1841 / 237 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung, Fri, 27 Aug 1841 18:00:01 GMT) scan diff

so verband er sich die alten Tories und hatte auch die Reformer

8 nicht gegen sich. Indeß sollte die Sache bald anders kommen;

die neutrale Stellung ward nach dem Tode Lord Lr.vg9 7 Jahre 1827 unmöglich. Canning verband sc 5 I 2e9 ge; der große, gefeierte, populaire ee e. haft 4 üe⸗ 8 8 formen das Interesse der gesammten Menschheit n. luge ehie t, war kein Charakter fuͤr den ruhigen und kalten Peel, dleser d aus dem Ministerium, nehm erst auf der neutralen Bank Plaß und ward endlich Fuͤhrer dor Toryistischen Opposition, ohne jedoch deren Thorheiten anzunehmen. Deshalb konnte er sehr wohl nach Canning's Tode in das Ministerium Wellington eintreten und seiner alten Stellung getreu bleiben z er war der Pendel der Toryisti⸗ schen Uhr geworden, der den Takt in ihre Triebkraͤfte brachte und die Stunden zaͤhlte, welche die nothwendigsten juridischen Refor⸗

men herbeifuͤhrten. Nur das fatale Irland ließ sich nicht nach

der Uhr regieren, sondern stuͤrmte heran mit seiner Emancipations⸗ Frage. Sir Robert haͤtte wohl am liebsten dieses Gewitter ver⸗

g. 8 . e mieden, aber da es heraufgezogen war, bewies er sich als ein tuͤch⸗

tiger Pilot und erklaͤrte sich fuͤr die Emancipation. Von dem Augenblicke an verloren die kirchlichen Tories ihr volles Vertrauen zu ihm, er ward damals Verraͤther, Apostat, Papist betitelt, die Universitaͤt Oxford sagte sich von ihm los, die Whigs und die Ultra⸗Tories verbanden sich gegen ihn und Wellington, die Juli⸗ Revolution stuͤrzte ihn. Dennoch hatte er gerade seine Kraft und Hoͤhe der Gesinnung im Streite bewaͤhrt, er ging gestaͤhlt aus diesen Kaͤmpfen als Mann hervor. Man muß gestehen, seit der Zeit der Reform⸗Bill kann man auf ihn den Spruch anwenden: Victrix causa Dis placuit, sed victa Roberto! Er reichte den vernichteten Ultra⸗Tories die Hand und sammelte sie zu seiner Partei der Konservativen, der er Namen und Lebens⸗Odem ge⸗ geben hatte; wie fest, ja starr bewies er sich 1839, als ihm die Koͤnigin den Auftrag gab, ein neues Kabinet zu bilden, bis in die Kammern des Koͤniglichen Palastes wollte er seine Autoritaͤt gel⸗ tend machen. Peel ist der Mann der Autoritaͤt in England ge⸗ worden, alle guten und uͤblen Seiten einer stehenden Groͤße kleben ihm an; er versteht alle Staats⸗Geschaͤfte, Politik, Finanzen, Le⸗ gislation, Administration, er in seinen umfassenden Kenntnissen, thatsaͤchlich zu Werke gehend, ohne Leidenschaft, ist vielleicht der eeignetste, um die Geschaͤfte eines großen Landes zu leiten. Er ist kein Redner, der klassische Reden haͤlt, er spricht nur einfach, klar, methodisch, bisweilen geradezu, aber stets ohne das gesammte Haus zu begeistern; thaͤte b er waͤre nicht Sir Robert Peel; er leitet, fuͤhrt zuruͤck auf den wahren Punkt der Debatte und belehrt, meist mit vielem Selbstgefuͤhl des bewußten Ich. Peel ist aber der Mann, der Konzessionen machen kann, ohne sich etwas von seiner Wuͤrde zu vergeben; er hat das kalte Blut, das dazu gehoͤrt, wenn ihm auch die freie und ungetheilte Energie sehlt, der Schwung des Geistes, der ihn zum Genius seiner Na⸗ tion erheben wuͤrde.

Lord Stankbey ist der direkte Gegensatz zu Sir Robert aͤltester Sohn des Grafen von Derby, Erbe eines der ahnenreich⸗ sten Namen. Feuer, Leidenschaft, Ungestuͤm, bisweilen Verwegen⸗ heit zeichnen ihn aus. In ihm haben wir einen wahrhaften Im⸗ provisator, aus dem der Augenblick spricht und der deshalb mit

dem gefluͤgelten Worte, auf den Schwingen des Sturmes seiner

schlagenden Rede, seine Anhaͤnger zu dem lautesten Enthusiasmus fortreißt, waͤhrend er die Gegner mit dem Stolze eines Coriolan beißend zerschmettert. Seinen Gesinnungen nach Aristokrat, seiner Abstammung und Erziehung nach Whig, durch Reisen gebildet und deshalb den liberalen Ideen nicht eben feindselig, verließ er die angeborene Partei, nachdem er Mitglied der Administration Canning's und 1831 des Ministeriums Grey gewesen war. Man muß ihn sehen, ruft Duvergier aus, wie er, hoch von Gestalt, mit festem und durchbohrendem Auge, mit bleichem Gesichte gegen O'’'Connell und das Ministerium Sarkasmen und Verachtung schleudert. Wohl kann man vermuthen, daß er bei aller Reinheit und Strenge seiner Sitten einen ungezuͤhmten Ehrgeiz besitzt. Als er noch sehr jung in das Unterhaus eintrat, setzten die Whigs bald die feurigste Hoffnung auf seine Talente, man glaubte in ihm einen zukuͤnftigen Premier⸗Minister zu erkennen. Im Jahre 1827 unter Canning ward er Unter⸗Staats⸗Secretair und blieb den Whigs getreu, als diese sich vor dem Herzog von Wellington zuruͤckzogen, 1830 ward er unter Grey Staats⸗Secretair von Irland, welches Amt er jedoch bald gegen das eines Ministers der Kolonieen vertauschte. Ueberall war er nur thaͤtig, energisch, bei der Hand; er nahm Theil an der Reform, an der Reduction der Bisthuͤmer in Irland, an der Umwandlung des Zehnten in die Grundtaxe, an der Aufhebung der Sklaverei, die er sogar die Ehre hatte, vor das Parlament zu bringe 1; aber 1833 erhob sich die famose Frage uͤber die Appropriation, d. i. ob die Kirchenguͤter der Kirche als eigen gehoͤrten, oder nur wie ein uͤbertragenes Fideikommiß anzusehen waͤren, das, wenn die Beduͤrfnisse der Kirche befriedigt sind, auch zu anderen politischen Zwecken ver⸗ wandt werden koͤnne, z. B. zum Unterricht des Volkes. Hier

