werde immer diejenige Ansicht aussprechen, die mir zur 2
Grafen Grey und diejenige des Lord Melbourne, uͤber welche ich dem Hause einige Bemerkungen vortragen moͤchte. Graf Grey er⸗ freute sich, gemeinschaftlich mit seinen Kollegen, großer und beispiel⸗ loser Popularitaͤt, und Lord Melbourne wurde, nachdem er Premier⸗ Minister der Krone unter Wilhelm 1X. gewesen, bei dessen Ableben der verantwortliche Rathgeber einer Fuͤrstin, welche die Hereschaft uͤber diese Reiche in einem so fruͤhen Lebensalter erhielt, als die Landes⸗Gesetze es erlauben, und es ward seine Pflicht, der Krone seinen Rath zu ertheilen, welcher, es sey mir gestattet, es zu sagen, jederzeit mit dem Vertrauen und der Zuversicht aufgenommen wurde, die der freimuͤthigen und großherzigen Gemuͤthsart der den Thron einnehmenden Koͤniglichen Person so wohl anstand. (Beifall.) Aber weder die große Popula⸗ ritat des Grafen Grey und seiner Minister, noch die Macht und die Gunst, in welcher Lord Melbourne stand, sind auch nur in einem einzigen Falle gemißbraucht worden. Waͤhrend man uns von einigen Seiten tadelte, daß wir nicht Maßregeln vorschlugen, durch welche jene Gunst und jene Popularität so. benutzt und so sehr befestigt wuͤrden, daß unsere Macht dadurch gesichert worden waͤre, war es unser unveraͤnderliches Bestreben, die Verfassung des Landes und die Vorrechte der Krone unperletzt und unangetastet zu erhalten. (Bei⸗ fall.) Nachdem ich so viel ruͤcksichtlich der beiden Minister gesagt habe, unter welchen ich zu dienen die Ehre hatte, wie ich mit Stolz und Genugthuung hinzufuͤgen kann, ist es mir vielleicht erlaubt, ein Paar Worte ruͤcksichtlich der Person hinzuzufuͤgen, welche jetzt die Ehre hat, Sie anzureden. (Hort! und Beifall.) Ich will nicht behaupten, daß es nicht andere Personen im Amte geben moͤchte, welche groͤßere Fähigkeit fuͤr die Verwaltung der oͤffentlichen Ange⸗ legenheiten besitzen koͤnnten, und die fuͤr jene Verwaltung ange⸗ messenere Kenntnisse in Bezug auf diese Gegenstaͤnde mitbringen duͤrften. Alles, was ich zu sagen wage, ist, daß, waͤhrend ich in der Stellung war, die ich einzunehmen die Ehre hatte, keinerlei Ruͤcksichten meine Aufmerksamkeit von den oͤffentlichen Pflichten des mir anvertrauten Amtes, noch von der Erfuͤllung der anderen Pflichten, die mir, durch meine Stellung in diesem Hause oblagen, ab⸗ gewandt haben; und ich habe gesucht, jeden Augenblick, den ich eruͤbrigen konnte, der Erfuͤllung jener Pflichten zu widmen. (Lauter Beifall von beiden Seiten des Hauses.) Ruͤcksichtlich der Tauglichkeit der von mir vorgeschlagenen oder von mir ausgefuͤhrten Maßregeln will. ich mich jetzt in keine Eroͤrterung einlassen; Alles, was ich zu sagen wuͤnsche, ist, daß ich, so viel in meinee Macht stand, bemuͤht gewesen bin, meine Faͤhigkeiten dem Dienste des Landes zu widmen, waͤhrend ich im Amte war. (Beifall.) Das Unterhaus hat sogleich beim An⸗ fange seiner Session entschieden, daß es Schritte thun werde, um die Aufmerksamkeit der ausuͤbenden Gewalt auf die in der Rede Ihrer Majestaͤt angedeuteten Maßregeln zu lenken. Ich kann nur sagen, daß, obschon jener Beschluß uns auffordern koͤnnte, uns Maßregeln zu widersetzen, denen wir nicht unseren Beifall zu geben im Stande waͤren, ich mich dennoch versichert halte, daß ich bei allen ferneren Berathun gen des Hauses jederzeit bereit seyn werde, demselben den Rath zu er beilen, den ich ihm zu geben fuͤr meine Pflicht hallen werde Beifall), um demselben den Beifall des Vereinigten Koͤnigreichs zu. sichern und um zu der Wohlfahrt und dem Gedeihen des großen Reiches mitzu⸗ wirken, von welchem dieses Haus der Mittelpunkt ist. (Hoͤrt, hoͤrt!) Ich werde immer, ich mag nun im Amte seyn oder nicht, dem Hause meine gewissenhaften Ueberzeugungen ausdruͤcken, sie mogen nun mit denen der Tages⸗Minister uͤbereinstimmen oder ihnen widersprechen; ich Vervollkommnung unserer Institutionen geeignet erscheinen duͤrfte: nie einerseits Mißbraͤuche vertheidigend, als waren es Institutionen, noch andererseits je Insti⸗ tutionen aufopfernd, um der Mißbräuche willen, die sich in diesel ben eingeschlichen haben koͤnnten. (Lauter Beifall von beiden Seci ten des Hauses.) Ich habe nur noch hinzuzufuͤgen, ruͤcksichtlich Al⸗ ler, mit welchen ich waͤhrend so vieler Jahre in diesem Hause uͤber bffentliche Angelegenheiten zu verhanveln gehabt, — sie moͤgen nun mthterstuͤtzer oder Gegner gewesen seyn, — daß es mein Wunsch ist, veetäntsch die Hoffnung anszusprechen, daß sich in alle unsere tüͤnf⸗ tigen Beziehungen keine Gefuͤhle persoͤnlicher Bitteckeit mischen wer⸗ den. (Beifall.) Und wenn unseee Resignation zur Wohlfahrt des Landes und zum Besten seines Volkes gereicht, werde ich mit Ge⸗ nugthuung auf die heutige Verhandlung e“*“ g Nachdem der Lord die Vertagung des Hauses bis kuͤnftigen Montag beantragt hatte, setzte
er sich unter lautem und lange anhaltendem Beifallruf nieder. Lord Stanley beantwortete die Rede des Ministers, indem er dessen Eifer und Talente belobte, benutzte aber zugleich die Gelegenheit, um sich daruͤber aus⸗ zusprechen, daß die Thronrede, die bereits im vorigen Parla⸗ mente verwoͤrfenen Maßregeln kommerzieller Reform zur Sprache gebracht und dadurch zu der Vermuthung die Veran⸗ lassung gegeben habe, als gehe die Anempfehlung jener Maß⸗ nahmen von der Krone selbst und nicht von den verantwortlichen Rathgebern der Krone aus. Lord J. Russell erwiederte, die Thronrede sey, wohlverstanden, im genauen verfassungsmaͤßigen Sinne, nicht die Rede der Koͤnigin, sondern die ihrer, Minister und von diesen angegeben, so wie auch diese nur dafuͤr verant⸗ wortlich waͤren. Hierauf vertagte sich das Haus bis zum naͤch⸗ sten Montage.
