das gegenwaͤrtige Censurwesen als
Soll Sr. Koͤnigl. Majestät welches der mit der Ordnung
ein Hinderniß dargestellt werden, hhes der mit
wohl vertraͤglichen Begruͤndung von Selbststaͤndigkeit und Unab⸗ häͤngigkeit im Staate, so wie der freien Entwickelung uͤberhaupt, auf eine hoͤchst nachtheilige Weise entgegentritt, und ist aus diesem Grunde Se. Majestaͤt zu bitten, die bestehenden Censur⸗Vorschrif⸗ ten einer Revision zu unterwerfen, bei der ganz besonders die Ano⸗ nymitaͤt, so wie die Anwendung dieser Vorschriften, durch beson⸗ ders geeignete Personen zu beruͤcksichtigen seyn duͤrfte?
Der Herr Referent spricht die Ansicht aus, ein Preßgesetz könne nur vom Bundestage ausgearbeitet und erlassen werden, eine Milderung der gegenwaͤrtigen Censur⸗Verordnungen aber durch Preußen allein erfolgen.
Ein Abgeordneter des vierten Standes bemerkt:
Man sey nach einer langen Diskussion dahin gelangt, daß man aus den vielseitigen Ansichten die hervorheben konne, welche als die allgemeinere der Gegenstand der an des Koͤnigs Majestaͤt zu richten⸗ den Bitte seyn solle. Er glaube, daß es sicher der Absicht der Ma jorität der Versammlung am entsprechendsten seyn werde, bei der Formulirung des Antrages den von dem Herrn Vorsitzenden gemach ten Vorschlag zum Anhaltspunkte zu nehmen, und mit Hindeutung auf die dereinstige Erlassung eines allgemeinen Preßgesetzes, wenn die aͤußeren Verhäaͤltnisse des Staates es leichter gestattet werden als jetzt, die staͤndische Bitte auf Publication einer dem Beduͤrfnisse der Zeit angemessenen Censur Verordnung, durch deren Bestimmungen die Uebelstaͤnde beseitigt werden, welche die allgemeinsten Klagen verur⸗ sachen, dermalen zu beschraͤnken. Ob aber, wie dies von mehreren Seiten proponirt worden, die Vorlegung des Entwurfs einer Verord⸗ nung zur staͤndischen Berathung erbeten werden solle, gebe er der Er⸗ waͤgung der Versammlung anheim, ihm scheine eine solche Bitte nicht vollstaͤndig begruͤndet, indem es sich hier nicht von einem Ge⸗ setze handle, welches Eigenthums⸗ und Personen Rechte, im Sinne des allgemeinen Gesetzes vom 5. Juni 1823, betreffe, sondern von einer Maßnahme anf dem Gebiete der hoͤheren Staats⸗Verwaltung, welche nach seinem Dafuͤrhalten des Beiraths der Provinzial⸗Staͤnde nicht beduͤrfe.
Ein anderes Mitglied des kussion habe das nisse hinlaͤnglich
vierten Standes sagt: Die Dis⸗
Mangelhafte der gegenwaͤrtigen Censur⸗Verhaͤlt⸗ dargethan, und daruͤber, daß das Uebel vorhan⸗ den sey und beseitigt werden muͤsse, sey man einverstanden, aber nicht uͤber das Mittel, welches dafuͤr das beste sey. Sein Vor⸗ schlag gehe dahin, unter Anfuͤhrung des aus dem jetzigen Zustande entspringenden Uebelstandes zu bitten: die bestehenden Censur⸗Vor⸗ schriften revidiren, der Presse eine ausgedehntere Freiheit gestatten und dadurch eine dem Stande der Kultur und den Erfordernissen der Zeit angemessene Preß⸗Gesetzgebung herbeifuͤhren zu wollen. Der Herr Vorsitzende bemerkt: Daß der durch ihn gemachte Vorschlag ihm das Resultat der bis dahin stattgefundenen Aeuße⸗ rungen gewesen sey und ihm noch immer, als die Hauptmomente der Diskussion enthaltend, erscheine, er werde demnach daruͤber zur Abstimmung schreiten lassen. Der Herr Referent verlangt die des Ausschusses und will dieselbe in erste Frage lautet;: 1 8 ““ Beschließt die Versammlung, an Se. Majestaͤt den Koͤnig die Bitte zu richten, die Angelegenheiten der Presse durch ein allen Willkuͤrlichkeiten der einzelnen Censoren moͤglichst vor⸗ beugendes Censu r⸗Gesetz zu ordnen? . und wird dabei bemerkt, daß im Falle der Bejahung in der des⸗ falls zu entwerfenden Adresse die durch den Herrn Antragsteller geaͤußerten speziellen Wuͤnsche, welche in den durch einen Abge⸗ ordneten des zweiten Standes vorgeschlagenen, Fragen sehr zweck⸗ naͤßig modulirt worden, angefuͤhrt werden moͤgen. Bei der Abstimmung haben sich 590 Stimmen Stimmen gegen den Vorschlag des Ausschusses ergeben. Stellung der zweiten Frage ist dadurch unndothig geworden.
Prioritaͤt fuͤr die Antraͤge zwei Fragen vertheilen; die
fuͤr und 5 Die
Zeitungs-Uachrich 1 Ausland.
8 “ 8 Nußland und Polen.
Warschau, 6. August. Gestern ist der Minister Staats⸗ ecretair des Koͤnigreichs Polen, Turkull, vou St. Petersburg hier angekommen. IAA 1
Nach einer so eben erschienenen Kaiserlichen Verordnung sol⸗ en die Privat⸗Schulen und Erziehungsanstalten, so wie die Haus⸗ ehrer und Erzieher, im Konigreich Polen unter der Oberaufsicht es Ministers des oͤffentlichen Unterrichts und unter spezieller Kontrolle des Kurators des Warschauer Lehrbezirks und des Kol⸗
legiums fuͤr den oͤffentlichen Unterricht stehen.
