1841 / 183 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

so als passend (conveniencta 85 ica) erscheint. Aus diesen Gruͤn⸗ den erklaren wir die Vormundschaft fuͤr erledigt!“ Durch Er⸗ klaͤrungen machen die jetzigen Cortes Alles moͤglich. Der De⸗ putirte Collantes hat darauf angetragen 1 alle Spanier fͤr und alle die, welche ihre Bemuͤhungen fuͤr die Galgen gefuͤhrt haben, fuͤr wohlverdient um aͤren, der Kongreß hat Beides in

adlig (nobles) Freiheit“ an den 1b das Vaterland zu erklaͤren, und Betracht gejogen. Man koͤnnte Christine folgende

gegen die laͤngere Vormundschaft der Koͤnigin Bedenken erheben:

1) sie habe das Vermoͤgen ihrer Toͤchter veruntreut. Dies

ist bis jetzt durch nichts erwiesen worden. Der Sena⸗

tor Capan, welcher es behauptete, war 1827 in Cadiyx Marine⸗Minister und ging mit großen Summen davon, mit denen er in London ein Handelshaus errichtete. Auf alle Faͤlle ist aber durch die Ernennung von Aufsehern des Koͤniglichen Vermoͤgens, welche die provisorische Re⸗ gentschaft verfuͤgte, der Moͤglichkeit fernerer Verschleude⸗ rungen ein Ziel gesetzt.

Die Koͤnigin Mutter sey abwesend. verhindert

nicht, daß sie die oberste Leitung der Vormundschaft be⸗

halte, indem ja die eben erwaͤhnten Aufseher das Noͤthige in der Naͤhe verfuͤgen koͤnnen. Uebrigens ist ja die Ab⸗ wesenheit freiwillig und also nur temporair.

Dem Regenten ist seine bisherige Wohnung zu eng ge⸗ worden. Er hat beschlossen, sie mit dem ihm benachbarten gro⸗ ßen und hoch belegenen Palaste Buena Vista, in welchem gegen⸗ waͤrtig der Artilleriepark aufgestellt ist, zu vertauschen. Die⸗

Palast gleicht in seiner jetzigen Gestalt einer Citadelle und wurde urspruͤnglich von einer Herzogin von Alba er⸗ baut, die hier jedoch starb, ehe sie ihn bewohnen konnte. Darauf erkaufte ihn die Stadt Madrid, die ihn dem Friedens⸗ fuͤrsten zum Geschenk machte, der ihn jedoch nie bezog. Er wird binnen einem Monate bis sechs Wochen bewohnbar seyn. Der Regent beschaͤftigt sich jetzt haͤufig mit Gartenarbeiten. Indem er neulich den Zweig eines Baumes abschneiden wollte, verletzte er sich die linke Hand nicht unbedeutend.

Aufs neue ist eine Menge Soldaten verabschiedet worden, so daß manche Compagnieen nur noch 18 bis 20 Mann zaͤhlen und bei der Kavallerie 7 Pferde auf einen Mann kommen. Ein Deputirter hat darauf angetragen, die Citadelle von Bar⸗ celona zu schleifen, und die Regierung hat, wie gesagt, Befehl gegeben, die Waͤlle von Corunia abzutragen. So friedfertig ist man geworden.

er Kongreß fuͤhlt sich in dem Ort seiner bisherigen Ver⸗ sammlungen zu beengt; die Waͤnde desselben sind von den kraftvollen Reden der so erschuͤttert worden,

Deputirten so daß sie dem Einsturze drohen, und obwohl die Volksvertreter u wiederholten Malen erklaͤrt haben, sich eher unter dem Schutt shres Palastes begraben, als von ihm weichen zu wollen, haben sie doch vorgezogen, ihre Sitzungen risum teneatis nach dem großen Theater del Oriente zu verlegen, wo sie noͤchste Woche ihre Vorstellungen mit der Diskussion uͤber die Vor⸗

0U ments sich geweigert habe, seine Soldaten gegen die Insurgen⸗ ten zu fuͤhren, die sich in die Berge von Sphakia zuruͤckgezo⸗ gen ung gegen einen Ueberfall verschanzt haben. Man fuͤgt hinzu, daß die Tuͤuͤrkischen Dampfboͤte von Suda mit Geld nach Prevesa abgegangen sind, um ein Corps Albanesen anzuwerben, die fuͤr den Gebirgs⸗Krieg geeigneter sind.“

Aegypten.

Alerandrien, 6. Juni. (A. Z.) Mit dem letzten Dampf⸗ schiff erfuhren wir, daß der Divan am 26. Mai ein Schluß⸗ Protokoll verfaßt, demgemaͤß sogleich ein Hattischerif nach Alexan⸗ drien abgefertigt werden sollte, worin dem Pascha die Erblichkeit in direkter Linie zugestanden, dagegen ein Tribut von 40 Mil⸗ lionen Piaster verlangt wird; zugleich erhaͤlt er die Befugniß, die Offiziere der Armee nur bis zum Obristen zu ernennen, es wird ihm aber untersagt, ferner Kriegsschiffe ohne spezielle Er⸗ laubniß des Sultans zu bauen. Dies sind Bedingungen, die der Pascha nicht annnehmen kann, was man in Konstantinopel wenn dort uͤberhaupt eine entschiedene Ansicht uͤber die orien⸗ talischen Angelegenheiten herrscht, woran wir zweifeln hätte voraussehen muͤssen. Mehmed Ali, der ebenfalls von diesen Be⸗ dingungen unterrichtet ward, hat gestern erklaͤrt, daß er die drei letzteren auf keine Weise annehme, und daß, wenn die nachge⸗ rade langweilige Sache nicht auf das baldigste ihr Ende nehme, er seine Truppen konzentriren und von neuem den Krieg eroͤff⸗ nen wuͤrde, moͤge auch dann daraus werden, was da wolle.

Inland.

Juli. Gestern hat die Eroͤffnung der regel⸗ maͤßigen, gegen Bezahlung stattfindenden Fahrten der Berlin⸗ Anhaltischen Eisenbahn auf der Strecke von hier bis Juͤterbogk stattgefunden. Der erste um 8 Uhr Morgens von Berlin ab⸗ gegangene Wagenzug, gefuͤhrt von der Lokomotive „Coͤurier“, bestand aus § Personenwagen mit 113 Passagieren und ei⸗ nem Wagen zum Guͤter-Transport. Die Strecke von 8 ¾ Meilen wurde in 1 ½¼ Stunden zuruͤckgelegt. Auch die uͤbri⸗ gen an diesem Tage stattgefundenen Fahrten hatten sich einer gleichen Regelmäßigkeit zu erfreuen, und so ist denn, indem diese Strecke dem allgemeinen Verkehr uͤbergeben worden, eine Bahnlinie eroͤffnet, die in der Folge von großer Wichtigkeit fuͤr unsere Hauptstadt zu werden verspricht.

