1841 / 263 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

böͤchstste gern laͤnger verweilt haͤtten, besonders, weil Sie beabsich⸗ tigt haͤtten, sich die Aeltesten vorstellen zu lassen, welche die Ge⸗ werke bei Allerhoͤchstihrem Einzuge angefuͤhrt hatten. Auch Ihre Ma⸗ jestaͤt die Kdnigin, welche heute bereits unsere Stadt verlassen, haben bei der mehreren Mitgliedern der Ritterschaft und den Stadtbehoͤrden er⸗ theilten Abschieds⸗Audienz den Letzteren wiederholt Ihren Beifall hinsichtlich der Allerhoͤchstihnen bereiteten Festlichkeiten zu erkennen gegeben. und wie gern Sie in der Mitte treuer Buͤrger verwellt, durch die schoͤnen und reichen Gaben bekundet womit Allerhoͤchstsie die beiden Jungfranen beschenkten, welche Ihnen und Sr. Ma⸗ jestaͤt dem Koͤnige die von der Stadt gewidmeten Festgedichte uͤberreichten. Es hat naͤmlich Fraͤulein Lange und Fraͤulein Mo⸗ linari jede ein goldenes reich mit Brillanten und Smaragden ver⸗ ziertes Armband und jede der uͤbrigen 8 Jungfrauen, welche den Genannten beigegeben gewesen, ein goldenes Kleinod erhalten. Auch haben Se. Majestaoͤt der Koͤnig fuͤr die hiesigen Armen 800 Rthlr. in Courant und Ihre Majestaͤt die Koͤnigin 500 Rthlr. in Gold den staͤdtischen Behoͤrden uͤberwiesen.

Breslau, 18. Sept. (Bresl. Zeit.) Vorgestern besich⸗ tigten Ihre Koͤnigl. Hoheiten der Erzherzog Ferdinand von Este und der Prinz Karl von Bayern, als Kommissarien des Deutschen Bun⸗ des, die zum 6ten Armee⸗ Corps, als Reserve⸗Corps, gehbrigen Truppen der Garnison von Breslau. Um 7 Uhr fing die Be⸗ sichtigung bei dem 1sten Kuͤrassier⸗Regiment an und wurde dann bei der Iten Schuͤtzen⸗Abtheilung fortgesetzt. Hierauf verfuͤgten sich die Herren Kommissarien in das Landwehr⸗Zeughaus, dann in das Burgfeld⸗Zeughaus und dann auf das Buͤrgerwerder zur Besichtigung der Artillerie und Infanterie und der Lskale, in denen das Artillerie⸗Material aufbewahrt wird, so wie der Kaser⸗ nen. Die Durchlauchtigsten Herren Kommissarien sprachen uͤber⸗ all ihre Zufriedenheit mit der Bekleidung, Ausruͤstung und aus⸗ ezeichneten Ausbildung der Truppen aus und begaben sich gestern uͤber Brieg nach Neisse; heute gehen dieselben nach Frankenstein und morgen nach Glatz, wo am 20sten die Inspizirung stattfin⸗ den wird. b

wictenschakt, Kunst und Literatur.

Des Progres de bIndustrie dans leurs rapports avec la moralité de la classe ouvrière, par le Baron de Gérando, Pair de France. 1 Vol. in 8.

Der von Herrn de Gérando behandelte Gegenstand ist nicht neu und hat bereits mehrmals den Scharfsinn der Dekonomisten und Mo⸗ ralisten beschaͤftigt. So haben ganz neuerdings die Herren Fregier, Villermné, Buret diesen Gegenstand aus verschiedenen Gesichtspunkten

veleuchtet und die Schluͤsse, zu denen sie gelangen, sind dem industriellen Regime, wie es gegenwaͤrtig in seinen Beziehungen zur Moralitaͤt vesteht, im Allgemeinen nicht guͤnstig.

Die Wissenschaft und die Erfahrung haben indeß noch nicht ihr letztes Wort uͤber diese wichtige Frage ausgesprochen, und es ist noch nicht unwiderruflich entschieden, daß die Wunder der Industrie, die Macht der Maschinen, die Zusammenhaͤufung der Arbeiter und die Konkurrenz die Moralitaͤt der Arbeiter vernichten werden. Die In⸗ dustrie hatte seit langer Zeit gegen dergleichen Lehren protestirt; da sie indeß eine dabei betheiligte Partei war, so fehlte es ihren Urthei⸗ len an Autoritaͤt und die Thatsachen straften sie oft auffallend Luͤgen.

Das Elend und die Unoednung fallen stets mehr in die Augen, als die Wohlfahrt und die Moralitaͤt, d. h. das Gute wird stillschwei⸗ gend angenommen und geht oft unbemerkt voruͤber, waͤhrend das Schlechte Allen auffaͤllt, Kritik, Untersuchungen hervorruft und zu falschen Urtheilen fuͤhrt, die das Elend⸗ welches weder dauernd noch allgemein ist, uͤbertreiben und generalisiren. Herr de Gérando ge⸗ hoͤrt in seinem oben angefuͤhrten Werke dieser letzteren Klasse an. Er hat sich indeß nichts verhehlt, er hat die Wunde in ihrer ganzen Ausdehnung untersucht; allein er hat auch etwas anderes sehen wol⸗ len als Wunden und hat sich nicht, wie dies gewoͤhnlich geschieht, im voraus gesagt, daß das Gemaͤlde keine Lichtseiten haben, sondern nothwendig einen duͤsteren und abschreckenden Anblick darbieten werde.

8 Das Werk des Herrn de Gérando ist durch eine von dem Gewerbe⸗ Verein in Muͤhlhausen gestellte Preisfrage uͤber den Industriallis⸗ mus in seinen Beziehungen zur Gesellschaft aus dem oralischen Gesichtspu iukte betrachtet, veranlaßt worden. Das Problem war umfassend und schwierig zu loͤsen, und wenn der

Schriftsteller, welcher den Preis gewonnen, dasselbe auch nicht voll⸗

dͤndig loͤste, so hat er doch wenigstens neue Matecialien fuͤr weitere Untersuchungen geliefert und sein einsichtsvolles Studium wird ge⸗ wiß manche Irrthuͤmer berichtigen..

