1841 / 276 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

begonnen. Um 11 Uhr wird eine E“ Fahrt nach Koͤnigs⸗ winter zu einem Gastmahl unternommen. Das erste gedruckt aus⸗ gegebene Verzeichniß der Theilnehmer des Vereins ist erschienen.

In Koͤln ist heute der Franzoͤsische Marschall Gérard ange⸗ kommen. ““

Spandow, 2. Okt. Am 30. September Abends wurde die Kolonisten⸗Wittwe Klaͤhn in ihrem bei Pichelsdorf be⸗ legenen, zum Polizei⸗Bezirk der Stadt Spandow gehoͤrigen Hause ermordet gefunden; gleichzeitig vermißte man aus einem Schranke Geld und mehrere geldwerthe Papiere. Die Ermordete war zu⸗ letzt mit einem Menschen gesehen worden, dessen Personsbeschrei⸗ bung auf einen Verwandten paßte, der nicht unter den guͤnstig⸗ sten Umstaͤnden lebte. Die staͤdtische Polizei⸗Behoͤrde gruͤndete darauf die weiteren Nachforschungen, in deren Folge es dem Buͤrger⸗ meister Dr. Zimmermann zu Spandow gelang, den Thaͤter in der Per⸗ son des Baͤckergesellen Weller in Neu⸗Honow bei Landsberg zu ermitteln, denselben zu verhaften und zu einem vollstaͤndigen reui⸗ gen Bekenntniß des Verbrechens zu bringen. Der Verbrecher er⸗ wartet jetzt in den Haͤnden der Gerichte seinen Urtelspruch.

Die Herrschaft der Karthager und Nömer im nörd⸗ lichen Afrika, in Vergleich zu den gegenwärtigen Eroberungen der Franzosen daselbst.

Karthago. Rom und Masinissa.

Afrika in der eigenthuͤmlichen Abgeschlossenheit seiner Welt⸗ lage, der Einfoͤrmigkeit seiner Kuͤsten⸗Formation, bei dem Mangel an großen Stroͤmen, und umgeben von dem heftigen Ungestuͤm seiner Meere, ist unter allen Erdtheilen bei weitem am wenigsten dem bildenden Einfluß auslaͤndischer Voͤlker⸗Entwickelungen geöff⸗ net gewesen. Kaum sind es mehr als einzelne Kuͤstenstriche, an welche sich die Spuren einer hoͤchst duͤrftigen Civilisirung knuͤpfen; weicht aber das Interesse des Augenblicks, so sinken alle diese blendenden Erscheinungen der Gesittung wie jener Zauberblick der Wuͤste, leicht und spurlos wieder in sich zusammen. Werden jene freundlichen Bestrebungen zur Ausbreitung des Christenthums im Suͤden, werden die neuen großartigen christlichen Kolonieen, wie sie England am Niger zu gruͤnden strebt, eine bleibende Steaͤtte behaupten? Wird Frankreich, in dem Bewußtseyn seiner Ge⸗ genwart jenen Adel des Geistes finden, der aus Eroberungen des Schmertes, Eroberungen der Menschheit zu gestalten befaͤhigt ist? Wir wissen es nicht, bisher aber sind selbst die bluͤhend— sten Erscheinungen auf oiesem Gebiete, die Herrschaft des Christen—- thums an der Nordkuͤste Afrika's, mit ihren großen Bischoͤfen und ihren bildungsreichen Gemeinden, eben so jene besseren Zeiten des Islam, in denen das Kalifat der Araber Glanz und neue Gesittung bis hieher verbreitete, fast spurlos in die Vergessenheit zuruͤckgesunken.

Vier Fremdherrschaften haben nach einander auf dem aͤußer⸗ sten Nordrande von Afrika ihren besonderen Einfluß geltend ge⸗ macht, die Herrschaft der Karthager, die Herrschaft der Roͤmer, die der Vandalen, und die der Voͤlker des Islam; mehr als 700. Jahre hat die Herrschaft Karthago's gewaͤhrt, fast 600 Jahre die der Roöͤmer, ehe sie die Herrschaft der Vandalen erschuͤttert, ein Jahrhundert lang sodann die der Vandalen, und nach einer inne⸗ ven Aufloͤsungs⸗Periode Vandalisch⸗Roͤmischer Obmacht, uͤber tau— send Jahre die Wechselherrschaft des Islam, erst Arabisch⸗Mau⸗ risch, dann Tuͤrkisch, bis zu dem Zusammenstoß der christlichen Voͤlfer Suͤd-Europas mit ihrem Bestande in der neueren Zeit. Die ersten Jahrhunderte Karthago's sind dunkel und sagenvoll, unsere Kenntniß der Sprache, Staats⸗Verfassung, Kultus und Geschichte bei dem Mangel nationaler Quellen aͤußerst mangel⸗ haft. Trotz des Glanzes, welchen Handel, Reichthum, Macht und kriegerisches Heldenthum so lange uͤber diesen Freistaat ausgebrei⸗ tet, geht dennoch von Karthago's fruͤhsten Tagen bis zu seiner letzten Stunde ein Zug dumpfer und truͤber Barbarei, im Gegen— saßz zur lichten Schoͤnheit der Hellenischen Welt, durch seine Ge⸗ schichte. Von jenem Bruͤderpaar der Philaͤnen, welches sich einst lebendig begraben ließ, um seinem Vaterlande die bestrittene Graͤnze zu sichern, bis herab auf die Stunde, wo Hasdrubals Gattin sich mit ihren Kindern in die Flammen stuͤrzte, reden viele Beispiele von diesem maͤchtigen doch finstern Geist: selbst Hannibals riesige Gestalt, wie dunkel steht sie nicht der menschlich schoͤnen Helden— groͤße Scipio's gegenuͤber! .