wollte Stanley eine absolute Berneinung dem radikalen Prinzip entgegensetzen, er veruneinigte sich mit der Mehrheit seiner K olle⸗ gen trat aus dem Ministerium und zog den Herzog von Rich⸗ mond, Lord Ripon (Goderich) und Sir James Graham nach sich. Lord Stanley ward sehr zuvorkommend mit lebhaften Acclamationen von den Tories empfangen; der Weg zu den Vols⸗ kern war nicht mehr weit, obwohl er anfangs eine Zwischenpartei zu bilden suchte, die einmal die gemaͤßigten Tories mit den gemaͤ⸗ ßigten Whigs verbinden koönnte. Noch stand er fest, als Sir R. Peel aus Italien kam, um ein neues Kabinet zu bilden; er ver— weigerte einzutreten, aber er nahm im Hause jetzt die Protection der Tories gegen die Whigs auf sich. Erst nachdem Melbourne auf den Armen der Liberalen zur Hdhe der Regierung getragen war, entschied sich der Abfall; seine damalige Stellung war auch

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wirklich eine unhaltbare; er saß auf den Baͤnken der Whigs und stimmte gegen sie, ihr gerechtes Murren begleitete jede seiner Re— den; eines Tages, als dieses Murren einen heftigen Charakter angenommen hatte, nahm . seinen Hut vom alten Sitze und pflanzte ihn unter dem Beifallsruf der gesammten Kammer, an die Seite Sir R. Peeb's anf. Noch bei seiner damaligen Wahl fuͤr Nord⸗Lancashire hatte er erklaͤrt: „Ich kenne kein Ende und keine Graͤnze fuͤr vernuͤnftige und gesunde Ver⸗ besserungen, ausgenommen da, wo die Reform an⸗ faͤngt in Destruction auszuarten.“ Aus der gesamm⸗ ten Mittels⸗Partei, die Stanley geschaffen, folgte ihm allein Sir James Graham, einst fast ein Radikal,

Land⸗Edelmannes und jetzt als

Sehen wir uns nun nach den Stuͤtzen und Talenten der Tories im Oberhause um, so begegnet uns zuerst die Fahne, um die sie sich schaaren, der Herzog von Wellington; er ist kein politisches Genie, kein Redner, kein Staatsmann erster Groͤße, aber er ist eine Macht. Das ist gerade das Eigenthuͤm⸗ liche in der Englischen Constitution, daß sich Autoritaͤten bilden auch ohne sehr reich oder große Talente zu seyn, durch gesunden

8 dann Lord der Admi⸗ ralitaͤt unter Grey, dann seit 1835 Vertheidiger der Hochkirche, der wahre Typus eines Englischen geschickter Redner ein heftiger Tory.

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Sinn und Verdienst fuͤr das Vaterland. Wellington waͤre im⸗ mer im Oberhause eine Macht gewesen, auch wenn er nie ins Ministerium eingetreten waͤre. Als er es im Jahre 1828 dennoch that, fing der alte Feldherr zum Erstaunen der Welt ganz kom⸗ fortable an, uͤber politische Fragen zu sprechen und brachte we⸗ nigstens den gesunden und klaren Sinn aus seinem militairischen Genie mit zur Administration; aber Wellington ist alt und krank, und man zweifelt mit Recht daran, ob er jetzt noch persoͤnlich an den Geschaͤften Theil nehmen wird. Der wahre Chef der To⸗ rypartei im Oberhause ist Lord Lyndhurst, einst Sir John Copley. Weniger noch als Sir Robert Peel, gehor Lord Lyndhurst durch Geburt der Aristokratie an, sein Vater war ein unbekannter Hand⸗ werksmann der City, und man wunderte sich gewaltig in den letzten Jahren, daß ein solcher novus homo die Kammer der Lords fuͤhren koͤnne, aber die Englische Aristokratie hat ihren ge⸗ sunden Sinn nicht so durch den Rost der Vorurtheile verdunkelt, daß sie nicht Jeden mit offenem Arme aufnaͤhme, der ihr geschickt dient. Sir John Copley hat jedoch nicht immer der Aristokratie gedient, man spricht noch von einer Reise, die er nach Frankreich zur Zeit der großen Revolution unternahm, um im Namen eines Klubs mit den Französischen Ideen zu fraternisiren. Allmaͤlig aber erkaltete diese Gluth immer mehr und mehr, bis der letzte Funke verglommen war. Noch im Jahre 1727 gehoͤrte Sir John zur Überalen Fraktion des Ministerium Liverpool und ward dann von Canning trotz eines Streites mit diesem zum Lord und bald darauf zum Kanzler erhoben. Dies blieb er bis 1830 als Lord Grey Premier⸗Minister wurde. Herr einer beweglichen Be⸗ redsamkeit und einer maͤchtigen und geschlossenen Dialektik kam er nun jeden Abend, immer ruhig im Aeußern, um sein unbarm- herziges Wundmesser an die ministeriellen Maßregeln und Per⸗ soͤnlichkeiten zu legen. Er hat oft mit seiner schneidenden Logik mehr Galle in eine Session gebracht, als noͤthig war fuͤr eine ganze Sitzung, er ist es, der uͤber Irland die unklugen und kalten Worte geschleudert hat, deren sich O'Connell jetzt als Schwerdt bedient, „diese Fremden durch Blut, Sprache und Religion.“ Uebrigens ist er ein Mann von hoher Faͤhigkeit, ein tuͤchtiger Ju⸗ rist und ein geborener Kanzler. 8 4

Lord Aberdeen, der ohne Zweifel, wie schon oͤfters, die auswaͤrtigen Angelegenheiten uͤbernehmen wird, hat sich den Ruf eines geistvollen und geschickten Diplomaten erworben. Wie man sagt, hat er die neue Politik des Lord Palmerston durchaus ge⸗ billigt und wird in dieses Meisters Fußstapfen treten. Der Herzog von Richmond wird vielleicht Vice-Koͤnig von Irland, Lord Ripon aber wird gewiß nicht wieder Lord Goderich; wenn er auch jetzt gerade als tuͤchtiger Finanzier wieder hervertreten koͤnnte.

