1841 / 293 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

von neueren Nachrichten, die in diesen Tagen daselbst aus New⸗ York angekommen seyn sollten, ohne jedoch das Datum derselben oder das Schiff anzugeben, mit dem sie angelangt waͤren. Die⸗ sen angeblichen, aber ohne Zweifel ebenfalls unbegruͤndeten Nach⸗ richten zufolge, sollte ein Haufen Kanadier in das Gebiet der Vereinigten Staaten eingedrungen seyn und sich eines Amerikani⸗ schen Offiziers bemaͤchtigt haben, als Repressalie füͤr die Verhaf⸗ tung Mac Leod's und als Geisel fuͤr dessen Sicherheit. Das am 13ten in Havre eingetroffene Packetschiff „Louis Philippe“, welches am 27. September, also zwei Tage nach dem „Great Western“, von New⸗York abgesegelt ist, bringt keine Nachricht der vorste⸗ henden Art mit. Mit großer Ungeduld wird nun die Ankunft des Dampfschiffs „Caledonia“ von den Vereinigten Staaten er⸗ wartet; man glaubt, daß es in Boston so lange verweilt haben wird, bis die Nachricht uͤber das Ergebniß des Mac Leodschen Prozesses dort eingetroffen.

Ueber die Verwendung der von Canton als Ranzion bezahl⸗ ten Summe durch Capitain Elliot scheint man noch immer nichts Sicheres zu wissen. Dem Morning Herald zufeolge, sollten die Chinesischen Dollars nicht zur Bezahlung des aus den Fakto⸗ reien abgelieferten Opiums, sondern blos zur Einloͤsung der Ver⸗ schreibungen verwendet werden, welche Elliot fuͤr jene Opium⸗ Vorraͤthe ausgestellt habe, die er, um die vom Commissair Lin geforderte Quantitaͤt aufzubringen, außerhalb der Bocca Tigris aufgekauft hatte. 1

Bis jetzt ist die Ernennung eines Nachfolgers Lord Auckland's in dem Posten eines General⸗Gouverneurs von Ostindien noch nicht erfolgt, und die Times glaubt, daß dies erst in der am naͤchsten Mittwoch stattfindenden Versammlung des Direktoriums der Ost⸗ indischen Compagnie geschehen werde.

Nach der Angabe der Times waͤre Lord Burghersh zum Nachfolger Lord William Russel's als Britischer Gesandter in Berlin bestimmt.

Der Oberst Todd, außerordentlicher Gesandter und bevoll⸗ maͤchtigter Minister der Vereinigten Staͤaten am Russischen Hofe, ist vorgestern auf der Reise nach St. Petersburg hier eingetroffen.

Lord Palmerston ist gestern mit seiner Gemahlin nach Ir⸗ land abgereist, um seine dortigen Guͤter in Augenschein zu neh⸗ men und dann eine Reihe von Besuchen zu machen.

Die Niger⸗Expedition ist zwar im besten Zustande am 21. Juli zu Cape Coast Castle angekommen, doch glaubt man, daß sie, wegen des damaligen Flußstandes des Niger, vor dem Monat August ihre Reise nicht werde fortsetzen köonnen.

Die erste gußeiserne Kirche in England ist die St.) Georgs⸗ kirche zu Everton bei Liverpool. Die Rahmen der Thuͤren und Fenster, die Querbalken, die Boͤden und Dielen oder Zierrathen sind alle aus Eisen gegossen. Die Kirche ist 119 Fuß lang und 47 breit. Das Licht erhaͤlt sie durch ein prachtvolles eisernes Fenster mit gemalten Scheiben. Schon seit 10 Jahren bestehen in England an den meisten großen Fabrikgebaͤuden die Thuͤren, Treppen, Boden, Schornsteine und Fenster ausschließlich aus Guß⸗

eisen. In England, wo das Eisen wohlfeil und das Holz theuer ist, sind die Baukosten eiserner Haͤuser geringer als die der hoöl⸗ zernen. Sowohl an Dauer als an Eleganz lassen sie die anderen weit hinter sich zuruͤck. Einmal vollendet, beduͤrfen sie keiner Aus⸗ besserungen, und die lieblichsten, zartesten Skulpturzierrathen kosten wenig mehr als das einfache, glatte Gußeisen.

In dem Victoria⸗Theater brach am 12ten Abends eine auf die Gallerie fuͤhrende Treppe ein, waͤhrend sich eine Menge von Menschen auf derselben befanden. Etwa funfzig oder sechzig Per⸗ sonen wurden mehr oder weniger schwer verletzt, doch Niemand getoͤdtet.

F London, 15. Okt. Die Koͤnigin ist noch immer auf, macht taͤgliche Spaziergaͤnge auf der herrlichen Terrasse des Windsor⸗Schlosses und scheint in gar keiner Eile nach London zu kommen, um hier ihre Niederkunft abzuwarten. Auch sieht Ihre Majestaͤt sehr gesund und heiter aus, und man merkt ihr 8 an, daß ihr die neulichen politischen Begebenheiten und die Ver⸗ aͤnderungen in ihrer Umgebung besonderen Kummer gemacht haͤtten. Auch kann Ihre Majestaͤt in den gluͤcklichen Familien⸗Verhaͤltnissen, worin sie lebt, es gleichguͤttiger ansehen, wer. die Damen und Herren sind, womit der Staat sie umgiebt. In ihrem un⸗ mittelbaren Haushalt hat in Betreff der ersteren wenigstens keine bedeutende Veraͤnderung stattgefunden. Der einzige von ihren Mini⸗ stern, den sie oͤfter sieht, auch außer der den Geschaͤften gewid ne⸗ ten Zeit, ist der Herzog von Wellington, der als Zeuge von Seiten des Staates bei ihrer Geburt zugegen gewesen, und zu dem sie immer mit einer Art von kindlicher Verehrung empor geblickt. Selbst in Melbourne's Verwaltung war er kein Fremd⸗ ling im Palast und wurde von diesem bei den wichtigsten Gele⸗ genheiten um seine Meinung befragt. Gegen Peel und seine uͤbri⸗ gen Kollegen ist sie nur eben hoͤflich und thut pflichtgemaͤß gegen

ihn, was er amtlich nur immer von ihr erheischen kann. B Inzwischen ist einer der neuen Minister, Lord Ellenbou⸗ rough, zum General⸗Gouverneur von Indien ernannt worden, eine Stelle, fuͤr die er besser geeignet scheint, als irgend einer von der Partei, indem keiner eine solche umfassende Einsicht 88 den Ostindischen Angelegenheiten besitzt und er auch in seinen Ansich⸗ ten höchst gemaͤßigt ist. Zu gleicher Zeit geschieht einem großen Theil seiner Partei durch seine Entfernung aus dem Ministe⸗ rium und der Naͤhe des Hofes ein Gefallen, obgleich viele es be⸗ dauern, daß sich fuͤr den gelehrten Groß⸗Kanzler nicht ein ande⸗ res ehrenvolles Exil ermitteln laͤßt. Die Stelle des Praͤsidenten des Ostindischen Kollegiums (Board of Controul), welche Ellen⸗ bourough bekleidet, ist dem Lord Fitzgerald Vesey uͤbergeben worden; ein Irländer von gemaͤßigter Politik und einigem Red⸗ nertalent. Auch die Gesandtschafts⸗Ernennungen, wesche Sie in unseren Zeitungen finden, geben Zeugniß von der Maͤßi⸗ gung und Liberalitaͤt des neuen Kabinets, und die Gewißheit, daß es in seiner auswaͤrtigen Politik wenig von seinen Vorgan⸗ gern abweichen wird. Peel und die meisten seiner Kollegen sind in jeder Beziehung zur Maͤßigung geneigt, und die Uebrigen lassen sie gern gewaͤhren, so lange sie nicht die Getraldegesetze zu

