1841 / 227 p. 3 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

1

ausgesetzt werden muͤssen, da zunaͤchst noch eine naͤhere Ermitte⸗ lung der angefuͤhrten Verhaͤltnisse noͤthig erachtet ist. Wiederherstellung der Gewerkschaftskasse in der Grafschaft Mark. 46) In Bezug auf den Antrag die Gewerkschaftskasse wieder herzustellen, und den Gewerken der Steinkohlengruben der Grafschaft Mark die Mitverwal⸗ tung dieser Kasse und das Recht zuzugestehen, bei Anlegung von Kapitalien, so wie uͤberhaupt bei Verwendung der zur Gewerkschaftskasse fließenden Gelder durch zu waͤhlende Depu⸗ tirte mitzuwirken, lassen Wir Unseren getreuen Staͤnden die anliegende Denkschrift Unseres Finanz⸗Ministers zugehen, wonach die bisherige Verwen⸗ dung der Maßgelder und sonstigen Einnahmen der Bergamts⸗ Kasse genau dem in der Ordre vom 26. Oktober 1755 vorge⸗ schriebenen Zwecke gemaͤß „zu Unterhaltung des Bergamts oder zu sonstigem gemeinsamen Nutzen der Gewerken“ geschehen, die im Jahre 1814 bei der Gewerkschaftskasse befindlichen und da⸗ mals der Bergbau⸗Huͤlfskasse uͤberwiesenen Kapitalien aber durch anderweite Zuschuͤsse, welche die Gewerkschaftskasse ehedem bezo⸗ gen, aufgekommen sind. Wir haben uͤbrigens angeordnet, daß den Gewerken jaͤhrlich eine Vermoͤgens⸗Nachweisung der Berg⸗ amts⸗Kasse mitgetheilt werde, um ihnen Kenntniß von dem Zu⸗ stande der Kasse und Gelegenheit zu geben, ihr Interesse dabei wahrzunehmen. Forderungen des Herzogthums Westphalen und der Grafschaft Witt⸗ genstein a) an Schweden und b) an Oesterreich.

47) Zu a. Was die abermals befuͤrwortete Verguͤtung der Leistungen mehrerer Gemeinden im Herzogthum Westphalen fuͤr die Verpflegung und den Transport Schwedischer Truppen betrifft, so ist bereits in der unterm 13. Februar 1837 von Unserm Staats⸗Ministerium vorgelegten Uebersicht der aus fruͤheren Landtagen noch unerledigten Gegenstaäͤnde dem vorigen

Westphaͤlischen Landtage zu ersehen gegeben, daß nach den uͤber

die fraglichen Anspruͤche stattgefundenen Ermittelungen das Groß⸗ herzoglich Hessische Gouvernement von dem Koͤniglich Schwedi⸗ schen fuͤr die gedachten Leistungen uͤberall keine Entschaͤdigung erhalten hat. Schwedens in Anspruch nehmen zu wollen, ist unthunlich, und es koͤnnen hiernach jene Lieferungen nur in die Kategorie der Kriegsleistungen an vaterlaͤndische und verbuͤndete Truppen ge— stellt werden, fuͤr welche aus jenem Zeitraum (1813 und 1814) eine Verguͤtung allgemein nicht geleistet wird.

Zu b. Ueber die ihrem Ursprunge nach noch aͤlteren An— forderungen, welche aus den in den Jahren 1794 und 1795 statt⸗ gehabten Lieferungen fuͤr Kaiserlich Oesterreichischen Truppen her— geleitet werden, haben die fortgesetzten Verhandlungen mit der Kaiserlich Oesterreichischen Regierung zu der Ueberzeugung gefuͤhrt, daß der Austrag der desfallsigen Abrechnung, bei welcher zugleich die, aus jener Zeit ruͤckstaͤndig gebliebenen Matrikular⸗Leistungen der damaligen Reichslaͤnder mit beruͤcksichtigt werden muͤßten, zu weit aussehend ist, um die Befriedigung einzelner Berechtigter bis zu jenem Zeitpunkte aussetzen zu koͤnnen. Es ist daher zur Feststellung dieser bereits bei den Landes⸗Behoͤrden liquidirten Lei⸗ stungen Einleitung getroffen, und wird wegen Berichtigung der, dar⸗

unter begriffenen Einzelnforderungen, vorerst ohne Ruͤckgriff auf

die wie vorgedacht noch ruͤckstaͤndigen Kriegsmatrikular⸗

Beitraͤge, das Noͤthige alsbald verfuͤgt werden.

Reclamatian von Kunstsachen und historischen Merkwuͤrdigkeiten fuͤr

das Herzogthum Westphalen.

Antrage Unserer getreuen Staͤnde, sie zu autorisi— ren, ihre Reclamation, wegen verschiedener, dem Herzogthum Westphalen angehoͤrig gewesener, nach Darmstadt gebrachter Kunstgegenstaͤnde, historischer Merkwuͤrdigkeiten, Urkunden und Manuskripte, gegen die Großherzoglich Hessische Regierung beim Bundestage oder im Wege Rechtens vor Hessischen Gerichten zu verfolgen, kann nicht entsprochen, doch soll diese Angelegenheit nicht außer Acht gelassen werden.

Nevision der Westphaͤlischen Kirchen-Verwaltungs⸗Ordnung.

49) Was die Schwierigkeiten betrifft, die sich bei der Aus— fuͤhrung der Kirchen⸗Verwaltungs⸗Ordnung herausgestellt haben, so hat sich Unser Minister der geistlichen, Unterrichts⸗ und Medi⸗ cinal⸗Angelegenheiten schon laͤngere Zeit damit beschaͤftigt, die dieserhalb gemachten Erfahrungen zu mel 1 Behoͤrden daruͤber einzuziehen und Vorschlaͤge zu Erlaͤuterungen und Abaͤnderungen vorzubereiten, uͤber die Wir Uns die weitere Beschlußnahme vorbehalten, wobei dann auch die in der gegen⸗ waͤrtigen Petition gemachten einzelnen Antraͤge ihre Erledigung erhalten werden. 1

Was insbesondere die Absonderung des kirchlichen Armen⸗ Vermoͤgens anlangt, so haben Wir bereits durch einen fruͤhern Befehl Unsere Minister des Innern und der Polizei jund der geistlichen ꝛc. Angelegenheiten angewiesen, die Ausfuͤhrung die⸗ ser Maßregel, zunaͤchst durch sachkundige Kommissarien, mit be⸗ sonderer Beruͤcksichtigung der Orts „Verhaͤltnisse vorbereiten zu lassen, bis dahin aber den bestehenden Zustand aufrecht zu er⸗ halten. Die endliche Entscheidung bleibt bis zur genuͤgenden Ermittelung der thatsaͤchlichen Verhaͤltnisse ausgesetzt, und wird das Interesse der buͤrgerlichen wie gleicher Sorgfalt erwogen werden.

