und so lange noch Krieg und Krieger in England so hoch geschaͤtzt wuͤrden, wie jetzt, sey kein Gedeihen seiner Bewohner zu erwar⸗ ten. Hierauf versicherte aber Herr Wakley, daß der Zweck bei der Untersuchung der Warnerschen Erfindung gerade auf Foͤrde⸗ rung von Humanitaͤt und Ersparniß gerichtet sey. b
Auf eine Frage des Herrn Forster uͤber die, Mission des Dr. Madden nach der Westkuͤste von Afrika und uͤber die Re⸗ sultate derselben, erklärte Lord Stanley, daß Dr. Madden von dem vorigen Ministerium abgeschickt worden sey, um Nach⸗ forschungen vertraulicher Art uͤber Englands Niederlassungen an der Westkuͤste von Afrika einzuziehen. „Dr Madden“ fuhr der Minister fort, „hat vier Berichte eingesandt, einen uͤber Sierra Leone, einen uͤber den Gambia, einen uͤber die Goldkuͤste und einen, der sich auf medizinische Angelegenheiten bezieht. Ich glaube nicht, daß der Vorlegung dieser Berichte ein Hinderniß im Wege seyn wird. Drei andere aber handeln von Gegenstaͤnden der groͤßten Wichtigkeit, welche geheim gehalten werden muͤssen, da sie unsere Vertheidigungsmittel an jener Kuͤste, unsere Ver⸗ haͤltnisse zu auswaͤrtigen Maͤchten und Angelegenheiten von In⸗ dividuen betreffen, die bei dem gesetzlichen und ungesetzlichen Han⸗ del an der Kuͤste von Afrika betheiligt sind.“
Unterhaus. Sitzung vom 30. September. Nach Ueberreichung einiger Petitionen wurde auf eine Anfrage des Herrn Hawes von Sir R. Peel erklärt, daß eine Kommission von der Krone ernannt werden solle, um zu erwaͤgen, in welchem Um⸗ fange und in welcher Art die schoͤnen Kuͤnste, namentlich die hoͤ⸗ heren Zweige der Kunst, zur Verzierung der neuen Parlaments⸗ haͤuser in Anspruch zu nehmen seyen, und daß Se. Konigl. Ho⸗ heit, Prinz Albrecht, eingewilligt habe, an dieser Kommission Theil zu nehmen. . 1 1
Dr. Bowring beantragte sodann die Vorlegung der zwi⸗ schen dem Ministerium des Innern und den Armen⸗Kommissarien üͤber die in Bolton herrschende Noth gefuͤhrten Korrespondenz und ließ sich dabei auf naͤhere Schilderung dieser Noth ein. Aus der Rechenschaft⸗Ablegung der Sparbanken wies er nach, daß jetzt nur noch ein sehr kleiner Theil von Arbeitern in denselben Depositen stehen habe, und aus den Registrirungs⸗Berichten, daß die Sterblichkeit unter der fabrizirenden Bevoͤlkerung außerordentlich gestiegen sey. Sir James G ra ham, der Minister des Innern, suchte dagegen nachzuweisen, daß die Angaben uͤber die? doth sehr uͤbertrieben worden seyen; er stuͤtzte sich dabei auf den Bericht eines de Assistenten der Armen⸗Kommission, worin namentlich gesagt ist, daß in Bol⸗ son 3456 Haͤuser mehr gebaut worden seyen, als fuͤr die Bevol⸗ kerung erforderlich, und daß hierin der Grund zu suchen, warum
1232 3]3zbs New⸗York soll es sich nicht minder angelegen seyn lassen, den Ge⸗ fangenen vor Gewaltthaͤtigkeiten zu schuͤtzen; er hatte den Mili⸗ tair⸗Compagnieen von Utica anbefohlen, in der Nacht Wache zu halten, und so stehen denn hundert Mann mit Waffen und Mu⸗ nition bereit, um jeden Angriff abzuwehren 1
Die liberalen Blaͤtter sprechen jetzt von Manchester als ei⸗
ner einst bluͤhenden Stadt und berichten, daß dort nun fortwaͤhrend Versammlungen gehalten wuͤrden, deren Theilnehmer nach den Kolonieen transportirt zu werden wuͤnschten. „Sendet uns nach Australien“, heiße es dort, „setzt uns ans Land, dann wollen wir mit Gottes Huͤlfe unser Brod verdienen!“ Manchester soll in ei— ner so furchtbaren Lage seyn, daß ein schrecklicher Aufstand zu be⸗ sorgen sey, wenn die Regierung nicht noch vor dem Winter eine wirksame Unterstuͤtzung gewaͤhre. 8 Im Buckingham⸗Palast sind Befehle eingegangen, die Zimmer fuͤr Ihre Majestaͤt und den Hof zum Sonnabend, den 9. Oktober, in Bereitschaft zu halten; die Koͤnigin wird dann bis nach ihrer Entbindung dort residiren.
Naͤchsten Donnerstag, den 7ten d., erwartet man die Proro⸗
girung des Parlaments, aber noch ohne Bezeichnung des Tages, an welchem dasselbe sich wieder versammeln solle; es wird naͤmlich spaͤter wohl noch eine zweite, weitere Prorogirung bis zu dem eigentlichen Wiedererbffnungs⸗Termin stattfinden. Dieser Tage ist der bekannte Direktor der hiesigen schen Oper, Herr Laporte, gestorben. Als der bekannte Maͤßigkeits⸗postel, Pater Mathew, am 4. September in Erris war, kuͤndigte er an, daß der Herzog von Leinster, der stets ein sehr maͤßiger Mann gewesen, sich herabge⸗ lassen habe, bei ihm das Geluͤbde abzulegen.
