1841 / 205 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

rathen wollte, auf Grund des Allerhoͤchsten Orts bestaͤtigten Ur⸗ theiles guillotinirt.

Trier, 18. Juli. (Triersche Ztg.) Wir haben bereits in einer fruͤheren Nummer unserer Zeitung berichtet, daß Herr Professor Dr. Kugler von Berlin, auf Veranlassung Sr. Ma⸗ jestaͤt unseres Koͤnigs, die Rhein⸗Provinz besuchen werde, um uͤber die in derselben befindlichen Baudenkmale und Kunstschaͤtze Be⸗ richt abzustatten. Herr Dr. Kugler hat mit unserer Stadt und Gegend den Anfang gemacht und befindet sich zu dem Ende schon seit 8 Tagen in Trier, wo er gewiß den reichsten Stoff zu dieser interessanten Arbeit finden wird; und wir koͤnnen uns nicht ent⸗ halten, den lebhaftesten Wunsch auszusprechen, daß Herr Dr. Kug⸗ ler auch uͤber die Baudenkmale und Kunstschaͤtze unserer Gegend, so wie uͤberhaupt der Rhein⸗Provinz, ein eigenes Werk, wie das im vorigen Jahre uͤber die Pommerschen Kunstschaͤtze von ihm erschienene Werk, dem Publikum uͤberliefern moͤchte, wodurch je⸗ der Einzelne in den Stand gesetzt werden koͤnnte, das Vorhan⸗ dene kennen und nach seinem Werthe n. uͤrdigen zu lernen.

Albert Thorwaldsen.

e 8

Aus dem „Tagebuche eines Reisenden in Italien 1828“,

dessen Druck wir noch erwarten, ward folgende Stelle uͤber Al⸗ bert Thorwaldsen mitgetheilt, welche ein um so groͤßeres Interesse in Anspruch nimmt, als man jetzt bei seiner Reise durch Berlin, Seiten seines Charakter besprechen hoͤrt, die in jener Stelle ihre wahre Wuͤrdigung finden: um so glaubwuͤrdiger, da der Reisende lange in Rom mit Thorwaldsen lebte, und ihn sehr genau kennen zu lernen Gelegenheit hatte. Der Reisende schreibt: Ueber Thoͤrwaldsen als Kuͤnstler spricht und schreibt man viel; daß er der Heros der neueren Kunst sey und mit Recht den ihm dfters schon ertheilten Ditel eines Fuͤrsten unter den lebenden Kuͤnst⸗ lern fuͤhre, das ist bekannt und mag vielleicht Ursache geworden seyn, daß man uͤber Thorwaldsen als Mensch, als Mitglied der großen Roͤmischen Kuͤnstler⸗Republik noch nie gesprochen hat; um so unbilliger erscheint dieses aber, da er in dieser Beziehung eine sehr, sehr hohe Stelle einnimmt und eben deshalb in seinem Ver⸗ haͤltnisse zu den in Rom lebenden Kuͤnstlern stets auch betrachtet werden sollte.

Thorwaldsen kam als ein armer Juͤngling nach Rom und ist jetzt durch sein großes Kunsttalent ein wohlhabender Mann; durch die Art und Weise, wie er diesen Reichthum nun anwendet, wie er seinen großen Einfluß, sein hohes Ansehen fuͤr Andere benutzt, hat er sich ein wahres Denkmal der Liebe und Verehrung gesetzt. Denn abgesehen, daß er mit hoher Liebenswuͤrdigkeit und Gefaͤllig⸗ keit jedem Kuͤnstler mit Rath in der Kunst beisteht, sucht er auch die vie⸗ len in Rom oft in hoͤchster Armuth lebenden tatentvollen Kuͤnstler auf, giebt ihnen Bestellungen, Geld⸗Unterstuͤtzungen und Aufmunterungen jeder Art, nicht achtend, welcher Nation sie angehoͤren. Daher sieht man seine Wohnung mit ausgezeichneten Bildern jetzt lebender und juͤngst verstorbener Meister angefuͤllt, und die Werke, die man von

teristisch daraus hervortritt, waͤhrend aus dem Kopfe des seltenen Mannes ein kraͤftiger, schoͤpfungsreicher Geist uns anspricht und un⸗ ser Herz fuͤr ihn fesselt. Wir haben hier nur beginnen wollen, uͤber Thorwaldsen auch in dieser Beziechung zu sprechen und aufmerksam zu machen, daß man das menschlich Gute und Große auch bei dem groͤßten Kuͤnstler nicht vergessen sollte; und gerade bei Thorwaldsen ist uns diese Seite hoͤchst interessant, da er unter schwieri⸗ gen Verhaͤltnissen lebt, und Neid und Mißgunst selbst eine solche Natur nicht verschont lassen. Wir freuen uns, in dem Besitz vieler, vieler Zuͤge des wahren Edelmuthes dieses Mannes zu seyn, welche der Mit⸗ und Nachwelt nicht verloren seyn sollen; und so wie Thorwaldsen als Kuͤnstler den Kranz der Unsterblichkeit um seine Schlaͤfe bereits geflochten sieht, so wird er auch als eine edle Menschen⸗Natur im Andenken aller Nationen fortleben.“

Was Thorwaldsen in neuester Zeit, nachdem er auf wuͤrdige Weise sein Haus bestellt und zum fortgesetzten Wohlthun die noͤ⸗ thigen Mittel sich vorbehalten, seinem Vaterlande fuͤr ein wahr⸗ haft großartiges Geschenk gemacht, das weiß die Mitwelt: die Nachwelt wird durch seine Stiftung dem großen Manne auch in dieser Beziehung Bewunderung nicht versagen koͤnnen.

EIIIT Den 24. Juli 1841.

Pr. Cour. 8 V Brief. Celd. Brief. CGeld.

Pr. Cour.