Rechte der philosophischen Fakultaͤt der Akademie zu Muͤnster. 50) An den Rechten der philosophischen Fakultaͤt bei de akademischen Lehr⸗Anstalt zu Muͤnster, sowie sie von Unseer hochseligen Herrn Vaters Majestaͤt festgesetzt worden, etwas 18 andern, tragen Wir Bedenken; werden jedoch in naͤhere Er’ zu gung ziehen, inwiefern sonstige Anordnungen, um die Erfuͤllung ihres statutenmaͤßigen Berufs zu foͤrdern, angemessen seyn moöchten.

48) Dem

der kirchlichen Gemeinden mit⸗

1 s

haben Wir gegenwaͤrtigen Landtags⸗Abschied ausfertigen lassen,

auch Höchsteigenhaͤndig vollzogen, und bleiben Unsern getreuent Staͤnden in Gnaden gewogen. 4 GSegeben Sanssouci, den 6. August 1841.

(gez.) Friedrich Wilyelm. Prinz von Preußen. Muͤhler. von Rochow.

Graf von Alvensleben. von Thile.

eerwneren

von Boyen. Rother. Eichhorn.

Graf zu Stolberg.

Zeitungs-Uachrichten. 3 b““ 8 Rußland und Polen.

St. Petersburg, 10. Aug. Großfuͤrst Konstantin ist

Holland unternommenen Reise wieder in Peterhof eingetroffen.

von Ladenberg. von Werther.

Se. Katserl. Hoheit der am 4. d. M. von seiner zur See nacht

Eine solche Verguͤtung jetzt noch von der Krone

Frankreich.

Paris, 11. Aug. Der Messager meldet, das der Muni⸗ zipal⸗Rath von Vordeaux den Antrag eines seiner Mitglieder, daß die von dem Finanz⸗Minister angeordnete Registrirung fuͤr ungesetzlich erklaͤrt werden solle, verworfen habe. Eine tele⸗ graphische Depesche meldet, daß am 7ten d. zu Souillac die Registrirung ohne den mindesten Widerstand wiederaufgenommer worden sey. Dem Moniteur parisien zufolge, haben di

gestern aus Toulouse eingegangenen Berichte die zufriedenstellendsten Die Ablieferung der Waffen von Seiten

Nachrichten uͤberbracht. der National⸗Gardisten wird in diesen Tagen vollstaͤndig beendigt seyn. Der Municipal⸗Rath von Chartres hat den von der angeordneten Zaͤhlungs⸗Modus fuͤr voͤllig gesetzlich erklaͤrt.

Das Ministerium soll endlich zu dem Entschlusse gekommen seyn, von jeder gerichtlichen Verfolgung gegen die Mitglieder des aufgelbsten Munizipal⸗Rathes von Toulouse abzustehen.

Mehrere enthusiastische Legitimisten wollen sich nach Kirch— berg begeben, um dem Herzog von Bordeaux wegen des ihn be⸗ troffenen Unfalls ihre Theilnahme auszudruͤcken.

Boͤrse vom 11. August. Heute wurden wieder ansehn⸗ liche Summen in Franzöoͤsischen Renten zum Verkauf angeboten. Die Geruͤchte uͤber eine gewaltsame Befreiung des Herrn Mac Leod aus dem Gefaͤngnisse von Lockport gaben zu neuen Besorg⸗ nissen wegen eines Bruches zwischen England und den reini ten Staaten Anlaß.

Großbritanien und Irland. Lgondon, 11. Aug. Das neue Parlament enthaͤlt auf 658 nicht weniger als 181 neue Mitglieder. 3

Der hiesige protestantische Verein hielt am Freitag eine Ver⸗ sammlung, woͤrin unter heftigen Ruͤgen des Verfahrens der ka⸗ tholischen Geistlichkeit in Irland waͤhrend der Wahlen, beschlossen wurde, das Parlament in einer Petition zu ersuchen, daß es eine Untersuchung der bei den Irlaͤndischen Wahlen vorgegangenen Gesetzwidrigkeiten und Gewalthaͤtigkeiten anordnen moͤge. Es heißt auch, ein sehr einflußreiches Parlaments⸗Mitglied im Unter⸗ hause habe die Absicht, so bald als moͤglich die Ernennung einer mit der Pruͤfung des Zustandes von Irland zu beauftragenden Kommission zu beantragen, welche vorzuͤglich uͤber die Verletzung der Wahl⸗Gesetze Bericht abstatten solle.

Nach den von Herrn Rowland Hill der statistischen Gesell⸗ schaft mitgetheilten Berechnungen wuͤrde das Post⸗Einkommen fuͤnf Jahre nach Einfuͤhrung des Penny⸗Portos wieder denselben Stand⸗ punkt erreichen, wie vorher, vorausgesetzt, daß die Zunahme der Briefe dieselbe bleibt wie bisher.

Der Russische Gesandte, Baron von Brunnow, ist vor einigen Tagen nach dem Kontinent abgereist.

Auf einige Bemerkungen des Courier frangais uͤber das

viel besprochene Projekt einer Zollvereinigung zwischen Frankreich

und Belgien entgegnet die Morning Chronicle: „Wir glau⸗

ben nicht, daß dieser Entwurf einer kommerziellen Union im Ernste

fordern, als gekitzelte Eitelkeit.“

sammeln, die Gutachten der

Zu Urkunde Unserer vorstehenden gnaͤdigsten Resolutionen ††2 Heingegangen

Sidney gedruckten amtlichen Aktenstuͤcke, die mit, welche dort in den achtzehn Jahren von 1822—39 stattgefun⸗

form. heimniß, naͤmlich das, welche Maßregeln sie in Bezug auf De⸗

schnen Dampfboͤte 300 Seemeilen serisichten

gehegt wird. Jedenfalls kann ein Vertrag, wie der angedrohte, welcher die Bewahrung der noͤrdlichen Graͤnzen Belgiens einem Franzosischen Corps Zollsoldaten anvertrauen soll, nicht im Dun⸗ keln geschlossen werden. Er muß vor jeder ministeriellen Unter⸗ zeichnung in den Belgischen Kammern und in den Franzbsischen Kammern berathen und eroͤrtert werden; und wir glauben nicht, daß, alle Umsteaͤnde beachtet und wohl erwogen, das eine oder das andere Land denselben fuͤr vortheilhaft oder leicht ausfuͤhrbar halten wird. Sein Abschluß duͤrfte allerdings der Eitelkeit eines Franzoͤsischen Staatsmannes schmeicheln, der seinem Lande den Gewinn politischer Vergroͤßerung vorspiegeln koͤnnte; die Majori⸗ taͤt der Franzoͤsischen Kammer wuͤrde aber wohl etwas Solideres

Die Kanadischen Gefangenen in Australien haben Erlaubniß erhalten, nach ihrer Heimath zuruͤckzukehren.