Dies sind die Persoͤnlichkeiten, die, aller Wahrscheinlichkeit nach, das kuͤnftige Kabinet bilden werden. Sind ihre Talente hinrei— chend, um die ihnen entgegenstehenden Schwierigkeiten uͤberwin⸗ den zu koͤnnen? An der Spitze ihrer Gegner steht die Koͤnigin, schon seit ihrer Thronbesteigung den Whigs guͤnstiger, als den To⸗ ries; sie bewahrte indeß bis zur Krisis von 1839 eine intermediaire Stellung, damals aber nahm sie mit ihrer festen und fast leiden- schaftlichen Entschlossenheit, die sie auszeichnet, offen die Rolle ei— ner Feindin der Tories, einer Beguͤnstigerin der Whigs an. War es allein die Affaire wegen der Kammerdamen, die dies bewirkte? Das wissen Sir R. Peel und Lord Melbourne am besten; Alles, was man weiß, ist, daß an dem Tage, als das letzte Tory⸗Kabinet zusammenbrach, Sir Robert lange Zeit allein mit der Koͤnigin blieb, und daß sich die Koͤnigin nach dieser Audienz aͤußerst ani⸗ mirt zeigte. Sir Robert hat uͤber den Grund geschwiegen; es ist klar, daß das Votum der Tories bei der Dotation und der Rang⸗Bestimmung des Prinzen Albert noch die Kluft zwischen der Koͤnigin und ihnen vergroͤßern mußte. Geschaart um den Namen der Koͤnigin steht im Unterhause die liberale Opposition der 300 Stimmen, obwohl man bemerken muß, daß, so schwierig es seyn wuͤrde, gegenuͤber einer solchen kompakten Masse von Gegnern die Regierung zu fuͤhren, doch Sir Roberts Majoritaͤt keine ephe⸗ mere ist, sondern in den wohlhabendsten und machtvollen Klassen des Landes wurzelt; selbst die Staͤdte und Flecken von England haben heute den Tories 15 Stimmen mehr gegeben als 1837. Was wird aber Sir Robert mit den drei wichtigen Monopol⸗Fragen anfangen. Er hat sich bis jetzt durchaus nicht gebunden. Was die Zuckerfrage angeht, da wollte er der Zeit nicht vorgreifen, was die Holzfrage, da reservirte er sich seine Meinung, was die Kornfrage, da zog er allerdings eine Skala einem festen Zoll vor, jedoch ohne auch nur etwas von dem Ver⸗ haͤltniß der zukuͤnftigen Skala verlauten zu lassen. Aber das Defizit ist da, es muß verschwinden. Koͤnnen die Tories eine Reduction der bewaffneten Macht vornehmen, sie, die den Whigs schon seit zwei Jahren vorwerfen, sie haͤtten die militairischen Kraͤfte Großbritaniens nicht genugsam entwickelt und entfaltet? Und wenn sie es wollten, sehen wir auf die neuen Schwierigkei⸗ ten in Amerika und China, auf den Prozeß Mac Leod's und die Graͤnzfrage, auf Peking und Tschusan, auf die Anarchie in Sy⸗ rien, auf die Kaͤlte Frankreichs und die veraͤnderte Stellung Mehmed Ali's. Aber das Defizit ist da, es muß verschwinden, wodurch? In Bezug auf diesen Punkt hat Sir Robert noch nicht sein Geheimniß oöͤffenbart, das Orakel ist stumm geblieben.

Wenn fuͤr die Finanzen gesorgt ist, kommen die Reformen daran; die radikalen, die wird Sir Robert mit Huͤlfe der Whigs beseitigen, die in der Justiz und Administration wird er mit Talent und Popularitaͤt durchfuͤhren; nur die eigentlichen Whig⸗Reformen, die gemaͤßigten, als da sind Minderung der Monopole, Abolition der Kirchen⸗Taxen, Appropriation einiger be⸗ stimmten Kirchenguͤter fuͤr die Nothdurft des Staates, Zulassung der Juden zu den Corporationen. Aber wenn auch dies Alles uͤberwunden ist, dann wird Irland kommen mit seinen blutenden Wunden und wiederaufgebrochenen Narben, es wird Heilung ver— langen, und die Tories werden sehr verschiedener Meinung seyn uͤber die Mittel und Methoden, die hier zu ergreifen sind, kurz ihre zwei oder drei Fractionen werden dann gewiß den Feinden ihre Bloͤßen zeigen. Man muͤßte in der That blind seyn, wenn man nicht saͤhe, daß es unter den Tories ehr verschiedene, ja ganz entgegengesetzte politische Meinungen gaͤbe, wie unter den Whigs. Zwei Monate vor der Eroffnung der letzten Session er— schien eine Broschuͤre; „Peel oder Stanley, wer wird unser Chef seyn?“ Sie ruͤhrte von einem Mitgliede des Parlaments her, wie man sagt, das Stanley schilderte als einen Edelmann von hoher Gesinnung und warmem Herzen, als einen guten Pro⸗ testanten, uͤbrigens durchaus fremd jener vermeintlich liberalen Race, die keinen Unterschied unter den Religionen kenne; Sir Robert Peel dagegen war ein Emporkoͤmmling aus niederem Stande, ohne Treue und Glauben, stets bereit, fuͤr sein persoͤn⸗ liches Interesse Alle zu verrathen. Der Autor des Pamphlets aber sprach sich eben so stark gegen den dummen Bigottismus des Sir Edward Knatchbull und Sir Robert Inglis aus. Wer kennt nicht die leidenschaftlichen Erguͤsse der Tories vom Novem⸗

ber 18402 8.,5 noch im Januar dieses Jahres erschien ein Ar⸗

V

A. Maͤller.

tikel in Standard, der woͤrtlich besagte, wenn die jetzigen Kon⸗

servativen zur Regierung kaͤmen, so hieße das: „Eine Bande Schelme anstatt der fruͤheren.“

