeren Anzahl, als je— mals auf einmal sanctionirt worden. 8
Unterhaus. Sitzung vom 21. Juni. Herr Wakley ver⸗ anlaßte wieder eine Diskussion uͤber die neulich schon einmal zur Sprache gekommene, von einem gewissen Warner erfundene Kriegs⸗ Maschine, die angeblich von so⸗ furchtbar verheerender Wirkung seyn soll. Er beantragte die Vorlegung der auf diese Sache bezuͤg⸗ lichen Korrespondenz zwischen Lord Melbourne und Herrn Warner und ruͤgte dabei die Nachlaͤssigkeit, mit der die Sache hauptsaͤch⸗ lich von Seiten der Admiralitaͤt, der die Berichterstattung uͤber⸗ tragen wurde, behandelt worden sey. Er behauptete zugleich, eine fremde Macht habe Herrn Warner 300,000 Pfd. fuͤr seine Erfindung geboten. Lord J. Russell widersetzte sich der Vorle⸗— gung der Korrespondenz und meinte, es sey zweckmaͤßiger, die Sache nochmals von kompetenten Individuen behandeln zu lassen; uͤbrigens habe Sir W. Parker, einer der Lords der Admiralitaͤt, mit Herrn Warner unterhandelt, und die Unterhandlungen seyen nur daran gescheitert, daß der Letztere das Geheimniß selbst fuͤr sich behalten und es der Regierung nur dienstbar machen wolle. Herr Wakley fuͤgte sich darauf, nach einigen Bemerkungen an— derer Mitglieder, in den Wunsch Lord John Russell’'s und nahm seine Motion zuruͤck. Vor dem Schlusse der Sitzung stattete Lord John Russell noch uͤber die von der Koͤnigin in Betreff der sogenannten Däanischen Forderungen ertheilte Antwort Be⸗ richt ab; sie lautet dahin, daß die Koͤnigin die Anspruͤche der betreffenden Britischen Unterthanen befriedigen wolle, sobald das Parlament sie dazu in den Stand setze. (Hoͤrt, hoͤrt!)
Oberhaus. Koͤnigliche Schluß⸗Si 1 22 Juni. Heute, als an dem fuͤr die Senhagn awehag n. festgesetzten Tage, hatte sich schon fruͤhzeitig eine große Menschen⸗ masse in den Parks, und von den Horse⸗Guards an Whitehall entlang, die Parlaments⸗Straße hinab bis zum Eingange des Oberhauses versammelt. Die Aufregung, welche am Vorabend der neuen Wahlen unter dem Volke herrscht, zog eine größere Menge als sonst zu dieser Feierlichkeit herbei, die durch das schoͤnste Wetter beguͤnstigt wurde. Um halb 2 Uhr verließ der Koͤnigliche Zug den Buckingham⸗Palast mit dem uͤblichen Ge⸗ praͤnge. Die Koͤnigin war vom Prinzen Albrecht und den ver⸗ schiedenen Beamten ihres Hofstaats begleitet. Ihre Majestät und der Prinz wurden unterweges vom Volke laut begruͤßt und bei ihrer Ankunft im Oberhause ward eine Koͤnigliche Salve von 21 Ka⸗ nonenschuͤssen abgefeuert. Bei ihrem Eintritt wurde die Koͤnigin vom Lord⸗Kanzler, von Lord Melbourne und den anderen ho⸗ hen Staatsbeamten empfangen. Nach Anlegung der Robe be⸗ gab sich Ihre Majestaͤt in den Sitzungssaal des Oberhauses, der
Palmerston hat sich den Waͤhlern von Tiverton vorgestellt.
Monarchen in Person stattfindet) wird dann in
beliebigen Tag festzusetzen. 1 d. groͤßeren Staͤdten ohne Verzug stattfinden, weil man natuͤrlich
einen sehr glaͤnzenden Anblick darbot, da die Zuschauer haupt⸗
„Mylords und Herren! Indem Ich Meine Praͤrogative zur Ausuͤbung bringe, kann Ich keinen anderen Zweck haben, als den, die Rechte Neiner
Unterthanen sicher zu stellen und ihre Interessen zu foͤrdern, und Ich erwarte von der Mitwirkung Meines Parlamentes und von dem loyalen Eifer Meines Volkes, daß sie Mich bei der Ergrei⸗ fung von Maßregeln unterstuͤtzen werden, welche noͤthig sind, da⸗ mit dieses Land den hohen Rang unter den Nationen der Welt den die goͤttliche Vorsehung in ihrer Huld ihm an⸗
behaupte, gewiesen.“
1Sr don, 22. Juni. ie ministeriellen Blaͤtter geben jetzt einen ergaͤnzenden Bericht uͤber die bevorstehenden Ministerial⸗ Veraͤnderungen. Die wichtigste ist, daß der General⸗Prokurator Sir John Campbell als Lord⸗Kanzler von Irland an Lord Plun⸗ kett's Stelle tritt und zum Pair erhoben wird; Sir George Grey ist zum Kanzler des Herzogthums Lancaster ausersehen und soll einen Sitz im Kabinette erhalten. Herr Charles Buller endlich wird Secretair der Ostindischen Kontrolle. Die uͤbrigen Veraͤn⸗ derungen sind schon aus fruͤheren Mittheilungen ministerieller Blaͤtter bekannt. Herr More O'Ferral naͤmlich wird Schatzamts⸗ Secretair an die Stelle des Herrn Gordon, und Herr Parker folgt jenem als Admiralitaͤts⸗Secretair; Herr E. J. Stanley wird Zahlmeister der Armee an der Stelle von Parnell, der sich aus dem Parlamente zuruͤckzieht, und die Stelle des Herrn Stanley, s S. der Secretaire der Schatzkammer, erhaͤlt Herr Le Mar⸗ hant.