London, 31. Aug. Die Vertagung des Parlaments bis zum 6. September ist natuͤrlich deshalb geschehen, um Sir R. Peel zur Bildung des neuen Ministeriums die noͤthige Zeit zu lassen. Tory-Blaͤtter meinen zwar, es wuͤrde dieserhalb kaum eine so lange Vertagung noͤthig gewesen seyn, indeß haͤtte es, fuͤ⸗ gen sie hinzu, nichts nuͤtzen koͤnnen, waͤre das Parlament eher wieder zusammengekommen, da neue Wahlausschreiben, deren in Folge des Minister⸗Wechsels eine Anzahl noöͤthig seyn wird, weil in Mitglied bei Uebernahme eines Amtes sich einer neuen Wahl interwerfen muß, erst volle vierzehn Tage nach der Erbffnung ines neuen Parlaments erlassen werden duͤrfen, bis zu welchem Termin die Petitionen gegen anzufechtende Wahlen einzureichen sind. Mittwoch uͤber acht Tage waͤre daher der fruͤheste Zeitpunkt fuͤr neue Wahlausschreiben. Nach Erlaß derselben duͤrfte das Parlament dann
““ 9 1b 8 2* ’8 auf zweioder drei Wochenprorogirt werden, damit inzwischen diejenigen
Mitglieder des neuen Kabineks, welche zugleich Mitglieder des Un⸗ terhauses sind, ihre Wiedererwaͤhlung betreiben koͤnnen. Am
21. September soll Sir R. Peel das Parlament wieder zusam⸗
menberufen und nachdem er demselben die Verlaͤngerung des jetzigen Armen⸗Gesetzes auf ein Jahr vorgeschlagen und ein Kre— dit⸗Votum auf sechs Monat von ihm verlangt und beides erlangt haben wuͤrde, dasselbe prorogiren, ohne die zahlreichen Wahl⸗Pe⸗ titionen zur Berathung zu dringen oder andere Geschaͤfte vorneh⸗ men zu lassen. Das Parlament wuͤrde dann, wie man meint, nicht vor Februar wieder versammelt werden. Die Whig⸗Blaͤt⸗ ter lassen sich schon im Voraus mit Heftigkeit gegen diese angeb⸗
liche Anordnung vernehmen. Es sey nichts leichter als dies, sa⸗
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fuͤhren.
gen sie, aber das Land werde entruͤstet seyn uͤber solche herzlose Apathie gegen die Noth in den Fabrik⸗Distrikten, die unterdeß wahrscheinlich immer mehr steigen wuͤrde. Sir R. Peel soll indeß schon Erkundigungen und Gutachten uͤber den Zustand des Han⸗ dels und der Manufakturen bei den Kaufleuten von Liverpool und Manchester eingeholt haben. Andererseits wird auch be⸗ hauptet, daß in einer Versammlung von Grundbesitzern, welche vorgestern gehalten worden, der Herzog von Buckingham und seine Freunde sich mit Sir. R. Peel, in Folge seiner letzten Aeu⸗ ßerungen uͤber die Korngesetze, zufrieden erklaͤrt haͤtten, so daß
nun vollkommene Einigkeit unter den Tories herrsche und diesel⸗
ben im Stande waͤren, das Staatsruder mit starker Hand zu Es hatte sich anfangs das Geruͤcht verbreitet, daß auch
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der Herzog von Wellington und der Graf von Aberdeen von Ihrer Majestat aufgefordert worden seyen, der Konferenz beizuwohnen, zu welcher die Koͤnigin Sir Robert Peel nach Wind⸗ sor beschieden hatte; dies hat sich aber als ganz ungegruͤndet er⸗ wiesen. Es wird erzaͤhlt, daß Sir Robert Peel und Lord Mel⸗
bourne gestern, auf dem Wege nach und von Windsor, einander
auf Hounslow Heath begegneten und sich sehr freundlich begruͤßten. Morgen wird wahrscheinlich eine Geheimeraths⸗Versammlung in Windsor stattfinden, und die Minister werden dann ihre Amts⸗ siegeln ihren bis dahin vermuthlich schon ernannten Nachfolgern uͤbergeben. Ein Geruͤcht bezeichnet jetzt den Grafen De Grey (nicht mit dem aͤltesten Grafen Grey zu verwechseln) als ersten Lord der Admiralitaͤt in Sir Robert Peel's Ministerium. E. Waͤhrend der Herzog von Cambridge im Oberhause fuͤr das Toryistische Amendement zu der Adresse stimmte, hat sein Bruder, der Herzog von Sussex, nicht nur dagegen gestimmt, sondern noch einen besonderen Protest gegen dasselbe in die Protokolle des Hau⸗ ses eintragen lassen. . Das Amendement, welches Herr Sharman Crawford, der bekannte Irläaͤndische Radikale, am Sonnabend noch zur Adresse in Antrag brachte, das aber mit einer Majoritaͤt von 244 Stim⸗
men verworfen wurde, lautete folgendermaßen: „Wir erlauben uns forner, Ew. Magjestaͤt vorzustellen, daß, unserer Ansicht nach, das Elend, welche Ihre Majestaͤt beklagt, hauptsaͤchlich dem Umstande
zuzuschreiben ist, daß das ganze Volk nicht vollstaͤndig und ordent⸗ lich in diesem Hause repraͤsentirt ist, und daß wir fuͤhlen, daß es
unsere Pflicht ist, die Mittel zu erwaͤgen, das Wahlrecht auszu⸗ dehnen und zu reguliren und diejenigen Verbesserungen anzuneh⸗
men, die den arbeitenden Klassen dasjenige Gewicht in dem Re⸗ praͤsentativ⸗Koͤrper verschaffen koͤnnen, welches zur Sicherung ih⸗ rer Interessen noͤthig ist, und wozu sie durch die geduldige Er⸗ tragung ihrer Leiden berechtigt sind.“
Als letzte Handlung der Whigs bezeichnet die Times die Freilassung O'Connor's, zu dessen Empfang in York, wo eine Chartisten⸗Demonstration stattfinden soll, ein praͤchtiger Wagen mit sechs Pferden in Bereitschaft stehe.
Gestern wurde eine General-Versammlung der hiesigen Ko⸗
lonial⸗Gesellschaft gehalten und in derselben mehrere Resolutionen
beschlossen, deren Zweck dahin geht, dem Kongresse der Vereinig⸗
ten Staaten direkte Vorstellungen gegen die widerrechtliche Haft
Mac Leod's zu machen.