Wenden wir uns zu den Kammern der Gemeinen, glaubt man, daß sich da Sir Robert sicher auf seine Stuͤtze verlassen koͤnne? Was werden H. Gladstone, H. Goulburn, H. Priegle, H. Plumptree, S. Robert Inglis sagen, wenn Peel dereinst vor das Haus tritt und eine Summe Geldes fordert fuͤr den Volks⸗Unterricht ohne Unterschied der Religion? H. Priegle, der im vollen Parlamente ausrief: „Die uͤdische Nation hat ein Ver⸗ brechen begangen, fuͤr das sie jetzt buͤßen muß“, und H. Plump⸗ tree, der immer wieder seine Bill praͤsentirt fuͤr die Heiligung des Sonntags, an welchem die Buden keinen Wein verkaufen und die Baͤcker kein Brod backen sollen, und Sir Rob. Inglis, der da findet, daß die Millionen Pfunde der Anglikanischen Kirche nicht ausreichen, fuͤr ihre Beduͤrfnisse. Schon jetzt spre⸗ chen die Orangisten, die zu Antrim den Namen Wellington und Peel mit Pfeifen begruͤßten, davon, sich wieder zu konstituiren; dort erhebt sich die alte Aristokratie und bezeugt laut, wie weni Vertrauen sie zu dem Sohne des Wollspinners von Tamwort hege, hier die Hochkirche in Orford und erklaͤrt: „Sir Robert Peel kennt Nichts, als das Haus der Gemeinen, er weiß die Zahl der Majoritaͤten seit einem Jahrhundert auswendig, sein Puls schlaͤgt nach diesem Wechsel. Das Haus der Gemeinen ist seine einzige Wirklichkeit, alles andere in seinen Augen nur Form und Schat⸗ ken. Liebenswuͤrdig und wohlwollend, aber durchweg Egoist, bleibt dieser Mensch klein, auch mit der Nation und unserer alten Ver⸗ fassung auf seiner Seite, und was das Schlimmste ist, ein Un⸗ glaͤubiger fuͤr die ewige und allein seeligmachende Kirche.“ Was soll man zu dieser Hoͤhle des Aeolus sagen, wo die Orangisten, der Land⸗Adel und die Hochkirche in ihrer Heftigkeit nur von den geknechteten Irlaͤndern uͤberboten werden, wo der Adresse der konservativen Protestanten M. Strele, ein liberaler Protestant, antwortete: „Nehmt euch in Acht Drangisten! Wenn ihr den ersten Schlag thut, so werden sich alle Katholiken, alle Liberalen erheben und in 21 Stunden wird es keinen Orangisten mehr le⸗ bend in Irland geben?“ Sollen die Tage des Graͤuls wieder⸗ kehren, die der ungluͤckliche Karl Stuart erlebte, als in den Stra ßen von Dublin katholische Priester auf den Leichen gemordeter Protestanten die Messe lasen? Sie werden nicht wiederkehren, aber wird Sir Robert Peel der Neptun seyn, der diese empoͤrten Wogen mit dem Dreizack Albions be aͤnftigen kann?

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Dauer der Eisenbahnkahrten am 24. August 1841.

Abgang von PESt

Abgang von

Berlinn. St.

Zeitdauer

8 Uhr Morgens. †%— 42 6 ½ Uhr Morgens... 42 11 Vormittags. 40 9 ½ Vorwittags. 2 Nachmittags 42 - 12 ½1 Nachmittags 3 Nachmittags 40 4 ½ Nachmittags 6 Abends.... 41 . 7 Abends... 10 Abends. 53 Abends ...

Zeitdauer

[M.

Um

Auswärtige Börsen. wirkl. Schuld 51 ¼. g.

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8 Zinsl. —. Preuss,

Amsterdam, 21. Juli. Niederl. Kanz. Bill. 25 ⁄. 50) Span. 185½. Präm. Sch. —. Pol.

Passive. 5. Ausg. —.

Oesterr. —.

Fra nkfurt a. 168 22. Aug. Oesterr. 5 Met. 107 ½ G. 2 ½ 8 —. 1 —. Bank -Act. 1938. 1935. Partial- Obl. zu 500 Fl. 135 ½. 135 5. Loose zu 100 Fl. —. Preuss. Präm. Sch. —, do. 4 ½ Anl. —. Poln. Loose 73 8 G. 5 ½ Span. Anl. 193⅛. 19 ½. 2 ½ ½ IIoll. 50 ⅞. 50 ₰6.

Hambu rg, 23. Aug. Bank-Aetien 1610.

Lon don 20. Aug. Cons. 3 9 89 ½. Passive 1 ½. Ausg. Sch. 9 ½. 2 ½ 9 Holl. 51. Engl. Russ. 114 ½. Bras. 67. Columb. 20 ½. Mex. 25 ½. Peru 16.

5 Rente fin cour. 116. 40. 3 9 Rente fin cour. 5 ½ Span. Rente 21 ½¼. Passive 4 ½.

Engl. Russ. 108.

Helg. —. Neue Anl. 19½. 5 %, port. 29 ¼. 3 ½, 17⁵. Chili 69.

Pa ris, 20. Aug.

77. 45 5 G Neapl. fin cour. 104. 35. 3 % Poct. —.

12 Aug. Lond. 3 Met. 30 . Hamb. 3 445. Paris 412. 40. 500 Fl. 73 ½. 4o. 200 TFl. 25 ¼. 0

ae 1839 109.

Petersburg, Poln. à Par. 300 Fl. 69.

Wien, 20. 23 ½¼.

S

0

Bank-Actien 1594. Aul. de 1831 134 ½.

22* . . FE’hnigliche Schauspiele.

Donnerstag, 26. Aug. Im Opernhause: Die Jungfrau von

Orleans.

Freitag, 27. Aug. Im Opernhause: Don Juan. (Mad. Fischer⸗Schwarzboͤck, vom Großherzogl. Badischen Hoftheater zu Karlsruhe: Donna Anna, als Gastrolle; Herr Krause, vom Kb⸗ niglichen Hoftheater zu Muͤnchen: Leporello, als letzte Gastrolle; Dlle. A. Loͤwe: Donna Elvire.)

Sonnabend, 28. Aug. Im Schauspielhause:

- Goͤtz von Ber⸗ lichingen. (Herr Grua: Goͤtz.)

Königsstädtisches Theater.

Donnerstag, 26. Aug. Julerl, die Putzmacherin. rende Posse mit Gesang in 2 Akten, von E. Meisl. (Herr Plock, vom Stadt⸗Theater zu Hamburg: Cinnerl, als Gastrolle.) 8 .

Freitag, 27. Aug. Der Talisman. osse mit Ges⸗ 6 3 Akten, von J. Nestroy. Posf Besang, in

Sonnabend, 27. Aug. (Italienische Opern⸗Vorstellung.) Luci di Lammermoor. Opera in 3 Atti. Musica del Maestro Gae

tano Donizetti. Preise der Plaͤtze: Ein Platz in der Orchester⸗Loge: Platz in den Logen und im Balkon des

1 Rthlr. 10 Sgr. Ein U. s. w. und Deutscher Sprache, sind

ersten Ranges 1 Rthlr. Textbuͤcher, in Italienischer Abends an der Kasse à 5 Sgr.

im Billet⸗Verkaufs⸗Buͤreau und W. Zinkeisen

zu haben. Gedruckt in der Deckerschen Geheimen Ober⸗Hofbuchdruckeret.