Die Religion der Karthager war duͤster und blutig und Tau⸗ sende von Kindern und Sklaven fielen dem Baalzum Opfer. Wieheilig und vaterlaͤndisch aber ein so duͤsterer Opfer⸗Kultus war, ergiebt sich bei dem Einfall des mit Karthagischer Huͤlfe aus Sicilien vertriebe⸗ nen Tyrannen von Syrakus, jenes Sicilischen Toͤpfersohnes Aga⸗ thocles, der nun mit einem kuͤhnen Kriegerhaufen nach Afrika uͤbersetzt und anfangs siegreich die Landschaft um Karthago her erobert. Damals waren es nicht Kinder der Armen und Sklaven, die man opferte, um die Gottheit zu versoͤhnen, sondern 200 Kin⸗ der der Vornehmen wurden so geschlachtet, und mehr als 300 edle Karthager boten sich freiwillig dar zu dieser Orgie des To- des; und doch hatte schon uͤber hundert Jahr fruͤher der edle Fuͤrst von Syrakus, Gelon, nach der Schlacht bei Himera in Sicilien, den Karthagern auch dies als besondere Friedens⸗Bedin⸗ gung gestellt, hinfuͤhro keine Kinder zu opfern. Ein solches Volk, das in wildem Religionsdienst so grausam gegen sich selbst wuͤthen konnte, was selbst seine ungluͤcklichen Feldherrn mit dem Kreuzes⸗ tode bestrafte, war nicht geeignet, wo es gegen Unterworfene zu verfahren hatte, mild und freuͤndlich und in wohlwollender Sorge fuͤr die unterjochten Voͤlker zu handeln. Daher hielt es auch alle diese

Völkerschaften, die es sich unterwarf, oder die es an sein Interesse

zu knuͤpfen wußte, in einer steten Isolirung; die Fremden wurden

benutzt, aber nie einheimisch in Karthago, die Unterworfenen nicht selten mit aͤrte behandelt, und selbst Libysch⸗Phoͤnizische Mischlinge, wenn sie sich auszeichneten, darnieder gehalten. Jedoch der Umfang seiner Kuͤsten⸗Landschaft war es keinesweges an sich, der ihm seine beherrschende Stellung an dem Nordrande von Afrika gab; dazu war diese Landschaft selbst in der höchsten

Bluͤthe des Landes zu klein, wohl aber war es die Gunst

ihrer Lage, die es trefflich zu nutzen verstgnd, Rechnen wir den

Ostrand seiner Besitzungen hinweg, das Steppenland der großen und kleinen Syrte, wo es sich zinspflichtige Nomaden unterwor⸗ sen hatte, und was zum Theil die Landschaft des jetzigen Tripo⸗ lis umfaßt, so waren seine Besitzungen, wie sie den groͤßeren Theil des jetzigen Tunis in sich begreifen „win ein Rechteck zusammenge⸗ draͤngt von 40 Meilen Laͤnge und 30 Meilen Breite, mit einer dem Handel guͤnstigen und vor Stuͤrmen sicheren Reihe von wohl⸗ bevölkerten Seeplaͤtzen umguͤrtet und dominirt durch den gewalti⸗ gen Kriegs⸗ und Handelshafen Karthago's, der, allein faͤhig 220 Kriegsschiffe zu fassen, durch das wild hervorspringende Geklipp der Kuͤste nach Westen hin noch ganz besonders gegen den An⸗

drang der Nordweststuͤrme und des Krieges geschuͤtzt war. Eine

große seekundige Bevoͤlkerung der Stadt, in den besten Zeiten wohl

weit uͤber eine halbe Million, gab solchen Anlagen hinreichenden

dachdruck. In diesem Carré einer zugleich fruchtreichen, wohlbe⸗ voͤlkerten, aber vor allem fuͤr Angriff, Vertheidigung und Evolution der Begebenheiten konzentrirten, durch waldige Huͤgelreihen, auch landeinwaͤrts wohl gesicherten Landschaft streckte es nun das Netz seiner politisch merkantilen Thaͤtigkeit und das Schwert seiner Herr⸗ schaft uͤber die bekannte Welt. Brauchte es Krieger, sein Stamm war Karthagisch, seine heilige Schaar und seine Feldherren wa⸗ ren stets edle Karthager, aber die uͤbrige Bemannung der Schiffe und die Masse der Krieger wurden erkauft und geworben. Sein Gold brachte ihm die Sklaven fuͤr seine Flotte und die Soͤldner fuͤr seine Heere aus der bunten Musterkarte der Afrikanischen und Hesperischen Voͤlkerschaaren, die es der reichen Beute der Ci⸗ vilisation entgegenfuͤhrte, und gern zogen selbst die Numidischen Fuͤrstensohne mit ihm in den Krieg, in den Streit der Numidischen Fuͤr⸗ sten dagegen unter sich mischte es sich nur dann, wenn es galt, einen zu mäaͤchtig Werdenden von ihnen zu hemmen. Aber wie spaͤter Vene⸗ digs Handels⸗Aristokratie, duldeten auch seine Nobili nie einen beherrschenden Einfluß der Fremden in Karthago, selbst wenn man sie brauchte, und auch die groͤßten eigenen Feldherren konnten sich nur so lange behaupten, auch wenn sie den edelsten Geschlechtern der Punier angehoͤrten, als sie nothwendig und der Herrschaft nicht, gefaͤhrlich schienen. Jener Hannibal, so groß, so kuͤhn, so un⸗ erschuͤtterlich ausdauernd in seinen Feldherrn⸗Entwuͤrfen und seinem Feldherrn⸗Willen, haͤtte ihn jene zaͤhe, kalte Berechnung der eifer⸗ suͤchtigen Handels⸗Aristokratie Karthago's nicht verlassen, nie haͤtte er wohl die Siegesherrschaft Italiens gelassen, schwerlich haͤtte es ein welthistorisches Zama gegeben.

Fragen wir nun noch bestimmter, welches der Einfluß Kar⸗ thago's auf die Civilisation der Voͤlker Afrika's war, so laͤßt sich das Resultat in die wenigen Worte zusammenfassen: „sie haben durch dieses Karthago nichts gelernt und nichts verlernt.“ Die No⸗ maden, wie die Griechen die Numidier nennen, sind geblieben was sie waren, in ihren Steppen, in ihrer Kultur des Bodens, in ih— rem sporadisch vereinzelten Anbau von Burgen und Staͤdten, und nur die Karthaͤgische Landschaft selbst gewaͤhrte ein bluͤhendes Bild der Civilisation. Eine so großartige Agrikultur, wie sie der Numidische Fuͤrst Masinissa entwickelte, mag er wohl mehr der Beguͤnstigung der Roͤmer zu verdanken haben, deren Freund und Verbuͤndeter er ward, als einem unmittelbar anregenden Einflusse Karthago's.