Herr von Gérando hat sein Werk in drei Theile getheilt: der erste Theil umfaßt dasz Studium der Thatsachen; der zweite das Studium der Ursachen, und der dritte das Studium der Mittel zur Verbesserung. Der Verfasser hat sich bekanntlich sein ganzes Leben hindurch mit der Philosophie, der Moral und der Ratlonal⸗Oekonomie beschaͤftigt und besitzt, ohne den ersten Rang in diesen Wissenschaften erlangt zu haben, doch die Aufklaͤrung und alle die Kenntnisse, welche noͤthig sind, um den von dem Gewerbe⸗ Verein in Muͤhlhausen als Preisfrag⸗

Ine angemessene Weise behandeln zu koͤnnen. Der Verfasser stellt zuerst nach der Kriminal⸗Statistik Frankreichs fest, daß die mit den meisten Verurtheilungen wegen Verbrechen und Vergehen belasteten Kategorieen in Paris nicht die der Arbeiter, son⸗ deen die der wirklichen oder angeblichen Handeltreibenden (négociants), der Geschaͤfts⸗Agenten, der Schreiber bei Huissiers oder Prokuratoren; der Makler, der Agenten suͤr Stellvertretung im Heere, der verabschiede⸗ ten Offiziere und Unterofstziere; der Schreiber oder Kopisten; der Musik⸗ Lehrer, Sprachlehrer u. s. w.; der Handlungs Gehuͤlfen, der bei Banguiers und großen Industrie Unternehmungen Angestellten, der K raͤmer und eini⸗ er anderen sogenannten liberalen Gewerbe sind. Betrachtet man ganz Frankreich und vergleicht man die Ackerbauer mit den eigentlich so⸗ genannten Arbeitern, so findet man auch, daß die Zahl der Verurthei⸗ lungen wegen Verbrechen und Vergehen unter den Letzteren weit ge⸗ ringer ist, als unter den Ersteren. Andere Thatsachen, die wir hier nicht anfuͤhren wollen, unterstuͤtzen diese Meinung noch. Es giebt indeß Lokalitaͤten, die eine beklagenswerthe⸗ Ausnahme machen. In Muͤhlhausen bilden die unehelichen Geburten ½ saͤmmtlicher Gebur 8 ten; eben so in St. Quentin. In Rouen haben die Arbeiter, deren Verrichtungen am besten bezahlt werden, die schlechtesten Sitten. In Rheims haben Trunkenheit und Ausschweifungen einen furchtbaren Grad erreicht. Diese T hatsachen sind indeß, wie gesagt, nur Aus⸗ nahmen, und es finden sich eine Menge Lokalitäͤten, wo auf eine troͤst⸗ liche Weise das Gegentheil stattfindet. Mehrere Fabriken in Guebviller (Devpartement des Ober⸗Rheins), zeigen einen Fortschritt in der Moralitaͤt der Arbeiter, die Stadt Tarrare (Departement der Rhone) ist bemerkenswerth wegen der großen Redlichkeit und Sittlichkeit ih⸗

rer Arbeiter; keine Fabrikstadt besitzt weniger Trunkenbolde und schlechte Subjekte, als diese. Dasselbe findet in St. Denis, Gisors und in den Thaͤlern von St. Amand und Guebviller statt.

uweilen veraͤndert sich der moralische Zustand der Arbeiter, die ein destimmtes Geschaͤft treiben, nach dem Stadt⸗Viertel, welches sie bewohnen; z. B. in Lille, wo die des Viertels St. André sich ut auffuͤhren, waͤhrend in dem Viertel St. Sauveur eine tiefe Ver⸗ derbniß herrscht. In Lille zeichnen sich die Weber, die Zwirnspinner, welche den Nahzwirn verfertigen und die Spitzenklopplerinnen durch ihre Reinlichkeit, ihre Sittlichkeit⸗ ihre Nuͤchternheit und Sparsamkeit aus. In Lyon ist das Betragen der Faͤrber und Hutmacher sehr verschieden von dem der Seidenarbeiter. In Elbeuf, Muͤhlhausen,

rage aufgestellten Gegenstand auf

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Rheims und in fast allen Fabrikstaͤdten bemerkt man, daß die Un⸗ ordnungen in demselben Gewerbe weit mehr nnter den von außer⸗ halb kommenden Arbeitern, als unter den im Lande selbst gebornen stattfinden. Endlich vemerkt man, daß die Gehuͤlfen mehr zu einer ungeregelten Auffuͤh ⸗ung geneigt sind, als die ansaͤßigen Aebeiter.

Gewisse lasterhafte Gewohnheiten, die in den Favrikstädten berr⸗ schen und deren Schilderung uns gegenwaͤtig auffaͤut, datiren nicht erst von gestern her, sondeen sind im Gegentheil nue die teaurige Eebschaft f uͤhe er Zeiten. Es sind weit mehe Teraditionen, die sich erchalten, als Relultate, die duech das Fabeikwesen ins Leben ge'ufen worden sind. So bezeichnete voe eltwa 35 Jah en der Praͤfekt des

Depactements Du Nord das Laster der Teunkenheit als allgemein untec dem Volke in Lille hereschend, und schon im 17ten Jahchundect machte der Intendant der Generalitaͤt Flandeen eine aͤhnliche Be⸗ merkung.

Wire haben schon gezeigt, daß die Arbeiter Klasse nicht zahlrei⸗ cheren Ausschweifungen ergeben sind, als die ande en sozialen Kate⸗ goeicen; abe die Natur ih er Verb echen und Ve gehen sind gewisser⸗ maßen das Resultat ihrer Gewoh heiten, die sie in den Fab iken an⸗ nehmen. si unmaͤßiger Geschmack an den sinnlichen Vergnuͤgungen, bis zum Betrug getriebene Liebe zum Gewinn, und Streitigkeiten, die haupt⸗ saͤchlich eine Folge der Trunkenheit oder der Rivaliraͤt in den Ver⸗ gnuͤgungen oder beim Gewinn sind. Diese charakteristischen Zuͤge erleiden indeß noch Ausnahmen.

Die Arbeiter-Klasse nimmt endlich noch an dem allgemeinen Fortschritte, wie an dem Verfall der sozialen Sitten Theil. Wie sollte sie auch in den Zeiten der Verderbniß der allgemeinen An⸗ steckung entgehen. f unterworfen ist. Die besonderen Umstaͤnde, in denen sich die Arbei⸗ ter befinden, haben auch Einfluß auf ihre Moralitaäͤt: die Zuram⸗ menhaͤufung von Personen, ihr unstaͤtes Leben, der in den meisten Faͤllen lasterhafte Charakter der Vorgesetzten tragen ohne Zweifel zu den Unordnungen bei; aber dies sind nicht die chronischen Ursachen des Uebels, wie die oben angefuͤhrten Beispiele, die wir leicht noch vermehren koͤnnten, hinreichend beweisen.