Nachrichten aus Buenos⸗-⸗Ayres bis zum 27. Maͤrz geben eine guͤnstige Schilderung von den Verhaͤltnissen dieser Republik seit dem Abschluß des Friedens mit Frankreich. Die National⸗ Flotille war bemannt und bereit, gegen Montevideo zu operiren. Sie bestand aus 6 Schiffen, wovon das groͤßte 24 Kanonen fuͤhrt, und sie war im Begriff abznsegeln, um das Geschwader Don Fructuoso Ribera aufzusuchen, welches sich zu Kolonia be⸗ finden sollte.
Die uͤber Jamaika eingegangenen Nachrichten aus Neu-⸗Gra⸗ nada lauten fortwaͤhrend unguͤnstig, und man glaubt allgemein, daß die Regierung von Bogota außer Stande seyn wird, den
Aufstand zu daͤmpfen.
Die E“ welche das Parlament aufloͤsen soll, ver⸗ spricht der heutige Globe in einer zweiten Ausgabe seines Blat⸗ tes mitzutheilen.
Die Blaͤtter sind fortwaͤhrend mit einer Menge voͤn Berich⸗ ten uͤber die Vorbereitungen zu den Wahlen angefuͤllt. Lord
Am hiesigen Geldmarkt hat sich in den letzten Tagen we⸗ nig veraͤndert, doch scheint es im Waarenhandel etwas besser ge⸗ hen zu wollen. Die Fonds sind im Steigen, und man erwartet
durch Drohungen eingeschuͤchtert, wie Viele durch glaͤnzende Ver
sprechungen und unmittelbare Bef echungen gewonnen —
daß sie gegen ihre bekannten Ueberzeugungen stimmen, oder wenigstens neutral verhalten! Wie viel haͤngt da von der Per⸗ soͤnlichkeit des Kandidaten, dem Eifer seines Comité, der Ge⸗ schicklichkeit seiner Agenten ab! chen Interessen, welche sich eben mit den Dingen kreuzen, die in dem Augenblicke die Nation im Allgemeinen zu beschaͤftigen scheinen. Besonders nun im jetzigen Momente.
Die Tories (oder, wie sie sich lieber nennen, die Konservativen,
als ob nur der zu erhalten wisse, welcher Alles beim Alten lassen moͤchte) sind uͤber den einen Punkt einverstanden, daß man, durch welches Mittel es sey, die Whigs vom Ruder vertreiben muͤsse. Ihre Partei, welche zur Zeit der Reform⸗Bill so sehr herabge⸗ kommen war, ist hoͤchst zahlreich. Was zu jener Zeit ihr wider⸗ fahren war, widerfaͤhrt jetzt den Whigs, und zwar hauptsaͤchlich aus demselben Grunde, daß sie viele Jahre im Amte gewesen, und Millionen, die sich unbehaglich fuͤhlen, in einer neuen Ver⸗ waltung einen neuen Ziehungstag haben moͤchten, wo ein Jeder, wo nicht das große Loos, doch irgend einen Gewinn fuͤr sich er⸗ wartet. Natuͤrlich kann keine Regierung alle die Erwartungen befriedigen, die man von ihr hegt; aber die Whigs hatten noch besonders mit dem Mißstande zu kaͤmpfen, daß sie waͤhrend der vielen Jahre, wo sie sich in der Opposition befanden, die Wortfuͤhrer aller Unzufriedenen gewesen, und als solche zu all— gemeinen Erwartungen Anlaß gegeben hatten, die sie nie erfuͤllen konnten. Da sie die Tories genoͤthigt hatten, allmäaͤlig die Steuern um viele Millionen zu vermindern, so blieb ihnen verhaͤltnißmaͤßig we⸗ nig mehr zu erlassen uͤbrig, und die Steuerpflichtigen fanden sich unter ihrer Verwaltung um wenig gebessert. In der Rechtspflege ver⸗ mochten sie, der Masse der Anwalde und Advokaten gegenuͤber, deren Einfluß besonders bei den hoͤheren Staͤnden so maͤchtig ist, nichts Bedeutendes zu leisten. Handel und Gewerbe mußten in ihren alten Fesseln bleiben. Die Nonconformisten, welche sich von dem Uebergewicht der Staatskirche und besonders von der Kirchensteuer befreit zu sehen hofften, sahen sich getaͤuscht, indem die Angriffe, welche auf die Kirche gemacht wurden, derselben ja nur einen neuen Aufschwung gaben. Und wenn auch mittelst der Whigs viele Hunderttausende das Wahlrecht fuͤr Parlaments⸗ Mitglieder und Stadtraͤthe erlangt haben, so sind doch Millio⸗ nen da, welche ebenfalls auf dessen Erlangung gerechnet hatten, und die es nicht bekommen.