Ganz anders verhaͤlt es sich mit der Herrschaft Rom's in diesen Gegenden. Wo Rom in die Gebiete der Voͤlker eingriff, da galt es einen bleibenden Eindruck seiner Herrschaft, eine Besitz⸗ Ergreifung durch Militair-Kolonieen, Bundesstaaten und Freund⸗ schafts⸗Vertraͤge, und eine Organisation der Provinzial⸗Verwal⸗ tung, welche, trotz der Mißbraͤuche der Prokonsuln, dennoch un⸗ ausgesetzt eine Buͤrgschaft des Besseren mit sich fuͤhrte und in bleibenden Formen geregelt war. Wenn der Norden Afrika's die Karthager in ihrem Wachsthum als seine Gegner und Bedruͤcker ansah, so war das Verhaͤltniß zu Rom das voͤllig umgekehrte. Die Ro— mer wurden als die Befreier von der Tyrannei der Karthager in Afrika angesehen; so ging in Sicilien jener kuͤhne Libisch⸗Phöͤni⸗ zische Reiter⸗General des Hannibal, Mutines daselbst zu den Roͤ⸗ mern uͤber, so unterhandelte Syphax, Koͤnig vom westlichen Nu⸗ midien, gern mit Rom, und ein Roͤmischer Centurio organisirt ihm sein Fußvolk auf Roͤmische Weise; so ward spaͤter Masi⸗ nissa, Koͤnig von Ost⸗Numidien, Freund und Bundesgenosse der Roͤmer. Es giebt in der Persoͤnlichkeit einzelner großer Maͤnner wie in dem Wesen einzelner Voͤlker etwas Wunderbares und ge⸗ heimnißvoll Tiefes, worin sich die innerste Macht ihres Schicksals und ihrer Weltbestimmung, als ein unwiderstehliches Gepraͤge ihres Wesens kund giebt. So traͤgt das Roöͤmische Volk das Siegel der Herr⸗ schaft an seiner Stirn, und willig oder nicht zieht ein geheimniß— voller Zwang die Voͤlker, sich ihm zu heugen. In diesem Sinne empfaͤngt Afrika zugleich seine Herrschaft, es ist nicht der Vortheil allein, nicht der unmittelbare Schutz gegen Karthago: es ist der Zauberspruch Roͤmischer Herrschaft, dem es zugleich darin begeg⸗ net. Karthago faͤllt, und die Voͤlker Afrika's draͤngen sich um Rom, von ihm zu lernen, ihm zu dienen und gern seine Schlach⸗ ten zu schlagen. Jene Beharrlichkeit des Roͤmischen Willens, welche bei allen inneren Verwickelungen und aͤußeren Schwankungen un⸗ aufhaltsam an ihr Ziel geht, sie vollendet die Siegeszeichen seiner Herrschaft. In ihr trat jene sichere Konsequenz der Grundsaͤtze, wie die fernhin treffende Festigkeit der Handlungsweise zu Tage, welche die Voͤlker, die sich ihm anschlossen, sest an die Republick gebannt hielten: voll Diensteifer draͤngten sich die Fuͤrsten und Soͤhne der Fuͤrsten zu der ewigen Roma, um durch sie Herrschaft zu lernen und Herrschaft zu sichern, sich fuͤhlten sich geehrt durch den Kurulischen Sessel und das Elfenbein⸗Scepter ihrer Magistra⸗ turen und die Roͤmische Toga, die man ihnen sandte, wie durch den Titel Freunde der Roͤmer, oder wie spaͤter unter den Kaisern Patrizier des Roͤmischen Volkes.

Wenn irgend, so gilt dies ganz besonders von dem Einflusse Roms auf die Numidischen Staͤmme. Als der aͤltere Scipio in Afrika landete, da nahte sich ihm als Fluͤchtling, mit wenigen treu gebliebenen Reiter-Geschwadern, aus den Wuͤsten des Landes sich Fewandrängend, Masinissa, denn ihn hatte Syphax, damals wieder der Freund Karthago's, mit seinen Roͤmisch ausgebildeten Kriegsschaaren von Land und Leuten vertrieben, und er ward zum Freunde der Roͤmer angenommen; aber seine Macht wuchs unter dem Schutz und dem Einflusse Roms zur Herrschaft von ganz Numidien, ja selbst der zinsbaren Landschaften Karthago's heran, und durch die lange Reihe seines neunzigjaͤhrigen Lebens ist er der Freund der Roͤmer geblieben und hat seine Herrschaft koͤniglich zu behaupten gewußt. Aber mit dieser Zeit, mit diesem Hervortreten des Roͤmischen Einflusses in Afrika beginnt sogleich durch ganz Numidien eine neue Macht der Dinge, die in Masi⸗ nissa's koniglichem Sinne ihren Anfang und ihre selbststaͤndige Ent⸗ wickelung findet.

Numidien

umfaßte damals die Landschaften, welche das jetzige Gebiet von Algier ausmachen, eben sowohl den Theil, welchen die Franzosen behaupten, wie den, welchen die freien Maurisch⸗Arabischen Staͤmme durchziehen, und erstreckte sich selbst im Osten unterhalb des Karthagischen Gebjetes bis an den Saum der Syrten und die Afrikanische Wuͤste. Es ist das Berg⸗Plateau des mittleren und kleinen Atlas mit sei⸗ nen ausgebreiteten weidexeichen Bergebenen, seinen mannigfaltigen Thalgelaͤnden, seinen Huͤgelwellen und munteren Fluͤssen bis her⸗ ab zu dem Klippensaum des Mittellaͤndischen Meexes. Vor Ma⸗ sinissa ward es nur als Weideland benutzt, von fluͤchtigem Anbau der Cerealien und geringfuͤgiger Baumzucht kaum oasenartig durchbrochen; der Verkehr mit den Italienischen Handelsleuten war weniger auf die Erzeugnisse des Bodens als auf den vortheil⸗ haften Umsatz der Kriegsbeute gerichtet. Allein seit Masinissa's Herr⸗ schaft wird Numidien die Kornkammer Italiens, und spaͤter in den Zeiten des Kaiserthums, bei den gegenseitigen Kaͤmpfen der Rö⸗ mischen Imperatoren um die Herrschaft der Welt, zuͤgelte oder empoͤrte die Sperrung dieser Zufuhr nach den verschiedenen Zwecken der Roͤmischen Staats⸗Politik die Völker Italiens. Die Vortheile der Karthagischen Kultur des Bodens fanden selbst bei den Roͤmern so hohe

