1841 / 209 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

daß die Regierung ihrer Verfuͤgung, die Autoritaͤt einer Koͤnigli⸗

chen Ordonnanz gegeben haͤtte, statt sie in der Gestalt eines blo⸗ ßen ministeriellen Rundschreibens zu erlassen.

*x. Paris, 23. Juli. Das Journal „le Commerce“ hat heute die zwei von Abdel⸗Kader herruͤhrenden Dokumente, die waͤhrend des letzten Feldzuges in Afrika „aufgefangen wurden, wie⸗ der abgedruckt. Diese Dokumente gehoren zu dem Bezeichnend⸗ sten, was uͤber diese Verhaͤltnisse noch gesagt worden ist, und da⸗ her bespricht man sie noch jetzt mit demselben Interesse wie daͤ⸗ mals, als sie ein Touloner Journal zuerst bekannt machte. Denn es geht nur zu deutlich daraus hervor, wie gut die Araber die Fehier kennen, welche die Franzosen in Afrika bisher immer be⸗ gangen haben. Die geheimen Instructionen an Miloud Ben Arach beauftragen diesen Aga, weniger die Franzosen zu bekaͤmpfen, als die Staͤmme zu verhindern, mit ihnen Frieden zu machen, um Zeit zu gewinnen; denn die Franzosen verstaͤnden wohl zu erobern, aber nichts zu bewahren, wohl zu zer⸗ stoͤren, aber nicht aufzubauen.

Dieser Ausspruch bestaͤtigt, was unsere Staatsmaͤnner selbst

in vertraulichen Augenblicken eingestehen sollen, daß man wahr⸗ scheinlich noch zwoͤlf bis funfzehn Jahre lang in Afrika so werde Krieg fuͤhren muͤssen, eine Aussicht, die sie oft mißmuthig machen soll. Man fuͤhlt zuweilen die Verlegenheit, welche diese Hinter⸗ lassenschaft aus der Restauration, wenigstens der jetzigen Genera⸗ tion, bereitet. Die Einsichtigeren geben sich auch nicht einmal der Hoffnung auf einen bedeutenden Ertrag hin, den in der Folge das selbst kultivirte Afrika, ein Landstrich ohne schiffbare Fluͤsse, ohne Communications⸗Wege, fuͤr Frankreich gewaͤhren koͤnnte. Aber dennoch ist es unmoͤglich, diese gewaltige Unternehmung, wie sie seit der Roͤmerzeit Niemand wieder gewagt, aufzugeben, unmoͤglich wegen der bffentlichen Meinung in Frankreich und des Ansehens im Auslande. Vielmehr betrachten gerade die ausgezeichnetsten Staatsmaͤnner die ihnen in Afrika so zugefallene Aufgabe, wenn auch nicht fuͤr ein Ungzluͤck, doch fuͤr eine schwere Mission, die ihnen in der Voͤl⸗ kerentwickelung uͤbertragen ist, und die sie mit Geduld und Aus⸗ dauer durchzufuͤhren haben. Es ist daher sehr ungerecht, wenn man der Ration die Art, wie sie in Afrika den Krieg fuͤhrt, vor⸗ wirft, denn die Civilisation hat zu allen Zeiten gegen die Bar⸗ barei nur auf diese Weise Krieg fuͤhren muͤssen. Dazu kommt, daß unter allen jetzt lebenden militairischen Nota⸗ bilitaͤten der zur Kriegfuͤhrung und Colonisation Afrika's geeig⸗ netste Mann an der Spitze steht, der gerade die ausgezeichneten Eigenschaften besitzt, welche dem Feldherrn auf diesem Platze so noͤthig sind. Der General Bugeaud ist ein vortrefflicher Sol⸗ dat, ein passionirter Landwirth, und bei seiner ehrlichen und rau⸗ hen Offenheit, seinem geraden und energischen Charakter wußte er sich bei der Armee ganz außerordentlich beliebt zu machen und scheint so berufen zu seyn, dies schwierige Werk, wenn auch nicht ganz zu vollenden, doch gewiß sehr zu foͤrdern.

Großbritanien und Irland. V London, 24. Juli. Die letzten Artikel des „Journal des Débats“ uͤber die orientalischen Angelegenheiten, namentlich uͤber den neuen Traktat vom 13. Juli, veranlassen die Morning Chroniele zu folgenden Bemerkungen: „Die Unterzeichnung des die Einfahrt von Kriegsschiffen in die Dardanellen und den Bosporus regelnden Vertrages durch Frankreich ist von den Französischen Liberalen im Allgemeinen mit dumpfem Mißbehagen und ven dem Organ des Herrn Thiers insbesondere mit bitterem Tadel aufgenommen worden. Das

„Journal des Débats“ antwortet im Namen Gutzot's auf diese

Angriffe; es stuͤzt seine Vertheidigung hauptsaͤchlich auf drei Punkte, welche die Grundlage der Unterhandlungen des Herrn Guszot bildeten. Der Franzoͤsische Minister war nicht der Mei⸗ nung, daß Frankreich sich veranlaßt finde, einen Krieg hervorzu⸗ rufen; eben so wenig glaubte er, daß Frankreich einen Krieg gefaßt bleiben oder auf eine gute Gelegenheit zu einem Kriege warten koͤnne, da eine solche Stellung des Landes zu Aus⸗ gaben nöthigen, den Handel fesseln und zu Grunde richten, die anderen Europaͤischen Maͤchte aber zugleich in Besorgniß, in Waf⸗ fen, auf der Hut und im Bunde gegen Frankreichs Drohungen erhalten wuͤrde.“ 8— b „Herr Gutzot betrachtete die Thierssche Politik als gleich verderblich, moͤchte nun Frieden oder Krieg seyn sollen. Denn vwenn Frankreich jemals eine Gelegenheit zu Angriff und Erobe⸗ rung haben und sich ihrer bedienen soll, so koͤnnte dies auf keine andere Weise seyn, als indem es vorgaͤbe, ganz in einer friedli⸗ chen Politik aufzugehen. Herr Guizot war daher auf Unterhand⸗ lungen bedacht, die ihn irgendwie oder unter irgend einem Vor⸗ wande in den Stand setzen koͤnnten, sich dem Europaͤischen Ver⸗ stuͤndniß anzuschließen und den Deutschen Maͤchten wenigstens ihre effersuͤchtigen Besorgnisse zu benehmen. Der Französische Ge⸗ andie hatte diese Aufgabe zu erfuͤllen, ohne den Französischen Stolz zu verwunden; und um diesen Stolz zu beschwichtigen, stellte er die drei Bedingungen auf, welche das „Journal des Débats“ als unerlaoͤßlich bezeichnet. Diese waren: niemals den Juli⸗Traktat von 1840 zu unterzeichnen; von Frankreich keine Bedingungen zu verlangen, wie die der Entwaffnung; und drittens, daß die vier Maͤchte Frankreich entgegenkommen sollten, nicht Frankreich ihnen. Es freut uns sehr, daß die vier Maͤchte in diesen Bezie⸗ hungen keine Umstaͤnde machten, indem Frankreichs Unterzeich⸗ nung und Beitrittjederzeit zu schaͤtzenswerth war, als daß er uͤbereilter und unbesonnener Weise haͤtte aufgeopfert werden sollen. Was den Juli⸗Traktat von 1840 betrifft, so haͤtte, wie uns scheint, Herr Guizot oder wenigstens Herr Thiers ihn wohl unterzeichnen können. Doch das ist vorbei. Der Pascha von Aegypten bedroht Klein⸗Asien nicht mehr, er bedroht nicht mehr das Herz des Tuͤrkischen Reichs, und der Sultan braucht seine Augen nicht mehr ewig nach Sepastopol zu richten, wenn er in seiner eigenen Hauptstadt sicher seyn will. Das „Journal des Débats“ sagt uns zwar, Mehmed sey in Aegypten fast ganz derselbe, der er immer gewe⸗ sen, und habe noch das Erbrecht auf die Provinz dazu erhalten. In dieser Hinsicht koͤnnen wir aber bemerken, daß sein Erbrecht Pech ist, und daß er die Bedingungen, unter welchen es ihm bewilligt wurde, huͤbsch wird beobachten muͤssen. Doch dem sey, wie ihm wolle, so viel laͤßt sich nicht leugnen, daß der große und hauptsaͤchliche Zweck des Juli⸗Traktats erreicht ist. Die Einleitung zu dem neuen Vertrage zeigt dies an, und da der alte Vertrag durch seine Vollziehung erloschen ist, so fallen alle auf ihn bezuͤgliche Bedenken Frankreichs hinweg. Herr Guizot trages stipulirt; wer Folge desselben ist?“ dicht weniger als 10 liberale Mitglieder, darunter drei O'Con⸗ nell's, sind in Irland durchgefallen, und O'Connell hatte den Mi⸗ nistern einen Zuwachs von 15 Irlaͤndischen Mitgliedern ver⸗ rochen. b G sh Die Summe der waͤhrend des letzten Vierteljahres in Eng⸗ land und Wales durch die Privatbanken in Umlauf gesetzten No⸗