Alles dieses hat den Eifer ihrer sonstigen Anhaͤnger er⸗ kaltet, wo es sie nicht in bittere Gegner umgewandelt hat. Waͤhrend dieses aber bei so Vielen der Fall ist, denen sie nicht genug geleistet, haben sie sich auch sehr viele Feinde gemacht, nach denen sie zu viel gethan. Geistlichkeit, Rechts⸗ gelehrte, Monopolisten jeder Art, deren Vorrechte sie verletzt oder zu verletzen gesucht, oder die da fuͤrchten, daß die Reihe fruͤher oder spaͤter an sie kommen wuͤrde, von allem diesen, wo sie nicht schon fruͤher Tories waren, haben sich die meisten von ihnen ab, und diesen zugewandt. Wenn nun gleich auch durch die neul chen Vorschlaͤge der Minister viele von ihren alten Freunden i den Staͤdten sich mit erneuertem Eifer fuͤr sie erhoben, und manche aus Gegnern aufs neue zu ihren Anhaͤngern geworden sind, so haben sie doch durch eben diese Vorschlaͤge auch wieder viele Freund in denselben eingebuͤßt, und die Gutsherren und Paͤchter (auße denen, welche aus Partei⸗Anhaͤnglichkeit ihr persoͤnliches Interesse aus den Augen setzen), haben sich in Masse von ihnen gewandt. Ja selbst gar manche von denen, die ihnen dem Anscheine nach treu geblieben, saͤhen es gewiß lieber, wenn sie vom Amte vertrie ben und hierdurch vielleicht die ihnen so schreckhafte Veraͤnderung in den Getraidegesetzen verhindert wuͤrde. Dieses scheint mir of⸗ fenbar der Fall mit den meisten von den 15 Vertretern von Graf⸗ schaften, welche ohne auch nur einen Versuch zu wagen, freiwil lig zuruͤckgetreten sind, und die Vertretung Tories uͤberlassen. Man weiß ja welchen Einfluß die Gutsherren bei den Paͤchtern haben; und wenn es den reichen Wighs wirklich darum zu thun gewesen waͤre, so häaͤtten sich mehrere von diesen Graf⸗ schaften muͤssen retten lassen. Die Handels⸗Monopolisten gehen offener zu Werke. Vor ein paar Tagen hatte die Rhedergesell⸗ schaft in London eine Zusammenkunft, wo ihr von ihrem Aus⸗ schusse ein Bericht vorgelegt wurde, den sie einmuͤthig billigte. In diesem aber wurde ihr bewiesen, daß die Verminde⸗ rung der Zoͤlle von Holz und Zucker den Englischen Rhedern zu Grunde richten muͤsse, da solcher nicht mit weit wohlfeiler gebau⸗ ten und bemannten Schiffen zu konkurriren vermoͤchte. Der Ausschuß habe sich demnach mit allen anderen, deren Vortheile bedroht waͤren, in Verbindung gesetzt, naͤmlich dem Landbau⸗Ver⸗ ein, dem Westindischen Verein, der Kanadischen Gesellschaft u. s. w., und vereint hoffe man den angedrohten Veraͤnderungen
daß die Consols vor der Zahlung der Dividenden auf 90 kommen werden.
In Woolwich ist dieser Tage der „Trafalgar“, ein Linien⸗ schiff von 120 Kanonen, mit großer Feierlichkeit vom Stapel ge⸗ lassen worden.
F London, 22. Juni. Heute wird das Parlament, wel ches sich bereits selbst verabschiedet hat, formell von Ihrer Ma⸗ jestaͤt in eigener Person verabschiedet. Die Aufloͤsung (welche, da es doch immer eine ungnaͤdige Handlung ist, nie von dem dem naͤchsten Regierungs⸗Vlatte (the Gazette) — wahrscheinlich kuͤnftigen Frei⸗ tag — in der Gestalt einer Proclamation erscheinen, und zu⸗ gleich auch der Befehl zur Erwaͤhlung der neuen Mitglieder des Unterhauses und der Vertreter des Schottischen Adels im Ober⸗ hause. Die Rundschreiben (writs) an die einzelnen Beamten, welche in den verschiedenen Wahlbezirken mit der Leitung der Wahlen beauftragt sind, liegen bereit und werden an demselben Tage auf einmal mit der Post abgeschickt werden. In diesen, so wie in der allgemeinen Aufforderung, ist zwar immer die Zeit bestimmt, wann die Wahlen beendigt seyn muͤssen; aber binnen derselben steht es jedem der besagten Beamten frei, irgend einen In der Regel laͤßt man sie in den
in denselben begierig ist, die Gaͤhrung, welche bei einer so wichtigen Gelegenheit unter einer gedraͤngt lebenden Be⸗ voͤlkerung unvermeidlich ist, so bald wie moͤglich ein Ende zu machen. Besonders ist es in der Londoner Altstadt (Cih) zum Gebrauch geworden, keinen Tag zu verlieren, und so die erste zu seyn, welche dem Lande den Zustand ihrer politischen Parteien durch das Resultat ihrer Wahlen kundgiebt. Man will, daß dieselben einen bedeutenden Einfluß auf die üͤbri⸗ V gen Theile des Landes haben soll, was ich jedoch sehr bezweifle. Denn außer den politischen Ruͤcksichten, welche das Land in Bewegung setzen, koͤmmt die jedesmalige oͤrtliche Entschei⸗ V dung auf hundert andere Dinge an, auf welche die Hauptstadt V V
keinen Einfluß uͤben kann. Wie viel haͤngt da nicht von der Anzahl der Wahler und den Verhaͤltnissen der Einzelnen ab, wie viele werden durch ihre besonderen Beziehungen zu einzelnen Personen, Corporationen oder selbst Klassen, in Furcht gehalten oder gar
widerstehen zu koͤnnen.
