Umgegend ausgebrochene Aufruhr unter dem hehren Schatten seiner Hoheit des Großherren gluͤcklich gedaͤmpft, auch Jaakub Pascha in dieser Angelegenheit als außerordentlicher Bevollmaͤch⸗ tigter nach Nisch gesandt worden. Die Berichte dieses Wuͤrden⸗ traͤgers lassen keinen Zweifel daruͤber, daß er in seinen Nachfor⸗ schuͤngen puͤnktlich und gewissenhaft zu Werke geht. Es hat sich indessen herausgestellt, daß der bisherige Ferik von Nisch der hoch⸗ begluͤckte Sabri Pascha, wegen seiner Unfaͤhigkeit, das Land gut zu verwalten, und weil er gewisse Handlungen der Grausam⸗ keit und Bedruͤckung sich erlaubt, zu besagter Empoͤrung Anlaß
egeben. Da nun — wie sich von selbst versteht — der erhabene Wille des Großherren bestaͤndig auf die Beschirmung aller seiner Unterthanen gerichtet ist, damit sie vor jedweder Kraͤnkung und Beeintraͤchtigung sicher seyen: so hat seine Hoheit den Sabri Pascha des erwaͤhnten Amtes erledigt, ihn zuruͤckberufen und statt seiner den kuͤrzlich von Brussa nach der Residenz gekommenen Ferik, Ißmet Pascha, der schon fruͤher hinreichend lange in Rumili beschaͤftigt gewesen, und die Zustaͤnde jener Gegenden ruͤndlich kennen gelernt, durch Bestallungs⸗Schreiben zum Ferik von Nisch zu ernennen geruht.“
Der uͤbrige Inhalt der vorliegenden Tuͤrkischen Zeitung dreht sich theils um hinreichend bekannte, theils um sehr unerhebliche Dinge. Als beachtenswerth fuͤhren wir nur noch die Notiz an, daß der Sultan den vor drei Jahren aus Preußen nach Konstantinopel berufenen Konskofos⸗ Bei (sic), der als Instructions⸗Offizier bei der Großherrlichen Garde⸗Artillerie sich Ziel Verdienst erworben, mit der Wuͤrde und den Insignien eines Mir⸗Alaj (Regiments⸗Chefs) begnadigt habe.) — Dieselbe Aus⸗ zeichnung ist einem Sardinischen Instructions⸗Offizier bei der Großherrlichen Garde⸗Kavallerie, den die Tuͤrkische Zeitung Kaͤ⸗ los Rustem Bei nennt, widerfahren.
Konstantinopel, 30. Juni. (Oest. B.) Heute sind die drei Patriarchen und der Groß⸗Rabbiner bei der Pforte erschie— nen, wo ihnen der Minister der auswaͤrtigen Angelegenheiten, Rifaat Pascha, Exremplare des, zum Schutze der vier Culte an den Ferik Tayar Pascha (neuernannten Gouverneur von Jerusa⸗ lem) erlassenen Ferman einhaͤndigte. Rifaat Pascha hielt bei die- sem Anlasse eine angemessene Anrede, worin er die Regierungs⸗ Grundsaͤtze und die wohlwollenden Absichten des Sultans in Be— treff seiner saͤmmtlichen nicht⸗muhamedanischen Unterthanen ent⸗ wickelte. Hierauf wurden die erwaͤhnten drei Praͤlaten und der Groß⸗Rabbiner, die in vollem Ornate sich eingefunden hatten, zum Großwesir gefuͤhrt, der ihnen dieselben Versicherungen des Groß⸗ herrlichen Wohlwollens ertheilte. — Tayar Pascha ist bereits in dieser Hauptstadt eingetroffen.
Das von Alexandrien erwartete Aegyptische Dampfboot, der „Nil“, ist bis zur Stunde noch nicht hier eingetroffen. Die letz⸗ ten Berlchte aus Aegypten sprechen von den fuͤrchterlichen Ver⸗ heerungen, welche die Pest in jener Provinz anrichtete. Ih Ha⸗
miette war das neunte, dort in Besatzung liegende Regiment
furchtbar von dieser Geißel heimgesucht worden. Dasselbe hat
1354 Individuen, darunter mehrere Offiziere und den Obersten
Ahmed Hassim⸗Bei verloren. Im Ganzen hatte die Aegyptische
Armee in den letzten Monaten vier bis fuͤnftausend Mann durch diese Seuche eingebuͤßt.
Berichten aus Smyrna vom 26sten d. M. zufolge, durch das Hesterreichische Dampfboot „Areiduca Lovorno“ Syra die Nachricht dort angelangt, daß die Insurgenten in Kan dien ihre Stellungen verlassen hatten, um das Tuͤrkische Lage anzugreifen, daß sie jedoch von den Tuͤrkischen Truppen zuruͤck geschlagen wurden Verwundeten und Tahir Pascha, benutzte vorruͤcken und drei von den Insurgenten setzen ließ. Diese Nachrichten wurden Griechische Goelette gebracht, traf und nur 36 Stunden zur gebraucht hatte. bis jetzt nicht eingelaufen. 8 b
Der öͤffentliche Gesundheitszustand ist hier fortwaͤhrend be⸗ ried ꝛgend. — Die hiesige Quarantaine⸗Direction hat unterm 25sten d. M. abermals ein Rundschreiben an die, fremden Gesandt⸗ schafts⸗Konzleien gerichtet, um sie von dem guͤcklichen Erfolge der zur Reinigung der juͤngsthin aus Alexandrien ö6“ ver⸗ pesteten Fahrzeuge und Passagiere getroffenen Anstalten in 1““
niß zu setzen. Auch die bei den Dardanellen, in Folge des Aus⸗ bruches der Pest im Dorfe Renkoͤj ergriffenen Maßregeln haben bisher die erfreulichsten Resultate herbeigefuͤhrt.
Gefangenen verloren. diesen Vortheil, indem er
verlassene Doͤrfer nach Syra durch
be
„
—
24. Juni. (Journal de Smyrne.) Es Nachrichten aus Kandien bis zum 18. Juni Seit den letzten Nachrichten von dort hat sich Insel nicht wesentlich geaͤndert, auch ist es zu
Smyrna, sind uͤber Syra hier eingegangen. der Zustand der keinem entscheidenden Ge⸗ 8 men, die einander gegenuͤber stehen und nen. Diese Zoͤgerung von Seiten der 2 durch, daß der Kapudan Pascha den Befehl erhalten hat, groͤßten Maͤßigung zu verfahren und walt anzuwenden. Aber die Insurgenten werden dasselbe Motiv zuruͤckgehalten und nach allem Laͤrm, macht haben und durch ihre diese Unthaͤtigkeit Erstaunen erregen.
