gegen die Kandioten gerichtet sind. England, behauptet man, habe sich in diesem Punkt fuͤr die stationaire Partei der Tuͤrket erklaͤrt und dieser Tage das Franzoͤsische Kabinet daruͤber sondi⸗ ren wollen, indem man anfragt, wie weit dies geneigt sey, mit England gemeinschaftlich die Kandiotische Insurrection zu erdruͤcken und die alte Tuͤrkische Herrschaft wiedereinzusetzen. Von Fran⸗ zoͤsischer Seite soll aber entschteden erwiedert worden seyn, Frank⸗ veich werde zwar im vorliegenden Falle nicht die Kandioten in ihrer Praͤtention zu foͤrmlicher Unabhaͤngigkeit unterstuͤtzen, aber auch seine Mitwirkung zur Wiederherstellung der Ruhe in Kan⸗ dien derjenigen Partei im Diwan und unter den Tuͤrkischen Gro⸗ hen nicht versagen, welche fuͤr alle christlichen Bewohner des Tuͤr⸗ kischen Reiches die im Hattischerif von Guͤlhane versprochenen Rechte und Verwaltungs⸗Wohlthaten verliehen wissen wollte
Großbritanien und Irland.
London, 22. Juni. (B. H.) Die Minister rechnen im neuen Unterhause auf eine Majoritaͤt von nur 8 Stimmen, was nicht hinreichen wuͤrde, die oͤffentlichen Geschaͤfte ungestoͤrt fortzu⸗ fuͤhren. Die Tories behaupten, daß sie eine Mehrzahl von 20 bis 30 haben werden. Das ist indeß eine laͤcherliche Uebertrei⸗ bung. Das Wahrscheinlichste ist, daß keine Partei sich im naͤch⸗ sten Parlament einer hinreichenden Uebermacht wird ruͤhmen koͤn⸗ nen, sondern daß das naͤchste Unterhaus, eben so wie das jetzige, ein Gleichgewicht der Parteien zeigen wird, und in diesem Falle wird wohl das neue Parlament von kurzer Dauer seyn.
2. setzte Hoffnung, von dem „Praͤsident“ noch etwas zu erfahren, ist verschwunden, und die Verwandten der Passagiere finden sich so gut sie koͤnnen in ihr Ungluͤck. Die Wittwe des ausgezeichneten Schauspielers Power laͤßt jetzt die Moͤbel ihres Gatten versteigern, und Lord Melbourne, um ihren Kummer zu mildern, hat ihrem Sohne eine Stelle von 150 Pfd. jährlich zu⸗ kommen lassen. London, 23. Juni. Am Freitag ertheilte die Koͤnigin den Gesandten von Daͤnemark, Brasilien und Griechenland Audienz; der Erstere, Baron Blome, beurlaubte sich von Ihrer Majestaͤt, der Andere, Herr Montezuma, uͤberreichte ein Schreiben seines Souverains, und der Letzte, Herr Trikupi, uͤbergab sein Kre⸗ ditiv. Den Tag darauf, Sonnabends, beehrten die Koͤnigin und Prinz Albrecht den Herzog von Devonshire auf seinem herrlichen Landsitz zu Chiswick mit einem Besuch, wozu der reiche Besitzer die glaͤnzendsten Anstalten getroffen hatte. Am Sonntag wurde der vierte Jahrestag der Thron⸗Besteigung Ihrer Majestaͤt in uͤblicher Weise hier in London durch Kanonen⸗Salven und Glok⸗ kengelaͤute gefeiert.
Die Hof⸗Zeitung von gestern Abend enthaͤlt die offtzielle Anzeige von der Ernennung des General⸗Prokurators Sir John Tampbell zum Pair des vereinigten Koͤnigreiches unter dem Titel eines Barons Campbell von St. Andrew's in der Grafschaft Fife. Die Proclamation, durch welche das Parlament aufgeloͤst wird, erwartet man in einem außerordentlichen Blatt der Hof— Zeitung, das heute Abend ausgegeben werden soll. Man glaubt, daß die Parlaments⸗Wahlen in den Staͤdten und Flecken am 4. Juli und die der Grafschaften am 11. Juli werden beendigt seyn muͤssen, und daß das Resultat der gesammten Wahlen am 15. Juli hier bekannt seyn werde. Doch ist man der Meinung, daß das neue Parlament nicht vor den ersten Tagen des Oktober er⸗ oͤffnet werden duͤrfte. .
Vorgestern fand wieder eine Versammlung der liberalen Waͤhler in der City statt, in welcher die Resolution des Commo⸗ dore Sir Charles Napier, bei der bevorstehenden Wahl die vier Kandidaten Wood, Crawford, Pattison und Lord J. Russell zu unterstuͤtzen, einstimmig angenommen wurde. Wohlfeiles Brod, wohlfeiler Zucker und wohlfeiles Bauholz waren die Angelpunkte der Rede des Commodore. Auch Lord Edward Russell, ein Bruder des WMinisters, war gegenwaͤrtig. Letzterer hat sich der Form wegen in den Lumber Troop, eine Art Schüͤtzengilde der City, aufnehmen lassen. Auch die konservativen Waͤhler der City haben am Sonnabend eine Versammlung gehalten, bei welcher aber nur drei konservative Kandidaten, naͤmlich Lyall, Masterman und Attwood, gegenwaͤrtig waren; der Aldermann Pirie war Krankheit halber abwesend. Attwood zog in einer langen Rede, worin er auch die Armengesetze beruͤhrte, gegen die Minister zu Felde, und am Ende wurden die obigen vier Kandidaten durch Acclamation als zur Wahl geeignet erklaͤrt.
