Das Regiment des Herzogs von Aumale hat heute fruͤh, mit seinem Obersten an der Spitze, seinen Einzug gehalten. Als es durch den Fauboura St. Antoine marschirte, sprang aus den Zuschauern ein Mann hervor, der ein Pistol auf den Prinzen ab⸗ schoß. Die Kugel drang in den Kopf des Pferdes des Oberst⸗ Lieutenants, welches sich in diesem Augenblicke baͤumte; ein wei⸗ terer Ungluͤcksfall ist nicht vorgekommen. Der Moͤrder wurde
augenblicklich verhaftet; er schien der unteren Klasse anzugehoͤren;
sind. Hat nicht die National⸗Garde im Jahre 1831 der Pluͤn⸗ derung des erzbischoͤflichen Palastes und der Zerstoͤrung der Kirche von St. Germain l'Auxerrois mit den Waffen im Arme beige⸗ wohnt, weil der damalige Praͤfekt des Departements der Seine, Herr Odilon⸗Barrot, versoͤnliche Maßregeln ergreifen wollte. Hat nicht Herr Bouvier⸗Dumolard, Praͤfekt von Lyon, die beklagens⸗ werthe Katastrophe im Jahre 1834 allein dadurch vorbereitet, daß er mit den Insurgenten unterhandelte und gemeinschaftlich mit den Seiden⸗Arbeitern einen Tarif fuͤr das Arbeitslohn festsetzte? er ist durch seine eigene Waffe an der Hand verwundet worden. Es waͤre leicht, diese Beispiele zu vermehren, die hinreichend zei⸗ Die Ruhe ist nirgends gestoͤrt worden. gen, daß die Emeute nicht der Vernunsft Gehoͤr giebt und daßs 8
Belgien.
nur Gewalt sie unterdruͤcken kann. 2 Der Konflikt in Macon verdient besondere Erlaͤuterungen. Brüssel, 13. Sept. (K. Z.) Die gleichzeitige Anwesen⸗ heit der Herren Anselm und James v. Rothschild in hiesiger
Die Lasttraͤger dieser Stadt glaubten allein das Recht zu allen
Ein⸗ und Ausladungs⸗Arbeiten zu haben. Diese Anmaßungen Stadt und ihre mehrmaligen Konferenzen mit dem Grafen Meeus, sfinden sich, wie man weiterhin sfinden wird, noch an anderen gro⸗ Gouverneur der hiesigen sogenannten aͤltern Bank, werden mit ßen Fluͤssen und in mehreren unserer Haͤfen. Cs giebt indeß in dem auch von andern Seiten her erwaͤhnten Projekte der Unter— Frankreich fuͤr die Industrie und den Handel der Privat⸗Perso⸗ nehmung der Eisenbahn von der Belgischen Graͤnze bis Paris in nen weder Corporationen noch Geschworene, weder Priyvilegien Verbindung gebracht. Hr. Meeus hat schon seit laͤngerer Zeit noch Monopole; der Hafen⸗Capitain war daher vollkommen in wegen dieses Projektes mit der Französischen Regierung unter⸗ seinem Rechte, wenn er die Faßbinder zu der Verladung des handelt. Jetzt scheint man endlich mit demselben zum Abschlusse Weins verwenden wollte, um den immer steigenden Forderungen kommen zu wollen. Auch mit dem Minister des Innern waren der Lasttraͤger zu entgehen. Denn diese Lasttraͤger der Saone die genannten Herren mehrmals zusammen. Die diesseitige Bahn und Rhone sind eine ganz besondere Race; sie sind namentlich nach der Franzoͤsischen Graͤnze ruͤckt unterdessen ihrer Vollendung in Valence, Avignon, Beaucaire und Arles durch ihre unglaub⸗ 1
ℳ. n „ Ar 2 ere ungl entgegen, die man im Laufe der naͤchsten Saison als gewiß an⸗ liche Brutalitaͤt und ihre Habgier beruͤchtigt. In diesen Staͤdten nehmen darf. — Man kann an eine fortlaufende Eisenbahn von sind die Reisenden immer. einer schlechten Behandlung von S ei⸗ Beuͤssel bis Paris nicht denken, ohne sich zugleich an die Han⸗ ten dieser Lasttraͤger ausgesetzt. Kommt man so mit dem Dampfboote dels⸗Verbindungen mit Frankreich und die jetzt dieserhalb obschwe⸗ in einer dieser Staͤdte an, so stuͤrzen sich etwa 30 Lasttraͤger auf die benden Verhandlungen zu erinnern. Das „Journal des Debats“ Bruͤcke, um sich des Gepaͤckes der Reisenden zu bemaͤchtigen, ehne und andere Pariser Blaͤtter sagen zwar, diese letzteren schritten zu wissen, ob dieselben bleiben oder weiter reisen. Alsdann be⸗ rasch vorwaͤrts, aͤußern aber daneben Gesinnungen und Anspruͤche, ginnt der Streit um den Preis, und wehe dem, der einen nicht die recht dazu geeignet sind, die diesseitigen Erwartungen herab⸗ zum Corps der Lasttraͤger gehoͤrenden Menschen auffordern wuͤrde, zustimmen. So will z. B. das erstgenannte Blatt an dem Fran⸗ sein Gepaͤck auch nur hundert Schritte weit zu transportiren. zoͤsischen Tarif gegen die Einfuhr unserer Leinwand und dahin ein⸗ Alle, die durch Avignon gekommen sind, haben Zeuge dieses wi⸗ schlagender Produkte nichts geaͤndert wissen. Dasselbe fordert der drigen Auftritts seyn koͤnnen, wobei der Cynismus und die Bru⸗ „Constitutionnel“ in Beziehung auf die Einfuhr unseres Gußeis ralitaͤt auf die hoͤchste Spitze, getrieben werden. Die Lo⸗ sens. Gerade aber diese beiden Artikel gehoͤren zu denjenigen, fuͤr kal⸗Behoͤrde hat allerdings fuͤr den Transport des Ge⸗ die man sich hier am meisten versprach, und denen eine freiere paͤcks vom Dampfboot nach der Stadt einen Tarif festgesetzt, Ausfuhr nach Frankreich hin Noth thaͤte. Ein dritter Artikel, naͤmlich einen Franken fuͤr das Felleisen oder Paket. Aber Alles, die —teinkohlen, wird ebenfalls nicht mit freundlichen Blicken an— z. B. einen Regenschirm, wird fuͤr ein Paket gerechnet, so daß man oft gesehen; das „Journal des Debats“ meint, es sey wenig wahr⸗ fuͤr den Transport seines Gepaͤckes nur hundert Schritte weit vom scheinlich, daß die Einfuhrzoͤlle auf denselben herabgesetzt werden. Flusse, einem einzigen Lasttraͤger 4, 5 oder 6 Franken zahlen muß, je Hinter diesen Stimmen ist es nicht schwer, die Privatinteressen zu nachdem man die Zahl der Pakete mehr oder weniger beschraͤnkt erkennen, die sich eines nach dem andern laut machen. Haben sie hat. Kennt man den Tarif nicht und hat das Ungluͤck, den Preis sich einmal saͤmmtlich ausgesprochen, so wird fuͤr Belgiens Han⸗ nicht im Voraus festzusetzen, so ist man noch schlimmer daran. Im del und Gewerbe wenig Ausbeute üuͤbrig bleiben, denn sollen die Gasthofe angekommen fordert der Lasttraͤger haͤufig 8 bis 10 Fran⸗ Ermaͤßigungen des Französischen Tariss nur die sekundaͤren Arti⸗ ken, und wenn man dagegen reklamirt, so wird man mit einer kel betreffen, so darf man mit Recht fragen, ob es sich uͤberhaupt Fuuth der abscheulichsten Schimpfworte uͤberschuͤttet. Da man der Muͤhe lohne, deshalb lange zu unterhandeln. Auch erheben wever Zeit noch Macht hat, sich uͤber diese Bedruͤckungen zu be⸗ sich schon in den hiesigen Blaͤttern mißvergnuͤgte Stimmen gegen klagen, so zahlt man, aber es geschieht nie, ohne sich an die Moͤr⸗ die Art, wie die Pariser Journale jetzt diesen Gegenstand behan⸗
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der des Marschalls Brune zu erinnern. V deln, und was zu einer Annaͤherung fuͤhren sollte, duͤrfte, wenn Weil man in Macon einer solchen Pluͤnderung Schranken es keinen guͤnstigen Ausgang nimmt, leicht nur zu einer groͤßeren
setzen wollte, haben die Lasttraͤger sich Gewaltthatigkeiten gegen gegenseitigen Entfernung der beiden Nationen fuͤhren.