Dieses sind aber immer noch nicht alle Verbuͤndeten der Tories. Der sogenannte Protestantische Verein war frei⸗ lich immer nur eine Art von Tory⸗Freicorps, welches, ohne die Haͤupter der Partei zu etwas zu verpflicht en, alle dieje⸗ nigen fuͤr dieselben zu gewinnen suchten, welche die Katholiken mehr hassen oder fuͤrchten, als sie die Sache des Fortschritts lie⸗ ben. Hiermit hat er besonders bei den Methodisten Eingang gefunden, und arbeitet jetzt aus Leibeskraͤften, diesen Haß oder diese Furcht uͤber alle andere Regungen, selbst die der druͤckend⸗ sten fleischlichen Noth, zu erheben. Dann wieder die Gegner des Armengesetzes, nicht die Armen selbst, welche sich am meisten zu beklagen haͤtten, die aber keine Wahlstimmen haben, sondern die vielen Tausende, die durch die unbeaufsichtigte Vertheilung der Armensteuer auf Kosten ihrer Nachbarn sich Ansehen und Han— dels⸗Vortheile zu verschaffen gewußt, oder die als Kraͤmer, Wir⸗ the und dergleichen sich von der Einnahme bereicherten, die sie von den Armen hatten, als diese nach der alten Methode woͤchent⸗ lich von der Gemeinde Geld⸗Unterstuͤtzung erhielten. Und obgleich die Tories die Einfuͤhrung des neuen Gesetzes aufs kraͤftigste unterstuͤtzten, und sowohl Peel als Wellington feierlichst erklaͤrt haben, daß an eine Ruͤckkehr zum alten System nicht zu denken, so hat doch die Partei bei den Feinden des neuen Systems die Meinung zu erregen gewußt, sie werde dennoch die Ruͤckkehr zu jenem verderblichen System bewirken; eben so wie manche Pro⸗ testantische Fanatiker glauben, sie wuͤrden das Emancipations⸗Ge⸗
setz widerrufen, und die Katholiken wieder in die alten Fesseln schmieden; und uͤberhaupt die meisten, welche ehemals ein Vor⸗
recht gehabt, es von ihnen zuruͤckerwarten, und die, welche der⸗ gleichen noch haben, sich unter ihnen gesichert waͤhnen.
Und dennoch giebt es unter den Unterstuͤtzern der Partei, und zwar unter den aufgeklaͤrtesten und reichsten der Mittelklassen gar manche, die von der Macht und Geschicklichkeit der Tories nur wirksa⸗
mere Reformen erwarten als die Whigs bei dem fast unuͤberwindli⸗
chen Widerstande, den ihnen das Oberhaus entgegengesetzt, durchzu⸗ setzen vermoͤchten! Bei diesen ist die vorgeschlagene Veraͤnderung in dem Getraide⸗Gesetze, so wie die Ermaͤßigung der Zoͤlle ein unerlaͤßliches Beduͤrfniß; und sie erklaͤren unverholen, daß sie nicht in diesem Augenblick darauf bestehen, weil die Whigs die
Wie viel mehr noch von oͤrtli⸗
Vorschlaͤge * gemacht 8 128 sinkende Popularitaͤt zu erneuern, und sich am Ruder zu erhalten. b ” — . sehen 818 offenbar, daß eine große Wahrschein⸗ lichkelt vorhanden ist, daß die Tories eine Mehrheit er⸗ halten, betraͤchtlich genug, um ihre Gegner vom Ruder zu vertreiben, weil es sich hier von bloßen Negationen handelt. Aber aus dem Gesagten (und ich bin gewiß, ich habe nichts uͤber⸗ trieben, ja wohl noch manche Angaben um nicht zu weitlaͤuftig zu werden zuruͤckgehalten, welche das Buntscheckige der Partei noch offen⸗ barer gemacht haͤtte) geht auch hervor, daß, wenn es einmalans Positive kaͤme, wenn Peel zeigen soll, wie er Kirchen⸗, Schul⸗ und Ar⸗ menwesen, Finanzen und Handel zu verwalten und zu leiten ge⸗ denkt, wie er mit den Katholiken in Irland, mit den Noncon⸗ formisten in England zu verfahren gedenkt, dann kommen die Schwierigkeiten; und wenn ihm nicht die Whigs, wie sie schon ehemals gethan, zu Huͤlfe kommen und ihn in den Stand setzen, seine liberalen Maßregeln durchzusetzen, so geht seine Ver⸗ waltung in kurzem in sich selbst zu Grunde. Die Whigs scheinen fuͤrs erste wenig Hoffnung zu haben, ihre Stellung behaupten zu koͤnnen, welches unter anderen auch daraus er hellt, daß die Minister in aller Eile den alten Kanzler von Irland gend⸗ thigt haben, seine Stelle niederzulegen, damit sie noch Sir John Campbel, ihren bisherigen General⸗Prokurator, vor ihrem Abgang an dieselbe bringen konnten. Ihre Bedeutsamkeit aber wird sich erst zeigen, wenn sie in der Opposition sind. Denn waͤhrend die Torie⸗Opposition, mit Ausnahme von Lord Stan⸗ ley's Vorschlag wegen der Registration der Waͤhler in Ir⸗ land, sich nur immer darauf beschraͤnken mußte, sich den ministeriellen Vorschlaͤgen zu widersetzen; werden jene eine Menge
Vorschlaͤge zu machen haben, die den bedruͤckten Fabrikklassen be⸗
sonders neue Hoffnungen geben, durch sie Erleichterung zu erhalten.
Wenn demnach nicht eine Vereinigung der Parteien stattfindet, so muß der Kampf immer heftiger werden, selbst die Namen Whigs und Tories muͤssen verloren gehen, und Stadt und Land, Anti⸗ monopolisten und Beschuͤtzer der Privilegien immer mehr hervor⸗ treten, bis die Partei der Bewegung gesiegt hat, und wohl der Aristokratie, wenn sie dabei nicht mehr aufgeben muß, als womit man sich jetzt begnuͤgen wuͤrde. Lord Palmerston hat den Muth gehabt dieses in einer Rede an die Waͤhler zu Tiverton in Devon⸗ shire, wo er als Kandidat fuͤr die Vertretung aufgetreten ist, auszusprechen. Moͤgen seine Worte bei denen Anklang finden, die die drohenden Uebel yerhindern koͤnnten!