]

pagnie mit beinahe 600,000 Pf:d. fallirt.

fesseln verdienen, die sich auch nur einigermaßen

Jahre lang auf

ten betrug durchschnittlich 6,444,395 Pfd. St., waͤhrend die Aec⸗ tienbanken nur 3,807,0355 Pfd. St. in Circulation erhielten. Zu Manchester hat das große Haus Daintry Ryle und Com⸗

8 .— vth ekehhhg. .116 Amsterdam, 21. Juli. Die anhaltende sehr nasse Witterung hat am hiesigen Getraidemarkt diese Woche eine be⸗ deutende Preis⸗Verbesserung fuͤr Weizen und Roggen, bei ansehn⸗ lichem Umsatz zur Speculation und zum Verbrauch, herbeigefuͤhrt.

Man zahkte gestern unter Schloß liegend: fuͤr 130pfuͤnd. weiß⸗

bunten Polnischen Weizen 350 Fl., 130füuͤnd. bunten 345 Fl., 5

128pfuͤnd. dito 330. 338 Fl., 120. 127pfüͤnd. dito 320. 333 Fl.,

130pfͤͤnd. Rheinischen 300 Fl., im Konsum: fuͤr 129pfuüͤnd. alten

weißbunten Polnischen 375 Fl., 128pfüͤnd. bunten 365.370 Fl.,

126. 128pfuͤnd. bunten 350 Fl., 128 .129pfüͤnd. Rheinischen 310.315 Fl.; fuͤr 120pfñüͤnd. Preußischen Roggen 198.200 Fl.,

119pfund. dito 196.197 Fl., 118pfuͤnd. 192. 194 Fl., 117pfuͤnd. Riga 193.195 Fl., 117pfuͤnd. Archangel 188 Fl., 74. 79pfuͤnd. Futterhafer 88. 94 Fl.

Belgien.

Brüssel, 24. Juli. Ueber die bevorstehende oͤffentliche Aus⸗ stellung der Erzeugnisse des Gewerbfleißes in Belgien ist hier

V nachstehende Kundmachung erschienen:

„Waͤhrend der naͤchsten August⸗ und September⸗Monate wird in den geraͤumigen Saͤlen des Museums zu Bruͤssel eine oͤffentliche Ausstellung der Erzeugnisse des Belgischen Gewerbfleißes stattfinden.

Belgien, das schon seit laͤngerer Zeit wegen der Verschiedenheit und der Vollkommenheit seiner Produkte, wegen der Wichtigkeit und großartigen Verhaͤltnisse seiner Manufakturen, Fabriken und Huͤtten⸗ Anlagen beruͤhmt war, hat seit den letzteren zehn Jahren erstaunliche Fortschritte gemacht, welche die Aufmerksamkeit aller derjenigen zu um den Handel und den Gewerbfleiß bekuͤmmern.

In den Provinzen Brabant, Hennegau, Luͤttich, Namur, so wie

in den beiden Flandern, trifft man fast auf jedem Schritt die uͤber⸗

zeugendsten Beweise dieser nnermeßlichen indnsteiellen Betriebsamkeit,

welche dies an sich selbst in seiner Lage so beschraͤnkte Land zu ei⸗ nem der wohlhabendsten und merkwuͤrdigsten der ganzen Welt gemacht haben. Seine taͤglich zunehmenden Verhaͤltnisse mit England haben allerdings das Ihrige zu dem schleunigen Wachsthum seiner mechani⸗ schen Kräfte, wie nicht weniger zu den Fortschritten einer gewisser⸗ maßen zur Weltbeherrscherin gewordenen Wissenschaft, beigetragen. Wie sehr zew rung ein jeden Fremden aufgeregt werden bei seinem Eintritte in die rie senfoͤrmigen Werkstaͤtten Seraings, in die der Geschuͤtzgießerei, in die von St. Léonard bei Luͤttich, in die der Compagnie Phoͤnir zu Gent, in die zu Couvin in der Provinz Namur, zu Hornu und Couillet im Hennegauschen, in die, le Renard genannt, zu Bruͤssel, und in noch so erstaunlich vielen andere, deren bloße Aufzaͤhlung ermuͤden wuͤrde; wenn er ferner die unermeßlichen Eisen⸗- und Koh⸗ len⸗Bergwerke besucht, wo gewissermaßen eine ungeheure Cyklopen⸗

schaar Tag und Nacht an der Arbeit ist; oder allenfalls die unzaͤh⸗

ligen Waffen⸗Schmiedereien und Maschinen⸗Fabriken und dergleichen in der Provinz Luͤttich, die dortigen so geraͤumigen Gußwerkstaͤtten, Streckwerke, Plaͤttmaschinen, metallurgischen Huͤtten⸗Anlagen von allerlei Art; die Krystall⸗, Spiegel⸗, Tapeten⸗Fabriken und die ver⸗ schiedenartigen Zwirn⸗ und Spinnanstalten, deren Erzeugnisse, we⸗ gen der erstaunlichen Schnelligkeit der Verfertigung, gewissermaßen zu den niedrigsten Preisen geliefert werden.