hart antasten. 1d

Die wahren Konserpativen erkennen taͤglich mehr die Noth⸗ wendigkeit, wirkliche Schaͤden zu heilen und zeitwidrige Einrichtun⸗ en zu veraͤndern, um durch die Vereinigung der Vernuͤnftigen aller Klaässen dem zunehmenden Republikanismus unserer Tage zu begegnen. In diesem Sinne ist die Schrift des Rb⸗ misch⸗katholischen Grafen Shrewsbury abgefaßt, und der noch gehaltvollere, obgleich mit Puseyitischer Phantasterei gemischte Brief an Lord Eduard Howard von „Anglo⸗Catholic“ (deren Verfasser ein junger protestantischer Edelmann seyn solh, so wie eine ganz neue Flugschrift von Lord Alvanley, welche, um den Irlaͤndischen De⸗ magogen auf einmal das Handwerk zu legen, die vollkommenste Gleichstellung der dortigen Katholiken mit den Protestanten vund selbst die Besoldung der Priester empfiehlt. Durch 1eh. M. regeln waͤre freilich Vieles gewonnen, und, so sehr auch alte Vor⸗

d, . Ahiman

e. „I10 ro⸗ ge obho [J. ͤrde urtheile und neuere Feloteret dagegen streben und toben wheden,

1304

so waͤre es fuͤr Peel und Wellington ein leichtes, solche und aͤhn⸗ liche Reformen durchzusetzen. Aber insoweit das Fabrikwesen dadurch nicht gehoben und der Preis der Lebensmittel um nichts niedri⸗ ger werden wuͤrde, wuͤrde doch jener so bedeutende Theil der Mit⸗ tel⸗ und unteren Klassen damit nicht beruhigt werden. Nur eine baldige Revision des Tarifs von allen Eßwaaren, und eine Er⸗ maͤßigung desselben, die sich sogleich in den Preisen fuͤhlbar machte, vermoͤchte dieses.

Sie sinden in den Zeitungen von dieser Woche einen hoͤchst interessanten Bericht, wie die Chartisten zu Norwich eine Ver⸗ sammlung zum Besten des Vereins fuͤr die Verbreitung des Evangeliums in der Fremde gestoͤrt und sie genoͤthigt haben, unver⸗ richteter Sache auseinanderzugehen. Der Hauptgrund der Op⸗ position war: „Sie wollten mehr Brodt und weniger Bibeln, mehr Schweine und weniger Prediger!“ und einige versicherten den Geistlichen, die sie zur Ruͤhe bereden wollten, „es beduͤrfe keiner vor⸗ nehmen Gutsherren, man solle ihnen nur die Laͤndereien uͤberlassen, und sie wuͤrden sich schon selbst zu ernaͤhren wissen.“ Die Tories moͤ⸗ gen freilich hieraus erkennen, wie thoͤricht ihr Verfahren war, als sie diese verzweifelten Demagogen als Alliirte ansahen, womit sie die Whigs stuͤrzen koͤnnten, und ihre Blaͤtter denselben ihren Beifall zollten, so oft es denselben gelungen war, eine Ver⸗ sammlung der Mittelklassen gegen die Brodsteuer zu stoören. Sie wollten zur Zeit nicht erkennen, daß eben diese Chartisten noch er⸗ bitterter gegen diese Steuer waren, als die Mittelklassen, und de⸗ ren Versammlungen nur deshalb stoͤrten, weil dieselben ihnen in ihrem Streben, die ganze Verfassung zu republikanisiren, entgegen⸗ standen.

Solche Auftritte sind nur die Vorlaͤufer der Vereinigung zwischen den unteren und Mittelklassen gegen die Aristokratie. Eine Versammlung der Arbeiter zu Manchester fand sogar zu diesem Zwecke statt. Der bekannte Oberst Thompson, welcher sonst so oft, selbst zum Vortheil von Tories, Whigs als Kandidat fuͤr die Sache des gemeinen Volks gegenuͤber gestanden, raͤth diesem nun selbst aufs eifrigste, sich ohne Saͤumen den Mittelklassen anzu⸗ schließen. Was solcher Rath nicht vermag, thut sicher die zuneh⸗ mende Noth. In Manchester ist es seit ein paar Wochen etwas besser; aber in Stockport und einigen anderen Fa⸗ brikstaͤdten der Umgegend soll es immer schlimmer werden. In Paisley in Schottland ist die Lage der Arbeiter so verzweifelt und alle Huͤlfe von Seiten der Bemittelteren so erschoͤpft, daß man bei einer neulichen Versammlung beschlossen hat, den Mayor und Andere nach London zu schicken, um bei den reicheren Eng⸗ laͤndern Beisteuer zu suchen.

H London, 15. Okt. Der Hof ist noch immer in Wind⸗ sor. Die Koͤnigin hat sich von ihrem Unwohlseyn vollkommen wieder erholt und ihre taͤglichen Spazierfahrten in Begleitung des Prinzen Albrecht wieder begonnen. In der naͤchsten Woche wird der Hof Windsor verlassen und den Buckingham⸗Palast wieder beziehen, wo bereits die Zimmer in Bereitschaft gesetzt werden.

Der Herzog von Wellington begiebt sich am Mittwoch nach Walmer Castle. Ungeachtet seines hohen Alters steht derselbe doch alle Morgen bald nach Tages⸗Anbruch auf und macht vor dem Fruͤhstuͤck einen Spaziergang; waͤhrend der Sitzungen des Parlaments ist er stets der Erste im Hause. Niemand in Eng⸗ land ist puͤnktlicher und methodischer in seinen Gewohnheiten als der Herzog von Wellington. 8

Die Regierung hat die Nachricht erhalten, daß der Sultan die Erlaubniß ertheilt hat, Kunstwerke, wie Skulpturen u. dgl., von der Kuͤste von Lycien nach England zu bringen. Es wurde dies Gesuch an den Sultan in Folge der wichtigen Entdeckungen gestellt, die Herr Charles Fellows auf seiner zweimaligen Reise in Klein⸗Asien gemacht und uͤber die er in zwei Baͤnden Bericht abgestattet hat. Dies glaͤnzend ausgestattete Werk enthaͤlt viel Interessantes uͤber verschiedene alte Griechische Staͤdte und Kunst⸗ reste, die vor seiner Reise voͤllig unbekannt waren. Sobald die Admiralitaͤt die Anzeige von der durch den Sultan ertheitten Er⸗ laubniß empfing, gab sie dem Admiral Ommaney auf Malta den Befehl, ein Schiff mit den von Herrn Fellows gegebenen Instructionen an die Muͤndung des Panthus abzusenden. Der unternehmende Reisende selbst wird in einigen Tagen am Bord des Dampfbootes „Oriental“ von hier nach Malta abgehen und sich von da auf dem Schiffe des Capitains Graves nach Rhodus und der Muͤndung des Panthus begeben. Das Sammeln und Einschiffen der Kunst-Gegenstaͤnde duͤrfte wohl mehrere Monate waͤhren, so daß dieselben nicht vor dem Fruͤhjahr hier zu erwar⸗ ten sind. .

b lederlande.

