1841 / 303 p. 3 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

In 8 *.

Spanien geheimen Antheil zu haben. 8 9

lu5ufß lord 8 1 2 ; Ba I“ Lyndhurst werde beim Beginn des Januar⸗Termins ddie Siegel des Lord⸗Kanzler⸗Amts abgeben und Sir William

Monate mehr bestehen koͤnnte.

werden. Segelfertig sind bereits folgende

vwird. Die zweite Rebellion in Nieder⸗Kanada, faͤhrt die genannte Zeitung fort, sey bald auf obige Devpesche gefolgt, und die von der Nothwendigkeit vorgeschriebenen grausamen Mit⸗ tel, durch welche sie gedaͤmpft worden sey, verbunden mit der unnothigerweise gegen die Franzoͤsischen Kanadier ausgeuͤbten Grausamkeit, haͤtten die groͤßere Haͤlfte der Kanadi⸗ schen Bevoͤlkerung der Britischen Reglerung entfremdet, und die Graͤnze sey seitdem mit racheduͤrstenden Fluͤchtlingen aͤberfuͤllt ge⸗ wesen, zu denen auch Grogan, obschon vielleicht in den Vereinig⸗ ten Staaten geboren, gehoͤrt habe. Keine allgemeine Amnestie habe den Fluͤchtlingen aus beiden Provinzen Gelegenheit gegeben, in ihre Heimat zuruͤckzukehren und dort ein ruhiges Leben zu fuͤhren; im Gegentheil seyen sie alle laͤngs der Graͤnze in einem Zustande der Wuth und der Verzweiflung zuruͤckgehalten worden. Die Staͤrke der Britischen Armee in Kanada giebt jene Zeitung u 16,000 Mann regelmaͤßige Truppen und eben so viel Frei⸗ willige an, welche Letzteren durch die regelmaͤßigen Truppen vom Desertiren abgehalten werden muͤßten, und Jedermann, fuͤgt sie hinzu, sey uͤberzeugt, daß, wenn die Truppen aus Kanada gezo⸗ gen wuͤrden, die Herrschaft Englands in diesem Lande nicht sechs

* Ueber die fortdauernden Ruͤstungen liest man W“ „SSeit 25 Jahren boten die Werften von Deptford, Sheerneß, Gatham, Portsmouth, Plymouth und Pembroke 188 solches Schauspiel von Ruͤhrigkeit dar, wie in diesem Pebe. wo, wegen des bedenklichen Standes unserer Verhaͤltnisse sun 9

Vereinigten Staaten und zu China, nicht weniger bis 8 Kriegsschiffe verschiedenen Ranges fuͤr den aktiven Dienst aus⸗ geruͤstet werden. Tuͤchtige Seeleute zur Bemannung dieser Schiffe sind schwer zu finden, wegen der großen Nachfrage fuͤr Handels⸗Fahrzeuge sowohl in England, als in den Vereinigten Staaten, wo Britische Seeleute gut bezahlt und gut behandelt Schiffe: „Queen“, „Styx“ (ein Dampfboot), „Malabar“, „Syren“, „Heroine“, „Thalia“ „Pique“, „Harlequin“, „Aigle“, „Belvedere“, „Illustrious“, ,Speedy⸗ „Driver“” (Dampfboot), „Formidable“, „Isis“, „Warspiten. Um die Bemannung zu beschleunigen, hat die Admirali⸗ taͤt das Reglement aufgehoben, wonach pensionirte Matrosen beim Wiedereintritt in den Dienst ihre Pension nicht laͤnger er⸗ hielten; solche Individuen duͤrfen fortan die Pension neben dem Sold fortbeziehen. Es ist ferner ein Befehl erschienen, wonach Soldaten, welche Mitglieder des Maͤßigkeits⸗Vereines sind, bei ihrer Einschiffung an Bord Koͤniglicher Schiffe doppelte Rationen Zucker, Kakao und Thee, statt der sie treffenden Ration geistigen Getraͤnkes, empfangen sollen.“ Die Liverpool Times aͤußert den Wunsch, daß, falls England in Krieg verwickelt wuͤrde, nur Fregatten von 50 Kanonen zum Kreuzen gebraucht werden moͤch⸗ ten, weil Frankreich und die Vereinigten Staaten keine kleinere Fregatten in ihren Marinen haben. England zaͤhlt bereits sech— zehn solcher Fregatten, und mehrere sind in der Ausruͤstung be⸗

griffen.

Der Cork Examiner enthaͤlt die Nachricht, daß Lord und Lady Holland zu Ende vorigen Monats in Rom zur katholischen Kirche uͤbergetreten seyen, und fuͤgt hinzu, diese Nachaicht sey durch einen jungen Englaͤnder uͤberbracht worden, der als prote⸗ stantischer Laie nach Italien gereist und als katholischer Priester von dort zuruͤckgekehrt sey.

Der Geistliche Christopher Wordsworth, der lange Zeit Di⸗ rektor des Trinity⸗College in Oxford war, ein Bruder des Dichters Wordsworth, hat, seiner vorgeruͤckten Jahre wegen, diesen

angesehenen und eintraͤglichen akademischen Posten niedergelegt. Die Koͤnigin hat den Geistlichen W. Whewell, Professor der Mo⸗ ral⸗Philosophie an derselben Hochschule, zu seinem Nachfolger er⸗ nannt. Diesem hat dieser Tage seine Braut, Miß Marshall, eine

zum erstenmale die Buͤhne betrat, und zwar debuͤtirte derselbe so⸗

sscher Seite das Interesse hat, Belgien durch erneuerte Verspre⸗

doch fast alle Hoffnung auf das Gelingen verloren.

Vom Cap hat man Nachrichten bis zum 14. August; die Einkuͤnfte der Kolonie hatten sich im ersten Quartal dieses Jah⸗ res ziemlich guͤnstig gestellt, nur die Wein⸗Ausfuhr war nicht so bedeutend als sonst gewesen; der Werth der vom 5. Januar bis 5. April ausgefuͤhrten Artikel belief sich auf 174,764 Pfd., der Werth der Einfuhr auf 220,543 Pfd. Eingelaufen waren 114 Schiffe von 45,370 Tonnen Gehalt, ausgelaufen 118 Schiffe von 45,015 Tonnen Gehalt. Die Verschiffung von Wolle hatte sehr zugenommen. An der Kaffern⸗Graͤnze war Alles ruhig, doch be⸗ sorgte man Feindseligkeiten zwischen zwei eingeborenen Staͤmmen.