Das Post⸗Dampfschiff „Acadia“ ist nach der ungemein schnel⸗ len Uebersahrt von 9 Tagen und 15 Stunden von Halifax in Li⸗ verpool angekommen und bringt New⸗Yorker Nachrichten vom 16. August. (S. den Art. Nord⸗Amerika.) 2 Gestern kam eine betraͤchtliche Partie neuen Weizens aus Esser an den Markt, dessen Qualitaͤt aber im Ganzen nicht be⸗ zwar besser als in voriger Woche beschaffen, aber doch nicht voͤl⸗ lig trocken; es dauerte daher einige Zeit, ehe etwas Bedeutendes davon abgesetzt wurde, und die Verkaͤuser mußten mit 4 bis 5 Sh. niedrigeren Preisen vorliebnehmen. eine bedeutende Quantitaͤt fast zu denselben Preisen, wie vor acht Tagen, umgesetzt. In unverzolltem fremdem Weizen war der Um⸗ satz gering, die Preise blieben auch dieselben wie in voriger Woche.
London, 1. Sept. (Hamb. Boͤrsen⸗Halle.) Alle Welt spricht natuͤrlicherweise von den Absichten des neuen Premier⸗ Ministers, aber Gewisses weiß kein Mensch zu sagen. Die Ver⸗
muthung des Globe indessen wird sich wahrscheinlich bewaͤhren,
naͤmlich, daß Sir R. Peel ein Kredit⸗Votum verlangen, das Ar⸗ mengesetz auf ein Jahr verlaͤngern und das Parlament alsdann bis zu Anfang des naͤchsten Jahres prorogiren wird. Uebrigens
darf dies nur als eine Vermuthung angesehen werden, denn Sir
R. Peel hat sein Vorhaben bis jetzt geheim gehalten. Gestern fruͤh schickte Sir R. Peel Regierungsboten nach dem Herzog von Buckingham und dem Grasen von Liperpool, die Beide gestern Nachmittag zur Stadt kamen und sogleich eine ziemlich lange Unterredung mit Sir R. Peel hatten. Zeitung gestern behauptet, daß eine Konferenz der Haͤupter der Tory— Parteil gestern im Hause Sir R.Peel's stattgefunden habe. Dies ist ein
Irrthum. Der angehende Premier⸗Minister ist den ganzen Tag uͤber
mit der Ordnung seines Kabinets beschaͤftigt gewesen, aber es hat keine eigentliche Konferenz bei ihm stattgefunden. Folgende haben
aber im Laufe des Tages mit ihm Unterredungen gehabt: Graf von Haddington, Lord F. Egerton, Graf von Ripon, Lord Castle⸗
reagh, Graf von Hardwicke, Graf Wharncliffe, Sir Henry Har⸗ dinge, Sir Thomas Fremantle, Sir Frederick Pollock, Sir Wm. Follett, Sir George Clerk, Sir George Cockburn, Herr Gladstone, Lord Lyndhurst, Herr Goulburn, Sir Edward Knachthull und einige Andere. E. A. Anson, Schatzmeister des Prinzen Albrecht, von Winsor
zur Stadt und verfuͤgte sich sogleich zu Sir R. Peel, dem er
einen eigenhaͤndigen Brief von der Königin uͤberbracht haben soll. Der Herzog von Wellington gab gestern ein Diner, wobei die Hauptpersonen des bevorstehenden Ministeriums zugegen wa⸗
ren. Folgendes waren, wie ich hoͤpe, die einzigen Gaͤste; Sir R. Peel, Graf von Aberdeen, Graf von Ripon, Lord Lyndhurst,
„
Lord Stanley, Lord Ellenborough, Sir James Graham und Herr Charles Arbuthnot. Die Versammlung bei Sir R. Peel am Montag Abend, vorgestern, danerte bis spaͤt in die Nacht hinein. Die dem Herzoge von Wellington zugedachte Stelle ist
die eines Praͤsidenten des Geheimen Raths; Herr Charles Ar⸗
buthnot soll Kommissar der Forsten und Waldungen werden. Der Herzog von Beaufort und der Graf von Jersey werden beide
als Nachfolger des Grafen von Albemarle, der jetzt die Stelle eines Oberstallmeisters bekleidet, genannt. Am wahrscheinlichsten wird Graf von Jersey die Stelle bekommen.
Die Hof⸗Zeitung meldet, daß der See⸗Capitain Sarto⸗ rius, Admiral in Portugiesischen Diensten, und Herr La Gaussaye,
der Obersten⸗Rang in der Britischen Legion bekleidet hat, von der
Koͤnigin zu Rittern geschlagen worden.
g London, 31. Aug. Die Verwaltung der Whigs ist
endlich zum Schlusse gekommen, und Peel ist foͤrmlich von Ihrer
Majestaͤt beauftragt, ein neues Ministerium zu bilden. Das Un⸗
terhaus kam Sonnabend Morgen gegen 3 Uhr, also am Schlusse
der vierten Nacht der Debatte, zur Entscheidung, daß die Mini⸗ ster nicht sein Zutrauen besaͤßen, und zwar durch 360 gegen 269 Stimmen oder eine Majoritaͤt von 91! 12 Uhr versammelte sich das Haus aufs neue, um uͤber die end⸗
liche Annahme der Adresse in dem Sinne der genannten Entschei⸗ 1 Die Minister und fast alle Whigs waren
dung zu bestimmen.
dabei abwesend. Herr Sharman Crawfeord, ein Unterstuͤtzer der⸗ selben, aber ein Radikaler in seiner Politik, schlug als Zusatz eine
Klausel vor, des Inhalts, daß das Wahlrecht weiter ausgedehnt
den arbeitenden Klassen mehr Einfluß ihrer Interessen zu
dem Manne vielleicht um so
werden muüͤsse, um und eine groͤßere Beachtung
fen. Dieses Verfahren schien mehr
be“
sonders war; der Bushel davon wog 56 bis 61 Pfund, und war
Von altem Weizen wurde
Es wurde von einer Abend⸗:
Kurz vor 5 Uhr gestern Nachmittag kam Herr
Am selben Tage um
verschaf⸗
an der Zeit, als Lord John Russell am Morgen erklaͤrt
hatte, er und seine Partei wuͤrden sich zu keinen weiteren Refor⸗ men in den Grundlagen der Verfassung verstehen, und wollten lie ber auf immer der Ruͤckkehr an die Regierung entsagen, als sol⸗ che unter der Bedingung zu erlangen, welche ihnen manche von den Radikalen gestellt. Auch haͤtte man meinen sollen, alle Ra⸗ dikale wüͤrden die Gelegenheit ergriffen haben, sich von der Fuͤhrung der Whigs loszureißen. Aber mehrere derselben, wie Ward, Roebuck, Wakley, erklaͤrten den Vorschlag fuͤr unzeitig und verließen das Haus, so daß bei der Abstimmung sich nur 37 dafuͤr erklaͤrten. Nach diesem Intermezzo wurde die Adresse ange nommen und an Ihre Majestaͤt abgesandt.
Die Rede, womit Lord J. Russell dem Unterhause die Ab dankung des Ministeriums ankuͤndigte, war pathetisch, aber hoͤflich und wurde von Lord Stanley eben so hoͤflich, ja freundlich erwie dert. Das Merkwuͤrdigste in dieser Erwiederung war, daß der edle Lord die Behauptung des Ex⸗Ministers nicht gelten lasser wollte, sie traͤten uͤber die großen finanziellen Fragen aus, welch sie dem Parlamente vorgelegt haͤtten. Er behauptete vielmehr uͤber diese sey das Parlament noch zu gar keiner Entscheidung gekommen, sondern blos, daß die bisherigen Minister nicht dessen Vertrauen besaͤßen.