Anerkennung, daß der Senat das von dem juͤngeren Scipio aus den Truͤmmern Karthago's gerettete Werk des Punischen Feldherrn Mago üͤber die Landwirthschaft in das Roͤmische uͤbertragen ließ. Polybius der spaͤtere Zeitgenosse des Masinissa, und als vaͤterlicher Freund der Gefaͤhrte des juͤngeren Scipio auf den Schlachtfeldern Kar⸗ thago's, spricht von der Ausdauer des Masinissa, von der durch Schicksal und Alter ungebeugten Kraft seines Geistes und Koͤr— pers mit der vollsten Anerkennung. Allein als das Herrlichste oder mit seinen eigenen Worten zu reden, Göttlichste seines Lebens, preist er es, daß er als der erste und allein es dargethan habe, wie es fuͤr, ganz Numidien, welches bisher als vollig unwirth⸗ bar und fuͤr keine Art des Fruchtertrags empfaͤnglich gegolten, keine Frucht gebe, welche nicht daselbst eben so ergiebig, wie in anderen Gegenden angebaut werden koͤnne; uͤberall hin wurden durch ihn Saaten und Fruchtbaͤume gepflanzt, und die Numidi⸗ schen Auen trieften jetzt von der reicheren Beute des Friedens und den Eroberungen des Feldbaues. Diese Entwickelung ist jenen Gegenden unter Roms und der Sarazenen Oberherrschaft dauernd geblieben und auch unter der Brutalitaͤt der Tuͤrkischen Eigen⸗ macht nie ganz verloren gegangen. Rom hatte anfangs kein Inter⸗ esse, einzelne Numidische Landschaften selbst in Besitz zu nehmen es herrscht daselbst durch das Bewußtseyn seiner Macht und die Gewalt seiner Freundschaft, dagegen Utica und einige andere Ort⸗ schaften des eigentlich Karthagischen Gebietes hielt es als die Schluͤssel zu Numidien besetzt. Aber bald sollte die Zeit thaͤtige⸗ ren Auftretens kommen, doch nicht erobernd, sondern mit dem Schwerte der Gerechtigkeit und Wiedervergeltung bewaffnet, um Jugurtha, Enkel Mastinissa's, zu zuͤchtigen, zu bestrafen, der das Besitzthum der rechtmaͤßigen Erben aus Masinissa's Stamme durch List, Meuchelmord, und Bestechung so kuͤhn an sich zu reißen wußte. Er hatte die Macht und den sittlichen des damaligen Roms, so wie den Preis seiner Ehre in den Feld⸗ lagern der Roͤmer, wie in Rom selbst kennen und nutzen gelernt, so war er von jener Achtung Roms, die ihm die Persoͤnlichkeit des großen Scipio Aemilianus eingefloͤßt, zu der tiefsten Verach⸗ tung des Roͤmischen Volkes uͤbergegangen, und so hielt er sich Rom gegenuͤber fuͤr Mannes genug, ganz unabhaͤngige Herrschaft zu gruͤnden. Die feile Stadt, die wie er meinte, sich selbst zum Preis hingeben wuͤrde, wenn sie nur einen Kaͤufer faͤnde sandte ihm Marius und Sulla; jenen, der ihn durch die eiserne Uner⸗ schuͤtterlichkeit seiner Feldschlachten nach Mauretanien hinauswarf; diesen, der von dem Mauretanischen Koͤnig Bochus seine Auslie⸗ ferung zu erzwingen wußte. An Marius Triumphwagen gefesselt

erfaͤhrt er endlich den Hohn seiner Lictoren, die ihm den letzten Goldschmuck seines fruͤheren Glanzes von Haupt und Ohr herun⸗ terreißen und ihn so in die Schmach des Hungertodes hinabstuͤr

zen. Von nun an theilt sich die Herrschaft Numidiens wieder unter Bochus und die Nachkommen Masinissa's, aber unter der Bevormundung Roms, und einzelne feste Plätze bleiben von Rö⸗

mischen Kriegern besetzt.

Witlenschaft, Kuntt und Literatur. Berlin. In der Sitzung der geographischen Ge⸗ sellschaf

am 2. Oktober erstattete Herr Lichtenstein Bericht uͤber die Unterneh mungen mehrerer Reisenden, welche sich großentheils als Gaͤste in der Gesellschaft anwesend befanden, und uͤber die von ihnen veran laßten Sammlungen. Herr W. Rose setzte seinen fruͤheren Be⸗ richt uͤber seine Alpenreise in die weniger bekannten und besuchten Thaͤler der Schweiz fort, insonderheit theilte er seine Beobachtun gen uͤber den rothen Schnee mit, und legte Charpentiers „Essai su les glaciers“ zur Ansicht vor. Sodann sprach er uͤber mehrere Ara bisch klingende Namen ijener Gegenden, welche zugleich im Arabi schen ihre Erklaͤrung finden und auf den ehemaligen Aufenthalt de Sarazenen daselbst deuten. Herr Lichtenstein legte ein neue⸗ Werk des Herrn von Drieberg vor, ferner den fuͤnften geologischet Bericht der 23sten Versammlung von Tenessee von Dr. Troost und berichtete aus demselben uͤber mehreres Neue und Wichtige, beson ders uͤber die dort gefundenen Massen von Meteoreisen und dessen chemischer Zusammensetzung. Alsdann machte er die Gesellschaf mit der so eben erschienenen Fortsetzung des Werks des Prinze! Maximilian von Neuwied uͤber Nord-Amerika bekannt, gaͤb eine Uebersicht des Inhalts und machte daraus mehrere interessante Mit⸗ theilungen. Herr von Arnim schenkte zur Bibliothek sein Werk „Fluͤchtige Bemerkungen eines fluͤchtig Reisenden“, und der anwe⸗ sende Herr Dr. Cristoforo Negri aus Mailand sein Werk „Del vario grado d'importanza degli stati odierni. Milano 1841 Fh 1. mehrere neue Karten und andere geographische Werke zur Ansicht.

Meteorologische Beobachtungen.

1841. 2. Oktober.

Abends

Nachmittags

5S 2 Uhr

Morgens

6 Unr.

Nach eintmnager Beobachtung.

335,21 Par. 335,53 Par. 335,06 Par. duellwärme 8,10 R. + 16,40° R. + 11,20 n. + 12,20 R. + 8,10 n. 74 bCt. 77 pCt.

halbheiter. halbheiter.

L“ WSW. WVVWI 1

335,27 Par. + 13,1° K..

Luftdruck... .. + 10,8 R. .+ 8,90 n.

81 Ct.

Luftwärme’. Thaupunkt ..

Flusswärme 12,70 R.

