Menschen, und die Macht⸗Inhaber sind natuͤrlich in steter Kolli⸗ jon mie Koͤrperschaften wie mit Individuen.“ ¹ Die Stelle in der von Sir R. Peel zu Tamworth gehal⸗
tenen Rede, wo er sagt, die Franzoͤsische Revolution von 1830
habe den Impuls zu allen das Wohl Englands gefaͤhrdenden einseitigen Kommission
Neuerungen gegeben, hat sehr heftige Entgegnungen von Seiten der ministeriellen und liberalen Blaͤtter hervorgerufen. So sagt der Sun: „Sir Robert Peel behauptet, durch die neuere Fran⸗ zoͤsische Revolution waͤre die Lust nach Neuerungen in England erzeugt worden, da doch im Gegentheil der Umsturz fehlerhafter Institutionen durch goͤttlichen Willen und göͤttliche Weisheit herbeigefuͤhrt wird. Sir Robert Peel behauptet ferner, daß der Sieg der physischen Gewalt uͤber die constitutionelle Macht es ihm zur Pflicht gemacht haͤtte, dem Neuerungs⸗Schwindel entgegenzutreten, waͤh⸗ rend doch bekanntlich nur unconstitutionellen Eingriffen nothge⸗ drungen durch Gewalt begegnet worden ist. Welchen Eindruck muß eine solche Indiscretion Sir Robert’s bei unseren Nach⸗ baren hervorbringen, an deren Freundschaft uns doch liegen muß. Uebrigens war es in Frankreich nicht die physische Ge⸗ walt, sondern eine moralische, welche sich mit Gluͤck der Macht der Regierung entgegenstellte, ein Beispiel, das, wir hoffen es, auch bei uns Nachahmung finden wird, sobald Sir Robert und seine konservativen Freunde sich es einfallen lassen, den Mustern, die er lobt und bewundert, zu folgen und gleich Polignac sich der Abschaffung elender, zur Aussaugung des Volkes ersonnener Ge⸗ setze zu widersetzen.“
In Irland haben die Tories alle ihre Kraͤfte aufgeboten, um bei den Wahlen dort mehr Stimmen als sonst zu erlangen, in⸗ dessen scheint es ihnen durch alle diese Anstrengungen bis jetzt nicht gelungen zu seyn, ein ihnen guͤnstiges Resultat zu erreichen. Ein Irlaͤndisches Blatt, der Cork Southern Reporter, spricht sich uͤber die in Irland vorherrschenden Gesinnungen fol⸗ gendermaßen aus: „Wir haben England schon einmal die Frei⸗ heit verschafft und erhalten; wir wollen es abermals thun. Ohne
Irland und seine Vertreter haͤtte die Reformbill nicht durchgehen Fonnen. Ohne Irland und die Irlaͤndischen Parlaments⸗Mitglie⸗ der waͤre die Reformbill laͤngst wiederrufsen worden. Wir wer⸗ den uns daher um eine Englische Majoritaͤt gegen uns nicht kuͤm⸗ mern; wir werden eine Irlaͤndische Majoritaͤt fuͤr die Freiheit erhalten. Wir sind eine Nation von hochstrebendem Herzen und kuͤhnem Geiste; wir wollen, wie immer, England in seinem Kampfe fuͤr Gerechtigkeit und Freiheit unterstuͤtzen. Faͤllt es aber, so sind wir, so muͤssen wir bereit seyn, alle Mittel zu ergreifen, die freien Maͤnnern zu Gebote stehen, um ihre Unabhaͤngigkeit und Religion, die heilige Heimath und ihre Ehre zu schuͤtzen.“ Der Globe enthaͤlt ein Schreiben des Oberhauptes der Ju⸗ den⸗Gemeinde zu Damaskus, Raphael Farkhi's, an Sir Moses Montesiore, worin nochmals die von Boͤswilligen verbreiteten In— sinuationen gegen die dortigen Juden ausfuͤhrlich widerlegt wer⸗
die Juden zu Damaskus bei Gewaltthaͤtigkeiten gegen Peyrsonen anderen Glaubens betheiligt gewesen, mit der groͤßten Entruͤstung
vorgeht, seine Glaubensgenossen daselbst waͤhrend seines Aufenthalts im Orient ermahnt zu haben, unter den neuen Verhaͤltnissen ein verstaͤndiges Benehmen zu zeigen, sich in den Schranken der Maͤßigung zuhalten und wohl zu bedenken, daß durch ihr Gesetz ihnen Vergessen erlittenen Un⸗ rechts vorgeschrieben werde. Mit Bezug hierauf heißt es in dem Schreiben, sie haͤtten das volle Bewußtsein ihrer Lage und waͤren nicht aus der ihnen durch dieselbe angewiesenen Bahn gewichen; sie vermieden jede Kollision mit Anderen, wuͤrden aber in der Ausuͤbung eines ihnen von der hohen Pforte neuerdings einge- raͤumten Rechts von boshaften Neidern bedraͤngt. Was es mit diesem Recht oder Privilegium fuͤr ein Bewenden hat, erhellt aus folgender Stelle des nach London gelangten Schreibens: „So wie der von der hohen Pforte abgesandte Pascha ankam, wurde ich wieder in meine fruͤhere Function eingesetzt; sie besteht darin, daß ich im Munizipal⸗Kollegium Sitz und Stimme habe. Diese Ehren⸗ stelle wurde mir mit ausdruͤcklichen Worten im Ferman des Sul⸗ tans zugetheilt, und als Grund der Beguͤnstigung. ist angeführt, es sey der hohen Pforte bekannt, daß ich einige Faͤhigkeit besaͤße, im Interesse des Gemeinwesens wirksam zu seyn. Sobald un⸗ sere Wee dieser tigen Stimmung der Behoͤrde sere Gegner von dieser uns so guͤnstiger 1 g Kenntniß erlangten, bemuͤhten sie sich bei dem Gouverneur von Da⸗ maskus, mich um meinen Posten zu bringen und ein Individuum von einer anderen Gemeinde dazu zu befoͤrdern. Die Allmacht aber wachte üͤber uns: die Versuche der Feinde hatten keinen Erfolg. Zu⸗ rückgewiesen von dem Gouverneur und außer Stande, uns auf diesem Wege zu schaden, suchen sie nun andere Mittel, uns die bffentliche Meinung abwendig zu machen.“ I weiteren Ver⸗ folg des Schreibens werden die gegen die Juden zu Damaskus vorgebrachten Verleumdungen, als jedes Anlassens entbehrend, unter lebhaften Betheurungen, auch unter Beibringung eines ihre Unschuld bekraͤftigenden Zeugnisses des Griechischen Patriarchen und mit Berufung auf den Oesterreichischen Konsul widerlegt. Die Nachrichten aus Aden lauten nach der „Malta Times“ sehr befriedigend. Die Bevoͤlkerung nimmt rasch zu und betraͤgt mit der Besatzung bereits 12,000 Seelen. Man legt Befestigungs⸗ werke an, baut Straßen und dergleichen. In fuͤnf Jahren wird die Stadt die groͤßte und reichste in Arabien seyn. halten sich jetzt ruhig und bringen Lebensmittel zu Markte. Nach der Aussage eines Franzoͤsischen Reisenden sollen die Englaͤnder auch einen Seehafen in Abyssinien, in der RNaͤhe von Zela, wo die Franzosen einen Konsulats⸗Agenten halten, gekauft haben. Diese Angabe wird indessen sehr bezweifelt. Unter dem Hafen ist wahrscheinlich eine Insel gemeint, welche die Englaͤnder kauf⸗ ten, als die Franzosen eine kleine Insel gegenuͤber in Besitz nahmen.
