anzeigen, daß die gegenwaͤrtige Mittheilung die letzte ist, die ich im Namen Ihrer Mazestaͤt an Sie richten werde. Gott erhalte Ew. Herrlichkeit viele Jahre. (gez.) José del Castillo y. Agensa. Der Messager enthaͤlt nachstehende telegraphische Depesche: Toulon, 23. Okt. Der General Baraguay d’'Hil⸗ liers an den Kriegs⸗Minister. Die Garnison von Algier hat ihre zweite Verproviantirung Milianah's gluͤcklich beendigt; sie hat den Feind bei Chaabel⸗Gotta geschlagen. Die Araber hatten, nach ihrem eigenen Eingestaͤndniß, 200 Todte und eine große An⸗ zahl Verwundeter. Wir verloren nur einen Offizier und zwei Soldaten und hatten 30 Verwundete. „Das Journal des Débats enthaͤlt heute einen sehr aus⸗ fuͤhrlichen Artikel uͤber die Pariser Festungswerke, worin es nach⸗ zuweisen sucht, daß die Arbeiten an der Ringmauer mit eben so viel Eifer betrieben wuͤrden, als die an den detachirten Forts. Der Graf Molé kam gestern auf Einladung des Koͤnigs von seinem Landsitze nach St. Cloud, woselbst er eine lange Audienz bei Sr. Majestaͤt hatte. Einige Zeit darauf trafen saͤmmtliche Mi⸗ nister in St. Cloud ein und versammelten sich unter dem Vorsitze des Koͤnigs. “ Der General Rumigny ist von Berlin wieder in Paris ein⸗ getroffen. b Boͤrse vom 25. Oktober. Die Franzoͤsischen Renten hielten sich an der heutigen Boͤrse sehr fest, wenn auch keine merkliche Steigerung der Course stattfand. Ein von dem Temps verbreitetes Geruͤcht, daß Espartero einen Handels⸗Vertrag mit England abgeschlossen habe, kraft dessen die Einfuhrzoͤlle fuͤr Eng— lische Waaren um 20 pECt. herabgesetzt wuͤrden, fand keinen Glauben.
„., Paris, 25.Okt. Die Koͤnigin Marie Christine scheint eine
große Verlegenheit fuͤr die Regierung zu werden, und mehrere Minister haben sich uͤber diesen Gegenstand ziemlich unumwunden, wenn auch nicht offiziell, ausgesprochen. So viel ist gewiß, daß eine starke Trup⸗ pen⸗Bewegung nach der Spanischen Graͤnze hin stattfindet. Das 7te Kuͤrassier⸗Regiment und drei Infanterie⸗Regimenter sollen sich mit den von den Generalen Harispe und Castellane kommandir⸗ ten Divisionen des Suͤdens vereinigen. Es ist sogar die Rede davon, eine Verstaͤrkung von 30,000 Mann an die Spanische Graͤnze zu schicken, und die Thaͤtigkeit, welche seit einigen Tagen in dem Buͤreau des Kriegs⸗Ministers herrscht, giebt diesem Geruͤchte einige Wahrscheinlichkeit. Bis jetzt hat dasselbe jedoch keine Wichtigkeit, oder ist wenigstens nicht von der Art, umdas zwischen unserem Kabinet und dem Regenten herrschende Mißverstaͤndniß, welches man von gewis⸗ sen Seiten zu unterhalten bemuͤht ist, zu naͤhren. Andererseits istHerr Olo⸗ zaga nicht von sehr versoͤhnlichem Charakter, und seine Formen sind eine ziemlich auffallende Verleugnung aller Gewohnheiten der Diplomatie. Seine dem Publikum heute mitgetheilte Korrespon⸗ denz mit der Koͤnigin Marie Christine enthuͤllt einen Geschaͤftsstyl neuer Art, und man muß gestehen, daß der Secretair der Koͤni⸗ gin in seinen Antworten nicht eben bemuͤht gewesen ist, Proben von Wuͤrde und Höflichkeit abzulegen. Diese Korrespondenz enthaͤlt einige merkwuͤrdige Gestaͤndnisse, und es geht daraus deut⸗ lich hervor, daß die gescheiterte Insurrection, selbst in ihrem Miß⸗ lingen, die Zustimmung der Koͤnigin Christine hat. Die Demen⸗ tis sind von beiden Seiten nicht gespart worden, und zwar in einer Sprache, welche wenig geziemend erscheinen duͤrfte. Die Wahrheit hat dadurch nichts gewonnen, und die Journale koͤn⸗ nen ihre Polemik mit um so groͤßerem Rechte wieder aufneh⸗ men, da sie jetzt offizielle Dokumente besitzen, und die Vertheidiger beider Parteieen werden in dieser ungewoͤhnlichen Korrespon⸗ denz hinreichenden Stoff zu neuen Diskussionen finden.
½½ Paris, 25. Okt. Es giebt hier eine zahlreiche aus ver⸗ schiedenartigen Elementen zusammengesetzte Partei, der nichts er— wuͤnschter waͤre, als der foͤrmliche Bruch zwischen Großbritanien und den Vereinigten Staaten von Nord⸗Amerika. Vor Allen sind es die kriegerisch Gesinnten, welche ein solches Ereigniß her— beiwuͤnschen, weil sie uͤberzeugt sind, daß zunaͤchst Frankreich und bald auch das uͤbrige Kontinental⸗Europa in jenen Kampf hinein⸗ gezogen werden wuͤrden. Verbuͤndung Frankreichs mit Nord⸗ Amerika zur Zerstoͤrung der Britischen Seemacht war von jeher ein Lieblings⸗Gedanke jener Patrioten, welche ihre Vaterlands⸗ Liebe nicht besser zu bewaͤhren wissen, als durch Haß gegen das Ausland und durch Neid gegen jede fremde Groͤße. Von dieser Seite wird denn auch jede Nachricht von der weiteren Verwickelung der Englisch⸗Amerikanischen Differenzen mit einer Schadenfreude begruͤßt, die man sich kaum die Muͤhe giebt, verbergen zu wollen. Indessen die Ereignisse gehen ihrer Unge⸗ duld viel zu langsam, und wir hoͤren, wie der National im Unmuthe uͤber die Verzoͤgerung der gehofften Katastrophe das Englische sowohl als das Amerikanische Volk der schmaͤhlichsten Feigheit anklagt, weil sie, trotz aller gegenseitigen Her⸗ ausforderungen, noch nicht ins Handgemenge mit einan⸗ der gerathen sind. Bestaͤtigt sich jetzt das Geruͤcht, daß das Ka⸗ binet der Tuilerieen sich den beiden betheiligten Maͤchten als Ver- mittler angeboten, so wird ein gewaltiger Sturm⸗ uͤber die Regie—
rung hereinbrechen, so wird die Opposition nicht anstehen, ihr einen
offenbaren Verrath an den handgreiflichsten Macht⸗Interessen Frankreichs vorzuwerfen.
