1“ 1“ 8 1“ 1114“ 8 8 8 “ gatten ersten Ranges, 11 zweiten Ranges, zusammen 18. Kor⸗ vetten und Briggs: 5 von 26 2* 3 von 24, 40 von 26, 2 von
6, 24 unter 10 s., zusammen 62. Dampf⸗Fregatten in Kom⸗ mifsion oder in Aktivitaͤt 13. Im Ganzen befinden sich also im aktiven Dienste 121, in Kommission 144, zusammen 268 Schiffe. In diesen Zahlen sind nicht enthalten die Dampf⸗ und Segel⸗ Paketboͤte, die Transportschiffe, die Kuͤstenwaͤchter, die an den Kanarischen Inseln befindlichen Fahrzeuge, so wie diejenigen, welche den Hafendienst versehen.
In der London Tavern wurde am Freitag eine Versamm⸗ lung gehalten, um sich uͤber die Mittel zu berathen, wie das furchtbare Elend unter der Fabrik⸗Bevoͤlkerung von Paisley er⸗ leichtert werden koͤnne. Die schon fruͤher erwaͤhnte Deputation aus letzterer Stadt war zugegen und ein Mitglied derselben, der Geistliche Burns, entwarf eine so beredte Schilderung der graͤß⸗ lichen Noth jener Fabrik⸗Arbeiter, daß alle Anwesenden aufs in⸗ nigste geruͤhrt wurden und meistens sehr ansehnliche Beitraͤge un⸗
terzeichneten. Von Sir R. Peel war ein Schreiben eingegangen, worin er eine Beisteuer von 50 Pf. St. zusagte. Die Versamm⸗ lung beschloß, die Verbreitung der Subscription aufs eifrigste zu betreiben.
Die Times fuͤhrt an, daß im Jahre 1840 die Gesammtzahl der verurtheilten Verbrecher in England 19,927 betragen habe; von diesen wurden 4105 deportirt, aber nur 390 dieser Straͤf⸗ linge hatten in so weit Unterricht genossen, daß sie lesen und die Bibel verstehen konnten; die uͤbrigen waren groͤßtentheils ohne allen Schul⸗Unterricht geblieben. In einer Grafschaft wurden 44 Personen zur Deportation verurtheilt, und aus dieser ganzen Zahl konnte kein einziger die Bibel lesen; der Kaplan hatte zu Protokoll gegeben, daß unter 222 Individuen, die waͤhrend des letzten Vierteljahrs im Gefaͤngniß saßen, 59 sich befanden, welchen der Name des Heilandes durchaus fremd war; 61 waren konfir⸗
mirt, 18 gingen davon ordentlich zur Kommunion; die uͤbrigen haben meistens gar kein Glaubens⸗Bekenntniß und wissen nichts von einer positiven Religion. In Worcestershire, welches keines⸗ weges einer der unkultivirten Theile Englands ist, konnten von 1954 Gefangenen 771 weder lesen noch schreiben; gut lesen und schreiben konnten nur 23 aus der ganzen Zahl. “
Die Morning Post, von der man glaubt, daß sie ein spe⸗ zielles Organ der Ansichten Sir R. Peel's sey, spricht sich fol— gendermaßen uͤber die von einem Whig⸗Blatt gegen Ludwig Phi⸗ Üpp in Bezug auf die Spanische Insurrection erhobene Beschul⸗ digung aus: „Das leitende Journal der Partei, welche zuletzt die Regierung dieses Landes innehatte (die Morning Chronicle) hat die Frechheit, die letzte aufruͤhrerische Bewegung und Metzelei in Madrid gaͤnzlich einer Intrigue des Franzoͤsischen Monarchen zuzuschreiben. Das Whigistisch⸗radikale Journal ist frech genug, zu behaupten, daß die Intrigue noch schlimmer sey, als eine poli- tische, daß sie nicht einmal den Vorwand habe, von einem Fami— liengefuͤhl eingegeben zu seyn, von dem Wunsch, daß die Nach⸗ kommen Ludwig XIV. den Spanischen Thron theilen möͤchten. Der Franzöoͤsische Koͤnig wird nicht nur angeklagt, die Insurrec— tion und Metzelei in Madrid befoͤrdert zu haben, sondern man behauptete auch, daß seine Absicht war, Geld fuͤr seinen Sohn durch dessen Vermaͤhlung mit der jungen Koͤnigin von Spanien zu erhalten. Wir fuͤhren dies an, um unseren Abscheu uͤber diese freche und niedertraͤchtige Schmaͤhung gegen den Franzoͤsischen Koͤnig und Hof auszudruͤcken. Es ist gut fuͤr die Interessen des Friedens und der Civilisation, daß die Partei, zu deren Unterhaltung eine so abscheuliche Schmaͤhung aufgetischt wird, nicht laͤnger die Bri— tische Regierung in Haͤnden hat. Wenn unser jetziger Premier- Minister je das Journal liest, welches wir citirt haben, so koͤnnen wir uns die Scham und den Ekel denken, den er daruͤber empfin⸗ den muß, daß ein einflußreiches, von irgend einer Britischen Par— tei beschuͤtztes Blatt sich einer so brutalen Beleidigung schuldig machen konnte. Wir erlauben uns, fuͤr Sir R. Peel zu antwor⸗ ten, daß, so wenig er auch dem Unwillen freien Lauf laͤßt, er uͤber solche widerliche Frechheit, solchen aͤrgerlichen Mißbrauch unserer Preßfreiheit tiefen Unwillen empfindet. Wir hoffen, das Fran⸗ zosische Publikum werde nicht ermangeln, zwischen den giftigen Erguͤssen des Whig⸗Radikalismus und den wirklichen Ansichten des Britischen Volkes einen richtigen Unterschied zu machen. Das Britische Volk billigt die politischen Ansichten Sir R. Peel's, und es ist wohl bekannt, daß dieser den Koͤnig der Franzosen mit der aͤußersten Hochachtung und Verehrung betrachtet.