Lord Palmerston beruͤhrte in der Rede, welche er am Sonn abend in der Stadt Tiverton vor seinen Waͤhlern hielt, denen er sich wieder als Kandidat vorstellte, die auswäͤrtige Politik nicht im mindesten, sondern sprach nur uͤber die vorgeschlagenen Han⸗ dels⸗Reformen. Die Aenderung der Korngesetze vertheidigte er vorzuͤglich aus dem Gesichtspunkte, daß sonst die Englischen Fa⸗ briken der Konkurrenz des Auslandes unterliegen wuͤrden, und er forderte die Grundbesitzer auf, sich jetzt gutwillig zu fuͤgen, damit ste nicht spaͤterhin Schlimmeres uͤber sich ergehen lassen müßten. Er behauptete, die Paͤchter theilten keinesweges die Vorliebe fuͤr die jetzigen Korngesetze, wie er sich aus eigener Er⸗ fahrung uͤberzeugt habe. Anlangend die Zucker⸗Zoͤlle, so fragte er, wer mehr Beruͤcksichtigung verdiene, die fleißige Bevölkerung Englands oder die Westindischen Pflanzer, die bereits 20 Mil⸗ lionen Pfd. St. aus England bezogen haͤtten. Schließlich em⸗ pfahl er den Waͤhlern, sich ihres Rechtes ehrlich und nach Ge⸗ wessen zu bedienen. Als sein Gegner tritt Herr Roß auf, der nicht ohne Hoffnung auf Erfolg ist. In Liverpool, wo Lord Palmerston ebenfalls vorgeschlagen ist, scheint Lord Sandon alle Kraͤfte gegen denselben aufzubieten. V
Die Frage des freien Handels und die Ursachen, welche zu Titel: Handels⸗ und Haee bebt, ortert⸗ bben auf die gegenwaͤrtige Krists 5K.K. Landes, erwogen in Bezug
legenwaͤrtige 9 kuͤrzlich hier erschienen ist. Die Ar⸗ gumente dieser Schrift lauten etwa folgendermaßen: „Der er⸗ klͤrte Werth der im Jahre 1839 ausgefuͤhrten Britischen Er⸗ zeugnisse und Fabrikate betrug 53,233,580 Pfd. St. Die Erzeug⸗ nisse der Baumwollen⸗Fabräken allein werden zahrlich auf einen Werth von 34 Mill. Pfd. St. geschaͤtzt; sie beschaͤftigen 11½ Mill. Menschen, deren Gesammtlohn sich jaͤhrlich auf 20 Mill. Pfd. St. beläuft. Die Wollen⸗Fabrikate berechnet man saͤhrlich auf einen Werth von 27, die Leinen⸗Fabrikate auf 8 Mill Pfd.; vor ersteren wird ein Viertel, von jetzteren ein Drittel ausgefuͤhrt. Nach der Volks⸗Zaͤhlung von 1831 sind nur 28 pCt. oder zwei Siebentel der Bevoͤlkerung von Großbritanien beim Ackerbau betheiligt oder beschaͤftigt, 42 pCt. oder drei Siebentel dagegen bei Handel und Manufakturen; dieses Mizsverhaͤltniß ist seitdem noch weit groͤßer geworden. Eine ver⸗ nunftige Erwaͤgung unserer Handelspolitik darf also nicht verges⸗ sen, daß England vorzugsweise ein fabrizirendes Land ist, dessen eigentliche Existenz auf seinem Zutritt zu fremden Maͤrkten be⸗ ruht. Die unvermeidlichen Folgen des Verlustes irgend eines bedeutenden Zweiges unseres Ausfuhrhandels würden demnach seyn:
1) Ruin der Kapitalisten und Verhungern der Arbeiter, welche
sich mit diesem besonderen Handelszweige beschaͤftigen; 2) eine allgemeine Verschlimmerung in allen anderen Zweigen der Fabrik⸗ Industrie, in Folge der Mitbewerbung der außer Beschaͤftigung gerathenen Kapitalien und Arbeiter; 3) ein großer Ausfall im Staats⸗Einkommen, weil die verminderte Ausfuhr auch geringere Einfuhr nach sich zieht, und weil die arbeitende Klasse außer Stand gesetzt wird, Thee, Zucker, Kaffee und andere besteuerte Artikel zu verbrauchen; 4) eine bedeutende Auswanderung von Kapital und tuͤchtigen Arbeitern in andere Laͤnder, wo die Gesetz⸗ gebung sich nicht einmischt, um den Handel zu erschuͤttern und den Preis der Lebensmittel zu steigern; 5) Ruin fuͤr die National⸗ Glaͤubiger, weil das Volk außer Stande seyn wird, die unge⸗ heure Last der direkten Steuern zu erschwingen, welche zur Deckung des wachsenden Einnahme⸗Deftzits noͤthig ist; endlich 6) Rum des Grund⸗Eigenthuͤmers und des Paͤchters durch den Druck der direkten Steuern und der zur Unterstuͤtzung der brodlosen Be⸗ voͤlkerung noͤthigen Armen⸗Abgaben, so wie durch den ver⸗ minderten Werth des Bodens und der Ackerbau⸗Erzeugnisse in Folge des Verfalls der Fabriken. Diese Folgen liegen so offen da, daß gewiß kein tuͤchtiger Staatsmann, er sey Whig oder Tory, offen und geradezu irgend eine Maßregel oder Politik zu vertheidigen wagen wird, welche auf Gefaͤhrdung unseres Aus⸗ fuhrhandels berechnet waͤre. Die Frage ist somit, ob unsere jetzige Beschraͤnkungs⸗Politik diesen Ausfuhrhandel nicht gefaͤhr⸗ det, oder, mit anderen Worten, ob wir im Stande sind, andere Nationen irgend fernerhin zum Kaufe unserer Fabrikate zu zwin⸗ gen, waͤhrend wir ihre Erzeugnisse zu kaufen uns weigern.“
Als die bedeutendsten politischen Apostaten, die im Lauf der Jahre von den Whigs zu den Tories uͤbergegangen sind, bezeich⸗ net die Morning Chroniecle im Oberhause die Lords Abinger (Sir J. Searlett), Lyndhurst, Ashburton (Alex. Baring) und Dr. Phillpotts, Bischof von Exeter; im Unterhause Sir James Graham, Lord Stanley und Sir Francis Burdett. „Diese sie⸗ ben Lords und Herren“, sagt das genannte Blatt, „diese sieben Ritter aller politischen, religioͤsen und kommerzellen Monopole, waren fruͤher Fuͤhrer oder Vordermaͤnner bei jeder Bewegung ihrer Zeit in der Richtung liberaler Meinungen, verbesserter Ein⸗ richtungen und aufgeklaͤrter Gesetzgebung. Sie waren fuͤr die Emancipation, fuͤr die Reform, fuͤr den freien Handel; sie waren Patrioten, schrieben, hielten Reden, agitirten mit Eifer und Ungestuͤm, die meisten auch mit bedeutendem Ta— lent und Beredsamkeit, fuͤr die Grundsaͤtze, gegen welche sie jetzt auf die thaͤtigste, wuͤthendste, giftigste Weise kaͤmpfen, und sie ver⸗ letzen selbst die Gesetze ehrlicher Feindschaft in ihrem unbaͤndigen Zorne gegen ihre fruͤheren Meinungen und fruͤheren Freunde.