Die Sentinelle de la Marine, ein Blatt, dessen all⸗ gemeine Haltung das groͤßte Vertrauen in die Wahrheit seiner Mittheilungen und die Unbefangenheit seiner Urtheile einfloͤßt, ent— haͤlt in einer seiner letzten Nummern eine Reihe von Angaben uͤber die Verwaltung des Franzoͤsischen Seewesens, aus denen schwere Anklagen gegen den Geist und die Gewohnheiten dieser Administration hervorgehen. Verschleuderung der fuͤr den See— dienst und namentlich den Schiffsbau bestimmten Summen auf der einen und die unverantwortlichste Vernachlaͤssigung der dringend⸗ sten Ausgaben auf der anderen Seite scheinen, der Sentinelle de la Marine zufolge, bei der Marine⸗Verwaltung an der Tages⸗ Ordnung zu seyn. Dieses Blatt citirt eine lange Reihe von Beispielen. Hier einige derselben. „Jena“ und „Inflexible“ werden mit großer Sorgfalt und gro⸗ ßem Aufwande in Brest und Cherbourg ausgeruͤstet, segeln nach Toulon, und als sie hier ankommen, Einrichtung derselben fuͤr verfehlt erklaͤrt und unter
eben so großen Kosten mit einer anderen vertauscht. Die
Fregatte „Galatée“ wird in Toulon mit einem Aufwande von 100,000 Fr. ausgebessert, begiebt sich aus dem dortigen Hafen direkt nach Brest, und hier wird erkannt, daß sie demolirt werden Die Ausruͤstung des „Montebello“ hat Jahre lang ge⸗
muͤsse.
dauert, weil nach der Laune der verschiedenen Kommandanten alle Einrichtungen desselben unzaͤhlige Male geaͤndert worden sind. Deshalb muͤssen denn oft die wichtigsten Arbeiten verschoben oder ganz Die Sentinelle de la Marine versichert, „Turquoise“, „Bretonne“, „Lilloise“ die nothwen⸗ Der Capitain des letzt⸗ de Blosseville, wußte recht gut, welcher
aufgegeben werden. 2* daß die Schiffe „Nantaise“, — blos deshalb verloren gegangen, weil digsten Reparaturen derselben versaͤumt.
genannten Fahrzeugs,
man
Die Linienschiffe „Triton“,
wird die ganze neuen
Gefahr er sich aussetze, als er nach den Polarmeeren absegelte, allein er konnte nicht hoffen, die zur Ausbesserung seines Schiffes noͤthigen Gelder zu erlangen, fuhr ab und kam nicht wieder. Die „Estafette“ verließ den Hafen dreimal und kehrte dreimal um, weil der Capitain derselben einsah, daß sie die See nicht halten könne; er wurde unter derben Verweisen gendthigt, zum viertenmale auszulaufen, und dies Mal blieb er fuͤr immer aus. Der Brand des „Trocadero“, eines ganz neuen Linienschiffs von 120 Kanonen, das 2 Millionen gekostet hatte, ist, der Sen— tinelle de la Marine zufolge, gleichfalls nur durch die Ver⸗ saͤumung der dringendsten Vorsichtsmaßregeln verursacht worden, so daß die Hafen⸗Beamten sagten: wenn man es darauf ange⸗ legt haͤtte, den „Trocadero“ zu verbrennen, so haͤtte man nicht an⸗ ders verfahren koͤnnen, als man verfahren hat. Die meisten die⸗ ser Angaben sind von dem genannten Marine⸗Journal einem Be⸗ richte entlehnt, den Herr Tupinier, General⸗Direktor der Haͤfen, an den See⸗Minister erstattet hat.
Großbritanien und Irland.
London, 23. Okt. Lord Stuart de Rothesay ist in Be⸗ gleitung seines Privat⸗Secretairs John Hart und eines Theils seines Gefolges heute fruͤh nach Rotterdam abgegangen, von wo derselbe bis Reval zu Lande reisen und sich dann in der ersten Woche des November dort auf dem letzten Dampfschiff, welches von da in diesem Jahre nach St. Petersburg faͤhrt, nach seiner Bestimmung einschiffen wird.
dach Berichten aus Malta vom 15. Oktober ist Lord Pon⸗ sonby, bisheriger Englischer Botschafter, in Konstantinopel, auf sei⸗ ner Ruͤckreise nach England, und Reschid Pascha, der neu ernannte Tuͤrkische Botschafter in Paris, auf der Reise dahin aus Kon⸗ stantinopel auf dieser Insel angekommen.
O'Connell ist seiner Erwaͤhlung zum Lord⸗Mayor von Dublin bereits so sicher, daß er in einer Versammlung der Repeal⸗Asso⸗ ciation ankuͤndigte: „Heute uͤber 8 Tage ist Lord⸗Mayors⸗Wahl, und heute uͤber 14 Tage werde ich hier als Lord⸗Mayor den Vor⸗ sitz fuͤhren.“
Die Verwuͤstungen, welche die neuliche Sturmfluth in London angerichtet hat, sind ungeheuer. In Lambeth, Commercial⸗ road, Belvedere⸗road, Bank⸗side und allen anstoßenden Straßen, in Horseley⸗down, Bermondsey, Rotherhithe und Greenwich, in Black⸗ wall, Limehouse, Ratcliff, Shadwell, Wapping, St. Katharine, Thames⸗Street und in den niedrigen Theilen von Westminster waren nicht weniger als 10,000 Haͤuser unter Wasser. In der High⸗Street stand das Wasser bis 11 Uhr Abends 6 Fuß hoch, und 3 — 400 Familien waren in diesem Quartier fuͤr den Augen⸗ blick ohne Obdach, da ihre Wohnungen nach dem Auspumpen des Wassers so feucht und mit Schlamm angefuͤllt waren, daß es un⸗ moͤglich war, sich darin aufzuhalten. Auch die Doͤrfer an den Ufern der Themse in Essex haben stark gelitten, und in den an der Suͤdseite des Flusses belegenen Korn⸗Magazinen ist viel Ge⸗ traide und Mehl verloren gegangen. —
Die Liverpool Times giebt niederschlagende Berichte uͤber die Aussichten zur Aussaat des Weizens bei dem nassen Wetter,
welches wir diesen Monat haben. Unter anderen soll in Vorkshire noch nicht der hundertste Theil des auszusaͤenden Weizens in der Erde seyn.
Der Bischof von Kilmore in Irland ist im 7östen Jahre gestorben, nachdem er 40 Jahre lang den bischoͤflichen Stuhl ein- genommen hatte.