“
Da die Times den Stand der Verhaͤltnisse zu den Verei⸗ nigten Staaten in einem so feindseligen, kriegverkuͤndenden Tone bespricht, so werfen Globe und Sun jenem Blatte vor, es wuͤnsche den Krieg. „Doch so duͤster auch,“ sagt der Sun, „der politische Horizont zu beiden Seiten des Atlantischen Mee⸗ res ist, so ist doch die Moͤglichkeit noch vorhanden, daß die Ge⸗ witterwolken unschaͤdlich voruͤberziehen. Haͤtte die Presse Eng⸗ lands und Amerika's das Ihrige gethan, um zwischen beiden Laͤn⸗ dern den Frieden zu erhalten, so waͤre wohl jetzt so wenig Ge— fahr eines Krieges vorhanden, als ein halbes Jahr nach Unter⸗ zeichnung des letzten Friedensvertrags; ja, haͤtte die Presse ihre sittigende Friedensmission treulich erfuͤllt, so erschallten jetzt nicht 8 Gestade beider Hemisphaͤren vom Geraͤusch kriegerischer Ruͤ⸗
ungen.
8 Zu Dublin empfing der Lord⸗Lieutenant, Graf de Grey, am 22. Oktober im Thronzimmer des Schlosses den Lord⸗Mayor, die Aldermen und mehrere Gemeindeglieder, welche ihm eine Adresse üͤberreichten, um ihm zu seiner Ankunft Gluͤck zu wuͤnschen. Der Lord⸗Lieutenant dankte aufs verbindlichste und erklaͤrte, daß er sich 1. streng enthalten und bei der Handhabung der 602 6 unparteiischste Gerechtigkeit im Auge haben und dis auch wolle er alle Anstrengungen aufbieten, um schwaͤcht Göas zwischen Irland und Großbritanien unge⸗ Fedee een b wabei er auf die Unterstuͤtzung der Grefen de Seees 989 Deputation der Universitäaͤt uͤbergab dem bau⸗Verein 5 e d,⸗ Rchhansch⸗Aeresst. Der Acker⸗ tron der Gesellschaft zu werden, 5 “ 1 it Der neue, Generaeouverneur von Kanada, Sir Ch. Bagot, mung doniglichen Dampfschiffe nach seiner Westimm⸗ An der hiesigen Boͤrse hat die Nachricht von der Unterdruͤk⸗
kung des Aufstandes in Spanien den besten Eindruck
ung u in Spa⸗ andruck gemacht, da die Besorgniß, daß diese Empdrung in ihrem Fortschreiton vielleicht die Haͤlfte der Europaͤischen Staaten in den Streit verwickeln Die Spanischen Fonds gin s Das baagre Geld ist an der Boͤrse fortwaͤhrend sehr selten, was den Geschaͤften außerordentlich
koͤnnte, jetzt gaͤnzlich verschwunden ist. gingen darauf um ½ pCt. hoͤher. hinderlich ist. E111“
KbKltederlande. a
jederlaͤn⸗ dische Fregatte „Palemberg“ vom Helder nach Batavia abgegan⸗ gen. Am Bord derselben befindet sich der Contre-Admiral Ma⸗
Aus dem Haag, 28. Okt. Gestern
chielsen, der den Oberbefehl uͤber unsere Seemacht in Ostindien uͤbernimmt.
Gestern hat eine Deputation bei der Kammer Sr. Majestaͤt dem Koͤnige die Adresse als Antwort auf die Thron⸗Rede uͤber⸗ reicht. Es heißt darin unter Anderem: „Wir sind uͤberzeugt, daß Niederland der Ruhe und des Friedens bedarf: daher ist es uns auch angenehm, von Ew. Majestaͤt die Versicherung der Fort⸗ dauer der freundlichen Gesinnungen und der wohlwollenden Theilnahme der auswaͤrtigen Maͤchte zu empfangen. Eben⸗
falls von diesem Gesichtspunkte aus haben wir mit Zu— friedenheit erfahren, daß die Regierung des Großherzog⸗ thums Luxemburg von derjenigen der Niederlande voͤllig getrennt worden. Seit den mit dem Grundgesetze vorgenomme⸗ nen Veraͤnderungen ist die fruͤher bestandene Union dieser Laͤn⸗ der aufgehoben, und wir haben Grund von der Billigkeit und der Gerechtigkeit der auswaͤrtigen Maͤchte zu erwarten, daß die schwierigen Umstaͤnde, in welche das Luxemburgische gerathen möͤchte, nicht den mindesten Einfluß auf die Interessen und die freundschaftlichen Verbindungen Niederlands uͤben werden.“
Belgien.
