en General⸗Gouverneur, seinen hiesigen Aufenthalt zu verlaͤngern. Vor einigen Tagen traf in der That das Oberhaupt einer der Stäͤmme des Unteren⸗Chelif's hier ein, der, wie er sagte, den Auf⸗ trag habe, der Franzoͤsischen Behoͤrde Eroͤffnungen zu machen. Nach einigen Unterhandlungen entschloß sich der General⸗Gouver⸗
neur, dem Rathe des Arabischen Chefs zu folgen, und sandte eine Kolonne von 1600 Mann, unter dem Befehle des Obersten Tam⸗
pourre, nach dem bezeichneten Orte. Der Arabische Chef, der die Expedition begleitet hatte, setzte sich sogleich mit einigen Scheiks in Verbindung; da er aber sah, daß er sich uͤber die Gesinnungen seiner Landsleute getaͤuscht hatte, so beeilte er sich, den Franzbsi⸗ schen Commandeur von der geringen Hoffnung, die ihm uͤbrig bliebe, die Unterwerfung zu Stande zu bringen, und benachrich⸗ tigte ihn sogar, daß Abdel⸗Kader bedeutende Streitkraͤfte nach je⸗ nem Punkt hin richtete, die schon in der Naͤhe seyn muͤßten. Un⸗ ter diesen Umstaͤnden hielt es der Oberst Tampourre fuͤr gerathen, nach Mostaganem zuruͤckzukehren; aber der Befehl zum Ruͤckmar⸗ sche war kaum gegeben, als zahlreiche Reiterhaufen die Kolonne angriffen. Es entspann sich ein hitziges Gefecht, und der Feind erlitt einen großen Verlust an Todten, waren uns nur 10 bis 12 Mann getoͤdtet und 30 verwundet worden. Leider war die Kolonne nicht stark genug, um die Streitkraͤfte des Emir zu er⸗ warten.“
Herrn von Vandeuil, Attaché bei der Franzoͤsischen Botschaft in London, war es, der Convention der Regierung uͤberbrachte. von Herrn Guizot unterzeichneten Ratification wieder nach Lon⸗ don zuruͤckgekehrt.
Im Moniteur parisien liest man: „Die Flotte des Ad⸗
die von den Großmaͤchten unterzeichnete Er ist vorgestern mit der
miral Hugon ist damit beschaͤftigt, fuͤr vier Monate Lebensmittel
einzunehmen. Es heißt, sie werde unverzuͤglich wieder in See gehen. Ueber den Ort ihrer Bestimmung hat noch nichts ver⸗ lautet.“
Die Fortifications⸗Arbeiten um Paris sind fuͤr den Augen⸗ blick fast uͤberall suspendirt, theils wegen des schlechten Wetters, theils wegen einiger Differenzen zwischen den Soldaten und den Entrepreneurs.
Der Koͤnig hat gestern im Hofe der Tuilerieen und auf dem Caroussel⸗Platze uͤber mehrere Regimenter der hiesigen Gaͤrnison Musterung gehalten. In der Begleitung des Koͤnigs befanden sich die Herzoge von Orleans und von Nemours und die Mar⸗ schaͤlle Soult und Gérard.
Die Abreise des Herrn Thiers nach die letzten Tage des Juli festgesetzt.
die Wittwe Schwartz, Mutter des Darmes, ist hochbejahrt und von allen Existenzmitteln entbloͤßt. Auf eine dem Köoͤnige von dem Advokaten Pinede uͤberreichte Darlegung dieser Lage hat Se. Majestaͤt der Wittwe Schwartz eine Unterstuͤtzung von 300 Fr. zugeschickt, und außerdem den Befehl ertheilt, daß sie sofort in einer öͤffentlichen Anstalt untergebracht werde.
Seit einigen Tagen beschaͤftigt man sich in den Elisaͤischen Feldern thaͤtig mit den Zurkistungen zu den Juli⸗Feierlichkeiten.
An der Boͤrse herrschte bei unveraͤnderten Coursen die groͤßte Stille in den Geschaͤften.
Deutschland ist jetzt auf
*. Paris, 22. Juli. Ein Brief, welchen der Marschall Soult an den General von St. Michel, Kommandanten der Mi⸗ litair⸗-Division in Toulouse, geschrieben, war dieser Tage in den hoͤheren gesellschaftlichen Kreisen ein besonderer Gegenstand des Gespraͤchs. Der Minister der auswaͤrtigen Angelegenheiten hat von diesem Briefe eine Abschrift an alle seine Kollegen geschickt, auf welche der Inhalt und die Energie des Ausdrucks, die in demselben herrscht, einen großen Eindruck gemacht haben soll. In dieser Hinsicht zitirt man besonders drei Stellen, welche hinreichend sind, um auf den Charakter des Uebrtgen zu schließen. In der ersten sagt der Marschall: „Waͤhrend meiner ganzen mi⸗ Utairischen Laufbahn, General, ist mir nie ein solcher Schimpf (affront) widerfahren, ich habe Schlachten verloren, aber ich habe sie geliefert: Sie haben die Ihre verloren, ohne auch nur ein Gefecht zu wagen.“ Die zweite Stelle lautet: „Sie bezeichnen mir ein Regiment, das Sie in die Kaserne eingeschlossen haben, weil es zu aufgebracht gegen das Volk gewesen, und zu entschie⸗ den auf dieses eingedrungen waͤre. Ich befehle Ihnen aus der Mitte dieses Regiments eine Ehrenwache aus zuwaͤhlen und sie vor die Thuͤre des neuen Praͤsekten zu stellen.“ Endlich schließt der Brief: „Fruͤher schon habe ich vortheilhaft uͤber Sie an den Koͤnig berichtet, es thut mir aber jetzt leid; denn, General, Sie sind ein schlechter Soldat.“
Der Zorn des Marschalls wird durch die neuesten Berichte von Toulouse hinlaͤnglich motivirt, denn so wie ein energischer Mann dort erschien, sank den aufgeregten Toulousern der Muth, und man behauptet daher, daß eine einzige Compagnie, die ener— gisch aufgetreten, hingereicht haͤtte, die Ordnung zu behaupten.