Die Ausstellung des Gewerbfleißes in Belgien endigt zwar mit der Austheilung von Medaillen oder Ehrenzeichen und sonstigen den Ausstellern zuerkannten Aufmunterungen verschiedener Art; sie hat aber dabei nichtsdestoweniger eine rein kommeczielle Tendenz. Eine dazu ernannte Kommission ist mit der Herausgabe eines ausfuͤhrlichen Verzeichnisses oder Katalogs der ausgestellten Gegenstaͤnde, nebst den Adressen der Fabrikanten, beauftragt: der Verkaufpreis der Fabrikate wird da, wo es nur einigermaßen angeht, hinzugefuͤgt werden, und die Regierung wird spaͤter, nicht nur im Inlande, sondern auch üͤber all außerhalb desselben, den durch die geschwornen Beurtheiler abzu⸗ stattenden ausfuͤhrlichen Bericht verbreiten, in welchem umstaͤndliche Belehrungen uͤber die vorzuͤglichsten Fabrikate und die Institute, woraus dieselben hervorgegangen, gegeben werden sollen.

Fuͤr Belgien uͤberhaupt und fuͤr Bruͤssel insbesondere wird die Industrie⸗Ausstellung eine schickliche Veranlassung seyn, um den dhnehin bedeutenden Zusammenfluß von Fremden, welche die Be⸗ schauung der vielen Merkwuͤrdigkeiten in artistischer und industrieller Hinsicht jaͤhrlich dahin lockt, unendlich zu vermehren. Ueberdies ist im gegenwaͤrtigen Augenblick eine um die drei Jahre stattsindende (GSemäͤlde⸗Ausstellung zu Gent eroͤffnet. Es ist ja bekannt genug, daß Belgien eine bedeutende Menge Sammlungen der unschaͤtzbar⸗ sten Kunst-⸗Produkte dieser Art besitzt, und daß manche beruͤhmte lebende Maler den von jeher wohlverdienten Ruhm mit Wuͤrde zu behaupten wissen.

Die ungemein schleunigen Verbindungsmittel, deren sich dieses durch die schoͤnsten Heerstraßen, vortrefflichsten Eisenbahnen und herrlichsten Kanaͤle nach allen Richtungen hin durchschnittene Land zu erfreuen hat; die Zeit⸗ und Geldersparniß, mit denen man hier reist; die wunderschoͤnen Aussichten auf den Bergen und die uͤppige Kultur seiner Thaͤler und sich weit ausdehnenden Ebenen; die ver⸗ schiedenartigen Sprachen, die in diesem Lande gesprochen werden, und die Mannigfaltigkeit der merkwuͤrdigen Gegenstaͤnde, die man gewissermaßen an einem Orte, bei oder nahe an einander, antrifft: dies Alles sind Umstaͤnde, die wohl an keinem anderen Orte in glei⸗ cher Fuͤlle anzutreffen sind, und die also alle bei dem großen Han⸗ delsverkehr Europa's Betheiligten zur Beiwohnung dieses großen, von dem Gewerbfleiße einer Nation veranstalteten Festes einzuladen scheinen.”

Daänemark. Kopenhagen, 21. Juli. Nachdem am Donnerstage Ihre

Koͤnigl. Hoheit die Herzogin von Holstein⸗Gluͤcksburg und Se.

Durchlaucht der Herzog hier mit dem Dampfschiff von Kiel an⸗ ekommen waren, begaben dieselben sich nach Frederiksberg, zu Ihrer Majestaͤt der verwittweten Koͤnigin (Mutter der Herzogin); bald darauf hatte der Herzog Audienz bei Sr. Majestaͤt dem Koͤnige, und am Nachmittage machte Ihre Königl. Hoheit die Herzogin einen Besuch auf der Christiansburg; spaͤter am Nach⸗ mittage fuhr Ihre Majestaͤt die Koͤnigin nach Frederiksberg, um die verwittwete Koͤnigin zu besuchen.

Der den Landbesitzern in Daͤnemark in fruͤheren Jahren, zuletzt im vorigen Jahre, bewilligte Nachlaß von 400,000 Rbthlr. auf die Grundsteuer ist denselben noch auf ein Jahr zugestanden

e.

worden; eben so den Herzogthuͤmern Schleswig und Holstein der

hat allerdings nicht Entwaffnung als die Folge des neuen Ver⸗ sieht aber nicht, daß sie die nothwendige

ungefaͤhr gleiche Belauf (50 pECt.) auf die Steuer von Besitz, Nutzung und Gebrauch. -

Das Befaͤhigtseyn des Herrn Orla Lehmann zum Buͤrger⸗ Repraͤsentanten ist demselben nunmehr von der Kanzlei abgespro⸗ chen worden.

Deutsche Bundesstaaten.

München, 24. Juli. Se. Koͤnigliche Hoheit der Kron⸗ prinz hat eine Reise nach Bruͤckenau angetreten. Von Bruͤcke⸗ I nau wird sich Se. Koͤnigliche Hoheit, wie verlautet, nach Darm⸗ stadt und Ems begeben.

Chemnitz, 26. Juli.

(L. A. Z.) In diesem Augenblicke verlasse

ich die General⸗Versammlung der Erzgebirgischen

muͤssen das Erstaunen und die Bewunderung eines

Mailand, 21. Zuli.

V

I

Grafen Radetzky empfangen.

Eisenbahn⸗Gesellschaft, welche heute hier stattfand. Sie hatte nicht den Charakter einer Versammlung von Actien⸗In⸗ habern, die das unmittelbare pecuniaire Interesse bewegt, es war die Volksversammlung einer Provinz, die uͤber ihre gemeinsamen Interessen mit gemessener Freimuͤthigkeit und Offenheit berathet. Nach der Einleitung des Direktoriums wurde demselben von Sei⸗ ten des Buͤrgermeisters unserer Stadt, der zugleich Vorsitzender des Ausschusses ist, ein Dank votirt fuͤr seine seitherige Haltung, womit sich ein hiesiger Gewerbtreibender von Seiten der Actionaire vereinigte, wel⸗ chem die Versammlung unter allgemeinem Hurrah beistimmte. Alle von der Direction vorgelegten Maßregeln wurden einstimmig angenommen. In einer Versammlung von gegen 400 Theilhabern fand in der Hauptsache nicht eine einzige Divergenz der Ansichten statt. Ein Antrag, die Bahn⸗Abthellung von hier auf Riesa bei den vor⸗ stehenden weiteren Verhandlungen vorzugsweise ins Auge zu fassen, fand allseitig zwar Anklang, wurde aber von Vielen durch die Meinung zuruͤckgewiesen, daß man die Erbauung der ganzen Linie von Riesa bis Zwickau nie aus dem Auge verlieren moͤge, und daß eine Verpflichtung deshalb von Seiten der Staate⸗ Gewalten allerdings unter jetziger Sachlage unbedingt vorzuliegen scheine. Endresultat der Berathung: Die Gesellschaft bleibt ver⸗ einigt, um ihre seitherigen Zwecke bei Staats⸗Regierung und Staͤnden ungeschmaͤlert fortwaͤhrend zu verfolgen und zu be⸗ treiben. Die betreffenden Organe der Gesellschaft, Aus⸗ schuß und Direktorium, werden zu diesem Zweck auss neue erwaͤhlt, der Ausschuß wird in seinen alten Mitgliedern sofort be⸗ staͤtigt und in Bezug auf das durch den Ausschuß zu waͤhlende Direktorium einstimmig der Wunsch ausgesprochen, es moͤgen die⸗ selben Maͤnner wieder an die Spitze gestellt werden, welche seit⸗ her der Leitung sich unterzogen. Sollte der Bau der ganzen Bahn gefaͤhrdet erscheinen und zu einer theilweisen Ausfuͤhrung vorlaͤufig Einleitung getroffen werden muͤssen, so spricht die Ver⸗ sammlung den Wunsch aus, das Direktorium moͤge dann vor⸗ zugsweise auf Chemnitz⸗Riesa seine Aufmerksamkeit richten, die Verpflichtung aber nicht verkennen, daß zum Beitritte der Ge⸗ sellschaft fuͤr eine theilweise Ausfuͤhrung uͤberhaupt unter allen Umstaͤnden die Genehmigung einer neuen General⸗Versammlung erforderlich sey.