Acliena. HBrl. Pots. Eisenb. 126 do. do. Prior. Act. 102 1 MIgd L. pz. Eisenb. 1 10 ¼ 109 ½ do. do. Prior. Aet. 101 3 Berl. Anh. Eisenb. 101 103 do. do. Prior Act. 102 ½ 102 Düss. Elb. Eisenb. 5 94 ½

St. Schuld- Sch. 104 2 Pr. Engl. Obl. 30. 102 Präm. Sch. der

Scehandlung. 78 ¼ 78 ½ Kurm. Schuldv. 32 102 101 2 Berl. Stadt-OLl. 103 103 ½ Elbinger do. 3 100 Donz. do. in Th. 18 5 - Westp. PIunndbr. * 102 2 101 3 do. do. Prior. Act. 5 103 2 103 ¼ Grossh. Pos. do. 106 105 ½1 Rhein. ELisenb. . 97 2 96 ¼ Ostpr. Pfandbr. 3 ½ 102 2 HAII“ 211 Pomm. do. 3 ½ 103 ¼ 102 32 Friedrichsd'or 3 13 ½ 13 Kur- u. Neum. do. 3 ½ 102 ¾ Andre Goldmün. 8 Schlesische do. 3 ½ 102 ½ zen à 5 Th. 8 ½ 7 Disconto 9 3

Pr. Cour. Thlr. zu 30 Sgr. Breief. Geld.

103 ¼

1018

ee

Kurz 138 ¼ 138*

2 Mt. 137 ¾ 137

300 Mx. Kaͤrz 149 ½ 148 ½ 300 Mk. Mt. 148 ¼ 1 1 LSt. Mt. 6 188 6 17 ¾ 300 PFr. Mt. 79 78 ¼ 150 PFl. Mt. 102 ½, 102 ¼ 150 Fl. Mt. 101*

Amsterdam do. IUIambarzaza do.

Wien in 20 Xr.

Augsburg

dieser Art daselbst findet, kann man mit vollem Recht eine bedeu⸗ tende Sammlung nennen. Nicht Nang, Reichthum und Einsluß oft mittelmaͤßiger Kuͤnstler geben ein Recht, in Thorwaldsen’'s Stube einen Platz fuͤr ihre Werke zu finden, sondern nur das Talent. Giebt es eine bessere Empfehlung, als wenn Thorwaldsen's geistiges Auge sich gern an Bildern unserer jetzigen Kuͤnstler, selbst im unermesslich reichen Rom, erfreut und ihre Werke um sich haben will? Der sammellu stige Englaͤnder, Franzose u. s. w. wollen nun auch und das mit Recht von solchen Meistern Bilder haben, deren Werke sie bei Thorwaldsen gesehen, und so mancher brave Kuͤnstler ist auf diese würdige Art aus seiner Noth gezogen. Auch der Alterthumsfreund findet Schaͤtze Griechischer, Roͤmischer und Aegyptischer Kunst, be⸗ sonders eine vortreffliche Sammlung geschnittener Steine bei Thor⸗ waldsen, die jedem Kuͤnstler so viel wie moͤglich zur Benutzung frei stehen. Dazu hat er jetzt auch füͤr mehrere tausend Sendi eine Bibliothek angekauft, mit Werken aller Nationen, mehr bei solchen Ankaͤufen darauf bedacht, dieselben jungen Kuͤnstlern und Gelehrten mittheilen zu koͤnnen, da Rom in dieser Bezichung sehr arm ist, als fuͤr eige nen Gebrauch, da Thorwaldsen in seinem reichen Geiste, Gemuͤth. und Phantaste mehr Nahrung findet, als in todten Buchstaben je ge⸗ schaut und gefunden werden kann.

Doch alle diese mit Schaͤtzen alter und neuer Kunst angefuͤllten Zim⸗ mer runden sich erst zu einem Ganzen, wenn man auf den Mann sieht, der darin lebr. Thorwaldsen’s Kopf, der Ausdruck seiner Gesichtsbildung erin nern an den in Paris verstorbenen Grafen S chlaberndorf. Die Aehnlichkeit liegt nicht sowohl in den Zuͤgen, als in dem Geiste, in der Kraft, in dem wohlwollenden Ausdruck des offenen, wahrhaften Menschenfreun des. Das bekannte von Amsler gestochene Portrait von Thorwaldsen scheint verfehlt; es ist ein suͤßes, weichliches Laͤcheln, was als charak⸗

Bekanntmachungen. EEEECbbung.

jeber dos nachgelassene, aus 31 Thlr. 20 Sgr. bestehende Vercoͤgen des am 9. November 1840 in Wiednitz verstorbenen Dienstknechts Johann Wen⸗ zel Haͤnisch ist das abgekürzte Konkursverfahren ein⸗ geleitet. Alle etwanigen unbekannten Glaͤubiger des Verstorbenen werden vorgelabrn, sich in dem auf

den 30. September cr., Vorm. 10 Uhr, an hiesiger Gerichtsstelle anberaumten Termine ent weder in Person oder durch einen zulaͤssigen Bevoll⸗

ben an die alsdann unter die bekannten Glaͤubiger erklären.

Hoyerswerda, den 12. Juli 1841. oͤnigl. Preuß. Land⸗ und Stadt⸗Gerich

5

In dem uͤber das Vermoͤgen der Handlung Speyer nd Boͤhm und das Privat⸗Vermoͤgen der Kaufleute

Benijamin Speyer und Isaac Boͤhm hierselbst am demnaͤchst aber sein Vermoͤgen ben alsdann bekann

ten Erben desselben, nachdem sie sich gehoͤrig legiti⸗

der Anspruͤche mirt haben, zugesprochen und zur freien Verfuͤgung

verabfolgt werden.

nen, welchen es hier an Bekanntschaft fehlt, der vor dem Herrn Stadt⸗Gerichts⸗Rath Juͤttner im Justiz⸗Kommissarius Koltze in Vorschlag gebracht.

Zuͤllichau, den 29.

Das Patrimonial⸗Gericht uͤber Klemzig.