Zum Gouverneur der Insel Whigt ist Lord Heytesbury er⸗ nannt worden.
Das Stadthaus von Derby, welches im Jahre 1828 erbaut wurde, ist gestern fruͤh in Flammen aufgegangen. Das Gebaͤude soll 12,000 Pfd. gekostet haben. “
Niederlande.
Aus dem Haag, 24. Okt. Der Entwurf zu der Ant⸗ wort⸗Adresse auf die Thronrede, welchen die damit beauftragte Kommission der zweiten Kammer der Generalstaaten vorgelegt hatte, war, wie bisher gewoͤhnlich, nichts als eine Umschreibung der Thronrede selbst. Diesmal scheint diese Adresse aber eine hoͤhere Bedeutung zu erhalten, da sich in den Sectionen so viele Reclamationen erhoben, daß die Kommission bereits in verschiedene Abaͤnderungen zu willigen veranlaßt wurde.
Der Kbnig hat verfuͤgt, daß vom 1. Januar 1812 an das Ministerium der Marine und Kolonieen getrennt werden und daß der Contre⸗Admiral Rijk, jetzt General⸗Gouverneur der West⸗ indischen Kolonieen, die Marine als General⸗Direktor leiten soll. Seine Stelle in Westindien versieht einstweilen Herr de Kanter, General⸗Prokurator in Paramaribo.
Seitdem sich Se. Majestaͤt der Graf von Nassau wieder in den Niederlanden befinden, sind zahlreiche Schenkungen, die Hoͤchst⸗ derselbe an reformirte Kirchen macht, zur oͤffentlichen Kenntniß gekommen.
Die neulich von dem Journal du Luxembourg mitge⸗ theilte Nachricht, daß drei Kommissare zur Unterhandlung uͤber einen Handels⸗Vertrag mit Belgien ernannt worden seyen, wurde vom Journal de la Haye fuͤr falsch erklaͤrt. Jetzt ergiebt sich, daß dieser Widerspruch nur einen formellen Grund hatte. Offiziell benannt sind die bezeichneten Personen allerdings nicht, sie haben aber den Auftrag erhalten, zunaͤchst das Terrain zu son⸗ diren. Auch reisten sie sogleich nach Bruͤssel ab, wo sie sich noch jetzt befinden.
Deutsche Bundesstaaten. 1
München, 23. Okt. Die Glyptothek hat — gewiß fuͤr Viele, die den Plan des Gebaͤudes nicht kannten, unerwartet — einen neuen Schmuck erhalten, der eben so schoͤn als bedeutungs⸗ voll ist. An den Außenseiten der Glyptothek sind eine Anzahl Blenden (Nischen) angebracht, wie sie sich haͤufig an Roͤmischen Gebaͤuden, namentlich im Innern der Tempel, an Triumphbo⸗ gen ꝛc. sinden. Fuͤr die sechs Blenden der Vorderseite waren die Statuen verschiedener mythischer und geschichtlicher Personen be— stimmt, die in Beziehung zur, Skulptur stehen. Sie haben in dieser Woche die Werkstaͤkten der Kuͤnstler verlassen und bereits ihre neue Stelle eingenommen. Es sind dies die Statuen von Bulkan und Prometheus, von Daͤdalus und Phidias und von den beiden fuͤrstlichen Beschuͤtzern der Kunst, Perikles und Ha— drian. Letztere beide sind die Arbeit des Bildhauers Leeb, Pro⸗ metheus und Phidias sind von Schaller, Vulkan von Schoͤpf und Daͤdalus von Lazarini. Die Statuen sind von glaͤnzend weißem Marmor, der sich vom lichtroͤthlichen der Fagade merklich, aber sanft unterscheidet.
München, 24. Okt. (L. A. Z.) Der General⸗Secretair unserer Akademie der Kuͤnste, der Bildhauer J. Martin Wagner, reist naͤchsten Montag von hier nach Rom zuruͤck. Er hat das Amt eines Central⸗Galerie⸗Direktors fuͤr das Koͤnigreich Bayern, das ihm an der Stelle des verstorbenen Herrn von Dillis uͤber⸗ tragen worden, in die Haͤnde des Koͤnigs zuruͤckgegeben, da ihn
ein mehr als dreißigjaͤhriger Aufenthalt in Rom dem Deutschen Klima und Leben so entfremdet hat, daß er sich in seinem eigent⸗
lichsten Lebensgluͤck durch das gnadenvolle Geschenk des Kbnigs,
wie hoch er es auch achtet, gefaͤhrdet sah.
Stuttgart, 26. Okt. (Schwaͤb. M.) (Erste Sitzung der Kammer der Abgeordneten vom 25. Oktober.] Der Praͤsi⸗ dent von Waͤchter begruͤßte die Kammer mit folgender Rede: „Vor Allem erlaube ich mir, meine verehrten Herren Mitstaͤnde, in diesem Saale Sie von Herzen willkommen zu heißen. Nach laͤngerer Unterbrechung vereinigt uns eine Reihe wichtiger und schwieriger Arbeiten wieder zu gemeinschaftlicher Thaͤtigkeit. Es ist nur ein Ziel, nach welchem wir Alle streben — das unzertrennliche Wohl von Koͤnig und Vaterland treu und gewissenhaft zu berathen. In Eintracht und gegenseitiger Unterstuͤtzung werden wir Alles thun, was von unserer Seite und nach unseren Kraͤften zur Erreichung dieses Zieles beitragen koͤnnte. Besonders aber bitte ich Sie, ge— ehrte Herren Kollegen, in meinem schwierigen Berufe mir die Unterstuͤtzung und das Vertrauen zu schenken, womit Sie mich bisher begluͤckten, und uͤberzeugt zu seyn, daß ich wenigstens stets redlich streben werde, mit strenger Unparteilichkeit den Anforderun⸗ gen meines Amtes zu genuüͤgen.“ Der Praͤsident giebt sofort eine Uebersicht uͤber den Stand der Arbeiten, der auf dem letzten Land⸗ tage gewaͤhlten Kommissionen zu Begutachtung des Entwurfs der Straf⸗Prozeß⸗Ordnung und des Zusatz⸗Gesetzes zum Verwaltungs⸗ Edikt. Hierauf wurde zur Wahl der Secretaire geschritten. Der
provisorische Chef des Justiz⸗Departements, Staatsrath von Prie 1
fer, legt den Entwurf eines Gesetzes uͤber Aufhebung von Dispensations⸗Sporteln in Ehesachen zur verfassungsmaͤßigen Be⸗ rathung und Beschlußfassung vor, welcher an die bereits bestehende Kommission zu Begutachtung des Gesetzes uͤber das Notariats⸗ wesen verwiesen wird; ferner einen Gesetz⸗Entwurf, betreffend die Geltung des neuen Landes⸗Muͤnzfußes bei der Tilgung aͤlterer, im 24 Guldenfuße eingegangener Geldverbindlichkeiten. Die Kan⸗ mer beschließt, den letzten Entwurf an eine Zoll⸗ und Handels Kommission zu verweisen. Der Praͤsident bringt nun die Frag zur Sprache, in welcher Ordnung die Straf⸗Prozeß⸗Ordnung b rathen werden soll, und stellt bei der Wichtis keit der Sache den Antrag, die Kommission mit einem Berichte uͤber diese Frage zu beauftragen. Die Kammer beschließt, den Praͤsidial⸗Antrag anzu⸗ nehmen.
