1841 / 181 p. 3 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

chen versteckter, verpesteter Effekten zu geschehen pflegt, auf der

Stelle wieder die zweite Contumazperiode einzufuͤhren. In

diesem Sinn ist die in dem Aufsatz der Wiener Zeitung vom

16. Juni 1841 unter dem Artikel: „Siebenbuͤrgen“ chene Aufhebung der Quarantaͤne gegen die Moldau und Wa⸗ lachei zu berichtigen.“

T 2 Griechenland.

1 Athen, 12. Juni. Die Bekanntmachung des Oester— reichischen Konsulats in Kreta lautet folgendermaßen: Bekanntmachung an die aufrührerischen Bewohner von

Kreta.

Obgleich ich bereits bei verschiedenen Anlässen während der letzten Ereignisse, dem Drange meiner Pflicht und den Grundsätzen der Mensch⸗ lichkeit folgend, in Gemeinschaft mit meinen Kollegen, die von den⸗ selben Grundsätzen beseelt sind, zu eurer Kenntniß gebracht habe, daß die erlauchte Regierung, die ich in diesem Lande zu repräsentiren die Ebre habe, euer Benehmen in hohem Grade mißbilligt, so muß ich euch jetzt noch zum letztenmale, in Folge der hohen Weisungen die ich von Sr. Excellenz dem Herrn Internuntius in Konstan⸗ tinopel, durch Se. Exrcellen; Tahir Pascha, Groß⸗Admiral der hohen Pforte, empfangen habe, besonders zu wissen thun, daß der Kaiserliche Lof, als aufrichtiger Freund der hohen Pforte, weit entfernt ist, die Versuche in Schutz zu nehmen, welche dahin abzwecken, der Regierung Gesetze vorzuschreiben, und für euch, aufrührerische Einwohner, Frei⸗ heiten zu erlangen, die mit der Eigenschaft, als Unterthanen Sr. Ho⸗ heit des Sultaus, unvereinbar sind. Mittelst derselben Weisungen wird mir ferner auf das Bestimmteste aufgetragen, laut und bei jedem Anlasse zu erklären, wie sehr der erlauchte Katserliche Hof die strafba⸗ ren Pläne der Urheber der Unruhen tadelt und mißbilligt, und daß ich indem ich den Depesitairen der Autorität der Ottomaunischen Regierung allen Beistand, der in meiner Macht liegen wird, leiste, eine mir streng obliegende Pflicht erfüllt haben werde, nämlich die, vor den Augen Aller die enge Verbindung zu zeigen, die zwischen den beiden Höfen obwaltet. Indem ich solchergestalt diese Gesinnung durch gegenwäͤr⸗ tige Erklärung auf die feierlichste und öffentlichste Weise zu eurer Kenntniß bringe, ermahne ich euch zu eurem Besten und zum Besten eures Vaterlandes, von dem Irrthum, zu dem ihr verleitet worden sepd, zurückzukehren, die Waffen auf der Stelle niederzulegen und euch den respektiven Behörden eures Souverains aufrichtig zu unterwer⸗ fen, wenn Ihr die Folgen vermeiden wollet, die eure Hartnäckigkeit euch zuziehen wird.

Kanea, 20. Mai 1841. Der Kaiserl. Königl. Konsul.

(Unterz.) Stieglitz.“

Endlich hat auch das Griechische Konsulat in Kreta Fol⸗

gendes eklaͤrt:

„Kanea, . Mai 1841.

Bekanntmachung an die inmitten des Aufstandes ver⸗

harrenden Kreto⸗Hellenen. 1

Die Regierung unseres erlauchten Königs hat von Anfang an und in seinem vollen Umfange das strafwürdige Benehmen der aufrühreri⸗ schen Kretenser, die an dem gegenwärtigen Aufstande der Jusel Theil genommen, verworfen und verdammt. Im Eintlange mit den in die⸗ ser Hinsicht mir wiederholt ertheilten Instrnctionen, habe ich mich ge⸗ gen euer tollkühnes Unternehmen erklärt und die Bekanntmachun⸗ gen der verbündeten Großmächte mit unterzeichnet. Da ich euch aber am Rande des Abgrundes des Aufruhrs verweilen sehe, wo Lug⸗

Lehmann, Rönnenkamp und D. Boucheé (Gärtner⸗Lehr⸗Anstalt

790 1b

drei große Frucht⸗Tische durch den Hofgärtner Herrn⸗ Nietner I. und den Kunstgärtner Herrn Limprecht zierlich aufgestellt, gaben den wei⸗ ten Räumen einen eben so imposanten als anmuthigen Schmuck, der in seinen reizenden Einzelnheiten den höchsten Beifall Ihrer König⸗ lichen Hoheiten der Prinzessin von Preußen und der Prinzessin Karl erhielt, welche die Ausstellung mit Höchstihrer Gegenwart zu beehren geruhten. Auch Se. Durchlaucht der Herzog ven Aremberg, bekannt⸗ lich einer der kompetentesten Richter in diesem Fache, erklärte sie für die reichste und anziehendste 1 Allem glänzte die unter svezieller Leitung des Garten⸗Direktors Herru Otto gebildete großartige Gruppe aus den Pflanzenschätzen des bota⸗ nischen Gartens, wornnter eine Reibe der schönsten Eremplare aus der durch die jüngsten Reisen des Herrn Eduard Otto in Süd⸗Ame⸗ rika ungemein bereicherten werthpollen Orchideen⸗Sammlung des Gar⸗ tens. Ferner waren aus den Königlichen Gärten 900 blühende Topf⸗ gewächse so wie aus dem Prinzlichen Garten von Bellevue und vielen Privatgärten die schönsten und zum Theil. seltenen Pflanzen in großer Anzahl eingegangen und auf sinnige Weise geordnet.

vielen ausgezeichneten Pflanzen und deren Einsender näher einzugehen daher in dieser Hinsicht auf die Druckschriften des Vereins verwiesen werden muß.

Dasselbe gilt für die Einzelnbeiten der in bewundernswerther Menge aufgestellt gewesenen edelsten Früchte von vorzüglicher Schönheit, die theils aus den Königlichen und Prinzlichen Treibereien, theils von hie⸗ sigen Treibgärtnern und aus der Umgegend, wie von den rühmlich be⸗ kannten Obstzüchtern des Werders, zur Schau gesteilt waren.