die Foßbinder erlaubt; weil man das Publikum vor gehaͤssigen Das Journal de la Belgique sagt: „Seit 20 Jahren
Uebertheuerungen schuͤtzen wollte, beklagen sich die legitimistischen sahen wir jaͤhrlich einige Jesuiten nach dem Missuri abgehen.
und republikanischen Journale und behaupten, daß der Aufruf zur V Dieses Jahr war ihre Zahl groͤßer als je. Sechs derselben sind Ordnung schlecht erlassen worden ist. Der Streit, sagen sie, hatte am 4. August von Antwerpen am Bord der „Prinzeß Victoria“ nichts Politisches. Im ersten Auzenblick allerdings nicht; aber V abgegangen, naͤmlich zwei Seminaristen von Herzogenbusch, zwei man weiß sehr gut, daß es fuüͤr die Kommunisten und an- Zöͤglinge des bischoͤflichen Köllegiums von Bruͤgge, einer aus dem dere ultra⸗ demokratische Sekten nur eines Vorwandes be⸗ Kollegium von Herenthals, der sechste ist zu Handarbeiten be— darf, um sogleich zu Unruhen und zum Umsturz zu schreiten; stimmt. Am 5. September gingen mit dem „Soho“ sechs andere man weiß auch, daß die unteren Klassen im suͤdlichen Frankreich Geistliche ab, zwei Spanische Priester, wovon der eine seit 13, der heut zu Tage eben so republikanisch sind, wie sie in den Jahren andere seit 15 Jahren in die Gesellschaft Jesu getreten waren; 1814 und 1815 royalistisch waren. Die 40,000 — 50,000 Hand⸗ ein Professor des Kollegiums St.⸗Louis von Menin, zwei Zoͤg⸗ werker und Lasttraͤger in Marseille wuͤrden bei dem ersten An⸗ linge des erzbischoͤflichen Kollegiums von Hoogstraten und ein Zt laß leicht aufzuregen 1 in 1“ dadurch eine 1“ V ling des kleinen Seminars von Herzogenbusch.“ rung ihrer Lage zu erlangen. Nichts beweist uͤbrigens die Rich⸗ “ 1 8 rigkeit . hie⸗ Cesgene besser, als die Unruhen in Clermont⸗ Deutsche Bundesstaaten. ““ Ferrand, von denen die Nachricht gestern hier eingetroffen ist. ₰X½ Leipzig, 16. Sept. Die große Frage wegen des Saͤchsisch⸗ Unter dem Vorwande, sich der Zaͤhlung zu widersetzen, haben die Bayerischen Bahnhofes ist nun endlich entschieden; er wird vor Republikaner jener Stadt einen wahren Aufruhr erregt; es wur⸗ das Windmuͤhlen⸗Thor verlegt werden, also von den beiden ande⸗ den Barrikaden errichtet, Gewaltthaͤtigkeiten im Innern Ddex en Bahnhoͤfen getrennt. Der Ausschuß, an welchen der dies⸗ Stadt veruͤbt und die Truppen von den Insurgenten mit Flinten⸗ fallsige Beschluß des Direktoriums zur Bestaͤtigung gelangte, soll schuͤsjen angegriffen, so daß man zuletzt nicht mehr daran dachte, in lange und lebhafte Berathungen eingegangen seyn, bevor er die die Behoͤrde wegen der Zaͤhlung, sondern im Namen der Repu⸗ entsprechende Entscheidung faßte. Muthmaßlich vird nun eine plik anzugreifen. Dies war ein Umsturz der Ordnung der Gesetze. Verbindungs⸗Bahn, fuͤr Transport mit Pferden, zwischen diesem Die Unordnungen, deren Schauplatz seit einigen Tagen Pa⸗ und den anderen Bahnhoͤfen angelegt werden; aber in welcher ris ist, haben denselben Charakter, wie die von Clermont⸗Ferrand. Es Richtung, ob außerhalb der Stadt, ob, durch diese hindurch, viel⸗ sind demokraͤtische Sekten, welche sich unter die Arbeiter, die in leicht laͤngs der Promenade, — daruͤber ist man aufs neue in dieser Jahreszeir schaarenweise auf dem Greve⸗Platze zerstreut Ungewißheit. Uebrigens. wird an. der Bahn selbst schon wacker sind, mischen und sie zu Unordnungen aufreizen. Hier findet weder gearbritet, und 6000 Ellen Planie sollen zwischen Leipzig und Rivalitaͤt des Gewerbes, noch eine Volkszaͤhlung statt, welche den Altenburg fertig seyn. Aufruhr motiviren koͤnnte. Auch gehen die Kommunisten gleich auf die Gache los; sie erklaͤren ohne Weiteres, daß sie „Blu t“ und die Republik . 1, 15. Sep haben wollen, und als natuͤrliche Folge dieser Praͤmissen die Ab⸗ Mauermann S chirgiswalde an schaffung der Famllie und des Eigenthumes oder die allgemeine plötzlich mit Tode abgegangen. Gleichmacherei. Widersetzt sich die Regierung mit Kraft diesem Unfuge, so schreien die republikanischen Blaͤtter laut auf uͤber „Ekandal und Brutalitaͤt“, und die Goldaten, welche in der Emeute ihren Tod finden, haben, nach ihnen, nur die Zuͤchtigung
Gestern gegen Abend ist der Bischof wiederholtem Nervenschlage
a “ Bautzen, 15. Sept.