Aus dem Haag, 16. Okt. Neueren Nachrichten aus dem Loo zufolge, ist der von unserm Koͤnige zur Begruͤßung seines er— lauchten Vaters abgesandte Baron van Doorn am 14ten d. M. von Sr. Majestaͤt dem Herrn Grafen von Nassau empfangen worden. Es heißt, der Herr Graf wuͤrde zwar auf kurze Zeit nach dem Haag kommen, jedoch bald darauf seine Gemahlin im Loo wieder abholen, um die Ruͤckreise nach Deutschland anzu⸗ treten.

Man vernimmt, daß die Herren Witry und Servais, Mit⸗ glieder der außerordentlichen Kommission in der Luxemburgischen Angelegenheit vom Koͤnige Erlaubniß erhalten haben, in das Groß⸗ herzogthum zuruͤckzukehren, wo Sachen dringender Art ihre An⸗ wesenheit jetzt noͤthig machen. Vor ihrer Abreise haben sie sich verpflichtet, auf die erste Aufforderung des Koͤnigs⸗Großherzogs hierher zuruͤckzukehren.

Deutsche Bundesstaaten.

1 Leipzig, 18. Okt. (L. A. Z.) Auch unser Schluß⸗Bericht kann sich uͤber unsere hiesige nun beendigte Messe nicht anders aussprechen, als unsere fruͤheren es thaten: sie ist im Allgemeinen eine mittelmaͤßige gewesen. Der Absatz in Leinwand war schlecht, so wie der in Wolle ganz Null gewesen seyn wuͤrde, wenn nicht der gute Umsatz in den meisten wollenen Artikeln einige Nachfrage, besonders nach Kammwollen, veranlaßt haͤtte; fuͤr das Ausland, d. h. England, wurde gar nichts gekauft. P1; seidenen, baumwol⸗ lenen, weißen sowohl als gedruckten, in Strumpf⸗ und Rauch⸗ waaren blieben die Geschaͤfte ohne Ausnahme mittelmaͤßig, so wie auch in Russischen Produkten, Schweinsborsten, Hasenfellen u. dgl., auf welche letztere besonders die Nachricht von den erhoͤhten Zöllen in Nord⸗Amerika einen nachtheiligen Einfluß ausuͤbte. Leder und Tuche,

besonders geringe, gingen, wie bereits gemeldet, gut ab. Auch

V uͤber die uͤbrigen wollenen Artikel war nicht zu klagen, obgleich der Absatz in Merinos und Thibets nicht ganz die gewoͤhnliche Hohe erreichte, dagegen Umschlagetuͤcher, faconnirte und Naͤntzi⸗ stoffe sehr gut und rasch sich verkauften, was auch von Velveks und Bisouterien zu sagen ist. Von den Deutschen Einkaͤufern gaben die fuͤdlichen den meisten Anlaß zu dem guten Absatz in wollenen Waaren, besonders Tuchen, die noͤrdlichen und öͤstlichen

dagegen komen bereits halb gesaͤttigt (vermuthlich durch reisendt

Agenten, so wie durch Ankaͤufe in Berlin) hier an und waren daher sehr schwach. Die Griechen waren, wie schon fruͤher er⸗ waͤhnt, durch die Wiener Ereignisse sehr gelaͤhmt, dennoch waren sie es grade, welche fuͤr Bijouterien und façonnirte wollene Artikel die Messe gut machten. Die Einkaͤufe der Polen waren nicht bedeu⸗ tend, und die Brodyer fanden sich ebenfalls durch die Wiener Vorfaͤlle und nicht sonderliche Geschaͤfte in Odessa sehr beengt. Von einem Feld⸗ zuge der Französischen, Belgischen und Englischen Fabrikanten gegen die Deutschen, von dem neulich die Zeitungen sprachen, war waͤhrend dieser Messe nichts zu spuͤren, obgleich sie der dazu geeignete Ort, auch die Zeit die rechte gewesen seyn wuͤrde. Diese Furcht wurde aber auch hier nie gehegt, weil es unmöglich ist, so viele Koͤpfe Eines Sinnes zu machen, das zeitherige Sinken der Preise der rohen Produkte, Garne und Gewebe einzig und allein in den ge⸗ genwaͤrtigen traurigen Verhaͤltnissen des Welthandels seinen Grund hat, weil die Zoͤlle den vereinslaͤndischen Fabrikaten einen hin⸗ laͤnglichen, mitunter fast zu großen Schutz gewaͤhren, und weil end⸗ lich viele Deutsche Artikel so vollkommen geliefert werden, daß sie auch auf fremden Maͤrkten fortwaͤhrend mit denen anderer Na⸗ tionen, und selbst trotz der hohen Zoͤlle im Herzen Englands, mit den Englischen konkurriren, sie sogar verdraͤngen koͤnnen, daher im Gegentheile die fremden Fabrikanten sich uͤber die Deutschen beklagen. Selbst die Mittelmaͤßigkeit der Messe hat nicht solchen Einfluß gehabt, um die Preise schadenbringend zu machen, und sie war nicht von der Art, um unsere Fabrikanten zu noͤthigen, ihren Arbeitern nicht volle Beschaͤftigung zu geben. Diese Ver⸗ haͤltnisse, verbunden mit einem wohlgeregelten Muͤnzwesen und soliden Kredit⸗Anstalten, werden die Bewohner des Deutschen Zoll⸗Vereins stets vor inneren Erschuͤtterungen ihres Handels und Kunstfleißes bewahren, und aͤußere Ereignisse verhindern, so nachtheilig auf beide einzuwirken, als wir seit Jahren an anderen Laͤndern zu gewahren leider nur zu viel Anlaß gehabt haben.