Frauenburg, 21. Juni. (Schles. Z.) Bei unserer Kathedrale fand heute die Wahl des neuen Bischofs statt. Nach feierlichem Pontisikal⸗Amte und Absingung des Hymnus: „Neni Creator Spiritus“ begaben sich die Herren Domherren, deren in diesem Augenblick nur sieben sind, in den Kapitul⸗Saal. Se. Excellenz der Geheime Staats⸗Minister und Ober⸗Praͤsident, Herr von Schoͤn, eroͤffnete ihnen hier, daß er von Sr. Majestaͤt dem Koͤnige beauftragt sey, die Koͤnigliche Genehmigung uͤbe⸗ die Wahl auszusprechen, sofern dieselbe auf einen der vier vor

mundschaft eroͤffnen werden.

üurkei. Franzoͤsische Blaͤtter theilen eine Art von Manifest der insurgirten Kreter mit, worin unter Anderem folgende Stellen vorkommen: „Betrachten wir so fluͤchtig wie moͤglich den Zu⸗ stand der Insel Kreta unter der Osmanischen und Aegyptischen Herrschaft. Wirft man zuerst einen Blick auf die Bewegung der Bervoͤlkerung dieser Insel, so bietet sich das betruͤbende Schauspiel ihrer schnellen Abnahme dar. Ohne bei dem Alter⸗ hum zu verweilen, wo die Insel 1,200,000 Einwohner ernaͤhrte, st es bekannt, daß sie unter der Herrschaft der Venetianer noch 900,000 Einwohner zaͤhlte. Bei der Eroberung durch die Tuͤr⸗ en im Jahre 1669 wurde diese Zahl auf 600,000 reduzirt. Zu Anfang der Griechischen Revolution, im Jahre 1821, zaͤhlte sie aum noch 300,000 und heutigen Tages ist die Bevoͤlkerung af 150,000 Seelen gesunken, worunter etwa 35,600 Türken. Die Vergleichung dieser Zahlenangaben spricht deutlicher, als alle Raison⸗ nements. Die ungluͤckliche Lage der Kreter verschlimmert sich von Tage zu Tage, und als sie erfuhren, daß ein neuer Vertrag sie von Neuem unbedingt der Herrschaft der Pforte uͤberliefern werde, da blieb ihnen nur ihr Vertrauen auf Gott und auf die Sorgfalt der großen Maͤchte Europa's. Diese Nachricht verbreitete Schrecken unter der christlichen Bevoͤlkerung der In⸗ sel und raubte den Ausgewanderten alle Hoffnung, jemals in ihr Vaterland zuruͤckkehren zu koͤnnen. Verlassen von dem civi⸗ lisirten Europa, im Begriff, wieder die Opfer der Osmauischen Regierung und der Tuͤrkischen Bewohner der Insel zu werden, haben die Kreter die Waffen ergriffen, um die heiligste Sache zu vertheidigen. Es ist nicht der Geist der Rache, welcher sie beseelt, denn das Eigenthum ihrer ehemaligen Unterdruͤcker ist bisher geachtet worden, obgleich eben dieses Eigenthum ihnen durch Gewalt geraubt worden. Sie haben noch mehr gethan, sie haben dieselben, als Kreter, aufgefordert, an ihren Rechten Theil zu nehmen und zur Befreiung ihres Vaterlandes gemein⸗ schaftliche Sache mit zu machen. Endlich haben sie an die großen Maͤchte eine Darlegung der Motive ihres Verfah⸗ rens gerichtet und um ihren Beistand und ihr Mitleid nachge⸗ sucht. Welchen Beschluß werden die verbuͤndeten Maͤchte in Bezug auf die Kreter fassen? Es ist schwer, dies vorherzusagen. Man wird diese wenigstens niemals mit den Syriern vergleichen koͤnnen, und niemals verkappte Christen an der Seite der Tuͤrken fuͤr den Islam gegen das Kreuz kämpfen Föaeest hat bisjetzt keine Kollision stattgehabt; aber es wird ald Blut fließen und die Kreter haben geschworen, ihre Frei⸗ Pe wieder zu gewinnen oder sich unter den Truͤmmern ihres aterlandes zu begraben. Wir wolle Ce16““ ö1“ ir wollen hoffen, daß die Vorse⸗ hung sie in ihrem edlen Entschlusse nicht verlasse 8 Weisheit der Kabinette den wahre asgf 1113“ 1 hren Zustand des Osmanischen Reichs reiflich erwaäͤgen und durch Maßregeln, die mit de sch geklaͤrten Geiste unseres Jahrhunderts im Eankia⸗ mit dem auf⸗ unberechenbaren Uebel, welche den Orient bedrohen . wird. Die Kreter ihrerseits werden die Wassen nich abwenden se is si 8 8 Wafsen nicht eher nie⸗ derlegen, als bis sie, unter der Garantie der großen Maͤchte das Gluͤck ihres Vaterlandes gegruͤndet haben. Spes in S- salus ex victoria!“ e- Dieselben Blaͤtter theilen nachstehendes Schreiben aus

Kandien vom 8. Juni mit: „Am 4. Juni haben die ausge⸗ wanderten Kandier den Konsuln Frankreichs, Englands und Rußlands fuͤr die zu ihren Gunsten bei Tahir Pascha gethanen

für das Anerbieten, sie auf Kriegs⸗Schiffen nach Griechenland uͤberfuͤhren zu wollen, ihren Dank ausge⸗ und zugleich den Konsuln angezeigt, daß in einer Tribut des vollstimmigsten Beifalls Anfuͤhrer beschlossen worden sey, eher zu sterben als ihr Fhhit rnge Kreta, zu verlassen und es der Auto⸗

Schritte, so wie

sprechen Versammlung aller ritat des Osmanischen Reiches zu unterwerfen. Es verbre tet sich das Geruͤcht,

Sr. Majestaͤt vorgestellten Wahl⸗Kandidaten falle. Diese waren naͤmlich die Herren Domdechant und Weihbischof Geritz, Dom⸗ herr Frenzel und Domherr Wichert (saͤmmtlich dem hiesigen Dom⸗Kapitel angehoͤrend) und Domherr Regenbrecht in Posen. Nachdem Se. Excellenz sich wieder entfernt hatte, wurde so⸗ fort zur Wahl geschritten. Dieselbe fiel, wie man auch allge⸗ mein erwartete, auf unseren wuͤrdigen Weihbischof Herrn Dom⸗ dechanten Joseph Geritz. Derselbe wurde sofort, nachdem Se. Excellenz der Herr Ober⸗Praͤsident im Namen Sr. Majestaͤt des Koͤnigs die Allerhoͤchste Genehmigung der Wahl ausgespro⸗ chen hatte, von dem Senior des Kapitels, Herrn Domherrn Hoppe, vor dem Hoch⸗Altare proklamirt.

vissenschaft, Kunst und Literatur.