Italieni-
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n London, 1. Okt. Die Entscheidung des Ministeriums und der Majoritaͤt des Unterhauses fuͤr die Beibehaltung der vol⸗ len Gewalt der Ober-Verwaltung des Armenwesens bis zum Z1sten Juni des naͤchsten Jahres, und noch mehr die Erklaͤrung des neuen Ministers des Innern, daß er sich fuͤr die Aufrechthaltung des Gesetzes in seinen Hauptzuͤgen fuͤr verpflichtet betrachtet, hat bereits die Times uͤber diesen Punkt gegen die Regierung in die Schranken gerufen. Nur die Ueberzeugung, daß das Ministe⸗ rium in anderen Punkten das Rechte suche und wolle, verhindere sie, sich demselben ganz und gar zu widersetzen. Doch konnten sie sich nicht enthalten, zu erklaͤren, Graham habe noch zu viel, vom Whig in sich; und zu denjenigen Konservativen, welche vorzuͤglich wegen ihrer Feindseligkeit gegen das Armengesetz gewaͤhlt worden, sagen sie: „Laßt es euüch nicht irren, daß die Haͤup⸗ ter eurer Partei nicht eurer Ansicht sind; fuͤr jetzt laßt
so viele Haͤuser leer staͤnden. Auch Sir R. Peel warnte vor allzugroßer Leichtglaͤubigkeit in Bezug auf jene Angaben, wiewohl V er einraͤumte, daß Fabrikwesen und Handel sich in etwas gedruͤck⸗ tem Zustand befaͤnden; Dr. Bowring habe sich auf den V Registrirungs⸗ Bericht bezogen, dieser, ergebe aber wenig⸗ V stens in den groͤßten Fabrik⸗Staͤdten vielmehr eine Abnahme Sterblichkeit. Herr TCobden sorderte den Premier⸗ Minister auf, sich nicht an Kleinigkeiten zu haͤngen, sondern lieber die großen Fragen zu erwaͤgen, welche die Wohlfahrt des Volkes betrafen. Unter anderen Bemerkungen uͤber die Abnahme des Britischen Handels verdient noch die des Herrn Aldam hervor⸗ gehoben zu werden, daß der Werth der im Jahre 1840 ausge⸗ fuͤhrten Wollen⸗Fabrikate um eine Million Pfd. St. geringer ge⸗ wesen sey, als im Jahre vorher. Zu einem Resultat fuͤhrte diese Debatte nicht, da der Antrag des Dr. Bowring wegen eines ihm von dem Sprecher nachgewiesenen Formfehlers nicht passiren f8 Gegen den Schluß der Sitzung machte Sir Ch. Na v darauf aufmerksam, daß der Prozeß des Herrn Mac Leod am 15ten d. M. beginnen solle, und er sprach daher die Hoffnung aus, daß das Parlament nicht werde prorogirt werden, ohne etwas zum Schutze Mac Leod's geschehen waͤre, der sonst der 1 sahr des Lynch⸗Gesetzes ausgesetzt seyn koͤnnte. Sir R. N eel antwortete aber, er köͤnne in dieser Hinsicht keine bestimmte Ver⸗ icherung geben. 8 ehersgge noch die Bill wegen Fundirung von Schatkam⸗ merscheinen durch den Ausschuß, und es soll am naͤchsten Abend der Bericht daruͤber erstattet werden.
London, 1. Okt. Am Sonnabend gab Sir R. Peel das erste diplomatische Diner als Premier⸗Minister. 1vbbp den Gaͤsten befand sich auch der noch hier verweilende Koniglich P reu⸗ ßische Gesandte bei der Schweizer Eidgenossenschaft, Geheime e⸗ gationsrath Bunsen. Man will wissen, daß Sir R. Peel die Beraͤnderungen in den Englischen Gesandtschaften erst nach der Prorogation des Parlaments bekannt machen werde, um nicht im Unterhause eine Menge laͤstiger Anfragen und Bemerkungen aus⸗
. . eyn. gesepe-. se Französische Botschafter, Graf von St. Aulaire, batte am Dienstag die Ehre, Ihrer Majestaͤt der Koͤnigin vorge⸗ stellt zu werden. An demselben Tage war auch Sir R. Peel mit seiner Gemahlin in Schloß Windsor. 88
Vorgestern haͤt in der City die Wahl des neuen Lord⸗Mayors stattgefunden; sie ist auf den Alderman Pirie, einen Konservativen, gefallen. 1 “ 8 B . Von Seiten des Geheimraths⸗Comites fuüͤr den Handel ist bekannt gemacht worden, daß man in der Regentschaft Tripolis,
das Gesetz ohne weitere Opposition durchgehen, aber wenn es aufs neue zur Verathung kommt, bleibt den Erklaͤrungen, die ihr auf der Wahlbuͤhne (hustinge) gegeben habt, treu, und seyd versschert, das Gesetz muß fallen, und zwar bald.“ Folgen nun diese Her⸗ ren (und ihre Zahl ist bedeutend) diesem allerdings ehrlichen Rath der Times, daß sie in kuͤnftiger Session nicht nur gegen dieses Gesetz in allen seinen Klauseln stimmen, sondern auch mit all dem Feuer sprechen, womit sie vor den Wahlen dage⸗ gen loszogen, so bringen sie die Herrschaft ihrer Partei in unmit⸗ telbare Gefahr. Lassen sie aber diese Ruͤcksicht vorwalten und stimmen entweder gar nicht, oder doch nur, ohne etwas Erkleckli⸗ ches gegen die Maßregel zu sagen, so bringen sie ihre Herr⸗ schaft auf andere Weise in Gefahr. Denn die getaͤusch⸗ ten Massen, die sie allein durch jene Declamationen von der Vereinigung mit den Mittelklassen gegen die Getraide⸗ Gesetze abgezogen, werden sich nur mit um so groͤßerem Unwillen von ihnen wenden und den AUltra⸗Liberalen zufallen, die doch in anderen Punkten besser mit ihnen einverstanden sind, als ein Kon⸗ servativer es seyn kann. IJa, auch schon wie die Gache steht, muß sie gegen die Partei wirken; da ein Jeder, trotz den Prophe⸗ zeiungen der Times, einsteht, daß das Ministerium hierin von der großen Mehrheit seines Anhanges, so wie von den Whigs unterstuͤtzt, sich weder von diesem Journal, noch von den Unter⸗ thanen der eigenen Partei wird zur Abschaffung eines Gesetzes draͤngen lassen, das es fuͤr heilsam erkennt. Mit Recht moͤgen also die Times bedauern, daß es von dem klugen Schweigen, welches es uͤber seine uͤbrigen beabsichtigten Maßregeln beobachtet, hierbei abge⸗ gangen. Manmoͤchte beinahe glauben, Peel und der liberale Theil seines Kabinettes haͤtten dieses mit Vorsatz gethan, um in Bezug auf die Getraidegesetze ‚den Druck von außen“ zu verstaͤrken. Denn schon ist das Wort ausgesprochen worden: das neue Armengesetz und die Getraidegesetze koͤnnen nicht neben einander bestehen, ihr sez⸗ zet dadurch den Armen zwischen zwei Feuer. Aber oͤffnet die Haͤ⸗ fen der Einfuhr von Lebensmitteln, entfesselt diese vielfach gebun⸗ dene Industrie, und selbst das strengste Armengesetz wird zum tod— ten Buchstaben! Und dieses Wort hat so viel scheinbar Faßliches, daß es nicht ohne Wirkung bleiben wird. Das einzige, was die Mittelklasse bedarf, um die Gutsherren bei all ihrem augenblick⸗ lichen Uebergewicht zu uͤberwinden, ist die Mitwirkung des gemei⸗ nen Volkes; und alles scheint darauf hinzuarbeiten, ihnen diese zu verschaffen.