Die Koͤnigin hat das Parlament in einer kurzen ein⸗ dringlichen Rede, worin der Grund fuͤr die bevorstehende Aufloͤsung angegeben ist, verabschiedet. Es hatte sich eine ungewoͤhnliche Anzahl Schaulustige auf ihrem Wege einge⸗ funden, besonders von Frauenzimmern aus den Mittelklassen, und die Begruͤßungen, womit J. M. auf dem ganzen Weg aufgenommen ward, zeigten, daß sie den Herzen ihrer Un⸗ terthanen theuer ist. J. M. sowohl als Prinz Albert sahen sehr heiter aus, und letzterer besonders, obgleich blaß, schien der voll⸗ kommensten Gesundheit zu genießen.
Die Wahl in der City soll schon Montag oder Dienstag stattfinden; und wahrscheinlich werden die meisten Stäͤdte vor Ende der naͤchsten Woche entschieden haben.
Haänemark.
Kopenhagen, 22. Juni. (Alt. Merk.). Die Feier des Einzugs des Kronprinzen und der Frau Kronprinzessin ist nun, von dem herrlichsten Wetter beguͤnstigt, erfolgt. Das außeror⸗ dentlich zahlreich versammelte Volk, welches alle Punkte des Ha⸗ fens und der daranstoßenden Gebaͤude bedeckte, aͤußerte die leb⸗ hafteste Theilnahme, und auch der Schloßplatz nebst den angraͤn⸗ zenden Straßen und Haͤusern war mit Zuschauern angefuͤllt. Die Feierlichkeit ging ganz nach dem Ceremoniel vor sich, mit der alleinigen Abaͤnderung, daß die versammelten Buͤrger⸗Repraͤsentan⸗ ten, mit dem Ober⸗Praͤsidenten an der Spitze, das hohe Paar zu⸗ erst am Landungsplatze begruͤßten. Waͤhrend der Fahrt durch den Hafen waren die festlich flaggenden Schiffe mit Zuschauern dicht besetzt, deren Jubel ihre lebhafte Theilnahme an dem Feste des Tages bezeugte. Des Volkes Jubel im Verein mit dem Donner der Kanonen, die vollen Klaͤnge der Kirchenglocken und der Musik bildeten ein feierliches Ganze von ergreifen⸗ der Wirkung. Das Herz der Hauptstadt empfing des Reiches junge Tochter mit lebendigen Schlaͤgen — es war nicht eine Außengraͤnze, wo die Kronprinzessin zuerst den Daͤnischen Boden betrat; schon ihr erster Schritt fuͤhrte sie auf einen erhoͤh⸗ ten Platz, wohin sie in die Mitte eines treuen Volkes berufen ist. — Se. Koͤnigl. Hoheit der Kronprinz, in Admirals⸗Uniform, zeigte sich waͤhrend des ganzen Zuges auf dem hervorragendsten Punkte des Dampfschiffes. Schon bei der Zollbude und der lan⸗ gen Linie ward der Zug von einer jubelnden Menge empfangen. Die zahlreichen Handels⸗ und Kriegsschiffe im Hafen waren saͤmmtlich mit Zuschauern angefuͤllt. Aber am imposantesten war der Moment, als das Dampfschiff von dem festlich geschmuͤckten Larsensplatz, wo das erste Musik⸗Corps den Zug empfangen hatte, sich laͤngs der langen Reihe von Schiffen bei Knippels Broe fortbewegte, und die jubelnden Seeleute auf den Masten und in den Mastkoͤrben, Gammelholm und den vollgepfropften Tribuͤnen gegenuͤber, die selbst auf dem platten Dache der Kapelle der Holmskirche angebracht waren, vorbeifuhr, und darauf unter dem kraͤftig erschallenden Gruße von Holmens Batterie in den Kanal beim Landungsplatze fortglitt. Die freundlichen Gruͤße der Kron⸗ prinzessin an die frohe und jubelnde Menge in den Masten und auf dem Decke der Schiffe und uͤberall am Strande, rief auf dem Wasser und auf dem Lande lebhafte Ausbruͤche der Freude aus den dichten Haufen des treuen Volkes hervor. — Nachdem
hre Koͤnigl. Hoheiten auf die im Ceremoniel vorgeschriebene eise im Schlosse angelangt waren, zeigten Sie Sich auf dem offenen Altan und wurden dort abermals mit einem allgemeinen und herzlichen Jubel empfangen, der durch freundliche und huld⸗ reiche Gruͤße erwiedert wurde. Dies die Hauptzuͤge der Feier des gestrigen Tages, die durch keine Unordnung und durch keinen
Unfall gestoͤrt ward. . Gestern Nachmittag hatte eine Deputation von der Univer⸗ es Audienz bei Ihren Majestaͤten, um Allerhoͤchstdenselben in ation dsüns der Vermaͤhlung Gluͤck zu wuͤnschen. Die Depu⸗ den “ dem Rektor der Universitaͤt und den Dekanen lenbens. Gh ten, den Professoren, Konferenzrath Oersted, Hoh⸗
g, Scheel, “ Bang und Sibbern.
onntage den 2 7sten wird die Akademie zu Soroͤe die
m Vermaͤhlung des Kronpri worauf ein Ball owen 5 durch Reden und Gesaͤnge feiern,
Deutsche Bundesstaaten.
Augsburg, 23. Juni So eb Aug g, Juni. en l M der Koͤnig und die Koͤnigin von Ba den un hr öajasscdäcn Koͤnigin von Griechenland, Ihre Hoheit nde Prinzessin Georg
und Se. Durchlaucht der Prinz Georg von Sachsen⸗Altenburg,
Ihre Koöͤnigl. Hoheiten Prinz Luitpolb und Prinzessin Adelgunde,
unter dem groͤßten Jubel der hiesigen Einwohner hier an.