Königsstädtisches Theater. Dem Bestreben des Inhabers und Direktors dieses Theaters, dem Publikum einen vielseitigen Geuuß an Opern⸗Aufführungen in der muftfalischsten aller Sprachen, der Ita⸗

liänischen, zu bereiten, haben die Musikfreunde es auch zu verdanken

daß die berühmte Mad. Pasta, die wir schon in Fragmenten gus Opern im Königl. Theater gehört haben, nun auch in einer vollstän⸗ digen Oper als Charakter⸗Darstellerin vor unseren Augen und Ohren erschienen ist, nämlich als Anna in der Donizettischen Oper Anna Bolena. Schon im Sommer 1833 ist diese Oper bei Gelegenheit der Gastspiele der Mlle. Sabine Heinefetter in Deutscher Sprache auf dieser Bühne mit gutem Erfolg aufgeführt und mehrmals wiederholt worden; ja auf dem Königlichen Theater hat später ein Fräulein von Schoulz, erste Sängerin des St. Carlo⸗Theaters in Neapel, die Anna im zweiten Akt in Italiänischer Sprache zu singen versucht, aber nicht gesungen, denn sie hatte ihre Stimme mitzubringen vergessen. Tert und Musik sind also genugsam bekannt, und was insbesondere den Kunstwerth der Donizettischen Composition betrisft, so wollen wir unsererseits uns in den Streit der Meinungen nicht mischen; genug, daß ein sehr zahlreicher und tonangebender Theil unseres Publikums ein entschiedenes Wohlgefallen an dieser musikalischen Production, an ihrem Feuer und ihren Melodicen immer aufs lebhafteste zu erken⸗ nen giebt. Und dieses Wohlgefallen brach heute in Beifallsströmen und Stürmen aus. Was ist es nöthig, über eine Sängerin, die auf allen Italiänischen Theatern, die in Paris, Berlin und St. Petersburg als ein außerordentliches, mit der seltensten Gabe der Gesangkunst aus⸗ gestattetes Wesen bewundert worden, noch ein Wort zu sagen, und wenn sie auch selbst, nach langer lorbeerreicher Laufbahn, nicht mehr mit jugendlicher Frische die Siune erfreuen kann, ein unvergänglicher Reiz ist der innere Gehalt ihres Gesanges und die bis zur Vollendung ausgebildete Macht ihrer Töne. Sie artikulirt mit vollkom⸗ menster Dentlichkeit so, daß auch dem entferntesten Zuhörer kein Wort des Tertes verloren geht: das Athemholen bat sie so inne daß auch das geübteste Ohr nicht die geringste Unterbrechung des immer schön hinfließenden Gesanges bemerkt und überhanpt ihre Stimme so in ihrer Gewalt, daß sie ihr in allen Arten lang famer und schneller Wendungen, bei den stärksten Ausbrüchen der Kraft, wie bei den weichsten Inflerionen der Zartheit „im Wechsel von Anklingen und Verklingen der Tone stets gehorcht und bei allen Verzierungen doch nie die Sucht, durch bloß mechanische Geschich lichkeit zu glänzen, verräth, indem ihr der Ausdruck des Gefühls in innerer Wahrheit und äußerer Energie das höchste Gesetz ist. Es wird der Erwähnung kaum bedürfen, wie eine solche

einer solchen Neben ihr muß heute vorzüglich Herr Rossi ausgezeichnet werden,

aber bei den Proben unpäßlich geworden; mit einer Festigkeit, Sicherheit und einem Feuer aus, die erwarben. Ei

Signora Villa, frappirte schon bei ihrem ersten

trag erhöhte die Wirkung dieses neuen Erscheinens.

Puissance in der Kunstwelt imponiren muß, aber auch die Bewegung der Herzen kann Macht der Töne, einer so großartigen Harmonie des Aus⸗ drucks mit dem freiesten Spiele ihrer Gesangs⸗Virtuosität, nicht

in anderer Gast, Herr Gamberini, war in der Rolle des Percvp angekündigt, ohne Verzug übernahm Herr

Rossi diese Partie und führte sie in seinem bekannten wohllautenden 1— ihm de

Eine neue Erscheinung, Anblick durch ihr echt Italiänisches Aeußere und den Ton ihrer Stimme, und ihr Vor⸗ ie lotti als J Bugh 1” Fer⸗ u2 b ¹e lotti als Johanna Sevmour befestigte ihren wohlerworbenen Kredit, daß der Oberst eines Arabischen Regi⸗ und Herr Paltrinieri ließ es sich üanver angelegen seyn, uns die

V 1

Grandezza des Königs Heinrich in keinem Augenblicke entbehren zu lassen; unbeweglich sich gleich blieb seine angenommene Stellung, so daß wir an das Wort Schiller's von den Königen der Franzoösischen Tragödie, daß sie sich mit Krone und Scepter schlafen legen, erinnert wurden. Schließlich glauben wir nicht mit Stillschweigen übergehen zu dürfen, daß die Oper „Lucia di Lammermoor“ zur höchsten Zufrie⸗ denheit Sr. Königl. Majestät von dieser Italiänischen Opern⸗Gesell⸗ schaft in Potsdam aufgeführt worden.

Eisenbahn-Fahrten. 1. Juli 1841.

Zeitdauer.

Dauer der Am

Abgang Abgang ZLeudaue von von

bn HNöotsdunm.

43 [Um 6 Uhr Morgens... 9 ½ Vormittags... Nachmittags.. Nachmittags.. Abends . Abends. Abeuds...