In dem zweiten Theile, der von den Ursachen handelt, hat Herr de Gérando den guͤnstigen Einfluß der Industrie auf die Moralitaͤt der Arbeiter von ihrem unguͤnstigen Einflusse auf die Ar⸗ beit unterschieden. Der moralische Einfluß haͤngt von mehreren Bedingungen ab; er wird um so heilsamer seyn, je mehr die Arbeit darauf gerichtet ist, die Energie der Seele und die Aufmerksamkeit zu uͤben. Der auf rein passive Verrichtungen reduzirte Arbeiter wird sich nach und nach ganz den materiellen Kraͤften assimiliren, de⸗ ren Anwendung er nachzuahmen verdammt ist. Se morali⸗ sche Einfluß der Arbeit haͤngt auch zum Theil von der Art und dem Grade der Abhaͤngigkeit ab, der sie den Arbeiter un⸗ terwirft. Es bedarf einer beschrankten, intelligenten Abhaͤngigkeit, die, statt wie ein schweres Joch auf dem Arbeiter zu lasten, viel⸗ mehr ihn leitet und, indem sie ihm seine Rolle anweist, ihm dieje⸗ nige Freiheit laͤßt, deren er bedarf, um seine Rolle gut durchzufuͤh⸗ ren. Es giebt noch andere Bedingungen, von denen der moralische Einfluß der Werkstaͤtten abhaͤngt; z. B. die mehr oder weniger guͤn⸗ stige Aussicht, welche die Beschaͤftigung dem Arbeiter gewaͤhrt, durch Kenntnisse, Thaͤtigkeit und gutes Betragen allmaͤlig sein Loos zu verbessern; die vorherrschenden Eindruͤcke von den Dingen, welche vor seinen Augen geschehen, die Gegenstaͤnde, welche durch seine Haͤnde gehen, die Operationen, bei denen er mitwirkt. Es ist

uͤbrigens wohl zu beachten, daß der durch die Arbeit bewirkte Ein⸗

füuß namentlich von der Faͤhigkeit abhaͤngt, die der Arbeiter dazu mitbringt. Die Arbeit, welche mit Liebe, mit dem Gefuͤhl der Pflicht, mit der religidsen Gesinnung, sich dem goͤttlichen Willen zu fuͤgen, mit dem edelmuͤthigen Gedanken, Anderen nuͤtzlich zu seyn, ergriffen wird, erhebt, läukert und heiligt die Seele. Dagegen regt die als eine Nothwendigkeit betrachtete und mit Widerwillen uͤber⸗

nommene Arbeit die Leidenschaften auf, statt sie zu besaͤnftigen.

zu den fuͤr die Arbeiter unguͤnstigen Einfluͤssen der Industrie rechnet Herr von Gérando die ausschließlich materiellen Beschaͤfti⸗ gungen, die Theilung der Arbeit, das Zusammentreffen beider Ge⸗ schlechter in den Werkstaͤtten und den Mangel der Familien⸗Bande. „Der Handwerker“, sagt der Verfasser, „welcher in seiner Woh⸗ nung arbeitet, der Hausgeraͤthe, ein Geschaͤft, Handwerkszeug be⸗ sitzt, der in seiner Haushaltung mit seiner Familie lebt, kennt das Gefuͤhl des Eigenthums; dies Gefuͤhl erhebt ihn in seinen eigenen Augen, lehrt ihn das Eigenthum eines Anderen achten und naͤhrt in ihm einen Erhaltungstrieb, einen natuͤrlichen Geschmack an der Ehrbarkeit. Diese Gesinnungen verschwinden in dem Maße, als der Arbeiter, in die Fabriken versetzt, den Besitz des Mobiliar⸗Ver⸗ moͤgens verliert. Der wahre Proletarier ist nicht derjenige, welcher kein Grund⸗Eigenthum hat, soͤndern der, welcher nichts in seiner Wohnung hat.“

Indem der Verfasser zu den Verbesserungs⸗Mitteln aͤbergeht, stellt er folgende vorlaͤufige Betrachtungen an: „Man muß anerkennen, daß die oͤffentliche Autoritaät wenig Einfluß auf die Sitten hat, und zwar heut zu Tage vielleicht weniger, als je⸗ mals. Was vermoͤgen die Gesetze uͤber sie, wenn eben die Sitten die Achtung vor den Gesetzen selbst vermindert haben?“ Dies ist eine historische und moralische Ketzerei, die wir ungern in dem Werke des Herrn de Gérando erblicken. Man sieht vielmehr, daß fast im⸗ mer die Verdorbenheit der Regierungen die Verdorbenheit der Voͤlker herbeigefuͤhrt hat, und daß, wenn erstere sich in einer guten morali⸗ schen Verfassung befanden, sie auch den Sitten eine guͤnstige Rich⸗ tung aufgepraͤgt haben. Wir wollen nicht ins Einzelne gehen; un⸗ sere Behauptung wird durch die Geschichte aller Zeiten und selbst durch die neueste Geschichte Frankreichs bestaͤtigt.

Ja, wir glauben, daß die oͤffentliche Autoritaͤt einen großen Ein⸗ fluß auf das Loos und die Moralitaͤt der Arbeiter⸗Klasse ausuͤven kann, und der Verfasser selbst entfernt sich mehr als einmal von sei⸗ ner zu absoluten Meinung, wenn er von dem Gesetze uͤber die Arbeit der Kinder in den Fabriken, von der Einrichtung von Sparkassen, von den Kleinkinder⸗Bewahr⸗ Anstalten, von Elementar⸗Schulen und von der Einwirkung mittelst der Religion spricht, die von der Re⸗ gierung ausgehen muß, so erkennt er den Einfluß der letzteren auf die Sitten um so mehr an, als er die erwaͤhnten Mittel unter den

Verbesserungs⸗Ursachen in die erste Linie stellt.

Die Entwickelung des Familien⸗Geistes ist in seinen Augen ein auderes Element des Erfolgs; eben so die gute Anwendung des Sonn⸗ tags. Das Beispiel des Vorgesetzten muß einen sehr großen Einfluß auf das Betragen der Arbeiter ausuͤben. Seine Anwesenheit in den Werkstaͤtten, sein Lob, sein Tadel, sein Rath, der Schutz, den er den Kindern angedeihen laͤßt, der Beistand, den er den Ungluͤcklichen lei⸗ stet, werden ihm eine große Gewalt und ein Ansehen verschaffen, welche die Arbeiter in ihrem eigenen Interesse zu achten gendthigt seyn werden.