Der Globe theilt einige Auszuͤge aus der kuͤrzlich erschienenen Broschuͤre des jetzt in London befindlichen Professors v. Raumer uͤber die Korngesetze mit, ohne eigene Bemerkungen daruͤber hin⸗ zuzufuͤgen.

London, 10. Aug. Das Dunkel, welches die noch im Amte befindlichen Minister uͤber die Verzoͤgerung oder Erwartung ihres unvermeidlichen Austrittes zu erhalten suchen, wird wohl⸗ erst nach Eroͤffnung des Parlaments verschwinden. Doch duͤrfte die erste Debatte in diesem, naͤmlich die Wahl des Sprechers des Unterhauses, ausnamsweise diesmal zu keiner Entscheidung berech⸗ tigen, da es sehr wahrscheinlich ist, daß auch die Tories dem bis⸗ herigen, der Gesinnung nach, der Whig-Partei angehoͤrigen, wegen seiner voͤlligen Parteilosigkeit aber allgemein geachteten Herrn Abercrombie, ihre Stimmen geben werden. Bei dem tiefen Still⸗ schweigen, das die Eingeweihten beider Parteien behaupten, ist die politische Spannung groͤßer, als seit dem Kampfe um die Re⸗ Denn auch die Tories haben ihr sorgfaͤltig bewahrtes Ge⸗

fizit, Getraide und Handel beabsichtigen. Freilich haͤngt dies auch

vom Ausfalle der Aerndte ab, die bei dem haͤufigen

Regenwetter in großer Gefahr schwebt.

In den Manufakturstaͤdten und insbesondene in Manchester, vaͤchst das Elend unglaublich, da ungeachtet die Preise sogar nie— nriger stehen, als im Jahre 1826, dennoch die Menge der Unbe⸗ di aftigten uͤbergroß ist. Auf dem Euphrat sind zwei unserer ei— hinauf gedrungen, und die fuͤr Verbindungen auf diesem Wege steigen. Sir

Peary Pottinger war Ende Juni durch Aden ins Rothe Meer

passert, und gedachte Anfangs August schon in China zu seyn, um dort den Ober⸗Befehl der Flotte zu uͤbernehmen.

Von bedeutendem Interesse sind die heute aus Hobart Town Nachrichten vom 12. April, denen zufolge das Ent⸗ deckungs⸗Geschwader in den Suͤdpol⸗Laͤndern unter Capitain Roß und Crozier, bis auf 100 Meilen vom magnetischen Suͤdpol, naͤm⸗ lich bis 780 4“ suͤdlicher Breite und 173˙9 12“ westlicher Laͤnge ge⸗ drungen ist, also um vier Grad hoͤher als die Franzoͤsischen und Amerikaͤnischen Entdeckungs⸗Geschwader. Ein 150 Fuß hohes Eisgefilde wurde 300 Seemeilen ostwaͤrts verfolgt, worauf das Geschwaäͤder nach Hobart⸗Town zuruͤckkehrte, nachdem einige Irr— thuͤmer in den Amerikanischen Angaben berichtigt worden waren.

Als auffallenden Beweis der großen und wenig gekannten Gefahr, welche Deutschlands Wollzuͤchtern von Neu⸗Suͤd⸗Walis bedroht, theile ich ihnen aus einem in der dortigen Hauptstadt d Pfunde der Ausfuhr

den hat, und deren allmaͤlige Steigerung in jedem Jahre. 1822. 172,880 1828. 834,343 1834. 2,246,933 1823. 198,240 1829 41,005,333 3,893,927 1824 275,5600 1830. 899,750 ..3,693,241 1825 411,600 1831. 4,401,284 VBEöEE111168 1826. 552,960 1832. 1,515,156 1838. 5,749,376 1827 407,115 18833. 1,734,203 1839 7,213,584

Der Koͤnigl. Prenß. Gesandte, Graf Canitz, wird hier der Mitte des naͤchsten Monats erwartet.

Deutsche Bundesstaaten.

Deßau, 12. Aug. Das seit einigen Jahren hier er⸗ scheinende Mittwochs⸗Blatt, eine nach einem sehr besonnenen Plane trefflich geleitete Lokal⸗Zeitung, enthaͤlt in Nr. 32. vom 11. d. M. den neuen Fahrplan fuͤr die Strecke der Eisenbahn von hier bis Coswig, welche am 18. d. M. eroͤffnet wird, und gleich darauf eine mit sehr klarer Beruͤcksichtigung der Verhaͤlt⸗

nisse des Ortes, ruhig gedachte und gut geschriebene Glosse zu

demselben, die den Zweck zu haben scheint, etwaige schiefe Urtheile uͤber die nothwendige Abaͤnderung des bisherigen Fahrplans zu berichtigen, und ihres Zweckes wohl nicht verfehlen wird. Ein Volksfest aus fruͤherer Zeit ist wieder erweckt worden, die „Lust“ am Drehberge bei Woͤrlitz, und scheint vielen Anklang ge⸗ funden zu haben.

Dauer der Eisenbahnkahrten am 15. August 1841.

Abgang Abgang

Zeitdauer von BerIin LT1

Um 6 ½ Uhr Morgens... 43 1 6 ½ 8 Morgens.. 43 9

11 Vormittags- 42 1 ¹ Nachmittags 44 Nachmittags 40 Abends.. 40 Abends.. 54

Zeitdauer

St.] M.

von Potsdam.

Uhr Morgens... Vormittags-. Nachmittags Nachmittags Abends .. Abends. Abends ...

10

Meteorologische Beobachtungen.

1841.

15. August.

Abends 10 Uhr.

Nachmittags

2 Uhr.

Morgens

6 Uhr.

Nach einmaliger Beobachtung.

335,8 10 Par. + 12,8 9 K. .. +† 10,9° R.

Luftdruck... Luftwärme ... haupunkt’.

336,02 Par. 335,83“ Par. Quellwüärme 8,3 .nt + 22,] Kh. + 15,4 0 R. Flusswärme 14,80 R. + 1 1,1 14,4 0 R. Bodenwärme 15,1 Dunstsättigung 80 pcCt. 62 pCt. 91 pCt. Ausdünstung 0,039 Rh. Wetter heiter. heiter. heiter. Niederschlag 0,101 Rh. Wind W. W. 8 G Wäürmewechsel + 22, 1 Wolkenzug... ““ . + 13,0⁰.

335,89“ Par. + 13,40 R.. +† 12,1 °n. 77 pct. w.