Brüssel, 26. Okt. (H. Z.) Man weiß noch nicht bestimmt⸗ ob Se. Majestaͤt der Koͤnig, wie es in Franzöͤsischen Blaͤttern heißt, naͤchstens nach Paris abreisen wird, oder hier bleibt, um am 9. November die Kammern zu eroͤffnen. Letzteres ist fast zu be⸗ zweifeln, da hierzu noch keine Anstalten getroffen sind.
Die Eroͤffnung der Eisenbahnlinie von Bruͤssel bis Mons,
welche erst am 16. Dezember d. J., am Geburtstage Sr. Maje⸗ staͤt, feierlich geschehen sollte, wird bereits am Z3lsten d. M. statt⸗ finden. “ Herr Meeus, Direktor der General⸗Societaͤt, der alten Bank, ist seit mehreren Tagen aus Paris zuruͤckgekehrt, und es ist jetzt bekannt, daß der Zweck seiner Reise mit der Franzoͤsischen Eisen⸗ bahnlinie in keiner Verbindung stand.
Deutsche Bundesstaaten.
München, 25. Okt. Ein Marmorblock von 140 Centnern, wohl der groͤßte, der seit langen Jahren uͤber die Alpen gekom— men, wurde vorige Woche im Atelier von Schwanthaler abgela⸗ den. Er ist bestimmt fuͤr das Denkmal des Deutschen Kaisers, Rudolph von Habsburg, welches der Koͤnig Ludwig von Bayern demselben uͤber seiner Grabesstaͤtte im Dome zu Speyer er— richtet. Zufolge Allerhoͤchster Entschließung vom 14. Oktober sollen die Aebte der Benediktiner⸗Stifte in Bayern jener Kategorie hoͤ⸗ herer Beamten gleich zu achten seyn, welchen verfassungsmaͤßig die Siegelmaͤßigkeit zusteht.
— — Frankfurt a. M., 29. Okt. Die Unterdruͤckung der Christinischen Insurrection in Spanien, so wie die beruhigende⸗ ren Nachrichten in Bezug auf den Mac Leodschen Prozeß verlie⸗ hen auch unserer Boͤrse wieder mehr Festigkeit und um so mehr, da sowohl von Paris, als auch von London hoͤhere Course eintraͤ— fen. Gleichwohl gingen die Fonds hier doch nicht in gleichem Grade in die Hoͤhe, da die Geld-Verhaͤltnisse unseres Platzes sich taͤglich unguͤnstiger gestalteten, der Diskonto auf 4 pCt., die Pro⸗ longation auf 5 pCt. stieg. Man sah deshalb mit viel Besorg⸗ niß der heute stattgehabten Abrechnung der Boͤrse fuͤr Monat Oktober entgegen und beschaͤftigte sich schon in den letz⸗ teren Tagen lebhaft mit den Vorbereitungen zu derselben. Gegen alle Erwartung lieserte aber die heutige Abrech⸗ nung sehr guͤnstige Resultate, und zwar dergestalt, daß sich schon um 1 Uhr Mangel in fast allen Fonds zeigte, lebhafte Nachfrage entstand und ein merkliches Steigen aller Gattungen eintreten mußte. Namentlich war dies bei den Taunus-Eisen— bahn⸗Actien der Fall, in welchen man großen Ueberfluß an Stuͤk⸗ ken besorgte, welche aber fuͤr ult. November mit 368 ½ Fl. bezahlt wurden. Allerdings wirkten die kontanten Einkaͤufe des Hauses von Rothschild und die Prolongationen, welche dieses Haus na— mentlich in Hollaͤndischen Integralen machte, sehr guͤnstig auf den Markt. Man hofft auch, daß die hiesigen Geld-⸗-Verhaͤltnisse sich bald wieder bessern werden, doch ist, aufrichtig gesagt, fuͤr die naͤchste Zeit wenig gegruͤndete Hoffnung dafuͤr vorhanden.
Der Baron Salomon von Rothschild wird am 7. November von hier nach Wien abreisen und beabsichtigt, im naͤchsten Fruͤh— jahr auf laͤngere Dauer nach Paris zu gehen.
Oesterreich.
