1841 / 242 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

ee ster⸗Jubilaͤum feierte. ne ge n seine Goͤnner und Freunde, seine Amtsgenossen und Untergebenen, Alle hatten sich beeifert, ihm die sprechendsten Beweise von Liebe

Sitte, von wahrer Religiositaͤt und unermuͤdetem Geschaͤftseifer, darf er, gestuͤtzt auf eine fuͤr sein hohes Alter sehr seltene Ruͤstig⸗

Kirche bringen ihm in gleichem Grade ihr vollkommenstes Ver⸗ trauen entgegen.

jektirte damals Eisenbahn⸗Linien zwischen Paris und Havre, mit

die Gesetze vom 17. Juli 1837, vom 1. August 1839 und vom

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gedachten Schiffes

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Schnelligkeit des

von der Soliditaͤt und uͤberzeugen.

Breslau, 27, Aug. (Bresl. Z.) So eben, 1 ½ Uhr, verkuͤn⸗ det das feierliche Gelaͤute der Glocken saͤmmtlicher katholischer Kirchen die erfolgte Wahl des neuen Fuͤrstbischofs. Den allgemeinen Hoff⸗ nungen gemaͤß ist dieselbe auf Herrn Dr. Joseph Knauer, Koͤ⸗ niglichem Großdechanten, Ritter des Rothen Adler⸗Ordens zweiter Klasse mit dem Stern, Vicarius foraneus des Fuͤrst⸗Erzbischofs zu Prag in der Grafschaft Glatz, Konsistorial⸗Rath und Archi⸗ diaconus, infulirten Praͤlaten des Klosters ad B. V. Mariam de nova via in Irland, Domherrn zu Breslau und Stadtpfarrer zu Habelschwerdt, gefallen. Die Wahl selbst erfolgte in hergebrach⸗ ter Ordnung. Um 8 Uhr versammelten sich die saͤmmt⸗ lichen, sowohl wirklichen als Ehren⸗Domherren, 15 an der Zahl, in dem Kapitelsaale, wohin der Koͤnigl. Kommissarius, Ober⸗Praͤsident der Provinz und Wirkliche Geheime Rath Herr Dr. von Merckel Excellenz, durch den Vicarius capituli, Herrn Professor Dr. Ritter, und Praͤlaten Herrn Neander eingeholt wurde. Der Weihbischof Herr Latussek wies hierselbst zunaͤchst in einer Anrede auf den Zweck und die Bedeutung der Zusam⸗ menkunft hin, welche der Koͤnigl. Kommissarius nach erfolgter Vorlesung der in Bezug auf die Wahl ergangenen Allerhoͤchsten

Kabinets⸗Ordre erwiederte. Hierauf verfuͤgte sich gegen 9 Uhr das ganze Kapitel, in seiner Mitte der Koͤnigl. Kommissarius, in Prozession in die Kathedrale, woselbst die Wahl mit einem feierlichen Hochamte, waͤhrend dessen die saͤmmtlichen Kapitu⸗ laren das heilige Abendmahl empfingen, eingeleitet wurde. Nach beendetem Hochamte verfuͤgte sich der Koͤnigliche Kommissarius in die bischoͤfliche Residenz. Das Kapitel schritt hierauf bei ver⸗ schlossenen Thuͤren zur Wahl selbst. Nach Verlauf von 2 ½ Stunden, und nach erfolgter Einholung des Koͤniglichen Kom⸗ missarius verkuͤndete den zahlreichen Anwesenden der Protonota- rius apostolicus, Herr Pfarrer Faustmann aus Polkwitz, die durch Stimmenmehrheit erfolgte Wahl. Die Feierlichkeit wurde demnaͤchst mit einem Te deum geschlossen, bei welchem der Herr Weihbischof La⸗ ussek und der Herr Praͤlat Neander dem erwaͤhlten Fuͤrstbischof assistir⸗ ten. Herr Jos. Knauer ist geboren zu Rothfloͤssel in der Grafschaft

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8 3 8 8 9 —57 A 8 Glatz und steht bereits in dem ehrwuͤrdigen Alter von 77 Jah⸗

Wie allgemein derselbe geliebt ist, dies sprach sich ““ endigsten vor zwei Jahren aus, als er sein funfzigjaͤhriges Prie⸗ Seine geistlichen und weltlichen Oberen,

und Verehrung zu geben. Ein Mann von einfacher und strenger

eit, mit Zuversicht sein schweres Amt antreten. Staat und

Die Eisenbahnen in Frankreich.

dirgends wird die Frage uͤber die Eisenbahnen mehr debat⸗ mehr angeregt, als in Frankreich, und nirgends beschaͤftigt Seit zehn

irt, 1. ““ nan sich weniger mit der Ausfuͤhrung dieser Bahnen.

Jahren machen wir Studien und Versuche, und bis jetzt haben wir nicht eine einzige Linie, die erwaͤhnt zu werden verdiente und

dem Handel oder der Industrie wirklichen Nutzen gewaͤhrte. Unter dem Ministerium Casimir Perrier's, und als Herr d'Argout Mi⸗

nister der oͤffentlichen Arbeiten war, machte das Corps der Inge⸗ ieure der Bruͤcken und Chausseen zahlreiche Studien. Man pro—

einer Verlaͤngerung bis Straßburg, von Paris nach Nantes, von Paris uͤber Lyon nach Marseille, von Paris nach Calais und der

zu

kann, ohne ihre eigene Majoritaͤt zu kompromittiren.

Belgischen Graͤnze. Ungluͤcklicherweise ist man bei den Studien stehen geblieben und nicht eine einzige dieser Linien ist ausgefuͤhrt worden. Bald fand eine Spaltung statt zwischen der Regierung und den Kammern, bald Uneinigkeit zwischen den zur Ausfuͤhrung gebildeten Gesellschaften und dem Ministerium, und es herrschte

stets eine Ungewißheit, die den guten Willen der Unternehmer oder die Initiative, welche die Regierung in dieser wichtigen Sache haͤtte ergreifen muͤssen, laͤhmte.