Paris, 5. Aug. Der Messager bricht endlich sein Schwei⸗ gen uͤber die letzten Vorfaͤlle in Toulouse und aͤußert sich über dieselben in folgender Weise: aEs ist augenscheinlich, daß der Wi⸗ derstand der provisorischen Munizipalitaͤt sich auf einen eitelen Vorwand stuͤtzte. Der im „Moniteur“ erschienene Original⸗Text der Koͤniglichen Ordonnanz setzt den Zeitpunkt der desinitiven Wahl in den gewoͤhnlichen Ausdruͤcken fest. Die Zeit von drei Monaten ist ein Spielraum, den das Gesetz der ausuͤbenden Ge⸗ walt laͤßt, damit sie die nothwendige volle Freiheit ihres Wirkens habe. Die Ordonnanz kann im Voraus weder den Tag noch den Ort feststellen, wo jede Section sich versammeln soll. Alle fruͤhe⸗ ren Aufldsungs⸗Ordonnanzen 1
sind in derselben Weise abgefaßt worden. Die dem Herrn Moritz Duval zugesandte Abschrift ent⸗ hielt allerdings nicht den letzten Paragraphen der Koͤniglichen Or⸗ donnanz, und er konnte daher nur den ersten Theil, der lösung aussprach, publiziren. Folgt aber daraus, daß die Ordon⸗ nanz ungesetzlich, und daß der Widerstand der Herren Arzac, Roal⸗ des und Gasc rechtmaͤßig war: Augenscheinlich, nein! Die That⸗ sache an sich ist von geringer Wichtigkeit. Der provisorischen Mairie war nur die Aufldsung des Munizipal⸗Rathes anzu⸗ zeigen. Was die Maßregeln in Betreff der Wahl eines neuen Conseils betraf, so waren dieselben allerdings, den Gesetzen gemaͤß, eine Pflicht der Regierung; aber sie hatte weder dem Munizipal⸗Conseil, dessen Aufloͤsung sie beschloß, noch der provi— sorischen Mairie Rechenschaft daruͤber abzulegen. Geht aus jener Auslassung in der Abschrift der Ordonnanz hervor, daß die Or⸗ donnanz null und nichtig war? Es waͤre dies eine unhaltbare Behauptung. Das Gesetz
verbindet keine Nullitaͤt wit der Nicht⸗ erfuͤllung jener Formalitaͤt; und konnte
uͤberdies auch nur der geringste Zweifel daruͤber gehegt werden, daß es die Absicht der Regierung sey, die Waͤhler in dem vorgeschriebenen Zeitraum zu⸗ sammen zu berufen? Sprach nicht Herr Duval in seiner Pro⸗ clamation, daß die Wahlen in der gesetzlichen Frist stattfinden wuͤrden? Endlich, und dies ist der wichtigste Punkt, waren die Herren Arzac, Roaldes und Gasc auf keine Wesse berechtigt, einen materiellen Widerstand zu leisten; sie hatten kein Recht, sich der
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die Auf⸗ V I
Ausuͤbung eines Aktes der Central⸗ G zu widersetzen. Sie haben sich bei dieser Gelegenheit durch einen Versuch zur Usurpirung oͤffentlicher Functionen gegen das Gesetz emport. Die Aufloͤsungs⸗Ordonnanz war ein Akt der Königlichen Praͤro⸗ gative, dem sie sich unter allen Umstäaͤnden unterwerfen mußten. Vermoͤge jenes Aktes existirte das Munizipal⸗Conseil und die provisorische Mairie nicht mehr. Das Gegentheil behaupten, heißt Anarchie predigen. Die Herren Arzac, Roaldes und Gasc konnten, wie alle anderen Buͤrger, auf gerichtlichem Wege apelli⸗ ren, wenn sie in der Ordonnanz eine Nicht⸗Beobachtung irgend einer gesetzlichen Bestimmung zu entdecken glaubten, aber es stand ihnen nicht zu, aus eigener Macht⸗Vollkommenheit die Ordonnanz fuͤr null und nichtig zu erklaͤren, und Functionen beizubehalten, welche von dem Augenblick in ihren Haͤnden eine Usurpirung der Gewalt waren.“
Die gestern von dem „Moniteur parisien“ gegebene Nachricht, daß die Herren Arzac, Roaldes und Gasc verhaftet worden waͤ⸗ ren, wird von dem „Messager“ weder in Abrede gestellt, noch be⸗ staͤtigt. Das offizielle Abendblatt beschraͤnkt sich auf die Bemer⸗ kung, daß am gestrigen Tage das schlechte Wetter telegraphische Mittheilungen verhindert haͤtte; gegen Abend sey eine Depesche eingegangen, welche melde, daß in Toulouse die Ruhe nicht auf⸗ gehoͤrt habe zu herrschen.
Der Moniteur parisien meldet aus Toulouse vom 1sten d., daß an einigen oͤffentlichen Orten thoͤrichte Versuche gemacht wor⸗ den waͤren, die Soldaten der Garnison aufzuwiegeln. Die Be⸗ hoͤrde uͤberwache sorgfaͤltig jene Umtriebe, welche uͤbrigens sehr schlechte Aufnahme faͤnden. Man spreche noch nicht davon, zur Entwaffnung der National⸗Garde zu schreiten; aber man halte diese Maßregel fuͤr nahe bevorstehend. Mit der Registrirung werde man ohne Zweifel bald wieder beginnen. 1 14
Man schreibt aus Oran vom 24. Juli: Expeditions⸗ Division, unter den Befehlen des Generals Lamoricière, ist am 19ten nach Mostaganem zuruͤckgekehrt; sie ist in 5 Tagemaͤrschen von Mascara gekommen. Waͤhrend ihres Aufenthaltes vor jener Stadt hat die Kolonne viel Getraide geaͤrndtet, und einige Re⸗ kognoszirungen vorgeschoben, ohne den Feind zu erreichen. Abd el Kader, der alle seine Streitkraͤfte an sich gezogen hatte, versuchte einen naͤchtlichen Angriff auf das Bivouac der Diviston, aber ohne Erfolg. Waͤhrend des Marsches wurde die Kolonne zu zwei ver⸗ schiedenenmalen angegriffen; das erstemal ziemlich kraͤftig und mit bedeutenden Streitkraͤften; das Zuaven⸗Baraillon, welches die Ar⸗ riere⸗Garde machte, empfing den Feind festen Fußes; ein Jaͤger— Bataillon, welches nicht so gut mandoprirte, ward durch ein Ba⸗ taillon Afrikanischer Infanterie unterstuͤtzt; es wurden uns in die⸗ sen Gefechten 65 Mann kampfunfaͤhig gemacht. Die Expedition hat, in Folge der vielen Strapatzen und des heißen Wetters, 800 Kranke mit zuruͤckgebracht. Abd el Kader befand sich in geringer Entfernung von Mostaganem bei den Hachem, die ihm ergeben sind. Man glaubt, daß der General Lamoricière ihn binnen kur⸗ zem angreifen wird.“
In Bona, Bugia Ruhe;
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und Philippeville herrscht vollkommene aber die Lazarethe waren üͤberall mit Kranken angefuͤllt. verwittwete Koͤnigin von Spanien, Marie Christine, hat nachstehende Cirku ar⸗Rote an das hiesige diplomatische Corps erlassen: „Meine Herren 8
ren Botschafter! Die Koͤnigin Maxie Christine von Spanien, das Her
voller Gram in Folge der Entscheidung der Cor tes vom 10ten d. M., welche ihr die Vormundschaft und Kuratel ihrer erlauchten minderjährigen Toͤchter raubt, hat ihre Stimme er hoben, um diese so ungerechte Beraubung zuruͤckzuweisen. Von einer Autoritaͤt auf die beleidigendste Weise embloͤßt, welche weltkundiger und rechtmaͤßiger Weise Ihrer Majestaͤt allein zusteht, und die uͤber dies sich so sehe mit der Zaäͤrtlichkeit und der Vorsorge einer Mutter vertraͤgt, in ihrer Ehre, ihrer Wuͤede, ihren Rechten verletzt, in ihren fuͤßesten Gefuͤhlen und ihrer Anhaͤnglichkeit, so wie in ihren theuer⸗ sten Interessen angegriffen, hat die Koͤnigin uͤber die Partei, welche ste bei diesen Umstaänden, um alle ihre Pflichten zu erfuͤllen, zu er greifen habe, nicht in Zweifel gestanden. Demzufolge haben Ihre Maiestaͤt an die Spanische Nalion eine feierliche Protestation Zerichtet, wovon ich die Ehre habe, beiliegend Euren Excellenzen zwei authentische Abschriften zu uͤberreichen, auf Befehl und mit be⸗ sonderer Ermaͤchtigung Ihrer Majestaät. Dieser Protestation folgt der Brief, mit welchem Ihre Majestaͤt dieselbe dem Heczoge von Vit toria zugesandt. Eine Franzosische Uebersetzung ist beigelegt. Die Koͤnigin hat mir befohlen, Ew. Excellenzen zu bitten, diese Akten⸗ stuͤcke Ihren Hoͤfen mitzutheilen. Ihre Majestaͤt hat mir auch auf getragen, Ihnen zu sagen, daß Hoͤchstdieselbe, den unwideestehlichen Eindruͤcken ihres Gewissens gehorchend, sich bestimmt hat, diese Pro⸗ testation gegen ein Werk der Usurpation und Zwang, seit lange vor bereitet, zu erlassen, indem sie zugleich von dem innigsten Bewußtseyn durchdrungen ist, daß durch feeneres Stillschweigen die Zukunft Ihrer Toͤchter und die Zukunft Spaniens blos gestellt werden wuͤrde. Ich benutze mit Bereitwilligkeit die mir sich darbietende Gelegenheit, um Ihnen, meine Herren Botschafter, die Versicherung meiner hohen Achtung zu geben.