Leipzig, 25. Okt. (L. Z.) Am 15. Oktober fand die 18te regelmaͤßige Haupt⸗Versammlung der Gesellschaft zu gegenseitiger Hagelschaͤden⸗Verguͤtung statt. Nach dem hierbei zum Vortrage gekommenen Geschaͤfts⸗Berichte hat sich die Theilnahme im lau⸗ fenden Jahre abermals erhoͤht, denn waͤhrend im Jahre 1840 nur. 9866 Interessenten mit 9 Millionen 247,145 Thlr. versichert waren, belaͤuft sich die Zahl der Gesellschafts⸗Mitglieder in diesem Jahre auf 11,917 und die Versicherungs⸗Summe auf 10 Millionen 593,065 Thlr. Dagegen erreichen die von der Gesellschaft zu verguͤtenden Hagelschaͤden in diesem Jahre die ungewoͤhnliche Hoͤhe von 148,212 Thlr. 29 Ngr. und machen einen Nachschuß⸗Beitrag von 88 pCt. oder von 26 ½ Ngr. von jedem Thaler der bereits eingezahlten ordentlichen Beitraͤge noͤthig, waͤhrend im letztverflossenen Jahre zur Verguͤtung aller Schaͤden nur 8457 Thlr. 23 Gr. erforder⸗ lich waren und es moͤglich wurde, den Gesellschafts⸗Mitgliedern 70 ¼ pCt. ihrer regelmaͤßigen Beitraͤge zuruͤckzuerstatten oder gut zu schreiben.
Leipzig, 29. Okt. Einnahme der Leipzig⸗Dresdner⸗Eisen⸗ bahn⸗Compagnie vom 1. Juli bis 30. Sept. 1841.
IJ. Fuͤr 129,720 Personen 111,079 Thlr. 10 Ngr.
II. Fracht, Brutto⸗Einnahme .. 40,014 17 ⸗ voon der Koͤnigl. Post 997 Salzsyvacht.... 7724 III. Magdeburger Bahnstrecke
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6,450 165,262 Thlr. 13 Zentsprechende dritte Quartal von 1840 betrug III“ W
HOesterreich.
Triest, 20. Okt. (A. Z.) Außer den zwei Sardinischen Schiffen, welche in Genua gemiethet wurden, um bei den Arbei⸗ ten zur Bergung des „Pollux“ im Kanal von Piombino mitzu⸗ wirken, hat die Administration neuerdings zu demselben Zwecke in Livorno zwei Oesterreichische Schiffe und die Englische Brigg „Aurora“ gemiethet; mit diesen und den bereits seit zwei Mona⸗ ten in Porto Lungone liegenden vier Englischen Fahrzeugen glaubt man nun die Operationen mit Erfolg beginnen und ans Ziel brin⸗ gen zu koͤnnen. (Danach ist die neuliche Nachricht aus Palermo zu berichtigen) Im Kanal von Piombino scheint ein besonderer Unstern uͤber den Dampfboͤten zu walten; in der Nacht vom 14ten auf den 15ten stießen der „Lombardo“ und der „Carlo Magno“ zusammen. Letzterem brach das Bugspriet, das Gallion und der Besanmast, doch soll der an beiden Schiffen angerichtete Schaden im Gan⸗ zen nicht sehr bedeutend seyn. Heute traf außergewoͤhnlich das Dampfboot „Ludwig“ von Syra hier ein. Die Briefe bringen keine Neuigkeiten von Belang. Der beruͤchtigte Raͤuberhaupt⸗ mann Hillarion ist am 27. September in Salonich unter dem Zustroͤmen einer großen Volksmenge hingerichtet worden.
Pesth, 15. Okt. Bei dem kuͤrzlich zu Pesth abgehaltenen General⸗-Konvent der vier Superintendentien der evangelischen Augsburgischen Konfession wurde (wie bereits erwaͤhnt) das zum allgemeinen Wunsch gereifte Thema der kirch lichen Vereini⸗ gung der beiden Glaͤubens⸗Parteien Augsburgischer und Helveti⸗ scher Konfession zur Sprache gebracht und nach kurzer Verhand⸗ lung beschlossen, der General-Versammlung der vier Superinten⸗ denzen Helvetischer Konfession, welche gegenwaͤrtig zusammentritt, in einer schriftlichen Note zu erklaͤren, daß der General⸗Konvent der evangelischen Augsburgischen Konfession sich mit ihnen, als durch Glaubensquellen, Lehrsaͤtze, Wechselfaͤlle, Rechte und Gesetze gleich betheiligt und verwandt, kirchlich zu vereinigen wuͤnsche, und daß diese Vereinigung dieserseits fuͤr beide Theile gleich gut, segenreich und nothwendig im Interesse beider Theile liege, der Konvent sich somit entschlossen habe, diese Vereinigung nach Kraͤf⸗ ten zu unterstuͤtzen. Zu diesem Ende schlaͤgt der Konvent vor, die Praͤliminar⸗Berathung uͤber die Art und Weise, auf welche die Union zu Stande kommen soll, einer gemischten Kommission zu uͤberweisen, deren Entwurf den betreffenden Superintendenzen und im Wege derselben allen Senioraten und einzelnen Gemein⸗ den mitgetheilt und dann am kuͤnftigen General⸗Konvent daruͤber ein Beschluß gefaßt werden duͤrfte. In der Ueberzeugung, daß die reformirten Glaubensbruͤder diesen hochwichtigen Gegenstand beherzigen und den diesseits bekundeten Wuͤnschen willfaͤh⸗ rig entgegenkommen wuͤrden, wurde von dem Konvent, nebst den vier Superintendenten und vier Distrikts⸗Inspektoren, eine
7 * zahlreiche Deputation ernannt, zu deren Vorstand der Kronhuͤter,
Nrbelligenz und seiner Kapitalien uͤberlaͤßt, rbeit abenteuerliche Wege; man richtet seinen Ehrgeiz vielmehr
Graf Joseph Teleki von Szek, erbeten ward. fession heißt es unter Anderem:
bens⸗Parteien tief durchdrungen und von dem heil