Luxemburg, 21. Juni. Gestern Nachmittag um 3 Uhr ist Se. Majestät der Koͤnig, begleitet vom Prinzen Alexander, aus Trier hier eingetroffen. Se. Majestaͤt wurde von einer Eh⸗ rengarde von Buͤrgern, bestehend aus 36 Mann zu Pferde und 80 Mann zu Fuß, unter dem Kommando des General⸗Prokura⸗ tors Wilmar, feierlich empfangen. Auch die Preußischen Mi⸗ litair⸗Behoͤrden der Festung, so wie demnaͤchst eine von dem Koͤ⸗ nige der Franzosen gesandte Militair⸗Deputation, bestehend aus dem Kommandanten der Festung Metz, General Achart, und 23
hielten. Abends war die Stadt glaͤnzend erleuchtet und der Koͤ⸗ nig, der durch die Straßen fuhr, wurde uͤberall vom Volke mit
Vivatruf aufgenommen. 8 8 große Parade der Koͤnigl. Preuß. Bundes⸗Garnison stattfinden.
Karlsruhe, 22. Juni. (Oberd. Z.) (Sitzung der Ab⸗ geordneten⸗Kammer.) Das Präsidium verlas ein Schreiben des Abgeordneten Welcker, worin derselbe zu erkennen giebt, daß er nicht wieder in der Kammer erscheinen koͤnne, bis die Ver⸗ wickelungen wegen der Urlaubsfrage auf entsprechende Weise ge⸗ loͤt seyen. Herr Schaaff bemerkte, daß dies gegen §. 82 der Geschaͤfts⸗Ordnung sey, wonach kein Abgeordneter ohne Urlaub wegbleiben duͤrfe, und beantragte, das Praͤsidium moͤge Herrn Welcker darauf hin einladen, den erforderlichen Urlaub ein⸗ zuholen. Die Herren Bekk und Merk unterstuͤtzten den Antrag; Herr von Itzstein erklaͤrte denselben fuͤr zu hart, und verlangte, daß man Herrn Welcker eine Frist von 14 Tagen einraͤume. Herr Schaaff machte bemerklich, wegen der Urlaubs⸗ geschichte haͤtte kein Abgeordneter fortzugehen brauchen; wenn Je⸗ mand glaube, der Feind sey im Anzug, so solle er auf dem Schlachtfelde bleiben. Nach langer Debatte wurde der Itzstein⸗ sche Antrag zuruͤckgezogen, der des Herrn Schaaff mit 20 gegen 24 Stimmen und dafuͤr nach dem Antrag des Herrn Moͤrdes beschlossen, zur Tagesordnung uͤberzugehen, wogegen das Praͤsidium seinerseits Herrn Welcker das Geeignete notifiziren solle. — Von den Herren Baumgaͤrtner, Hoffmann, von Itzstein und Sander wurde eine Reihe von Petitionen um Schutz der einheimi⸗ schen Industrie, namentlich der Zucker⸗Industrie, uͤbergeben. — Herr von Itzstein beklagte sich uͤber eine Maßregel des Ministeriums des In⸗ nern, welche verbiete, durch Gemeinde⸗Versammlungen Dank⸗Adres⸗ sen an die Kammer wegen ihres Beschlusses uͤber die Urlaubsfrage ergehen zu lassen. Von der Regierungsbank wurde dagegen be⸗ merkt, daß nach der Verfassung Beschwerden uͤber Kraͤnkung ver⸗ fassungsmaͤßiger Rechte nur dann vor die Kammer gehoͤren, wenn vorher nachgewiesen worden, daß man sich vergeblich an die geeigneten Landesstellen und schließlich das Staatsministerium gewendet habe. Nach langer Debatte ging, auf Antrag des Herrn Bekk, Sache nicht gehoͤrig konstatirt sey. — Die Bissing, als Abgeordneten von Konstanz, wurde fuͤr guͤltig erkannt.
Histervyeich Wien, 21. Juni. (L. A. Z.) Die gestern stattgefundene Eroͤffnung der Wien⸗Raaber Eisenbahn von Wien und in ihrer ganzen, bis jetzt vollendeten Strecke bis Wiener⸗Neustadt uͤber⸗ traf alle Erwartungen an Praͤcision, Eleganz und Großartigkeit. Nicht weniger als 24 Trains gingen hin und wieder an die End⸗ punkte und die Zwischenstationen, so daß von 7 Uhr Morgens, als der ersten Abfahrt von Wien, bis §8 Uhr Abends, wo der letzte ruͤckkehrende Train abfuhr, fast jede halbe Stunde sich die Wagenzuͤge in Bewegung setzten und auf der Trace kreuzten. Dessenungeachtet bezeichnete den erfreulichen Tag kein Unfall, außer einer unbedeutenden Stoͤrung, welche dem zweiten Train bei Hetzendorf widerfuhr, wo sich der Damm etwas ge⸗ senkt hatte, und zugleich die Lokomotive durch ein Ver⸗ sehen an Dampf verlor, so daß dieser Wagenzug erst nach drittehalb Stunden in Baden ankommen konnte. Heute ist die Bahn auf diesem Gleise gesperrt, duͤrfte aber schon morgen wie⸗ der hergestellt seyn. Der erste Train, welcher 5 Minuten nach 7 Uhr vom Bahnhofe abging, langte um 8 ¾ Uhr in Wiener⸗ Neustadt an, nachdem man 13 Minuten in der Station Moͤd⸗ ling und 10 Minuten in Baden verweilt hatte. Die vergnuͤ⸗ gungslustigen Bewohner Wiens, denen diese Eisenbahn eine reiche und bequeme Gelegenheit zu Ausfluͤgen in die herrlichsten Um⸗ gebungen der Residenz gewaͤhrt, fanden sich natuͤrlich, so wie Be⸗ wohner der anstoßenden Gegenden, in ungeheurer Zahl theils als Theilnehmer der Fahrt, theils als Zuschauer dabei ein. Man schaͤtzt die Zahl der Passagiere auf der Hin⸗ und Ruͤckfahrt uͤber
12,000, und die Einnahme gegen 8000 Fl. Conv.⸗M.