Alles gab sprechendes Zeugniß ven den alljährlich sichtbareren gro⸗ ßen Fortschrilten der Gartenkunst in allen ihren Zweigen. Der Ver⸗ ein hatte dazu in diesem Jahre besonders ermuntert durch Aussetzung von Prämien, die durch cine Kommission von Sachverständigen zuer⸗ kannt wurden; für die besten Fruͤchte, den Handelsgärtnern Herren Lin⸗ denberg, Craß, Nicolas und dem Mühlenbesitzer Herrn Schäffer; für die vorzüglichsten Aufstellungen blühender Gewächse und für einzelne ausgezeichnete Pslanzen⸗Exemplare: dem Kunsigärtner Herrn Reineke (bei Herrn Decker, den Handelsgärtnern Herren Limprecht, Allardt und Eraß und dem Kunstgärtner Herrn Fechner ebei Herrn Westphal); für die schönsten Zusammenstellungen abgeschnittener Blumen: dem Gäaärtner⸗

Personale des Königl. Botanischen Gartens, den Kunstgärtnern , LU Emil Souché in Pots⸗

Eleven der Gärtner⸗ Lehr⸗Anstalt 68 pet Jaucke in Charlottenburg.

dam und dem Kunstgärtner Herrn 8 4 Durch statutenmäßige Wahl wurden in den Vorstand Zemtern bestätigt: Der Geheime Medizinal⸗Rath Link zum ö der Garten⸗Direktor Leuné zum ersten Stellvertreter, der Professor UDr. Störig zum zweiten Stellvertreter der Kriegsrath Hevnich zum Schatz⸗ meister und Secretair und, in Folge der vorjährigen Resignirung des Geheimen Medizinal⸗Raths Lichtenstein, für die durch das Ableben des rofessors Meven vakant gewordene Stelle des Gencral⸗Secretairs⸗ der Kustos des Königlichen Herbariums, Dr. Klotzsch. Nach diesem

Alkte begab 1ich die durch die Ankunft Sr. Excellenz des Geheimen

Staats Ministers der geistlichen, Unterrichts⸗ und Medizinal⸗?2 ngelegen⸗ heiten Herrn Eichhorn geehrte, ungemein zahlreiche Versammlung in den großen Saal der Akademie der Künste, wo die lerbeerbekränzte Büste Sr. Majestätdes Königs hoch emporragte vor einer sinnig geordneien mächtigen Gruppe von Palmen, Lorbeerbäumen, Mirthen und Farren gehoben durch emen Vorgrund hochstämmiger Rosen, Hortensien und anderen mannigfachen Blüthenformen, die am Fuße des Piedestals in einem ausgeseichneten Eremplare von Acanthus ihren Schlußpunkt fand.

und Trug euch hingesührt, so komme ich heute zum letztenmale darauf zurück, euch im Namen der Griechischen Regierung aufzufordern, die⸗ ser jammervollen Lage euch zu entziehen und an euren Heerd zurück⸗ ukehren, indem ihr der Varmherzigkeit unseres gnädigsten Königs zu Füßen fallet. So ihr aber dieser meiner väterlichen und menschen⸗ freundlichen Aufforderung kein Gehör gebt, habt ihr in Zukunft auf den Schutz der Geiechischen Regierung nicht mehr zu hoffen.

(Unterz.) S. Peroglon.“

Vereinigte Staaten von Nord Amerika.

New⸗YPork, 2. Juni. Die letzte Volkszaͤhlung in den Vereinigten Staaten hat, nach der Botschaft des Praͤsidenten, ein Resultat von mehr als 17 Millionen Einwohnern ergeben, und die Bevoͤlkerung verspricht, fortwaͤhrend zu G Der Praͤsident warnt uͤbrigens vor jeder ferneren Ausdehnung des ohnehin schon so unermeßlichen Gebietes der Union und em⸗ pfiehlt die Erhaltung des Gleichgewichts zwischen der Central⸗ Regierung und den einzelnen Staaten. Besonderes Gewicht l'gt er auf die Herstellung der Fortificationen und auf eine be⸗ deutende Vermehrung der Marine. In Beziehung auf den Sklavenhandel bemerkt er, er scheine sich zu vermehren, und es wird eine spezielle Botschaft zu diesem Behufe angezeigt.

Der New⸗York⸗Herald giebt den Betrag des Eigen⸗ thums, welches von 1830 bis 1840 durch das unsinnige Trei⸗ ben in Speculationen verschleudert worden, auf 428 Millionen Dollars an, wovon noch ein Werth von etwa ös Millionen vorhanden ist. Fuͤr die ungeheure uͤbrige Summe sind die Staaten und Corporationen groͤßtentheils dem Auslande ver⸗ schuldet. Die Masse des Volks will und kann die Schulden der Staaten nicht bezahlen; daher ertoͤnt jetzt der Schrei um Vertheilung öͤffentlicher Laͤndereien oder Uebernahme der Schul⸗ den durch die Bundes⸗Regierung. Der hiesige Geldmarkt hat sich indeß etwas gebessert, und es wurden zu besseren Coursen bedeutende Geschaͤfte in den Staats⸗Papieren gemacht, die jetzt wieder fuͤr Anlegung von Kapitalien begehrt werden.

* La⸗Plata⸗Staaten.

8 Es ist bereits gestern gemeldet worden, daß vermittelst einer Hoͤllenmaschiene, die aus Frankreich soll gebracht worden seyn, ein Angriff auf das Leben des Praͤsidenten Rosas gemacht wor⸗ den ist. Sie bestand aus einem Kaͤstchen, worin sich 16 kleine Kanonenroͤhre befanden, die saͤmmtlich mit Kugeln geladen wa⸗ 88 Man hatte es ihm mit dem Bemerken zugesandt, daß Edelsteine darin waͤren. Seine Tochter hatte die Neugier, dieses zu oͤffnen, und es erfolgte eine leichte Explosion, aber ohne sie zu verwunden. Man bemerkte, daß der Faden, welcher den Kanonen das Feuer mittheilen sollte, durch irgend einen Zufall sich von den Zuͤndloͤchern abgeloͤst hatte, sonst woͤre die junge Dame gewiß das Opfer dieses abscheulichen Attentates geworden. Die Maschine war von hier nach Buenos⸗Ayres unter der Adresse 89 abgegangen, und dieser beeilte sich, sie 1nacen. urch seinen Secretair, Herrn Brasser, zustellen

Wissenschaft, Kunst und Titeratur.