Deutsche Bundesstaaten.
Dresden, 14. Juli. Se. Majestaͤt der Koͤnig und Ihre Majestaͤt die Koͤnigin sind gestern Abends nach Bayern abgereist.
Se. Koͤnigl. Hoheit der Prinz August von Preußen ist vor⸗ von armen — 1 14 18 bauen; es handelt sich ferner hier nicht von partiellen Interessen,
sondern von ganz allgemeinen,
gestern hier angekommen und im Hotel zur Stadt Wien abge⸗ treten.
Hannover, 1. Juli. Ueber die letzte Sitzung der zwei⸗ ten Kammer giebt die Hannoversche Zeitung folgenden nachtraͤglichen Bericht:
„Zunaͤchst wurde auf den Antrag des Herrn General⸗Syn⸗ dikus einstimmig beschlossen, durch eine Deputation beider Kam⸗
mern Sr. Majestaͤt dem Koͤnige und Sr. K
Majestaͤt der Koͤnigin zu bezeugen.
wonach dieselbe den Konferenz
theilung erster Kammer, sell Ieüschsag wegen der Budgets⸗ Commission abgelehnt hatte,
General⸗Syn⸗ erweiterte
onferenz von 7 Mitgliedern anzutragen, ging man uͤber zur Be⸗ te 1 wu uss 1 Konferen⸗ Koͤniglichen Proposition vom 26. d. M., die pro⸗ den reißenden Fortschritten der Industrie, und dem raschen Wech⸗ ges der Majoritaͤt der Kommission fuͤr beendigt erklaͤrt, und auf
und auf den Antrag des Herrn
verlesen — G bei erster Kammer auf eine
dikus beschlossen war,
rathung der
visorische
position zu
V Der
konigl. Hoheit dem Kronprinzen das Beileid der Staͤnde wegen des Ablebens Ihrer
Nachdem darauf eine Mit⸗ gen die 1 Seeh 1 1 Scheere halten damit sie nicht anderen Interessen uͤber den Kopf sie den Namen des Don Carlos gelbscht haben, den der erhabe⸗ wachse. Ich sinde ferner, daß der seitherige zweijaͤhrige Zusam⸗ nen und wohlwollenden Christine einschreiben wollen. mentritt der Zoll⸗Konferenz nicht hinreicht, um gleichen Schritt
Koͤniglichen
zugleich namentliche Abstimmung beantragte, was von mehreren
—
Mitglied, freilich nur geringe Hoffnung zur Abaͤnderung des gestri⸗ gen Beschlusses hegend, hielt sich verpflichtet, den Verbesserungs⸗ ntrag zu stellen: „von dem Beschlusse der Niedersetzung einer
Seiten unterstuͤtzt wurde. nur mit den fruͤheren Motiven gestritten, und der Antrag bei der Abstimmung mit 43 gegen 36 Stimmen abgelehnt. dann noch mehrere Koͤnigliche Schreiben: setzung des Ober⸗Steuer⸗Kollegiums, 2) das Schatz⸗Kollegium,
860
Forterhebung der Steuern betreffend. — Ein sel in den Verhaͤltnissen des Handels. In einzelnen Laͤndern scheint ferner allzusehr der finanzielle Gesichtspunkt bei Wuͤrdi⸗ gung der großen Fragen der Industrie und des Handels festgehal⸗ ten zu werden. Es fehlt mit einem Worte an einem gemeinsa⸗ behuf Pruͤfung der Koͤniglichen Pro⸗ men Plan, an einer Central⸗Behoͤrde fuͤr den Zoll⸗Verein, welche
und sich zum erstenmale mit der alle allgemeinen Anordnungen zu berathen und zur Schlußfassung
einverstanden zu erklaͤren, indem er vorzubereiten haͤtte. Es waͤre ferner zu wuͤnschen, daß bei, resp. vor Abschluß von Handels⸗Vertraͤgen jedesmal Sachverstaͤndige zu Rath gezogen wuͤrden. Ein anderer Wunsch ist der, daß ein Organ da sey zur Veroͤffentlichung statistischer Notizen uͤber Han⸗ del und Verkehr, damit Jeder sich ein Urtheil hieruͤber zu bil⸗ Ich trage darauf an, daß die Kammer diese Wuͤn⸗ Zoll⸗Schutz fuͤr Baumwollen⸗ und
abstrahiren, Proposition
Auch heute wurde im Wesentlichen Nachdem so⸗
1) Die Wiederein⸗ den vermoͤge. sche (incl. der auf hoͤhern
3) das Wagengleis⸗Gesetz, und 4) und 5) Eisenbahnen betref⸗ Linnen⸗Spinnereien) adoptire und als solche in das Protokoll nie⸗
fend, verlesen worden waren, beabsichtigte ein Mitglied, einen Antrag zu stellen; nach Verlesun
schriftlichen
derlege. der ersten Saͤtze Finanz⸗Minister von Boeckh. Einem Theil dieser Wuͤnsche
traf jedoch das die Aufloͤsung der Staͤnde⸗Versamm⸗ habe ich schon fruͤher zugestimmt; ich bedauere nur, daß der Herr
lung aussprechende Koͤnigliche Schreiben ein, worauf die Sitzung von dem Herrn Praͤsidenten geschlossen wurde, und die Versamm⸗ lung auseinanderging. 116e6“
empfehlende
Der Finanz⸗Minister von Boͤckh eroͤffnet die Diskussion mit der Erklaͤrung, daß von allen Industriezweigen die Baum⸗ wollen⸗Spinnereien der wichtigste des ganzen Zoll⸗Vereins seyen; auch habe die Regierung seit 1835 dahin gewirkt, daß ihnen der
Karlsruhe, 10. Juli. (Karlsr. Ztg.) Zweite Kammer. Abgeordnere Hofmann erstattet Bericht uͤber mehrere Pe⸗ titionen, betreffend die Interessen, resp. den Schutz der Baumwol⸗ len⸗ und Linnen⸗Spinnereien. Auch hier geht der Antrag auf
Abgeordnete bei dem Scharssinn und dem Eifer, womit er sich dieser Gegenstaͤnde annimmt, in dem Hofgericht zu Rastatt, und nicht in der Zoll-Konferenz seinen Sitz hat. Indessen ist nicht 1 alles neu, was der Herr Abgeordnete vorgetragen hat, z. B. uͤber die Linnen⸗Production. Bereits 1839 ist hieruͤber ein Antrag von uns gestellt worden (liest denselben vor). Was die Einfuhr ge⸗ schlichteter Zettel betrifft, so ist im Tarif nicht namentlich hierfuͤr gesorgt; aber nicht deswegen, weil man nicht beim Entwurf des⸗ selben sachkundige Maͤnner zu Rathe zoͤge, denn man zieht sie zu Rath, sondern weil man nicht schon kuͤnftige Erfindungen mit Zoͤllen belegen kann.