Karlsruhe, 25. Juli. (Obd. Z.) In den Verhandlun⸗ gen der ersten Kammer uͤber den Gesetzentwurf zur Eroͤffnung ei⸗ nes außerordentlichen Kredits fuͤr das Kriegs⸗Ministerium sprach General⸗Major von Lasollaye folgende Worte: „Die Deutsche Nation hat in den juͤngstvergangenen kritischen Zeiten gezeigt, daß sie ihre Integritaͤt und ihre Unabhaͤngigkeit handhaben und ver⸗ theidigen will, handhaben und vertheidigen kann. Die foͤdera⸗ listische Kraft hat sich in ihrer vollen ersprießlichen Wirksamkeit entfaltet. Wenn bei den kuͤrzlich so drohenden anderwaͤrtigen Zu⸗ staͤnden der Friede bis jetzt erhalten worden ist, so haben sicherlich die Bemuͤhungen der Kabinette und Staatsmaͤnner, es hat der vortreffliche patriotische Geist, der sich in allen Thei⸗ len Deutschlands kundgegeben hat, viel zur Erzielung die— ses gluͤcklichen Erfolges beigetragen; allein ohne die impo⸗ sante, kraͤftige Haltung der Deutschen Heere, welche sich auf die fruͤher so vielfach angefochtene Deutsche Militair⸗Verfassung stuͤtzte, waͤren diese guͤnstigen Erfolge keinesweges zu erreichen gewesen. Fuͤr uns enthalten die hier vorliegenden Dokumente uͤber die mi— litairischen Anstrengungen, welche in der juͤngsten Vergangenheit gemacht werden mußten, einige wohl zu beachtende, wohl zu be⸗ herzigende Lehren. Die erste Lehre ist, daß man sich fuͤr die Felge sorgfaͤltig huͤten moͤge, die Effektivstaͤrke des Kontingents unter die bundesgesetzliche Normalstaͤrke von 1 ½ pCt. herabsinken zu lassen; daß vielmehr jaͤhrlich auf diese Staͤrke rekrutirt werde, damit nicht in Zeiten der Gefahr mittelst laͤstiger, in die Fami⸗ lien-Verhaͤltnisse tief eingreifender Nachholungen an Kon— skribirten das Fehlende ploͤtzlich ergaͤnzt werden muͤsse. Die zweite Lehre moͤchte dahin zielen, daß die erforderlichen materiellen Vorraͤthe stets nach Quantitaͤt und Aualitaͤt so vorhanden seyn duͤrften, daß der Uebergang von dem Friedensstand zu der Kriegsbereitschaft ohne sehr erheblichen ploͤtzlichen Kosten⸗Aufwand vollziehbar sey. Die dritte Lehre endlich möͤchte darin zu er— kennen seyn, daß der normale Friedensstand der Truppen an Mannschaft und Pferden so bemessen seyn muͤsse, daß die Aus⸗ bildung de. Corps nach den Forderungen der Taktik und der Kriegs⸗Tuͤchtigkeit erzielt werden koͤnne und die Moͤglichkeit ge— geben sey, die Truppen mit Zuversicht eines guͤnstigen Erfol⸗ ges gleich anfaͤnglich dem Feinde entgegenzufuͤhren, oder aber ihm durch eine tuͤchtige militairische Haltung zu imponiren. Dat allen diesen Postulaten bei einem Graͤnzstaate, wie das Großher⸗ zogthum, in potenzirtem Maße Rechnung getragen werden muͤsse, bedarf keines Beweises.“ 8

Hesterreich. V * Marienbad, 22. Juli. Der Herr Fuͤrst von Metter⸗ nich ist vor einigen Tagen in Schloß Koͤnigswart angekommen und gedenkt daselbst bis um die Mitte des naͤchsten Monats zu verweilen. Se. Durchlaucht sind von Ihrer letzten Unpaͤßlichkeit wieder vollkommen hergestellt.

8

Zürich, 23. Juli. Der Foͤhn, der den 18ten Morgens mit einer unerhoͤrten Hefligkeit und Schnelligkeit von den Alpen herunterkam und auf dem See raste, hat an Schiffen, Gestaden u. s. w. bedeutenden Schaden angerichtet. Da der Wind bei steigender Schwuͤle mehrere Stunden dauerte, so uͤbte er theil⸗ weise auf Pflanzen, besonders auf Baͤume, eine sengende Gewalt aus, so daß z B. in der Umgegend von Muͤhlheim Blaͤtter zu sehen waͤren, welche durch den brennenden Windhauch schwarz wurden.

Italien.

Se. Koͤnigl. Hoheit der Prinz Al⸗ brecht von Preußen ist unter dem Namen eines Grafen von Ra⸗ vensberg gestern aus Tyrol hier eingetroffen. Heute hat Se.

Koͤnigl. Hoheit die Aufwartung des Gouverneurs der Lombardi⸗ schen Provinzen, Grafen von Spaur, und des Feldmarschalls

Spanien.

O Madrid, 17. Juli. Ehe noch die geringste Genug⸗ thuung wegen der in Cartagena begangenen Gewaltthat erfolgt ist, haben Englaͤnder abermals das Spanische Gebiet verletzt und diesmal auch Spanisches Blut vergossen. In der Nacht vom 7ten verfolgte ein Spanisches Kuͤstenwachtschiff zwei von Gibral⸗ tar ausgelaufene Fahrzeuge, welche Contrebande an die Spanische

Kuͤste werfen wollten. Diese Fahrzeuge zogen sich zuruͤck, und auf ein von ihnen gegebenes Zeichen schickte ein in der Bai von

Gibraltar liegendes Englisches Kriegsschiff,,the Thunderer“, eine mit 50 Marine⸗Soldaten besetzte Barke zur Verfolgung des Spa⸗ nischen Wachtschiffes ab. Dieses fluͤchtete sich an die Spanische 111““ 1 .