Der politische Horizont erscheint der Times jetzt als sehr duͤster; wohin man blicke, erkenne man das eifrige Wirken gewis⸗ ser Parteien, die den Frieden von Europa und Amerika stoͤren moͤchten, und wenn der Krieg auch noch, durch kluges Gegenwir⸗ ken, eine Zeit lang vermieden werden koͤnne, so muͤsse man sich doch fortwaͤhrend auf dessen Losbruch gefaßt halten. Was Eng⸗ land angehe, so biete die Sachlage in Amerika, obgleich sie keine unmittelbare Feindseligkeiten erheische, nichts weniger als befriedi⸗ gende Aussichten, und Englands Ursachen zum Hader mit jenem Lande haͤtten sich keinesweges vermindert, sondern „wuͤrden, trotz der friedlichen Gesinnung des Praͤsidenten Tyler, fruͤher oder spaͤ⸗ ter zum Kriege fuͤhren muͤssen. Dieses schlimme Vorge— fuͤhl koͤnne durch Englands Kontinental⸗Verhaͤltnisse nur gesteigert werden, da Frankreichs Zustand blos, so lange Ludwig Philipp auf dem Throne sey, einige Buͤrgschaft fuͤr Bewahrung der Ruhe von Europa gewaͤhre, ein Thronwechsel aber leicht Er⸗ eignisse herbeifuͤhren koͤnne, denen die angraͤnzenden Europaͤischen Maͤchte nicht theilnamlos wuͤrden zusehen koͤnnen. Das genannte Blatt folgert aus dem Gesagten, daß Großbritanien den Etat seiner Flokte, Armee und Artillerie unter solchen Verhaͤltnissen durchaus nicht vermindern duͤrfe, sondern alle drei in solchem Zu⸗ stande erhalten muͤsse, daß es auf den Wink ins Feld ruͤcken und dasselbe, wie seither noch immer, mit unbeflecktem Ruhme ver⸗ lassen koͤnne. Halte es diese drei Vertheidigungsmittel in voll⸗ kommen schlagfertigem Zustande, dann und nur dann koͤnne es der Welt Trotz bieten.

Die Times ergeht sich noch immer in heftigen Eroͤrterungen uͤber die Wahrscheinlichkeit oder Unwahrscheinlichkeit, ob die Fraͤn⸗ zosische Regierung zu den letzten Ereignissen in Spanien Ver⸗ anlassung gegeben habe, und meint, wenn man auch annehme, daß sie denselben fremd gewesen sey, so sey doch nicht zu leugnen, daß ihre gewoͤhnlichen Organe, und namentlich das Journal des Débats, sich hoͤchst unvorsichtig benommen haͤtten. Aehnliche Beschuldigungen finden sich in anderen Englischen Blaͤttern. Die

Norning Post aͤußert indeß ihren Unwillen daruͤber, daß man auch den Koͤnig der Franzosen selbst beschuldige, an den Unruhen

Dem Globe zufolge, geht in juristischen Kreisen das Ge⸗

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8 9 r jol 1 9 8 Zollett, der jetzige General⸗Fiskal, sein Nachfolger werden. Gleich⸗

jzeitig, so heißt es ferner, General⸗Prokurator, (Schatzkammergerichts Ibuh bbrian“ von 36 Kanonen soll in

werde Sir Frederik Pollock, der jetzige an Lord Abinger's Stelle Preaͤsident des werden.

Das zu Plymouth in der Ausruͤstung begriffene Schiff „Cam⸗ den ersten Tagen des November

zur Chinesischen Expedition abgehen. Die Truppen⸗Verstaͤrkungen,

bSestehend aus 1500 Mann

Dienst der Ostindischen Compagnie,

Linientruppen und 800 Mann im deren Absendung nach China

ddeas vorige Ministerium gegen Ende Dezembers beabsichtigte, sollen nqnnun schon fruͤher eingeschifft werden.

229 gm.

Sir R. Peel hat einer Deputation der Schottischen Staͤdte

Paisley und Renfrewshire, die um das Patronat der Regierung fuͤr eine Subsription nachsuchte, welche in London zu Gunsten der

zahlreichen brodlosen Arbeiter jener Gegend eroͤffnet werden soll,

d;ddiese Bitte abgeschlagen, jedoch dabei bemerkt, daß er jene Arbei⸗

ter innig bedaure und an der Subscription, aber nur als Pri⸗ vatmann, Theil nehmen werde. Auch der Minister des ESir J. Graham, wurde von der Deputation besucht.

Innern,

Handels⸗Verbindungen mit Frankreich nicht ganz abgebrochen sind,

Schwaͤgerin Lord Mounteagles, 50,000 Pfd. St. als Mitgift zu⸗ gebracht.

Am 19. Oktober war es gerade hundert Jahre, daß Garrick

gleich als Richard III. in Shakespeare's beruͤhmtem Drama. Belgien. * ½ Brüssel, 25. Okt. Obgleich die Unterhandlungen uͤber die

da man von beiden Seiten uͤbereingekommen war, sie auf diplo⸗

matischem Wege fortzusetzen, und man namentlich von Franzosi⸗ chungen hinzuhalten und es dadurch zu verhindern, mit dem Deut⸗ schen Zoll⸗-Verein einen Traktat abzuschließen, so hat man hier Die einzige gewichtvolle Stuͤtze, welche die Handels⸗Angelegenheit in Frankreich stets gefunden hat und noch findet, beruht in der Person des Koͤ⸗ znigs Ludwig Philipp. Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, von welcher Bedeutung dieser Punkt ist, les ministres passent, le roi Freste. Der Koͤnig hat schon mehr als einen Beweis gegeben, wie er die Faͤden eines Planes zusammenzuhalten weiß, waͤhrend die Minister glaubten, die Sache abgethan zu haben. So versi⸗ chert man denn auch, und die Sache scheint mir sehr glaublich, daß der Koͤnig Ludwig Philipp sehr dringend an den Koͤnig Leo⸗ pold geschrieben, um ihn zu bitten, noch keinen weiteren Schritt in Bezug auf Deutschland zu thun, und ihn zugleich zu einem nochmaligen Besuche in Paris einzuladen. Es heißt auch, daß der Koͤnig in kurzem wieder dahin abreisen werde. Allein, und dies ist ebenfalls sehr zu erwaͤgen, obgleich der Koͤnig wegen der Familienbande und wegen des bedeutenden in— dustriellen Interesses fuͤr das Land den Verhandlungen auch per— soͤnlich zugethan war, so moͤchte ich doch behaupten, daß Koͤnig Leopold eine, wenn nur etwas aͤquivglente, Verbindung mit Deutsch⸗ land der Franzoͤsischen vorziehen wuͤrde, eine Behauptung, welche fast zur gewissen Ueberzeugung wird. Auch das Mini⸗ sterium hat eine entschiedene Zuneigung zu Deutschland. Diese Neigung wurde vor einigen Monaten noch stark con⸗ trebalancirt durch Herrn de Muelenaere, damals Minister der auswaͤrtigen Angelegenheiten, welcher die Handels⸗Frage mit Frankreich hauptsaͤchlich eingeleitet und nach seinem Aus⸗ tritte aus dem Ministerium, bei dem keine wirklich politischen Gruüuͤnde obgewaltet haben, sich zum leitenden Kommissar der Un⸗ terhandlungen ernennen ließ. Allein, wenn wir jetzt auch von dieser Richtung in der hoͤheren Region abstrahiren, so scheinen mir folgende Thatsachen fuͤr einen wirklichen Bruch und gegen eine (wenigstens keine nahe) Wiederaufnahme der Verhandlungen zu sprechen.