18. Mai d. J. eroͤffneten Konkurse ist ein Termin zur Anmeldung und Nachweisung aller unbekannten Glaͤubiger auf den

12. November d. J., Vormittags 11 Uhr,

Parteienzimmer Nr. 1 angesetzt worden. Diese Glaͤu⸗ biger werden daher hierdurch aufgefordert, sich bis

ausgeschlossen und ihm Deshalb gegen die uͤbrigen Bei Nichtt Glaͤubiger ein ewiges Stillschweigen auferlegt werden. es sich selbst beizumessen haben, wenn die Feststel⸗ lung haben das Interesse des Publikums in so ho lung ihrer Anspruͤche zum Prozeß verwiesen werden hem Grade auf sich gezogen, daß es bei Erscheinen

Breslau, den 9. es. auf Schwierigkeiten dieses neuen Bandes nur einer Hinweisung auf den

Koͤnigliches Stadt-Gericht II. Abtheilung

WIFFsgFtin Bei dem unterzeichneten Gericht ist darauf ange⸗ tragen, den Samuel Rau, einen Sohn des in Klem zig verstorbenen Muͤller Johann Friedrich Rau, ge— boren am 1. Mai 1786 in Buckow bei Zuͤllichau, mächtigten einzufinden und ihre Anspruͤche anzu⸗ Behufs der Ausantwortung seines in gerichtlicher melden und darzuthun, widrigenfalls sie mit densel⸗ Verwaltung besindlichen Vermoͤgens, fuͤr todt zu 0 Der Samuel Rau oder, insofern derselbe zu vertheilende Masse mit Auferlegung eines ewigen verstorben ist, seine etwa zuruͤckgelassenen unbekann Stillschweigens gegen die uͤbrigen Kreditoren wer⸗ ten Erben und Erbnehmer werden demnach hier chg den ausgeschlossen werden. aufgefordert, sich binnen 9 Monaten schrift- ziehen, in Berlin durch E. S. Mittler (Stech⸗ liefern. 8

oder in dessen Registatur, spaͤtestens aber in dem auf den 14. April 1842, Vormittags um 10 Uhr,

8 3 im Gerichtszimmer zu Klemzig angesetzten Termine CECTia tion. zu melden und die weiteren Anweisungen zu erwarten. V Wenn der Samuel RNau weder erscheint, noch

sich schriftlich melbet, so wird er fuͤr todt erklaͤrt, 8

100 Thlr. Mt. 99 ½ 100 TPhlr. Tage 100 99 ½ 100 PFl. t. 100 ½

1 SRbl. Woch. [1 24

6

Breslaus-.

Leipzig in Courant im 14 Thl. Fuss. . Frankkuet a. M. WZ... ... . ..... veehee““

Ce to œ bo’O’bo'b’o'-See

Auswärtige Börsen.

Niederl. wirkl. Schuld 51 ⁄. 9% do. 100 ½. Zinsl. —.

Amsterdarnte 20. Jali. Kanz. Bill. 24³⁄ 8 Vevrl'span. 20 %. Präm. Sch. —. Pol. —. Oesterr. 1014.

Frankfurt a. M., 21. Jali. Oesterr. 5 6 Met. 106 G. 4 9, 98 8 6. 2 ½ 56 Br. 18 24 1⁰ G. Bank-Act. 1949. 1947. Partial -Obl. —. Lose zu 500 Pl. 132 %. 132 %. Loose zu 100 PFl. —. Preuss. Präm. Sch. 78 ¾ G. do. 4 Anl. 101¼ Ur. Poln. I.00s e 71 G. 5G Span. Anl. 195¼. 19 ½. 2 ½ Holl. 50 72. 50 8.

Eisenbahn -Actien. St. München-Augsburg 87 G.

Passive. —. Ausg. —. Preuss.

Germain —. Versailles rechtes Ufer —.

do. nkes —. Strassburg —- Basel 250 Br. Leipzig- Dresden 99 ¾ G. Köln -Aachen 99 ¼ G. IIambu rg, 22. Juli. Bank-Actien 1630 Br. Engl. Russ. 108 8. Lvöondon 20. Nlt Gon 3 90. Belg. 101 z. Neue Anl. 20. Ausg. Sch. 9 ½. 2 ½ % Holl. 51 ½.. 5 9 Port. 30 ½. 32 —. Chili —.

Rente fin cour.

. 4 7 Passive 4 ½%. Bras. 68. Columb. 20. Mex. Peru —.

Engl. Russ. —.

Paris, 19. Juli. 5 9 Rente fin cour. 1I5. 10. 39 76. 65. 5 ½ Neapl. au compt. 102. 90. 52; Span. Rente 21 3 Port. —.

Wien, 19. Juli. 5 6 Met. 105 ⁄. 19 —. Rank-Actien 1575. Aul. de 1831 130 ½.

111717'7— Passive 4 ⅞.

DD8“ de 1839 105 ½.

agnengemmensugn sder ek eee. reene ö——

Juli 1841. 1‚ muß und ihre Befriedigung

Behrends.

Bei Nichtinnehaltung dieses Termins werden sie

stoͤßt, die in den rechtlichen Verhaͤltnissen der ver

Dauer der Eisenbahnkahrten am 23. Zuli 1841.

Abgang 8 Abgan S 8 Zeitdauer 62b6 8 von von

III .† M. DSIa

Um 8 Uhr Vormittags.. 43 [Uam 8

- Nachmittags 42

Zeitdauer

6 ½ Uhr Morgens... 42

Vormittags. 40 Nachmittags 40 Nachmittags 43 Abends... 40 Abends.. 47

Nachmittags 40 32 Abends... 40 2 Abends... 54

Dauer der Fahrten auf der Berlin-Anhaltilchen 1 Eisenbahn

) Zwischen Berlin und Jüterbogk: kürzeste Dauer 1 Stunde?

mittlere 2 8 2) Zwischen Jüterbogk und Berlin: kürzeste Dauer 1 Stunde 46 längste 2 9 nittlere 1 58

Königliche Schauspiele.

Sonntag, 25. Juli. Im Opernhause: Don Juan, Oper in 2 Abth., mit Tanz. Musik von Mozart. (Mad. Spatzer⸗Gen tiluomo: Donna Anna und Dlle. Spatzer: Donna Elvira, als vorletzte Gastrollen. Herr Eicke: Don Juan, als Gastrolle.)

Montag, 26. Juli. Im Schauspielhause: Das Blatt hat sich gewendet, Lustspiel in 5 Abth., von Schroͤder. Hierauf: Die Lotterielisten, Lustspiel in 2 Abth., von Klaͤhr.

Königsstädtilches Theater.

Sonntag, 25. Juli. Der boͤse Geist Lumpacivagabundus, oder: Das liederliche Kleeblatt. Zauberposse mit Gesang in! Akten, von J. Nestroy. Musik von A. Muͤller.