Die Wirkungen der gegenseitigen Verbindungen unter den Ar⸗ beitern sind ziemlich allgemein bekannt. Nach der Meinung des Herrn Gérando solte man sie allgemein einfuͤhren. Die gegen Ende des vorigen Jahrhunderts in England gegruͤndeten friendly Societies koͤnnten fuͤr diese Art von Verbindungen als Beispiel die⸗ nen; schon sind sie auf verschiedenen Punkten in Frankreich nach⸗ geahmt worden und haben sich durch ihren wohlthaͤtigen Einfluß be⸗ merklich gemacht. Jede dieser Verbindungen muͤßte nur aus einer sehr beschraͤnkten Anzahl von Mitgliedern und nicht ausschließlich aus Arbeitern desselben Gewerbes bestehen, um nicht ein Heerd der Coa⸗ litionen zu werden. Ihre Statuten muͤßten der Behoͤrde vorgelegt und ihre Versammlungen einer beschuͤtzenden und klugen, jedoch nicht lͤstigen, Beaufsichtigung unterworfen werden. Sie muͤßten unter das Patronat wohlwollender und aufgeklaͤrter Personen gestellt werden, die ihnen als Fuͤhrer dienen koͤnnten, und zu diesem Zwecke muͤßten sie Per⸗ sonen aus hoͤheren Staͤnden als Subskribenten aufnehmen. Diese freundschaftlichen Vereine haben in En land einen guten Fortgang und unter ihren Ehren⸗Mitglieder wa rhafte Patrone gehabt, wie unter Anderen die des Grafen von Norfolk und die, welche Lord Harcourt in der Grafschaft Orford gegruͤndet hat.

Dieie Gewohnheiten sind Sorglosigkeit, Unvorsichtigkeit,

Es ist offenbar, daß sie dem Einflusse der Zeit

Der Verfasser wuͤnscht sogar dies Patronat auf weit ausgedehn⸗ teren Basen hergestellt zu sehen. Es wuͤrde dies ein umfassendes Eystem seyn, wo die hoͤheren Klassen die unteren Klassen auf wohl⸗ wollende Weise unterstuͤtzten. Dies Patronat muͤßte nicht durch die öffntliche Autoritaͤt errichtet werden⸗ sondern durch sich selbst entsteben,

eingegeben durch großberzige Gesinnungen, deren aufrichtiger Aus⸗ drucc es waͤre. Die Comiteé's muͤßten gleich denen, welche die Sparkassen ver⸗ walten, aus angesehenen Buͤegern vestehen, die durch Geschenke zur Dotirung dieses Etablissements beigetragen haben. Sie duͤrften keine Magistratur vilden, keine Gerichtsbackett ausuͤben, selbst nicht einmal das Recht baben, die Werkstatten zu inspiziren. Die Arbei⸗ ter sollten in ihnen nur Freunde sehen. Die Kinder der Arbeiter⸗ Klasse, die jungen Lehrlinge beiderlei Geschlechts, waͤren der direkte und der Haupt-Gegenstand einer natuͤrlichen Sorgfalt des Patronat⸗ Comité's. Indeß mußte sich diese Sorgfalt auch auf die Arbeiter je⸗ des Alters, und namentlich auf die in den Werkstaͤtten deschafrigten Frauenerstreckte. Seine Thaͤtigkeit haͤtte einen dreifachen Zweck: Unter⸗ richt, Aufmunterung, Beschuͤtzung. Die Patronat⸗Comité's konnten noͤthigenfalls auch Unterstuͤtzung⸗Comité's seyn; sie wuͤrden in einer wohlthaͤtigen und vaͤterlichen Sphaͤre wie eine zugleich maͤchtige und milde Triebfeder wirken. Dies sind mit wenigen Worten die von Herrn Geérando auf⸗ gestellten Ansichten uͤber die Verbesserung und die Exleichtecung dee aebeitenden Klassen. Wir gestehen, daß weder seine Ideen, noch seine Plaͤne absolut neu sind; aber alle seine Gedanken sind gut geordnet, die Gesammtheit der von ihm vo geschlagenen Mittel entspricht ziemlich gut den beobachteten Thatsachen. Es ist alle dings nichts Radikales in seinen Reformen, und es gela gt dahin nicht, wie ge⸗ wisse Neuerer, durch eine wunderbae Um chmelzung dee ganzen Ge⸗ fellichaft; er zieht gelindere Mittel vor, die unee sozialer Zustand be⸗ reits im Keime enibatt; er si det die Mittel zur Veebessecung in dem bereits Vorhandenen und nicht heroische Mittel win schaffen, die stets zerstoͤren, ehe sie etwas eeschaffen haben. Diese gemaͤßigten w“ weniger angenehm, aber sie sind nehr in Uebereinstimmung mit der Vernunft un nuͤtzlicher fuͤr menschliche Geschlecht. 1““

EEnÜUXnas.

Meteorologische Beobachtungen.

1841. Morgens 19. Sept. 6 Ubr.

Nachmittags

Nach einmaliger 2 Uhr.

Beobachtung.

Abenda 10 Uhr.

Luftdruck.. 339,11 Par. 339,63 Par. 339,91“ Par. Quellwürme 8,3 R. Luftwürme. +. 9,3* n. + 13,6° R. + 7,4 ° R. PFlusswürme 13,9⁰° K. Thaupunkt. + 7,0 i 8,19 hR. + 6,19 R. Bodenwäürme 141n. Dunstsättigung 83 pLt. 71 pct. 80 PCt. Ausdünstung 0,040“ Rb. bezogen. heiter. heiter. Niederschlag 0.

No. 0No. No. Wüurmewechsel + 13,8“ Wolkenzug... 1 g NO. + 8.

18.

Tagesmittel: 339,55“ Par. + 10,1° h.. + 7,1“ n.. 78 pct. oxo.

F“ Den 20. September 1841.

8 Pr. Cour. 8 EE“ Brief. Geld.

St. Schuld-Scb.] 4 104 ¾ ] 104 ½¾ Pr. Engl. Obl. 30. 4 102 Präm. Sch. der Seebandlung. Kurm. Schuldv. Berl. Stadt Obl. Ellunger do. Danz. do. in Th. Westp. Pfandbr. Grossh. Pos. do. Ostpr. Pfandbr. Pomm. do. Kur- u. Neum. do. Schlesische do.