Wien, 25. Okt. (L. A. S.) Die gestern erfolgte weitere Eroͤffnung der Wien⸗Raaber Eisenbahn von Wiener⸗Neustadt bis Neunkirchen (eine Post-Station) ging auf gluͤckliche und sehr feier⸗ liche Weise vor sich. Der erste Train, in welchem die Geladenen mitfuhren, bestand aus acht der auf dieser Bahn eingefuͤhrten ko⸗ lossalen Wagen und wurde von zwei Lokomotiven fortbewegt. Die Zahl der Mitfahrenden mochte 400 betragen, und der Zug, wel— cher von hier um 8 Uhr abging, legte die Strecke von Neustaͤdt bis Neunkirchen in 40 Minuten zuruͤck. Wenn diese Fahrzeit allerdings etwas bedeutender ist als gewoͤhnlich auf mit Maschinen befahrenen Eisenbahnen, so ist zu beruͤcksichtigen, daß die Steigung der Bahn mitunter 1:150, ja an einer Stelle 1: 135 betraͤgt, ein Verhaͤltniß, welches außer der Budweiser Pferdebahn bei keiner Eisenbahn in Deutschland und nur bei we— nigen in Europa vorkommt. Das Terrain ist uͤbrigens weder von Bergen noch Huͤgeln gehemmt, und nicht von Fluͤssen durch⸗ schnitten, im Ganzen sanft aufsteigend, und die Bahn laͤuft so niedrig gehalten fort, daß der Damm nirgend die Hoͤhe von 4 Fuß erreicht, wodurch die genannte große Steigung allerdings wenig bedingt ist. Die herrlichen Umgegenden, der Anblick des nahen majestaͤti⸗ schen Schneeberges und das zu Tausenden zusammengestroͤmte Land⸗ volk, namentlich aus den angraͤnzenden Steyrischen Gebirgen, gaben der Scene einen großartigen, malerischen Anblick. Im Bahnhofe zu Neun⸗ kirchen fand eine splendide Tafel statt, an welcher selbst die Passa⸗ giere, die gegen Bezahlung mitfuhren, Platz nehmen konnten. Ruͤckfahrt dieses Trains geschoeh um halb 1 Uhr und die Gaͤste trafen um 2½ Uhr im Wiener Bahnhof ein, so daß also dee ganze Fahrt in 1 Stunde und 45 Minuten vollendet wurde. sich CC“ hier angekommenen Train ereignete EEEb daß zwischen Gumpoldskirchen und Baden eine Wage ene Kuh mit dem Kalbe uͤber die Bahn rannte, vom be ch- und zermalmt wurde. acklicherweis⸗ Fim Beschäͤdigungen 1 dem Gleise, JZu theil voraber agentritten ꝛc. ging die 9
*%* Wien, 26. Okt. Ihre Majestaͤten der Kaiser und die Kaiserin werden I „Teacch. ereben in Schoͤn⸗ brunn verlassen und die Hofburg beziehen. Ihre Majestaͤt die Kaiserin⸗Mutter und Ihre Kaiserl. Hoheiten der Erzherzog Franz Karl und seine Gemahlin gedenken noch 8 bis 10 Tage in Schoͤn⸗
warme Wetter — das Thermometer zeigt taͤglich im Schatten
+ 14—15° — einladet. v“ Uebermorgen erwartet man hier die Ruͤckkehr des Paͤpstlichen Nuntius, Fuͤrsten Altieri, von seiner Urlaubsreise nach Rom.
Schweiz. ö
Zürich, 25. Okt. (A. Z.) Heute versammelt sich in Bern
die eidgenoͤssische Tagsatzung. Und schon laͤßt sich zum voraus berechnen, wie sich etwa die Abstimmungen gestalten moͤgen. Mehr Staͤnde, als man fruͤher erwartet hatte, werden sich durch die Aargauschen Konzessionen fuͤr befriedigt erklaͤren, mehr Staͤnde aber auch, als vorhergesehen worden war, die Herstellung aller Kloͤster, als allein dem Bundesrechte vollig entsprechende Maß⸗ regeln, fordern. Im letzteren Sinn werden stimmen: Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden, Zug, Freiburg, St. Gallen, Graubuͤndten Wallis und Neuenburg nebst Appenzell Inner⸗Rhoden, also 10 ½ Staͤnde. Diesen gegenuͤber werden sich fuͤr befriedigt erklaͤren: Bern, Aargau, Thurgau, Solothurn, Tessin, Schaffhausen, Gla⸗ rus, Waadt, Appenzell Außer⸗Rhoden und Baselland, acht und zwei halbe Staͤnde. Die einzig wahre Kraft die⸗ ser zweiten Gruppe und dieser Richtung ist in Bern zu fin⸗ den; denn Waadt sieht sich nur mit halbem Willen und halber Lust in diese Verbindung hineingezogen und ist nicht ungeneigt, mit Glarus sich einer mittleren Ansicht wieder anzunaͤhern. Aargau selbst aber ist in seinem Innern zerrissen; in den katho⸗ lischen Staͤnden Solothurn und Tessin finden sich die radikalen Regierungen im Widerspruch mit dem Volksgefuͤhl und sind jedenfalls gelaͤhmt. In der Mitte zwischen beiden Lagern stehen fuͤr einmal nur noch Zuͤrich und Genf. Ob es ihnen diesmal gelingen wird, eine Vermittelung zu Stande zu bringen? Man muß zweifeln. Ohne wenigstens einen jener 10 Staͤnde waͤre selbst dann keine Mehrheit denkbar, wenn Aargau von sich aus alle Forderungen Zuͤrichs befriedigte und dadurch die ganze Ge⸗ genpartei sich mit Zuͤrich, Genf und Basel vereinigte. Aber wird einer jener 10 Staͤnde sich damit befriedigen koͤnnen? Und wird von der anderen Seite Aargau offen und redlich nicht blos in der Klostersache, sondern auch in konfessionellen und politischen Ruͤcksichten der katholischen Bevoͤlkerung dieses Landes solche Zu⸗ gestaͤndnisse machen, die wahrhaft befriedigen? Ohne diese letzteren Schritte ist jene erstere Voraussetzung unmoͤglich. Und doch hat es noch gar nicht den Anschein, als ob man darauf hoffen koͤnnte. Auf dieser näͤchsten Tagsatzung wird es hoͤchstens dazu kommen, daß jene 10 Staͤnde mit Zuͤrich, Genf und Baselstadt vereint die bisherigen Konzessionen Aargau's fuͤr ungenuͤgend erklaͤren und so eine negative Mehrheit von 12 Stimmen bilden. Fuͤr alles Wei⸗ tere wird dagegen auch diesmal jeder Versuch einer Mehrheit an den Instructionen oder an dem Starrsinn der Partei scheitern.