Das sind die Fuͤhrer der Partei, welche jetzt darnach strebt, die⸗
ses Land zu beherrschen; in ihre Haͤnde muß die Gewalt uͤber— gehen, sie muͤssen die hoͤchsten Aemter und Wuͤrden im Staat erlangen, wenn die Tories wieder ans Ruder kommen. Ein aus solchen Maͤnnern zusammengesetztes Kabinet sollte das Ministe⸗ rium der Apostaten genannt werden. Wie feindliche Heere, die in ein Land einfallen, Ueberlaͤufer und Verraͤther als Wegweiser
auf dem feindlichen Gebiete annehmen, so ruͤcken die Tories, mit
einer Schaar Ueberlaͤufern von den Liberalen an der Spitze, gegen die Britische Nation vor. man uns sagt, eine starke Regierung bilden werden. Die Tories
Das sind die Personen, welche, wie
sind allerdings stark an Ueberlaͤufern; zum Gluͤcke fuͤr das Wohl
des Staates ist aber eine Staͤrke dieser Art eine unmoralische Staͤrke, die aͤußerste Schwaͤche. In England kann unmoöͤglich jemals eine Verwaltung sicher und dauernd im Amte bleiben, die aus Ueberlaͤufern zusammengesetzt ist, welche von irgend einer politischen Fahne schmachvoll fortgetrommelt wurden. Noch gilt der Charakter etwas in unserem Vaterlande, und besonders ist er
ein durchaus nothwendiges Erforderniß, wenn ein Anspruch auf
die hoͤchsten Aemter im Staate guͤltig seyn soll, im Dienst eines tugendhaften Volks und einer patriotischen Koͤnigin. Der An⸗ spruch der Toryfuͤhrer ist schlecht; er hat den Flecken der Charak⸗ terlostakeit an sich.“
Zu Merthyr, Dowlais, Tredegar und Nanty Glo haben die Chartisten und viele andere Arbeiter den jetzigen hohen Fleisch⸗ preisen (§ Pence das Pfund) Krieg angekuͤndigt und in einer
feierlichen Erklaͤrung gelobt, kein Fleisch mehr zu kaufen, so lange
nicht der Preis auf 4 ½ Pence heruntergehe. Beinahe saͤmmtliche Fleischer, welche am vorigen Sonnabend auf den Maͤrkten der vorgenannten Straͤdte erschienen, mußten ihr Fleisch unverkauft wieder heim tragen.
In einer am 16. Juni gehaltenen Versammlung der Direk⸗ toren der Ostindischen Compagnie wurde der General⸗Major Sir Hugh Gugh, der sich jetzt als Befehlshaber der Landungs⸗Trup⸗ pen in China befindet, zum militairischen Ober⸗Befehlshaber der Praͤsidentschaft Madras ernannt.
Eine zahllose Menschenmenge war vorgestern nach Woolwich gestroͤmt, um das riesige Linienschiff „Trafalgar”“ von 129 Kano⸗ nen vom Stapel laufen zu sehen. Auf dem Wersthofe waren Sitze fuͤr 30900 Personen angebracht. Um 2 Uhr erschien die Koͤnigin mit dem Prinzen Albrecht und erkundigte sich genau nach dem Gang der Arbeiten; der Volksjubel war uͤberaus groß. Das Schiff wurde mit einer Flasche Wein getauft, welche die Graͤfin Nelson den Hafen⸗Behoͤrden geschenkt hatte; es war eine Reliquie aus der Kafuͤte des Seehelden am Tage der Schlacht von Trafalgar. Auf dem Verdeck befanden sich lauter Veteranen von Trafalgar, unter dem Befehl des Lieutenants Rivers, der in jener Schlacht ein Bein verlor. Das Schhiff rollte majestaͤtisch in die Wogen hin, und trotz der Masse von Boͤten und Dampf— schiffen, die dasselbe umschwammen, hatte man nicht den gering⸗ sten Unfall zu beklagen.
In der kleinen Stadt Redditch werden woͤchentlich mehr als 70 Millionen Nadeln fabrizirt.
NoEed Der Verwaltungs⸗Rath der Niederlandschen Handelsmaat⸗
reichen
schappy hielt am 16. Juni die gewohnte jaͤhrliche General⸗Ver⸗
sammlung uͤber das mit Dezember v. J. abgelaufene 16te Ge⸗
schaͤfts⸗Jahr. Der Bericht des Praͤsidenten sprach sich im Allge⸗
meinen guͤnstig uͤber die Angelegenheiten der Gesellschaft aus, be⸗
waͤhrte aber, daß allerdings der Schiffsbau bei uns eine das
Beduͤrfniß weit uͤbersteigende Ausdehnung genommen. Im Jahre
1840 zahlte die Gesellschaft 10,500,000 Fl. fuͤr Schiffsfracht. 9“
Belgien.
Bruͤssel, 22. Juni. „Man versichert uns“, sagt der In⸗ dépendant, „daß ein schon unterzeichnetes Koͤnigliches Dekret die Reserve der Belgischen Armee auf einen neuen Fuß organisirt; die jetzigen Reserve⸗Regimenter wuͤrden aufgeloͤst und an ihre Stelle traͤte ein Reserve⸗Bataillon bei jedem Regiment. Alle Offiziere der alten Reserve wuͤrden in die neue vertheilt.“ 1
In der letzten Zeit sind zu Loͤwen 7 Portugiesen, 3 Mexi⸗ kaner und 2 Brasilianer zu Boktoren der Medizin kreirt worden.
In Gent wurde vor einigen Tagen ein seltsames Jubilaͤum
gefeiert: das eines Fischers mit der Angel, nach 50jaͤhriger Amts⸗ thaͤtigkeit.