Würzburg, 13. Sept. (N. W. Z.) Heute wurde der im hiesigen Stadtwalle besindliche Silo (unterirdische Korngrube) vor einer Koͤnigl. Kommission und im Beiseyn des Koͤnigl. Regie⸗ erhalten, welche sie dafuͤr verdienten, daß sie „es wagten auf das rungs⸗Praͤsidenten Grafen von Fugger geoͤffnet. Er war im VBolk zu schießen.“ Jahre 1833 mit fast 450 Bayerischen Scheffeln Roggen gefuͤllt,
Ohne Zweifel das Interesse der Feinde der Regierung ver⸗ das erstemal im Jahre 1835, das zweitemal im Jahre 1837 un⸗ langte es, daß man sie gewaͤhren lasse. Aber es sind doch nur tersucht worden. Die heutige Oeffnung war also die 3te, und das pie Republikaner und die Karlisten, welche dergleichen Kindereien nun 8 Jahre lang im Silo liegende Korn fand sich nach Weg⸗ wenigstens mittelbar gut heißen. Bei mehreren Gelegenheiten hat nahme einer kleineren Moderkruste am Mauerwerk ganz trocken,
ie Regierung echer Nachsicht als Energie bewiesen und man gesund und wohl erhalten. Dieser großartige gelungene Versuch moͤchte sich jetzt fragen, ob mit den wiederholten Amnestieen et— duͤrfte zur Folge haben, daß noch mehrere Silo's in dem ohne⸗ was gewonnen worden, da die meisten der Amnestirten gerade dies nicht benutzten Stadtwalle angelegt. werden, wodurch derselbe die Anstifter der Unruhen in Paris und in den De⸗ auch als Proviant⸗Magazin fuͤr ilitaäir eine neue Bedeutung partements sind. Ueberall findet man sie wieder, sie praͤ⸗ gewinnen koͤnnte. 8 8 sidiren die Versammlungen der Sectionen der Kommunisten, b“ sie haben vorgestern die rothe Fahne in den Straßen von Paris ℳ Wiesbaden, 12. Sept. Unser Kurort und der nahe umhergetragen; sie haben an der Spitze von Raubhorden die Rheingau bieten sortwaͤhrend, ungeachtet der schon vorgeruͤckten Magazine der Boulevards und der Rue St. Martin ausgepluͤn⸗ Jahreszeit, ein lebendig bewegtes Bild dar. Eisenbahnen und dert. Und wenn nun die Polizei erscheint, um diesem Unfug ein Dampfböͤte fuͤhren taͤglich Schaaren von Fremden herbei, waͤh⸗
Ziel zu setzen, da meint die Opposition, daß der Aufruf zur Ordnung rend dieselben Befoͤrderungsmittel uns mit den großen Staͤdten nicht mit der gehoͤrigen Regelmaͤßigkeit gemacht worden sey und Frankfurt a. M. und Mainz gleichsam in unmittelbare Beruͤh⸗ daß man mit etwas Maͤßigung das Blutvergießen wohl
— 8 rung gesetzt haben. ich recht auffallend am letzten haͤtte vermeiden koͤnnen. Jedenfalls wuͤrde man aber mit dem 1
Dies zeigte si ü 8 8 Donnerstage, als die von London den Rhein heraufgekommenen von der Republik begehrten Systeme das Blut der Soldaten, der Gesangs⸗Kuͤnstler Rubini und Signorra Persiani sich hier im Magistrats⸗Personen und der Polizei⸗Agenten, welche jedesmal, großen Kursaale hoͤren ließen. Rubini besitzt nicht mehr den und zwar nocht ehe der Aufruf zur Ordnung erfolgt oder ein Schmelz der Stimme, welcher nur der Jugend eigen ist, aber Angriff gemacht worden ist, von den Aufruͤhrern mit einem Ha⸗ seine Tone ergreifen unwiderstehlich, und uͤber seine von Nieman⸗ gel von Steinen und anderen Dingen empfangen werden, nicht dem erreichte Meisterschaft als Saͤnger, was Schule und Vor⸗ rene Muͤhe ist, sie zu bekaͤmpfen, und es ist daher schwer einzu- Rubini, der seinen Ruhm nicht uͤberleben will, die Absicht hat,
sehen, wie die Parteien ihre Hoffnungen auf so kleinliche Combina⸗ sich von den Brettern zuruͤckzuziehen, und in Italien der Fruͤchte aͤ1121X1X1X1414X*X“*“ seiner langen und glanzreichen theatralischen Laufbahn in Ruhe zu “ b 8 “
genießen. — Ungeachtet der hohen Preise war der Saal uͤberfuͤllt, und die Versammlung war nicht nur zahlreich, sondern auch aus⸗ erlesen. Wir sahen in unmittelbarer Nähe des Piano's, an wel⸗ chem die Virtuosen sangen, die verwittwete Herzogin mit den Prinzessinnen, den Herzog Bernhard von Weimar mit seinem Sohne, den Fuͤrsten und die Fuͤrstin Metternich, Graf Maltzan, Herrn von Tatistscheff, Graf Medem, General Kanitz und viele andere diplomatische Notabilitaͤten, welche theils vom Johannis⸗ berg, theils von Frankfurt a. M. heruͤbergekommen waren. Auch die adeligen Familien, die diesen Monat gewoöhnlich im Rheingau zubringen, hatten sich zahlreich eingefunden.
