1841 / 265 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

“““

sehr fest und erfuhr heute eine neue Steigerung, wogegen in den Sproc. Renten fast gar keine Geschaͤfte gemacht wurden. Es sind bedeutende Wetten gemacht worden, daß die Zproc. Rente binnen 8 Tagen den Cours von 80 pCt. uͤberschreiten werde.

—*, Paris, 18. Sept. Quenisset 6 DHappart) wird haͤufig verhoͤrt; er hat sein Leugnungs⸗System aufgegeben und die Po⸗ lizei hat, in Folge der von ihm gemachten Aussagen, zahlreiche Verhaftungen unter den Kommunisten vorgenommen. Vielleicht gelingt es bei dieser Gelegenheit, besser in das Geheimniß und das Herz dieser Gesellschaften einzudringen, als es bisher moͤglich war. Es giebt zahlreiche Grade; die den untersten Stufen angehoͤrigen Indi⸗ viduen sind nur blinde Werkzeuge und mit dem Zweck und den Mitteln der Gesellschaft voͤllig unbekannt. Die Verzweigungen derselben Ferstrecken sich uͤber ganz Frankreich und sie hat uͤberall ihre Co⸗ mités. Die Art, wie dieselben mit einander korrespondiren, ist vollig unbekannt und bis jetzt ist es der Polizei noch nicht gelun⸗ gen, sich irgend eines wichtigen Aktenstuͤckes zu bemaͤchtigen, woraus man die Art ihrer Assoziirung mit Genauigkeit ent⸗ nehmen koönnte. Im Gegensatz zu der ehemaligen Gesell⸗ schaft der Menschenrechte finden die Versammlungen der Kommunisten weder an einem bestimmten Orte, noch zu einer bestimmten Zeit statt. Ihre finanziellen Huͤlfsmittel wer⸗ den durch Beitraͤge aufgebracht, die fuͤr jedes Mitglied woͤchent⸗ lich fuͤnf Centimen betragen solle. Die Kassirer, welche diese Geld⸗Beitraͤge in Empfang nehmen, kennen niemals mehr als 10 bis 12 Mitglieder, oft kaum so viele; denn die letzten Gruppen dieser Hierarchie sollen aus nicht mehr als 5 oder 6 Individuen bestehen und man soll etwa zehn verschiedene Grade durchzuma⸗ chen haben, um einer der Chefs der Gesellschaft zu werden. Die Unruhen in Clermont⸗Ferrand sind jetzt voͤllig beigelegt. Nan kennt nunmehrofftziell alle Details aus den Berichten des Praͤfek⸗ en und des General⸗Advokaten Jalon, vom Königlichen Gerichts⸗ hofe zu Riom, der in Abwesenheit des General⸗Prokurators dessen Stelle versah. Allein diese Details sind dem Publikum noch nicht mitgetheilt worden und namentlich schweigt man uͤber die Zahl der Opfer dieser blutigen Emeute. 1 sen letzten Punkt niemals die völlige Wahrheit erfahren; so viel ist gewiß, daß die Zahl der Getödteten bedeutend ist. Mehrere Blaͤtter beschuldigen die Legitimisten, daß sie jene Unruhen hervor⸗ gerufen und genaͤhrt haͤtten. Wir halten dies fuͤr einen Jerthum. V Die brutale und auffallend unwissende Bevölkerung der Umge⸗ gend von Clermont ist vielmehr durch eine andere politische Partei bearbeitet worden, welche die Zaͤhlung zu ihren Zwecken benutzte und dem Poͤbel die Abschaffung der Abgaben in Aussicht stellte, Deshalb haben die Landleute die Barrièren verbrannt, waͤhrend sie sich zugleich weigerten den Thorzoll zu erlegen. 1 1 Man spricht seit einigen Tagen von einer Umgestaltung des Kabinets, wobei die Herren Passy und Dufaure genannt werden; wir glauben jedoch nicht, daß diese Geruͤchte irgend einen Grund ha— ben. Die Herren Dufaure und Passy sind allerdings im Stande, dem Ministerium durch ihre Opposition einen toͤdtlichen Stoß zu versetzen, und Niemand zweifelt daran, daß sie in der Kammer eine Veraͤnderung des Kabinets herbeifuͤhren könnten. Aber die Anwendung einer solchen Taktik waͤre f uͤr jetzt sehr unpassend; denn jene Herren wuͤrden nicht stark genug seyn, um ein neues Ministerium zu rekonstruiren und zuletzt haͤtten sie durch den Sturz des Herren Guizot nichts gewonnen. Dieser sucht sich uͤbrigens immer mehr und namentlich dadurch zu besestigen, daß er die

LCWI

durch die Heizung und Luͤftung der neuen Parlamentshaͤuser entsteht. Der Bau derselben ist so weit gediehen, daß, wenn sie nach dem⸗ selben Plane erheizt und geluͤftet werden sollen, wie das gegenwaͤr⸗ tige Unterhaus, die noͤthigen Bestimmungen in dieser Beziehung sogleich getrossen werden muͤssen. Die Ausgabe wird etwa 80,000

bis 90,000 Pfd. betragen. Es ist ferner meine Absicht, eine Bill

vorzuschlagen fuͤr die Fortdauer derienigen Gesetze, welche mit dem Schlusse des gegenwaͤrtigen Parlaments aufhoͤren, in Kraft zu seyn.

V Einige derselben erloͤschen zu bestimmten Perioden, andere am Schlusse

der Session. Ich werde dem Hause eine Maßregel vorlegen, die den Zweck hat, die Dauer dieser Gesetze fuͤr eine bestimmte Periode zu be⸗ stimmen. Die wichtigste dieser Maßregeln ist das Armen⸗Gesetz. Der jenige Theil desselben, welcher sich auf die Armen⸗Kommission bezieht, geht mit dem 31. Dezember zu Ende; ich werde darauf antragen, das Gesetz, wie es jetzt ist, bis zum 31. Juli naͤchsten Jahres auszudeh nen. Dies wied die Regierung Ihrer Majestaͤt in den Stand setzen, die Bestimmungen des Gesetzes in Erwaͤgung zu ;ziehen und diejeni⸗ gen Veraͤnderungen desselben vorzuschlagen, die sie fuͤr noͤthig haͤlt. Auch auf die Fortdauer der anderen Gesetze, welche zwischen dem Schlusse der jetzigen und dem Anfange der nächsten Session erloͤschen, werde ich antragen. Das Haus hat zu entscheiden, ob das Armen⸗ Gesetz so fortbestehen soll, wie es jetzt ist; sollte sich jedoch eine starke Meinung dafuͤr aussprechen, daß fuͤr die Fortdauer dieses Gesetzes eine besondere Akte ndrhig sey, so werde ich mich dem nicht wider setzen. (Hoͤrt!) Mein Voeschlag wird indeß seyn, daß man mit der Bill, wie sie gegenwactig ist, keine Veraͤnderung vornehmen moͤge.“ Hierauf theilte der Minister dem Hause noch mit, daß der Kanzler der Schatzkammer bei der ersten sich darbietenden Gele⸗ genheit, wo auf einen Eubsidien⸗Ausschußt angetragen werden koͤnne, den Umfang des zu deckenden Destzits genau angeben werde, welches vermuthlich nicht weniger als 2 ½ Millionen fuͤr den Dienst des laufenden Jahres betragen duͤrfte. Es werde dann auch eine Erklaͤrung hinsichtlich der zur einstweiligen Dek⸗ kung dieses Defizits vorzuschlagenden Maßregeln abgegeben wer⸗ den; doch sey es nicht die A bsicht des Ministeriums, V Maßregeln von permanentem Chorabter zur Ausglei⸗

chung der Einkuͤnfte und Ausgaben des Landes in die ser Parlament s⸗S ess! on vorzuschla EFr habe, fuͤgte Sir R. Peel hinzu, schon die Ansicht ausgesprochen, daß es

