1841 / 218 p. 3 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

Angelegenheiten nicht freimuͤthig beurtheilt werden koͤnnten. Ein Preß⸗Kodex werde diesem in großem Maße entgegentreten, und bis ein solcher Koder ins Leben getreten sey, muͤsse freilich die Censur in ihrem ge enwaͤrtigen Verhaͤltnisse bleiben, nur koͤnnten dafuͤr mildernde Bestimmungen erbeten werden. Es scheine ihm uͤbri⸗ gens eine große Uebereinstimmung in den Ansichten des Ausschus⸗ ses und denjenigen der bisherigen Redner stattzufinden.

Dieser Ansicht widerspricht der Herr Vorsitzende, indem er darauf aufmerksam macht, daß die fruͤheren Redner nur Vor⸗ schlaͤge zur Abhuͤlfe der Willkuͤrlichkeiten einzelner Censoren ge⸗ macht haͤtten, was mit dem Antrage auf Aufhebung aller Praͤ⸗ ventiv⸗Maßregeln nicht uͤbereinstimmend, sondern im geraden Wi⸗

derspruch sey. (Fortsetzung folgt.)

Zeitungs-Nachrichten.

Ausland.

Fraukreich.

Paris, 2. August. Der „Messager“ meldet: „Den gestern aus Toulouse eingegangenen Nachrichten zufolge, hat die vollstaͤndigste Ruhe nicht aufgehoͤrt daselbst zu herrschen. Herr Moritz Duval hat, nach den Bestimmungen des Munizipal⸗Ge⸗ setzes, eine neue provisorische Administration gebildet, die an die Stelle derjenigen getreten ist, deren Chef Herr Arzac war. Die neue Munizipal⸗Verwaltung ist installirt worden und hat ihre Functionen angetreten, trotz des Widersta ndes der Macirie, welche Herr Arzac präsidirte, und die man durch einen Polizei⸗ Kommissarius auffordern lassen mußte, dem Gesebze zu gehorchen.“

Der Moniteur parisien giebt dieselbe Nachricht in nach⸗ stehender Form: „Den Bestimmungen des Gesetzes von 1831 gemaͤß, mußte an die Stelle der provisorischen Munizipal⸗Ver⸗ waltung eine andere Administration installirt werden. Diese ganz gesetzliche Maßregel ist der Gegenstand einer Protestation von Seiten der aufgelbsten Verwaltung geworden. Aber trotz jener Protestation ist man zur Installirung der neuen Administration

geschritten, und der festen Haltung der Behoͤrde ist es gelungen, berall die Ruhe aufrecht zu erhalten.

Die Regierung publizirt nachstehende telegraphische Depesche aus Toulon vom 31. Juli: „Der Oberst Lamoriciere ist am 19ten nach Mostaganem zuruͤckgekehrt. Es sollen mehrere Gefechte stattgefunden haben, die zu unserm Vortheil ausgefallen sind. Mascara ist von 2000 Mann besetzt, die bis sas Oktober ver⸗

proviantirt sind. Diese Nachrichten hat der „Phare“ mitgebracht,

welcher am 26sten von Oran in Algier eingetroffen ist.“

Das „Sidele“ enthaͤlt heute uͤber den muth maßlichen

Ausfall der Aerndte in Frankreich nachstehenden Artikel: „Der Preis des Vrotes ist auf 32 Cent. festgesetzt worden. Wenn wir ohne Besuͤrchtungen fuͤr die Zukunft waren, so wuͤrden wir uns bei dieser unbedeutenden Steigerung der Brodtpreise nicht weiter aufhalten. Im Augenblicke der Aerndte tritt gewohnlich eine Steigerung der Getralde⸗Preise ein. Leider aber verwickelt sich die Frage durch die Fortdauer des schlechten Wetters, und wenn wir noch zwei bis drei Wochen lang die kalte Temperatur haben, die seit zwei Monaten herrscht, so muß man auf ein pro⸗ gressives Steigen gefaßt seyn, dessen Wirkungen nur durch die Voraussicht der Verwaltung gemildert werden koͤnnen. Es kann dieses Jahr, von dem meteorologischen Gesichtspunkte aus, nur mit dem traurigen Jahre 1816 verglichen werden. Es war da⸗ mals derselbe beharrliche Nordwestwind, dieselbe Feuchtigkeit der

II dieselbe Temperatur. Barometer, Thermometer und Hygro⸗

meter gaben in beiden Jahren fast ganz gleiche Resultate. Im Jahr 1816 war, wie jetzt, der aͤußere Anschein der Ernde ziemlich zufriedenstellend. Die Zahl der Garben war die gewoͤhnliche, und da die Verwaltung ihre Berechnung auf den Garben⸗Ertrag gruͤndet, so sagte man damals den besorgten Leu⸗ ten, daß sie vom Parteigeiste geleitet wuͤrden, und absichtlich Be⸗ rgnisse zu verbreiten suchten. Der Garben⸗Ertrag ist allerdings etwas, aber es ist bei weitem nicht Alles, und in diesem Jahre ann sich leider alle Welt uͤberzeugen, daß es noch anderer Ele⸗ mente bedarf, um einen Anschlag von einiger Richtigkeit zu be⸗ gruͤnden. Man oͤffne die Aehren des neuen Getraides, und man wird finden, daß die Koͤrner im Allgemeinen zusammengeschrumpft, klein und welk sind. Um ein Hektoliter Getraide zu erlangen, vird man eine groͤßere Anzahl Garben als gewoͤhnlich gebrauchen. Auch das Gewicht des Getraides wird bedeutend geringer seyn, als in anderen Jahren.

Wir wollen nicht sagen, daß der gegenwaͤrtige Zustand schon erzweifelt sey, in unseren eigentlichen Getraide⸗Gegenden ist die Reife noch nicht vollendet; 14 Tage warmer Witterung, 14 Tage schoͤner Hundstags⸗Sonne wuͤrden große Veraͤnderungen herbei⸗

uͤhren, und viele Freunde der Armen mit Freude erfuͤllen. Aber wenn die Vorsehung uns nicht zu Huͤlfe kommt, so muͤssen wir auf unserer Hut seyn; das Brod wird theuer, demzufolge die Ar⸗ beit selten, und die Lage des Landes schwierig werden.“ Da es sich mit der Gesundheit des jungen Herzogs von Brabant gebessert hat, so werden der Koͤnig und die Koͤnigin der Belgier in den naͤchsten Tagen in Frankreich erwartet.