Ein Auftritt, der sich vor ein paar Tagen zu Leeds ereignet, ist in dieser Beziehung lehrreich. Es war naͤmlich daselbst von der Mittelklasse eine Versammlung berufen worden. Bei dieser sollen uͤber 4000 Personen zugegen gewesen seyn. Man machte, wie gewoͤhnlich, die traurigsten Schilderungen von dem Elende der
nach Berichten des dortigen Britischen Konsuls, bedeutende
Fabrik⸗Arbeiter und schloß mit dem Vorschlage eines Beschlusses,
Schwefel⸗Lager von sehr guter Qualiteͤt entdeckt habe. daß die vornehmste Ursache dieses Elends das Getraide⸗Monopol
Das Dampfboot „Britannia“ hat Nachrichten aus New— York vom 16. September uͤberbracht, wonach der Prozeß Mac Wod's erst am 27sten desselben Monats, an welchem Tage die Assisen⸗Session in Utica eroͤffnet wird, beginnen sollte. Der Ge⸗ neral⸗Prokurator des Staates New⸗York war mit der Leitung der Anklage beauftragt, und Herr Spencer, der General⸗Prokurator der Bereinigten Staaten fuͤr den westlichen Distrikt, hatte die Vertheidi⸗ gung des Gefangenen uͤbernommen. Man ist hier sehr erfreut, aus diesen neuesten Amerikanischen Berichten zu entnehmen, daß all⸗ gemein geglaubt wurde, der Gefangene werde freigesprochen wer⸗ den, und daß die Regierung der Vereinigten Staaten Maßregeln getroffen hatte, um Herrn Mac Leod gegen Privat⸗Miß⸗ handlungen zu schuͤtzen. Herr Webster, der Amerikanische Staats⸗
Secretair, hat naͤmlich an den Sheriff und an den ersten Richter der Grafschaft Utica, in welcher Mac Leod gefangen sitzt, geschrie⸗ ben und sie benachrichtigt, daß er von glaubwuͤrdigen Personen erfahren habe, es sey im Werke, einen Versuch der Anwendung des summarischen Lynchgesetz⸗Prozesses gegen den Gefaͤngenen zu machen, und daß er ihnen daher anbesehle, auf ihrer Hut zu seyn, um jedes Unternehmen der Art zu verhindern. Auch Mac Leod selbst hatte Briefe erhalten, worin er gewarnt und ihm gesagt wurde, er sey ein verlorener Mann, wenn er sich 8t mit der groͤßten Vorsicht benehme; er soll daher in groͤßerer Besorgniß. vor Privat⸗Bosheit als vor den Gefahren seiner offentlichen Lage seyn. Die Behoͤrden von Utica hatten aber nach Empfang der Webster⸗ schen Instructionen sogleich eine Patrouille organisirt, die das Gefaͤngniß fortwaͤhrend bewacht. Der Gouverneur des Staates
Hierauf aber erhob sich ein Chartist und schlug nach einer daß der Grund aller Gruͤnde das Haupt⸗Monopol sey, welches das Wahlrecht auf ge⸗ g Klassen beschraͤnke, und kein anderes Mittel dage⸗ V
sey.
ziemlich gemaͤßigten Rede vor,
gen sey, als die Ausdehnung dieses Rechts auf alle Manns⸗ personen, die ihr 2lstes Jahr erreicht haben, und dieser Vor⸗ schlag wurde von der Mehrheit angenommen! Da es sich nun aber zeigte, daß hiernach die Versammlung, ohne sich laͤcher⸗ lich zu machen, ihre beabsichtigte Bittschrift an die Koͤnigin nicht annehmen konnte, da in derselben Ihrer Majestaͤt die Getraide⸗ gesetze als das Grunduͤbel vorgestellt werden sollten, so ließen sich die Chartisten endlich erbitten, ihren Beschluß zuruͤckzu⸗ nehmen, aber doch nicht eher, als bis der Praͤsident und andere Personen, welche vorzuͤglich an der Berufung der Versammlung Theil genommen hatten, anerkannten, daß in der That die Pro⸗ position der Chartistenvon der Mehrheit angenommen worden sey. Hier ist offenbar die Grundlage zu einem Vergleich, wodurch eben so gut die Chartisten zu den Mittelklassen, als diese zu jenen hin⸗ uͤbergezogen werden konnten. Der Chartisten⸗Redner fuͤhrte den Mittelklassen zu Gemuͤthe, daß Lord John Russell vor einiger V Zeit bekannt habe, die Reform ⸗ Bill sey so entwor⸗ fen werden, wie sie ist, damit den Grundeigenthuͤmern das Ueber⸗ gewicht bliebe. Diese haͤtten gezeigt, daß sie es wirklich be— faͤßen; und wenn die Mittelklassen sich nun von deren Tyrannen befreien wollten, so blieb ihnen nichts uͤbrig, als sich an die V Chartisten anzuschließen. Wenn sie auch Wagenlasten von Bitt⸗
schriften einschickten, das wuͤrde ihnen nichts helfen. Haͤtten ja
bereits anderthalb Millionen Buͤrger um die Revision der Ge⸗ traidegesetze gebeten, und dennoch verschiebe Peel die Untersuchung bis zum Februar.
Niederlande.
Amsterdam, 1. Okt. Einer im Handelsblad enthalte nen Nachricht zufolge, hat Se. Majestaͤt der Koͤnig Wilhelm Friedrich, Graf von Nassau, die Absicht, naͤchstens mit seiner Ge⸗ mahlin nach den Niederlanden zuruͤckzukehren, und zwar zunaͤchst nach dem Schlosse Loo sich zu begeben.
Die Israelitische Gemeinde im Haag, die im Begriff ist, eine neue Synagoge zu erbauen, hat dazu einen Beitrag von 1500 Gulden aus der Privat⸗Kasse Sr. Majestaͤt des Grasen von Nassau erhalten.
Belgien.
Brüssel, 29. Sept. Der Independant widerspricht der gestern von anderen Blaͤttern gegebenen Nachricht von der Ruͤck kehr des Herrn von Muelenaere. Dieser Staats⸗Minister soll sich vielmehr noch in Paris befinden, wo die Unterhandlungen wegen gegenseitiger Herabsetzung der Eingangszoͤlle fortwaͤhrend im Gange sind.
Deutsche Bundesstaaten.
München, 30. Sept. Der Staatsrath und diesseitige Bundestags⸗Gesandte von Mieg hat heute die Ruͤckreise nach Frankfurt a. M. angetreten.
Im Laufe dieser Woche finden zwei Inspections⸗ und ein Brigaͤde⸗Manoͤöver der hiesigen Garnisons⸗Truppen auf dem Marsfelde statt, ehe noch das Haupt⸗Mandver in Gegenwart der fremden von Seite des Bundestags hierzu ernannten Herren In⸗ spektoren abgehalten wird, welches erst in der kommenden Woche vor sich gehen soll.