Der Charakter des Herrn Maurice Duval und die Instruc⸗ tionen, die er nach Toulouse mitbringt, sind von der Art, daß man hier uͤberzeugt ist, daß er sich bei aller Festigkeit doch der groͤßten Maͤßigung und Schonung befleißigen wird. Was die Abberufung des Herrn Plougoulm betrifft, so behauptet man, daß die Regierung nicht ungern sein Verfahren in der Unterzeich⸗ nung der erwaͤhnten Proclamation benutzt hat, um diesen Mann, gegen den einmal seit lange eine so große Erbitterung stattfindet, definitiv aus Toulouse zu entfernen, ohne den Anschein zu haben, als gebe man darin den ungebuͤhrlichen Forderungen der Bevoͤl⸗ kerung nach.
11¾ Paris, 22, Juli. Die Toulouser Unruhen galten ur⸗ spruͤnglich fuͤr nichts Anderes, als eine gegen unpopulaire Staats⸗ Beamte und verhaßte fiskalische Maßregeln gerichtete Demonstra⸗ tion, und sie wurden als solche von allen Gegnern der Regierung, wenn nicht laut beklatscht, doch mit schlecht verhehlter Freude ge⸗ sehen. Allein jetzt faͤngt man an, der Sache eine andere Seite abzugewinnen, von welcher sie sich in bedenklicherer Gestalt dar⸗ stellt, und die Schadenfreude der systematischen Opposition wird von Tage zu Tage kleinlauter. Die Komment re, welche die Toulouser und uͤberhaupt die Suͤd⸗Französischen Blaͤtter zu jenen Ereignissen liefern, geben denselben den Charakter einer Reaction des Provinzial⸗Geistes gegen die Central⸗ Ge⸗ walt, und dadurch wird denn natüuͤrlich die Sympathie der Parteien bedeutend herabgestimmt, welche, mit Aus⸗ nahme der Legitimisten, alle daruͤber einverstanden sind, daß die heutige Centralisation Frankreichs in ihrer ganzen Strenge auf⸗ echt erhalten, wenn nicht gar noch gesteigert werden muͤsse. Von einem selbststaͤndigen Gemeindeleben, von einer billigen Erweite⸗ rung der Befugnisse der Departemental⸗Raͤthe wollen die Repu⸗ blikaner und die Anhaͤnger der Guͤtergemeinschaft eben so wenig reden hoͤren, als die verschiedenen Abstufungen der parlamentarischen Opposition, oder die Maͤnner der jetzigen Regierung selbst. Die Legitimisten ihrerseits sprechen von der Einfuͤhrung von Provin⸗ zial⸗Verfassungen u. s. w., weil sie darin eine Wieder⸗Annaͤherung an die bffentlichen Zustaͤnde des alten Regime sehen, und well
8 1“
genommen
910 es ihnen außerdem allerdings darum zu thun ist, das Uebergewicht der Hauptstadt, dieses regen Heerdes der Revolution, uͤber das Land zu schwaͤchen. “
Es ist unverkennbar, daß das Beduͤrfniß einer theilweisen Emancipation von der in Paris thronenden absoluten Centralge⸗ walt immer deutlicher zu dem Bewußtseyn der Provinz kommt. Vorzuͤglich der Suͤden beginnt, sich in diesem Sinne zu regen, um so mehr, als er sich bei jeder Gelegenheit hinter dem Norden zuruͤckgesetzt glaubt. So ist es denn schon an sich nicht unwahr⸗ scheinlich, daß sich die Toulouser. Bevoͤlkerung nicht bloß gegen die Verfuͤgungen des Finanz⸗Ministers, gegen einen verhaßten Praͤ⸗ fekten und gegen einen ungern gesehenen General⸗Prokurator, sondern zugleich, wenn auch ohne sich dessen deutlich bewußt zu seyn, gegen die verfassungsmaͤßige Steuergewalt des Staates selbst aufgelehnt habe. Der Geist und der Ton der Provinzial⸗Presse machen diese Annahme beinahe zur Gewißheit. Man beklagt sich bitter nicht etwa nur uͤber den immer wachsenden Umfang der
Staatslasten, sondern auch uͤber den geringen Antheil, welchen die
suͤdlichen Departements an der Vertheilung verschiedener Zweige des Budgets habe, uͤber die Vernachlaͤssigung der von dem Suͤden seit Jahren verlangten Bauten und sonstigen Anla⸗ gen zum oͤffentlichen Nutzen, uͤber die Bevormundung der Ge⸗ meinden durch den Staat selbst in den geringfuͤgigsten Angelegen⸗ heiten u. s. w. Beschwerden dieser Art koͤnnen natuͤrlich in Paris keine willigen Ohren finden, selbst nicht bei denen, welchen sonst jeder Vorwand zum Angriffe gegen die Regierung will⸗ kommen ist. Darum verstummt denn auch ein Organ der Presse nach dem anderen uͤber jene Ereignisse, an denen der ganze Journalismus anfangs einen so lebhaften Antheil nahm, und nur die legitimistischen Blaͤtter begruͤßen dieselben nach wie vor als ein guͤnstiges Zeichen der Zeit, als einen ersten Schritt auf dem Wege der Steuer⸗Verweigerung, auf welchem die „Gazette de France“ das Land zur Ordnung, zur Ruhe und zur allgemeinen Zufrie⸗ denheit und zum allgemeinen Wohlseyn zu fuͤhren verspricht. Das von Herrn Mahul in dem „Journal des Débats“ veroffentliche Rechtfertigungs⸗Schreiben findet uͤberall die ent⸗ schiedenste Mißbilligung. Niemand wagt es, die von dem Expraͤ⸗ fekten von Toulouse aufgestellte Theorie des „Blutvergießens“ zu billigen oder auch nur zu entschuldigen, und es sind in der Regie⸗ rungssphaͤre Stimmen der ernstlichen Unzufriedenheit daruͤber laut geworden, daß das „Journal des Débats“ jenes Manifest auf— und ihm dadurch in den Augen des Publikums eine Art offizieller Sanction gegeben habe. Herr Mahul hat Paris schon wieder verlassen, um sich auf das Land zu begeben, wo sein ganzer kuͤnftiger Ehrgeiz hoffentlich darauf gerichtet seyn wird, sich wo moͤglich in die tiefste Vergessenheit zu bringen.
Großbritanien und Irland.
London, 21. Juli. O'Connell hat in einer zu Cork an
seine Waͤhler gehaltenen Rede erklaͤrt, er werde in Zukunft keine
Verwaltung unterstuͤtzen, moͤge sie heißen, wie sie wolle, die nicht die Frage der Auflosuͤng der Union mit England als eine offene betrachte.