Tagesmittel:

HNerlin 86

Den 16. August 1841.

Pr. Cour. Pr. Cour. Brief. Geld. [Geld.

104¼ 103 ¼ Actien. 101 101 Brl. Pots. Eisenb. 124 ½ do. do. Prior. Act. 102 Mgd Lpz. Eisenb. 4

do. do. Prior. Act. 102

Berl. Anh. Eisenb. do. do. Prior Act. Düss. Elb. Eisenb. do. do. Prior. Act. Rhein. Eisenb.

Gold al marco

Friedecichsd'or

St. Schuld-Sch. Pr. Engl. 0bl. 30. Präm. Sch. der Seebandlung. 80 ¼ Kurm. Schuldv. 102 ½ Berl. Stadt-Obl. 103 103 ½ Elbhinger do. 100 Danz. do. in Th. 48 Westp. Pfandbr. 102 ½ 102 Grossh. 106 Ostpr. Pfandbr.

Pomm. do.

Pos. do. 8— 102 103 ½ 102 102½ des 102½

Kur- u. Neum. do. Andece Goldmün-

zen à 5 Th.

Disconto

Schlesische do.

Auswärtige Börsen.

Amsterd 12. Aug. Niederl. wirkl. Schuld 52. 5⁰ Kanz. Bill. 251⁄5. 5⁰ Spau. 18 ⁄. Passive. 4 12. Auzg. —. Präm. Sch. —. Pol. —. Oesterr. —.

Antw erpen, II. Aug. Zinsl. —. Neue Aul. 18 ⅛.

Frankfurt a. M., 13. Aug. Oesterr. 5⁰, Met. 106 ¾ 0 0 21 0 521 8 9 g. 8 2 ½½ 55 Br. 1% 24¾ Br. Bank-Act. 1911. 1909. zu 500 Fl. 133 ½. 133 ½. Loose zu 100 Fl. —. do. 4 ½ Anl. 102 G. 2 ½⅔ 8 Holl. 50 18. 50 11.

Eisenbahn - Actien. St. do. linkes —.

Zinsl. —. Preuss.

4°, 98 ½ 4. Partial-Obl. —. Loose Preuss. Präm. Sch. 79 ¼ 6. Poln. Loose 72 ¼ G. 5 ½ Span. Aul. 19 ½. 199 Germain —. Versailles rechtes Strassburg -Basel 250 Br.

Usfer —. München-Augsburg —. Leipzi - 2 8-

Dresden 99 ¾¼ Br. Köln-Aachen 99 G.

Hamburg, I4. Aug. Bank-Actien 1580 G. Rngl. Russ. 108. 8 8 à ris, 1I. Aug. 5 8 Rente fin cour. 116. 55. 3 % RHente ün cour. 77. 55. 5 % Neapl. fin cour. 104. 15. 5 % Span. Rente 20 ¼. 3 Port. —.

Wien, 0 1

. 3 Passive 4 ¼.

11 . 6 8 Bak -Actien 1558.

niet. 105 ½. 49 973⅛. Aul. de 1834 131 ¼.

de 1839 104 ½.

Uönigliche Schauspiele.

Dienstag, 17. Aug. Im Opernhause. Die Familien Capu⸗ letti und Montecchi, Oper in 4 Abth., Musik von Bellini. (Dlle. Clara Kruͤger: Giulietta, als ersten theatralischen Versuch. Dlle. Penz, vom Koͤniglichen Hoftheater zu Hannover: Romeo, als Gastrolle.)

Mittwoch, 18. Aug. Im Schauspielhause. Zum Ersten⸗ male: Die Kadetten, Lustspiel in 3 Abth., von A. P. Hierauf: Der Ehestifter, Lustspiel in 1 Akt. Und: Drei Genre⸗Bilder, Scenen in Spanischer, Franzoͤsischer und Deutscher Sprache, von L. Schneider. Die Musik ist komponirt und arrangirt von dem Koͤnigl. Kammermusikus Barnowitz. Tanz von dem Koͤnigl. Balletmeister Hoguet. 1) Der Spanische Contrebandier und seine Geliebte; 2) der Pyrenaͤische Gebirgs⸗Saͤnger und die Be⸗ arnerinn; und 3) Hans und Grete, ausgefuͤhrt in Dialog, Ge— sang und Tanz von Hrn. Schneider und Dlle. Polin. Der Text der Spanischen und Franzoͤsischen Scenen in Deutscher Ueber setzung wird an der Kontrolle ausgegeben.

I .„ . Königsstädtisches Theater.

Dienstag, 17. Aug. Der Talisman. Posse mit C 1 3 Akten, 88 Nesticy. Musik von A. Posseen 8 Mad. Beckmann werden nach ihrer Urlaubsreise hierin wieder auftreten.)

Mittwoch, 18. Aug. (Italienische Opern⸗Vorstellung) Zum erstenmale wiederholt: La Prova di un' Opera seria. (Die Opern⸗ probe.) Opera buffa in 2 Atti. Musica del Maestro Fran- cesco Gnecco.

Preise der Plaͤtze: Ein Platz in der Orchester⸗Loge 1 Rthlr. 10 Sgr. Ein Platz in den Logen und im Balkon des ersten Ranges 1 Rthlr. u. s. w.

Textbuͤcher in Italienischer und Deutscher Sprache sind am

Abend der Vorstellung bei der Kasse zu haben.

Verantwortlicher Redacteur Dr. J. W. Zinkeisen.

Gedruckt in der Deckerschen Geheimen Ober⸗Hofbuchdruckerei. Beilage

Entwickelung des Zollvereins

Großbritanien und Irland.

Lgondon, 10. August. Die Morning Chronicle erklaͤrt, es sey wichtig fuͤr England, in einem Augenblicke, wo mehrere Staaten im Norden von Deutschland auf dem Punkte staͤnden, sich dem D eutschen Zollverein anzuschließen, mit Umsicht und Sorgfalt zu verfahren. Der mittelst des, Einflusses, den Hanno⸗ ver ausuͤben koͤnnte, entgegenzuwirken, wuͤrde sehr ungeschickt seyn.