Stuttgart, 30. Sept. Die zur Begluͤckwuͤnschung des Koͤnigs gewaͤhlten Abgeordneten der Ober⸗Amts⸗Bezirke uͤberreich⸗ ten Sr. Majestaͤt am 28. September Nachmittags eine Dank Adresse. Bei Außzaͤhlung der edlen Regentenhandlungen des geliebten Landesvaters wird darin gesagt: „Vor Allem verehren wir die echt Deutsche Gesinnung Ew. Majestaͤt, welcher wir es danken, daß Höchstdieselben nicht nur unablaͤssig das Ansehen und die Bedeutung des Deutschen Volkes zu erheben trachteten, son dern auch rastlos Sich bestrebten, jene Freiheit im Verkehre zu gruͤnden und zu erweitern, welche jetzt viele Millionen Deutscher Bruͤder, sonst getrennt durch — den Handel hemmende — Schranken, im gegenseitigen Interesse freundlich verbindet, ihre National⸗Wuͤrde staͤrkt und uns wieder des Hochge fuͤhls theilhaftig macht, das den freien, groͤßen und edlen Voͤlkern innewohnt.“ Und am Schlusse heißt es: „Allen diesen Wohlthaten, welche Ew. Majestaͤt Ihrem Volke erwiesen und deren wir noch viele aufzaͤhlen koͤnnten, haben Hochstdieselben vor wenigen Stunden, am 22sten Jahrestage der Verfassung, ei⸗ nen Gnadenakt angefuͤgt, der allein das unwiderlegbarste Zeugniß geben wuͤrde von der Erhabenheit Ihrer Regenten⸗Tugenden, von Ihrer Herrscherweisheit, von Ihrer Großmuth, und von Ihrem Jottgefaͤlligen edlen und wohlwollenden Herzen. Diese Gnaden- handlung, durch welche Allen, die sich in der Treue gegen Eure Majestaͤt und gegen das Vaterland verfehlt haben, volle Verzei⸗ hung und die Wiederherstellung der buͤrgerlichen Ehre gewaͤhrt wurde, wird mit allen Ihren Thaten durchleuchten alle Zeiten, wie sie von Neuem bestaͤtigt, daß Eure Majestaͤt rvedlich stre⸗
ben, so viel Gluͤck, als hienieden ausfuͤhrbar, um Sich zu ““
breiten. Die Geschichte wird zwar dereinst uͤber die Koͤnigliche Regierung das Urtheil faͤllen, wir aber, wir wollen dieses nicht abwarten, sondern, durchdrungen von der Wahrheit, daß Eure Majestaͤt die hoͤchste Ehre und Anerkennung verdienen, selbst, und schon heute, vor dem Throne feierlich ruͤhmen: „Koͤnig Wilhelm hat beschirmt, befestigt und vertheidigt die Rechte und den Heerd Seines Volkes, wie ein Held, furchtlos und treu Koͤnig Wilhelm hat beigestanden und geholfen Seinem Volke in jeder Noth, wie ein Wohlthaͤter, freundlich und mild. König Wilhelm hat gesorgt und gewacht fuͤr Sein Volk, wie ein Vatern allumfassend liebevoll.“ — Se. Majestaͤt geruhten zu erwiedern „Meine Herren! Nach einer nun bald vollendeten 25jaͤhrigen Re gierung empfange ich tief geruͤhrt Ihren Ausdruck der Zufrieden heit und vertrauensvollen Dankbarkeit fuͤr diese vergangenen Jahre. Ihr Zeugniß, stets ein treuer Freund meines Vaterlan des gewesen zu seyn, ist mein schoͤnster Lohn; stets bemuͤht, in allen meinen Handlungen zu beweisen, daß ich in echt Deutschem Sinne das Staatswohl Wuͤrttemberg's zu erreichen suche, dankt ihnen ein Deutsches Herz fuͤr diese Anerkennung. Vereinigen wir unsere Gebete, daß der Allerhoͤchste unser Vaterland stets segnen moͤge!“
Hannover, 2. Okt. Der hiesige Handelsstand hat, wie wir vernehmen, durch einen besonderen Beschluß in seine Statu⸗ ten die Bestimmung aufgenommen, daß kuͤnftig saͤmmtliche Han⸗ dels⸗Lehrlinge zwei Jahre hindurch die hieselbst seit dem Jahre 1837 bestehende staͤdtische Handelsschule zu besuchen haben, ein Beschluß, welchem saͤmmtliche Mitglieder der Innung einstimmig beigetreten seyn sollen.
Dresden, 3. Okt. (L. A. Z.) Die vom Deutschen Bunde zur Inspizirung der Konigl. Saͤchsischen Armee bestimmten Oester⸗ reichischen, Baierischen und Großherzogl. Hessischen Generale ha⸗ ben heute Dresden wieder verlassen, nachdem sie nach und nach alle Theile der Armee und alle Militair⸗Etablissements mit mili— tairischer Genauigkeit gepruͤst haben. Die verschiedenen Truppen— Gattungen wurden von ihnen nach dem Wunsche der Koͤnigl. Saͤchsischen Regierung theils in voller Friedens⸗, theils, nament⸗ lich die Batterieen, in voller Kriegsstaͤrke materiell und taktisch inspizirt. Sie folgten dann der Koͤnigl. Einladung, den gewoͤhn⸗ lichen jaͤhrlichen groͤßeren Truppen⸗Uebungen beizuwohnen, wozu zwischen Mittweida und Rochlitz 6 Bataillone Linien⸗Infanterie, 3 Bataillone Jaͤger und Schuͤtzen, 12 Schwadronen Kavallerie, 1 reitende und 2 Fuß⸗Batterieen vereinigt waren. Die Truppen ruͤhmen ungemein die Sachkenntniß, die Erfahrung und den rich⸗ tigen militatrischen Takt, mit dem diese Inspectionen geleitet und vollzogen wurden, so wie andererseits der treffliche Zustand der Armee so wohl in materieller als in taktischer Hinsicht die voll⸗ kommenste Anerkennung gefunden hat.
Weimar, 2. Okt. (W. Z.) Ihre Koͤnigl. Hoheit die Prinzessin von Preußen hat an ihrem Geburtstage durch den Hofmarschall Grafen Puͤckler die Summe von 100 Rthlr. zur Vertheilung an arme Buͤrger dem hiesigen Stadtrath uͤbersenden lassen.