12,90 R

Ausdünstung 0,04 98 ERh

halbheiter. Niederschlag 0,321“ Rh

WSW. Wärmew echsel† 17,7⁰. + 10,1⁰.

.+ 9,70 R. 77 pct. Wsw.

Bodenwärme

Dunstsättigung

Wolkenzug. . Tagesmittel:

Auswärtige Börsen.

Amsterdam, 29. Sept. Niederl. wirkl. Schuld 5] 8 5⁰ Kanz. Bill. 25 76. 5⁰ Span. 19 75. Präm. Sch. —. Pol. —. Oesterr. —.

Antwer pen, 28. Sept. Zinsl. 5 ½. Neue Aul. 19 ½ G.

Hamburg, I. Okt. Bank-Actien 1605 Br. Rugl. Russ. 108 ½.

Londo , 28. Sept. Cons. 3 89 ½. Belg. 102 ½. Neue Anl. 222 Passive 5 ½. Sch. 10 ⅞. 2 ¼ HMoll. 51 ½. 5 % Port. 30 ½. 3 ½ 18 . Engl. Russ. 112 ½. Bras. 63. Columb. 20 8. Mex. 25 ¼. Peru 15. Cbin 68.

Pa ris, 28. Sept. 5 ½ 114. 50. 3 Reonte fin 78. 95. 528 Neapl. fin cour. 5 ½ Span. Kente SS 3⁰ Port. —. WV ien, 28. Sept. 59

0 19 —. Bank-Actien 1570. Aul. de

Passive. —. Ausg. —.

Ausg.

Rente fiu cour.

105. 10.

cour, 1

Passive 5 5.

Met. 106 ½%.. 44 98 ½. 329, —. öö . 2

1834 137. de 1839 109 8

5.

Königliche Schauspiele.

Montag, 4. Okt. Im Schauspielhause: Auf Begehren: Die Laͤsterschule, Lustspiel in 5 Abth., nach Sheridan, fuͤr die Deutsche Buͤhne bearbeitet, von Leonhardi.

Dienstag, 5. Okt. Im Opernhause: Die Hirtin von Piemont, komische Oper in 1 Akt, von Genée. Musik von Schaͤffer. Hierauf: Don Quixote, komisches Ballet in 2 Abth P. Taglioni. 1 8

Ht Königsstädtisches Theater.

Montag, 4. Okt. (Italienische Opern⸗Vorstellung.) Lu- crezia Borgia. Opera in 3 Atti. Musica del Maestro Gaetano Donizetti.

[ 2 8 4

Verantwortlicher Redacteur Dr. J. W. Zinkeisen.

in 12%

Gedruckt in der Deckerschen Geheimen Ober⸗Hofbuchdrucker

Amtliche Nachrichten.

do. 100 ½.

Zinsl. —. Preuss,

Inhalt.

Fr f 15. Erklaͤrung des Moniteur in Bezug auf

Frantreich. Naris,, Ertungsgnistere. Die Svvostiio und die der Marine. Nachrichten aus Afrika; guͤnstige Ausüchten in Bezug auf den Herbstfeldzug. Tunis. Vermisch es. Brief aus Paris. Die Entwaffnung der Marine: Po lemik uͤber die Unverantwortlichkeit des Konigs.)

Großbritanien und Irland. Parlaments Verhandlungen. Unrerhaus. Debatte uͤber die Finan;z- Maßregel und die Zuruͤck haltung des Ministeriums. Annahme der Bill uͤber die Rechts oflege. Verläaͤngerung der Armen⸗Kommission. London. Ge⸗ neral Gouverneur des Britischen Nord⸗Amerika. Blokade von Cartagena. Britischer Schleichhandel auf dem Guadiana. Er folglosigkeit der Agitation gegen die Korngesetze. Vermischtes.

Belgien. Bruͤssel. Naͤheres uͤber die angeblich beabsichtigt ge⸗ wesenen Unruhen. Die Koͤnigl. Familie in Ostende. Ver⸗ haftungen von Franzosen.

Dentsche Bundesstaaten. Muüͤnchen. G 1 Tegernsee. Stuttgart. Das Koͤnigliche Jubilaͤum. Schrei ben aus Weimar. Ruͤckkehr des Großherzogs.) Kassel. Musterung des Bundes Kontingents. LGeipzig. Meßbericht. Hamburg. Huller Dampfschifffahrt.

Oesterreich. Schreiben aus Wien. hausen hier eingetroffen.

Spauien. Madrid. Vermischtes.

Türkri. Konstantinopel. Die Ruͤckreise der Aegyptischen Ab⸗ gesandten aufgeschoben. Tahir-Pascha's Ruͤckkehr. Der Oesterr. Beobachter uͤber den Vorfall auf einem Oesterreichi schen Schiffe.

Syrien. Beirut. Dire

roniten. Konfiikt mit den Englaͤndern. Religioͤses

Die hohen Personen in

(Graf von Muͤnch⸗Belling⸗

Zwistigkeiten der Drusen und der Ma⸗ Schisma.

Die Herrschaft der Karthager und Roͤmer im noͤrdlichen Afrika, in Veraleich zu den gegenwaͤrtigen Eroberungen der Franzosen daselbst Schluß.)

Wissenschaft, Kunst und Literatur. Bonn. Versammlung

der Philologen 8

Imtliche Uachrichten. Kronik des Tages.

Des Koͤnigs Magfestaͤt haͤben an der Stelle des verstorbenen Preußischen Konsuls Delbruͤck in Bordeaur den dortigen Kauf⸗ mann J. Michaelsen zu Allerhoͤchstihrem Konsul daselbst Al⸗ leranaͤdigst zu ernennen geruht.

Angekommen: Der Geheime Kabinets⸗Rath Muͤller, aus Schlesien.

Abgereist: Der General⸗Major und Commandeur der Uten Garde⸗Infanterie⸗Brigade, von Knobelsdorff, nach Mer

seburg.

Sritungs-Uachrichten. Aushand.