Die zuruͤckgekehrten Kommissare haben alle Hoffnung verlo⸗

ren; der jetzige industrielle und kommerzielle Zustand Frank⸗ reichs scheint der Sache die groͤßten Schwierigkeiten in den Weg zu legen. Die Handelsfrage mußte gleichwohl vor dem Abgange der Bevollmaͤchtigten bedeutende Chancen des Erfolges haben, da Herr de Muelenagere sich an die Spitze stellte und den Ruhm des Gelingens der Unterhandlungen ambitionirte. Jetzt verhehlt aber Herr de Muelenaere seinen Mißmuth nicht uͤber den Ausgang. Das Flandrische Journal, wel⸗ ches bisweilen die Inspirationen des Gouverneurs von Flan⸗ dern erhalten soll, gab vor einigen Tagen eine Erklaͤrung uͤber das Mißlingen der Verhandlungen, welche in den Haupt- punkten mit derjenigen ganz uͤbereinstimmt, welche ich Ihnen schon fruͤher gab. Das Flandrische Journal erzaͤhlt jetzt offen, daß eine Deputation von Lizieux (Wahlort des Herrn Gui⸗ zot) im Auftrage der Waͤhler Guizot angekuͤndigt habe, daß er nie wieder daselbst gewaͤhlt werden wuͤrde, wenn die Interessen des Leinewandhandels verletzt wuͤrden. Lizieux ist bekanntlich einer der bedeutendsten Maͤrkte fuͤr diesen Handel. Herr Cunin⸗-Gri⸗ daine hat selbst ein bedeutendes Privat-Interesse bei der Tuch— Fabrication. Vor 10 Jahren, als es sich um Vereinigung Bel⸗ giens mit Frankreich handelte, war er der heftigste Opponent in der Kammer gewesen und hatte ausgerufen, daß Belgien in Be— zug auf die Production 16 Millionen Franzosen gleichkaͤme. Herr Humann, erzaͤhlt dasselbe Journal, sey ein reicher Wald⸗ besitzer, dessen Interessen durch die Kohlen⸗Ausfuhr verletzt wuͤrden. Folglich duͤrfte, wenigstens unter dem jetzigen Ministerium, schon aus diesen Ruͤcksichten fuͤr die Wiederaufnahme der Unterhand⸗ lungen vorlaͤufig wenig zu hoffen seyn. 3

Eine andere Thatsache, die, wie mir scheint, fuͤr den wirkli- chen Bruch der Verhandlung spricht, ist, daß die Französisch ge⸗ sinnten Journale (deren Zahl im Lande sehr groß ist, da fast alle Jeurnale nur von Franzosen redigirt werden) den Bruch einraͤu⸗ men, die natuͤrliche Ursache aber darin sehen, daß man das gruͤnd⸗ liche Mittel, die vollkommene Zoll⸗Vereinigung mit Frankreich, zur Seite geschoben habe. Da aber durch die Niederlage von Franzoͤsischer Seite die Deutsche Seite zum Eindringen geoͤffnet scheint, so glauben diese Journale und ihr Wortfuͤhrer, die Eman⸗ cipation, ein schlaues Journal, an der Spitze, die Waffen schon gegen den Deutschen Zoll⸗Verein richten zu muͤssen.

Es hat hier noch nichts von einer ernstlichen Sendung Fran⸗ zoͤsischer Kommissare verlautet. Einige Journale haben frei⸗ lich die Ankunft von Blanqui angekuͤndigt. Dieser ist aber noch gar nicht wieder von seiner Sendung nach dem Orient zuruͤck, hat also auch keine Unterredung mit dem Ministerium in Paris haben koͤnnen. Indessen waͤre es leicht moͤglich, daß das Fran⸗ zosische Ministerium den einen oder anderen Kommissar hierher schickte, obgleich nicht hier in Belgien, sondern in Paris die Schwierigkeiten liegen. Dort sind also die Verhandlungen zu pflegen, die Sachen auszumachen. Auf Verhandlungen in Bruͤs⸗ sel wird wenig zu geben seyn. 1 . Juͤr die Wiederaufnahme der Unterhandlungen spricht in Frankreich, wie gesagt, nur der ernstliche Wille des Koͤnigs, der aber doch gegen den constitutionell organisirten Egoismus und die kkoälisirten Interessen ohnmaͤchtig bleiben kann. 15 Re Ich sehe bis jetzt nur ein inneres Mittel fuͤr die Franzöoͤsische

Kegierung, um mit Erfolg die Verhandlungen wieder aufnehmen zu können. Es besteht darin, daß sie wirklich ein großes Eisen⸗ . zur Ausfuͤhrung braͤchte und den Eisen⸗ und Kohlen⸗ Ligenthuͤmern in Frankreich diese große Aussicht stellte, unter der

Bedingung, daß sie einen Theil des Prosits den Belgiern göͤnnten. Sollte eine solche Absicht hinter dem von den Journalen zum hundertstenmale ausposaunten Projekte des Ministeriums in Bezug auf Eisenbahnen stecken, dann koͤnnte man anfangen, an die Moͤg⸗ lichkeit des theilweisen Gelingens der Verhandlung zu denken; ich sage theilweis, da mehrere andere bedeutende Industrieen, die Tuch⸗ und Leinwand⸗Industrie, dabei noch keinen Vortheil erlangen wuͤrden. 1

Noch eins: die Franzöͤsische Partei behauptet, daß England die Hauptursache des Bruches der Verhandlung gewesen sey. Es ist dies nicht die Ansicht der Kommissare. Allerdings hat der Englische Gesandte Gesammt⸗Unterhandlungen gewuͤnscht und das große Interesse eines Handels⸗Traktats mit England hervorgehoben, welches die von Belgien angebotenen Artikel viel wohlfeiler liefern kͤnne; allein dies hat keinen großen Eindruck gemacht, da das Franzoͤsische Ministerium sich nicht mehr verbergen kann, wie es bei jeder allgemeinen politischen Europäͤischen Frage mit dem Eng⸗ lischen Kabinet in Meinungs⸗Divergenz tritt, da die wirklichen Interessen fast uͤberall entgegengesetzt sind. Die Franzöͤsische Re⸗ gierung hat natuͤrlich dieser allgemeinen Politik die Handels⸗Politik untergeordnet.

Dänemark.