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8n.
Modena, 16. Juni. Lord Holland, Großbritanischer Ge⸗
sandter beim Großherzogl. Hofe von Toskana, hatte gestern die
Ehre, unserem Herzog seine Beglaubigungsschreiben als bevoll⸗
maͤchtigter Minister auch beim hiesigen Hofe zu uͤberreichen.
Der Gesandte wurde demnaͤchst auch Ihrer Majestaͤt der Kaise⸗ rin von Oesterreich vorgestellt.
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Lissabon, 14. Juni. Durch Koͤnigl. Dekrete vom 9ten
d. M. ist nun ein neues Ministerium eingesetzt worden. An der Spitze des Ministerraths steht Herr Aguiar, der zugleich das Portefeuille des Ministeriums des Innern uͤbernommen hat; das auswaͤrtige Departement hat vn R. F. Magalhaes erhalten, das Justiz⸗Ministerium Herr Costa Cabral, das Finanz⸗Ministe⸗ rium Herr Avila, das Kriegs⸗Ministerium der Graf von Villa Real und das Ministerium der Marine und der Kolonieen Herr Der Herzog von Terceira ist Militair⸗Gouverneur von issabon und Don Carlos de Mascaranhas Kommandant der
Munizipal⸗Garde geworden. Ueber die Grundsaͤtze, nach wel⸗ chen das neue Ministerium zu regieren gedenkt, hat der Con⸗ seils⸗Praͤsident in der Deputirten⸗Kammer nur geaͤußert, daß diese hinlaͤnglich bekannt und die der großen Majoritaͤt der Kammer seyen. Die Opposition ist indeß mit dieser Erklaͤrung nicht zu⸗ frieden gewesen, sondern hat den Premier⸗Minister genoͤthigt, die Maßregel des vorigen Ministeriums in Betreff der Milizen so⸗ gleich zuruͤckzunehmen, die denn auch entlassen worden sind. Man ist der Meinung, daß das neue Ministerium einen entschiedenen Chartistischen Charakter an sich trage. Es hat den von dem vo⸗ rigen Finanz⸗Minister, Baron Tojal, mit den Tabacks⸗Paͤchtern abgeschlossenen Kontrakt behufs Zahlung der Dividende der aus⸗ waͤrtigen Schuld genehmigt. 8
Türken
Konstantinopel, 9. Juni. (L. A. Z.). Die Unruhen,
Heute wird vor Sr. Majestät eine
die Kammer zur Tagesordnung uͤber, da die Wahl des Herrn
des Griechischen Patriarchen zu Konstantinopel, der am 18. Mai wie der nrhen at abgesetzt wurde. Herr Nikolaus Aristarchi, welcher den Titel Großlogothet fuͤhrte und dieses Amt bekleidete (das ein geistliches ist und mit dem Patriarchat in Verbindung steht), behaͤlt jedoch seine Stelle als Kapon Hiaja des Fuͤrsten der Walachei, die er inne hatte, und man hat ihm also nur den Titel Großlogothet und die Dekoration als solcher abgenommen. Dieses Amt ist ganz aufgehoben worden und existirt nicht mehr. Der Ferman an den Patriarchen, in welchem ihm seine Absetzung 1 angezeigt wurde, gab als Ursache seine Unfaͤhigkeit und seinen
Mangel an Erfahrung in den Geschaͤften an; auch Wehar⸗ Franzoͤsischen Offizieren, begruͤßten Se. Maj., waͤhrend Hoͤchstdie⸗ V er die Entfernung des Erzbischofs von Nissa, dessen
selben unter dem Donner der Kanonen, unter dem Gelaͤute der Glocken und unter dem Jubelruf der Einwohner Ihren Einzug
heit aus dieser Stadt die letzten Unordnungen zugeschrieben wer⸗ den, die man zu beklagen hatte. Der Patriarch hatte aber meh⸗ rere Bischoͤfe aus verschiedenen Provinzen hierher berufen. Diese Veraͤnderung beweist jedoch, daß die Englische Partei den Sieg uͤber die Russische davon getragen hat; denn Jedermann weiß, daß der Expatriarch dieser letzteren Partei angehoͤrte, wie man auch weiß, daß es zwei Parteien giebt, die des Aristarchi und die des Fersen von Samos, der zur Englischen Partei gehoͤren soll, im
örund aber, wie man versichert, fuͤr die Interessen der Tuͤrkei ist. Die Englische Partei hat diesmal gesiegt, und ihrem Ein⸗ flusse muß man die Absetzung des Patriarchen zuschreiben. Auch wohnte der Fuͤrst von Samos der Versammlun bei, welche den neuen Patriarchen zu waͤhlen hatte, waͤhrend Aristarchi den Be⸗ fehl erhalten hatte, sich nicht dahin zu begeben.
Aegypten.