Nach einer Verordnung des Großherzoglichen Landes⸗Direc⸗ tion sollen die Knechte fremder Frachtfuͤhrleute und Lohnkutscher, welche ohne eigene Legitimation und nur unter, Buͤrgschaft ihrer
nung und Zuverlaͤfsigkeit, was in
Dienstherren zu reisen pflegen, kuͤnftig einer sorgfaͤltigeren polizei⸗ lichen Beaufsichtigung unterworfen werden. Sie haben sich da⸗ her vom 1. Januar 1842 an, wenn sie daß Großherzogthum be⸗ treten, durch Reisepaͤsse oder durch Dienstbuͤcher, welche von ihrer Heimaths⸗Behoͤrde ausgestellt sind, gehdrig auszuweisen, widrigen⸗ falls sie das Land sofort wieder verlassen muͤssen. Nach dem Vorbilde anderer Stäͤdte hat sich hier Rettungs⸗Verein gebildet, welcher, in Verbindung mit vn nh angeordneten Loschungs⸗Anstalten, bei ausbrechendem venbun⸗ gluͤck gewiß die ersprießlichsten Dienste leisten wird. Denn be⸗ Fanntlich ist es weniger die Menge der „FHelsehdig. als die Ord⸗ Augenblicken der Gefahr
ein Feuer⸗ den wohl⸗
noth thut.
ö11“ Frankfurt a. M., 2. Oft. Wie man vernimmt wurde Se. Durchlaucht der Fuͤrst Metternich durch anhaltendes Unwohl⸗ seyn der Frau Fuͤrsten an der Weiter. 8 ö““ ung in Hei⸗ delberg zuruͤckgehalten. Man uͤberließ sich indessen ei Hoffnung, daß die Frau Fuͤrstin Durchlaucht alsbald pisder hergestellt seyn werde und der Herr Fuͤrst die Ruͤckreise nach Wien fortsetzen 8hn Koͤnigl. Niederlaͤndische Geschaͤftsträger dahier, Herr von Scherff, kam vor einigen Tagen aus dem Haag hier an, setzte aber alsbald die Reise nach Penlin sort. Unsere Boͤrse behauptet fortdauernd eine sehr feste Haltung, ohne daß gerade große Lebhaftigkeit in dem Handel mit Staats⸗ Effekten zu verspuͤren waͤre. Das Vertrauen der Boͤrsenwelt auf Erhaltung des allgemeinen Friedens und der Ruhe in den einzel⸗ nen Staaten ist unerschuͤtterlich, und es geschehen um so mehr in den soliden Effekten vielfache Kapital⸗Anlagen, da das baare Geld am hiesigen Platze in großem Ueberflusse vorhanden ist. Der Diskonto steht kaum 3 pCt., und die Taunus⸗ Eisenbahn⸗Actien wurden heute mit 122 ¾ Fl. Agio bezahlt. Sie erlitten seit gestern einenkleinen Ruͤckgang weil man einer staͤrkeren Einnahme der Taunus⸗ Eisenbahn im Monat September entgegensah. Eine Einnahme von 2000 Fl. taͤglich zeugt indessen fuͤr eine fortdauernd starke Fre⸗ quenz der Bahn. In den naͤchsten Tagen wird endlich auch der Guͤter⸗ und Schlachtvieh⸗Transport auf der Bahn in Gang kom⸗ men. Der Bau einer zweiten Schienenlage wird aber schwerlich in naͤchster Zeit in Ausfuͤhrung kommen und schon deshalb nicht, weil die Bahn von den drei partizipirenden Staaten mit Gewerb⸗ und Einkommen⸗Steuer belegt werden soll. Der Bau einer Ei⸗ senbahn zwischen Frankfurt und dem drei Stunden entfernten Ha— nau wird im naͤchsten Fruͤhjahr beginnen.
Schweiz. “ Tessin. Unterm 18. September wurde der Rath gebrachte Vorschlag eines Amnestie⸗Dekrets ßen Rathe angenommen und am 4sten an allen Plaͤtzen angeschlagen. Die Amnestie wird nach diesen Be⸗ stimmungen vom Staats⸗Rath gewaͤhrt in Folge von Bitt⸗ schriften der Angeschuldigten oder ihrer Anwaͤlte, die bis Ende Oktober eingereicht werden muͤssen, und in welchen der Petent seine Unterwerfung und Treue dem Gesetze und der Regierung erklaͤrt. Der Staats⸗Rath holt uͤber das Ge— such vom Spezialgericht ein den Prozeß-Akten zu entnehmen⸗ des Gutachten und verfuͤgt sodann; nach Verfluß des Okto⸗ bers wird nur eingetreten, wenn Beweise vorliegen, daß das Ge⸗ such um Amnestie nicht vorher eingereicht werden konnte. Bei der Berathung uͤber Zulaͤssigkeit der Amnestie beruͤcksichtigt der Staats⸗Rath, ob der Petent nicht besondere Verpflichtungen zum Meuchelmord uͤbernommen habe oder sonst verbrecherischer Gesin⸗ nung sey. Dieser Beschluß des großen Rathes wird durch eine besondere Proclamation des Staaks⸗Rathes in das Publikum ein⸗ gefuüͤhrt. Sie beruͤhrt kurz die geschichtliche Veranlassung, inter⸗ pretirt den Sinn des Dekrets und schließt mit folgenden Worten:
„Was be de
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vom Staats⸗ vom gro⸗ offentlichen
die Urheber, Haͤupter und Foͤrderer der Revolte, wie die Emigranten von 1839 betrifft, so hat uns der große Rath beauftragt, zu erklaͤren, daß, wenn sie Proben von loygter Gesinnung, von An⸗ haͤnglichkeit an die vaterlaͤndischen Institutionen, und von Achtung gegen die oͤffentlichen Gewalten geben, und wenn sie, mit aufrichti ger Verzichtleistung auf alle Machinationen gegen die vom Volks⸗ willen eingesetzte und gehandhabte Oednung, sich geneigt zeigen, Beweise redlicher Sinnesaͤnderung abzulegen, die Repraͤsentanten des Tessinischen Volkes nicht ermangeln werden, gegen diese ihre Gnade und Großmuth zu gebrauchen. Festeund unparteiische Gerechtigkeit gegen die Hauptschul⸗ digen; Vergebung der Menge der I eregeleiteten und Verfuͤhrten; feiee liche Verheißung von Milderung der Strenge zu Gunsten der Schul digern, so bald von ihrer Seite Beweise der Reue gegeben werden. Es soll allein von den einzelnen Angeschuldigten abhängen, wann es immer sey, wenn die Umstände es erlauben, an der Wohlthat der ödf⸗ fentlichen Vergebung Theil zu nehmen. Indessen haben wir die Zu⸗ versicht, daß durch alles dies im Volke das Vertrauen auf seine Sach⸗ walter und Magistrate sich befestigen werde; uns sie werden dazu ge langen, sowohl im Innern des Kantons als außerhalb desselben, die Beweggruͤnde oder Vorwaͤnde zu bescitigen, mit verbrecherischen At. rentaten die oͤffentliche Ruhe und Sicherheit zu stoͤren.“
Itali “ nach aus Aquila
Nom, 23. Sept. (A. Z.) Die nach und eingehenden Nachrichten stellen den am 8ten d. in jener Stadt vorgefallenen Tumult ganz anders dar, als die Neapolitanische Zeitung sich bemuͤhte glauben zu machen. Das Ganze war, eine zum Gluͤck im Keim erstickte Verschwoͤrung gegen die bestehende Ordnung, und soll weitverbreitete Verzweigungen haben. Der Behoͤrde war es kein Geheimniß, daß mehrere Mißvergnuͤgte sich dort versammelt hatten, und obgleich der Platz⸗Kommandant, so wie einige andere Personen gleich anfangs von den Verschwornen meuchelmoͤrderisch getoͤdtet wurden, so waren die genommenen Maßregeln doch so, daß man, wenn auch mit vieler Anstrengung, endlich uͤber den Haufen Meister werden konnte. Ueber 10 In⸗ dividuen aus allen Staͤnden sind bereits verhaftet und auf viele andere fluͤchtig gewordene wird Jagd gemacht; sie sind auch der diesseitigen Behoͤrde bezeichnet.