Die Eisenbahnen, welche wir besitzen, sind nur schwache Pro⸗ ben dieses Communicationsmittels und bezeugen die Ohnmacht unseres Associations⸗Systems. Die meisten dieser Bahnen, man kann sagen alle, haben der Voraussicht ihrer Erbauer schlecht ent⸗ sprochen; die Einen sind genothigt, zu Anleihen zu schreiten, An- dere haben von der Regierung Vorschuͤsse verlangt, Andere eine Garantirung der Zinsen des aufgewendeten Kapitals, Andere end— lich, wie die von Paris nach Havre, haben liquidirt, ohne auch nur einen Anfang mit der Ausfuͤhrung gemacht zu haben. Die laͤngste Eisenbahn⸗Linie, welche wir besitzen, ist die von Lyon nach St. Etienne, aber sie ist eine spezielle Communication, die haupt⸗ saͤchlich zum Transport der Steinkohlen und einer geringen Quan⸗ V titaͤt Waaren dient. Die anderen Linien haben kaum 8 bis 10 Lieues Laͤnge und sind durchaus ohne Wichtigkeit fuͤr die allge— meine Wohlfahrt des Landes.

Es sind allerdings mehrere Linien von einer gewissen Wich⸗ tigkeit gegenwaͤrtig im Bau begriffen; aber sie sind nur mit Un- terstuͤtzung der Regierung begonnen und fortgesetzt worden. Den Einen hat die Reglerung bedeutende Vorschuͤsse bewilligt, den An⸗ dern hat sie ein Minimum an Zinsen garantirt. Die unter dem einen oder andern Namen den verschiedenen Gesellschaften gemach⸗

ten Vorschuͤsse betragen 65 Millionen Franken und wurden durch

15. Juli 1840 bewilligt. Die Bahnen, welche am meisten an dieser Summe theilnehmen, sind; die Bahn von Basel nach Strasburg, die im Bau begriffen ist und nur in einzelnen Theil len befahren wird, mit 12 Millionen; die Bahn von Paris nach Orleans, die bis Corbeil, eine Strecke von 7 bis 8 Lieues, fertig st, mit 16 Millionen; die Bahn von Montpellier nach Rismes, die auf Kosten des Staats ausgefuͤhrt wird, mit 6 Millionen; die Bahn von Lille nach Valenciennes und bis zur Belgischen Graͤnze, auf Kosten des Staats gebaut, mit 10 Millionen. An⸗ dere Darlehen sind den Linien von Andrezieux nach Roͤanne und

Paris nach Versailles (linkes Ufer) bewilligt worde

8 Wap⸗ letztere Bahn wird so wenig befahren, daß Pclen⸗ einmal die Kosten deckt und ihr Zustand ist hoͤchst kritisch, De Regierung hat bekanntlich fuͤr die Verbindung zwischen Paris 8 Versailles zwei Konzessionen ertheilt; Herr von Rothschild gab das meiste Geld zu der Bahn auf dem rechten Ufer, und Herr Fould unterstuͤtzte die auf dem linken Ufer. Diese doppelte Kon⸗ zession hat beide Operationen gleich schlecht gemacht und nament⸗ lich erfaͤhrt das linke Ufer gegenwaͤrtig die traurigen Folgen der Konkurrenz. Die Veranschlagungen fuͤr diese Linie en die Gesammtkosten au S. SSe wurde fast augenblicklich aufgebracht; kaum hatte man jedoch die Arbeit begonnen, so gewahrte man die Un⸗

5 Millionen Franken festgestellt,

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zulaͤnglichkeit des Kapitals und die Gesellschaft kontrahirte eine Anleihe von 5 Millionen, indem sie die Eisenbahn, das Baumaterial und die kuͤnftigen Einnahmen verpfaͤndete. Man setzte die Arbeiten fort; die ungeheuren Terrassements und Bauten aller Art, welche noͤthig wurden, hatten indeß bald das neue Kapital absorbirt, und nach einer Ausgabe von 10 Millionen waren kaum zwei Drittel der Bahn fertig. Unter diesen Umstaͤn⸗ den wandte die Compagnie sich an die Regierung, um von dersel⸗ ben ein neues Darlehen von 5 Millionen zu erhalten. Die Kam⸗ mern zeigten sich willfaͤhrig, die Summe wurde votirt und die Eisenbahn mit großer Muͤhe vollendet. Aber waͤhrend der acht⸗ zehn Monate seit ihrer Eroͤffnung traͤgt sie nicht die Kosten der Unterhaltung und Verwaltung; die Zinsen fuͤr die erste Anleihe sind ruͤckstaͤndig und die fuͤr die zweite werden gar nicht bezahlt und bilden bereits eine Summe von etwa 400,000 Fr. Die Eisenbahn auf dem rechten Seine⸗Ufer, die fuͤr einen Theil ihres Laufes mit der Linie nach St. Germain zusam⸗ menfaͤllt, wobei der Herr von Rothschild betheiligt ist, befindet sich zwar in einer nicht ganz so traurigen Lage, macht aber doch auch ziemlich schlechte Geschaͤfte. Diese Umstaͤnde haben eine An⸗ naͤherung zwischen diesen beiden Gesellschaften hervorgerufen, die ohne Zweifel den Zweck hat, die Folgen der Konkurrenz zu mil⸗ dern und die Interessen zu verschmelzen, indem man sie unter eine und dieselbe Verwaltung stellt. Bei dieser Anordnung würde die Regierung auf die Zinsen der fuͤnf Millionen, welche sie der Bahn auf dem linken Ufer vorgeschossen hat und thatsaͤchlich auch auf das Kapital verzichten, da ihr nichts die Zuruͤckzahlung des⸗ selben garantirt und die Bahn fuͤr die erste von den Eigenthuͤmern gemachte Anleihe von fuͤnf Millionen hypothekarisch verpfaͤndet ist.

Dieser Konflikt und diese Verluste entstehen einzig und allein aus der doppelten Konzession, die in der Richtung von Paris nach Versailles ertheilt worden ist. Die Stellung der Regierung,

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gewissen Fractionen der Deputirten⸗Kammer gegenuͤber, ist von

der Art, daß sie die Forderungen derselben nicht immer abweisen Dadurch erklärt sich das Unzusammenhaͤngende und wir möchten sagen die Fahrlaͤssigkeit, die bei der Ausfuͤhrung unserer oͤffentlichen Arbei⸗ ten herrscht. Man befolgt keinen allgemeinen Plan, kein im Vor⸗ aus uͤberlegtes System; sondern man giebt den Gesuchen und Quaͤlereien der Deputirten nach, welche die Interessen ihrer Hei⸗ math und zuweilen ihr persoͤnliches Interesse im Auge haben, wenn sie selbst bei den Unternehmungen betheiligt sind, fuͤr die sie Konzessionen, Anleihen oder irgend eine finanzielle Unterstuͤtzung nachsuchen.