Die letzte General⸗Versammlung der presbyterianischen Kirche in Schottland hat wegen des jetzigen Zustandes der Schottischen Kirche, die sich durch die weltliche Gewalt beeintraͤchtigt glaubt, auf Donnerstag den 22. August einen allgemeinen Buß⸗ und Bet⸗ tag angesetzt. 1
Statt des einen Dampfschiffes, das bisher monatlich nach Alexandrien abging, sollen deren kuͤnftig zwei von vierzehn zu vier⸗ zehn Tagen dahin abfahren, und umgekehrt. Auch die Dampf⸗ schifffahrt auf dem Nil soll angemessen erweitert und durch zwei Dampfschiffe versehen werden, wovon eines zu Bulac, dem Ha⸗ fen von Kahira, und das andere zu Atfe, dem Vereinigungspunkte des Nils mit dem Kanal Mahmudie, vor Anker liegen wird, ersteres soll die aus Ostindien kommenden Reisenden den Nil ab⸗ waͤrts, letzteres andere Reisende den Nil aufwaͤrts bringen. Zu⸗ gleich sollen auch kuͤnftig alle vierzehn Tage Dampfschiffe von Malta nach Athen, Smyrna, Konstantinopel und Trapezunt ab⸗ gehen, und auf dem naͤmlichen Wege in der Art zuruͤckkehren, daß sie jedesmal mit den Dampfbooten auf der großen Linie zwi⸗ schen England und Alexandrien zusammentreffen.
Ueber den hiesigen Geldmarkt und die Umstaͤnde, welche in diesem Augenblicke auf denselben besonders einwirken, heißt es im gestrigen Globe: „Der Wechsel⸗Cours nach dem Auslande war vorigen Freitag etwas im Sinken, da der Vorrath der zum Vex⸗ kaufe angebotenen Wechsel beschraͤnkt war und die Nachfrage fuͤr Geldsendungen nach dem Kontinent sehr dringend schien. Diese Bemerkung fand vorzuͤglich auf den Stand des Wechsel⸗Courses nach Hamburg und nach dem Norden von Europa An⸗ wendung, die von den Witterungs⸗Verhaͤltnisien, unseren Getraidemarkt einwirken, beruͤhrt werden. Aus diesen Vorgaͤngen glauben wir schließen zu duͤrfen, daß einige bedeutende Auftraͤge zum Ankauf von fremdem Getraide gegeben worden sind, und zwar in der Ansicht, daß unsere eigene Weizen⸗-Aerndte in Quantitaͤt oder Qualitaͤt mangelhaft ausfallen werde. Es ist wahr⸗ scheinlich, daß in den naͤchsten vier bis sechs Wochen unser Ge⸗ traidemarkt ganz unter dem Einflusse des Wetters stehen und, so wie der Stand des Barometers sich aͤndert, steigen und sinken werde. Das Fallissement von Geymuͤller und Kompagniein Wien tritt zu einer ungluͤcklichen Zeit ein, da es dazu dient, die Unruhe und das Miß⸗ trauen, welches jetzt die Handelsgeschaͤfte daniederdruͤckt, zu ver⸗ laͤngern. Indeß ist es doch befriedigend, zu erfahren, daß die un⸗ mittelbare Wirkung davon hier in England weniger empfunden werden wird, als auf dem Kontinent, indem jenes Haus hier nur wenige Korrespondenten hatte, und diese nur unter unseren Haͤu⸗ sern ersten Ranges, welche durch den Verlust, den sie durch die⸗
ses Fallissement erfahren, nicht in Verlegenheit gerathen werden.“
London, 23. Juli. Lord John Russell hat eine Adresse an seine Konstituenten gerichtet, aus welcher hervorgeht, daß die Minister nicht vor Eroͤffnung des Parlaments, ihre Entlassung nehmen, sondern diesem erst noch einmal gegenuͤbertreten wollen. „Sobald das neue Parlament zusammenkommt“, sagt der Minister, „werden wir die erste Gelegenheit ergreifen, um ein deutliches und entschiedenes Urtheil uͤber die von uns vorgeschlagene Politik her⸗ vorzurufen. Das Resultat elner solchen Appellation laͤßt sich setzt leicht vorhersehen.... Da Minister der Krone ohne das Ver⸗
trauen des Unterhauses sich nicht behgupten koͤnnen, so wird un— sere Resignation unmittelbar auf die Verurtheilung unserer Poli⸗ tik folgen.“ Der Minister spricht schließlich wiederholt die Ueber⸗ zeugung aus, daß die empfohlenen Handels⸗Reformen am Ende V doch durchgehen muͤßten. 3 111“ Belgien.
Brüssel, 22. Juli. Gestern, am zehnten Jahrestage der Thronbesteigung des Koͤnigs, ist in der St. Gudula⸗Kirche ein feierliches Tedeum gesungen worden, dem die hoͤchsten Behoͤrden
und das diplomatische Corps beiwohnten.
v11“
welche auf
Der Konig ist nach dem Lager von Beverloo abgereist.
Man glaubt, der Koͤnig werde naͤchstens wieder eine Reise nach Paris antreten und zwar um dort naͤhere Verhandlungen uͤber das Projekt eines Zoll⸗Vereins zwischen Frankreich und Bel⸗ gien einzuleiten. P9 4¼ Dänemark.
Kopenhagen, 21. Juli. Die Koͤnigliche Gesellschaft fuͤr Nordische Alterthums⸗Schriften hielt am 19. d. ihre dritte Quar⸗ tals⸗Versammlung, in welcher unter andern Mehreres vorkam, was auf die Entdeckung Amerika's durch die Skandinavier Bezug hat. Auch hatten Se. Majestaͤt der Koͤnig am 1. Mai d. J. der Gesellschaft eine neue Senduug von den durch Professor Voigt in Koͤnigsberg besorgten Abschriften von im dortigen Archiv ausbewahrten Diplomen in Betreff der Geschichte des Nordens zustellen lassen. Zu neuen Mitgliedern der. Gesellschaft wurden aufgenommen: Se. Majestaͤt der Kaiser von Rußland, Nicolaus I., und Se. Majestaͤt der Koͤnig von Preußen, Friedrich Wilhelm IV.; ferner Se. Durchlaucht Adolph, regierender Herzog von Nassau und Se. Excellenz Don Joaquim Prieto, Praͤsident der Repu— blik Chili.
Eine neue Donnerstag den an mehreren Stellen im wo man zu Anfang der ersten eine aͤhnliche erlebt hatte. Man hoͤrte einen droͤhnenden in der Luft wie von fernen Kanonen⸗Schuͤssen, die Haͤuser wur⸗ den erschuͤttert, der Kalk viel von den Waͤnden, Sachen, die auf Borten standen, fielen herab, ja dem Geruͤchte zufolge sollen selbst die Mauern an einigen Stellen geborsten seyn.