Schweden und Norwegen. Stockholm, 16. Juni. Die Staats⸗Tidning enthaͤlt saͤmmtliche Reden, die beim Schlusse des Reichstages an den Koͤnig gehalten worden, so wie die Antworten Sr. Majestoͤt. Auf die Anrede des Landtags⸗Marschalls, der im Namen des Adelsstandes erklaͤrte, der Adet setze eine Ehre darin, trotz aller Neuerungen, die Zeit und Umstaͤnde mit sich fuͤhren duͤrften, seine Gesinnungen der Ehrfurcht, Treue und Dankbarkeit gegen den Koͤnig unverletzt zu erhalten, erwiderte Se. Maͤzestaͤt: „Ich war im Voraus uͤberzeugt, im Namen Ihres Standes solche Gesinnungen zu vernehmen. Sie kennen Meine Achtung vor Großthaten; Jeder von Ihnen hat sich uͤberzeugen koͤnnen, wie tief Ich von der Wahrheit durchdrungen bin, daß der Waffen⸗ ruhm den Ursprung der Staats⸗Gesellschaften, der Nationali⸗ taͤten begruͤndet, deren Aufrechthaltung aber nur auf Reli⸗ gion, Gerechtigkeit und Wahrheit beruhen kann. Als Vor⸗ kaäͤmpfer fuͤr Thron und Gesetz haben Sie Mir in der Ausuͤbung der von der Nation Mir anvertrauten Pflichten beigestanden. Empfangen Sie in ihrem und Meinem Namen unsere Danksagun⸗ gen.“ — Der Erzbischof sprach im Namen des Priesterstan⸗ des dessen Freude aus, daß weder Jahre noch Ereignisse die Kraft des Koͤnigs gebeugt, und hob insbesondere die Confirma⸗ mation des Prinzen Karl hervor, wobei er den Wunsch aͤußerte, daß der Koͤnig, gleich der Sonne in den jetzigen Sommer⸗Aben⸗ den, noch lange seyn Volk erleuchten und beseelen moͤge. Indem der Koͤnig ihm fuͤr die Gesinnungen dieses Standes dankte, er⸗
klaͤrte er, darin die Seelenkraft zu schoͤpfen, die druͤckende Buͤrde
des Koͤnigthums zu tragen. „Sie haben — fuhr Se. Majestaͤt fort — das Innerste eines Familienvaters beruͤhrt, indem Sie von seinen Enkeln, der Hoffnung des Vaterlandes, reden. Gott, der die Liebe ist und die Ordnung will, weiß, daß Ich bei Meiner An⸗ kunft in Schweden nur Schwede habe seyn wollen; Er weiß auch, daß Ich nur um Schwedens willen neuen Ruhm gewuͤnscht, und von dem Augenblicke an, wo unsere Norwegischen Bruͤder sich zum gemeinsamen Wohl der nordischen Halbinsel mit uns
vereinigt, keinen anderen Gedanken und Wunsch gehegt, als deren
Bewohner die Beendigung langer und blutiger Reibungen aner⸗ kennen zu sehen. Ich schließe Mich Ihren Hoffnungen an; es wird der Vorsehung gefallen, Sie zu erleuchten und in Ihren frommen Wirken zu leiten, damit Sie durch Wort und Beispiel die Lehren und den Trost der Religion Jesu Christi verbreiten.“ — Der Sprecher des Buͤrgerstandes wies auf die hochwichti⸗ gen Fragen hin, die wäaͤhrend dieses Reichstages behandelt worden, und bei denen es nicht Wunder nehmen duͤrfe, wenn Meinungs⸗Verschiedenheiten eingetreten; doch versicherte er, daß dieser Stand nur das wahre Beste des Vaterlandes, wovon Ruhm und Wohl des Koͤnigs unzertrennlich, im Auge gehabt habe. Er sprach besonders den Wunsch nach Ausdehnung des Unterrichts und Foͤrderung von Handel und Gewerbe aus. Darauf erwiederte der Koͤnig: „Ich habe den Wuͤnschen der Reichsstaͤnde entsprochen, als Ich ihre Wahl annahm, und Mich den peinlichen Pflichten unterzog, welche die Lage der Umstaͤnde mir auferlegte. Die Skandinavische Halbinsel ist frei. Diese Freiheit kunn nur durch innere Ruhe als Buͤrgschaft der Unab⸗ haͤngigkeit nach Außen erhalten werden. Sie fuͤhrt zur Ausdeh⸗ nung der Schifffahrt, der Handels⸗Verhaͤltnisse, des Gewerb⸗ fleißes, und soͤhnt durch ein fortschreitendes Streben alle Interessen unter einander aus. Die Nation selbst hat die Formen festgesetzt, die bei Einfuͤhrung nuͤtzlicher Veränderungen und Verbesserungen beobachtet werden sollen. Durch gewissen⸗ hafte Beachtung dieser Formen, durch Vermeidung jeder Ueber⸗ schreitung, befestigen sich die Staaten, bilden sich natuͤrliche Buͤnd⸗ nisse. Indem Ich die Ueberzeugung der Reichsstaͤnde ehre, habe Ich das Recht, zu hoffen, daß sie wiederum Meine Skrupel ehren werden. Die Vergangenheit spricht zu unseren Gunsten; Schwe⸗ den hat gesiegt. Die Gegenwart ist schoͤn; die Zukunft ist in unseren Haͤnden; sie harrt unser.“ — Der Sprecher des Bauern⸗ standes hielt eine kurze, uͤberaus herzliche Anrede an den Koͤ⸗ nig, dem er noch viele Jahre der Kraft wuͤnschte, die durch die friedliche Entwickelung des Landes, durch das Vertrauen und die Liebe des Volkes, durch das Aufbluͤhen einer zahl⸗ Familie, durch den reichen Schatz der Erinne⸗ rungen eines glorreichen, siegreichen, segensreichen Lebens, endlich durch den ruhigen Hinblick auf eine Zukunft, in welcher die Wahrheit, rein und unentstellt, ihr Endurtheil uͤber die Monarchen faͤllt, verherrlicht werden moͤchten. Eben so herzlich erwiederte der Koͤnig: „Gute Bauern! Ich schaͤtze Mich gluͤck⸗ lich, daß Ihr Euch noch Meiner Bemuͤhungen um das Vater⸗ land erinnert. Ihr seyd im Stande, den Schutz zu erkennen und zu wuͤrdigen, den die Vorsehung Meinen Bestrebungen hat angedeihen lassen, die alle nichts bezweckten, als Euch so unab
haͤngig und gluͤcklich zu machen, wie man es nur auf Erden seyn kann. Das Gluͤck besteht haͤufig in der Einbildung, und die Wirklichkeit tritt immer zuruͤck, wenn Liebe zum Wechsel und Hoffnung auf ein Ideal die Gedanken des Menschen heimsuchen. Mit Freuden nehme Ich Eure Wuͤnsche fuͤr Mich und Meine Fa— milie entgegen, die auch die Eure geworden, und rufe Euch ins Gedaͤchtniß, daß Ich die Kinder Schwedens wie ein Vater in den Kampf gefuͤhrt habe.“
Seö
Kopenhagen, 24. Juni. (Alton. Merk.) Ist auf den Straßen auch die alte Ruhe zuruͤckgekehrt, so denken doch Alle noch des schoͤnen vorgestrigen Tages und sind begeistert von dem angenehmen Eindruck, den die Prinzessin machte, wie „Faedrel“ bemerkt. Auf der Landungs⸗Bruͤcke ward sie von dem Ober⸗ Praͤsidenten Kierulff angeredet, welcher das junge Ehepaar im Namen der Stadt mit folgenden Worten begruͤßte: „In diesem
Augenblick, gnaͤdigste Prinzessin! in dem sie den Fuß auf den
Boden unseres Vaterlandes und namentlich in diese Stadt setzen,
V welcher von einem der erhabenen Ahnen Ihres Gemahls die bedeu⸗
tungsvolle Benennung „seines Nestes“ beigelegt ist, seyen sie von der Stadt selbst durchihre hier anwesende Obrigkeit und Buͤrger⸗Repraͤ⸗ sentanten begruͤßt. Sie werden mit offenen Herzen und warmen Wuͤnschen, daß siehier die Freude und Zufriedenheii finden moͤgen, die Ihnen fuͤr dietheuren Verhaͤltnisse, aus denen Sie eben getreten, einen Ersatz gewaͤhren koͤnnen, empfangen. Auch Ihnen, gnaͤdigster Kronprinz! bringt die Stadt bei ihrem ersten Einzuge unter den neuen Verhaͤltnissen, in die Sie eingetreten sind, ihren Gruß. Wir wuͤnschen, daß die eben gestiftete Verbindung Ihnen eine gluͤck⸗ liche und frohe Zukunft oͤffnen möge.“ Die Prinzessin erwiederte auf diese freundliche Bewillkommnung in Daͤnischer Sprache un⸗ gefaͤhr so: „Ich danke aufrichtig fuͤr den Empfang, den ich hier gefunden. Es giebt Augenblicke im Leben, die man nie vergißt“, worauf auch Se. Koͤnigl. Hoheit der Kronprinz der Stadt in wenigen herzlichen Worten fuͤr die Ergebenheit, die sie fuͤr ihn und seine Gemahlin an den Tag gelegt, dankte.