Paris, den 23.
Dem Journal des
Juli 1841. Graf von Colombi.“ Déebats wird aus Tulle vom 2ten d. M. geschrieben: „Man hatte das Geruͤcht verbreitet, daß Herr Berryer oder Herr Michel Gon Bourges) die Vertheidigung der Madame Laffarge uͤbernehmen wuͤrden; aller weder der eine noch der andere haben daran gedacht. Man glaubt auch allgemein, daß Herr Paillet nicht kommen, und so Herr Lachaud allein mnit der Bertheidigung der Angeklagten beauftragt bleiben wird. Ma⸗ rie Capelle und ihr Anwalt suchen, ihr zu beobachtendes Verfahren in tiefes Geheimniß zu huͤllen; indeß verbrei⸗ tet sich allgemein das Geruͤcht, daß die Angeklagte in der ersten Sitzung erscheinen, und durch ihren Advokaten vorstellen lassen wird, daß die Zeit zur Vorladung der Zeugen zu kurz gewesen sey, daß sie einen Aufschub bis zum Monat No⸗ vember verlange, um hauptsaͤchlich den Herrn Felic Clavet in Mexiko vorladen zu koͤnnen. Wenn das Gericht diesen Aufschub nicht bewilligt, so wird sie sich wahrscheinlich in coutumaciam verurtheilen lassen. Dann wuͤrden die Zeugen verhoͤrt und ein Kontumazial⸗Urtheil gefaͤllt werden; die Angeklagte kann alsdann Einspruch thun, auf ein kontradiktorisches Verfahren antragen, und so befaͤnde sich die Sache wieder ganz in demselben Zustande wie fruͤher; alle Zeugen muͤßten von Neuem vorgeladen werden. Wann wird dieses System des Temporisirens und der Verzoͤge⸗ rung ein Ende nehmen? Es, scheint, daß der Gerichtshof der be⸗ staͤndigen Verschiebungen muͤde ist, und Alles thun wird, was in seinen Kraͤften steht, um zu einer definitiven Losung zu⸗ gelangen. Der Koͤnig und die Konigliche Familie sind gestern Abend
h dem Schlosse Eu abgereist. 1. 8
a9 Com 8* ree nest Vüans „Es wird fuͤr gewiß gemeldet, das Herrn Guizot im Namen des Englischen Kabinettes eine Rote in Betreff des Planes zu einer kommerziellen Union zwi⸗ schen Fraukreich und Belgien überreicht worden ist. 1 öi- Die Behauptung des „National“, daß zahlreiche Verhaftun⸗ gen unter den Soldaten der hiesigen Garnison stattgefunden haͤtten, veranlaßt den Moniteur parisien zu solgender Ent⸗ gegnung: „Eine solche Angabe wird durch keine Thatsachet ge⸗ rechtfertigt. Es ist sogar zu bemerken, daß die Privat⸗Streitig⸗
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keiten und sonstige Veranlassungen zu Verhaftungen niemals sel⸗ tener waren, als in diesen letzten acht Tagen.“
Der Moniteur parisien meldet: „Ein Privat⸗Schreiben, welches wir aus Konstantinopel vom 17. Juli erhalten, theilt Fol⸗ gendes mit: „ „Ein Tuͤrkisches Dampfschiff ist vor einigen Tagen nach Kandia abgegangen, wohin es die Anzeige von einer voll⸗
8 „ 8 5 2 . 8 . — — staͤndigen Amnestie uͤberbringt, welche die Pforte nicht bloß den sondern auch denjeni⸗
Insurgenten, die sich bereits unterworfen, gen bewilligt, die in den Bergen von Sfakia noch unter den Waffen stehen.““
Mehrere Blaͤtter enthalten folgende ihnen zugesandte Notiz: „Mit Unrecht haben mehrere Journale und kuͤrzlich auch die „Preußische Staats⸗Zeitung“ gemeldet, daß der Graf von Mes⸗ nard an mehreren oͤffentlichen Orten mit der Koͤnigin Christine gesehen worden sey. Seit dem ; Mesnard die Koͤnigin Christine nicht wieder gesehen.“
Großbritanien und Irland.
London, 5. August. Parlament sich gleich an dem Tage, bis zu welchem, laut dem Auflösungs⸗Dekret, das neue Unterhaus vollstandig gewaͤhlt seyn sollte, naͤmlich am 19. August, versammeln soll, und Lord John Russell hat bereits ein Cirkular an die ministeriellen Mitglieder des Unterhauses erlassen, in welchem er sie auffordert, an jenem Tage auf ihrem Platz zu seyn, weil sogleich zur Sprecherwahl und zur Berathung uͤber Gegenstaͤnde von hoͤchster Wichtigkeit geschritten werden solle. Man glaubt, daß die Debatten uͤber die Antworts⸗ Adresse auf die Thronrede nicht vor dem 28. August beendigt seyn duͤrften, und daß erst dann das Melbournesche Ministerium seine Entlassung nehmen werde. Es wuͤrden darauf vermuthlich wieder acht Tage uͤber der Bildung des neuen Kabinets hingehen, und die neuen Wahlen, denen sich die neuen Minister und Staats⸗ Beamten zu unterwerfen haben, wuͤrden wohl noch an acht Tage erfordern, so daß das Parlament wahrscheinlich erst um den 20. September seine Verhandlungen wieder aufnehmen duͤrfte.