uͤberzeugt, hat die lsige freut hochangesehenen und hochwuͤrdigen Superintendenzen auch in unse⸗ rer Brust Anklang gefunden, weshalb wir uns verpflichtet finden, mit Freude und einstimmig hiermit zu erklaͤren, daß auch wir diese Ver⸗ einigung, gleichwie die Erfuͤllung eines verjaͤhrten Wunsches, zur Be⸗ gruͤndung einer schoͤnen Zukunft eifrig wuͤnschen und an der Zu⸗ standebringung derselben nach Kraͤften mit ausharrendem Willen zu arbeiten gleich bereit sind. Da jedoch das große Werk nur im Wege der gemeinschaftlichen Aeußerung des freien Willens vor sich gehen, diese hingegen blos von den durch die Zeit gereiften zweckdienlichen Vorbereitungen ausgehen koͤnnte, so glauben auch wir diese einstimmig gewuͤnschte Vereinigung vermittelst eines gemischten Ausschusses am zweckmaͤßigsten erzielen zu koͤnnen, je⸗ doch so, daß derselbe, in dem Entwurfe jeglichen Zwang, der die Gemuͤther viel mehr entfremden als gewinnen koͤnnte, sorgfaͤltig vermeidend und die Dogmenfrage gegenwaͤrtig noch beseitigend, sich lediglich uͤber die Vereinigungsart berathe und das Resultat dieser Berathungen unserem kuͤnftigen Konvent unterbreite, damit dasselbe von da den Superintendenzen und nach Umstaͤnden den Senioren, ja selbst den einzelnen Gemeinden, mitgetheilt werden kann.“ Italien. Von der Italienischen Gränze, 19. Okt. (A. Z.) Nach Berichten aus Rom hat die Paͤpstliche Regierung die auf das Gebiet des Kirchenstaats entflohenen Theilnehmer an dem Aufruhr zu Aquila an Neapel ausgeliefert, wozu sie, wie es scheint, hauptsaͤchlich dadurch bestimmt wurde, daß auch im Roͤmischen Verzweigungen der jenem Aufstand zu Grunde liegenden im Neaͤ⸗ politanischen weit verbreiteten Verschwoͤrung entdeckt worden seyn sollen. In Folge dieser Entdeckung haben auch im Kirchenstaat
einige Verhaftungen stattgefunden. 8
Spanien. Der Messager enthaͤlt nachstehende telegraphische Depesche: Bayonne, 23. Okt. Der Unter⸗Praͤfekt an den Mi⸗ nister des Innern. Der Regent hat Madrid am 19ten Abends verlassen. Am 22sten war er zu Briviesca; am naͤmlichen Tage ward er zu Vitoria erwartet. In der Hauptstadt, woselbst tiefe Ruhe herrscht, ist nur die National-Garde zuruͤckgeblieben. Es hat keine andere Hinrichtung als die Diego Leon's stattgehabt. Die anderen verhafteten Personen sind noch nicht gerichtet. Bayonne, 22. Okt. Mehrere Generale, eine große Anzahl Offiziere, Unteroffiziere, Soldaten und Bauern, die an der Chri⸗ stinischen Insurrection Theil genommen, sind in vergangener Nacht uͤber die Franzoͤsische Graͤnze gekommen; jeden Augenblick treffen neue Schaaren Fluͤchtiger ein. Unter den Emigranten befinden sich die General⸗Offiziere Antonio de Urbistondo, Narciso Claveria Ignacio Lardizabal, Ramon Larrocha, Jose Gabarre, Francisco Hidalgo de Cisneros. — O'Donnell befahl, als er die Unterwer⸗ fung der Truppen zu Vitoria unter die Autoritaͤt des Regenten vernahm, die Raͤumung der Citadelle von Pampelona. Demge⸗ maͤß verließen der Oberst⸗-Lieutenant Izquierdo und der Banquier Ribed mit 200 Mann die Citadelle und wandten sich nach der Französischen Graͤnze; sie uͤberschritten dieselbe gestern bei den Alduden und wurden auf Befehl der Franzoͤsischen Behoͤrde nach Mauleon gefuͤhrt. General OH'Donnell selbst ward in der verwi— chenen Nacht in den Alduden erwartet. — Der General⸗Lieutenant Fermin Iriarte, der Kommandant der National⸗Garde von Bilbao, und zwei Handelsleute dieser Stadt landeten diesen Morgen zu Socoa. — Nachschrift. So eben vernimmt man, daß ODonnell mit 600 Mann auf dem Franzöͤsischen Gebiet eingetroffen ist.
Der General Espartero hat vor seiner Abreise nach den Bas⸗ kischen Provinzen ein Manifest erlassen, durch welches er alle Na⸗ tional-Milizen des Koͤnigreichs zu den Waffen beruft und die Bewachung der Koͤnigin der Madrider Miliz anvertraut. (Wir werden das vom 18ten d. datirte Manifest seinem vollstaͤndigen Inhalte nach mittheilen.)
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Wernigerode, 24. Okt. Heute verstarb hier, gerade einen Monat nach seinem Erstgebornen, der Erbgraf Hermann zu Stol⸗ berg⸗Wernigerode im eben angetretenen 40sten Lebensjahre.
Die Leiden und die Krankheit der arbeitenden Klassen in Frankreich. „% Paris, 25. Okt. Man beschaͤftigt sich seit einigen
In der hierauf erfolgten Antwort der vier Superintendenzen Helvetischer Kon⸗ „Von dem großen Gedanken der Vereinigung der beiden Ungarlaͤndischen v Glau⸗
bringenden und wuͤnschenswerthen Einfluß derselben sowohl auf uns und unsere Religion, als auch selbst auf das Vaterland, gleich vollkommen diesfallsige freundschaftliche Aufforderung der
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auf Projekte als auf das
man treibt.