Frankreich. Paris, 29. Sept. Der Moniteur, der jetzt sehr selte zu ministeriellen Mittheilungen gebraucht wird, enthaͤlt heute einen Artikel zur Widerlegung der Angriffe, welche die beiden Cirkulare des Großsiegelbewahrers von Seiten der Oppositions⸗Presse er⸗ fahren haben. „Man erklaͤrt es sich schwer“, sagt das ofsizielle Blatt, „wie ein so einfacher, so rechtmaͤßiger Akt einen solchen Zorn hat hervorrufen koͤnnen. Hat der Großsiegelbewahrer etwas Anderes gethan, als was ihm das Gefuͤhl seiner Pflicht gebot? Er hat zur Ausfuͤhrung der Gesetze ermahnt; er hat empfohlen, daß man die Anstrengungen verdoppele, um die Charte und das⸗ enige, was die Charte fuͤr unangreifbar erklaͤrt, vor jeder Beein⸗ traͤchtigung sicher zu stellen; er hat die unter seinen Befehlen stehen⸗ den richterlichen Beamten ermahnt, mit der lebhaftesten Sorgfalt echer die Aufrechthaltung des oͤffentlichen Friedens und uͤber die esetzliche Unterdruͤckung des Factionsgeistes zu wachen. Das Land

mußte sich zu dieser festen Sprache Gluͤck wuͤnschen, die Factionen

allein koͤnnen sich daruͤber beklagen. Alle Rechte, welche die Gesetz⸗ gebung verbuͤrgt, sind streng und gewissenhaft geachtet; aber das, moas jene Gesetzgebung verbietet, was sie mit einer Strafe belegt, welche nicht angeordnet worden ist, um unausgefuͤhrt zu bleiben, wird der Wachsamkeit der richterlichen Beamten anheimgegeben. Niemand hat das Recht, sich daruͤber zu beklagen, und die Be⸗ sorgnisse, die man affektirt, sind eben so wenig wirklich vorhanden, als die Gruͤnde, welche man angiebt, unhaltbar sind. Nein, es se nicht moͤglich, die Versammlungen, welche die Ausuͤbung des Petitionsrechtes zum Zweck haben, mit einer permanenten Afsocia⸗ mon zu vermischen, deren Organisation alle Punkte des Landes üumfaßt und um einen gemeinschaftlichen Mittelpunkt zahlreiche Heerde der Aufregung und des Umsturzes versammelt. Im erste⸗ ren Falle handelt es sich um die Ausuͤbung eines Rechtes; im letteren zeigen sich fuͤr feindselige Absichten die Mittel, den oͤffent⸗ lichen Frieden zu stoͤren und auf den Umsturz unserer Institutionen hin⸗

„2

Zuarbeiten. Um die Modifizirung dieses oder jenes Gesetzes zu verlangen,

um sich des Petitionsrechtes zu bedienen, ist es durchaus nicht nothwendig, Comité's in Permanenz zu haben, welche einem Cen⸗ tral⸗Comit unterworfen sind, eine lebhafte Korrespondenz unter einander fuͤhren, regelmäͤßige Beitraͤge erheben und sich, so viel sie koöͤnnen, der Leitung der Gemuͤther bemaͤchtigen. Was die Presse betrifft, so wird in dem Cirkulare des Großsiegelbewahrers auch mur die bestehende Gesetzgebung angerusen. Ist der Weg, den mehrere Journale der ertremen Parteien gegenwäͤrtig einschlagen, nicht eine wirkliche Verletzung der Gesetze, eine permanente Dro⸗ hung gegen die Regierung von 1830, gegen die Charte ndb gegen

gcer†

meine

llge

den 5ten Oktober

das Koͤnigthum? Muß denn das Gesetz schweigen, muß die Justiz unthäaͤtig bleiben, weil die Verwegenheit der Factionen nicht ermuͤdet? Noöch vor wenigen Tagen hat ein abscheuliches Atten⸗ tat abermals Frankreich empoͤrt und in Bestuͤrzung versetzt. Die gerichtliche Instruction hat schon einiges Licht in das Dunkel der Emporung verbreitet. Es ist jetzt keinem Zweisel mehr unterworfen, daß die Attentate das Werk anarchischer Gesellschaften sind, die sich or⸗ ganisirt haben, um das Koͤnigthum und unsere Institutionen mit demsel⸗ ben Streiche zu vernichten. Es ist augenscheinlich, daß gewisse Journale keine andere Absicht und keinen anderen Zweck haben, als uͤberall die gefaͤhrlichsten Leidenschaften zu verbreiten, Lei⸗ denschaften, welche sich schnell in Verbrechen verwandeln. Und man will, daß die Regierung sich unter solchen Umstaͤnden nicht erinnere, daß sie mit Gesetzen ausgerüͤstet ist; man will, daß sie es vernachlassige, mit Huͤlfe jener Gesetze die Interessen der Ge⸗ sellschaft zu wahren! Was der Großsiegelbewahrer gethan hat, ist die Erfuͤllung einer durch den Willen des Gesetzgebers auferleg⸗ ten Pflicht; es ist die Ausuͤbung des Rechtes, welches jeder Ge⸗ sellschaft, jeder Regierung zusteht. Es hat niemals ein civilisirtes Volk gegeben, welches erlaubt haͤtte, daß man durch einen anhal⸗ tenden Krieg und durch den Mißbrauch der Gesetze den Umsturz seiner Institutionen vorbereite. Wer koͤnnte jemals zugeben, daß eine aufruͤhrerische und agitirende Minoritaͤt das Recht haͤtte, offen zu konspiriren, ohne daß es erlaubt waͤre, sich der Einwir— kung der Justiz und der Gesetze zu bedienen, um jene Komplotte zu unterdruͤcken?“

Die Oppositions⸗-Journale wissen nicht recht, was sie von dem gestrigen Artikel des Journal des Débats, in welchem es sich einer Entwaffnung der Flotte widersetzt, zu halten haben. Ein Theil derselben erblickt darin den Vorboten eines neuen Zerwuͤrf⸗ nisses mit England; ein anderer glaubt, daß jener Artikel nicht ernstlich gemeint sey, sondern nur dazu diene, eine Energie zu zei⸗ gen, um spaͤter die Nachgiebigkeit gegen die Forderungen Englands in einem milderen Lichte erscheinen zu lassen. Das Sidele sagt unter Anderem: „Man muß nicht glauben, daß der Artikel des ministeriellen Blattes spaͤter, wenn es sich darum handeln wird, die mit den Tories verabredete Maßregel auszufuͤhren, eine Ver legenheit werden koͤnne. Wer hat seine Stimme lauterer erhoben, als das Journal des Débats, als die Eristenz des Juli⸗Trakta⸗ tes enthuͤllt wurde? Wer hat dringender zur Isolirung, zum Wi⸗ derstande und noͤthigenfalls zum Kriege gerathen? Dies Alles hat die Débats nicht verhindert, zum Ruͤckzuge zu blasen, als der Augenblick sich naͤherte, wo es darauf ankam, zum Angriffe zu blasen. Das Journal des Débats wird spaͤter sagen, daß es, so lange es ihm nöothig schien, die Beibehaltung unserer Flotte verlangt habe, daß man aber nun nicht laͤnger das Gleichgewicht unserer Fmanzen und die Arbeiten des Friedens der Voraussicht eines nicht mehr drohenden Krieges opfern Abhen wir wollen diese Voraussetzungen, so wohlbegruͤndet sie sind, beiseite⸗ lassen und uns an die Thatsachen halten. Hat man, Ja Nein, die Absicht, das Marine⸗Budget fuͤr 1813 um 36 Millio⸗ nen zu vermindern? Ja. Wohlan, wir behaupten, daß dies der Untergang unseres See⸗Etats ist, und daß man uͤber diesen Un tergang mit den Tories uͤbereingekommen war, demnmn er wird als ein Pfand der Allianz von der ministeriellen Presse Englands verlangt, die nur darin strafbar ist, daß sie einen Plan aufgedeckt hat, an dessen Geheimhaltung seinen Urhebern so viel gelegen war.“