Montag, 26. Juli. (Einunddreißigste Italiaͤnische Opern⸗ Vorstellung.) Zum erstenmale: Lajo Nell' Im barazzo (Der Hofmeister in Verlegenheit). Opera buffa in 2 Atti. Musie del Maestro Gaetano Donizetti.

Preise der Plaͤtze: Ein Platz in der Orchester⸗Loge 1 Rthlr. 10 Sgr. Ein Platz in den Logen und im Balkon des ersten Ranges 1 Rthlr. u. s. w.

Textbuͤcher, in Italiaͤnischer und Deutscher Sprache sind Abends an der Kasse à 5 Sgr. zu haben. 8

Der Anfang der Italiaͤnischen Opern⸗Vorstellungen ist um halb 7 Uhr. Die Kasse wird um halb 6 Uhr geöͤffnet.

Dienstag, den 27. Juli. Nummer 777. Posse in 1 Akt, von Lebruͤn. Hierauf: Ein Stuͤndchen Inkognito. Versspiel in 2 Akten, von Dr. C. Toͤpfer. Zum Schluß: Die Wiener in Ber lin. Posse mit Gesang in 1 Akt, von C. v. Holtei.

Marktpreise vom Getraide. 1 Berlin, den 22. Juli 1841. Zu Lande: Roggen ¹ Rthlr. 11 Sgr. 11 Pf., auch 1 Rthlr. 8 Sgr.; Hafer 26 Sgr. 3 Pf., auch 22 Sgr. 6 Pf. Eingegangen sind 26 Wispel Zu Wasser: Weizen (weißer) 2 Rthlr. 22 Sgr. 6 Pf., auch 2 Rthlr. 15 Sgr. und 2 Rthlr. 10 Sgr.; Roggen 1 Rthlr. 12 Sgr „Pf., auch 1 Rthlr. 8 Sgr. 9 Pf.; Hafer 23 Sgr. 9 Pf., auch 22 Sgr. 6 Pf.; Erbsen 1 Rthlr. 15 Sgr., auch 1 Rthlr. 11 Sgr. 3 Pf. (schlechte Sorte). Eingegangen sind 536 Wispel 9 Scheffel. Mittwoch, den 21. Juli 1841. Das Schock Stroh 9 Rthlr., auch 7 Rthlr. 1 Rthlr. 10 Sgr., auch 26 Sgr. 3 Pf. Branntwein⸗Preise vom 16. bis incl. 22. Juli. Das Faß von 200 Quart, nach Tralles 54 pCt., nach Richter 40 pCt., gegen baare Zahlung und sofortige Ablieferung. Nach An gabe: Kartoffel⸗Branntwein 19 Rthlr. 22 Sgr. 6 Pf., auch 19 Rthlr.

Der Centner Heu

Verantwortlicher Redacteur Dr. J. W. Zinkeisen.

Gedruckt in der Deckerschen Geheimen Ober⸗Hofbuchdruckerei.

Allgemeiner Anzeiger für die Preußischen Staaten.

Die unlaͤngst erschienenen Baͤnde dieser Samm⸗

uͤberaus reichen Inhalt dieser Fortsetzung bedarf und

schiedenen Bestaͤndtheile des Graͤflichen Nachlasses nicht zu zweifeln ist, daß Namen wie Altenstein,

ihren Grund haben. Stolberg, den 15. Juli 1841. Tschirner,

Boͤrne, Gans, Goͤthe, Hardenberg, E. Th. A. Hoff⸗ mann, Iffland, Immermann, Kant, Koͤnig Ludwig von Bayern, Jean Paul Friedrich Richter, Staͤge⸗

Koͤnigl. Regierungs⸗Rath und Kommissarius fuͤr die mann, Stein, Varnhagen ꝛc. ꝛc., und unter den Regulirung des Graͤflichen Nachlasses.

Denkschriften die wichtigsten offiziellen Verhandlun gen im Rhein- und Mosel-Departement vom Jahre

lich oder persoͤnlich bei dem unterzeichneten Gerichte bahn Nr. 3): Jahn, G. A. Dr. phil. und Lehrer der Mathe⸗ stark begehrte Werk der

matik zu Leipzig, der

und Schulbuch.

Zum Bevollmaͤchtigten wird de⸗ auf eine Unsterblichkeit des Geistes.

IJuni 1841. geheftet 140 Ngr.

um Termine schriftlich, in demselben aber persoͤn⸗ sich oder durch gesetzlich zulaͤssige Bevollmaͤchtigte, wozu ihnen beim Mangel der Bekanntschaft die Herren Justiz⸗Kommissarien Muͤller I. und Hahn vorgeschlagen werden, zu melden, ihre Forderungen, an⸗

Einleitung der Sache zu gewaͤrtigen. Wer nicht unterzeichneten

8

Nndeyung

Alle diejenigen unbekannten Glaͤubiger, welche

den Nachlaß V

die Art und das Vorzugsrecht derselben anzugeben Grafen Joseph zu Stolberg⸗Stolberg Anspruͤche ma⸗

und die etwa vorhandenen schriftlichen Beweismit⸗schen sollten, werden hierdurch aufgefordert, diesel Se 1

tel beizubringen, demnaͤchst aber die weitere rechtliche ben spaͤtestens bis zum 1. November d. J. bei dem zur Charakteristik der Welt und Literatur. V. Band oder Neue Folge IJ.

Kommissarius, geh. 1 ½ Thlr.

erscheint, wird mit seinen Anspruͤchen von der Masse derer forderlichen Beweismittel, anzumelden.

des weiland regierenden Herrn schi

unter Beibringung gr. 8.

Literavische Anseigen. Bei E. B. Schwickert in Leipzig sind so eben erschienen und durch alle Buchhandlungen zu be⸗

n- Kalenderfreund, ein sicherer Fuͤhrer durch das Gebiet des Kalenders, der Zeitrechnung und Sternkunde.

Leipzig, im Juni 1841.