Ansicht taͤglich von ihnen so genannte Thatsachen, und nachdem sie lange statistische Nachweisungen uͤber den Pauperismus und wei— nerliche Tiraden uͤber das Elend der Arbeiter mitgetheilt, schließen sie daraus, daß man die Gesellschaft umgestalten und die Arbeit organisiren muͤsse. Dies ist das letzte Wort der Neuerer, der Humanitarier und Utopier. Sie sehen nicht ein, daß man, um dem Elend ein Ende zu machen, Arbeit, Geduld, Sparsamkeit und Nuͤchternheit empfehlen muß; alles Uebrige ist, wie der be⸗ ruͤhmte Burke sagt, Betrug und Luͤgen. 8
Diejenigen, welche unser Land mit Aufmerksamkeit betrach⸗ ten, die unsere Fabrik⸗ und Productions⸗Staͤdte ohne Vorurtheil besuchen, werden auch gewiß einsehen, daß im Allgemeinen die Arbeiter selbst an ihrer Lage schuld sind. Trunksucht, Liederlich⸗ keit und Faulheit beherrschen die eine Haͤlfte; die andere bereitet sich ein gleiches Loos, indem sie sich uͤber ihren Stand erhebt und luxuribse Ausgaben macht, von denen sie sich auf ihrer nie— drigen Gewerbsstufe durchaus fern halten müßte. Oft ist auch die Verarmung dem hochmuͤthigen Drange zuzuschreiben, ohne Ka— pitalien und ohne Erfahrung den Herrn spielen zu wollen; dieses Zehren auf Rechnung der Zukunft erzeugt Bankerott, Unredlichkeit und oft Verbrechen.
Wienn die Statistiker in ihren Arbeiten etwas mehr philoso⸗ phisch und weniger arithmetisch zu Werke gingen, wenn sie zu⸗ weilen auch auf die Ursachen und nicht immer blos auf die That⸗ sachen Ruͤcksicht naͤhmen, so wuͤrden sich ihre Ideen uͤber das oͤffentliche Elend, uͤber den Pauperismus, ohne Zweifel sehr mo— difiziren. Man muß den Arbeiter seinen wirklichen Beduͤrf⸗ nissen gegenuͤber betrachten, in der Lage und dem Beruf, worin er sich befindet, nicht aber mit Hinsicht auf seine Wuͤnsche, seine Geluͤste und seinen Ehrgeiz. Wir behaupten, daß von diesem letz⸗ teren Gesichtspunkt aus die meisten Schlußfolgerungen der Phi⸗ lanthropen und Statistiker durchaus falsch sind, so falsch wie die Urtheile der Sozialisten und Humanitarier. Man nehme in Frankreich welchen Industriezweig man wolle, und man wird in demselben stets eine Anzahl von Arbeitern finden, denen es voll— kommen wohl geht, und die nicht nur ihre Frauen und Kinder ernaͤhren, sondern auch noch Ersparnisse zuruͤck⸗ legen koͤnnen. Andere Arbeiter desselben Gewerbes werden in Noth seyn, in Schulden stecken und an Allem Mangel leiden. Freilich sind aber auch die Ersteren arbeitsam, maͤßig und zufrie⸗ den mit ihrem Zustande, weil er ihnen die Mittel zum Leben ver⸗ schafft, wogegen die Letzteren ausschweifen, faullenzen und ihre Lage verabscheuen, weil sie ihnen fuͤr ihre Ueppigkeit nicht genuͤgt. Die großen Baumwollen-⸗ und Tuch⸗Fabriken sind diejenigen, in welchen die Arbeiter am meisten zu thun haben und am wenigsten verdienen. Dies koͤmmt daher, weil diese Art von Arbeit keine gewerbliche Bildung erfordert. Und doch findet man dessenun— geachtet in unseren großen Fabrikstaͤdten, wie Lyon, St. Etienne, Rouen, Muͤhlhausen und Elbeuf, eine sehr große Menge Arbeiter, welche niemals der Noth ausgesetzt sind und selbst in Zeiten, wo es mit der Arbeit schlechter geht und wo Theuerung eintritt, mit ihrem Ersparten sehr wohl auskommen.
Bei allen Arbeiten, wobei die Maschinen nicht die Hauptrolle spielen und wobei es einer gewissen Geschicklichkeit der Arbeiter bedarf, ist der Zustand dieser Letzteren weit besser, und man kann sagen, daß bei guter Auffuͤhrung ihre Existenz gesichert ist. Boyer selbst, der sich entleibte, haͤtte ohne Sorgen leben koͤnnen, waͤre
Schriftsteller werden, die Regierung und die Gesellschaft belehren, sich uͤber Alles aufklaͤren und das Alles, wie er sagte, aus Liebe zur Humanitaͤt. Die Journale, welche jetzt Lobreden auf ihn enthalten, behaupten, daß er großherzig genug gewesen, um große Plaͤne zu fassen, und es fehlt wenig daran, daß sie einen Marquis Posa aus ihm machen. So nimmt das Uebel zu, und so zerstoͤrt man in Frankreich allmaͤlig alle Prinzipien und alle Ideen der Ordnung. Durch diese gefaͤhrlichen Empfindeleien erweckt man die Leidenschaften und den Ehrgeiz, und diese Manier, Maͤrtyrer⸗ Patente zu ertheilen, verfaͤlscht alle Meinungen uͤber Alles, was gut und rechtlich, uͤber Alles, was heutiges Tages sowohl dem Einzelnen, als der Gesellschaft nuͤtzlich ist.
Leider vereinigt sich Alles, um in Frankreich diese unheilvollen
Tendenzen zu beguͤnstigen. Die Verwirrung unter den verschie⸗
Tagen mit einem Ereignisse, das sich im Laufe des Jahres oft genug wiederholt, ohne die Presse und einen Theil der Bevoͤlke⸗ rung so lebhaft aufzuregen. Es ist dies der Selbstmord des Buchdrucker⸗Gehuͤlfen Boyer. Bekanntlich hat derselbe ein klei⸗ nes Werk unter dem Titel: „Ueber den Zustand der Arbeiter“ geschrieben, es auf seine Kosten drucken lassen, und da diese Spe⸗ culation finanziell verungluͤckte, sich den Tod gegeben.