Vielleicht wird man uͤber die⸗ V unbedingt noͤthig sey, auf wirksame Mittel zu einer solchen Aus⸗

gleichung bedacht zu seyn, aber er hoffe, das Haus werde ihm Vertrauen schenken und dem Ministerium Zeit lassen, diesen Ge⸗ genstand ernstlich zu erwaͤgen. Wenn auch er und seine Kollegen schon einige Tage im Besitz ihrer Aemter seyen, so koͤnne man doch noch keine bestimmte Erklaͤrung uͤber so hochwichtige Angele⸗ genheiten von ihm verlangen, und es sey wohl raͤthlich, daß die neue Verwaltung eine Sache, die mit den permanenten Finanz⸗ und Handels⸗Anordnungen des Landes in Verbindung stehe, erst in reifliche Erwaͤgung nehme.

Lord John Russell erklaͤrte, er wolle das Ministerium bei dem Vorschreiten mit den vermischten Veranschlagungen unter⸗ stuͤten; wenn aber morgen der Antrag auf einen Subsidien⸗Aus⸗ schuß werde gestellt werden, wolle er die Gelegenheit benutzen, um seine Ansicht uͤber den Zustand des Landes darzulegen. Er gebe zu, daß das neue Ministerium in den wenigen Tagen, die es am Ruder sey, sich noch nicht mit den großen Maßregeln habe beschaͤftigen koͤnnen, auf welche Sir R. Peel hingedeutet; beruͤck⸗ sichtige man aber, wie lange Zeit schon verflossen, seitdem von dem vorigen Ministerium wichtige Maßregeln vorgeschlagen worden, und erwaͤge man den Zustand des Landes, so koͤnne man wohl nur mit großer Besorgniß gehoͤrt haben, daß es nicht Sir R. Peebs Absicht sey, in die ser

Session irgend eine Abhuͤlfe⸗-Maßregel vorzuschlagen. Aus dem,

Ueberreste der Partei des Herrn Thiers zu sich heranzieht. Sohat man dem Ministerium des 1. Maͤrz schon Herrn Piscatory abwendig gemacht, dem eine Mission nach Griechenland uͤbertragen wurde. Man hat in ihm einen entschiedenen Anhaͤnger des Thiersschen Ka⸗ binettes in dem Augenblicke gewonnen, wo er durch das Fallisse⸗ ment des Notars Lehon den groͤßten Theil seines Vermoͤgens verlor. Herr Mathieu de la Redorte, der intime Freund und unzertrennliche Gefaͤhrte des ehemaligen Conseils⸗Praͤfidenten, der eine kurze Zeit Gesandter in Mabdrid war, hat die Pairswuͤrde aus den Haͤnden des Herrn Guizot angenemmen. Noch andere Bekehrungen bereiten sich vor und werden bald bekannt werden. Man verfolgt mit Beharrlichkeit den Plan, Herrn Thiers zu iso⸗ liren, und diese Versuche erstrecken sich selbst auf Personen von geringerer Wichtigkeit, als die Herren Piscatory und de la Re⸗ dorte. Der Constitutionnel z. B., der Herrn Thiers selbst nach seinem Sturze mit Waͤrme vertheidigte, fuͤhrt jetzt eine freund⸗ liche Sprache gegen das Kabinet vom 20. Oktober und hat dasselbe schon bei mehr als einer Gelegenheit vertheidigt.

Die Diskussion des Handels⸗Vertrages zwischen Frankreich und Belgien schreitet langsam, oder besser gesagt, gar nicht vor⸗ waͤrts. Die gemischte Kommission versammeit sich zwei⸗ bis drei⸗ mal in der Woche; da aber die Belgischen Kommissarien weder gehhrige Vollmachten noch bestimmte Instructionen haben, so muͤssen sie fortwaͤhrend erst an ihre Regierung berichten, wodurch die Unterhandlungen außerordentlich verzbgert werden. Man be⸗ schaͤftigt sich in diesem Augenblicke mit einem sehr zarten Punkte, der nicht sobald erledigt werden duͤrfte: es handelt sich naͤmlich um die Herabsetzung der Beigischen Accise auf Franzöͤsische Weine und Branntweine. Bekanntlich sind in Belgien und Holland die Eingangs⸗Zoͤlle auf die genannten Artikel an der Graͤnze sehr un⸗ bedeutend, und nur die inneren Zoöͤlle beschraͤnken den Verbrauch. Da dies nun aber mehr das Fiskal⸗System betrifft, als eine Herabsetzung des Eingangs⸗Zolls, so werden die Belgischen Kam⸗ mern diesen Punkt natuͤrlich einer ernsten und gruͤndlichen Pruͤ⸗ sung unterwerfen, wodurch mindestens Verzogerungen und

tagungen entstehen müͤssen.

Großbritanien und Irland. Parlaments⸗Verhandlungen. Unterhaus.

was der sehr ehrenwerthe Baronet gesagt, muͤffe man naͤmlich schließen, daß derselbe, sobald nur vorlaͤufig fuͤr die Sicherheit des oͤffentlichen Kredits gesorgt und eine Erneuerung des Armen⸗ gesetzes erlangt worden seyn wuͤrde, das Ministerium nicht eher als zu der gewöhnlichen Zeit, im Februar, das Parlament wieder versammeln wolle; er werde daher bei der erwaͤhnten Gelegenheit unumwunden erklaͤren, was, seiner Ansicht nach, bei dem setzigen Zustande des Landes geschehen sollte. Lord John Russell wuͤnschte dann noch zu wissen, wann der Kanzler der Scha tkammer dem Hause seine Finanz⸗Veranschlagungen vorlegen wolle; der Minister antwortete sedoch, er koͤnne jetzt den Tag noch nicht ge⸗ nau bestimmen, werde ihn aber morgen angeben.