— 2 Spanien. Bayonne, 21. Okt. 8 Cortes auf den naͤchsten 19. November (dem Namenstage Isa⸗ bellens II.) zusammenberufen werden sollen. An diesem Tage wuͤr⸗ den, aus Anlaß eben dieses Namensfestes, allen Karlisten ohne Ausnahme, weil sie an der Christinosschen Insurrection Theil zu nehmen sich geweigert haben, Amnestie ertheilt werden. Zwischen Alcala, Burgos und Vitoria soll eine Observations⸗Armee von 50,000 Mann aufgestellt werden, bis die Fueros⸗Frage der Nord Provinzen erledigt ist.
zeugung gewonnen, daß die Ruhe der Hauptstadt von keiner Ge⸗ fahr mehr bedroht sey, gestern von hier nach den Nord⸗Provinzen ab. Er ist von den Ministern des Krieges und des Innern be⸗ gleitet; der Marine-Minister hat interimistisch die Portefeuilles seiner beiden Kollegen uͤbernommen. Die National⸗Garde hat alle Posten der Stadt besetzt, denn es sind mit dem Regenten alle Truppen abmarschirt, mit Ausnahme von nur 300. Mann von dem Provinzial⸗Regimente „Toledo“. 8
Man spricht noch immer viel von dem ungluͤcklichen Diego Leon, der in Madrid viele Anhaͤnger zaͤhlte. Kurz vor seiner Hin⸗ richtung richtete er noch ein Dankschreiben an den General Ron⸗ cali, welcher seine Vertheidigung vor dem Kriegsgerichte gefuͤhrt hatte. Man hofft, daß sich die Regierung mit dieser Hinrichtung begnuͤgen und den anderen kompromittirten Personen ein mildes Loos zufallen lassen werde.
Es finden noch immer zahlreiche Verhaftungen statt. Gestern wurde ein reicher Grundbesitzer aus Cadix, Namens Jose Vicenti Durena, verhaftet. Er war erst vor kurzem von Paris gekom— men und soll von dem insurrektionellen Comité, das seinen Sitz in der Hauptstadt Frankreichs hat, mit einer geheimen Mission beauftragt gewesen seyn; wie es heißt, hat man bei ihm Briefe des Grafen Toreno und mehrerer anderer Personen gefunden.
Aus Andalusien sind befriedigende Nachrichten eingegangen. Dem Christinischen General Narvaez ist es nicht gelungen, eine Bewegung zu Stande zu bringen; es heißt, er sey nach Gibral⸗ tar zuruͤckgekehrt; Andere aber behaupten, er halte sich bei Ali⸗ cante verborgen. In Cadix ist, in der naͤmlichen Weise, wie in Barcelona, eine Junta niedergesetzt worden, und in den meisten Staͤdten der suͤdlichen Provinzen scheint man diesem Beispiele fol⸗ gen zu wollen. Der Regent soll nicht ohne Besorgniß uͤber die Bildung dieser Junta's seyn und die Cortes schleunigst einberufen wollen, um einen uͤbergroßen Einfluß der Exaltados der Provinzen zu verhindern. — . 1
Ein Dekret des Regenten vom 17ten verleiht saͤmmtlichen Soldaten der Garnison von Madrid und allen National⸗Milzen so wie den Buͤrgern, welche in der Nacht vom Ltag — der Ver⸗ theidigung der Constitution Theil genommen, das E hrenkreuz.
Im Espectador, einem Journal der Eö12 man: „Die hoͤchste Civil⸗Behoͤrde von Madrid hac 28 Nacht vom l2ten eine Haussuchung bei dem Grafen von Holentinos veran⸗
88Eö üͤberall auf den Wegen nach Frank⸗ laßt. Man versichert, daß uͤl v keich, Andalusien und Portugal von 498 Mehbe en energische und Feg ßige Maßregeln ergriffen worden seyen, auch hat, dem “ nach, der politische Chef in Bezug auf diefenigen Per⸗ “ 1H Madrid seit den Ereignissen in der Nacht vom 7ten verlassen und sich verborgen halten, solche Anordnungen getroffen, die Alle, welche bei der Erhaltung der Ordnung und des gegen⸗ waͤrtigen Zustandes der Dinge interessirt sind, zufriedenstellen muͤs⸗ sen. Die constitutionellen Alkaͤlden thun ihre Pflicht und die ganze Munizipalitaͤt verdient fortwaͤhrend die Segenswuͤnsche des Volkes, das sie repraͤsentirt.“ G
Dem Moniteur parisien wird aus Perpignan ge schrieben: „Der Gemeinde⸗Rath von Valencia hat sich mit dem von Barcelong in Communication gesetzt. Die Ueberwachungs Maßregeln waͤhren fort. Die Ruhe war in der Provinz nicht
gestoͤrt worden.