Der Oesterreichische Staats⸗Kanzler wird noch bis zum 20sten am Johannisberge verweilen und dann die Ruͤckreise nach Wien uͤber Karlsruhe, Stuttgart und Muͤnchen antreten. Unter den vielen namhaften Gaͤsten, welche sich gegenwaͤrtig bei Sr. Durch⸗ laucht befinden, oder in den letzeen Tagen am Johannisberg Be⸗ suche abgestattet haben, nennen wir den Herzog Bernhard von Weimar, den Prinzen von Hessen⸗Homburg, die Fuͤrstin von Tal⸗ leyrand (Herzogin von Dino), Graf Maltzan, General Tetten⸗ born, Baron Blittersdorf, Herrn von Gagern, Graf Muͤnch und saͤmmtliche Gesandte am Deutschen Bundestage, Oberst Radowitz u. s. f. Auch unser Herzog, welcher kuͤrzlich aus Norderney zu⸗ ruͤckgekehrt ist, und die verwittwete Frau Herzogin beehrten de Fuͤrsten und seine Gemahlin mit ihrem Besuche. 1
81 Hamburg, 16. Sept. Die Hanseatische Dampfschifffahrt at die Englischen Dampfschiff⸗Unternehmer in Hull zu uͤberaus leinlichen Maßregeln veranlaßt, um dadurch wo moöͤglich den Bersuch der Deutschen Unternehmer gleich im Entstehen zu unter druͤcken. Die Boͤrsen⸗Halle enthaͤlt daruͤber folgenden einge sandten Artikel: „Die fuͤr Hamburg im hoͤchsten Grade erniedri⸗
genden Schritte Einzelner in Hull gegen die Hanseatische Dampf⸗
schifffahrt, haben einen faͤst allgemeinen Unwillen hier veranlaßt, den nach unseren Mittheilungen Deutschland theilen muß und wird. Das maͤnnliche Auftreten von dreizehn Wollverladern (die sich freiwillig das Wort gegeben, nur in Deutschen Dampfschif— fen zu verladen), welches gewiß in diesem Geschaͤftszweige, wie in allen uͤbrigen, Anklang und Nachahmung finden wird, ist die Einleitung, zu kraͤftiger Thataͤußerung, die schnell und konsequent weiter gefuͤhrt werden muß, um den Eifer der dabei konkurriren— den Geschaͤftsleute, ohne eigene Gefaͤhrdung zu erhalten. Die Gleichstellung der Fracht mit der Huller Taxe ist wohl das erste Erforderniß. Es gilt jetzt die Ehre nicht allein Hamburgs, sondern Deutschlands; wir muͤssen der Britischen Nation, die Hochsinn und Adel zu schaͤtzen weiß, beweisen, daß wir ebenbuͤrtig sind, und uns nicht vor grober Habsucht beugen, die hier doppelt entwuͤrdigend, da sie von einem Individuum diktirt zu seyn scheint. 2 ten, um schleunigst mehrere Dampfboͤte anzuschaffen. Die Ab⸗ nahme neuer Actien dazu und zu einem groͤßeren Reservefond moͤchte weniger schwierig seyn, wenn eine Garantie von 3 — 4 pCt. jaͤhrlich fuͤr alle Actien vorlaͤufig auf 3 Jahr geleistet wird. In allen Handelsstaͤdten Deutschlands, die irgend uͤber hier mit Eng⸗ land verkehren, so wie hier, lege man Subscriptionsbogen aus,
sowohl zur Actienzeichnung als auch zur Sicherung der Zinsen,
nach angefuͤhrter Norm. So kann jemand Actien zeichnen und zur Ausgleichung des Defizit beitragen, oder auch eins von bei⸗ den thun. Wer fuͤr eigene Rechnung nach Hull Geschäͤfte macht, giebt, und wohl nur in minderer Scala, mit der einen Hand, was die andere gewinnt. — Es bedarf schließlich wohl kaum der An⸗ deutung, daß Maßregeln getrossen, die Jeden abhalten müuͤssen, sich zum Handlanger individueller Interessen gegen das allgemeine va⸗ terlaͤndische Wohl zu machen.“ .
Hesterreich. Wien, 13. Sept. Kaiser und die Kaiserin in Ischl angelangt.
— 2 Schweiz.
Luzern, 10. Sept. Der Eidgenosse von Luzern meldet, die Nachricht sey hier allgemein verbreitet, daß im Erziehungs rath nach einem heftigen Kampfe fuͤr und wider die Jesuiten mit Stimmen⸗Mehrheit beschlossen worden, den Jesuiten die hoͤhere Lehr⸗Anstalt nicht zu uͤbertragen. Die vom katholischen Verein herausgegebene Schweizerische Kirchen⸗Zeitung sagt, die Lehrer wuͤrden fast ganz dieselben bleiben.
arema.
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1“
Breslau, 15. Sept. (Bresl. Z.) Gestern und heute veranstalteten die Ritterschaft der Provinz und die Buͤrger unserer Stadt Ihren Majestaͤten dem Koͤnige und der Koͤnigin eine Reihe von Festlichkeiten, welche an aͤußerem Glanze sowohl als an herz⸗ lichem Frohsinn fuͤr alle Anwesenden unvergeßlich bleiben werden. — Die laͤndlichen Aufzuͤge, welche auf die von dem Schlesischen Vereine veranstalteten Wettrennen folgten, hatten sich, wie schon in dieser Zeitung erwaͤhnt, des gnaͤdigsten Beifalls Sr. Majestäͤt in hohem Grade zu erfreuen. Bemerkt darf hier noch werden, daß Schlesien aͤhnliche Aufzuͤge, man mag nun die Anzahl oder die sinnreiche Ausfuͤhrung derselben beachten, niemals gesehen hat. — In wuͤrdiger Weise schloß sich am Abende desselben Tages das Ballfest an, welches Ihren Majestaͤten gab. — Zu diesem Ende hatte das Fest⸗Comité, welches aus dem Prinzen Biron von Curland, dem Grafen Burghauß, Freiherrn von Gaffron, den Her⸗ ren von Gilgenheimb, von Mutius, von Nimptsch, von Obermann
und den Grafen M. Saurma, E. Schaffgotsch, Stosch, York
von Wartenburg und Zedlitz gebildet wurde, eine Festhalle auf dem Exerzier⸗Platze, zunaͤchst dem Köͤniglichen Palais, erbaut. Diese prachtvolle Halle mit ihren geraͤumigen Saͤlen, von dem Baurath Langhans ausgefuͤhrt, gewaͤhrte einen imposanten Anblick. Mit einbrechender Dunkelheit wurde die Festhalle auf das glaͤn zendste erleuchtet, und vor derselben stiegen Raketen in buntem Farbenwechsel auf. Die Zahl der Theilnehmer und Gaͤste, welche letztere aus allen Staͤnden in sehr liberaler Weise geladen waren, mochte gegen 2400 Personen betragen. Gegen 11 ½ Uhr erschienen Ihre Majestaͤten der Koͤnig und die Kbönigin, beglei— tet von Ihren Koͤniglichen Hoheiten den Prinzen und Prinzes⸗ sinnen des Hauses und allen hoͤchsten Herrschaften. Mit herz⸗ licher Freude wurden Hoͤchsidieselben von der glaͤnzenden Ver⸗ sammlung bewillkommnet. Se. Majestaͤt eroͤffneten mit Ihrer Koͤnigl. Hoheit der Prinzessin Wilhelm (Tante Sr. Majestaͤt) den Ball und geruhten hierauf, noch mit vielen Damen der Geessell⸗ schaft zu kanzen. Auch saͤmmtliche Prinzen und Prinzessinnen nahmen an den Taͤnzen Theil. Ihre Majestaͤten der Koöͤnig und die Koͤnigin unterhielten sich auf das huldreichste mit vielen An⸗ wesenden und schienen sich wahrhaft gluͤcklich im Kreise Ihrer treuen Unterthanen zu fuͤhlen. Gegen 11 Uhr begann dgs Sou⸗
Demnach draͤngt es, die Mittel zu erhal⸗
die Schlesische Ritterschaft
„ „ per, nachdem Ihre Majestaͤt die Koͤnigin Sich kurze Zeit vorher entfernt hatte. Waͤhrend desselben trugen die Saͤnger⸗ und Musik⸗ Choͤre einige von einem Mitgliede der Ritterschaft gedichtete und von dem Seminar⸗Lehrer Richter komponirte Lieder vor.