Der Morning Post zufolge, hat Sir R. Peel dem jetzigen Sprecher des Unterhaͤuses, Herrn Lefebver, schon seinen Entschluß, die Wiedererwaͤhlung desselben zu unterstuͤtzen, falls er von neuem fuͤr diesen Posten vorgeschlagen wuͤrde, mitgetheilt, und die per⸗ soͤnlichen und politischen Freunde Sir Robert's finden diesen Ent⸗ schluß vollkommen angs emessen. Das genannte Blatt wuͤrde zwar die Wahl eines konservativen Mitgliedes zum Sprecher vorgezo⸗ gen haben, fordert jedoch nun, da jener Entschluß einmal gefaßt worden, alle Konservativen auf, denselben zu unterstuͤtzen, und ist uͤberzeugt, daß dies einstimmig geschehen werde. Sir R. Peel scheint also gleich bei dem ersten parlamentarischen Akte zeigen zu wollen, daß er nicht als entschiedener Parteimann aufzutreten ge⸗ sonnen sey. Die Times, welche durchaus eine ultratoryistische Stellung einnehmen zu wollen scheint, ist mit dem angenomme⸗ nen Beschluß sehr unzufrieden, und um Sir R. Peel nicht an⸗ greifen zu muͤssen, sucht sie die Sache so darzustellen, als sey der— selbe nicht aus eigener Bewegung, sondern auf den Rath von etwa 20 oder 30 Mitgliedern seiner Partei zu dem Entschluß gebracht worden. Vermuthlich will die „Times“ mit diesen Rath⸗ gebern den Stanley⸗Grahamschen Anhang bezeichnen, also die so⸗ genannten konservativen Whigs; Sir R. Peel's Freunde, — man weiß nicht, wer eigentlich hiermit gemeint ist, da er doch wahrschein⸗ lich nur seine Freunde zu Rathe gezogen haben wird, — sollen, der „Times“ zufolge, versichert haben, er sey dem Vorschlag jener 20 bis 30 Mitglieder nur mit Widerstreben beigetreten. Indeß scheint die „Times“ doch selbst hieruͤber noch im Zweifel zu seyn, denn sie fuͤgt hinzu: „Durch welche seltsame Verblendung man zu dieser unseligen Umkehrung des allein richtigen Grundsatzes gekommen ist, dies zu untersuchen, waͤre jetzt unnuüͤtz; genug, es ist so, und das Resultat ist ein abkuͤhlender Daͤmpfer gleich auf die erste Freude uͤber einen wohlerworbenen Sieg. Der sehr eh⸗ renwerthe Charles Shaw Lefever ist schon so gut als gewaͤhlt zu dem hohen Posten, dessen ihn die Unfaͤhigkeit seiner Partei so gut als beraubt hatte. Ueber die hochherzigen und maͤnnlichen Staats⸗ maͤnner, die sich die Haͤnde schuͤtteln, ehe sie den heißen Kampf beginnen. Der Grundsatz, den die konservativen Unterstuͤtzer des Herrn Lefevre angeblich ehren wollen, ist der, daß der Sprecher nur um der Faͤhigkeiten willen, die er zu diesem Amte besitzt, und ganz abgesehen von seinen politischen Gesinnungen, gewaͤhlt werden muͤsse. Was werden aber ihre Kollegen, die große Mehr⸗ heit der Konservativen, dazu sagen, daß man auf diese Weise bei ihnen keine Faͤhigkeit fuͤr diesen ehrenvollen Posten voraussetzt? Was werden sie sagen zu diesem kleinen Streit mit dem, welchen sie als ihren Fuͤhrer betrachten? Und was wird das Land dazu sagen, Herrn Lefevre, einen Whig, den Sprecherstuhl in einem Unterhause einnehmen zu sehen, dessen Majoritaͤt konservativ ist, nachdem derselbe im Jahre 1835 gegen die Wahl des Herren Manners SGutton zu diesem. Amte gestimmt, weil Letzterer ein Konservativer und damals die Majoritaͤt des Unter⸗ hauses Whiggistisch war 2“ Der Globe findet sich hierdurch zu folgenden Bemerkungen veranlaßt: „Woruͤber die „Times“ und Konsorten sich aͤrgern, das sollte uns zur Freude gereichen. In⸗ deß wir koͤnnen ausrichtig sagen, daß wir nicht sowohl als Partei⸗ maͤnner daruͤber Freude empfinden, sondern weil wir in diesem klugen Beschluß den Einfluß der Macht der doͤffentlichen Meinung erblicken, die uͤber alle Partei Combinationen steht. Es ist dies so gut als ein Anerkenntniß, daß das Publikum auf die Substi⸗ tuirung eines Herrn von denjenigen Grundsaͤtzen, denen angeblich, wie man uns zum Ueberdruß versichert, die Nation die Herrschaft verschafft sehen will, an die Stelle des jetzigen trefflichen Sprechers kein solches Gewichtlegt, als auf die Ersparung einer S precher-Pension! Das ist noch das guͤnstigsteLicht, in welches die Tories die Sache stellen koͤnnen. Wir wollen gern glauben, daß dieser erste Schritt an der S chwelle der Parlaments⸗Session nicht nur ein Zeichen davon ist, daß Mit⸗ glieder der Majoritaͤt dem Publikum an den Puls gefuͤhlt haben, sondern auch davon, daß ihr eigener Puls ruhiger schlaͤgt, als er nach ihren bramarbasirenden Organen den Anschein hat. Die Zeiten der Parteienwuth sind in der That voruͤber; das Publi— kum blickt mit Widerwillen oder mit Gleichguͤltigkeit auf deren ruͤck⸗ sichtslose Demonstrationen, und wie sehr auch in niedrigeren Regio⸗ nen der Parteigeist noch genaͤhrt werden mag, in den Reihen der eigentlichen parlamentarischen Kaͤmpfer ist er sehr lau geworden. Klassen⸗Interessen sind zwar immer noch leben
dig, aber nicht geueigt, unnuͤtze Kaͤmpfe zu wagen, und die Par⸗
te’ Leidenschaften sind fast auf dasselbe Niveau herabgesunken, auf
welchem sie vor der Reform⸗Akte. standen. Die ultrakonservativen Organe moͤgen, so viel sie wollen, ihre Partei mit ihrem Schweif zu peitschen suchen; es wird ihnen nicht besser damit gelingen, wie es demselben Anhang (also den Radikalen und O'Connell) damit bei uns gelang; wir koͤnnen wohl zversichtlich vorhersagen, daß bloße Partei⸗Gegenstaͤnde eine Zeit lang ruhen werden. Wir bedauern dies nicht, denn Partei⸗Gegenstaͤnde werden nun wesentlichen Interessen den Platz raͤumen; oder vielmehr, diejenigen Interessen, welche die Demarcations⸗Linie zwischen den Parteien bilden, sind die Gegenstaͤnde der Verhandlung geworden. Wir werden nie
Jahre 1829 hat der Graf von
Es ist nun doch beschlossen, daß das
Mecheln bis zur Allee⸗Verte i diese Depesche vor 6 Uhr auf der Post abgegeben werden.