Parodi⸗

Verantwortlicher Redacteur Dr. Sb geng ——’êV’N 17

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1 iche Nachrichten. 8199. Vmmtliche Patelegenbeiten. Rhein⸗Provinz. Fortsetzung

handlungen uͤber Parzellirung laͤndlicher Grundstuͤcke. Föer,eetbsn paris. Fortgang der Volkszaͤhlung. Das Jour⸗ nal des Débats uͤber Spanien. Schreiben des Herrn Felir Elavet uͤber sein Verhaͤltniß zu Madame Laffarge. Briefe aus Paris. (Die Fleischsteuer und der Grundbesitz; Volkszaͤhlung. Großbritanien und Irland. London. Geheimeraths Versamm⸗ lung wegen der Thron⸗Rede. Erklaͤrung im Namen des Herzogs von Wellington. O Connell verspricht Maͤßigung. Die Korn gesetz⸗Konferenz zu Manchester. Die Times gegen die jetzigen Korngesetze. Ueber die Differenz zwischen England und den Ver⸗ einigten Staaten. Graͤnz⸗Sicherung in Neu⸗Braunschweig. Zweifel uͤber die Echtheit der letzten Nachrichten aus China. Euphrat⸗Expedition. Vermischtes. Schreiben aus London. (Die Versammlung der Geistlichen zu Manchester und die Korn⸗ Frage; Nord⸗Amerikanische Zustaͤnde) Belgien. Bruͤssel. RNeuer Tarif fuͤr die Eisenbahn. Mission nach Madrid. . 3 1 Deutsche Bundesstaaten. Muͤnchen. Reise des Koͤnigs. Emil de Girardin. Schreiben aus Dresden. Die Dresden Prager Eisenbahn; Regulirung der Elbe; Kunstnotizen.) Schreiben aus Leipzig. (Herbart und seine Schule; Oberst von Leonhardi.) Oesterreich. Wien. Aus⸗ und Einfuhren von 1829 bis 1838. Italien. Rom. Abyssinische Deputation. Inland. Berlin. Parade. Bonn. Evangelische Provinzial⸗ Synode.

Beilage. von Barante reist ins Ausland. 1 1 Spinnen und Zwirnen der Seide. Frankreich. Paris. Mad. Laffarge. Großbritanien und Irland. Vermischtes. Deutsche Bundesstaaten. Hamburg. Sklavenhandel. Hansegtische Dampfschifffahrt. Oesterreich. Schreiben aus Marienbad. (Ausflug nach Koͤn igswart.) Neu⸗Granada. Carthagena. Centralistische Gegen⸗Revolution. Neue Repu⸗ blik Panama.

Rußland und Polen. St. Petersburg. Graf Neuerfundene Maschine zum

1

Amtliche Uachrichten.

Kpronik des Tages.

Ee. Majestaͤt der Koͤnig haben Allergnaͤdigst geruht: Dem Geheimen Justiz⸗ und Ober⸗Landesgerichts⸗Rath Dor⸗ guth in Magdeburg, so wie dem Land⸗ und Stadtgerichts⸗Di⸗ rektor Carssow zu Salzwedel den Rothen Adler⸗Orden dritter Klasse mit der Schleife; dem Geheimen Justiz⸗ und Ober⸗Lan⸗ desgerichts⸗Rath Fahrenholz zu Magdeburg, so wie den Land⸗ und Stadtgerichts⸗Direktoren Wenzel zu Burg und Dr. Desch⸗ ner zu Stendal, den Rothen Adler⸗Orden vierter Klasse zu ver⸗ leihen; ferner 1 1 1 Den Kammergerichts⸗Assessor Karl Justus Scha ffrinski zu Berlin, den Regierungs⸗Assessor Gottfried Albert Borsche zu Franksurt, den Ober⸗Landesgerichts⸗Assessor August Ludwig von der Reck zu Arnsberg, die Regierungs⸗Assessoren Gustav Karl Ulrich Friedrich Franz von Schnehen, sonst zu Minden, jetzt zu Magdeburg, und Hans Adolph Karl Graf von Buͤlow, sonst zu Stettin, jetzt zu Danzig, zu Regierungs⸗ Raͤthen, und

Den Kammergerichts⸗Kanzlei⸗Direktor S ei⸗ Rath zu ernennen. 38

Der Justiz-⸗Kommissarius Ber ndes zu Naugard ist zugleich zum Notarius im Departement des Koͤnigl. Ober⸗Landes⸗Gerichts zu Stettin bestellt worden.

Der Notar Georg Heusner zu Barmen ist zum Notar fuͤr den Friedensgerichts⸗Bezirk Perl, im Landgerichts-Bezirk Trier, mit Anweisung seines Wohnsitzes in Perl, bestellt und der Notariats⸗Kandidat Frh nz Wilhelm Custodis zum Notar fuͤr den Friedensgerichts⸗Bezirk Barmen, im Landgerichts⸗Bezirke El⸗ berfeld, mit Anweisung seines Wohnsitzes in Barmen, ernannt worden.

Der Justiz⸗Kommissarius Karl Gustav Theodor Uhse zu Pillkallen ist zugleich zum Notarius im Departement des Ober⸗Landesgerichts zu Insterburg ernannt worden.

Der Justiz⸗Kommissarius Thiele in Karthaus und der Justiz⸗Kommissarius Paul in Schwetz sind zugleich zu Notarien im Departement des Ober⸗Landesgerichts zu Marienwerder er⸗ mannt worden. 1 .

Der Ober⸗Landesgerichts⸗Assessor Ludwig Friedrich Wil⸗ helm Knorr ist zum Justiz⸗Kommissarius bei den Gerichten des Kulmer Kreises, mit Anweisung seines Wohnsitzes in Kulm, und

zugleich zum Notarius im Departement des Ober⸗Landesgerichts zu Marienwerder ernannt worden.