Im Verlage von Alexander Duncker, Koͤnigl. Hofbuchhaͤndler in Berlin, Franz. Str. No. 21, ist

1801 uüber die Vereinigung der lutherischen und re⸗ formirten Kirche, so wie der Aufsatz uͤber eine Na⸗ tional⸗Bewaffnung und erste Idee zu einer Land⸗ wehr in Preußen, im Stande sind, die beste Buͤrg⸗ schaft fuͤr interessanten und gediegenen Inhalt zu

Das kuͤrzlich in demselben Verlage erschienene so

Graͤfin sKalenders⸗ E1II1 Ein Volks⸗ 8. geh. 2 Thlr.

Hahn⸗Hahn, SEö1

Mit 1 lithographirten Ta⸗ jeder dure S. . 8 161 B9, in Uinschlag geb. 15 Rar. ist nun wieder durch alle Buchhandlungen zu beziehen. Wild, C. A. Dr. phil., der Vernunftglaube

oder Grundzuͤge zu einer zeitgemaͤßen rationel⸗

len Gottesverehrung, dargethan und begruͤndet naturphilosophische Betrachtung des Universums zur Ueberzeugnug von Gott und gr. 8. in Umschlag

In der Arnoldschen Buchhandlung in Dresden erschien und ist in Berlin vorraͤthig bei E. H. Schroͤder, Buch⸗ und Kunsthaͤndler, unter den Linden Nr. 23 im Jajorschen Hause: 1

Lindau, W. A., und Wiemann, J. G., Merk⸗

wuͤrdigkeiten Dresdens und der Umgegend. Fuͤnfte Auflage. 12. karton. Preis 20 Sgr. 8g Dasselbe mit 16 Ansichten. Preis 1 Thlr. 7 ½ Sgr. —, Taschenbuch fuͤr den Besuch der Saͤchsischen

Schweiz. Vierte Aufl. 12. kart. Preis 20 Sgr. Richter, Prof. C. A., Andenken an Dresden in

16 neuen Ansichten. Preis 15 Sgr.

Denkschriften und Briefe —, Andenken an die Saͤchs. Schweiz in 12

neuen Ansichten. Preis 10 Sgr.

Vormittags. 40

254 I287116 2,⸗ 4 Feinsd Seer mu 88

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Montag den

Ien Ili

8 Ianbalt. Amtl. Nachr. I

Frankreich. Paris. Herr Mahul uͤber sein Benehmen in Tou⸗ louse. Weiterer Verlauf der dortigen Haͤndel. Vermischtes. Briefe aus Paris. (Blicke auf den Feldzug in Afrika. Der Franzoͤsisch⸗Belgische Zoll⸗Verein; Touloüuser Haͤndel. Haltung der Presse in Bezug auf d. Lond. Schluß⸗Protokollc. Beabsichtigte Vermaͤhlung des Prinzen von Joinville; Thiers; die Koͤnigin Christine; Diplomatic.)

Großbrit. und Irland. London. Die Koͤnigin u. Lord Mel⸗ bourne. Parlament u. Ministerium. Ministerielle Betracht. uͤber die Ergebnisse der Wahlen. Wahl⸗Unruhen in Irland. Ueber das Einmischen des Irlaͤndischen Klerus in die Politik. O'Connell'’'s Erklaͤr. in Betreff seiner Wahl. Frankreichs Bedin⸗ gungen vor dem Beitritt zum neuen Traktat. Die Belg. Graͤnz⸗ Festungen. Plan hinsichtlich Palaͤstina's. Vermischtes. Briefe aus London. (Zur ferneren Charakteristik der siegenden und der besiegten Partei bei den Wahlen. Muthmaßliche Majo⸗ ritaͤt der Tories und wahrscheinliche Elemente des neuen Kabincts.)

Niederlande. Haag. Kanal fuͤr die noͤrdl. Provinzen. Die Portug. Regierung von Oesterr. anerkannt.

Belgien. Bruͤssel. Herabsetzung der Wasser⸗Zoͤlle von Steinkoh⸗ len nach Holland.

Stockholm.

Schweden u. Norwegen. Muͤnchen. Thorwaldsen zum Groß⸗

Sund⸗Zoll.

Dentsche Bundesstaaten. kreuz des Verdienst⸗Ordens ernannt. Hannover. Ministerial⸗ Bekanntmachung, das Verbot der Einwirkung auf die Wahlen betreffend.

Oesterreich. Schreiben aus Wien. (Der Orkan vom 18. Juli. Nachrichten aus Konstantinopel, wo das Unterwerfungs⸗Schrei⸗ ben Mehmed Ali's und die erste Tribut-Sendung Mehmed Ali's angekommen. Des Sultans Gesundheits⸗Zustand.) Unterzeich⸗ nung des Vertrages in Konstantinopel.

Schweiz. Die Tessiner Haͤndel.

Kommissarien fuͤr den

iz. Zuͤrich. Türkei. Erklaͤr. der Insurgenten auf Kreta. Aegypten. Mehmed Ali's Antwort auf den Ferman des Sultans.

Amtliche Uachrichten.

Kronik des Tages.

e. Majestaͤt der Koͤnig haben Allergnaͤdigst geruht:

Dem Wirkklichen Geheimen Rath, Kammerherrn von Hum⸗ boldt, die Anlegung des ihm von des Koͤnigs von Daͤnemark Majestaͤt verliehenen Großkreuzes des Dannebrog⸗Ordens zu be⸗ willigen; und

Den bisherigen Geheimen Ober⸗Rechnungs⸗Rath Siber zum zweiten Direktor bei der Ober⸗Rechnungs⸗Kammer zu ernennen.

Bekannntmachung.

Das reisende Publikum wird hiermit darauf aufmerksam ge⸗ macht, daß jeder Post-Reisende verpflichtet ist, bei der Empfang— nahme des geloͤsten Passagier⸗Billets von dem Inhalte desselben Kenntniß zu nehmen und sich besonders davon zu uͤberzeugen, daß das Billet fuͤr den Tag, zu welchem der Reisende den Platz verlangt, und nach dem Orte, wohin er sich begeben will, richtig ausgestellt ist.

Alle aus der Nichtbeachtung dieser Verpflichtung entsprin⸗ gende nachtheilige Folgen haben die Post⸗Reisenden, sie moͤgen das Passagier⸗Billet selbst gelost haben oder durch einen Boten haben loͤsen lassen, sich selbst beizumessen. Es koͤnnen daher auch Re⸗ clamationen wegen des in Folge angeblicher Mißverstaͤndnisse bei Lösung der Passagier⸗Billets doppelt zu erlegen gewesenen Perso⸗ nengeldes nicht beruͤcksichtigt werden.