Berlin, 30. Jun. Der Verein zur Beförderung des Garten⸗ baues beging am 20. Juni die neunzehnte Feier seimes Jahresfestes in den Sälen des Königlichen Akademie⸗Gebäudes. Zu der damit verbun⸗ denen Frucht⸗ und Blumen⸗Ausstellung waren aus den Königlichen und Prinzlichen Gärten von hier und Potsdam, von der Pfauen⸗

1“

Insel und Charlottenburg, aus dem Botanischen Garten, dem Thier⸗ garten und der Landes⸗Baumschule u. s. w. mit gewohnter Liberalität;

reichliche Beiträge eingegangen; auch hatten sowohl die Mitglieder des Vereins, als andere Kunstgenossen und Gartenfreunde sich beei⸗ eert, die diesjährige Ausstellung zu einer der reichsten und mannig⸗ süage zu machen. Ueber 3800 blühende Topfgewächse, unter Leitun er Hofgärtner Herren Hempel und Mavper kunstsinnig geordnet, un

Hier hielt der Direktor die durch die Statuten vorgeschriebene Fest⸗ Rede. Er bezeichnete die Leistungen des Vereins als die eines Tropfens, der in seinem beständigen Falle den Felsen durchdringt, und wies in dieser Beziehung auf die achtzehnjährige Wir samkeit der Gesellschaft vin. Er gab Nachricht von dem blühenden Gedeihen der vom Staate der Mitverwaltung des Vereins anvertrauten Institute der Gärtner⸗ Lehr⸗Anstalt und der Landes⸗Baumschule. Die erstere zählt auf ihren verschiedenen Lehrstufen jetzt 25 Zöglinge mit Einschluß von 9 Frei⸗ schuͤlern. Aus der letzteren vertheilte der Verein im abgelaufenen Jahre unentgeltlich 2645 Stück und 61 Schock Obstbäume und Schmuck⸗ gehölze. Er deutete an, daß der Verein sich für den Gemüsebau in den Preußischen Staaten in die Mitte gestellt habe, um zu empfangen und wiederzugeben, wonach derselbe auch im verflossenen Jahre Saamen Knollen, Zwiebeln von gerühmten Gemüse-Arten aus allen Gegenden Deutschlands, und selbst aus dem Auslande, theils freiwillig erhalten, sheils verschrieben und vertheilt habe. Hinsichtlich der Blumenzucht und der Fruchttreiberei verwies der Reduer auf die glänzenden jäbrii⸗ chen Ausstellungen und die dadurch gegebene Anregung mit Dank an alle diejenigen, welche zu Herstellung derselben beigetra⸗ gen. Er bezeichnete den Zweck der gedruckten Verhanclungen des Vereius als eines Archivs für Prüfungen, und beiundete durch Zahlen den Beifall, dessen sie sich fortwährend erfreuen. Er gedaͤchte der 77 Gesellschaften für verwandte Zwecke, mit denen der Verein in Verbindung stehet, von welchen 67 in Dentschland sich befinden, und von diesen der größere Theil in den Preußischen Staaten, deren Mehrzahl durch den Verein hervorgerufen worden, indem er reges Leben verbreitete und durch sein Beispiel wohlthätig wirkte. Auf die innere Verwaltung des Vereins übergehend, machte der Redner Mittheilung von dem Ab⸗ und Zugange der Mitglieder, gedachte der schmerzlichen Lücken, die der Tod in ihren Reihen zemacht, unter Nennung der gefeiertsten Namen und mit Hinblick auf den, wenn auch nicht vollständigen Ersatz durch den Zu ritt neuer Metglieder. Er gab eine sehr befriedigende Uebersicht von dem Vermögensstande des Vereins und einen Nachweis der Vermehrung seiner Bibliothek, die jetzt aus 882 Werken in 1925 Bänden besteht. Die durch die Statuten vorgeschriebene Bezeichnung der Hoffnungen und Aussichten des Vereins für die Zukunft, gab der geistreiche Redner in einer sinnigen Hindeu⸗ tung auf die hohen Tugenden, die Preußens erhabenen König wie seine verehrte Königin beseelen und schloß dies schöne Bild mit den allgemein empfundenen Worten: „Huldreich blicken Beide herab auf die Schön⸗ heit der Blüthenwelt. Mögen sie immer unter den Blüthen des Glückes wandeln.“

Zuletzt verkündete der Redner die Zuerfennung von zwer Prämien ans der von Sevdlitzschen Stiftung à 40 Rthlr. und 20 Rthlr. an die Eleven und Gärtner⸗Lehr⸗Anstalt Saldern und Meinert, für die ge⸗ lungensten Lösungen einer tbeorettsch⸗technischen Aufgabe, so wie die schon oben erwähnte Prämien⸗Vertheilung für die vorzüglichsten Bei⸗ träge zu der Frucht⸗ und Blumen⸗Ausstellung, wobei nicht unbemerft bleiben darf, daß bei Zuerkennung dieser Prämien die Hosgärtner nur deshalb grundsätzlich ausgeschlossen sind, weil ihre rühmlichen Leistungen hinlänglich bekannt sind, und ihnen andere Mittel als dem Privatmanne zu Gebote stehen 8 8

Die Blumen⸗Ausstellung blieb an diesem und dem folgenden Tage auf unentgeltlich ausgegebene Einlaßkarten, noch zur Schau.

Dauer der Eisenbahn-Fahrten. Am 30. Juni 1841.

Abgang von

St. D1. Potsdam. M.

Zendauer.

——

Zeitdauer.

Um 6 ½ Uhr Morgeus Vormittags...

AE1““

Vormittags

- Nachmittags. Nachmittags.. Abenss B Abends.

46 42 40 54

Nachmittags .. Nachmittags .. Abeudoshs. Abeuds

1

̈ 72 824—19—692—15—

Vormittags... 41 b

Auswärtige Börsen. Antwerpen, 26. Juni. Ziusl. 51⁄½. Neue Aul. 212/16. Frunkfurt a. M., 28. Juni. Oesterr. 50 % Met. 1061i 6. 4 % 97 ¼

G. 2 ½ % 56 Br.

aller bisher von ihm gesehenen Vor

Der Naum dieser Blätter gestattet nicht, auf die Nennung der

I1

10 % 24 G. Rauk-Aet. 2011. 2009. Loows 2u 500 F-. „G. do. 4 % Anl. 101 ⁄1 G. Poln. 2 ½ % Iloll. 50⁵ 8* 50⁹ 16“ Versailles rechtes Ufer. Leipzig-Dres-

Preuss. Präm. Sch. 83] 22 ¼. 22 ⅛. St. Germaiu. —. Strafsburg-Basel. —.

