1841 / 184 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

die Votirung der Adresse hatten die Kammern die Politik des bewaffneten Friedens anerkannt; diese Politik hat eine große Anzahl von Gesetz⸗Entwuͤrfen, die in der laufenden Session angenommen wurden, motivirt. f

In erste Reihe muͤssen die Gesetze uͤber die Befestigung von Paris, uͤber die Kredite fuͤr 1810 und 1841 und uͤber die oͤffent⸗ lichen Arbeiten gestellt werden. Diese Gesetze haben ein vollstaͤn⸗ diges Vertheidigungs⸗System organisirt. „Sie befriedigen unsere militairischen Interessen und fuͤllen eine Luͤcke aus, welche die Be⸗ schaͤftigung mit anderen Gegenstaͤnden zu lange hatte bestehen las⸗ sen. Zahlreiche Vertheidigungs⸗Arbeiten werden jetzt auf allen Punkten unseres Gebietes eingefuͤhrt und sind schon mit der Ka⸗ sernirung unserer Truppen, mit den noͤthigen Verbesserungen des Materials der Armee, mit der Befestigung unserer Graͤnzplaͤtze und der Hauptstadt begonnen worden. Das Gesetz uͤber die außerordentlichen Arbeiten, welches allein einen Kredit von 500 Millionen eroͤffnet, ist ein glaͤnzendes Zeugniß von dem Vertrauen, welches die Kammern zu den Huͤlfsmitteln des Landes und dem gegenwaͤrtigen Ministerium haben. An diesen in kluger Voraus⸗ sicht und mit weiser Liberalitaͤt bewilligten Ausgaben fuͤr die Vertheidigung des Staates hat unsere Kolonie in Algier einen reiflichen Antheil gehabt.

Unsere maritimen Interessen sind nicht vernachlaͤßigt worden. Unsere Flotten sind in einem befriedigenden Zustande. Die Ver⸗ besserungs⸗ und Vergroͤßerungs⸗Arbeiten werden in einer Anzahl von Haͤfen fortgesetzt. Die gegenwaͤrtige Session hat das Land mit einem Gesetze beschenkt, welches durch die Errichtung neuer Dampfboote unsere Beziehungen mit dem Orient erleichtern und beschleunigen wird.

Die Regierung und die Kammern haben, dem Grundgedan⸗ ken ihrer Politik gemaͤß, nicht ein ausschließliches System befolgt. Indem die Kammern das Zoll⸗Gesetz votirten, haben sie die libe⸗ ralen Ansichten der Regierung angenommen. Diese definitive Be⸗ staͤtigung solcher Bestimmungen, die jetzt durch die Erfahrung ge⸗ rechtfertigt sind, wird erlauben, auf demselben Gebiete an neue Verbesserungen zu denken, je nachdem die Zeit und eine gewissen⸗ hufte Untersuchung sie annehmbar werden erscheinen lassen. Die Annahme des Gesetzes uͤber die Arbeit der Kinder in den Fabri⸗ ken ist ebenfalls ein wahrhafter Fortschritt, eine wichtige Neue⸗ rung in unserm industriellen System, welche von der Theilnahme zeigt, die die Regierung der arbeitenden Klasse schenkt, und welche unsere Zeit in den Augen aller Freunde gesellschaftlicher Barm⸗ herzigkeit und einer gesunden Philosophie ehrt. h Das Gesetz uͤber die Expropriation zu allgemeinen nuͤtzlichen Zwecken, das uͤber die Verantwortlichkeit der Schiffs⸗Capitaine, das uüͤber die Auktionen, welches Mißbraͤuchen ein Ende machen wird, auf die mit so vielem Rechte von so vielen Kommissionen der Deputirten⸗Kammer aufmerksam gemacht worden ist; das Gesetz, welches die Finanz⸗Verwaltung der Kolonieen aͤndert und mehrere andere knuͤpfen sich ebenfalls aufs innigste an die Ent⸗ wickelung unserer landwirthschaftlichen, kommerziellen und mariti⸗ men Interessen. Hierin sind fuͤr das Land fruchtbare Keime des Wohlstandes, und fuͤr die armen Klassen Quellen der Arbeit, der Sittlichkeit und eines behaglichen Zustandes enthalten.

Ein Geist weiser Reform und Vorsicht charakterisirt die ganze Session. Der Gerichtshof des Seine⸗Departements ist organisirt worden. Das Gesetz uͤber die Immobiliar⸗Verkaͤufe hat aus un⸗ serer Gerichts⸗Praxis Veranlassungen zu Weitlaͤuftigkeiten und Verwickelungen entfernt. Abgesehen von seinen unmittelbaren BDoreheilen miiß dieses Gesetz cinein heilsamen Einfluß uͤben, indem es den Handels⸗Beziehungen groͤßere Aufrichtigkeit und bessere Buͤrgschaften verleiht, eroͤffnet es den Kapitalien einen sicheren Abfluß; es wird dazu beitragen, sie den schmachvollen Speculatio⸗ nen, uͤber die sich die öͤffentliche Stimme mit Recht in den letzten Zeiten beschwert hat, zu entfremden. Das Gesetz uͤber den Gene⸗ ralstaab der Flotte hat die Reform vollendet, welche mit dem Ge⸗ neralstab der Land⸗Armee begonnen wurde.

Indem wir uns sorgfaͤltig mit der Zukunft beschaͤftigten, ist V die Gegenwart nicht vernachlaͤssigt worden. Eine große Anzahl von Lokal⸗Gesetzen ist in dieser Session votirt worden. Sie wer⸗ den die innere Thaͤtigkeit und Entwickelung des Landes, die nuͤtz⸗ liche Verwendung der besonderen Huͤlfsmittel, in deren Besitz jedes Departement ist, beguͤnstigen. G

Durch so zahlreiche Resultate, von denen mehrere von solcher Wichtigkeit sind, haben die Kammern Anspruͤche auf die Dankbar⸗ keit des Landes erworben. Aber nicht bloß nach der Zahl und Wichtigkeit der Gesetze muß man eine parlamentarische Periode wardigen, sondern auch nach der Groͤße und Nuͤtzlichkeit der Er⸗ rterungen. Die Tribuͤne ist die Schule freier Nationen. Der besondern und unverzuͤglichen Wirkung der Gesetze geht die all⸗ gemeine und fortdauernde Wirkung der Eroͤrterungen vorher. Die parlamentarischen Debatten haben nicht bloß ein Votum zum Re⸗ sultat, sondern auch Verhaltungsregeln fuͤr die Regierung und Ueberzeugungen fuͤr das Land. Durch den Widerhall der Erdr⸗ terungen, durch die Macht der Tribuͤne, wenn sie recht angewen⸗ det wird, rechtfertigen und motiviren die großen Gewalten des Staates lhre Handlungen und ihre Politik. Dadurch wer⸗ den die Meinungen im ganzen Lande aufgeklaͤrt und be⸗ festigt. Wichtige Fragen sind in diesem Jahre vor die Kam⸗ mer gebracht worden; sie sind auf eine ehrenwerthe Weise eroͤr⸗ tert worden. Immer sind sie von den Mazjoritaͤten beider Kam— mern in einem den Principien des Ministeriums entsprechen⸗ den Sinne entschieden worden. Indem das Land sich zu dieser Eintracht der Staatsgewalten Gluͤck wuͤnschte, hat es die Schwere

der Opfer, welche die Umstaͤnde geboten, weniger gefuͤhlt. Was es vorzuͤglich sehn wollte und wozu es sich Gluͤck wuͤnscht, das ist der Charakter der Sicherheit und Dauer, den die ganze Session gehabt hat. Es hat mit Freude gesehn, daß die Juli- Regierung sich befestigt hat.