8 88

Kuͤste von Algeciras, allein die Englische Barke

setzte 20 bis 30 Mann ans Land, die auf den von Seiten der Spanischen Zoll⸗ Soldaten erfolgenden Anruf auf diese Feuer gaben, sie auseinan⸗ dersprengten und den befehligenden Offizier durch einen Schuß schwer verwundeten. Damit nicht zufrieden, nahmen sie heer Wiedereinschiffung ein an der Kuͤste liegendes Spanisches Wacht⸗ chiff mit sich.

8. T.n⸗ Spanische Befehlshaber der Linie von Gibraltar hat

ccII. este es daruͤber im diesen Vorfall hierher berichtet, und gestern kam es 1— fall ges Deputirte Munoz Bueno

bongresse zu Eroͤrterungen. Der 4 uen zich, daß a Ministerium unthaͤtig zusehe, wie L. Spanische Nation von einer fremden, sich befreunder nennenden 9 j bleidi de 5 er; elxas na. 0 v 7 Nation beleidigt, beschimpft, und der Verachtung Europa's preis⸗ gegeben werde. Der Minister⸗Praͤsident gab zu, der Vorfall sey leider begruͤndet, und als ein Attentat zu betrachten. Indessen kenne die Regierung ihre flicht. „Aber,“ fuͤgte er hinzu, xonnte die Regierung gleich auf der Stelle Genugthuung verlangen; wozu nuͤtzt das Voͤlkerrecht? wozu die diplomatischen Verbindun⸗ gen? reicht der gute Wille aus, um wirklich Genugthuung zu er⸗ halten?“ Durch diese naiven Bemerkungen sah sich der Kongreß keineswegs zufrieden gestellt. Herr Uzal, der trotzige Gegner des Regenten, sagte: „Als es sich um die Regentschaͤft handelte, behauptete man hier, die hoͤchste Gewalt muͤßte centralisirt wer⸗ den, damit die Einheit ihr Kraft gaͤbe, und dann wuͤrde die Spa⸗ nische Nation geachtet werden, und Ferppa vor ihr erzittern. Wohlan! man entschied sich fuͤr jene Einheit, und Europa lacht uns an der Pyrenaͤen⸗Graͤnze aus, speit uns in Cartagena ins Gesicht, und giebt uns in Algeciras Ohrfeigen. Ich fordere den Minister⸗Praͤsidenten auf, uns die letzten No⸗ ten der Frambsischen Regierung vorzulegen, sie sollen seltsa⸗ men Inhaltes seyn. Die National⸗Unabhaͤngigkeit war das Feldgeschrei bei der September⸗Revolution, und das Ministerium erlaubt nicht nur die Verletzung derselben, sondern steht sogar im Begriff, einen Theil des S panischen Gebietes, zwei hoͤchst wich⸗ tige Inseln, zu veraͤußern, und zwar um lumpige 00,000 Pfd. St. Der Minister⸗Praͤsident wiederholte seine gewoͤhnli⸗ chen Redensarten, die Regierung werde ihre Pflicht erfuͤllen und dgl., und erklaͤrte, der Verkauf jener beiden Inseln sey von dem vöorigen Ministerium unterhandelt und abgeschlossen worden. Herr Collantes, ein Apocheker, rief darauf mit großem Nachdruck aus: „Arm sind wir, aber wir haben Ehrgefuͤhl und Kraft. Ich wuͤrde in dem vorliegenden Falle die Englaͤnder ergriffen und ins Wasser geworfen, dem Gesandten aber den Kopf abgeschnitten haben.“ Als der Minister⸗Praͤsident dazu spoͤttisch lachte, fuͤgte Herr Coͤllantes hinzu: „Sie thun uͤbel, zu lachen, denn es han⸗ delt sich um unsere Ehre. Wenn wir nicht jetzt handeln, so wer⸗ den Englaͤnder und Franzosen unser Land theilen. In Portugal behandelt man uns Spanter bereits wie Lastthiere.’“ Der Kriegs⸗ Minister San Miguel erklaͤrte darauf, die Regierung werde Alles aufbieten, um zu verhindern, daß man Auslaͤndern hier die Köͤpfe abschnitte.

Allerdings aber ziehen die wiederholten Verletzungen des Vbol⸗ kerrechts, welche von Englischen Beamten an der Spanischen Kuͤste begangen werden, und die immer tiefer einwurzelnde Ueber⸗ zeugung, daß die bedenklichen Umtriebe der Fabrik⸗Arbeiter Cata⸗ loniens, so wie die Verschwoͤrungen der Neger in der Havanna nicht ohne Englischen Einflüuß sind, dem hiesigen Vertreter Großbritaniens manche Verdrießlichkeiten zu. Die bffentliche Meinung hat hier uͤberhaupt seit einem Jahre einen so unglaub— lichen Umschwung genommen, daß dasselbe Blatt, welches die Mitwirkung Englands bei dem September⸗Aufstande nicht genug preisen konnte, und mit den laͤcherlichsten Herausforderungen ge⸗ gen Frankreich angefuͤllt war, das „Eco del Comerecio“ gestern der Regierung anraͤth, ein ausgesuchtes Armee⸗Corps gegen Giäbral⸗ tar aufzustellen, und geradezu hinzufuͤgt: „England muß wissen, das Spanien in einem Kampfe mit ihm nicht allein dastehen wird, um Unverstand und See⸗Raͤuberei zu bekaͤmpfen.“ Die republikanischen Blaͤtter sagen, sie wuͤrden lieber Don Carlos und die Inquisition proklamiren, als sich laͤnger von Englaͤndern miß⸗ handeln zu lassen u. s. w. ““ Uebrigens zeigt der Kongreß seine Meisterschaft in der Ge⸗ setzgebung. Das Gesetz wegen der Dotation des Klerus wird kaum der Diskusston unterworfen, und die 25 Artikel, welche die Modification der Fueros von Navarra verfuͤgen, wurden vorgestern n kaum zehn Minuten durch bloßes Kopfnicken votirt. Aus dem Hudget wird ein Posten nach dem anderen gestrichen. Vergebens etheuern die Minister, daß sie unter solchen Beschraͤnkungen nicht

gieren koͤnnen; sie selbst muͤssen vom Gegentheil uͤberzeugt seyn, inn sie behalten ihre Portefeuilles. Gestern entschied der Kon— reß mit 95 Stimmen gegen 27, daß der Koͤnigin Christine die hr aus ihren Ehepakten zustehende) Summe von 150,588 Pia⸗ ern jaͤhrlich auszuzahlen sey. Ob diese Summe dem Koͤnigli⸗ ten Hause zur Last fallen solle, ließ man unentschieden. Bei die— r Gelegenheit fragte der General Don Pedro Mendez Vigo an, b die Koͤnigin Christine sich wieder verheirathet habe, und der Ninister⸗Praͤfident erwiederte darauf: „Die Regierung kann nur agen, daß, da sie weder ein oͤffentliches, noch Privat⸗Dokument vefitzt, welches das Gegentheil von dem darthaͤte, daß jene Dame die Wittwe des Koͤnigs Ferdinand's VII. sey, sie solche so lange als Wittwe betrachten muß, bis genuͤgende Beweise des Gegen⸗ theils beigebracht werden.“

Die Regierung hat eiligst einiges Geld nach den Balearischen Inseln geschickt, um die dorkigen Truppen, die sehr vernachlaͤssigt waren und durch ihre drohende Haltung Besorgnisse einfloͤßten, zu beruhigen.