Boͤrse vom 2. August. Die Liquidation der Franzöͤsischen Renten, welche heute stattfand, gab zu einer abermaligen Steige⸗ rung der Course Anlaß, da noch viele Blanko⸗Verkaͤufe zu decken waren. Die Zprocentige Rente, welche am Sonnabend zu 76.90 geschlossen hatte, eroffnete heute zu 77. 05, und stieg bis auf 77.20. Die Actien der Versailler Eisenbahn (linkes Ufer) sind von 190 auf 220 gestiegen. 8

½† Paris, 2. Aug. Die Idee eines Franzoͤsisch⸗Belgischen Zoll⸗Vereins hat durch die Theilnahme, mit welcher sie in beiden Laͤndern aufgegriffen worden ist, allerdings an Konsistenz gewon⸗ nen, allein es wird noch lange waͤhren, ehe sie sich zum wirk⸗ lichen Projekte verkörpert. Die öffentlichen und Privat⸗Inter⸗ essen, die sich ihr entgegenstellen, sind maͤchtig und zahlreich. Wenn Frankreich auf der einen Seite durch die Aussichten auf die po⸗ litischen Vortheile, welche ihm die Zukunft von dem merkeantili⸗ schen Anschlusse an Belgien verspricht, beston n wird, so erschrickt es auf der andern vor der industriellen Uebeclegenheit dieses Lan⸗ des, dessen Manufakturwesen bei freier Konkurrenz den Franzöfi⸗ schen Frabrikstand zu Grunde zu richten droht. Belgien dagegen

sieht zwar unermeßliche Vortheile in der Eroͤffnung eines Mark⸗ gefaͤl sie entweder Krieg in Europa erzeugen oder den Maͤchten, deren Streitkraͤfte in Anwendung kaͤmen, einen Theil des Orients ver⸗

tes von 35 Millionen Menschen fuͤr die Erzeugnisse seines Ge⸗

werbfleißes, allein seine junge Selbststaͤndigkeit ist ihm zu theuer,

Maͤchte, welche dabei interessirt .

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reichs mit seiner Unabhaͤngigkeit, und noch mehr mit seiner neu⸗

tralen Stellung in Europa auf die Dauer kaum vereinbar sind. Unter solchen Umstaͤnden hat die Meinung etwas fuͤr sich, daß es den Belgiern weniger darum zu thun sey, den von ihnen ausgegangenen Vorschlaͤgen hier Eingang zu verschaffen, als viel⸗ mehr die Franzosen dadurch zu koͤdern, und zu einzelnen Zuge⸗ staͤndnissen, in der Hoffnung auf spaͤtere Conpensationen, zu ver⸗ mögen. Diese Rechnung koͤnnte indessen leicht fehlschlagen, wenn

man aus der juͤngsthin erfolgten Erhohung des Eingangs⸗Zolls auf halbgebleichte Leinwand, auf eine foͤrmliche Taktik der Fran⸗ zoͤsischen Regierung schließen darf. Man hoͤrt auch die Vermu⸗ thung aͤußern, daß Belgien bei den Frankreich gemachten Avan⸗ cen, den geheimen Zweck habe, die Eiferfucht Deutschlands zu erregen, und unter deren, Einwirkung einen guͤnstigen Handels⸗ Vertrag von dem Deutschen Zoll⸗Verein zu erlangen.

Der Preis des Brodtes steigt in bedenklicher Weise, die Aerndte, so weit sie sich bis jetzt uͤbersehen lͤßt, ist weniger als mittelmaͤßig, und es scheint, daß man sehr wohl thun wuͤrde, sich auf eine ungewoͤhnliche Theurung gefaßt zu machen. Das Ge⸗ traide ist bei dem seit drei Monaten anhaltenden nassen kalten Wetter stark ins Stroh geschossen, und die Felder sehen daher von Weitem recht gut aus, aber die Aehren sind großentheils taub oder tragen doch nur halb verkuͤmmerte Koͤrner. Von dem Weine verspricht man sich dieses Jahr wenig oder gar nichts; haͤlt das jetzige Wetter noch einige Wochen an, so wird er an vielen Or⸗ ten nicht einmal reif werden. Der Ertrag der Kartoffel bleibt allerdings immer gesichert, allein diese Frucht wird in Frankreich nicht so stark gebaut, daß man auf sie so sehr rechnen koͤnnte, wie zum Beispiel in Deutschland. Mit einem Worte, die Aus⸗ sichten auf den bevorstehenden Winter sind beunruhigend.

Der Widerstand der staͤdtischen Behoͤrde von Toulouse gegen das, ihre Absetzung aussprechende, Dekret der Regierung ist eine ünerhoͤrte, und trotz der Autoritaͤt des Messager fast unglaub⸗ liche Thatsache. Wagt der Provinzialgeist erst solche verwegene Opposition gegen die innerhalb ihrer unbestrittenen Befugnisse han⸗ delnde Centralgewalt, alsdann ist diese, wie auch jene ersten Ver⸗ suche ausfallen moͤgen, bereits moralisch erschuͤttert. Die Toulou⸗ ser Wirren sind aus einem Kompetenz⸗Streite hervorgegangen, wie dieser in jeder hierarchisch noch so streng geordneten Verfas⸗ sung vorkommen kann. Die Weigerung der Munizipalitaͤt, ihren Nachfolgern Platz zu machen, waͤre dagegen eine Handlung des Ungehorsams, die vielleicht von mehr Verwegenheit als Selbstge⸗ fuͤhl zeugen wuͤrde, die aber jedenfalls als das Zeichen einer tief gehenden Reaction gegen das herrschende Prinzip der Staats⸗Au⸗ koritaͤt uͤberhaupt angesehen werden muͤßte. dG

Großbritanien und Irland.

London, 31. Juli. Der mehrerwaͤhnte, gegen das nal des Débats“ gerichtete Artikel der Morning Chronicle uͤber die orientalischen Angelegenheiten lautet im Wesentlichen fol⸗ gendermaßen:

„Das „Journal des Débats“ spricht sich uͤber jenes uner— schbpfliche Thema, die orientalische Frage, auf eine in mehreren Beziehungen sehr unredliche Art aus, wenn es auch in anderen Hinsichten ein wenig Wahrheit mit einfließen laͤßt. Es leitet seine Bemerkungen uͤber den eben abgeschlossenen Traktat in Betreff der Meerengen durch ein Stuͤck von Doktrin ein, die vermoͤge der ernsten Miene, womit darin Anmaßung und Entstellung auftritt,

wahrhaft ergöͤtzlich ist. Der Artikel behauptet, es gebe nur drei

seyen, die Unabhaͤngigkeit des Hrients zu beschuͤtzen und das Europaͤische Gleichgewicht aufrecht zu halten, und dies waͤren Oesterreich, Preußen und Frankreich. Da⸗ gegen sind England sowohl als Rußland, nach den „Debats“, Feinde der Unabhaͤngigkeit des Orients. Und um diese beiden

Maͤchte im Zaum zu halten, haͤtte Frankreich, im Verein mit Hesterreich und Preußen, den Meerengen⸗Traktat unterzeichnet.“