Kopenhagen, 26. Okt. (Alt. M.) Die Daͤnische Ge⸗ sellschaft der Wissenschaften hat kuͤrzlich ein Werk herausgegeben, das großes wissenschaftliches Interesse hat und ohne Zweifel in der gelehrten Welt nicht wenig Aufmerksamkeit erregen wird. Es ist der sechste Theil der historischen und philosophischen Abhand⸗ lungen, der eine Reihe von Untersuchungen und Abhandlungen uͤber die Runenwissenschaft und ihre Einzelheiten enthaͤlt. Der Ver⸗ fasser, Etatsrath Professor Finn Magnussen, hat in diesem Cyklus von Eroͤrterungen einen Schatz von Bemerkungen uͤber alle nicht gewoͤhnlichen Runen⸗Arten niedergelegt, eine Menge Monumente im Norden beschrieben und erklaͤrt und vergleichsweise eine Menge Runen⸗Monumente in anderen Laͤndern erwaͤhnt. Dies ist also das zweite große Runenwerk, welches die Daͤnische Lite⸗ ratur geliefert hat; doch uͤbertrifft es seinen zweihundert⸗ jaͤhrigen Vorgaͤnger, Worms monumenta Dauica, weit in gruͤnd⸗ licher Behandlung, Umfang und Bedeutung, wie es in „Dagen“ heißt. Die Haupttheile dieses Werkes enthalten eine kurzgefaßte Uebersicht des Standes der Runen-Literatur bis Ausgang des Jahres 1838; ferner einen Bericht uͤber die Untersuchung von „Runamo“ oder dem Haraldinischen Monument in Blekingen von dem dazu ernannten Comité (Molbech, Finn Magnussen und Forchhammer); dann einen Versuch zur palaͤographischen Ent⸗ wickelung und Erklaͤrung der Runen⸗Inchriften, mit Hinzufuͤ⸗ gung der betreffenden Untersuchung uͤber die aͤltesten Haupt⸗Arten der Skandinavischen Runen und den alten Gebrauch der Runen unter mehreren Europaͤischen Voͤlkern; endlich Forschungen uͤber verschiedene dem Norden fremde Runen und mehrere besondere Gum Theil neu entdeckte) Denkmaͤler des Alterthums.

Deutsche Bundesstaaten. München, 25. Okt. (A. Z.) Ihre Koͤnigl. Hoheit die verwittwete Großherzogin von Baden, deren Prinzessin⸗Tochter Marie von ihrem Unwohlseyn wieder hergestellt ist, verlaͤßt diesen Abend unsere Stadt, um sich nach Nizza zu begeben; Ihre Koͤnigl. Hoheit die regierende Großherzogin von Baden und die Prinzessin Alexandra werden uͤbermorgen oder Donnerstag von hier abreisen.

Se. Majestaͤt der Koͤnig geruhten, den Central⸗Galerie⸗Di⸗ rektor M. Wagner, seiner (gestern erwaͤhnten) Bitte entsprechend und in Anbetracht seines vorgeruͤckten Alters, jener Stelle wieder zu entheben und ihm zu gestatten, wie bisher seinen Aufenthalt in Rom, wo er seit 38 Jahren lebte und wohin ihn eine unbe⸗ zwingliche Sehnsucht zieht, nehmen zu duͤrfen.

Augsburg, (N. Z.) Man spricht davon, daß im naͤchsten Fruͤhjahr unsere Augsburg⸗Muͤnchener Eisenbahn aus den Haͤnden der Actionaire in den Besitz des Staates uͤber⸗ gehen werde. Die Frequenz dieser Bahn ist immerhin noch maͤßig; doch laͤßt sich erwarten, daß das neue Verbindungsmittel zwischen den beiden bedeutenden Staͤdten auch die Verbindungen selbst mehren und den Verkehr noch lebhafter machen werde. Dicht besetzt waren die Wagen am Sonntag den 3. Oktober, wo in Muͤnchen das Oktoberfest gefeiert wurde. Die Fahrt Morgens 6 Uhr bestand aus 25 Personenwagen, welche gegen 1200 Menschen nach Muͤnchen expedirten. Schon am Abend vorher waren fuͤr diesen Tag Fahrbillette im Betrag von 110) Gulden gelöst.

200 Okt.

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Dresden, 16. Okt. (A. Z.) Noch immer wird im Erz⸗ gebirge alle Stimmfaͤhigkeit aufgeboten, um die Nothwendigkeit einer von Chemnitz direkt nach Riesa, statt Zwickau, zu legenden Eisenbahnlinie zu deduziren; indeß fehlt es auch nicht an Oppo⸗ nenten dieses Projekts, fuͤr welches die ganze Bevoͤlkerung des Gebirges begeistert seyn soll. Jene meinen, der Bau nach Zwickau waͤre allein fuͤr das Staats⸗Interesse von Wichtigkeit, indem er das Gebirge mit dem Auslande, wie mit Leipzig am naͤch⸗ sten in Verbindung bringen wuͤrde, die Linie nach Riesa aber liege nur im Interesse der großen Fabrikanten, welche, wie sie sich auszudruͤcken lieben, Leipzig nicht mehr „tribu⸗ tair“ seyn, sondern direkt mit dem Auslande verkehren wollen. Aus solcher Emancipation soll indeß angeblich der Ruin der kleinen Fabrikherren in ihrer gaͤnzlichen Abhaͤngigkeit von den groͤßeren entstehen, indem diese dann uͤber Riesa, Juͤterbogk, Berlin un Stettin große Waarenmassen in die Ostsee⸗Haͤfen werfen koͤnnten worauf die fremden Einkaͤufer schon dort die Stapelplaͤtze de Saͤchsischen Industrie sinden und daher die Leipziger Messen nicht mehr besuchen wuͤrden.

Dresden, 23. Okt. (L. Z.) Am 22. Oktober d. J. fand vor Sr. Koͤniglichen Hoheit dem Prinzen Johann, General⸗Kom⸗ mandanten saͤmmtlicher Kommunal⸗Garden im Koͤnigreich Sach⸗ sen, die alljaͤhrliche Revue der hiesigen Kommunal-Garde stäͤtt. Bei dieser Gelegenheit wurde dem Kommandanten, Sr. Excellenz dem General⸗Lieutenant Bevilaqug, zum Andenken des 5Z0jaͤhrigen Jubilaͤums seiner militairischen Dienste, das er am 16. September d. J. in der Mitte der damals versammelten Truppen gefeier hatte, in Gegenwart Sr. Koͤnigl. Hoheit des General⸗Komman danten und im Angesicht saͤmmtlicher Bataillone und der Schwa dron, von einem aus dem bewaffneten Buͤrgercorps zu diesen Behufe erwaͤhlten Comité ein silberner geschmackvoll verzierter Pokal uͤberreicht. Darmstadt, 25. Okt. (L. A. Z.) Gestern feierte die hie⸗ sige, unter dem Protektorate des Großherzogs stehende Freimau rerloge Johannes der Evangelist zur Eintracht ihr 25jaͤhriges Stiftungsfest, verbunden mit der 50jaͤhrigen Jubelfeier eines Mit⸗ gliedes der Loge, letztere seit kurzem die zweite seltene Festlichkeit dieser Art. Noch 14 der Stifter der Loge, meist hochgestellte Hof⸗,

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Militair⸗ und Civil⸗Beamte und angesehene Buͤrger, so wie De⸗ putationen aus den benachbarten Logen, verherrlichten dieses hehre Fest durch ihre Gegenwart. Die hiesige Loge wurde unter dem Protektorate des verewigten Großherzogs Ludwig I. gestiftet.

Oesterreich.