Harlsruhe, 16. Okt. (K. Z.) Gestern, am Geburtsfeste Sr. Majestaͤt des Koͤnigs von Preußen, vereinigte der am Groß⸗ herzoglichen Hofe beglaubigte Koͤnigl. Preußische Gesandte, Frei⸗ herr von Otterstedt, die Mitglieder des Staats⸗Ministeriums und des diplomatischen Corps, so wie die Großherzoglichen Ober⸗Hof⸗ chargen, Generale und mehrere Staats⸗Beamte bei sich zu einem feierlichen Mittagsmahl. Der Herr Staats⸗Minister Freiherr von Blittersdorff brachte den Toast auf das Wohl Sr. Majestaͤt des Koͤnigs aus, wobei er der hohen Regenten⸗Tugenden des ge⸗ feierten Monarchen und besonders Hoͤchstdessen reger Theilnahme an allen Deutschen Interessen gedachte. Der Herr Gesandte brachte seinerseits die Gesundheit Sr. Koͤnigl. Hoheit des Groß⸗ herzogs aus und erwaͤhnte Hoͤchstdessen uͤbereinstimmende Gesin⸗ nungen mit denen seines Hoͤchsten Monarchen.

Oesterreich.

Triest, 10. Okt. (Oesterr. Lloyd.) Die neuesten Berichte aus Syrien lauten uͤber die dortigen Verhaͤltnisse sehr quͤnstig; die Ruhe ist in allen Theilen des Landes voͤllig hergestellt, der Handel gewinnt daher auch taͤglich mehr Leben, und viele Waaren, welche fruͤher von Konstantinopel nach Trapezunt mit Karawanen befoͤrdert werden mußten, nehmen jetzt den weit kuͤrzeren und nun auch sicheren Weg uͤber Beirut. Man hofft, die regelmaͤßige Dampfschifffahrt von Konstantinopel nach Syrien bald bis Latakta ausgedehnt zu sehen. Dadurch wuͤrde der Transport der Reifen⸗ den und Waaren von Adana, Tarsus, Antiochia, Aleppo, Diar⸗ bekir und Mossul ungemein befördert werden, und außerdem der Persische Karawanenzug nach Aleppo und Konstantinopel einen Vorschub von mehr als 50 Meilen gewinnen.

Schweiz. 1

Lausanne, 14. Okt. (A. Z.) Seit ein paar Tagen wer⸗ den Sie wohl von der merkwuͤrdigen Umwendung der Politik Waadts in Bezug auf die Aargauische Klosterfrage Kunde erhal⸗ ten haben. Durch die in seiner außerordentlichen Sitzung vom 8. Oktober gefaßten Beschluͤsse schließt sich, scheinbar wenigstens, der große Rath von Waadt der Bernischen Ansicht an, und dieses Ereigniß wird jetzt schon ohne Zweifel in den sogenannten radi⸗ kalen Blaͤttern der westlichen Schweiz als ein großer Fortschritt der freisinnigen Sache dargestellt. Keiner, der die Wichtigkeit die⸗ ser Angelegenheit fuͤr die ganze Eidgenossenschaft und ihr Euro⸗ paͤisches Interesse richtig gewuͤrdigt, wird einen Augenblick an⸗ stehen, die Entscheidung Waadts wenigstens als einen Haupt⸗ moment in der Entwickelung des ganzen Streits anzuerkennen. Durch Waadt war der Bernische Terrorismus im Schach gehal⸗ ten; das Zusammenhalten Waadts und Zuͤrichs mit den gemaͤßig⸗ teren kotholischen Staͤnden machte die Hoffnung sowohl einer Mehrheit im Sinne des Nargauischen Beschlusses, als eines er⸗ folgreichen Widerstandes gegen die Verordnungen der sich etwa in anderem Sinne bildenden Mehrheit unmoͤglich. Jetzt nun glaubt Bern seiner Sache gewiß zu seyn; der festen aber ge— maͤßigten Sprache des Wortsuͤhrers fuͤr die katholische Partei, des katholischen Vororts Luzern, wird der Bernische Schultheiß mit Trotz antworten. Die Katholiken aber koͤnnen und duͤrfen auf ihr Recht nicht verzichten. Dem Wohle Aargau's, der Un⸗ abhaͤngigkeit und dem Frieden der gesammten Eidgenossenschaft koͤnnen wohl die milder Gestimmten unter ihnen bedeutende Opfer bringen wollen; das Opfer der Gewaͤhrleistung ihrer religioͤsen Institute durch die Verpflichtung der ganzen Eidgenossenschaft waͤre aber ein viel zu großes; ohne gegenseitige Sicherheit fuͤr das eigene kann das gemeinsame Leben nicht bestehen. Ließen die katholischen Staͤnde solche Praͤzedentien in Beziehung auf den Zustand der Roͤmischen Religion in den paritaͤtischen Staͤn⸗ den aufstellen, so waͤren sie selbst der ersten Bedingung eines wirklichen Zusammenwirkens in dem Bunde beraubt; sie waͤren nicht mehr freie, selbststaͤndige Mitglieder desselben. Von heute an scheint also durch die materielle Ueberlegenheit Berns die Schweiz in zwei Heerlager getheilt: die Einen wollen Aargau in seiner jetzigen Stellung vertheidigen, die Anderen wollen es rich⸗ ten und gehen von dem Satze aus, daß die Tagsatzung allein, und zwar nur dann, wenn sie das Unrecht der Kloͤster und die Gefahr fuͤr den Staat als bedeutend erachtet, das Aufhebungs⸗ recht fuͤr sich ansprechen solle. Die Einen also vertheidigen Aar⸗ gau in seiner jetzigen Stellung, die Anderen greifen sie direkt an; der Anfuͤhrer der vertheidigenden Partei hat es schon klar genug ausgesprochen, daß er auf einen entgegengesetzten Beschluß der Tagsatzung nicht sehr viel achten wuͤrde. Die Bedeutung dieser Drohung, falls der große kriegsgeruͤstete Stand Waadt in sie einstimmen wuͤrde, ist nur zu leicht zu ermessen. ““

Spanien. J

Direkte Nachrichten von unserem Korrespondenten in Madrid sind uns, vielleicht nur in Folge des Ausbleibens der Pariser Post, heute nicht zugekommen.

Paris, 16. Okt. Der Messager publizirt nachstehende aphi epesche ren Ankunft durc ruͤbe Wet kelegraphische Depeschen, derfn n. un ft durch das t uͤbe ü82 tex

Is.