Deutsche Bundesstaaten.
Karlsrube, 22. Juli. (K. Z.) Erste Kammer. Die Ta⸗ gesordnung fuͤhrt zur Diskussion uͤber die Rechnungs⸗Nachwei⸗ sungen von 1837 und 1838. In Beziehung auf die Abschnitte! und II (Staats⸗Ministerium und Ministerium des Großh. Hau⸗ ses und der auswaͤrtigen Angelegenheiten) werden die Kom⸗ misstons⸗Antraͤge auf Anerkennung saͤmmtlicher Positionen ohne Bemerkung angenommen. Zu Abschnitt⸗-II (Justiz⸗Ministerium)
Erderschuͤtterung, heißt es in „Foedrel.“ ist am 15ten d., Nachmittags zwischen 4 bis 51 Amte Holbeck wahrgenommen worden,
Haͤlfte des vorigen Jahrhunderts
wird vom Staatsrath Jolly bezuͤglich auf einen im Kommissions⸗ Bericht enthaltenen Wunsch bemerkt: daß bereits die Einrichtung bestehe, wonach den Straͤflingen ein verhaͤltnißmaͤßiger — wenn auch nicht gerade bedeutender — Antheil des durch oͤffentliche Arbei⸗ ten erzielten Verdienstes selbst zu gut komme, und theils durch Anlegung dieses Betrags in einer Sparkasse oder auf andere Weise dafuͤr gesorgt werde, daß die Straͤflinge seiner Fit nicht ohne alle Mittel die Anstalt verlassen. General⸗Auditeur Vogel empfiehlt bei dieser Gelegenheit den fuͤr Besserung der Strafgefangenen bestehenden Verein der Aufmerksamkeit der h. Regierung, worauf Staatsrath Jolly, die Wichtigkeit dieses Vereines ebenfalls vollkommen aner⸗ kennend, bedauert, daß derselbe in juͤngster Zeit keine Fortschritte gemacht und sich die Theilnahme an demselben uͤberhaupt ver— mindert zu haben scheine. Er sieht eine Ursache davon nicht sowohl in dem Mangel pecuniairer, Mittel, als darin, daß es man⸗ chem seiner Mitglieder an Lust, hauptsaͤchlich aber an Zeit fehle, unmittelbar zum Besten der Straͤflinge einzuschreiten; — dies sey muͤhsam, beschwerlich und obendrein haͤufig ohne Resultat. Die Regierung werde indessen wahrscheinlich Gelegenheit nehmen, auch in offizieller Weise, was bisher nicht geschehen sey, zu Gunsten des Vereins thaͤtig zu seyn. Derselbe erwiedert ferner auf die Bemerkung des General-Lieutenants Freiherrn von Stockhorn, daß die Straͤflinge in ausgedehnterer Weise zu oͤffentlichen Bau⸗ ten verwendet werden moͤchten, als dies bis jetzt geschehen; daß es bei uns theils an geeigneten Gelegenheiten dazu mangele, eine solche Maßregel aber uͤberhaupt durch das System bedingt sey, von welchem man bei Behandlung der Straͤflinge ausgehe. 1
Hannover, 24. Juli. Se. Koͤnigl. Hoheit der Kronprinz
ist heute zum Gebrauche des Seebades nach Norderney abgereist.
Se. Majestaͤt der Köͤnig haben dem Gewerbe⸗Verein fuͤr das
Konigreich eroͤffnen lassen, daß der von Ihrer Majestaͤt der Hoch⸗
seligen Koͤnigin demselben ausgesetzte Jahres⸗Beitrag von der
Hand⸗ und Chatoull⸗Kasse Sr. Majestaͤt uͤbernommen und auch ferner ausgezahlt werden solle.
% Altenburg, 21. Juli. Bereits ist seit Einfuͤhrung der neuen Muͤnz⸗Einrichtung mehr als ein halbes Jahr verflossen, und die Frage uͤber den bisherigen Erfolg dieser Maßregel duͤrfte nun wohl gestattet seyn.
Von den Einsichtigen mit Freuden und von der weniger fuͤgsamen Menge mit Ungunst aufgenommen, hatte die neue Einrichtung in den ersten Wochen dieses Jahres bei uns vor Allem damit zu kaͤmpfen, daß sie rein ideell blieb, indem ihr das damals, bis auf eine geringe Menge neuer Scheidemuͤnzen, allein bei uns gangbare Conventions⸗Geld durchaus nicht entsprach. Das war wohl auch zunaͤchst der Grund, weshalb der hiesige Stadt⸗Rath, um die Umrechnung des Conventions⸗ Geldes und den Uebergang ins neue System zu erleichtern, im gemeinen Verkehre den Conventions⸗Thaler, der im Muͤnz⸗ gesetz mit Verlust von „Pf. zu 308 Pf. normirt war, zu
306 Pf. zu berechnen, weil man fͤr
dem Muͤnzgesetz nur 51 Pf. erhielt. lust oder der Widerspruch nur
Allein damit war der Ver⸗
immer gesetzlich fest⸗
zu 3 Rthlr. Conv. geruͤckt, indem noch st. 306 oder 918 Pf.
stand, daß 3 Rthlr. Conv. nicht 3mal sondern 925 Pf. ausmachten. Wegen dieser 8 die neue Einrichtung, vom alten Schlendrian ohnehin schon laͤngst verworfen, nun auch immer mehr in den Augen derer, welche die Vorzuͤge des neuen Systems wohl anerkannten, keinesweges aber davon schon so eingenommen waren, daß sie diese auch bei dessen Anwendung auf die fast ausschließlich umlaufende Conventions⸗ Muͤnze haͤtten gelten lassen.é Doch hatten nicht nur die oͤffentli⸗ chen Behoͤrden, sondern auch die hiesigen Kaufleute die Rechnung nach dem Silber⸗Courant des Vierzehn⸗Thalerfußes, den Thaler zu 30 Ngr. gerechnet, angenommen, und das Publikum konnte demnach damit wenigstens nicht mehr ganz unbekannt bleiben.