Um 6 ½ Uhr Morgeus

- 8 „Vormittags.. 4] 11 - Vormittags.. 40 -1 2 Nachmittags .. 43 Nachmittags . à4 Abends 46 Abends 1

7 2

9

1 C 2—62—x⸗82ö—2—4c

reee

6

Meteorolagische Beobachtungen. Abeuds V

Nach eiumaliger Beobachtung.

Nachmittags

2 Uhr.

1841.

1. Jnli.

Morgeus

6 Uhr. 10 Uhr.

Par. 238,]1 5 par.] 338,09 par. auellwürme S,4° n.

+ 13,80 R. Flafswärme 17,00 R.

+ 8,7° R. Bodenwärme 18,00 R.

85 pCt. 50 pCt. 67 pCt. Ausdüustung 0,039 Rh.

Regen. trübe. heiter. Niederschlag 0,041 Rhe. W. W. b W. Wärmewechsel + 18,40

NNO. W. W. + 10,90. 8

337,99 Par.. + 14,70 R. + 9,702 HR. 69 pCt... W.

237,7 +. 13,10 R. + 17,70 R. + 11,00 kR. + 9,50 R.

Luftdruck Luftwärme..

Dunstsättignug. Wetter.. Wind Wolkenzug

TPagesmittel:

Berliner Börse. Den 2. Jezlli.

Pr. Cour.

Brief. à 104

101½

Geld.

1032 3 1015/12

Actien. Brl. Pots. Eisenb. do. do. Prior. Act. Mgd. Lpz. Eiseub. do. do. Prior. Act. Berl. Aub. Eisenb. do. do. Prior. Act. Düss. Elb. Eisenb. do. do. Prior. Act. Rbein. Eisenb.

St. Schuld-Sch. Pr. Eugl. Obl. 30. 4 Präm. Sch. der

Seecbandlung. Neum.

Kurm. u. Schuldverschr. Berl. Stadt-Obl. 4 Elbiuger do. Dapnz. do. in Th. Westp. Pfandbr. 32 Grofsh. Pos. do. 4 Ostpr. Pfandbr. Ponun. do.

Kur-u. Neum. do.

Schlesische do-.

102 ¼ 103¹12 100 48 102¹ 106] 102 ¼ 103/ 103 102

Gold al marco Friedrichsd'or Andere Goldmün- zeu à 5 Rthlr. Disconto

—6⸗92—*7.—

29

92—

Auswürtige Börsen.

Amsterdam, 28. Jaui. Niederl. wirkl. Schuld 5113⁄1½. Kauz-Bill. 2411/1 6. 5 % Span. 215⁄16 . Passive —. Preufs. Präm. Sch. —. Polu. —. Oesterr. —.

Fruankfurt a. M., 29. Juni. Qesterr. 5 % Met. 106⁄1¶) G. 40% 97 ⁄%2 Br. 21/2 % 56 Br. 1 % 24 G. Bauk-Act. 2008. 2006. Loose zu 500 Fl. 134 ¾. 1341⁄2. Preuss. Präm. Sch. 831⁄/1 G. do. 4 % Aul. 101 3 ⁄1 G. Poln. Loose 71 1 G. 5 % Span. Aul. 22 ⁄1. 22. 2 ½ % IHloll. 50 5⁄1. 509⁄16.

Eisenbahn-Actien: St. Germain. —. Verzailles rechtes Ufer. do. liukes —. Müncheu-Augsburg —. Strassburg-Basel. —. Leipzig-Dres- deun 99 ⁄½ G. Kölu-Aacheu 99 G.

Hamburg, 30. Juni. Bank-Actien 1670 G.

London, 26. Juni. Cons. 30 % 89 ½. passive 5. Ausg. Sch. 105⁄1. 2 ½ % Holl. 521⁄2. 33. 3 % 19 ⁄2. Eugl. Russ. —. Brasil. 07 ⁄2. Pern . (Chili.

Petershurg, 29 Innt. Loud. 3 Met. 38 1/16 Hamb. 34] 1 16⸗ Paris 409. Polm à Par. 300 Fl. 68. do. 500 Fl. 72 3 ¾4. do. 200 Fl. 24 ⅓.

50 % do. 100. Ausg. —. Ziausl.

Engl. Russ. 107 ⁄[.

Belg. —. Neue Aunl. 22 ⁄⅛. 5 % 100. 5 % Port. Columb. 21. Mex. 27.

Königliche Schauspiele.

Sonnabend, 3. Juli. Im Opernhause: Faust

Zu dieser Vorstellung bleiben die bereits geloͤsten, mit Don⸗ nerstag bezeichneten Opernhaus⸗Billets guͤltig, auch werden die dazu noch zu verkaufenden Billets ebenfalls mit Donnerstag bezeichnet seyn.

Sonntag, 4. Juli. Im Opernhause: Die Stumme von Portici. (Mlle. Spatzer, vom K. Hoftheater zu Hannover: Elvira, als Gastrolle. Dlle. Polin: Fenela.)

Preise der Plätze: Ein Platz in den Logen des ersten Ranges 1 Rthlr. 10 Sgr. ꝛc.

Montag, 5. Juli. Im Schauspielhause: Die Braut von Messina, Trauerspiel in 4 Abth., von Schiller. (Hr. Gerstorfer, vom Theater zu Posen: Don Cesar, als Gastrolle.)

Bönigsstädtisches Theater.

Sonnabend, 3. Juli. Italiaͤnische Opern⸗Vorstellung (Abonnement suspendu.) Zum erstenmale wiederholt: Anna Bolena. Opera in 3 Atli. Poesia del Signor Romani. Musica del Maestro Gaetano Donizetti. (Mad. Pasta, erste Kammersaͤngerin Sr. Maj. des Kaisers von Oesterreich: Anna Bolena, als Gast⸗ rolle.

Preise der Plaͤtze: Ein Platz in der Orchester⸗Loge: 1 Rthlr. 10 Sgr. Ein Platz in den Logen und im Balkon des ersten Ranges: 1 Rthlr. 10 Sgr. ꝛc.

Textbuͤcher, in Italiaͤnischer und Deutscher Sprache, sind im Billet⸗Verkaufs⸗Buͤreau und Abends an der Kasse à 5 Sgr. u haben.

1 Anfang der Italiaͤnischen Opern⸗Vorstellungen ist um CLG6“ Kasse wird um 5 ½ Uhr geoͤffnet.

Sonntag, 4. Juli. Der Alpenkoͤnig und der Menschen⸗ feind. Romantisch komisches Zauberspiel mit Gesang in drei Akten, von Ferd. Raimund. (Hr. Birnbaum, vom Fostheater zu Kassel: Rappelkopf, als Gastrolle.) 11

Verantwortlicher Redacteur Dr. J. W. Zinkeisen.