Der kommandirende General Graf von Brandenburg brachte den Toast auf Se. Majestaͤt den Koͤnig aus und Allerhoͤchstdie⸗ selben erwiederten den Toast auf eine fuͤr die Provinz sehr schmei⸗ hafte Weise, indem Sie mit den Worten schlossen: „daß die Ritterschaft stets in der besten Harmonie mit den an⸗ dern Staͤnden gestanden habe, und Sie glaubten da⸗ her, ganz in dem Geiste derselben zu sprechen, wenn Sie aus vollem Herzen an Ihre Gluͤckwuͤnsche fuͤr das Wohl der Ritterschaft auch die fuͤr das Gedeihen der Schlesischen Staͤdte und Land⸗Gemeinden knuͤpf⸗ ten.“ Diese mit wahrhafter Begeisterung gesprochenen Worte, erregten in der Versammlung den hoͤchsten Enthusiasmus. — Der Wirtliche Geheime Rath und Ober⸗Praͤsident der Provinz, von Merckel, brachte den Toast auf Ihre Majestaͤt die Koͤnigin aus. Hierauf trank Se. Majestaͤt der Koͤnig auf das Wohl der Da⸗ men, welche dieses Fest, „dieses einzig. schoͤne“ mit ihrer Gegen⸗ wart verschoͤnert hatten. Se. Majestaͤt verließen den Saal um 12 ½ Uhr, waͤhrend dee Füderen höchsten. Hierlchaften noch einige
2 8 Fe 8 rer Gegenwar eehr . 8. E1“ fand 18* Dejeuner, welches die Stadt Breslau zu Ehren Ihrer Koͤnigl. Majestaͤten gab, im Wintergarten statt, welcher zu diesem Zwecke von dem Stadt-⸗Baurath Studt durch einen geschmackvollen Anbau um das Doppelte vergroͤßert und sehr ansprechend ausgeschmuͤckt worden war. An der Einfahrt hatten sich die Buͤrger⸗Grenadiere und die Schuͤtzen⸗Compagnieen im Spalier geordnet, Flaggenbaͤume in den National⸗ und Stadt⸗ Farben, so wie eine Anzahl mit Blumen geschmuͤckter Zelte waren im Garten aufgestellt, das Innere des Saales aber mit den Fah⸗ nen und Emblemen der Gewerke, welche diese beim Einzuge vor⸗ getragen hatten, verziert, uͤber der Koͤniglichen Tafel erhob sich ein Baldachin von Seide in Karmoisin und Roth. Eine Deputation, aus Mitgliedern des Magistrats und der Stadtverordneten be⸗ stehend, empfingen Ihre Koͤnigl. Majestaͤten und die hoͤchsten Herrschaften am Eingange und geleiteten sie in den Saal, woselbst Allerhoͤchstdieselben mit Jubelruf empfangen wurden. Das Fest⸗ mahl, um dessen Einleitungen, so wie um die gesammten d nungen der staͤdtischen Feierlichkeiten, sich der S tadtrath Becker sehr verdient gemacht hat, fand in wuͤrdiger Weise statt. Die Zahl der Theilnehmer mochte sich auf etwa 800 belaufen. Unter den Gaͤsten befand sich auch die von den hiesigen Festgebern ein⸗ geladene Deputation der staͤdtischen Behoͤrden zu Berlin, 189 de⸗ ren Spitze der Geheime Justizrath Ober⸗Buͤrgermeister Kraus⸗ nick. — Ihrer Majestaͤt der Koͤnigin waren als Ehrendamen bei⸗ geordnet die Gattinnen des Stadt⸗Syndikus Anders, des Kom⸗ merzien⸗Raths von Loͤbbecke und der Stadtverordneten Kaufmann Milde und Kaufmann Schiller. Mit inniger Begeisterung stimm⸗ ten alle Anwesende in den Toast ein, den der Buͤrgermeister Bartsch auf das Wohl Sr. Majestaͤt des Koͤnigs ausbrachte.
Se. Majestaͤt geruhten, mit Beziehung auf den hundertjaͤh⸗ rigen Besitz von Schlesien, in kraͤftiger Sprache zu erwiedern: „Auf diese herzlichen Worte nur den Wunsch: noch
tausend Jahre wie diese hundert.“
Der Toͤast, welchen der Vorsteher der Stadtverordneten⸗Ver⸗ sammlung, Kaufmann Klocke, auf das Wohl Ihrer Majestaͤt der Koͤnigin ausbrachte, war in Versen abgefaßt und auch diese Worte, so wie die von Kudraß und Geisheim verfaßten und von Koͤhler komponirten Gedichte, wurden mit Enthusiasmus aufgenommen. Noch wurden zwei Toaste unter allgemeinen Jubel der Versamm⸗ lung ausgebracht. Der erste, von dem Stadtrath Lieutenant Waͤrnke, auf das Koͤnigliche Haus. Diesem Toaste reihte der Buͤrgermeister Bartsch noch einen Gluͤckwunsch der Stadt fuͤr das Wohl Ihrer Kaiserl. Koͤnigl. Hoheiten der Erzherzoͤge von Oesterreich, Sr. Koͤnigl. Hoheit des Prinzen Karl von Baiern, und saͤmmtlicher anderen hoͤchsten Gaͤste an. Ihre Majestaͤten hatten bereits vor Beendigung des Dejeuners den Saal verlassen, und hat Se. Majestaͤt der Koͤnig, in Begleitung des Generals von Neumann, noch vor 2 Uhr die Reise nach der Richtung von Warschau angetreten.