Durch die Bemuͤhungen der Behoͤrden und durch den hoͤhern
Cours, welchen das neue System dem Preußischen Gelde gegen fruͤher bestimmt hatte (1 Rthlr. Conv. war ehedem bei uns zu 1 ½ Rthlr. Preußisch gerechnet worden), kam nun zwar, immer mehr nach dem Vierzehnthalerfuß gepraͤgtes Geld im Umlaufe, allein zugleich machte man auch immer haͤufiger die Erfahrung, daß man im ganzen benachbarten Koͤnigreich Sachsen, in Leip zig so gut wie im Erzgebirge und im Voigtlande, beim gemeinen Verkehr nur nach Preußischem Courant den Thaler zu 24 Gr. rechne und nur ungern Berechnungen nach Silbercourant, den Thaler zu 30 Gr. annehme. Das brachte der guten Sache merklichen Nachtheil, und selbst solche, welche die neue Einrichtung mit Freuden begrüͤßt hatten, wurden nun zu
5 Uhr, *
Schall
Rehlr. Conv. auch nach aus dem Bereiche von Rthlr. bis zu 1 Rthlr. Conv. hinaus in das Gebiet von 1 Rthlr. bis
Widerspruͤche sank
Tadlern, ja oft zu
Gegnern derselben, zumal da sie die durch die faktisch vorhandene Verwirrung ihnen etwa zufließenden Vortheile nur ihrem Handels⸗ Geschicke, die etwaigen Verluste aber lediglie der neuen Muͤnz⸗ Einrichtung oder ihrer unzureichenden Durchfuͤhrung beimaßen.
Und so stehen die Sachen im ödstlichen Theile unseres Her⸗ zogthums noch jetzt, anstatt daß im westlichen, der in seinem Ver⸗ kehr weniger mit dem Koͤnigreiche Sachsen als mit dem benach⸗ barten Thuͤringen zusammenhaͤngt, sich die neue Einrichtung im⸗ mer fester begruͤndet, je mehr sich der Vorrath der ihr entspre⸗ chenden Muͤnzsorten im alltaͤglichen Verkehre vermehrt.
Um sich aber unseren chaotischen Zustand hier einigermaßen vorzustellen, braucht man nur zu bedenken, daß noch immer lange nicht die Haͤlfte des bei uns umlaufenden Geldes nach dem Vier⸗ zehnthalerfuße gepraͤgt ist, daß also auch bei mehr als der Haͤlfte der vorkommenden kleinen Geschaͤfte die Frage entstehen kann, ob 1 Rthlr. Conv. 308 oder 300 Pf. und ob ein Gulden Conv. 205 oder 204 Pf. betrage, je nachdem man sich nach den ur⸗ spruͤnglichen Bestimmungen der Landes⸗Regierung oder nach der kurz darauf erlassenen Bekanntmachung des hiesigen Stadt⸗Rathes richtet. Sind aber schon die gesetzlichen Bestimmungen nicht ganz im Einklange, so darf die Verwirrung, welche die Speculation noch außerdem im gemeinen Verkehre herbeifuͤhrt, noch weniger Wunder nehmen. So wird im groͤßern Verkehr z. B. beim Korn⸗ handel der Spezies⸗Thaler zu 1 Rthlr. 9 Gr. Preuß. Cour. d. i. zu 1 Rthlr. 11 Ngr. 3 Pf. Silberkur. ausgegeben und genom⸗ men, anstatt daß ihn das Muͤnz⸗Gesetz im Einzelnen zu 1 Rthlr. 11 Gr. 1 Pf. und bei groͤßeren Zahlungen zu 1 Rthlr. 11 Ngr.
Pf. bestimmt hat; so zahlt man 4 Zwanzigkreuzer und 1 Preuß. Zweigroschenstuͤck als 1 Rthlr. Preuß., anstatt daß diese in der That 29 Rgr. 9 Pf. also 1 Pf. weniger betragen. Aber nicht bloß der Werth des Conventionsgeldes ist schwankend, sondern wir wissen auch jetzt nicht einmal mehr recht, welches bei uns eigentlich der herrschende Rechnungs⸗Muͤnzsuß ist. Alle Behoͤrden und die Kaufleute rechnen naͤmlich, wie billig, nach dem neuen
esetzlichen Silber⸗Courantgelde, den Thaler zu 30 Ngr. Das enachbarte Sachsen und mit ihm der Getraide⸗, Vieh⸗, Holzhaͤnd⸗ ler u. s. w. rechnen meist nach Preußischem Courant den Thaler zu 24 Gr., den Zwanzigkreuzer zu 5 Gr. 6 Pf. u. s. w. und die Marktleute auf unseren Wochenmaͤrkten koͤnnen sich noch im— mer nicht von dem alten hiesigen Courantgelde trennen, so daß bei ihnen nicht 10, sondern 12 Pf. einen Groschen und nicht 30, sondern 24 Gr. einen Thaler machen, und die einzige Aenderung, welche sie zugelassen haben, besteht darin, daß sie dem Preußischen Thaler, der fruͤher nur 6 Pf. Agio erhielt, deren jetzt 12 zugeste⸗ hen, so daß er doch wenigstens von 294 Pf. auf 300 Pf. in sei⸗ nem Werthe erhoͤht worden ist, und daß sie ihre Ungunst gegen das Conventionsgeld so weit ausgedehnt haben, daß sie, wenn man nicht uͤber 2 Gr. alt Courantgeld zu bezahlen hat, nicht mehr wie fruͤher 2 Saͤchsische Zwoͤlftelthaler zusammen fuͤr 51 Pf., sondern nur ein einzelner zu 25 Pf. rechnen und darauf zuruͤck⸗ geben.
Nach diesen Belegen kann man allerdings der Behauptung, die Verwirrung sey jetzt noch groͤßer als ehedem, kaum wider⸗ sprechen und muß nur ruhig der Zeit entgegensehen, wo das Conventionsgeld und namentlich auch die alten Saͤchsischen Sechser, Achter und Groschen vollends eingezogen und durch ei⸗ nen hinlaͤnglichen Vorrath umlaufender Muͤnze nach dem Vier⸗ zehnthalerfuße, so wie durch groͤßere Strenge in der Handhabung der bestehenden gesetzlichen Vorschriften das wieder gut gemacht seyn wird, was der bisherige Mangel an entsprechenden Muͤnzen und die dadurch veranlaßte Nachsicht in der Ausfuͤhrung der er⸗ lassenen Gesetze verschuldet haben. Allein kaum duͤrfte die Rech⸗ nung nach Preuß. Cour. vor der nach Silber⸗Courant, oder die Eintheilung des Thalers in 24 Gr. vor der in 30 Gr. ver⸗ schwinden, bevor nicht ein hinreichender Vorrath Sechstelthaler, an denen es ohnehin fuͤr den Einzelverkehr sehr fehlt, und zwar mit der Aufschrift 5 Gr. oder auch eine hinreichende Menge Drittelthaler mit der Aufschrift 10 Gr. dem schwachen Vorstel⸗ lungs⸗Vermoͤgen der Menge die Eintheilung des Thalers in 30 Gr. auch von dieser Seite gehoͤrig veranschaulicht haben wird.