Boyer hat, wie es fast immer unter solchen Umstaͤnden zu geschehen pflegt, nicht von seiner Frau und seinen Kindern, son- dern von dem Publikum Abschied genommen, indem er seinen Kol⸗ legen noch einen letzten Rath ertheilt. Dieser letzte Rath besteht in nichts Anderem, als in der Aufforderung, seinem Beispiele zu b Dieses in mehreren Journalen mitgetheilte Schreiben lahe. Abhanen dazu, die Gesellschaft anzuklagen, den Anderen, Ersteren deeresgen uͤber den Selbstmord zu schreiben. Die rung der I natrlich ihr Lieblings⸗Thema, die Organisi⸗ GSechnard I. und die Leiden der arbeitenden Klassen. Der
2. 18 b nach ihrer Ansicht auf eine tief be⸗ “ vehaglichkeit, eine schlechte Vertheilung des Reichthums m ch⸗ 8sb0 der Regierung, die nicht ein⸗ die Ursache heegeegn 1 Gesellschaft Arbeit gebe! Man hat lich e es Uebels uͤberall gesucht, nur nicht da, wo sie wirk⸗
Wir haben schon mehrmals ge je Freihei Arbei hat unbestreitbare 5eegas, 8g Feeseit der Nbes so wuͤrde es schwierig sey 0 Helteheh mal in einem Lande, Ja schwierig seyn, sie aufzuheben oder merklich zu be⸗ schraͤnken; aber diese Freiheit hat auch ihre Nachtheile und Schwie⸗ rigkeiten. Indem man einem Jeden die freie Verwendung seiner eroͤffnet man der
denen Rangklassen und die Vermischung der Staͤnde, die in der Gesellschaft stattgefunden, sind wahre Reizmittel fuͤr die unteren Klassen. Hierzu kommen noch Beispiele, welche die Folge der in Frankreich angenommenen parlamentarischen Sitten sind. Die Majoritaͤten werden bei uns nicht durch die Trefflichkeit der Ver⸗ waltung, noch durch das Genie der Minister, sondern durch Ver⸗ fuͤhrung und durch Verleihung von Aemtern und Gunstbezeigungen an die Deputirten oder Kommittenten gebildet. Daher jene schnellen und unglaublichen Gluͤcksfaͤlle; daher jene unerklaͤrlichen Befoͤrderun⸗ gen bei der Verwaltung und der Magistratur, wo man haͤufig ganz unbe⸗ kanntedvokaten oder Prokuratoren zu den ersten Staatsaͤmtern gelan⸗ gen sieht, einzig deshalb, weil sie lenksame Deputirte gewesen sind. Da die unteren Klassen auf solche Gluͤcksfaͤlle keine Anspruͤche machen koͤnnen, so suchen sie wenigstens in die mittleren Klassen einzu⸗ dringen, das Werkzeug und das Schurzfell wegzuwerfen, sich so viel wie moͤglich der Arbeit zu entledigen und sich Genuͤsse zu verschaffen, die mit dem Stande, worin sie leben muͤssen, unver⸗ einbar sind. Diese leider durch unsere Institutionen beguͤnstigten Tendenzen muͤßte die Presse, wenn sie das richtige Gefuͤhl ihrer Pflichten und das Verstaͤndniß einer besseren gesellschaftlichen Or⸗ ganisirung besaͤße, bekaͤmpfen und darthun, wieviel Nachtheiliges und Vernunftwidriges in jenen Tendenzen enthalten sey, und wie sehr dieselben zu den Aufregungen beitragen, die seit einem halben Jahrhundert uns betruͤben.
Wir sind weit entfernt, zu behaupten, daß in dem Zustande der Arbeiter Alles vollkommen sey, und daß ihr Loos keiner Ver⸗ besserung beduͤrfe; allein wir glauben, daß die Veraͤnderungen vor Allem das Resultat moralischer Reformen unter den Arbeitern selbst seyn muͤssen, daß sie aus dem innigen Gefuͤhl ihrer Lage
s Reelle, und es entsteht daraus ein allge⸗ meines Versetzen der Klassen und Staͤnde, worin ein Jeder in eine hoͤhere Sphaͤre zu kommen sucht, als die ist, welche er einnimmt. Die Anhaͤnglichkeit an die Familie und an das Gewerbe verwi⸗ schen sich, und die schlechteste Beschaͤftigung ist eben die, welche Diese Verwirrung in den Ideen und diese Unbe⸗ staͤndigkeit in den Wuͤnschen hat in Frankreich den hoͤchsten Grad erreicht. Der Zweck des Arbeiters ist nicht mehr, zu leben und in der Sparsamkeit die Huͤlfsmittel fuͤr schlechte Zeiten zu finden; er will vielmehr vorschreiten, hoͤher emporsteigen, sich unmittelbar Genuͤsse verschaffen, die Zeit seiner Ruhe vermehren, sich mit Po⸗ litik beschaͤftigen und an den oͤffentlichen Angelegenheiten theilnehmen. Es ist eben so sehr der Geschmack als die Neigung, welche den Arbeiter von seinen Pflichten ablenken und maͤchtig dazu beitragen, ihn in Mangel und Elend zu stuͤrzen. Diese Ursachen will man im All⸗ gemeinen nicht anerkennen und schreibt der Regierung und der Gesellschaft die Leiden der arbeitenden Klassen zu. Die Philan⸗ thropen und die Sozialisten liefern zur Unterstuͤtzung dieser
er bei seinem Geschaͤft als Schriftsetzer geblieben; allein er wollte
gen befanden auf Br. 2 eg Seitdem aber in dem Nord⸗Amerikanischen Handels⸗Vertrage vom
und aus der Ueberzeugung, daß sie selbst die Hauptwerkzeuge ihres
Wohlergehens sind, hervorgehen muͤssen. Es ist ein auffallendes Paradoxon, daß man von der Gesellschaft oder von der Regierun Arbeit oder Existenz⸗Mittel verlangt, waͤhrend der Arbeiter sich der Vormundschaft dieser Regierung und dieser Gesellschaft voͤllig entzogen hat und behauptet, daß nur die Freiheit, uͤber alle seine Kraͤfte zu disponiren, ihn angemessen anregen koͤnne. Man will die Arbeitorganisiren (dies ist jetzt das geheiligte Wort) und die freien Arme erhalten. Aber das ist nicht moͤglich. Wenn die Institutionen bis zu einem gewissen Punkte die Existenz der Arbeiter dadurch garantiren, daß sie der Konkurrenz Graͤnzen setzen, daß sie den Meistern Verpflichtungen auflegen, so muß dies Alles natuͤrlich durch ein Opfer erkauft werden, indem der Arbeiter einen Theil seiner Freiheit aufgiebt, und sich einen Zwang auflegt. Die Op⸗ positions⸗Journale, welche so genaue Kenntnisse von der Billigkeit und den gegenseitigen Rechten der Meister und der Arbeiter, der Regierung und der Gesellschaft zu besitzen vorgeben, sollten dies einsehen. Sie wollen indeß in einem Selbstmorde lieber einen Anlaß zu Beschuldigungen gegen die Regierung finden, als einen Aufschluß uͤber die moralische Unordnung, welche einen Theil der Arbeiter beherrscht.
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Die Britische Navigations⸗ und Han “
Gesetzgebung. 13““ 6 Zweiter und letzter Artikeel. (Vergl. St. Z. Nr. 301.)