Man sieht leicht ein, daß, wenn die 65 Millionen, die in drei aufeinander folgenden Sessionen als Anleihen, Unterstuͤtzungen oder als direkt vom Staate zu verwendende Fonds bewilligt wurden, fuͤr eine einzige Haupt-⸗Eisenbahn⸗Linie verwendet worden waͤren, Frankreich einen ganz anderen Nutzen davon gehabt haben wuͤrde. Die Linie, welche sich am natuͤrlichsten darbietet und die zugleich den verschiedensten und zahlreichsten Interessen genuͤgen koͤnnke, ist die Linie von Havre nach Straßburg. Sie braͤchte Amerika in Verbindung mit Deutschland und sicherte uns einen unermeßlichen Transito⸗Handel; sie ersetzte den Mangel eines Kanals zwischen der Hauptstadt des Elsaß und Paris und durchschnitte mehrere Provinzen, die aus Mangel an Communicationsmitteln ihre Er⸗ zeugnisse nur mit Muͤhe absetzen. Es waͤre dies eine Linie, die zugleich den aͤußeren wie den inneren Handel beguͤnstigte und die als Ty⸗ pus und Ausgangspunkt fuͤr unsere saͤmmtlichen uͤbrigen Bahnen haͤtte dienen koͤnnen. Wenn man aber die 65 Millionen, die dazu gedient haben, eine ziemliche Anzahl kleiner Ortschaften, mehrere Gesellschaften, fuͤnf oder sechs große Banquiers, fuͤr die man stets die groͤßten Ruͤcksichten beobachtet hat, zufrieden zu stellen, fuͤr eine einzige Linie bewilligt haͤtte, wuͤrde man nicht die Sympathie einer so großen Anzahl Deputirter erlangt haben. Denn ein Deputirter hat vor allen Dingen fuͤr die Interessen seines Arron— dissements zu sorgen und selten beachtet er die Beduͤrfnisse der gesammten Departements.

Die Eisenbahn von Paris nach Havre, die in diesem Augen⸗ blicke liquidirt wird, hat ein eigenthuͤmliches Schicksal. Als die Kammer die Konzession dazu ertheilte, lagen zwei Projekte vor.

dKach dem einen sollte die Bahn durch das Thal der Seine, nach dem anderen, uͤber die sogenannten Plateaus gehen, wel⸗ che das Flußbecken beherrschen. Die zweite Linie war von den Koͤniglichon Ingenieurs der Bruͤcken und Chausseen untersucht worden und ihr Plan wurde von den sehr maͤchtigen Banquiers angenommen, die uͤber ihre Thal⸗Konkurrenten den Sieg davon trugen. Das zur Ausfuͤhrung noͤthige Kapital wurde naͤch den, wie man sagte, vollkommen genauen Schaͤtzungen auf 80 Mil⸗ lionen Franken festgesetzt. Die Actien, welche das Kapital re⸗ praͤsentirten, gaben zu einer ungezuͤgelten Agiotage Anlaß, die mehrere Monate dauerte und unterdeß wurden die vor— laͤufigen Arbeiten langsam betrieben. Nach einer ziemlich langen Zeit erkannte man, daß man sich in der Veranschlagung der Ko⸗ sten getaͤuscht habe, und daß in Betreff der Schwierigkeiten, die sich taͤglich zeigten, die Eisenbahn von Paris nach Havre etwa 160 Millionen kosten wuͤrde! Die Ingenieurs der Regierung hatten sich nur um die Haͤlfte geirrt. Unter diesen Umstaͤnden blieb nur ein Ausweg, naͤmlich, das Unternehmen aufzugeben; dies geschah denn auch, nachdem die Erlaubniß zur Liquldirung er⸗ theilt worden war. Aber dies ist noch nicht Alles. In der letzten Session haben die Kammern die Linie durch das Thal geneh⸗ migt, dieselbe Linie, die zwei Jahre zuvor dem Kredit maͤchtiger Gegner erlag.

Bei solchen Erfahrungen ist es fast unmoͤglich, den fuͤr große Unternehmungen von allgemeinem Nutzen so nothwendigen Asso⸗ ciationsgeist zu gruͤnden. Die meisten Associationen, welche sich seit vier oder fuͤnf Jahren bildeten, hatten die Agiotage, d. h. die Erlangung unmittelbarer Vortheile durch Actien zum Haupt⸗ zweck. Die Chefs bekuͤmmerten sich nicht um das Wesen des Unternehmers, mochte derselbe gut oder schlecht seyn, es gelang ihnen stets, durch ihr Boͤrsenspiel Gewinn daraus zu ziehen, ehe man im Stande war das Verdienstliche der Sache aus dem in⸗ dustriellen Gesichtspunkte su beurtheilen. Auch sind alle Eisen⸗ bahn⸗Actien sehr bald ungeheuer im Preise gefallen. Die Actien der Bahn nach Versailles auf dem linken Ufer stehen 200 Fr. statt 500 Fr.; die der Bahn auf dem rechten Ufer 320 Fr. statt 500 Fr. Dasselbe ist der Fall mit den Bahnen von Strasburg, Cette und fast mit allen im Bau begriffenen oder bereits fertigen Bahnen: uͤberall haben Verluste stattgefunden, ungeachtet der von der Regierung geleisteten Vorschuͤsse und Anleihen.

Die Regierung hatte einen Augenblick die Absicht, die Eisen⸗ bahnen gaͤnzlich auf Staatskosten auszufuͤhren und legte einen in diesem Sinne abgefaßten Gesetz⸗Entwurf den Kammern vor, der leider aus Ruͤcksichten, die in unseren Augen von keinem Werthe sind, verworfen wurde. Dieser Plan beraubte eine Menge Ban⸗

zuiers und Industrielle der Moͤglichkeit, Geschaͤfte dieser Art zu machen und daraus erklaͤrt sich unstreitig der Widerstand. Aber HMsh. Regierung damals gesiegt haͤtte, so haͤtten wir jetzt meh⸗ rere Eisenbahn⸗Linien, die unstreitig die industrielle und kommer⸗

zielle Wohlfahrt des Landes befördern wuͤrden. gens jetzt klar geworden, daß, lich Eisenbahnen haben will, der Staat die Ausfuͤhrung derselben uͤbernehmen muß. Er allein wird uns wichtige und nuͤtzliche Anlagen geben koͤnnen, wenn er nicht mehr durch die persoͤnlichen Ruͤcksichten der verschiedenen Coterieen, welche die Deputirten⸗Kammer bilden, gebunden seyn wird. Vielleicht wird man spaͤter von den finanziellen Associationen Nutzen ziehen koͤnnen; fuͤr jetzt scheint uns dies durchaus unmoͤglich. Es fehlt in Frankreich nicht an Kapitalien; sie sind im Gegentheil in Menge vorhanden, aber zu gleicher Zeit sehr zerstreut und die Besitzer derselben sehr aͤngstlich. Man hat sie zu harte Erfahrungen machen lassen, als daß man sie von neuem zu industriellen Unternehmun⸗ . auffordern koͤnnte, ohne ihnen vorher sichere Garantieen zu geben. 4

. So viel ist uͤbri⸗ wenn man in Frankreich wirk⸗

Dauer der Eisenbahnkahrten am 29. August 1841.