In einem Schreiben aus Mostaganem vom 15ten d. heißt es: „Unsere kleine Stadt ist in einer außerordentlichen Aufre⸗ gung; niemals hat man hier eine solche Bewegung gesehen. Das Liste Linien⸗Regiment und ein Zuaven⸗Bataillon ist gestern einge⸗ troffen, um die Division zu verstaͤrken, welche den Bey Osman in Maskara installiren soll. Abd el Kader ist nicht mehr in Teke⸗ dempt. Sehr sicheren Nachrichten zufolge, befindet er sich in der Umgegend von Tremezen, wo er sich alle moͤgliche Muͤhe giebt, die Kabaylen fuͤr sich zu gewinnen; man behauptet, daß er naͤch⸗ stens eine Unterredung mit einem der Soͤhne des Kaisers von Marokko haben werde. Das Wetter ist herrlich; die Gee ver⸗ spricht rasche und gluͤckliche Ueberfahrten, die Stimmung der Trup⸗ pen kann nicht besser seyn; Alles laͤßt hossen, daß der bevorstehende Feldzug fruchtbringend seyn wird. Wir treten, wie es heißt, am A0sten unseren Marsch an.“

Der Moniteur algerien vom 20ssten d. enthaͤlt Folgen⸗ des: „Die so eben aus den westlichen Provinzen eingetroffenen Rachrichten melden, daß der General⸗Gouverneur am 18ten d. Dscherschel besichtigt und am l9ten Morgens in Mostaganem ge⸗ landet ist. Die am liten ven Oran abgegangene Kolonne war schon Tages zuvor daselbst eingetroffen; sie war keinem einzigen Feinde begegnet. Die Nachrichten aus dem Westen lauten immer guͤnstiger uͤber den dortigen Zustand unserer Angelegenheiten; 73 Mann von der regulairen Kavallerie Abd el Kader's waren mit ihren Pferden, Waffen und Bagagen desertirt und werden unsere Truppen auf dem Feldzuge begleiten. Mehrere Staͤmme, von denen Abd el Kader Auflagen erheben wollte, haben sich empoͤrt, und Alles laͤßt vermuthen, daß die nahe bevorstehende Erpedition sehr wichtige Resultate herbeifuͤhren wird.“ 1

Das Linienschiff „Diademe“ hat Befehl erhalten, sich von Toulon nach Tunis zu begeben. Der Toulonnais, der dies meldet, fuͤgt hinzu, daß die Tunesische Angelegenheit, die man fuͤr beendigt gehalten habe, ihrem Abschlusse noch micht nahe sey. „Wir haben schon mehreremale“, sagt das genannte Blatt, „von Eng⸗ lands Plänen auf Tunis gesprochen. Es ist augenscheinlich, daß jene ehrgeizige Macht dahin strebt, die Regentschaft mittelst Tuͤr⸗ kischer Pascha's zu beherrschen, und daß die von den Admiralen Galbois und Lalande vereitelte Landung bewerkstelligt werden wird, wenn sich die Franzoöfische Regierung nicht beeilt, sie zu verhin⸗ dern. Wenn ein solcher Plan ausgefuͤhrt wuͤrde, so haͤtte es mit dem Franzöͤsischen Einflüuß im Mittellaͤndischen Meere ein Ende, und Algier wuͤrde dann nur eine umnuͤtze Besitzung fuͤr uns seyn.“

Dem Constitutionnel zufolge, ist abermals von einer Pairs⸗Kreirung die Rede. Unter den Personen, welche zu Pairs ernannt werden sollen, befaͤnden sich, wie das genannte Blatt sagt, Herr von Bussidèeres, Franzoͤöͤsischer Gesandter in Dresden, und Herr von St. Priest, Franzoͤsischer Gesandter in Kopenhagen.

8 dünfe.

oder

zur See, Franzöoͤsische als gegen Britischen

Herr Thiers ist gestern wieder in Paris eingetroffen. 8 Heute, als am Geburtstage des Herzogs von Bordeaur, fan⸗ den in dem Faubourg St. Germain glaͤnzende Feste statt. Boͤrse vom 29. September. Die Course der Rente waren heute steigend, und man glaubte, daß fuͤr die bevorstehende Liquidation noch mancherlei Beduͤrfnisse zu befriedigen waͤren. Die Zproc. Rente schloß zu 79. 20. 8 ½ ½ Paris, 29. Sept. Wenn sich die öffentliche Meinung weit mehr gegen die in Aussicht gestellte Verminderung der Flotte, als gegen die Reduction des Landheeres erklaärt, so liegt die Ursache davon ohne Zweifel haͤuptsaͤchlich in dem starken Bewußtseyn der militairischen Macht Frankreichs zu Laͤnde, ein Bewußrieyn, wel⸗ ches die angstliche S orge fuͤr den kommenden Tag üͤberfluͤssig macht. Indessen jenes eiferfuͤchtige Wachen uͤber die ununter brochene Aufrechterhaltung einer moͤglichst gewaltigen Marine ist doch nicht allein ein Zeichen von dem Gefuͤhle relativer Schwaͤche sondern zugleich auch ein Beweis dafuͤr, daß der Volkssinn gegen England mehr Mißtrauen hegt, seine Land⸗Nachbarn, daß er die Absichten des Kabinets der Sache nach mehr fuͤrchtet, als die

angeblichen Entwuͤrfe der Kontinental⸗Politik gegen die Prinzipien

des Franzoͤstschen woaͤnde und Verfassungs⸗Unterschiede wird Frankreich sich eher mit

Staatslebens. Trotz aller historischen Scheide⸗ Deutschland als mit Englaͤnd befreunden wollen und koͤmen. Freilich aber beruht gleichwohl die Idee des vertrauensvollen An⸗ schließens dieser beiden Laͤnder auf Voraussetzungen, deren Erfuͤl⸗ lung sich der National⸗Egoismus und das National⸗Vorurtheil der Franzosen wohl noch lange widerfetzen moͤchte.