Abends war allgemeine Illumination, welche die Koͤnigliche Familie unter fortwaͤhrendem Jubel des Volkes in Augenschein nahm. Gestern Morgen war Gottesdienst in der Christiansburger Schloßkirche, wo der Bischof Mynster die Predigt hielt, nach welcher das Koͤnigl. Sing⸗Personal die von dem Professor Weyse komponirte Kantate ausfuͤhrte. Am Abend wiederholten die Mu⸗ sikchoͤre der 6 Regimenter, die am Abend des Einzugs den Zapfen⸗ streich unter allgemeinem Beifall ausgefuͤhrt, die Musik unter den Arkaden des Schlosses, und zwischen 10 und I1 brachten die die Studenten den Neuvermaͤhlten einen Fackelzug, nachdem sie unter Musik uͤber den Amager Markt und die hohe Bruͤcke ge⸗ zogen, bildeten sie auf dem Schloßplatze einen Kreis, eine Depu⸗ tation an das fuͤrstliche Paar ward in das Schloß gesandt, dar⸗ auf oͤffneten sich die Thuͤren des Altans und Se. Koͤnigl. Hoheit der Kronprinz trat mit seiner jungen Gemahlin hervor, die Stu⸗ denten sangen ein fuͤr diese Gelegenheit gedichtetes und komponir⸗ tes Lied ab und brachten verschiedene Hochs aus, in welche die Menge freudig einstimmte.
Deutsche Bundesstaaten.
Muüͤnchen, 21. Juni. (A. Z.) Eine in mehreren Blaͤttern enthaltene Bemerkung uͤber das kuͤnftig im Bayerischen Heere eintretende Urlaubs⸗System duͤrfte bei Nichtunterrichteten leicht eine irrige Annahme veranlassen. Wie wir aus guter AQuelle hoͤren, wird eine unbedinate, ununterbrochene Beurlaubung der
Mannschaft nach vollendeter dreijaͤhriger Dienstzeit nicht beabsich⸗ tigt, sondern Einberufungen zu Waffenuͤbungen und anderen mi⸗ litairischen Zwecken, sowohl in Bezug auf Einzelne als in groͤße⸗
rer Ausdehnung, durch die getroffene Verfuͤgung, je nach dem Interesse des Dienstes, nicht ausgeschlossen bleiben, uͤberhaupt eine
Veränderung in den militairdienstlichen Verhaͤltnissen der mit
ausgedehnterem Urlaube bedachten Mannschaft in keiner Bezie⸗ hung Platz greifen.
Dieser Tage starb hier Sophie Freyin von Stein⸗Altenstein, 101 Jahre alt, wahrscheinlich die aͤlteste der adeligen Fraͤulein in Deutschland.
Augsburg, 24. Juni. Die Allgemeine Zeitung sagt mit Bezug auf die Anwesenheit Sr. Majestaͤt des Koͤnigs in Augsburg: „Der Koͤnig war in die Stadt gekommen, ihre ersten Gewerbs⸗Institute zu schauen, deren reger Fortschritt zu⸗ sammentrifft mit der freudigen Aussicht, in wenigen Jahren durch des Monarchen Willen die befluͤgelten Bahnen errichtet zu sehen, die dem Handel Ober⸗Deutschlands die Wiederkehr alter Zeiten versprechen, indem sie von den Graͤnzen Italiens bis zu den Ge⸗ staden der Nord- und Ostsee die rascheste Verbindung bringen. Geht eine Stadt zuruͤck, daß Gras zwischen ihrem Pflaster waͤchst und ihre Straßen sich veroͤden, so dient die Erinnerung fruͤheren Ruhmes oft zu linderndem Trost, oft zu eitler Koketterie; dringt aber neues Leben durch ihre Adern, so liegt in jenen historischen Erinne⸗
rungen eine Lockung, ein Sporn, der die Traͤume zu Wirklich⸗
keiten umwandelt, weil wir sehen, wie viel einst moͤglich war, was die nur auf ihren eigenen engen Raum blickende Gegenwart als Chimaͤre verschreit. Irren wir nicht, so sahen wir gestern unter den Fahnen und Wimpeln, die in den Luͤften flatterten, uͤber den halbverwitterten Fresken des Weberhauses auch das fruͤhere Kriegsbanner dieses Gewerbes, das von der großen Un⸗ garschlacht des Lechfeldes manches Alterthum bewahrt. Und das Geschlecht der Fugger, dessen Flaggen auf allen Meeren wehten, und das jenseits des Oceans ein ungeheures Kolonial⸗Gebiet sein nannte, ward gegruͤndet von einem solchen Weber, der aus einem nahen Dorfe mit wenigen Gulden in die Stadt gezogen war, in welcher einer seiner Enkel Karl dem Fuͤnften mit den Kaiser⸗ 8 ‚Schuldbriefen vom Algierer Zuge das Kaminfeuer an⸗ fachte.“
Ems, 24. Juni. Gestern traf Se. Durchl. der Herzog Nassau hier ein, um die fuͤr Ihre Majestaͤt die Kaiserin von Rußland in Bereitschaft gesetzten Appartements in Augenschein zu nehmen. Ihre Majfestaͤt die Kaiserin wird gegen die Mitte des kuͤnftigen Monats ganz bestimmt hier erwartet.
Lurxemburg, 22. Juni. Die Parade der Preußischen Be⸗ satzung, die gestern vor Sr. Majestaͤt dem Koͤnig⸗Großherzog stattfand, wurde vom General Lieutenant Dumoulin kommandirt. Der Franzoͤsische General⸗Lieutenant Achart war ebenfalls gegen⸗ waͤrtig. Nach Beendigung derselben besuchte der Koͤnig mehrere oͤffentliche und Privat⸗Etablissements. Heute fruͤh ist Se. Maje— staͤt nach Vianden abgereist, von wo Hoͤchstdieselben Abends zu⸗ ruͤckerwartet werden.