1347⁄1. 134 1. Loose 71 ¾ G. 5 % Spau. Aul.

Eisenbahn-Actien: do. liukes —. München-Augsbhurg —. den 99 ⁄½2 G. Kölu-Aachen 99] 2 Br.

Hamburg, 29. Juui. Bauk-Actien 1063 G. Eugl. Russ. e11u11¹“

3⁰ % Reute fiu cour. 76.

Paris, 26. Juni. 5 % Reute fu cour. 114. 60. 7 Passive 5/½☚

5 % Neap. au eompt. 102. 25. 5 % Spau. Reute 23 1. Port. —.

Wien, 26. Jaui. 50 % Met. 105 ¼. 1 % —. Bank-Actien —. Aul. de 1834 —.

4 % 96 ½. 3 % —. 2 ½˖ %

Berliner Börse. Den f. Juli.

Pr. Cour.

Brief. Geld.

Pr. Cour. Geld.

Actien. V

Brl. Pots. Eisenb. 5 126

do. do. Prior. Act 4 4 103

Mgd. Lpz. Eisenb. 113

do. do. Prior. Act. 4 102 4 Berl. Aub. Eisenb.] L11

ci. d0. Brior. et. 4 1021 Düss. Elb. Eisenb. 5] 952 do. do- Prior- Act. 5 1031 .„ Rheiu. Eiseub. 5 97 ¾à

Züiwef.

8 8 8 Brief.

St. Schuld-Sch 4 101 4 103³ 4 Pr. Eugl. OLl. 320. 4 10112 1015⁄1 Präm. Sch. der I SeechaudluUg. 1 80 ⁄½ 8g Kurm. u. Neum. Schuldverschr. 321 102 s 01 Berl. Stadt-Obl. 4 10312 103 Eibiuger do. 32 100 Dauz. do. iu Th. 48 Westp. Pfandbr. 3 ¼ 1021 102 Grofsb. Pos. do. 4 1051 Osth'r. Pfaudbr. 3 ½ 102. Kur- u. Neum. do. 3 ½ 103 Schlesische do. 38 1021 8

102 Gold al marco 211 Friedrichsd'or 13 2 Audere Goldmün- teu à 5 RBthlr. ö 81/⁄12 1]

-

Discouto

Pr. Cour. Rthlr. zu 30 Sgr.

Brief. Celd.

Kurz. 139 250 Fl. 2 Mt. 1381 2 300 Mk. Kurz.

300 Mh. 2 Mt.

1 LSt. 3 Mt 6 187

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Leipzig Fraukfurt a. M. W. ZI . Petersburg

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Meteorologische Beobachtungen.

Nach eiumallger

Beobachtuug.

Abeuds 10 Uhr.

Nachmittags 2 Uhr. 1

18 4t. 30. Juni.

Morgens 6 Uhr.

IttIräWä par. quellwärme 8,30 R. Luftwärme .- 14,90 R. + 17,70 R. + 13,60 R. Fluss wvärme 17,60 R. Thaupunkt 13,60 R. + 11,70 R. + 10,00 R. Badenwüörme 18,00 R. Duustsättiguung. 91 Ct. V 63 pCt. 76 pCt. Ausdüustung 0,0 8 Rh. Wetter bezegeu. bezogen. reguig. Niederschlag 0, 3) Rh. Wind W. w W. V WNW. Wärmewechsel +† 20,50 Wolkenzug.. W. —₰- 12,30. Ppagesmittel: 336,066 Par. + 15,40 R. + 11,80 B. 77 pCt.. W.

7 Tag

Königliche Schauspiele.

Frreitag, 2. Juli. Im Opernhause: Norma. (Mad. Spatzer⸗ Gentiluomo: Norma, und Mlle. Spatzer: Adalgisa, als Gast⸗ rollen.)

Sonnabend, 3. Juli. Im Opernhause: Faust.

Zu dieser Vorstellung bleiben die bereits geloͤsten, mit Don⸗ nerstag bezeichneten Opernhaus⸗Billets guͤltig, auch werden die dazu noch zu verkaufenden Billets ebenfalls mit Donnerstag bezeichnet seyn.

Sonntag, 4. Juli. Im Opernhause: Die Stumme von Portici. (Mlle. Spatzer, vom K. Hoftheater zu Hannover: Elvira, als Gastrolle.)

Preise der Platze: Ein Platz in den Logen des ersten Ranges 1 Rthlr. 10 Sgr. ꝛc.

Königsstödtisches Theater.

Freitag, 2 Juli. Der Verschwender. Original⸗Zauber⸗ Maͤhrchen in 3 Akten, von F. Raimund. Musik vom Kapell⸗ meister Conradin Kreutzer. (Hr. und Mad. Birnbaum, vom Hoftheater zu Kassel: Valentin und Cheristane, als Gastrollen.) DSonnabend, 3. Juli. Italiaͤnische Opern⸗Vorstellung. (Abonnement suspendu.) Zum erstenmale wiederholt: Anna Bolena. Opera in 3 Atti. Poesia del Signor Romani. Musica del Maestro Gactana Donizeiti. (Mad. Pasta, erste Kammersaͤngerin Sr. Maj. des Kaisers von Oesterreich: Anna Bolena, als Gast⸗ rolle.)

Preise der Pläͤtze: Ein Platz in der Orchester-Loge: 1 Rthlr. 10 Sgr. Ein Platz in den Logen und im Balkon des ersten Ranges: 1 Rthlr. 10 Sgr. ꝛc.

Textbuͤcher, in Italignischer und Deutscher Sprache, sind im Billet⸗Verkaufs⸗Buͤreau und Abends an der Kasse à 5 Sgr. zu haben.

6 ½ Uhr. Die Kasse wird um 5 ½ Uhr geoͤffnet. 2.

Der Anfang der Italiaͤnischen Opern⸗Vorstellungen ist um

Ueber die Verwaltung der Britischen Staatsschuld.