Heute haben die Minister abermals im Kongresse bei der Diskussion der Budgets eine Reihe von Riederlagen erlitten. Auch spricht man davon, daß ein Ministerwechsel im Werke sey. Dem Finanz⸗Minister ist es noch immer nicht moͤglich gewesen, von den hiesigen Kapitalisten einen Vorschuß zu erlangen.

Konstantinopel, 7. Juli. (A. Z.) Der alte Pascha hat Rimessen im Betrage von 8 Millionen Piaster hierhergesandt, welche folgende Bestimmung haben: 5 Millionen auf Abschlag des Tributs, anderthalb Millionen als Geschenk fuͤr den Sultan, Million fuͤr die Sultanin⸗Mutter, * Million fuͤr die Beam⸗ ten des Schlosses und Million fuͤr die Veamten der Pforte. Saͤmmtliche Anköoömmlinge von Aegypten usammen 60 Personen) Ui hh, gge gestellt und haben unter Zelten eine Art von (Wrjokdere W Asiatischen Thales von Hunkiar⸗S kelessi üdung S 8 veee bezogen. Der Sultan sieht die Anher⸗ 88; da. h. ey's mit sehr gnaͤdigem Auge und Niemand zwei⸗ 9 9 n seh zat . ache des Tributs sich Se. Hoheit sehr nachgie⸗ ig gegen Aegypten erweisen werde. Diesen Gegenstand beruͤhrt Mehmed Ali in seinem Schreiben an Rauf Pascha nur in sehr unbestimmten Ausdruͤcken, doch glaubt man allgemein daß 8 9 gelingen werde, den auf 40 Millionen festgesetzten Tribut bis auf 20 oder 25 Millionen ermaͤßigt zu sehen. 88

Von den Bewohnern des Libanons ist in den letzten Tagen

1““

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eine Vorstellung in ruhiger, aber kraͤftiger Sprache an die Pforte

worin sie um Ermaͤßigung der Steuern, Zoͤlle und des vor kurzem verfaßten Tarifs bitten. Das Ministerium wird mit naͤchstem die Sache in Erwaͤgung ziehen und die Erleichterungen, die in dieser Hinsicht bereits dekretirt, aber im Libanon noch nicht bekannt waren, ohne Zweifel noch bedeutend vermehren. 1— Die wichtigste Veraͤnderung in der Stellung der Maͤchte gegen die Pforte ist der zusehends 8n Fag zu Tag steigende Einfluß Frankreichs. Nie hat der Graf Pontois sich einer sol⸗ chen Zuvorkommenheit von Seiten der Pforte, eines so guten Einvernehmens mit Lord Ponsonby und den Repraͤsentanten der anderen Maͤchte zu erfreuen gehabt, als es eben setzt der Fall ist. Gewiß werden die fuͤnf Maͤchte, vereinigt zum Wohl der Levan⸗ tinischen Christen, jedes hillige Ansinnen an den Sultan verwirkli⸗ chen, vielleicht einen bluͤhenden Zustand dieser Laͤnder nach und nach zur Entwickelung bringen und mit aller Anstrengung die Erreichung dieses ruͤhmlichen Zieles anstreben, da die innigste Ueberzeugung der genannten Maͤchte dahingeht, daß die lebens⸗ kraͤftigen Elemente unter den Osmanlis bei weitem die Moͤglich⸗ keiten einer bevorstehenden Aufloͤsung ihres die Ruhe Europas bedingenden Reichs üuͤberwiegen. Selbst Pontois spricht dies laut und unverholen aus, ohne sich durch das neuerhobene Ge⸗ schrei der Feinde der Osmanen im geringsten beirren zu lassen. In einem besonderen Schreiben erkundigt sich Boghos Bey bei der Pforte, welche Bewandtniß es mit dem von dem Capi⸗ tain Napier, der am 21sten v. M. auf dem Kriegs⸗Dampfvoote „Medea“ im Hafen von Alexandrien eingelaufen sey, gestellten Begehren habe, daß alle Syrer, die in die Aegyptischen Truppen eingereiht worden seyen, in ihr Vaterland zuruͤckgeschickt werde sollen. Der Wessir (Mehmed) wuͤnsche dazu einen direkten Auf⸗ trag von der Pforte und zugleich die Bestimmung, ob die, welche freiwillig in die Aegyptische Armee getreten seyen und in Aegyp⸗ tischen Diensten zu bleiben den Wunsch aͤußern sollten, auch zu entlassen und heimzuschicken waͤren. Dies wuͤrde die Aegyptische Armee, die ohnehin nur zum Dienste des Padischahs erhalten werde, bedeutend schwaͤchen, weshalb eine billige Beruͤcksichtigung der Umstaͤnde in einem sehr demuͤthigen Tone angesprochen wird. Die letzten Nachrichten aus Syrien lauten guͤnstig, das Land war beruhigt und man sah einer besseren Zukunft mit Vertrauen entgegen. Die Befestigung von Acre wird mit großer Anstren⸗ gung und bedeutendem Aufwande fortgesetzt. Lord Ponsonby be⸗ treibt die Sache der Herstellung der Festungen an den Syrischen Kuͤsten mit großer Energie. Die Englaͤnder moͤchten Syr (Ty⸗ rus), Saida (Sidon), Beyrut (Beritus), ganz besonders aber Jaffa in guten Vertheidigungsstand gesetzt wissen. Aus Kandien sind neue Nachrichten eingegangen. Die In⸗ surgenten daselbst halten nirgends Stich und die ganze Sache scheint mit naͤchstem zu Ende gehen zu muͤssen. Besorgnisse tau⸗ chen daher bei der Pforte auf, daß Tahir Pascha oder die Tuͤr⸗ kischen Milizen nach Ueberwaͤltigung der Kreter sich Grausamkei⸗ ten uͤberlassen und das Tuͤrkische Gouvernement neuerdings kom⸗

gelangt,

I 6 1,½ 8B1“ I“ er Befehl promittiren moͤchten, daher erging heute ein erneuerter Befehl an

den Kapudan Pascha, gegen die Besiegten mit Milde zu verfah⸗ ren, Ausschweifungen der Arnauten durch geeignete Anordnungen vorzubeugen und jedem moͤglichen Unwesen kraͤftig zu steuern.