Militair⸗Division an den Kriegs⸗Minister. neral van Halen hat die Kommandanten von Monjuig, von Seu

oder muͤndlich die Rebellion billigt, augenblicklich gerichtet und mit Todesstrafe belegt werden soll. In Barcelona hat die Munizipa⸗

-“

8 8 1“ bedeutend verzoͤgert worden ist, und von denen die beiden ersteren sogar von Bordeaux und Lyon aus mit der Mallepost befoͤrdert worden sind:

„Perpignan, 11. Okt. Der Commandeur der 2lsten Ivor 7

2 Der Ge⸗

d'Urgel und von Cardona abgesetzt. Vorgestern ist ein Dekret

erlassen worden, welches besagt, daß jeder Militair, der schriftlich

litaͤt und die Provinzial⸗Deputation eine Beaufsichtigungs⸗Junta errichtet. Ein Bataillon der National⸗Garde haͤlt bestaͤndig Wache auf dem Constitutions Platze.“ b „Perpignan, 13. Okt. Der Praͤfekt der Ost⸗Pyre⸗

naͤen an den Minister des Innern. Am 10ten hat man in Barcelona eine Junta gebildet, die von dem Constitution⸗ nel eine Junta der oͤffentlichen Wohlfahrt genannt wird. Eine Anleihe ist ausgeschrieben worden, und um den Eingang derselben zu sichern, bewilligt man Niemandem einen Paß. Die Miliz haͤlt die Forts und fast alle Posten besetzt. In den Distrikten organisirt man Freicorps. Es haben neue Verhaftungen, aber keine Hinrichtungen stattgefunden. Van Halen wird das Kommando in Saragossa uͤbernehmen; Zabala ersetzt ihn in Barcelona.“ „Bayonne, 13. Okt. Der Chef des See⸗Buͤreaus an den See⸗Minister. Die Deputation von Guipuztoa, in Bergara versammelt, hat ein Manifest erlassen, durch welches die Provinz zu den Waffen berufen wird. Man hat sich heute bei Villafranca geschlagen. In San Sebastian glaubte man, daß der General Alcala sich zuruͤckzoͤge; er hat die Miliz von Tolosa entwaffnet. Die Einwohner von San Sebastian sind sehr ge⸗ theilter Meinung.“ 1“ „Bayonne, 13. Okt. Der Unter⸗Praͤfekt an den Ninister des Innern. Keine Nachricht aus Madrid. Ge⸗ stern um 2 Uhr hat die Citadelle von Pampelona das Feuer ein- gestellt. Es verbreitet sich das Geruͤcht, daß die Stadt kapitulirt abe. Man setzt San Sebastian in Vertheidigungs⸗Zustand und nan glaubt, daß der General Alcala sich daselbst einschließen werde.“

Barcelona, 10. Okt. Als die Nachricht von den Vorfaͤl⸗ len in Pampelona am 8ten Morgens hier eintraf, versammelte der General van Halen fofort die Truppen, verkuͤndigte ihnen das Benehmen O Donnell's und ermahnte sie zur Treue gegen Espar⸗ tero. Nach der Revue ließ der General alle Ober⸗Offiziere zu sich bescheiden und machte sie persoͤnlich verantwortlich fuͤr die Sub⸗ ordination ihrer Mannschaften. Sodann erließ er eine Procla⸗- mation, worin er seine Entruͤstung uͤber die Generale, welche sich gegen die Regierung empoͤrt haben, ausspricht und befiehlt, daß jeder unter seinem Befehl stehende Soldat oder Nichtsoldat, der mit Worten oder schriftlich sich billigend uͤber die Empoͤrung d'Donnell's aͤußere, die Empoͤrung oder den Ungehorsam gegen die Regierung beguͤnstige, dem Gesetze gemaͤß, mit dem Tode be⸗ straft werden solle. Wer revolutiongire Grundsaͤtze in der Armee zu verbreiten sucht, erleidet dieselbe Strafe.

Der hiesige Constitucional enthaͤlt einen heftigen Angriff egen die Franzoͤsische Regierung, welche er beschuldigt, die In⸗ surrection O'Donnell's unterstuͤtzt zu haben. Man muͤsse, meint dies Blatt, die Armee an die Franzoͤsische Graͤnze schicken, damit nicht der jenseits der Pyrenaͤen zur Empoͤrung aufgereizte Ab⸗ schaum der Spanier in das Land eindringe. Die Hauptstadt und

eine erhoͤhte Begeisterung zur Feier des hohen Geburtstages Sr. Majestaͤt, unsers allverehrten Koͤnigs, hervorgerufen. Als Vor⸗ feier dieses frohen Festes fand in der Aula des hiesigen Gymna⸗ siums am heutigen Tage ein Akt statt, der, von einer zahlrei⸗ chen und hoffnungsvollen Jugend und ihren Bildern vor einer ansehnlichen Versammlung ausgefuͤhrt, jedem, dem schoͤnen Be⸗ rufe des Erziehens und Unterrichtens auch noch so fremden Zu⸗ schauer, die Ueberzeugung gewaͤhren mußte, daß die Bestrebungen dieses Institutes nicht allein auf Anhaͤufung positiver Kenntnisse bei den jugendlichen Menschen, sondern ganz besonders auf ge⸗ steigerte Begruͤndung der Gesittung, Gesinnung und Pietaͤt in den, jedes Eindrucks faͤhigen Gemuͤthern gerichtet sind. Moͤge der Himmel solchen Bestrebungen Gedeihen schenken und aus die⸗ ser Pflanzschule, wie bisher, recht viel zeitgemaͤß gebildete Buͤrger und treue Unterthanen hervorgehen lassen!

Aachen, 16. Okt. (Aach. Z.) Als wir am gestrigen Tage des vorigen Jahres unsere Segenswuͤnsche fuͤr das Wohl eines uns so theueren Fuͤrsten darbrachten, waren es nur Hoff⸗ nungen, die unsere Herzen erfuͤllt hatten, deren Verwirklichung uns aber gewiß schien, denn wir kannten Seinen Geist, Seine Liebe, um derentmillen schon lange eine jede Brust seiner einstigen Unterthanen Ihm mit Liebe entgegenschlug. Er hatte kaum erst den Thron bestiegen, der so lange von allen Segnungen des Frie⸗ dens gestrahlt hatte, und nur erst Ein Akt vaͤterlicher Gnade war von ihm ausgegangen. Ein Jahr ist seitdem verflossen, eine kurze Frist fuͤr die Entwickelung eines Stäaates, und doch wie viele Saaten sind seitdem schon ausgestreut worden, wie manche Frucht ist gereift, wie manche Hoffnung ist in Erfuͤllung gegangen! Denn wo uns auch keine fertige That entgegentritk, erblicken wir doch uͤberall den waltenden Geist, der im Innern wirkt und schafft, das Veraltende sorgsam beseitigt, sich dehnt und nachdraͤngt und bald hier, bald dort die Huͤlle sprengt und uner⸗ wartet die erfreulichsten Knospen zu Tage foͤrdert. Es ist der frische, lebendige Fortschritt, der nach allen Seiten sich zeigt und, ohne irgendwo zerstoͤrend einzugreifen, das Rechte mit ruhigem Wirken geltend macht. So, daß kein unnuͤtzes, verderbliches Ver⸗ suchen und Probiren mehr nöoͤthig ist, sondern daß es feststeht, zum gesunden Wachsthum geeignet. Der Fortschritt ist es, dessen glor⸗ reiche Vertretung wir in unserem erhabenen Monarchen verehren, der Fortschritt in buͤrgerlicher Verfassung und Ausbildung jeglicher Art, der liebevolle Schutz alles kuͤnstlerischen und wissenschaftlichen Strebens, der hohe Sinn fuͤr Alles geistig Hohe, die warme Ergreifung aller Interessen, welche die Zeit erzeugt und uns aufdraͤngt, vor allem der echt Deutsche Sinn, der aus warmer Theilnahme Alles fest⸗ haͤlt, was das gemeinsame Vaterland beruͤhrt, und diesem die Einheit und die Macht zu befestigen bemuͤht ist, welche dem Deut⸗ schen Voͤlker-Bunde gebuͤhrt, und welche ihn unwiderstehlich macht gegen alle offenen und versteckten Angriffe. Darum wird Friedrich Wilhelm IV. von Deutschland vereéhrt, darum zwiefach von uns, darum steigen unsere Gebete auf fuͤr Sein Wohl, und daß Er uns lange erhalten bleibe, darum vereinigte sich destern in dem großen Vaterlande Alles zu dem innigsten, herzlichsten Flehen fuͤr Ihn, auf welchen auch die fremden Nationen mit Achtung blicken, und einem jeden war es, als die Glocken den Abend vorher den schoͤnen Tag einweihten, als ob er das Fest eines lieben Vaters feiere. Schon einige Stunden fruͤher hatte eine schoͤne, von dem hiesigen Gymnasinm veranstaltete Feierlich⸗ keit in dem großen Saale des Rathhauses Statt gefunden. Spaͤt Abends vereinigte ein glaͤnzender Bal paré eine auserlesene Ver⸗