„Wir haben in unseren Tagen mancherlei Proben von Un⸗ verschaͤmtheit gesehen; aber nie haben wir etwas gehoͤrt oder ge⸗ lesen, was halb so sehr diese Bezeichnung verdiente, als von Frank⸗ reich nach den Ereignissen des letzten Jahres behaupten zu wollen, daß es Unabhaͤngigkeit und Gleichgewicht zu Konstantinopel gegen England vertheidigt habe. Wie! Frankreich und die Franzosen,

Pascha von Aegypten unterstuͤtzten und ihr Moͤglichstes aufboten, ihm die bessere Haͤlfte des Ottomanischen Reiches zu erhalten, in deren Kabinet der ernstliche Vorschlag gemacht wurde, sich heute Smyrna's, morgen Kandia's, uͤbermorgen Port Ma⸗ hon's zu bemaͤchtigen; sie, deren unaufhoͤrliches Gerede und Glau⸗

ist, daß die Tuͤrkei in Stuͤcken falle, und die sich darum aͤngstigen, daß sie nicht einen tuͤchtigen Antheil an dieser Beute bekommen moͤchten; sie, die in Algier, welches sie festhalten, und in Tunis, welches sie bedrohen, und wo sie, wie es scheint, zu herrschen ent⸗ schlossen scheinen, bereits jenen Antheil in Besitz genommen haben, sie wollen auftreten und von Uneigennuͤtzigkeit sprechen, England aber als einen Feind der Unabhaͤngigkeit und Unversehrtheit des Tuͤrkischen Reiches verschreien! Man sollte denken, daß es Eng⸗ land sey, welches Konstantinopel bedrohe, England, welches sich fuͤr einen Freund des Sultans ausgaͤbe, waͤhrend es zur Auslie⸗

ferung seiner Flotte behuͤlflich waͤre und sein halbes Gebiet einem rebellischen Pascha in die Haͤnde spielte. Man sollte denken, Eng⸗

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land sey es, welches erklaͤrte, die Tuͤrkische Provinz Aegypten muͤsse

unter seinem Einflusse regiert werden, oder welches immer noch

darauf bestaͤnde, das Patronat uͤber die Syrischen Christen zu haben. Frankreich wird von zwanzigerlei selbstsuͤchtigen Zwecken im Mittellaͤndischen Meere getrieben, und diese Zwecke sind dar⸗ um nicht minder selbstsuͤchtig und eigennuͤtzig, weil sie kleinlich sind. Es setzt dort allen grollsuͤchtigen Ehrgeiz in Bewegung,

wenn auch ohne Großartigkeit.“

„Wenn Französische Journalisten so sehr darauf versessen sind, Englands Benehmen mit dem Benehmen Frankreich's in Kontrast zu stellen, so wollen wir auch nicht Anstand nehmen, den Vergleich zu vervollstaͤndigen. Wir finden das Benehmen der Franzosen im Mittellaͤndischen Meere kleinlich, ruhestoͤrerisch, eiferfuͤchtig, falsch und eigennuͤtzig im hoͤchsten Grade. Und da⸗ fuͤr giebt es keinen monstroseren Beweis, als den, daß ihre Re⸗ gierung sich herablaͤßt, diesen Meerengen⸗Traktat unter dem Vor⸗

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wand zu unterzeichnen, daß sie dem Europaͤischen Einverständniß sich anschließen wolle und daß im naͤchsten Augenblick eines

ihrer Blaͤtter gegen Rußland und England in solche Weise los⸗

zieht.“ „Als der Juli⸗Traktat unterzeichnet wurde, und einige Zeit

darauf, waren die Argumente der Franzosen, er sey laͤcherlich, er werde nichts ausrichten, und seine Mittel seyen gefaͤhrlich, indem

als daß es dieselbe durch ein zu enges Anschließen an seinen nicht schaffen würden. Die Nichtigkeit dieser Argumente liegt nun klar

minder ehrgeizigen als maͤchtigen Nachbar bloßstellen möchte. Frankreich wird verlangen, daß sich Belgien ihm unbedingt un⸗ terordne, sich in sein Zoll⸗System so zu sagen einfuͤge, Belgien dagegen kann sich nicht verhehlen, daß die Forderungen Frank⸗

,]“]

vor Augen. Wir haben erreicht, was wir bezweckten, wir haben keinen Krieg gehabt und keine Froberung gemacht. Die Franzosen

muüͤssen daher andere Argumente aufsuchen und sie anderwaͤrts

hin richten. Sie keͤ Englischen Ministern nicht laͤnger h Sie koͤnnen den Eng sche nisgesn nicht sünge

sagen, daß diese verkehrt gehandelt haͤtten; sie wenden sich daher nun an Oesterreich und halten demselben vor, wie verkehrt, wie sehr verkehrt es gehandelt, indem es dazu behuͤlflich gewesen, Meh⸗ med aus Syrien zu vertreiben. Der Juli⸗Traktat war ein hoͤchst verderblicher Akt; aber Oesterreich hat ihn wieder gut gemacht, denn es hat sich Frankreich jetzt wieder zugewendet und ihm er⸗ laubt, diesen neuen, die Meerengen unter Garantie stellenden Traktat zu unterzeichnen..

„Muß aber nicht der gewoͤhnlichste Menschenverstand einsehen, daß ohne den Juli⸗Traktat und die Erreichung seiner Zwecke die⸗ ser neue Traktat hinsichtlich der Meerengen ganz unmoͤglich ge⸗ wesen seyn wuͤrde? Staͤnde Mehmed noch im Taurus mit sei⸗ ner Armee von 100,000 Mann in Syrien, wo er noch seyn wuͤrde, wenn Frankreichs Rathschlaͤge befolgt worden waͤren, wer sieht da nicht ein, daß unter solchen Umstaͤnden weder die Tuͤrkei noch Rußland jemals den Traktat von Chunkiar Skelessi unerneuert haͤtten ablaufen lassen? Oesterreich mußte sich durch die drohende Stellung und Herrschaft Mehmed's, wodurch die Tuͤrkei bestaͤn⸗ dig in die Arme Rußlands gedraͤngt wurde, mehr als irgend eine der Maͤchte beunruhigt fuͤhlen. Es unterzeichnete den Juli⸗Trak⸗ tat und befreite sich dadurch von diesem drohenden Zustand der Dinge. Es blieb beharrlich und fuͤhrte in Gemeinschaft mit den drei Maͤchten seinen Zweck aus. Frankreich machte Vorstellungen dagegen, es ruͤstete und bramarbasirte, aber es that nichts. Jetzt fuͤgt es sich in die vollbrachten Thatsachen, und es schaͤmt sich, beccavi zu sagen, was üͤbrigens Niemand von ihm verlangt; nur⸗ wuͤrde ein Franzoͤsischer Minister wohl daran thun, ganz zu schweigen. Statt dessen aber laͤßt sich das „Journal des Débats“ im Namen

der Franzoͤsischen Regierung so vernehmen, als s

Frankreich darauf aus, sich in die Beute zu theilen, und als be— stehe das einzige Mittel, dieses fallende Reich zu schuͤtzen, darin, daß man 20,000 Franzosen in die Dardanellen⸗Schloͤsser einlasse, denn die Franzosen haben natuͤrlich nicht den geringsten Ehrgeiz, genug, sie sind politisch ganz neut⸗ val. Dies Alles waͤre nichts weiter als komisch, wenn man es nicht in den ernsten Spalten des „Journal des Débats“ lese.“