Die Staͤbilitaͤt der Gegenwart erzeugt Vertrauen zur Zu⸗ kunft. Man hat viel gethan, aber es bleibt noch Manches zu thun. Gewiß werden Interessen einer andern Art als die, welche in dieser Session die Oberhand gehabt haben, in der naͤchsten Session einen Platz sfinden und mit Rutzen gepflegt werden. Die Verbesserungen haͤngen zusammen, und eine folgt aus der andern. In einer Zeit und in einem Lande, wie das unsvige, ist der Fortschritt ein dauernder, wenn er nicht durch anarchische und unruhige Bewegungen gehindert wird.“

Da das vor einiger Zeit oͤfters verbreitete Geruͤcht von einer Auflbsung der Kammer sich augenscheinlich nicht bewaͤhrt at, so uͤben die Conjecturenmacher ihren Scharfsinn in neuen Minister⸗Combinationen. Da indeß das Kabinet die Session gluͤcklich uͤberwunden hat, so ist es hoͤchst unwahrscheinlich, daß es sich jetzt aufloͤsen werde. 828

Im Messager liest man: „Schon einmal haben wir in den bestimmtesten Ausdruͤcken das Geruͤcht widerlegt, welches ei⸗ nige Journale uͤber die Absicht des Ministeriums verbrestet ha⸗ ben, wonach dasselbe die Wirksamkeit der

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die Gesetze modifiziren wollte, welche sich guf Jury bef politischen Prozessen beziehen. Da

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der „Constitutionnell“ dieses Geruͤcht jetzt neuerdings wiederholt, so geben wir demselben abermals das vollstaͤndigste Dementi.

1 Die Absendung einer Deputation des Handelsstandes zu Metz an den Koͤnig von Holland veranlaßt die Presse zu sol⸗ genden Aeußerungen: „Wir wollen in keinem Falle die Einwoh⸗ ner von Metz tadeln, daß sie fuͤr ihr Interesse besorgt sind, und daß sie ihren Produkten einen leichtern Absatz zu eroͤffnen suchen. Es scheint uns aber nicht moͤglich, im ausschließlichen Interesse der Moselweine ein Amendement in den Traktat aufzunehmen. Wenn der Koͤnig von Holland sich zu einer Herabsetzung der Zoͤlle versteht, so muß diese Concession allen Weinbauern Frankreichs zu Gute kommen. Die Weinbergsbesitzer an der Mosel sind ohnedies schon in einer guͤnstigern Stellung. Sie haben in ihrer Naͤhe zwei herrliche Fuͤsse, welche mit geringen Kosten und in wenigen Tagen ihre Weine bis in das Perz Hollands bringen koͤnnen. Die Eigen⸗ thuͤmer des Suͤdens und des Suͤdwestens befinden sich in einer nicht so guͤnstigen Lage; sie sind vom Hollaͤndischen Markte ent— sernt, sie haben bedeutende Transportkosten zu tragen, ehe sie denselben erreichen. Diese Umstoͤnde sind schon so schlimm, man sie nicht noch durch Beguͤnstigungen, die ihnen nicht zu Gute kommen wuͤrden, erschweren darf. Wir wollen fuͤr Nie⸗ mand Privilegsen; der Koͤnig von Holland kann nicht mit dem Departement der Mosel unterhandeln, er unterhandelt nur mit Frankreich, und Frankreich, so glauben wir wenigstens, erstreckt sich etwas uͤber die Graͤnzen des alten Landes Messin hinaus.“

Gestern wurden die Arbeiten am Fort von Romainoille an den Mindestfordernden ausgeboten. Die Arbeiten umfassen 270,000 Metres Erd-Arbeit und 80,000 Metres Mauer⸗Arbeit. Von allen Forts, welche die fortlaufende Ringmauer beherrschen, sind

die Forts von Mont rouge und Vanvres allein noch nicht in Die zahlreichen Arbeiter, welche am

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Entreprise gegeben worden. Graben der Ringmauer im Bois de Boulogne und in der Ebene von Batignolles arbeiten, sind durch das 35. Linien⸗Regiment verstaͤrkt worden. Am weitesten vorgeruͤckt sind die Arbeiten am Fort von Alfort, welches die Haupt⸗Verbindungsstraßen von Paris beherrscht, naͤmlich die Straße nach Italien und nach der Champagne, die Seine und die Marne. Der Graben ist hier schon bis zur Hoͤhe des Bodens ausgemauert.

Die Regierung publicirt nachstehende telegraphische Depeschen: „Marseille, 28. Juni. Der Gesandtschafts⸗Secretair und Consulats-Verwalter an den Minister der aus⸗ waͤrtigen Angelegenheiten.

Alexandrien, 11. Juns. „Mehmed Ali hat den neuen Hattischerif gestern in feierlicher Weise bekannt machen lassen. Die Frage, wegen des Tributes, ist durch einen besondern Ferman geordnet, und man hofft hier, daß er noch einige Modificationen erleiden werde.“

„Marseille, 28. Juni. Der franzoͤsische Consul an den Minister der auswaͤrtigen Angelegenheiten.

Malta, 24. Juni. Der „Great⸗Liverpool“ ist gestern Abend mit dem Felleisen von Indien aus Alexandrien angekom⸗ men, das am 23. Mai aus Bombay abgegangen ist. Aus China wird nichts Neues gemeldet. Der Commodore Sir Georg Bre⸗ mer war am 8. Mai noch in Calcutta. Am 13. Juni fand in Kreta wieder ein Gefecht zwischen den Griechen und Tuͤrken statt, das aber nicht von Erfolg war. Der Admiral Stopford ist am 19. von Malta nach England abgegangen.“

Herr Persius, Königlich Preußischer Hof⸗Bau⸗Inspektor, ist, wie die hiesigen Blaͤtter melden, mit einer kuͤnstlerischen Mis⸗ sion hier eingetroffen. Denselben zufolge soll Herr Persius den Auftrag haben, die unter Ludwip Philipp vollendeten oder restau⸗ rirten Bauwerke zu besichtigen.