Historische Uebersicht des Britischen Finanz⸗Sy⸗ stems in Bezug auf Anleihe und Schuldentilgung

Die Eigenschaft der Staatsschulden, daß sie in der Regel vom Glaͤubiger nicht gekuͤndigt, sondern nur an einen anderen, dann an die Stelle des ersten Gläubiger tretenden, verkauft werden koͤnnen, wuͤrde es einem Staate moͤglich machen, Ka⸗ pital unter der Bedingung ewiger Verzinsung aufzunehmen, ohne zu dessen Ruͤckzahlung genoͤthigt zu seyn. Die Anleihen der Staaten geschehen meist, um Ausgaben zu decken, sind also Nothschulden. Koͤnnte man die Quellen des gewoͤhnlichen Ein kommens willkuͤrlich hoͤher spannen, so beduͤrfte es der Anleihe nicht; allein es pflegen die Zeiten, in denen man anleiht, einer bedeutenden Steuer⸗ oder Zoll⸗Erhoͤhung keinesweges so guͤnstig zu seyn, um die Aufbringung der benoͤthigten Summe auf diesem Wege zu ertragen. Man wird sich also entschließen, sich diese Summe durch Anleihen zu verschaffen, so daß nicht mehr das Kapitalselbst, sondern nur dessen Zinsen durch Mehrbesteuerung zu decken sind. Es heißt dies, die Ausgaben der Gegenwart der Zukunft aufbuͤrden: die Schulden der Väaͤter den Enkeln und Urenkeln uͤbermachen. Allein bis wie weit erscheint dies recht? Ist es moͤglich, zu uͤbersehen, daß auch die kuͤnftigen Zeiten ihre Last zu tragen haben werden, unter der sie vielleicht erliegen, wenn zu den Ausgaben der Gegenwart die ererbte Schuld der Vergangenheit hinzugefuͤgt wird? Man taͤuscht sich auch hieruͤber nicht, allein man sagt Folgendes: Da das Kapital, welches ein Volk zur Abzahlung seiner Schuld ver⸗ wenden koͤnnte, doch nur aus dem Vermoͤgen des Volkes selbst, durch Abgaben, entnommen werde muͤsse, so sey es besser, dies Kapital dem Volke zur Benutzung zu lassen, als es den Staats⸗ Glaͤubigern ausheimischen oder fremden auszuhaͤndigen; man koͤnne uͤberzeugt seyn, daß der Privatfleiß des Volkes dasselbe zu hoͤheren Interessen, als den Interessen der Staats⸗ schuld, nutzen werde. Man verweist auf den Privatmann, der, wenn er eine Summe Geldes disponible habe, es in der Regel vor⸗ ziehen werde, einen industriellen Gebrauch, eine Anlage, davon zu machen, welche ihm etwa einen Rein⸗Ertrag von 8pCt. gewaͤhrt, an⸗ statt es zur Abzahlung von Schulden zu verwenden, die er mit nur 4 Ct. zu verzinsen brauche. Man vergißt jedoch hierbei, daß der Pri⸗ vatmann ein solches allerdings richtiges Verfahren nur alsdann an⸗ wenden wird, wenn seine Kapitalsanlage voͤllig sicher ist: daß er dabei die Schuldentilgung nicht aufgiebt, sondern nur verschiebt, im Hinblick auf einen Erwerb, der ihm die ganze endliche Abtra⸗ gung seiner Schulden rascher in⸗Aussicht stellt, als ein vorzei⸗ tiges Beginnen mit deren Tilgung. Es muͤßte ferner die etwas optimistische Voraussetzung gebildet werden, daß der Wohlstand eines Volkes unausbleiblich in stetem Zunehmen verharren werde, wiewohl die Geschichte gar oft das Gegentheil lehrt und man jedenfalls sich sagen kann, daß die Pruͤfungen und Krisen der Politik oder Industrie von einem Volke leichter zu uͤberwinden sind, wenn es die Schulden seiner Vaͤter nicht mehr mitzutra⸗ gen hat.

Man sollte glauben, daß diese und aͤhnliche Betrachtungen stark genug gewesen waͤren, um auch in der Staats⸗Wirthschaft jenes Sprichwort der Privat⸗Oekonomie in Ansehen zu erhal⸗ ten, daß der sein Vermoͤgen verbessere, welcher seine Schulden bezahlt. Auch hat man in den vorigen Jahrhunderten noch allenthalben in der Theorie an jenem Grundsatze festgehalten, wenn gleich die Praxis fast überall das Entgegengesetzte herbei⸗ fuͤhrte. Nicht nur, daß die großen Europaͤischen Kriege und die erweiterten Kriegs⸗Systeme bedeutende materielle Ausgaben ver⸗ ursachten: die stille oder gewaltsame Umwandlung der Staaten als politische Koͤrper seit 1648 hat am ausgedehntesten und nach⸗ haltigsten auf die Finanzen gewirkt. Daß sich der mittelalter⸗ liche Provinzial⸗Staat in den Central⸗Staat umgesetzt, daß aus dem Fuͤrsten, Herrn und Herrscher der Begriff des s'ötat c'est moi geworden, daß sich der alte, staͤndische und korporative Staat in den polizeilichen oder vormundschaftlichen, das gouvernement qui rêgne in das gouvernement qui gouverne, die Lehnsleute und Unterthanen in Steuerpflichtige und Administrirte verwandelt haben: diese großen und uͤbereinstimmenden Ereignisse haben die Regierungs⸗Kosten gegen fruͤher bis ins Ungeheure gesteigert. Unter solchen Umstaͤnden fand man allenthalben hinreichende Veranlassung, Schulden zu machen, aber keine Gelegenheit mehr, sie zu bezahlen. Die Franzoͤsische Revolution mit den Kriegen, die ihr folgten, konsolidirte gleichsam dies System.

England hat vor allen Staaten der Welt, wie in seinem Reichthuüm, so in seinen Staatsschulden, den maͤchtigsten Vor⸗ sprung gewonnen. Die Groͤße derselben koͤnnte selbst den kuͤhn⸗ sten Finanzmann muthlos machen und es ihn vorziehen lassen, lieber den Druck der Gegenwart, als den einer unabsehbar fer⸗ nen Zukunft erleichtern zu wollen: man hat, so oft sich Ueber— schuͤsse fanden, lieber Steuern herabgesetzt, als Schulden getilgt; an eine Total⸗Bezahlung der Staatsschuld denkt man wohl nicht mehr und traͤgt das Uebel wie einen Gesundheits⸗Fehler, den man mit zu Grabe nehmen muß. Hierzu trat die Eigenthuͤm⸗ lichkeit des constitutionellen Systems, daß die Minister der Po⸗ pularitaͤt, oft selbst der augenblicklichen und voruͤbergehenden, nicht wohl entbehren konnten und deshalb desto geneigter wa⸗ ren, Steuer⸗Nachlaͤsse eintreten zu lassen. Wir wollen nicht an das après moi le déluge erinnern und nicht wagen, in den Schoß der Zukunft zu blicken: es ist wahrlich leicht genug, an der Til⸗ gung einer Staatsschuld zu verzweifeln, mit welcher man einen goldenen Guͤrtel um den Bauch der Erde ziehen koͤnnte.