1
Ueberweisung an das Staats⸗Ministerium.
1 Die Zoll⸗Stellen geben aber wohl Acht auf alle neuen Manufaktur⸗Gegenstaͤnde; kommt ihnen ein solcher vor, so machen sie die Anzeige, um zu wissen, wie sie bei der Verzollung
noͤthige Zoll⸗Schuß zu Theil werde, wie der Herr Geh. Ref. Rege⸗ zu verfahren haben.
nauer naͤher
Gegenstand
Wunsch aus, daß der Zoll auf Baumwollengarn erhoͤht werde. wurde dieser Gegenstend auf die erste Revision des Tarifs
verwiesen.
Antrag, leider auch diesmal ohne Erfolg; dies wiederholte sich auch im Jahre 1838. . g2 : 2 . e. . ; .
ihre saͤmmtlichen Antraͤge im Voraus den uͤbrigen Vereinsgliedern
auseinandersetzen werde. Der Berichterstatter dankt der Regierung fuͤr die Un⸗ Regenauer: Schon im Jahre 1835 wurde dieser terstuͤtzung, die sie auch dieser Industrie angedeihen lasse; eine eroͤrtert und die Badische Regierung druͤckte den Central⸗Behoͤrde, wie sie der Abgeordnete Sander wuͤnsche, duͤnke ihm nicht leicht ausfuͤhrbar. Geh. Ref. Regenauer erklaͤrt sich uͤber diesen Punkt in gleichem Sinne; uͤbrigens sey nichts einzu⸗ wenden gegen den Antrag, daß der Zollverein vorerst uͤber Errich⸗ tung einer solchen Behoͤrde berathe. (So hatte naͤmlich der Abgeordnete Sander seinen Antrag auf Errichtung einer solchen Behoͤrde modifizirt.) Sonst muͤßte er allerdings erst naͤher eroͤr—
Als diese zur Sprache kam, erneuerten wir unseren
Im Jahre 1839 theilte die Regierung
mit; der erste Antrag war der auf Erhoͤhung des Zolles auf tert werden. In Bezug auf die Beguͤnstigung des Schmuggels an der
Baumwollengarn. (Der Redner verliest diesen Antrag.) Es wur⸗ den ausfuͤhrliche Verhandlungen hieruͤber gepflogen, aber eine Uebereinstimmung der Ansichten konnte auch damals nicht erzielt Partielle Interessen standen ihr entgegen. der Beschluß gefaßt, daß eine der betheiligten Regierungen den
werden.
Gegenstand nochmals sorgfaͤltig pruͤfe und der Zoll⸗Konferenz dann eine Vorlage daruͤber mache. Dies ist geschehen bei derletzten Versamm⸗ lung, und es soll nun bei der naͤchsten Revision des Tarifs dahin den. Das Schreiben weist namentlich die Beschuldigung, daß gearbeitet werden, daß die Wuͤnsche der Petenten erfuͤllt werden. zene Regierung, der die umfassende Pruͤfung des Gegenstandes uͤbertragen war, ist dem Antrag guͤnstig. zwei zuruͤck. Sir Moses Montesiore scheint, wie aus dem Schreiben her⸗ Punkt betrifft, woruͤber sich die Petenten beschweren, daß naͤm⸗ lich geschlichtetes Garn zu dem niederen Zoll à 2 Rthlr. einge⸗
bracht werde, so haͤngt diese Sache lediglich von der Interpretaͤ— tion des Tarifs ab.
Schweizergraͤnze gegen die Zollbeguͤnstigung der Schweiz sey man vor⸗ sichtig, daß kein Mißbrauch damit geschehe. Was den Stempel betrifft, so habe man bewaͤhrte Chemiker daruͤber zu Rath gezogen, und sie haͤt⸗ ten ihn fuͤr hinlaͤnglich gefunden; Verbesserungen werde man aber
Doch wurde dankbar annehmen.
Sander will seine Worte in diesem Punkt nicht gerade auf unsere Schweizergraͤnze bezogen wissen, und dankt auch seinerseits fuͤr die Zusicherung der Regierung, wirksa⸗ men Schutz zu leisten in dem Krieg, der durch Holland und Eng⸗ land gegen Deutschlands Industrie gefuͤhrt werde. Geh. Ref. Regenauer: Dieser Krieg dauert schon sehr lange; erst der Zoll⸗Verein aber hat den Krieg der Vertheidigung organisirt, ei⸗ nen Krieg, der nicht blos Monopolien beruͤcksichtigt, sondern auch an⸗ dere Industrieen. Aenderungen im Tarif koͤnnen uͤbrigens auch im Laufe einer Periode stattfinden. An der langsamen Ausfuͤhrung beantragter Verbesserungen sey nicht der schwerfaͤllige Gang der Verhandlun—
2
Was nun den zweiten
Man hat zunaͤchst Berichte eingefordert, ob
solche Einfuhr geschlichteten Garns à 2 Rthlr. vorkomme; die lungen, sondern die Verschiedenheit der Interessen Einzelner Schuld.
Garn nicht
(Berichte sind noch nicht eingegangen. unterlie nem Zweifel, daß der niedere Zoll à 2 Rthlr. auf geschlichtetes
Die Abgeorneten Goll, Voͤlker, Helbing druͤcken ihren Dank f ; * 7† 1 1 ₰ fuͤr die Zusicherungen der Regierungen aus, letzterer mit der Be⸗
merkung zugleich, daß die Linnen⸗Spinnerei den Schutz der Baum⸗
Jedenfalls unterliegt kei⸗
anzuwenden sey. Das geschlichtete Garn ist ein ver⸗
edeltes, daher gleich allem dieser Art mit dem hoͤheren Zoll zu be⸗ wollen⸗Spinnereien noͤthig habe. Knapp ist gegen Central⸗Kom⸗
legen.
daß unter Englischen Twist⸗Ballen zuweilen auch edlere Garnsor⸗ ten, ja selbst Gewebe, eingeschmuggelt wuͤrden. Soll⸗Behoͤrden darauf aufmerksam gemacht, bis jetzt aber sind keine
Thatsachen
gens sind die Zoll⸗Behoͤrden angewiesen, die Sache nicht aus dem Auge zu lassen.“ 1
Zander: „Mit wahrer Freude habe ich diese Vortraͤge der Herren Regierungs⸗Commissaire vernommen, und ich hoffe, daß ihre Antraͤge in einer so hochwichtigen Sache endlich Gehoͤr fing den. Die Macht der oͤffentlichen Meinung ist groß, und die heutigen Verhandlungen werden gewiß dazu beitragen, ein neues
Gewicht in
des Zolles auf Baumwollengarn von der Zukunft erwarten muͤs⸗ sen, so kann der zweite Punkt, die Unterwerfung des geschlichtes ten Garns unter den hohen Zoll, schon jetzt erledigt werden, da
es sich hier
Daß aber die Deutschen Fabrikanten dieses Schutzes beduͤrfen, liegt klar vor Augen; einzelne derselben besinden sich in einem Nothstand, in einem Nothstand, der keine Uebertrei⸗
wahren
bung ist; 8 Gegner, gegen Englands Macht, gegen Englands unge⸗ heure Produktion. Ich 8 einen Gegenstand, der naͤmlich die in Bezug auf ungebleichte Baumwolle ꝛc.