Die Englische Regierung duͤrfe dieser Entwickelung, die mit der

bffentlichen Meinung in Deutschland uͤbereinstimme, keine Hinder⸗ nisse in den Weg legen, sondern muͤsse vielmehr freundschaftlich handeln, damit der Zollverein den Englischen Interessen nicht feind— selig entgegentrete. Groͤßtentheils haͤnge Alles vom Englischen Zoll⸗ tarif selbst ab, und dieser muͤsse. so umgestaltet werden, daß die Entwickelung des Zollvereins der Englischen Industrie keinen Scha⸗ den verursache. „Der Deutsche Zollverein⸗ „sagt das genannte Blatt, „hat bis jetzt der Englischen Industrie keinen wesentlichen Schaden gebracht; das, Endresultat wird großentheils von den Modificationen abhaͤngen, die wir in unserem Zolltarif vor⸗ nehmen, so wie auch groͤßtentheils von unserem Bestreben, mit der energischen und erleuchteten Regierung Preußens in gutem Bernehmen zu bleiben. Ja, eine Modification unseres Tarifs, das ist es, was, dem sich mehr und mehr erweiternden Buͤndniß der Deutschen Staaten gegenuͤber, im Interesse der Englischen Industrie noth thut.“

Nach dem diesjaͤhrigen Census zaͤhlt Manchester gegenwaͤrtig 308,893, Liverpool 293,983, Birmingham 182,698 und Glasgow 284,676 Einwohner.

In der Kohlengrube zu Thornley bei Sunderland hat eine Explosion stattgefunden, welche neun Arbeitern das Leben kostete und vier schwer verwundete; zwoͤlf Arbeiter, welche sich in der Grube befanden, blieben unversehrt.

Die Witterungs⸗Berichte aus dem Lande lauten noch immer niederschlagend. Am Montage war das Wetter aber schoͤn und der Umsatz in Weizen daher nicht lebhaft, doch behaupteten sich die Freitagspreise vollkommen; Mehl galt 65 Sh. der Sack.

Die Nachrichten aus Kanada sind nicht von bedeutendem Interesse. Es war im Versammlungshause ein Ausschuß ernannt worden, um das Geldwesen zu ordnen, und der deshalb entwor⸗ fene Plan wurde baldigst erwartet. Der General— Gouverneur war voͤllig hergestellt.

Deutsche Bundesstaaten.

Hannover, 12. Aug. In Beziehung auf eine diesseitige Hafen⸗Anlage am Elbstrome hat die dieserhalb angeordnete Unter⸗ suchungs⸗Kommission nach wiederholten gemeinschaftlichen Bera— thungen und genaueren Untersuchungen der dabei in Betracht kommenden öͤrtüůchen Verhaͤltnisse ihren gutachtlichen Bericht im No⸗ vember 1840 dahin erstattet, daß 1) die Verbesserung der Hafen⸗ Einrichtung zu Harburg, um kleineren Seeschiffen, welche nicht uͤber 10 Fuß tief im Wasser gehen, den direkten Besuch dieses Hannoverschen Hafen⸗Platzes moͤglich zu machen, eben so sehr Empfehlung verdiene, wie 2) die Vorrichtung eines Noth⸗Hafens zu Brunshausen, wo an der Ausmuͤndung des Schwinge⸗Kanals mit sehr maͤßigen Kosten die zum sichern Liege⸗ und Anlandungs⸗Platze auch fuͤr große Seeschiffe und zum bequemen Aus⸗ und Einladen von Guͤtern aller Art nothwendigen Vorkehrungen getroffen werden koͤnnen; daß es aber 3) rathsam sey, von dem Plane eines großen See— hafenbaues, zu Harburg oder zu Brunshausen, sowohl der großen Kosten wie des zweifelhaften Erfolges wegen, wenigstens noch zur Zeit, ganz abzustehen.

Vereinigte Staaten von Nord⸗Amerika.

New⸗York, 19. Juli. Die Entscheidung des obersten Gerichtshofes des Staates New⸗York in der Sache Mac Leod's hat verschiedene Vermuthungen in Betreff der definitiven Erledi⸗ gung dieser Frage veranlaßt. Einige sind der Meinung, daß die⸗ ser Fall durchaus nicht vor dem Ober⸗Tribunal der Vereinigten Staaten verhandelt, wohl aber an den Revisionshof des Staates New⸗York verwiesen werden koͤnne, und daß dann, nach dessen Ausspruch, Mac Leod sofort entweder freigegeben oder verhoͤrt wer⸗ den muͤsse. Das hiesige Journal of Commerce tadelt die Entscheidung des hoͤchsten Gerichtshofes von New⸗York und hofft, daß der Revisionshof die Sache in Ordnung bringen werde.

Das fruͤher verbreitete Geruͤcht, daß der Britische Gesandte in Washington, Herr Fox, mit dem Staats⸗Secretair fuͤr die auswaͤrtigen Angelegenheiten, Herrn Webster, in Bezug auf Mac Leod's Angelegenheit ganz einverstanden sey, scheint sich nicht zu bestaͤtigen; wenigstens hat Herr For bisher noch nicht, wie fruͤher behauptet worden war, eine Mittheilung in Bezug auf den Be⸗ schluß des obersten Gerichtshofes von New-York an Herrn Webster gelangen lassen, der alle Besorgnisse vor einem unmittelbaren Frie⸗ densbruche zu beseitigen geeignet waͤre; man glaubt vielmehr, daß er jenen Beschluß aus einem sehr unguͤnstigen Gesichtspunkte an— sehe, und man wollte in Washington wissen, er beabsichtige, noch⸗ mals die Freilassung Mac Leod's in aller Form zu verlangen und, wenn ihm, wie vorauszusehen, eine abschlaͤgige Antwort ertheilt werde, seine Paͤsse zu fordern, um nach England zuruͤckzukehren. Dies wird von Einigen um so mehr erwartet, als auch die An— walte Mac Leod's selbst es fuͤr sehr schwierig halten sollen, seinen Prozeß zu einem guͤnstigen Ende zu fuͤhren. Andere hingegen glauben immer noch, daß Mac Leod werde freigesprochen werden.

Ein Geruͤcht, welches gestern hier in Umlauf kam, koͤnnte, wenn es sich bestaͤtigen sollte, der Streitfrage zwischen England und den Vereinigten Staaten wegen Mac Leod's Verhaftung eine ganz neue und noch viel bedrohlichere Wendung geben. Da⸗ nach sollte naͤmlich vorgestern Mac Leod von Kanadiern mit Gewalt aus seinem Gefaͤngnisse zu Lockport befreit und hinweg⸗ gefuͤhrt worden seyn. Dieses Geruͤcht, welches uͤbrigens in New⸗ York wenig Glauben findet, gruͤndet sich auf folgenden Brief, der angeblich gestern hier von einem Capitain Eustace an einen Herrn Connolly eingegangen seyn soll:

„Lockport, 17. Juli, Morgens 4 Uhr. Wir sind endlich des Krieges gewiß. Vor einer halben Stunde wurde unser Gefaͤngniß, das außerhalb der Stadt liegt, von 3— 400 Kanadiern umzingelt, deren Zweck natuͤrlich die Befreiung Mac Leod's war, und ohne Zweifel haben sie ihre Absicht jetzt schon erreicht. Ich sage ohne Zweifel, denn bis jetzt wissen wir noch nichts Gewisses als die An⸗ kunft des Haufens, die Umzingelung des Gebaͤudes und die Ver⸗ treibung der Gefaͤngnißwache; vor Tagesanbruch wird es nicht moͤg⸗ lich seyn, alle Details zu erfahren. Mittlerweile befinden wir uns in einer solchen Verwirrung und einem solchen Getoͤse, wie ich noch niemals erlebt habe. Alle Glocken laͤuten, das Volk hat sich in Masse erhoben, ijede Pistole, jeder Dolch, jedes Schwerdt, jede Mus⸗ kete im Orte ist in Requisition gesetzt, und heisere Stimmen rufen von allen Seiten her zu den Waffen. Der Expresse, der dies uͤber⸗ bringt, macht sich fertig, um die Staͤdte laͤngs des Flusses in Allarm zu setzen, und es soll, wie ich glaube, ein Haufen bewaffneter Mann⸗

schaft gesammelt werden, um sogleich Wiedervergeltung zu uͤben,

uͤber den See zu setzen und augenblicklich Rache an den Kanadiern

zu nehmen. Die Leute sind, wie man glaubt, uͤber den See Onta⸗ rio gekommen. Ich hoͤre in der Naͤhe des Gefaͤngnisses Schuͤsse

fallen und fuͤrchte, daß wir blutige Arbeit haben werden.

Der Ihrige, in Eile.

1“ W. Eustacec.“

Deer vorstehende Brief war durch Expressen nach Albany ge⸗ schickt worden und dort wenige Minuten vor Abgang des regel⸗ maͤßig von dort nach New⸗York fahrenden Dampfschiffes ange⸗ kommen; die mit dem Dampfschiffe in New⸗York eingetroffenen Passagiere sagen aus, daß auch in Albany das Geruͤcht von der Befreiung Mac Leod's verbreitet gewesen sey, kennen aber keine weitere Details, als der Brief enthaͤlt.

sind, macht auch eine andere Nachricht einiges Aufsehen. Die Bestimmung des Linienschiffs „Delaware“, Commodore Morris, ist naͤmlich veraͤndert worden, und es soll, statt in dem Mittellaͤn⸗

dischen Meere zu stationiren, nach der Kuͤste von Brasilien abge⸗ hen; ein kleineres Schiff, unter Kommando des Capitain Mor⸗ gan, soll dagegen an seiner Statt nach dem Mittelmeere segeln. Das Geruͤcht fuͤgt hinzu, die Ursache dieses Wechsels sey die Moͤg⸗ lichkeit eines Bruchs mit Großbritanien. Indessen scheinen weder der Praͤsident noch Herr Webster ernstliche Besorgniß wegen ei⸗ nes solchen Bruchs zu hegen.

Ferner beschaͤftigt eine Differenz mit dem Paͤpstlichen Stuhle die Presse der Vereinigten Staaten. Vor zwei oder drei Jahren war naͤmlich der Dr. Rees, katholischer Bischof von Detroit, nach Rom beschieden und ihm, als er dort angekommen war, be⸗ fohlen worden, seinem Bisthum zu entsagen. Auf die Weigerung des Praͤlaten wurde derselbe gefangen gesetzt. Die Sache ist gestern dem Koͤngresse vorgetragen worden, und man erwartet, daß der Praͤsident gegen die Verhaftung eines Amerikanischen Buͤrgers wegen Handlungen, die er unter der Jurisdiction der Vereinigten Staaten vorgenommen, ernste Schritte thun werde.

Im Senat zu Washington hat Herr Clay die Bill wegen einer Anleihe von 12 Millionen Dollars beantragt und da⸗ bei erinnert, daß die Ehre und der Kredit des Landes darunter leiden wuͤrden, wenn man nicht zur rechten Zeit Geld bewillige; man habe vor einigen Tagen nur noch 900,000 Dollars im Schatze gehabt, davon seyen seitdem, wie er glaube, schon 300,000 Dollars verausgabt worden. Nach einer langen Diskussion ging die Bill durch ihr erstes Stadium.

Die Berichte uͤber die Aerndte in den Vereinigten Staaten lauten guͤnstig, man verspricht sich einen noch reichlicheren Er— trag als im vorigen Jahre.

La⸗Plata⸗Staaten. Buenos⸗Ayres, 12. Juni. Admiral Brown ist nach dem am 24. Mai auf der Hoͤhe von Montevideo vorgefallenen See⸗ treffen am 6. Juni mit einer Brigg und einer Brigantine nach Buenos⸗Ayres zuruͤckgekehrt, um sich zu verproviantiren. Er will dann das feindliche Geschwader von Uruguay, welches der Com⸗ modore Coe befehligt, von neuem angreifen, und wie man glaubt, duͤrfte ihm dieses, ungeachtet der Niederlage, die es erlitten, und ungeachtet des Verlustes des Kriegsschooners „Palmar“, der mit 42 Mann zu den Argentiern uͤbergegangen war, zum zweiten Male die Spitze bieten. Es soll schon ausge⸗ laufen seyn, um Admiral Brown aufzusuchen. Aus dem Berichte des Commodore Coe uͤber das Treffen vom 24. Mai ersieht man, daß der Verlust seines Geschwaders in einem Capitain, einem Lieutenant, sieben Matrosen und zwei Marine⸗Soldaten an Tod⸗ ten und neun Verwundeten bestanden hat; sein Unter⸗Befehlsha⸗ ber gehoͤrt zu den Letzteren. Eines seiner Schiffe ist am 25sten auf den Grund gerathen und hat abgetakelt

werden muͤssen.

wiclenschakt, Kuntkt und Literatur.

Geschichte der Mark Brandenburg unter Joa⸗ chim I. u. II. von Dr. A. Zimmermann, Professoi am Friedrich's⸗Werderschen Gymnasium. Ber⸗ lin 1841, bei Ferdinand Duͤmmler. 326 S. 8.