Es haben indeß mehrere kleine Gefechte statt anderen ein ziemlich heftiges am 14. Juni.
sich
wurden aber, obwohl sie den Angriff dreimal tig zuruͤckgeworsen und bis an folgt. Der Verlust der Griechen laͤßt sich aber nicht angeben, da die sie allein kennen, es ihnen leicht machten,
wundeten fortzuschaffen. Die Tuͤrken hatten nur
25 Verwundete.
Einige Tage spaͤter griffen 700 Insurgenten das Fort Hissa mos an, welches sich, obgleich es nur eine schwache hatte, und 8 bis zur Ankunft Bataillon del griffen, die Rebellen zerstreuten und einige nen machten.
Mustapha Pascha hat sein Lage sche Divisionen haben Cydonia, Hissamos und Die Griechen sind im Gebirge. Nehr der Apocorona hat sich unterworfen. Die Rebellen, welche die gegen sie sprechende Thatsache nicht zu leugnen vermoͤgen, b haupten nun, daß nur Greise und Frauen sich unterworfen haͤtte üi.iäͤctaees es ich
) Sollte vielleicht der ehemalige Preußische Artillerie⸗Lieutena Köͤpke gemeint seyn⸗ — Auf jeden Fall ist Name suͤmmelter Europaͤischer; denn er hat eine sehr Untuͤrkische Form.
muß bedeutend gewesen seyn
Selino besetz
war 28 uͤber
und dabei einige hundert Mann an Todten, Der Groß⸗Admiral, seine Mannschaft
b „ sondere die eine welche am 25sten l. M. dort ein— Ueberfahrt von Kanea nach Syra — Offizielle Berichte uͤber diese Vorgaͤnge sind
Gefechte zwischen beiden Parteien gekom- zu beobachten schei⸗ Tuͤrken erklaͤrt sich daͤ⸗ mit der nur im aͤußersten Falle Ge⸗ nicht durch den sie ge— Anhaͤnger noch machen lassen, muß
gefunden, unter Die Insurgenten hatten Mustapha Pascha bei Vresis in der Apocorona angegriffen,
wiederholten, kraͤf⸗ den Fuß des Berges Sfakia ver⸗
benachbarten Engpaͤsse, welche ihre Todten und Ver⸗ 3 Todte und
Garnison sondere Beziehung auf 24 Stunden lang. unausgesetzt beschossen wurde, doch m einer Verstaͤrkung von 200 Mann und einem Araber hielt, worauf die Belagerten die Offensive er⸗ derselben zu Gefange⸗ Lager zu Bafé und drei Tuͤrki⸗
Die Mehrzahl der Bewohner
der obige Name ein ver⸗
FTahir Pascha kreuzt in diesem Augenblicke in der Umgegend
von Kandien. Er hat Verstaͤrkungen dorthin gebracht und eine
Division von 1000 Mann irregulairer Truppen unter Vehil Bei
gebildet. Es haben dort ebenfalls einige kleine Gefechte statt⸗ gefunden.
Beim Abgange
ein Corps von 3000
des Dampfbootes ging die Nachricht ein, daß Albanesen in Suda angekommen sey.
Man glaubt, Tahir Pascha habe in Konstantinopel die Er⸗ laubniß nachgesucht, der Insurrection ein Ende zu machen. Er wolle, hieß es, den Rebellen eine neue Frist gestatten, nach deren Ablauf er sie ohne Schonung mit Gewalt zu ihrer Pflicht zu⸗ ruͤckfuͤhren werde.
Die Franzoöͤsische Corvette „Cornaline“ ist am 16ten nach Syra und Alexandrien abgegangen. Sie ist durch die von Tou— lon angekommene Fregatte „Minerva“ ersetzt worden.
Das Englische Regierungs⸗Dampfboot „Phoͤnix“ hat auf der Fahrt nach Syrien Suda beruͤhrt.
Vereinigte Staaten von Nord⸗Amerika.
New⸗York, 26. Juni. Im Senate zu Washington hat der Ausschuß fuͤr die Mittel und Wege auf den Abschluß einer Anleihe von 12 Millionen zu 5 pCt., im Jahre 1850 ruͤckzahl⸗ bar, angetragen, und Herr Clay hat einen Bericht des Finanz⸗ Ausschusses zu Gunsten der Errichtung einer National⸗ Bank abgestattet, welche letztere Maßnahme indeß, wenigstens in ihren Details, nicht allgemeine Zustimmung zu finden schien.
Im Revpraͤsentanten⸗Hause kam ebendaselbst vorgester die Mac Leodsche Angelegenheit abermals zur Sprache, ohne daß ein Resultat erzielt wurde. Ein Herr Floid stellte naͤmlich den Antrag, daß der Praͤ⸗
sident der Vereinigten Staaten ersucht werden solle, eine Mitthei⸗ lung daruͤber zu machen, ob seit dem 4. Maͤrz, dem Austritte von Burens, ein hoͤherer Militair (General Scott) in den Staat Rew⸗York abgesandt worden sey, um auf den Mac Leodschen Prozeß Einfluß zu uͤben, und daß der Praͤsident zugleich die dem General gegebenen Instructionen mittheilen moͤchte. Die De⸗ batte veranlaßte mehrere heftige Angriffe der Burenisten auf die jetzige Regierung und schien eigentlich nur herbeigefuͤhrt zu seyn, um letztere in Verlegenheit zu setzen; sie wurde vertagt und war beim Abgange der letzten Berichte aus Washington noch nicht fortgesetzt worden. 1 1 Der Familie des verstorbenen Praͤsidenten, General Harri⸗ son, ist vom Repraͤsentanten⸗Hause eine Summe von 25,000 Dol⸗ lars als Unterstuͤtzung bewilligt worden.
18
88 “ .