So schließt denn die Reihe der Feste, welche mit wahrhafter Erhebung und begeistertem Patriotismus von der Provinz und der Hauptstadt begangen wurden. Lange noch werden die Erin⸗ nerungen an diese glaͤnzenden Tage in Aller Gedaͤchtniß sortleben. Se. Koöoͤnigliche Hoheit der Prinz von Preußen ist bereits heute Morgen 8 Uhr nach Olmuͤtz zur Inspection des Oesterreichischen WBundes⸗Kontingents abgereist. Morgen fruͤh gehen Ihre Koͤnigl. Hoheiten der Prinz und die Prinzessin Wilhelm und der Prinz Karl nach Fischbach. Der Erbherzog Ferdinand von Este geht morgen, nachdem Hoͤchstderselbe noch mehrere Militair⸗Institute inspizirt hat, in Begleitung Se. Koͤnigl. Hoheit des Prinzen Karl von Bayern uͤber Schweidnitz und Reisse nach Glatz, um die zum Bundes⸗Koͤntingente gehoͤrigen Artillerie⸗Effekten in Augen⸗ schein zu nehmen. Der Koͤniglich Preußische General⸗Major von Kosel begleitet Dieselben. — Se. Kaiserliche Hoheit der Erzherzog Karl von Oesterreich, Hoͤchstwelcher von seiner Krankheit wieder genesen ist, hat uns heute Nachmittag verlassen.
Breslau, 15. Sept. (Schles. Z.) Heute gegen 2 Uhr Nachmittags verließen Se. Majestaͤt der Koͤnig unsere Stadt. Wie die Anwesenheit des allgeliebten Herrschers alle hiesigen Ein⸗ wohner in die lebhafteste freudigste Bewegung versetzte, so fuͤhlen wir jetzt den Schmerz des Abschiedes. Aber die feurigsten Wuͤn⸗ sche, der heiligste Segen, wie ihn nur die heißeste Unterthanen-— Liebe aussprechen kann, folgen Sr. Majestaͤt nach. Se. Maje⸗ stat der Koͤnig reiset nach Kalisch, um mit dem Kaiser von Ruß⸗ land eine Zusammenkunft zu haben. Ihre Majestaͤt die Koͤnigin verweilt noch in unserer Stadt.
Koblenz, 14. Sept. Ihre Koͤnigl. Hoheit die Prinzessin von Preußen hat heute Morgen einen Ausflug von Kreuznach nach der ihrer neuen Vollendung rasch entgegenschreitenden Burg Stolzenfels gemacht, von wo Höchstdieselbe um Mittag mit dem
8 ½ 51* 2 — 8 8 Koͤlner Dampfboote nach Bingen und von da nach Kreuznach zuruchkehrte...
“ 1“ nKkenn.
Ueber die Erzeugung des Nunkelrüben⸗Zuckers in Frankreich. Dritter Artikel. 5 “ (Vergl- Staats⸗Zeitung Nr. 258 und 259.) 8 Bei dem seit fast zehn Jahren bestehe d 1 i 2 G hn Jo henden Kampfe zwischen dem Kolonial⸗Zucker und dem Runkelruͤben⸗Zucker dat ae dar zisioen dabei betheiligten Parteien vornaͤmlich geltend zu machen gesucht daß ihre Industrie weit vortheilhafter fuͤr Frankreich sey, als die mit ihr rivalisirende. Die Kolonisten behaupteten, wie bereits in dem ersten Artikel bemerkt wurde, daß ohne den Kolonial⸗Zucker
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die Marine nicht gedeihen wuͤrde; die Seehaͤsen, als Faktoren und Commissionaire der Kolonisten, sprachen in demselben Sinne und stellten Berechnungen an, die ganz geeignet schienen, der von ih⸗ nen vertheidigten Sache den Sieg zu verschaffen. Wir wol⸗ len diese Berechnungen, deren Resultat uns auffallend uͤbertrie⸗ ben zu seyn scheint, nicht weiter untersuchen, sondern nur bemer⸗ ken, daß die Sache der Kolonieen in Frankreich eine verlorene Sache ist, sowohl wegen der Unbedeutendheit der aller Vertheidi⸗ gung⸗Mittels beraubten Kolonieen, als wegen des Krebsschadens der Sklaverei. Diese beiden Thatsachen reichen hin, um unsere Transatlantischen Besitzungen in einer bestaͤndigen Erwartung ih⸗ res Unterganges zu erhalten, und sie untergraben zu gleicher Zeit alle Argumente der Kolonisten und der Kaufleute in den Seestaͤd⸗ ten. Aus diesem Grunde wollen wir nicht als vergleichendes Ele⸗ ment die Zahlen⸗Angaben der Kolonisten wiederholen, sondern nur diejenigen mittheilen, welche sich auf den imlͤndischen Zucker be⸗ ziehen und den Einfluß desselben auf den Ackerbau und den oͤf⸗ fentlichen Wohlstand erkennen lassen. Diese Art, die Frage zu be⸗ trachten, scheint uns um so vernuͤnfliger, als ohne die Steuer die Production der Runkelruͤbe eine wunderbare Entwickelung erlangt haben wuͤrde, waͤhrend der Kolonial⸗ Zucker, selbst bei der außer⸗ ordentlichsten Beguͤnstigung, die Masse von 100 Millionen Kilo⸗ grammes nicht uͤbersteigen kann. Die Graͤnze ist durch die Ober⸗ fiaͤche des kulturfaͤhigen Bodens auf den Antillen und der Insel Bourbon bestimmt.
Die zur Zucker⸗Bereitung bestimmte Runkelruͤbe wuͤrde, selbst wenn die Fabrication den hoͤchsten Grad erreicht haͤtte, nicht uͤber 35,000 Hektaren Land einnehmen. Das Hektare giebt in dem fuͤr diese Pflanze geeignetsten Boden, d. h. in den vier Departe⸗ ments Nord, Pas de Calais, Aisne und Somme, welche die mei⸗ sten Fabriken besitzen, 30,000 bis 35,000 Kilogr. Runkelruͤben. Zur Zeit der groͤßten Thaͤtigkeit in der Fabrication aͤrndtete man daher dort etwa 1,100 Millionen Kilogr. Runkelruͤben, die zur Zucker-Bereitung verwendet wurden. Nimmt man fuͤr diese Auantitaͤt eine mittlere Ausbeute von 5 pCt. an, so erhaͤlt man 55 Millionen Kilogr. Zucker, welches in der That das Maximum der Production ist, seitdem diese Fabrication existirt.