Die Whigs, um sich der Gewerbe⸗Klassen zu ver sichern, bestehen natuͤrlich darauf, ihre Verwerfung einzig den Umstande zuzuschreiben, daß sie die Gutsherren in ihren Monopole angegriffen. Die echten Monopolisten und der ren Organe leugnen dieses auch gar nicht, sondern schei nen stolz darauf, daß sie so große Macht besitzen; wie
ja der Herzog von Richmond ohne Hehl erklaͤrte, die Guts⸗ 3 1
herren haͤtten Peel an die Herrschaft gebracht und wuͤr⸗
den ihn wieder stuͤrzen, wenn er ihnen die Vortheile zu entreißen suche, welche ihnen das jetzige Getraide⸗Gesetz gewaͤhre. Peel aber sagte in der langen Rede, womit er Freitag Nacht das Verfahren sei⸗
ner Partei gegen das Ministerium zu Frechtfertigen suchte, weit entfernt, sich zu dieser Ansicht zu bekennen, den Gutsherren
er sey zwar noch immer der Meinung, daß eine wandelbare Skala
am vortheilhaftesten fuͤr das Land im Allgemeinen sey; dabei aber wolle er sich nicht anheischig machen, keine Beraͤnderung in der Skala selbst und in der Art und Weise, wie dieselbe durch die Durchschnitts⸗Preise zu bestimmen sey, vorzuschlagen; und wenn er unter keiner anderen Bedingung die Unterstuͤtzung der Guts⸗ herren (of the landed interest) behalten könnte, so muͤsse er der⸗ X selben entsagen.
Dieses sollte offenbar fuͤr eine Antwort auf jene so unkluge als anmaßliche Bemerkung gelten, und wird sich wahrscheinlich so erweisen, wenn wir eine authentische Liste vom neuen Ministerium besitzen, und nicht nur kein Herzog von Buckingham, sondern auch kein Herzog von Richmond und kein Graf Ripon darin er⸗ scheint, welche beide Letzteren doch im Greyschen Kabinet gesessen und als urspruͤngliche Tories eher Anspruch auf Stellen in ei nen konservativen Kabinette haben muͤßten, als der ehemalige † Whig Stanley und der mehr als Whig Graham. Man hoͤrt jedoch, daß es nur diese Beiden waren, welche nebst, Goulbourn f und Freemantle, sich gestern Abend nach Peel's Ruͤckkehr von 1 Windsor bei demselben zur weiteren Berathung uͤber das zu bil⸗ dende Kabinet einfanden.
Peel's Rede waruͤ berhaupt sehr liberal, selbst gegen die Whigs, F
denen er wirklich so schwach zu Leibe ging, daß es einem, der nich
fruͤhere Reden von ihm und Anderen seiner Partei gelesen haͤtte schwer werden duͤrfte, aus derselben einen anderen Grund fuͤr die Verwerfung der Whigs zu entdecken, als daß die Tories eine par⸗ lamentarische Mehrheit haben. Nichts von irgend einem Belang gegen ihre auswaͤrtige Politik; nichts gegen ihre Verwaltung der Kolonieen; nichts gegen ihre sonst so haͤufig angeklagte Verwal⸗ tung Irlands; nichts von Feindseligkeit gegen die Kirche; nichts gegen ihr Streben nach Centralisation; nichts gegen ihr Armen⸗ Gesetz. Ueber die Ruͤckkehr des Einverstaͤndnisses mit Frankreich freute er sich, und er ergriff weislich die Gelegenheit, dieses ats den Zeitpunkt zu bezeichnen, wo alle Nationen, im Vertrauen auf gegenseitige Redlichkeit und noch mehr auf die eigene vaterlaͤn⸗-
dische Gesinnung, entwaffnen moͤchten. Es waren goldene Worte welche gewiß in 20 Sprachen und Millionen Herzen nachkline en werden, besonders in Deutschland, von dessen Groͤße und vdoch.
sender Einheit er mit einer an Verehrung graͤnzenden Achtung sprach; das Prinzip des freien 1 — ss; „4 Umfange an, und erklaͤrte sich bereit, solches, wo es nur immer
Handels erkannte er in seinem ganzen 84 thunlich, in Anwendung bringen zu wollen. Der Heftigkeit der Irlaͤndischen Protestanten, welche, wie neulich der Fheriff von Fermanaugh, die Religion ihrer katholischen Mitbuͤrger zu be⸗ schimpfen suchten, erklaͤrte er ohne Ruͤckhalt den Krieg. Dies that er wahrscheinlich in desto kraͤftigerem Ausdrucke, weil man sich so viele Muͤhe gegeben hatte, den Irlaͤndischen Katholiken vor der Wiedereinsetzung einer Tory⸗Verwaltung bange zu ma⸗: chen; und er auch im Anfange seiner Rede sich hatte hinreißen lassen, O'Connell, welcher gerade vor ihm gesprochen, und die— Tories ohne Maß geschmaͤht hatte, mit zerschmetternder Verach⸗ 8 tung niederzudonnern. 8 Lord John Russell konnte in seiner Rede, womit er, gleich 8 hinter Pecl auftretend, die Debatte beschloß, nicht umhin, die gu⸗ ten Absichten seines Gegners anzuerkennen, und druͤckte nur seine 86 Besorgniß aus, daß ein Theil seiner Anhaͤnger ihn ver⸗ 8 hindern wuͤrde, solche in Ausuͤbung zu bringen. Er ver⸗ sicherte ihn aber, daß er von ihm keinen factibsen Wi⸗ derstand erfahren, sondern bei allen guten Maßregeln sei⸗ nen Beistand haben sollte. „Ich bin gewiß“, so schloß er, „daß, wenn dieses Land mit gesundem Verstand und durch große und umfassende Maximen regiert wird, ihr von eurer jetzigen Staͤrke und Macht zu groͤßerer Staͤrke und Macht fortschreiten, und die liberalen Grundsaͤtze nach allen Erdtheilen hin verbreiten, Millio⸗ 8 nen durch eure Handlungen und das ganze Menschengeschlecht durch euer Beispiel begluͤcken koͤnnet!““ b 1 Es waltet also im Grunde zwischen diesen Haͤuptern der bei⸗ den großen Parteien kein Unterschied mehr, als uͤber das wie und wann, das mehr oder weniger. Eine Verwaltung nach 8 liberalen Grundsaͤtzen ist uns gewiß. Die Eytremen werden auf beiden Seiten zurüͤckgewiesen, und, wenn es seyn muß, vereini⸗ gen sich die gemaͤßigten Maͤnner von beiden Seiten und setzen das durch, woran vereinzelt die Ultra's sie verhindern mochten. Die Radikalen sehen es schon ein, daß sie durch ihr thoͤrichtes Benehmen die Ausfuͤhrung ihrer politischen Traͤume viel weiter zuruͤckgeschoben haben; die echten Tories erkennen, daß ihre Traͤume von Monopolien und Reactionen vereitelt sind, und selbst O'Connell wird bald zur Erkenntniß kommen (wenn er es nicht immer war), daß die Aufloͤsung der Union nur ein Traum ist. Den Weltbuͤrger muß es uͤbrigens freuen, daß selbst der heftigste politische Streit unseren Staatsmaͤnnern, namentlich Peel und Russell, Zeit und Lust gestatten konnte, letzten Sonnabend einer Versammlung beizuwohnen, um eine Subscription fuͤr die Er⸗ richtung eines Denkmals, zur Ehre des neulich verstorhenen Ma⸗ lers Wilkie, zu befoͤrdern. Ein Versuch, der Politik dabei eine
sgppon dem Gedanken bemeistert,
Stimme zu geben, den ein Unbekannter machte, wurde mit Un⸗
willen zuruͤckgewiesen. . Das Parlament ist fuͤr eine Woche vertagt. Abends. Das Geräuͤcht geht, Peel habe heute einen an den Herzog von Buckingham abgeschickt.