Trier, 8. Juli. In der Nacht vom 26sten auf den 27sten
v. M. hat den groͤßten Theil des Kreisrs Saarburg in einer Aus⸗ dehnung von 2 Stunden Breite und 5 Stunden Laͤnge, 41 Ge⸗ meinden des Land⸗Kreises Trier und viele Gemeinden der Kreise Wittlich, Bitburg und Berncastel, ein zerstoͤrender weitverbreiteter Hagelschlag betroffen. Ein heftiges Gewitter aus Suͤd⸗Westen, mit Hagel von betraͤchtlicher Groͤße und einem orkanaͤhnlichen Sturme begleitet, entlud sich verwuͤstend uͤber Aecker, Wiesen, Waͤlder, Weinberge und Gaͤrten, und in weniger als einer halben Stunde war auf großen Strecken alles Getraide, Hanf, Gemuͤse, Futterkraͤuter, Ruͤben, Baͤume und Gebaͤude, letztere besonders an „ Fenstern, theils zerschmettert, theils beschaͤdigt. An vielen Orten r wurden alte Nußbaͤume, Obstbaͤume und in den Forsten die aͤlte⸗ . sten Eichen zertruͤmmert oder entwurzelt. So stehen nun um die Zeit der nahen Erndte, die Hoffnungen muͤhsamen Fleißes, Weingaͤrten und Fluren, kahl und leer. Unberechenbar ist der Schaden, den dieses Natur⸗Ereigniß angerichtet, dessen Folgen sich, was insbe— Weinberge angeht, auf mehrere Jahre ausdehnen. Ein ungefaͤhrer Ueberschlag giebt den Verlust des Kreises Saar⸗ burg allein auf 600,000 Rthlr. an. Mit Verzweiflung sehen die aͤrmeren Einwohner der Zukunft entgegen, da alle ihre Mittel des Unterthalts ihrer Familien und des Viehstandes verloren sind. V Ohne Beihuͤlfe, ohne kraͤftige Unterstuͤtzung vermoͤgen sie nicht ihre Existenz zu fristen. Die wenige Baarschaft, welche noch vor- handen, reicht kaum aus, die beschaͤdigten Haͤuser wieder, wohn⸗ zu machen. Zur Bestreitung der uͤbrigen Lebens⸗Beduͤrfnisse, da alle Vorraͤthe laͤngst aufgezehrt sind, nichts vorhanden. — Trier hat dem zufolge einen kraͤfti⸗
der heimgesuchten Ortschaften er—
lich ist, Die Koͤnigliche Regierung in gen Aufruf zur Unterstuͤtzung gehen lassen. 8
Paderborn, 14. Juli. Der hiesige Wollmarkt bewaͤhrt mit jedem Jahre mehr seine Zweckmaͤßigkeit. Auf dem dies⸗ jaͤhrigen Markte war der Verkehr noch lebhafter als in den fruͤ⸗ heren Jahren. Von einem Quantum von 3150 Zentnern (1200 feine, 900 mittelfeine und 1050 ordinaire Wolle), welches von 300 Verkuͤufern zu Markte gebracht worden war, wurde Alles, bis auf 75 Zentner, und zwar, zu folgenden Preisen verkauft: fuͤr die feinste Wolle von 65 bis 73 Thlr.; fuͤr die feine 54 bis 65 Thlr.; fuͤr die mittel 42 bis 54 Thlr.; fuͤr beste Landwolle 33 bis 42 Thlr. fuͤr ordinaire 25 bis 33. Vom Auslande wur⸗ den 112 Zentner eingefuͤhrt und auch verkauft.
Aachen, 8. Juli. (Aach. Z.) Der Probst unseres Kol— legiat-Stiftes, Herr Claessen, welchem es bei der Bestallung zu seiner Probstei von Rom zur Bedingung gemacht worden, sich in Jahresfrist rite zum Doktor der Theologie creiren zu lassen, ist so eben von der katholisch⸗theologischen Fakultät zu Muͤnster zu dieser Wuͤrde in absentia promovirt worden.
I
—n.“
— ——
b Witsenschaft, Kuntt und Literatur.
Berlin. Der hier seit kurzem bestehende tur⸗Verein“” hat nachstehende Preis⸗ Aufgabe gestellt: juͤngst in Berlin gestiftete Kultur⸗ Aufgaben zu stellen,
haben, hiermit zum geleitet worden,
„ Nr. 4 seiner Statuten, Preis⸗
- Fuden hal der Ansicht deren wuͤrdige ersprießlich sey. Beziehungen zu Juden,
Ausfuͤhrung bringt, von Frage vorzulegen habe, schaft und Leben gleich solchen Frage, bedeutsam in den zu dem buͤrgerlichen Leben der samkeit noch sehr beduͤrftig, erscheint uns t. Bedeutung, Stellung und Wirksamkeit der geistliche Lehrer der Gemeinden bilden se in den Bewegungen, n
der theologischen Literxatur sich tigen die Behoͤrde, ihre Wirks Und doch ist nichts so schwankend,
kundgeben; amkeit das als die
8. n.