Ein Capitain der Nationalgarde, der sich gegen die Forti⸗ fication der Hauptstadt ausgesprochen und darum suspendirt wor⸗ den war, ist jetzt von seiner Compagnie zu erner Stelle hoͤhern Rangs gewaͤhlt worden. Man versichert, der Minister des In⸗ nern werde die Annulirung dieses Wahlacts fordern.

Man schreibt aus Bayonne vom 26. Juni: Auf Ersuchen der Spanischen Regierung hat

niedergelassen hatte, von dem Franzoͤsischen Ministerium die Wei⸗ sung erhalten, in einer Staͤdt im Innern seinen Aufenthalt zu nehmen.

Boͤrse vom 29. Juni. Die franzoͤsischen Renten eroͤffneten heute an der Boͤrse in einer sehr guͤnstigen Stimmung, in Folge der auf telegraphischem Wege eingetroͤsfenen Nachricht (s. oben), daß Mehemed Ali den Ferman des Sultans hat veroͤffentlichen lassen. Die steigende Bewegung war indeß sehr beschraͤnkt.

Paris, Juni. „Journal des débats,“ daß unser Kabinet den Kampf der Whigs nd Tories in England mit großem Interesse versolgt. Es buͤnscht, und mit ihm die ganze gouvernementale Partei, auf⸗ ichtig den Sieg der Tories, und das ist wohl zu begreifen. Ob⸗ leich man naͤmlich bei den Tories die gemaͤßigte Partei unter

29. Man sieht aus der Haltung des

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Kobert Peel, welche im Allgemeinen liberale Prinzipien nicht von

sich weist, von den Stock⸗Tories, wie Robert Inglis und Lord Lyndhurst, wohl zu unterscheiden hat, so kann man doch nicht segen, unsere Conservativen, welche vorlaͤufig nicht weiter, uüls die Juli⸗Charte mit den spaͤter durch die Erfahrung gebo⸗ tenen Restrictionen gehen, diese aber erhalten wollen, mit der Partei Robert Peels elwas gemein haͤtten. Denn die Sympa⸗ thie, welche in diesem Moment fuͤr die Tories herrsch⸗, kommt aus nen aͤhnlichen Tendenzen her, welche beide Parteien versolgen. Die Tories muͤssen im Bezug auf die aͤußere Politik, ihrer in⸗ zern Existenz wegen, conservativ sein, und deshalb ein inniges Verhaͤltniß mit einer Politik scheuen, welche sie auf ein Feld von Eroberungen und Ausdehnungen treiben und in Verwickelungen stuͤrzen koönnte, die der Zukunft Englands gefaͤhrlich werden duͤrf⸗ Man glaubt daher, daß die Tories gewiß die Bahn ver⸗ lähsen werden, auf der Lord Palmerston sich, durch die ihm nur zutleicht zugestandenen Erfolge verlockt, hat gehen lassen. Es ist demnach erklaͤrlich, warum sich das Französische Ka⸗ binet der Tory⸗Verwaltung zuneigt; aber man darf daraus keinesweges den Schluß ziehen, daß sich deshalb die alten innigen Verhaͤltnisse zwischen Frankreich und England wieder herstellen ließen. Denn Frankreich wird die Lehre nie vergessen, die ihm von Seiten Engfands am 15. Juli 1840 gegeben wurde. Auch wissen die Tories gar wohl, daß, wenn aguch der Herzog von Wellington sich immer als einen großen Verehrer des Koͤnigs gezeigt hat, das Franzöfische Ministerium nicht woͤrde umhin koͤnnen, sich fuͤr die, bei fast allen Parteien taͤglich offener aus⸗ gesprochene Richtung zu einer Continental⸗Allianz zu erilaͤren. Daher deuten Manche das Verfahren Lord Palmerstons in der ovi ntalischen Sache dahin, daß er die Verwickelungen im Orient dauern lasse, um die Spannung zwischen Deutschland und Frankreich so lange als möglich zu erhaͤlten, damit Frankreich von dieser Seite stets beschaͤftigt werde. Von den Tories weiß man auch, daß sie alle Conflikte nach außen so weit wie möglich bin⸗ aueschseben, um dee ungern Pewegungen in England zu berutzi⸗

Man

der Bischof von Pampeluna, welcher sich nach seiner Verbannung aus Spanien in Bayonne

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gen, aͤhnlich den Conservatisen in Frankreich, die ihre Haupt⸗ aufmerksamkeit auf das materielle wie intellektuelle Wohl des Landes richten, um sich der revolutionairen Tendenzen im Innern zu bemeistern. 8 †† Paris, 28. Juni. neue Schrift des Abbé La— menais, „Da Passé et de PAvenir du Peuple“, ist ihrem eigent⸗ lichen Zwecke nach nichts Anderes, als eine motivirte Verwahrung des Verfassers gegen den Verdacht, daß er zu der Parthei der Guͤtergemeinschaft hinuͤbergetreten sei. Man erinnert sich, daß⸗ ihm namentlich bei seinem letzten Processe der Vorwurf gemacht wurde, das Eigenthum anzugreifen und die Armen gegen die Reichen aufzureizen., Diese Anklage, welche durch die ihr folgende Verurtheilung bestaͤtigt zu werden schien, wird allerdings in der genannten Broschuͤre insofern widerlegt, als Hr. Lamennais darin als der waͤrmste Vertheidiger des individuellen Eigenthums auftritt, welches er fuͤr die unentbehrliche Grundlage der oͤkono⸗ mischen Verfassung jedes buͤrgerlichen Gemeinwesens erklaͤrt. Nicht minder wie gegen die Guͤtergemeinschaft ist Hr. Lamen⸗ nais gegen die von St. Simon, Owen und Fourier vor⸗ geschlagenen gesellschaftlichen und bdkonomischen Reformen, in denen er vor allen Dingen ein wahrhaft religibses und moralisches Ele⸗ ment vermißt. „Die bis jetzt vorgeschlagenen Mittel, sagt er, um das Problem der Zukunft des Volks aufzuloͤsen, laufen auf die Verneinung aller unentbehrlichen Bedingungen der Erxistenz hin⸗ aus.“ Leider bleibt auch die Kritik des Hrn. Lamennais bei der bloßen Verneinung stehen, statt sich bis zum positiven Gegen⸗ satze zu erheben, dessen Aufstellung man hier um so mehr zu er⸗ warten berechtigt war, als Hr. Lamennats schon seit mehreren Jahren das Elend der großen Menge und die Nothwendigkeit einer wirksamen Abhuͤlse zum Hauptgegenstande seines litterari⸗ schen Apostolats gemacht hat. Er deutet nur ganz im Allgemei⸗ nen an, daß diese Abhuͤlse in der Anwendung des Princips der Association zu suchen sei, ohne jedoch die mindeste Nachweisung daruͤber zu geben, wie er diesen Grundsatz versteht und wie er ihn in das oͤffentliche Leben uͤbertragen wissen will. Im Uebri⸗ gen beschraͤnkt sich Hr. Lamennais darauf, der leidenden Menge zuzurufen: „Ihr Proletarier, ihr Maͤnner aus dem Volke, glau⸗ bet wenn ihr leben wollt, glaubet und euer Glaube wird euch retten.“ Glaube, Ueberzeugung, Wille sind allerdings die noth— vendigen Voraussetzungen der Realisirung jeder wahrhaft großen Idee, allein sie machen Einsicht und Plan keinesweges entbehr⸗ lich. Wenn die politische Speculation sich darauf beschraͤnkt, Probleme aufzustellen, so laͤßt sie den schwersten, aber auch den schoͤnsten Theil ihrer Aufgabe unerfuͤllt. So das Buch des Herrn Lamennais, welches höchstens die Haͤlfte dessen erfuͤllt, was es verspricht.