SDHesterreich.
Wien, 31. Aug. (Dest. Beob.) Die nun schon in Be⸗ trieb gesetzte Ausdehnung der Kaiser Ferdinand s⸗Nordbahn uͤber⸗ trifft jede andere Eisenbahn des Europaͤischen Kontinents. Große Schwierigkeiten, die sich der Ausfuͤhrung eines so ausgedehnten Werkes, zumal wenn es das erste im Lande ist, entgegenstellen, wurden mit Energie und Ruhe uͤberwunden; namentlich entwik⸗ kelte die Direction seit dem vorigen Jahre eine ungewoͤhnliche Thaͤtigkeit. Seit dem Herbste 1840, als dem General⸗Bau⸗In⸗ spektor Herrn Negrelli die Leitung der Baulichkeiten uͤbertragen wurde, gediehen nicht weniger als 21 Deutsche Meilen von der Strecke der Hauptbahn und des Stockerguer Fluͤgels zur voͤlligen Vollendung, was mehr als die Haͤlfte der bis jetzt in Betrieb stehenden Ausdehnung betraͤgt, und zu deren Bau um jene Zeit noch keine Hand angelegt war. Naͤchstdem ist der Olmuͤtzer Fla⸗ gel bis auf Weniges fertig, so wie der Unterbau ven Pre⸗ rau bis Leipnik. Vorgestern wurde nach Prerau, dem Mittel⸗ punkt der fruchtgesegneten Hanna, eine Probefahrt von Gelade⸗ nen, unternommen, welcher morgen, den 1. September, die wirk⸗ liche Eroͤffnung der Bahn fuͤr das Publikum, folgen wird. Es war ein denkwuͤrdiges Ereigniß und alle Mitfahrenden fuͤhlten sich in Einem Tage den ungeheuren Weg von 50 Deutschen Meilen zuruͤckgelegt zu haben (naͤmlich die Entfernung von 25 Meilen hin und zuruͤck) und zwar, neben einem zweistuͤndigen Aufenthalte daselbst, auf so bequeme Weise, daß die Abfahrt von hier um 6 Uhr Morgens, die Ankunft um 9“9 Uhr Abends erfolgte. Die Fahrt hin dauerte 0 Stun⸗ den 40 Minuten, zuruͤck etwas weniger als 7 Stunden. Das merkwuͤrdigste Bauobjekt der neu befahrnen Strecke (von Hradisch bis Prerau) ist der zwischen Napagedl und Hollein bewerkstelligte großartige Einschnitt, dessen Schwierigkei⸗ ten darin lagen, daß man in einer Laͤnge von 600 Fuß auf festes Gestein traf und es mittelst Sprengung uͤberwaͤltigen mußte. Der Einschnitt, so wie die merkwuͤrdige Bruͤcke in der Mitte desselben ist tunnelartig und die saͤmmtlichen Kosten betrugen 10,000 Fl. C. M., eine weit geringere Summeo, als haͤtte man sich zum Bau eines wirklichen Tunnels verleiten lassen. An Gestein wurden 4000 Kubikklafter herausgearbeitet. Die Fahrt fand ohne die min⸗ deste Storung statt. — Am 27. d. M. fuhren Se. Koͤnigl. Ho⸗ heit der Erzherzog Ferdinand, General⸗Gouverneur von Galizien, auf Höchstihrer Reise nach Liegnit auf der Eisenbahn bis Bruͤnn und vorgestern Se. Kaiserl. Hoheit der Erzherzog Carl Ferdinand in einem Separat⸗Train, welcher nach 4 Stunden 20 Minuten in Bruͤnn anlangte. 8 Am 27. August verschied hier der ruͤhmlichst bekannte Kom⸗ ponist und musikalische Schriftsteller, Kapellmeister Ignatz Ritter
von Seyfried, der zu Wien am 15. Mai 1775 geboren ward.