Gedruckt bei A. W. Hayn. 8 8 1

Beilage

8

taats—

6 1 n A 1 4. Amtl. Nachr. 8. b

Landtags⸗Angelegenheiten. Rhein⸗Provinz. Verhandlungen in der erzbischoflichen Angelegenheit.

Frankreich. Paris. Neue Finanz⸗Maßregel. Die Befestigungs⸗ Arbeiten. Karlißiische Umtriede unter den Spanischen Refügiés. Vermischtes. Straßburg. Der Holländische Vertrag. Brief aus Paris. (Zur Charakteristik der religiösen Stimmungen und der Parteistellung der Geistlichkeit.)

Großbrit. u. Irl. London. Die Tory⸗Presse über die Thron⸗Rede. Sheriffs⸗Wahl für London. Aufregung der Metchodisten gegen die Whigs. Orientalische Frage. Besorgnisse wegen neuer Stö⸗ rung des Handels mit Buenos⸗Ayres. Projektirung neuer Angli⸗ kanischer Bischofssitze. Verm ischtes.

Dänemark. Kopenhagen. Unwoblseyn des Königs.

Dentsche Bundesstaaten. Hannover. Trennung der Königlichen von der Landes⸗Kasse. Karlsruhe. Die erste Kammer verwirft die Adresse in Bezug auf die Urlaubs⸗Verweigerung.

Italien. Rom. Rückkehr des Herzogs von Anhalt⸗Dessau nach Deutschland. Dom Miguel.

Spauien. Schreiben aus Madrid. (Der Französische Gränzstreit.)

Türkei. Nachrichten aus Kreta.

Nord⸗Amerika. Botschaft des Präsidenten in Bezug auf die inne⸗ ren Verhältnisse.

Beilage. Großbrit. u. Irl. Angesochtene Parlamentssitze. Stellung radikaler Blätter in der jetz:gen Krisis. Unzufriedenheit über die Entlassung Lord Plunkett's. Lonferenzen der Gesandten über Kandien. Staats⸗Einnahme von Eisenbahn⸗ und Diligencen⸗ Fahrten. Vermischtes. Ueber die Verwaltung der Britischen Staatsschuld. Wiss., K. u. Lit. Die Fresko⸗Gemälde in der Vorhalle des Museums.

Schluß der

Amtliche Uachrichten.

Kronik des Tages.

Se. Majestaͤt der Koͤnig haben Allergnaͤdigst geruht:;

Dem Geheimen Ober⸗Postrath Schmuückert die Anlegung des ihm von des Koͤnigs von Daͤnemark Majestaͤt verliehenen Commandeur⸗Kreuzes des Danebrog⸗Ordens zu gestatten; ferner

Den bisherigen Regierungs⸗Rath Natan zum Geheimen Finanzrathe zu ernennen; und

Dem Hof⸗Apotheker zu verleihen.

Zur Feier des Leibnitzischen Jahrestages wird die Koͤnigliche Akademie der Wissenschaften am Donnerstage den Ften d. M., Nachmittags um 5 Uhr, eine oͤffentliche Sitzung halten, zu welcher der Zutritt auch ohne besondere Einlaß⸗Karte freisteht.

Berlin, den 4. Juli 1811.

Der vorsitzende Secretair der Koͤniglichen Akademie der Wissenschaften. Boͤckh.

Abgereist: Der Wirkliche Geheime Ober⸗Finanzrath und General⸗Direktor der Steuern, Kuhlmeyer, nach Karlsbad.

Landtags-Angelegenheiten.

Rhein⸗Provinz.

Düsseldorf, 26. Juni. (Schluß des Berichtes uͤber die Verhandlungen in der erzbischoͤflichen Angelegenheit.)

Es erbat sich nun ein Deputirter aus dem Stande der Landgemeinden das Wort und versuchte in nachstehendem aus⸗ fuͤhrlichen Vortrage seine Ansichten uͤber die Rechtsverhaͤltnisse zwischen der kirchlichen und weltlichen Macht, so wie uͤber die gegenwaͤrtige Lage des Herrn Erzbischofs mit Beruͤcksichtigung der so eben von den beiden Deputirten des Ritterstandes abge⸗ gebenen Erklaͤrungen, und der sonst durch oͤffentliche Blaͤtter zur Kunde des Landes gekommenen Nachrichten des Weiteren zu entwickeln. 1

„Sie würden es mit Recht übel denten, wenn ich nach mehrstün⸗ diger Diskussion über die vorliegende hechwichtige Angelegenheit in geordneter ausführlicher Rede zu Ihnen sprechen wollte, nachdem der Gegenstand schon so vielseitig beleuchtet ist. Ich greife die Sache in dem Zustande auf, in welchen sie im Laufe der Debatten gelangt ist, um meine Ansichten über den Antrag in Kürze vorzutragen. Der⸗ selbe begreift die amtliche Wiedereinsetzung des Herrn Erzbischofs, oder seine Stellung vor Gericht. Ich beginne mit der zweiten Alternative, die ich für unstatthaft halte. Bevor ich diese Unstatthaftigteit demon⸗ strire, bitte ich Sie, sich zu befragen ob anzunehmen sev, daß der Herr Erzbischof die bei den Rheinischen Ständen zum Schutze seines per⸗ sönlichen Rechtes, ohne seine Intervention, nachgesuchte Vertretung wirflich wolle, ob derselbe sie wollen iönne; ob es den Absichten des Prälaten entsprechen könne, irgend einer gerichtlichen Inquisition sich unterworfen zu sehen, ob nicht derselbe eher, in theologischem Einver⸗ stündnisse mit dem Erzbischofe Herrn Dunin, jede weltliche Jurisdiction perhorresziren werde. In der Ungewißheit, in welcher man hierwegen uns läßt, glaube ich, daß der Herr Erzbischof weder die Vertretung, noch die Untersuchung will. Welches würde dann das kompetente Ge⸗ richt seyn? Ein weltliches oder ein geistliches? Dürfte man den Erz⸗ bischof Clemens August nöthigen, da Recht zu nehmen, wo er nicht gesonnen ist, es zu suchen; Dieser Zwang wäre eine bis jetzt bei⸗ spiellose Verletzung der erhabenen Stellung und der Rechte des Kir⸗ chenfürsten; es wäre nicht minder eine Verletzung der öffentlichen Meinung. Bedenken Sie die Ungewißheiten, die Zweifel und die Schwierigkeiten, die uns hier umgeben. Die Bulle de salute anima- rum hebt nicht die Hindernisse, welche in Ansehung der gerichtlichen Kompetenz dem Vorhaben entgegentreten, eben so wenig das Konkor⸗ dat von 1801. Uebrigens ist mir unbekannt, ob letzteres von dem Gouvernement noch befolgt wird, und ob die katholische Geistlichkeit es noch anrufe. Sie haben seit dem Entstehen unserer ständischen Verfassung dem Prinzipe der Gleichheit vor dem Gesetze und dem