Actien. Brl. Pots. Eisenb. do. do. Prior. Act. Mgd Lpz. Eisenb. do. do. Prior. Aect. Berl. Anh. Eisenb. do. do. Prior Act. Düss. Elb. Eisenb. d0. do. Prior. Act.

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80 ¼ 79 ¾ 102 101¼ 103¾ 1032 100 99 ½

48 g- 101⅔ 106 ¼ 101 ¾ 1015 102 ½⅔

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Gold al marco Friedrichsd'or Andre Goldmün- zen à 5 Th. Disconto

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Auswärtige Börsen.

Amsterdam, 16. Sept. Niederl. wirkl. Schuld 51 X¾. 5 % do. 101- ℳ% Kanz. Bill. —. 5 ⁰% Span. 18 2 i 8 he Span. 18 2. Passive. —. Ausg. —. Zinsl. —. Preuss Präm. Sch. r Pol. —. Oesterr. 106.

Frankfurt a. M., 17. Sept. Oesterr. 59 w6 8 29 55 6. 18 21¼ B- 16“ 2 2 8 Br. -Aecet. 1913 Br. Partial-Obl. —. Loose

zu 500 Fl. 137 6 Br. Loose zu 100 Fl. —. Preuss. Präm. Sch. 80 ½ G 40. 47 Aul. 102 ¼ G. ra 73 ¾ e. 5 ½ s 259 o0. 4 ½ Au 2 ¼ G. olu. Loose 73 ¼ G. 5 6 Span. Aul. 20E218 Holl. 50 ¾. 50 46. 5

Eisenbahn -Actien. St. Germain —. do. linkes —. München-Augsburg —. Dresden 100 ½ G. Köln-Aachen 100 G.

H am burg, 18. 8en Bank-Aetien 1605 G. Engl. Russ. 108 ½. 78 1 15. Sept. 5 Rente fin cour. 114. 90. 3 Reute fin eour. 78. 5. 5 9% Neoapl. fin cour. 105. 40. 5 Span. Rento 22 ½. Passive 5. 3 ½ Port. —.

Wien, 15. Sept. 5 ½ Met. 106 . 9, —. Bank-Actien —. Aul. de 1834 —.

Versailles rechtes Ufer —. Strassburg -Basel 245 Br. Leipzig-

98 ½. 3 ½ —. 2 ½ 5 —. 4. 1839 274¹9.

Königliche Schauspiele.

Dienstag, 21. Sept. Im Opernhause: Die Familien Mon⸗ tecchi und Capuletti, Oper in 3 Abth., von Bellini. (Dlle. Haͤh⸗ nel, als neu engagirtes Mitglied der Königl. Oper: Romeo, Dlle. C. Kruͤger: Giulietta, als letzte Gastrolle.)

Mittwoch, den 22. Sept. Im Schauspielhause: Corona

von Saluzzo, Schauspiel in 5 Abth., von E. Raupach. (Dlle. Rei⸗ chel, vom Großherzogl. Hoftheater zu Schwerin: Corona, als Gastrolle.)

Donnerstag, 23. Sept. Im Opernhause: Zum erstenmale: Die Hirtin von Piémont, komische Oper in 1 Akt, nach dem Französischen von Genée. Musik von Schaͤffer. Hierauf: Ro⸗ bert und Bertrand, pantomimisches Ballet in 2 Abth. von Hoguet.

Königsstädtisches Theater.

Dienstag, 21. Sept. Der Alpenkoͤnig und der Menschenfeind Zauberspiel mit Gesang in 3 Akten, bg s68

1 Mittwoch, 22. Sept. (Italienische Opern⸗Vorstellung.) L'Elisir deamore. (Der Liebestrank.) Opera buffa in 2 Atti. Musica del Maestro Gaetano Donizetti.

Verantwortlicher Redacteur Dr. J. W. Zinkeisen.

Gedruckt in 88 Deckerschen Geheimen Ober⸗Hofbuchdruckerei.

8 . e die Terrassen anfuͤllte. Volksmee hnkunft der beiden Souveraine. Zum Empfang des Preußen, welcher gestern um halb 2 Uhr in Kalisch eingetroffen war, hatte der Kaiser seinen Adjutanten Berg dorthin abgeschickt; im Gefolge des Koͤnigs be⸗ finden sich der General⸗Adjutant Neumann und der Doktor Grimm. Am 13ten d. besuchte der Kaiser das Alexandra⸗Institut zur Erziehung von Edelfraͤuleins, dessen Vorsteherin, Sr. Majestaͤt, in Anerkennung ihrer verdienstlichen Lei⸗

iben, ein kostbares Fermoir zum Geschenk erhielt. Vorgestern wurden die Generale und Regiments⸗Comman⸗

Amtliche Nachrichten.

Rußland und Polen. Warschau. Koͤnigs von Preußen. Vermischtes.

Frankreich. he Identitaͤt Pappart s wird bezweif Paris. Vermischtes.

Großbritanien und Irland. London.

don. (Mistreß Norton; Cooper.)

Belgien. Bruͤssel. Herr von Savigny; Entzuͤndung eines Fracht⸗

wagens; die Gewehrfabriken in Luͤttich.

Deutsche Bundesstaaten.

e.

polizeiliche Verordnung. Braunschweig.

b forscher. Fr . Ankunft von Naturforscher. Fra nkfurt a. M. 2 ft Ichreiben aus Frankfurt. (Personal Nachrichten.) d Ankunft des Prinzen Johann v

tschaften.

Anwesenheit

Oesterreich. Wien. Antaug. inze 8 Verlaͤngerung der Reise Ihrer Majestaͤten.

Schweiz. Bern. Heimkehrende Tagsatzungs⸗Gesand Bericht des Spezialgerichts von Tessin. Genf.

ausgezeichneter Fremden. Decandolle .

Briefwechsel der Koͤnigin mit ihrer Mutter.) Aegypten. 1 Said Bey'’s zum Pascha.

Inland. Ko blenz. General Thile; Thiers. K oͤln und Aachen.

Industrie und Handel.

v““ Wood's „Reise zur Entdeckung der Quellen des Orus.“

V:On———--

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

neue Mittheilungen aus dem Gebiete historisch⸗anti

schungen.