Abgang von Potsdam.

Abgang von Berlin.

Zeitdauer Zeitdauer M.

42

44 40 40

Uhr Morgens... 42 - Vormittags. 40 - Nachmittags 45 - Nachmittags 40 - Abends... 40 2 - Abends. 54 - Abends.

iper 2 Uhr Morgens...

Morgens ..

Vormittags. Nachmittags Nachmittags Abends. .

Abends. .

45 52

52

Meteorologische Beobachtungen.

1841. 29. August.

Abends 10 Uhr.

Morgens

6 Uhr.

Nachmittags 2 Uhr.

338,62 Par. 339,11 Par. + 13, n. + 22,4“ R. + 8,30 h. + 10,1° n. 81 pCt. 49 pCt. beiter. beiter. W. WNW. Wolkenzug... WNW. Tagesmittel: 339,35“ Par. + 16,70

Nach einmaliger Beobachtung.

Luftdruck.... Luftwärme... Thaupunkt .. Dunstsättigung Wetter

340,31 Par. Quellwärme 8,40 R.

+ 15,0 R. PFlusswärme 17,80 R.

+ 10,2° n. Bodenwürme 1äöö“ 71 pCt. heiter. WNW.

Niederschlag 0.

+ 13,1°.

R.. + 9,5 °h. 67 pct. waw.

Börse. ust 1841.

B 6Ii n 88 Den 390. Aug

2 Pr.

Brief.

Pr. Cour. Brief.] Geld.

10152 10319½ 101 10152

Actien. Brl. Pots. Eisenb. do. do. Prior. Act. Mgd Lpz. Eisenb. do. do. Prior. Aet. Berl. Anh. Eisenb. do. do. Prior Act. Düss. Elb. Eisenb. do. do. Prior. Act. Rhein. Eisenb.

Gold al marco Friedrichsd'or

St. Schuld-Sch. Pr. Engl. Obl. 30. Präm. Sch. der Seebandlung. Kurm. Schuldv. Berl. Stadt-Obl. Ellanger do. Danz. do. in Th. Westp. Pfandbr. Grossh. Pos. do. Ostpr. Pfandbr. Pomm. Kur- u. Neum. do. Schlesische do.

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Andre Goldmün- zen à 5 Th. Disconto

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Auswärtige Börsen. 5 % 30. 100 9%.

Zinal. 5. Preuss,

49 98 6.

Amsterdam, 26. Juli. Niederl. wirkl. Schuld 514 . Kanz. Bill. 25 %. 5 % Span. 18 7. Passive. 412⁄3. Ausg. —. Präm. Sch. Pol. Oesterr. 105 ¼.

8 Fra n kfu rt a. M., 27. Aug. Oesterr. 5 ½ Met. 107 ½ G. 2 ½ 55 Br. 17 24 8 Br. Bank-Act. 1933. 1931. Partial-Obl. —. Loose zu 500 Fl. 135 ¾. 135 ½. Loose zu 100 FPl. —. Preuss. Präm. Sch. 80 G do. 4 9% Anl. 102 G. Poln. Loose 73 G. 98 Span. Anl. 19 ¼. 19⁴ 2 ⁸. Holl. 50 ½. 50 ¼.

Eisenbahn-Actien. st. do. linkes —. München-Augsburg —. Dresden 100 ¼ G. Köln-Aachen 100 ¾ G.

Hamburg, 28. Aug. Bauk-Actien 1615 Rr.

Pa 18 25. Aug. 5 ½ Rente fin cour. 116. 30. 7719225 59 Neapl. fin cour. 104. 25. 5 ½ Span. Rente 20 ½. Passive 4 ¼. 3 Port. —. 8

Wien, 25. Aug. 5 % Mas. 106 56. 49 97 ½. 3 6 —. 19½ —. Bank-Actien 1578. Aul. de 1831 1341 ½. de 1839 10

Germain —. Versailles rechtes Ufer —.

Strassburg -Basel 245 Br. Leipzig- Engl. Russ. 108 ½. 3 ½ Rente fin cour.

Dienstag, 31. Aug. mantische Oper in 3 Abth., mit 86 von Helmina von Chezy. Musik von C. M. von Weber. (Mad. Fischer⸗Schwarzboͤck: Euryanthe, als Gastrolle. Herr Mantius: Adolar.)

Mittwoch, 1. Sept. Im Schauspielhause: Die Kadetten, Lustspiel in 3 Abth., von A. P. Hierauf: Die gefaͤhrliche Tante, Original⸗Lustspiel in 4 Akten, von Albini.

Donnerstag, 2. Sept. Im Schauspielhause. Zum ersten⸗ male: Aelternliebe, Drama in 2 Akten, nach dem Franzͤsischen des Bayard. Hierauf: Der Heirathsantrag auf Helgoland, lebendes Bild in 2 Abth., von L. Schneider. 1“

Königsstädtisches Theater.

Dienstag, 31. Aug. 3 Akten, von J. Nestroy.

Mittwoch, 1. Sept. (Italienische Opern⸗Vorstellung.) Lucia di Lammermoor. Opera in 3 Atti. Musica del Maestro Gae- tano Donizetti.

Preise der Plaͤtze: Ein Platz in der Orchester⸗Loge 1 Rthlr. 10 Sgr. Ein Platz in den Logen und im Balkon des ersten Ranges 1 Rthlr. u. s. w.

Textbuͤcher, in Italienischer und Deutscher Sprache, sind im ““ und Abends an der Kasse à 5 Sgr. zu haben.

Verantwortlicher Redacteur Dr. J. W. Zinkeisen.