Mißbrauch
veredelte Garne ꝛc. eingeschmuggelt werden sollen. 1 Die Araber ver⸗ falt in Stempelung dieser Waaren ist hier noͤthig. Hoͤheren
Werth als
die Leinwand⸗Production; denn dieser Zweig der Indt ganz national, fuͤr den Landbau von ungeheuerer Wichtigkeit.
Hier aber
V V V
Kapitalisten, nicht von den reichen Fabrikanten handelt, sondern
genießen, so ist ein Schutzzoll von mindestens 5 Rthlr. nothwen⸗ dig. Indem ich alles dieses bedenke, muß ich Sr kommt dieser Zustand, woher diese Klagen? Ich sinde Gruͤnde in
V Soll aber
Folgendem. 2 1 ten über die Tendenz, die der Zoll⸗Verein zu verfolgen habe, ein⸗
gefunden. Erhebung
zu halten
Eine dritte Bemerkung der Petenten bezieht sich darauf,
minderte Absatz des Flachses und Hanfes, uͤber den so oft schon Tessin uͤber die dortigen Vorfaͤlle berichtet, mit dem Beif hier geklagt worden ist, hat seinen Hauptgrund in diesem Ueber⸗ handnehmen des Englischen Maschinengarns. selbst in kleineren Staͤdten des Landes in allen Laͤden Ma⸗ schinengarn, das keinen Zoll zahlt, Zunehmen ist. Diese Industrie verdient aber um so mehr einen kraͤftigen Schutz, als es sich hier nicht von den Interessen der großen
mission und erinnert an die jusqu'à la mer Kommission an die Rhein Octroi- Kommission und die Central⸗Untersuchungs⸗Kom⸗ mission, die immer suche und nichts finde. Damit wird die Diskussion geschlossen, und die Antraͤge der Kommission und des Ab⸗ geordneten Sander mit Ausnahme des die Errichtung einer Cen⸗ tral⸗Behoͤrde betreffenden einstimmig angenommen.
Wir haben die
zur Bestaͤtigung jener Angaben berichtet worden. Uebri⸗
— 2 Schweiz.
3 Tessin. (Schweiz. Bl.) Advokat Nessi, Anfuͤhrer der Auf⸗ ruͤhrer, wird heute Morgens um 10 Uhr zu Locarno auf oͤffent⸗ lichem Platze erschossen worden seyn. Die Gattin des jungen Ad⸗ vokaten Nessi warf sich mit einem Toͤchterlein auf offenem Platze zu den Fuͤßen des Obersten Luvini, ihn mit verzweiflungsvollen Thraͤnen und Bitten um Begnadigung ihres Mannes anflehend.
Luvini weinte mit ihr, erklaͤrte aber, sich fuͤr diese Begnadigung nicht verwenden zu koͤnnen, indem er sonst selbst des Todes seyn uͤrde. Die Wohnungen der Raͤdelsfuͤhrer wurde 6 wuͤrde. Die Wohnungen der Raͤde sfuͤhrer wurden gepluͤndert und verbrannt. Die Gefaͤngnisse, sind vollgepfropft. Der En⸗ thusiasmus der Milizen und Schuͤtzen ist bis zum hoͤchsten Grade
gestiegen.
die Wagschale zu legen. Wenn wir die Erhoͤhung
lediglich von einer Interpretation des Tarifs handelt.
sie beduͤrsen dieses Schutzes gegen einen furcht⸗ I . - Neuchatel, 8. Juli. Se. Excellenz der Gouverneur des Fuͤrstenthums Neuchatel, Herr General von Pfuel, ist vorgestern
muß ferner aufmerksam machen auf hier eingetroffen.
Einschmuggelung beguͤnstigt; das sind welche die Schweiz genießt Hiemit soll großer getrieben werden, indem unter diesem Namen auch Groͤßere Sorg—
Zollbeguͤnstigungen,
Basel, 9. Juli. Nach direkten Berichten aus Bern, w ren in der Sitzung der Tagsatzung vom 8ten zwei Antraͤge in Bezug auf Aargau gestellt worden. Zuͤrich will Aargau nochmals auffordern, von sich aus dem Beschlusse vom 2. April zu genuͤ⸗ auf die Baumwollspinnereien lege ich aber noch auf gen. Luzern, an der Spitze der Urkantone, verlangt sofortige Industrie ist Herstellung aller Kloͤster in kurzer Frist und, wenn nicht entspro⸗ chen werde, ungesaͤumte Exekution. Die Umfrage wurde in die⸗ bedroht uns Englands Maschinengarn, und der ver⸗ ser Sitzung nicht vollendet. Vorher hatte die Gesandschaft, von uͤgen, daß uͤber die Gefangenen Standrecht gehalten werde.
Spanien.