Berlin, den 22. Juli 1841. General⸗Post⸗Amt

Koͤnigliche Bibliothek.

In der naͤchsten Woche, vom 2ten bis 7ten k. M. findet, dem F. XIV. des gedruckten Auszugs aus dem Reglement gemaͤß, die allgemeine Zuruͤcklieferung aller entliehenen Buͤcher in die Koͤ⸗ nigliche Bibliothek statt. Es werden daher alle diejenigen, welche Buͤcher der Koͤniglichen Bibliothek in Häaͤnden haben, hierdurch aufgefordert, dieselben an einem der genannten Tage, Vormit⸗ tags von9 bis 12 Uhr, gegen Zuruͤcknahme der daruͤber ausgestellten Empfangscheine, zuruͤckzuliefern.

Heute wird das 11te Stuͤck der Gesetz⸗Sammlung ausgege⸗ ven, welches enthaͤlt: unter Nr. 2174. das Allerhoͤchst vollzogene Publications⸗Patent vom 1. Juni d. J., wegen der von der Deutschen Bun— des⸗Versammlung gefaßten Beschluͤsse zum Schutze der Werke von Schiller u. s. w. gegen Nachdruck; die Allerhoͤchste Kabinets⸗Ordre vom 22sten desselben Monats, die Ernennung des Geheimen Finanz⸗Raths Natan zum dritten und des Stadtgerichts⸗Direktors Tettenborn zum vierten Mitgliede der Haupt-Ver— waltung der Staatsschulden; die Declaration, betreffend die Straf-Bestimmungen gegen den unbefugten Betrieb von Maͤkler-Geschaͤf⸗ ten. Vom 30sten ejusd.; das Gesetz wegen Aufhebung der im Jurisdictions⸗ Bezirk des Land⸗ und Stadtgerichts zu Brieg gelten⸗ den besonderen Rechte. Von demselben Tage; und die Allerhoͤchste Kabinets⸗Ordre vom 9ten l. M., be⸗ treffend die Kompetenz zur Abfassung des Erkennt⸗ nsgerichtsh⸗ Wshns in den im Bezirke des Appel⸗ uU 9 9 , 4 1 Crhoe derterssch nagee en.. Koͤln gefuͤhrten fiskalischen Berlin, den 26. Juli 1841. Gesetz⸗Sammlungs⸗Debits⸗Comtoir.

Abgereist: Se. Excellenz der Wirkliche Geheime Staats⸗ und Minister des Innern und der Polizei, von Rochow, nach Luͤbbenau,. 1

Se. Excellenz der Geheime Staats⸗Minister und General⸗ Postmeister, von Nagler, nach Kissingen.

Ausland.

Frankreich.

Paris, 20. Juli. Herr Mahul, der abgesetzte Praͤfekt des Departements der Oberen Garonne, hat dem Journal des Débats nachstehenden zur Rechtfertigung seines Benehmens in Toulouse bestimmten Artikel zugesandt:

„Zwei Haupt⸗Thatsachen haben meinen Aufenthalt in Toulonse bezeichnet, uͤber welche mich zu erklaͤren mir Beduͤrfniß ist: 1) die dem Maire auf sein Gesuch ertheilte Erlaubniß zur Zusam⸗ menberufung der National⸗Garde; 2) meine gezwungene Entfernung, die eine Folge jener Maßregel war.

Angesichts der Emeute, die verschanzt und bewaffnet war, begab sich die Munizipal-Verwaltung zu mir und erbat die Erlaubniß, die National⸗Garde zusammenberufen zu duͤrfen, um die Emeute durch Ueberredung zu beruhigen und auf diese Weise dem Blutvergie ßen vorzubeugen. Bei der notorischen Stimmung der National⸗ Garde und der Munizipal⸗-Verwaltung war ich uͤberzeugt, daß ein solches Resultat nur auf Kosten der Freiheit und der Staͤrke der oͤffentlichen Behoͤrde erlangt werden wuͤrde. Wenn ich mich daher gesetzlich fuͤr frei gehalten haͤtte, so wuͤrde ich sie ohne Schwanken verweigert haben. Ich sagte mir aber augenblicklich, daß ich durch Verweigerung der Zusammenberufung einer National⸗Garde, die kei nem gesetzlichen Verdachte unterworfen war, und durch augenblick⸗ liche Anwendung der Gewalt, die blutige Resultate liefern mußte, eine Verantwortlichkeit auf mich laden wuͤrde, die nur dann voll⸗ kommen gewuͤrdigt werden konnte, wenn man im Geiste die unaus bleiblichen Folgen eines solchen Entschlusses voraussah. Der Gene⸗ ral Prokurator theilte meine Meinung und gab mir solches schrift lich zu erkennen.

Meine Entfernung am folgenden Tage war die nothwendige Folge der Haltung der National⸗Garde, die, nachdem sie alle Posten gemeinschaftlich mit den Linien⸗Truppen besetzt hatte, uns in die Unmoͤglichkeit versetzte, wirksam gegen den Aufruhr zu agiren, und laut erklaͤrte, daß sie das Ansehen des Praͤfekten nicht vertheidigen, sondern hoͤchstens seine Person durch Beguͤnstigung seines Ruͤckzuges beschuͤtzen wolle. Nachstehendes sind nun die Umstaͤnde, unter denen meine Entfernung erfolgte.

Am 13ten Morgens waren alle Posten, den der Praͤfektur, ihrer Hoͤfe und Gaͤrten mit eingeschlossen, von der National⸗Garde besetzt. Von fruͤh an hatte sich die Emeute auf allen Punkten wieder ge⸗ bildet, besser bewaffnet, zahlreicher und drohender als am vorherge⸗ henden Tage. Anderersecits gab die National⸗Garde laut die Absicht zu erkennen, die Abreise des Praͤfekten zu beschleunigen, da sie dem gebieterischen Verlangen des Volkes nicht mehr widerstehen koͤnne. Diese Ohnmacht war von dem Augenblicke an augenscheinlich, wo die National⸗Garde ihre erste Pflicht, die Attentate der aufruͤhreri⸗ schen Menge gegen das Ansehen des Praͤfekten durch Gewalt zuruͤck zuweisen, verkannte.