O Madrid, 19. Okt. Diesen Vormittag elf Uhr ist Espar tero mit seinem Generalstabe von hier zur Nord⸗Armee abgegan
brunn zu verweilen wozu das fuͤr diese Jahreszeit ungewoͤhnlich gen. Er nahm die hier befindliche, sonst zur Bedeckung der Koͤ⸗
Aus Madrid vernimmt man, daß die
Madrid, 20. Okt. Der Regent ging, nachdem er die Ueber⸗
nigin bestimmte Garde⸗Kavallerie mit sich, und hat die Hauptstadt so wie die Koͤnigin und deren Schwester ihrem Schicksal und der ausschließlichen Ubhut der National⸗Miliz uͤberlassen. Die Trup⸗ pen, die noch hier waren, gingen bereits vorgestern und gestern nach dem Norden ab. Der vertraute Rathgeber Espartero's, Ge⸗ neral Linage, begleitet ihn, und auch der Kriegs⸗Minister, so wie der des Innern, folgen dem Hauptquartier, waͤhrend die uͤbrigen Minister hier zuruͤckgeblieben sind. Gestern ließ Espartero ein an die Nation gerichtetes Manifest bekannt machen, in welchem er seinen Entschluß, zur Armee abzugehen, ankuͤndigt, den Sieg als unzwei⸗ felhaft darstellt, und die Nation zu allgemeiner Bewaffnung auffordert. (Vergl. Staats⸗Ztg. No. 303.) Dieses weitschweifige Aktenstuͤck ist aus der Feder des bekannten Herrn Marliani geflossen, welchem die Koͤnigin Christine einst eine vertrauliche Sen⸗ dung nach Deutschland uͤbertrug. Der General Seoane ist seit gestern General-Capitain von Madrid. Der In⸗ fant Don Francisco de Paula hatte sich, ohne seine Familie, und nur von dem Grafen Parsent begleitet, von Bayonne nach Jaca begeben, um uͤber Saragossa hierher zu kommen, indem ihn der Courier, der ihm den Befehl, die Spanische Graͤnze nicht zu uͤber— schreiten, uͤberbringen sollte, bereits auf Spanischem Gebiet an⸗ traf. Die Regierung hat ihm jedoch andeuten lassen, vorlaͤufig in Saragossa, wo er sehr kalt empfangen wurde, zu verbleiben. Vor⸗ gestern fruͤh traf Espartero's Gemahlin in der groͤßten Eile und ganz unerwartet hier ein. Auf ihrer Ruͤckreise uͤber Cartha⸗ gena und Murcia lief sie Gefahr, von den erbitterten Ein⸗ wohnern gemißhandelt oder als Geißel zuruͤckbehalten zu werden. Bei ihrer Ankunft hierselbst wurde sie ohnmaͤchtig aus dem Wa⸗ gen gehoben.
Der Zustand des Landes laͤßt sich mit einem Worte schildern. Es herrscht das Schreckens-System der Volks⸗ Junten. Die Regierung aͤußert ihre Wirksamkeit kaum noch innerhalb der Hauptstadt. Seit der Nacht des Ften sind alle Thore Madrids geschlossen, und nur sehr beguͤnstigten Personen wird es gestattet, die Stadt zu verlassen. Bei Nacht werden Haussuchungen vorgenommen, um verdaͤchtigen, sich ver⸗ borgen haltenden Personen auf die Spur zu kommen. Gestern verbreitete sich allgemein das Geruͤcht, die Patrioten wuͤrden ei— nen Angriff gegen das Hotel der Franzoͤsischen Botschaft unter— nehmen, weil der General Concha sich darin verborgen halte. In Folge dieses Geruͤchtes begab sich der Französische Geschaͤftstraͤger, Herr Pageot, zu dem Minister⸗Praͤsidenten, und machte ihn muͤnd⸗ lich und mit Ueberreichung einer Note fuͤr die Folgen, welche eine solche Verletzung des Voͤlkerrechtes nach sich ziehen wuͤrde, verant⸗ wortlich. Der Minister erklaͤrte dagegen, er habe bereits alle Maßregeln getroffen, um jeder gegen die Franzoͤsische Botschaft gerichteten Bewegung vorzubeugen, oder sie sogleich im Entstehen zu unterdruͤcken. Uebrigens bemerkt man keine zum Schutz des erwaͤhnten Hotels getroffene Anstalten, eben so wenig aber Spu— ren von einem bevorstehenden Angriffe. Die Blaͤtter, welche bis- her unter dem Schutze der Preßfreiheit der Regierung die Oppo⸗ sition machten, sind natuͤrlich seit dem 8ten verstummt oder ganz eingegangen.
Unverholener als in der Hauptstadt, stellt sich der Terrorismus in den Provinzen dar. Ueberall verwandeln sich die bestehenden
Provinzial⸗Deputationen und Munizipalitaͤten in souveraine Si⸗ cherheits- und Aufsichts⸗Junten (juntas de defensa y vigilancia).