Madrid, 4. Juli. In der Sitzung, welche der Senat gestern Nachmittag hielt, nahm Herr Landero (Justiz⸗Minister in Folge der Revolution von la Granja) das Wort, um die Nothwendigkeit der Ernennung eines neuen Vormundes uͤber die Köͤnigin Isabella und deren Schwester darzuthun. Er sagte unter Anderem: wesentlich Deutschen Interessen. „Wenn die Koͤnigin Mutter eines Tags nach Spanien zu⸗ ruͤckkehren will, so weiß sie, wie Personen ihren Ranges zu rei⸗ sen haben, und kann sich daruͤber mit der Regierung in Verbin⸗ ich fragen, woher dung setzen. Allein warum wirft man so gefaͤhrliche Fragen auf?2
warum erhitzt man die Gemuͤther? warum sucht man sie zur Fahne fuͤr eine geaͤchtete Partei zu machen? Man giebt da⸗ zu. 1. durch Veranlassung zu der Behauptung, daß die absolutistische Waͤhrend im Anfange seiner Gruͤndung Schutz und V Partei, die gegen uns feindlich gesinnnten Fremden, die Fuͤrsten, der Industrie sein Zweck zu seyn schien, will es jetzt welche dieser heldenmuͤthigen Nation den Untergang geschworen
Trifft man doch
dessen Einfuhr taͤglich im
gú
Leuten, die die wichtigsten aller Handels⸗Pflanzen
die Linnen⸗Production eines hinreichenden Schutzes
Ich glaube, es hat sich eine Aenderung der Ansich⸗
den Anschein gewinnen, als sey eine unguͤnstige Stimmung ge⸗ haben, und die uͤbrigen, welche erklaͤrte Feinde ihrer Wohlfahrt Industrie vorwaltend, als wolle man
—
sie unter der und ihres Gluͤckes find, auf ihr schwarzes Banner, aus welchem
Dazu wird Veranlassung gegeben.“
mit dem raschen Gang der Entwickelung der Zeit, mit Darauf wurde die Diskussion uͤber die Totalitaͤt des Antra⸗
den Vorschlag des Herrn Heros beschlossen, Abends neun Uhr eine abermalige Sitzung zu halten, um die Entscheidung der An⸗ gelegenheit zu beschleunigen. In dieser Sitzung schritt man zur Diskussion der Artikel des erwaͤhnten Kommissionsantrages, nach⸗ dem ein Antrag des Herrn Ondovilla, man solle an die Konigin Christine eine Botschaft richten, um sie zu befragen, ob sie geson⸗ nen sey, nach Spanien zuruͤckzukehren, einstimmig verworfen wor⸗ den war. Dann diskutirte man einen von Herrn Gomez Be⸗ cerra gestellten Antrag, dahin gerichtet, man solle die Diskussion uͤber die Frage, ob die Vormundschaft erledigt sey oder nicht, er⸗ dffnen, damit nach Beendigung der Debatten die Cortes diese Frage entscheiden könnten. Herr Ruiz de la Vega that dar, daß der Senat, falls er diesen Antrag genehmige, sein Vorrecht fuͤr sich, getrennt vom Kongresse uͤber alle Fragen abzustimmen, aufgeben, und sich dem ihm an Zahl uͤberlegenen Kongresse ein⸗ verleiben, also die Verfassung verletzen wuͤrde. Noch staͤrker druͤckte sich der Marquis von Falces aus. „Der Thron“, sagte er“, ist heutzutage nichts mehr als ein nit Sammet bedecktes Stuͤck Holz. Binnen kurzem wird er vielleicht auch dies nicht mehr seyn. Beschleunigt nicht seinen Umsturz indem ihr euren eigenen Untergang herbeifuͤhrt!“ Vergebens ließ man das Gesetz vom 27. Juni 1837 vorlesen, welches die einzigen Faͤlle bezeichnet, in denen beide Kammern sich zu gemeinschaftlicher Sitzung vereini⸗ gen duͤrfen. — Der Antrag des Herrn Gomez Becerra wurde mit 47 Stimmen gegen 23 angenommen, und darauf die Dis⸗ kussion uͤber die Frage, ob die Vormundschaft erledigt sey oder nicht, eroͤffnet. Die Entscheidung dieser Frage soll, wie so eben bemerkt, durch beide Kammern in gemeinschaftlicher Sitzung gefaßt werden. Erst um Ein Uhr nach Mitternacht wurde die Sitzung aufgehoben.
Der Kongreß hat gestern angefangen, die von der Regierung vorgelegten, und von einer Kommission gepruͤften Budgets fuͤr die zweite Haͤlfte dieses Jahres zu diskuliren. Die Regierung verlangt fuͤr diese sechs Monate im Ganzen 687,919,129 Realen (34,395,956 Piaster), naͤmlich fuͤr das Koͤnigliche Haus 23,750,000 Realen, fuͤr beide Kammern 292,055 Realen, Amortisationskasse 161,189,490 Realen, Ministerium der auswaͤrtigen Angelegenhei⸗ ten 5,734,855 Realen, Justiz⸗Ministerium 9,308,925 Realen, Fi⸗ nanz⸗Ministerium 150,056,731 Realen, Ministerium des Innern 49,798,899 Realen, Kriegs⸗Ministerium 256,506,440 Realen, Ma⸗ rine⸗Ministerium 28,271,734 Realen. Die Kommission des Kon⸗ gresses traͤgt darauf an, diese geforderte Summe guf die von 587,015,119 Realen (29,350,759 Piaster) zu beschraͤnken. Die Regierung verlangte unter Andern 926,000 Realen fuͤr Gesandt⸗ schaften bei den Hoͤfen, welche die Koͤnigin von Spanien noch nicht anerkannt haben. Diese ganze Summe ist von der Kom⸗ mission gestrichen worden.
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— — Breslau, 14. Juli. Es hat sich in der Provinz Schlesien, inmitten der vielen und zum Theil noch trefflichen Wal⸗ dungen dieser Provinz, aus Veranlassung des Koͤnigl Ober⸗Forst⸗ meisters von Pannewitz in Oppeln, ein Forst⸗Verein gebildet, welcher die hoͤhere Genehmigung erhalten hat. Vom 11. bis 13. Juli versammelte sich dieser Verein in Zobten, am Fuße des schoͤnen bewaldeten Berges gleichen Namens, zum erstenmale, und obgleich er die Staats⸗Genehmigung erst im Juni d. J. erlangt hatte, zaͤhlte er doch bei seinem ersten Entstehen schon uͤber 60 wirkliche Mitglieder. Zum Praͤses ward einstimmig der Ober⸗ Forstmeister von Pannewitz gewaͤhlt, worauf die Sitzungen und Arbeiten in der Stube zwei Tage dauerten, und ein Tag einer wissenschaftlichen Exkursion in die Waldungen des Zobtenberges gewidmet ward. Die Fruͤchte dieses so jungen Un⸗ ternehmens sind schnell und befriedigend gereift; Gegenstaͤnde von allgemeiner und nationaler Wichtigkeit sind sorglich eroͤrtert wor⸗ den; einige erwuͤnschte Einrichtungen sind sofort ins Leben geru⸗ fen, und durch Anschauung nuͤtzlicher neuer Kulturgeraͤthe ist der praktischen Wirthschaft mehrfacher Nutzen erwachsen. — Verwal⸗ ter von Koͤniglichen und Privat⸗Waldungen und Besitzer von Privat-⸗Forsten haben sich dem Verein angeschlossen, und bei dem guten regen Willen, welcher sich bei dieser neuen Schoͤpfung zeigt, so wie bei der Intelligenz, welche ihr vielfach beiwohnt, sind gewiß nur die erfreulichsten Resultate davon fuͤr die Provinz und die Wissenschaft zu erwarten. Als Anerkenntniß dessen hat der hochherzige Besitzer Warmbrunns den Schlesischen Forstver⸗ ein eingeladen, sich im kuͤnftigen Jahre am Fuße der Sudeten bei ihm zu versammeln, welches mit Dank angenommen ist.