Zum Vortheil der Juden im heiligen Lande ward in dieser Woche ein eigener Ferman an Tayar Pascha erlassen, worin die⸗ ser aufgefordert wird, sie mit gleicher Unparteilichkeit wie andere Religions⸗Genossen zu behandeln. Sie sehen daher, daß es der Pforte ernst ist, den Zustand der Rajahs zu verbessern, und daß die Christen des Orients in einer nicht fernen Zukunft zum Ge⸗ nusse von Rechten gelangen muͤssen, die von denen der Moslims nicht wesentlich sich unterscheiden duͤrften.

Niederländisches Indien. Batavia, 9. Maͤrz. Nach den neuesten Nachrichten von der Nordwestkuͤste Sumatra's scheinen die Eingebornen dort keinesweges mit ihren neuen Europaͤischen Herren zufrieden zu seyn; denn es vergeht selten eine Woche, in welcher die Nieder⸗ laͤndisch⸗Indischen Krieger nicht Gefechte mit den Atschinesen und Arabern dort zu bestehen haͤtten. Erst in der Nacht vom 2. zum 3. Januar d. J. wurde eine meist aus Afrikanischen Negern be⸗ stehende Thorwache in Toapus von einem etwa 50 Mann star⸗ ken mit Schwertern und Lanzen bewaffneten Corps Atschinesen und Arabern uͤberfallen und mit Ausnahme des Wacht⸗Komman⸗ danten eines Europaͤischen Lieutenants, der die Flucht ergriffen hatte niedergemetzelt. Indeß ist es aber sehr waͤhrscheinlich, daß die in den neuer⸗ worbenen Hollaͤndischen Besitzungen auf Rord⸗-Sumatra gegen⸗ waͤrtig so haͤufig vorkommenden Feindseligkeiten zwischen den Ein⸗ gebornen und den Niederlaͤndisch⸗Indischen Truppen, von fanatischen; Arabischen Priestern und dem Radja von Delli einem souverainen Malayischen Fuͤrsten auf der Ostkuͤste Sumatra's angezettelt worden. Denn die Ersteren glauben, daß durch die Herrschaft

des Bataviaschen Gouvernements der Iblam auf Nord⸗Sumatra bedroht sey und der Letztere gedenkt die Hollaͤnder dermaßen in

ihrem eigenen Gebiete zu beschaͤftigen, daß dieselben dadurch ver⸗ hindert werden, ihre Herrschaft noch weiter uͤber Sumatra aus⸗ zudehnen. Hoͤchst wahrscheinlich wird aber durch ein solches Ver⸗ fahren des Radja's von Delli nur um so eher die Hollaͤndische Herrschaft auf Sumatra und namentlich uͤber Delli ausgedehnt werden. Es sollen aber auch die Englaͤnder an der Unzufrieden⸗ heit der Atschinesen Schuld seyn; denn dieselben glauben sich da⸗ durch benachtheiligt, daß sich die Hollaͤndische Herrschaft gegen⸗ waͤrtig uͤber den groͤßten Theil Nord-Sumatra's erstreckt. Uebri⸗ gens wird aber von Seiten unseres Gouvernements allhier die groͤßte Verschwiegenheit uͤber alle Vorfaͤlle in den neuerworbenen Laͤndern beobachtet, und alle Nachrichten, die wir hier von dorther erhalten, sind gewoͤhnlich 8 10 Wochen alt, weiches fuͤr eine Entsernung von 220 250 geogr. Meilen doch immer noch ein langer Zeitraum ist.

Die Gold⸗ und Silbergeldnoth wird auf Java und Suma⸗ tra von Tag zu Tag groͤßer, so daß man in verschiedenen Ge⸗ genden dieser Inseln 1 Fl. 80 Cent. Kupfer fuͤr den Silber⸗ Gulden und 6 Fl. in Silber fuͤr 5 Fl. in Gold geben muß. We⸗ gen des gegenwaͤrtig hier so großen Mangels an Gold⸗ und Silbergeld haben einige hiesige Großhaͤndler fallirt und noch meh⸗ rere sind ihrem Sturze nahe, da sie wohl schwerlich den einge⸗ gangenen Verpflichtungen werden nachkommen koͤnnen. Es haben dieselben naͤmlich vor einigen Monaten in den Auctionen der Gouvernements⸗Monopol⸗Produkte bedeutende Einkaͤufe gemacht, wobei jedem Kaͤuser, welcher alsdann zwei zahlungsfaͤhige Buͤr⸗ gen zu stellen hat stets ein drei⸗ bis sechsmonatlicher Kredit bewilligt wird. Nach dieser Kredit⸗Frist ist aber baare Zahlung in Silbergeld zu leisten, und in Ermangelung sofortiger Zahlung muß das Kapital alsdann taͤglich mit 1 pCt. verzinst werden. Daß unter solchen Umstaͤnden so Mancher den fruͤher eingegan⸗ genen Verpflichtungen nicht wird nachkommen koͤnnen, ist um so erklaͤrlicher, wenn man erwaͤgt, daß in den Kassen unseres Gou⸗ vernements noch immer, so viel nur immer moͤglich, das Sülber⸗

serie noch nicht gestattet, so will Ich, um den Wuͤnschen mehrerer Provinzial⸗Landtage zu entsprechen, zur moͤglichsten Beschraͤnkung des Potlteriespiels auf Personen der wohlhabenden Klassen und zur Abstel⸗ kung der bei dem bisherigen Betricbe bemerkbar gewordenen Uebel⸗

inne behalten und nicht nur den Beamten und dem Militalre der Sold, sondern auch den Erbauern des Kaffees und des Zuckerrohrs, der Gewuͤrze und des Pfeffers etc. der, fuͤr diese Gouvernements⸗Monopol⸗Produkt ausgesetzte Kaufschilling nur in Kupfergeld ausgezahlt wird. Durch das viele gegenwaͤr⸗ tig auf Java zirkulirende Kupfergeld sind aber auf dieser Insel alltaͤglich wenigstens 1000 Kulies (Handarbeiter), mehr als fruͤ⸗ her, mit dem Tragen und Zaͤhlen dieses Geldes beschüftigt, und unserem Gouvernement entstehen nicht unbedeutende Spesen, um die großen Massen Kupferdeute von den Seestaͤdten nach den Residien (Kreis⸗ und Rent⸗Aemtern) im Innern transportiren zu lassen.

Noch immer machen sich die Tiger, im Innern, und die Kaimans (Alligators) an den Kuͤsten Javas den Menschen furcht⸗ bar; denn im vorigen Monate sind von den Tiegern allein in den Preanger Regentschaften 3 Menschen, 8 Pferde und 13 Kar⸗ bauen (Jgvasche Buͤffel) von diesen Bestien zerrissen worden. Zur Vertilgung der Kaimans sind die Bewohner der Seeplaͤtze seitens des Gouvernements aufgefordert und denselben ein be⸗ waͤhrtes Vertilgungs⸗Mittel dieser Thiere vor kurzem bekannt ge⸗ macht worden.