Ankunft Sr. Majestaͤt des

Paris. Die Ruhe in Clermont hergestellt. elt. Fortdauern

Bestandtheile des Ka⸗ binets. Sir J. Graham’s Wahl⸗Rede. Graf Ripon;’s tische Laufbahn. Schwierigkeiten fuͤr die Tory⸗Verwa Irland. Antrag gegen den Zwang zum Kirchenbesu Vertrag mit Bremen. Folgen des Feldzuges nach fuͤr den Britischen Handel. Vermischtes. Brief

Radir⸗Klub; Vaurhall;

Muͤnchen. Fortschr 3 bau. Muster fuͤr Landes⸗Verschoͤnerung. Stuttgart. †¼ gramm des Koͤnigl. Regierungs JubilannsSen I“ vhar. grammn Grafen Appony und des aron Otterstaͤdt. Eisen kunft des Sesrordn Versammlung der Tatitscheff's.

Spauien. Madrid. Vermischtes. Schreiben aus Ma Furcht vor Intervention; der General Narvaez in Gibr

Zuruͤcksendung der Syrischen Soldaten. Erhebung

K. E. Foͤrstema quarischer For⸗

ch. Porto⸗ Afghanistan aus Lon⸗ Fenimore⸗

itte im Arkaden⸗

on Sachsen.

Amtliche Uachrichten.

Kronik des Tages.

Se. Majestaͤt der Koͤnig haben Allergnaͤdi Oberst⸗Lieutenant außer Dienst und Professor an versitaͤt ꝛc., Dr. Turte, den Rothen Adler⸗Orde

mit der Schleife; dem Geheimen Regierungs⸗

feiffer zu Merseburg, den Wirklichen Justizraͤthen und Auditeuren beim General⸗Auditoriat, Nietner und G ri den Rothen Adler⸗Orden vierter Klasse; so wie dem katholischen Schul⸗Rektor Neumann zu Kanth das Allgemeine Ehrenzeichen

zu verleihen

Der bisherige Landgerichts⸗Referendarius Wilhelm Trier ist auf den Grund der bestandenen dritten zum Advokaten im Bezirke des Koͤniglichen Appellationsgericht

zu

hofes zu Koͤln ernannt worden.

Abgereist: Se. Excellenz der Kaiserl. Russische Minister, General der Infanterie, Graf von Cancrin,

St. Petersburg.

Der General⸗Major und Commandeur der 2ten Landwehr⸗Brigade, von Below II., nach Stralsund.

gst geruht, dem der hiesigen Uni⸗ in dritter Klasse

Schmidt,

Zeitungs-Nachrichten.

Ausland.

Rußland und Polen.

Warschau, 17. Sept.

König chen Schwager hier ein.

ren, und um 7 Uhr Abends langten Beide zus war,

schau an. Obgleich es noch nicht ganz dunkel s Einwohner Warschau's schon ihre Haͤuser zu

Gestern traf Se. Maje von Preußen zum Besuch bei Allerhoͤchstseinem Um 3 Uhr Nachmittags jestaͤt der Kaiser dem erlauchten Gast bis Blonie entgege.

fangen, und bald leuchteten alle Straßen in helle den Regierungs⸗ Gebaͤuden, an dem Rathhause,

Ober⸗ Rechenkammer, s 2 ßischen Konsuls und vielen Privathaͤusern mens⸗Chiffre Sr. Majestaͤt des Koͤnigs. leen, der Weg nach Lazienki und der botanischen Garten waren mit einer

Feuerbecken erleuchtet, und von der Eremitage zog sich eine Kolonnade von Lampen

Lazienki 1 Monarchen stiegen im Palast Lazienki ab, wo

slig Koͤnigs von

ten, von Er. rung desse

Frau von Grot⸗

ammen in War⸗ hatten doch illuminiren ange⸗ Glanze; an der Bank, der den Schulen, der Wohnung des strahlte die Na⸗ Die G Umkreis dichten bis zum saͤulen hin. der Feldmarschall Warschau Allerhöchstdieselben erwartete und eine große Das schoͤnste Wetter beguͤn⸗

b te Soldaten.

Mittwoch den 22en September

deure der hier stehenden Truppen von Sr. Majestaͤt dem Kaiser zur Tafel gezogen. v

Frankreich. 8

Paris, 16. Sept. Der Messager meldet aus Cler⸗ mont, daß die Ruhe daselbst vollkommen n derhergestellt und daß die Einwohnerschaft zu ihren gewoͤhnlichen Beschaͤftigungen zuruͤckgekehrt sey. In Chauriat, einem Dorfe, 5 Stunden von Clermont, war ein Haufe von etwa 40 Personen in die Kirche eingedrungen, hatte die Banke und Stuͤhle verbrannt und sich von da nach einem Privathause begeben, dessen Fenster er zer— truͤmmerte und dann die Meubeln herausholte und verbrannte. Die Einwohner der Gemeinde versammelten sich, verfolgten jene Banditen und haben einige derselben verhaftet.

Die ministeriellen Blaͤtter beobachten uͤber die gegen Pappart eingeleitete Instruction das tiefste Stillschweigen, wie dies bei den letzten Attentaten immer der Fall war. Im Publikum aber ver— breitet sich heute das Geruͤcht, daß Pappart nicht der eigentliche Name des Moͤrders sey. Das Sidele giebt nachfolgende No⸗ tiz, die ihm gestern Abend um 11 Uhr zugegangen sey, deren Au⸗ thentizitaͤt es aber nicht verbuͤrgen wolle, obgleich sie von Perso— nen mitgetheilt worden sey, die man fuͤr gut unterrichtet halten muͤsse: „Das Individuum, welches ein Pistol auf den Herzog von Aumale ab⸗ gefeuert hat und unter dem Namen Pappart verhaftet worden ist, hatte seine Identitaͤt verleugnet und ist jetzt fuͤr einen gewissen Que⸗ niset erkannt worden. Am 10. November 1832 trat er als Freiwilliger in das 15te leichte Linien-Regiment ein. Am 11. August 1835 ward er von dem Kriegsgericht der 7ten Militair⸗ Division als der Beleidigungen und der Drohungen gegen seinen Vorgesetzten und der Rebellion gegen die Wache fuͤr schuldig er⸗ kannt und zu Föjaͤhriger Eisenstrafe verurtheilt. Diese Strafe wurde am 20. November 1835 in Zjaͤhrige Zwangsarbeit ver⸗ wandelt. Am 27. April 1836 trat Queniset die Arbeit in Belle⸗ croix an, entsprang aber am 20. Juli 1837 und seit dieser Zeit hatte das Kriegs⸗Departement nichts wieder von ihm gehort. Dieser Mensch war außerdem dreimal wegen Diebstahl und das viertemal wegen Gebrauch eines falschen Passes verurtheilt worden.“

Andererseits wird versichert, daß der Oberst⸗Lieutenant Vail⸗ lant zur Zeit der Verurtheilung Queniset's Bataillons⸗Chef in der 7ten Militair⸗Divisien gewesen sey. Dieser Umstand koͤnnte zu der Vermuthung Anlaß geben, daß eine⸗ Privatrache und kei⸗ nesweges ein Attentat auf das Leben der Prinzen beabsichtigt ge⸗ wesen sey; aber bis jetzt soll keine Aussage des Verbrechers diese Vermuthung rechtfertigen.