Das hiesige Amtsblatt meldet: „Es wird hiermit zur Kenntniß der Behoͤrden gebracht, daß von des Herrn Finanz⸗ Ministers Grafen von Alvensleben Exzellenz der Koͤnigliche Re⸗ gierungs⸗Rath Herr von Heyden hierselbst zum Koͤniglichen be⸗ staͤndigen Kommissarius, Behufs Ausuͤbung des Aufsichtsrechts des Staats uͤber die Ober⸗Schlesische Eisenbahn⸗Unternehmung ernannt worden ist.“
8
Koblenz, 12. Juli. (Rh. und Mosel⸗Ztg.) Ihre Koͤnigl. Hoheiken der Prinz und die Prinzessin Karl sind heute Nachmittag gegen 2 Uhr von Kreuznach hier angekommen; eine halbe Stunde spaͤter traf Ihre Majestaͤt die Koͤnigin von Grie— chenland mit hohem Gefolge unter dem Donner der Geschuͤtze des Ehrenbreitstein hier ein und wurde im Gasthofe „zum Riesen“, woselbst Ihre Majestaͤt abstieg, von Ihren Koͤnigl. Hoheiten und den hohen Civil⸗ und Militair⸗Behoͤrden empfangen. Alle am Ufer liegenden Schiffe, so wie die Schiffbruͤcke, hatten geflaggt, und auf dem Ehrenbeitstein wehete die Fahne, die Ihre Mazjestaͤt die Kaiserin von Rußland dieser Veste zum Geschenk geschickt hat. Am Gasthof „zum Riesen“, in welchem fuͤr die hohen Herrschaften ein Diner bereitet war, stand eine Compagnie des hier in Be⸗ satzung liegenden Infanterie⸗Regiments als Ehrengarde nebst der Regimentsmusik aufgestellt. Die letztere spielte bei der Ankunft Ihrer Majestaͤt. Nach dem Diner gedenben die hohen Gaͤste den Ehrenbreitstein und Stolzenfels zu besuchen.
Gestern Mittag kam hier auf seiner ersten Probefahrt das neue eiserne Dampfschiff Nr. 15, auf dem Werfte der Herren se Homel und Hayßen, zur guten Hoffnung, also ganz im 8ö fuͤr die Koͤlner Gesellschaft gebaut, vorhei. Das pracht⸗ 2s Schiff ist in seinen Dimensionen, nach Laͤnge, Breite und Fhücteh Nere der Geselschaff⸗ Es hat die Strecke von Köln 2 veenses. EE 8 ö eö keit weit übertrifft, uͤbrigen Rhein. Boͤte an Schnellig⸗
„Unses diesjaͤhrigen Wollmarft scheint ein sehr bedeutender werden zu wollen, indem von vielen Seiten roße Quantitaͤte angemeldet sind und fortwaͤhrend große zufuhren hreffe A ch aus Baden sst einiges eingetroffen. Bei hiesi Fher; ee Ffnd nicht unbetraͤchtliche Akkreditive angezeigt, so ee ä e fern nicht fehlen wird, gA on Kfrue⸗
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Der Pauperismus und die neuesten Systeme, ihmm zu steuern.
Geschichtliche Nuͤckblice.
8 8
De Gérando de la bienfaisance publiques 4 vol. Paris che⸗z Renouard 1839. 3
Buret, de la misère des classes laborieuses en Angleterre et en France, 2 vol. Paris et Leipz., chez Renouard, 1841. 8
Kritische Darstellung der Sozial⸗Theorie Fourier's von A. L. Churoa. Herausgegeben durch Dr. Gustav Bacherer. Braunschweig b. Meyer 1840.
Als ein erfreuliches Zeichen unserer Zeit darf man unstreitig das erhöhte Interesse betrachten, welches man den sozialen Ideen und Reformen einraͤumt. Der Eifer des Sichtens, Pruͤfens und Umgestaltens, welcher sich fruͤher fast nur auf Gegenstaͤnde der Politik, auf Verfassungsfragen warf, hat sich jetzt, zum gro⸗ ßen Theile, den allgemeineren und positiveren Interessen der Ge⸗ sellschaft, ihrer Arbeit, ihres Verkehrs, ihrer Beduͤrfnisse und ihrer Leiden zugewendet; und zugleich erhalten diese sozialen Be⸗ sirebungen reichen Zufluß aus den hoͤhergelegenen Quellen der Wissenschaft, welche sich bereitwillig erschließen, um das tiefere Gefild des Lebens zu befruchten.
Unter allen sozialen Fragen beschaͤftigt aber keine die Gegen⸗ wart lebhafter, als die Frage nach den Vermoͤgensverhaͤltnissen, nach dem physischen und sittlichen Zustande der verschiedenen Klassen der Gesellschaft. Dieses Zeitalter, welches man so ma⸗ terialistisch, so versunken in selbftsuͤchtigem Streben nach Besitz und Genuß schildert, zeigt uns gleichwohl uͤberall Beispiele des uneigennuͤtzigsten, zartsinnigsten, unermuͤdlichsten Bestrebens, die L0 9 dor 4½ ; 22 8 45 Leiden der Individuen und die Uebelstaͤnde der Gesellschaft zu heilen, Alles zu entfernen, was das Wohlbesinden, die geistige Ent⸗ wickelung, die sittliche Veredlung der Menschen zu stoͤren scheint,
Alles aufzusuchen, was einen naturgemaͤßeren, gluͤcklicheren und
gesicherteren Zustand der Gesellschaft herbeizufuͤhren verspricht.
Allerdings hat auch die Nothwendigkeit ihren Theil an die⸗ sen Bestrebungen. Das Schreckbild des Pauperismus, unter mannigfacher, aber immer furchtbarer Gestalt, bald hier bald dort, mitten unter den bluͤhendsten Schoͤpfungen, unter den großartig— sten Wunderwerken unserer Civilisation auftauchend, hat alle edleren Geister in Bewegung gesetzt, um die Gesellschaft von dem sie bedrohenden Unheil zu erloͤsen; die Arbeiteraufstaͤnde in den Englischen und Franzoͤsischen Fabrikorten, zu denen es leider auch in Deutschland nicht an Seitenstuͤcken fehlt, belehrten die Regie— rungen uͤber die Nothwendigkeit einer kraͤftigen Abhuͤlfe und lie⸗ ßen die wohlhabendere Klasse der Bevoͤlkerung erkennen, daß die Wohlthaͤtigkeit fuͤr sie schon nicht mehr eine Sache der freien Eutschließung, sondern eine politische Nothwendigkeit sey.
Allein so betruͤbend auch fuͤr den Menschenfreund die Ver⸗ anlassungen sind, welche die zahlreichen neuern Versuche zur Be⸗
kaͤmpfung des Pauperismus und zur Verbesserung des Looses
der arbeitenden Klasse ins Leben riefen, so wohlthuend sind auf
der andern Seite der Geist und Sinn dieser Bestrebungen, die edlen Bemuͤhungen einzelner weiser und hochherziger Maͤnner, die allgemeine, lebendige und thaͤtige Theilnahme aller Gebildeten, das bereitwillige und besonnene Entgegenkommen der dffentlichen Gewalten. Was aber noch mehr geeignet ist, uns uͤber die Uebel⸗ staͤnde unserer Kulturverhaͤltnisse zu troͤsten und unsre Besorg⸗ nisse wegen der Folgen der wachsenden Macht der Industrie und der materiellen Interessen zu zerstreuen, ist die Thatsache, daß diese Industrie selbst vielfache Heilmittel gegen jene Uebelstaͤnde in sich traͤgt. Denn wenn sie auf der einen Seite auch mancher⸗ lei Nothstaͤnde nach sich zieht, so leitet sie doch auf ein Mittel, denselben abzuhelsen: manche Arten des Elends und der Bedruͤckung sind gerade durch die freiere Entwickelung des Gewerbewesens aus dem Verkehr theils ganz verschwunden, theils wenigstens ge⸗
lindert worden.