London, 18. Sept. Lord John Russell versuchte es gestern Abend im Unterhause, den neuen Premier⸗Minister zu nöthigen, sich uͤber seine Absichten auszusprechen. Sir R. Peel vermied aber jede bestimmte Erklaͤrung und antwortete nur mit allgemei⸗ nen Bemerkungen auf die Rede seines Gegners. Lord Palmer⸗ sten nahm darauf das Wort, aber keiner der Minister ließ sich weiter zu einer Antwort bewegen, und die Debatte wurde nur von Mitgliedern zweiten Ranges fortgesetzt. Unter Anderen spra⸗ chen Perr Villiers, Herr Brotherron, Lerd Sandon und I)v. Bowring. Gleich nach 12 Uhr schloß diese Diskussion und hatte keine Folgen, denn die Minister sind stark genug, ihren jetzigen Plan durchzuführen, naͤmlich, jede Erklaͤrung uͤber ihre Maßre⸗ geln bis zum Februgr zu verschieben. Nach dem Schluß der De⸗ batte verwandelte sich das Haus nur pro forma noch in einen Subsidien⸗Ausschuß und vertagte sich gleich darauf.

Vorgestern suchten alle die Blaͤtter, von denen man glauben kann, daß sie uͤber die Absichten Sir Robert Peel's und seiner Partei unterrichtet seyn duͤrften, die Meinung zu verbreiten, daß Sir Robert eine theilweise Modification der Korngesetze ernstlich beabsichtige; die Morning Post sagte: „Ein vorsichtiges, aber entschiedenes Fortschreiten zu einer liberalen Handels⸗Polltik kann von dem gegenwaͤrtigen Ministerium erwartet werden; der Unter⸗ schied zwischen ihm und seinen Vorgaͤngernin dieser Hinsicht ist nur, daß der Fortschritt vorsichtig seyn undmit der Zustimmung der Vertreter der großen Interessen stattsinden wird, welche solcher Fortschritt amnaͤchsten angeht.“ Der Morning Herald sagt: „Wir glauben, daß Sir R.

Peelwaͤhrend er sich ruͤstet, die Handels⸗Gesetzgebung seines Kabinets

¹

zung vom 10. September. Nachdem noch einige Wahl⸗Aus⸗ schreiben erlassen waren, erhob sich Sir Robert Peel und er⸗ klaͤrte, daß er eine sich ihm darbietende Gelegenheit ergreife, um mitzutheilen, welches Verfahren das neue Kabinet in Bezug auf die öffentlichen Geschaͤfte zu befolgen gedenke. „„Es ist angezeigt worden“, sagte der Minister, „daß die Ver anschlagungen, die in der vorigen Parlaments⸗Session noch nicht vollstaͤndig genehmigt waren, morgen in Erwagung gezogen werden sollen. Ich meine die vermischten Veranschlagungen, wovon eine fuͤr den Dienst des Jahres nothwendige Haͤlfte bereits in der vorigen Session bewilligt wurde. Ich schlage vor, die Veranschlagungen so anzunchmen, wie sie von den vorigen Ministern angefertigt wuͤrden, und wir wollen sie dem Hause in derselben Form voclegen, wie es in der vorigen Session geschah. Das bei fruͤheren Gelegenheiten be⸗ folgte Verfahren bestand darin, daß die noch uͤbrigen fuͤr den Dienst des Staats erforderlichen Summen durch ein einziges Gesammt⸗Vo tum bewilligt wurden. Aber in dem gegenwaͤrtigen Falle duͤcfte es befriedigender fuͤr das Haus seyn, die uͤbrigen Verauschlagungen einzeln durchzugehen; ich schlage daher vor, die Beranschla⸗ gungen fuͤr jeden Dienstzweig im Detgil zu eroͤrtern und jede zum Gegenstand eines besonderen Votums zu machen. Auf einen Theil der Ausgaben muß ich jedoch jetzt die Aufmerksam⸗ keit des Hauses lenken, da derselbe mit dem besonderen Gegenstande meines Antrages zusammenhaͤngt, ich meine die neue Ausgabe, welche

ö““

auf die Grundsaͤtze des freieren Handels zu basiren, dies mit Vorsicht thun wird und mit moͤglichst geringem Nachtheile fuͤr bestehende Interessen.“ Der Standard stimmt diesem auch bei, indem er bemerkte: „Daß in den Fabrik⸗Distrikten bedeu⸗ tendes Elend herrscht, laͤßt sich nicht bezweifeln, daß aber die Aus⸗ dehnung dieses Elends zu parteiischen Zwecken stark uͤbertrieben wurde ist gleichfalls wahr. Sir R. Peel bedarf keines Stachels von dem Anti⸗Korngesetzverein und dessen Betrogenen, um ihn zu bewegen, die moͤglichst naͤchste Gelegenheit zur Anwendung eines Mittels zu suchen; aber die Folgen der langjaͤhrigen schlech⸗ ten Whig⸗Verwaltung koͤnnen nicht in einer Woche vertilgt werden.“ .

„Der Standard erklaͤrt sich ermaͤchtigt, die vom Mor⸗ nung Herald gegebenen Nachrichten uͤber die VBechandlungen mit Frankreich in bestaͤtigen, und fuͤgt hinzu, daß sofort eine Ent⸗ waffnung der Franzoͤsischen sowohl wie der Britischen Marine stattfinden werde. 8

„Am 6. September wurde in Dublin die woͤchentliche Repeal⸗ V Versammlung gehäalten, in welcher O'Connell den Antrag stellte, deh weeschu⸗ des Vereins mit Abfassung einer Petition an das Parlament um Aufhebung der Unson zu beauftragen, was einstim⸗

8 8 Eae 11

8 b“

mig angenommen wurde. In der Rede, die er bei dieser Gele⸗ genheit hielt, sprach er sich zunaͤchst uͤber das neue Ministerium aus, von dem er natuͤrlich nicht die mindeste Gerechtigkeit gegen Irland erwartete; doch wollte er zusehen, wie dasselbe sich beneh— men werde. „Schmeichelt euch nicht“, rief er den Tories zu, „mit dem eitelen, unsinnigen Gedanken, eure uͤberzuckerten Worte, glat⸗ ten Phrasen, heuchlerischen Vorspiegelungen koͤnnten die Wuͤnde heilen, die an Irlands Herzen zehrt. Erleichtert seine Lasten, erloͤst es von der Unterdrüuͤckung, unter der es schmachtet, oder ihr seyd nie im Stande, es zu dem Grade von Gluͤck und Ruhe zu erhe⸗ ben, der allein das Werk voͤlliger Gerechtigkeit ist.“ Der Redner bedauerte sodann, daß die Einigkeit seiner Landsleute bis jetzt nicht so groß gewesen, als man mit Recht sollte erwarten duͤrfen, ver⸗ zieh den Whigs die mancherlei Unbilden, die auch sie sich gegen Irland haͤtten zu Schulden kommen lassen, und sah in der Repeal das einzige Mittel zur Abhuͤlfe. Jede Woche solle eine Petition an das Unterhaus abgesendet werden, in der naͤchsten die um die Trennung, sofort eine wegen vollstaͤndiger Abschaffung des Zehn⸗ ten, um Erweiterung des Wahlrechts, kurz uͤber alle moͤgliche Re⸗ formen. Sollten sie auch nichts nuͤtzen, so habe Irland doch den Trost, daß sie, durch die Welt wandernd, die anderen Nationen mit Englands Verlegenheiten bekannt machten. Um aber die Re⸗ peal durchzusetzen, beduͤrfe er einer Afsociation von fuͤnf Millionen Mitgliedern, denn Lord Althorp habe, geaͤußert: „Wenn das Irlaͤn⸗ dische Volk auf der Repealbesteht, wird es sie durchsetzen, aber ich denke nicht, daß es darauf besteht, ich meine, nur O'Connell und seine De⸗ magogen sind dafuͤr.“ (Hoͤrt, hoͤrt und Gelaͤchter.) Die Sache sey nun so weit gekommen, daß jeder entweder fuͤr oder gegen die Repeal seyn muͤsse, Neutralitaͤt sey nicht mehr erlaubt. Viel⸗ leicht wende man ihm ein, die Union habe den Handel erweitert, allein zur Erwiederung koͤnne er eine Vergleichung der Handels⸗ Zustaͤnde zur Zeit des Abschlusses der Union mit den gegenwaͤrti⸗ gen vorlesen. Auch sey er mit dem Berichte der Armengesetz⸗ Kommifsion bei der Hand, wonach die Anzahl der Armen in Ir⸗ land 2,300 h betrage. Eben so weise er auf die Abnahme der Bevoölkerung, die haͤufigen Todesfaͤlle, die wenigen Gebunten, die verlassenen Doͤrfer, die oden Straßen hin. Ueberraschend war die Erklaͤrung, die er am Schluß seiner Rede gab, daß er gegenwaͤr⸗ tig an einer Geschichte Irlands arbeite, die zum Duuck be⸗ stimmt sey.

Herrn Roebuck's Sprache gegen die Journalisten, die derselbe neulich tin Unterhause fuͤhrte, haͤt nicht nur die Times, gegen die sie verzuͤglich gerichtet war, und mit ihr die anderen Tonyblaͤtter, sondern auch die Whigblaͤtter gegen jenen Radikalen sehr aufge⸗ bracht. Erstere verfolgt ihn mit den bittersten Witzeleien, waͤhrend der Standard, die Sache von der ernsten Seite auffassend, sich beklagt, daß Roebuck von Auspeitschen gesprochen habe. Wenn sich ein Parlaments⸗Mitglied dergleichen beigehen lassen duͤrfe, und zwar in vorliegendem Falle gegen gebildete Maͤnner, die ihm in jeder Beziehung voranstaͤnden, so graͤnze die Parlaments⸗ Freiheit nahe an Despotismus. Eine Zeitung koͤnne Unrecht thun, aber nicht insultiren, denn letzteres setze immer zwei Personen voraus, einen Beleidiger und einen Beleidigten. DerZeitung gegenuͤber habe der Gekraͤnkte nur das Recht des b ffentlichen Widerspruchs oder der gerichtlichen Klage. Auch der Globe meint, Herr Roebuck haͤtte besser gethan, zu schweigen; er moͤge ein Mann von nicht gewoͤhnlichem Talent sey, daß er hier und da aber an Beschraͤnkt⸗ heit des Verstandes leide, beweise sein letzter Ingrimm, in welchem er, statt der Zeitungsschreiber, die ihn beleidigten, die Eigenthuͤmer des Blattes habe durchpeitschen wollen. Der Sum dagegen nimmt sich Herrn Roebuck's an; das ganze Verbrechen des ehren⸗ werchen Herrn in den Augen der Tories, sagt er, sey seine An⸗ kuͤndigung, die Uebertragung der Pflichten des Somerset⸗House⸗ Divans (der Armen⸗Kommission) auf das Ministerium des Innern beantragen zu wollen.

Rach dem Courier hat der Papst den bekannten Apostel der Maͤ igkeit, Pater Mathew, als apostolischen Kommissar an die Spitze seines Ordens gestellt, so daß derselbe jetzt nur von RNom abhaͤngig sey und in England keinen geiftlichen Vorgesetzten mehr habe. Dies waͤre, meint dieses Blatt, nicht ohne Wich tig⸗ keit fuͤr seine Bestrebungen, da die hoͤhere karholische Geistlichkeit sich schon mehrfach gegen die von ihm gepredigte Maͤßigkeit aus⸗ gesprochen hat.

Mit Ausnahme von zwei ober drei heftigen Regenschauern ist seit Diensag in England ununterbrochen schönes Wetter ge⸗ wesen. Aus Schottland lauten die Berichte im Ganzen sehr gut,

in Irland hat aber viel schlechtes Wetter geherrscht, und die

Haͤlfte des Getraides ist noch ungemaͤht. Die Zufuhr in den

letzten acht Tagen wird fuͤr die staͤrkste gehalten, welche jemals stattgefunden hat; das ganze Quantum ist nun zu 1 Sh. verzollt; naͤchsten Donnerstag wird der Zoll vermuthlich wieder auf 2 Sh. 8 Pee. steigen. In Weizen war gestern ein lebhafter Handel zu etwa 2 Sh. niedrigeren Preisen als in der vorigen Woche. Frem⸗ der Weizen fand guten Absatz zu den Montagspreisen; guter Dan⸗ ziger war besonders gesucht, und Rostocker, von welchem wenig vorhanden ist, bedingt verhaͤltnißmaͤßig bessere Preife als irgend eine andere Gattung dieses Getraides.

In Manchester ist davon die Rede, die Steuern zu verwei⸗ gern, bis die Korngesetze abgeschafft worden sind.

Das Attentat auf die Franzoͤsischen Prinzen wird von den Tory⸗ und Whig⸗Blaͤttern mit gleicher Entruͤstung bespr⸗ alle stimmen darin uͤberein, daß die Königsmoͤrder⸗Rotte, welche in Frankreich ihr wahnsinniges Treiben jetzt schon so laͤnge sort⸗ setze, dieses Land in den Augen von Europa immer tiefer herun⸗ kerwuͤrdigen muͤsse.

Die Actionaire der Bank von England haben vorgestern eine General⸗Versammlung gehalten, in welcher die Dividende fuͤr das verflossene halbe Jahr auf 3 pCt. bestimmt worden ist. Ein An⸗ trag auf Auszahlung einer Dividende von 4 pCt., den ein Herr Thompson durch den angeblich ungewoͤhnlich großen Gewinn der Bank waͤhrend des letzten halben Jahres motivirte, wurde ver⸗ worfen.

Neu⸗Braunschweig hat am 27. August eine heftige Feuersbrunst stattgefunden, durch welche 60 Haͤuser in Asche gelegt sind und ein Schaden von 25,000 Pfd. angerich ket worden ist. 5

8 2198 47 8a. OEI1“ 2 3. F London, 17. Sept. Bei der vorgestern stattgesundenen

Wahl zu Bradsord siegte der Whig uͤber den Tory, aber doch

nur durch 4 Stimmen. Auch der verstorbene Vertreter, an dessen Stelle die Wahl unternommen werden mußte, war ein Whig; und so bleibt hier das Verhaͤltniß der Parteien abermals unver⸗ aͤndert. In Sunderland findet die Wahl heute statt. Die Char⸗ kisten sollen auch hier fuͤr den Tory seyn, und duͤrften abermals die Entscheidung herbeifuͤhren. Denn wenn es unter denselben auch nicht Viele giebt, welche selbst Stimmen haben, so sind es doch die Leute, welche Laͤrm zu machen wissen, was bei einer Wahl bei uns immer seinen Einfluß uͤbt. Ein Kandidat, fuͤr den nicht ein Haufe Poͤbel sich mit Baͤndern schmuͤcken ließe, und den er nicht mit fuͤrchterlich em Geschrei hoch leben ließe, wuͤrde gar 8 1u“ ““ AIII

nicht beachtet werden, und Viele wuͤrden sich schaͤmen, einem solchen ihre Stimme zu geben. Die Untersuchungen uͤber die bestrittenen Wahlen sollen ebenfalls bis zur naäͤchsten Session verschoben werden; welches manche Herren, die viel⸗ leicht, wie Warburton, auf dem Punkte standen, ihrem Gegner durch zeitige Abdankung Platz zu machen, ermuntern wird, ihr ehrenvolles Amt noch einige Monate laͤnger zu behaupten. Man⸗ chen Klaͤgern aber wird auch, so wie die Zeit zur Untersuchung herannaht, vor den Kosten bang. So sind denn bereits die, wel⸗ che gegen die Wahl der beiden Tories fuͤr Dublin Klage gefuͤhrt, wieder vom Kampfsplatz abgetreten.

Die Minister haben neulich bei der Koͤnigin gespeist, und der Herzog von Wellington und Sir Robert Peel sind sogar unc Ih⸗ rer Majestaͤt und dem Prinzen Albrecht ausgefahren, eine Chre, woruͤber einige ministerielle Journale in Extase gerathen, indem sie daraus schließen, daß die Monarchin bereits sen, wenn es ihnen nicht gar zweifelhaft wird, ob sie je Whig p s % s Washington war beim Abgang der letzten Nachrichten eine Iroße Gaͤhrung. Tyler soll den kuͤhnen Schritt, dem B. Gesetz⸗Entwurf seine Unterschrift zu verweigern, gegen vW Rath aller seiner Minister gethan haben, und man erwartete, daß die⸗ selben alle abdanken wuͤrden. Die Sache ist auch insoweit fuͤr uns wichtig, da die Whig⸗Partei in den Vereinigten Staaten weit mehr fuͤr die Aufrechthaltung des Friedens mit England ge⸗ stimmt ist, als die Republikaner, Tyler aber sich dieser Partei, welcher er seine Erhebung verdankt, ab⸗ und diesen zuwendet, viel⸗ leicht gar, um bei seinen neuen Freunden noch mehr zu gewinnen, sich einen Ton gegen uns erlauben duͤrfte, welcher bei der setzigen Stimmung der Nation diesseits zum Kriege fuͤhren muͤßte. In⸗ zwischen geht ein neuer Entwurf, mit Auslassung der Klauseln, gegen die der Praͤsident seine Einwuͤrfe gerichtet, durch den Kongreß, in der Hoffnung, daß in dieser Form derselbe seine Unterschrift geben wird. Doch duͤrfte er sie auch diesmal verweigern, da die Republikaner aus Grundsatz einer Na⸗ tional⸗Bank entgegen sind. Ein Institut dieser Art, dessen Offi⸗ zianten, der Natur der Sache gemaͤß, haͤusig durch den Volkswil⸗ len geaͤndert werden koͤnnen, ist, ihnen zu aristokratisch. Ein solches Institut, meinen sie ferner, wuͤrde nothwendig seinen großen Ein⸗ fluß bei den Wahlen den kommerziellen und aristokratischen Whigs zuwenden, und diesen die Gewalt, die sie sich bereits durch ih⸗ ren Reichthum erworben, sichern. Was sedoch diesen die Gewalt noch eher sichern muß, wenn anders das ganze Staats⸗Gebaͤude nicht fruͤher einstuͤrzt, ist die zunehmende Willkuͤr der Massen. Man lese nur die fuͤrchtbare Hinrichtung von mehr als 60 Per⸗ sonen nach dem beliebten Lynch⸗Gesetz auf dem Mississippi, wovon unsere gestrigen Zeitungen die Nachricht enthalten.

Niederlande.

Aus dem Hgag, 14. Sept. (L. A. Z.) Der zuletzt ge⸗ hHaltene Minister⸗Rath dauerte ungewoͤhnlich lange und soll außerst tuͤrmisch gewesen seyn, da die Meinungen uͤber die im Budget vorzunehmenden Veraͤnderungen und die zu machenden Erspar⸗ nisse sehr getheilt waren. Man soll besehlossen haben, das Bud⸗ get um 100⸗ oder 200,009 Fl. zu reduziren und die Hoffnung auszusprechen, daß diesen Reductionen andere folgen wuͤrden. Aber da man sich gestehen mußte, daß die Kammern schwerlich damit zufrieden gestellt werden wuͤrden, 8 soll ver Kbuig verrer denken, ein Reform⸗Ministerium zu bilden, das Vertrauen und

Achtung einfloͤßen koͤnnte.

Rochussen bei der ersten Andeutung, die ihm daruͤber ward, ab⸗ gelehnt haben soll. Ein Mann, der ganz fuͤr smne lolche Stellüng geschaffen waͤre, wuͤrde wohl unser Gesandter in 8 ruͤssel, Baron Falck, seyn, aber man zweifelt, daß er sie annehmen wuͤrde. Ba⸗ ron Falck will kein ministerielles Portefeuille, auch verbseset 1” mn seine Gesundheit, es anzunehmen. Doch koͤnnte er Conseils⸗Praͤ⸗ sident ohne Portefeuille werden, wie es eben jetzt der Herzog von

Wellington in England ist.

Belgien. * Brüssel, 19. Sept. Ueber den Gang der kommer⸗

ziellen Verhandlungen haben wir uns alles weiteren Berichtes

enthalten, weil dieselben bis jetzt um keinen entscheidenden Schritt

vorwaͤrts gekommen sind. Wenn gleich die bereitwillige und sehr wohlwollende Aufnahme, welche der Autrag der Belgischen Kom⸗ missare im Allgemeinen bei der Franzoͤsischen Regierung gefunden hat, als ein guͤnstiges Zeichen angesehen werden darf, so muß man doch nicht vergessen, daß die besten Absichten dieser Regie⸗ rung an den koalisirten monopolistischen Interefsfen in den Kam⸗ mern scheitern koͤnnen. Doch 1 9.

einen gluͤcklichen Ausgang allmaͤlig einen sichereren Boden, je ge⸗ nauer der Zustand mehrerer Haupt⸗Industrieen in Frankreich und Belgien untersfucht wird. Was die Steinkohlen⸗ und Eisen⸗In⸗ dustrie betrifft, so ist allerdings nicht zu leugnen, daß Belgien einen bedeutenden Vorcheil durch eine Zollverminderung erhalten wird; anderentheils hat sich aber schon mit Gewißheit heraus⸗ gestellt, daß die Franzoͤsische Kattun⸗Fabrication von der Belgi⸗ chen nichts zu befuͤrchten hat. Die Franzoösischen Fabriken, z. B. die in Muͤhlhausen, sind theils viel großartiger angelegt als irgend eine Belgische, theils ist der Lebensunterhalt in dieser Gegend etwas wohlfeiler, als in Belgien. Fuͤr die Belgischen Fabriken koͤnnte freilich die Eroͤffnung des großen Franzoͤsischen Marktes ein neuer Sporn werden; allein wir glauben, daß unter denselben Bedingungen und Umstaͤnden die Franzoͤsischen Fabriken einen Vorzug, sey es auch nur der geschmackvolleren Muster wegen, be⸗ halten werden. Was die Tuchfabrication betrifft, so scheinen die Franzoͤsischen Fabriken, der Art ihres Tuches wegen, wenig von den Belgischen zu befuͤrchten zu haben. cr.; Bezug auf den Lein⸗ wand⸗Handel wird sich Frankreich am schwersien zu Konzesstonen verstehen, obgleich dieses gerade der wichtigste Punkt ist. Fuͤr⸗ N. Konzessionen, die es in Bezug auf Eisen und Steinkohlen macht, wuͤrde es eine angemessene Verguͤtung durch den groͤßeren Absatz seiner Weine, Branntweine, Seidenzeuge und Modewaaren uͤber⸗ haupt sinden. Belgien ist ein kleines aber reiches Land, und die Handels⸗Statistik deweist, welche bedeutende Consumtion dieser Artikel im Lande stattsindet. Die Französischen Kommissarien scheinen auch auf die Unterdruͤckung des Nachdrucks in Belgien zu bestehen, und ihr Verlangen ist gewiß recht und billig. Nur ist die Frage, ob durch vereinzelte Unterhandlungen mit einem Lande diesem Unfuge gesteuert werden kann. So lange in den Nachbarlaͤndern der Nachdruck Franzosischer Werke erlaubt seyn wird, duͤrfte Belgien eher diesen Laͤndern als Frank⸗ reich fuͤr seinen Bedarf tributbar werden.

Die Industrie-Ausstellung wird wahrscheinlich bis zum 15. Oktober gebffnet bleiben. Von mehreren Deutschen Regierungen sind besondere Kommissare hierher. gesandt worden, welche die Ausstellung sowohl, als auch die Fabriken des Landes selbst be⸗ sucht haben. Die Urtheile, die wir gehoͤrt haben, sprechen sich. im Allgemeinen guͤnstig uͤber die Maschinen⸗Fabrication aus, weniger

7

Die groͤßte Schwierigkeit waͤre immer die Wahl eines Conseils⸗Praͤsidenten, eine Stellung, welche Herr

gewinnen die Hoffnungen auf

I

1179

guͤnstig uͤber die chemischen Produkte. Man kann sich auch nicht daruͤber wundern. In diesem Zweige stuͤtzt sich die Praxis un⸗ mittelbar auf die Theorie, und gerade diese ist hier im Lande noch sehr vernachlaͤssigt. Auf den 4 Universitaͤten befindet sich kaum ein das Mittelmaͤßige uͤberschreitender Chemiker. Das fruͤhere Ministerium hatte die Absicht, an dem neuorganisirten Museum der Industrie in Bruͤssel zwei tuͤchtige Professoren, einen fuͤr Chemie, einen anderen fuͤr Physik zu berufen, mit der besonderen Ve rpflichtung alle neuen Erperimente und Entdeckungen oͤffentlich zu wiederholen, und zu verifiziren. Es ist dies eine Idee, die das jetzige Ministe⸗ rium wohl nicht aufgegeben hat. Im Allgemeinen haben die Deutschen Kommissare das begruͤndete Urtheil ausgesprochen, daß sich zwischen Belgien und Deutschland ein gegenseitig vortheilhaf⸗ ter Handels⸗Traktat abschließen ließe. Die Keommissare werden einen ausfuͤhrlichen Bericht ihren respektiven Regierungen abstat⸗ ten; es waͤre aber sehr zu wuͤnschen, daß diese Frage von wohl unterrichteten Maͤnnern auch oͤffentlich in besonderen Schriften be⸗ handelt wuͤrde. Solche Gegenstaͤnde verlangen eine eingehende fortgesetzte Diskussion.

Vom 1. Oktober an wird in Bruͤssel ein Deutsches Literatur⸗ Blatt erscheinen. Soll aber das Unternehmen einen gluͤck⸗ lichen Fortgang haben, so moͤge der junge Redacteur dem Blatte ja eine ernsiere Haltung geben, als seinen im vorigen Win⸗ ter gehaltenen Vorlesungen uͤber Deutsche Literatur, die alles wissenschaftlichen Gehaltes entbehrten und deshalb auch wenig Zu⸗ hoͤrer und Anklang fanden.

Dänemark.

Fopenbagen, 18. Sept. Die Daͤnische Kanzlei hat un⸗ term 14ten d. Folgendes an den Koöͤnigs⸗Voigt, Etatsrath Spandet, erlassen:

„Auf Veranlassung, daß von zwei Abgesendeten der Wieder⸗ taͤunfer⸗Gemeinden in Großbritanien, Dowson und Giles, Inter zesston bei Sr. Mafestaͤt stattgefunden, betreffend die Loslassung der beiden hier verhafteten Wiedertaͤufer, Bruͤder Peter und Adolf Moͤn⸗ ster, will die Kanzlei, bevor eine Bestimmung getroffen werde in Hinsicht der Appellation von dem durch das Kdnigliche Landes⸗ Obergericht, so wie Hof⸗ und Stadtgericht, unterm 7ten d. M. uͤber gedachte Peter und Adolf Moͤnster wegen Abhaltung gesetzwidriger Religions⸗Versammlungen u. s. w. ergangenen Urtheil, dienstlich dem Herrn Etatsrath angesonnen haben, besagten Angeklag⸗ ten zu bedeuten, daß sie, sofern sie sich verpflichten wollen, bis dahin, daß eine Bestimmung daruͤber getroffen werde, inwieweit den Wiebertaͤufern hier im Lande Religions⸗Freiheit zugestanden werden koͤnne, sich enthalten wollen, Versammlungen zur gemeinschaftlichen Religions⸗Uebung zu halten, das Sakrament des Nachtmahls aus zutheilen und neue Mitglieder in die Gemeinde aufzunehmen, und solchergestalt sich in aller Stille verhalten, sogleich koͤnnen auf fceien Fuß gestellt werden; wonäaͤchst der Herr Etarsrath fuͤr den Fall, daß die Angeklagten sich willig erklaͤren wuͤrden, solche Verpflichtung einzugehen, ihre in solcher Hinsicht abzugebende Erklaͤrung gefaͤlligst zum Vogts⸗Protokoll nehmen wolle.“ 9

In seiner schon am selbigen Tage der Koͤniglichen Kanzlei ertheilten Antwort meldet der Etaats⸗Rath: „Dies habe ich gethan; allein sie haben beide erklaͤrt, daß sie ih⸗

res Gewissens halber die Freiheit unter den vorgeschriebenen Bedin⸗ gungen nicht annehmen koͤnnen, und daß sie nicht wuͤnschen in Frei⸗ heit zu kommen, so lange die Gemeinde nicht Religionsfreiheit hat, da ihre Pflicht ihnen nicht erlauben wolle, wenn sie in Freiheit kom men, sich dessen zu enthalten, wovon die Unterlassung nach dem Schrertben des Koulegtuüms dre Hevingling ihrer Frettagung schn sshe,

Sie haben mir dabei versichert, daß sie allein aus dem angefuͤhrten

erbieten verwerfen muͤßten, und haben mich ersucht, dies dem Kolle⸗ gium vorzutragen, welchem Gesuch ich hiermit nachkomme, hinzufuͤ⸗ gend, daß ich von der Aufrichtigkeit dieser ihrer Versicherung uͤber⸗ zeugt bin.“ 8 8 .

Die aus den Inspektoraten von Säuͤdgroͤnland eingelaufenen Nachrichten hinsichtlich des Fanges von Seehunden im verwiche⸗ nen Jahre sind sehr guͤnstig. Man hatte deren 4736 in Garnen gefangen. Von Wallfischen hatte man dagegen keinen einzigen habhaft werden koͤnnen. Die Ausbeute ven Eiderdunen war nur unbedeutend gewesen. Die Groͤnlaͤnder behaupten, daß die Eider⸗ gaͤnse im suͤdlichen Inspektorate abnehmen. Im April d. J. wa⸗ ren daselbst 5200 Tonnen Speck, 10,500 Rennthierfelle, 10,500 Seehundsfelle, 1800 Fuchsfelle und 1100 Pfd. Eiderdunen vor⸗ raͤthig.

Deutsche Bundesstaaten.

München, 18. Sept. (A. Z) Nchrichten zufolge, die heute aus Berchtesgaden hier eingetroͤffen sind, wird Se. Maje⸗ staͤt der Koͤnig Freitag den 1. Oktober Abmds, Ihre Majestaͤt die Koͤnigin von Griechenland aber den 2. Oltober hier eintreffen.

Ihre Majestaͤt die verwittwete Koͤngin ist heute in Beglei⸗ tung Ihrer durchlauchtigsten Tochter, der Prinzessin Johann von Sachsen, nach Tegernsee abgereist, wo min in den naͤchsten Tagen der Ankunft Ihrer Majestaͤt der Koͤnigi; von Preußen entge⸗

Unter den vielen Fremden, die sichjetzt hier aufhalten, be⸗ merkt man mehrere namhafte Gelehrte und Kuͤnstler aus Berlin, namentlich den Gallerie⸗Direktor Dr. Wagen, den Professor der Skulptur, Wichmann, und den Professor Panofka.

Stuttgart, 19. September. Here ist hier folgende Koͤ⸗

nigliche Verordnung, die Einberufung der Staͤndeversammlung be⸗ treffend, publizirt worden: „Wilhelm, von Gottes Gnaden Koͤnig von Wuͤrttemberg. In Gemaͤßheit des 1 127. der Verfassungs⸗

¹ Urkunde haben Wir, nach Anhoͤrung Useres Geheimen Raths, 2

seres Koͤnigreichs auf Sonnabend den 2. Oktober dieses Jahres in Unsere Haupt⸗ und Residenzstadt Stutsart einzuberusen. Wir befehlen demnach, daß die Mitglieder beide Kammern am 21. Ok⸗ tober d. J. sich hier einsinden und am olgenden Tage bei dem staͤndischen Ausschusse sich legitimiren. nser Minister des In⸗ V nern ist mit der Bekanntmachung und Veovziehung dieses Reskripts beauftragt. Gegeben Stuttgart, den 15. September 1841.“ V Gestern begann hier die Inspectiondes Wuͤrttembergischen Bundes⸗Kontingents durch die von dem Oeutschen Bunde damit beauftragten Generale, den OesterreichischerFeldmarschall⸗Lieutenant von Sunstenau, den Daͤnischen Generanajor von Berger und den Mecklenburg⸗Schwerinschen Generämgajor von Elderhorst. Die Inspection betrifft, da die Mandverrshigkeit unseres Armee⸗ Corps erst im vorigen Jahre durch die Kiegsuͤbungen bei Heil⸗ bronn erprobt wurde, blos den Effektigand der Mannschaft und das Material. Es kann zum vorau gesagt werden, daß beide in vollem bundesgesetzmaͤßigen Stade sind. Das Ma⸗ terial insbesondere erhielt seit den kriegeischen Aussichten im vorigen Jahre jede erforderliche Vervollstmdigung. Die bishe⸗ rigen Raͤume im Arsenale zu Ludwigsburz reichen zur Aufbewaͤh⸗ rung kaum mehr aus. Zehntausend Gewöôre werden in Ulm auf⸗ bewaͤhrt. Wegen der bedeutenden Vermehrxung des Pferdestandes, welcher durchaus im Inlande remontirt wird, war die Einrich⸗ Itung von Interims⸗Staͤllen nothwendig. Die im Bau begriff’ mn

I

Reiter⸗Kaserne in Stuttgart wird, was Geraͤumigkeit und Fuͤr⸗

sorge fuͤr die Gesundheit der Mannschaft und der Pferde betrifft,

ein Meisterwerk werden. Der Intendant des Koͤniglichen Hof⸗Theaters, Graf von Leu⸗ trum⸗Ertingen hat diese Stelle niedergelegt. Dem Vernehmen nach, wird der Regisseur, Hof⸗Schauspieler Moritz, eine hervor⸗- ragende Stelle bei der neuen Leitung des Koͤniglichen Hof⸗Thea⸗ ters erhalten. 1 an visatt 21 IAʒ. ssd 8 „„Wien, 17. Sept. Se. Majestaͤt der Kaiser hat vor seiner Abreise von Graͤtz unterm 29. August d. J. das nachfolgende Ka⸗ binets⸗Schreiben an den Landes⸗Gouverneur, Grafen von Wik⸗ kenburg, erlassen:

Lieber Graf Wickenburg! Auf Meiner Reise hierher, so wie waͤhrend Meines Aufenthalts in Graͤtz, sind Mir von jeder Klasse der Einwohner Meiner Provinz Steyermark vielfache Beweise von Treue und Anhaͤnglichkeit an den Tag gelegt worden, woruüͤber Ich Meine Zufriedenheit auszusprechen Mich veranlaßt sinde. Sie haben dies zur oͤffentlichen Kenntniß zu bringen, und trage Ich Ihnen auf, Meine getreuen Staͤnde Steyermarks, den Graͤtzer Stadt⸗Magistrat und die Buͤrgerschaft Meiner wohlgefaͤlligen Anerkennung zu versichern. Bei dem Besuche der oͤffentlichen Wohlthaͤtigkeits⸗Anstal ten und der Institute habe Ich Mich von der guten Ordnung und dem Gedeihen derselben uͤberzeugt. Auch hat mir die Besichtigung der ausgestellten Gewerbs⸗Produkte den unverkennbaren Beweis des dem Lande nuͤtzlichen Fortschreitens der Industrie gegeben. Da Ich Mich uͤberhaupt von Ihrer zweckmaͤßigen und erfolgreichen Leituͤng dieser Provinz üͤberzeugt habe, so finde Ich darin den Anlaß, auch Ihnen Meine besondere Zufriedenheit daruͤber zu erkennen zu geben. Graͤtz, 29. August 1824t.

17.

Ferdinand m. p.“

Grunde und keinesweges aus Trotz oder Eitelkeit das gemachte An⸗

2 8 rung an bestritten worden: Maͤnner, in hoher und wohlverdienter

beschlossen, die ordentliche Versammwlung er getreuen Staͤnde Un⸗

Italien. 8 8 MNoynt, 11. Sept. (A. Z.) Aus Ancona berichtet man, daß man dort zu dem feierlichen Empfange des Papstes alle Vorberei⸗ tungen treffe, indessen duͤrfte er vermuthlich erst den 15ten daselbst seinen Einzug halten. Es werden mehrere Kardinaͤle man spricht von 16 oder 17 unter diesen auch der Patriarch von Venedig, Kardinal Monico, sich in jener Stadt vereinigen. Auch geht die Rede von einem Konsistorium, welches der Papst am iöten d. halten wolle. Ferner werden sich alle Bischoͤfe, Legaten und Delegaten aus den Provinzen dort einsinden. Eine zahlreiche Deputation von Bologna wird den Papst einladen, ihre Stadt mit seiner Gegenwart zu beehren, wahrscheinlich ohne Erfolg. Der aus Aegypten zuruͤckgekehrte Capitain Cialdi ist von der Regierung beauftragt, in England die Dampfschiffe fuͤr die Tiber zu kaufen.

Regypten. Alerandrien, 26. Aug. (A. Z.) Welches Mißtrauen Mehmed Ali gegen die Englaͤnder hat, beweist das, was kaͤrzlich mit den beiden Linienschiffen „Rodney“ und „Kalkutt“ vorsiel. Sie lagen lange in weiter Entfernung von dem neuen Hafen, ohne Wasser einzunehmen, ploͤtzlich brachen sie auf und gingen nach Afrika, um dort Wasser zu nehmen, was ihnen aber von dem dortigen Kommandanten rund abgeschlagen ward; hierauf gingen sie zuruͤck bis zum Marabut und versuchten dasselbe dort, erhielten aber denselben Bescheid. Als sich der Capitain des „Rod ney“ aeim Pascha daͤruͤber beschwerte, sagte Letzterer, daß er mit Vergnuͤgen Befehl zur Verabfolgung des Wassers ertheilt haͤtte, aber er habe nichts davon gewußt. Indessen hatte er es wohl ge wußt, denn kaum waren die Schiffe aufgebrochen, so ward ein Cou⸗ rier uͤber Hals und Kopf nach Abukir geschickt und der Komman⸗ dant bei seinem Kopf verantwortlich gemacht, wofern er nur einen Tropfen Wasser gebe. Hetzt sind diese beiden Linienschiffe nach Beirut gegangen, um dort Wasser zu nehmen, werden aber wieder zuruͤckkehren. Das Spiel mit der National⸗Gardt dauert nach wie vor fort, man weiß nicht zu welchem Zwecke, da sie viel Geld kostet, nachdem der Pascha sie auf gleichen Rang mit der Linie ge⸗ stellt hat. ac.Ibrahim ist im Delta, er sagt, er sey nicht mehr Ibrahim Pascha, er heiße Hadschi Ibrahim, womit er sagen will, er wolle von nun an ein beschauliches Leben fuͤhren und seine kriegeris⸗ Entwuͤrfe aufgeben.

Vereinigte Staaten von Nord⸗Amerika.

New⸗YVork, 1. Sept. Die Botschaft des Praͤfidenten Tyler, durch welche er dem Kongresse mittheilt, daß er die Bank⸗ Bill nicht sanctioniren koͤnne, geht in großes Detail ein, in Be⸗ zug auf die Ansichten vom Nutzen oder Schaden einer National⸗ und Fiskalbank, d. h. einer Bank, der auch die Verwaltung der Der Praͤfident bezeigt dann

Staats⸗Gelder anvertraut wuͤrde. sein Bedauern daruͤber, sich der Majoritaͤt des Kongresses entge⸗

genstellen zu muͤssen, und versichert dabei, sein Gewissen erlaube ihm nicht, anders zu handeln.

„Die Befugniß des Kongresses“, so aͤußert er sich, „eine Natio⸗ nal Bank zu er richten, die ermaͤchtigt waͤre, fuͤr sich selbst (per se, d. h. ohne spezielle Privilegien, in den einzelnen Staaten erlangt)

üͤber die ganze Union hin zu operiren, ist vom Beginn unserer Regte⸗

Achtung stehend, um ihrer Geistesgaben, ihrer Tugend, ihrer Vatev⸗ landsliebe willen, haben in Bezug auf diese Frage ganz verschiedene Meinungen gehegt; auch im Kongresse zeigten sich widersprechende Ansichten; bald war ein Praͤsident fuͤr die Maßregel, bald bekaͤmpfte sie cin Anderer mit allen Mitteln, die ihm zu Gebote standen: das Land selbst ist seit langer Zeit in starker Aufregung uͤber die inent⸗ schiedene Frage; was mich persoͤnlich angeht, so mag es genuͤ⸗ gen, daß ich sage, wie meine Ueberzeugung von jeher gewesen, die gedachte Befugniß liege nicht in den Attributionen der Central⸗Re⸗ gierung der Union. Bei allen Gelegenheiten und waͤhrend 25 Jahren habe ich diese Ansicht unumwunden ausgesprochen, sowohl in der Le⸗ gislatur des Staates, worin ich geboren bin, als im Hause der Re vrazentanten zu Washington. Unter diesen Umstaͤnden wird der Kon greß⸗ wird die Nation einsehen, daß ich die beschlossene Maßregel nicht saänecktoniren konnte, ohne jeden Anspruch auf die Achtung ehren⸗ werther Maͤnner und auf das Vertrauen des Volkes, ohne jede Selbst⸗ achtung, jede Ruͤcksicht auf moralische und religioͤse Verpflichtungen aufzugeben. Ich wuͤrde, wollte ich zustimmen, ein Verbrechen bege⸗ hen, wozu ich mich um keinen Preis der Welt hergeben koͤnnte; ja ich wuͤrde mich dem Hohn und der Verachtung aller rechtlichen Leute bloßstellen.“ F

Im weiteren Verlaufe der Botschaft erklaͤrt der Praͤsident. er sey bereit, die Errichtung einer Bank zu sanctioniren, die er⸗ maͤchtigt sey, Zweigbanken zu kreiren und Noten auszugeben, und am Schlusse sagt derselbe:

„Ich sehe die mir vorgelegte Bill so an, als werde damit be⸗ hauptet, der Kongreß habe das Recht, eine Bank der Vereinigten Staaten als Corporation zu begruͤnden und solche mit der Befug⸗ ß zu versehen, Diskonto⸗ und Depositen⸗Anstalten in den verschie⸗ venen Staaten, mit oder ohne deren Genehmigung, zu errschten. Diesem Prinzip war ich von jeher entgegen; dasselbe kann nie von mir sanctionirt werden. Indem ich daber jede andere Betrachtung, welche durch die Bestimmuüngen der Bill geweckt werden moͤgen, hei