Joachim I. samt Albrecht, Erzbischof von Mainz, und Joa⸗ chim lI. samt Hans von der Neumark, zwei merkwuͤrdige Bruͤder⸗ paare in dem Wendepunkte großer Welt⸗Begebenheiten, werden stets die Aufmerksamkeit der Geschichtfreunde auf sich ziehen. Drei von diesen Fuͤrsten sind, im Zusammenhange mit der vaterlaͤndischen Ge⸗ schichte und auch besonders, von der historischen Betrachtung nach Verdienst gewuͤrdigt worden; Albrecht, Erzbischof von Mainz und von Magdeburg, harrt leider noch beinahe ganz der umfassenden Wuͤrdigung, obgleich er fuͤr den befaͤhigten und ausdauernden For⸗ scher, der das psychologische Interesse mit dem kirchenhistorischen, mit dem allgemein wissenschaftlichen und mit dem artistischen zu ver⸗ einigen verstäͤnde, einen lohnenden Stoff darbietet. Indessen bleiben die drei regierenden weltlichen Fuͤrsten fuͤr die heimathlichen histori schen Kraͤfte immer noch ein wuͤnschenswerther Gegenstand, und Herr Professor Zimmermann, dessen Geschichte der maͤrkischen Stäaͤdte-⸗Ver⸗ fassungen durch fleißige Benutzung der Quellen, durch gewissenhafte,

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vorurtheilsfreie Unbefangenheit in der Darlegung der Thatsachen und durch einen gewandten Vortrag die gerechte Anerkennung erworben, war ganz im Rechte, sich auch an dem neuen Gegenstande zu versu⸗ chen, und die billige Kritik wird auch diesmal Forschung, Gesinnung, Darstellung zu ruͤhmen haben. Joachim I., Kurfuͤrst, welchen der große Koͤnig (in seiner Ab⸗

handlung von den Sitten) den Leo den Zehnten von Brandenburg nennt, reformirte das soziale Leben seines Landes, wie sein Sohn die Kirche. Schon als Juͤngling (denn er war noch nicht ganz funfzehn Jahre alt*), als er den 9. Januar 1499 zur Regierung kam, zeigte er sich unerschuͤtterlich in seinen Fuͤrstenpflichten, rottete die Raͤube⸗ reien aus und fuͤhrte den Adel seines Landes hin zu segensreichem Wirken: die Staͤdte schraͤnkte er in ihrem Umsichgreifen ein und reformirte sie. So sorgte er fuͤr die Wohlfahrt Aller, indem er seinem Scepter Ach⸗ tung, Ansehon, Nachdruck gab und, durch Gruͤndung eines eigenen Kam⸗ mergerichts in Berlin (1516), Recht und Gerechtigkeit in Anerkennung brachte. Dies Alles wird uns aufs neue dargebracht. Auch des Kur⸗ fuͤrsten Theilnahme an den Angelegenheiten des Deutschen Reichs, sein Familien⸗Leben und seine haͤuslichen Verdrießlichkeiten, seine Liebe zu den Wissenschaften und sein Umgang mit dem gelehrten Abt Tritheim, der die Mußestunden des Regenten schmuͤcken half. Dem Krieges⸗Lorbeer strebte Joachim I. eigentlich nicht nach⸗ dennoch sorgte er fuͤr die gegenwaͤrtige und fuͤr die zukuͤnf⸗ tige Vergroͤßerung des Stagts, und wenn die unparteiische Geschichte ihn mehr, als vielleicht zeitgemaͤß, ob auch (ihm bewußt oder unbewußt) politisch gut war, fuͤr den alten Glauben eifern und die Juden, welche sein Erbe wieder aufnahm, auszuwandern noͤthigen sieht, auch sonst noch dies und jenes minder lobenswuͤrdig an ihm

») Geboren den 21. Februar 1484.

Neben den Geruͤchten, die in Betreff Mac Leod's in Umlauf

wir doch mit großer Hochachtung von ihm. Kur⸗ fuͤrst Joachim 1. starb in der Bluͤthe seines Mannes⸗Alters, den 11. Juli 1535. Er hatte viel fuͤr die Monarchie gewirkt und, in⸗ dem er 36 Jahre hindurch das ganze politische und kulturhistorische Leben seines Volkes umgestaltet, unwillkuͤrlich der Reformation der Kirche eben so ruͤstig vorgearbeitet, als er ihren Eintritt in die Mark Brandenburg verhindern wollte, wo sie bei seinem Tode schon fast allgemeine Anerkennung fand. Darum geschah nun, was durchaus zeitgemaͤß war, durch seinen Sohn, der sich besonnen an die Spitze der kirchlichen Bewegung stellte und sie, welche den Staat zu einer Macht vom ersten Range emporheben half, leitete. Joachim der Zweite, wie sein Bruder Hans, der die Neumark erbte und allein regierte, hochbegabt von der Natur und trefflich aus⸗ gebildet, war nicht so entschiedenen Charakters, wie dieser Fuͤrst, und gewagten Schritten weniger geneigt. Darum blieben die Bewerbun⸗ gen der evangelischen Fuͤrsten um seinen Beitritt ohne unmittelbare Folgen, und Markgraf Hans gab der Glaubens⸗Reinigung in sei⸗ ner Neumark zuerst die oͤffentliche Anerkennung. Fuͤr die Kurmark halfen die alten und die neuen Erbverbindungen die Einfuͤhrung der neuen Lehen foͤrdern, so wie der merkwuͤrdige Bund mit Liegnitz (1537) endlich zu dem Besitz von Schlesien fuͤhrte, dessen Jubelfest wir un⸗ laͤngst gefeiert haben. Mit gebuͤhrender Umstaͤndlichkeit wird das ganze Kirchenwesen recht an seiner Stelle abgehandelt, und so wie der Kurfuͤrst hier die eine starke Wurzel seines Nachruhms hat, so wird ihm auch die andere, die erstrebte und 1563 den 4. Maͤrz durch den ersten Lehenbrief erlangte Anwartschaft auf das Herzogthum Preußen, ganz besonders anzurechnen seyn. Die Reformation und die (1569 den 9. Juli) mit dem Herzoglichen Titel und Wappen von Preußen gewonnene Gesammtbelehnung uͤber dieses Land waren der großen Freudenfeste allerdings werth, die er ihnen widmete, und der Gedaͤcht⸗ nißmuͤnze, welcher die gleichzeitigen Chronisten gedenken und von welcher sich unlaͤngst ein Exemplar wieder gefunden hat *): sie zeigt auf der Hauptseite, in einem viereckigen, unten zugespitzten Schilde⸗ welcher der Laͤnge nach getheilt ist, rechts das Kurfuͤrstliche Scep⸗ ter, links den Brandenburgischen Adler, daneben die kleine Jah⸗ reszahl 69 getheilt; auf der Ruͤckseite findet sich der Preußische Ad⸗ ler mit Kleestengeln versehen, die gekroͤnte Chiffer S. A. (Sigis⸗ mund II. August) auf der Brust tragend; die Umschrift heißt: „Moneta Nova Elect. Brandenb. Ducis Dr ussie.,“ Viel⸗ leicht haͤtte die Geschichte der von Polen erlangten heilbringenden Mitbelehnungen uͤber Preußen nach Dogiel, Codex regni Poloniae. T. 4. genauer gegeben werden sollen, als S. 185 geschieht. Nachdem so von den aͤußeren Angelegenheiten Joachims II. in Bezug auf Staat und Kirche, und von der durchgefuͤhrten Refor⸗ mation selbst, bis an das Lebensende des Kurfuͤrsten (den 3. Januar 1571), die Rede gewesen, holt der Herr Verfasser das haͤusliche Le⸗ ben des Regenten, seinen Briefwechsel mit seinen beiden Gemah⸗ linnen und die moralischen Schattenseiten desselben nach. Auf wel⸗ chem Wege die eine uneheliche Tochter von der Anna Dietrichs geb. Sydow die Standeserhoͤhung zur Graͤfin von Arneburg erlangt, waͤre eine willkommene Aufklaͤrung gewesen, da bekanntlich erst mit Kurfuͤrst George Wilhelm die Anerkennungen Kaiserlicher Adels⸗ briefe, nicht schon die eigenen Ertheilungen anfangen. b Der Herr Verfasser spricht dann von der Vergroͤßerung des Lan⸗ des und voͤn dessen wohlthaͤtiger Verwaltung, von dem Justiz⸗ und Finanzwesen, auch von den Landes⸗Schulden, wobei man eine selbst nur sehr ungefaͤhre Angabe der Landes Einkuͤnfte, des Areals und der Einwohner Zahl mit Dank empfangen haͤtte, um sich von den Gesammt⸗Kraͤften des Kurfuͤrstenthums auch nach dieser Seite hin ein Bild zu schaffen. Daß die Staats⸗Beamten: die Kanzler Wein⸗ leben und Dystelmeyer (wie er sich selbst geschrieben hat), auch Tho⸗ mas Mathias und Andere hervorgehoben werden, ist sehr wohlgethan. Bei dem Dr. Christoph von der Strassen, Professor in Frankfurt an der Oder, verdiente bemerkt zu werden, daß er es gewesen, welcher⸗ als Koͤnig Ferdinand den 18. Mai 1546 die Freitag nach St. Galli, den 19. Bktober, 1537 geschlossene Brandenburgisch⸗Liegnitzische Erb⸗ Verbruͤderung fuͤr unguͤltig erklaͤrt, mit Zuziehung von Notarius und Zeugen, auf der Stelle, zu Breslau, oͤffentlich protestirt. Dabei, und in der ganzen Sache, haͤtten die 1740 in Berlin und Wien erschiene⸗