nt genwaͤrtig an dieselben zu machenden Anforderungen. eine klare Einsicht in das Wesen
hoͤchst wichtig, so kann solche nur wissenschaftlich und zwar
Israelitische „Kul⸗ Der Berein zur Foͤrderung wissenschaft⸗ licher und kuͤnstlerischer Bestrebungen der Juden ist, indem er §. 2 1 welche eine be⸗ erstenmale in daß er eine
Beantwortung füuͤr Wissen⸗ Als Gegenstand einer dem religioͤsen und daher reich an Theilnahme und vielbesprochen, und dennoch einer wissenschaftlichen Aufmerk⸗ das Rabbinerthum, oder:
juͤdischen Rabbiner. Als sie ein bedeutendes Moment die im Schoße derselben und auf dem Gebiet ihre Befugnisse beschaͤf⸗ Interesse der Gemeinde. Meinung uͤber Bedeu⸗
tung und Wirkungskreis der Rabbiner, als die Ansicht von den ge⸗ Ist demnach
des Rabbinerthums in unserer Zeit zuf ge⸗
— J — 1
schichtlichem Wege erlangt werden; erst wenn wir erfahren, woher diese Institution stammt, und wie sie sich entwickelt hat, was sie den fruͤheren Zeiten gewesen, in welchem Verhaͤltnisse sie zu den Beduͤrfnissen und der Verfassung der Gemeinde gestanden, erst dann erhalten wir das Verstaͤndniß von dem, was heute geschieht, und erkennen das Recht und das Rechte fuͤr unsere eigene Zeit. Dem⸗ zufolge macht der Kultur⸗Verein die historische Eroͤrterung des Rabvinerthums zum Gegenstande dieser seiner Preis⸗Aufgabe und fordert zur Beantwortung der Frage auf: Was war, was ist und was soll der Es wird eine aus Quellen Studium hervorgegangene, die Quel⸗ len nachweisende wissenschaftliche Darstellung verlangt, die Aufschluß giebt uͤber Ursprung und Fortgang der Rabbiner⸗Institution; uͤber die religibdse Bedeutung der Rabbiner und deren Stellung zu Gemeinde und Vorstand; uͤber ihre Amts⸗Thaͤtigkeit als Kommunal⸗Beamte, Richter, Geistliche, Lehrer und Prediger; ihre Vorbildung, Qualifi⸗ cation, Erwaͤhlung, Anstellung, Einkuͤnfte und Gerechtsame; endlich ihre Wirksamkeit und ihren Einfluß im Allgemeinen. In der ge⸗ schichtlichen Betrachtun sollen die verschiedenen Zeitraͤume und, wo der Gegenstand es erheischt, auch die verschiedenen Laͤnder beruͤcksich⸗ tigt werden. Bei der neueren Zeit wird die Eroͤrterung folgender Punkte erwartet: 1) Beruf und Stellung des zuͤdischen Theologen nach allen Richtungen seiner Wirksamkeit, auch in seiner Eigenschaft als Mitglied eines Kollegiums (Rabbinat, Konsistorium, Synode); 2) die vorhandenen oder die erforderlichen Anstalten zur Bildung die⸗ ser Theologen; 3) Gesetze und Verfuͤgungen in Bezug auf deren An⸗ stellung, Amts⸗Verhaͤltniß und Autoritaͤt; 4) die Forderungen der Gegenwart, der Meinungs⸗Kampf und etwanige Vorschlaͤge als Er⸗ gebniß der Untersuchung. 8 8800 Die beste Loöͤsung dieser hier gestellten Aufgabe, d. i. die gekroͤnte Arbeit, erhaͤlt von dem Vorstande des Kultur⸗Vereins einen Preis von zweihundert Thalern.
Rabbiner seyn?
Die Arbeiten werden dem Secretair des unterzeichneten Vorstandes
cingeschickt und muͤssen spaͤtestens am 31. Dezember 1842 ein⸗ gegangen seyn, indem spaͤtere Zusendungen unberuͤcksichtigt bleiben. Die Handschrift muß in Deutscher Sprache und deutlich geschrie⸗ ben, an der Spitze mit einem Motto versehen seyn. Dasselbe Motto befindet sich auf dem versiegelten Umschlage eines Zettels, der Na⸗ men und Adresse des Verfassers enthaͤlt. Den §§. 8 bis 10 der Statuten zufolge, veranlaßt der Vorstand, nachdem die konkurriren⸗ den Arbeiten eingegangen, drei kompetente Maͤnner, inner⸗ oder außerhalb des Vereins, mit begruͤndetem Urtheil die beste, so wie die naͤchst beste zu bezeichnen, und deren Preiswuͤrdigkeit anzugeben. Nur dieienige Arbeit erhaͤlt den Preis, welchen die Preisrichter mit Stimmen⸗Mehrheit ihn zuerkennen. Wird eine Arbeit, wenn auch nicht fuͤr preiswuͤrdig im Sinne der Aufgabe, doch fuͤr die beste er⸗ klaͤrt, so kann nach Ermessen des Vorstandes derselben der Preis ganz oder theilweise zuerkannt, oder dieser unter mehreren Konkur renten getheilt werden. Ist beides nicht der Fall, so wird kein Preis ertheilt. Nachdem der Preis zuerkannt worden, wird der zue gekroͤnten Arbeit gehoͤrende versiegelte Zettel geoͤffnet, die uͤbrigen verbrannt, beides in einer und derselben Sitzung des Vorstandes; das Ergebniß der Preisbewerbung wird oͤffentlich bekannt gemacht. Die gekroͤnte Arbeit bleibt Eigenthum des Verfassers; sie muß binnen Jahresfrist gedruckt werden, widrigenfalls der Druck durch den Vor⸗ stand auf Kosten des Vereins veranlaßt wird, ohne weitere Ver⸗ pflichtung gegen den Autor. Berlin, den 11. Juli 1841. Der Vorstand des Kultur⸗Vereins. Dr. Zunz, Direktor. Ludwig Lesser, Secretair.
—⸗é——-
Dauer der Eisenbahnkahrten am 17. Juli 1841. Abgang
31EEEEEPEöPö6
Um 8 Uhr Vormittags.
11
2 2₰
Abgang von o t a d a m.
Zeitdauer St.] M.
41 40 42 40 Nachmittags 40 1 Abends ... 52 - .
Zeitdauer St. M. 40
40 40
Morgens... Vormittags. Vormittags. 2 - Nachmittags 8 3 —- Nachmittags — 6 Abends. ...
10 8
Nachmittags
40 47
Auswärtige Börsen. Amsterdam, 14. Juli. Niederl. wirkl. Schuld 51 8¼. Kanz. Bill. 24 26. 5 % Span. 20. Passive. —. Präm. Sch. Pol. —. Oesterr. IIamburg, 16. Joli. Bank-Actien 1640 Br. London, 13. Juli. Cons. 3 % 89 ⁄. 0⁷ * ) 10. 63. Engl. Russ. 113 ½. Bras. 67 ½. Columb. 19. Mex. 25. Peru 13. Chili 60 ½ Paris, 13. Juli. 5 ½ Rente fin cour. 115. 5. L. 70. 5½ Neapl. au compt. 102. Port.
Wien, 13. Julh., 58
0 Bank-Actien 1585.
5 ½% do. 100 ½.
Ausg. —. Zinsl. —. Preuss.
Engl. Russ. 108 ½. “ 1 Belg. 100 ½. Neue Anl. 20 ½. assive 4 ½. Ausg. Sch. .
3⁰ 3 % Rente fin cour.
3
580 2 5 ⁄6 Span. Rente Passive
Met. 106 ½. 4 9 98 ½. Anl. de 1834 132.
811 —de 1839 107.
Königliche Schautpiele.
Montag, 19. Juli. Kein Schauspiel. v“
An diesem Tage ist das Billet⸗Verkaufs⸗Buͤreau geschlossen.
Dienstag, 20. Juli. Im Opernhause: Die Familien Capuletti und Montecchi, Oper in 4 Abth., Musik von Bellini. (Dlle. Spatzer, vom Koͤnigl. Hof⸗Theater zu Hannover: Giulietta und Dlle. Penz: Romeo, als Gastrollen.)