Gohne des D. 8 n dem Namen eines Grafen von Moratalla und Moujon reisen, haben sich in Begleitung ihrer Gouverneure mehrere Tage in un⸗
sen Morgen uͤber Mastricht nach Holland
Struvesche Trinkanstalt kuͤnstlicher
daruͤber klagen, wenn diese Linie immer schmaͤler wird; im Ge⸗ gentheil, es sollte uns freuen, wenn es zu einem Resultat kaͤme, welches nur durch die Annaͤherung unserer Gegner an diejenigen Grundsätze moͤglich waͤre, deren Erfolg der ehrenvollste Triumph fuͤr die Partei bleiben wird, welche dieselben zuerst mie Kuͤhnheit gefoͤrdert hat.“ 8 Die Tories wollen, wie es heißt, ein Kavallerie⸗Corps bilden, und Lord Francis Egerton wird dabei die Initiative ergreifen. Dies duͤrfte aber erst nach der Ernennung Sir R. Peel's zum Minister stattfinden. Schottland und England wuͤrden, wie man meint, von den freiwilligen Truppen der Neomanry im Zaume gehalten werden, und die regelmaͤßigen Truppen Befehl zum Marsche nach Irland erhalten. Die neue Staats⸗Verwaltung will, wie es heißt, um eine Mehrausgabe zu vermindern, das re⸗ gelmaͤßige Heer nicht auf einen hoͤheren Fuß setzen. Die Mor⸗ ning-Chronicle befuͤrchtet Konflikte zwischen den Buͤrgern und Soldaten. Die Vermehrung der Neomanry zu Pferde scheint ihr auch bedenklich. Der Contre⸗Admiral Sir J. A. p. a mit seinem Flaggenschiff „Britannia“, heit dg Lafenshistcg Ho⸗ we“ und „Vanguard“, der Korvette „Hazar und der Dampf⸗ . t, Fpelovs“ von Malta nach der Levante abgesegelt. Diese Fregatte „Cyclops. von 9 he 8 vielleicht auch Kandia Flotten⸗Abtheilung soll Korsu, Athen 89 elle * auch Ke n und andere Orte besuchen, wo le, wie die da 8 a venr 88 meint, einzaen politischen Einfluß ausuͤben duͤrfte. „An der Kuͤste von I Fofagt dies Blatt hinzu, „wird ihre Anwesenheit gewiß Syrihutzen seyn. Ein Brief meldet uns, daß dort Christen durch fanatische Muselmaͤnner ermordet worden seyen. Solche Thatsachen muüͤssen auch die besten Freunde der Pforte gegen dieselbe einnehmen. 8 “ 8. 86 Von Seiten der Persischen Regierung ist nun, wie Englische Blaͤtter melden, Alles geschehen, um fuͤr den dem Britischen Ge⸗ sandten Sir J. Macneill zugefuͤgten C. chimpf die verlangte Ge⸗ nugthuung zu gewaͤhren, und es sind Fermans, nach einer von die⸗ sem Gesandten vorgeschriebenen Form, nach allen Gegenden Per⸗ siens gesandt worden, durch welche der Britischen Gesandtschaft daselbst fuͤr die Zukunft der gebuͤhrende Schutz gesichert ist.
Niederlande. 1
lus dem Haag, 5. Aug. Am 18ten d. M. wird in
Bließingen die feierliche Enthuͤllung und Einweihung des daselbst
dem beruͤhmten Admiral de Ruiter gesetzten Denkmals stattfinden.
Der Minister des evangelischen Kultus, Baron van Zuylen
van Ryevelt, hat gestern in Amsterdam die sechste General⸗Ver⸗ sammlung der evangelisch⸗lutherischen Kirche eroͤffnet.
Ommaney ist am 17. Juli
Belgien. 8 Brüssel, 5. Aug. Der König hat durch Beschluͤsse 29. Juli, in Anerkennung der dem Vaterlande oder der Wissen⸗ schaft geleisteten Dienste, mehrere ausgezeichnete Personen zu Rit⸗ tern des Leopold⸗Ordens ernannt, worunter⸗ Herr Warnkoͤnig, Professor bei der Universitaͤt zu Freiburg im Breisgau, ehemaliger Professor bei den Universitaͤten zu Luͤttich, Lowen und Gent,
8 Ver⸗
fgasser des historischen Werkes aͤber Flandern: „Flandrische Staats⸗
und Rechtsgeschichte“.
Der besondere Eisenbahn⸗Convoi, womit der Koͤnig am 3ten d. von Ostende nach Laeken fuhr, war um 5 ½ Uhr Abends zu Mecheln angekommen. Da der Koͤnig eine wichtige Devpesche nach Paris abzusenden hatte, die auf der Post zu Bruͤssel vor 6 Uhr abgegeben werden mußte, so wurde gleich eine besondere komotive abgesandt; diese legte t in 16 Minuten zuruͤck, und so konnte
7
L
Herr Thiers ist gestern hier durch, uͤber Luͤttich, nach Deutsch⸗ land gereist.
Cadix und Sevilla, welche unter
Lüttich, 5. Aug. Die Herzoge von
Francisco, Infanten von C panien,
serer Stadt aufgehalten. Sie kamen von Bruͤssel und sind die⸗ 2 abgereist. Deutsche Bundesstaaten. m Dresden, 6. Aug. seit 20 Jahren bestehende Tri Mineral⸗Wasser, (deren jetzt darunter eine der juͤngsten, die Vichyquelle, vorzuͤglichen Mutter so vieler aͤhnlichen Anstalten im Aus⸗ zahlreich besucht, indem der groͤßere Theil der Fremden alle Morgen da zusammen⸗ trifft. Ebenso sind die Wasser⸗Anstalten in der Umgegend (in Strehla, Stunde, Kreische 3 Stunden, im Bieber Grunde 6 Stunden von der Residenz), zahlreich besucht von Einheimischen wie von Fremden.