findet, so scheiden

nen diplomatischen Schriften, der neunte Band von F. B. von Buch

holtz Geschichte der Regierung Ferdinand's des. Ersten. S. 203, auch das treffliche Buch von v. Lancizolle, Geschichte der Bildung des Preußischen Staates. Bd. I. S. 648 benutzt zu werden verdient, wel⸗ ches auch bei allen aͤhnlichen Abschnitten haͤtte zu Rathe gesogen werden sollen. Bei dem Artikel uͤber die Landraͤthe, S. 277, haͤtte die gruͤndliche Abhandlung von G. W. von Raumer in dem Politi schen Wochenblatte, Dezember 1832, Nr. 51. 52. benutzt werden

koͤnnen.

Daß der Herr Verfasser das Staͤdtewesen, das buͤrgerliche Ge werbe, den Handel und Alles, was sich unter dem Namen der Kul⸗ turgeschichte zusammenfassen laͤßt, wohl beachten wuͤrde, ließ sich von seiner besonderen Staͤcke auf diesem Felde wohl erwarten.

Auf jeden Fall wird hier die Geschichte zweier wohlthaͤtiger Re genten um einen tuͤchtigen Schritt gefoͤrdert und dem belehrenden Genusse des groͤßeren Publikums naͤher gebracht: der reiche Stoff wie wir ihn im Großen und Ganzen angedeutet haben, tritt in ge wandter Sprache leicht hervor, und saͤhe man nicht an den zabl reichen, mit großer Sekonomie gegebenen Noten, daß wir ein muͤh⸗ sam aus den Quellen, fuͤr Joachim den Zweiten mit schaͤtzbaren neuen, wenn auch nicht erschoͤpfenden Archiv⸗Nachschriften geziertes Buch vor uns haben, so moͤchten wir meinen, es sey auf ein popu⸗ laires Lesebuch abgesehen gewesen; ja, der Herr Verfasser duͤnkt uns wohl befaͤhigt, eine Brandenburgische Geschichte zu geben, welche den in seiner Zeit sehr geschaͤtzten Gallus uͤberfluͤssig machte, der hier und da im Vortrag sich nicht ganz gemessen und wuͤrdig haͤlt, auch den ernsten Anforderungen an tieferer Quellenforschung nicht mehr genügt. Allerdings gehoͤrt zu solchem ernsten Werke Zeit und Muße, wie sie dem Talente nicht immer zu Gebote stehen.

Nachdem wir uns beflissen, den Werth der Schrift des Herrn Professor Zimmermann im Allgemeinen darzulegen, wuͤßten wir we⸗ nigen Ansichten ganz zu widersprechen. Einige Bedenken wird es bei solcher Arbeit immer geben. Die populaire Sprache haͤtte viel⸗ leicht hier und da durch gewaͤhltere Ausdruͤcke noch gehoben werden koͤnnen; daß z. B. S. 95 Joachim II. sich in seiner neuen Stellung orientirt und S. 127 der neue Kurfuͤrst von Sachsen Kollege Moritz genannt wird, will uns nicht gefallen, obwohl wir wissen, daß der Ausdruck Kur⸗Kollegium uͤblich ist. 1 Seite 5 vermissen wir den von uns oben beigebrachten Tag, an welchem Kurfüuͤrst Joachim I. zur Regierung gekommen; S. 20 ist Joachims 11. Gebuͤrtstag auf den 9. Januar (nach gleichzeitigen Stammbaͤumen richtig), S. 79 aber auf den 14. Januar 1505 ange⸗ setzt; S. 12 ist die zweite Note ausgefallen, welche sich durch Note 3 von S. 74 wird ersetzen lassen; bei der Prinzessin Barbara steht, S. 208, der Tag der Geburt, das dazu gehdrige Jahr (1527) fehlt; S. 299 sind Notetz und Netze als zwei Fluͤsse aufgefuͤhrt; Notetz i aber der Polnische Name von Retze; statt Spernberg ist S. 300 Spe⸗ renberg lesen. Ueberhaupt hat der Korrektor seines Amtes nicht so treu gewartet, wie das, ganz besonders bei historischen Schriften, durchaus unerlaͤßlich ist. K 8

Dem Herrn Verleger gebuͤhrt Anerkennung, daß er immer aufs neue der vaterlaͤndischen Geschichte seine Huͤlfe leistet.

8

*) Herr Dr. Koͤhne, welcher diese seltene Muͤnze unlaͤngst aufge⸗ funden, hat sie in seiner Zeitschrift fuͤr Muͤnz⸗, Wappen⸗ und Stegel⸗

Kunde Bd. I. Heft 2. Tafel 3. abgebildet.