die Festungen koͤnnten von der National⸗-Garde bewacht werden. Dasselbe Blatt beschwert sich auch daͤruͤber, daß es dem Genera Pavia, der in Valencia unter O'Donnell kommandirte und sich mit der Koͤnigin Christine einschiffte, gestattet sey, den Brunnen in Caldas zu gebraͤuchen, wo er mit dem Karlistischen Er⸗General egarra leicht Intriguen gegen die Spanische Regierung ankauͤ⸗ fen koͤnne. 38 6 Es herrscht hier große Aufregung und es finden bereits Ge⸗ fechte mit Stoͤcken in den Straßen statt, die gewoͤhnlich die Vor⸗ ernsterer Ereignisse sind. Die Behoͤrden ertheilen beine

La⸗Plata⸗Staaten. . Buenos⸗Ayres, 8. Aug. (Brem. Ztg.) Vorgestern kam es zwischen den Flotten von Buenos-Ayres und Montevideo an der Muͤndung des La⸗Plata⸗Flusses zu einer Schlacht. Die erstere zaͤhlte 8 Kriegsschiffe, die letztere deren 5. Nach einem blutigen Kampfe ergriff die Flotte von Buenos⸗Ayres die Flucht; das Admiralschiff derselben soll sehr uͤbel zugerichtet seyn und be⸗ darf wohl bedeutender Reparaturen. Man trifft hier alle Anstal⸗ ten zu einer Erneuerung des Kampfes, um einer Hemmung des Verkehrs durch die Kriegsschiffe von Montevideo vorzubeugen.

Bonn, 15. Okt. Zur wuͤrdigen Feier des Geburts⸗ tages Sr. Majestaͤt des Koͤnigs ward hier ein Gottesdienst nebst Tedeum in der katholischen Haupt⸗Pfarrkirche, so wie ein anderer in der evangelischen Kirche abgehalten, welchen beiden die verschie⸗ denen Behoͤrden und ein zahlreiches Publikum beiwohnten. Die Schuͤtzen⸗Gesellschaft holte den Magistrat und jene Beamten, welche sich demselben angeschlossen hatten, mit klingendem Spiele vom Rathhause ab und geleitete den Zug nach der Kirche. Die Friedrich⸗Wilhelms⸗Universitaͤt feierte den wichtigen Tag durch einen Rede-Aktus, bei dessen Schlusse die Namen derje⸗ nigen Studirenden, welche die im verflossenen Jahre ge⸗ stellten Preis-Aufgaben geloͤst hatten, veroͤffentlicht wurden. Mittags versammelten sich die Beamten der Universi⸗ tät, des Ober-Berg-Amts, des Gerichts und der Stadt so wie die Honoratioren zu einem frohen Mahle im Kasino, bei welchem sich die Gefuͤhle der Dankbarkeit und Anhaͤnglichkeit an Se. Majestaͤt den Koͤnig, so wie der Geist echter Harmonie un⸗ ter den Anwesenden in erfreulicher Weise kund gaben. Um den Armen einen, frohen Tag zu bereiten, hatte die Stadt⸗Verwaltung beschlossen, fuͤr eine bessere Speisung derselben denjenigen Betrag 11“ fuͤr oͤffentliche Festlichkeiten bestimmt ist. 5 dödecen ag ne weniger geraͤuschvoll ausgefallen ist, so den Anklang gefunden en 9. Duͤrftigen. einen tieferen, bleiben⸗ renden Ulanen⸗Regiments 1e Offsier⸗Corpe 8 bier garnifom⸗ feiern, und trat doshalb b Watte beschlossen, den Tag unter sich zu Ein glaͤnzender Ball z einem hesonderen Festmahle zusammen.

98 8 er Schuͤtzen⸗Gesellschaft, welchen die

eingeladenen Autoritaͤten zahlreich besucht⸗ ““ der Festlichkeiten. Plreich besuchten, maͤchte den Schluß

Trier, 14. Okt. (Triersche 3 NZ“ rinnen beginnt, hat, wie im Allgemeinen, so auch im Besondern, 5 7

JII

sammlung, welche sich in den freundlich dekorirten Saͤlen der großen Redoute in heiteren Kreisen bewegte. Am Morgen des Festes fuͤllten sich die Kirchen von Schaaren Andaͤchtiger, welche in den geweihten Hallen ihre frommen Gebete fuͤr das Wohl des geliebten Fuͤrsten zu dem Hoͤchsten aufsteigen ließen und in ihrer begeisterten Stimmung noch erhoben wurden durch die tief ergrei— fenden, aus dem Herzen kommenden und zu Aller Herzen gehenden Worte, welche bei dieser Gelegenheit und in An⸗ wesenheit aller hohen Behoͤrden in den erhabenen Raͤumen unseres ehrwuͤrdigen Domes vor der Auffuͤhrung eines Tedeums, der Herr Probst Dr. Claessen und in der evangelischen Kirche Herr Pastor Dr. Winkelmann sprachen. Vor der feierlichen Handlung im Dome fand auf der Theaterstraße eine Parade des hier garnisonirenden Militairs statt, vor welchem der Herr Regi⸗ ments⸗Commandeur von Coelln mit kurzen, aber kraͤftigen Woͤr⸗ ten dem Koͤnig ein lautschallendes Lebehoch ausbrachte, in welches die Truppen und das versammelte Volk, unter dem Schwenken der Fahne und dem Schalle der Instrumente, einsielen. In der Mittagsstunde wurden die Armen im Josephinischen Institute, wie auch im Waisenhause, festlich gespeist, worauf mehrere Gesell⸗ schaften sich in verschiedenen Lokalen vereinigten, um auch beim geselligen Mahle das schoͤne Fest zu begehen.