Bekanntmachung. 8

1 Die Ziehung der Praͤmien von den nach unserer Bekannt⸗ machung vom 1. Juli d. J. zur Ausloosung bestimmten 9000 Seehandlungs⸗Praäͤmienscheinen wird am Fosnuck

15. Oktober d. J. aiun ö und an den darauf folgenden Tagen Vormittags von 8 Uhr ab, in dem großen Konferenz⸗Saale des Seehandlungs⸗Gebaͤudes, un⸗ ter Zuziehung von zwei Notarien und von zwei vereideten Pro⸗ tokollfuͤhrern stattfinden. Nach Beendigung derselben wird die Liste der Praͤmien zur oͤffentlichen Kenntniß gebracht werden. Berlin, den 24. August 1841. GSeneral⸗Direction der Seehandlungs⸗Societaͤt. 118, 868 18,908, bat Keh.. Wentzel. 2 gr.

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Angekommen: Der außerordentliche Gesandte und bevoll⸗

maͤchtigte Minister der Vereinigten Staaten von Nord⸗Amerika, Wheaton, von Frankfurt ga. M.

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Abgereist: Se. liche Geheime Rath

Dobberan.

Excellenz der Kaiserl. Oesterreichische Wirk⸗ und Kaͤmmerer, von Uerm ényi, nach

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Landtags-Angelegenheiten.

Rhein⸗Provinz.

Düsseldorf. (Fortsetzung der Verhandlungen vom 23. Juli.) Ein Abgeordneter des vierten Standes betrat hierauf die Redner—⸗ buͤhne und trug Folgendes vor:

Mit inniger Betruͤbniß ersehe er aus Entwurfe, daß derjenige Theil unseres gemeinsamen Vaterlandes, welchem anzugehoͤren er die Ehre habe, und dessen Meinung in der betreffenden Angelegenheit um so vollguͤltiger er repraͤsentiren koͤnne, weil er mit dem groͤßten Theile seiner der Landwirthschaft sich wid⸗ menden Familien persoͤnlich bekannt sey und vielen derselben durch verwandschaftliche Bande selbst angehoͤrig, namentlich daß der Ost⸗ Rheinische Theil des Herzogthums Cleve in einem die Eigenthums⸗ rechte und die Freiheit so nahe, so empfindlich beruͤhrenden Zweige der Gesetzgebung getrennt werden solle von der Provinz, wel⸗ cher er durch Gesinnung und Sitte, Gebraͤuche und Gewohn⸗ heiten, so wie durch Abstammung, mit vollem Rechte angehoͤre. Auch seine Bewohner seyen durchweg Fraͤnkischer (im ndedlich⸗ sten Zipfel Friesischer) Abstammung, und es koͤnne dem aufmerksamen Beobachter der Volkseigenthuͤmlichkeiten, Lokalgebraͤuche und Ein⸗ richtungen nicht entgeben, daß seine oͤstlichen Graͤnzen noch jetzt wesentlich dieselben seyen, welche vor mehr als eilf Jahrhunderten die Gaue der Franken schieden von jenen der Sassen. Auch seine Bewohner stimmten mit ihren Bruͤdern in den uͤbrigen Theilen der Provinz darin uͤberein, daß sie den freien Verkehr in Beziehung auf Grund und Boden fuͤr eines ihrer koͤstlichsten Rechte, daß sie die Beschraͤnkungen desselben, noch mehr aber eine Ungleichheit in der Vererbung desselben, fuͤr das groͤßte Uebel halten wuͤrden. Denn auch bei ihnen sey das Gefuͤhl und der Begriff des Rechtes mit dem der Gleichheit so innig verwachsen, daß eine Stoͤrung der letzteren ihnen stets als eine Verletzung des ersteren erscheinen wuͤrde. Die Kreisstaͤnde in ihrer jetzigen Zusammensetzung seyen leider nichts weniger als geeignet, die Meinung und Gesinnung der Be⸗ wohner, am wenigsten der Landgemeinden, die in denselben beinahe gar nicht vertreten wuͤrden, zu repraͤsentiren, denn ihre Buͤrgermei⸗ ster seyen nicht aus ihrer Wahl, viel weniger aus ihrer Mitte, her⸗ vorgegangen. Er vertraue daher, daß seine Mitstaͤnde sich mit ihm vereinigen wuͤrden, des Koͤnigs Majestaͤr zu bilten: in Beziehung auf die freie Verfuͤgung uͤber das Grund⸗Eigenthum in den Kreisen Duis⸗ burg und Rees keine andere Gesetzgebng als in den uͤbrigen Theilen der Rhein⸗Provinz eintreten lassen zu

dem zu berathenden Gesetz⸗

wollen. Er vertraue darauf um so mehr, weil hier die Rede sey von einem provinziellen Gesetze, dessen Berathung nach §. III. Nr. 1 des Gesetzes vom 5. Juni 1823 zu den Rechten der Provinzial⸗Staͤnde gehoͤre, gegen deren Uebertra⸗ gung auf die Kreis⸗Staͤnde wohl eine Verwahrung auszusprechen seyn duͤrfte. Er habe bisher nur vom Herzogthum Cleve gesprochen, weil es sich nicht leugnen lasse, daß im Essen⸗Werdenschen Theile des Kreises Duisburg in Beziehung auf Guts⸗Nerus sowohl als Verer⸗ bung baͤuerlicher Besitzungen Einrichtungen bestanden haͤtten, welche, wie der Volksstamm, zum Theile selbst nicht Fraͤnkischen, sondern S assi⸗ schen Ursprungs gewesen; allein seit einem Drittel Jahrhundert genoͤssen auch die dortigen Bewohner die naͤmliche Gleichheit und Unbeschraͤnktheit der Rechte als wir und haͤtten daruͤber so wenig noch eine Klage, als einen Wunsch um Abaͤnderung und Ruͤckkehr zum Alten, kund werden lassen. Es laͤge daher auch kein Grund vor, bei der Stellung der Bitte auf den Umfang der Kreise Duisburg und Rees diesen klei

nen Landestheil auszuschließen. So viel in Beziehung auf den Aus⸗ schluß der benannten beiden Kreise. Er erlaube sich nun noch in Be

ziehung auf das vorliegende Gesetz und die demselben zu Grunde ge⸗ legten Motive einige Bemerkungen zu machen. Die arzellen⸗Num⸗ mern des Katasters gaͤben durchaus keinen Anhaltspunkt zur Beurthei⸗ lung der Zersplitterung des Grundbesitzes, indem ein zusammenhaͤn⸗ gendes Besitzthum von einiger Bedeutung solcher Nummern bis zu einigen Hunderten nicht nur haben koͤnnte, sondern auch wirklich haͤtte,