Apotheker Altmann zu Pankow das Praͤdikat als

Richter mich oft huldigen gehört; die meisten unter Ihnen sind schon lange Zeugen meiner Beharrlichkeit in der Gelrendmachung dieses Prinzips, welches tiefe Wurzel geschlagen in dem Rheinischen Sinne. Sie wissen, daß in unseren legislativen Deliberationen ich immer fest daran gehalten. Damit nicht auch nur der entfernteste Verdacht ent⸗ stehe, ich koönnte mich geneigt zeigen, auch unr in einem einzigen Falle von diesem Grundsatze abzuweichen, so erkläre ich vor Ihnen, daß wenn auf dem Herrn Erzbischofe die Anklage haftete, eines Verbrechens sich schuldig gemacht zu haben, welches der Kriminal⸗Koder vorsieht und bestraft, ich zwar bedauern würde, daß so Ungedenkbares sich zu⸗

Alle gilt, keine Einwendung zu machen hätte. Allein der Erzbischof unterliegt einer solchen Anklage nicht, und wir haben keine ürsache, diese Hopothese weiter zu verfolgen. Ich halte die beantragte Bitte an des Königs Majestät, den Herrn Erzbischof vor Gericht zu stellen, aus dem Grunde für rechtlich unstatthaft, weil kein Gesetz die Stände zu einer solchen Verwendung resp. Beschwerdeführung ermächtigt. Der §. 49 des Gesetzes vom 27. März 1824, auf welchen der Antrag zu seiner Begründung Bezug nimmt, kann auf den vorliegenden Fall keine Anwen⸗ dung erhalten. Fasset man die Bestimmungen des angezogenen §. in ihrem Zusammenhange auf, und erforscht den Sinn derselben, so wird es leicht klar, daß die Schlußstelle, wo von Bedrückungen einzelner Individuen die Rede ist, nur auf solche Bedrückungen sich beziehe, welche von Behör⸗ den und Beamten verübt würden. Allerhöchste Handlungen, welche Ema⸗ 1

nationen des Souverainitäts⸗Rechts sind, können in dem §. 49 nicht vorgesehen, können nicht mit dem Ausdrucke Bedrückungen bezeichnet seyn. Auf Maßregeln, welche des Königs Majestät auf dem Gebiete des Staats⸗Rechts angeordnet, dürfen in der That die ständische Kon⸗ trolle und das Recht der Beschwerdeführung, zu Gunsten Einzelner

nicht ausgedehnt werden. Eine ausführliche Argumentation würde hier

am unrechten Orte seon, da die publizistische Richtigkeit der Aufstellung unbestritten ist. Die in dem Antrage aufgenommene zweite Alternative trennt das persönliche Interesse des Herrn Droste von Vischering von dem der Kirchen⸗Verwaltung; Letzteres herrscht in dem Haupt⸗ theile des Antrages vor. Da ist die Angelegenheit objectum ajtioris indaginis und würde bei kirchlicher und staatsrechtlicher Behandlung, wozu der Landtag keinen Beruf hat, die tiefste Ergründung erheischen. Wird sie in den beschränkteren Beziehungen auf die landständischen Befugnisse aufgegriffen, so gebietet sie uns die größte Umsicht in der Berathung über die Schritte, zu welchen man uns veranlassen möchte. Ich wünsche, daß die Stände in der Aus⸗

vinz sie kräftig ihre Stimme erheben können.