MNeapel, 16. Sept. (L. A. Z.) Die Unruhen, welche am 8. September Nachmittags 5 Uhr in Aquila stattgefunden haben, beschraͤnken sich auf die Umtriebe mehrerer Taugenichtse, die den Koemhaegn der Provinz, Oberst Tamfani, bei der Ruͤckkehr .elgsee Das Fest 88 Fbenftelen und ihn nebst seiner Ordonnanz vollen Militair⸗ esgZhe cea⸗ “ b Frqche. Besatzung ziemlich Nethb: 32 Sr⸗ NTA . 9 . Es ist indessen eine Art von Buͤrger⸗ garde zusammengetreten, welche sich mit der zuruͤckgebliebenen Truppen⸗Besatzung vereinigt und die offentliche Ruhe wieder her⸗ gestellt hat. Der Hauptagent der Koͤnigl. Steuer⸗Behoͤrde (Kegia) Namens Nebellione, wurde hierbei noch von einer Flintenkugel getödtet. Man sieht daraus, daß der Aufstand hauptsächlich we⸗ gen solcher Steuerlasten entstanden seyn mag. Die Nachricht von diesem Unfalle gelangte sehr bald durch Telegraphen und Stafet⸗ ten nach Neapel. Obgleich der General Monthoni von Pescara schon eine Compagnie Jaͤger nach Aquila detaschirt hatte, welche
der geringsten Stoͤrung wuͤrde um so mehr kompromittirt werden, in je groͤßerem Maßstabe die
die Ruhe in den Gemuͤthern vollkommen wiederherzustellen im Stande gewesen war, so sandte doch der Koͤnig sofort den Bri gadier Casella und einen Polizei⸗Kommissar, Car. Marchese, mit den erforderlichen Instructionen dahin 1““ Iö
Türkei.
MNRhodus, 1. Sept. (Journ. de Smyrne.) Es ist hier die Nachricht eingegangen, daß nach dem Tode der beiden Haupt⸗ Anfuͤhrer der Parteien, welche die Bevoͤlkerung von Kalymos spal⸗ ten, auch ein drittes Individuum, das der Partei von Jani Ser⸗ gio angehoͤrt, vergiftet worden ist. Die auf jener Insel herrschende Anarchie uͤbersteigt alle Begriffe und macht den Aufenthalt daselbst fuͤr die friedlichen Leute immer unertraͤglicher. Ein solcher Zustand der Dinge verlangt schnelle Abhuͤlfe und es sind daher zwei angesehene Einwohner mit dem Auftrage nach Konstantinopel gesandt worden, den Sul⸗ tan von den Vorgaͤngen in Kenntniß zu setzen und seine Ein— mischung nachzusuchen, um die Wiederholung aͤhnlicher Unord⸗ nungen zu verhindern. Auf den uͤbrigen zu Rhodus gehoͤrenden Inseln ist Alles ruhig, indeß kuͤmmern sich die Bewohner noch immer wenig um die Befehle des Pascha's, der zur Anwendung von Strenge nicht autorisirt zu seyn scheint.
Die Brigg „Theodora“, Capitain Malocchini, ist vor einigen Tagen in den Gewaͤssern von Castel Rosso absichtlich gescheitert. Die aus Reis, Weihrauch, Gummi u. s. w. bestehende Ladung wurde zu sehr niedrigen Preisen an die Spekulanten von Castel Rosso verkauft. Die Bewohner dieser Insel sind uͤbrigens be⸗
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kannt durch ihre Raͤubereien.
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Brieg, 1. Okt. Ueber den Ausfall des am 30. Sep⸗ tember hier abgehaltenen Herbst⸗Wollmarkts ist Nachstehendes zu
berichten: Von den Rustikal⸗Besitzern der Umgegend wurden uͤberhaupt 1ö1 Wolle zum Verkauf eingebracht, im vorigen Herbst- Wollmarkte betrug das mithin in diesem Jahre weniger.. 42 Ctr. 59 Pfd. Die Verkaufspreise waren der Centner — Sgr.
38 Psfd.
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der besten Sorte zu 55 Rthlr. 113121 8 56 der mittlenen z 8 G“ und I 49 15 und der geringeren zu 17 ½ und zu 2 29 folglich im Durchschnitt der Centner 50 Rthlr. 20 Sgr. 3 Pf., mithin gegen den vorigen Herbst⸗Wollmarkt der Centner um 13 Sgr. 9 Pf. hoͤher.
Aachen, 30. Sept. (Aach. 3.)
Herrn Wirkl. Geh. Ober⸗Regierungsraths von p l 2 2
Berlin, welcher fruͤher 18 Jahre als Praͤsident der
Reiman
res Verdienst nicht leicht vergessen werden kann.
Andenken in den Herzen Aller bewahrt ist.
im Hotel zum großen Monarchen, und mit Thraͤnen keit verabschiedete man sich von dem Gefeierten.
Blicke auf den
Zustand der Französischen Marine bei Gelegenheit der Entwaffnungs⸗Frage.
.*„ Paris, 30. Sept. Die Entwassnung unserer Ma⸗ rine hat ziemlich lebhafte Vorurtheile erregt, und die gesundeste Meinung des Landes mißbilligt diese Maßregel. Nicht als ob man uͤber den friedlichen Zustand Europa's nicht voͤllig beruhigt waͤre; aber die Dislozirung unserer maritimen Streitkraͤfte wuͤrde auf der einen Seite die seit einem Jahre gebrachten Opfer vollig
unnuͤtz machen und auf der anderen Seite wuͤrde man jede Art von Verbesserung und Fortschritt in diesem Theile der oͤffentlichen Macht laͤhmen. Die Journale, und unter ihnen vornehmlich das Journaldes D6bats, haben schon die Gefahren einer solchen Maß⸗ regel und die Unzulaͤnglichkeit unserer Schiffswerfte hervorgehoben; aber sie haben nicht Alles gesagt. In Toulonz. B., welches unser wich⸗ tigster Kriegshafen ist, wird in den Werkstaͤtten nach veralteten Metho⸗ den gearbeitet und die mechanischen Bewegungsmittel fehlen fast uͤberaͤll. Die Seilerbahn in Touion ist noch so, wie sie vor vierzig Jah⸗ ren war; dasselbe ist der Fall mit den Schmieden und Gießereien.