Eine juͤngst hier erschienene Broschuͤre: „Lehrfreiheit und Hoͤrfreiheit. Ein Nothruf der Universitaͤt Leipzig.“ betitelt, erregt bei uns einiges Aufsehen. Sie bespricht mit scharfen, fast bittern Worten allerlei akademische Mißbraͤuche, die mwach der Ansicht des Verfassers ihren Culmingtionspunkt im juͤngsten Erlasse des Uni⸗ versitaͤts⸗Senates findeh, wonach „kein Dozent ein von einem anderen privatim angekuͤndigtes Kolleg gratis oder fuͤr ein gerin⸗ geres Honorar lesen darf“, und „diejenigen Privat⸗Dozenten, welche 2 Jahre lang Vorlesungen angekuͤndigt, aber nicht gehal⸗ ten, nicht eher wieder in den Katalog aufgenommen werden, als bis sie ein Kolleg wirklich zu Stande gebracht und erweislich bveendet haben, wogegen die aus erweislichen Gruͤnden an der An⸗ kuͤndigung von Vorlesungen im Kataloge laͤngere Zeit behinderten Privat⸗Dozenten deshalb das Recht der Ankuͤndigung nicht ver— lieren.“ Was der Verfasser dagegen anfuͤhrt, beruht zum Theil in der Wahrheit, wenn auch die Behauptungen: „der Stu⸗ dent habe dadurch aufgehoͤrt zu eristixen, die akademische Freiheit werde dadurch gestuͤrzt“ und „das Institut der Privat⸗Dozenten muͤsse damit ganz sinken“ etwas uͤbertrieben sind. Denn die alte akademische Freiheit ist schon laͤngst zu Grabe getragen. Die Umstaͤnde, unter denen, die Gruͤnde, weshalb dies geschehen, sind bekannt. Daß das Corpus der Privat⸗Dozenten mit wenig Aus⸗ nahmen stets fuͤr die hoͤhere Wissenschaftlichkeit gearbeitet, ist auch etwas zu viel behauptet, wenn man bedenkt, daß diesel⸗ ben doch immer erst Anfaͤnger in ihrem Fache sind, und daß, wo sich wirkliches Talent, wo sich ein gluͤckliches Bewaͤltigen der Wissenschaft im Ganzen oder der einzelnen Disziplinen zeigt, eine cation, sey es im In⸗ oder Auslande, nicht leicht ausbleibt. Auch in den exakten Disziplinen finden sich unter jenen nur we— nig Ausnahmen, wenig glaͤnzende Lichter, und diese hat man fast alle zuProsessoren ernannt oder nach auswaͤrts berufen. Ein guter Theil der Privat⸗Dozenten lebt von Examinatorien, Repetitorien u. dgl. oder vom literairen Merkantilismus. Schriftstellerische Phaͤnomene gedeihen ziemlich selten. Wenn der Satz des Verfassers: „daß unsere ordentlichen Professoren, mitwenigen Ausnahmen, nicht zu den Thurmleuchten der Wissenschaft gehoͤren, wahr waͤre, so spraͤche
₰‿ Dis
gegen 30, Beifall sindet), die lande, ist auch jetzt
hier sich laͤnger aufhaltenden
vom
dies ganz gegen ihn, da der groͤßte Thei Prosesso⸗ ren in Leipzig erst Privat⸗Dozenten waren. Leugnen laͤßt sich jedoch nicht, daß die wirklichen Professoren durch jenen Senats⸗Erlaß eine Art Monopol erhalten. Denn was der Verfasser von dem formellen Vorzuge bemerkt, den der ordentliche Professor in den Augen des Studenten genießt, ist ganz begruͤndet. 8 Ueberhaupt stellen sich bei naͤherer Pruͤfung der betreffenden Broschuͤre folgende Wuͤnsche heraus, deren Beruͤcksichtigung man wohl wuüͤnschen moͤchte. Die oberste Behörde solle naͤmlich: . b 1) einen 1 — 2 jaͤhrigen rein philosophischen Kursus anordnen, (wie dies in Tuͤbingen der Fall), welchen alle Studirende durchzumachen haͤtten, ehe sie zu den genannten Brod⸗Stu⸗ dien uͤbergehen, damit dem leider immer mehr uͤberhand nehmenden handwerksmaͤßigen Betreiben der akademischen Studien ein Ziel gesetzt werde; fuͤr alle Fakultaͤten eine Examinations⸗Behoͤrde niedersetzen, welche aus Personen bestehe, die dem Gremium der Univer⸗ sitaͤt nicht angehoͤren, wobei die Pruͤfungen oͤffentlich, die etwanigen Probeschriften und dergleichen unter Verschluß er⸗ folgen. Bloß Formelles, z. B. gewisse Disputationen, kaͤme dabei in Wegfall, so wie auch der Eid, den man ruͤcksicht⸗ lich der juristischen Probe-Arbeiten schwoͤren muß, und der in der Praxis Manches gegen sich hat; den Stand der Privat⸗Dozenten materiell unterstuͤtzen, durch Gratificationen, Anweisungen auf gewisse Fonds, Stiftun⸗ gen und dergleichen. Da an letzteren die Universitaͤt sehr reich ist, so wuͤrde dabei nur wenig das Staats⸗Budget belaͤstigt. Es giebt wohl wenig Deutsche Universitaͤten, die an Stiftungen aller Art so reich sind, als die Leipziger; mehr Berufungen von auswaͤrts vornehmen, da allerdings an wahren Leuchten Ider Wissenschaft kein Ueberfluß; es wolle mehrere neue Lehrstuͤhle fundiren, selbst neue Fakultaͤ⸗ ten, z. B. eine der Staatswissenschaften; uͤberhaupt die philo⸗ sophische Fakultaͤt von jenem Mißgeschicke befreien, wodurch sie nicht als eine geschlossene Fakultaͤt erscheint, sondern eher als ein Abzugs⸗Kanal, in welchen Alles hineinfaͤllt, was die uͤbrigen abweisen; die Hoͤrfreiheit den Studirenden dadurch erleichtern, daß alle Vorlesungen, welche belegt werden muͤssen, publice vor— getragen werden, wie dies ehemals der Fall gewesen; die außerordentlichen Professoren nach Verhaͤltniß ihrer Thaͤtigkeit und ihres Talentes besolden und ihnen Sitz und Stimme im akademischen Senate vergoͤnnen. Se. Majestaͤt der Koͤnig wird in 2 Wochen zuruͤckerwartet.