Der ziemlich bekannte democratische Schriftsteller Hr. Schel— cher, welcher vor ungefaͤhr anderthalb Jahren nach Westindien reiste, um die Sclavenfrage an Ort und Stelle zu studiren, ist mit einem reichen Material zur Rechtfertigung einer unmittelbaren Emancipation zuruͤckgekehrt. Da auch der mit ganz entgegen⸗ gesetzten Ansichten und Zwecken nach den Antillen gegangene Hr. Granier de Cassagnac binnen Kurzem zuruͤckkommen muß, so darf man einer lebhaften Controverse uͤber die Sclavenangele⸗ genheit entgegen sehen. Indessen bei dieser Streitfrage, die frei⸗ lich fuͤr Vernunft und fuͤr Moralgefuͤhl nie eine Streitfrage ge⸗ wesen ist, sind die Sympathien der Regierung und die Wuͤnsche der dffentlichen Meinung auf derselben Seite, und so ist deren praktische Entscheidung nicht zweiselhaft. Nur die Verlegenheit des franzöͤsischen Schatzes koͤnnte die endliche Aufhebung der Sch verei in den franzoͤsischen Colonien noch einige Zeit verzoͤgern

nachdem deren Nothwendigkeit von allen Seiten, außer von der V groben Selbstsucht der Betheiligten und von einer gewissen Par⸗ (thei, welche in jedem Privilegium ein heiliges Recht sieht, aner⸗ kannt worden ist.

befuͤrchtet fuͤr den bevorstehenden August eine neue Schilderhebung der carlistischen Parthei in Spanien. Die Pro⸗ clamation, durch welche Don Carlos seinen ehemaligen Soldaten, in Folge des Aufhoͤrens der ihnen ansaͤnglich von Frankreich gege⸗

[ͥ·/X Die

2 4 benen Unterstuͤtzung, erlaubte, nach Spanien zuruͤckzukehren, ist zu—

ruͤckgenommen worden, und die Heimwanderungen haben in der That seit einigen Wochen gaͤnzlich aufgehoͤrt, obgleich sich noch mehr als zehntausend Soldaten im Lande befinden, welche in der Amnestie der Madrider Regierung begriffen sind. Die Zahl der von derselben ausgeschlossenen Officiere wird auf fuͤnftausend an⸗ gegeben, und man begreift, daß die persoͤnlichen Wuͤnsche und Be⸗ duͤrfnisse dieser Maͤnner, auch ganz abgesehen von Meinungs interessen und politischen Leidenschaften, sie zu jedem, wenn auch noch so gewagten, Unternehmen bereit machen. Der Praͤtendent selbst scheint bei den Intriguen seiner Parthei nur eine unterge⸗ ordnete Rolle zu spielen, und sein aͤltester Sohn soll bestimmt sein sich an die Spitze des neuen Aufstandes zu stellen. Großbritanien und Irland.

London, 29. Juni. Die Koͤnigin hielt gestern heimeraths⸗Versammlung, in welcher Herr For Maule, der neue Bicepraͤsident der Handelskammer, bisheriger Unter⸗Staatssecre⸗ talr im Ministerium des Innern, als Mitglied des Geheimen Raths vereidigt und zugleich zum Praͤsidenten des Geheimenrath Ausschusses fuͤr die Handels- und Kolonial⸗Angelegenheiten er⸗ nannt wurde.

Lord Cambpell ist am Sonnabend nach Dublin abgereist,

seine richterlichen Functionen als Lord⸗Kanzler von Irland anzutreten.

Die Wahl in der City begann gestern, und die verlaͤufige Abstimmung durch Haͤnde⸗Aufheben fiel nach der Erklarung des praͤ⸗ sidirenden Sherifs zu Gunsten aller vier ministeriellen Käaͤndida⸗ ten, Lord John Russell, Sir M. Wood, der Herren Pattison und Crawsord, aus; die Gegner derselben, die Herren Lyall, Ma⸗ stermann, Attwood und Pirie verlangten darauf die schriftliche Abstimmung im Einzelnen, die heute um 9 Uhr Morgens beg nn und um 4 Uhr beendet war. Das Resultat derselben wird von den Abendbläaͤttern in einer zweiten Auflage mitgetheilt, ist aber, je nach ihrer Parteifarbe, sehr verschieden. Gewiß scheint nur die Erwaͤhlung des Whig Sir M. Wood und des Tory H errn Lyall, denen Whigs und Tories uͤbereinstin mend die groͤßte Majeritaͤt zuerkennen; wahrscheinlich wird von den beiden Kandidaten, denen demnaäͤchst die groͤßte Stimmen⸗ mehrheit zugefallen, der Eine ein Whig, der Andere ein Tory seyn. Die ministeriellen Blaͤtter erklaͤren die Erwaͤhlung Lord John Russell's als gewiß, waͤhrend ihn die Tories unter die vier Kandidaten klassifiziren, welche die wenigsten Stimmen er⸗ halten haben. Das Resultat der

Wahl soll offiziell erst mor— gen um 2 Uhr Mittags bekannt gemacht werden. Es hat uͤbri⸗ gens die groͤßte m

5 Ordnung bei dieser Wahl geherrscht. Die erste vollkommen beendigte und offiziell bekannte Wahl, die von South⸗ wark, ist gestern zu Gunsten der ministeriellen Kandidaten, Alder⸗ man Humphery und Herrn Woed, ausgefallen, da sich kein Terye⸗Kandsdat gemeldet hatte, Ueber das wahrscheinliche Resul⸗