„Welche Ansicht man nach dem bisher Gesagten auch haben moͤge, — mag man, auf die England beguͤnstigenden Umstaͤnde gar keine Ruͤcksicht nehmend, der Navigations⸗Akte den einzigen oder doch groͤßten Einfluß auf die Vermehrung der Britischen Han⸗ dels⸗Marine und auf die Emanzipirung Englands vom Hollaͤndi⸗ schen Frachthandel zuschreiben, — mag man auch bei der Ansicht verharren, daß die Britischen Schifffahrts⸗Gesetze zur Zeit der Abfassung derselben aͤußerst zeitgemaͤß und angemessen waren, so laͤßt sich doch die Frage aufwerfen: ob die denselben zu Grunde liegende Politik fuͤr alle Zeiten eine weise zu nennen sey, ob sie namentlich den Beduͤrfnissen der Gegenwart entspreche? — Ein großer Theil des stimmfaͤhigen Englischen Publikums hat sich in neuerer Zeit mit der Eroͤrterung dieser Frage lebhaft beschaͤftigt; — und eine sehr gewichtige Stimme, Mac Culloch, aͤußert sich sehr richtig uͤber diesen Gegenstand: „Die Verhaͤltnisse Großbritaniens und der anderen Laͤnder Europa's haben sich seit dem Jahre 1650 gaͤnzlich veraͤndert. Der beneidete Reichthum und die Handels⸗ groͤße Hollands sind verschwunden; — England hat nichts mehr von dieser Seite zu befuͤrchten, und man muß wirklich sehr in veralteten Vorurtheilen und voruͤbergegangenen Besorgnissen be⸗ fangen seyn, um noch etwas von jener Eifersucht zu fuͤhlen, aus welcher die Haͤrte jener Gesetze vornehmlich entsprang. London ist geworden, was Amsterdam fruͤher war: der große Markt der Welt, universi orbis terrarum emporium. Die Frage, die wir jetzt zu erledigen haben, ist nicht: was die besten Mittel seyen, um zur Herrschaft auf dem Meere zu gelangen, sondern wie der unbestrittene Vorrang im Seewesen, den man erlangt hat, zu bewahren sey.“
Die bedeutendsten und meisten Stimmen in England selbst sprechen sich bereits dahin aus, daß, wenn es auch im siebzehnten Jahrhundert wuͤnschenswerth erscheinen mochte, mittelst Zwanges und durch Ausschließungen eine Vermehrung der inlaͤndischen Kauffahrtei⸗Schifffahrt zu erzielen, jetzt, da England die Meere beherrscht, da ihm eine unermeßliche Handels⸗Marine zu Gebote
steht, das Uebergewicht nur gesichert werden koͤnne durch die moͤg⸗
lichste Ausdehnung und die hoͤchstmoͤgliche Bluͤthe seines Handels.
Es. ist aber nicht schwer, einzusehen, daß diese Ausdehnung und
Bluͤthe weit mehr durch Zersprengung der Fesseln und Vernich⸗ tung der Laͤsten, die auf dem auswaͤrtigen Verkehr ruhen, be⸗ wirkt wird, als durch Ausschließungen und Prohibitionen.
Diese Ansicht ist in England allerdings wohl nicht lediglich das Resultat einer ruhigen Untersuchung der Verhaͤltnisse; sie hat sich, in Folge verschiedener neuerer Ereignisse, mit immer groͤße⸗ rer Gewalt den Englaͤndern aufgedrungen. Die beiden Ereig⸗ nisse, von denen hier die Rede ist, sind: die Losreißung der Ve einigten Staaten Nord-Amerika's vom Mutterlande und die Bildung des großen Deutschen Zoll⸗Vereins.
„Großbritanien hat sich allmaͤlig, den uͤbrigen Maͤchten ge⸗ genuͤber, der Stellung genaͤhert, welche am Ende des siebzehnten Jahrhunderts Holland ihm gegenuͤber einnahm. Sein Reichthum und seine Macht erwecken die Eifersucht der uͤbrigen Staaten, wie Hollands Wohlstand fruͤher den Neid Englands erregte. Un⸗ ter solchen Umstaͤnden bedurfte es in den anderen Nationen nur des Gefuͤhls, von England im Weltverkehr verletzt zu seyn, des Vorsatzes, guͤnstige Umstaͤnde gegen England benutzen zu wollen, um demselben gegenuͤber, dieselben Mittel zur Anwendung zu bringen, welche fruͤher von den Briten gegen Holland angewandt waren, — mit einem Worte: es bedurfte nur der Retorsio⸗ nen anderer Staaten, um England zur Anerkennung des Prin⸗ zips der Reciprozitaͤt im auswaͤrtigen Handel zu vermoͤgen.
Diese Mittel wurden zuerst angewandt von der Nord⸗ Amerikanischen Union im Jahre 1787 durch Erlassung eines Gesetzes gegen England, welches in der That nur eine Kopie der Britischen Navigations⸗Akte war, und durch Preußen mittelst der Kabinets⸗Ordre vom 20. Juni 1822 wegen bewilligter Be⸗ guͤnstigungen inlaͤndischer Rhedereien.
Diese beiden Maßregeln und die aus denselben hervorge⸗ henden und an dieselben sich anschließenden Anordnungen sind es zunaͤchst, welche in neuerer Zeit eine Modification der aͤlteren Bri⸗ tischen Navigations-Gesetzgebung bewirkt haben. Diese Modifi⸗ cationen aber bestehen vornehmlich darin: daß eine Hauptbestim⸗ mung der Cromwellschen Navigations⸗Akte, wonach die Erzeugnisse
Asiens, Afrika's und Amerika's nur direkt von den Ur sprungsorten auf Britischen Fahrzeugen nach Großbritanien im⸗ portirt werden durften, schon seit laͤngerer Zeit zu Gunsten Nord⸗ Amerika's aufgehoben und spaͤter noch weiterhin wesentlich mo⸗ difizirt worden ist. fuhr der Europaͤischen, namentlich in dem Englischen Tarif aufgefuͤhrten Waaren, der sogenannten enumerated articles, in Britische Haͤfen eine merkliche Aenderung zu Gunsten der Euro paͤischen Staaten vorgenommen worden. fruͤher nur auf Britischen Schiffen oder auf Schiffen des Ur⸗ sprungslandes eingefuͤhrt werden durften, ist in neuerer Zeit von Seiten des Britischen Gouvernements nachgelassen worden, daß den⸗ selben nicht allein auf Fahrzeugen der erwaͤhnten Art, sondern auch auf solchen, die den Verschiffungsplaͤtzen angehoͤren, der Eingang verstattet wird. ” Importations⸗Abgabe auf den gesetzlich uͤberhaupt einfuͤhrbaren
Außerdem ist aber auch hinsichtlich der Ein⸗
Denn waͤhrend diese
— 4, 5 8 † Endlich auch ruhte in fruͤherer Zeit eine hoͤhere
2 15 . α‿- 2 „ 5 & 4 82 uropaͤischen Erzeugnissen, wenn sie sich auf fremden Fahrzeu⸗ als wenn sie auf Britischen verladen waren.
Jahre 1815 den Vereinigten Staaten in dieser Beziehung zuerst