Ueberhaupt thut man Unrecht, wenn man die Gegenwart allzusehr mit Klagen wegen der angedeuteten Uebelstaͤnde uͤber— haͤuft. Denn ein großer Theil dieser Uebelstaͤnde hat zu allen Zeiten, wenn auch unter anderen Formen, auf der menschlichen Gesellschaft gelastet, und im Gegentheil moͤchte diejenige Gestalt, unter welcher sie gegenwaͤrtig auftreten — so erschreckend ihr aͤußeres Aussehen ist — doch im Grunde weit weniger Trostlo⸗ ses haben, als die fruͤheren. Betrachten wir die Gesellschaft un— ter dem Bilde eines großen Organismus, — nach der Anglogie des menschlichen Koͤrpers — so muͤssen wir sagen, daß dieser Or⸗ ganismus zu keiner Zeit von Krankheitsstoffen ganz frei gewesen ist, daß aber diese Krankheitsstoffe ihn auf sehr verschiedene Weise afficirt und sehr verschiedene Symptome hervorgebracht haben, indem sie bald das eine, bald das ander Organ ergriffen, bald mehr in den innern Theilen sich festsetzten, bald durch eine Reaction dieser edleren Organe nach außen geworfen wurden, und auf der Oberflaͤche des Koͤrpers zwar schmerzlichere und wi— derlichere Zufaͤlle hervorbrachten, die aber gleichwohl minder be⸗ denklich sind, als die fruͤhere Erstarrung der inneren Lebens⸗ organe.
In der alten Welt finden wir allerdings den Pauperismus, dieses in der Gegenwart so weit verbreitete soziale Uebel, noch nicht oder nur in schwachen Spuren; aber forschen wir nach dem Grunde dieser Erscheinung, so ist derselbe von der Art, daß wir
in der erwaͤhnten Thatsache, vom hoͤheren philosophischen und po⸗
litischen Standpunkte aus, kaum einen Vorzug des Alterthums zu erblicken vermoͤgen. Denn das leidliche Wohlbefinden, dessen wir die Einzelnen in den alten Staaten theilhaftig sehen, und die
Abwesenheit eines eigentlichen Nothstandes steht im engsten Wech⸗
sel⸗Verhaͤltniß zu dem Mangel individueller Freiheit bei ganzen Klassen der Bevoͤlkerung und zu den vielen Ungerechtigkeiten, welche die schroffe Trennung der Staaten und der einzelnen Theile des Staats selbst, mit sich brachte. Der Sklav litt frei⸗ lich nicht Noth, weil sein Herr ihn ernaͤhrte und es in dessen Vortheil lag, das Instrument, welches ihm zu seinem eigenen Wohl⸗ besinden diente, so tuͤchtig und in so brauchbarem Zustande, als nur moͤglich zu erhalten. Aber der Sklav erkaufte diesen Schutz und diese Fuͤrsorge seines Herrn mit seiner voͤlligen Unselbstaͤn⸗
digkeit, mit der gaͤnzlichen Verzichtleistung auf eigenen Besitz auf
persöͤnliche Freiheit und Wuͤrde *). Unter den freien Buͤrgern fand zwar eine gewisse Selbststaͤndigkeit im Erwerbe und somit eine Verschiedenheit des Besitzes statt, welche natuͤrlich in vielen Faͤllen auch eine Verarmung Einzelner zur Folge haben mußte. Dennoch tragen auch diese Erscheinungen einen eigenthuͤmlichen
*) Sehr wahr sagt der Verfasser des ersten der angefuͤhrten Werke: „Es giebt nur einen Zustand, welcher die Noth gaͤnzlich ausschließt; es ist dies derjenige, wo, wie dies bei der Sklaverci der Alten der Fall war, die niedern Klassen der Gesellschaft ihre Unab⸗
haͤngigkeit aufgeben, und den Schutz ihrer Herren um den Preis
ihrer Freiheit und ihrer Menschenwuͤrde erkaufen.—
leben scharf abscheidet. terthums war, mit geringen Ausnahmen, nicht der Verkehr, son⸗ dern die Eroberung und die Vertheilung oder der gemeinschaftliche
Charakter, welcher sie von aͤhnlichen Zustaͤnden in unserm Staats⸗ Die Grundlage der Gemeinwesen des Al⸗
Genuß des Eroberten. Der einzelne Buͤrger ward als ein noth⸗ wendiges Glied des Ganzen und als ein Werkzeug zur Erreichung des Staatszwecks betrachtet und behandelt. Aus dem Interesse, welches hiernach der Staat hatte, alle seine Buͤrger zu moͤglichst geschickten und tuͤchtigen Werkzeugen fuͤr seine Zwecke zu machen, floß aber auch fuͤr ihn die Verpflichtung, den Einzelnen eine möͤg⸗ lichst befriedigende Existenz zu sichern und fuͤr eine gerechte Ver⸗ theilung des gesammten Staatsgutes Sorge zu tragen, damit nicht bei allzugroßer Vermoͤgensverschiedenheit die armen oder bedruͤck⸗ ten Kassen sich gegen die Reichen erhöͤben oder ihre Mitwirkung fuͤr die Vertheidigung und Vergroͤßerung des Staats versagten. Die Gesetzgebungen Griechenlands und Roms liefern zur Bestaͤtigung dieser Ansicht hinreichende Belege. So war das Lykurgische Verbot der Einfuͤhrung von Silbergeld nebst den Bestimmungen, welche er fuͤr Feststellung einer möglich⸗ sten Gleichheit des Besitzes unter allen Buͤrgern traf, darauf berechnet, theils die Einzelnen von der Sorge fuͤr Erweiterung der eigenen Eristenz und des eigenen Vermoͤgens abzuziehen und ihre ganze Kraft und Liebe den Zwecken des Staats zuzuwenden, theils die Sonderung verschiedener Staͤnde und verschiedener In⸗ teressen zu verhuͤten, welche aus der Ungleichheit des Besitzes folgt, und welche allerdings leicht die kompakte Einheit der Nation auf⸗ hebt und ihre kriegerische Macht laͤhmt. Der Atheniensische Staat war zwar dem Verkehr etwas mehr geoͤffnet, und deshalb fand sich auch in ihm eine groͤßere Verschiedenheit und Beweg⸗ lichkeit des Besitzstandes, aber dennoch deuten auch hier viele Maßregeln der Gesetzgebung auf das Bestreben hin, diesen Schwan⸗ kungen der Vermoͤgensverhaͤltnisse eine Graͤnze zu setzen, und den aͤrmeren Theil der Bevölkerung durch jede Art von Unterstüͤtzung e. C1 Je d. 1 und Fuͤrsorge zufrieden und fuͤr die dem Allgemeinen zu leisten⸗ den Dienste willig zu