Eilboten
„ Aus Böhmen, Ende August. Von den erfreulichen, raschen Fortschritten, die das Eisenbahnwesen bei Ihnen macht, nimmt besonders das juͤngst bewilligte Schlesisch⸗Saͤchsische Bahn⸗
Pprojekt, von Breslau uͤber Goͤrlitz, Loͤbau nach Dresden, unsere volle Theilnahme in Anspruch,
da hierdurch unserem Lande die doppelt willkommene Gelegenhei o wuͤnschens⸗ werthe beschleunigte Verbindung
2
beeen
geboten wird, die s mit einem gewerbreichen Theile Ihrer Monarchie und dem Koͤnigreiche Sachsen zu erhalten. Man weiß naͤmlich bei uns mit Gewißheit, daß der intelligente und an Mitteln reiche Lausitzer Handelsstand die Zustandebrin⸗ gung einer fuͤdlichen Abzweigung der Breslau⸗ Dresdener Bahn ven Goͤrlitz oder Loͤbau nach Zittau zu bewirken eif⸗ rigst beflissen ist, und je mehr bei uns die Hoffnungen einer entsprechenden Eisenbahn⸗Verbindung mit S. achsen durch das Elbthal letzterer Zeit in den Hintergrund getreten sind, desto we⸗ niger ist jetzt hei dem genehmigten Bau der Schlesisch⸗Gaͤchsischen Bahn, das Zustandekommen einer. Verbindung mit uns zu be⸗ zweifeln, in der vielversprechenden Richtung von Prag nach Rei⸗ chenberg, von wo die Bahn im Neissethal hinlaufend, die Boh⸗ misch⸗Saͤchsische Graͤnze uͤberschreiten und durch die nahe Zittauer Zweigbahn an die Breslau⸗Dresdener sich anschließen wuͤrde. Dieses Projekt erfreut sich in Prag und besonders in den hierbei so sehr betheiligten noͤrdlichen fabrikreichen Gegenden unseres Landes, der lebhaftesten Theilnahme; die noͤthigen Messungen von Prag uͤber Reichenberg bis Zittau werden demnaͤchst durch den Herrn Wiedemann, welcher auch das Nivellement der Leipzig⸗ Nuͤrnberger Bahn besorgte, beginnen, und wenn, wie zu erwarten, keine allzu großen Terrains⸗Schwierigkeiten sich zeigen, so kann bei dem bedeutenden Verkehr zwischen Prag, Reichenberg und der Lausitz, die Rentabilitaͤt dieser Bahn schon im Vor⸗ aus als gesichert betrachtet werden. Einen untruͤglichen An⸗ haltspunkt hierfuͤr bieten die kuͤrzlich bekannt gewordenen offi⸗ ziellen Nachweisungen uͤber den Ertrag der Chausseegelder⸗Ein⸗ nahme, welche die Prag⸗Reichenberger Straße, gegenuͤber den sechs anderen Haupt⸗Straßen des Landes, wenn auch als die kuͤrzeste, doch als die frequenteste und ergiebigste erscheinen lassen, gegen welche in Beziehung auf den nach der Weggelder⸗Einnahme zu bemessenden Verkehr, sie um 61 pCt. besser sich dar⸗ stellt, als selbst die Prag⸗Dresdener Straße. Es ist demnach kein Zweifel, daß selbst die Wenigen, welche fruͤher fuͤr eine Eisenbahn von Prag nach Dresden durch das Elbthal waren, gegenwaͤrtig
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dem ungleich sicherern und mehr Aussicht bietenden Projekte einer Verbindung mit der Schlesisch⸗Säͤchsischen Bahn sich anschließen werden, ein Unternehmen, das auch die hierbei betheiligten Preu— ßischen und Saͤchsischen Gegenden gewiß eifrigst unterstuͤtzen werden. 8 hf Schweiz. Zürich, 26. mehr so ganz in den Haͤnden der Tagsatzung, wie vor einigen Wochen; denn von der einen Seite sind die fruͤheren Schritte einiger fremden Botschafter wiederholt worden, von der anderen haben die Volks⸗Bewegungen sich aufgemacht. Seit zehn Jah⸗ ren sind diese beiden Faktoren jedesmal gleichzeitig hervorgetreten, oder wenigstens ist dem ersteren immer unverzuͤglich der zweite begegnet., Der Ausgang eines auf diese Weise verwickelten Ge⸗ schaͤfts war gewoͤhnlich nicht mehr rein, nur wie es die Sache mit sich brachte, oder wurde, wenn er es noch war, nicht mehr dafuͤr angesehen. Als der große Rath von Aargau, der sich nie⸗ mals auf die Hoͤhe zu stellen wußte, die Lage der Eidgenossen⸗ schaft zu uͤbersehen, eine knickerische Konzession anbot, zeigte sich die Mehrheit der Tagsatzung daruͤber unwillig und zu hoͤhe⸗ rer Forderung aufgelegt. Allein wie einstimmig auch die Mehr⸗ heit in diesem Vorsatz war, wie sehr sie es in den bisherigen all⸗ meinen Schritten gegen Aargau gewesen, mußte sie jetzt sich tei⸗ len, da die Politik jeder Gesandtschaft in bestimmten Forderun⸗
Aug. (A. Z.) Aargau's Schicksal liegt nicht
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Dieß war in der That der Augenblick
zeichnen sollte. 1999 geichnen s Im reformirten Aargau wurden
atzung einzuwirken. J. Aargau w. del. die, Iha 75 98 2. an die Aargauische Gesandrschaft und
an die Eidgenossen gesammelt, wodurch die Erklrung des großen Raths, daß die angebokene Concession ein Ultimatum ser, jur Volkgerkläͤ⸗ rung gemacht werden sollte. Die Zeitungen redeten von aͤhnlicher Stim⸗ mung in vielen Kantonen, von dem bestimmten Widerwillen, gegen Aargau sich zu waffnen. Am meisten schien auf die Stimmung des Kantons Zuͤrich anzukommen, wie auch in der Tagsatzung von dem Verhalten der Zuͤricher Gesandtschaft, die bisher von den Vertheidigern der Kloͤster als ein Bundesgenosse angesehen wurde, das meiste abzuhaͤngen schien. Eine starke Abneigung gegen die Klöster und alle katholischen Institute hat sich im Zuͤricher Volke von der Reformation her bis auf den heutigen Tag erhalten und mag auf die Stellung der Regierung schon im letzten Januar einigen Einfluß geuͤbt haben. Unterdessen petitionirte man im entgegenge⸗ setzten Sinne in den Kantonen Luzern und Solothurn. Nun wurde bekannt, daß die katholische Politik an der Tagsatzung sich haupt⸗ saͤchlich fuͤr die Erhaltung des Klosters Muri anstrengen wuͤrde, und doß auch Gesandtschaften von bisher unbestimmter Stellung sich hierfuͤr erklaͤrt haben: ein Umstand, in welchem man den Finger des Aus⸗ landes zu erblicken nicht zweifelte. Denn alle anderen Gruͤnde sprachen gegen Muri mehr, als gegen die uͤbrigen Kloͤster: schuldlos an den Ereignissen im Januar scheint Muri am wenig⸗ sten zu seyn, und es ist's, das mit maͤchtigem Einflusse im Hin⸗ tergrunde des gefaͤhrlichen Freiamtes steht. In ein paar Ta⸗ gen hatten die Unterschriften der Aargauischen Petitionen die Zahl von 15,000 üuͤberstiegen. Im Kanton Zuͤrich ward eine Volksversammlung veranstaltet. Zuͤrichs erster Gesandter, Herr von Muralt, hat sich indessen als Mitglied der Tagsatzungs⸗Kom⸗ missien, statt der bezeichneten Politik zu folgen, gegen Muri und Wettingen ausgesprochen, und will von Aargau nur eine vor der Eidgenossenschaft anstaͤndige Vermehrung seiner Konzessionen ver⸗ langen. Obgleich man nun annehmen darf, daß auch die Regie⸗ rung Zuͤrichs nicht anders instruiren wird, soll die beschlossene Volks⸗Versammlung, wie es heißt, schon naͤchsten Sonntag ge⸗ halten werden. Eine unmittelbare Wirkung derselben auf die Tagsatzung ist nicht moͤglich, wenn diese sich, Instruktionen einzu⸗ holen, vertagen wird. Die Volks⸗Bewegungen werden freilich, ohne Zweifel, sich verlaͤngern; sind sie nicht stark genug, die Lage ganz zu aͤndern, so wird vermuthlich die Ansicht des Zuͤricher Gesandten eine Mehrheit vereinigen, und dann — auch verwirk⸗ licht werden.
Von der Schweizer⸗Gränze, 28. Aug. (Freib. Z.) Dem Mitte dieser Woche — man weiß noch nicht aus welchen Parteizwecken — mit dem groͤßten Schein von Wahrheit im gan⸗
zen Frikthal verbreiteten Geruͤcht, als habe sich die Schweizerische V Bundes⸗Versammlung bereits bis Oktober d. J. vertagt, koͤnnen wir nunmehr aus bester Ueberzeugung widersprechen.