In dieser Lage schrieb ich zweimal im Laufe des Morgens an den General⸗Lieütenant und forderte ihn auf, alle disponibeln Streitkraͤfte nach der Praͤfektur hin in Bewegung zu setzen. Ich hoffte die Artillerie-Regimenter mit ihren Kanonen anruͤcken zu sehen; anstatt dessen sah ich den General Rambaud zu mir kommen, der mir im Wesentlichen sagte, daß die Truppen und die Generale sicherlich geneigt waͤren, bis zum letzten Augenblick muthig ihre Pflicht zu thun; daß aber bei der Mischung der National⸗Garde und der Armee auf allen Posten es der letzteren unmoͤglich sey, wirksam zu agiren; daß die National⸗Garde sich augenschein⸗

lich einmischen wuͤrde, um die Anwendung der Gewalt ge— gen das Volk zu verhindern; daß alsdann eine Kolliston zwischen der National⸗Garde und der Armee stattfinden, und daß diese Verwirrung den Erfolg unmoͤglich machen wuͤrde. Ich fragte hierauf den General, ob es nicht moͤglich waͤre, mich mit einer Ka vallerie-Abtheilung oder mit den Jaͤgern nach den Kasernen oder dem Arsenal zu eskortiren. Der General erwiederte, daß diese Ope ration eben so wenig ausfuͤhrbar waͤre, als die erstere, und zwar aus denselben Gruͤnden; daß uͤbrigens die Kasernen und das Arsenal ganz eben so schwer zu vertheidigen waͤren, als die Praͤfektur. Ich be⸗ kenne, daß mir, beruͤcksichtigend, daß sich nur 150 Mann Linien Truppen in der Praͤfektur befanden, jeder Versuch von hier aus un⸗ ausfuͤhrbar schien.

Der General fuͤgte hinzu, daß die Emeute nur meiner Person

gaͤlte, und daß sich Alles augenblicklich beruhigen wuͤrde, wenn ich abreiste; er erbot sich freiwillg, mir, wenn ich die sich draͤngenden Augenblicke benutzen wollte, einen Wagen zu verschaffen, um meine Entfernung zu beguͤnstigen, und zwar ohne Wissen der Auffuͤhrer, die mich zu erwischen und zu ermorden trachteten. Ich fragte Herrn Rambaud, ob der General⸗Lieutenant gleich ihm der Meinung sey, daß es bei dem gegenwaͤrtigen Zustande der Dinge unausfuͤhrbar sey, von der Gewalt auf wirksame Weise Gebrauch zu machen. Herr Rambaud erwiederte mir, daß dies die Ansicht des General⸗Licute- nants sey. Da ich mich demnach jeder Gewalt beraubt sah, so er klaͤrte ich dem General, daß ich, da ich mich durchaus außer Stand gesetzt saͤhe, mein Ansehen auszuuͤben, in die Mittel willigte, die er anzuwenden wuͤßte, um dem Drohenden der Krisis ein Ende zu machen.

Man kann also nicht sagen, daß ich vor dem Vergießen des Blutes der Aufruͤhrer zuruͤckgeschreckt seyv. Ich bin immer der Ansicht ge⸗ wesen, daß ich dazu berechtigt und verpflichtet war. Der General entfernte sich sogleich; er kehrte eine halbe Stunde spaͤter mit dem Platz⸗Kommandanten, einem Munizipal⸗Rathe und mehreren Offizie⸗ ren der National⸗Garde zuruͤck. Diese Herren wiederholten mir, daß es nicht mehr moͤglich sey, das Volk im Zaume zu halten, und daß kein Augenblick mehr zu verlieren sey, um mich einem Attentate zu entziehen und den Aufruhr zu stillen.

Demzufolge stieg ich, nachdem ich neuerdings gegen die Ohn⸗ macht protestirt hatte, in welche ich versetzt worden sey, mein An⸗

sehen auszuuͤben und zu vertheidigen, in den Wagen, den jene Her⸗ ren an die kleine Pforte des Gartens beschieden hatten. Es setzten sich der General Ramband in Uniform, der Munizipal⸗Rath mit den Insignien seines Amtes versehen, und zwei Offiziere der Na⸗ tional⸗Garde zu mir. Bei dieser Gelegenheit wagten jene Herren augenscheinlich ihr Leben, um das meinige zu schuͤten.

Dies sind die Thatsachen, welche zur oͤffentlichen Kenntniß zu bringen meine Ehre erheischte. Es gebt aus ihnen sicherlich hervor,

daß, wenn ich auch eine administrative Maßregel (die Zusammen⸗

berufung der National⸗Garde) eragriffen habe, deren gesetzliche Noth⸗ wendigkeit vielleicht falsch von mir verstanden war, ich doch nichts⸗ destoweniger waͤhrend jener so schwierigen Tage neue Beweise mei⸗ ner Hingebung fuͤr die Aufrechthaltung der oͤffentlichen Macht ab⸗ gelegt, und daß ich bis zum letzten Augenblick, wo es fuͤr mich phy⸗ sisch unmoͤglich war, zu agiren, mit derjenigen Festigkeit gehandelt habe, die man von einem vernuͤnftigen und muthigen Mann zu er⸗ warten berechtigt war. (gez.) A. Mahul.“

Eine telegraphische Depesche aus Toulouse von gestern fruͤh Uhr meldet, daß Herr Moritz Duval, außerordentlicher Regierungs⸗Kommissarius, vorgestern Abend um 7 Uhr daselbst angekommen war. Herr Bocher hat ihm den Dienst uͤbergeben. Bei Abgang der Devpesche herrschte vollkommene Ruhe in der Stadt. Eine telegraphische Depesche von gestern Abend mel⸗ det, daß auf Requisition des ersten General⸗Advokaten der Koͤ⸗ nigliche Gerichtshof zu Toulouse die Untersuchung wegen der juͤngsten Unruhen vor sein Tribunal gezogen hat.

Durch Koͤnigl. Ordonnanz vom vorgestrigen Tage wird der General-Lieutenant St. Michel, Commandeur der 10ten Mili⸗ tair⸗Division, auf Disponibilitaͤt gesetzt; der General⸗Lieutenant Rulhieeres tritt an seine Stelle. Herr Gaillard, General—- Prokurator beim Gerichtshofe zu Metz, ist an Herrn Plou— goulm's Stelle zum General⸗Prokurator in Toulouse ernannt worden.