Lo⸗ 8
maͤßer. Die Ministerien des
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die Fahrt von der Station von
Der Hof sieht dann mehreren Besuchen auswaͤrtiger hoher Herr⸗ schaften entgegen. Das Vogelschießen, unser Volksfest, welches bisher mehr schlechtes als gutes Wetter hatte, zieht im Verein mit dem neuen Theater, außerordentlich viel Fremde her, und fuͤr die Eisenbahn duͤrfte diese Woche zu den eintraͤglichsten des ganzen
Herr Kopp opponirte, indem die einfache Aufhebung des Dekrets von 1836 ohne deutliche Borbehalte und Verwahrungen in naͤherer oder fernerer Zukunft gar leicht zu Friede störenden Kollisionen fuͤhren duͤrfte. Mehr denn zweihundert Jahre habe ein Paͤpstlicher Nuntius in der Schweiz residirt, ehe die Badener Konferenz ins Leben getreten, aber eine geistliche Gerichtsbarkeit sey ihm foͤrmlich nie anerkannt geworden. Siegwart: Ihm sey gleichguͤltig, ob man die „Rechte und Landes⸗Freiheiten“ wah ren wolle, jedoch ohne den Beisatz „in kirchlichen Dingen“; denn kirchliche Dinge seyen nur Sache der Kirche, den Staat gehen sie nichts an. Aus letzterem Grunde moͤchte er auch keine Rechte des Bischofs wahren. Wenn der Bischof solche allenfalls ab⸗ treten wolle, so habe sich der Staat nicht darum zu bekuͤm⸗ mern. Alt⸗Schultheiß Vinzenz Ruͤttimann: „Im Geiste ber neuen Verfassung sollen wir trachten, uns soviel moͤglich dem heiligen Vater zu naͤhern und ihm alles moͤgliche Zutrauen zu schenken. Bedauern muͤßte ich jedoch, wenn nun auf einmal alle Rechte, die wir von unsern Vaͤtern ererbt haben, dahin gegeben werden wollten. Wir koͤnnten so uns auch gleich an einen Fuͤr⸗ sten uͤbergeben, statt hier zu sitzen und so lange zu rathen.“ Ruͤttimann von Aesch: „Weil es so große Diskussion giebt uͤber den Nuntius, so glaube ich, man sollte etwas anderes ver⸗ fuͤgen und ein Schreiben an den heiligen Vater machen, und ihn fragen, was fuͤr Rechte er dem Nuntius denn einraͤume, damit man wuͤßte, woran man waͤre.“ immen unter⸗ stuͤtzten Herrn Kopp. “
Zürich, 4. Aug. Seit vorgestern feiert hier die Schweize⸗ rische naturforschende Gesellschaft ihr sechsundzwanzigstes Jahres⸗ fest. Die Versammlung ist aͤußerst zahlreich. Maͤnner, wie Oken und Agassiz, verleihen ihr ihren wissenschaftlichen Glanz. Mon⸗ tag Abends beguͤnstigte ein heiterer Himmel eine Fahrt im Dampf⸗ schiffe nach der schon durch Klopstock's Fahrt zum klassischen Ziele bestimmten Aa. “
Italien.
Florenz, 30. Juli. Zum wuͤrdigen Empfang der Italieni⸗ schen Gelehrten im September werden hier vielfaͤltige und groß⸗ artige Vorbereitungen getroffen. Der Großherzog, bekanntlich selbst dem Studium der Naturwissenschaften sehr ergeben, wird, wie man vernimmt, persoͤnlich den Sitzungen beiwohnen. Er hat, um diese Zusammenkunft noch fruchtbringender sowohl fuͤr Fremde als Eingeborne zu machen, eine allgemeine Kunst⸗ und Industrie⸗ ausstellung in den Saͤlen der Akademie angeordnet. In der Spe cola wird die Statue von Galilei aufgestellt, und eine Medaille von dem Großherzoglichen Muͤnzgraveur Niederoͤst wird zu dieser Gelegenheit verfertigt. Auch sollen mehrere Feten im Schloß und in dem Garten Boboli den Gaͤsten bereitet werden. 8
Nachdem die Entrepreneurs der Eisenbahn von hier nach Li⸗
Jahres gerechnet werden.
Die vom Dr. Noack, Direktor der homdopathischen Heilan⸗ stalt zu Leipzig, in Gips angefertigten plastischen Darstellungen gnatomisch⸗pathologischer Gegenstaͤnde, in der Art, wie sie der Pariser Arzt Dr. Felix Thibert erfand, bis jetzt aber als Ge⸗ heimniß fuͤr sich behielt, sind Außerst gelungen, viel wohlfeiler und Valtbarer als Wachsreliefs, dabei in Farbe besser und naturge⸗ Innern und des öͤffentlichen Unter⸗ richts haben den Ankauf derselben fuͤr die medizinischen Landes⸗ Anstalten angeordnet.
Karlsruhe, 4. August. (K. Z.) Heute Nachmittag um 1 Uhr begab sich eine Deputation der zweiten Kammer der Staͤnde, den ersten Vicepraͤsidenten, Bicekanzler Bekk, an der Spitze, in das Großherzogliche Schloß, um Seiner Koͤniglichen Hoheit dem Großherzog die waͤhrend der ersten Haͤlfte des nunmehr bis zum Spaͤtherbst vertagten Landtags zu Stande gekommenen Gesetz⸗ entwuͤrfe, so wie einige Adressen ehrerbietigst zu uͤberreichen. In letztern wurde die Zustimmung der Kammer zu dem mit der Krone Bayern am 24. April dieses Jahres uͤber die Abtretung des zur Er⸗ bauung des Bruͤckenkopfs von Germersheim auf dem diesseitigen Rhein⸗ ufer erforderlichen Terrains abgeschlossenen Staatsvertrag, sowie die staͤndische Anerkennung der Rechnungsnachweisungen des gesammten Staats⸗Haushaltes und der Amortisations⸗Kasse der verflossenen Budget⸗Periode, und der Nachweisung des Fortganges des Eisen⸗ bahn⸗Baues ausgesprochen. Die überreichten Gesetz⸗Entwuͤrfe be⸗ trafen: a) die Bewilligung eines außerordentlichen Kredites fuͤr das Großherzogliche Kriegs⸗Ministerium von 1,152,937 Fl. 44 Kr. zur Vervollstaͤndigung des Armee⸗Corps und seiner materiellen Beduͤrfnisse; b) die Trennung der Orte Kirchhofen und Ober— und Unter⸗-Ambringen von Ehrenstetten; c) die Verlegung des Rechnungs⸗Termines auf den 1. Januar; d) die Ermaͤchtigung zur Bewilligung des Budgets auf ein weiteres halbes Jahr; c) einige abaͤndernde Bestimmungen uͤber die theilweise Erneuerung der Staͤnde⸗Versammlung und 1) den Hauptfinanz⸗Etat vom 1. Iul- bis 31. Dezember 1841.
Se. Koͤnigl. Hoheit haben saͤmmtliche Gesetz⸗Entwuͤrfe und Adressen huldvoll entgegenzunehmen und hierauf der Deputation
der zweiten Kammer folgende Worte zu erwiedern geruht: „Ich danke Ihnen fuͤr die Bereitwilligkeit, mit welcher Sie die von V Meiner Regierung gemachten Vorlagen erledigt haben, und werde, was die in der Adresse wegen der Eisenbahn ausgesprochenen Wuͤnsche betrifft, hierauf die geeignete Ruͤcksicht nehmen laffen.“ Schweiz. V 1 Luzern, 27. Juli. Der Große Rath hat gestern die Ma⸗- jore Elmiger von Reiden und Wechsler von Willisau als Unter⸗ 1 zeichner der bekannten Adresse der 27 Offiziere (worin diese er⸗ klaͤrten, eventuell nicht gegen Aargau, als Erecutions⸗Truppen in der Kloster⸗Sache, ziehen zu wollen) auf den Antrag des Regie⸗ rungs⸗Raths von ihren militairischen Stellen entlassen. Gegen die uͤbrigen 25 Unterzeichner so wie gegen die seither der Adresse beigetretenen Offiziere scheinen keine
nommen werden zu wollen. Hingegen sollen nun alle Offiziere sowohl des Auszugs als der Landwehr ohne Ausnahme den Eid des unbedingten Gehorsams der neuen Regierung schwoͤren. Die⸗ jenigen, welche den Eid zu leisten verweigern, sollen, dem Verneh⸗ men nach, ihres Offizierranges entsetzt und zu Gemeinen degradirt werden.