um

tat der Wahlen in den Preosvinzen laͤßt sich natuͤrlich noch kein bestimmtes Urtheil saͤllen. Nach einer Liste, die der ministerielle Globe mittheilt, fallen indeß an anderen Plaͤtzen die Wahlen nicht so guͤnstig fuͤr die Reformer aus. Von 34 ge⸗ waͤhlten Mitgliedern, welche diese Liste angiebt, sind naͤmlich nur 11 Antimonopolisten und 23 Monopolisten, und es zeigt sich im⸗ mer klarer, daß die Staͤrke der Tories im eigentlichen England zu suchen ist, waͤhrend Irland und Schottland eine Majoritaͤt von liberalen Parlamentsmitgliedern stellen werden. Bon den Graf⸗ schaften werden fast lauter Tories gewaͤhlt, denn als Paͤchter stehen die Waͤhler in einer abhaͤngigen Stellung zu den Grundbesitzern. In den groͤßeren Staͤdten praͤdominirt die Mittelklasse, und der Fabrik⸗Arbeiter ist hier so abhaͤngig vom Fabrikanten, wie der Paͤchter vom Grundbesitzer. Die Waͤhler in den kleineren Flecken folgen den verschiedensten Beweggruͤnden, und oft entscheidet hier die Bestechung. Am gewoͤhnlichsten ist es, daß ein Mann in ei⸗ nem solchen Flecken viele Haͤuser an sich kauft, so daß viele Waͤh⸗ ler seine Miethsleute werden; auf diese Art giebt es dann soge⸗ nannte Taschen-Flecken, wie Sir Robert Peel einen solchen an Taͤmworth besitzt. Die Kandidaten fuͤr Tamworth sind außer dem Sir Robert Peel, der Capitain A'Court und der Capitain Townshead.

Sir Francis Burdett, der in Westminster den konservativen Parlaments⸗Kandidaten Capitain Rous aufs angelegentlichste un⸗ terstuͤtzt, hat sich in einer Rede an die Waͤhler uͤber die ministe⸗ riellen Handelsreformen folgendermaßen geaͤußert:

„Was die Zulassung von Getraide betrifft, so ist die Agitation, welche man in allen Theilen des Landes zu erregen versucht hat, offen⸗ bar fehlgeschlagen. Diese Frage wurde nur als Streitroß voegebracht,

darauf einen zur Niederlage sich eignenden Kampf auszufechten. Ihr Plan war eine gemeine Taͤuschung, aber er ist mißlungen. Diese Veraͤnderung in dem Systeme unserer Koengesetze ist in de? That ein dem Berstande des Volkes gebolener Schimpf. Denn sie gehen

icht auf das ganze Korn⸗System ein, sondern behaupten, daß die ganze Fabrik⸗Noth und Handels⸗Verlegenheit in Folge der geringen Quantitaͤt Getraide, welche untes ihrem Systeme von den fremden Maͤrkten wuͤrde eingefuͤhrt werden, verschwinden werde. Ich habe schon im Unterhause gesagt, der Unterschied, den ihr Vorschlag machen werde, sey so gering, daß die Sache gar keine Beachtung verdient. t uͤber ausgedruͤckt; kann aber wohl irgend Jemand glauben, daß die von den Ministern vorgeschlagene Veraͤnderung dem jetzigen Man⸗ gel und Elend der niederen Klasse ganz abhelfen wuͤrde? Haben die Whigs in der ganzen Zeit, wo sie am Ruder waren, etwas dan ernd Gutes gestiftet? Sie wußten ihren Maßregeln schoͤne Namen zu geben, und dies war die Haͤlfte ihres Thuns.“

Die auswaͤrtige Politik der Minister schilderte Sir Francis Burdett als eben so ungluͤcklich wie die innere, indem er sagte:

„Sie Alle kennen unsere jetzigen Verhaͤltnisse zu China. Haͤtte die Regierung die Sache der Ostindischen Compagnie uͤberlassen, so wuͤrde es nie zu dem Unheil und der Schmach gekommen seyn, die wir dort erlitten haben. Die Maͤrkte von Mittel⸗Asien sind den Englischen Waaren und Fabrikaten verschlossen worden, weil Ruß land sich der Haͤfen an der Kuͤste von Tscherkessien auf einer Strecke von 300 Englischen Meilen bemäaͤchtigt hat, wozu es kein groͤßeres Recht hatte, als zur Blokirung der Kuͤste von Cornwall. Englische Kaufleute sind gepluͤndert, die Englische Flagge ist beschimpft, das gute Vernehmen zwischen Frankreich und England, von welchem der Welt⸗Frieden abhaͤngt, ist durch die verkehrte Diylomatie der Mini ster ernstlich gefaͤhrdet worden, und so war die letzte Handlung ihrer auswaͤrtigen Politik ihrem ganzen uͤbrigen Benehmen daheim und im Auslande gleich, eben so ruͤcksichtslos, gleichguͤltig, unbeson nen und thdricht.“

Die Times zieht gegen den neuen Ferman des Sultans scharf zu Felde und behauptet, daß die Ponsonby⸗Palmerstonsche Politik gerade dasjenige herbeifuͤhren werde, was der Juli⸗Vertrag habe verhindern sollen, naͤmlich eine Rufftsche Intervention, da die Pforte selbst nicht im Stande und keine andere Macht geneigt sey, Mehmed Ali zur Annahme von Bedingungen zu zwingen, welche uͤber den Juli⸗Vertrag hinaus gingen. „Jedem der Hat⸗ tischerif,“ sagt dieses Blatt unter Anderem, „dem Pascha von Aegypten die erbliche Nachfolge in maͤnnlicher Linie bewilligt, haͤngt er zugleich diesem Gunstzeichen allerlei Stipulationen an, die eben so belaͤssigend in ihrem Geiste sind, als sie es in der Ausfuͤhrung seyn wuͤrden. Der Hauptgrund aber, warum uns dieser Ferman denselben Tadel zu verdienen scheint, wie der Hattischerif vom Monat Februar, ist der, daß die Annahme desselben von Seiten Mehmed Ali's nicht im geringsten wahrscheinlicher ist.“ (Man vergleiche dagegen die telegraphischen Depeschen oben unter Paris.) Der Globe eroͤrtert das Irrige dieser Angaben, die offenbar nur aus Aegyptischen Quellen geflossen seyn koͤnnten, und fuͤhrt das Wort zu Gunsten der Pforte, welche die Unruhen in Bulgarien bereits unterdruͤckt habe und die Bewegungen auf Kandien trotz aller Intriguen Franzoͤsischer, Griechischer und Aegyptischer Agen⸗ ten bald unterdruͤcken werde. Durchaus ungegruͤndet sey es, daß der Sultan Syrien nicht behaupten koͤnne, und was die Reduc— tion des Aegyptischen Heeres auf 18,000 Mann betreffe, so finde man jetzt schon keine 18,000 Mann in Aegypten, die den Namen Soldaten verdienten.