In einem anderen Artikel beschaͤftigt sich die „Chronicle“ mit Frankreichs Verhaͤltnissen zu Spanien und Belgien und sagt in diesen Beziehungen;

8 „Seit der Erledigung der orientalischen Frage hat man es noͤthig oder angemessen gefunden, eine Menge von Geruͤchten uͤber

das, was nun zunaͤchst das Ziel der Politik der verschiedenen Hoͤf⸗ Europas seyn werde, aufs Tapet zu bringen. Der Eine sagt aus, die Maͤchte wollten die alte Politik gegen Spanien revidiren und sich uͤber eine neue einigen. Belgien, sangt der Andere, steht im Begriff, sich in kommerzieller Hinsicht in die Arme Frankreichs

zu werfen, als Vorspiel dazu, daß es dies auch in politischer thun

werde. Oesterreich, setzt ein Dritter hinzu, hatte sich mit der Pforte und mit Frankreich dahin vereinigt, per mtorisch zu ver⸗ langen, daß England seine funfzig Artilleristen von der Syrischen Kuͤste zuruͤckberufe.“ „Wir wollen einige dieser Geruchte sogleich abfertigen. Was zunaͤchst jede etwanige Absicht der Franzoͤsischen Regierung be⸗ trifft, sich der Sache oder der Anspruͤche Christinens gegen Es⸗ partero anzunehmen, so wird einer solchen Absicht dadurch wider⸗ sprochen, daß die Proteste der Er⸗Regentin nicht einmal unter den gewoͤhnlichen Tages⸗Neuigkeiten in die Spalten des „Moniteur“ und des „Messager“ aufgenommen worden. Ja, selbst der „Con⸗ stitutionnel,“ welcher die Ansichten des Herrn Thiers ausspricht, der sich sehr zu den Moderados hinneigte, stellt das jetzige Benehmen Christinens und ihrer Camarilla als thoͤricht dar. Indeß wenn wir Maͤnner wie Toreno und Nar⸗ vaez um Christinen erblicken, so gestehen wir doch, daß deren Umtriebe wohl Aufmerksamkeit erheischen, wenn sie auch bei Spaniens jetzigem Zustunde machtlos sind. Wir wollen Herra Guizot die Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, zuzugeben, daß kein Franzoͤsischer Minister, Herrn Thiers ausgenommen, redlicher ge⸗ gen die Spanischen Liberalen gehandelt hat. Und wenn er nicht Alles gebilligt, was geschehen, so hat er wenigstens auch nicht das Gegentheil gethan. Jedem Wunsche der Spanischen Regierung, den Intriguen der Karlisten entgegenzuwirken, ist er begegnet und hat Alles gethan, was billigerweise von ihm gefordert werden konnte. Es

giebt jedoch Parteien und Einfluͤsse am Franzoͤsischen Hofe, welche

mit dieser Zuruͤckhaltung des Herrn Guizot sehr unzufrieden sind. Man tadelt es zwar nicht offen, aber man ist sehr unzufrieden daruͤber, daß nichts zur Unterstuͤtzung der Moderado⸗Faction ge⸗ schieht Die Hofleute Christinens und der Tuilerieen wagen es zwar nicht, eine kuͤhnere Politik, als die Neutrralitaͤt des Herrn Guizot, vorzuschlagen; aber sie seufzen nach einer anderen und meinen, daß wenigstens die Waffen der Intrigue thaͤtiger ange⸗ wandt werden koͤnnten. Wir zweifeln nicht, daß alle diese Unzu⸗ friedenheit und Sehnsucht eines Tages zu einem furchtbaren Plane heranreifen wird, besonders sobald die junge Koͤnigin heirathsfaͤhig wird. Fuͤr jetzt aber ist der status quo die Tages⸗Ordnung in den Spanischen Angelegenheiten.“

„Ein anderes Geruͤcht ist die Handels⸗Union zwischen Bel⸗ gien und Frankreich. Der „Courier“ versichert seinen Lesern, daß Koͤnig Leopold ein Anerbieten dieser Art gemacht habe. Der „Herald“ dagegen behauptet, das Geruͤcht entspringe aus den Be⸗ muhungen des Elsasses und Lothringens, von den Belgischen Schutzzoͤllen befreit zu werden. Das Geheimniß dieses Raͤthsels soll jedoch auf anderem Wege geloͤst werden. König Leopold sprach allerdings, als er in Paris war, ven einem Handels⸗ Traktat mit Frankreich; aber an eine gaͤnzliche Niederreißung der Zoll⸗Barriere oder der Zoll⸗Unterschiede hat kein Souverain oder Staatsmann jemals im Ernste gedacht. Nichtsdestoweniger ist es klar, daß die Hoͤfe von Bruͤssel und Paris sich mit irgend einer sie beide beruͤhrenden Frage beschaͤftigt haben, denn beide lie⸗ ßen dieses Geruͤcht sich verbreiten. Die Frage nun, welche beide beunruhigt, ist keine andere, als die wegen der Graͤnzfestungen und der Vorschlag ihrer Demolirung. Das konservative Europa hat große Summen auf die Errichtung dieser Festungen verwandt. Sollen die Waffen und Vesten nun zur Verfuͤgung Frankreichs gelassen werden? Frankreich muß natuͤrlich hiernach streben. Aber Belgiens Stolz tritt dazwischen und erklaͤrt, daß Hol⸗ land selbst kein unbestechlicherer, uneigennuͤtzigerer und festerer Waͤchter dieser Festungen gewesen sey, als Belgien. Es wuͤrde

gehaͤssig seyn, die Frage nach den Eingebungen des gesunden Men⸗

schen⸗Verstandes zu beantworten. Aber aus der bloßen Anregung derselben sind die Grillen und grillenhaften Vorschlaͤge entstanden, welche die Aufmerksamkeit des Publikums beschaͤftigen.“

Der Standard erwaͤhnt eines Geruͤchtes, wonach die Mi⸗ nister den Beschluß gefaßt haͤtten, gleich nach der Ruͤckkehr der

Koͤnigin nach London ihre Entlassung einzureichen, aber er glaubt nicht daran. „Wir werden“, sagt er, „nicht eher glauben, daß

die Minister abgetreten sind, bis wir ihre Nachfolger wirklich im Amte sehen, und selbst dann darf man nicht zu sicher seyn, daß die Hofdamen nicht eine Mine gelegt haben.“ Der Oesterreichische Botschafter, Fuͤrst Esterhazy, hat sich A 8

]

1

n Dover nach Calais eingeschifft, um, wie es heißt, ch Wien zu reisen. irmingham in Irl en zu furchtbaren

Feld erst d

nebst Gesol uͤber Paris na

Zu Neu⸗B liken und Orangist tere raͤumten das toͤdtet und verwun tiges Handge Die Irlaͤndi sich an anderen

and ist es zwischen den Ka n gekommen; Letz⸗ hrer Gegner ge⸗ nfalls ein blu⸗

Schlaͤgereie ls sie fuͤnf i Zu Neagh fand eben Katholiken den K

statt, wobei die vaͤhnen noch

schen Blaͤtter ern 1 Orten begaben.