Nheina (Westphalen), 16. Okt. (Westph. M.) Am gestrigen Tage haben wir ein schoͤnes Fest gefeiert. Mit dem Geburtstage Sr. Majestaͤt und dem Tage der Huldigung verband sich hier die Eroͤffnung und Weihe des Emse-Kanals und der Schleuse, die durch die Thaͤtigkeit der Koͤniglichen Bau⸗Beamten so schnell gefoͤrdert worden, daß gerade dieser hehre Tag zu einem dreifachen Feste werden konnte, was bei der

unguͤnstigen Witterung acht Tage vorher noch als kaum moͤglich konnte gedacht werden. Unser verehrter wuͤrdiger Ober⸗ Praͤsident erschien mit mehreren Mitgliedern der Koͤniglichen Re⸗ gierung, dem Feste die wuͤrdigste Weihe zu geben. Der Pfarrer,

Dechant, Bispink, hielt bei der Einweihungs⸗Feierlichkeit eine

Stimme den geliebten Koͤnig Baues be⸗

sehr passende Rede, worin er mit beredeter Dank des Preußischen Volkes fuͤr seinen aussprach, die Wichtigkeit des gegenwaͤrtigen ruͤhrte, und dann die Versammlung mit den vorauszuse⸗ henden und schoͤnen Ergebnissen fuͤr Handel und Gewerbe nicht allein der Stadt, sondern fuͤr ganz Westphalen be— kannt machte, und zu erneuertem Dank fuͤr den Koͤnig, den Ober⸗Praͤsidenten, die Regierungs⸗ und Bau Beamten aufforderte. Ein tausendstimmiger, nicht enden wollender Jubelruf und Lebe⸗ hoch allen denen, die das Werk befoͤrdert hatten, beendete diese Weihe, welcher sich noch mehrere Festlichketten, namentlich ein großer Ball und eine Illumination des Ortes anschlossen.

8*

Berichtigung. Im gestrigen Blatte der St. Z., S. 1299, Sp. 3, Z. 45 v. u. ist statt „jener Monopolisten“ zu lesen: „je⸗ nen Monopolisten.“

Wilsenschaft, Kunst und Literatur.

Gutzkow’s Werner, oder Herz und Welt. Werner, ein junger Mann von niederem Herkommen, lernt nach

ollendung seiner Studienjahre die Familie des Praͤsidenten von ordon kennen; es entwickelt sich ein Verhaͤltniß zur einzigen Toch⸗

ter des reichen vornehmen Hauses. Der Vater adoptirt den hochstre⸗ benden Juͤngling, uͤbertraͤgt ihm Namen und Adel, und die Verhin⸗ dung wird geschlossen. An der Hand seiner edlen und schoͤnen Ge⸗ mahlin, mit warmem Herzen tritt er in die Welt; durch eigenes Ver⸗ dienst, so wie durch den Einfluß der Familie durchlaͤuft er die ersten Stadien des Staatsdienstes rasch und glaͤnzend, die brillanteste Zu⸗ kunft steht ihm bevorv. Doch sein Herz ist nicht allein von der Flamme der Liebe beruͤhrt worden, auch die Flammen des Ehrgeizes haben es durchdrungen. Er sieht jetzt die vornehme Welt in seinem glaͤnzend montirten Hause; er genteßt als Beamter des trefflichsten Rufes, selbst gelehrte, schriftstellerische Arbeit giebt ihm literarische Auszeichnung. Dennoch ist Werner nicht gluͤcklich: seinem Herzen will die Welt nicht genuͤgen, wenigstens die nicht, in der er lebt Diese Welt ist die Sklavin eleganter Plattiduͤde, sie laͤßt sich den Cham⸗ pagner des freigebigen Wirthes trefflich schmecken und moquirt sich in demselben Augenblick uͤber die Großthuerei des Parvenuͤs. Auch de vavierne Staatsdienst kann Werner's ideale Forderungen nicht be⸗ friedigen: sein haͤusliches Gluͤck droht von verzehrender Schwermuth hinzuschwinden. Seine Gedanken eilen unablaͤssig ruͤckwaͤrts in die Zeit seiner Jugend, wo erste ideale Liebe ihn einem armen Maͤd⸗ chen seines Standes einst verlobte. Diese Braut hat er verlassen, um dem Gluͤck des vornehmen Ehrgeizes, den nichtigen Freuden der Eitelkeit nachzujagen; Reue uͤber versaͤumtes doch namenloses Gluͤck und die Bitterkeit der Taͤuschung scheinen sein Herz lang⸗ sam zu Tode zu martern. Er gluͤht aufs neue fuͤr die verlassene Braut, deren Aufenthalt und Schicksal ihm unbekannt ist: die Last der Geschaͤfte findet in ihm keine Spannkraft, die Freuden seiner Umgebung sind ihm schaal und hohl. Ein Zufall fuͤhrt endlich jenes arme Maͤdchen als Erzieherin seiner Kinder in sein Haus: nach der Erkennung zwingt er sie, zu bleiben, sie willigt ein, um in ihm nicht Alles auf einmal zu zerstoͤren. Nun scheint auf eine Woche lang das Gluͤck dort wiedergekehrt, der Truͤbsinn hat einer krampfhaften Fedhlichkeit Platz gemacht. Die leidenschaftliche Spannung fuͤhrt endlich die Entdeckung des Geheimnisses herbei. Werner's Gattin verlaͤßt mit den Kindern das Haus, dann verlobt sich die Geliebte aus Edelmuth einem Freunde Werner'’s der sie schon lange liebte: ein haͤmischer Kollege, der Mephisto des Stuͤcks, zieht ihm außerdem durch Faͤlschung eine Kriminal⸗ Untersuchung zu, kurz, das Ganze scheint mit raschen Schritten der Katastrophe eines ordi⸗ nairen buͤrgerlichen Trauerspiels zuzueilen. Da auf einmal, am An⸗

fang des fuͤnften Aktes, stehen wir am Wendepunkte des Ganzen. Als der Freund so eben zagend an Werner seine Verlobung mit der Ge⸗ liebten entdeckt, findet man sich von der Gleichguͤltigkeit dieses Letzte⸗ ren uͤberrascht; ia er ist erfreut, daß seine verlassene Braut so vor⸗ trefflich versorgt wird. Dies scheint unerklaͤrlich. Aber in den Ta⸗ gen des Ungluͤcks ist dem Helden des Stuͤcks eine Erkenntniß seines Zustandes aufgegangen, der Schluͤssel seines Herzens ihm in die Hand gefallen. Nicht aus Liebe war er seelenkrank; er war „krank an den Verhaͤltnissen;“ er hatte jenes Franzoͤsische Paradoxon bestaͤtigen hel⸗ 11 n˙) a pas de malades, 1 n'y a que des malheureux. Seine Liebe war nur das oberflaͤchliche Symptom des tieferen Leidens gewe⸗ sen, nur der Refler und Schein eines zehrenden Feuers, dessen eigent⸗ liche Staͤtte an ganz anderer Stelle war.