Hannover, 23. Juni. Die Hannoversche Zeitung meldet, daß Se. Majestaͤt der Koͤnig in Folge gelieferter Nach⸗ weisung saͤmmtlichen im Koͤnigreich angesessenen Mitgliedern der Equordtschen, Gesmoldschen und Loxtener Linie der Familie von Hammerstein, welche von dem 1653 verstorbenen Hans Adam von Hammerstein abstammen, die Fuͤhrung des Freiherrn⸗Titels gestattet hat.
Leipzig, 25. Juni. (Leipz. Z.) Einen oͤffentlichen weis von den freundlichen Verhaͤltnissen, in welchen im Allge⸗ meinen die verschiedenen in unserer Stadt vorhandenen christli⸗ chen Gemeinden leben, giebt eine unter dem 23. Juni erlassene Bekanntmachung der hiesigen Kirchen⸗Inspection und des Raths, nach welcher die katholische Gemeinde, deren Gotteshaus wegen
Baufaͤlligkeit geschlossen werden mußte, bis auf Weiteres die der
evangelisch⸗lutherischen Gemeinde zustehende Neukirche zu ihren gottesdienstlichen Versammlungen mit benutzen wird, ohne daß dadurch der protestantische Gottesdienst gestoͤrt wird.
Hamburg, 18. Juni. Zeitung unterm 9ten d. M.
tädten verweigert habe, fand an der Boͤrse keinen Glauben.
Iiagal(gen. Livorno, 18. Juni.
den. Nörgen kam es mit bedeutendem Schaden wieder zuruͤck.
gestoßen welch Nacht auf das Sardinische Dampfschiff „Pollux“
die Paffagiere es zu Grunde gegangen ist. Die Mannschaft und giere sind bis auf einen gerettet.
6 Spani 88
ö“ gonagaeh haben dr dehunt. In der gestrigen Sitzung des beiden Artikel des v jutirten die Ihnen gestern mitgetheilten Eutach ens vonn on der Majoritaͤt der Kommission vorgelegten ichtens votirt, so daß, wenn der Senat, wi icht zu bezwei feln ist, beitritt, die Regieru ie ver E. ¹die Megierung die verlangte Ermächtigung erreicht
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hat. Der Kongreß hat jedoch die Bedingung hinzugefuͤgt, daß die Regierung die noch mangelnden Verfuͤgungen uͤber die Ein⸗ fuhr fremder Baumwollenwaaren und die Korngesetzgebung den Cortes in der naͤchsten Legislatur vorlegen solle. Der Minister⸗ Praͤsident erklaͤrte, diese Bedingung erfuͤllen zu wollen.
Waͤhrend man so hier der Einfuͤhrung eines neuen Zollwe⸗ sens die Bahn bricht, schaffen die in Associationen organisirten Fabrik⸗Arbeiter von Barcelona das bisher bestehende gewaltsam ab. Sie verlangten von den dortigen Behoͤrden, daß die konfis⸗ zirten Englischen Waaren nicht mehr verkauft, sondern öffentlich verbrannt werden sollten, und machten, da die Behoͤrden hier zu Lande die getreuen Vollstrecker des Volkswillens sind, in der Nacht des Ften damit den Anfang. Dabei wurde erklaͤrt, daß man den Personen, welche Kleider von auslaͤndischen Stoffen truͤgen, diese vom Leibe reißen werde. In Saragossa verbrannte, wie ich Ihnen bereits meldete, das souveraine Volk das Jour⸗ nal „la Sensater.“ Der Redacteur, der sich an die Behoͤrden wandte, erhielt von diesen den Befehl, die Provinz zu verlassen. Als der Minister des Innern hieruͤber im Kongresse zur Rede gestellt wurde, erklaͤrte er, die Einwohner von Sara⸗ gossa ließen sich nun einmal nicht durch Gewalt regieren. Eine solche Ermaͤchtigung zum Aufruhr bedarf keines weiteren Kom⸗ mentares. Sie schildert durch sich selbst am beredtesten die Ge⸗ sinnung des Ministeriums, den Geist der Bevoͤlkerung, und die Garantieen, welche dieses Land fuͤr die naͤchste Zukunft hat. Was aber am meisten zu bewundern ist, duͤrfte der Umstand seyn, daß bei diesem gaͤnzlichen Mangel des Willens, den Gesetzen Kraft zu verschaffen, das Spanische Volk dennoch nicht in Masse gegen die Behoͤrden sich auflehnt.
L61ud.
Athen, 5. Juni. (L. A. Z.) Von Kandien, das natuͤr⸗ lich fortwaͤhrend das hiesige allgemeine Interesse in Anspruch nimmt, sind Briefe hier angekommen, die den großen Mangel an Waffen schildern; von 15,000 Griechen waͤren nur 2000 be⸗ wassnet — ein Bauer kaufte eine Flinte fuͤr 400 Drachmen —
und wenn nicht bald Zufuhren von Waffen kaͤmen, sey zu fuͤrch— ten, daß sie alle massakrirt wuͤrden. Doch hoffe man auf eine bedeutende Sendung von Marseille. Von einer Griechischen V Insel wird geschrieben, daß man dort drei Schiffe gekauft habe, die als Brander dienen sollten. Bekanntlich halten jetzt die Tuͤr⸗ kischen Schiffe vor Kandien jedes nach der Insel steuernde Schiff an und untersuchen es. Hierauf ist der Plan mit diesen Bran⸗ dern gegruͤndet. Sie werden oben mit Waaren bedeckt nach der
Insel steuern wie gewoͤhnliche Handelsschiffe, und wenn die Tuͤr⸗ V den unerschrockenen Kanaris, ’
(A. Z.) Der in der Allgemeinen 3 n d. M. von hier gegebene Bericht, daß Lord Palmerston die Ratification des Handels⸗Traktats mit den Hanse’⸗
8 Gestern ging das Neapolitanische neue Dampfschiff „Montegibello“ nach Civitaͤvecchia von hier ab und
kischen Kriegsschiffe sie anhalten, um sie zu untersuchen, mit sich an ein Tuͤrki⸗ Sollten diese, namentlich durch
der noch jetzt als Fregatten apitain in der Griechischen Marine dient, im letzten Freiheits⸗
Ketten anklammern.