Belgien. Die Koͤnigin und der 4

Brüssel, 3 de bend um 11 Uhr

bant sind vorgestern A eingetroffen.

in Ostende a

1 von Besuchern, 1” Nationalstolz Genugthuung erlangt. stellung stehe in Nich tere, die ein um so aauch noch um sischen Minist es heißt, mit unserer trag wegen schließen will.

hl Hiesige als

nur daß Letz⸗ rte, natuͤrlich vartet hier den Fr Herrn Teste, der, wie

einen desinitiven Ver⸗ von Bruͤssel nach Paris ab⸗ Eisenschienen fuͤr Rechnung der bestellt worden worden seyn, l innerhalb der Umwallung

Pariser von viel groͤßere fangreicher war. er der bfentlchaf. Societär⸗ Gers senbahn

tet wird, wei von Paris eine Eisenbahn angelegt werden soll.

+ Brüssel, fortwaͤhrend d

Die Handels⸗ und Zollfrage bildet Diskussion in den hiesigen Ta⸗ wie man versichert,

ey die Tuͤrkei ein caput mortuum, der Sultan eine Null, als gingen England und as Hauptt Regierung ihrerseits diplomatische Verhandlungen Nachbar⸗Staaten was sich auch einige Deutsche Zeitungen aus ch die Regierung auf

h abzuschlie⸗

darauf bedacht, neue Gegenstand ungegruͤndet ist Bruͤssel baben, Wunmnktt ste Fes azahes 68 denken, daß die innere und aͤußere Ver sie die durch die Traktate und Politik aufzufassen solche voreilige Urtheile sicher ge⸗ die sie Frankreich f enie gegen die Verhaͤltnisse blind gemacht. sch⸗politische Zustand Frank⸗ die fortwaͤhrend ge⸗ auchenden Traditionen von Wie⸗ Nachbarlaͤnder der Franzöͤsischen meisten dadurch Im Gegenthe ahrnehmen, da Ansicht uͤber Belgien Meinung von die Revolution i

berichten lassen, daß naͤmli eine Zollvereinigung mit Frankreie Regieruug seit 8—9 Jahren e umsichtige, waltung hinreichende eliefert, daß Landes gegebene uͤhren weiß, stellt zu seyn. fache entschieden von anderer S⸗ Außerdem mi reichs die dor naͤhrten und dervereinigung

Beweise g.

Die Erkenntlichkeit, ene Huͤlfsleistungen schuldet eite zu beobachtenden der innere morali t herrschenden stets wieder auft

Leidenschaften,

in seiner Unabhaͤngig⸗ die Regierung d in Frankreich sich fort— aufrecht erhielt, in den Befuͤrchtungen und nihrer Erscheinung und en konnte, zu einer wohlwollenden sinnungen uͤberging. n bestimmen, sich schon im eutschland als Frankreich dem jetzigen noch ir⸗ linn gekommen, durch die politische

keit gefaͤhrdet wurde. mit Freuden w waͤhrend eine falsche Deutschland die öͤffentliche Urtheilen, welche n hervorruf nachbarlichen Ge ten daher Belgie altung mehr Es ist daher sicherlich weder einisterium in den Sin gung mit Frankreich

unguͤnstigen 1 ihren ersten Folge Ansicht und freun Diese Ruͤcksichten muß Interesse der Selbsterh zu naͤhern. 8 einem fruͤheren N eine vollstaͤndige Lage des Landes zu aͤndern.

Woher schreiben sich de Hergang ist folgender. Ein 18 zuerst die Behauptung aus, dem vorigen 1 Vereinigung gemacht habe; hiesigen weiter verbreiteten Richtigkeit der unwahr, verschiedene sen Anlaß hin die Fr dadurch zu welches haͤufi die Richtigkeit der Nachri diplomatischen Se

Zoll⸗Vereini

un nun aber alle diese Geruͤchte? Der atticher orangistisches Journal sprach daß das Franzöͤsisch den Antrag Nachricht wurde von einem mit der Versicherung der je Nachricht, wahr oder ssen zusagte, so wurde Provinzial⸗Staͤnden heren politischen Wichtigkeit ittheilungen vom Mi⸗ cht in Abrede, hleier, der uͤber nen uns doch verschiedene Lahrscheinlichkeit der An⸗ von dem Ministerium hen Ministerium, aulichen Anfrage, mitgetheilt worden ahrscheinlich seyn, wenn mar hiers etwas vergegenwaͤrtigt? dels⸗Traktat mit Holland mehr aus cksichten geschlossen worden? Als Pferde gestattete, welche die Remonte der Thiers schon im Geiste die Französischen gegen die Englische nicht scheuen zu duͤrfen, Deutschland erneuerte Thiers ergriff diese Gelegenheit, Eine naͤhere Handels⸗Verbindung schien dann aber als Thiers wußte, daß hier bei Abneigung gegen seine Politik obwaltete en Seite dem materiellen In⸗ Allein dieser Koͤder ist von Der Antrag wurde in keine

e Ministerium Ministerium

elben wiederholt; und da d

n industriellen—

vorgebracht und Ein Journal, nisterium erhaͤlt, allein ohne un diesem Gegenst und besonders innere gabe zu spreche Thiers ausgegan⸗

anzumaßen, den ande liegt, zu heben, schei inde fuͤr die . Proposition soll gen und dem bloß in Form einer vertr. Und wem koͤnnte Politik von Herrn S seinem Ministerimn politischen als kommerziellen Ru and den Aufkauf und Durchzug der damals kriegerisch gesinnte Kavallerie noͤthig Hollaͤndische Mar vereinigt sah, glau um dieses Resultat zu erzielen. tat mit Holland nicht wieder. Holland zu verbinden. des Zwischenlandes Belgien Konsequenz gefordert zu Regierung die groͤßte und suchte daher von der industriell teresse des Landes zu schmeicheln. ihm umsonst ausgeworfen worden. e Betrachtung gezogen. bereit gewesen, um den Frankreich zu erhoͤhen, ih⸗ machen; allein sie hat nie kliche Zollvereinigung einzu⸗ Verein zu rechtfertigen, sen; allein diese Analogie kann Staaten keine Anwen⸗ t wird schon durch den lle Einheit ist nur ein eue Garantie der ersteren. Die kom⸗ mit Frankreich wuͤrde aber der An⸗ Verhaͤltnisse zu anderen and, den Traktaten hon in den Eng—

gen Belgise

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eine mit der bte er bedeutende Opfer