Das Britische Staats-Schuldenwesen, so wie die bedeu⸗ tende Erweiterung und Complication desselben datirt sich wesent⸗ lich von der Regierung her, unter welcher die Nation jenen großen kommerziellen und industriellen Aufschwung nahm, der sie endlich zu ihrer jetzigen Weltstellung emporgebracht hat: von der Regierung Wilhelm's III. und Maria's.

Die gesammte Britische Staatsschuld betrug zur Zeit der Revolution (1689) nur 664,263 Pfd. St. an Kapital; an Zin⸗ sen wurden bezahlt 39,855 Pfd. St. Unter Wilhelm III. er⸗ weiterte sich das Kapital der Schuld, nach Abzug der geschehe— nen Abzahlungen, um mehr als 15,730,000 Pfd. unter der Regierung der Koͤnigin Anna um fast 38 Millionen Pfd., so daß Georg lJ. bei seinem Regierungs⸗Antritte eine Schuld von mehr als 54 Millionen Pfd. vorfand. Zwar ward das Kapital un⸗ ter dieser Regierung wieder um 2 Millionen Pfd. vermindert. Aber die Kriege, welche die Regierung Georg's II. und den Anfang der Regierung Georg's III. ausfuͤllten, erhoͤhten den Betrag der Schuld um mehr als 86 ¾ Millionen Pfd., so daß, obwohl in der darauf folgenden Friedensperiode (von 1763 an) uͤber 10 Millionen getilgt wurden, beim Ausbruche des Nord⸗Amerika⸗

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nischen Krieges das Ganze auf eine Summe von mehr als 128 ½ Millionen angewachsen war. Dieser Krieg verdoppelte fast die Schuld, so daß e am Ende desselben fast 250 Millio⸗ nen betrug. Bis zum Ausbruche der Coalitions⸗Kriege vermin⸗ derte sich die Schuld dann zwar abermals um etwa 10 Millio⸗ nen. Aber die ungeheueren Anstrengungen Großbritaniens zur Verhuͤtung einer Napoleonischen Universal⸗Monarchie und zum Sturze des Kontinental⸗Systems machten in den folgenden Jah⸗ ren so ausgedehnte Anleihen nothwendig, daß kurz nach Been⸗ digung des Krieges, als man die Finanzen des Staats regulirte, im Anfange des Jahres 1817, an verzinslichen und unverzins⸗ lichen Staatsschulden der enorme Betrag von 848,282,477 Pfd. Sterl. sich herausstellte, fuͤr welchen an jäͤhrlichen Zinsen 33,854, 466 Pfd. St. von der Nation aufgebracht werden muß⸗ ten, d. h. mehr als das fuͤnftehalbfache des gesammten Preußi⸗ schen Budgets.

Wenn nun auch mit der fortwaͤhrend geschehenen Erweite⸗ rung der Staatsschuld der Britische National⸗Reichthum sich riesenmaͤßig entfaltet und bisher immer die Mittel dargeboten hat, den dadurch herbeigefuͤhrten erhoͤhten Staats⸗Aufwand zu bestreiten, so haben sich nichts desto weniger schon seit laͤngerer Zeit in England lebhafte Besorgnisse erhoben uͤber die Zweck⸗ maͤßigkeit der bisher von der Finanz⸗Verwaltung getroffenen Maßregeln zur Verminderung und Beseitigung des immer dro⸗ hender werdenden Uebels.

Eine gewichtige, diese Besorgniß theilende Stimme spricht sich neuerdings mit großer Sachkenntniß in dem neuesten Heft der „British and foreign Reriewe aus, und zwar bei Gelegenheit einer Anzeige der im Jahre 1839 zu London erschienenen „Thoughts on the National Debt“, von welcher wir hier eine Analyse geben.

Das Pittsche Finanz-System, von welchem man in der neueren Zeit abgegangen, wurde zwischen 1784 und 1793 begruͤndet, also in der zwischen seiner Gelangung zum Amte und dem Anfange des Krieges gegen Frankreich liegenden Pe⸗ riode. Das Wesentliche dieses Systems bestand darin, daß die Einnahmen d. h. die Taxen und Abgaben, immer so hoch ge⸗ halten werden sollten, um uͤber die gewoͤhnlichen Ausgaben einen Ueberschuß zu gewaͤhren. Dieser auf jaͤhrlich 1 Million Pfd. St. fixirte Ueberschuß sollte einen Sinkingfund bilden, welcher die Staatsschuld⸗Scheine aufkaufte, aber dieselben nicht vernichten, sondern sich vom Staate weiter verzinsen ließe, die Zinsen aber gleichfalls auf Ruͤckkauf der Schuldscheine verwen⸗ den sollte. Haͤtte man z. B. im ersten Jahre fuͤr! Million Seitens des Sinkingfund Staatsschuld⸗Scheine aufgekauft, so wuͤrde man im zweiten Jahre von dem Staatsschatz nicht nur eine zweite Million, sondern auch die Zinsen fuͤr die erste ruͤck⸗ gekaufte, erhalten: im dritten eine dritte Million nebst den Zin⸗ sen der beiden ersten, so wie den Zins vom Zins der ersten, und so ferner. Man sieht, daß hier die Abtragung der Schulden mit der Schnelligkeit der Zinsaufzins⸗Rechnung von Statten gehen muͤßte: der Tilgungs⸗Fonds war fuͤr die schon sehr be⸗ deutende meist aus dem Amerikanischen Kriege, wie wir sahen, herstammende alte Schuld bestimmt. Nach Ablauf einer gewis⸗ ren Zeit wuͤrden sich bei konsequenter Verfolgung des Systems alle Staatsschuld⸗Scheine, statt in den Haͤnden der Staatsglaͤu⸗ biger, in dem Besitz des Tilgungs⸗Fonds, d. h. des Staates be⸗ finden, die Operation vollendet und die Regierung im Stande seyn, sowohl die jaͤhrliche Million des Tilgungs⸗Fonds, als auch die Zinsen der gesammten urspruͤnglichen Schuld dem Volke an den Abgaben nachzulassen. Fuͤr jede neue jaͤhrliche Belastung, die das Resultat einer neuen Anleihe sey, solle durch Erhoͤhung der Besteuerung oder auf andere Weise gesorgt werden. Außer⸗ ordentliche Ausgaben von nicht betraͤchtlichem Um⸗ fange sollten durch Erhebung temporairer Tarxen gedeckt werden. Wenn aber die Nothwendigkeit neuer Anleihen ein⸗ traͤte und permanente Annuttaͤten oder auf laͤngere Zeit lau— tende Renten kreirt werden muͤßten, so sollte in einem sol— chen Falle ein spezieller Sinkingfund nach den obigen Grundsaͤtzen durch die Erhebung neu eingefuͤhrter Taxen gebil⸗ det werden, dergestalt, daß mittelst desselben die neue Schuld oder ein gleicher Betrag innerhalb 45 Jahren getilgt seyn wuͤrde. Eben sowohl der urspruͤngliche Sinkingfund von 1 Million Pfd. St., wie die sogenannten Sinkingfunds sollten im Kriege, wie im Frieden operiren. Ein Theil des Plans, von For herruͤhrend, bestand noch darin, daß der Sinkingfund der Regierung solle geliehen werden koͤnnen, wenn sich fuͤr dieselbe das Beduͤrfniß herausstelle, Geld durch Anleihen auf⸗ zunehmen.