Man hat den Einwurf gemacht, daß die zum Anbau der Runkelruͤbe verwendete Bodenflaͤche zu unbetraͤchtlich sey, um ei⸗ nen Einfluß auf die Verbesserung des Ackerbaues auszuuͤben. Allein man hat dabei vergessen, daß diese Kultur die Eintheilung in Schlaͤge bestimmte, welche die Fruchtbarkeit und den Werth der Nutzung vermehren. Wenn die Runkelruͤbe z. B. zum achten oder zwoͤlften Theil mit in die Koppel⸗Wirthschaft hineingezogen wird, so wird sie zu gleicher Zeit sieben oder eilfmal mehr Hek⸗ taren dabei betheiligen, als sie wirklich einnimmt, und wenn die Fortschritte der Zucker-Industrie nicht durch die darauf gelegte Steuer aufgehalten worden waͤren, so wuͤrde sich ohne Zwei⸗ fel der Anbau der Runkelruͤbe mit unglaublicher Schnelligkeit verbreitet und am Ende als Element der Koppel-Wirthschaft ei⸗ nen großen Theil unseres Ackerlandes eingenommen haben. Ob⸗ gleich man in den noͤrdlichen Departements das zum Anbau der Runkelruͤbe erforderliche Land dem Getraide entzogen hat, so hat die Production des letzteren dennoch zugenommen. Denn erstlich hat man mehr Duͤngungsmittel gewonnen; zweitens hat man das Brachland abgeschafft und endlich hat, man uͤberhaupt an der Stelle des alten Verfahrens eine sorgfaͤltigere und verstaͤndigere Boden⸗Kultur eingefuͤhrt. Jedermann hat bei diesen Neuerun⸗ gen gewonnen: der Grundbesitzer sah seine Grund⸗Rente bedeu⸗ tend zunehmen, weil die Bewerbung um die Pacht der Laͤnde⸗ reien groͤßer geworden ist, der Ackerbauer erhielt eine Vermeh⸗ rung des Ertrages, der Arbeiter fand einen neuen Beschaͤftigungs⸗ zweig, den Steinkohlen⸗Gruben und den Thierkohlen⸗Fabriken er⸗ öffneten sich neue Absatzwege, endlich sah auch die Regierung vor der Einfuͤhrung der Steuer ihre Einkuͤnfte in den Zucker fabrizi⸗ renden Departements sich vermehren, und dieser letztere Punkt ist so wichtig, daß er wohl verdient, durch einige Zahlen⸗Angaben naͤ⸗ her begruͤndet zu werden.
Der Ertrag der indirekten Steuern in den Departements Tord, Pas de Calais, Aisne und Somme, in welchen die meisten Fabriken inlaͤndischen Zuckers sich befinden, belief sich im Jahre 1831 auf 14,835,828 Fr.; es hat daher in sieben Jahren eine Vermehrung von 5,913,971 Fr. oder von etwa 40 pECt. stattge⸗ funden. Im Departement du Nord allein belief sich diese Steuer im Jahre 1831 auf 6,276,971 Fr. und im Jahre 1838 auf 9,634,264 Fr.; Vermehrung: 3,357,293 Fr. oder etwa 55 pCt. Fuͤr die uͤbrigen Departements des Koͤnigreichs betrugen diese Steuern im Jahre 1831: 148,310,890 Fr. und im Jahre 1838: 196,521,561; Vermehrung: 48,210,671 Fr. oder etwa 32 ½ pCt. Man sieht, daß diejenigen Departements, welche den meisten in⸗ laͤndischen Zucker fabriziren, auch zugleich diejenigen sind, in denen die Zunahme der indirekten Steuern am schnellsten stattfindet. Als man daruͤber diskutirte, welcher Zoll fuͤr den Runkelruͤben⸗ Zucker anzunehmen sey, suchte man die Betriebs⸗Kosten dieses Erzeugnisses auf das genaueste festzustellen, und nach zahlreichen Untersuchungen wurden die Betriebs⸗Kosten vermittelst der nach⸗ stehenden Elemente, die hier mitzutheilen nicht unnuͤtz seyn duͤrfte, bestimmt.
Bei der Berechnung hat man eine Zucker⸗Fabrik angenom⸗ men, die in 100 Tagen 100,000 Kilogramme Zucker produzirt.
Die Gebaͤude der Zucker⸗Siederei, die zur Reinigung der Zucker⸗Formen, die Magazine, die Nebengebaͤude nebst dem Appa— rat und einer Dampfmaschine 150,000 Fr.
Betriebs⸗Kapital 50,000 ⸗
2 Millionen Kilogr. reiner Runkelruͤben, auf dem Reibeisen das
1000 Kilogr. zu 20 Fr., gewaschen .40,000 Fr. 3
6000 metrische Ctr. Steinkohlen, zu 2 Fr. 50 Ct.
den Ctr. 8 15,000
Arbeitslohn fuͤr 100 Tage, zu 90 Fr. den Tag. 9,000) Beinschwarz und chemische Agentien .... 8,000 Emballage, 1000 Saͤcke zu 1 Fr..... 1,000 Claies und Saͤcke 1,300 Erleuchtung, zu 9 Fr. den Tag 900 ⸗ Besen, Fett u. s. w... 300 Assekuranz und Grundsteuer 1,500 Ein Aufseher 1 Zinsen von dem aufgewendeten Kapital von
150,000 Fr. zu 5 pCt.
Zinsen von 50,000 Fr. von dem Betriebs⸗
Kapital zu 5 pCt. bö...
Tilgung zu 5 pCt. von dem Kapital von
150,000 Fr. und fuͤr die jaͤhrlichen Aus⸗
besserungen...
Im Ganzen . Davon sind abzuziehen: 30,000 Kilogr. Melasse, 100 Kilogr. zu 6 Fr.]) 40* a ; 7 on Miü⸗ 8202 Fr. 400,000 Kilogr. Abgang von den Ruͤ⸗ ben, 1000 Kilgr. zu 8 Fr. 3200 ⸗
E —
7,500 Fr.
2,500
7,500 ⸗ v.96,09090 Fr.
11u““
’
Es bleiben also fuͤr den Werth von 1 Dies giebt in runder Zahl fuͤr 100 Kilgr. Hierzu die gegenwaͤrtige Steuer mit Einschluß
00,000 Kilgr.
11 91,000 Fr.
99 Fr. — Ct. der Kriegs⸗Steuer er. 17 250—⸗ Zusammwen. 107 Fr. 50 Ct. Der Transport von 100 Kilogr. 8 dieses Zuckers nach Paris be⸗ trügt me.. 1 5 pCt. Gutgewicht an Zucker be⸗ rechnet auf 107 Fr. 50 Ct. 5 37 ⸗* 2 ½ pCt. fuͤr Courtage, Kommis⸗ sions⸗Gebuͤhren u. s. w. — Unterschied der Qualitaͤt zwischen dem Kolonial⸗ und dem in⸗ laͤndischen Zucker, beide nach der vierten guten Sorte beurtheilt Betriebskosten von 100 Kilogr. beim Verkauf in Paris..
4 Fr. 50 Ct.
125 Fr. 37 Ct.
selbe Zeit berechnve. 114 25⸗ Unterschied zu Gunsten des Kolonial⸗Zuckers. 11 Fr. 12 Ct.