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Die Regierung ist immer Eisen⸗ und Steinkohlen⸗Handel nach 7 rerseits kommerzielle Konzessionen zu t Frankreich eine wil

Leinwand⸗,

daran gedacht, mi gehen. Man hat, um einen solchen den Deutschen Zoll⸗Verein hingewie auf zwei an sich vo dung sinden. Deutschen Bund repr weiterer Ausfluß und eine n. merzielle Einheit Belgiens

fang der politischen seyn Maͤchten, namentlich zu umgestalten.

llkommen souveraine lands politische Einhei asentirt; die kommerzie

und dadurch die Deutschland und Engl. Es haben sich auch se—

Moͤglichkei Befuͤrchtan * muß allerdin

Vereinigung s ohne Grund. fuͤr seine hauptsaͤchlichsten durch angemessene, auf raktate ohne alle

gen dieser Art sind durchau g gs einen groͤßeren Absatz Produtte suchen; dieser Absat aber fann gegenseitigen Konzessionen beruhende H

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politische Beeintraͤchtigung gewonnen werden. Es ist nur zu wuͤn⸗ schen, daß die Nachbarstaaten, welche in gleichem Maße an der Erhaltung der Unabhaͤngigkeit Belgiens interessirt sind, mit Wohl⸗ wollen die Handels⸗Antraͤge aufnehmen, welche der junge, an na⸗ küͤrlichen Produkten reiche Staat zu stellen genothigt wird. Wuͤr⸗ den die Handels⸗Interessen nach einer Seite hin ein entschiedenes Uebergewicht erhalten, so wuͤrde durch die Gewalt der Umstaͤnde auch die politische Wageschaale dem Zuge folgen muͤssen.

Die Industrie⸗Ausstellung ist vorgestern feierlich vom Mini⸗ ster des Innern eroͤffnet worden. Es ist nur eine Stimme uͤber den Reichthum und die Pracht derselben. Mehrere Regierungen sagt man, werden Abgeordnete schicken, um genaue Berichte zu erhalten. Die Belgische Regierung hatte ebenfalls vor 2 Jahren einen sachkundigen Commissair zu der Industrie⸗Ausstellung nach

Paris gesandt, dessen Rapport sehr nuͤtzliche Kenntnisse uͤber den

Stand der Franzöoͤsischen Industrie verbreitet hat. 8

Schweden und Norwegen.

Christiania, 26. Juli. L. A. Z.) Neulich ist von der militairischen Gesetz⸗Kommission der Entwurf eines Straf⸗Gesetz⸗ buches fuͤr Militairs erschienen. Das Publikum ist aufgefordert sich daruͤber zu aͤußern, doch wird es wohl nicht, wie dies bei dem allgemeinen Kriminal⸗Gesetz⸗Entwurf der Fall gewesen ist, ins Deutsche uͤbersetzt und zur Beurtheilung an Deutsche Gelehrte uͤbersendet werden, denn die Zeit draͤngt und die Regierung wuͤnscht es dem naͤchsten Storthing vorlegen zu koͤnnen. Die Kommission soll dagegen in diesem Sommer eine Konferenz mit der Schwedischen Gesetz⸗Kommission halten, um diesen Theil der Gesetzgebung in beiden Reichen so gleichfoͤörmig als moͤglich zu machen, was um so richtiger ist, da sich nach der Natur der Ver— haͤltnisse erwarten laͤßt, daß Norwegische und Schwedische Trup⸗ pen oft in Gemeinschaft agiren werden. Ein anderer Gesetz⸗ Entwurf, der neulich veroffentlicht ist, betrifft die G efaͤngn isse. Diese Angelegenheit ist, wie bekannt, in der letzten Zeit ein Gegenstand großer Aufmerksamkeit in beiden Skandi⸗ navischen Reichen gewesen, und in Norwegen ist seit 1815 hieran schon in Verbindung mit einer Umarbeitung der Krimi⸗ nal⸗Gesetzgebung gedacht worden. Seit 1837 hat sich eine Kom⸗ mission mit dieser Sache beschaͤftigt und theils erklaͤrende Schrif⸗ ten, welche in anderen Laͤndern uͤber diesen Gegenstand heraus⸗ gegeben worden sind, uͤbersetzt und herausgegeben (worunter eine von unserem Kronprinzen Oscar, die auch in Deutschland bekannt ist, theils selbst eine Darstellung des Zustandes der RNorwegischen Gefaͤngnisse, wie er gegenwaͤrtig ist, zugleich mit einem Vorschlag zu einem Gesetz uͤber dessen Reform ausgearbeitet. In diesen Tagen ist ein umfangreiches Buch erschienen, welches die Beob⸗ achkungen und diesen Vorschlag enthaͤlt. Die Kommission er⸗ klaͤrt sich fuͤr das strenge Zellen⸗System (Pensylvany⸗System) und bestrebt sich eifrig und, wie es scheint, auch mit Gluͤck, die vielen Vorzuͤge desselben vor dem Auburnschen zu beweisen. So will sie, daß der Gefangene, sowohl Tag als Nacht, und gewoͤhnlich streng eingesperrt werden, sich in seiner Zelle aufhalten und Nie⸗ manden sehen und sprechen solle, ansgenommen den Geistlichen oder den Vorsteher des Gefaͤngnisses ꝛc.

Deutsche Bundesstaaten.

Hannover, 1. Aug. Das Verbot der Pferde⸗Ausfuhr ist unterm 1sten d. M. auch fuͤr das Gebiet des Steuer⸗ und Zoll⸗Verbandes von Hannover, Braunschweig, Oldenburg und Schaumburg⸗Lippe wieder aufgehoben worden.

In dem Badeorte Rehburg, welchen Ihre Majestaͤt die hoch⸗ selige Koͤnigin im vorigen Sommer besuchte und wo dieselbe eine Kapelle erbauen zu lassen die Absicht hatte, wird dieser Gedanke jetzt auf Befehl des Königs und auf Kosten der Koniglichen Pri⸗ vat⸗Schatulle zur Ausfuͤhrung gebracht werden. Die Kapelle wird zum Andenken an die Stifterin den Namen „Friederiken⸗ Kapelle“ erhalten.