Gedruckt in der Deckerschen Geheimen Ober⸗Hofbuchdruckerei.

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Im Opernhause: Euryanthe, große ro⸗

Der Talismann. Posse mit Gesang in

Hannover. h 1 1.“ 4 Der Geheime Kabinets⸗Rath Muͤller, nach

von den Fortschritten unserer Institutionen.

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Allgemeine

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Inhalt.

Amtliche Nachrichten. Frankreich. Paris. Guizots Rede an seine Kommittenten zu Lisieux. Ausgang des Didierschen Prozesses. Nachrichten aus Rio⸗Janeiro Vermischtes. Briefe aus Paris. (Guizot

in Caen. Diplomatie; Persoͤnliches.)

Großbritanien und Irland. Parl. Verh. Unterh. Fort⸗ setzung der Adreß⸗Debatte. London. Die Tory⸗Presse uͤber die Spanischen Angelegenheiten. Erklaͤrung des Globe uͤber

die Sache Mac Leod's. Ueber den Aufschub der Resignation

des Ministeriums. Getraide⸗Einfuhr der letzten zwoͤlf Jahre.

Bank⸗Status. Auswanderung nach Australien. Neger⸗ Verschwoͤrung in Louisiana. Vermischtes.

Deutsche Bundesstaaten. Kassel. Ministerial⸗Bekanntmachung, den Schutz dramatischer und musikalischer Werke betreffend. Karlsruhe. Reise der Großherzogin nach Holland. Schreiben aus Wiesbaden. (Aufenthalt des Fuͤrsten von Metternich.)

Oesterreich. Wien. Militairisches. Bildsaͤule des Kaisers Franz I. in Graͤtz. .

Italien. Mailand. Manͤver. 1

Spanien. Madrid. Reue Anleihen. Schreiben aus Madrid. (Das Manifest gegen die Allocution des Papstes; Espartero'’s Empfindlichkeit gegen die ihm feindlich gesinnte Presse; die Koͤ⸗ nigin Christine und die Tories.)

Türkei. Die Tuͤrk. Ztg. uͤber die Daͤmpfung der verschiedenen Aufstaͤnde.

Inland. Aachen.

Koblenz. Reise der Koͤnigin von Griechenland.

Eisenbahn. Die diesjaͤhrige Sitzung der General⸗Conseils in Frankreich.

Beilage. Schweden und Norwegen. Stockholm. General⸗ Major Peyron. Graf Woyna. Deutsche Bundesstaaten. Muͤnchen. Ankunft Sr. Majestaͤt des Koͤnigs von Wuͤrttemberg. Schreiben aus Detmold. (Anwesenheit des Kronprinzen von Beayern.) Oesterreich. Wien. Se. Koͤnigl. Hoheit Prinz Albrecht von Preußen hier erwartet. Türkei. Beirut. In Spyrien ist Alles friedlich gestimmt. Tabelle der Getraide⸗Preise fuͤr Monat Juli 1841.

Amtliche Uachrichten. Kvronik des Tages.

Majestaͤt der Koͤnig haben Allergnaͤdigst geruht:

Dem Koͤnigl. Daͤnischen Kammerherrn, Grafen Friedrich von Reventlow, den Rothen Adler⸗Orden zweiter Klasse mit dem Stern; und

Dem Stadtverordneten und Toͤpfermeister Schneider zu Loͤwenberg die Rettungs⸗Medaille mit dem Bande; so wie

Dem Gutsbesitzer Erasmus von Stablewski auf Dlonié bei Rawicz die Kammerherrn⸗Wuͤrde zu verleihen.

Der Graf von Teck ist nach Stuttgart von hier abgereist. Abgereist: Der General⸗Major und Gesandte am Koͤnigl. Hannoverschen Hofe, Freiherr von Canitz und Dallwitz, nach

Der Koͤnigl. Wuͤrttembergische General⸗Major und Adjutant Sr. Majestät des Koͤnigs, Graf von Sontheim, nach Stuttgart.

Zeitungs-NUachrichten. Ausland.

Frankreich.

Paris, 26. Aug. Da die Rede, welche Herr Guizot in Lisieux gehalten hat, eines von den Aktenstuͤcken ist, auf welche in der Polemik der Tagespresse noch oft genug Bezug genommen werden wird, so halten wir es fuͤr angemessen, dieselbe nachstehend in ihrer ganzen Ausfuͤhrlichkeit mitzutheilen: 4

„Ich weiß in der That nicht, m. H., wie ich auf die fuͤr mich so ehrenvollen und so schmeichelhaften Worte, die Sie so eben ver⸗ nommen haben, antworten soll. Erlauben Sie mir, in denselben nur den Ausdruck der Sympathie zu erblicken, welche uns seit 12 Jahren an einander knuͤpft, und die in den verschiedensten Lagen und Schicksalswechseln dieselbe geblieben ist. Vor 10. Jahren legte ich Ihnen in eben diesem Saale meine Ideen und politischen In⸗ tentionen dar und erorterte dieselben mit Ihnen. Eine solche Versammlung, eine solche oͤffentliche Eroͤrterung, dieses ganze We⸗ sen der freien Regierung fielen damals noch auf; jetzt scheinen sie einfach und natuͤrlich. Ein großer Beweis von der Herrschaft und

Ich wuͤnsche mir mit Ihnen, m. H., Gluͤck dazu. Ich setze meine Ehre darein, von den ersten Tagen an jene maͤchtigen Institutionen laut und voll⸗ staͤndig angenommen zu haben. Ich habe Vertrauen zu denselben, ich glaube an sie, ich achte und liebe sie. Und die Thatsachen erlau⸗ ben uns nicht, an dem Werth jener Institutionen zu zweifeln; denn sie haben unter unseren Augen zweimal Frankreich gerettet. Vor 1830 genuͤgten sie zur Vertheidigung unserer Freiheiten; nach 1830 reichten sie aus, um uns vor der Anarchie zu bewahren. Glauben Sie, m. H., daß wir ohne dieselben den Frieden haͤtten aufrecht er⸗ halten, die Ordnung wiederherstellen und am Tage nach einer Revo⸗ lution die Gruͤndung einer constitutionelle Monarchie hat ihre Proben abgelegt; sie hat ein Recht, uns zu regieren; denn binnen wenigen Jahren hat sie den ver⸗ schiedenartigsten, ich moͤchte fast sagen, den entgegengesetztesten Be⸗ duͤrfnissen der Gesellschaft entsprochen.