Wien, 26. Okt. (Wien. Ztg.) Nachdem von dem Kö⸗ nigl. Sardinischen Hofe eine eheliche Verbindung zwischen Sr. Koͤnigl. Hoheit dem Prinzen Viktor Emanuel, Herzog von Sa⸗ voyen, aͤltestem Sohn Sr. Majestaͤt des Koͤnigs Karl Albert von Saͤrdinien, mit Ihrer Kaiserlichen Hoheit der Frau Erzherzogin Adelheid Maria Franziska, zweiten Tochter des Durchlauchtigsten Herrn Erzherzogs Rainer, Vice⸗Koͤnigs des Lombardisch⸗Venetia⸗ nischen Koͤnigreichs, beantragt und alle in derlei Faͤllen uͤblichen Vorverhandlungen gepflogen worden, geschah von dem Koͤnigl. Sardi⸗ nischen Gesandten, Herrn Grafen von Sambuy, in derEigenschaft eines außerordentlichen Botschafters, am 17ten d. M., in eigenen demsel⸗ ben von Ihren Majestaͤten dem Kaiser und der Kaiserin und von den durchlauchtigsten Aeltern der Frau Erzherzogin Adel⸗ heid ertheilten feierlichen Audienzen, die foͤrmliche Anwerbung um die Hand gedachter Frau Erzherzogin fuͤr Se. Koͤnigliche Hoheit den Prinzen Viktor Emanuel von Sardinien, Herzog von Sa⸗ voyen, welche Anwerbung durch die Allerhoͤchste und Hoͤchste Zu⸗ stimmung zu dieser, hoffentlich das dauernde Gluͤck des hohen Brautpaares begruͤndenden und zu mehrerer Befestigung der zwischen beiden hohen Haͤusern bestehenden Verwandtschafts⸗ und Freundschafts⸗Verhaͤltnisse fuͤhrenden erfreulichen Verbin⸗ dung erwiedert wurde. Es erfolgte hierauf am 23sten d. M. im Hause des ersten Oberst-Hofmeisters, Fuͤrsten Colloredo, von den allseitigen Bevollmaͤchtigten die Unterzeichnung der fest⸗ gestellten Ehepakten, und am 24sten geruhten Se. Majestaͤt der Kaiser in dem geheimen Rathssaale der Kaiserl. Koͤnigl. Hofburg die in den Hausgesetzen bei Vermaͤhlungen Durchlauchtiger Frau Erz⸗ herzoginnen vorgeschriebene eidliche Verzichtleistung auf eventuelle Successions⸗ und Erbrechte im Kaiserlichen Hause, insofern sie nicht in der gesetzlichen Successions⸗Ordnung begruͤndet sind, von der Durchlauchtigsten Frau Erzherzogin Adelheid, in Gegenwart Ihrer Kaiserl. Koͤnigl. Hoheiten der hier anwesenden Herren Erzherzoge, des Koͤniglichen Sardinischen Herrn Botschafters und der Kaiserl. Köoͤnigl. Minister und Geheimen Raͤthe, mit dem uͤblichen Cere⸗ monielle entgegen zu nehmen. Der Zeitpunkt der hohen Ver— maͤhlung selbst, welche zu Turin vollzogen werden soll, wird erst naͤher bestimmt werden.

2 Schweiz. Zürich, 22. Okt. (A. Z.) Der Umstand, daß die Kloster⸗ sache zur Sache der Bevoͤlkerungen geworden ist, hat bewirkt, daß sich die Mittel⸗-Partei, die fruͤher unter den Kantonen bestand, an die beiden Seiten hat vertheilen muͤssen. Am deutlichsten war dieser Vorgang in St. Gallen, wo Herr Baumgartner seinen den Kloͤstern ziemlich guͤnstigen Mittel-Antrag, den er mit der eifrig katholischen Partei durchsetzen sollte, um dieser willen mit dem An⸗ trage auf Herstellung aller Kloͤster vertauscht hat. Er siegte, nur wurde in die Instruction die Vollmacht aufgenommen, sich Aargau zu naͤhern. Mit Ausnahme St. Gallens sind aber alle Staͤnde der fruͤheren Mittel⸗Partei, unter dem Einfluß ihrer Bevoͤlkerung, mehr oder weniger vollstaͤndig zu Aargau uͤbergegangen, sogar Glarus und Schaffhausen in den neuesten Tagen. Nur Zuͤrich behauptet noch, zwar weit gegen Aargau hingedraͤngt, eine Mit⸗ telstellung, und an seiner Seite haͤlt sich einstweilen Genf, doch mit der ausdruͤcklichen Vollmacht fast gaͤnzlichen Uebertrittes. Die Staͤnde gruppiren sich jetzt folgendermaßen. Von den beiden Kantonshaͤlften in Basel und Appenzell verlangt die eine die Her⸗

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stellung saͤmmtlicher Kloͤster, waͤhrend die andere Aargau willfah⸗ ren will. Acht Staͤnde haben sich auf die Seite der Kloͤster ge⸗ stellt; von ihnen darf St. Gallen, wenn die Mehrheit anders ausfaͤllt, dieser bis zu der duͤrftigen Forderung, daß wenigstens Hermetschwyl hergestellt werde, sich naͤhern. Acht Staͤnde wer⸗ den sich von Aargau's Konzessionen befriedigt erklaͤren: ihnen darf, um die Bildung einer Mehrheit zu erleichtern, Genf sich anschlie⸗ ßen. Die Gesandtschaft von Zuͤrich wird Hermetschwyl begehren und, wenn sie damit nicht aufkoͤmmt, neue Vollmachten einholen. Noch haben Graubuͤndten und Wallis nicht instruirt.

Zürich, 24. Okt. In Graubuͤndten und Wallis haben die großen Raͤthe nun mit schwacher Mehrheit auf Herstellung saͤmmt⸗ licher Aargauscher Kloͤster instruirt. Im Wallis folgte unmittel⸗ bar auf den Beschluß die Dimission des ganzen Staatsraths, wie es scheint, zur Bestuͤrzung der Mehrheit selbst. Die Ver— sammlung loͤste sich in der Verwirrung auf, ohne die gewaͤhlten Deputirten, die aufs bestimmteste erklaͤrten, daß sie die Stelle nicht annaͤhmen, ersetzt zu haben. Der Sitz von Wallis an der Tagsatzung wird also wahrscheinlich leer bleiben, wenn nicht neue Ereignisse in dem in großer Gaͤhrung begriffenen Wallis die Waldbehoͤrde wieder schnell zusammenrufen.

In, einigen Wochen sollen vor die Actionair⸗Gesellschaft der Basel⸗Zuͤricher Eisenbahn Antraͤge zur Aufloͤsung gebracht werden; wenn diese geschieht, so duͤrfte schnell eine andere Gesellschaft mit guͤnstigeren Aussichten sich bilden.

NMNeuchatel, 23. Okt. Se. Majestaͤt der Koͤnig haben dem

. Bearon Alexander von Chambrier den nachgesuchten Abschied von

seinen Functionen als Maire von Valangin ertheilt, die er seit

33 Jahren bekleidete, und ihn zum Mitgliede des Staats⸗Rathes

ernannt. Herr F. von Montmollin ist an die Stelle des Herrn von Chambrier zum Maire von Valangin ernannt worden.