Die Irlaͤndischen Arbeiter zu Hyde und Stockport haben in diesen Tagen argen Unfug getrieben. In Hyvde rannten sie am 19ten d. in großen Haufen durch die Straßen und riefen: „Es lebe O'Connell! Fort mit den Englaͤndern!“ Die Hauptperson bei diesem Aufstand war ein Arbeiter, Namens Patrick Collog⸗ han. Die Polizei, von einem Detaschement Truppen unterstuͤtzt, war ihm entgegengezogen, und nachdem die Hauptstraßen umzin⸗ gelt worden, entstand ein Gesecht, worin verschiedene Irlaͤnder verwundet wurden. Viele andere wurden eingezogen, von dem Magistrat verhoͤrt nnd einstweilen nach dem Gefaͤngniß von Runtsford abgefuͤhrt. Zu Stockport fanden am 8ten aͤhnliche Unruhen statt; ein Trupp Irlaͤnder, mit Stoͤcken bewaffnet, ver⸗ anlaßte ein Gefecht, in welchem von beiden Seiten einige Per⸗ sonen verwundet wurden. Die Polizei konnte die Ordnung nur mit der groͤßten Muͤhe wieder herstellen. Am 21sten kamen dann die Chartisten zu Stockport in großer Anzahl an ihrem gewoͤhn⸗ lichen Versammlungsort zusammen, durchliefen die Straßen und zerschlugen die Fensier im Quartier der Irlaͤnder. Die Behoͤr⸗ den siellten die Ruhe aber wieder her. Aus Canada wird gemeldet, daß die Gesundheit des Gene⸗ ral⸗C onverneurs, Lord Sydenham, sich bedeutend gebessert habe, 1 daß derselbe, wie man erwartete, unverzuͤglich von Montreal 2e eh nhze gbgeben werde. New⸗Yorker Blaͤtter meinen, daß setzen, sonbet . engng⸗ eines zweiten Kanadischen Winters aus⸗

Soehs ach England zuruͤckkehren und, wie es heiße, Sir Geohae c rey zum Nachfolger erhalten werde.

„Der zu Sierra Leona gestorbene Gouverneur dieser Kolonie war nicht Sir John Jeremie, sondern Herr Macle der Wit⸗ wer der bekannten Scehriftstellerin Weiß lardeDallean, der Tit⸗ Tod, kurz nach ihrer Vermahlung, vor zwen IFüheeer n blöslichen sehen machte, n3, vor zwei Jahren so viel Auf⸗

v. London, 29. Juni. ist voruͤber. Dieser Bezirk hat bekanntlich 4 Vertreter ese

waren im letzten Parlament alle Liberale; 1 b b 1 b 4 und jetzt . den oiten Vertretern verworsen, und zwei Torie⸗ sind fweh von

I. . 8 1““ Die Wahl in der Londoner Inxgan

Herr Labuchere hat sein Erstaunen hier⸗†

af deren Stelle V

807 gewaͤhlt worden. m den viel mehr als 12,000 ihre Stimmen gegeben zu haben; aber der

Kampf war so sehr Mann gegen Mann, daß zwischen Russell,

dem Hoͤchsten in der Liste, und Pirie, dem Niedrigsten, nur 377, und zwischen Lyall, dem Niedrigsten von den Gewaͤhlten, und Pat⸗ tison, dem Hoͤchsten von den Verworfenen, nur 23 Stimmen stehen. Die Sache ist, daß jede Partei eine Anzahl Stimmen gekauft hatte (fuͤr manche soll 50, fuͤr einige sogar 100 Pfund und mehr gegeben worden seyn) und diese brachten die beider⸗ seitigen Ausschuͤsse von Stund zu Stunde herbei, e nachdem sie deren bedurften und ihnen zu Gebote standen. Am Schlusse kam es dann auf die Geldmittel oder die Geschicklichkeit der Agenten an, welche jede besaß. Indessen ist nicht zu bezweiseln, daß fuͤr die Tories das Erkaufen von Stimmen unter den aͤrmeren Zunft⸗ genossen, welche sich am gewoͤhnlichsten zu diesem schmaͤhlichen Han⸗ del verstehen, dadurch um vieles erleichtert ward, daß diese diesel⸗ ben als ihre Freunde und Beschuͤtzer und 5

ner ihrer Privilegien betrachten. Denn ohne den Schutz der Tories haͤtten bei der Corporations⸗Reform, die, welche das Wahl⸗

dasselbe eingebuͤßt. Dann ist es auch dieselbe Klasse Leute, welche, da sie fuͤrchten muͤssen, fruͤher oder spaͤter cinmal Paupers zu wer⸗ den, die heftigsten Gegner der neuen Armen⸗Einrichtung sind; auch find sie sehr eifersuͤchtig auf jeden Eingriff in ihr Zunstwesen, deren die Whigs doch man Hen versucht haben. Aber wie dem auch sey, die Tories haben einen wichtigen Sieg davon getragen, und su⸗ chen denseiben noch zu vergroͤßern, indem nach ihren Angaben (die ich diesen Augenblick erhalte) Lord Russel ebenfalls verworfen, und von ihrer Partei drei gewaͤhlt worden. Es koͤnnte freilich auch ein Rechnungs⸗Fehler von ihrer Seite seyn, oder die Whigs haͤtten ei⸗ nen solchen gemacht, oder sich dasjenige zu Schulden kommen lassen, was sie ihren Gegnern zur Last legen. Die offizielle Bekannt⸗ machung der Zahlen findet erst morgen um zwei Uhr statt, und

inzwischen haben beide Theile Gelegenheit, ihre Angaben durch

die heutige Post im Lande zu verbreiten, und bei den vielen Wah⸗ len, welche morgen und uͤbermorgen in den Staͤdten stattfinden werden, irgend einen Vortheil davon zu ziehen.

Mehrere Wahlen, wo keine Konkurrenz vorhanden war, sind schon gestern abgethan worden, und bei einer Aufzaͤhlung der be⸗

reits hier bekannten zeigt es sich, daß von diesen 23 Tories und

nur 11 Whigs sind, freilich ein Beweis, daß die Gaͤhrung, welche wegen der Getraide⸗Gesetze erregt worden, nicht sehr weit um sich gegriffen hat. Denn selbst in so bedeutenden Staͤd⸗ ten, wie Warwick und Norwich, wagte es kein zweiter Whig dem vorigen Vertreter von der Tory-Partei, welcher in jeder dieser Staͤdte die Vertretung mit einem Whig theilte, streitig zu machen. Freilich herrscht in Warwick der Einfluͤß des Grafen dieses Na— mens, der einen großen Theil der Stadt besitzt, vor, und in Nor⸗ wich giebt es viele bestechliche Zunftgenossen von der obenbeschrie⸗ benen Art und noch mehr wuͤthende Chartisten. Bei der Aufre⸗ gung fuͤr die Parlaments⸗Reform jedoch wurden alle diese per⸗ soͤnlichen Interessen und eigenthuͤmlichen Verhaͤltnisse mit fortge⸗ rissen. Unter den Gewaͤhlten befindet sich der Minister des Schatzes fuͤr Portsmuth, und Lord Palmerston fuͤr Tiverton. Die bedeutenden Tories unter denselben sind Sir James Gra⸗ ham, Lord Mahon und Sir E. Sugden. Unsere Zeitungen lie⸗ fern eine Menge Reden, welche von Kandidaten bei Gelegenheit der Ernennung gehalten worden, aber bei dieser Gelegenheit ist der Laͤrm fast immer so groß, daß man sein eigenes Wort nicht hoͤren kann, und jeder Bericht muß daher hoͤchst unvollkommen seyn. So ging es gestern in der City und heute in Westminster, und ich wundre mich nur, wie die Berichterstatter so viel zusammen⸗