Ueber die gestern in der Vorstadt St. Antoine stattgehabten Unruhen berichtet das Journal des Débats Folgendes: „Von 10 Uhr Morgens an sammelten sich zahlreiche Haͤufen in der Rue St. Antoine. Der Zufall wollte, daß ein mit Kartoffeln beladener Wagen durch die mit Menschen angefuͤllte Rue Tra⸗ versière fuhr. Mehrere junge Menschen stuͤrzten auf denselben los, pluͤnderten ihn und durchstreiften dann die ganze Vorstadt, um mit diesen neuen Wurfgeschossen Straßen⸗Laternen und Fen⸗ sterscheiben zu zerschmettern, wobei sie aufruͤhrerisches Geschrei vernehmen ließen. Die Patrouillen des Bastille⸗Postens trieben die Haufen in der Rue St. Antoine aus einander, aber sobald sich die Soldaten entfernt hatten, bildeten sich die Gruppen wie⸗ der. Um 5 Uhr Nachmittags wurden die Zusammenrot⸗ tirungen zahlreicher und zeigten sich unternehmender. Sie hielten Wagen an, ere gegenuͤber, an

und der Rue Traversit derselben Stelle, wo das Attentat gegen den Herzog von Aumale begangen worden war, wurde ein Omnibus umgestuͤrzt, um das Fundament zu einer Barrikade zu bilden; aber die Behoͤrde beeilte sich, jenen Unordnungen ein Ziel zu setzen, Zwei Abtheilungen der Munizipal⸗Garde, begleitet von Polizei⸗ Kommissarien und Stadt⸗Sergeanten, saͤuberten die Straße St. Antoine und stellten die Circulation wieder her. Den ganzen Tag uͤber waren die Laͤ⸗ den geschlossen und die Geschaͤfte unterbrochen. Der nur aus 7 Mann bestehende Infanterie⸗Posten neben dem Hospital St. Antoine war einen Augenblick lang aufgegeben worden; er ward aber bald wieder besetzt. Die Ruhestdrer fluͤchteten nach allen Richtungen hin, und die Ordnung ward wiederhergestellt, ohne daß irgend ein Unfall zu bedauern war.“ Heute ist es in der Vor⸗ stadt St. Antoine vollkommen ruhig. Auch hofft man, daß die Unruhen auf dem Chatelet⸗Platze sich heute Abend nicht wieder⸗ holen werden 8 3

Seit einigen Tagen findet man auf mehreren Punkten der Hauptstadt Karrikaturen und Schmaͤhschriften gegen die Person des Königs angeschlagen. Es sind viele Personen verhaftet wor⸗ den, und man hofft, die Urheber jenes Unfugs zu ermitteln.

In einem hiesigen Journale liest man: „Man hat gestern versucht, in ganz Paris ein Geruͤcht zu verbreiten, welches viel Sensation gemacht zu haben scheint. Wir wuͤnschen, daß es nur ein Mandver der Unruhestifter seyn moͤge; denn wenn die Nach⸗ richt wahr waͤre, so koͤnnte sie eine sehr große Gaͤhrung unter der Bevoͤlkerung hervorbringen, und dies muͤßte die Regierung in dem gegenwaͤrtigen Augenblicke der Krisis vor allen Dingen vermeiden. Es heißt noͤmlich, daß am 25sten d. M. die Registrirung in der Hauptstadt beginnen soll. Bis jelzt. hatte man sich auf eine ein⸗ fache Zaͤhlung der Einwohner beschraͤnkt, und alle Welt glaubte, daß Herr Humann darauf Verzicht geleistet habe, sein System in der Hauptstadt in Anwendung zu bringen.“

Die Koͤnigin soll waͤhrend der beiden letzten Tage ernstlich unwohl gewesen seyn, eine Folge der inneren Aufregung, in welche sie durch das Attentat gegen die Person ihrer Soͤhne versetzt worden war. Gestern Abend befand sich Ihre Majestaͤt wieder wohler.

Das Geruͤcht von dem Tede des Herzogs von Bordeaux er⸗ haͤlt sich und gewinnt an Konsistenz, obgleich der Moniteur parisien gestern versicherte, daß keine offizielle Nachricht einge⸗ troffen sey, welche dies Geruͤcht bestaͤtige. (Vergl. den Boͤrsen⸗

Artikel.)

Es befinden sich gegenwaͤrtig in dem Invalidenhause 3051 Dieselben sind in folgende Kategorien getheilt:

Blinde 154; beider Beine beraubt 12; mit einem Beine 313; eider Arme beraubt 9; mit einem Arm 226; vom Schlage ge⸗ laͤhmt 237; an Epilepsie leidend 12; geisteskrank 31; mit Nasen oder Kinn von Süber 8; lahm 133; mit erfrorenen Fuͤßen, waͤh rend des Russischen Feldzuges 28; mit gelaͤhmten Haͤnden 1321 mit verschiedenen Wunden 1205; Greise uͤber 70 Jahre 516 Greise uͤber 80 Jahre 37. . Die Memdiren der Madame Laffarge find heute im Buchhandel erschienen. Boͤrse vom 16. September. Zu Anfang der heutigen Boͤrse war das Geschaͤft sehr still. Um 2 Uhr verbreitete sich neuerdings das Geruͤcht von dem Tode des Herzogs von Bor⸗ deaux, worauf die Renten um beinahe t pCt. in die Hohe gingen. 4 Uhr. Ein Beamter des Ministeriums des Innern kbmmt so eben an die Boͤrse und bestaͤtigt die Nachricht von dem Tode des Herzogs von Bordeaux. Hierauf trat ein allgemeines Begeh⸗ ren nach Renten ein, und die Course stiegen in wenigen Minuten um 70 Cents. (Diese Nachricht bleibt unerklaͤrlich, da auf direk⸗ tem Wege uͤber Wien auch nicht die geringste Verschlimmerung in dem Zustande des hohen Kranken gemeldet worden ist. Zu vermuthen steht daher noch immer, daß jene Trauer⸗Botschaft sich nicht bestaͤtigen werde.) I1I11