Einem seit einigen Tagen hier verbreiteten Geruͤchte zufolge, haben sich die Eingeborenen im Padangschen Hochlande (auf der Westkuͤste Sumatra's) gegen das hiesige Gouvernement empoͤrt und bereits mehrere Beamte und Solthaten dort ermordet.

und Goldgeld

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Berlin, 29. Juli. Die in der Gesetz⸗Sammlung ent⸗ altene Allerhoͤchste Kabinets⸗Ordre, Ve raͤnderungen in der Lotte⸗ ie⸗Verwaltung betreffend, lautet folgendermaßen:

„Da die Lage des Staats⸗Haushaltes mit Ruͤcksicht auf die an erweit beabsichtigten Steuer⸗Erleichterungen die Abschaffung der Lot

faͤnde auf Ihren im Staats⸗Ministerium berathenen Antrag vom len d. M. hierdurch Folgendes bestimmen:

1) der §. 10. des Edikts vom 28. Mai 1810, wonach den Lotterie⸗ Einuehmern ein Klagerecht auf gestundete Einsatzgelder einge⸗ raͤumt ist, soll vom 1. Januar 1842 ab nicht mehr in Anwen⸗ dung kommen, vielmehr in Ansehung aller von diesem Zeitpunkt ab gestundeten Einsatzgelder die Vorschrift des §. 558. Th. 1 Tit. XI. des Allgemeinen Landrechts wieder in Kraft treten, nach welcher den Lotlerie-Einnehmern und Unter⸗Einnehmern, sofern sie auf den Einsatz Kredit gegeben haben, deshalb keine gerichtliche Klage, sondern nur die Compensation gegen den auf ein solches Loos fallenden Gewinn zusteht. Diese Vorschrift soll auch in allen Landestheilen, in welchen das Allgemeine Land⸗ recht nicht eingefuͤhrt ist, von demselben Zeitpunkte ab zur An⸗ wendung kommen. 1 1

2) Die saͤmmtlichen Stellen der Lotterie⸗Unter⸗Einnehmer sollen nach und nach eingehen, und es soll daher, wenn dergleichen Stellen durch den Tod der jetzigen Inhaber oder sonst zur Er⸗ ledigung kommen, die Annahme anderer Unter⸗Einnehmer von Seiten der Lotterie⸗Direction nicht ferner genehmigt werden. Auch die Stellen der Lotterie⸗Einnehmer sollen vermindert, und insbesondere dergleichen Stellen in kleineren Staͤdten oder auf dem platten Lande nicht wieder besetzt werden. Wo aber fuͤr jetzt die Wiederbesetzung erledigter Einnehmerstellen erforder⸗ lich ist, da soll dieselbe nur auf Kuͤndigung erfolgen.

3) Auf die Beobachtung der schon bestehenden Vorschrift, wonach es den Lotterie-Einnehmern und Unter⸗Einnehmern untersagt ist, muͤndlich oder schriftlich zum Lotteriespiel aufzuforvern, und ohne vorangegangene Bestellung Loose persoͤnlich anzubie⸗ ten oder in Briefen zu uͤbersenden, oder durch einen Dritten anbieten oder zusenden zu lassen, ist auch ferner streng zu hal⸗ ten, und insbesondere dahin zu sehen, daß nicht die Lotterie⸗ Einnehmer statt der eingehenden Unter⸗Einnehmer andere Privat⸗Kommisstonaire annehmen. Lotterie⸗Einnehmer und Unter⸗Einnehmer, welche diesen Vorschriften zuwider handeln,

muͤssen sofort entlassen werden.

4) Die Zahl der in jeder Lotterie spielenden Loose soll vermindert, der Einsatz fuͤr jedes Loos hingegen erhoͤht und ein hiernach zu entwerfender Plan zu Meiner Genehmigung eingereicht werden.

Sie haben diese Meine Anordnungen durch die Gesetz⸗Sammlung

Fog machen zu lassen, auch sonst wegen deren Ausfuͤhrung das Noͤthige zu verfuͤgen. Berlin, den 21. Juli 1841. 11““ 8 Friedichs An den Staats⸗ und Finanz⸗Minister Grafen von Ap gste Nrn.“

EChiers und die orientalische Frage.

a. vrité sur la question d'Orient et sur Mr. Ihiers, par le Comte d Angeville, ancien offi- cier de marine, Député de 'Kin. Paris, Mai 1841

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Man pflegt im Auslande irrthuͤmlicher Weise die publizisti⸗ sche oder politische Thaͤtigkeit der Franzosen bloß nach ihren Ibur⸗ nalen zu ermessen und schlaͤgt daher oen Einfluß dieser viel hoͤher an, als er in der That ist. Man glaubt, die Regierung und die Kammer muͤssen die Wege einschlagen, welche sie ihnen anrathen und wundert sich dann, daß dies, ungeachtet allen Tadels und aller Angriffe derselben doch nicht immer geschieht. Die Jour⸗ nale sind nach und nach so monopolistisch geworden, daß sie nicht einmal mehr ganzen Parteien, sondern vielmehr einzelnen Maͤn⸗ nern angehoͤren, und der wichtigste Theil der Publizistik ist in den Broschuͤren niedergelegt. Aber diese Broschuͤren⸗Literatur bleibt groͤßtentheils dem Auslande unbekannt, weil sie nicht immer in den Buchhandel kommt, sondern auf Kosten der Verfasser gedruckt wird, welche sie dann an die Mitglieder beider Kammern und an die Journal⸗Redactionen vertheilen, welche letztere sie nicht ein⸗ mal besprechen, wenn sie nicht in ihr Partei⸗Interesse passen. Die Anzahl der Broschuͤren, welche namentlich an die Kammern vertheilt werden, ist so bedeutend, daß am Ende der Session ein Deputirter ganze Kisten voll solcher Schriften mit in sein Depar⸗ tement nehmen kann. 1—

Die diesjaͤhrige Session war hauptsaͤchlich von der prientali⸗ schen Frage dominirt, und wir wenden uns daher am fuͤglichsten vor Allen denjenigen publizistischen Schriften zu, welche diesem Gegenstande gewidmet sind. Die vorliegende Schrift des Grafen d'Angeville ist in sofern die wichtigste, als sie aufrichtig erklaͤrt, wie sowohl die Kammer als auch fruͤher die Regierung zu den Mißgriffen getrieben wurden, die man von Seiten Frankreichs in dieser Angelegenheit begangen hat, und wie endlich Kammer und Regierung zu besserer Einsicht gelangten. Die Broschuͤre bietet uns in dreifacher Hinsicht Belehrung und Aufschluß. Erstens laͤßt sie uns in das innere Wesen der Kammer blicken, in die Art und Weise, wie sich dort die Ansichten uͤber die Fragen der auswartsgen 24 litik bilden; zweitens resumirt sie die diptomatischen P63 8 sich orientalischen Frage seit der Schlacht von Nesib und st febt dabei auf die der Kammer vorgelegten Dofumenfte; drittens gfsß