Mittwoch, 21. Juli. Im Schauspielhause: Zum ersten⸗ male: Der Bevollmaͤchtigte, dramatischer Scherz in 1 Akt von Frau von Weißenthurn. Hierauf: Die Stieftochter, Lust⸗ spiel in 4 Abtheilungen, vom Verfasser von Luͤge und Wahrheit.
Königsstädtilches Theater. „
Montag, 19. Juli. Kein Schauspiel.
Das Billet⸗Verkaufs⸗s 9 bis 1 Uhr geöoͤffnet.)
Dienstag, 20. Juli. Auf Begehren: Der politische Zinn— gießer. Vaudeville-Posse in 3 Akten, nach Holberg's Lustspiele neu bearbeitet und zusammengestellt von C. Birnbaum. Die Mu⸗ sik eingerichtet von Baldewein. (Herr Birnbaum, vom Hof⸗Thea⸗ ter zu Kassel: Heinrich, als Gastrolle.) “
Mittwoch, 21. Juli. Italiaͤnische Opern⸗Vorstellung. (Abon- nement suspendu.) Zum erstenmale: Tancredi. Opera in 2 Atti. Musica del Maestro Rossini. (Mad. Pasta, erste Hami⸗ mersaͤngerin Sr. Majestat des Kaisers von Oesterreich: Tancredi Iöö vegihc. als Gastrollen.)
„Preise der Plaͤtze: Ein Platz in der Orchester⸗
1 Rthlr. 10 Sgr. Ein Platz in den und im ’“ Jvo 1 Rthlr. 10 Sgr. u. s. w.
Der Anfang der Italiaͤnischen Opern⸗Vorstellungen i halb 7 Uhr. Die Kasse wird um halb 6 Uhr Medane as 8 1 8 nahle 2 Verantwortlicher Redacteur Dr. J. W. Zinkeisen. G
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Guͤreau ist an diesem Tage nur von
Gedruckt in der Deckerschen Geheimen vhmh⸗Hafttichzwiceret.
Grostbrit.
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Inhalt. Amtl. Nachr. I 8
Landtags⸗Angelegenheiten. Rhein⸗Provinz. Bestraf. von Jagd⸗Vergehen. 8 Frankreich. Paris. Das Schluß⸗Protokoll der Londoner Kon⸗
ferenz. — Die Unruhen in Toulouse dauern fort. — Wormser. — Spanische Fluͤchtlinge und Graͤnzstreitigkeiten. — Vermischtes. — Brief aus Paris. (Das Journal „Le Sisecle“ nimmt einen ministeriellen Charakter an.) — Brief aus Paris. (Neuer Vor⸗ schlag in Bezug auf die beabsichtigte Anleihe. — Lord Palmerston zu Tiverton u. die Franzos. Presse. — Die Kretenser und die orien⸗ talische Frage.) lischa 4. Irl. London. Hof⸗Nachrichten. Geschenk des Koͤnigs von Preußen an Prinz Albrecht. — Mini⸗ sterielle Auslegung des Resultates der Wahlen. — Einmischung der Geistlichen in die Wahlen. — Stopford's Ankunft. — Belauf der Unterstuͤtzung fuͤr die Span. u. Poln. Fluͤchtlinge. — Angebl. Kollision zwischen Frankreich und Texas. — Vermischtes.
Belgien. Bruͤssel. Verzdgerte Ankunft der Koͤnigl. Familie.
Schweden u. Norw. Stockholm. Ank. des Frhrn. v. Brock⸗ hausen. — Abschaffung der Stockpruͤgel⸗Strafe.
Dänemark. Kopenh. Befinden des Konigs.
Dentsche Bundesstaaten. Muͤnchen. Das Fest auf der Salz⸗ burg. — Thorwaldsen. — Ka⸗ elsruhe. Gesetz⸗Entwurf, die Erneuerung der beiden Kammern betreffend.
Oesterreich. Wien. Das neue Oesterr. Anlehen. — Gegenwaͤrti ger Finanz⸗Zustand von Wien. — Deplitz. Programm zur Feier des 3. August.
Spanien. Schreiben 1 Dotation des Regenten. — Finanz⸗ Gesetze. — Legion von — Dotation der Koͤnigl. Familiec.)
La Plata⸗Staaten. Gesandtsch. von Buenos⸗Ayres reich. — Vermischtes.
Inland. Koͤln. Anwesenheit des u. Direktors Dr. Ruppenthal. Der Pauperismus und die neuesten Systeme, ihm zu steuern.
philanthropische und politische Gesichtspunkt.
Wiss., Kunst. u. Lit. Versammlung des wissenschaftl. Kunst⸗Ver⸗ eins vom 15. Inli. — Neueste Literatur uͤber Preßgesetzgebung.
—
Sr. Maj.
(Vormundschafts⸗-Frage. — Porto.
aus Madrid.
nach Frank⸗ Wirkl. Geh. Ober⸗Justizrathes
Der
—
eentaarpaegae eener.
Amtliche Uachrichten
Kronik des Tages.
Der fruͤhere Ober⸗Landesgerichts⸗Assessor und Buͤrgermeister Seissenschmidt ist zum Justiz⸗Kommissarius bei dem Land⸗ und Stadt⸗Gerichte zu Arnsberg und zugleich zum Notar in dem Departement des Ober⸗Landesgerichts daselbst bestellt worden.
—
Landtags-Angelegenheiten.
Rhbhein⸗Provinz.