erhalten. Wir erinnern nur an die Seisachtheia des Solon, eine Maßregel, zur Milderung der Schuldenlast, welche die aͤrmere Klasse der Buͤrger druͤckte, und an das Theorikon das Theatergeld, welches fuͤr das Volk aus der Staatskasse ge⸗ zahlt wurde. Auch in der idealen Gesetzgebung des Plato spiegelt sich dieser Griechische Geist der Bevormundung und Benutzung des Polks von Seiten des Staats oder derer, welche den Staat re⸗ praͤsentiren unverkennbar ab. Die Herrschenden haben fuͤr die Massen zu sorgen, wogegen diese fuͤr sie und nach ihrer An⸗ ordnung arbeiten muͤssen. Schroffer und ohne dies Griechischen Gemeingeistes, trat dieser Gegensatz der Staͤnde und der Guͤterverhaͤltnisse im Roͤmischen Staate auf. Hier sehen wir vom Anfange an eine privilegirte Kastte, die Patri⸗ zier, im Besitz der Gewalt und des damit verbundenen Genusses, die Massen dagegen, den Plebs, nur als Mittel zur Vermehrung dieser Macht gebraucht. Und wie jederzeit Eroberung nach Außen, Tyrannei im Innern erzeugt und beguͤnstigt, so gelang es auch der Roͤmischen Aristokratie lange Zeit, den Plebs in Abhaͤn⸗ gigkeit zu erhalten, und ihn von dem Genusse der Fruͤchte ihrer Eroberungen auszuschließen, bis die dadurch erzeugte Verschuldung und Noth des Volks, im Verein mit anderen Umstaͤnden, eine Reaction gegen die beguͤterten und gebietenden Klassen und, in deren Folge mannigfache Umgestaltungen des Besitzstandes durch neue Besteuerung, Ackergesetze u. s. w. zuwege brachte. Also wir wiederholen es, die Erscheinungen des modernen
versoͤhnende Element des
Pauperismus kommen nur darum im Alterthum nicht vor, weil
der freie Guͤter⸗Erwerb damals noch so gut wie gaͤnzlich fehlte, weil der Besitzstand nur auf gemeinsamere Eroberung und Ver⸗
theilung des Eroberten beruhte, und weil die Ungleichheiten, welche
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dennoch in Bezug auf die Guͤter⸗Verhaͤltnisse zwischen den ver⸗ schiedenen Klassen der Gesellschaft sich erzeugten, nicht aus den
natuͤrlichen Bedingungen des Verkehrs, sondern aus besonderen politischen Ursachen entsprangen, und deshalb auch nur auf politi⸗ schem, nicht auf staatswirthschaftlichem Wege ihre Erledigung fin⸗ den konnten. 1t
In den spaͤteren Zeiten des Roͤmischen Reiches, als die alte Einfachheit der Sitten und der Beduͤrfnisse, der maßlosesten Uep⸗ pigkeit des Lebensgenusses, der Weichlichkeit und Unthaͤtigkeit gewi⸗ chen war, stellte sich, mit der allgemeinen Entsittlichung auch ein bedenklicher Nothstand unter der Bevoͤlkerung ein. So lange in⸗ dessen noch immer aus den eroberten Laͤndern Reichthuͤmer nach Rom flossen, ward die voͤllige Verarmung der Massen abgewehrt und die Austheilung der erbeuteten Schaͤtze unter die begehrliche Menge gewaͤhrte dem Ehrgeiz und der Herrschsucht der Feldherren und der Imperatoren ein wirksames Mittel der Usurpation und Tyrannei. Panem et Circenses! schrie das Volk, und um diesen Preis kauften ihm die Kaiser seine Freiheit ab.
Das Christenthum brachte in die Verhaͤltnisse des Besitzes und des gesellschaftlichen Zusammenlebens eine entscheidende Wen⸗ dung. Indem es den Einzelnen aus dem Staatsverbande, dem er angehoͤrte, in gewisser Hinsicht herausloͤste und ihn der kirchli⸗ chen geistigen Gemeinschaft mit seinen neuen Glaubens genossen zu⸗
wies, entzog es ihm auch die meisten der Vortheile, walche er als Buͤr⸗
ger eines großen Gemeinwesens genossen hatce, und gab ihn haͤusig der Verfolgung und dem Elend preis. Doch milderte es die⸗ ses Elend sogleich wieder, und zwar in ooppelter Hinsicht einmal, indem es den Bedruͤckten Resignation lehrte und ihn von den Uebel⸗ staͤnden der Gegenwart auf Verheißungen einer besseren Zukunft verwies; und dann, durch das Gebot christlicher Liebe und Wohlthaͤ⸗ tigkeit, welches die Reicheren in der Gemeinde veranlaßte, ihr Gut mit dem Armen zu theilen, woraus, wenn auch nicht prinzip⸗ maͤßig, doch der Sache nach, eine Art von Guͤtergemeinschaft entstand.
So erhielt die Wohlthaͤtigkeit durch das Christenthum eine moralische Basis, statt der rein⸗politischen, welche sie in den alten Staaten gehabt hatte. Jeder fuͤhlte die Verpflichtung, dem Bru⸗ der beizuskehen, und so entstand die Privat⸗Wohlthaͤtigkeit, die sich bald im Almosengeben, bald in der Pflege der Kranken, bald in Troͤstungen der Bekuͤmmerten kund gab. Ganz zur Privatsache ward jedoch die Fuͤrsorge fuͤr die Armen auch in dieser Zeit nicht,
da die Gemeinde in ihrer Gesammtheit einen uͤberwiegenden Theil
davan nahm und ihre beduͤrftigeren Mitglieder auf eine regelmaͤßige Weise unterstuͤtzte, zugleich aber auch uͤber die Anwendung ihrer C aben, und das sittliche Betragen ihrer Schuͤtzlinge strenge Auf⸗ sicht fuͤhrten.
Nachdem aus der kleinen bedruͤckten, verfolgten Christen⸗Ge⸗ meinde eine gewaltige weltherrschende, reiche Kirche geworden war, mußte auch die Wohlthaͤtigkeit eine andre Gestalt gewinnen. Die chrifiliche Gesinnung des Wohlthuns ward zwar auch durch die kirchlichen Gebote gepflegt und lebendig erhalten, aber die Kirche suchte doch der Wohlthaͤtigkeit der Privaten eine engere Bezie⸗ hung zu sich selbst zu geben, sie zu beaufsichtigen und durch sich hindurch zu leiten. Die Fuͤlle der Gaben, welche sge itz der Hand der Reichen empfing und an die Armen uͤbertrug, die Ver⸗
vers . AüN en, welche sie zur Linderung breitung und Grogatztakest ses Kns 8 82 atht 82