Die Fortschaffung gewisser großer Massen geschieht mittelst Men⸗
- schenhaͤnden oder mittelst hoͤchst unvollkommener dynamischer Mittel.
Der Wunsch, oder die Nothwendigkeit, die Gefangenen im Bagno
zu beschaͤftigen, traͤgt wahrscheinlich zu diesem vernachlaͤssigten Zu⸗
stande der Dinge und zu jener Abneigung gegen die Einfuͤhrung großer mechanischer Bewegungskraͤfte in die Werkstaͤtten und die Schiffswerfte bei.
Auch die Baumaterialien sind, sowohl ihrer Qualitaͤt, als ihrer Quantitaͤt nach, nicht von der Art, um einem dringenden und augenblicklichen Beduͤrfnisse zu genuͤgen; die Holz⸗Magazine sind im Allgemeinen ziemlich schlecht versorgt und die der uͤbrigen rohen Materialien haben sich in’ Toulon waͤhrend der letzten Ruͤ⸗ stungen in einem wahrhaft duͤrftigen Zustande befunden. Man
begreift, daß eine Entwaffnung diesen Zustand noch verschlimmern
und man mehr und mehr die Elemente aufgeben wuͤrde, welche die Basis unserer Seemacht bilden. Man wuͤrde ohne Zweifel dadurch eine sehr große Ersparniß bewirken und vielleicht auch eine Garantie mehr fuͤr den allgemeinen Frieden bieten; aber bei
Entwaffnung vorgenommen worden.
Der Theil des Kabinets, und es ist dies die Majoritaͤt, wel⸗ cher auf die Nothwendigkeit der Entwaffnung besteht, hebt, um die Unannehmlichkeiten, welche die Maßregel darbietet, zu schwaͤchen, besonders die Leichtigkeit hervor, mit der man im Nothfalle die Arbeiten wieder beginnen und die Flotte in einen achtunggebieten⸗ den Zustand versetzen koͤnne; man fuͤhrt zur Unterstuͤtzung dieser Ansicht das Beispiel von 1840 an. Man hat allerdings mit den geringen Huͤlfsmitteln, die in den Arsenalen und Schiffswerften vorhanden waren, Wunder gethan; aber welche Opfer erforderte es, und wie viel Zeit war noͤthig, um die Flotte in den Zustand zu bringen, worin wir sie jetzt sehen. Dies wuͤrde zum zweiten⸗ male wahrscheinlich nicht so leicht gelingen, namentlich in Bezug
auf die Mannschaft der Schiffe; denn dies ist vielleicht der wich⸗
tigste Punkt bei der Organisirung und der Erhaltung einer Flotte.
Die Anwesenheit des aus hiesigen Ko⸗ niglichen Regierung vorstand, hat aufs Neue bekundet, wie wah⸗ Alles draͤngte sich, dem, um den Regierungs-Bezirk Aachen so hoch Verdienten, seine Ehrfurcht zu bezeugen, und eine Kette von Festlichkeiten ge⸗ waͤhrten dem bescheidenen Manne die Ueberzeugung, wie tief sein Heute versammelten sich die Regierungs⸗Beamten zum Schlusse noch zu einem Mahle, der Innig⸗
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Aus den in den letzten Jahren vorgenommenen Zaͤhlungen ergiebt sich, daß wir etwa 90,0000 Ober⸗Steuermaͤnner, Marine⸗ Offiziere und Matrosen besitzen, die 10—40 Jahr alt sind; aber unter dieser Zahl wird man kaum 40,000 Matrosen und 3,000 Offiziere finden, die wirklich zum aktiven Dienst tauglich sind. Waͤren wir nun gezwungen, unsere Flotte zum Kriege auszuruüͤsten, so wuͤrde dies Personal voͤllig verhraucht und es bliebe keine Reserve, um die Verluste und die Luͤcken auszufuͤllen. Bekannt⸗ lich ergaͤnzt sich die See⸗Armee auf zweierlei Weise, durch die Conscription und durch die zum Seedienst eingeschriebenen jungen Mannschaften der Kuͤstenstriche (inscription maritime). Das erste Mittel giebt nur mittelmaͤßige Seeleute, die nur in den drei letzten Jahren ihres Dienstes einigen Werth haben. Sie sind im Allgemeinen intelligent und von gutem Willen; allein man begreift, daß Leute, die in ihrem 20sten und 2lsten Jahre das Meer zum erstenmale sehen, nicht die Eigenschaften besitzen koͤnnen⸗ wie die gebornen Matrosen, jene Seeleute der Kuͤsten⸗Landschaften, die taͤglich das Meer vor Augen haben.
Die durch die Rekrutirung erhaltenen Mannschaften verlassen fast unveräͤnderlich die Flotte, nachdem sie dem Gesetze Genuͤge geleistet, d. h. nach Verlauf von sechs Jahren. Man ist daher beinahe ausschließlich auf die urspruͤnglich zum Seedienst eingeschrie⸗ bene Mannschaft angewiesen, die, wie man gesehen hat, nuͤr eine sehr beschraͤnkte und mit den Eventualitaͤten eines Krieges wenig im Verhaͤltniß stehende Anzahl von Leuten liefert. Es waͤre da⸗ her mit Gefahr verbunden, durch eine Entwaffnung, die in diese Kategorie der Seeleute gehoͤrende Mannschaft zu zerstreuen. In den Vereinigten Staaten und in England wuͤrde eine solche Maß⸗ regel nicht von denselben Nachtheilen begleitet seyn, da die Han⸗ dels⸗Marine jener beiden Laͤnder eine ungeheure Entwickelung er⸗ langt hat und deshalb mehr als hinreichend ist, um die Kriegs⸗ Marine mit Matrosen zu versehen. In Frankreich besorgen die fremden Schiffe, ungeachtet des den National⸗Schiffen durch den Zoll gewaͤhrten Schutzes mehr als , der Transporte unseres auswaͤrtigen Han⸗ dels; in England kommt nur etwa“ und in den Vereinigten Staaten kaum“ des auswaͤrtigen Handels auf fremde Fahrzeuge. Es ergiebt sich hieraus, daß man die Wichtigkeit unserer Han⸗ dels⸗Marine nicht nach dem Betrage unserer Ausfuhr und Ein⸗ fuhr beurtheilen muß, indem die fremden Flaggen“ beider uͤber⸗ nehmen. Die Vereinigten Staaten, welche einen weniger ent⸗ wickelten auswaͤrtigen Handel haben als Frankreich, besitzen den⸗ noch eine viermal staͤrkere Handels⸗Marine und folglich viermal so viel Mittel, sich Matrosen zu verschaffen. Dasselbe Raͤisonne⸗ ment laͤßt sich auch auf Großbritanien anwenden.