Sie entspricht denselben noch taͤglich, m. H., und das, was sich kuͤrzlich zugetragen hat, was sich noch in diesem Augenblicke utraͤgt, beweist siegreich, welche Kraft unsere Institutionen haben, und welche Dankbarkeit wir ihnen schuldig sind. Erinnern Sie sich, in welcher Lage sich vor einem Jahre unsere auswaͤrtigen Angelegenheiten be⸗ fanden. Frankreich und Europa waren sehr besorgt und sehr aufge⸗ regt. Von beiden Seiten herrschte großes Mißtrauen und große Er⸗ bitterung. Aller Anschein zu einem revolutionairen Kriege war vor⸗

Regierung haͤtten beginnen koͤnnen? Die

handen; aber kein rechtmaͤßiger Beweggrund, kein großes National⸗ Interesse schrieb den Krieg vor oder machte ihn auch nur raͤth⸗ lich. Eine mehr oder weniger gewandte, mehr oder weniger gluͤck liche auswaͤrtige Politik, Taͤuschungen, diplomatische Niederlagen; aber nichts, woraus vernuͤnftigerweise ein Krieg haͤtte hervorgehen koͤnnen.

Und der Krieg war weder der wahrhafte Wunsch, noch das wahr⸗ hafte Interesse des Landes. Frankreich wollte ihn nicht; Europa wollte ihn nicht; und doch schien und war der Krieg nahe bevorste⸗ hend; so schwierig war es, den wirklichen Wunsch, das wirkliche In⸗ teresse der Nation zum Vorschein zu bringen und uͤber die Leiden⸗ schaften und oberflaͤchlichen Gefahren der damaligen Lage zu erheben. Wie sind wir aus einer so kritischen Lage herausgekommen?

Der Koͤnig, von seiner Praͤrogative mit Festigkeit Gebrauch ma⸗ chend, aͤnderte sein Kabinet und brachte in demselben Augenblicke die große Frage wegen Frieden oder Krieg, die er nach seinem Ermessen und in den Graͤnzen seiner Machtvollkommenheit geldst hatte, vor die Kammer. Hier appellirte das Kabinet seinerseits an die gruͤndlichste Erorterung, an die vollstaͤndigste Oeffentlichkeit; eine Oeffentlich⸗ keit, die so weit ging, daß sie Vielen uͤbertrieben und unangemessen erschien. Aber bei dem damaligen Zustand der Dinge war die voll⸗ staͤndigste Oeffentlichkeit unumgaͤnglich nothwendig, um das Land aufzuklaͤren und es in den Stand zu setzen, selbst, mit vollkommener Sachkenntniß, die furchtbare Frage, welche ihm gestellt worden war, zu loͤsen.

Und ist aus diesem Allen eine jener unbesonnenen gewaltthaͤtigen Reactionen hervorgegangen, welche den Gedanken oder das Beneh⸗ men der Regierungen oder der Voͤlker von einem Extrem zum anderen treiben? Hat man, um ein großes Interesse des Landes zu retten, irgend ein anderes minder großes Interesse aufgeopfert? Hat man, indem man sich dem „Kriege um jeden Preis⸗ widersetzte, sich dem „Frieden um jeden Preis“ in die Arme geworfen, wie die Gegner des Kabinettes so oft zu behaupten suchen? Durchaus nicht, m. H. Alle Interessen des Landes sind beruͤcksichtigt und geschont worden, seine Wuͤrde eben so gut, als sein Wohlstand, seine Staͤrke sowohl, als seine Ruhe. Von den durch das vorige Kabinet vorbereiteten Maßregeln sind einige beseitigt, andere angenommen worden. Dar⸗ aus entstand jene Politik des bewaffneten Friedens und der einst⸗ weiligen Isolirung, eine wahre Politik der richtigen Mitte, der man keine Dauer und keinen Erfolg voraussagte, und deren Weis⸗ heit man doch endlich einraͤumte. Sie hat gedauert, m. H., sie ist gelungen. Der Frieden ist aufrecht erhalten worden, ohne daß wir unsere Wuͤrde zum Opfer brachten. Die Isolirung Frankreichs hat aufgehoͤrt, nachdem sie lange genug gedauert hatte, um den Wunsch nach Beendigung uͤberall anzuregen, und unter Bedingungen, die die Ehre unseres Landes sicher stellen.

Hier m. H. werden Sie, wie ich nicht zweifle, meine Zuruͤckhal tung billigen. Es giebt Thatsachen und Debatten, die nur vor den großen Staatsgewalten mitgetheilt und eroͤffnet werden duͤrfen. Ich werde nicht gegen die Pflicht fehlen, die mir in dieser Bezie⸗ hung auferlegt ist. Ich werde mich eben so jedes Wortes enthal ten, welches die Empfindlichkeit irgend einer fremden Regierung und irgend eines fremden Staates verletzen koͤnnte. Ich wuͤrde es mir nicht vergeben, wenn ich ein Wort sagte, welches zwischen Frankreich und England, zwischen Frankreich und Europa alte Vor⸗ urtheile naͤhren und bittere Gefuͤhle hervorrufen koͤnnte. Eine solche Sprache wuͤrde von Seiten jedes vernuͤnftigen Mannes, jedes aufrichtigen Freundes des Europaͤischen Friedens ein schweres Unrecht seyn. In meinem Munde wuͤrde sie, in Betracht der Stel⸗ lung, welche ich die Ehre habe einzunehmen, ein Verstoß gegen die Klugheit und gegen die Schicklichkeit seyn. Ich werde einen sol chen Vorwurf nicht auf mich laden, sondern mich darauf beschraäͤn⸗ ken, in einfachen Ausdruͤcken die Resultate unserer Politik und die Lehren, welche sich daraus ergeben haben, zusammen zu fassen.

Frankreich ist aufgeklaͤrt und beruhigt worden; es hat eingese⸗ hen, daß weder seine Ehre, noch sein Interesse ihm mehr geboten, als Ruͤstungen der Vorsicht und eine Isolirung, die indeß nicht ewig dauern wird. Europa ist beruhigt und belehrt worden. Be⸗ ruhigt durch den Augenschein unserer friedlichen Gesinnungen und durch die loyale Uebereinstimmung unseres Benehmens mit unserer Gesinnung, belehrt, daß Frankreich sich niemals von einer Politik, die nicht die seinige ist, ans Schlepptau nehmen lassen, daß es, ohne gerade Krieg zu fuͤhren, sich entschieden von dem trennen wuͤrde, was es nicht billige; daß es fuͤr alle Welt Uebelstaͤnde hat, wenn Frankreich sich von den allgemeinen Angelegenheiten Europa's iso⸗ lirt, und daß das gute Vernehmen zwischen allen Staaten von glei⸗ chem Interesse fuͤr Alle ist.