— — Frankfurt a. M., 24. Juli. Unsere gesetzgebende Ver⸗ sammlung lehnte in ihrer heutigen Sitzung den Gesetz⸗Entwurf, wo⸗ nach es den hiesigen verboten werden sollte, an benachbarten bf⸗ fentlichen Banken zu spielen, mit starker Majoritaͤt ab. Se. Ho⸗ heit, der Kurprinz-Mitregent von Hessen, ist gestern von Wiesba⸗ den nach Wilhelmsbad zuruͤckgekehrt. Nach den neuesten Nach⸗ richten wird Se. Durchlaucht, der Fuͤrst von Metternich, in der Mitte des naͤchsten Monats hier eintreffen. 1
Die Frequenz der Taunus⸗Eisenbahn stellt sich in diesem Monat, trotz der bestaͤndig unguͤnstigen Witterung, wieder glaͤn⸗ zend heraus. Die Einnahme vom 1. bis 20. Juli hat die Summe von 40,000 Fl. uͤberstiegen. 8
An der Boͤrse ist es stille; die Fonds halten sich zwar, aber es fehlt an Kauflust. Das baare Geld ist abondant; der Dis⸗ konto steht kaum 3 ½ pCt.
Hesterreich. V Pesth, 17. Juli. (A. Z.) Se. Kaiserl. Koͤnigl. Hoheit der Erzherzog Palatin ist gestern Nachmittags von seiner Reise nach den untern Donau⸗Gegenden im besten Wohlseyn wieder in Ofen angekommen. — Fast zu gleicher Zeit traf in Pesth Fuͤrst Milosch ein; er ist in dem Hause des Barons Sina abgestiegen. Der Fuͤrst zeigte sich Abends auf dem Balkon dem neugierigen Publikum. Er hat das Aussehen eines Fuͤnfzigers, ist von untersetzter Statur, zeigt eine gutmuͤthige Physiognomie und traͤgt orientalisches Kostuͤm. — An dem Bau unserer Kettenbruͤcke wird jetzt eine ver⸗ mehrte Thaͤtigkeit wahrgenommen; man hoͤrt sogar des Nachts die Schlagwerke arbeiten. Der erste Fangdamm auf dem Pesther Ufer ist beinahe v vollendet, und der zweite duͤrfte es in ein Paar Monaten seyn. Da der Termin zur Einzaͤhlung der ersten Rate der Bruͤcken⸗Actien mit Ende des vorigen Monats abge⸗ laufen, ohne daß eine große Zahl der Subskribenten die verlangte 20proc. Einzahlung (100 Fl. C. M.) keistete, was der jetzt herr⸗ 11“ Geld⸗Krisis zuzuschreiben ist, so blieb der großte diose Haͤnden des Barons Sina und so duͤrfte 81g geden 116““ dS.ges vg78e — ’ 5 n. — Die Aerndte ist in Ungarn meist sehr geseg⸗ verce9e len; . ö“ Sefens henßͤs hb ITScchweiz. e“ Bern. Die Tagsatzung beschloß in der Si auf den Antrag der Kommissi ZEE1 g Kommission, dem Staats⸗Rath von Te zu erwiedern, sie habe mit Befriedigung aus den Ak üson slin men, daß die Nachbar⸗Staaten bereits allen billigen Wärnschen entsprochen haben, also kein Grund einer Interwenean 88 888 walte. — Sardinien verweigert die begehrte Auslieferun Priesters, weil die Schweiz 1834 auch nicht ausgelieferg h 6 Die weiteren Verhandlungen der Tagsatzung betrafen Mirhtair. 8 81 8 1I1I 2 öI1I1I1I 6
her faͤllt.
Zuwachses durch den Ueberschuß der Gebornen zu den Lebenden,
Angelegenheiten und das Zoll⸗Gesetz von Graubuͤnden, welches an eine Kommission gewiesen wurde. Der zweite Gesandte von Bern, Regierungsrath Dr. Schneider, fuͤhrte den Vorsitz.
Durch die Fallimente in Wien haben Privatpersonen in Bern, welche bei den betreffenden Haͤusern Depositen hatten, große Verluste erlitten.
Tessin. (Nat. Z.) Der große Rath hat sich auf unbe⸗ stimmte Zeit vertagt. In einer der letzten Sitzungen hatte ein Abt, Franchini, den Antrag gestellt, eine neue Instruction fuͤr die
allein stehe. Er fand jedoch keinen Anklang und erhielt von Staatsrath Battaglini die Antwort: es wuͤrde dem Kanton Tes⸗ sin schlecht anstehen, seine Instruction zu Gunsten der Kloͤster ab⸗ zuaͤndern, in einem Augenblicke, wo man selbst einen Aufruhr be⸗ kaͤmpfen mußte, an welchem die Moͤnche so thaͤtigen Antheil ge⸗ nommen. Dagegen wurde von einer Kommission der Vorschlag gemacht, alle Moͤnche aus dem Lande zu verweisen, welche der Theilnahme an dem letzten Aufruhr schuldig oder ver⸗ daͤchtig seyen. Der große Rath hat hieruͤber noch keinen Beschluß gefaßt. Das Standgericht hat sich nach dem Urtheil uͤber Nessi aufgeloͤst, das Spezialgericht ist noch nicht in Thaͤtig⸗ V keit getreten. Es ist nicht wahr, was die Hrgan⸗ der Reaction berichtet haben, daß noch ein zweiter Rebellen⸗Anfuͤhrer, Raspini, hingerichtet worden; dagegen hat es sich jetzt schon herausgestellt, daß es bei dem Aufruhre auf Mord, Brand und Pluͤnderung ab⸗ gesehen war, wozu das geworbene fremde Gesindel gern bereit war; es sollte sogar Gift gestreut werden, und man faͤnd solches in Menge in den meisten durchsuchten Haͤusern. In den Haupt⸗ orten des Kantons, Bellinzona, Locarno und Lugano werden Buͤr⸗ gerwachen aufgestellt. In Luzern fielen die Gemeinde⸗Raths⸗Wahlen am 18ten und l9ten zum großen Theil liberal aus; der „Eidgenosse von Sur⸗ see“, ein Hauptblatt der Reactions⸗Partei, hat mit diesem Se⸗ mester seine meisten Abonnenten verloren und muß aufhoͤren.