en gefuͤrchteten und Haken
sches Schiiff
,
faͤmpfe so furchtbar gewordenen Brander wieder erscheinen, so
duͤrften leicht die Tuͤrkischen Kriegsschiffe vor Kandien bald ver⸗ schwinden. Das Verfahren mit diesen Brandern ist folgendes. Ein Schiff wird mit Schwefel, Pulver ꝛc. geladen, und auf der Oberflaͤche mit Waaren oder anderen Gegenstaͤnden bedeckt, die eeinen wirklichen Inhalt nicht verrathen. Es ist mit zehn bis V 2 Mann bemanntv; ein oder zwei Schiffe, die nicht Brander sind, folgen ihm, um die Mannschaft spaͤter aufzunehmen. So⸗ Lvald der Brander an das Schiff, das zerstoͤrt werden soll, kommt,
wirft ein Theil der Mannschaft Haken mit Ketten nach diesem w aus, um die Brander schnell an das Schiff anzuklammern, der
andere Theil laͤßt das Boot ins Wasser, und auf einem Stuͤcke Mast, der vom Hintertheile des Schiffes in das Meer hinaus⸗ Zelegt wird, rettet sich die Mannschaft schnell in das Boot, waͤhrend der Anfuͤhrer die brennende Lunte an das Pulverfaß legt. Alles ist das Werk einiger Sekunden, und waͤhrend die Mannschaft des ange— guäffenen Schiffes nur damit beschaͤftigt ist, wie sie das brennende Schiff von dem ihrigen wieder losmache, entkommt die Mann⸗ schaft des Branders gewoͤhnlich gluͤcklich zu dem anderen Huͤlfs⸗ schiffe. Der verwegene Kanaris wagte sich einmal im Griechi⸗ schen Freiheitskampfe ganz allein mit seinem Brander, ohne ein Huͤlfsschiff, mitten hinein in den Hafen von Alexandrien, um dort im Hafen selbst das Admiralschiff zu verbrennen, und ent⸗ kam gluͤcklich. Brander die Hauptrolle. Ein alter Ipsariote, der schon am mitgewirkt hatte, fuͤhrte zuerst die Vrander in die Griechische Marine ein. Ein anderer Ipsariote, Papa Nikolaus, sprengte das erste Tuͤrkische Linienschiff in die Luft, und ein dritter Ip⸗ sariote, jener beruͤhmte Kanaris, indem er siebenmal sein Leben
Fregatten und zwei Korvetten. Ihnen zunaͤchst kamen die Hy⸗ drioten; wer kennt nicht die Namen der Tombazis, Miaulis ꝛc.
Athen, 12. Juni. (A. Z) Auf Kreta, von wo die Be⸗ richte bis zum 7. Juni gehen, haben (wie bereits erwaͤhnt) einige Scharmuͤtzel, angeblich auch ein fuͤr die Tuͤrken blutiges Treffen (bei Megalo⸗Kastron) stattgefunden. Auf den folgenden Tag 66. Juni) soll man im Westen der Insel ein entscheidendes Tref⸗ fen erwartet haben
Ae
Von der Tuͤrkischen Graͤnze. aus Belgrad vom 14. Juni zufolge, war Jakub Pascha in Sophia angelangt, und wurde unverzuͤglich in Nissa erwartet. In Sophia hat ex gleich nach seiner Ankunft funfzehn gefangen gehaltene Bulgaren in Freiheit setzen lassen und dadurch die Ge⸗ muͤther der christlichen Bevoͤlkerung fuͤr sich gewonnen. In letz⸗ terer Zeit streifte eine Raͤuberbande zwischen Nissa und Alexincze,
was fuͤr den Augenblick die Passage der Handels⸗Karavanen
sperrte. Der Serbischen Graͤnzwache gelang es jedoch, jene Raͤu⸗
gefangen zu nehmen. Seitdem ist die volle Sicherheit wiederher⸗
gestellt.
26. Juli 1770 zu jenem furchtbaren Schauspiele bei Tschesme stehen tan schifffahrt fuͤr immer unmoͤglich sey, weil die Schiffe nicht genug
einsetzte, verbrannte allein zwei Tuͤrkische Admiralschiffe nebst drei
(Oest. B.) Berichten
berbande zu versprengen und ihren Anfuͤhrer, Namens Risto,
b V
Die Insel Ipsara spielt in der Geschichte der
das straͤfliche Beginnen dieser Leute hoͤchsten Orts angezeigt wor⸗ den, hat Se. Hoheit, damit die zu moͤglichst bequemer Daͤmpfung des Aufruhrs geeigneten Maßregeln getroffen wuͤrden, den Ka⸗ pudan Pascha mit hinreichender Truppenmacht nach Kreta beor⸗ dert, und ist derselbe in Folge des Allerhoͤchsten Befehls kuͤrzlich dahin unter Segel gegangen. Obgleich nun die Urheber der er⸗ waͤhnten Empoͤrung von Außerhalb gekommen sind, so war zur bequemeren Herstellung der Ruhe und Ordnung des Landes doch eine allgemeine Blokade nothwendig erschienen; darum hat der Kapudan Pascha die Instruction, mit alleiniger Ausnahme der Haͤfen Kanea, Kandia, Reßmo und Suda, welche die Han⸗ delsplätze der Insel sind, saͤmmtliche Kuͤstengegenden zu sperren. Auch die fremden “ von diesem Schritt der hohen Pforte in Kenntniß gesetzt.“ 2
8 1 meldet die gedachte offizielle Zeitung uͤber den Auf⸗ stand in Bulgarien: „Eine Anzahl Raja's aus Nisch (Nissa), Leskofdscha und Schehrkijoͤi hatten sich neuerlich zu Hand⸗ lungen erdreistet, die mit den Pflichten des Gehorsams im schroff⸗ sten Widerspruche standen. Den wiederholten Ermahnungen ih⸗ rer weltlichen und geistlichen Vorgesetzten zum Trotz, sperrten sie die Heerstraßen ab und veruͤbten noch andere straͤfliche Excesse. Die ehrenhaften Muselmaͤnner und Raja's jener Gegenden wen⸗ deten sich mit der flehentlichen Bitte, dem raͤuberischen Beginnen der Aufruͤhrer Einhalt zu thun, an die Beamten des Großherrn, und nachdem nun von Seiten Letzterer angezeigt worden, daß sie sofort mit den zur Abwendung des Unheils und zur Bestra⸗ fung der Rebellen dienlichen Maßregeln den Anfang gemacht, hat Se. Hoheit, um unnuͤtzes Blutvergießen zu vermeiden und die gesetzliche Strafe nur die Meuterer treffen zu lassen, den Muschir von Tschirmen, Jakub Pascha, als Bevollmaͤchtigten nach Nissa gesandt. Damit aber die Untersuchung ganz unparteiisch gefuͤhrt werde, ist auch von Konstantinopel ein Bevollmaͤchtigter, der erste Adjunkt des Direktoriums der Diwan⸗Prozesse, Tewfik⸗Bej, auf Befehl Sr. Hoheit dorthin abgegangen.“”)
Ein Schreiben aus Canea vom 4. Juni besagt: „Vor zehn Tagen haben die Feindseligkeiten begonnen. Bereits fanden einige Scharmuͤtzel statt, ohne daß jedoch viel Blut von irgend einer Seite geflossen waͤre. Einige Doͤrfer haben sich den Tuͤr⸗ kischen Truppen ergeben. Die Hauptschaar der Insurgenten hat sich in die Gebirge von Sfax zuruͤckgezogen. Die Blokade dauert fort. Die Franzoͤsischen und Englischen Kriegsschiffe, welche unseren Hafen verlassen haben, sind durch andere ersetzt worden, und es befindet sich jetzt in unserer Naͤhe ein ziemlich zahlreiches Geschwader.“
Die transatlantische Dampfschifffahrt und ihre neue⸗ sten Resultate.