Karlsruhe, 2. Aug. (Oberd. 3.) In der heutigen Siz⸗ zung der Abgeordneten⸗Kammer wurde die in der letzten Sitzung begonnene Budget⸗Berathung, nach dem von Herrn von Iktzstein erstatteten Kommissions⸗Bericht, zu Ende gebracht. Das Resul⸗ tat derselben ist die (einstimmige) Annahme des nachfolgenden Bud get⸗Gesetzes:

„Leovold von Gottes Gnaden Großherzog von Baden, Herzog von Zaͤhringen. Wir haben mit Zustimmung unserer getreuen Staͤnde beschlossen und verordnen wie folgi: Art. 1. Saͤmmrliche Ministerien werden fuͤr die halbjaͤhrige Budget⸗Periode vom 1. Juli bis letzten Dezember 1811 nachstehende Kredite bewilligt: a. zur Be⸗ streitung der Haͤlfte der ordentlichen Ausgaben, wie sie durch das Budget von 1840 bestimmt worden sind, 7,053,651 Fl.; b. zur Be⸗ streitung weiterer nachtraͤglicher ordentlicher Ausgaben 149,719 Fl. 30 Ke.: c. zur Bestreitung außerordentlicher Ausgaben 2,362,1 18 Fl. 59 Kr.; d. zur Bestreitung außerordentlicher Ausgaben, welche fuͤr 1840 angewiesen, und bis zum Schluß der abgelaufenen Budget Periode nicht verwendet worden sind, 507,150 Fl.; zusammen 10,132,609 Fl. 29 Kr. Art. 2. Die Verwendung dieser Kredite ist durch anliegenden Haupt⸗ Finanzetat festgesetzt, mit folgenden naͤheren Bestimmungen: die un⸗ ter a. erwaͤhnten Kredite sind im Einzelnen nach dem ordentlichen und nachtraͤglichen Budget von 1840, die unter b. c. d. nach den anliegenden Verzeichnissen der nachtraͤglichen Ausgaben, der außer⸗ ordentlichen Ausgaben, und der fuͤr außerordentliche Ausgaben, aufrecht zu erhaltenden Kredite zu verwenden. Art. 3. dzhe⸗ aufrecht zu erhaltende Kredite bestimmte Summe ist nur inso weit zur Disposition der betreffenden Ministerien gestellt, als die im Budget fuͤr 1839 und 1810 verwilligten, bezuͤglich im Verwaltungswege angewiesenen Betraͤge nach dem Rech⸗ nunqgs-Abschluß auf 30. Juni 1841 wirklich noch nicht erschoͤpft waren. Art. 4. Ueber die Betriebs⸗Fonds der Finanz⸗Verwaltung, welche auf letzten Juni 1840 zu 5,882,295 Fl. berechnet worden sind, wird nach dem anliegenden Etat verfuͤgt. Art. 5. Zur Deckung der Art. 1 verwilligten Kredite werden die in dem anliegenden Haupt Finanz Etat verzeichneten Einnahmen bestimmt, naͤmlich: a. die Haͤlfte der ordentlichen Einnahmen nach dem Budget fuͤr 1840 mit 7,217,6035 F bv d nachtraͤglichen Einnahmen mit 2300 Fl.; c. die außerordentlichen Einnahmen mit 2,912,534 Fl. 29 Kr.; zusam men 40,132,669 Fl. 29 Kr. Art. 6. Die auf den Grundstock angewiesene Summe von 157,500 Fl. kann nur in so weit bezogen werden, als sie⸗ fuͤr die in der Anlage verzeichneten Ausgaben erforderlich wird; die auf die Schulden⸗Tilgungs⸗Kasse angewiesene Summe von 1,279,721 Fl. nur, insoweit fuͤr den Eisen bahn⸗Bau wirklich zur Verwendung kommt. Art. 7. Der Be⸗ triebs Fonds⸗Ueberschuß, der sich Ende Juni 1841 fuͤr das Etats⸗- Jahr 1840 herausstellt, wird, so weit er die unter der außerordent⸗ sichen Einnahme aufgenommene Summe von 569,518 Fl. 29 Kr. übersteigt, in die Amortisations⸗Kasse niedergelegt. Art. 8. Die Dotation der Amortisations⸗Kasse zur Schuldentilgung und Befoͤrde⸗ rung der Zehnt⸗Abldsung hat das Finanz⸗Ministerium fuͤr das halbe Jahr vom 1. Juni bis letzten Dezember 1841 mit 651,003 Fl. in mnonatlichen Raten aus den pe ratesten Staats⸗Revenuͤen berichtigen

zu lassen. Art. 9. Alle dermalen bestehenden Abgabe Gesetze bleiben in Kraft. Art. 10. Die Art. 7 bis 12 des Finanz⸗ Gesetzes vom 21. Juli 1839 werden bis letzten Dezember aufrecht erhalten.“

Der Praͤsident des Ministeriums des Innern, Freiherr von Raͤdt, setzte die Kammer in Kenntniß, daß nach Erledigung des

Wien,

wurde mit dem gl

Kaiserin uͤber Graͤ hoͤchstdieselben drei

seine Abschieds und Herrn Argyropu

der Donner

Tage weckte, an den verewit chen seinen Aus brochenen Reihe von

vorzugsweise li treffenden Frem Daher war denn di ganzen Umgegend se Wagen aus den b ten sich seit dem Wagen und zu Fuß und Dresden heruͤbergekommen. anwesend; er h sich sogar

den Preußischen Ge

Glockengel Festzug vo

Unterkleidern.

Bewegung des

dem Siegeskranze; d

germeister

Koͤnig im Kriege litz vor der Verwuͤstung durch den Feind gerettet, und daß er dann im Frieden ein Viertel⸗Jahrhundert hindurch der Wohlthaͤ⸗

Am Schlusse

den Kaiser!“

Budgets der Landtag auf unbestmmte Zeit unterbrochen werde, und die Mitglieder durch ihren Praͤsidenten, nach vorgaͤngigem Benehmen mit der Regierung, seiner Zeit einberufen werden sollen. 38

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Darmstadt, 4. Aug. Heute trafen Se. Koͤnigliche Ho⸗ heit der Kronprinz von Bayern und Ihre Koöoͤnigl. Hoheiten der Prinz und die Prinzessin Wasa, von Ems uͤber Wiesbaden kom⸗ mend, zum Besuche am hiesigen Hofe ein. Die Hoͤchsten Herr⸗ schaften sind im Schlosse abgestiegen.

Ihre Koͤnigl. Hoheiten der Prinz und die Prinzessin Wil⸗ helm von Preußen sind gestern Abend von Homburg zuruͤck wie⸗ der bei Ihrem Durchlauchtigsten Schwiegersohne, Sr. Hoheit dem Prinzen Karl hier eingetroffen. I. 8

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Hesterreich.

. Aug. Se. Majestaͤt der Kaiser sind heute Morgens von Schoͤnbrunn nach der Stadt gefahren, um einer Production des Bruͤckenschlagens nach dem Systeme des Herrn Oberst⸗Lieutenants von Birago beizuwohnen. Die Operation 1 im glaͤnzendsten Erfolge in der kurzen Zeit von nicht einer vollen Stunde bewerkstelligt, nach deren Verlauf Se. Ma⸗ jestaͤt der Kaiser, in Bes leituug des Erfinders dieser neuen Me⸗ thode, zuerst uͤber die Bruͤcke ging, worauf sodann die in der Naͤhe aufgestellten Truppen, Infanterie, Kavallerie und Artillerie, folgten.