Dergestalt wurde der Sinkingfund unter Pitt eine perma⸗ nente bedeutende Last. Nichts destoweniger konnte, wegen des guten Zustandes des Landes, im Jahre 1792 ein Theil der Ab⸗ gaben erlassen werden. Mit der Etablirung des Sinkingfund haͤngt auf das engste die von Pitt im Jahre 1787 bewirkte Kreirung des konsolidirten Fonds zusammen, unter wel⸗ chem Namen man die Gesammtheit aller permanenten Re⸗ venuͤen des Landes versteht, welche die Sicherheit der Staats⸗ Glaͤubiger bildet.

Das Charakteristische des Pitt'schen Systems bestand dem— nach wesentlich in der Begraͤnzung jeder durch Anleihe uͤbernommenen Last auf einen Zeitraum von 45 Jahren.

Indessen wurden die oͤffentlichen Ausgaben durch die Coa⸗ litionskriege bald enorm gesteigert. Anfangs suchte man sich durch Einfuͤhrung von Kriegs⸗Steuern zu helfen; aber bald erschlaffte man und nahm zu Anleihen seine Zuflucht.

Solchergestalt war das Kapital der Nationalschuld, wel⸗ ches im Beginn des Krieges 238 Millionen ausmachte, am Ende desselben auf fast 800 Millionen gesteigert; die jaͤhrliche Be⸗ lastung aber war von 8,825,000 auf fast 30 Millionen Pfd. St. angewachsen. Daneben war freilich auch die Einnahme von 15 Millionen auf 50 Millionen gestiegen, mit Ausnahme Irlands, welches uͤberdies noch etwa 4 Millionen aufbrachte. Der Sinkingfund, welcher im Jahre 1793 nur 1,620,000 Pfd St. stark war, betrug im Jahre 1819, als die Ausgaben des Krieges aufgehoͤrt hatten, 15 Millionen. Um diese Zeit etwa wurden die Finanzen von Großbritanien und Irland konsoli⸗ dirt, und man konnte jetzt daran denken, ein permanentes Friedens⸗Finanz⸗System zu begruͤnden.

Das erwaͤhnte Jahr 1819 gewaͤhrte, obwohl die naͤchste Zeit nach dem Kriege noch große außergewoͤhnliche Ausgaben erforderte und obwohl seit dem Frieden 2 ½ Mill. Pfd. an Taxen erlassen worden waren, einen nicht unbetraͤchtlichen Ue⸗ berschuß, naͤmlich von 2 Mill., da die Einnahmen auf 54 Mill. stiegen, waͤhrend die Ausgaben nur 52 Mill. betrugen. Da⸗

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mals faßte das Unterhaus den Se es solle immer jedes Jahr ein wirklicher Ueberschuß von 5 Mill zur veee der Schuld - seyn. In Folge dieses Beschlusses hrte man neue Taxen zum Belaufe von 3 Mill. ein. Das war seit 20 Jahren (wenn man von 1840 absieht) der letzte Ver⸗ such, die Einnahmen mittelst der Besteuerung zu er⸗ hoͤhen. Man half sich durch Anleihen. Die Maschinerie des Sinkingfund wurde naͤmlich damals noch nicht aufgehoben. Vielmehr befand sich fortwaͤhrend auf der einen Seite ein sol⸗ cher ansehnlicher nomineller Tilgungsfond, waͤhrend auf der gegenuͤberstehenden sich Anleihen, die demselben entnommen waren, befanden. In den Jahren 1819 und 1820 wurde der⸗ gestalt ein Theil der Anleihe, in den beiden folgenden Jahren ward die ganze Anleihe dem Sinkingfund entlehnt. Diese An⸗ leihen waren nothwendig einerseits wegen Ruͤckzahlungen der Regierung an die Bank von England, und andererseits wegen Reduction der unfundirten Schuld. Zugleich faͤllt in das Jahr 1822 die Kreirung der sogenannten todten Schuld iead weight), bestehend in einer, an die Bank zahlbaren, allmaͤlig abnehmenden und 1867 ganz erloͤschenden Last, bestehend in Pensionen an Militairs von der Marine und dem Landheere, sowie Verpflichtungen äͤhnlicher Art, die sich vom Kriege her⸗ schrieben. Durch diese Einrichtung und die zugleich erfolgende Reduction der 5proc. Stocks geschah es, daß in dem genann⸗ ten Jahre (1822), dem letzten der Verwaltung des Lord Bexley, der Ueberschuß der Einnahmen noch groͤßer war, als der von ihm versprochene von 5 Mill. Pfd. Sterl.