Die Junta von Barcelona erklaͤrt geradezu, sie sey die hoͤchste Behoͤrde und nehme von Niemandem Befehle an, und an der Spitze dieses comité de salut public steht der Chefe politico, der Stellvertreter der Regierung. Die Junta verkuͤndigt, das Blut der „Verraͤther“ solle stromweise fließen. Vorlaͤufig befiehlt sie, daß keinem der amnestirten Karlisten, die die Waffen niederleg— ten, oder im Vertrauen auf die Zusicherung der Regierung aus Frankreich zuruͤckkehrten, die Rechte der Buͤrger zugestanden wer— den sollen. Wer muͤndlich Nachrichten aussprengt, die zu Gunsten der Gegner Espartero's lauten, soll sogleich erschossen werden. Die Einwohner Barcelona's, welche, von Furcht getrieben, die Stadt oder das Land verließen, und nicht binnen 48 Stunden zuruͤckkehren, verlieren ihr zuruͤckgelassenes Vermoͤgen. Den Ein— wohnern, deren politische Gesinnungen verdaͤchtig, das heißt, die wegen ihres Reichthums bekannt sind, werden Zwangssteuern von 10,000, 5000 ꝛc. Piastern auferlegt, die auf der Stelle ent⸗ richtet werden muͤssen. Ein in Barcelona erscheinendes ministerielles Blatt (el Constitucional) behauptet, die Bewegung in den Baskischen Provinzen sey von Frankreich angestiftet, und sagt dann: „Was beabsichtigt Ludwig Philipp? Welchen Erfolg denkt er aus der Wiederbelebung des Buͤrgerkrie— ges in der Halbinsel zu ziehen? Blutvergießen? Nun wohl, Blut soll vergossen, stromweise vergossen werden, aber er moͤge bedenken, daß dieses Blut den Samen unserer kuͤnftigen Freiheit anfeuchten duͤrfte; er moͤge Sorge tragen, daß nicht alles Blut auf Koͤpfe fallen moͤge, die es nicht verdienen, unverletzlich zu EI
Die Republikaner sichern fortwaͤhrend fuͤr jetzt der Regierung ihre Unterstuͤtzung zu. „Fuͤr jetzt“, sagt der Huracan vom 18ten, „unterstuͤtze unsere Partei die Regierung als Avantgarde gegen die Retrograden; wir muͤssen diese besiegen, um zugleich an der spaͤteren Besiegung Anderer zu arbeiten.“ Dasselbe Blatt sagt heute: „Waͤren die Toͤchter Ferdinand's bei dem gegen den Pa⸗ last unternommenen Versuch umgekommen, so wuͤrden wir sie be— dauert haben, weil sie unschuldig waren. Allein ihr Ungluͤck wuͤrde uns nicht mehr erschuͤttert haben, als wenn zwei andere Abkoͤmm⸗ linge des geringsten Lasttraͤgers umgekommen waͤren.“
Das wegen des Attentats vom F7ten niedergesetzte Kriegsgericht ist fortwaͤhrend thaͤtig. Der Brigadier Norzagarey, dem man nichts Anderes nachweisen konnte, als daß er am Abend des 7ten den General Leon aufgesucht hatte, wurde gestern zu sechsjaͤhri— gem Gefaͤngniß und Verlust aller seiner Wuͤrden verurtheilt. Mehrere Damen des Palastes sind vorgestern verhaftet worden; wie es heißt, weil sie einigen Offizieren in jener Nacht die Flucht erleichterten. 1
Die Truppen, die von hier nach dem Norden marschirten, befin⸗ den sich fast ohne Offiziere. Seit dem 7ten wurden allein von e erten Garde⸗Regiment uͤber 170, und von der schwachen Garde⸗Kavallerie 48 Offiziere, von Obersten- bis Lieutenants⸗ I weiteres verabschiedet. Im Ganzen haben uͤber 500 Offiziere der Infgmeeris ein gleiches Schicksal erlitten. Die Mehr⸗ zahl dieser dem Elend und dem Rachegefuͤhl preisgegebenen Offi⸗ ziere befindet sich hier in Madrid. Dagegen hat Espartero die Sergeanten des ersten Garde⸗Regiments zu Offizieren befoͤrdert obgleich, der bestehenden Einrichtung zufolge, die Ser 4 8
-S 5 Wtung ge, die Sergeanten nicht in der Garde selbst vorruͤcken koͤnnen sondern fuͤr diesen Fall als Offiziere in die Linie uͤbertreten. 4 8 Die Regierung hat vermittelst Dekrets vom 17ten die Canta⸗ brische Kuͤste, von Castro Urdiales bis Fuenterrabia, mit Aus⸗ schluß dieser beiden Haͤfen und derer von Guetaria, St. Se⸗ bastian und Passages, in Blokade⸗Zustand erklaͤrt. Diese Verfuͤgung wird den fremden Maͤchten angezeigt werden.