8 Herr F. von Rougemont, Secretair der Unterrichts⸗Kom⸗

mission des Staates, ist zum außerordentlichen Staatsrath er—

nannt worden. 1

Nom, 16. Okt. (A. Z.) Das archaͤologische Institut hatte gestern zur Geburtstags⸗Feier des Köͤnigs von Preußen, des Pro⸗ tektors dieser Anstalt, eine außerordentliche Versammlung in dem dazu bestimmten Lokal auf dem Kapitol. Legationsrath Kestner Aöganne kurze Eingangs⸗Rede. Dr. E. Braun las eine geistreiche allspie⸗ 9 g üͤber einen neuerlich aufgefundenen Etruskischen Me⸗ kallspiegel mit eingegrabener Darstellung des die Klytemnestra er⸗ mordenden Drest. Professor Canina legte einen von ihm entwor⸗ eenen Plan des Tabularium vor und erklaͤrte die durch die Aus⸗ grabung zur Evidenz bewiesenen Namen der Tempel des alten KForums. Die Raͤumung des Tabularium von Schutt und Erde ist unter seiner Leitung vollbracht; die wichtigsten Ergebnisse der⸗ selben wurden dem Publikum bereits fruͤher mit etheilt. Dr. W. Abeken sprach uͤber die von John Stephens untersuchten und eben in New-York publizirten Alterthuͤmer des ce ser Amerika. 1“ In der ganz ruhigen sternhellen Nacht vom 15ten d. stießen die beiden groͤßten Dampfboote, Kuͤstenfahrten machen, der „Charlemagne“,

M

14ten auf den „welche unsere von Civitavecchig nach

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Livorno gehend, woher der „Lombardo“ kam, in der Naͤhe von Elba, unfern der Stelle, wo vor vier Monaten der „Pollux“ sei⸗ nen Untergang fand, mit solcher Heftigkeit an einander, daß beide Schiffe bedeutenden Schaden an den Seitenwaͤnden erlitten. Wenn auch die zahlreichen Reisenden diesesmal mit dem bloßen Schrecken davonkamen, so sollten doch billigerweise diese durch die unverantwortlichste Fahrlaͤssigkeit sich wiederholenden Unfälle von den betreffenden Behoͤrden ernstlich geruͤgt werden.

Florenz, 18. Okt. Wie man vernimmt, hat der Herzog von Lucca genehmigt, daß die Versammlung der Naturforscher im Jahr 1843 in der Residenzstadt seines Landes gehalten werde.

Von den Werken Galilei's, des Mannes, welcher als Koloß zwischen der alten und neuen Wissenschaft dasteht, und dessen An⸗ denken hier in der letztvergangenen Zeit so viele Huldigungen dar⸗ gebracht wurden, ist eine nach den authentischen Manustripten nachgesehene und vervollstaͤndigte neue Ausgabe angekuͤndigt, welche von einer Gesellschaft hier besorgt wird.

Spanien.

Nachstehendes ist das (gestern erwaͤhnte) Manifest, welches Espartero vor seiner Abreise aus Madrid erlassen hat:

Bis vor wenigen Tagen lebtet ihr, begluͤckt von den Segnun⸗ gen eines Friedens, den ihr euch durch eure Tapferkeit errungen hattet. Ihr genosset aller Wohlthaten der Constitution, die ihr selbst befestigen halfet, unter den Anspizien einer Regierung, die die Gesetze beschuͤtzt und sie auf das strengste befolgt. Ihr sahet, wie allmaͤlig die Wunden vernarbten, die der Buͤrgerkrieg geschla⸗ gen hatte, wie der Handel, der Ackerbau, die Kuͤnste und die Indu⸗ strie allmaͤlig wieder aufzubluͤhen begannen und tausend Quellen sich oͤffneten, die ersprießlich fuͤr die National⸗Wohlfahrt wurden. Da ploͤtzlich beginnt dieser heitere Himmel zu schwinden, truͤbe Wolken bedecken ihn, und noch einmal zerreißt unser Ohr ein neues Kriegs⸗Geschrei, das die Feinde eurer Loyaglitat und eurer Freiheiten erheben. Spanier, diejenigen, welche sich zu einer solchen Wahn⸗ sinnsthat hinreißen ließen, wollen nicht, daß ihr jemals gluͤcklich und frei seyn sollt. Jene finstre Epoche der Mißbraͤuche und Privi⸗ legien, die einer ganzen Nation das druͤckende Joch einiger bevor⸗ zugten Klassen aufbuͤrdet, haben sie nicht wieder zuruͤckfuͤhren koͤn⸗ nen, und dies Mißlingen ist es, was den Wunsch nach Rache in ihnen erzeugt. Ihr habt den Stolz derijenigen verwundet, die durch unlautere Mittel eure Gesetze vernichten und euch die Rechte freier Maͤnner rauben wollten, und um ihren Zweck zu erreichen, erheben sie abermals das blutbefleckte Panier ihrer Rache. Darum schaͤrfen sie die Dolche, welche die Spanier noch einmal in das Herz ihrer Bruͤder stoßen werden.

Das Attentat, welches in der Nacht vom 7ten innerhalb des Koͤnig

lichen Palastes selbst begangen wurde, ist eine Beschimpfung der Na

tion, der Menschlichkeit, der Civilisation und des Thrones. Die hoch⸗ herzigen Maͤnner aller der Nationen, welche bei der Sache der Frei⸗ heit betheiligt sind, die wir vertheidigen, werden Rechenschaft verlan⸗

gen von den Urhebern und Mitschuldigen eines Angriffs, bei welchem die zarten Sproͤßlinge eines alten Koͤnigsgeschlechtes ums Leben kom⸗ men konnten. Die Welt wird diese Verraͤther kennen lernen, mit wel⸗ chem Gewande sie sich auch verhuͤllen. Die Zeit der Schonung, die mit dem schwaͤrzesten Undanke vergolten wurde, ist voruͤber. Das Heil Spaniens erfordert es, daß der Schleier zerrissen und die volle Wahrheit, wie grauenvoll sie auch sey, bekannt werde.

Spanier! Von Jugend auf Soldat, habe ich mir niemals einen schoͤneren Titel gewuͤnscht. Meinem Vaterlande zu dienen, fuͤr sein Wohl, seine Rechte und seine Freiheiten mein Blut zu vergießen, die Truppen, welche es mir anvertraute, die Bahn des Ruhmes zu fuͤh⸗ ren, war mein ganzer Ehrgeiz, und dieser Ehrgeiz ist auf die edelste Weise befriedigt worden. Die Zeitumstaͤnde haben mich an einen an deren Platz gestellt, mein Werk war es nicht. Ihr selbst habt mich zu dieser Sphaͤre emporgehoben; der Wille der Nation hat die Zuͤgel der Regierung in meine Haͤnde gelegt; in dem Schoße der Cortes, aus den Haͤnden euerer gesetzlichen Repraͤsentauten habe ich die In

vestitur als Regent des Koͤnigreiches empfangen. Dort habe ich das Geluͤbde abgelegt, der Constitution und den Gesetzen gemaͤß zu regie

ren; ich habe vor Gott und Menschen versprochen, nur den Pfad der Gerechtigkeit zu wandeln und mich ganz den Freiheiten, der Gluͤckseligkeit und dem Ruhme der Nation zu weihen. Ihr habt jetzt zu entscheiden, ob ich mein Versprechen erfuͤllt habe. Ich wie⸗ derhole meine Worte heute mit derselben innigen Ueberzeugung, die mich fruͤher beseelte. 8

Spanier! In jenen Momenten der Krise, wenn eure Feinde euch zwingen, die Waffen zu ergreifen, gesellt euch jenen Soldaten zu, die ihren Stolz darin setzen, Spanier, freie Spanier zu seyn. Bildet einen Phalanx um den Thron Isabellens II., beschirmt sie und jene Institutionen, in denen das Heil eurer jungen Koͤnigin und das ecu⸗ rige ruht. Sprecht zu euren Feinden von der Wohlfahrt und dem Ruhme, den ihr auf eine so edle Weise errungen habt; sagt es Eu⸗ ropa, fa, sagt es der Welt, daß ihr entschlossen seyd, euch nach selbst⸗ gegebenen Gesetzen zu regieren, und euch nicht die Fruͤchte entreißen lassen wollt, die nur durch so viel Blut und Opfer errungen werden konnten. Ihr habt denjenigen die Larve abgezogen, die den Aufruhr hervorriefen, um sich Rechte zu erstreiten, die sie selbst mißkannten. Ihr werdet diejenigen mit Verachtung und Schmach bedecken, die diesen Brand der Zwietracht entzuͤndeten, indem sie Privilegien (die Fueros) in Anspruch nehmen, die bis zu dieser Stunde nichts gewe sen sind als ein Vorwand, den heimatlichen Boden mit den unge heuersten Verbrechen zu beflecken. .

Der Sieg kann nicht zweifelhaft fuͤr diejenigen seyn, welche, die Freiheit vertheidigend, sich um das Castilianische Banner reihen. Ihr werdet die Elenden vor euch hertreihen, die zu den Fuͤßen Marie Christinens einen Abgrund oͤffnen, die in ihrer ohnmaͤchtigen Wuth gegen die Ehre verstoßen, ihre Eide vergessen, welche sie ablegten, nur um ihren Durst nach Rache zu befriedigen. Zu den Waffen, Spa⸗ nier! Der Kriegsruf halle durch die ganze Halbinsel wieder, da un⸗ sere Feinde es so wollen. Die National⸗Miliz bewaffne sich und halte die oͤffentliche Ruhe und Ordnung aufrecht, so lange es nicht nothwendig seyn wird, sie auf den Kampfplatz der Ehre zu berufen, um, vereint unserer taypfern Armee, den ruhmvollen Lorbeer des Sie ges zu ringen. Hoͤrt jetzt mehr als jemals auf die Stimme der euch vorgesetzten Behoͤrden, bleibt jetzt mehr als je den Gesetzen getreu, denn die Stunde eurer voͤlligen Wiedergeburt hat geschlagen, und ihr seyd sicher, unter den freien Voͤlkern und civilisirten Maͤchten Eu ropa's die Stelle einzunehmen, die euch euer Werth, euer Ruhm, eure Macht anweisen. Euch, ihr heldenmuͤthigen Milizen von Ma drid, die ihr einen so seltenen Verein buͤrgerlicher Tugend bildet, euch vertraue ich die Bewachung unserer jungen Koͤnigin und ihrer erha benen Schwester an, denn ihr seyd es werth, ein solches Ehrenamt zu bekleiden. Die Ordnung und Ruhe der Hauptstadt sind gleicher⸗ weise eurem Patriotismus anvertraut.

Indem ich mich von euch trenne, muß ich es euch sagen, daß ihr euch jeden Tag neue Anspruͤche auf meine Dankbarkeit, meine Freund schaft und meine Ergebenheit erwerbt. Die Energie und die Begei⸗ sterung, die ihr in der Nacht vom 7. zum 8. Oktober gezeigt habt, werden nie aus meinem Gedaͤchtnisse verschwinden. Ihr habt euch sehr um das Vaterland verdient gemacht, Milizen von Madrid! Moͤgen die uͤbrigen Milizen des Koͤnigreichs euch nachahmen! Ich werde diese Heldenthaten inmitten des Baskischen Volkes verkuͤnden, welches die ausschließlichen Interessen der Aristokratie unmoͤglich zu den seinigen machen kann. Ich will Worte des Friedens sprechen und so viel als moͤglich die Schrecken eines Kampfes vermeiden, der, wenn er zwischen den Soͤhnen eines gemeinsamen Vaterlandes gefuͤhrt wird, selbst dem Sieger nur blutige Thraͤnen statt Sieges⸗Hymnen entlocken kann.

Spanier! Laßt uns Vertrauen in die Gerechtigkeit einer Sache setzen, die von so vielen tapferen und loyalen Maͤnnern vertheidigt wird; zaͤhlt auf den Eifer eines Mannes, der den Ehrenplatz, auf

welchen ihr ihn gestellt habt, dann gern verlassen wird, wenn er sich mit gutem Gewissen aus voller Ueberzeugung sagen kann, daß er seine Pflicht gethan hat. Welch ein Tag des Gluͤckes fuͤr Spanien wird es seyn, wenn wir, nachdem unsere Freiheiten, unsere Institutionen und der Thron befestigt sind, unserer Koͤnigin Isabella II. das Land bluͤhend und Ehrfurcht gebietend, des Scepters einer Spanischen Kd nigin wuͤrdig, mit den Worten zuruͤckgeben koͤnnen: „Senora, dies ist das Werk aller guten und loyalen Spaniecr.“ Madrid, den 18 Oktober 1811. (gez.) der Herzog von Vitoria, Regent des Koͤnigreichs. b

Der Messager berichtet: „Nach einer heut eingetroffenen telegraphischen Depesche sind O'Donnell, Piquero, Jaureguy, Ur⸗ bistondo und Iriarte nach Frankreich heruͤbergekommen. Die Zahl der Fluͤchtlinge belaͤuft sich auf nahe an 1200 Soldaten oder Bauern und 400 Offiziere. Der Regent wird, wie es heißt, in Irun erwartet. Bereits sind vier Bataillone in dieser Stadt eingetroffen. Man behauptet, daß sie von da bis Urdax aufge⸗ der werden und die Errichtung der Douanen bewerkstelligen

6 essmng Fin Portugal.

Lissabon, 18. Okt. Der Senat hat nach langen Debatten mit einer Majoritaͤt von 12 Stimmen die Aufhebung des De krets vom 16. Januar 1837 in Bezug auf die Differential⸗Zoͤlle oder Praͤmien zu Gunsten der einheimischen Rhederei votirt. Die ser Beschluß, der fuͤr die Europaͤischen und Amerikanischen Haͤfen in drei Monaten in Kraft treten wird, hat die Oppositions⸗Presse sehr in Harnisch gebracht, die in dieser Maßregel den Ruin der Portugiesischen Rhederei erblickt. Man glaubt, daß die Session der Cortes zu Ende dieses Monats geschlossen werden wird.

Der Marquis von Saldanha ist heute von hier nach Ma⸗ drid abgegangen, um den Regenten zu dem Mißlingen der In⸗ surrection zu begluͤckwuͤnschen.

Die Nachrichten aus Gibraltar reichen bis zum 14ten d. Die Herzogin von Vitoria, Espartero's Gemahlin, war am 11ten dort angekommen und mit Beweisen der Ehrerbietung empfangen worden; sie blieb nur einen Tag daselbst und schiffte sich dann ein, man weiß nicht, ob nach Valencia oder nach dem suͤdlichen Frankreich; es war die Absicht gewesen, daß sie Cadix besuchen sollte; da man aber dort eine Emeute befuͤrchtete, so wurde dieser Reiseplan aufgegeben.

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Vereinigte Staaten von Nord⸗Amerika.

New⸗YVork, 7. Okt. Am Montag, den 4ten d., hat end⸗ lich der Prozeß Mac Leod's zu Utica seinen Anfang genommen. Der Gerichtssaal war von Zuschauern gefuͤllt, doch draͤngte man sich nicht gerade um den Einlaß, und am Morgen des dritten Tages war beim Beginn der Verhandlungen fast gar kein Audi⸗ torium versammelt. Man hatte uͤbrigens alle noͤthige Vorkeh⸗ rungen getroffen, um jeden Friedensbruch, jede Ruhestoͤrung zu verhindern, da das Geruͤcht verbreitet war, daß ein bedeutender Haufen von Mitgliedern des sogenannten Jaͤgerbundes sich all⸗ maͤlig um Utica, den Schauplatz des Prozesses, sammle. Die Rede des Anklaͤgers war nicht leidenschaftlich; er setzte die Sache ganz ohne politische Beimischungen aus einander und vermahnte die Jury, ihr Verdikt, wenn ihr das Gewicht der Zeugen⸗Aus⸗ sagen gegen den Gefangenen zu seyn scheine, ohne Ruͤcksicht auf die Folgen abzugeben, welche das „Schuldig“ haben koͤnnte. So weit die Verhandlungen bis jetzt gediehen sind, scheint aber der Inhalt der Zeugen⸗Aussagen wenig fuͤr die Schuld Mac Leod's an dem Morde des Amerikanischen Buͤrgers Durfee zu sprechen.

Die Aussagen gaben meist nur eine Schilderung von dem An⸗ griffe auf das Dampfboot „Caroline“ und von der Verbrennung desselben. Die einzigen Zeugen, welche aussagten, daß Mac Leod an der Sache Theil genommen habe, waren ein Mann, der sich an Bord jenes Schiffes befunden und der erklaͤrte, es habe ihm Jemand, den er in Mac Leod wiederzuerkennen glaube, mit dem Degen gedroht, doch sey er seiner Sache nicht sicher, ob der Gefangene es wirklich gewesen, und ein anderer Zeuge, der behauptete, er habe Mac Leod auf den Boͤten gesehen, die von dem Angriff auf die „Caroline“ zuruͤckgekehrt seyen, und er habe ihn sich ruͤhmen hoͤren, daß er an der Zerstoͤrung des Dampfschiffes Theil genommen. Ein Zeuge, der bewiesen haͤtte, daß Mac Leod es sey, der den Amerikaner Durfee er⸗ schossen, war bis jetzt nicht vorgefuͤhrt worden, und so weit die Zeugen⸗Aussagen reichen, bleibt es uͤberhaupt zweifelhaft, ob dieser Durfee von den angreifenden Truppen oder aus Versehen von seinen eigenen Freunden erschossen worden. So geht zum Beispiel aus dem Zeugen⸗Verhoͤr nicht hervor, daß die Angrei⸗ fenden ans Land gestiegen, und doch scheint es, daß das Gewehr, womit Durfee erschossen wurde, ganz in seiner Naͤhe abgefeuert worden, da seine Muͤtze von dem Pulver versengt war, und von dem Platz, wo der Schuß ihn traf, kann er sich auch nicht mehr fortbewegt haben, da die Kugel ihm durchs Gehirn gegangen war. Man glaubt uͤbrigens, daß der Prozeß noch mehrere Tage dauern wird, da erst ein Theil der Zeugen verhoͤrt ist.

Die gewaltsame Entfuͤhrung Grogan's wird noch immer mit vieler Leidenschaftlichkeit besprochen. Die Presse zieht sehr heftig gegen die Britische Regierung los, indem sie ihr vorwirft, daß sie diese Verletzung der Nationalrechte beguͤnstige oder nicht die Kraft habe, ihre Unterthanen in Kanada von solchen Unbilden ab⸗ zuhalten. Es ist uͤber die Sache zwischen dem Amerikanischen Staats⸗Secretair und dem Britischen Gesandten zu Washington verhandelt worden; den Inhalt dieser Verhandlungen kennt man noch nicht, doch glaubt man allgemein, Grogan's Verhaftung werde desavouirt werden und seine Freilassung unverzuͤglich erfolgen.

Das neue Kabinet der Vereinigten Staaten ist nun vollstaͤn⸗ dig orgaͤnisirt; Daniel Webster aus Massachussetts ist Staats⸗ Secretair, Walter Forward aus Pennsylvanien Schatz⸗Se⸗ cretair, Abel Upshur aus Virginien Marine⸗Secretair, John Spencer aus New⸗York Kriegs⸗Secretair, Hugh Legare aus Suͤd⸗Karolina General⸗Prokurator und Charles Wickliffe aus Kentucky General⸗Postmeister.

Der Boston Daily Maill zufolge, war man in der an der Graͤnze belegenen Provinz Grand⸗Isle darauf bedacht, den Oberst Grogan wieder aus Montreal heruͤberzuholen, da man eben so gut das Recht habe, nach Montreal zu marschiren, als die Britischen Tories das Recht gehabt haͤtten, nach Alburgh zu gehen.

Das Springfield Journal berichtet: „Das Kriegs⸗Se⸗ kretariat hat dem Gouverneur Caß (im Staate Illinois) gemel⸗ det, die Regierung der Vereinigten Staaten beabsichtige, Waffen und Munition nach einem Punkte am Rockflusse abzusenden und diese zur Verfuͤgung des Gouverneurs zu stellen, im Fall zwi⸗ schen diesem Lande und den Briten etwa Feindseligkeiten ausbre⸗ chen sollten.“ *

1 98b Prinz von Joinville will, wenn die Witterung nicht schon zu rauh werden sollte, in Begleitung eines und zweier See⸗Kadetten, so wie des vesanddaftan⸗ 1G 5b 86 Grafen von Montholon, eine Reise durch die Vereinigten Staa⸗

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