Düsseldorf, 9. Juli. Nach dem Berichte uͤber die das Jagd⸗Polizeigesetz betreffende Verhandlung koͤnnen wir uns uͤber den heute berathenen Entwurf einer Veordnung uͤber die Jagd⸗ Vergehen kuͤrzer fassen, indem bei den darin vorkommenden Straf⸗ Bestimmungen mehr oder weniger sich die naͤmliche Verschieden⸗ heit der Ansichten kund gab, wie wir sie bei dem vorhergehenden Gesetz⸗Entwurf zu schildern Gelegenheit fanden. Wir bemerken daher nur, daß die Straf⸗Bestimmungen uͤberhaupt so viel als moͤglich den in den Rhein⸗Provinzen bestehenden Gesetzen ange⸗ paßt, namentlich die zu hohen Geldbußen ermaͤßigt, die angedroh⸗ ten Zucht⸗ und Festungsstrafen aber nach dem Antrage des Ausschus⸗ ses in einfache Gefaͤngnißstrafen verwandelt, koͤrperliche Zuͤchtigun⸗ gen und außerordenliche Strafen ebenfalls fuͤr unanwendbar ge— halten wurden. 8 ““
Von großem Interesse aber war die Diskussion uͤber die Frage, ob durch harte Strafbestimmungen dem oft so gefaͤhrli⸗ chen Verbrechen des Wilddiebstahls Abhuͤlfe oder etwa gar der Reiz zu noch groͤßerer Hartnaͤckigkeit, List und Gewalt geboten wuͤrde. Es wurde bemerkt, daß unsere Gesetze den oft aus Noth mit Einbruch und zu Nachtzeit oder mit Waffen begangenen Diebstahl mit schwereren Kriminal⸗Strafen belege; und daß wohl gleiche erschwerende Umstaͤnde den nur selten aus Noth veruͤbten Wildfrevel in den haͤufigsten Faͤllen begleiten. Eher noch moͤchte der Holzdiebstahl mildere Beruͤcksichtigung verdienen, der oft werklich aus Beduͤrfniß und selten unter so erschwerenden Um— staͤnden veruͤbt wuͤrde, wie dies den angefuͤhrten Beispielen zufolge hinsichtlich des Wildfrevels in groͤßeren Waldungen der Fall sey. Fuͤr einfache Jagdvergehen fand die Zersammlung die von dem Ausschusse vorgeschlagenen Strassaͤtze durchgaͤngig angemessen; es wurde aber auch die Bemerkung ausgesprochen, daß bei den hohen Pachtpreisen, welche meistens fuͤr die Jagden gezahlt werden, der Paͤchter wohl mit S
Recht auch auf groͤßeren Schutz seiner Gerecht⸗ same und auf promptere Execution bei nachgewiesener Straffaͤl⸗ ligkeit muͤßte rechnen koͤnnen. Mannigfachen Widerspruch fand die selbst in der milderen Fassung des Ausschusses vorgeschlagene Bestimmung, daß gegen Wildhaͤndler oder wegen Wilddiebstahls bereits verurtheilte Personen, wenn sie sich uͤber den rechtmaͤßi⸗ gen Erwerb des durch Haussuchung oder sonst vorgefundenen Wildes nicht ausweisen koͤnnen, und zur Hegezeit selbst gegen Gastwirthe, außer der Consiscation des Wildes, eine Strafe von 5 bis 10 Rthlr. verhaͤngt werden solle. Es wurde gegen jede solche Bestimmung die Heiligkeit des Hausrechts in Anspruch genommen und bemerkt, daß weder bei der fruͤheren Franzb⸗ sischen, noch bei der jetzigen Gesetzgebung die Nachsuchung wegen verbotener Waaren bis in die Wohnungen seyen ausgedehnt wor⸗ den. Dagegen aber wurde bemerkt, daß bei zollpflichtigen Gegen⸗ staͤnden, sobald sie sich diesseits der Graͤnze befinden, die Vermu⸗ thung der Verzollung spreche; daß dagegen die Nachforschung nach gestohlenen Gegenstaͤnden, als wofuͤr in der Hegezeit erlegtes Wild immer zu halten, nach jeder Gesetzgebung zuläͤssig sey. Der nach der ganz amendirten Fassung des Ausschusses in Frage gestellte §. wurde darauf mit großer Majoritaͤt angenommen. — Schließlich
“
wurde der Antrag, das Arbitrium des Richters durch Anwend⸗ barkeit des Art. 463 des Straf⸗Gesetzbuches zu erweitern, unter der Beruͤcksichtigung abgelehnt, daß ohnehin die einzelnen Straf⸗ Bestimmungen schon möoͤglichst gemildert und ein Maximum und Minimum dabei festgesetzt sey, daß es daher einer clausula salu- laris, wie der gedachte Artikel des Straf⸗Gesetzbuches sie ent⸗ halte, nicht mehr beduͤrfe. Nachtraͤglich wurde auch hier das Einschreiten des oͤffentlichen Ministeriums und der Po⸗ lizei-Behoͤrden ex offcio untd die Bestimmung vorbe⸗ halten, daß die verhaͤngten Geldbußen uͤberall nicht dem Jagdberechtigten, sondern den Armen⸗Kassen zufließen sollten; daß bei Zahlungs⸗Unvermöoͤgenheit die Arreststrafen auch durch Kom⸗ munal⸗Arbeiten gebuͤßt; daß die Praͤscriptionsfrist fuͤr einfache Jagdvergehen auf 6 Monate vom Tage der Konstatirung der Con⸗ fravention bis zur erfolgten Vorladung festgesetzt seyn, bei Wild⸗ diebstahl aber es bei den allgemeinen Bestimmungen uͤber die Ver⸗ jaͤhrung polizeilich zu ahndender Vergehen sein Bewenden behal⸗ ten, daß endlich das Jagdgesetz vom 17. April 1830 fuͤr die Lan⸗ theile, wo es Geltung habe, beibehalten werden solle.
Nach Verlesung des Berichtes des 1sten Ausschusses uͤber die 16te Allerhoͤchste Proposition erklaͤrte sich die Versammlung fuͤr die Aufnahme von Neustadt unter die Zahl der Staͤdte und genehmigte die Adresse wegen Gleichstellung der Dienstverhaͤltnisse der Rekruten im 36., 39. und 40sten Infanterie⸗Regiment durch Vertheilung des Kontingents derselben auf die verschiedenen zum Sten Armee-Corps gehoͤrenden Kreise.
₰
Zeitungs-Hachrichten. Ausland.
Frankreich. 8
Paris, 14. Juli. Der Temps berichtet, daß der morgende Tag fuͤr die Unterzeichnung des Protokolls der Londoner Konfe⸗ renz von Seiten Frankreichs bestimmt sey, und macht zugleich dar⸗ auf aufmerksam, daß Frankreich an demselben Tage in die Ueber⸗ einstimmung der Europaͤischen Maͤchte wieder aufgenommen wer⸗ den wuͤrde, an welchem es dieselbe vor einem Jahre verlassen haͤtte. (Vergl. London im gestr. Blatte der St. Ztg.)