Alexandrien, 6. Juni. (A. Z.) Smyrnaer Blaͤtter bringen
uns bereits eine Uebersetzung des neuen Aegypten betreffenden
Hattischeriff. Es werden dem Pascha darin alle seine Begehren
bewilligt. Nur wegen des zu entrichtenden Tributs duͤrften sich
einige Widerspruͤche erheben und der Pascha duͤrfte hierin wohl
etwas hartnaͤckiger als in den andern Punkten seyn. Zwei Mil⸗
lionen Thaler, welche jaͤhrlich aus dem Lande gezogen werden
sollen, sind wirklich eine ungeheure Summe, und wenn wir auch
zugeben, daß das so fruchtbare Land bei nur einiger⸗
maßen weiser, maͤßiger und friedlicher Regierung einen
bedeutenden Aufschwung nehmen muß, so ist doch ande— rerseits klar einleuchtend, daß eine solche Summe, jaͤhrlich
der Circulation im Innern des Landes entzogen, nicht ohne nachtheilige Wirkung auf dessen finanzielle erhaͤltnisse bleiben wuͤrde. Es ist daher sehr zu wuͤnschen, daß die Pforte sich in diesem Punkte nachgiebig zeige. Mehmed Ali’s Widerstand in dieser Hinsicht, sollte er vielleicht auch andere Motive haben, ist ganz gerecht. Wuͤrden ihm sonst seine bittersten Feinde je den Vorwurf machen koͤnnen, er erschoͤpfe das Land fuͤr seine eigenen Zwecke? Kaum hat er die Kriegskosten vermindert, und seine Ausga⸗ ben auf einen ermaͤßigten Fuß zuruͤckgesetzt, so muͤßte er auf Erhebung von Geldern denken, von denen kein Para in das Land zuröuͤckfließt. Es werden nun eifrig Verhandlungen zwischen ihm und dem hier anwesenden Abgeordneten der Pforte, Saib Umhib Efendi, ge⸗ pflogen. Noch kennen wir das Resultat derselben nicht, aber so viel scheint bestimmt zu seyn, daß Mehmed Ali gleich nach de⸗ ren Beendigung, naͤmlich dieser Tage, eine Reise nach Kahira unternehmen wird, um sich dort neuerdings mit seinem Sohn Ibrahim uͤber den fuͤr die Zukunft einzuschlagenden Weg u be⸗ rathen. Letzterer kehrte vor wenigen Tagen von einer kleinen Reise, die wahrscheinlich nur administrative Zwecke hatte, aus dem Fayum nach Kahira zuruͤck, nachdem er vorher den beruͤch⸗ tigten Wuͤtherich Abderahman Bey den Lohn seiner Schandtha⸗ ten hat erleben lassen. — Die Truppenbewegungen fahren durch ganz Aegypten fort, beunruhigen uns aber nicht im ge⸗ ringsten.
Das fuͤr die Marktkirche zu Halle bestimmte, vom Professor Huͤbner gemalte Altarbild ist in den Raͤumen der Koͤnigl. Aka⸗ demie der Kuͤnste dem Publikum gegen ein Entree von 5 Sgr. um Besten der dortigen Armen, vom 28. Juni an, auf kurze Beit in den Stunden von 11—4 Uhr ausgestellt.
Professor Friedrich Tieck, Vice⸗Direktor.
Statistische Uebersicht der in Frankreich in Thaͤtigkeit befindlichen Dampf⸗Maschinen.
Die Anwendung des Dampfes auf die Industrie und den Transport hat seit dem Jahre 1830 in Frankreich sehr betraͤchtlich zugenommen; in den letzten zehn Jahren hat sich dort die Zahl der in Thaͤtigkeit befindlichen Maschinen mehr als vervierfacht. Vor dem Jahre 1830 gab es in Frankreich nur 543 Maschinen, zusammen von 8967 Pferdekraft; zu Ende des Jahres 1839 zählte man deren 2547 von 35,779 Pferdekraft. In derselben Periode stieg die Zahl der zur Heizung bestimmten Dampfkessel (Chaudières calo- riferes) ohne Maschinen von 448 auf 1789. Die staͤrkste Vermeh⸗ rung fand im Jahre 1839 statt, wo allein 422 Maschinen ein gefuͤhrt wurden, die zusammen 6877 Pferdekraft hatten. Hierin sind diejenigen Maschinen nicht mit begriffen, die sich auf den
lche in Bulgarien stattgefunden haben, veranlaßten den Sturz
Boͤten befinden, die zur inneren Schifffahrt dienen, oder auf denen, die dem Staate gehoͤren und zu oͤffentlichen Diensten verwendet werden.
Um aber von diesen bewegenden Kraͤften, einen genauen Be⸗ griff zu geben, wollen wir eine Classification aufstellen, welche es gestattet, die Zahl, die Kraft und die Natur der angewandten Maschinen zu erkennen. Wir entnehmen sie so wie saͤmmtliche Zahlen⸗Angaben, aus einem vom Minister der oͤffentlichen Arbeiten vor kurzem bekannt gemachten Dokument. “
Dampfkessel als Ursprung. zur Heitzung. bewegende Zahl. Pferde⸗ si üö ebriaer (Franzoͤsische 779 687 472 80: T (Luss ndische 24 88 2,404 ünbekannt 90 33 266 1641 18,811 Hochdruck. dass ndische . b 211 4,288 (unbekannt E 102 1,308 2577 55,779
Maschinen Druck.
1789 3311
5100
Es gab also zu Ende des Jahres 1839 in dem Koͤnigreiche 5100 Dampfkessel, von denen 4330 Franzoͤsischen Ursprungs 5s d. h. in inlaͤndischen Fabriken angefertigt worden sinz. . und Fabl lieferten 1789 Kessel Dampf zu verschiedenen Zwevon 593 3311 zur Bewegung von 2547 Dampf⸗Maschinen, hen waren mit niedrigem Druck und 1954 mit Hochdruck verschen. Pfer Die 2547 Dampf⸗Maschinen hatten eine Kraft von 35,779