Seite lasse, sende ich sie dem Hause zuruͤck, in welchem sie zuerst in Antrag gebracht wurde, und begleite sie mit meinen Einwendungen gegen ihre Billigung.“
Die Verwerfung einer so wichtigen Bill, welche im Senate und im Repraͤsentantenhause durchgegangen war, erregte große Sensation zu Washington. Im Unmuth daruͤber ließ die Mehr⸗ heit im Repraͤsentantenhaus am 17. August auch die Bankerott⸗ Bill, die als nothwendig anerkannt ist, mit 110 Stimmen gegen 97 durchfallen; doch am Tage darauf wurden die Gemuͤther ru⸗ higer; eine Motion, die Bill nochmals in Betrachtung zu ziehen, ging mit 108 Stimmen gegen 98 durch, und zuletzt ward letztere mit 110 Stimmen gegen 106 angenommen. Am 19. August er⸗ hielt sie die Sanction des Praͤsidenten. Es soll am 1. Februar 1842 in Kraft treten, doch steht es im Belieben des Schuldners, ob er sich diesem Gesetz oder den Bankerott⸗Gesetzen der einzelnen Staaten unterwerfen will. Die neue Bill beabsichtigt, das Ver⸗ trauen im Handel wiederherzustellen, da aber die Bestimmungen derselben den Schuldner auf Kosten des Glaͤubigers beguͤnstigen, so fuͤrchtet man, daß sie eher das Gegentheil bewirken werde. Ueberhaupt sagen die Zeitungen, daß die Regierung und der Kon⸗ greß sich in einem verwirrten Zustande befaͤnden und unter dem Einflusse starker Partei⸗Ansichten handelten.
Um die Bedenklichkeiten in Bezug auf die Bank, welche in der Botschaft des Praͤsidenten angefuͤhrt sind, zu beseitigen, wurde darauf im Senate von Herrn Clay eine neue Bankbill in Antrag gebracht. Die zu errichtende Bank soll „Fiskal⸗Corporation“ heißen und mit 21 Millionen Dollars Kapital fundirt werden, welches auf 35 Millionen erhoͤht werden kann; sie darf keine Diskonto⸗ und Depositen⸗Zweigbanken etabliren, wohl aber Agen⸗ turen zur Besorgung der Geldgeschaͤfte der Regierung; Fremde duͤrfen keine Actien besitzen. Die Bill ist einem Ausschuß uͤber⸗ wiesen worden. Man glaubt sicher, daß der Senat diese Bill genehmigen werde; nicht so gewiß ist man von der Genehmigung des Praͤsidenten, obschon die Punkte, gegen welche er bei der vo⸗ rigen Bill Einwendungen gemacht, weggelassen sind.
Die Bill zum Behuf der Vertheilung des Extrages der oͤf⸗ fentlichen Laͤndereien ist vom Senat angenommen und in Folge eines Amendements wieder an das Repraͤsentantenhaus gesandt worden.
Die Ertra⸗Session des Kongresses soll, wie man erwartet, vor Mitte September geschlossen werden.
Die Gelder der Regierung sind aus der Kaufmanns-Bank zu New⸗Pork, weil diese die vom Gesetz vorgeschriebene Sicher— heit zu leisten, sich weigert, weggenommen und in die Handels⸗ Bank gelegt worden, welche diese Sicherheit gestellt hat.
Die Handels⸗Berichte aus England haben die Preise der Baumwolle herabgedruͤckt, die des Getraides dagen in die Hoͤhe getrieben. Zu Syrakus im Staate New⸗York sind bei einer Pulver⸗ Explosion 30 Menschen umgekommen.
Zu Neu⸗Orleans richtet das gelbe Fieber wieder große Ver⸗
heerungen an. Der Praͤsident hat Herrn Everett, Ex⸗Gouverneur von Mas⸗ sachussets, zum Gesandten in London ernannt; man zweifelt aber, daß der Senat die erforderliche Genehmigung zu dieser Anstellung ertheilen werde, da Herrn Everett's Ansichten uͤber die Sklaverei sehr mißfallen.
Von der Anleihe im Betrage von 12 Milltonen Douars isr 1 Million zu 5 ½ pCt. Zinsen erlangt worden.
Die Graͤnzfrage hat von neuem Aufregung verursacht. Es sollen naͤmlich die zur Aufsuchung der Graͤnze abgeordneten Com⸗ missaire diese Graͤnze, so wie sie ihrer Meinung nach laufen muß, adurch gewissermaßen schon im voraus fuͤr die Vereinigten Staa⸗ ten in Besitz nehmen, daß sie ostwaͤrts von der fruͤheren interimi⸗ stischen Graͤnzscheide durch die Waͤlder einen Weg von 40 bis 80
Fuß hindurchschlagen lassen und denselben als die Graͤnze der Ver⸗ einigten Staaten bezeichnen, wobei ste den Eigenthuͤmern der auf diese Weise vom Britischen Gebiete abgerisseuen Landstrecken er— laͤren sollen, daß sie sich fortan als Unterthanen der Vereinigten Staaten zu betrachten haͤtten. Man will wissen, daß die Graͤnz— bewohner bereits eigenmaͤchtige Versuche gemacht, diesen Graͤnz⸗ Kommissarien in den Weg zu treten, ja, nach dem Bangor
Shig sollen dieselben verhaftet worden seyn. Der in Neu⸗ Brannschweig kommandirende Britische General, Sir J. Dickson, ist, wie es heißt, bereits nach Woodstock und von dort nach den
großen Wasserfaͤllen abgegangen.
Brasilien. Nio Janeiro, 16. Juli. Der Kaiser hat heute seinen feierlichen Einzug in die Hauptstadt gehalten, als Vorbereitung zu einer Kroͤnung, welche uͤbermorgen stattfindet. Man sagt, der Kaiser wollte sich entweder um die Tochter des Erzherzog Rainer oder um die des Prinzen von Salerno bewerben und habe seine aͤlteste Schwester dem Herzoge von Modena bestimmt.
Die beabsichtigte Eisenbahn scheint bedeutenden Anklang zu finden, sowohl bei der Legislatur, wie bei der Regierung und den Kaufleuten. Man hofft das noͤthige Geld in Brasilien selbst auf⸗ bringen zu koͤnnen.
856
Oels, 19. Sept. Diese Nacht um 1 Uhr trafen Se. Ma⸗ jestaͤt der Koͤnig gluͤcklich und wohlbehalten auf der Reise von Warschau nach Breslau hier ein. Allerhoͤchstderselbe wurde von einer Deputation der Staͤnde, der oberen Militair⸗Behoͤrden, des
Bekanntmachungen.
Auf der Berlin⸗Anhaltischen Eisenbahn hat gestern ein sehr unangenehmer Vorfall stattgefunden. zufuͤhren, eine Koͤthen nach Beelin hat der Dampfwagen, aus einer noch nicht ermittelten Ursache, jenseits Trebbin den Dienst versagt. Das Feuer desselben mußte geloͤscht und von — den, welche — in der Nacht
Bei dem etwas verspäteten Nachmittagszuge pon in stangen, jedoch jeder sonstige — rchus ⸗
ver
uͤhren mußte. 8 1 L Durch falschen Eifer des Trebbiner Bahnhof-In
pektors, welcher vorlaͤufig sogleich von seinem Dienste
1180
agistrats und der Stadtverordneten ehrerbietigst empfangen.
er Rathsherr und Apotheker Oswald ersuchte Se. Majestaͤt
m die Gnade, Alllerhoͤchstdemselben ein Etui Freotyp⸗Bildern zum Andenken an die Reise durch DOels allerunterthaͤnigst uͤberreichen zu duͤrfen, und empfahl da⸗ bei Stadt und Buͤrgerschaft der ferneren begluͤckenden Huld Sr. Majestaͤt. Die kurze Anrede sowohl als das Etui wurden nicht allein von Sr. Majestaͤt auf das Allergnaͤdigste entgegengenom⸗ men, sondern Allerhoͤchstderselbe geruhte auch auf das leutseligste sich mit den Anwesenden zu unterhalten, worauf Se. Majestaͤt seine Reise, von einem herzlichen Lebehoch begleitet, fortsetzte.
— — Potsdam. Sonnabend, 18ten d. M., feierte auch die hiesige literarische Gesellschaft durch ein Festmahl die Gegen— wart Ludwig Tieck's. Die Einleitung machte dessen schoͤnes Lied: „Wenn das Abendroth die Haine ꝛc.“* wuͤrdig komponirt und von einem Maͤnnerchor gesungen. Hierauf wurde der Toast auf das Wohl Sr. Majestaͤt des Koͤnigs von einem Mitgliede der Gesell⸗ schaft ausgebracht und jubelnd aufgenommen. Der Hof⸗ und Garnison⸗Prediger Sydow, Direktor der Gesellschaft, begruͤßte nun in einer freien Anrede den hochverehrten Gast, und sprach sich treffend uͤber das Wirken L. Tieck's in Bezug auf Deutsche Literatur und Kunst aus, worauf der Gefeierte mit herzlichen Worten antwortete. Es folgten dann zu Ehren des Gastes der Vortrag einer Lateinischen Ode, vom Direktor des Gymnasiums, Professor Rigeler, und eines Sonettes, vom Ober⸗ Schulrath Strietz. Vierstimmige Gesaͤnge auf Texte von L. Tieck, ei⸗ gends von den Komponisten Louis Huth und Wendel dazu in Musik gesetzt, schlossen das schoͤne Fest. Am Montag erfreute darauf der gefeierte Dichter die literarische Gesellschaft
durch eine dramatische Vorlesung, wozu derselbe Shakespeare's
„Romeo und Julia“ gewaͤhlt hatte. Es war ein poetischer Genuß der reinsten, edelsten Art; durch die Wahrheit in der Auffassung aller Charaktere, durch die lebhafteste Versinnlichung derselben in Ton und Ausdruck fuͤhlte man sich mitten in die Handlung selbst versetzt, ohne durch irgend eine Stoͤrung der Einheit und Har⸗ monie des Ganzen, woran es auch bei den vollendetsten scenischen Vorstellungen kaum fehlen kann, im mindesten an dem vollen, großen Eindruck des herrlichen Kunstwerkes zu verlieren. Unver⸗
geßlich wird dieser Abend allen Anwesenden bleiben.
Köln, 20. Sept. (K. Z.) Cornelius kam, wie schon er— waͤhnt, am 17ten d. auf einer Reise nach England begriffen, uͤber Duͤsseldorf, seiner Vaterstadt, zu uns, begleitet von seinem Schwa— ger, dem Ober-⸗Regierungsrathe Bruͤggemann und dem Buch⸗ haͤndler Reimer aus Berlin. Der Koͤlnische Kunst⸗Verein ver⸗ anstaltete zu Ehren des hochgefeierten Meisters vorgestern Abend in dem „Hotel Belle⸗Vue“ zu Deutz ein Bewillkommnungsfest, das des Vereines und des Gastes wuͤrdig war und zu welchem das Direktorium den hier anwesenden hochverdien⸗ ten Dr. Sulpiz Boisserée und durch eine nach Duͤssel⸗ dorf abgesandte Deputation den Direktor und die Professoren der Akademie, so wie den geschaͤftsfuͤhrenden Vorstand des dortigen Kunst⸗Vereins eingeladen hatte. Cornelius sprach bei diesem Fest⸗ mahl seinen Dank fuͤr die ausgezeichnete Aufnahme, die ihm zu Theil ward, durch den Wunsch fuͤr die Vollendung des Koͤlner Domes aus. Gestern Nachmittaag verließ Cornelius, nachdem er den Dom und viele seiner hiesigen Freunde besucht hatte, unsere Stadt, um sich uͤber Ostende nach London zu begeben. Auch in
strenger Instruction an die Beamten: Zeitvelust we⸗ J. niger zu achten, als durch uͤbereiltes Entgeqgnsenden
miüe worden ist.
user Betriebs⸗Diri r
s Feuer desfe cht Vorfall in allen “ den Auftng, diesen Berlin eine Huͤlfsmaschine herbeigerufen von dem Resultate Ser selbstredend nur Nachricht zu ertheile sehr langsam kommen und eben so den Zug heim⸗ Berlin, den 23. September 1841 Direktion de ltisg
Duͤsseldorf hatte man dem allgemein verehrten Kuͤnstler auf seiner Durchreise ein Festmaäͤhl gegeben.
Meteorologische Beobachtungen.
18 16 Morgens 22. Sept. 6 Uhr.
Nachmittags Nach einmaliger
Abends 2 Uhr
10 Uhr.
Beobachtung.
eJebb ,21 Par. 3836 Pp Quellwärme 8,20 R. . † 89.. + 15,1°R. + 9,10° . Flusswäürme II1,19 R Thaupunkt . .. it 4,2 R. . 10,1 . I Bodenwärme 12,1° n Donstsättigung 81 pCt 70 pcCt. 82 pCt. Ausdünstung 0 041“ Rh. Feitee heiter. heiter. Regen. Niederschlag 0,086 Rh. J 0. 0. 80. Wäaärmew. echsel 15 29 Wolkenzug 0. “ —+ 76 Tagesmittel: 337,58 Par. + 10,0° n... ETEbeb58 „Ct. 080.
———
Luftdruck
Luftwärme . .
“ Den 23. September 1841.
Pr. Uour. Pr. Cour.
Fond’s. 3 ETöö1ö““ Brief. Geld Brief. CGeld.
St. Schuld-Sch. 1049 101½ Pr. Engl. Obl. 30. 1039 —
Prüäm. Sch. der
Brl. Pots. Eisenb. 5 121 — do. do. Prior. Act. — 2 — 102 8 Mgd. Lpz. Eisenb. 12 111 do. do. Prior. Act — 102 Brl. Anh. Eisenb. — 105 2 10 1 9 do. do. Prior. Aet. 102 Düss Elb. Eisenb. 7 94 do. do. Prior. Act. 5 103 ½
Seehondlung. 80 ¼ 79 ½ Kurm. Sechuldy. 3 102 101½ Berl. Stadt-0bl. 4 1033 103
3 100 992 91
95
Elbinger do. Danz. do. in Th. 18 Westp. Pfandbr. 3 ½ 102¼ Kbetn. Fisens. (8 9654 Grossh. Pos. do. 100 Ostpr. Pfandbr. 8 102 . d0. 3 ½ 103 ⅓
“ Gold al marco Friedrichsd'or
Andre Goldmün- zen à 5 h.
Disconto
.
Schweizer⸗Chr zwar sehr unangenehme Vespaͤtung
““ untersichen und Leipzig.
s geehrten Publikm weitere
r Berlin Anhaltischen Ei Gesellschaft. ”
suspendirt ist, war zuerst ein Mißverstaͤndniß entstan den. Dieses, so wie die Neuheit der Sache fuͤr einen Theil des Dienstpersonals, und die noch nicht genug sam eingeuͤbten Nacht⸗Signale haben eine Verspaͤtung als sechs Stunden veranlaßt.
von mehr uns wenigstens zur Beruhi⸗
von Uri, Schwyz und Unterwalden
Vollstaͤn digist erschie G handlungen der st efch ien 7 und in allm Buch⸗ des gewaltigen Burgunder⸗Herzogs geht. Von neuem e aschen Monarchie z2 baben, beurkundet der Aukor der „großen
42 8 llich dieser Vorfall an sich ist, so gereicht in Berlin namentlic in der Gropiugi.,” 88 444 ¹ e. — So bedauerlich dieser Vorf⸗ gung, daß in Folge und Kunsthandlug, fgl, Bauschule 129 (hen Buch⸗ diese Darstellung jener welthistorischen Begebenhei⸗
sten seinen Beruf zum Geschichtssch
Thlr. zu 30 Sgr.
ö“ 1 e⸗ Brief. Geld.
Amsterdam 138 ½ do. 3 2 Mt. 137 ¾ 137 ½ IHIamburg . Mb. Kurz 149 ½ do. 300 MX. 2 Mt. 148 ½⅔ London 3 Mt. 6 1] 8 ½ Mt. 78˙ vlAX“”“ 150 Fr. 2 Me. 103 ½ Augsburg 150 Fl. Mt. 101* Breslau 100 Thlr. V Mt. 99 ½ Leipzig in Courant im 14 Thl. Fuss.. 100 Thlr. Tage 99
I Mt. 101 ¼ 101 Petersburg 1 SRbl.
Auswärtige Börsen. Zinsl. —. Neue Aunl. 19 ½ ““ Bank-Aectien 1600. Engl. Russ. 108 ½.
Amsterdam, 19. Sept.
Antwerpen, 18. Sept. 1 — 1
Hamburg, 21. Sept.
5. 85. 5 % Neapl. fin cour. 105. 70. 6 Port. —. Wien, 18. Sept. —. Bank-Actien —.
5 8 Met. 106 ½. 49 98 ½. 39 —
228 Aul. de 1834 137 ⅛. de 1839 110 ½¼.
Königliche Schauspiele.
Freitag, 24. Sept. Im Schauspielhause: Vor hundert Jahren, Sittengemaͤlde in 4 Abth., von E. Rau pach. Hierauf: Drei Genre⸗Bilder, Scenen in Spanischer, Fran zoͤsischer nnd Deutscher Sprache, von L. Schneider. Die Musi ist komponirt und arrangirt von dem Koͤnigl. Kammermusiku Barnewitz, Tanz vom Koͤnigl. Balletmeister Hoguet. 1) De Spanische Contrebandier und seine Geliebte. 2) Der Pyrenaͤi
und Dlle. Polin. Sonnabend, 25. Sept. Im Schauspielhause: Die Lebens⸗ muͤden, Lustspiel in 3 Abth., von E. Raupach. Sonntag, 20. Sept. Im Opernhause: Zum erstenmale wie⸗ derholt: Die Hirtin von Piemont, komische Oper in 1 Akt, nach dem Franzoͤsischen von Genée, Musik von Schaͤffer. Hierauf:
Taglioni.
Im Schauspieihause: Werner, oder Herz und Welt, Schau⸗ spiel in 5 Abth., von C. Gutzkow.
Montag, 27. Sept. Im Schauspielhause: Kabale und Liebe. (Dlle. Reichel, vom Großherzoglichen Hof⸗Theater zu Schwerin: Louise, als letzte Gastrolle)
Die Franzoͤsischen Theater⸗Vorstellungen beginnen wieder mit dem Anfange des naͤchsten Monats und werden bis Ende Juni k. J. fortdauern. Da die fruͤheren Abonnements⸗Bedingungen wiederum eintreten, so werden die resp. Abonnenten ersucht, uͤber die Beibe⸗ haltung der Plaͤtze bis spaͤtestens den 1. Oktober sich zu erklaͤren widrigenfalls uͤber dieselben anderweitig disponirt werden muß. Meldungen um Abonnements werden im Billet⸗Verkaufs⸗Buͤreau A »3232 ben.
Königsstädtilches Theater. Freitag, 24. Sept. Der Hofmeister in tausend Ae Lustspiel in 1 Akt, nach dem Franzoͤschen, von — 6,1““9 1—
zischen
Sporschi l.
auf: Kunst und Natur. Lustspiel in 4 Akte Albini. (Slle. Fülche⸗ 818 1 r. Lustspiel in 4 Akten, von Albini. (Dlle. r, vom Stadttheater zu Hamburg, im ersten Stuͤck: Lies— chen, im zweiten: Polixena, als letzte Gastrollen.)
Sonnabend, 25. Sept. (Italienische Opern⸗Vorstellung.) Opera buffa in 2 Atti. Musica del
II Barbière di Seviglia. Maestro Rossini. Sonntag, 2b6. Sept.
1 ““ . Der che Zinn jeßer. B. Posse in 3 Akten. gießer. Vaudeville⸗
An die Leser. 8 Die vierteljaͤhrliche Praͤnumeration der Staats⸗Zeitung betraͤgt 2 Rthlr. Preuß. Cour Loo1“ Bestellungen fuͤr Berlin werden in der Expedition selbst (Friedrichs⸗Straße Nr. 22) gemacht und jeder innerhalb der Ringmauer der Stadt wohnende Praͤnumerant erhaͤlt das Blatt durch die Stadtpost, schon den Abend vor dem ange⸗ gebenen Datum, ““ gesandt. — Aus⸗ w aͤrtige, des In- oder Auslandes, bewirken ihre Be— stellungen rechtzeitig bei den resp. Post-Aemtern; wer dies versaͤumt, kann nicht mit Gewißheit die Num⸗ mern erwarten, die vor der hier eingegangenen Anmel—
dung erschienen sind. Fuͤr einzelne Nummern des Blattes ist der Preis
—
2 ½ Sgr. Verantwortlicher Redacteur Dr. J. W. Zinkeisen. Gedruckt in der Deckerschen Geheimen Ober⸗Hofbuchdruckerei.
aten.
“ dem ebengenannten Werke, so findet man onik bei tiefer Gruͤndlichkeit des Studiums, ker
ter Huͤlfsmaschine moͤglicherweise Ungluͤchherbei⸗-Bon der Stiftung des Ruͤtlibundes bis Deutscher Sprache, jenen klaren, zum ewigen Frieden mit Frankreich. q 298 mit 25 Stahlst. eleg. brosch. Preis 5 Thlr. 18i Sgr. ten und die Aufmerksamkeit des Lesers fesseln. — Verlag von Reinhold Beyer. Alle Freunde der Geschichte machen wir hierdurch Erscheinung se - auf die Vollendung eines Werkes aufmerksam, das sch g seyn wird. t im Gebiete der historischen und, was die Einleitung betrifft, S8. u“ ⸗politischen L Wi interessantesten Erscheinungen der neuesten Zeit ge⸗ straße 73, ist eben erschien⸗ 9. 1 boͤrt. Der Verfasser schildert in diesem Werke jene handlungen ö und durch alle Buch⸗ Literrristche A 3 große Epoche der Schweizer⸗Geschichte, die den Zeit⸗ — 1 L nrische Anzeigen. raum umfaßt, der von der Erhebung
dem Gegenstande angemessenen Styl, schil's Schriften die Praͤgung ihres Werthes erhal
Ein solches Werk duͤrfen wir daher mi 1. V. it Recht allen Gebildeten empfehlen, denen es eine mwtera
iteratur zu den sbexthar⸗
In der Sanderschen Buchhandlung,
Die Terminologie des Kau manns - der Maͤnner alphabetisch geordnete 1s. cnafs der 1 Häh- bis zum Sturze mannischen Verkehr vorkommenden eigenthuͤm⸗ lichen, oder vom allgemeinen Sprachgebrauch abweichenden Ausdruͤcke mit der noͤthigen sach lichen Erklaͤrung. Ein Huͤlfsbuch fuͤr Hand⸗ lungsbeflissene von C. F. Edler. geh. 1 Thlr.
Beilage
Chronik“ durch
voc 22⁷Qã e⸗ Woch. 1 2¹ ⁄12 14q
Paris, 18. Sept. 5 ¼ Rente fin cour. 115. 20. 3 ½ Rente fin cour. 5 G Spaun. Rente 22 †. Passive 3
Auf Begehren:
sche Gebirgssaͤnger und die Bearnerin, und 3) Hans und Grete, ausgefuͤhrt in Dialog, Gesang und Tanz von Herrn Schneider
Der Seeraͤuber, großes Ballet in 3 Abtheilungen, von Paul
wilcenschalt, Kunst und Literatur.
Verhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Berlin in den Monaten Mai und Juni.
Sitzung der philosophisch⸗historischen Klasse
am 3. Mai.
Herr Graff las uͤber die Althochdeutschen Partikeln 2a, 25, zar, zur. — In derselben Sitzung wurden an die Stelle des zum Secretair ernannten Herrn von Raumer Herr Jacob Grimm zum Mitgliede des Ausschusses fuͤr die Herausgabe der Werke Frie⸗ drich'’s II., und Herr Zumpt zum Stellvertreter des Herrn. Eichhorn in demselben Ausschusse erwaͤhlt.
Gesammt⸗Sitzung der Akademie am 6. Mai. Heerr Graff las den Schluß seiner vorjaͤhrigen Abhandlung uͤber das Hochdeutsche Z und seine zwiefache Aussprache, in welchem der Einfluß des Suffixes J (Ja) auf die Aussprache des hinter den Vokalen stehenden z nachgewiesen wird. (Siehe den Bericht vom Jahre 1840, S. 72.)
Jahrog⸗ Alademie erwaͤhlte Herrn von Olfers zum Stellvertreter des Herrn von Humboldt in dem Ausschusse fuͤr die Herausgabe der Werke Friedrich's II. Sodann wurde ein Bericht des Herrn Profes⸗ sor Preuß vom 5. Mai uͤber die von ihm in dem Koͤnigl. Geheimen Kabinets⸗Archiv vorgefundenen Handschriften Friedrich’s II. verlesen; die Akademie nahm diese inhaltreiche Mittheilung mit Anerkennung auf und beschloß die Abgabe desselben an den Ausschuß zur weiteren Verhandlung. 8 Gesammtsitzung der Akademie am 13. Mai.
Herr Muͤller las uͤber die Anatomie des Steatornis caripensis von Humboldt. Eine Sendung, welche Herr Lherminier, Arzt und Naturforscher auf Guadeloupe, vor einiger Zeit an Herrn von Hum boldt gemacht hat, enthaͤlt schaͤtzbare Materialien zur Kenntniß eini ger seltenen Voͤgel; unter Anderen ein ausgestopftes Exemplar und mehrere in Weingeist bewahrte Exemplare von alten und jungen In⸗ dividuen des Quacharo, Steatornis caripensis von Humboldt, desglei chen zur Anatomie bestimmte Exemplare von Opisthocomus cristatus und Tinamus Soui. Am wenigsten gekannt in gnatomischer Hinsicht ist der durch A. von Humboldt im Jahre 1799 in der Hoͤhle von Ca⸗ ripe entdeckte, durch seine Lebensart und aͤußeren Charaktere merkwuͤr⸗ dige, von Vegetabilien lebende Nachtvogel Quacharo. Er kommt, nach Herrn Roulin, auch in der Provinz Bogota an mehreren Or ten in Schluchten vor und Herr Lherminier giebt in dem Briefe, welcher seine Sendung an Herrn von Humboldt begleitet, die Nach richt, daß Herr St. Cyr Hotessier den Quacharo kuͤrzlich in Hoͤhlen auf Trinidad gefunden hat.
Die Anatomie bestaͤtigt, was Herr von Humboldt gleich anfangs uͤber die nur theilweisen Beziehungen der Steatornis zu den Capri- mulgus mitgetheilt, und Herr Muͤller glaubt, daß Steatornis zwar auffallend genug von den Caprimulgus, Kegotheles, Nyctornis, Podar- zus verschieden sey, jedoch mit ihnen und der Gattung Cypselus zu derselben Familie der Caprimulginen zu rechnen sey. Diese Familie gehoͤrt dann mit mehreren anderen ohne zusammengesetzten Singmus⸗ kel⸗Apparat, den Todidae, Cuculinae zu einer groͤßeren, von den Singvoͤgeln getrennten Abtheilung, wie sie Nitzsch ehemals ordnete,
der jedoch nicht die Cypselus zu den Caprimulginen brachte.
Der Opisthocomus eristatus paßt in keine der bis jetzt angenom menen großen Abtheilungen der Voͤgel, wie die von Herrn Lhermi⸗ nier beschriebenen, hoͤchst merkwuͤrdigen Abweichungen im Ver⸗ dauungs⸗System beweisen, welche diesen Vogel vor allen anderen auszeichnen. Pinamus Soui hat keine Muskeln am unteren Kehlkopf und auch, wie der vorige, zwei Karotiden.
Außerdem las Herr Muüͤller, als Fortsetzung seiner Abhandlung uͤber den Pentacrinus caput medusae, uͤber die Gattungen und Arten der Comatulen, nach den Prinzipien fuͤr die Unterscheidung dieser Thiere, welche in der fruͤheren Abhandlung auseinandergesetzt wor den sind.
Sitzung der physikalisch⸗mathematischen Klasse vII
Herr Horkel las uͤber die im Anfange des 17ten Jahrhunderts gemachten mikroskopischen Beobachtungen des Francesco Stelluti,
Vorgelegt wurde ein Bericht des Herrn. March and uͤber seine mit Herrn Erdmann angestellten Untersuchungen uͤber das Atomen Gewicht des Kohlenstoffs.
Gesammt⸗Sitzung der Akademie am 27. Mai.
Herr Lejeune⸗Dirichlet las eine Abhandlung: Untersuchun gen uͤber die Theorie der komplexen Zahlen enthaltend.
Es wurde ein Schreiben des Ministers der geistlichen, Unter richts⸗ und Medizinal⸗Angelegenheiten vorgelegt, wodurch die Aka demie in Kenntniß gesetzt wird, daß die zweite Sendung der Chine sischen Matrizen von Paris angekommen sey und demnaͤchst der Aka demie werde uͤbergeben werden, und daß die von der Akademie uͤber nommene Haͤlfte der Kosten, im Betrage von 1291 Rthlr. 16 Sgr. 11 Pf., aus den Fonds der Akademie vom Jahre 1840 gedeckt worden.
Der vorsitzende Secretair der Akademie gab sodann eine Ueber⸗ sicht von den Beitraͤgen zur Herausgabe der Werke Friedrich’s I1., die in Folge der von der Akademie erlassenen Bekanntmachung be⸗
reits eingegangen waren.
Sitzung der philosophisch -⸗historischen Klasse am 7. Juni.
Herr Boͤckh trug einige Bemerkungen uͤber die tragische Trilo gie und Tetralogie der Griechen, und vorzuͤglich daruͤber vor, ob außer den Tetralogieen auch einzelne Stuͤcke aufgefuͤhrt worden seyen.
In der Gesammt⸗Sitzung der Akademie am 10. Juni and eine ordentliche Lesung nicht statt. Vorgelegt wurde eine hand schriftliche Abhandlung des Herrn Murphy: On the existence of a Barometer of the Seasons. Dieselbe wurde der physikalisch-mathema ischen Klasse uͤberwiesen. Der vorsitzende Secretair verlas hierauf inen zweiten Bericht des Herrn Prof. Preuß uͤber seine Arbeiten m Archiv in Betreff der Werke Friedrich's II. Die Akademie be chloß, diesen Bericht dem Ausschuß fuͤr die Herausgabe der gedach en Werke zu uͤbergeben.
„Herr Ehrenberg theilte der Akademie einige Zusaͤtze zu seinen zwei letzten Vortraͤgen im Monat Maͤrz mit.
6 1. Nachtrag uͤber das Verschlaͤmmen der Flußbetten und Haͤfen durch mikroskopische Organismen.
Der Verfasser erhielt Proben der Massen, welche im Oder⸗Hafen on Swinemuͤnde und im Weichsel⸗Hafen von Danzig ausgebaggert verden. In Swinemuͤnde betrug die fortgeschaffte Masse im Jahr 1839 nach amtlichen Berichten 18,000 Schachtruthen = 2,592,000 Kubikfuß und im Jahre 1840 12,000 Schachtruthen = 1,728,000 Kubikfuß. Der eigentliche Hafenschlamm enthielt wieder " bis des Volumens an organischen erkennbaren Koͤrpern. Der aus dem aͤußeren Fahrwasser entnommene Sand schien vorherrschend Flugsand aus Granit⸗Truͤmmern zu seyn. 8 Die Massen, welche die Weichsel bei Danzig absetzt und wovon vier Proben aus dem Flußbette, in verschiedenen Abstaͤnden vom Meere, untersucht wurden, waren zwar nicht so reich an mikroskopi⸗ schen Orggnismen als die von Pillau, Kurhaven und Swinemuͤnde, aber doch wie die von Wismar, indem wegen des vielen beigemisch ten Flußsandes sich nur etwa „ bis * des Volumens fuͤr organisch
Beilage zur Allgemeinen Preußischen Staats⸗
1181
erkennen ließ. See⸗Formen fanden sich noch an dem vom Meere ent⸗ ferntesten Punkte des Flusses, und aus dieser Gegend war auch die am wenigsten mit Flugsand gemischte Masse, welche am reichsten an Infusorien war.
2. Nachtrag zu dem Vortrage uͤber Verbreitung und Einfluß des mikroskopischen Lebens in Suͤd⸗ und Nord⸗Amerika.
Herr Professor Kunth uͤbergab Herrn Ehrenberg einige, den aus laͤndischen Pflanzen seines reichen Herbariums anhaͤngende Erdtheil⸗ chen zur mikroskopischen Untersuchung. Es waren Theile einer See⸗ Conferve von den Falklands⸗Inseln, die Herr Lesson mitgebracht, zwei Proben Brasilianischer Sumpf⸗Erden von Sellowschen Grasern, eine dergleichen aus Peru, ein Theilchen einer Conferve von den Sandwich⸗Inseln und ein aͤhnliches von den Mariannen, beide von Herrn Gaudichau. Endlich erhielt Herr Ehrenberg von Herrn Dr. Thienemann in Dresden auf sein Ersuchen Erdproben von Joland, Labrador und Spitzbergen. 1b . Aus den genannten, oft unscheinbar kleinen, zuweilen kaum wie eine Linse großen Theilchen jener fernen Laͤnder hat sich durch die angewendete Methode fuͤr die Verbreitung des unsichtbar kleinen Le⸗ bens Folgendes ergeben:
Auf den Malouinen oder Falklands⸗Inseln leben jetzt 30 Arten mikroskopischer Organismen, die nicht schon anderwaͤrts vorgekommen sind. Saͤmmtliche Formen gehoͤren zu schon bekann ten Gattungen. Mehrere derselben sind bisher schon aus dem Meere bekannt, und daher kann man mit großer Wahrscheinlichkeit schlie⸗ hen, daß die ganze Reihe dem Meere entnommen ist. Mehrere Ar ten gehoͤren zu denen, welche die Kreide⸗Mergel des suͤdlichen Euro pa’s bilden helfen. 1
Fuͤr Brasilien sind zu den schon mitgetheilten neun fossilen Organismen⸗Arten des vom Hofrath von Martius mitgebrachten eß⸗ baren Lettens des Amazonas noch zwoͤlf jetzt lebende Arten des Sumpfbodens hinzugekommen. Es sind darunter zwei neue Infuso rien⸗Formen, aber besonders bemerkenswerth sind dabei vorkommende kieselerdige Theile von phanerogamischen Pflanzen, wahrscheinlich Graͤsern und von Equisetacecen. Es hat zweckmaͤßig geschienen, solche Fragmente in besonderen Rubriken mit eigenen generischen Namen zu bezeichnen, da es nicht leicht auszumitteln ist, welchen Pflanzen sie angehoͤren moͤgen. Die kieselerdigen Rand⸗Zaͤhne der Graͤser fin det man haͤufig unter den Kieselschalen der Infusorien. Diese wer den Lithodontium (Thylacium) genannt. Die gezahnten Kiesel⸗Staͤb chen der langen Gras-⸗Zellen, die nicht unmittelbar Epidermis sind, werden Lithostylidium und die kieselerdige Epidermis der Equisetaceen Lithodermatium gehnannt.
Aus Peru sind außer den angezeigten fuͤnf Arten von mikrosko pischen Seethieren nur noch vier des inneren Landes bekannt gewor⸗ den, naͤmlich: ELunotia Zebra, Fragilaria 7 . . . . . . Navicularia vi ridis, Spongilla lacustris, von welcher keine Form mit Sicherheit als neu bezeichnet werden kann.
Sehr interessant ist besonders der Beitrag zur Fauna Island's, welcher sich aus den Materialien des Herrn Dr. Thienemann ergeben hat. Er hat See⸗Konferven von der Kuͤste und Torf von Husagvic mitgebracht. Der Torf ist sehr reich an kieselschaligen Infusorien, obwohl er ein gutes und das beste Brennmaterial der Islaͤnder ist; er hat nicht weniger als 30 Arten erkennen lassen. Von Islaͤndischen See⸗Thierchen haben sich an den von Herrn Dr. Thienemann mitge⸗ brachten Algen 12 jetzt dort lebende gefunden. b
Unter den fossilen Formen des Torfs sind fuͤnf neue und eigen thuͤmliche, und zwei neue sind unter den See⸗Thierchen. Unter der ganzen Summe von 48 Islaͤndischen Koͤrperchen ist kein neues Ge⸗ nus, aber bemerkenswerth ist das den Norden charakterisirende Vor koömmen der Schwedischen, Finnlaͤndischen und Nord⸗Amerikanischen gezahnten Eunotien und das mit Peru allein gemeinschaftliche Beher⸗ bergen der Podosira moniliformis.
Eben so interessant ist die mikroskopische Fauna von Labrador⸗ welche sich aus einiger zwischen Mooswurzeln erhaltenen Erde in 51 dort lebenden Arten hat entwickeln lassen. Es sind darunter 11 eigene Arten, aber keine neue Gattung. Besonders wichtig ist das hierbei sich ergebende Resultat, daß die dort, wie in allen hochnordischen Laͤndern zahlreich einheimischen gezahnten Eunotien, daselbst mit den lebenden Closterien und solchen Difflugien vorkommen, die im fossilen Zustande nicht erhalten wuͤrden. Bisher waren sie nur im fossilen Verhaͤltniß bekannt und nur 1 bei Salzburg als noch lebend anschau lich geworden. Sie erscheinen somit nur als dem nordischen Klima angehoͤrige Formen und werden sich auf den Alpen bei uns vielleicht hier und da weiter finden lassen.
In einer kleinen Probe von Seeschlamm, die Herr Dr. Thiene⸗ mann, als vom Meeresgrunde bei Spitzbergen stammend, mitge theilt hatte, fanden sich 9 Arten kleinster Organismen zwischen vor⸗ herrschenden unorganischen Thon- () Partikeln, 3 Infusorien mit Kieselschalen, eine Spongig oder Spoöngilla und 4—5 Arten von kalk⸗ schaligen Polythalamien. Unbekannt und eigenthuͤmlich sind bis jetzt nur 4 von den Polythalamien.
Aus der Untersuchung der fruͤheren 24 zu Amerika gehoͤrigen Lokalitaͤten, welche der Akademie im Maͤrz vorgetragen wurden, er gab sich die Summe von 214 Arten kleinster Organismen, von denen 71 Amerika eigenthuͤmlich, 94 lebend, 120 fossil waren. Die hier theils neu hinzukommenden, den halben Erdkreis umfassenden sechs Lokalitaͤten enthalten wieder 154 Formen, von denen 116 lebend, 38 fossil, 31 neu sind, so daß mithin die Zahl der eigenthuͤmlichen Ame rikanischen Arten auf 102, der saͤmmtlichen aus Amerika und den In seln bekaunten aber auf 245 und der als jetzt dort lebend bekanüten auf 210 steigt.
Aus dem von den Sandwich⸗Inseln stammenden Material haben sich 39 Arten ermitteln lassen, don denen 34 zu den kieselscha ligen Infusorien, 3 zu den kieselerdigen Pflanzentheilen, 2 zu den kalkschaligen Polythalamien gehoͤren. Durch letztere beide Formen wird die untersuchte Masse sehr bestimmt als dem Meerwasser ange⸗ hoͤrig bezeichnet. Eigenthuͤmlich sind sechs Arten, die saͤmmtlich be kannten Gattungen angehoͤren.
Endlich ist eine kleine Faunag der Mariannen⸗Inseln in 13 Spezies aufgefunden worden. Diese Formen, unter denen sich zwei neue befinden, ergiebt sich als aus brakischem oder Seewasser stam mend, da die Rotalia der Kreide, freilich nur als leere Schaale, da⸗ bei ist. Besonders merkwuͤrdig ist das Vorkommen des Tetragramma libycum, einer Form, die vor kurzem sich zuerst in der aus der Oase des Jupiter Ammon bei Siva mitgebrachten salzigen Erde hatte er kennen lassen und sonst nirgends vorgekommen ist.
Aus diesen Untersuchungen lassen sich folgende allgemeine Resul⸗ tate hervorheben:
1) Es giebt nutzbare gute Torfarten in Island wie in Nord⸗ Amerikg, welche zu einem großen Theile, bis zu „ ihrer Masse, ne ben Pflanzen-Resten, aus todten mikroskopischen Thierchen bestehen, waͤhrend die gewoͤhnlichen Europaͤischen guten Torf⸗Arten, obschon die Infusorien, wo man sie gesucht, nirgends in ihnen fehlen, bisher sich nicht so reich daran haben erkennen lassen.
2) Es ist ein feinstes, organisches, unsichtbares Leben durch die humusreichen und oft auch durch die sandigen Gegenden der Erdober flaͤche von der Naͤhe des Suͤdpols bis zur Naͤhe des Nordpols ver breitet und der Meeres-Grund ist mit solchen organischen Formen auch in der Naͤhe des Nordpols erfuͤllt.
3) Es ist nach der Untersuchungs⸗Methode des Herrn Ehrenberg moͤglich, aus den kleinsten, an Pflanzen der Herbarien und Koͤrpern aller Art anhaͤngenden Erdtheilchen, dieses Leben in seinen Formen anschaulich zu erhalten und eine mehr oder weniger zahlreiche Fauna der mikroskopischen Organismen aus allen Erdgegenden mit Leichtig⸗ keit und wissenschaftlicher Sicherheit immer weiter zu ermitteln.
Saͤnmmtliche 200 nachtraͤglich hier aufgezaͤhlte Formen wurden wieder der Akademie sowohl in genauen Zeichnungen bei 300 maliger Vergroͤßerung im Durchmesser, als auch in den Original-Exemplaren
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der Korperchen selbst, welche abgezeichnet waren, vorgelegt. ] Gesammt⸗Sitzung der Akademie am 17. Juni.
Herr Klug gab, bei der Unzulaͤnglichkeit der Mac⸗Leayschen Ein⸗ theilung, eine neue Zusammenstellung der Arten der Insekten⸗Gat tung Phanaeus Mac-Leay, zunaͤchst nach den in der Koͤniglichen Sammlung vorhandenen Exemplaren und auf Grund der beobachteten sehr mannigfachen Bildung wichtiger Koͤrpertheile.
In derselben Sitzung wurden zwei neue, jetzt fertig gewordene Blaͤtter der akademischen Stern⸗Karten vorgelegt, nebst den dazu gehoͤrigen Stern⸗Katalogen. Das eine, Zone XIxX Uhr, ist von Herrn Dr. Wolfers in Berlin gezeichnet. Es enthaͤlt die Stelle des Himmels, welche von Herrn Professor Bessel in Koͤnigsberg der er⸗ sten Bekanntmachung des Planes dieses Unternehmens als Probe Kaͤrtchen beigefuͤgt war. Diese Stelle wurde, ohne jenen fruͤheren Entwurf zu vergleichen, von Herrn Dr. Wolfers ebenfalls graphisch niedergelegt und kann folglich als Pruͤfung der Genauigkeit dienen, mit welcher verschiedene Beobachter den zum Grunde liegenden Plan⸗ verfolgen, wenn sie, unabhaͤngig von einander, die Zeichnung aus⸗ fuͤhren. Dies Blatt gehoͤrt zu den sternreichsten: es sind darauf 1151 Sterne verzeichnet, von denen 1970 in den Beobachtungs⸗ Journalen angegeben waren; neu eingetragen sind demnach 2184 Sterne. Das zweite Blatt, Zone XVII Uhr, ist von Herrn Dr. Bre⸗ miker, ebenfalls in Berlin, gezeichnet, und hat die Veranlassung: gegeben, daß die Akademie dem genaunten, sehr sorgfaͤltigen und geschickten Beobachter die Ausfuͤhrung dreier neuer Blaͤtter uͤber⸗ tragen hat; auch Herr Dr. Wolfers hat, neben seinen anderen astro⸗ nomischen Arbeiten, bereits ein neues Blatt in Arbeit genommen. Beiden Blaͤttern sind von der Kommission die dafuͤr ausgesetzten Preise zuerkannt worden.
Herrn Professor Goͤppert in Breslau und Herrn Professor Wag⸗ H- Goͤttingen wurden die Monats-Berichte der Akademie be⸗ willigt.
Sitzung der physikalisch⸗ mathematischen gm 21. Juni.
Herr Muͤller las uͤber einen krankhaften Haut⸗Ausschlag mit spezifisch organisirten Samen⸗Koͤrperchen.
Hierauf zeigte Herr Mitscherlich die von Herrn Trommer angestellten Versuche, um Gummi, Dertrin, Trauben-Zucker und Rohr⸗Zucker von einander zu unterscheiden und besonders den Trau⸗ ben-Zucker in sehr geringer Menge zu entdecken.
Herr Muͤller gab sodann noch Nachricht von einem zum Ver kauf gestellten lebenden Exemplar der Echidna.
Gesammt⸗Sitzung der Akademie am 24. Juni.
Herr Steffens hielt einen Vortrag uͤber das Leben des Jor⸗ danus Brunus, als Einleitung zu einer Reihe von Betrachtungen uͤber die spekulative Bedeutung dieses Philosophen.
Herr Ehrenberg legte einen Bericht vor uͤber die von Herrn Professor Goͤppert in Breslau eingesandte natuͤrliche papierartige Masse aus Schlesien vom Jahre 1736.
Bei der mikroskopischen Angalyse des Meteor⸗Papiers, welches 1686 in Curland mit Schneegestoͤber aus der Atmosphaͤre herabge⸗ fallen war und das sich erst jett als ein papierartiger Filz von ter⸗ restrischen Konferven und Infusorien erkennen ließ, hatte es Herrn Ehrenberg zweckmaͤßig geschienen, auf andere aͤhnliche, rein terrestri⸗ sche Erscheinungen, welche geschichtlich beglaubigt sind, vergleichend aufmerksam zu machen. Eine solche Erscheinung war besonders die Bildung einer, Papier und Watte aͤhnlichen Substanz, welche in August und September 1736 in Schlesten nach einer großen Oder Ueberschwemmung, die den ganzen Sommer hindurch dauerte und an mehr als 16 Orten die Deiche zerriß, auf den Wiesen und Fel⸗ dern zuruͤckgeblieben war. Dieselbe hatte bei dem allgemeinen Ün⸗ gluͤck des Landes, da sie wohl auch den spaͤten Graswuchs hinderte, so viele Aufmerksamkeit erregt, „daß der Kaiserliche Ober⸗Amts⸗Di rektor die weiße seidenartige Masse nach Wien an Ihre Kaiserliche Maijestaͤt zu uͤbersenden fuͤr werth geachtet, da der Hof dieselbe nicht genugsam bewundern koͤnnen“, wie der damals in Breslau lebende Dr. Kundmann in seinem Deutschen Folio⸗Werke: Rariora Naturae et Artis oder Seltenheiten der Natur und Kunst, pag. 556 berichtet.
Um zu entscheiden, wie weit jenes, offenbar durch einen Orkan in die Luft gefuͤhrte Meteor Papier von Curland in derselben getra gen worden sey, ob es vielleicht aus einer sehr fernen Erdgegend weggefuͤhrt und dort erst niedergefallen sey, hatte Herr Ehrenberg gewuͤnscht, daß man in den Breslauer alten Sammlungen nachsehen moͤge, ob sich nicht groͤßere Massen der Substanz als die untersuchten noch vorfaͤnden, und ob nicht an diesen Blaͤtter, Bluͤthen oder Sa⸗ men erkennbarer Pflanzen angeheftet waͤren, wie es fruͤher historisch der Fall gewesen war, aus denen der Entstehungs⸗Ort der Substanz noch wissenschaftlich sicher festzustellen waͤre.
Herr Professor Goͤppert hat zwar bis jetzt nichts weiter von der Substanz von 1680 in Breslau auffinden koͤnnen, allein er hat in der Bibliothek zu St. Bernhardin zwei große Stuͤcke einer natuͤrlichen Papiermasse aufgefunden, von der er vermuthet, daß sie wohl aus der
Klasse
Ungluͤckszeit von 1736 herstamme.“ Diese aus Konferven und Gras blaͤttern zusammengewebte Masse ist 34 Fuß lang und 2 — 3 Fuß breit, auf einer Seite glatt und braͤunlich aschgrau, auf der anderen gruͤnlich rothbraun. Die gruͤnlich rothbraune Seite ist locker mit Grasblaͤttern durchwebt und enthaͤlt angeheftete kleine Muscheln der Gattung Planorbis und andere Ueberreste kleiner Wasser⸗Thiere. Die graue Seite ist dichter, wie graues Loͤschpapier und enthaͤlt keine
Grasblaͤtter. Die graue, glatte Seite ist offenbar die obere, von der Sonne beschienene und etwas, aber nicht vollkommen ausgebleicht, die lockere gruͤnliche ist die untere, mit dem Wiesengrase zunäaͤchst in Be ruͤhrung gekommene gewesen. 1
Die Nachricht, welche Dr. Kundmann von der im Jahre 1736 unheilbringend gewordenen Substanz giebt, paßt allerdings fast ganz, indem es außer der seidenartig anzufuͤhlenden, ganz weißen, auch eine gelbliche oder rothbraune Form derselben gab, die wahrschein⸗ lich die haͤufigere war, da sie die am wenigsten von der Sonne ge⸗ bleichte seyn mußte.
Die mikroskopische Analyse hat ergeben, daß die Hauptmasse des Gewebes der Substanz aus einer Spezies der Gattung Konferva besteht, welche wohl, wie auch Herr Goͤppert meint, Conferva fracta ist. Zwischen dem Gewebe der Konferven finden sich, theils frei⸗ theils angeheftet, viele Infusorien, von denen Herr Ehrenberg bis jetzt 19 Arten unterschieden hat.
Die Zusammensetzung dieser papiecrartigen Masse ist daher ver schieden von aller fruͤheren. Von den aufgefundenen mikroskopischen Thierchen haben 17 einen Kiesel⸗Panzer, 2 sind weiche Formen. Es sind mithin die Infusorien wohl 105 Jahre alte, historisch be glaubigte Mumien und sie bilden zugleich einen Beitrag zur Fauna
Schlesiens. Neue Arten fanden sich nicht dabei. 1“