Ein solches betraͤchtliches Surplus fand also Mr. Robin⸗ son vor, der bekanntlich durch die von ihm vorgenommene aus⸗ gedehnte Reduction der Taxen zum populairsten Kanzler der Schatzkammer in neuerer Zeit geworden ist. Die Assessed Taxes wurden zunaͤchst um 2 Mill. ermaͤßigt; weitere betraͤcht⸗ liche Ermaͤßigungen fanden in den vier folgenden Jahren statt. Alle Ermaͤßigungen jener Zeit zusammengenommen betrugen gegen 12 Mill. Aber die Ba si⸗ aller dieser Reductio⸗ nen, meint unser Autor, war nicht sehr solide. Zufaͤllige Einnahmen wurden als feststehende Revenuͤen ange⸗ nommen. Die Huͤlfsquellen duͤrftiger Jahre wur⸗ den anticipirt nach theoretischen Schaͤtzungen. In keinem Falle geschah die Reduction auf der Basis eines jaährlichen Durchschnittsertrages, was Pitt's gesundes Prinzip gewesen war.

Es ist also Mangel an Konsequenz und gesundem Prinzip, welches den vier, haͤufig so bewunderten Budgets des Herrn Robinson vorgeworfen wird. Jedenfalls hatte es etwas in sich Widersprechendes, einerseits dem vorhandenen Surplus die Be⸗ stimmung der Reduction der Schuld zu geben, andererseits aber auf den Grund eines solchen Surplus, auch wenn noch gar nicht nachgewiesen war, daß es ein sicheres und dauerhaf⸗ tes seyn werde, die Taxen zu ermaͤßigen. Mit einem Worte: in der Reduction der Taxen ist man in der neueren Zeit in England viel zu weit gegangen.

Sehen wir, wie [die Sachen sich allmaͤlig aͤnderten. Noch im Jahre 1825 hatte der Betrag aller ordentlichen Einnah⸗ men 51,769,000 Pfd. St. ausgemacht. Im folgenden Jahre (1826) betrugen dieselben, obwohl nur 600,000 Pfd. an Steuern reduzirt waren, nur: 49,625,000 Pfd., so daß also die Differenz zwischen beiden Jahren mehr als 2 Mill. betrug. Dies ruͤhrte daher, daß die Ausgaben seitdem um mehr als 1 ½ Mill. ge⸗ wachsen waren. Canning fand demnach nur ein wirkliches Sur⸗ plus von 650,000 Pfd. vor, was, zusammen mit den 2,236,000 Pfd. der todten Schuld, einen Betrag von 2,764,000 Pfd. fuͤr den Sinkingfund ausmachte. Im Jahre 1827 war das Sur⸗ plus selbst unter die Summe von 300,000 Pfd. gesunken, was den neuen Kanzler, Goulburn, vermochte, eine Akte durchzu⸗ setzen, nach welcher der jaͤhrliche Zufluß des Sinkingfunds kuͤnf⸗ tig auf nicht mehr als 3 Mill. festgestellt wurde. Im naͤchsten Jahre (1828) ging man noch weiter, indem man bestimmte, daß die sr ilgung der Schuld zu verwendende Summe, in dem jaͤhrlichen Ueberschusse der Einnahmen uͤber die Ausgaben bestehen solle. Mittelst dieser Bestimmung ward nicht nur im Wesentlichen die bisherige eigenthuͤmliche Einrich⸗ tung des Sinkingfunds abgeschafft, sondern zugleich auch jede systematische Reduction der Schuld aufgehoben, Indessen, obwohl von nun an keine bestimmte Summe fuͤr die Tilgung der Schuld mehr festgesetzt war, so erklaͤrte es doch Mr. Goulburn fuͤr die Pflicht des Parlaments, fuͤr einen ungefaͤhren Ueberschuß von 3 Mill. haͤhrlich zu sorgen. Im naͤchsten Jahre zeigte sich der Stand der Finanzen ziemlich guͤnstig. Das Surplus des Jahres 1828 naͤmlich betrug fast 4 Mill. und davon wurden 2,600,000 Pfd. zur Tilgung der Schuld verwandt. Der Ueberschuß von 1829 machte nur 1,700,000 Pfd. aus. Nichts destoweniger ahmte Mr. Goulburn das Verfah⸗ ren seiner Vorgaͤnger nach, indem er Taxen zum Belauf von 3 Mill. aufhob, einige neue zwar wieder bn h die aber keinesweges jenen Betrag erreichten. Im Jahre 1830 stieg das wirkliche Surplus wiederum auf fast 3 Millionen, aber es wurde das zum großen Theil durch voruͤbergehende Auf⸗ lagen bewirkt. Und da man abermals zur Aufhebung von Taxen schritt, so fand sich am Ende bei der Aufstellung der Balance eine Verminderung der Einnahmen um mehr als 400,000 Pfd. Im J. 1831 sank, unter dem Ministerium des Lord Althorp, die Einnahme unter die Ausgabe um 700,000 Pfd. Und dennoch, was in Heeihe Lage mit gleicher Sorglosigkeit selbst von den Her⸗ ren Robinson und Goulburn nicht geschehen war, fand eine weitere Reduction der Taxen statt. Als dann, im J. 1832 ein nur sehr geringes Surplus sich darbot, theils mittelst Ver mehrung der Einnahmen, theils durch Verminderung der Aus⸗ gaben, wurde abermals im J. 1833 zur Reduction von Taxen geschritten, die einen Verlust von 1 Million bewirken mußten. Das Einkommen von 1833 sank abermals; da dies aber nicht ganz im Verhaͤltniß zu der vorgenommenen Reduction geschah und eine ziemlich betraͤchtliche, wenn auch freilich nur tempo⸗ raire Verminderung der Ausgaben eintrat, so ward dadurch ein etwas groͤßeres Surplus bewirkt, als man erwartet hatte. Das gab denn Veranlassung, daß Lord Althorp im J. 1834 aufs Neue zum Betrage von 1 ½ bis 2 Millionen Taxen aufhob. Im Jahre 1835 VpJbernahm Herr Spring Rice das Amt eines Kanzlers der Schatz⸗Kammer. Er ffand, daß der Ueberschuß des Jahres dem des vorhergehenden ungefaͤhr gleich war; das vermochte ihn, wiederum eine Million an Taxen aussagacene Dennoch blieb noch einiger Ueberschuß. Es war das ortwaͤh⸗ rende Anwachsen der Einnahmen von 1832— 1836 troß des Aufhebens so vieler Steuern, welches den Kanzler der Schatz⸗

Kammer dahin brachte, unbekuͤmmert um die Tilgung der

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