Man liest im Messager: „Nach den heute (13ten) einge⸗ troffenen Depeschen aus Toulouse haben gestern neue Unordnun⸗ gen die Ruhe dieser Stadt gestoͤrt. Eine durch die geheimen Gesellschaften angezettelte Emeute brach um 4 Uhr Abends aus. Die Aufruͤhrer griffen den Posten bei der Praͤfektur an und wur⸗ den zuruͤckgeschlagen. Die Civil⸗ und Militair⸗Behoͤrden wachen mit beharrlicher Festigkeit aͤber die Aufrechterhaltung der oͤffentli⸗ chen Ordnung.“ — Der „Moniteur parisien“ berichtet, daß diese neue Emeute auf der Stelle und energisch unterdruͤckt wurde. — Am gten hatte der Praͤfekt in Toulouse eine von demselben Tag datirte telegraphische Depesche veröffentlichen lassen, in welcher der Minister des Innern alle vom Praͤfekten getroffenen Anordnun— gen billigte. Im Publikum ist es uͤbrigens aufgefallen, daß man nicht die telegraphische Depesche selbst veroͤffentlicht hat, welche die Behoͤrde gestern uͤber die Vorgaͤnge zu Toulouse erhalten. Die⸗ sen Morgen verbreitete sich hier das Geruͤcht, viele Personen waͤ⸗ ren bei der Emeute am 12ten getoͤdtet worden, die Insurgenten haͤtten jedoch die Gefangenen, die bei den Unruhen am Ften, 8ten und 9ten gemacht worden waren, wieder befreit.
Ohne Zweifel haben die Toulouser Unruhen großen Antheil an den Vorkehrungen, welche die Behoͤrde hier seit zwei Tagen getroffen hat. Die ganze Munizipal⸗Garde ist konsignirt. In sammtlichen Kasernen sind Piquets aufgestellt. Sehr strenge Be⸗ fehle sind vorzuͤglich heute von dem Generalstabe erlassen worden, wahrscheinlich weil heute der Jahrestag der Einnahme der Ba— stille ist. Man bemerkt indeß keinerlei Symptome von Unruhe. Man weiß bloß, daß heute mehrere Bankette zur Erinnerung an die Revolution von 1789 statthaben sollen.
Alle auf den Vorfall mit Abraham Wormser bezuͤglichen Verhandlungen sind so eben in der hier erscheinenden israeliti⸗ schen Zeitschrift „Archives israölites de France“ vollstaͤndig abge⸗ druckt erscheinen. durch die Reden Carnot's und anderer Deputirten auf eine rich⸗ tigere Ansicht von der Sache hingefuͤhrt worden ist. Als naͤm⸗ lich Wormser sich zuerst an den Minister gewendet, hatte dieser geant⸗
wortet, das Verfahren der Saͤchsischen Regierung gegen fremde Juden
scheine ihm zwar intolerant, allein da es sich auf vorhandene Gesetze
stuͤtze, so koͤnne die Franzosische Regierung nichts dagegen einwenden. Carnot stellte aber die Sache in ein ganz anderes Licht. Er sagte naͤm— lich: „Wormser ist Französischer Buͤrger, als solcher hat er das Recht, uͤberall den Schutz der Franzoͤsischen Regierung anzurufen. Ob er Christ oder Jude ist, geht fremde Regierungen gar nichts an; die Eigenschaft als Franzose muß zu seinem Schutze genuͤgen. Als Beispiel wird angefuͤhrt, daß die Oesterreichische Polizei vor mehreren Jahren auf die unter Tuͤrkischem Scepter stehenden Juden, welche sich in Oesterreich aufhielten, die hier herrschende Juden⸗Ordnung hatte anwenden wollen; allein auch sie hatte an— erkannt, daß die Klausel des Friedens⸗Traktates, nach welcher kein Tuͤrkischer Unterthan in Oesterreich beunruhiget, werden solle, auch auf die Juden anwendbar sey, und daß die Tuͤrkischen Juden als Tuͤrkische Unterthanen angesehen werden muͤßten. Gegen diese Forstellungen hat Herr Guizot nichts eingewendet, sondern ver⸗ sprochen, die Sache zu untersuchen.
Das „Mémorial des Pyrénées“ enthaͤlt folgende Mitthei⸗ lung: „Es ist auf ziemlich positive Weise von einer Amnestie
die Rede, welche die Spanische Regierung fuͤr alle diejenigen vor⸗ bereitet, die den Fahnen des
Don Carlos nach Frankreich gefolgt sind und noch nicht in ihr Vaterland haben zuruͤckkehren wollen. Diese Maßregel, welche das Franzosische Kabinet stark bevorwor⸗ tet zu haben scheint,
soll die Kategorie der Militairs oder Be⸗
Man ersieht daraus, daß Herr Guizot erst
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aldes Pyréndes haben sich die Spani⸗ neue Verletzung des Franzoͤsischen Gebietes zu Schulden kommen lassen. Ein Haufen der Bewoh⸗ ner des Thales von Salazan und einige mit Flinten bewaffnete Karabiniers erschienen am 1. Juli bei ihren Franzoͤsischen Nach⸗ barn und forderten von denselben eine Summe von 100 Fr. als Weide⸗Gebuͤhren. Als die Französischen Hirten dies verweiger⸗ ten, bemaͤchtigten sie sich einiger 20 Stuͤck Vieh und trieben sie hinweg. Gewaltthaͤtigkeiten sielen indeß auf keiner Seite vor. Boͤrse vom 14. Juli. Die Berichte aus Toulouse haben heute an der Boͤrse starke Verkaͤufe veranlaßt. Man befuͤrchtete, daß die Unruhen in dieser Stadt am folgenden Tage wiederange⸗ fangen haͤtten und dieses Beispiel noch an einigen anderen Orten nachgeahmt worden waͤre. Die Renten waren bereits vor Er⸗ öͤffnung der Boͤrse auf dem Café de Paris in starkem Sinken.