Diese Taͤuschung, welche die Empfindungen falsch vor einander schiebt, schwindet nun sogleich, da die tiefere Wahrheit ins Bewußt⸗ seyn tritt. Er sieht, daß er seine Bestimmung verfehlt hat: mit warmen Herzen geboren, groß gezogen am Ideal, kann er in der kalten Hoͤhe der vor nehmen Welt nicht gedeihen; er fuͤhlt, daß man in diesem Klima geboren seyn muß, um es ertragen zu koͤnnen. Sein uͤberlegener Geist fuͤhlt sich gedemuͤthigt in einer Welt, wo man durch Geist allein nichts gilt wo die Leute es eben dieser Ueberlegenheit nicht verzeihen wollen, so unverschaͤmt Fortuͤne gemacht zu haͤben. Vor dieser tieferen Erkennt⸗ niß zerfließt das Wahnbild sentimentaler Liebe; die gediegeneren Ge⸗ fuͤhle fuͤr Ehre, Pflicht, Trene, Ehe und Familie erwachen aufs neue. Er ergreift das Heilmittel, was der Ruf als Professor an einer Uni⸗ versitaͤt, der ihm geworden, ihm bietet: er tritt, freiwillig und mit Allen versoͤhnt, in den buͤrgerlichen Stand zuruͤck, um seinem Herzen leben und ohne Hemmung mit seinem Geiste Frucht bringen zu koͤnnen.

Diese Loͤsung des Knotens, selbst die rasche Wendung auf Kosten der Sentimentalitaͤt, duͤnkt uns gut und wahr. Sie erhebt das Stuck hinsichtlich seiner Anlage uͤber die Graͤnze des Gewoͤhnlichen, inner⸗ halb welcher wir ihm wegen einer gewissen Schwaͤche der poetischen Ausfuͤhrung sonst leicht einen Platz haͤtten anweisen koͤnnen. Allein es ist noch ein anderer Grund, weshalb wir naͤher auf diese drama⸗ tische Neuigkeit eingegangen sind. Der Dichter hat offenbar gestrebt, die Zustaͤnde und Mißstaͤnde, Verhaͤltnisse und Miß⸗ verhaͤltnisse unserer Zeit uns vorzufuͤhren. Daß man der eige⸗ nen Gegenwart einmal dreist ins Angesicht schaue und die so⸗ zialen Gebrechen mit allen Leiden, die sie uͤber „uns selbst und unsere guten Bekannten“ bringen, auch auf der Buͤhne vor⸗ uns voruͤbergehen laͤßt, gefaͤllt uns wohl. In den Zeiten Iffland's und Kotzebue’s war dies zwar gleichfalls Mode, doch mit Karrikatur: die Verhaͤltnisse der Staͤnde wurden den Ideen der damaligen Zeit ge⸗ maͤß meist etwas zu stark gezeichnet. Jene hochherzigen jungen Se⸗ cretaire aus dem Buͤrgerstand, die sich in die Praͤsidenten Toͤchter

verlieben und dafuͤr unglaublich niedertraͤchtig behandelt werden; das mit Kindern reich gesegnete und verhungernde Verdienst; die ver⸗ folgte Tugend, das galonirte Laster, endlich ein edler Fuͤrst, der im zten Akt die Stelle der Vorsehung uͤbernimmt: Alles das zeigte das schiefe, doch in den einzelnen Zuͤgen oft wohlgetroffene Bild der al⸗ ten Zeit. Diese Zeit ist nun dahin, und ihre Motive koͤnnen im Le⸗ ben, wie auf der Buͤhne, nicht viel mehr wirken. Aber die Gegen⸗ wart hat die soziglen Unebenheiten noch keineswegs nivellirt; noch zerreißen und brechen ihre Mißtoͤne manches Herz, noch liefern sie mannigfaltigen Stoff, wenn nicht zur Tragoͤdie, doch jum Schau⸗ spiel hinreichend. Gutzkow's Stuͤck ist ein solcher Versuch, die Pein der Zeit zu malen, sichtlich nach der Gegenwart, und zwar wohl bor⸗ zugsweise nach der L Gegenwart modellirt. Allenthalben und zu allen Zeiten hat Macht und politischer Einfluß die Vermir⸗ telung zwischen dem Unterschied der Staͤnde uͤbernommen: allein diese Schilderung des Beamtenstandes, welcher den Adel supplirt, diese Assessoren und Referendarien, passen doch im Ganzen nur auf unsere

Zustaͤnde.

Wir haben einen Augenblick gezweifelt, ob wir ohne Laͤcheln die mit dem Schicksal ringenden Regierungs⸗Assessoren und die groß⸗ herzigen Referendarien wuͤrden ansehen koͤnnen; allein wir haben uns selbst beschieden, daß es in den hoͤheren Regionen der Geheimen Naͤthe und Abtheilungs⸗Dirigenten uns schwerlich anders zu Muthe gewesen seyn moͤchte. Bis jetzt wollen sich diese Verhaͤltnisse des gewoͤhnlichen Lebens nur schwer bis zur Poeste verklaͤren, die Prosa uͤberwiegt Allein diese Schwierigkeiten sind nicht unuͤberwindlich und dͤrfen den Dichter nicht abhalten, der Wirklichkeit, wie er versucht, den Spiegel vorzuhalten. Gutzkow hat in seinem Talent offenbar ttwas Nachhaltiges, mehr Fonds, als sich von der verkehrten Richtung fruͤ⸗ herer Jahre erwarten ließ. Er hat auch seitdem die nicht ohne Gluͤck gefuͤhrte, deshalb aber so sehr verfuͤhrende Geißel der Kritik wieder aus der Hand gelegt und sich dem Positiven, dem poetischen Schaffen zugewendet: dies ist mehr, als wozu viele verwandte Geister sich erhoben haben wuͤrden. Wir moͤchten ihm bei dieser Richtung nicht gerade durch Tadel des Verfehlten in den Weg treten, doch draͤngt sich dem Zuschauer der unwiderstehliche Eindruck auf, daß der Dichter⸗ wenn er auch das Herz zu kennen meinte, doch die Welt, dee er schildern wollte, nicht hinreichend gekannt hat. Diese Welt wird nur unge⸗ nuͤgend und nur im Anfange des Stuͤcks von einigen sehr chargirten Charakteren repraͤsentirt, wenn man sie uͤberhaupt mit diesem Namen beehren will. Die Verhaͤltnisse der hoͤheren Staͤnde, der Beamten, des Buͤr⸗

gerstandes, unter deren Konftikt eben das Herz zu leiden hat, muͤßten dramatischer im Laufe des Stuͤcks uns vorgefuͤhrt werden, nicht blos in der Erzaͤhlung von Geschehenem. nHi Staͤnt und Verhaͤltnisse ist tieferer Natur, als er uns hier erscheint, er wirkt in der That als maͤchtiges Element in unsexer Gegenwart; die Loͤsung ist, gerade heraus gesagt, eines der wichtigsten Probleme unserer Po⸗ litik. es vor allen Dingen wahr.

Dieser Konflikt der Staͤnde

Will das Drama hier dem Leben sein Bild zeigen, so sey : r Wir begegnen freilich taͤglich solchen