1841 / 268 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

ston, als Lord C. Hamilton sich daruͤber beschwerte, die Berichte seyen verstuͤmmelt ins Publikum gebracht wor⸗ den, erklaͤrte, er habe nur den Ausdruck „Souverain“ als Bezeichnung des Herrschafts⸗Titels Mehmed Ali's gestrichen. Fuͤr Reparaturen an den Koͤniglichen Schlossern wurden 49,500 Pfd. gefordert und nach einigen Ausstellungen der Radikalen be⸗ willigt. Gegen die Bewilligung von 19,600 Pfd. als geheimen Polizei⸗Fonds protestirte Herr Williams und erklaͤrte, man brauche in England keine Spione, nur fuͤr die auswaͤrtigen Angele⸗ genheiten wolle er Geld zu geheimen Ausgaben bewilligen; die Summe wurde aber doch mit 144 gegen 7 Stimmen geneh⸗ migt. Endlich wurde auch noch die Bewilligung von 4404 Pfd. fuüͤr das katholische Priester⸗Kollegium zu Maynooth von den Ultra⸗ Tories, namentlich von Herrn Plumptree, bestritten, aber, nachdem Sir Robert Peel sich mit dem Bemerken fuͤr die Bewilligung erklaͤrt hatte, daß er fuͤr dieselbe schon seit 30 Jahren gestimmt habe und sie mit seiner religidsen Ueberzeugung wohl in Uebereinstimmung bringen koͤnne, ebenfalls, und zwar mit 99 ge⸗ gen 23 Stimmen, genehmigt. Bald darauf vertagte sich das Haus.

London, 21. Sept. Der Kanzler der Schatzkammer hat heute ganz unerwarteter Weise eine Bekanntmachung erlassen, der zufolge ausstehende Schatzkammer⸗Scheine zum Belaufe von 5 Millionen in Z proc. Consols fundirt werden sollen, und zwar sollen 112 Pfd. 2 Sh. Consols fuͤr 100 Pfd. Schatzkammer⸗Scheine gegeben werden und die Consols vom 5. Juli d. J. an Zinsen tragen. Die Un⸗ terzeichnungen zur Uebernahme der neuen Fonds sollen am 27sten d. M. geschlossen, die Lieferungen der Schatzkammer⸗Scheine in fuͤnf Terminen von je 20 pCt. bis zum 14. Maͤrz 1842 statthaben. Auf diese Weise wird das aufgelaufene Defizit von Millionen vorlaͤu⸗ sig bis auf 2,500,000 Pfd. gedeckt, fuͤr welche letztere Summe die Deckung bei der Vorlegung des Budgets beantragt werden soll. Die Subscriptionen zu dieser Anleihe geschehen in versiegelten Briefen mit einem beigefuͤgten Depositum von 20 pCt. in Schatz⸗

kammerscheinen im Verhaͤltniß der gezeichneten Summe, am 27sten d. wird die Bank bekannt machen, wie viel im Ganzen subskribirt ist, und, wenn die Subscription den Belauf von 3 Mil⸗ lionen uͤbersteigt, wie viel dann jeder Subskribent verhaͤltnißmaͤßig an Zproc. Consols erhalten kann. Die Anzeige des Kanzlers der

Schatzkammer brachte die Wirkung hervor, den Preis der Con⸗ 9 8 6, 8 Schn ES

sols um ½ pCt. herabzudruͤcken und die Praͤmie auf S chatzkam⸗

nerscheine 3 bis 4 SEh. zu heben. Es ist bemerkenswerth, daß

iese Anleihe gleichzeitig mit der Franzoͤsischen ins Leben tritt.

848 . 8 2 7 2 f „2 3 e. 98 4 Der Courier meint, einige Anleihe⸗Spekulanten wuͤrden durch den Plan des Englischen Ministeriums grausam getaͤuscht worden

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fen worden, diesen Gegenstand sogleich in Erwaͤgung zu ziehen, und sonst dem Handel und Gewerbe Erleichterung zu gewaͤhren; und es waͤre grausam, daß die Masoritaͤt nichts anderes thun wolle, als sich der Regierung zu bemaͤchtigen, und dann fuͤr 5 Monate ihren Vergnuͤgungen nachzugehen. 1b Schon, daß mehrere Unterhandlungen mit fremden Rationen im Gange waͤ⸗ ren, mache es nothwendig, daß England denselben schnell mit ei⸗ nem guten Beispiel in dem Grundsatz der Handels⸗Freiheit ent⸗ gegenkomme. Wenn auch Peel noch nicht Zeit gehabt, in den Zuͤstand der Finanzen so tief einzugehen, um einen umfassenden Plan fuͤr die Zukunft vorlegen zu koͤnnen, so wisse er in Bezug auf die Getraidegesetze doch eben so viel, als wenn er seit Jahren im

Ministerium gewesen waͤre. Selbst, daß er so viele und entschie⸗ 1

¹ dene Vertheidiger der jetzigen Getraidegesetze zu Kollegen gewaͤhlt habe, mache es ihm zur Pflicht, dem Lande bald zu erklaͤren, welche Erleichterung er dennoch zu gestatten meine; weil sonst die Besorgniß, daß sein Kabinet gar keine Veraͤnderung zu machen gedenke, immer mehr uͤberhand nehmen, und die Nothleidenden im Laufe eines so bedrohlichen Winters zur Verzweiflung treiben wuͤrde. Peel's Antwort war lang, schien aber nicht ganz zu befriedi⸗ gen. Die Schwierigkeit liegt fuͤr ihn in der Zusammensetzung des Kabinets, und was er am Schlusse seiner Rede mit ungewoͤhnlicher Emphase aussprach, kann fuͤr eine Erklaͤrung gelten, warum er, der so gut wissen muß, welche Vortheile er dadurch seinen Geg⸗ nern gewaͤhrt, mit seinen Maßregeln so lange zoͤgern will. Er drohete naͤmlich abzudanken, wenn man ihn hindere, seine Verwal⸗ tung nach seiner eigenen Ueberzeugung zu fuͤhren. Diese Dro⸗ hung war zu offenbar gegen seine Kollegen und die Masse seiner Anhaͤnger gerichtet, um das Publikum zweiseln zu lassen, er habe dieselben noch nicht zu dem Punkte der Nachgiebigkeit bringen koͤnnen, wo er sie haben wolle. Dieses ist um so offenbarer, da der Herzog von Buckingham noch vorige Woche bei einem Festmahle in seiner Grafschaft den Paͤchtern die Versicherung gab, daß er nie von seiner so oft ausgesprochenen Ueberzeugung von der Vortreff⸗ lichkeit der Getraidegesetze abgehen wuͤrde. Merkwuͤrdig ist auch, daß obgleich Palmerston nach Peel sprach, und seinen Witz mit vielem Gluͤck gegen das neue Ministerium spielen ließ, weder der feurige Stanley, noch der redselige Graham sich zu einer Ant⸗ wort erhoben, und auf der ministeriellen Seite uͤberhaupt nur der einzige Lord Sandon sich in den Kampf wagte, und zwar nur in Folge der plebejischen Heftigkeit, womit der derbe Cobden auf die Aristokratie eingestuͤrmt war. Aber selbst dann wagte er die ungluͤckliche Behauptung, eine Veraͤnderung in den Getraide⸗ gesetzen koͤnne den Fabrikanten nichts helfen. Die wenigen anderen Tories, welche sich hoͤren ließen, berie⸗

pollmaͤchtigte Minister am hiesigen Hofe, Graf von Wylich und

ttum, ist heute fruͤh, wie es heißt in Familien⸗Angelegenheiten,

in hier abgereist.

Belgien. Brüssel, 21. Sept. Durch einen Koͤniglichen Beschluß vom 19. September wird die Gruͤndung einer medizinischen Aka demie genehmigt. Dieselbe hat, wie es in dem erwaͤhnten Koͤnig⸗ lichen Beschlusse heißt, den Zweck, alle Fragen der Regierung, die sich auf die oͤffentliche Gesundheitspflege, auf die gerichtliche Me⸗ dizin und Thierarzneikunde beziehen, zu beantworten, und sich mit denjenigen Studien und Untersuchungen zu beschaͤftigen, die zur Foͤrderung der verschiedenen Zweige der Heilkunde dienen koͤnnen. Kopenhagen, 21. Sept. (A. M.) Zur Feier des G burtstages Sr. Majestaͤt des Koͤnigs wurde am 18. d. in Sor⸗ genfrei nach der Cour eine Kantate von den Zoͤglingen des Mu⸗ fik⸗Konservatoriums gesungen, worauf Nachmittags die Bauern und Fischer aufzogen und, nach erhaltener Erlaubniß, dem Koͤ⸗

nige ihre Huldigung darbrachten, indem sie auf der Terrasse außer halb des Schlosses aufgestellt, mehrere von H. C. Andersen ver faßte Strophen absangen. Dann wurde ein lebhaftes Hurrah fuͤr den Koͤnig ausgebracht, welches Hoͤchstderselbe mit einigen dankenden Worten erwiederte. Abends war der Garten und ein Theil des Waldes erleuchtet, und ein schoͤnes Feuerwerk wurde abgebrannt.

Auf den zwei Tanzplaͤtzen, die zu Feierlichkeiten eingerichtet worden

waren, wurde Abends getanzt, wohei es auf dem einen Tanzplatz zwischen den Fischern und einigen Anderen zu Uneinigkeiten kam, die in Schlaͤgereien ausarteten. Einige Gardisten hielten sich be fugt, sich darein zu mischen und trieben die Parteien aus einander.

Durch die Dazwischenkunft des Assessors Normann ward indessen

der Zwist beigelegt, so daß die froͤhliche und muntere Stimmung die sonst unter allen denjenigen herrschte, die des Festes Feier bei

der Sommer⸗-Residenz des Königs vereinigt hatte, nur einen Augen⸗

blick unterbrochen worden war. Auch aus den Provinzen gehen

von allen Seiten Berichte uͤber die Feier des Koͤniglichen Geburts⸗ tages ein. Se. Majestaͤt haben auf Veranlassung Ihres Geburts⸗ tages wiederum 8 Sklaven (Straͤflinge) begnadigt, die auf Lebens⸗ zeit zur Sklaverei verurtheilt waren.

Deutsche Bundesstaaten. Darmstadt, 23. Sept. Hoheit der Kronprinz von Bayern hier eingetroffenund bei Sr. Ho⸗ heit dem Erbgroßherzog im Großherzoglichen Schlosse abgestiegen. Um diese Zeit traf auch der Fuͤrst von Metternich hier ein. Nachdem

seyn, da derselbe das uͤbermaͤßige Fondsspiel verhindere und der fen sich blos auf ihre Majoritaͤt und sorderten die Opposition Se. Durchl. bei Sr. Koͤnigl. Hoheit dem Großherzoge und den Prin⸗

Ausfuͤhrung von Auftraͤgen und Wuchereien auf Kosten des Pu⸗ blikums zuvorkomme.

Als am vorigen Freitage Lord Howick nach seiner Erwaͤhlung u Gunderland in Prozession durch Monkwearmouth zog, bemerkte man, daß ein Mann, Namens Liddle, von den Fenstern der ihm zugehbrenden Reform⸗Tavern ein Gewehr zweimal auf den Wa⸗ gen des Lords anlegte und dasselbe abdruͤckte, waͤhrend zu gleicher Zeit aus den Fenstern des Hauses mit Steinen und Koth nach dem Wagen und der demselben folgenden Menge geworfen wurde, was von Leuten geschah, die mit den Farben des Toryistischen Kandidaten, Herrn Attwood, geschmuͤckt waren. Gleich nachdem dieser Angriff geschehen war, brach das Volk in das Haus ein

nd demolirte es fast gaͤnzlich; Liddle wurde von der Polizei ge⸗ fangen genommen. Aus den Aussagen der uͤber das Ereigniß ab⸗ gehoͤrten Personen scheint hervorzugehen, daß Liddle allerdings eine Flinte mit einem sehr starken in Fett eingeweichten Papierpfropfen geladen und abzufeuern versucht, daß aber das Gewehr versagt Die Untersuchung der Sache ist vorlaͤusig ausgesetzt und Liddle gegen Caution entlassen worden, so daß die Behoͤrden die That fuͤr nicht sehr verbrecherisch zu halten scheinen. Die Zufuhr von Englischem Weizen war gestern ungewoͤhn⸗ lich bedeutend fuͤr die Jahreszeit, da aber die Qualitaͤt nicht be⸗ sonders war, so konnte derselbe nur zu 2 Fh. niedrigeren Preisen mit Muͤhe abgesetzt werden. Fremder dagegen ward von Kaͤufern aus den Provinzen willig mit den Preisen voriger Woche bezahlt; hoͤhere waren, der starken Zufuhr halber, nicht zu bedingen. 6 Berichte aus Buenos⸗A yres vom 2 l melden, daß das Argentinische Geschwader dicht bei Montevideo vor Anker lag und dort seine Gegner erwartete, die noch in jenem Hafen segel⸗ fertig lagen. Die Armee der Unitarier war von den Truppen von Buenos⸗Ayres unter dem General Benavida bei Sanogusta geschlagen worden, wobei ihr Anfuͤhrer Briguela, der Unitarische Gouverneur von la Rioja, ums Leben gekommen war. Die Rede Sir Robert Peel's, womit derselbe die Interpella⸗ on Lord J. Russell's, des Fuͤhrers der neuen Opposition im Un⸗ erhause, beantwortete und worin er bestimmten Erklaͤrungen uͤber seine naͤchste Politik auswich und dieselben bis zum Februar auf⸗ hob, bildet den Hauptgegenstand der leitenden Artikel in den letz⸗ en Blattern. Nach der Morning Post will Sir Robert Peel bis Februar temporisiren und dann thun, was die Umstaͤnde und Ereignisse, der Stand der oͤffentlichen Meinung und die Staͤrke der Parteien erheischen. „Selbst die Gegner des neuen Ministe⸗ riums“, sagt dieses Blatt, „muͤssen zugestehen, daß ein eben erst zur Leitung der oͤffentlichen Angelegenheiten berufenes Ministe⸗ rium Zeit haben muß, Maßregeln von so großer Wichtigkeit zu uͤberlegen.“

In Suͤd⸗Nottinghamfhire ist Graf Lincoln, der Praͤsident ves Departements fuͤr die Verwaltung der Forsten, Domainen und öͤffentlichen Bauten, und in Ost⸗Kent Sir Edward Knacht⸗ bull, der General⸗Zahlmeister der Armee, ohne Widerspruch zum Parlaments⸗Mitgliede gewaͤhlt worden.

Nach der United Service Gazette stehen jetzt 15,2941 Mann Truppen in Irland. . 8

. Das Haus W. R. und S. Mitchell, welches bedeutende Ge⸗ schaͤfte mit Westindien machte, hat fallirt. Westindische Pflan⸗ zer sind dabei am meisten betheiligt.

5 London, 21. Sept. Die letzten Verhandlungen im Un⸗ terhause waren bedeutend, wenn auch dadurch nichts weiter ent⸗ schieden worden ist. Lord John Russell setzte in einer ruhig maͤnnlichen Rede die Gruͤnde auseinander, warum alle Versuche,

etwas fuͤr das so sehr gedruͤckte Fabrikwesen zu thun, nicht auf

5 Monate hinausgeschoben werden sollten. Wenigstens, meinte er, sollte die Regierung die Veraͤnderungen, welche sie in den Ge⸗ traide⸗Gesetzen zu machen gedenke gleichviel ob klein oder groß wo nicht gleich, doch binnen einem Monate vornehmen. Das Fabrikwesen, besonders in Baumwolle, sey in einer so kritischen Lage, daß der Verlauf von einigen Monaten ohne Huͤlfe dasselbe unheilbar zu Grunde richten koͤnne. Auch sey es fuͤr den Han⸗ del wichtig, daß es bald entschieden wuͤrde, auf welchen Fuß die Getraide⸗Einfuhr fuͤr die Zukunft gestellt werden solle, ja selbst fuͤr den Landmann koͤnne ein laͤngeres Zaudern nur schaͤdlich wirken. Das Parlament sey fuͤr den besonderen Zweck gewaͤhlt und beru⸗

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heraus, es auf eine Abstimmung ankommen zu lassen; welches Cobden und mehrere andere Radikale ihnen mit der Drohung verwiesen, daß, wenn die Gewalt ihrer Zahl, und nicht Vernunft⸗ gruͤnde bei ihnen entscheiden sollten, das Volk sich bald erinnern wuͤrde, daß es selbst noch viel zahlreicher ist. Uebrigens hielt es Lord Jehn Russell nicht fuͤr rathsam, seinen Gegnern den Vor⸗ theil zu gewaͤhren, ihre Uebermacht an Zahlen diesesmal geltend zu machen, und begnuͤgte sich mit einem bloßen Einspruch von seiner Seite. Fuͤr einen Vorschlag von Seiten der Radika⸗ len, dem Kabinet keine Subsidien zu bewilligen, bis es den Be⸗ schwerden des Volkes abgeholfen, stimmten nur 41 Mitclieder, da ein Whig nicht leicht zu einem solchen verzweifelten Mittel seine Zustimmung giebt.

Russell lobt uͤbrigens die Anstellungen, welche Peel in Irland gemacht, und druͤckte den ernstlichen Wunsch aus, daß es dessen hieraus hervorblickenden Absicht gelingen moͤge, jene Insel nach gemaͤßigten Grundsaͤtzen zu verwalten. Nach dem, was gestern Abend im Unterhause vorfiel, laͤßt sich auch abnehmen, daß das

ganze Kabinet uͤber diesen Punkt einig ist. Denn auf eine An⸗ frage, ob Stanley's beruͤchtigter Entwurf wegen der Registration in Irland erneuert werden solle, antwortete Peel: nein! Fuͤrs erste habe er gar nichts uͤber den Gegenstand vorzuschlagen; er wuͤrde sich aber mit seinen Gegnern berathen, daß sie sich mit ihm zu einer Maßregel verstaͤndigten, wodurch zu gleicher Zeit die an⸗ erkannten Mißbraͤuche abgestellt, die Zahl der Waͤhler nach der Absicht der Reformbill erhalten werden koͤnne. Als ferner der ultra⸗protestantische Plumptree seine jaͤhrliche Opposition gegen irgend einen Zuschuß von Seiten des Staates fuͤr das katholische Seminarium zu Maynooth erneuerte, erklaͤrte Peel, daß er unver⸗ aͤndert bei der Ueberzeugung verharre, daß der Staat den Irlaͤn⸗ dischen Katholiken diese Unterstuͤtzung schuldig sey, und es fanden sich nur 23 Personen, welche mit Plumptree stimmten. Graf Grey beklagte sich einmal uͤber „den Druck von au⸗

Peel kann ohne denselben seine Ideen nicht durchsetzen.

Meetings haben bereits angefangen und werden an vielen Orten berufen. Sollten dieselben auch nicht so zahlreich ausfallen, als die Oppofitions⸗Journale sie beschreiben, so sind sie doch ge⸗ wiß auch nicht so veraͤchtlich, als die ministeriellen Blaͤtter sie darstellen moͤchten. Noch sind die Theile, welche sonst unter dem Namen Liberalen eine so wichtige Rolle spielen, zu sehr getrennt, Whigs, Radikale und Chartisten sehen einander gegenseitig mit

Mißtrauen an, und die beiden letzteren wollen der ersteren noch sind im Laufe des Tages mehrere hier angekommen.

eine Zeit lang ihre Schadenfreude uͤber ihren Sturz empfinden lassen. Werden aber die Mittelklassen nur erst recht inne, daß sie sich selbst helfen muͤssen, wenn ihnen das Ministerium zu Huͤlfe kommen soll, so sindet bald ein Verein statt, welcher sich wird Gehoͤr zu verschaffen wissen. Dies wird sich am deutlichsten bei den Wahlen erklaͤren, welche von Zeit zu Zeit in den Staͤdten vorfallen muͤssen; da in allen Staͤdten, wo nicht ein unmittelba⸗ rer aristokratischer Einfluß vorherrscht, oder die Masse der Waͤh⸗ ler sich bestechen laͤßt, ein Liäberaler des Sieges gewiß ist, sobald die verschiedenen Sectionen derselben einander nicht entgegen ar⸗ beiten. Daß die Erwählung des Lord Howick zu Gunder⸗ land eine Folge solcher Ruͤckwirkung ist, moͤchte ich in⸗ dessen nicht behaupten; er scheint im Gegentheil den ge⸗ meinen Pobel, welcher gewoͤhnlich zu den Chartisten gehort, gegen sich gehabt zu haben, da er ein Vertheidiger des neuen Armengesetzes ist, welches Attwood schonungslos angriff. Auch wird versichert, daß, wenn der Graf Londonderry Letzterem seinen Einfluß zugewandt haͤtte, der Whig haͤtte unterliegen muͤssen. Aber der edle Graf soll aus Aerger daruͤber, daß Peel ihm keinen Gesandtschafts⸗Posten habe anvertrauen wollen, sich in eiinem Kampfe neutral gehalten haben, der gewissermaßen vor seiner Thuͤr vor⸗ ging. Fuͤr die Whigs ist der Sieg schon dadurch bedeutend, daß Howick ein guter Redner und ein wichtiger Mann in ihrer Partei⸗ ist.é Aber auch als ermunterndes Beispiel fuͤr ihre Anhaͤnger i anderen Staͤdten wird er ihnen von großem Rutzen seyn. 8

8 Niederlande. Aus dem Haag, 21. Sept. Ihre Koͤnigliche Hoheit die Prinzessin von Oranien hat heute fruͤh ihre Reise nach Stutt—⸗ gept angetreten. 8

Der Koönigl. Preußische gußerordentliche Gesandte und be⸗

zen des Großherzoglichen Hauses seine Aufwartung gemacht, verweilte 8 p.

derselbe noch bis nach der Mittagstafel und kehrte sodann nach

dem Schlosse Johannisberg zuruͤck. Der Kaiserl. Russische Ge⸗ sandte Graf Medem und der Kaiserl. Oesterreichische Geschaͤfts⸗

traͤger Herr von Menshengen, welche von Frankfurt hier eintra⸗

fen, wurden ebenfalls zur Großherzogl. Tafel gezogen.

Der Kaiserl. Oesterreichische Bundes⸗Praͤsidial⸗Gesandte, Graf

von Muͤnch⸗Bellinghausen, hat am 20sten d. seine Reise von hier uͤber Heidelberg nach Wien fortgesetzt. B11n“ 8 Stuttgart, 213 Sept. Gestern Abenb. ist Seine Hoheit der Herzog Eugen von Wuͤrttemberg mit Seiner Gemahlin und zwei Prinzessinnen Toͤchtern zum Besuche der Koͤniglichen Fami⸗ lie hier angekommen.

Sn Karlsruhe, 21. Sept. Geit einigen Tagen besinden sich Ihre Koͤnigl. Hoheit die Herzogin Henriette von Wuͤrttemberg und Se. Hoheit Herzog Adam von Wuͤrttemberg, Kaiserlich Russischer General a. D., hier zum Besuch bei ihrer Tochter und Verwandten, Ihrer Hoheit der Frau Markgraͤfin Wilhelm von Baden.

Mannheim, 22. Sept. Heute fruͤh hatte sich das Ge

ruͤcht verbreitet, daß bei Iffezheim der Dampfkessel des „Adlers gesprungen und 40 Personen in den Fluthen des Rheins verun gluͤckt seyn sollen. Dieses Geruͤcht hat sich gluͤcklicherweise nicht bestaͤtigt. Ein Augenzeuge, der diese Fahrt mitmachte, hat uͤber den Vorgang Folgendes mitgetheilt: Dem Dampfboot „Graf von Paris“ kamen beit seiner Thalfahrt eine Stunde oberhalb Iffezheim, mehrere Segelschiffe entgegen. Bei dem jetzt niedrigen Fahr wasser mußte das Dampfboot, um den Segelschiffen auszuwei⸗ chen, eine Wendung vornehmen und kam dabei zu nahe an das Ufer, wodurch einige Schaufeln des Rades verbogen und der Ge⸗ brauch des Dampfschiffes momentan unterbrochen wurde. Dieser zufaͤllige Unfall hatte jedoch fuͤr die Passagiere (ungefaͤhr 80) nicht die mindeste Gefahr. Saͤmmtliche stie gen aus und wurden auf Wagen weiter verbracht. Auf dem Dampfschiff befanden sich drei Wagen, die ebenfalls ausge⸗ laden wurden, und die Eigenthuͤmer derselben setzten mit Extrapost ihre Reise zu Lande fort; einer derselben ist bereits heute Vormit tag durch unsere Stadt passirt. Von den uͤbrigen Passagieren 8 Die Agen tur hat den Passagieren den Ruͤckempfang der bereits gelosten Passagier-Billets auf die naͤchsten Stationen angewiesen. ¹

Bamberg, 20 Sept. Nachdem vor einigen Tagen der General⸗Major von der Mark das hier garnisonixrende Chevaur legers⸗Regiment inspizirt hatte, ist gestern der Divisions⸗General, Fuͤrst Taxis, zur Inspection des 3ten Jaͤger⸗Bataillons hier an gekommen. 3

Hesterreich.

Wien, 16. Sept. (A. Z.) Der Fuͤrstl. Serbische Senats⸗ Praͤsident, Jephrem Obrenowitsch, Bruder des Fuͤrsten Milosch, mit dem er hier den freundlichsten Umgang gepflogen, ist vor ei—⸗ nigen Tagen von hier nach Belgrad zuruͤckgereist.

Berichten aus Salzburg zufolge ist daselbst dem Sohne des Don Carlos, Infanten Don Juan, ein aͤhnliches Ungluͤck zuge⸗ V stoßen, wie dem Herzog von Bordeaux in Kirchberg, indem er sich bei einem Sturze mit dem Pferde den einen Vorderarm brach; doch ist der Bruch nicht gefaͤhrlich und duͤrfte bald geheilt seyn, so daß die Prinzen die schon fruͤher beabsichtigte Rundreise in einigen benachbarten Staaten doch wohl in diesem Jahre wer⸗ den unternehmen ki 2 2 v“ 1b Basel, 17. Sept. Die hiesige Zeitung enthaͤlt Folgendes „Die Deputation von Neuchatel hat in einer der letzten Sitzun⸗ gen der Tagsatzung ein Mittel vorgeschlagen, welches dazu dienen koͤnnte, sich aus dem Labyrinthe der Kloster⸗Frage herauszuwin⸗ den und das wohl eine naͤhere Erwaͤhnung verdient. Es besteht naͤmlich darin, den religibsen Corporationen die ihnen gehoͤrenden

Guͤter unter der Bedingung zuruͤckzugeben, daß sie sich anderswo

Gestern Mittag ist Se. Koͤnigl.

niederlassen. Die Aargauischen Behoͤrden, welche so oft und so feierlich erklaͤrten, daß sie von dem Gelde der Klöster durchaus nichts haben wollten, sondern daß sie nur im Interesse er Civilisation handelten, die sogar sehr erzuͤrnt uͤber diejenigen waren, die ihren feierlichen Versicherungen nicht unbedingt Glauben schenkten, diese Behoͤrden duͤrften in der That keinen. Einwurf gegen jenes Projekt zu machen haben. Die religidsen Corporationen wuͤrden sich nur Gluͤck wuͤnschen koͤnnen, einen ihnen feindlich gesstzinten Kanton zu verlassen, um sich in einem befreundeten Sn nieder⸗ zulassen, und was endlich die dritten, bei dieser Frage Betheilig⸗ ten, naͤmlich die Armen des Kantons Aargau, betrifft, so waͤre es nicht unmöglich, ein Mittel aufzufinden, sie zü⸗ frieden zu stellen. Die Regierung von Aargau, welche mit lobenswerther Bescheidenheit stets bereit ist, ihre Va⸗ terlandsliebe, ihre Ergebenheit und ihre Uneigennützigkeit bis in die Wolken zu erheben, sollte das ihr von Herrn Calame darge⸗ botene Mittei, sich aus der Verlegenheit herauszuziehen, mit Begierde ergreifen, und wenn am 25. Oktober der Deputirte von Aargau, Dr. Wieland, mit der Anzeige erschiene, daß der Traktat, welcher den Kloͤstern ihr Eigenthum sichert, indem er zugleich dem Aargau seine Civilisation ͤßt, un⸗ terzeichnet sey, so wuͤrde es niemals eine schoͤnere Sitzung der Tagsatzung gegeben haben und die einfache Erklaͤrung, daß man dies thun werde, waͤre den Deputationen weit angenehmer, als die ewigen Declamationen, mit denen man so haͤufig ihre Ohren gepeinigt hat. Italien. Nom, 13. Sept. Gestern ist Thorwaldsen im besten Wohl⸗ seyn hierher in seine zweite Vaterstadt, nach einer mehr denn drei⸗ jaͤhrigen Abwesenheit, zuruͤckgekehrt. Dem gefeierten Greis waren viele Kuͤnstler und Verehrer aller Nationen bis nach La Storta entgegen gezogen. In Ponte molle harrte seiner eine zweite Schaar von Kuͤnstlern, wobei Dr. H. Schulz aus Dresden in einer poetischen Anrede die Gefuͤhle der zaͤhlreichen Versammlung ausdruͤckte. Heute begruͤßten ihn die Professoren und Mitglieder der Akademie von St. Luca, und seine hiesigen zahlreichen Be⸗ kannten und Verehrer stroͤmen herbei, um den Langvermißten in ihre Arme zu schließen. Es sind mehrere Feste in Anordnung, die, wenn er von der Reise ausgeruht, ihm zu Ehren stattfinden werden.

Portugal.

Lissabon, 13. Sept. (Engl. Bl.) Der Papst und die Nordischen Maͤchte haben nunmehr Gesandte am Portugiesischen Hofe akkreditirt, die taͤglich an ihrem Bestimmungsorte erwartet werden.

Der Finanz⸗Minister hat Maßregeln getroffen, um die Mittel zur puͤnktlichen Zahlung der Zinsen der fremden Schuld herbeizuschaffen. Er hat auf die Erlaubniß angetragen, die Zehn⸗ ten und Steuern, die bis zum 30. Juni 1842 faͤllig sind, im voraus zu erheben. Sobald diese Erlaubniß ertheilt ist, werden die Cortes wahrscheinlich geschlossen werden.

Der diplomatische Agent des Kaisers von Marolko hat Lissa⸗ bon verlassen, nachdem er 30,000 Dollars als Abschlags⸗Zahlung auf seine Forderungen erhalten.

Die Guerillas mehren sich in Algarbien und werden jetzt von einem Spanischen Obersten befehligt; viele Leute verlassen die Hauptstadt, um sich ihm oder dem General Narvaez anzuschlie⸗ ßen, der in Gibraltar fuͤr die Er-Regentin von Spanien wirbt.

In der Deputirten⸗Kammer ist ein von Herrn Oliveira Bor⸗ ges bei Gelegenheit der Diskussion uͤber die Differential⸗Zoͤlle ge⸗ stelltes Amendement, dem zufolge die Portugiesische Flagge wenig⸗ stens durch einen Differential⸗Zoll von 8 pECt. vor der fremden Flagge beguͤnstigt werden solle, mit 52 gegen 25 Stimmen ver⸗ worfen woͤrden sey, so daß alle Bevorzugung der Portugiestschen Fahrzeuge aufgehoͤrt hat. Dagegen sind Differential⸗Zoͤlle auf Brasilischen Zucker, wodurch man eine Mehreinnahme von 30,000 Pfd. St. jaͤhrlich zu gewinnen hofft, auf Seide, Spitzen, Mo⸗ lassen, Hanf, Holz⸗Geraͤthschaften und Mobilien angenommen wor⸗ den; die Kaufleute wollen dagegen an den Senat petitioniren und, wenn sie nicht durchdringen, eine Deputation an die Koͤni⸗ gin senden.

Türkei.

Konstantinopel, 8. Sept. (Oest. B.) Auf ausdruͤck⸗ lichen Befehl Sr. Hoheit des Sultans ist ein Bujurildi (Befehls⸗ Schreiben des Großwesirs) an saͤmmtliche Statthalter in den

Provinzen erlassen worden, durch welches ihnen eingeschaͤrft wird, alle Tuͤrkischen Unterthanen, sie moͤgen was immer fuͤr einer Re⸗ ligion und Klasse angehoͤren, nicht nur in ihren Civil-Angelegen⸗ heiten unter sich vollkommen gleich zu behandeln, sondern dieselben an allen Handels⸗Beguͤnstigungen Theil nehmen zu lassen, welche bisher nur den Auslaͤndern zugestanden waren. Dieses Bujurildi wurde auch an alle Behoͤrden der Hauptstadt gerichtet und in den hiesigen Patriarchaten oͤffentlich verlesen. Es lautet folgendermaßen: Wie es Ew. wohl bekannt ist, gehoͤrt es zu den Pfichten der Regierung und den von ihr zu befolgenden Grundsaͤtzen, daß alle Klassen der Sr. Hoheit dem Großherrn als Pfand anvertrauten Voͤlker und Unterthanen, uͤberall von saͤmmtlichen Beamten der ho⸗ hen Pforte auf jede Weise beschuͤtzt und unterstuͤtzt, auf eine gerechte, gnaͤdige und menschliche Art behandelt und daß deren Angelegenhei⸗ ten durch die stets bereitwillige Fuͤrsorge dieser Beamten erleichtert und geschlichtet werden: daß besonders die Regulirung und Schlichtung der Handels-Angelegenheiten der wohlhabenderen Klasse der Handelsleute und Wechsler, welche durch ihr Vermoͤgen und ihren Kredit das Wohl des Landes und seiner Einwohner befoͤrdern, auf eine gerechte und billige Weise uͤberwacht werden; endlich, daß, wie in den anderen Staaten der Gebrauch ist, mehr fuͤr die Beschuͤtzung, das Wohl und den Gewinn der eigenen als der fremden Unterthanen Sorge zu tragen, auch im Osmanischen Reiche dieses Prinzip, naͤm lich den Unterthanen der hohen Pforte sowohl in ihrem Handelsver kehre als in ihren Streitsachen so sehr als nur moͤglich Schutz und Erleichterung angedeihen zu lassen, aufgestellt werde. Diesem Ge⸗ genstande wuürde zwar bis jetzt nicht die gehoͤrige Aufmerksamkeit ge⸗ widmet, da aber jetzt, Gott Lob, eine Zeit der Gerechtigkeit und Gnade eingetreten ist, und besonders da Se. Hoheit, unser allergnaͤ⸗ digster Herr, in Folge der Ihm angebornen Barmherzigkeit, den durch Gerechtigkeit sich auszeichnenden Wunsch hegt, daß das Wohl Seiner Unterthanen auf jede Weise befoͤrdert werde, so geruhte Se. Hoheit 28 gnadigen Befehl ergehen zu lassen, die noͤthigen Weisungen an alle Beamte der hohen Pforte zu richten, damit dieselben von nun an alle ihre Aufmerksanikeit diesem Gegenstande zuwenden. Wie nun an alle uͤbrigen Großherrlichen Beamten in diesem Sinne ge⸗ schrieben worden ist, so wird auch dies Schreiben an Ew. gerichtet, damit es Derselben beliebe, die Angelegenheiten saͤmmtlicher Unter⸗ thanen der hohen Pforte zu uͤberwachen und zu erleichtern, ihnen durch eine billige Gleichstellung, in ihren Handels⸗Angelegenheiten dieselben Praͤrogativen und Rechte angedeihen zu lassen, deren sich stets die feemden Unterthanen erfreuten, die norhige Aufmerksamkeit zu deren Beschuͤtzung vor jedem Schaden und zuͤr Erhaltung der Ordnung anzuwenden und dadurch das Gluͤck und Wohlergehen der⸗ selben zu befoͤrdern.“ 8 8

Der seiner Zeit als Musteschar der Armee nach Syrien ge⸗

sendete Selami Efendi ist am 1sten d. M. aus Beirut hier ein⸗ getroffen. 2

Am 2ten d. M. veranstaltete der Muͤhimmati Harbihe Na⸗ siri (Aufseher der Kriegs⸗Munitionen), Ali Nedschib Pascha, dem Sultan zu Ehren ein großes Gastmahl in S. Stefano, welchem alle Großwuͤrdentraͤger des Reichs beiwohnten. Se. Hoheit be⸗ gaben sich dahin auf einem ihrer Dampfboote, und es wurden bei diesem Anlasse Versuche mit dem neuverfertigten Pulver ge⸗ macht, welche uͤber dessen Vorzuͤglichkeit keinen Zweifel zuließen.

Der Sohn Mehmed Ali's, Saiĩd Bei, und der ihn beglei⸗ tende Sami Bei sind zu Großherrlichen Feriks (Divisions⸗Gene⸗ ralen) mit dem Titel Pascha, und zwar Ersterer in der Marine, Letzterer aber in der Land-Armee ernannt worden.

Am 6ten d. M. ist die Pilger⸗Karavane abgegangen, welche dieses Jahr wieder den Weg durch Syrien einschlaͤgt.

Vor mehreren Tagen hat die schismatisch⸗Armenische Nation dem Großherrn ein Gesuch uͤberreicht, worin sie uͤber die von Seite ihres Patriarchen und einigen Armenischen Wechslern er⸗ littenen Bedruͤckungen Klage fuͤhrte und die Absetzung des Erste⸗ ren verlangte. Hierauf wurden die bezeichneten Wechsler, so wie der Patriaͤrch, zur Pforte gerufen, um sich zu rechtfertigen; da aber der Divan zoͤgerte, dieser Beschwerde Abhuͤlfe zu leisten, so begab sich eine große Anzahl von Individuen dieser Nation, groͤß⸗ tentheils aus den niederen Volksklassen, zur Pforte und geberdete sich hierbei so ungestuͤm, daß es bald zu ernsthaften Auftritten ge⸗ kommen waͤre. Die Folge dieser Reclamation war, daß der schis⸗ matisch⸗Armenische Patriarch endlich seiner Wuͤrde enthoben wurde. Sein Nachfolger wird aus der Provinz erwartet.

Der zu Damaskus residirende Griechisch- unirte Patriarch von Antiochien, Msgr. Marimus Mazlum, welcher sich im ver⸗ flossenen Jahre nach Rom und Paris begeben hatte, ist am Aten d. M. mit dem Franzoͤsischen Dampfboote hier eingetroffen. Mit derselben Gelegenheit kam der zweite Sohn des abgesetzten Emir Beschir, Emir Emin, von Malta hier an.

Vorgestern unterzeichnete der hier befindliche Bevollmaͤchtigte der freien Hansestaͤdte, Herr Colquhoun, einen Handels-Traktat mit der Pforte. 1

Heute hat der Großherzogl. Toskanische Geschaͤftstraͤger, Com— mandeur Quaglia, die Ratificationen des zwischen seinem Hofe und der Pforte abgeschlossenen neuen Handels⸗Traktats ausge⸗ wechselt.

Berichten aus Trapezunt zufolge, hatte die Pest in der dor— tigen Umgegend ganz aufgehoͤrt; dagegen breitete sie sich in den Paschaliks von Erzerum, Bagdad und Musch immer mehr aus. In ersterer Stadt unterlagen taͤglich funfzig Personen der Seuche. Man hatte dort auf jede Sanitaͤts⸗Maßregel Verzicht geleistet, weil das Uebel zu bedeutend um sich gegriffen hatte, und weil man besorgte, die Unzufriedenhest der Tuͤrkischen Bevolkerung zu erregen, ohne den mindesten Nutzen zu erzielen. Der Pascha von Musch ist ebenfalls ein Opfer der Seuche geworden. Der Ge⸗ sundheits⸗Zustand in der Hauptstadt ist vollkommen befriedigend.

Herr von Catacazi, Kaiserlich Russischer Gesandter in Athen, ist am 4. d. M. am Bord des Russischen Dampfboots „Polar⸗ stern“ aus Odessa hier angekommen und gedenkt kuͤnftige Woche seine Reise nach Griechenland fortzusetzen.

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Breslau, 24. Sept. Am Sonntag, den 19ten, Nachmit⸗ tags halb 4 Uhr, traf Se. Majestaͤt der Koͤnig von Warschau auf Schloß Erdmannsdorf ein und wurde von Seiner hohen Ge⸗ mahlin, den anwesenden Prinzen und Prinzessinnen aufs freudigste und herzlichste empfangen. Den 20sten war fruͤh Vortrag bei Sr. Majestaͤt dem Koͤnige. Mittags um halb 3 Uhr war Mit⸗ tagstafel in dem Schweizerhause auf dem Rotherberge. Auch be⸗ suchte Ihre Majestaͤt die Koͤnigin am Morgen dieses Tages die evangelische Schule und verweilte gegen eine Stunde daselbst. Die Tyroler Schule hat sich ebenfalls schon eines Besuchs Ihrer Majestaͤt zu erfreuen gehabt. Dem Vernehmen nach sollte die Abreise Ihrer Majestaͤt der Koͤnigin nach Muͤnchen den 2asten d. M. stattfinden.

Breslau, 24. Sept. Die hiesige Zeitung meldet aus Prag

unter dem 21. September, daß sich bei dem Tages vorher in der Naͤhe von Guttenberg abgehaltenen Mandver ein Unfall zugetra⸗ 2 . . 1 8 . 8 v 4 2 83 AL gen hat, welcher die betruͤbtesten Folgen haͤtte haben koͤnnen.

Se. Koͤnigl. Hoheit der Prinz von Preußen wurden naͤm⸗

sich in dem Augenblicke, als sich Hoͤchstdieselben bei den Jaͤgern befanden, welche Avantgarde machten und in Tirailleurs aufgeloͤst waren, am Schenkel von einem Schusse (wahrscheinlich Erde mit

Gluͤcklicherweise

einem darin befindlichen Steinchen) getroffen.

aber erwies sich bei dem sogleich ersolgten Verbande die Verwun⸗

dung nur als eine leichte, die durchaus keine Gesahr fuͤrchten laͤßt. Se. Koͤnigl. Hoheit konnten dem ganzen Mandoͤver, ob⸗ vwvohl nur im Wagen, beiwohnen).

Sirschberg, 18. Sept. Am 16. September kehrten Ihre Koͤniglichen Hohelten der Prinz und die Prinzessin Wilhelm nach Schloß Fischbach zuruͤck; mit Hoͤchstdenselben traf dort auch Se. Koͤnigliche Hoheit der Prinz Karl von Preußen ein. Gegen Uhr Nachmittags passirten Hirschberg Ihre Koͤnigl. Hoheiten der Prinz und die Prinzessin Friedrich der Niederlande nebst Hoͤchstihrer Tochter, der Prinzessin Louise, welche ihren Landsitz zu Wassenaer beim Haag am 10. September verlassen hatten, und begaben sich auf Schloß Schildau. Am 17ten fruͤh langte

Ihre Majestaͤt die Koͤnigin uͤber Landeshut von Breslau auf

Schloß Erdmannsdorf zur hoͤchsten Freude aller Gebirgs⸗Bewoh⸗ ner an.

Ausgezeichnete Fremde passirten bereits unsere Stadt; unter denselben befand sich auch die durch den Besuch aller Gefaͤng⸗ nisse ruͤhmlichst bekannte Mistreß Eliz. Fry, in Begleitung des Sir Joseph John Gurney, welche anderthalb Tage hier verblieben und in Schmiedeberg laͤngeren Aufenthalt nehmen werden.

Kues, 22. Sept. (Rh. u. Mos. Ztg.) Der hier einzu⸗ richtende Sicherheits⸗Hafen, um die Moselschiffe den Winter uͤber aufzunehmen und vor Eisgaͤngen zu bewahren, hat wegen des ho⸗ hen Wasserstandes den Sommer uͤber nicht begonnen werden koͤn⸗ nen, auch ist der Plan, nach welchem er angelegt werden sollte, von der Regierung verworfen, so datz der jetzt eingerichtete zweite Plan bei hoͤherer Genehmigung wohl erst in kuͤnftigem Sommer

*) Wir koͤnnen aus authentischer Quelle die Versicherung hinzu fuͤgen, daß, als am folgenden Tag⸗ das Steinchen aus der Wunde entfernt ward, der Gesundheits Zustand Sr. Koͤnigl. Hoheit zu kei nerlei Besorgnissen Anlaß gab und Hoͤchstdieselben auch dem ferneren Verlaufe des Manoͤvers im Wagen beizuwohnen beabsichtigten.

A. d. Red.

zur Ausfuͤhrung gelangen kann. Herr Baurath Nobiling von

Trier ist der Erfinder des sinnreichen Unternehmens, das gerade

in der Mitte der Mosel mit wenigem Kosten⸗Aufwand den Schif⸗ en einen durchaus sicheren Winter⸗Aufenthalt bietet.

Eilenburg, 24. Sept. Heute Morgen nach 6Uhr wurde ier der Dienstknecht Johann Friedrich Dietrich aus Mockrehna, 7 Jahre alt, welcher wegen Raubmord zum Tode verurtheilt orden war, mit dem Beile hingerichtet.

1““ 8 Um jeder ferneren Anfrage uͤber die Gegenstaͤnde, welche in der Nacht vom 18ten zum 19ten dieses Monats aus dem Koͤnigl. Museum in Monbijou entwendet worden sind, zu begegnen, sehe ich mich veranlaßt, zu erklaäͤren, daß dieser freche Diebstahl nicht, wie man allgemein glaubt, in der Sammlung der Aegyptischen Alterthuͤmer veruͤbt worden ist. Berlin, 24. September 1841. Passalacqua.

Die Gesellschaft der Kommunisten in Frankreich.

Da gegenwaͤrtig bei jeder politischen Bewegung und jedem po⸗ litischen Prozeß in Frankreich, wie zuletzt noch bei dem Attentat vom 13. September und den juͤngsten Gaͤhrungen unter den Ar⸗ beitern in Paris, die Kommunisten genannt werden, so duͤrfte es an der Zeit seyn, dasjenige, was aus glaubwuͤrdigen Quellen uͤber jene Gesellschaft bekannt geworden ist, unseren Lesern in gedraͤng⸗ ter Kuͤrze mitzutheilen.

Die Insurrection, welche im Monat. Mai 1839 in Paris stattfand, ging bekanntlich von der Gesellschaft der Jahreszeiten Cociété des saisons) aus, welche nach Unterdruͤckung des Auf⸗ standes ihrer einflußreichsten Chefs beraubt wurde, und sich, da sie ihre letzten Kraͤfte vergebens aufgeboten hatte, in die Roth⸗ wendigkeit versetzt sah, sich aufzulbsen. Ihre Zwecke und Bestre⸗ bungen waren rein politischer Art gewesen; sie muß als der Schluß⸗ stein des planlosen Republikanismus betrachtet werden.

Die Truͤmmer der Gesellschaft der Jahreszeiten fanden sich indeß nach einiger Zeit wieder zusammen, und die ewig gaͤhren⸗ den Elemente der Demokratie fanden nach und nach wieder einen Mittelpunkt.

Durch Erfahrung belehrt, waren die Haͤupter der Factionen zu der Ueberzeugung gelangt, daß alle Umwaͤlzungs⸗Versuche im Namen dieser oder jener politischen Theorie auf keine Unter⸗ stuͤtung von Seiten der Massen mehr zu hoffen hatten. Selbst die weniger gebildeten Klassen der Franzoͤsischen Gesellschaft wa⸗ ren zu der Einsicht gelangt, daß man sich seit 50 Jahren nur mit stets erneutem Nachtheil aus einem politischen System in das an⸗ dere hatte hineinziehen lassen. Die Politik an sich hatte ihre Rolle ausgespielt, und es kam den Verschwoͤrungssuͤchtigen vor allen Dingen darauf an, die neu zu gruͤndende geheime Gesellschaft auf einer Basis zu errichten, die den arbeitenden Klassen eine lebhaf⸗ tere Sympathie einzufloͤßen im Stande waͤre, als der blos Abstrakte Republikanismus. Man wollte immer dasselbe: Umsturz des Be⸗ stehenden, Verwirrung, Anarchie; aber man strebte nach einer an⸗ deren Form, um die Menge zu fesseln und zu blenden.

Zu dem Ende waͤhlte man das Mittel, welches zu allen Zei⸗ ten die aͤrmeren Klassen gereizt und verfuͤhrt hat; man stellte als den Hauptzweck der neuen Gesellschaft auf: gleiche und sofor⸗ tige Theilung aller Guͤter und aller sozialen Ge⸗ nuͤsse. In diesem Sinne nannte man sich „Gesellschaft der Kom⸗ munisten“ (Société communantaire ou, communiste).

Schon vor mehreren Jahren war der Gedante zu einer sor⸗ chen Gesellschaft in der Stille und auch oͤffentlich angeregt wor⸗ den. Im Jahre 1835 wurden kommunistische Schriften in Folge gerichtlicher Nachforschungen in Beschlag genommen, und in der üten Nummer des homme libre, einer Fortsetzung des Moniteur républicain las man:

„Wir verlangen endlich die Gemeinschaft, so oder fast eben so, wie sie Baboeuf verstand. Wir werden eine Pflicht erfuͤllen, wenn wir das gesellschaftliche Gebaͤude von Grund aus demoliren, um dasselbe dann auf einer neuen Grundlage wieder aufzurichten. Die Zeit nahet sich, wo das Volk mit den Waffen in der Hand verlangen wird, daß ihm seine Guͤ⸗ ter zuruͤckgegeben werden; denn der groͤßte Theil von dem, was der Reiche besitzt, ist die Frucht des Raͤubes. Die Welt muß

Jedermann gehoͤren. .. Diejenigen, welche nichts besitzen, sind von denen bestohlen worden, welche etwas besitzen.“

Diese Doktrinen wurden in einer Menge von Schriften ge⸗ predigt, deren Verbreitung man sich auf das eifrigste angelegen seyn ließ. Der Abbé Pillot arbeitete in, seinen Werken: „Ni chateaux mi chaumières“; „PIHistorie des Egaus' und „la trihune du Peuple“ besonders auf jene Zwecke hin; eben so mehrere an⸗ dere bei Pagnerre, dem Verleger der Revolutionaire, erschienenen Broschuͤren, wiez. B. „PsEgalitaire“, „le Journal du Peuple“, „P'IHis- toire de la conspiration du Général Mallet“ u. s. w.

Einige Auszuͤge werden am besten den Geist darthun, in welchem sene Schriften zu wirken suchten. 1

In der „Uistoire des Egauv' heißt es: 1““

„Es handelt sich um nichts Geringeres, als die Oberflaͤche des Erdballs gaͤnzlich zu veraͤndern, und an die Stelle des jetzigen Lebens seiner Bewohner augenblicklich ein ganz neues Leben zu setzen, fuͤr welches es in der Vergangenheit kein Bei⸗ spiel giebt; sie dahin zu bringen, Alles zu vergessen, was bis jetzt der Gegenstand der beharrlichsten Anstrengungen ihres Ge⸗ daͤchtnisses war, dasjenige zu verachten, was sie bisher am mei⸗ sten geschaͤtzt haben, vor den Sitten und Gebraͤuchen zu er— roͤthen, auf die sie am stolzesten waren, mit Fuͤßen zu treten, was sie am meisten bewundert haben; kurz, den groͤßten Wi⸗ derwillen zu empfinden fuͤr das, wonach sie mit dem meisten Eifer gestrebt haben, und dasjenige mit Begierde aufzusuchen, was sie bisher verachteten oder verabscheuten... Kommuni⸗ sten, uns ist die Ausfuͤhrung dieses unermeßlichen Werkes vor⸗ behalten.“

Eine Stelle im „Journal du peuple“ lautet folgendermaßen;:

„Es giebt in Frankreich nur zwei Parteien: die Partei der Kapitalisten und der Eigenthuͤmer und die Partei der Ar⸗ beiter; die Partei der Privilegirten und die Volkspartei; die aristokratische Partei und die demokratische Partei.“ 1

In der „Ilistoire de la conspiration du Général Mallet' fin⸗ det sich folgende Phrase:

„De des Phrosi gnsczafs sind die einzige Schutzwehr eines Volkes, welches dem Despotismus preisgegeben ist; sie miniren bestaͤndig, halten die muthigen Maͤnner er und sind der ewige Schrecken des Tyrannen. Bei n rungen ist derjenige verloren, der seinen Gegnen nicht binnen 24 Stunden ums Leben bringt./.. 8