Es ist somit gegenwaͤrtig nicht mehr der Runkelruͤben⸗Zucker, welcher in Frankreich mit dem Rohrzucker konkurrirt, sondern der auslaͤndische Zucker, welcher seit der Herabsetzung der Nachsteuer, d. h. seit dem letzten Gesetze, in goͤßerer Menge in unseren Haͤ⸗ fen ankommt. Und gegen diese Herabsetzung reklamiren jetzt die Kolonisten eben so, wie fruͤher gegen den inlaͤndischen Zucker Wollte man auf ihre Wehklagen hoͤren, so muͤßte man allen Zucker von Frankreich ausschließen und nur dem ihren die Einfuhr
gestatten, den sie uns dann zu einem Preise verkaufen wuͤrden, wie es ihnen beliebte. Nur zu lange hatte man zu ihren Gun⸗
sten ein abgeschmacktes Schutzsystem angenemmen, und das Opfer, welches man ihnen mit dem inlaͤndischen Zucker gebracht hat, ist nur eine Fortsetzung dieses Systems, das uͤbrigens durch die leich⸗ tere Einfuhr des auslaͤndischen Zuckers gemildert wird. Indem die Regierung die Nachsteuer auf diesen letzteren erniedrigte und bis auf 65 Fr. fuͤr 100 Kilogr. herabsetzte, hatte sie nur das In teresse des Fiskus im Auge, und ihre Voraussicht ist vollkommen realisirt worden. Der Zuͤcker aus Havanna und Brafilien kon kurrirt auf den Maͤrkten Frankreichs mit dem Zucker der Antillen ünd dem inlaͤndischen, und man erhaͤlt so eine Vermehrung der oͤffentlichen Einkuͤnfte, indem jener Zucker einen weit hoͤheren Ein⸗ gangszoll zahlt, als der Zucker der Franzoͤsischen Kolonieen. Ungeachtet der Fluctuationen, welche die Zucker⸗Production seit mehreren Jahren erlitten, hat doch die Consumtion stets zu⸗ genommen und in einem Zeitraum von 20 Jahren sich mehr als verdoppelt. Indeß betraͤgt die Consumtion in Frankreich nur etwa 3 ½ Kilogr. fuͤr den Kopf, in England dagegen mehr als 12 Kilogr. Waͤren die Fabriken inlaͤndischen Zuckers nicht durch die Steuer gehemmt worden, so wuͤrden sie die Consumtion außerordentlich b fordert und der Zucker dadurch einen Preis erhalten haben, wo⸗ durch er allen Klassen der Gesellschaft zugaͤnglich geworden waͤre. Der hier behandelte Gegenstand wuͤrde noch Stoff zu vielen Be⸗ merkungen darbieten, namentlich, wenn wir in die technischen De⸗ tails und in das in den verschiedenen Fabriken angewendete Ver⸗ fahren eingehen wollten; aber der Artikel ist bereits zu lang und es wird uns uͤberdies nicht an Gelegenheit fehlen, auf diesen Ge⸗ genstand zuruͤckzukommen; denn bei Eroͤffnung der naͤchsten Session werden die Kolonisten und die inlaͤndischen Zucker⸗Fabrikanten un⸗ fehlbar ihre Reclamationen vor die Kammern bringen; die Erste ren, um die Erhoͤhung der Nachsteuer auf fremden Zucker, die Letzteren, um eine Aenderung in der Gesetzgebung, eine Milderung der Abgaben, die ihre Industrie hemmen und eine große Anzahl ihrer Etablissements zu Grunde richten, zu verlangen.
Meteorologische Beobachtungen.
1841. 17. Sept.
Abends 10 Uhr.
Morgens Nachmittags 6 Uhr. 2 Uhr.
Nach einmaliger Beobachtung.
Luftdruck.. Luftwürme.
Thaupunkt . .. Dunstsättigung
337,2 18 Par. 337,0 89 Par. 337,00“ Par.] Quellwärme 8,4 ’ + 9,30 n. + 20,2 R. + 12,8 R. Flusswärme 15,00 h. — 8,1 R. + IU,- R. + 10,0⁰ R. Bodenwärme 15,40 R.
86 pgct. 39 pCt. 82 pCt. Ausdünstung 0,047 Rh.
Wetter bheiter. heiter. beiter. Niedersehlag 0.
Wind 0Xo. 0. 0NO0. Warmewechsel † 20,2 °.
Wolkenzug. .. — 0. — + 8,9⁰.
Tagesmittel: 337,07“ Par. + 14,40 R... † 9,5 ⸗R.. 69 pct. 0.
Berliner Börse. Den 18. September 1841.
Pr. Cour. . Pr. Cour. Brief.] Geld. Brief. Geld.
St. Schuld -Sch. 104³, 104 ¼ Pr. Engl. Obl. 30. 4 102 101½ Präm. Sch. der 8 Seebandlung. 80 2 79 2 Kurm. Schuldv. 3½ 102 ½ 102 ½ Berl. Stadt Obl. - 103 103 ¼ Ellunger do. 3 ¾ 100 99 ½ Danz. do. in Th. — 48 Westp. Pfandbe.* 2 102 ¼ 10¹ʃ8½ Grossh. Pos. do. — 105 ½⅔ Ostpr. Pfandbr. 102 ¾¼ 102 2 Gold l mardo Pomm. do. 103 2 — Kur- u. Neum. do. * 101³, 101 ¼ Schlesische do. 3¾ 102 ½ —
Aceien. Brl. Pots. Eisenb. † do. do. Prior. Aet. Mgd Lpz. Eisenb. do. do. Prior. Act. Berl. Anh. Eisenb. do. do. Prior. Aect. Düss. Elb. Eisenb. do. do. Prior. Act. Rhein. Eisenb.
— 102 ¾ 11² g8 — 102 104½ 102 ¼ 93 ½ 103 ½ 96 ½
211 13 ½
2ꝙ 1½ —
Friedrichsd'or
Andre Goldmün- zen à 5 Th. 8 ⁄½2
Disconto 3
Pr. Cour. Thlr. zu 30 Sgr. Brief. Geld.
Amsterdam .250 FI. 138 ¾ 138 do. .. 250 PFl. 2 Mt. 137 ½ 137 ¾
IIambuarg 300 Mk. Kurz — 148 do. 4. 300 Mk. 2 Mt. 148 ¼ 1418 1 LSt. 3 Mt. 6 18 ½ [6 18 ¼
300 Fr. 2 Mt. 78* 78 ½
150 PFl. 2 Me. 103 ¼
150 Fl. 2 Mte. 101⅔
Rreslau. 100 Thlr. 2 Mt. 99 ½
Leipzig in Courant im 14 Thl. Fuss.. 100 Thlr. 8 Tage
1 Frankfurt a. M. Wz... . 100 n. 2 Mc. . Petersburg . 3 Wocb. 112
echseæl-Courn s.
London’. Paris.. Wien in 20 Xr. Augshurg
4 “ n.