Portugal. . Lissabon, 23. Aug. Die Opposition in der Deputirten⸗ Kammer geht, wie es heißt, mit der Absicht um, eine Botschaft an die Koͤnigin zu richten, um sie zu bitten, ein Ministerium zu ernennen, das groͤßeres Vertrauen beim Volke besaͤße, als das jetzige; die ministerielle Partei ist indeß, wie es scheint, zu stark, als daß das Projekt gelingen koͤnnte, doch soll im Falle der Ver⸗ werfung des Antrages die Opposition gesonnen seyn, unter Pro⸗ test in Masse die Kammer zu verlassen. Der neue Tarif, der die Britischen Fabrikate hoͤher besteuert als bisher, soll am 28sten d. in Kraft treten.
Konstantinopel, 18. Aug. Die Tuͤrkische Zeitung meldet die Verleihung des Nischani⸗ Iftihar an den Fuͤrsten der Drusen, Emir Beschir, so wie an den Patriarchen der Maroni⸗ ten und an den Patriarchen von Jerusalem. Da sich Letzterer gerade in Konstantinopel befand, so wurde er selbst nach der ho⸗ hen Pforte berufen, um daselbst diese Auszeichnung in Empfang zu nehmen. Die faͤr die beiden Anderen bestimmten Nischane sind an Selim Pascha, Muschir von b
Saida, mit dem Auftrage ge⸗ schickt worden, sie ihnen zuzustellen. 1 Die Smyrnaer Journale vom 14. August enthalten Schaͤz⸗ zungen der Zahl der durch den letzten Brand verzehrten Haͤuser V und Boutiken dieser Stadt und des durch jene furchtbare Feuers⸗ brunst angerichteten Schadens. Das Journal de Smyrne schaͤtzt die Zahl der abgebrannten Haͤuser und Buden auf 7284 und den durch den Brand verursachten Schaden auf 125,850,000 Piaster; im Echo de l'Orient wied jene Zahl auf 6284 und der angerichtete Schaden auf 140,850,000 Piaster angegeben. Vereinigte Staaten von Nord⸗Amerika. New⸗YVork, 14. Aug. Die Bill wegen Errichtung einer Nationalbank ist zwar in beiden Haͤusern des Kongresses durch⸗ gegangen, man scheint aber uͤberzeugt zu seyn, daß der Praͤsident ihr seine Zustimmung verweigern wird. Man glaubt, daß eine Folge davon die Entlassung des jetzigen, aus Maͤnnern der aristo⸗ kratischen oder Whig⸗Partei bestehenden Kabinets seyn werde.
Bei Gelegenheit der Berathung einer Bill uͤber den Verkauf der oͤffentlichen Laͤndereien wurde im Senate von einem Herrn Lynn die Differenz zwischen England und den Vereinigten Staa⸗ ten von neuem zur Sprache gebracht und der Antrag gemacht, den Ertrag jener Verkaͤuse zu Zwecken der National Vevtheidi⸗ gung zu verwenden. Der Antrag wurde mit einer Majoritaͤt von nur zehn Stimmen verworfen. Die Bill wegen der Anlegung neuer Festungswerke ist im Repraͤsentantenhause vorgenommen worden, und es sollen noch neue Antraͤge wegen Befestigungen zum Werthe von 59,000 Dollars bei Buffalo, von 75,000 Dol⸗ lars am Champlain⸗See und von 50,000 Dollars in Maine ge⸗ macht werden.
Abermals sind durch den Leichtfinn eines Amerikanischen Dampfschiff⸗Capitains eine Menge Menschen aufgeopfert wornden. Das Dampfschiff „Erie“ ist naͤmlich auf der Fahrt zwischen Buf⸗ falo und Chikago dadurch,
daß man eine Quantitaͤt Firniß, die sich unter der Ladung befand, gerade uͤber dem die Maschine heizen⸗ den Ofen lagerte, in Brand gerathen, und von allen Passagieren und Matrosen, die sich am Bord befanden, sind nur 25 gerettet worden; etwa 175 sind verbrannt oder ertrunken, darunter unge⸗ faͤhr 150 Deutsche und Schweizer Auswanderer, deren am Bord befindliche Baarschaft auf 180,000 Dollars angegeben wird, waͤh⸗ rend der Verlust an Schiff und Ladung ungefaͤhr 120,000 Dollars betraͤgt.
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Breslau, 2. Sept. (Schles. Z.) Gestern fand bei Landau die große Parade des 6ten Armee⸗Corps statt. Die
Truppen defilirten zweimal, erst in Compagnie⸗Fronten, dann in V Vataillons⸗Fronten, welches einen impofanten Anblick gewäaͤhrte, vor Sr. Excellenz dem Herrn kommandirenden General Grafen von Brandenburg vorbel. Eine große Menge Zuschauer hatte sich aus der Umgegend und hier aus Breslau eingefunden. Man konnte an 200 Wagen zaͤhlen. Die Parade begann gegen 10 Uhr und war bald nach 12 Uhr beendigt. 3
Köln, 1. Sept. (K. Z.) Gestern Abend ist Se. Majestaͤt
der Koͤnig von Hannover, welcher unter dem Namen eines Gra⸗ fen von Diepholz reist, aus den Bedern von Ems zuröͤckkehrend, auf dem Dampfboote „Kronprinzessin von Preußen“ hier ange⸗ kommen. Se. Majestaͤt geruhten, einer Deputation der Direkto⸗ ren der „Rheinischen Eisenbahn“ Audienz zu gewaͤhren, und be⸗ dauerten nur, die Einladung, der feierlichen Eroͤffnung der Bahn beizuwohnen, nicht annehmen zu koͤnnen. Bei dieser Gelegenheit 1ugkrren Sich Se. Majestaͤt hoͤchst gnaͤdig uͤber den Plan der Weiterfuͤhrung der Bahn bis Hannoyer, so wie auch uͤber den Fortbau derselben durch Hoͤchstihre Staaten. Heute setzten Se. Majestaͤt nach 11 Uhr Mittags die Reise uͤber Soest nach Han⸗ nover fort. Der unangenehme Zufall, daß der Koͤnigl. Reisemar⸗ schall Baron von Malortie Excellenz bei Ankunft des Dampf⸗ schiffes durch einen Pfropfen des salutirenden Geschuͤtzes an der linken Hand eine kleine Verwundung erhalten, ist Ursache, daß dieser hohe Hof⸗Beamte, von Sr. Majestaͤt der Pflege des Herrn Dr. Coblenz in Deuz angelegentlich empfohlen, zuruͤckbleiben mußte, um die bald zu hoͤffende Heilung abzuwarten.