Auf diese Weise ist der sehr kritischen Lage unserer auswaͤrtigen Angelegenheiten ein Ende gemacht worden, und dieses Resultat ist mit gewissenhafter Achtung vor unsern Institutionen und durch die regelmaͤßige Entwickelung derselben erlangt worden. Der Werth derselben ist in Bezug auf unsere inneren Angelegenheiten wo moͤg⸗ lich noch augenscheinlicher und wirksamer gewesen.

Die FEreignisse des vorigen Jahres, meine Herren, haben uns

große Lasten auferlegt; die einen sind temporair und hoͤren mit der Lage auf, durch welche sie veranlaßt waren, die anderen sind nachhal⸗ tiger, denn sie entstehen aus der Nothwendigkeit, unsere zu lange ver⸗ nachlaͤssigte militairische Einrichtung wieder auf einen guten Fuß zu setzen. Genothigt, diese Lasten zu bestreiten, fuͤhlt die Verwaltung zugleich die Nothwendigkeit, das Budget des Staats auf seine nor⸗ malen Bedingungen zuruͤckzufuͤhren, d. h. das Gleichgewicht zwischen den Einnahmen und Ausgaben wiederherzustellen. Der oͤfentliche Kredit ist ein maͤchtiges Huͤlfsmittel, welches aber sehr geschont seyn will. Man darf nur in außerordentlichen und voruͤbergehenden Um⸗ staͤnden zur Anleihe seine Zuflucht nehmen; fuͤr die gewoͤhnlichen Aus⸗ gaben muͤssen die permanenten Einnahmen der Steuern ausreichen; dies sind heutzutage Elementar⸗Grundsaͤtze, die jeder vernuͤnftigen Re⸗ gierung zur Regel dienen muͤssen. 8

Was hat nun unter solchen Umstaͤnden der Finanz⸗Minister ge⸗ than? Er hat Maßregeln angeordnet, die schon durch die Gesetze ge⸗ billigt waren, und die einzig zum Zweck hatten: 1) die gleiche Ver⸗ theilung der bestehenden Auflagen zwischen den Steuerpflichtigen zu sichern; 2) die Kammern in den Stand zu setzen, bei der Pruͤfung und dem Votum jener Auflagen mit vollkommener Sachkenntniß zu Werke zu gehen. Nichts war sicherlich rechtmaͤßiger und den Beduͤrf⸗ nissen einer guten Landes⸗Verwaltung angemessener, als jene Maßre⸗ gel. Dennoch ward ein lebhaftes Geschrei erhoben. Nicht von Ihnen, m. H., nicht von Seiten der vernuͤnftigen Maͤnner, die ihr Ürtheil nach der Wahrheit der Dinge regeln, sondern von Bevoͤlkerungen, die weniger aufgeklaͤrt, weniger in der Einsicht der oͤffentlichen An⸗ gelegenheiten und der Bedingungen einer guten Regierung vorgeruͤckt sind. Abgeschmackte Irrthuͤmer, seltsame Volks⸗Vorurtheile haben sich verbreitet, und in demselben Augenblicke suchten die Factionen sich derselben zu bemaͤchtigen, sie auszubeuten, von dem Vorurtheile zum Widerstande, von dem Widerstande zur Insurrection zu verleiten. Die Verblendung der Massen und die Henchtedfsche Einwirkung der

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Factionen, das sind, m. H., die wahren Ursachen des Uebels, welches Unordnungen in einem Theile unseres Landes veranlaßt hat.

Was hat die Regierung jenem Uebel, jenen Unordnungen entgegen⸗ gesetzt? Nur zwei Mittel: 1) Die einfache Ausfuͤhrung der Gesetze, fest in ihrem Wesen, aber sehr gemaͤßigt, sehr milde in der Form, kraͤftige aber geduldige Demonstrationen. 2) Die vollstaͤndigste, die beharrlichste Eroͤrterung, um den Sinn jener Maßregel allgemein verstaͤndlich zu machen, und die Volks⸗Irthuͤmer zu berichtigen. Ich bitte Sie, m. H., Ihre Blicke auf das zu richten, was in die⸗ sem Augenblicke vorgeht. In ganz Frankreich sind die Munizipal⸗ Conseils zusammengetreten; die General⸗Conseils der Departements werden sich versammeln; in diesem Augenblick ist ganz Frankreich mit Wahl⸗Koͤrpern bedeckt, welche die in Rede stehenden Maßregeln pruͤfen, eroͤrtern, billigen oder tadeln. Und inmitten jener allge⸗ meinen Pruͤfung unterdruͤckt die Regierung die Unordnung, fest ent⸗ schlossen, den Gesetzen Achtung zu verschaffen, aber auch bestaͤndig bemuͤht, die oͤffentliche Meinung aufzuklaͤren. Ist ein solcher An⸗ blick nicht die glaͤnzendste Huldigung, die unseren Institutionen dar⸗ gebracht werden kann? Beweist er nicht, daß die Regierung sich auf die vollstaͤndige und energische Wirksamkeit unserer Institutionen stuͤtzt, und ihnen vertraut?

Ich sage, m. H. auf die vollstaͤndige und energische Wirksamkeit unserer Institutionen, denn diese allein ist erfolgreich und heilsam. Wenn unsere Institutionen ihren Zweck erreichen sollen, so muͤssen alle Staats-Gewalten mit Festigkeit und derjenigen Entschlossenheit handeln, welche ihnen obliegt. Jedes Schwanken, jede Schwaͤche einer jener Staats-Gewalten wuͤrde die ganze politische Maschine hemmen und unbrauchbar machen. Denn man darf es sich nicht verhehlen, daß in unserer Zeit die Tendenz liegt, eine unserer großen Staats⸗Gewalten, die monarchische Gewalt, durch Schwaͤchung der beiden Elemente, aus denen sie besteht, dem Koͤnig⸗ thume und der Verwaltung, zu beeintraͤchtigen. Wenn ich sage, das Koͤnigthum, m. H., so verstehe ich darunter die Koͤnigliche Institution und Person, die Krone und den Koͤnig. Es ist ein Grundsatz des constitutionellen Rechtes, daß der Koͤnig nichs Boͤses thun kann. Der Koͤnig unverletzlich, die Minister verantwortlich. Jeder Fehler der Regierung den Rathgebern der Krone, aber nicht dem Fuͤrsten selbst zugeschrieben. Das ist der bewundernswuͤrdige Grundsatz, der zu gleicher Zeit die Ordnung und die Freiheit beschuͤtzt. Aber an die Stede dieses Grundsatzes, daß der Koͤnig nichts Boͤses thun kann, moͤchte man gern den stel⸗ len: der Koͤnig kann nichts thun; eine de jare und de sacto falsche Idee, welche das Koͤnigthum entnervt, unter dem Vorwande es zu decken.