Italien. Nom, 15. Juli. (A. Z.) Heute Vormittag hatte der Papst das heilige Collegium als oͤffentliches Consistorinm versammelt, wobei der Kardinal Belli zum erstenmal in diese hohe Versamm⸗ lung eingefuͤhrt wurde. Nachdem die uͤblichen Ceremonien vor⸗ uͤber waren und die anwesenden Zuschauer sich entfernt hatten, wurde ein geheimes Consistorium gehalten, in welchem nach her⸗ gebrachtem Gebrauch das sogenannte Schließen und Oeffnen des Mundes erfolgte. Die Namen der ernannten Bischoͤfe sind bis zum Abgang dieses Briefes noch nicht veröffentlicht, doch werde ich sie in meinem naͤchsten nachliefern. Graf Bruͤhl ist gestern Abend aus Preußen hier eingetroffen. Die Oesterreichische Regierung hat vierzehn Offiziere des Ge⸗ nie⸗Corps nach den Paͤpstlichen Staaten gesendet, um durch tri⸗ gonometrische Messungen die genauesten Orts⸗Bestimmungen zur Herausgabe von geographischen Karten zu benutzen. Wenn man nach den bereits erschienenen Karten des Kaiser⸗Staats schließen darf, so kann man mit Recht etwas Gediegenes von diesem Un⸗ ternehmen erwarten. Von der hiesigen Regierung sind den Offi⸗ zieren alle moͤglichen Huͤlfsleistungen zugesichert. Auch Neapel hat ausgebreitete Messungen vornehmen lassen, welche sich den hiesigen anschließen sollen, so daß man eine gute Spezial⸗Karte von ganz Italien zu erwarten hat.
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Spanien. Madrid, 15. Juli. Man will wissen, daß Herr Arguelles, als Vormund, der Koͤnigin Isabella und der Insantin Louise den direkten Briefwechsel mit ihrer Mutter, der Koͤnigin Christine, untersagt habe. Der Herzog von Vitoria trifft Anstalten, den schoͤnen Palast Buenavista zu beziehen.
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der im Jahre 1840 im Preußischen Staate vorgekom menen Geburten und Todesfaͤlle.
Nach den bei dem statistischen Buͤreau aͤmtlich eingegangenen Nachrichten wurden in den acht Provinzen des Preußischen Staats im Laufe des Jahres 1840 üuͤberhaupt geboren .... 587,275
gleichzeitig starben 418,624 Folglich blieb Ueberschuß der Gebornen 108,651.
Diese Zahl der Gebornen ist die groͤßte, welche seit dem Jahre 1816 vorgekommen ist. Auch die Zahl der Gestorbenen ist be⸗ traͤchtlich, doch wurde sie nicht allein in den Jahren 1831, 1832 und 1837, wo die asiatische Cholera den Preußischen Staat heim⸗ suchte, sondern auch in den Jahren 1834 und 1839 uͤbertroffen. Die Vergleichung der vorstehenden Zahlen mit den am Ende des Jahres 1840 nach aͤmtlicher Zaͤhlung vorhandenen 14,907,091 Ein⸗ wohnern ergiebt auf hundert Tausend damals Lebende durch⸗ schnittlich v“
Geito bere P
ssGolglich Ueberschuß 15 G; v Der Zuwachs aus diesem Ueberschuße betraͤgt also nicht ganz, jedoch sehr nahe 1 ½ auf Hundert; es kam auf etwas mehr als 25 Lebende ein Geborner; und ein Gestorbener auf eine Anzahl Lebender, welche zwischen 35 und 36, doch letzterer Zahl etwas naͤ⸗ er In den einzelnen Regierungsbezirken war das Verhaͤlt⸗ niß der Gebornen und Gestorbenen zu der Zahl der am Ende des Jahres 1840 Lebenden sehr verschieden. Die hoͤchste Zahl der Gebornen hatte Marienwerder und naͤchst diesem sehr nahe Brom⸗ berg, auf hundert Tausend Lebende naͤmlich ersteres 4034, letzte⸗ res 4615. Die bei weitem niedrigste Zahl der Gebornen zeigt sich dagegen im Regierungsbezirke Muͤnster, welcher nur 3078 Ge⸗ borne auf hundert Tausend Lebende hatte. Die verhaͤltnißmaͤßig
hoͤchste Zahl der Gestorbenen hatte der Regierungsbezirk Danzig,
die niedrigste der Regierungsbezirk Trier, jener naͤmlich 3346, die⸗ ser 2300 auf hundert Tausend Lebende. Aus dem Verhaͤltnisse der Gebornen zu den Gestorbenen ergiebt sich das Verhaͤltniß des
welcher sich jaͤhrlich zeigt, wo nicht besondere Ungluͤcksfaͤlle die na⸗ tuͤrliche Vermehrung des Menschengeschlechts hindere. Es scheint naturgemaͤß, daß dieser Ueberschuß am groͤßten werde, wo die Be⸗ voͤlkerung am duͤnnsten, und also dem Menschengeschlechte noch am meisten Raum gegeben ist, sich auszubreiten; hierbei ist jedoch nicht zu uͤbersehen, wie sehr die Sicherheit, Bequemlichkeit und Annehmlichkeit des Lebens mit der Dichtheit der Bevoͤlkerung zu⸗ nehmen kann, wenn die geselligen Verhaͤltnisse die Benutzung al⸗ ler der Mittel zur Entwickelung der geistigen und koͤrperlichen An⸗ lagen des Menschen gestatten, welche dieselbe darbeut. Auch im
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25 als minder dicht bewohnte, obwohl im Allgemeinen die stlichen schwaͤcher bevoͤlkerten Landestheile durch den Ueberschuß
der Gebornen am schnellsten zunehmen. Es ist oft behauptet worden, daß von der gleichen Anzahl Menschen in gleichen Zeitraäumen da die meisten stuͤrben, wo gleichzeitig die meisten ge⸗ boren wuͤrden;z und es ist in sofern auch eine wohlgegruͤndete Ver⸗ anlassung zu dieser Behauptung vorhanden, als die Sterblichkeit in keinem Lebensalter groͤßer ist, als in der zartesten Kindheit:
Tagsatzuug zu entwerfen, da Tessin mit seiner Instruction fast
indessen haͤngt das Verhaͤltniß der Gestorbenen zu den Lebenden noch von so viel andern Umstaͤnden ab, daß jene Behauptung kei⸗ nesweges uͤberall zutrifft; und auch im Preußischen Staate sind diejenigen Landestheile, worin verhaͤltnißmaͤßig die meisten Gebur⸗ ten vorkommen, nicht immer auch durch eine groͤßere Sterblichkeit ausgezeichnet. Wie sich die saͤmmtlichen Regierungsbezirke des Staates in Bezug auf Geburten, Todesfäͤlle, und den aus beider Verhaͤltniß gegen einander sich ergebenden Zuwachs verhalten, zeigt nachstehende Uebersicht. Verglichen mit der Anzahl der am Ende des Jahres 1840 vorgefundenen Einwohner, hatten in gedachtem Jahre auf hundert Tausend Lebende durchschnittlich — Ge⸗ Allso Geborene. storbene. Zuwachs. 4615 2960 1655 4547 955 1591 4634 3198 1436 4385 2998 1387 4085 2719 1366 4176 2857 1319 3895 2634 1261 4203 3962 1241 3662 2436 1226 4132 8 1213 4035 1211 3504 1204 3936 1203 3825 1200 3648 1155 3546 1060 3749 1006 3689 997 3572 997 4267 921 3880 844 3628 2861 767 3667 2904 763 Liegnitz “ 2973 647 Muͤnster .... “ 2535 543 Die verschiedenen Jahre sind den einzelnen Regierungsbezir⸗
Die Regierungsbezirke.