Die Salven des Geschuͤtzes, der jubelnde Andrang der Rheinischen Buͤrger hegruͤßten heute ein neues geschichtliches Mo⸗ ment; Industrie, Handel, Verkehr und gesellige Beziehungen er⸗ freuen sich im Deutschen Westen einer neuen kraͤftigen Pulsader des Lebens: die Rheinische Eisenbahn, laͤngst ein Augen⸗
merk vaterlaͤndischer und Europaͤischer Interessen, ist heute partiel⸗ in ihrer Bahnstrecke von Koͤln nach Aachen, auf feierliche Weise eroͤffnet worden. Der Feier des bedeutungsvollen Moments an⸗ gemessen, war der an sich schöne und freundliche Bahnhof mit Flaggen, Blumengewinden und gruͤnen Guirlanden festlich geschmuͤckt; uͤber den Zugaͤngen wehten die Preußische National⸗Flagge so wie die Farben Kölns und Aachens. Im inneren Raume draͤngte fich die Menge der froͤhlich G
Erwartenden, die Elite der Einwohner Koͤlns, theils selbst Actionaire, theils von diesen zu der ersten Festfahrt gleichsam als Repraͤsentanten unserer Rheinstadt geladen, Herren und Damen in bunter Reihe, darunter Rotabilitäͤten wie Se. Excellenz der kommandirende General des achten Armee⸗Corps Herr von Thiele II., Ihre Excellenzen die Wirklichen Geheimen Raͤthe, Ober⸗Praͤsidenten der Rhein⸗Provinz und Westphalens, Herren Frei⸗ herren von Bodelschwingh und von Vincke, die Vorsténde der Militair⸗ und Civil⸗Behoͤrden u. s. w. Von allen Seiten war der Bahnhof so wie weit hinaus die Bahnstrecke mit zahllosen froͤhlichen und neugierigen Zuschauern aller Staͤnde in dichten Reihen umgeben, und so sah man gespannt der Ankunft des Aachener Trains entgegen, welcher um halb sieben Uhr des Morgens Aachen verlassen, und nach einem kurzen Auf⸗ enthalte zu Duͤren, wo sich die daselbst eingeladenen Personen angeschlossen, um neun Uhr hier eintraf, gleicher Weise aus schöͤ⸗ ner und gewaͤhlter Gesellschaft der Nachbarstaͤdte in dreizehn Wa⸗ gen bestehend und hier beim Empfange feierlich bewillkommt. Nun waren im Koͤlner Stationshofe alle zur Festfahrt Gelabenen ver⸗ sammelt, und waͤhrend die Vorbereitungen zur Auseinanderrei⸗ hung der Lokomotiven und Wagen und die Anordnung des gan⸗ zen Festzuges getroffen wurde, begruͤßte der Appellations⸗Gerichts⸗ Rath Herr von Ammon, Namens der Direction der Rheini⸗ schen Eisenbahn, die Anwesenden mit einer Rede. — Der Donner des Geschuͤtzes und die einfallende Musik gaben hierauf das Zei⸗ chen zum Aufbruche, und nach 10 Uhr sah man den schoͤnen Festzug, 28 Wagen, worunter Diligencen, Waggons und Char a V banes in regelmäͤßiger Abwechselung, gefuͤhrt von den drei Loko⸗ motiven „Vorwaͤrts“, „Rhein“ und „Herkules“, sich in Bewegung
setzen, gefuͤllt mit heiteren Passagieren, geschmuͤckt mit Blumen und Blaͤktern des Sommers, uͤberweht von farbigen Festfahnen V und von den erschallenden Feierklaͤngen der in ihrer Mitte fah⸗ renden Militairmusik des 25sten Infanterie⸗Regimentes begleite I — und in raschem Fluge durch die Bahnstrecke hinbrausen. V
Ueber die Koralität des Französischen Handels 1 und der Französischen Industrie.
Paris, im August. Seit zwei Jahren hat die Regierung zahl⸗ reiche Versuche gemacht, die Handels⸗Beziehungen Frankreichs zu den fremden Laͤndern zu erweitern. Da ihre innere Politik sich so zu sagen auf die Entwickelung der materiellen Interessen grundet, so sucht sie dieselben so viel wie moͤglich zufrieden zu stellen. Aber das Pro⸗ blem ist verwickelt, und die verschiedenen Kategorieen der Produ⸗ zenten erheben Anspruͤche, welche die Ergreisung allgemeiner Maß⸗ regeln ziemlich schwierig machen.
So wollte der Handelsstand die Freiheit und die fast gaͤnzliche Abschaffung der Eingangs⸗Zoͤlle und dadurch die fremden Kauf⸗ leute von dem Franzoͤsischen Markte ausschließen; die Industriel⸗ len verlangen die freie Einfuhr der rohen Stoffe und das Verbot der verarbeiteten Stoffe; die Agrikulturisten endlich fordern einen bedeutenden Schutz fuͤr die Erzeugnisse des Bodens, indem sie einraͤumen, daß man die Erzeugnisse der Fabriken zu einem niedri⸗ gen Preise haben muͤsse. Man begreift, daß es schwierig ist, die⸗ sen drei verschiedenen Tendenzen zu genuͤgen. Unter der Restau⸗ ration kamen die Tarife einem System zu Huͤlfe, das den Zweck hatte, eine Territorial⸗Aristokratie wieder herzustellen; der Boden und seine Erzeugnisse wurden beguͤnstigt; die Industrie wurde als eine Dependenz des Ackerbaues betrachtet und man gewaͤhrte ihr daher denselben Schutz. Man fuͤhrte somit einen Zustand der Dinge herbei, welcher dem Verkehr mit den fremden Nationen sehr nachtheilig war und der Abschließung von Handels⸗Vertraͤgen mit unseren Nachbarn sehr im Wege sand. 8
Die Gruͤnde, welche die Restauration bewogen, eine Territo rial⸗Aristokratie zu gruͤnden, existiren heut zu Tage nicht mehr in demselben Grade; aber der Tarif, welcher diese Gruͤndung beguͤn⸗ stigen und die Reichthuͤmer des Bodens gegen alle auswaͤrtige Konkurrenz schuͤtzen sollte, ist noch immer vorhanden, und er ist es, der unseren auswaͤrtigen Handel hemmt, der es bewirkt, daß man Repressalien gegen uns anwendet und daß unsere Anerbie⸗ lungen zur Abschließung von Handels⸗Vertraͤgen eine schlechte Aufnahme finden und zuruͤckgewiesen werden. Gegenwaͤrtig han⸗ delt es sich weniger darum, sich die großen Grundbesitzer, als viel⸗ mehr die Mittelklassen zu verpflichten; denn diese letzteren haben die gegenwaͤrtige Regierung gegruͤndet. Um nun dies zu erref⸗ chen, muß man ihnen jene Leichtigkeit der Arbeit und des Absatzes, jene Aussicht auf eine zunehmende Wohlfahrt zu verschaffen su⸗ chen, die Industrie erwartet.
man von dem Handel und der 9 Dies ist das zu loͤsende Problem, dies ist es, was man seit meh⸗ reren koͤnnen,
aͤhren zu erreichen sucht, ohne dahin gelangen zu