haft begründet und ob sie mit Berücksich igang der allgemeinen Staats⸗ Verhältnisse rechtzeitig angebracht ist. Inmitten des beklagenswerthen Konfliktes zwischen der geistlichen und weltlichen Macht, welcher seit mehreren Jahren die Gemüther beunruhigt und nach allen Rich⸗ tungen störenden Einfluß ansübt, thut es Noth, das fühlen alle, daß im Geiste der Versöhnung auf dem Wege der Aus⸗ gleichung so großem Uebel abgeholfen, und Eintracht zwischen Staat und Kirche wieder hergestellt werde. Den Antrag auf unbedingte Zurückführung des Herrn Freiherrn Droste von Vische⸗ ring auf den bischöflichen Stuhl zu Köln, darf man aber nicht als ein zur Lösung der Streitsrage geeignetes Ankunftsmittel anseben. Schon lange währen die diplomatischen Verhandlungen, so die beider⸗ seitige gewünschte Beseitigung der entstandenen Verwigelungen ver⸗ folgen; es ist in der That zu bedauern, daß sie den ersehnten Erfolg noch nicht gehabt; gewiß wird aber, das hoffen alle Gutgesinnten, das vorgesteckte Ziel erreicht werden. Ich wage es nicht, eine Meinung darüber anzunehmen, in wie weit das katholische Kirchen⸗Prinzip bei der beantragten Reintegration des Herrn Droste von Vischering bethei⸗ ligt it. Proklamirte indeffen Se. Heiligkeit der Papst die Unerläßlich⸗ keit dieser Maßregel, als einer wesentlichen Bedingung der Erhaltung des Katholizismus, so hörte ich auf, der beantragten Bitte zu wider⸗ sprechen, ich würde es mir zur Pflicht machen, sie mit ganzer Seele zu unterstützen dann wäre die rechte Zeit gekommen, sie da laut werden zu lassen, von woher Hülfe und Rettung in solcher Gefahr und Noth uns wer⸗ den könnte. Es scheint aber jeder Zweifel darüber, daß eine absolute Wieder⸗ einsetzung des Prälaten keine prinzipienmäßige Nothwendigkeit sev, zu schwinden, und zwar aus dem zweisachen Grunde, weil von dem Ober⸗ haupte der katholischen Kirche eine solche Reintegration nicht mehr ge⸗ fordert wird, und weil sogar zwischen beiden Höfen wegen Beseitigung der auf das unglückliche Ereigniß des 20. Novembers 1837 gefolgten Wirren konciliatorische Verhandlungen gepflogen werden, von denen die mitwirkende Theilnahme des Herrn Erzbischofs selbst nicht ausgeschlossen ist. Es liegt aber wie in dem Zwecke so in der Natur derartiger Ne⸗ gociationen, daß von allen Seiten Konzessionen gemacht werden, zur Erreichung des gemeinsamen Zieles. Die unbedingte Nothwendigkeit läßt aber keine Konzessionen zu. Des Königs Majestät und Se. Hei⸗ ligkeit der Papst sind gleichmäßig von dem ö und dem Wun⸗ sche der Ausgleichung beseelt. Ich habe Gelegenheit gehabt, mir nicht allein die moralische, sondern auch die materielle Gewißheit zu verschaf⸗ fen, daß die Unterhandlungen der Versöhnung nicht abgebrochen sind, daß uns die Aussicht, die Hoffnung auf den glücklichen Erfolg nicht verschlossen ünd, welchen Gottes Beistand den eifrigen unermüdeten Bemühungen des Königs Majestät verleihen wird. Auf die Königli⸗ chen Verheißungen baue ich fest und zuversichtlich; ohne dieses uner⸗ schütterlichen Vertrauens entbehrte ich des sichersten Anhalts im öffent⸗ lichen Leben. Bäte in dieser Lage der Sache die Stände⸗Versamm lung den König um unbedingte Zurückführung des Erzbischofs zu Köln in seinen kirchlichen Wirkungskreis, dann setzten Sie der Gefahr sich aus, selbst die Absicht Sr. Heiligkeit zu überschreiten, und somit die leider noch fortdauernden Verwickelungen länger zu unterhalten. Jedes ständische Einschreiten, welches den Gang und das Fortschreiten der angeknüpften Negociationen hemmte, wäre, nach meiner Einsicht und nach meinem Gefühle, ein schwer zu verantwortender Fehler. Ich wäre in allen Verhältnissen bereit, der Aufrechterhaltung der wesentlichen Grundsätze der Religion, zu welcher ich mich bekenne, jedes weltliche Opfer zu bringen. Ich halte mich nicht weniger in meinem Innersten verpflichtet, in der Angelegenheit, mit welcher wir uns bisher befassen, die Rücksichten gewissenhafter Besonnenheit zu beachten und zu befolgen, welche ihr dermaliger Zustand gebietet. Der Auntrag auf unbedingte amtliche Wiedereinsetzung des Herrn Erzbischofs Clemens August kann nach den stattgehabten Erörterungen nicht als aus einem vorhandenen kirchlichen Interesse der Provinz hervorgegan⸗ gen betrachtet werden; zudem ist nachgewiesen worden, daß derselbe, würde ihm Berücksichtigung zu Theil, sogar der Sache nachtheilig wer⸗ den könnte. Es ist demnach nicht vorzusehen, daß der Landtag sich werde dazu bestimmen lassen, die Bitte, dem Geiste des ersten Ab⸗ schnitts des §. 49 des Gesetzes vom 27. März 1824 zuwider, an den Stufen des Thrones niederzulegen. Alle, welche die politischen

Umstände und kirchlichen Verhältnisse, unter welchen die zur Berathung gebrachte hochwichtige Sache der Stände⸗Versamm⸗

lbung des ihnen verfassungsmäßig zustehenden Petitionsrechtes sich stets frei bewegen, und allenthalben, wo das wohlerwogene Interesse der Pre⸗ sie dazu jauffordert, vertrauungsvoll und wo es angemessen ist, Von zwei Kriterien mache ich meine Ansicht über die Zulässigkeit und Zweckmäßigkeit jeder Petition abhängig; ich untersuche, ob sie in dem Interesse der Provinj wahr⸗

getragen, daß ich aber gegen die Anwendung des Rechtes, welches für

g vorgelegt wird, zu würdigen sich angelegen seyn lassen, Alle, welche mit dieser hohen Versammlung das Vertrauen und die Hoffnung theilen, mit denen die Königlichen Zusagen uns erfüllen, sehen ein, daß in dem gegenwärtigen Zustande der Dinge die Provinz kein anderes Interesse hat, als das, daß ihre Vertreter Sr. Majestät dem Könige, unserem Allergnädigsten Landesvater, die rege und uner⸗ löschliche Theilnahme ausdrücken, welche die Katholiken für eine Ge⸗ wissens⸗Angelegenheit beseelt, von welcher für sie Ruhe, Glück und Segen abhängen; daß sie dem allverehrten Könige freimüthig bezeigen, wie allgemein der lebendige innige Wunsch in allen Ständen und Klassen verbreitet ist, daß die unheilbringende Verwaisung zweier Bisthümer am Rheine baldigst aufhöre. Wären, wie einige Mitglie⸗ der dieser hohen Versammlung giauben, die bezüglichen Worte der bei der Eröffnung des Landtages an des Königs Majestät allerunter⸗ thänigst gerichteten Adresse, nicht ausdrücklich und eindringlich genug, so würden unsere Protokollar⸗Verhandlungen, die der Allerhöch⸗ sten Cognition gewürdigt werden, die Darstellung vollständig ergänzen. Unter den beglückenden Hoffnungen, mit welchen wir im Gefühle der höchsten Begeisterung den Regierungs⸗Antritt Friedrich Wilbelm’s IV. begrüßt, liegt keine den Herzen der Rheinländer näher, als die der Her⸗ stellung des Friedens und der Eintracht auf dem kirchlichen Gebiete; unter den Koͤniglichen Verheißungen ist keine geeigneter, die Gemütber zu beruhigen und zu erheben, als die, welche uns die Allerhöchste Ab⸗ sicht verbürgt, die am tiefsten schmerzende Wunde zu heilen. Mit un⸗ beschränktem zuversichtlichem Vertrauen auf das Königliche Wort dür⸗ fen die Stände die fernere Leitung der Angelegenheit, welche für den größten Theil der Bevölkerung dieser Provinz das wichtigste und höchste Gut begreift, der Weisheit und der Zürsorge des Landesherrn überlas⸗ sen, zu dessen Throne wir mit Liebe, Treue und Ergebenheit unsere Bitte wenden. In mir hat sich durch die gewissenhafteste Prüfung der Angelegenheit, welche vor allen anderen unsere Aufmerksamkeit fesselt, die Ueberzeugung festgestellt, daß der diskutirze Antrag in seinem Haupt⸗ theile in keiner Hinsicht auf einem vorhandenen Interesse der Provinz beruhe, daß dessen Weiterbeförderung unter den Verhältnissen der Ge⸗ genwart auf die auf den Gegenstand sich beziehenden diplomatischen Nego⸗ ciationen störend einwirken könnte, daß der Antrag in seiner zweiten Alter⸗ native weder begründet in Ansehung der Rechte des Herrn Erzbischofs und deren Vertretung noch an und für sich statthaft sey, weil er jeder ge⸗ setzlichen Stütze entbehrt. Aus diesen Gründen, welche eine hohe Stände⸗Versammlung als das vor ihr freimüthig ausgesprochene Ergeb⸗ niß meiner aufrichtigen innigen Ueberzeugung würdigen wird, trete ich den Ansichten und dem Gutachten des Ausschusses bei, dessen Referat wir in der heutigen Sitzung gehört.