Der Journalismus versucht in diesem Augenblicke, einen der deli⸗ katesten Punkte des constitutionellen Staatsrechts, die Unverantwort⸗ lichkeit des Königs, mit Huͤlfe grammatikalischer Desinitionen als po⸗ kemisches Ruͤstzeug zu gebrauchen. Das Einzige, was bei diesen Wortgefechten uͤber die Bedeutung der von der Charte aufgestell⸗ ten Unverantwortlichkeit der Krone mit Sicherheit herauskommen wird, ist die Schwaͤchung jener monarchischen Fiction, die man allzu nahe und indiskret beleuchtet. Man wundert sich daher mit Recht, daß gerade die gouvernementalen Blaͤtter am rthaͤtigsten sind, diesen Streit, bei dem ihre Sache nur verlieren kann, leben⸗ dig zu erhalten. Man wuͤrde ganz gewiß am besten thun, wenn man die abstrakte Natur des constitutionellen Begriffs von Un⸗ verantwortlichkeit dem Urtheile des individuellen Verstandes an heimstellte und sich darauf beschraͤnkte, in konkreten Faͤllen die Landes⸗Justiz zur Feststellung und zum Schutze dieses Artributs der Krone anzurufen.

Was ich Ihnen vor acht Tagen uͤber den Stand der Fran⸗ zösisch-Belgischen Zoll-Unterhandlungen schrieb, hat sich durch die bereits erfolgte Einstellung der Konferenzen der Bevollmaͤchtigren der beiden Regierungen bewaͤhrt. Man erwartet, daß die foͤrm liche Aufloͤsung dieses Handels-Kongresses nicht lange ausbleiben werne

Großbritanien und Irland.

Parlaments⸗Verhandlungen. Unterhaus. Sitzung vom 27. September. Das Budget, wel⸗ ches der Kanzler der Schatzkammer an diesem Abend vorlegte, bezieht sich nur auf die im Laufe dieser Session bewilligten Summen, wobei sich ein Desizit ergieht, welches, mit Einschluß der in diesem Jahre faͤlligen Zinsen von Schatzkammer⸗ scheinen, 5,007,432 Pfd. beträgt. Bereits sein Vorgaͤnger, sagte Herr Goulburn, habe berechnet, daß das Destzit ungefaͤhr diesen Betrag erreichen werde, und diese Berechnung habe sich als rich⸗ tig bewaͤhrt. Aus diesem Grunde habe er in voriger Woche einen Vorschlag wegen Fundirung von 5 Millionen Pfd. veröoͤffentlicht, wovon jedoch vorlaͤusig nur 2,5017,000 Pfd. wirklich fundirt wer⸗ den sollen. Der Betrag dieser Summe, sagte er, sey an sich nicht bedenklich; indessen duͤrfte sie nicht hoͤher steigen denn so lange Schatzkammerscheine die einzigen sicheren öbligationen gewesen, welche Tag fuͤr Tag rentirten, haͤtte immerhm eine groͤßere Anzahl in Umlauf gesetzt werden koͤnnen; setzt aber, wo qute Banken und Diskonto⸗Wechsel hobhere Zinsen gaͤben, muͤsse man die Schatzkammerscheine vermindern Uebrigens habe sein Vorschlag den besten Erfolg gehabt, und d Unterzeichnungen haͤtten den verlangten Betrag bereits um eine Million uͤberstiegen, indem sie sich auf 3,510,000) Pfd. beliefen, obgleich die von ihm angebotenen Bedingungen nicht hoͤher gegan⸗ gen, als die des Herrn Spring Rice im Jahre 1838; das Vo nus betrage ungefaͤhr 18 Sb. 10 Me. füͤr 100 Pfd. Sehr be dauerte er, daß das Desizit sich ohne eine Vermehrung der Staats * Schuld nicht decken lasse.

Nach Herrn Goulburn nahm der fruͤhere Kanzer der Schatz kammer, Herr F. T. Baͤäring, das Wort, um seine Einwendun gen gegen den ministexiellen Finanzplan darzulegen.

„Da den Uebernehmern dieser neuen Anleihe“, sagte er unter Anderem, die Wahl gelassen ist, die Haͤlfte der von ihnen unter zeichneten Summen in Schatzkammerscheinen die Haͤlfte, in baarem Gelde zu liefern, so bleibt das Ministerium bis zum letzten Termine der Lieferungszeit, die im Maͤrz ablaͤuft, im Zweifel, wie viel Geld zur Deckung des Destzits ihm wirklich zufließen werde. Wenn also der Hauptzweck der Maßregel die Fundirung der Schatzkammerscheine ist, so kann man nicht sagen, daß der Kanzler der Schatzkammer sei nen Zweck erreicht habe, und eben so wenig, wenn der Hauptzweck in der Herbeischaffung des Geldes zur Deckung des Defizits besteht Meiner Ansicht nach haͤtte die Regierung einen solchen Plan nicht entwerfen sollen, ohne des Erfolges vollkommen sicher zu seyn, und daher lieber eine hoͤhere Praͤmie ertheilen sollen. Bei dieser Gele⸗ genheit darf ich indeß wohl darauf aufmerksam machen, daß Herr Goulburn jetzt, nach zehnjäͤhriger Herrschaft der Whigs, im Stande 1 gewesen ist, Bedingungen anzubieten, welche um ein Drittheil un⸗ quͤnstiger fuͤr die Unternehmer sind, als die von ihm bei⸗ aͤhnlichen Gelegenheit im Jahre 1830 angebotenen, so daß sich also der Staats Kredit jetzt in bedeutend besserem Zustande befindet.

Herr Baring aͤußerte sich demnaͤchst sehr unz E116X daß auch der Kanzler der S chatzkammer nichts b 895 Plaͤne des Ministeriums in Betreff der bne—ZweA we verlauten lassen, und erinnerte daran, mit wie großer Hefrigkeie

üfrieden damit.