bringen konnten als man in den heutigen Zeitungen davon liest. Diese

Ceremonie, welche fuͤr jedermann beschwerlich ist und durchaus nichts nutzt, oft aber (wie gestern in Nottingham geschehen, wo Chartisten die Gegner se berittene Landleute mit Knitteln unter dem Volke gewuͤthet und zwei getoͤdtet und mehrere verwnndet haben sollen) zu Mord und Todtschlag fuͤhrt, koͤnnte eben so gut unterbleiben. Die Maffe,

welche die Waͤhler vorstellt, wird aufgefordert durch Aufhebung

der Haͤnde ihren Willen zu erkennen zu geben. Sind der Can⸗ didaten nur so viele als Repraͤsentanten zu erwaͤhlen sind, so ist die ganze Handlung uͤberstuͤssig; sind deren mehr, so fordern die⸗ jenigen, welche fuͤr verworfen erklaͤrt worden, daß die Waͤhler einzeln ihre Stimmen geben Ctechnisch Poll genannt) und die Entscheidung koͤmmt nur erst durch diese.

Unsere Blaͤtter theilen inzwischen die Rede mit, welche Sir Robert Peel gestern an seine Waͤhler zu Tamworth, eigentlich aber an die Nation gehalten, welche besonders in den Tory⸗Blaͤttern so vollstaͤndig erscheint, daß man fie fuͤr ein mitgetheiltes Glau⸗

bens⸗Bekenntniß ansehen moͤchte, wenn nicht zu erwarten stuͤnde,

daß ein Gutsherr in einer Stadt, die fast ganz sein Eigenthum ist, und wo er sich persoͤnlich beliebt zu machen gewußt, in ziem⸗ licher Stille angehoͤrt werden muͤßte. In Bezug auf die Vor⸗ schlaͤge derMinister sagte er zwar nichts Anderes, als was er schon im Parlamente gesagt hatte, nur daß er weniger fuͤr die Erwar⸗ tung Raum ließ, als gedenke er spaͤter dieselben oder doch aͤhnliche Veraͤnderungen vorzuschlagen, wenn er auch beim Getraide die auf⸗ und abgehende Skala beibehielte. Ueber das Armengesetz schwieg er ganz. Aber desto entschiedener war er in seiner Erklaͤrung, daß er nie in die Wiederguslegung der alten Zwangsgesetze auf die Katholiken willigen wuͤrde, (wie manche Zeloten von ihm zu er- warten vorgeben), den Protestantischen Nonconformisten aber alle Duldung und selbst Erleichterung zu gewaͤhren bereit sey. Er ver⸗ sicherte, dies sey nicht nur seine Gesinnung, sondern auch die der ganzen großen conservativen Partei, welche mit kaum 10) Mit⸗ gliedern angefangen, jetzt deren 30) umfasse, im Land einen so großen Anhang habe und ihn mit ihrem Vertrauen beehre. Sie sey (was man doch mit gutem Rechte bezweifeln darf) hierin ganz einig, die Grundlagen der Monarchie und der Kirche zu behaup⸗ ten, sonst aber bereit jede billige Beschwerde abzustellen und nicht mehr an Formen zu kleben, welche ihren Rutzen uͤberlebt. Da⸗ bei beschwerte er sich uͤber das Versahren der ministeriellen Jour⸗ nale, welche ihm durchaus als seine Gesinnungen aufbuͤrden wollen, was irgend einer von seiner Parthei sagen koͤnnte; er meinte, ein solches Sysitem ließe sich eben so billig gegen das Whigministerium anwenden, wie auch in der That taͤglich geschieht. Beide Theile haben auch in so weit recht, daß ein Ministerium, dem nicht eine gewisse Mehrheit gleichgesinnter Deputirter zu Gebote steht, immer mehr oder weniger den Zeloten seiner Partei zu Gefallen leben munß. Die Conservativen hegen jedoch die Erwartung, daß dieses jetzt bei ihnen der Fall seyn werde. Gleichwohl wuͤrde Peel immer sich auch auf die Bethuͤlfe der Whigs verlassen muͤssen, wenn er wirk⸗ lich liberale Maßvegeln durchsetzen will. Aber. es ist gar nicht un⸗ moͤglich, daß ihm mehrere von dieser Partei, wenn er Minister wuͤrde, ganz und gar zusallen. 1

Niederlande. ö111“¹“ Amsterdam, 22, Juni. Heute Margen wurde dem

Von den 16 bis 18,000 Waäͤhlern scheinen nicht Wittwe Borski hieselbst von heute an Zeichnungen

die Whigs als die Geg⸗

recht bloß als Zunftgenossen und nicht als Hauswirthe besitzen,

elbst mit blanken Waffen angefallen und

biesigen Hahdefsstande bekahnt gemgcht, daß im Lemfeir der f 7 1 E*Ff 8 Aii. IFrrh baihs

auf 8 Milli nen Silber-Rubel, als Rest der durch Ukas vom 9. Juli 1840 eroͤffneten Russischen Anleihe von 25 Millionen, angenommen werden, und zwar zu 87 ½ pCt. oder 875 Gulden Holländ. fuͤr 500 Silber⸗Rubel, in 4 Terminen einzuzahlen, naͤmlich 1% am 15. Juli 1841, verzinslich vom 1. Mai 1811 ab; am 86. August 1841, verzinslich vom 1. Juni 1841 ab; mam 15. September 184, verzinslich vom 1. Juli 1841 ab, und mam 15. October 1841, verzinslich vom 1. August 1811 an. Die drei letzten Termine koͤnnen auch, alle oder zum Theil, fruͤher eingezahlt werden mit so viel fruͤherm Zinsgenuß.

Deutsche Bunbesstaaten.

Haunnover, 1. Juli. Die Hannoversche Gesetz⸗Samm⸗ lung enthaͤlt nachstehende Koͤnigliche Verordnung uͤber die fuͤr das Jahr vom 1. Juli 1841 bis dahin 1842 zu erlegenden Steuern:

„Ernst Angust, von Gortes Gnaden Koͤnig von Hannover, Koͤniglicher Prinz von Großbritannien und Jeland, Herzog von Cumberland, Herzog zu Braunschweig und Luͤneburg ꝛc. ic. Da Wir Uns veranlaßt geschen haben, die am 2. Juni d. J. zusammen getre tene allgemeine Staͤnde⸗Versammlung des Koͤnigreichs unter dem heutigen Tage wiederum aufzuldsen, und die von Uns bei ihr in Antrag gebrachten Stenern nicht bewilligt sind; so sind in Gemaͤßheit des §. 155 des Landes⸗Verfassungs⸗Gesetzes vom 6. August 1840 die bisherigen Steuern noch ein Jahr vom Ablaufe der letzten von den Staͤnden ausdruͤcklich ausgesprochenen Bewilligung an, also vom 1. Juli 1841 bis zum 20. Jüni 1812, unveraͤndert fortzuerhe⸗ ben. Demgemaͤß sind die Geundsteuer, die Haͤusersteuer, die Perso⸗ nen⸗, Besoldungs’, Gewerbe⸗ und Einkommen⸗Steuer, die Stem⸗ velsteuer, die Salzsteuer, die Brennsteuer, die Biersteuer, die Ein⸗ gangs-, Auzsgangs⸗ und Durchgangs⸗Abgaben, der Mahl⸗ und Schlacht⸗Licent, und die Neben⸗Abgaben der Steuern, nach Maß⸗ gabe der bestehenden Gesetze und Verordnungen fuͤr das Rechnungs⸗ jahr vom 1. Juli 1841 bis dahin 1812 an die zu deren Erhebung angeordneten Recepturen zeitig zu entrichten. Die gegenwaͤrtige Verordnung soll durch die erste Abtheilung der Gesetzsammlung zur allgemeinen Kunde gebracht werden.

Hannover, den 30. Juni 1841. Ernst August. G. Frhr. v. Schele. Den Protokoll⸗Ertrakten zufolge ward in der Sitzung der ersten Kammer vom 14. Juni uͤber das die Rechtsverhaͤltnisse der Juden betreffende Gesetz schließlich abgestimmt und dasselbe von 38 gegen 8 Stimmen angenommen. Unter densenigen, die dagegen stimmten, besand sich ein Mitglied, welches sich gegen das Gesetz erklaͤrte, weil es den concküdirten §. 5. rüͤcksichtlich der Ablosungen des Schutzgeldes, das die Landeskasse nicht uͤbernehmen soll, unausfuͤhrbar erachtete, und ein anderes, weil es in dem Gesetze keine wesentliche Erleichterung der Juden fand. Die Landestrauer ist auf sechs Wochen, und zwar bis zum 10. August festgesetzt worden. LE1““

Besterreich. 8

Wien, Juni. Das neue Staats⸗Anlehen im Betrag von 38 Millionen Gulden C. M. in fuͤnfprocentigen Metallique⸗ Obligationen ist nun mit den vier ersten hiesigen Bankiers zu dem Preise von 101 abgeschlossen worden. Dieser Preis gestaltet sich jedoch durch die den Contrahenten zugestandenen Interessen⸗Be⸗ nesicien fuͤr diese um einige Procente wohlfeiker. Den schon be⸗ kannten weitern Bedingungen ist nur noch beizufuͤgen, daß die Einzahlungen des Betrags der neuen Anleihe von Seire der Con⸗ trahenten in 22 Monatsfristen zu geschehen hat.

Grätz, 20. Juni. (A. Z.) In diesen Tagen ist, gleich nach der Ruͤckkehr des Gouverneurs der Steiermark, Grafen von Wickenburg, der hieruͤber die noͤthigen Anfragen in Wien gestellt, von Sr. Kaiserl. Hoheit dem Erzherzog Johann der Beschluß gefaßt worden, die Versammlung der deutschen Naturforscher fuͤr

das naͤchste Jahr nach Graͤtz einzuladen.

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28 1 Spanien. . Madrid, Juni. Der Regent von Spanien hat auf das (in Nr. 144 der Staats⸗Zeitung mitgetheilte) Gluͤckwuͤn⸗ schungs⸗Schreiben, welches der Infant Don Francisco de Paula an ihn gerichtet hatte, folgende Antwort ertheilt: Durchlauchtigster Herr! Die Gluͤckwuͤnsche, welche Ew. Durch⸗ laucht geruht haben, von Paris aus am 21sten d. M. zu richten, er⸗ fuͤllen mein Herz mit der lebhaftesten Dankbarkeit fuͤr die Guͤte Ew. Durchlaucht Ich verdanke Alles dem Edelmuth der Spanier; mehr noch ihren Tugenden und ihrer Tapferkeit, als meinen Anstrengungen ve dankt das Vaterland das Gluͤck, das es genießt: das Ende des un⸗ seligen Buͤrgeckrieges; zu schen, der es verzehrte. Mir dem Frieden wird, Durchlauchtigster Heer, ich hoffe es wenigstens, die oͤffentliche Verwaltung regelmaͤßig geordnet werden: denn die Einheit, die Ein⸗ tracht und die Harmonie dee Staaten werden aus den Huͤlfsmitteln, den Talenten und der Macht, welche man mit dem Frieden erlangt⸗ hergeleitet. Reich und in Frieden wird die Sranische Nation ihren polirischen Einfluß erlangen: sie verdient maͤchtig zu seyn, wie sie es schon war, wie sie es wieder seyn wird. Ich baue diese schmeichel hafte und troͤstende Hoffnung auf ein edles Volk und eine kriegerische Alrmec, die frei seyn wollen, die wollen, daß man ihre Rechte achte, die ihre Koͤnigin lieben, ihre Prinzen verehren; die Gesetze beobachten und den konstitnirten Autoritaͤten gehorchen. Dies ist der Iweck, auf den ich hoffe, und so lange ich die eeste Magistratue des Kdnigreichs, welche der Wille der Coctes mir zu uͤbertragen gcruht hat, behalte⸗ werde ich, um ihn zu ecreeichen, alle Anstrengungen anwenden. Indet wollen Ew. Durchlaucht, nach der Ehre, die mir der erlauchte Shein, meinee Koͤnigin erzeigt hat, guͤtigst erlauden, die aufeichtigüen Dank⸗ sagungen fuͤr die mir gewaͤhrle Auszeichnung zu bringen; Sie wer⸗ den mie erlauben, zu crkläcen, wie sehe ich die hohen Meinungen des edelmuͤthigen Patrioten und des erlauchten Fuͤrsten schätze, an dessen Wohl, so wie an jenem seiner eelauchten Familie, alle Spanier und ich selbst cinen so lebhaften Antheil nehmen. 1 Der Herzog von Vietoria.“ Die „Hoszeitung“ publicirt ein Dekret, welchem zufolge die unverzinsliche, seit dem 1. Maͤrz 1836 liquidirte Schuld m je⸗ der Ruͤcksicht der vor dieser Periode liquidirten Schuld dersel⸗ ben Klasse gleichgestellt werden soll.

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veues

Ergebniß der am Ende des Jahres 18410 vollzogenen Zählung der Einwohner des 0 Preußischen Staats. eSc Naͤch der am Ende des Jahres 1840 in soͤmmtlichen acht Provinzen des Preußischen Staats vollzogenen Zaͤhlung enthielt derselbe Einwohner jedes Standes und Alters g in den Regierungsbezirken v“ Gumbinnen. anzig 3866,683 Marienwerder 8649,697 Also in der Provinz Preuken, Posen ,, 924,875 Dremberg. vnnenn 4049⁷0. 8 TProul Jz 19 mM der Provint Pese-

796,066

2232 597,7 25

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