- ßen.

die Entwickelung der Zeiten berbeigefuͤhrten Bestehenden ent⸗ scheide hier allein. Es sey eine merkwuͤrdige Erscheinung, daß die Vertheidiger historischer Rechte und sogenannter konservattver Prin⸗ ztpien in ihren historischen Forschungen haͤufig dabei stehen blieben, auf langst verflossene Zeitraͤume, als Laudatorés temporis acti, wohl⸗ gefaͤllig zuruͤck zu blicken, ohne den ferneren historischen Entwickelun⸗ gen bis auf die Jetztzeit zu folgen. Das echte erhaltende (kon⸗ servative) Prinzip halte fest an dem Bestehenden, ohne je doch dessen fernere Ausbildung und Entwickelung auszuschlie⸗ Wer das Bestehende durch das Untergegangene er⸗ setzt wissen wolle, 1 1 reagctionäiren Prinzip. Der freie Verkehr des Grund Eigenthums koͤnne nicht nur eben so gut zu Abrundungen und Vergroͤßerungen von Grundbesitzungen fuͤhren, als zu deren Zersplitterung; er thue

*

dieses auch wirklich dort, wo Oertlichkeit und Verhaͤltnisse jene

3z. B. auf der Ahr

Y

im Interesse mancher

indem Haͤuser, Scheunen, Schoppen, Schober, Schafstaͤlle, Backhaͤuser,

Muͤhlen und Fabrikgebaͤude, Hofraͤume, Gaͤrten, Baumgaͤrten, Lust⸗ gaͤrten, Weinberge, Ackerabtheilungen, Wiesen und Weide⸗ Eintheilungen, Teiche und Weiher, Lachen, Moore, Suͤmpfe, Oeden, Haiden, Huͤtungen, Pflanzungen und Wallhecken, Holz⸗ und Waldparzellen, Sand⸗ und Lehm⸗ gruben ꝛc., jede fuͤr sich mit einer Parzellen⸗Nummer bezeichnet seyen, wenn sie auch alle zusammen genommen nur ein einziges Gut aus⸗ machten. Daß in stark parzellirten Gegenden, welche stets auch stark bevoͤlkert seyen, das Besitzthum jedes Einzelnen kleiner, mithin die⸗ ser auch in Beziehung auf Grundflaͤchen⸗Besitz weniger reich oder armer sey, als in wenig parzellirten Gegenden mit geringer Bevoͤl⸗ kerung, sey so natuͤrlich, daß es unbegreiflich scheine, wie dieses auffallen koͤnne; betrachte man aber den Werth des Gesammt⸗ Besitzthums Aller, so stelle sich das umgekehrte Ergebniß heraus. Der Gesammt⸗Bodenwerth einer stark parzellirten Flaͤche ver⸗ mehre sich gegen den einer wenig pvarzellirten vom naͤmli⸗ chen Umfange oft um mehr als das Zehnfache, ja, wenn man eine Mosel⸗Gemcinde mit der Luͤneburger Hailde ver⸗ gleichen wolle, um mehr als das Hundertfache. England sey wahrlich nicht durch seine Boden⸗Kultur zu der schwindelnden Hoͤhe gestiegen, auf welcher es jetzt sich befinde, sondern durch seinen Handel und seine Fabriken, nicht durch seine, die Verthei⸗ lung des Grundeigenthums hindernde Gesetzgebung, sondern trotz derselben. Bestaͤnde diese unheilvolle Gesetzgebung dort nicht, so wuͤrde man in seiner Hauptstadt nicht die vergaͤnglichen Haͤuser fin⸗ den, deren Dauer auf hoͤchstens 99 Jahre berechnet werden duͤrfe, wenn nicht der Erbauer fuͤr einen Fremden sein Kapital verwendet haben wolle, so wuͤrden laͤngst die ausgedehnten Haiden und Oeden verschwunden seyn, welche einen großen Theil seiner Oberffaͤche ein⸗ nehmen, und die zahlreiche Bevoͤlkerung dieses Staates wuͤrde nicht mehr in Hinsicht ihres Bedarfs an Lebensmitteln vom Auslande

abhaͤngig seyn, seine besitzlosen Proletarier wuͤrden dann in der be⸗ lohnenden Bearbeitung eines Bodentheilchens diejenigen Subsistenz⸗ mittel in reichlicherem Maße finden koͤnnen, welche jetzt durch mehr als 50 Millionen Thaler Armensteuer doch nur Fäeg ich ihnen zufloͤssen. Wenn von einem aͤlteren laͤndlichen Rechte geredet wuͤrde,

welches durch ein spaͤteres Recht verdraͤngt seyn solle, so moͤchte jenes doch wohl auch namhaft gemacht werden muͤssen. Die aͤltesten Urkunden widerspraͤchen der Vermuthung, daß am Rheine, in den Gauen der alten Franken und Friesen, ein solches aͤlteres Recht bestanden haͤtte; die aͤltesten Stiftungsbriefe von kirchlichen und son⸗ stigen Instituten enthielten schon ganze Reihen von Parzellen; in⸗ dessen koͤnne es darauf wenig ankommen, die Nuͤtzlichkeit des durch

vortheilhafter herausstellten; sehr viele Beweise bewiesen dieses ihm waͤre es ein Leichtes, ein paar Dutzend derselben anzufuͤhren er enthielte sich dessen, weil er nur Namen von Guͤtern herzaͤhlen wuͤrde, welche wenigstens * dieser Versammlung unbekannt seyen; das Kataster weise solche Zusammenlegungen jedoch nicht nach, in dem die Zahl der Parzellen⸗Nummern dadurch nicht vermindert wuͤrde. Er schließe, indem er fuͤr die Ansicht der großen Majori taͤt des Ausschusses in Beziehung auf alle Bestimmungen des vor⸗ liegenden Gesetz— Entwurfes sich ausspreche. .