Der Marschall Soult soll an den General-Lieutenant St. Michel ein Schreiben erlassen haben, worin folgende Stelle vor— kaͤme: „Mein Herr, Sie sind fortan unfaͤhig, irgend ein militai— risches Kommando zu fuͤhren.“

Zu Toulouse waͤre es beinahe am Abend des 17. Juli zu abermaliger Stoͤrung der Ruhe gekommen; eine Anzahl Unter⸗ offiziere des neu angekommenen 37sten Regiments wurden von ihren Kameraden bewirthet; nach dem Essen zogen die Militairs zusammen nach dem Café Leopold; hier sangen sie die Marseillaise, waͤhrend sich ein Volkshaufen vor der Thuͤre sammelte. Es sol⸗ len darauf mehrere von den Unteroffizieren der an den Tagen der Emeute von der National⸗Garde bedraͤngten Tirailleurs gerufen haben: „Nieder mit den Toulousanern!“ Von dieser Provoca⸗ tion kam es zu einem Streit; die Buͤrger bewaffneten sich mit Stuͤhlen, Tischen, Pflastersteinen. Die National⸗Garde verfuͤgte sich auf den Platz vor dem Kaffeehaus; Offiziere der Garnison kamen herbei und ertheilten ihren Leuten den Befehl, sich nach der Kaserne zu begeben, was denn auch geschah; so wurde die nahe Gefahr einer blutigen Kollision zwischen den Truppen und dem Volke entfernt: um 11 Uhr Nachts herrschte auf dem Platz wie in der ganzen Stadt vollkommene Ruhe.

Der Prinz von Koburg, Bruder des Gemahls der Koͤnigin von England, wird in wenigen Tagen in Paris erwartet. Die Zimmer im Palais Royal, welche die Koͤnigin Christine bewohnt hatte, sind fuͤr ihn in Bereitschaft gesetzt worden.

Die Herren Arago, Mauguin, von Genoude, Odilon-Barrot, Chambolle, Berryer, Bastide, Crémieur, Lasteyrie u. s. w. kamen gestern in dem Landhause des Herrn Laffitte zusammen, um uͤber die Organisation eines Comité zu berathen, welches den Namen Comité philanthropique Oriental fuͤhren soll.

An der Boͤrse herrschte heute große Stille, und es fand

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keine namhafte Veraͤnderung in den Coursen statt.

Paris, 19. Juli. Zwei neue Berichte des Generals Bugeaud und des in Konstantine kommandirenden Generals Ne⸗ grier liefern die vollstaͤndige Bestaͤtigung der Ansicht, daß der dies⸗ jaͤhrige Feldzug in Afrika trotz der auf seine Vorbereitung ver⸗ wendeten ungeheuren Kosten und Anstrengungen die eigentliche Eroberung, die wahrhafte Besitznahme von Algerien um keinen merklichen Schritt gefoͤrdert hat. Der General⸗Gouverneur weiß keine anderen Ergebnisse seiner wochenlangen Expeditionen zu mel⸗ den, als hier und da die Toͤdtung von drei oder vier Feinden, die Erbeutung einiger Stuͤcke Vieh, die Gefangennehmung von einem Paar Dutzend Weibern und Kindern. Doch ich vergaß das Nie⸗ dersengen der Aerndten, das uͤberall mit vielem kriegerischen Feuer⸗ eifer und mit ziemlichem Erfolge vorgenommen wurde, ohne daß indessen auch nur ein einziger der feindlichen Staͤmme seine ganze Aerndte verloren haͤtte. An das Aushungern der Araber ist gar nicht zu denken, und was ihre angebliche Entmuthigung betrifft, so will ich daruͤber einen Brief aus Algier reden lassen: „Die Euro⸗ paͤischen Gefangenen, welche eben hierher zuruͤckgekehrt sind nach⸗ dem sie die Provinzen Tittery und Oran mehrmals durchzog 8 und die entferntesten Theile derselben bewohnt haben, setzen Bin großes Vertrauen in die Zukunft der Kolonie. Sie trafen in Saida Tlemsen, und Faffurah die Einwohner von Scherschel Medeah, Miliana und Maskara, die bei unserer Annaͤherung geflohen sind. Diese Staͤdtebewohner, die sich doch noch am leichtesten in die Europaͤische Herrschaft fuͤgen wuͤrden, welche friedlichen Wesens sind und großen Theils Gewerbe treiben, die sich nicht mit dem Nomadenleben vereinigen lassen, diese Staͤdtebewohner zeigen gleichwohl wenig Verlangen, zuruͤckzukehren, um die Haͤuser, in denen sie geboren sind, und ihr ererbtes Eigenthum wieder in Besitz zu nehmen. Die angedrohte Konfiszirung erschreckt sie nicht. Wie koͤnnten wir, sagen sie, uns unter die Franzoͤsische Herrschaft stellen! Die Erfahrung hat uns klug gemacht. Was ist aus denen von Medeah geworden, die sich den Franzosen an⸗ schlossen? Medeah ist zweimal geraͤumt und seine Einwohner sind zum großen Theil der Rache der Araber und Kabylen zum Opfer geworden. Wie ist es den Kuluglis von Tlemsen gegangen, die mehrere Jahre lang gemeinschaftliche Sache mit den Franzosen gemacht hatten? Sie sind erst von den Franzoͤsischen Beamten und ausgesogen und dann durch einen Traktat dem Abdel⸗Kader uͤberlassen woͤrden, der unter dem Vorwande der Religion die Haͤlfte ihres Blutes vergossen hat. Wie ist es den Staͤmmen in der Metidscha ergangen, den Giraugen, die lieber ihr schoͤnes Dorf zerstoͤren ließen, als daß sie sich Abdel⸗Kader ergeben haͤtten, und denen man das Lager von Buffarik sperrte, als sie Zuflucht suchten? Wie dem Stamme Akbet Schebel, wel cher so viele Jahre . den Hadschuten die Spihe geboten hatte Alle diese Staͤmme haben sich mit der Ausnahme einiger einzel?