Promberg ... Gorein .. Marienwerder .. 11—815 Duͤsseldorf.... “ Ertart... v“ Koͤnigsberg. Breslau .. . Stettin h“ Zö““ Mer9... . Stralsund... “ I“
77-—
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2692 2575 3346 3036
Achen
Preußischen Staate mangelt es nicht an Beispielen, daß dichter bevolkerte aber gewerbreiche Gegenden schneller an Einwohnerzahl
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schaft Beeskow veraͤndert worden.
ken in Bezug auf den Ueberschuß der Gebornen nicht in gleichem Maaße guͤnstig; und es sind sogar Jahre vorgekommen, worin einige Regierungsbezirke, besonders in den bstlichen Theilen des Staats, mehr Menschen durch Todesfaͤlle verloren, als sie durch Neugeborne gewannen. Schluͤße auf das mittlere Verhaͤltniß der Gebornen und Gestorbenen gegeneinander, und gegen die An⸗ zahl der gleichzeitig Lebenden, koͤnnen daher mit einiger Zuver laͤssigkeit nur aus Durchschnitten von einer langen Reihe auf ein ander folgender Jahre gezogen werden. In nachstehender Ueber⸗ sicht ist die Durchschnittszahl der in den 22 Jahren 1818 bis mit 1839 mit dem arithmetischen Mittel aus den in diesem Zeitraume vorgekommenen sieben Einwohnerzaͤhlungen verglichen, und nach⸗ stehendes Verhaͤltniß der Gebornen, Gestorbenen und des Ueber⸗ schusses der ersteren gegen die Anzahl der gleichzeitig Lebenden ge⸗ funden worden. Es kamen naͤmlich waͤhrend dieses Zeitraums jaͤhrlich im Durchschnitte auf hundert Tausend Lebende Ge⸗ Also storbene. Zuwachs. 2496 1684 3642 1485 F688 1439 3252 1415 2423 1374 1327 1284 1275 1258 1230 1249 1188 1162 1120 1102 1082 1072 1050 1049 1041 1000 947 871 857
Geborene. 4180
5127
in den Regierungsbezirken Coͤslin Stactin.... ,118. 5s Gumbinnen ... ... .. 1468 EE“ 3797 Aernsberg ... .. 3768 Franksukr.... 3768 Maͤrienwerder...... 4855 Minden... 4205 Evyfurt.... C111ö163 TE 5. 1 6⸗ 2. Kenihsberg...... 4944 Coblenz... 1. . 3794 Seralsuns.. 3608 Merevbhurxragzgü R1616XX 11“ Desselborf.... . 9681 Wrzeolaa“ Potsdam mit Berlin 3853 Pofen 4196 Mugdeburg... . . .6 Coͤln... 3826
23. Segnh..e. 4050 24. Achen... 3547 25. Muͤnster hJJ“ 615 Im ganzen Staate also. . 2919 1153
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Im Laufe der hier betrachteten 22 Jahre hat sich der Um⸗ fang des Preußischen Staates nur in soweit geaͤndert, daß im Jahre 1834 noch das Fuͤrstenthum Lichtenberg durch Ankauf hin⸗ zukam: es bildet seitdem den landraͤthlichen Kreis St. Wendel im Regierungs⸗Bezirke Trier. Die Grenzen der einzelnen Regierungsbezirke sind zunaͤchst dadurch veraͤndert worden, daß in den Jahren 1820 und 1821 die damals bestandenen Regierun⸗ gen zu Reichenbach, Berlin und Cleve aufgeloͤßt, und ihre Ver⸗ waltungsbezirke den Regierungen zu Breslau, Liegnitz, Potsdam und Duͤsseldorf zugetheilt wurden. Indem die Regierung zu Breslau den bei weitem groͤßten Theil des Verwaltungsbezirkes der aufgeloͤsten Regierung zu Reichenbach uͤbernahm, gab sie gleichzeitig den landraͤthlichen Kreis Kreuzburg an die Regierung zu Oppeln ab. In der vorstehenden Nachweisung ist die Rech⸗ nung so gefuͤhrt worden, als haͤtte die Vertheilung des Staates in Regierungsbezirke schon vom Anfange des Jahres 1818 ab mit derselben Begrenzung bestanden, welche seit der Auflöͤsung der drei vorbenannten Regierungen eintrat. Außerdem ist seit dem Anfange des Jahres 1825 der Kreis Hoyerswerda von Frankfurt an Liegnitz uͤbergegangen. Auch sind seit dem Anfange des Jahres 1836 die Grenzen der Regferungsbebiger ee und Frankfurt gegeneinander besonders in Bzeinsgierhnderungen
2629 2488 2838 3257 2609 3098 2804 3155 2740 2879 3185 2690
sind gegen die ganzen Massen, woraus hier die Durchschnitte ge⸗
zogen wurden, nicht erheblich genug,
um das Ergebnitz der vor⸗ aͤndern. Hiernach wo
siehenden Durchschnittsberechnungen wesenanb ze hl fuͤr hinreichenh
können die vorstehenden Durchse nittszahlen E1““ “ 86 — 8