Das traurige Schicksal des Britischen Dampfbootes „Praͤ⸗ sident“ und die Besorgnisse, welche sich daran uͤberhaupt fuͤr das fernere Gedeihen der transatlantischen Dampfschifffahrt knuͤpfen, geben den nachstehenden Notizen uͤber die allmaͤlige Entwickelung derselben ein besonderes Interesse. Wir entnehmen sie, der Haupt⸗ sache nach, aus der Beilage zu einer der letzten Nummern des „Constitutionnel“, welcher dabei wahrscheinlich ganz aus Engli⸗ schen Quellen schoͤpfte.
Schon laͤngst, heißt es da, hatte England alle Vortheile ein⸗ gesehen, welche es aus einem lebhaften und gesicherten Verkehr mit den Vereinigten Staaten von Nord⸗Amerika wuͤrde ziehen koͤnnen, aber die Dampfschifffahrt hatte noch nicht Fortschritte genug gemacht, um den gehegten Erwartungen zu entsprechen.
Im Jahre 1819 vollbrachte der „Savannah“, ein Dampf⸗ schiff von 300 Tonnen, welches zu New⸗York gebaut war, die
Ueberfahrt von den Vereinigten Staaten nach Liverpool in 26 Tagen. Der „Curagao“, ein Dampfschiff von 350 Tonnen, welches in England fuͤr Rechnung der Niederlande erbaut war, machte mehr als einmal die Fahrt von Holland nach Westindien. Das waren aber nur Versuche, mehr oder weniger geschickte Verbindungen der Segel- und der Dampf⸗Kraft. Seit beinahe zehn Jahren unterhalten Dampfboͤte der Koͤniglichen Marine regelmaͤßige Verbindungen zwischen Malta, Korfu und Groß⸗ britanien. Aber unser Verkehr mit Amerika war immer noch der Unbestaͤndigkeit der Winde und uͤberhaupt allen den Hinder⸗
nissen unterworfen, welche der Segelschifffahrt so sehr im Wege
stehen. Man behauptete sogar, daß die transatlantische Dampf⸗
Kohlen einnehmen koͤnnten, und weil der Ertrag der Fracht nicht einmal die noͤthigen Ausgaben decken wuͤrden. Damals wurde
angenommen, ein Dampfschiff koͤnne auf dem Ocean nur 6 Mei⸗
V
Nachrichten aus Syra vom 11. Juni zufolge, haben, nach⸗
dem Tahir Pascha, der am 16. Mai mit seiner Escadre in Suda
angekommen war, zu wiederholten Malen fruchtlos versucht hatte, I
die Kretensischen Insurgenten zur Niederlegung der Waffen zu bewegen, zwischen diesen und den Tuͤrkischen Truppen am 26sten
und 29sten Mai Gefechte stattgefunden. Die Kretenser sind
aus zwei Doͤrfern, in denen sie sich festgesetzt hatten, vertrieben
worden und haben sich in die Gebirge gezogen.
Die neueste nach Berlin gekommene Nummer der Tuͤrkischen Zeitung Takwimi Wakaji vom I12ten Rebi II. (3. Juni) ent⸗ haͤlt folgenden Artikel uͤber die Insurrection auf Kandien:
„Einige Individuen, die urspruͤnglich Raja's von der Insel Kreta gewesen und nach Griechenland ausgewandert waren, hat⸗ ten sich unlaͤngst wieder nach Kreta begeben, und die dortigen Raja's zur Empoͤrung verfuͤhrt. Es war ihnen gelungen, eine Anzahl leichtsinniger Menschen fuͤr sich zu gewinnen. Nachdem
len in der Stunde zuruͤcklegen, und man stellte uͤberhaupt einem solchen Unternehmen das schlimmste Horoskop. Als der „Sirius“ zum erstenmale vom 4. bis zum 23. April 1838 von Cork in Irland nach New⸗York fuhr, machte er, obgleich weit entfernt, die zu einer so langen Ueberfahrt er⸗ forderlichen Eigenschaften zu besitzen, 161 Engl. Meilen täͤglich, oder 6 ½ Engl. Meilen in einer Stunde. Zur Unterhaltung der Maschinen hatte er 433 Tonnen Kohlen und 43 Faͤsser Pech eingenommen. Dieser ganze Vorrath wurde so ziemlich verbraucht. Der „Great Western“, welcher einige Tage spaͤter, vom 8. bis zum 23. April die Ueberfahrt von Bristol nach New⸗York machte, war in groͤßeren Dimensionen und fuͤr die Schnelligkeit guͤnstige⸗ ren Combinationen erbaut. Er brauchte nur 14 Tage zur Reise, obgleich die Entfernung zwischen Bristol und New⸗York groͤßer ist, als zwischen Cork und New⸗York;“*) er hatte 230 Meilen taͤglich gemacht, also 9 ½ in der Stunde. Der „Sirius“ mußte das Unternehmen aufgeben. Der „Great Western“ setzt dagegen die Fahrten fort, und zwar mit dem meisten Erfolg un⸗ ter allen Dampfschiffen, die diesen Weg gemacht haben. Am 9 Mai 1840 hatte er 35 Fahrten gemacht. Die kuͤrzeste Reise von Bristol nach New⸗York dauerte 13 Tage, die laͤngste 21 ½ Tage, im Durchschnitt brauchte man 16 Tage; die kuͤrzeste Fahrt von New⸗York nach Bristol dauerte 12 Tage, die laͤngste 15 Tage, im Durchschnitt brauchte man 13 ½ Tage. Wir lassen hier die Hauptverhältnisse dieses großen und schönen Schiffes folgen, welche bei späteren Bauten viel zu sehr vernachlaͤssigt wurden: Laͤnge des ganzen Schiffes 236 Fuß Engl. Maß. Hoͤhe vom Kiel zum Verdeck 23 » „ „ Brete 25 „ „ Tonnengehalt 1340 Tonnen. Gewicht der Maschinen .... .. 200 „ „ der Kessel ... 100 „ „ des Wassers in den Kesseln 80 Kohlen . . .. 600 „ . Kraft der Maschinen. 450 Pferde. „ 5 Die Erbauer der „British Queen“ und des „Praͤsidem ꝙ g ten, daß die Schnelligkeit und Sicherheit der Fahrt im Verhaͤlt⸗
Vork wird auf 2,896 Mei⸗
*) Die Entfernung von Cork nach New⸗ Meilen geschäͤtzt.
len, die von Bristol nach New⸗York auf 8,223