8 Großbritanien und Irland. London, 15. Sept. Bei einer Musterung der Bestandtheile de neuen Kabinets erinnert der Globe vorzuͤglich an Lord Stanley's und Sir James Graham's politische Widerspruͤche. Er mahnt sie daran, wie sie sich ihren Kommittenten gegenuͤber im Jahr 1834 uͤber ein Kabinet ausgesprochen, das dieselben Bestandtheile gehabt, wie das jetzige. Lord Stanley habe damals zu sagen beliebt: „Ich lehnte eine Stelle in dieser Verwaltung ab, weil ich ihr nicht das Vertrauen schenken konnte, daß sie nach den fuͤr die National⸗üWohlfahrt wesentlich nothwendigen Reform⸗ Grundsaͤtzen handeln wuͤrde.“ Sir James Graham aber habe gesagt: „Man fragte mich, ob ich zu Sir Ro⸗ bert's Verwaltung Vertrauen haͤtte? Meine beste Antwort ist die Weigerung, an dem Kabinette Theil zu nehmen; noch mehr, meiner Ansicht nach ist die Zusammensetzung so schlecht als möglich, sie besteht aus lauter Leuten, deren Grundsaͤtzen ich mein Lebenlang entgegen war.“ „Was loͤßt sich“, sagt das ge⸗ nannte Blatt, „von einem Kabinet erwarten, das, fruͤher verwor⸗ fen, nunmehr durch den Beitritt zweier Apostaten verbessert wor⸗ den seyn soll? So haben wir denn zwei ehemalige Reformer, Graham und Stanley, zwei der bittersten Reform⸗Gegner, Wel⸗ lington und Wharncliffe, zwei Todfeinde Irlands, Lyndhurst und Haddington, in Peel einen angeblichen Verbesserer der Korngesetze und in Buckingham einen Ultra⸗Anhaͤnger des Korn⸗Monopols. Wahrhaͤftig, Sir Robert, der Ober⸗Leibarzt des Staates, hat seine Universal- Medizin aus den entgegengesetztesten Elementen gebraut.“ Unter den Reden, welche bei den bis jetzt bekannten Wieder⸗ erwaͤhlungen von Ministern oder Mitgliedern der Verwaltung ge⸗ halten worden sind, zeichnet sich die Rede des Ministers des In⸗ nern, Sir James Graham, an die Waͤhler von Dorchester haupt⸗ saͤchlich durch ihre Auefuͤhrlichkeit aus. Er hob zunaͤchst hervor, daß erst jetzt, nach dem Verwaltungs⸗Antritt des Peelschen Mi nisteriums, die Uebereinstimmung zwischen den drei Zweigen der Legislatur, Souverain, Pairs und Gemeinen, wieder ein getreten sey, welche die Verfassung als eine Grundbedingung der Wohlfahrt des Volkes zu betrachten scheine. Er aͤußerte die zuver⸗ sichtliche Hoffnung, daß die Meisterhand des neuen Premier⸗ Ministers dem wiederhergestellten Instrumente der Volks⸗ Wohlfahrt nur harmonische Toͤne zu entlocken wissen, daß er im Stande seyn werde, umfassende Reform⸗ Maßregeln unter Zustimmung aller drei Gewalten, in Ruhe und Frieden, ohne alle Agitation ins Werk zu setzen. Dann beleuchtete er kurz das Verfahren des Melbourneschen Ministeriums und suchte dar⸗ zuthun, daß man demselben mit Unrecht die gewichtigen Maßnah⸗ men zuschreibe, durch welche sich die letzten Jahre ausgezeichnet. Die Reformbill z. B. sey das Werk des Greyschen Ministeriums, die Bill wegen der Emancipation der Neger⸗Sklaven sey von Lord Stanley in Antrag gebracht, eben so sey die Maßregel wegen Au hebung des Monopols, welches die Ostindische Compagnie im Thee⸗

handel mit China besaß, in dem Greyschen Ministerium zunaͤchst in Anregung gebracht worden. Das Melbournesche Ministerium dagegen habe sich nur dadurch bemerklich gemacht, daß es außer Stande gewesen sey, die von ihm prejektirten und beantragten Maßnahmen ins Werk zu setzen; das habe sich durch nichts auffallender dokumentirt, als in seinem Benehmen in Betreff der Appropriations⸗Klausel, welche demselben noch dazu habe dienen muͤssen, es durch den Sturz des Peelschen Ministeriums ans Ruder zu bringen; eben so in seinem Verfahren in Bezug auf den Volks⸗Unterricht. Endlich machte Sir James Graham in Betreff der inneren Angelegen⸗ heiten dem Melbourneschen Ministerium den Vorwurf, daß es sich immer mehr den Prinzipien der Radikalen und Chartisten zugewandt habe, und bezeichnete diesen Umstand als die Haupr⸗ Ursache seines Sturzes. Nun ging er zu den auswaͤrtigen Ver⸗ haͤltnissen uͤber und erwaͤhnte zunaͤchst des Krieges mit China. Der Handel mit diesem Lande bringe den zehnten Theil der Staats⸗Revenuͤen ein, sey daher von der groͤßten Wich⸗ tigkeit. Das vorige Ministerium habe in den Verhaͤlt⸗ nissen mit China gleich von vorn herein verkehrt gehandelt. Erst habe es eine starke Flotte abgesandt, um Genugthuung und Ent⸗ schaͤdigung zu verlangen, und sich, als diese verweigert worden, auf einen nichtssagenden Waffenstillstand eingelassen. Er seiner⸗ seits halte dafuͤr, daß das Interesse Englands es dringend erfor⸗ dere, die Differenzen mit China baldigst auf guͤtliche Weise defini⸗ tiv zu ordnen, aber es sey zu fuͤrchten, daß sich dieser Regulirung mannigfache Schwierigkeiten in den Weg stellen wuͤrden. Noch besorglicher aͤußerte er sich uͤber die Mac Leodsche Angelegenheit und versicherte unter Anderem, es gehoͤre Geschicklichkeit von nicht gewoͤhnlichem Maße dazu, um jetzt einen Krieg mit den Vereinigten Staaten zu verhindern. Endlich kam Sir James Graham auf die finanzielle Lage des Landes und erwaͤhnte des Defizits von 7 ½ Millionen, welches er als