Alle diese Betrachtungen sind wichtig und man begreift, daß die Frage uͤber die Entwaffnung der Flotte selbst von Maͤnnern, die der Regierung am meisten ergeben und gewohnt sind, derglei chen Fragen ohne Leidenschaft und Parteilichkeit zu beurtheilen, verschieden gewuͤrdigt wird.
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Witcsenlchaft, Kunkt und Literatur. 8
Geschichte des Entwickelungsganges der Branden burgisch⸗-Preußischen Monarchie, mit besonderer Beziehung auf die Persoͤnlichkeit der Regenten, die Haus⸗ Verfassung und die staats⸗ und voͤlkerrechtlichen Verhaͤlt⸗ nisse des Gesammt⸗Staats zu den einzelnen Gebiets Theilen und zu auswaͤrtigen Staaten. Von Hermann 18n Ohnesorge. Leipzig, Hinrichsche Buchhandlung,
Es fehlt zwar in der neueren Zeit nicht an allgemeinen Be⸗ arbeitungen der Geschichte des Preußischen Staats; indessen ist bis jetzt keine genuͤgende abgesonderte Behandlung der Territorial⸗Ver⸗ haͤltnisse, welche vollendet worden, keine einigermaßen zuverlaͤfsige be⸗ sondere Darstellung der Haus⸗Verfassung, so wie der staatsrechtlichen und voͤlkerrechtlichen Beziehungen des Brandenburgisch-Preußischen Staats erschienen. Eine solche Arbeit zu liefern, also einem wahrhaften Beduͤrfnisse abzuhelfen, wurde das vorliegende Werk unternommen.
Dasselbe ist in manchem Betracht eine bemerkenswerthe Erschei⸗ nung. Es ruͤhet naͤmlich von einem jungen Manne her, welcher, erst am Ende des Jahres 1818 geboren, nachdem er sich eine Zeit lang dem Strudel belletristischer Produktionen uͤberlassen hatte, bereits im kaum begonnenen Juͤnglingsalter sich den ausgedehntesten und um fassendsten wissenschaftlichen Studien und Planen hingab. Außer ei ner Deutschen Uebertragung des Alt⸗Franzdsischen Roͤmans von der Rose von Guillaume de Lorris, welche, bevorwortet von Hrn. von der Hagen, im Jahre 1839 erschien, war von ihm noch eine diplomatische Sammlung der Verfassungs⸗ und Verwaltungs⸗Grundgesetze der Deutschen Staaten vorbereitet, die bei laͤngerem Leben des Heraus gebers zu einer Reihe von Baͤnden herangewachsen seyn wuͤrde, von der aber nur der erste Theil an das Licht getreten ist. Das vorliegende Werk, welches kurz vor dem im Sommer des verwichenen Jahres er⸗ folgten Tode des Verfassers vollendet wurde, war uͤberdics nur der Vorlaͤufer einer umfassenderen Arbeit uͤber denselben Gegenstand in 8 — 10 Baͤnden, zu der bereits gusgedehnte Studien und Samm⸗ lungen vorlagen. In dieser umfassenderen Arbeit gedachte der Verfaß⸗ ser sich mit der Stellung des Fuͤrsten zum Staate, mit der Theil nahme des Landes an dee Regierung, der Entwickelung der Kultur Verhaͤltnisse des Landes, den persoͤnlichen und Standes⸗Verhaͤltnissen seiner Bewohner, ihren Gewerbs⸗ und Handels⸗Verhaͤltnissen, Kuͤn sten und Fertigkeiten, ihrer geistigen Ausbildung nach Unterricht, Erziehung, Gelehrsamkeit und Literatur, ihren religiosen und kirchli chen Verhaͤltnissen, ferner der Rechts Verfassung und Rechts⸗Gesetz⸗ gebung, der Polizei⸗Verfassung, den finanziellen Einrichtuͤngen und Verhaͤltnissen des Staats und seinem Militaiewesen zu beschäftigen.
Waͤhrend das fuͤe spaͤtere Zeiten vorbereitete groͤßere Werk einen vorzugsweise staatsrechtlich-statistischen Charakter an sich tra⸗
L“ n; ’ jene Persoͤnlichkeit einer naͤheren Betrachtung. die Sicherheit Frankreichs auch eine Untersuchung uͤber die Rachwirkung derselben auf die aͤußeren
gen sollte, suchte der Verfasser der vorliegenden Arbeit mehr den Cha rakter einer staatsrechtlich⸗-historischen Einleitung zu ge ben. Den Grundgedanken der letzteren bildet die Geschichse der all maͤligen Erweiterung des Brandenburgischen Besitzstandes, aufgefaßt in ihren staats⸗- und voͤlkerrechtlichen Momenten. Weil in der Per⸗ soͤnlichkeit der Herrscher des Hohenzollernschen Hauses die eigentliche. treibende Kraft der Entwickelung erblickt wird, so unterliegt zucest Daran knuͤpft sich
Verhaͤltnisse des Staats, eine Darstellung der Brandenburgischen Haus Verfassung und der Ausbildung derselben von den fruͤhesten Zeiten an. Darnach werden die Beziehungen, welche zwischen dem Brandenburgisch⸗Preußischen Staate und dem Auslande exristirten oder noch existiren, geschildert, — zunaͤchst die Verhaͤltnisse Branden⸗ burgs zum Reiche, mochten dieselben aus dem Feudal⸗Nexus hervor⸗ gehen, oder mit dem Erzkaͤmmerer⸗Amte und der Kur⸗Wuͤrde zusam menhaͤngen, — dann die Beziehungen Preußens zum Deutschen Bunde und zu den uͤbrigen Enropaͤischen Maͤchten, und zuletzt der Entwicke⸗ lungsgang der Verhaͤltnisse Kur Brandenburgs zu solchen Staaten⸗ die mit demselben im Verlaufe der Zeit in besonders wichtige staats und voͤlkerrechtliche Verbindungen getreten sind (Sakularisationen geistlicher Stiftungen, Erb⸗-Einigungen und Erb Verbruͤderungen, An wartschaften, Mirbelehnungen, Schutzherrlichkeiten u. dgl.). Ueberblicken wir den ganzen Inhalt des Werkes, so werden wir, wie sich dies hinlaͤnglich aus der Jugendlichkeit des Verfassers er⸗ klärt, eine sehr verschiedenartige Bearbeitung. gewahr. Am schwaͤch⸗ sten und am wenigsten aus einer gruͤndlichen und gelehrten Unter⸗