Am 17. August werden Ihre Majestaͤten der Kaiser und die

und Mariazell nach Ischl abreisen, wo Aller⸗ ldi 1b bis vier Wochen zu verweilen gedenken. Dem Herzoge von Bordeaux ist vor einigen Tagen bei einem pazierritte zu Kirchberg der Unfall begegnet, mit dem Pferde zu stuͤrzen und das Schenkelbein zu brechen. Die Frau Herzogin von Berry, die sich eben hier befand, ist sogleich nach Kirchberg zu ihrem Sohne abgereist, wohin sich auch Professor Battmann, einer unserer beruͤhmtesten Chirurgen, begeben hat. Der Bruch hat nichts Gefaͤhrliches, wird aber den jungen Prinzen noͤthigen, Wochen bis zur Heilung im Bette zuzubringen.

Man spricht hier mit Bestimmtheit von der nahe bevorste⸗ henden Vermaͤhlung Ihrer Kaiserl. Hoheit der Erzherzogin Adel⸗ haid, zweitgeborenen Tochter des Erzherzogs Bice⸗Koönigs des Lombardisch-⸗Venetianischen Koͤnigreichs, mit Sr. Koͤnigl. Hoheit dem Herzoge von Savoyen⸗Carignan, praͤsumtiven Thronerben von Sardinien.

Die neueste Post aus Konstantinopel vom 21. Juli bringt gar nichts von Belang. Der zum Minister der auswaͤrtigen An⸗ gelegenheiten in Athen ernannte Koͤnigl. Griechische Minister⸗Re⸗ der hohen Pforte, Herr Christides, hatte am 19ten Besuche bei den Tuͤrkischen Ministern abgestattet lo als Geschaͤftstraͤger vorgestellt.

Teplitz, 3. Aug. L. A. Z.) Diesen Morgen um 5 Uhr der Voͤller und Kanonen vom Schießhause welcher die Bewohner von Teplitz zu dem ernst feierlichen an dem das hier bewahrte, ehrfurchtvolle Andenken gten Koͤnig von Preußen durch ein dauerndes Zei⸗ druck erhalten sollte. In einer langen, ununter⸗ 1 in Jahren sahen wir den Koͤniglichen Gast hier, so daß er in den Herzen aller Bewohner unserer Stadt durchaus heimisch geworden war, und die Trauer um sein Dahinscheiden

hier gewiß eben so tief gefuͤhlt worden ist, als in irgend einer

Stadt seines eigenen Landes. Noch werden die Staͤtten, die er ebte, die Spaziergaͤnge, die er waͤhlte, den hier ein⸗ den gewissermaßen als Einnerungs⸗Reliquien gezeigt. e Theilnahme fuͤr das Fest hier und in der hr groß; schon gestern sah man Wagen auf enachbarten Orten eintreffen, und heute beleb⸗ fruͤhesten Morgen die Landstraßen mit den zu

hereinwandernden Landleuten. Auch aus sind viele Preußen besonders zu der Feier

Der Prinz von Preußen ist als Badegast hier te anfangs die Absicht, der Feier beizuwohnen als Theilnehmer des Festmahles unterzeichnet; allein das tiefe Gefuͤhl der Wehmuth, welches dieser Tag, zugleich der Geburtstag seines verewigten Vaters, erzeugen mußte, hat ihn doch bestimmt, diesen in der freundlichsten, ehrendsten Gesinnung fuͤr die Stadt Teplitz gefaßten Vorsatz wieder aufzugeben und den heutigen Tag nicht hier zuzubringen. Unter den angesehenen Preu⸗ ßen, welche dem Feste beiwohnten, nennen wir den Minister Rother

sandten in Dresden Herrn von Jordan, den gestern hier eingetroffenen Ober⸗Buͤrgermeister Krausnick aus Ber⸗ lin, viele Generale, Stabs⸗Offiziere c. Zwischen 9 und 10 Uhr versammelten sich die durch Karten geladenen Zuschauer, die ganze vornehme und elegante Badewelt, auf der Anhoͤhe, wo das Denk mal noch in seiner Huͤlle stand. Um 10 Uhr bewegte sich unter aute und Kanonendonnrr der folgendermaßen gebildete n dem Rathhause durch die Hauptstraßen der Stadt nach dem Platze des Denkmals. Voran die Gewerke mit ihren Fahnen, dann zwoͤlf Blumen im Haar und Eichenlaub und Blumenkraͤnzen in der Hand; eben so zwoͤlf Juͤnglinge in schwarzem Frack und weißen b Dann folgte der. Magistrat und die staͤdtischen Behoͤrden und Honorationen. Man konnte von der Hdhe der Zuges groͤßtentheils folgen. Oben angelangt, um⸗ das Monument im Halbkreise, die jungen Maͤdchen

Rechten, die Juͤnglinge zur Linken desse

Huͤlle fiel, eine Fanfare und Kanonen⸗ 1 Das Denkmal besteht aus einem abgestumpften Obelisk, uͤber diesem eine Erdkugel und auf dieser ein Genius mit as ganze in Bronze. Auf der Vorderseite sieht man das vergoldete Brustbild Friedrich Wilhelm's Im. im Relief und darunter die Inschrift: „Honori et memortae Frie- qerici Guilielmi III. grata Teplitz dedicavit 1841.“ Der Buͤr⸗ V Stadt trat nunmehr auf die Stufen des Piedestals und hielt eine einfache, aber wahrhaft ergreifende Rede bei der fast kein Auge trocken blieb. Er erinnerte daran, daß der durch seine ritterliche Tapferkeit bei Kulm Tep⸗

weißgekleidete Jungfrauen der, Stadt, mit

insbesondere ihrer Armen gewesen sey.

der Rede legten die Jungfrauen und Juͤnglinge, f Monument unter dem Ertoͤnen des Volkslie⸗ des: „Heil dir im Siegerkranz!“ und dann: „Gott erhalte Franz langsam umgingen, ihre Kraͤnze auf den Stufen desselben nieder, und begingen so den Akt der Einweihung. Die Hoͤhe wird von h ren. tags war großes

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eute an den Namen Koͤnigshoͤhe fuͤhren. Mit⸗ Diner im Fuͤrstlichen Gartensaale, dem alle oben genannten hohen Staats⸗Beamten und Honorationen beiwohnten. Abends sind die Hauptpromenade und mehrere Punkte der Um⸗ gegend er zendes Fe

leuchtet, und auf der Koͤnigspromenade wird ein glaͤn⸗ uerwerk abgebrannt werden. Ein schoͤner Zug der Feier ch, daß die saͤmmtlichen hier der Heilung halber anwe⸗: