1841 / 272 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

zu werden, um nur den Plackereien zu entgehen, denen er unte

der jetzigen Preß⸗Gesetzgebung ausgesetzt sey.

Großbritanien und Irland. Parlaments⸗Verhandlungen. Unterhaus. Sitzung vom 24. September. (B. H.) Die Konstituirung des Hau⸗ ses zum Subsidien⸗Ausschusse gab den Gegnern des Ministeriums abermals Veranlassung zu einem Angriff auf das von demselben angenommene System des Zoͤgerns und Hinausschiebens aller von der jetzigen Lage des Landes dringend erforderten Maßregeln. Herr Stewart erhob sich naͤmlich, um die Aufmerksamkeit des Hauses auf eine von ihm am 2lsten d. M. vorgelegte Petitien aus dem Fabrikorte Paisley zu lenken, in welcher sich die Behoͤr⸗ den dieser Stadt uͤber das in der ganzen umliegenden Grafschaft Renfrew immer mehr uͤberhandnehmende Elend unter den geringe⸗ ren Volksklassen aussprechen. Er verlas zugleich mehrere Briefe, in denen dieses Elend ausfuͤhrlich dargestellt wird, und erklaͤrte, daß die Minister schon aus Menschlichkeit verpflichtet seyen, unver⸗ weilt Alles zu thun, wodurch sie jenes Elend wenigstens zu mil⸗ dern hoffen koͤnnten, und daß sie auch aus Politik und in ihrem eigenen Interesse veranlaßt werden muͤßten, von ihrem Systeme des Schweigens und Zoͤgerns abzustehen, da das Beharren bei demselben es dem Volke klar machen muͤsse, daß die Regierung eben nichts weiter sey, als das Werkzeug der großen Grundbe⸗ sitzer, worauf denn ohnehin der Umstand schon zur Genüͤge hin⸗ deute, daß sie ihre Majoritaͤt im Unterhause nur den zu ihren Gunsten ausgefallenen Wahlen in den Grafschaften, wo die Grunde Aristokratie die Herrschaft fuͤhre, verdankten. In gleichem Sinne aͤußerte sich Herr Milner Gibson, der schon aus dem Grundr den Vorwand Sir Robert Peel's, daß er ohne genaue Kenntniß der vor⸗ handenen amtlichen Berichte keine definitive Maßregeln treffen koͤnne, nicht geltenlasfen wollte, weil derjetzige Premier⸗Minister sich dadurch selbst alles Recht abspreche zu der systematischen Opposition, welche er gegen die auf Kenntniß amtlicher Berichte begruͤndeten Maß⸗ regeln des vorigen Ministeriums erhoben habe. Herr Gibson meinte, daß die sorgsame Zuruͤckhaltung Sir Robert Peels, be⸗ sonders vor den letzten Wahlen, nur den Zweck gehabt habe, die Fabrikanten unter den Konservativen sich treu zu erhalten und sie glauben zu lassen, daß er den Grundsaͤtzen freien Handels eben so ergeben sey, wie die Whigs. Er werde sich aber sehr ge— taͤuscht sinden, wenn er auf die nachhaltige Wirkung eises Ma⸗ noͤvers rechne, denn schon jetzt haͤtten in Manchester Konser⸗ vativen sich offen zu den Grundsaͤtzen freien Handels be⸗ kannt, und die Ansicht gewinne immer mehr Ranm im Lande, daß der ackerbauende Theil der Bevoͤlkerung kein Recht habe, sich das Monopol der Lieferung von Getraide und anderen Lebensmitteln anzumaßen, da der Handelsstand eben so wohl faͤhig seyn, den Konsumenten dieselben mit⸗ telst des Austausches seiner Fabrikate gegen die Boden⸗Erzeugnisse des Auslandes zu verschaffen. Nachdem auch noch Herr Parker erklaͤrt hatte, daß das Land allgemein eine genauere Angabe uͤber die Absichten Sir Robert Peehs in Bezug auf die Korngesetze verlange, als er bisher durch seine Andeutungen wegen regelmaͤßi⸗ ger Aufmachung des Durchschnitts⸗Preises und wegen Ermaͤßi⸗ gung der Zoll⸗Skala gegeben habe, nahm Sir Robert Peel das Wort. Er begann mit der Erklaͤrung, daß, wenn er auf die von den vorigen Rednern an ihn, gestellten Anforderungen einge⸗ hen wollte, dadurch weder die Wuͤnsche des Landes befriedigt, noch irgend ein Vortheil erreicht werden wuͤrde. 82 Viel zweckmaͤßiger“, sagte er, „erscheint der von dem Mini⸗ sterium eingeschlagene Weg, das Vertrauen des Hauses in Anspruch zu nehmen und erst nach reiflicher Erwaͤgung und die Dauer dieser Erwaͤgung erscheint kurz im Vergleiche zu der Wichtigkeit des zu erwaͤgenden Gegenstandes destnttive Maßregeln zu keeffen, um der durch das vorhergehende Ministerium erzeugten Finanznoth nach⸗ haltig abzuhelfen. Wenn ich jetzt etwas mehr Aufschluß uͤber meine Absichten in Bezug auf die Korngesetze geben wollte, als ich bisher gethan, so wuͤrde das zu nichts fuͤhren, als zu neuer Klage uͤber die fernere Verzoͤgerung der Verhandlung uͤber die Sache selbst; und daß diese Verhandlung nicht so ohne Weiteres vorgenommen werden kann, geht aus einem neulich von einem der Gegner selbst gemachten Ge⸗ staͤndnisse hervor, welcher erklaͤrte, daß mehrere andere Gegenstände, ins⸗ besondere das neue Armengesetz, abermals in Erwaͤgung gezogen werden muͤßten, bevor man zu einer desinitiven Regulirung der Korngesetze schreiten koͤnne. Ueberdies habe ich selbst schon in der vorigen Ses sion erklaͤrt, daß, wenn ich mit meiner Oyposition gegen das dama⸗ lige Ministerium durchdraͤnge, nichts mich zu voreiligen Aufschluͤssen uͤber meine Absichten veranlassen solle; ich habe schon damals ecklaͤrt, ich wuͤrde keinen allgemeinen Finanzplan vorlegen, sondern. mich vor⸗ läͤusig auf temporaire Maßregeln zur Abhuͤlfe der bestehenden Finanz⸗ noth beschraͤnken. Daß das Land gegen diese meine Ansicht nichts einzuwenden gehabt, hat der Ausgang der letzten allgemeinen Parla⸗ ments⸗Wahl zur Genuͤge dargethan und der Erfolg der letzten Ein⸗ zel⸗Wahl von Mitgliedern des Ministeriums bestaͤtigt. Die Eristenz des im Lande herrschenden Elends eekenne ich an, kaun aber, darin doch keinen Grund erblicken, um Maßregeln zu tref⸗ fen, welche sich als uͤbereilt und nicht auf die Dauer aus reichend erweisen koͤnnten. Es ist durchaus nothwendig, die Distrikte, in denen das Elend vorzugsweise herrscht, genau zu durchforschen und auf die Ursachen des Elends zuruͤckzugehen. Wie wenig das aber im Fluge des Augenblicks geschehen kann, beweist die große Verschiedenheit der Ansichten, welche in fruͤheren Zeiten, in de⸗ nen gleiches Elend in den Fabrik⸗Distrikten herrschte, uͤber die Ur⸗ sachen desselben gehegt wurden, und die auch jetzt noch vorwaltet, da sehr Viele nicht den Korngesetzen, sondern dem fehlerhaften Verfahren der Bank von England und der Privgt Actien⸗Banken das Uebel schuldgeben wollen. dar, was schon an sich zu der Hoffnung berechtigt, daß das Volksgedeihen haldigst wiederkehren werde. Unter Anderem deutet der Status der Spar⸗Kassen in dem Vereinigten Koͤnigreiche darauf hin. Demsel⸗ ben zufolge wurden in diese Sparkassen im Juni 1841 eingezahlt I Pfd. und aus demselben erhoben 86,364 Pfd., so daß also 20,000 Pfd. mehr erhoben als eingezahlt wurden; aber schon im Juli aͤnderte sich das Verhaͤltniß vortheilhaft, denn in diesem Monat den eingezahlt 125,917 Pfd. und erhoben nur 87,001 Pfd., eben so im August eingezahlt 100,033 Pfd. und erhoben 52,004 Pfd., so daß also im Monat August 50,000 Pfd. mehr eingezahlt als erhoben wor⸗ den sind. Es ergiebt sich aus diesen Zahlen⸗Angaben schon mit einiger Gewißheit, wie vortheilhaft das Vertrauen des Landes zu dem neuen Ministerium eingewirkt hgt. Freilich kann man einwenden, daß das von den Sparkassen dargebotene Kriterion nicht auf die Lage der ganz armen Klasse des Volkes angewendet werden koͤnne, da die Sparkassen in der Regel nur von kleinen Detaillisten und Handwerkern der besseren Klasse benutzt werden, aber man vergißt, daß diese Leute keine groͤßeren Ersparnisse machen koͤnnten, wenn nicht auch die Lage ihrer Kunden, welche unter der armen Volks⸗ klasse zu suchen sind, sich gebessert haͤtte. Man wendet vielleicht . noch ein, daß der Bericht alle Disteikte des Koͤnigreichs ohne Unterschied umfasse und fuͤr die Lage der Dinge in den vorzugsweise in Betracht kommenden Fabrik⸗Distrikten keinen Maßstab abgebe, aber auch die abgesendeten Berichte fuͤr die Haupt⸗Fabrik⸗Distrikte ergeben, daß waͤhrend des letzten Vierteljahres im Durchschnitte mehr in die Sparkasse eingezahlt als daraus erhoben worden ist.“ Nachdem Sir Robert Peel sein von den Sparkassen herge⸗ nommenes Argument erschoͤpft hatte, beschraͤnkte er sich darauf, schließlich zu wiederholen, daß Uebereilung unzweckmaͤßig erscheine, und daß die Majoritaͤt des Volkes sich bei den Wahlen als mit

sind 106,436 Unzen in Barren und gemuͤnztem Silber,

Ueberdies bietet die Lage der Dinge Manches†

1210

dieser Ansicht uͤbereinstimmend erwiesen habe. Nun nahm noch eine Menge von Rednern, besonders von der radikalen Partei, das

Wort, ohne daß sich weder von den Ministern noch von ihren Geg⸗ nern irgend ein Redner von Bedeutung mehr in die Sache mischte. Herr Mark Philipps wies besonders auf den herannahenden Win⸗ ter hin, der Maßregeln der Abhuͤlfe dringend noͤthig mache, ja, er glaubte schon darin einen großen Vortheil erblicken zu muͤssen, wenn das Ministerium auch nur seine Zuruͤckhaltung insofern aufgeben wollte, daß es frank und frei erklaͤrte, es halte die Korngesetze nicht fuͤr den Grund des Uebels. Herr Ewart meinte, ein paar Monate wuͤrden zur Erwaͤgung der zu treffenden Maßregeln vollkommen hinreichen, laͤngerer Verzug⸗ aber dem Ministerium selbst zum Verderben gereichen. Herr Walker, selbst ein Fa⸗ brikant, suchte durch die Schilderung des Nothstandes einzuwirken und bemerkte unter Anderem, daß in diesem Jahre in seiner Fabrik 20,000 Pfd. wenigeran Arbeitslohn bezahlt werde, als im vorigen. Nach Been⸗ digung dieser in gleichem Tone fortgesetzten Diskussion, an welcher auch Herr Villiers und Herr Cobden Theil nahmen, konstituirte sich das Haus zum Bewilligungs⸗Ausschusse, und es wurden mehrere Summen zur Bestreitung der Kosten des Artillerie⸗Departements bewilligt. Sir Charles Napier nahm die Gelegenheit wahr, um darauf aufmerksam zu machen, wie zweckmaͤßig es seyn wuͤrde, einen See⸗Ofsizier im Feldzeug⸗Amt anzustellen, da von diesem Departement auch den Kriegsschiffen Geschuͤtze und Waffen an—- derer Art geliefert wuͤrden, und da die Erfahrung zeige, wie we⸗ nig dabei mit Kenntniß des Seedienstes verfahren werde, was er selbst insbesondere waͤhrend des letzten Feldzuges wahrzunehmen Gelegenheit gehabt habe. Er empfahl dem Premier⸗Minister, sich bei seinem Sohne, einem See⸗Kadetten, der den Feld⸗ zug mitgemacht hat, darnach zu erkundigen, was großes Gelaͤchter im Hause erregte. Sir Robert Peel dankte fuͤr die Empfehlung, meinte aber, Offsiziere der Land⸗ Ar⸗ mee muͤßten die Brauchbarkeit der Waffen eben so „gut zu beurtheilen wissen, als See⸗Offiziere. Es entspann sich uͤber die Sache noch eine laͤngere Diskussion, aus der hervorging, daß der Tadel der schlechten Beschaffenheit der Waffen sowohl in der Flotte als in dem Landheere nur zu begruͤndet sey. Am Schlusse der Diskussion kam auch wieder die Hoͤllenmaschine des Capitain Warner zur Sprache, und es wurde das fruͤhere Ministerium wegen seiner Vernachlaͤssigung dieser Erfindung getkadelt. Aus der Rechtfertigung, welche Oberst Fox und der fruͤhere Secretair der Abmiralitaͤt, Herr Wood, uͤbernahmen, ergab sich indeß, daß das Geheimniß nur deshalb nicht angekauft worden sey, weil sich der Erfinder weigert, die Sache untersuchen zu lassen, das Ministe⸗ rium also die Katze im Sack haͤtte kaufen muͤssen.

Ueber den Beginn der Sitzung ist noch nachtraͤglich zu be⸗ merken, daß eine Bill wegen Veraͤnderung der Zusammensetzung des Kanzlei⸗Gerichtshofes zu einer laͤngeren Verhandlung fuͤhrte, in deren Verlauf es zu einer Abstimmung uͤber die dem Vice⸗ Kanzler zu bewilligende Pension kam, welche Herr. Ewart, statt auf 3500 Pfd. auf 3000 Pfd. bestimmt wissen wollte. Sein An⸗ trag wurde indeß mit 4 gegen 36 Stimmen verworfen.

London, 25. SFPpt. Der Tuͤrkische Botschafter, Schekib Efendi, und der Staats⸗Secretair der auswaͤrtigen Angelegenhei⸗ ten, Graf Aberdeen, begaben sich gestern nach Windsor, wo der Erstere durch den Minister bei Ihrer Majestaͤt der Koͤnigin ein⸗ gefuͤhrt wurde.

Die Morning Ehronicle macht uͤber die Erklaͤrung Sir Robert Peebs, daß er mit allen seinen Vorschlaͤgen bis auss Fruͤh⸗

jahr warten wolle, die Bemerkung: „Der Herzog von Buckingham und Sir Ed. Knatchbull haͤtten genuͤgend erklaͤrt, daß sie ihre Ansichten uͤber die Korngesetze nicht geaͤndert; der Herzog von Richmond sinde an diesen Beiden einen Ruͤckhalt, und wenngleich Sir R. Peel recht gut wisse, was er beabsichtige, und, so weit er persoͤnlich betheiligt sey, gleich damit haͤtte vortreten koͤnnen, so habe er doch einen Aufschuͤb verlangt, um den Versuch zu machen, ob er die obengenannten Herren in der Zwischenzeit nicht um⸗ stimmen koͤnne.“

Dem Courier zufolge, war, nach Privatbriesen, die kuͤrzlich von den Kommissaͤren der Vereinigten Staaten gezogene Graͤnz⸗ Linie nicht die bestrittene, sondern sie befand sich auf anerkanntem Unions⸗Gebiete.

Nach Berichten aus Rio Janeiro hat der Brafilianische Minister Aureliano einen Gesetz⸗Entwurf vorgelegt, wonach Skla⸗ ven⸗Arbeit durch freie Arbeit ersetzt werden soll. Zu diesem Be⸗ hufe soll die Regierung einen jaͤhrlichen Fonds von 1009 Contos de Reis bilden, und zwar mittelst Verkaufs von Staaten⸗Laͤnde⸗ reien. Der Kampf in Rio Grande waͤhrte fort und wurde durch heftige Regenguͤsse sehr in die Laͤnge gezogen.

Sir Charles Bagot, der zum General⸗Gouverneur von Ka⸗ nada ernannt ist, hatte gestern im Kolonial⸗Amte eine Unter⸗ redung mit Lord Stanley.

Gestern haben die Unternehmer des Baus der Parlaments⸗ haͤuser Plakate anschlagen lassen, wodurch sie die Arbeiter, welche ihre Arbeit niedergelegt hatten, aufsordern, dieselbe wieder anzu⸗ treten, widrigenfalls Maßregeln getroffen werden sollten, andere Leute anzunehmen. 1

Die Ausfuhr von Silber ist sehr groß:

Woche davon 65,000 nach Hamburg und der Rest nach Rotterdam, verschifft vorden. Das Meiste soll fuͤr Rechnung der Russischen Regie— rung versandt worden seyn.

in voriger

Belgien.

Briüssel, 25. Sept. Der Koͤnig und die Koͤnigin haben heute den Musik⸗Auffuͤhrungen der verschiedenen bei den Septem⸗ berfesten konkurrirenden Harmonie⸗Gesellschaften heigewohnt.

Das Journal de Bruxelles, welches uͤber den Stand der Verhandlungen mit Frankreich gut unterrichtet zu seyn pflegt, widerspricht der von dem Pariser Univers gegebenen Nachricht (S. Nr. 270 der St. Z.), wonach die Franzoösischen und die Bel⸗ gischen Kommissarien bei jenen Verhandlungen auf so große Hin⸗ dernisse gestoßen, daß an einen Zoll⸗Verband nicht mehr zu den⸗ ken sey. Das Belgische Blatt meint, es sey dies schon insofern irrthuͤmlich, als Frankreich von Anfang an eben so wenig als Bel⸗ gien an einen eigentlichen Zoll⸗Verein gedacht und beide Regierun⸗ gen nur auf dem Wege gegenseitiger Reduzirungen ihrer Zoll⸗Ta⸗ rife sich entgegenkommen wollten.

8 Deutsche Bundesstaaten.

DStuttgart, 25. Sept. Gestern ist Ihre Koͤnigl. H

die Frau Prinzessin von Oranien hier angekommen.

8 Schiller's Denkmal, wie es schien, vollendet, hat kuͤrzlich einen Zuwachs seiner kuͤnstlerischen Ausstattung erhalten, der es wesent⸗ 8 Auf seinen vier Eckpostamenten sind gußeiserne, 2b hohe Kandelaber errichtet worden, deren in klassischem 811u“ Anordnung eine angemessene Beziehung auf das Denkmal selbst hat, die sich im Schmucke des Piedestals, des Stammes und Knaufes erfreulich ausspricht. An den vier Sei⸗

ten des Fußgestelles erscheinen en Relief Embleme, welche die Haupt⸗Richtungen des hohen Dichtergeistes bezeichnen.

Dresden, 27. Sept. (L. A. Z.) Dyurch-nei Verordnun⸗ gen des Finanz⸗Ministeriums vom 8. September wird nunmehr die strengere Beachtung der im vorigen Jahre erlassenen Muͤnz⸗ gesetze, namentlich auch die Rechnung nach Courant, den Thaler zu 30 Reugroschen zu 10 Pfennigen, dergestalt zur Pflicht ge⸗ macht, daß Contraventionen dagegen, vom 15. Oktober ab, bestraft werden sollen. Zugleich wird den Preußischen Zwoͤlftelstuͤcken als Scheidemuͤnze allgemeine Geltung im Werthe von 25 Pfennigen gegeben.

Viel Aufsehen erregte in diesen Tagen eine Bekanntmachung des Stadtraths, daß man an die Stelle der bisherigen Einsamm⸗ lung freiwilliger Armen⸗Beitr aͤge, wie solche als ordentliche Ein⸗ nahme der Armen⸗Kasse in der Armen⸗Ordnung ausdruͤcklich vor⸗ geschrieben ist, nunmehr zur Erhebung einer Armen⸗Steuer ver⸗ schreiten will. Jeder Einwohner, welcher nicht selbst Almosen⸗ Perzipient ist, hat von jedem Thaler des Miethzinses mindestens

8 Pf., jeder Hauswirth von dem Ertragswerthe des Hauses von

jedem Hundert 2 Ngr. 8 Pf. zu zahlen.

Hesterreich.

IWien, 25. Sept. Der Oesterr. Beobachter meldet üͤber den Sr. Koͤnigl. Hoheit dem Prinzen von Preußen bei den Inspections⸗Manoͤvern am 20sten d. M. begegneten Unfall (i. Nr. 268. und Nr. 269. der Staats⸗Zeitung) Nachstehendes: „Bei der am Morgen dieses Tages stattgefundenen Ausruͤckung der Divisionen Ceccopieri und Schlick vor Ihren Kaiserl. und Koͤnigl. Hoheiten, zunaͤchst dem Lager von Sendraschitz, hat sich der unangenehme Fall ereignet, daß Se. Köͤnigl. Hoheit der Prinz von Preußen, welcher mit seiner Suite an der feuernden Ti⸗ railleur⸗Fronke voruüͤberritt, eine leichte Verwundung in den linken Schenkel erhielt. Obgleich der Koͤörper, welcher diese Wunde verursacht hat, nicht mit Gewißheit ausgemittelt wer⸗ den kann, so laͤßt sich doch aus der in dem Beinkleide sichtbaren Heffnung schließen, daß es ein, jedenfalls sehr kleines Steinchen gewesen seyn duͤrfte, welches von den niedergebuͤchten Plaͤnklern beim Laden des Gewehres in dem dortigen tiefen Sande mit der Muͤndung ausgerafft worden waͤre. Die Wunde wurde durch einen anwesenden Ober⸗Arzt sogleich untersucht und verbunden, und Se. Koͤnigl. Hoheit geruhten sodann im Wagen, die beiden ausge⸗ ruͤckten Divisionen vor sich defiliren zu lassen. Nach der Ruͤckkehr nach Neuhof erklaͤrte der den Prinzen begleitende Medizinalrath Dr. Groß⸗ heim, die Wunde fuͤr ganz unbedeutend, und sprach sogleich die sichere Hossnung aus, daß Se. Koͤnigl. Hoheit schon am folgen den Tage den Truppenuͤbungen zu Wagen beizuwohnen im Stande seyn wuͤrden. Se. Koͤnigl. Hoheit hatten auch wirklich eine voll⸗ kommen gute Nacht, und befanden Sich so wohl, daß Sie am 2lsten von 11 Uhr Morgens bis 4 Uhr Nachmittags bei der Besichtigung der vier Kavallerie-Regimenter en detail, im Wa⸗ gen gegenwaͤrtig waren, und am folgenden Tage, den 22sten, bei einem Feld⸗Manover bei Kuttenberg zu Pferde erschienen sind.“

Die Agramer politische Zeitung berichtet aus Siebenb uͤrgen: „Unter anderen in den Markal⸗Sitzungen des Stuhles zu Ud— varhely verhandelten Fragen kam in Folge eines Gubernial⸗Cirku⸗ lars die bessere Erziehung der Walachen zur Sprache. Der Ge⸗ genstand erschien als die eigenthüͤmlichen Rechte gewissermaßen verletzend und als dem allgemeinen Wunsche, daß in unserem Va⸗ terlande die Landessprache im kirchlichen, buͤrgerlichen und gewoͤhn⸗ lichen Leben allein herrsche, widersprechend. Es wurde jedoch be⸗ schlossen, bei der landtaͤglichen Berathung hieruͤber nicht zu wi⸗ derstreben, theils aus allgemeiner Menschenliebe, theils weil im Stuhle nur wenige Walachen wohnen, die in den un— garischen Schulen unterrichtet und zu Uingarn gebildet werden.“ Die Agramer politische Zeitung bemerkt dazu: „Daß un⸗ ter Landessprache hier die Ungarische Sprache zu verstehen sey, ist klar, ob dieselbe aber besonders in Bezug auf die Saͤchsische Na⸗ tion, als integrirender Theil der Bewohner unseres Vaterlandes gelten koͤnne, unterliegt einer kleinen Bedenklichkeit. Wir haben ünsere, und zwar eine hochgebildete Sprache, wie es die Ungarische bei allen ihren Vorzuͤgen noch nicht ist, und daß wir sie als Pal⸗ ladium unserer Nationalitaͤt gegen die letztere aufgeben, moͤge man uns nimmer zumuthen. Ungarisch wollen wir lernen, unsere Schu⸗ len thun das Ihrige dazu; aber Deutsch in Sitte, Denkart, Bil⸗ dung und Sprache wollen wir bleiben und, so Gott will, mehr und mehr werden.“

Italien.

Ancona, 17. Sept. (A. Z.) Am ten traf der Papst in Löoretto ein; die Straße von Ancona dahin war mit Menschen uͤbersaͤet, die Besitzer der Landhaͤuser ringsumher hatten alles aufgehoten, um ihre Freude uͤber die gluͤckliche Ankunst Sr. Hei⸗ ligkeit zu bethaͤtigen; man suhr durch Triumphbogen, an kuͤnstli⸗ chen Tempeln und Statuen und mit Lorber⸗Zweigen und Blu⸗ men⸗Gewinden sinnreich verzierten Gebaͤuden voruͤber. Die Haͤu⸗ ser in Loretto waren mit bunten Teppichen und Tuͤchern behan⸗ Se. Heiligkeit wohnte der Messe bei, welche von einem Bischof gelesen wurde. Abends war die Stadt festlich beleuchtet, ein glaͤnzendes Feuerwerk wurde abgebrannt; besonders schoͤn naͤhm sich ein Springbrunnen aus, welcher zwischen zwei Py⸗ ramiden seine Strahlen sinken ließ. Am 11ten verkuͤndete schon bei Tagesanbruch der unaufhoͤrliche Kanonendonner vom Kastell zu Ancona das bevorstehende Fest. Die Straßen wimmelten von Menschen, die Haͤuser waren mit Teppichen geschmuͤckt, die Schiffe im Hafen hatten die Flaggen aufgezogen und lie⸗ ßen von Masten und Segelwerk bunte Wimpel und Baͤn der flattern. Auf der sinnreich geschmuͤckten Piazza hatte die De⸗ legation eine Saͤule mit Inschriften errichten lassen, der Colonna die Trajano in Rom gleichend. Unweit der Porta pia war ein herrlicher Triumphbogen errichtet, an welchem der Delegat und der Festungskommandant dem Papste bei seiner Ankunft, Nachmittags um 4 Uhr, die Schlaͤssel der Stadt und des Castells uͤberreichten. Das Volk spannte die Pferde von dem sechsspaͤnnigen Wagen aus, in welchem Se. Heil. fuhr und 60 Barkenfuͤhrer zogen ihn durch den Bogen bis zur Kirche S. Agostino. Hier verrichtete der Papst ein Gebet, und bestieg dann einen vor der Kirche errichteten Thronhim⸗ mel, von dem herab er den Segen uͤber die unten versammelte Menge spendete. Saͤmmtliche Haͤuser von der Kirche San Agostino bis zum Palaste waren mit Teppichen, Blumen und Lorbeerzweigen verziert, das Straßenpflaster mit rothem Tuch belegt, und zwi⸗ schen einem vom Militair gebildeten Spalier erschien der heilige Vater unter einem von vier Bischoͤfen getragenen prachtvollen Baldachin, welchem sechs Bischoͤfe vorangingen. Zur Rechten Sr. Heiligkeit ging der Delegat, zur Linken ein Kardinal, dann folgten vier Kardinaͤke, welchen sich sechzehn Bischöfe, eine An⸗ zahl Priester, Offiziere ic. anschlossen. Das Volk wogte unter Jauchzen und Freudenruf nach. Abends war die Stadt festlich beleuchtet.

Am 15ten mit Tages⸗Anbruch ertoͤnte der Kanonendonner

gen.

vom Dampfboote; alle im Hafen liegenden Schiffe hs Sge flaggen auf. In den Vorzimmern des + ees sereh —2 ten, Offiziere, Staats⸗Beamten in Uniform L rna g28 e 2 men ohne Ausnahme schwarz gekleidet, in heenech 8 2 harrend des Zeichens, das ihnen gegeben werde, um 9 Pane 8 des heiligen Vaters zu kuͤssen. Die Thüͤren des großen 2 . saales öffneten sich, in welchem der Papst unter einem rei her

b Bevor man sich dem Sitze Sr.

Sbronhimmel sichtbar wurde. 5 Ehrenhinmah ch, mußte man auf die gegebene Peisuch des Kardinal⸗Ceremonienmeisters dreimal niederknieen; hierauf . Stand, Namen und Vaterland des Vorzustellenden genanne mit welchem der heilige Vater dann einige freundliche Worte wechselte. Nachmittags fand eine seierliche Kirchen⸗Prezesion statt, welcher Se. Heiligkeit von den Fenstern ““ b Am 16ten besuchte Se. Heiligkeit die Festung, das ““ das Hospital; Mittags war große Tafel und nachhen ügfci e sich der Papst nach dem Schiffswerft, wo ein neues Stapel gelassen und mit dem Namen Greger * wurde. Hierauf bestieg der Papst eine von 12 weiß netetscen Matrosen geleitete Barke, um sich auf das D. ampfboot 1 88 4298 die zu begeben, welches von der Defeekian des Lloyd zur Zerfl⸗ gung des heiligen Vaters gestelt war. Bomn Dampfboot zuruͤck⸗ gekehrt, begab er sich nach der Loggia de’ Mercanti, von wo aus er eine Regatta (S chiffsrennen) ansah. Den Beschluß der Fest⸗ lichkeiten machte eine unbeschreiblich schoͤne Beleuchtung des Ha⸗ sens und der Stadt. Heute Morgen trat Se. Heiligkeit unter dem Gelaͤute der Glocken und dem Ruͤckreise nach Rom an.

Neapel, 16. Sept. Das gestrige Regierungsblatt ent⸗ halt Naͤheres uͤber die am Sten d. in Aqutla stattgehabten Un⸗ ruhen, und den an der Person des Kommandanten der Provinz begangenen Mord. Nach dieser Darstellung haͤtte ein Haufen uͤbelgesinnter muͤßiggehender Handwerksleute, die Abwesenheit der bewaffneten Macht benutzend, die offentliche Ruhe stoͤren wollen, um bei der dadurch erzeugten allgemeinen Bestuͤrzung unter den friedlichen Buͤrgern ihren verbrecherischen Zwecken und ihrer Hab⸗ und Raubgier zu froͤhnen. Um dazu zu gelangen, haͤtten sie den Obersten Tanfani, dem das Kommando der Stadt und Provinz Aquila anvertraut war, einen allgemein geachteten und geschaͤtzten Mann, angegriffen, als er sich, von einem Spazier⸗ gang kommend, nach Hause begeben wollte. Sie machten ihn gleich einem ihn begleitenden Gendarmen nieder. Auf das Be⸗ Fanntwerden dieser Frevelthat seyen viele der wohlgesinnten Buͤr⸗ ger aus allen Staͤnden herbeigeeilt, an die sich ein geringer Theil der zur Besetzung der Wachen und Gefaͤngnisse zuruͤckge⸗ bliebenen Soldaten angeschlossen habe, um der Ruhestorer hab⸗ haft zu werden, oder sie zu zerstreuen; allein sie haͤtten Wider⸗ stand gesfunden; die herumziehenden Patrouillen seyen bei ein⸗ brechender Nacht mit Musketenfeuer empfangen, und einer der koͤniglichen Kommissarien durch eine Kugel gekoͤdtet worden. Von den Aufruͤhrern sollen vier auf dem Platz geblieben seyn; die uͤbrigen haͤtten sich durch die Flucht zu retten gesucht. Tags darauf, als sie sich in der Stadt nicht mehr sicher gesehen, haͤt— ten sie solche unter Drohungen verlassen und sich in den Umge⸗ bungen versammelt, auf Huͤlfe und Beistand ihrer in der Stadt gebliebenen Genossen hoffend. Die Bevoͤlkerung sey natuͤrlich in großer Angst und Bangigkeit gewesen, da man jeden Augenblick Schlimmeres vermuthet habe; allein bei dem Erscheinen einer Compagnie Jaͤger, die von der am Adriatischen Meer gelegenen Stadt Pescara zu Huͤlfe gekommen, haͤtten sich die Gemuͤther wieder beruhigt, und jetzt sey die Ordnung voͤllig wiederherge⸗ stellt. Die Rebellen wurden verfolgt, um sie der Strenge der Gesetze zu uͤberliefern. Kaum war Se. Maj. der Koͤnig durch den Polizei⸗Minister von diesen Ereignissen benachrichtigt, als er so⸗ gleich den Brigade-General Casella dahin absandte, um das pro⸗ visorische Kommando der Provinz zu uͤbernehmen. Laut telegra⸗ phischen Nachrichten wurde die Ruhe seitdem nicht wieder gestort.

Spanien.

O Madrid, 17. Sept. Die Regierung hat versucht die Oppositions⸗Presse mit Gewalt zum Stillschweigen zu bringen. Nach dem bestehenden Preßgesetze erklärt, sobald irgend ein Arti⸗ kel eines Jeurnals dem Gerichte aͤberwiesen wird, eine Jury durch ihren Ausspruch, ob der verantwortliche Herausgeber des Blattes in Anklagezustand zu versetzen sey, oder nicht. Faͤllt dieser Aus⸗ spruch bejahend aus, so wird der verantwortliche Herausgeber auf so lange verhaftet, bis eine zweite Jury entschieden hat, ob er schuldig sey oder nicht. Bis dahin durfte er, obgleich in Verhaft, nach wie vor als verantwortlicher Herausgeber unterzeichnen, da seine Schuld noch nicht erwiesen war. Run aber hat aus eige⸗ ner Machtvollkommenheit der Minister des Innern befohlen, daß der verantwortliche Herausgeber von dem Augenblick an, wo er in Anklagezustand versetzt sey, nicht mehr unterzeichnen duͤrfe. Da nun zu gleicher Zeit fast saͤmmtliche Nummern der moderir⸗ ten und republikanischen Presse den Geerichten uͤberwiesen werden, und unter so vielen Faͤllen nicht selten der ver⸗ antwortliche Herausgeber in Anklagezustand versetzt, wenn gleich spaͤterhin nicht verurtheilt witd, so sind die Eigenthuͤmer des Blattes gezwungen, sich nach einer Menge von Personen um⸗ zusehen, welche die Verantwortlichkeit fuͤr den Inhalt uͤbernehmen moͤchten. Dies aber verursacht einen solchen Kosten⸗Auswand und uͤberhaupt solche Schwierigkeiten, daß die Eigenthuͤmer zu Grunde gehen, oder ihre Opposition gegen die Minister einstellen muͤssen. Da die Zusammensetzung der Geschwornen⸗Gerichte ven den Ayuntamientos geleitet wird, und diese bekanntlich die festesten Stuͤtzen des herrschenden Systems sind, so koͤnnen die Oppositions⸗ Blaͤtter in der Regel im Voraus darauf rechnen, daß der Aus⸗ spruch gegen sie ausfallen werde. Dennoch sind Beispiele, daß nicht nur Artikel, in denen die Abschaffung des Thrones gepredigt wird, sondern sogar solche, welche die bittersten Schmaͤhungen ge⸗ gen den Regenten enthalten, freigesprochen werden.

Die Anstalt der Jury fuͤr Preßvergehen gleicht hier insofern durchaus einem Gluͤcksspiele, waͤhrend das aͤußere Verfahren nicht höͤchst ergoͤtzlichen Austritten Veranlassung giebt. g ern wurde der verantwortliche Herausgeber des Correo Na 1 zu zweijaͤhriger Gefaͤngnißstrafe verurtheilt, weil die⸗ ses Blatt ein Lobgedicht auf die Koͤnigin Marie Christine aufge⸗ nommen hatte. Gestern erfolgte ein gleicher Ausspruch gegen den verantwortlichen Herausgeber des Huracan, nicht etwa wegen seiner republikanischen Doktrinen, der anklagende Fiskal er⸗ klaͤrte vielmehr, er selbst sey ein noch entschiedenerer Republikaner als jener Herausgeber, sondern weil den Cortes das Recht ab⸗ gesprochen worden war, dem Regenten einen Jahrgehalt von hun⸗ derttausend Piastern aus'usetzen. Gegen den Correo Nacional sind noch vier andere Anklagen anhaͤngig, und wenn nur zwei Entscheidungen ungüͤnstig fuͤr ihn ausfallen, so sind die Eigenthuͤ⸗ mer zu Gruͤnde gerichtet. Unter diesen Umstaͤnden behaupten die

Donner der Geschuͤtze seine

Oppositions⸗Blaͤtter, der oben angegebene Besehl des Ministers des Innern sey ein Eingriff in die gesetzgebende Gewalt der Cor⸗

8

tes, und demnach eine Verletzung der Constitution. Waäͤre jener Befehl von einem moderirten Ministerium ausgegangen, so wuͤr⸗ den ehne Zweifel die Progressisten darin die Berechtigung zu ei⸗ nem „glorreichen Aufstand erblickt“ haben. Jetzt brechen sie in unverhaltenen Jubel aus uͤber die den Retrograden zugefüͤgte toͤdt⸗ liche Niederlage.

Ueberhaupt herrscht in der ganzen Halbinsel ein Zuͤstand, wie ihn nur die Voͤlker des Mittelalters kannten. Die Nation ist in zwei Klassen getheilt, in Sieger und in U berwundene. Letztere

nehmen an den buͤrgerlichen Rechten keinen Antheil, finden keinen

Schutz vor den Gesetzen, und werden fortwaͤhrend und ohne Hehl von Ersteren als Hesoten verhoͤhnt und gemißhandelt. Die Re⸗ gierung sieht diesem Treiben mit Gleichmuth, vielleicht gar mit Befriedigung zu; sie weiß, daß sie nur so lange bestehen kann, als dieses System fortdauert. Bei Gelegenheit der Feier des September⸗Aufstandes richtete der Chef der National⸗Miliz von Puerto de Santa Maria eine Proclamation an dieselbe, welche mit folgenden Worten schließt: „Milizen! ergreift die Hand des tapferen Kriegers und vollkommenen Ritters, der mit der Re⸗ gentschaft bekleidet ist, druͤckt sie an euer Herz, und schwoͤrt im Namen des Vaterlandes, ihm bei der unablaͤssigen Bekriegung der Chri⸗ stino⸗Papisten beizustehen, ohne jemals zu vergessen, daß er Koͤ⸗ ig ist (que es rey), nicht von Gottes Gnaden, sondern kraft es Willens des souverainen Volkes.“ Diese Anrede, in welcher Espartero fuͤr einen Koͤnig erklaͤrt wird, ist, ohne Anstoß zu erre⸗ en, in die ministeriellen Blaͤtter uͤbergegangen. Auch wurde die Gemahlin des Regenten auf ihrer Reise nach dem S uͤden uͤber⸗ all, in Folge hoͤheren Befehls, mit Koͤniglichen Ehrenbezeugungen, Glockenlaͤuten, Illuminationen, Deputationen u. s. w. empfangen. Der neue Belgische Geschaͤftstraͤger am hiesigen Hofe, Graf von Marnir, begleitet von dem Attaché, Grafen von Ursel, ist vorgestern hier eingetroffen.

Aegypten.

Alerandrien, 6. Sept. (A. Z.) Mehmed Ali ist fort⸗ waͤhrend hier, einen Gartenpalast in der Naͤhe der Stadt be⸗ wohnend. Der Russische General⸗Konsul, Herr Kraͤhmer, ist noch nicht offiziell vorgestellt worden, doch duͤrfte dies noch vor Abgang des Vice⸗Koͤnigs nach Kairo geschehen.

Endlich werden ernstliche Maßregeln zur Auslieferung der im Dienste des Pascha stehenden Syrer getroffen; vorderhand sind dieselben nun bezeichnet; sie sollen vor ihrer Abreise ihre Sold⸗Ruͤckstaͤnde bezahlt erhalten. Man schaͤtzt ihre Zahl auf 10,000. Napier uͤberwacht sorgfaͤltig diese Auslieferung.

Mit dem letzten Franzoͤsischen Dampfboot hat Mehmed Ali die Ordre erhalten, die befohlene Erpedition nach Arabien (zu der uͤbrigens keine Vorbereitungen getroffen worden waren) einzustellen. Es scheint dies eine Folge des Einflusses der Englaͤnder, die alles was auf dem rothen Meere vorgeht, mit eifersuchtigem Auge ansehen. 88

Ahmet Menikli Pascha, fruͤher Kriegs⸗Minister, hat seine Entlassung genommen.

Die Franzoͤsische Kriegsbrigg Bougainville brachte uns Nach⸗ richten aus Beyrut bis zum 25. Aug. Die Drusen und Ma⸗ roniten waren fortwaͤhrend in großer Uneinigkeit, indem jene den Emir Suleman, diese den Emir Cassem, der gegenwaͤrtig regiert und den Interessen der Maroniten ergeben ist, zum Fuͤrsten haben wollen. Man will wissen, daß die Tuͤrken selbst diese Haͤndel an⸗ stiften, um durch die eine Partei die andere im Zaum zu halten. Die Gebirgsbewohner straͤuben sich fortwaͤhrend gegen die ihnen auferlegten Taren und Tribute; sie bezahlen nichts, waͤhrend die Tuͤrken außer den Staͤdten nicht die geringste Kraft haben, sich Respekt zu verschaffen. Ueberall herrscht Unordnung, und Pluͤnde⸗ rung war an der Tagesordnung; so hatten die beruͤchtigten Anesi Araber kurz vorher eine Karawane von Aleppo, die Geld und Seide fuͤhrte gepluͤndert. Fortwaͤhrend waren vier Englische Linienschiffe und ein Dampfboot vor Beyrut stationirt. Der Oesterreichische Contre⸗ Admiral Bandiera war wenige Tage zuvor dort angelangt. Er überbrachte dem Maroniten⸗Patriarchen 9000 Rthlr. zur Unter⸗ stuͤzung der armen Vergbewohner. Man glaubte, daß er die ob⸗ waltenden Streitigkeiten zu vermitteln trachten werde, doch war keine Hoffnung vorhanden, daß dieselben ohne Blutvergießen endi— digen wuͤrden.

Die Englische Expedition auf dem Euphrat, welcher bekannt⸗ lich eine Lebensmittel zufuͤhrende Karawane ausgeraubt wurde, findet nun Hindernisse anderer und ernsterer Art. Die Dampf⸗ schiffe sitzen auf dem Grund und koͤnnen weder vor⸗ und růͤck⸗ waͤrts. Sie befanden sich in kritischer Lage, denn sie waren ge⸗ zwungen, auszuschiffen und sich in einem befestigten Lager gegen die Angriffe der Araber zu schuͤtzen, welche ihnen alle Zufuhren abgeschnitten hatten. Von den Tuͤrken war wenig Unterstuͤtzung zu hoffen.

Chili.

Valparaiso, 19. Juni. Von Lima hat man hier Nach— richten bis zum 7ten d. M. Die Truppen, welche durch Santa Cruz von Guayaquil nach Piura gesandt waren, wurden in letz⸗ terer Stadt von den Peruanischen Regierungs⸗Truppen gaͤnzlich geschlagen und gefangen genommen und einige der Anfuͤhrer er⸗ schossen. Die Regierung unter Gamarra hat dadurch neue Festig⸗ keit erlangt. Santa Cruz selbst war in Guayaquil zuruͤckgeblieben.

Ein Englisches Kriegsschiff wird im naͤchsten Monate hier erwartet und soll ungefaͤhr 2 Millionen Dollars bringen, groͤß⸗ tentheils fuͤr England bestimmt.

In politischer Hinsicht ist hier Alles ruhig. Die Kammern sind am sten d. zusammengetreten. Bei Oeffnung der Sitzun⸗ gen bemerkte der Praͤsident in seiner Rede, daß die Einnahme des Jahres 18409 sich auf 2,830,334 Dollars belaufen habe, und daß an die Zinsen der Englischen Anleihe 552,870 Dollars remittirt seyen, welches den besten Beweis von dem fortschreitenden Wohl⸗ stande dieses Landes und dem wohlgeordneten Finanz⸗System lie⸗ fert. Die Wahl eines neuen Praͤsidenten wird im naͤchsten Mo⸗ nate, gewiß ohne Stoͤrung der Ruhe, vor. sich gehen. General Bulnes, Tocornal und Pinto sind die Kandidaten, von denen Er⸗ sterer die besten Aussichten hat. 8

An Muͤnze und Silber ist großer Mangel, harte Thaler sind mit 11 pECt. Praͤmie und Silber mit 10½ Dollars fuͤr die Mark bezahltt.

1“

Eine Verordnung des Koͤnigl. Konsi⸗

Berlin, 29. Sept. des 1 7. September besagt

storiums der Provinz Brandenburg vom Folgendes: ü „Es ist bemerkt worden, daß bei den zu milden Zwecken statt⸗ gefundenen Musik⸗Auffuͤhrungen in Kirchen zuweilen Stuͤcke ge⸗ waͤhlt worden sind, welche sich ihrem Inhalte nach fuͤr den heili⸗ gen Ort nicht eignen. Des Koͤnigs Majestaͤt haben deshalb auf

ganz neu

18 xaa müieckhere, ar .

den Antrag des Koͤnigl. Ministeriums der geistlichen u. s. w. An⸗ gelegenheiten mittelst Allerhoͤchster Kabinets⸗Ordre vom 31. Juli

d. J. zu bestimmen geruht, daß Jeder, welcher Kirchen zu musi⸗ kalischen Zwecken benutzen will, gehalten seyn soll, zuvor die Be⸗ scheinigung des betreffenden Pfarrers beizubringen, daß der Text

der aufzufuͤhrenden Mustkstuͤcke nichts fuͤr die Kirche Anstößiges

enthalte.“ 1“

““; 1141414141““ Hirschberg, 28. Sept. Gestern Nachmitta 8 Uim ühr entschlief auf dem Schlosse zu Stonsdorf, im Schlesischen

jesengebirge, Se. Durchlaucht der Fuͤrst Heinrich LXIII. juͤnge⸗

Linie Reuß, Graf und Herr von Plauen, im 55sten Lebens⸗

FIFWürttemberg unter König Wilhelm. 8 Fortsetzung und Schluß.)

Die Kirchen. Die Religions⸗ und Gewissens⸗Freiheit welche der Koͤnig in die Versassungs⸗Grundsaͤtze aufnahm, wurde unter seiner Regierung heilig gehalten, waͤhrend der Staat sich keines seiner Aufsichtsrechte begab. Die Verfassungs⸗Urkunde ent⸗ haͤlt hieruͤber eine Reihe freisinniger und weiser Bestimmungen. (Kapitel VI. §z. 70 84.

1) Die evangelische Kirche. Die freie Forschung wurde nicht gehemmt, aber auch Diejenigen, welche weiter gehen und lutherischer seyn wollen, als die bestehende evangelische Kirche,

nicht verfolgt. Die Vereinigung der reformirten und lutherischen Kirche ist thatsaͤchlich durchgefuͤhrt, das Loos der Kirchendiener verbessert woͤrden. Die Art und Weise, wie das neue Gesangbuch der oöͤffentlichen Pruͤfung uͤbergeben, wie dann eine eigene Pruͤ⸗

sungs⸗Kommission aus Geistlichen aller Meinungen zusammenge⸗ setzt wurde, um es zu verbessern und allen gerechten Anforderun⸗ gen zu entsprechen, zagt, wie der Koͤnig, auch in seiner Eigenschaft als Bischof der evangelischen Kirche, die oͤffentliche Meinung beach⸗

tet und die Gewissens⸗Freiheit ehrt. Von diesem Standpunkte aus ist auch die Erlaubniß zur Gruͤndung der pietistischen Kolo⸗ nie in Kornthal ein ehrenvolles Denkmal der vollkommenen Ge⸗ wissens⸗Freiheit im Lande.

2. Die katholische Kirche. Eine der ersten Anord⸗ nungen des Koͤnigs (14. Maͤrz 1812) war Aufhebung der Ver⸗ ordnung aus der vorigen Regierungs⸗Periode, nach welcher in ge⸗ mischten Ehen der Vater sich nicht verpflichten durfte, seine Soͤhne der katholischen Konfession zuzuwenden. Durch die Verfassungs⸗ Urkunde wurde auch der katholischen Kirche eine Repraͤsentation auf den Landtagen eingeraͤumt (§. 135 der Verfassungs⸗Urkunde) und der Grundsatz ausgesprochen, daß der evangelische Koͤnig seine Ober⸗Aufsichtsrechte uͤber die katholische Kirche durch ein Kolle⸗ gium uͤberlassen werde, welches lediglich aus Katholiken zusam⸗

mengesetzt sey (§. 79 der Verfassungs⸗Urkunde). Durch das Kon⸗ kordat mit der Paͤpstlichen Kurie erhielt die katholische Kirche des Landes wiederum ihre gesetzliche Verbindung mit ihrem Mittel⸗ punkte und Oberhaupte. Den Bullen „provida solersquen und „ad dominici gregis eustodiam, welchen im Jahre 1827 das Koͤnigliche Placet zu Theil wurde, folgte die Einweisung des Lan⸗ des⸗Bischofs und die Bestellung des Dom⸗Kapitels durch densel⸗ ben. Ein unmittelbar unter der Leitung des Bischofs stehendes Priester-Seminar zu Rottenburg und die niederen katholischen Konvikte zu Ehingen und Rottweil, wurden neu gegruͤndet und ihre Kosten auf den Staat uͤbernommen. In den hoͤchsten Staats⸗ stellen finden sich Katholiken und die Eintracht zwischen den Kon⸗ fessionen ist, Dank der Weisheit des Koͤnigs, in Wuͤrttemberg nie gestoͤrt worden.

3. Die Israelitische Kirche. Durch das Gesetz vom April 1828 wurde die Mosaische Kirche vom Staate anerkannt, ihr vollkommene Freiheit des Kultus eingeraͤumt und eine Ober⸗ Behoͤrde aus Israeliten, unter dem Vorsitze eines Regierungs⸗ Commissairs, zur Leitung ihrer Angelegenheiten eingesetzt. Die Rechts⸗Verhaͤltnisse der Bekenner dieses Glaubens wurden gere— gelt und gegen fruͤher bedeutend verbessert. Auch erhaͤlt die Mo⸗ saische Kirche, deren Diener saͤmmtlich Staats⸗Pruͤfungen zu be⸗

bestehen haben, Zuschuͤsse aus Staatsmitteln. Das Schulwesen. In wenigen Laͤndern ist den Schu⸗ len eine so angestrengte und einsichtsvolle Sorgfalt gewidmet wor⸗ den, wie in Wuͤrttemberg, und namentlich seit der Regierung Koͤ⸗ nig Wilhelm's. Fast die ganze juͤngere Generation kann lesen, schreiben, rechnen und ist in den Lehren der Religion unterrichtet. Das Gesetz uͤber die Volksschulen vom 29. September 1836 sorgt fuͤr die Schullehrer, sowohl waͤhrend ihrer Amtszeit, als in ihrem Alter. Wo die Kommunen zu unvermoͤgend sind, den gesetzlichen Anspruͤchen zu genuͤgen, da tritt der Staat hinzu; die Schulleh⸗ rer⸗ und Schullehrer⸗Wittwen⸗Pensionskassen wurden aus S taats⸗ mitteln mit Kapitalien dotirt. Fuͤr die Heranbildung der Schul⸗

lehrer ist das evangelische Seminar zu Eßlingen tuͤchtig umgebil⸗

det, das katholische zu Gmuͤnd neu errichtet worden. Privat⸗

Anstalten dieser Art erhalten Unterstuͤtzung von Seiten des Staats, auch hat derselbe zahlreiche Stipendien fuͤr die Seminaristen aus⸗ gesetzt. Seit Erlassung des Schulgesetzes (29. September 1836) bis zum 1. Juli d. J. wurden 125 neue evangelische Schulen er⸗ richtet oder Provisorate zu Schullehrerstellen erhoben, und unter der Aufsicht des evangelischen Konsistoriums allein stehen 1475 Schulmeister⸗, 341 Unter⸗Lehrer und 764 Lehrer⸗Gehuͤlfen⸗Stellen, die bis auf 266 saͤmmtlich besetzt sind.

Die 51 Israelitischen Schulen, so wie die Industrie⸗ und Kleinkinder⸗Schulen, sind unter der gegenwaͤrtigen Regierung er⸗

richtet worden. Von Realschulen, die unter der jetzigen Regierung

errichtet wurden, besitzt Wuͤrttemberg außer der Ele⸗ mentar⸗Anstalt (mit 6 Klassen) und der Realschule (mit 10 Klas⸗

sen) in Stuttgart, noch 43 Realschulen, von denen 8 ganz fuͤr sich bestehen, die uͤbrigen aber mit Lateinischen Lehr⸗Anstalten ver⸗

bunden sind. Von den 75 Lateinischen Schulen des Landes sind 4 unter der jetzigen Regierung neu errichtet worden. Die 41 Lyceen zu Ludwigsburg, Oehringen, Ravensburg und Tuͤbingen sind Schoͤpfungen der gegenwaͤrtigen Regierung. Die 6 Landes⸗ Gymnasien wurden zeitgemaͤß organisirt und die Zahl der nie⸗ deren evangelischen Seminarien von 2 auf 4 vermehrt, die 2 katholischen neu gegruͤndet. Auch die Thierarznei⸗Schule, die Kunst⸗Schule und vor allen die polytechnische Schule (mit 1 Vorstand, 15 Lehrern), dann das Katharinen⸗Stift (fuͤr Toͤchter aus hoͤheren Staͤnden) zu Stuttgart, sind unter der gegenwaͤrtigen Regierung ins Leben gerufen. Die Zahl der Lehrer an diesen dem Koͤniglichen Studien⸗Rathe untergeordneten Lehr⸗ Anstalten (mit Ausnahme der Thierarznei⸗Schule) beläuft sich etwa auf 440, von welchen auf neugeschaffene hoͤhere Lehrstellen etwa 170 kommen. 55 Die Landes⸗Universitaͤt Tuͤbingen verdankt dem Kö⸗ nige die Errichtung zweier neuen Fakultaͤten, 8e e egha⸗ gischen nebst dem Wilhelms⸗Stift und der baseneee * Fakultaͤt, so wie das Reallehrer⸗ und das phi 61897 he 8 e sbei Seminar. Die Universitaͤt wurde durch das Gesetz vom 3. April 116“