Zur Aufklaͤrung der Diskussion wurde die Bemerkung ge⸗ macht, daß der Widerspruch zwischen dem Referat und der ver⸗

lung

nommenen Angabe der beiden Herren Deputirten des Ritter⸗ standes ruͤcksichtlich der 88 Freiheit des Herrn Erzbi⸗ schofs nicht so groß sey, wie habe behauptet werden wollen, und daß zwar eine Beschraͤnkung, aber keine Confination, diese Beschraͤnkung aber deswegen bestehe, weil der Herr Erzbischof das Versprechen, sich der Verwaltung der Erzdioͤzese enthalten

zu wollen, verweigert habe. Ein anderer Abgeordneter des

dritten Standes aͤußerte sich nun folgendermaßen:

„Der vorliegende Antrag verlangt nur Recht und Gerechtigkeit, und wer sich auf den Boden des Rechts stellt, wird nie anmaßend, verletzend oder widersinnig. Wir brüsten uns in unserem Staate und mit Recht, daß die Regierung heut zu Tage keinen Bettler anklagen kann, ohne daß sie seine Schuld klar und deutlich ausspricht, kein Ge⸗

richtsbof ihn verurtheilt, ohne ihn gehört zu haben. Der Erzbischof ist

unter der Anklage schwerer Beschuldigungen auf die Festung gebracht worden, ohne daß bis jetzt auch nur ein Schritt zu einem gerichtlichen Verfahren eingeleitet worden. Es ist Jedermann bekannt, daß der Konflikt des Staates mit dem Erzbischof hauptsächlich wegen des Punktes der gemischten Ehen entstanden ist. Des höchstseligen Königs Majestät haben, wie alle Katholiken in dankbarer Verehrung seines Andenkens anerkennen, dieser miulichen Streitfrage durch die Aller⸗ höchste Kabinets⸗Ordre vom 28. Januar 1838 ein Ende gemacht und diesen mit dem Erzbischof so lebhaft verhandelte Streitpunkt im Sinne desselben erledigt. Die Hauptursache des Konflikts besteht daher nicht mehr. Die Beschuldigungen des Hochverraths, des Wortbruchs haben die veröffentlichten Staatsschriften im wesentlichen, einen Punkt nach dem anderen fallen lassen. Nach diesem darf man daher die Hoffnung kühn aussprechen, daß, wenn dem Erzbischof nur einmal Richter und Gehör gestattet werde, sich auch andere, etwa noch bestehende Streit⸗ punkte, von denen man nichts Bestimmtes weiß, ausgleichen werden. Diese Angelegenheit hat eine allgemeine staatskörperliche Seite, sie be⸗ rührt durch die Form, in welcher sie behandelt worden, so nahe die Grundfesten der bürgerlichen Sicherheit und die Grund⸗Prinzipien un⸗ serer Rheinischen Gesetzgebung und Prozedur, daß sie unter diesem formellen Gesichtspunkt keinem der hier Versammelten gleichgültig seyn kann. Man spricht viel von diplomatischen Unterhandlungen, von Hoffnungen für die Beilegung des Streites; was wir darüber wissen, ist ungewiß, nur das ist gewiß, daß der Erzbischof 3 ½ Jahr seiner persönlichen Freiheit und Amtsthätigkeit beraubt ist. Und wie ist dann die Zeit seiner Verhaftung benutzt worden, um Beschuldi⸗ gungen und Verdächtigungen aller Art auf ein ehrwürdiges Haupt zu werfen. Ja sogar von den Staats⸗Behörden in Beschlag genommene Papiere haben anonvmen Verfassern dazu gedient, um die maßlosen Beschuldigungen zu mehren. Darum ist es kein Wunder, wenn so Viele über die Person des Erzbischofs sich in einem so un⸗ glaublichen Irrthum befinden. Darum sind wir so weit gekommen, daß selbst die rechtschaffensten und edelsten Gemüther das verletzte Recht über den Widerwillen an der Person vergessen können, und der Ge⸗ rechtigkeit Abstand genommen werden soll. Doch was ist hier Recht und Gerechtigkeit? Soll das Recht, das für jeden Bettler in Anspruch genommen werden kann, auf den Freiherrn von Droste etwa nicht an⸗ wendbar seyn, weil er ein katholischer Erzbischof ist? Darum ist der vorliegende Antrag ganz richtig gestellt. Wir sind von der Schuld⸗

1 7 3 2 8 E losigkeit unseres Erzbischofs überzeugt und glauben, daß kein einziger

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Klagepunkt mehr gegen ihn besteht, und darum hat der Auntrag den Gegenstand zwischen Recht und Rechtsverletzung so scharf gegeneinan⸗ der gestellt. Darum muß dem Erzbischof sein Recht widerfahren!“ Der Vorsitzende stellt die Frage: ob es die Ansicht des Red⸗ ners sey, den Punkt der revolutionairen Gesinnung fallen zu lassen (es muß hierbei bemerkt werden, daß der eben vernom⸗ mene Redner derjenige war, welcher den Antrag vieler⸗ Buͤrger der Stadt Koͤln zu dem seinigen gemacht hatte); derselbe erwie⸗ derte, daß er sich dem Antrag des ersten Antragstellers anschließe. Diese Erklaͤrung wurde acceptirt. Hierauf erwiedert der 8 Abgeordnete des zweiten Standes, welcher 8 reits in einem fruͤheren Vortrage ausfuͤhrlich 8 8. 99 S beziehe sich auf die in diesem Vortrage geaußerge, n. 12 8 vorliegende Frage nur nach Thats und Aktenstuͤcken beur⸗

achen er g theilt werden koͤnne, daß daher die in dem fraglichen Publikan⸗