Unser Vaterland, meine Herren, hat von Gluͤck zu sagen, daß das Koͤnigthum sich nicht auf diese Weise hat entnerven lassen, und daß es in unseren Angelegenheiten die Rolle gespielt hat, welche ihm in unseren Institutionen zusteht. Wir verdanken seiner beharrlichen Einwirkung einen guten Theil des Erfolges, den wir erlangt haben. Die Weisheit des Koͤnigs und die Weisheit des Landes haben sich vereinigt, und diese Vereinigung, welche das Endziel der Charte ist, bat das Heil Frankreichs ausgemacht. Lassen Sie uns dankbar gegen den Koͤnig seyn, meine Herren, wir uͤben dadurch nur Gerechtigkeit aus. Die Dankbarkeit ist fuͤr die Voͤlker eine nuͤtzliche Pflicht; sie dient ihnen eben so sehr, als sie sie ehrt, denn sie ermuntert und un⸗ terstuͤtzt den Fuͤrsten in seiner Hingebung fuͤr das Vaterland, und das Vaterland bedarf der Hingebung des Fuͤrsten eben so sehr, wie der Hingebung aller seiner Buͤrger.

Das zweite Element der monarchischen Gewalt, das auf allen Punkten des Gebietes gegenwaͤrtige und thaͤtige Element, die Ver⸗ waltung, ist eben so nothwendig, und das Land bedarf bestaͤndig ih⸗ rer Wachsamkeit und ihrer Energie. In dem ganzen Laufe unserer Geschichte, und besonders seit 50 Jahren, ist die Verwaltung ein Prinzip und ein Pfand der National⸗Einheit, der oͤffentlichen Ord⸗ nung, des Fortschrittes in der Civilisation gewesen. Unter ihrer Hand und durch ihre Einwirkung ist Frankreich ein kompaktes Gan⸗ zes geworden; unter ihrer Hand und durch ihre Einwirkung sehen Sie taͤglich Fhre Schulen entstehen, Ihre Verbindungswege sich vermehren, Ihre Staͤdte sich verschdnern, das Gedeihen und den Wohlstand sich uͤber das ganze Land verbreiten. Huͤten wir uns sorgfaͤltig, m. H., jene heilsamen Gewalten zu schwaͤchen; halten wir sie aufrecht in allen ihren Rechten, damit sie sich fest und voll staͤndig neben unseren Freiheiten entwickeln, abwechselnd beaufsichti⸗ gend und beaufsichtigt. Es ist die Pflicht der vernuͤnftigen und auf⸗ geklaͤrten Maͤnner, sie gegen feindliche Tendenzen zu vertheidigen und zu unterstuͤtzen. Denn taͤuschen Sie sich darin nicht, m. H., die Gewalt kann sich nicht allein auf sich selbst beschraͤnken; sie muß umringt, sie muß unterstuͤtzt werden; ihre direkten Agenten beduͤr⸗ fen der thaͤtigen und wachsamen Mitwirkung aller konservativen Kraͤfte der Gesellschaft.

Man hat gesagt, daß die Revpraͤsentativ Regierung nicht auf die RNuhe der Minister berechnet sey; sie ist auch nicht auf die Theil⸗ nahmslosigkeit der guten Buͤrger berechnet. Sie ist fuͤr Niemanden ein Zelt, unter dem er schlafen soll, sondern eine Laufbahn, die Allen eroͤffnet ist, und auf der Alle thaͤlig seyn muͤssen. Sie Alle, m. H., die die Ordnung in Ihren Familien, die Ordnung in Ihren Staͤdten, die Ordnung im Staate wollen, vergessen Sie niemals⸗ daß diese Guͤ⸗ ter eines von dem anderen unzertrennlich sind, und daß dieselben von Ihnen selbst abhaͤngen. Als wir im Jahre 1830 unsere verkannten Rechte geltend machten, haben wir Frankreich und der Welt ver⸗ sprochen, eine regelmaͤßige und stabile, gleichzeitig aber auch eine freie Regierung zu gruͤnden. Halten wir unser Versprechen, m. H., un- terziehen wir uns aller der Muͤhe, welche die Erfuͤllung desselben er⸗ heischt. Um diesen Preis ist der Erfolg unfehlbar, und wir werden die Hindernisse, welche sich uns noch entgegenstellen sollten, uͤberwin⸗ den, wie wir seit 11 Jahren diejenigen stets uͤberwunden haben, an denen scheitern zu sollen man uns so oft drohte.“

Der Prozeß, den Herr Simon Didier, Sohn des unter der Restauration hingerichteten Didier's, gegen den Courrier de Liseère wegen Diffamation seines Vaters anhaͤngig gemacht hatte, ist zum Vortheil des Ersteren entschieden worden. Der verant⸗ wortliche Herausgeber des genannten Blattes ist indessen nur in die Kosten verurtheilt, da Herr Didier durch die Erklaͤrungen vor Gericht zufriedengestellt ward. Die Gazette des Tribunaux und die Quotidienne haben die Verhandlungen dieses Diffa⸗ mations⸗Prozesses, in welchem oft der Verbindungen erwaͤhnt wurde, in denen Didier zum damaligen Herzoge von Orleans ge⸗ standen haͤtte, ausfuͤhrlich mitgetheilt und sind deshalb vor das Zucht⸗Polizeigericht geladen worden. 1

Das Journal des Dobats enthaͤlt ein Schreiben aus Rio Janeiro vom 23. Juni, worin es unter Anderem heißt: „Der Admiral Dupotet, der von der Brasilianischen Station abberufen worden ist, und der Contre⸗Admiral Massieux, sein

Nachfolger, befinden sich Beide auf unserer Rhede. Die Fre⸗