Freitags Abends wurde dem durchreisenden Thorwaldsen ein kleines Fest in Tivoli gegeben, zu dessen Hebung die Komposition des anwesenden Herrn Schnyder von Wartensee beitrug. Thor⸗ waldsens Loͤwe wurde bei Beleuchtung besucht.
Der vom Großen Rath angenommene Antrag des Regie⸗ rungs⸗Rathes uͤber Jurisdiction des Nuntius lautet:
„„Wir Praͤsident und Großer Rath des Kantons Luzern. In Folge der §§. 3 und 86 der Staats⸗Verfassung und in Wahrung der anerkaunten Rechte und Verhaͤltnisse zwischen Staat und Kirche — beschließen —. die Schlußnahme des Großen Raths von 1830, wodurch jede geistliche Gerichtsbarkeit von Seite paͤpstlicher Nun⸗ tien in der Schweiz unbedingt als Mißbrauch erklaͤrt wird, sey auf⸗ gehoben.“”“ 18
besonderen Maßregeln vorge⸗
vorno den ihnen von den Actionairen anhaͤngig gemachten Pro⸗ zeß gegen diese verloren, hat man nach Jahre langem Zaudern endlich die ersten Erdarbeiten bei Pisa begonnen, worauf die aus⸗ gegebenen Actien sich auf ihren Nominalwerth zu heben beginnen.
Spanien. MaJoadrid, 29. Juli. Die Deputirten⸗Kammer hat der Re⸗ gierung die verlangte Ermaͤchtigung zur Abschließung einer An⸗ leihe von 60 Millionen Reaglen ertheit. Als Garantie fuͤr Ver⸗ zinsung und Ruͤckzahlung sollen die Einkuͤnfte vom Salz⸗Mono⸗ pol und vom Stempel⸗Papier, erstere zum Betrage von 44 Mil⸗ lionen, letztere von 16 Millionen Realen dienen.
Der Herzog von Vittoria giebt sich den Schein, als ob er die letzte Protestation der Königin mit einer gewissen Gleichguͤl⸗ tigkeit ansehe; dennoch zoͤgert die Regentschaft damit, diese Pro⸗ testation durch den Druck bekannt zu machen. Espartero soll selbst bei dieser Gelegenheit die Aeußerung haben fallen lassen: Ein Blatt Papier mehr!“ Man weiß jedoch, daß die Gleich— guͤltigkeit des Regenten nichts weniger als ernstlich gemeint ist, und daß das Ministerium die Wirkung dieses „Stuͤckes Papier“ fuͤrchtet. In einigen Zirkeln soll man selbst, um dem Aufsehen, welches dasselbe erregen kann, zuvorzukommen, mit dem Ayunta⸗ miento den Plan haben verabreden wollen, eine Volksbewegung hervorzubringen, so daß ein Auto da Fé mit der Protestation vorgenommen werde. Allein das Ayuntamiento ließ sich in nichts ein und hat vor einer solchen, Manifestation gewarnt, weil leicht dadurch die Soldaten und Buͤrger in Zwiespalt gerathen koͤnnten Das ganze Militair hat fuͤr die Garde Partei ergriffen. Den Generalen S. Miguel und Rodil gelang es, fuͤr den Augenblick wieder Ruhe herzustellen, und man spricht jetzt von einem Rund⸗ schreiben, welches der Armee jede Aeußerung dieser Art untersagt. 1. Kuͤsten⸗Wach⸗Felouque „Robinson“ hat das Englische Schiff „Ricardo“, mit Contrebande⸗Waaren beladen, nach Carca⸗ gena aufgebracht. Am 20. Juli zeigte sich das Englische Kciegs⸗ Dampfboot „Izard“ vor Malaga und reklamirte die Freigebung des „Ricardo“; auf die Eroͤffnung, derselbe liege nicht im Hafen von Malaga, schiffte das Dampfboot nach Cartagena, wo jedoch die Anforderung abgewiesen wurde, worauf der „Izard“ sich ent⸗ fernte, mit der Drohung, er werde sich zur Vergeltung Spani⸗ scher Schiffe bemäaͤchtigen und die Bemannung uͤber die Klinge springen lassen. Man ist begierig, zu erfahren, wie diese Kollision enden wird.
Türkei.
Konstantinopel, 21. Juli. (A. Z.) Es haben sich einige Pestfaͤlle im Lazareth ergeben, ja, wie einige behaupten, auch be⸗ reits außerhalb desselben in einem kleinen, an der Asiatischen Kuͤste des Bosporus gelegenen Dorfe. Von dem Gefolge Said Bey's, heißt es, seyen zwei Individuen von der Seuche befallen worden. Nichtsdestoweniger haben die Aegypter alle, sammt dem Enkel des Vicekoͤnigs, freie Pratika; sie bezogen schon vor einigen Tagen den hier fuͤr sie bestimmten Serai. Said Bai ist von dem Großherrn noch nicht empfangen worden und schwerlich duͤrfte ihm schon in naͤchster Woche eine Audienz zu Theil werden, da man bei der Pforte den Enkel Mehmed Ali's wohl mit aller moͤglichen Zuvorkommenheit behandeln, jedoch auf Seite des Groß⸗ sultans kein besonderes Verlangen, ein Mitglied der neuen Aegyp⸗ tischen Dynastie zu sehen, voraussetzen lassen will. Ueber die Mission Said Bey's nach Konstantinopel zerbricht man sich ver⸗ gebens die Koͤpfe: waͤhrend die Einen behaupten, ihr alleiniger Zweck bestehe in der Darbringung einer pflichtmaͤßigen Huldigung des Pascha's an seinen Oberherrn, wobei man zugleich Unter⸗ handlungen zur Ermaͤßigung des Tributs anzukuͤpfen gedenke, wollen Andere mit Zuverlaͤssigkeit wissen, daß es sich nebstdem um eine enge Verbindung aller Osmanli's des Reichs handle, um das Streben der orientalischen Christen nach einer politischen Stellung mit vereinten Kraͤften niederzuhalten, durch zeitgemaͤße Konzessio⸗ nen aber zugleich den herrschenden Geist zu beschwichtigen, da Mehmed Ali die Ueberzeugung hege, daß bald und unausbleib⸗ lich dem Islam eine harte Krile bevorstehe. In einem Sehreiben an Rija Pascha soll Mehmed Ali diesen Puukt be⸗