Ein Deputirter aus dem Stande der Staͤdte bemerkt: We⸗ gen Bestimmung eines Minimums sey er im siebenten Ausschusse in der Minoritaͤt, ihn haͤtten die dafuͤr sprechenden Worte im Allerhoͤchsten Proposittions⸗Dekrete bewogen, so wie die in den Motiven angefuͤhrten Thatbestaͤnde, in den Regierungs-Bezirken Koblenz und Trier eine solche Hoͤhe erreicht habe, daß die Grundsteuer einzelner Parzellen bis zu ei nem Pfennig herabgekommen, daß die Kosten der Steuerzettel sich hoͤher belaufen, als die Steuer selbst, daß einzelne Parzellen kul turunfaͤhig und werthlos, ja, herrenlos werden. Er glaube, unter diesen Umstaͤnden wuͤrde uͤber kurz oder lang ein Gesetz gegen die uͤbergroße Parzellirung provozirt werden, und sehe nicht ein, weshalb man damit bis zum Aeußersten warten solle, immer in der Voraussetzung, daß die rechte Bestimmung eines Minimums gefunden werde; in diesem Falle koͤnne das Gesetz ja nicht schaͤ⸗ den. Uebrigens trete er der Meinung des Ausschusses bei.

Ein anderer Abgeordneter dieses Standes glaubt, daß die Be⸗ schraͤnkung der Theilbarkeit sowohl, als die Consolidation des Grundbesitzes wirklich im Interesse der aͤrmeren Klassen angeord⸗ net werden muͤsse. Es sey von so kleinen Parzellen in den Rhein⸗ und Mosel⸗Gegenden gesprochen worden, welche nicht mehr bebaut werden koͤnnen; er koͤnne versichern, daß es deren noch andere, gebe, wo die Graͤnzfurchen 5 Procent des Grundbesitzes ausmachen, weshalb denn die Scheidelinien blos durch hingelegte Schiefersteine bezeichnet worden, was oft Anlaß zu Streit gebe. Wo die Parzellirung blos nach Ruthen geschehe, koͤnne kein Zweifel daruͤber seyn, daß sie zu weit gehe und zur Verarmung fuͤhre, waͤhrend die Beschraͤnkung derselben mehrere der Kinder eines Hauses veranlassen wuͤrde, als Dienstboten und Handwerker ihr Fortkommen zu suchen. Daher koͤnne das Gesetz Gemeinden nur befuͤrwortet werden.

Der Herr Vorsitzende erklaͤrt, daß man nicht unbedingt ein Laudator temporis acti zu seyn brauche und der Definition, die der Herr Abgeordnete des vierten Standes in seinem so sehr in⸗ teressanten Vortrage von der wahren konservativen Gesinnung ge⸗ geben habe, voͤllig beistimmen koͤnne, ohne darum gegen die eben geschilderten nachtheiligen Folgen der uͤbergroßen Parzellirung blind zu seyn. Es frage sich nur, in welcher Weise die Berathung uͤber das Gesetz vorgenommen und ob dieselbe nicht allenfalls in zwei Theile getheilt werden solle, von welchen der erste in §g. 1— 5 die Bestimmung eines Minimums der Theilbarkeit, der zweite in den folgenden §§. bis zu Ende die Bestimmungen uͤber die Kon⸗ solidirung begreifen wuͤrde. Was wegen der Unfaͤhigkeit der jetzi⸗ gen Kreisstaͤnde zur Beurtheilung des vorliegenden Falles gesagt worden, sey dadurch zu modisiziren, daß wir ja eine bessere Or⸗ ganisation der Kreisstaͤnde beantragt haben und diese zu erwar⸗ ten stehe.

Ein Mitglied des vierten Standes entgegnet:

Es habe sich die Versammlung schon so entschieden gegen eine Eroͤrterun es Gesetz⸗Entwurfes und fuͤr die Ablehnung desselben ausgesprochen, daß er gar nicht begreifen konne, wie auf der ersteren immer noch bestanden werde. Der verehrte Mann, der an d Spitze der Provinzial⸗Verwaltung stehe, habe bei allen Gelegenhe ten das Interesse seiner Verwalteten so richtig gewuͤrdigt und so kraͤftig vertreten, daß derjenige, der in irgend einer darauf Bezug habenden Ansicht von ihm abweiche, Gefahr laufe, schon darum ge⸗ tadelt zu werden, und in den Verdacht gerathe, ein leichtsinniges oder befangenes Urtheil gefaͤllt zu haben. Und doch koͤnne er nicht umhin, den vorgelegten Gesetz⸗Entwurf zur Beschraͤnkung der Par⸗ zellirung des Grundbesitzes in der Rhein⸗Provinz, der, wie es in der Allerhoͤchsten Proposition heiße, von dem Ober⸗Praͤsidenten aus⸗ gegangen und durch ihn veranlaßt worden sey, seinen Beifall auf das entschiedenste zu versagen, und darin eine ganz unnoͤthige Beschraͤnkung des Eigenthums zu erkennen. Er gebe zu, daß er von einer Zerstuͤckelung des Eigenthums, wie er sie durch die Mittheilung des Herrn Ober⸗ Praͤsidenten und durch Vorlegung der Flurkarken kennen gelernt, keine Ahnung gehabt, und finde es ganz angemessen, daß die Regie⸗ rung die Vertheilung der Steuer nur so lange zulasse, als letztere noch erhoben, mithin auch die kleinste Parzelle mit wenigstens Einem Pfennig besteuert werden koͤnne; weiter aber duͤrfe die Einmischung nicht gehen, wenn sie nicht in Haͤrte ausarten solle. Es moͤge seyn, daß bei der gegenwaͤrtigen Theilung der Grundstuͤcke in der ange⸗ fuͤhrten Gegend nicht mehr der hoͤchste Ertrag aus dem Boden zu ziehen sey; allein die Besorgniß, daß der darauf gebrachte Duͤnger nicht den Eigenthuͤmern, sondern dem Nachbar zu Gute komme, scheine ihm durch die Betrachtung gehoben, daß der Duͤnger des Nach⸗ bars im naͤmlichen Verhaͤltnisse ein Aequivalent dafuͤr gewaͤhren wuͤrde, und er koͤnne sich nicht denken, daß dadurch Jemand abgehalten werden sollte, seinem Felde oder Feldchen zuzuwenden, was er habe; gesetzt aber auch, der Fall trete hier oder da ein, so koͤnnten die Folgen doch nicht unbemerkt bleiben, und wer sich lieber ihnen unterwerfen als auf das Erbtheil seiner Vaͤter verzichten und von jedem Theile des⸗ selben sein Stuͤckchen haben wolle, der wuͤrde in einer Verfuͤgung wie die vorliegende eine Haͤrte finden, die zu bedenklichen Aeuße⸗ rungen Anlaß geben koͤnnte. Er schließe sich deshalb dem Vor⸗ schläge des Ausschusses an, so leid es ihm auch sey, dadurch in Wi⸗ derspruch mit den Ansichten des Koͤniglichen Landtags⸗Komissarius

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