Nach dem Mémori schen Graͤnz⸗Bewohner eine
‧ Paris, 14. Juli. Ein nicht unwichtiges Ereigniß wir naͤchstens in der Presse eintreten. Durch eine Verknuͤpfung von Umstaͤnden wird das „Sidcle“ wahrscheinlich seinen Oppositions⸗ Charakter ablegen und in allmaͤligem Uebergange eine andere Fahne aufzupflanzen suchen. Dieses Journal wurde im Juli 1836 unter den Auspizien einiger Deputirten der Opposition gegruͤndet, und von Anfang an eroͤffnete es einen heftigen Krieg. Diese feindliche Stimmung erhielt sich unveraͤndert, bis das Ministerium vom 1. Maͤrz ans Ruder gelangte, welches durch seinen Anfuͤhrer, Herrn Thiers, den wilden Puritanismus des „Siecle“ zu besaͤnftigen und es so⸗ gar in einen treuen Bundesgenossen des Ministeriums zu verwan⸗ deln wußte. Bekannt ist es, daß der „Courrier Fançais“, der „Constitutionnel“ und die parlamentarische Opposition demselben Einflusse unterlagen, und daß Alle von der maͤchtigen Verfuͤh⸗ rungskunst des damaligen Kabinet⸗Chefs unterjocht wurden. Dadurch ist die Haltung sowohl der Opposition wie der drei Blaͤt⸗ ter etwas bloßgestellt worden, und das Publikum schenkt ihnen nur noch bedingungsweise sein Zutrauen, obgleich nach dem Sturze des Herrn Thiers diese verschiedenen Verfechter des Ministeriums vom 1. März wieder zu ihrer gewohnten Feindseligkeit gegen die Regierung zuruͤckkehrten.
Von den drei erwaͤhnten Blaͤttern hat das „Sidcle“ unbe⸗ dingt die meisten Abonnenten; weohlunterrichte Leute behaupten, es habe deren ziemlich 50,000, obgleich es selbst nur 42,0090 an der Spitze seines Blattes ankuͤndigte, damit, so sagen ebenfalls die wohlunterrichteten Leute, man nicht im Falle einer Abnahme genbthigt sey, die Zahl, welche taͤglich dem Publikum vor die
Augen koͤmmt, zu vermindern.
Es ist sehr begreiflich, daß das Sidele mit einer so ansehn⸗ lichen Abonnenten-Zahl einen bedeutenden Einfluß haben muß. Indeß gehoͤren dieselben meist den niederen Klassen der Gesell⸗
schaft an; man findet das Blatt bei den Weinhaͤndlern, in den Kaffeehaͤusern, Restaurationen, an allen oͤffentlichen Orten. Es ist
sehr beliebt bei einem Theil der arbeitenden Klassen, bei den
Handwerkern und Kraͤmern, die sein Feuilleton und seine Poli⸗ tik gern haben, eine Politik, die mindestens von 15 Jahren her
datirt und der Prototyp des damaligen uͤberspanntesten Liberalismus
ist. Unter den Bedingungen des Erfolges ist auch noch der nie⸗ drige Preis in Anschlag zu bringen, der das Blatt der Masse der Unbemittelten zugaͤnglich macht.
Wir haben gesagt, daß das „Sidele“ vermuthlich eine andere
Fahne aufpflanzen werde. Folgendes ist die Veranlassung zu die⸗ sem Umlenken, das eben nicht ohne Beispiel in der Presse ist: Der Begruͤnder des Blattes ist durch mehrere ziemlich ungluͤck⸗ liche Handels⸗Speculationen in die Lage gerathen, die Verwal⸗ tung desselben einstweilen und als Unterpfand einem seiner Glaͤubiger zu uͤberlassen, der nach einer gewissen Zeit in den de⸗ finitiven Besitz desselben gesetzt werden sollte. Diese definitive Besitzergreifung tritt in Folge der Nichtzahlung der Schuld ein, fuͤr welche die Verwaltung des „Sidècle“ als Unterpfand gegeben worden war, und Herr Perrée, der Glaͤubiger, trat beim Journal an die Stelle des Herrn Dutacq, des Schuldners. Damit schien die Sache abgemacht; denn es handelte sich um so bedeutende Summen, daß sich nicht gut annehmen ließ, Herr Dutacg, der allgemein fuͤr ganz ruinirt gilt, werde dieselben je wieder bezahlen und das Pfand ausloͤsen koͤnnen. Indeß gingen die Dinge doch anders. Herr Dutacg hat auf gerichtlichem Wege die Verwaltung des „Sidecle“ wieder in Anspruch genommen, indem er Herrn Perröe die Wiedererstattung die geliehenen Summen anbieten ließ. Daraus entsprangen mehrere Prozesse mit verschiedenen Wechselfaͤllen, bis endlich gerichtlich verfuͤgt wurde, Herr Dutacg solle Herrn Perrée die Summe vonu 480,000 Fr. in einem Monate zuruͤckzahlen und nach dieser Zahlung die Verwaltung des „Sidcele“ wieder auf ihn uͤbergehen. Dieses Resultat hatte man vorausgesehen, und man wußte auch seit laͤngerer Zeit, daß Herr Dutacq zwar keine Mit⸗ tel mehr habe, daß aber die Summe dennoch zuruͤckgezahlt wer⸗ den wuͤrde, und zwar von reichen und einflußreichen Leuten, welche den Plan hegten, das „Sidcle“ schrittweise und durch geschickte Uebergaͤnge auf die ministerielle Bahn hinuͤberzuleiten. Man behauptet sogar, die Regierung sey diesen Unterhand⸗ lungen nicht fremd, und sie lege Gewicht auf den Ausgang der Sache. Dem sey indeß wie ihm wolle; wuͤrde das „Siècle“ von seiner Opposition abgelenkt, so wuͤrde dies wirklich ein Ereigniß in der Franzoͤsischen Presse seyn, und die Regierung wuͤrde sich eines ziemlich furchtbaren Gegners entledigt sehen. Wir haben gesagt, das Blatt wirke hauptsaͤchlich nur auf die unteren Klassen der Gesellschaft ein, aber seine Wirkung ist darum nur um so nachtheiliger. Sein jetziger Redacteur, Herr Chambolle, der zugleich Mitglied der Deputirten⸗Kammer ist, war fruͤher einer der thaͤ⸗ tigsten Mitarbeiter des „National“, und obgleich er sich jetzt von der republikanischen Partei losgesagt hat, so traͤgt er doch noch auf eine sehr sichtliche Weise das „populaͤre und demokratische Gepraͤge“, wie man es hier nennt. 56 ’1 Sob je gerichtliche Verfuͤ⸗ ur Ausfuͤhrung kommt, Sobald die gerichtliche Verfuͤgung jecle“ vertreibt
amten in den entsprechenden Graden einschließlich bis zum Ober⸗ sten umfassen.“ C111244*“]
kehrt Herr Dutacc triumphirend zum „Eie die jetzige Redaction und bildet eine neue unter dem Einflusse der “