1351
Den 20. Oktober (fr uͤh). Die Gaceta von heute ent⸗ haͤlt ein Dekret von gestern, in Folge dessen die fremden Schiffe, die sich in den blokirten Haͤfen seit dem Zeitpunkte, von welchem an das Dekret vom 17ten in Kraft tritt, befinden, nicht in den Art. 1 der Instruction eingeschlossen seyn sollen, sondern frei aus den blokirten Haͤfen auslaufen koͤnnen. Die fremden Schiffe, welche ihre Richtung nach den blokirten Haͤfen nehmen, ohne von dem Blokade⸗Zustand unterrichtet zu seyn, unterliegen keiner Strafe, falls sie nicht davon benachrichtigt worden sind, selbst wenn sie in den blokirten Hafen einlaufen sollten. Die Fahrzeuge, welche in Kenntniß gesetzt worden sind, daß sie in die erwaͤhnten Haͤfen nicht einlaufen koͤnnen, duͤrfen ihre Richtung nach irgend einem anderen Spanischen Hafen nehmen, allein sie duͤrfen dort keine verbotene Waaren ausladen. G 8
Gestern sind uns endlich die Pariser Posten vom 3ten bis 8ten zugekommen, jedoch sind nur wenige Briefe ausgegeben wor⸗ den. Ueberhaupt beobachtet die Regierung ruͤcksichtlich alles dessen, was jenseits des Ebro vorgeht, das tiefste Stillschweigen, und daher kreuzen sich die widersprechendsten Geruͤchte. Am 17ten er— hielt die Regierung einen von ihrem Gesandten in Paris abge⸗ fertigten Coürier, und es verbreitete sich das Geruͤcht, jene sey mit dem Benehmen des Herrn Olozaga nicht ganz zufrieden, und habe ihm vorgestern durch einen Courier seine Entlassung zuge⸗ schickt. Mittlerweile traf gestern Nachmittags aufs neue ein von demselben Gesandten in der Nacht vom 13ten abgefertigter Cou⸗ rier hier ein. Gleich nach seiner Ankunft ließ der Minister⸗Praͤ⸗ sident den Franzoͤsischen Geschaͤftstraͤger zu einer Konferenz ein⸗ laden, in deren Folge letzterer diesen Mittag einen Courier nach Paris abfertigt. Die dorthin bestimmten, oder von dorther kom⸗ menden Couriere der Spanischen Regierung, so wie die der Eng⸗ lischen Gesandtschaft, nehmen jetzt ihren Weg uͤber Saragossa und Jaca.
Glaubwuͤrdigen Nachrichten zufolge ist es dem General Concha und Oberst⸗Lieutenant Nuvilas gelungen, nach Portugal zu entkommen.
Der Brigadier Orive, Chef des Regimentes Reina Goberna⸗ dora, hat sich zwischen Zamora und Leon mit einigen Com⸗ pagnieen zu Gunsten der Koͤnigin Marie Christine erklaͤrt und sucht die Nord-Provinzen zu erreichen. 8
Alle Provinzial⸗Miliz⸗Regimenter sind zu den Waffen gerufen worden und marschiren auf Burgos. Die Absicht der Regierung ist, 80,000 Mann am Ebro zusammenzuziehen. Rodil stand mit seiner Division Avantgarde am 16ten in Aranda de Duero. Der General Aleson steht mit 7 Bataillonen in Miranda de Ebro, und Zurbano hielt am 16ten bereits Armisiac und la Puebla (auf der großen Straße, die von Miranda nach Vitoria fuͤhrt) mit 2 Bataillonen, einer Schwadron und einer Batterie besetzt.
Der General-Capitain von Catalonien, der am 11ten mit 3 Bataillonen Infanterie, einem Regimente Kavallerie und einer Batterie Artillerie ausruͤckte, wird heute in Saragossa eintreffen, um von dort nach Navarra zu marschiren.
Hier glaubt man allgemein, daß der Aufstand im Norden ohne große Anstrengung und selbst ohne bedeutendes Blutver⸗ gießen unterdruͤckt werden werde. Ob damit aber zugleich eine dauerhafte Regierung und eine allgemeine Zufriedenheit hergestellt werden koͤnne, ist eine andere Frage. Der Parteienkampf wird wuͤthender wie bisher fortdauern, da die Progressisten mit einem Anschein von Recht ihren ganzen Zorn an ihren Gegnern aus⸗ lassen werden. Die Elemente zur endlichen Beruhigung dieses Landes liegen jenseits der Graͤnzen desselben.
Die Progressisten bestehen auf schleunige Einberufung der Cortes, die, zufolge der Constitution, am 1. Dezember zusammen⸗ treten muͤssen.
Heute erwartet man hier den Infanten Don Francisco.
Nachschrift. 20 sten Aben ds. Herr Olozaga hat unter dem 10ten aus Paris der hiesigen Regierung gemeldet, daß er an jenem Tage sich der Koͤnigin Marie Christine vorgestellt habe, um ihr mehrere bei ihm eingetroffene Briefe ihrer erlauchten Toͤchter zu uͤberreichen. Bei dieser Gelegenheit haͤtte er die Koͤnigin be— fragt, ob sie wirklich den General O'Donnell zum General⸗Capi⸗ tain von Navarra und den Baskischen Provinzen ernannt habe, und Ihre Majestaͤt haͤtte dies durchaus gelaͤugnet und ihn aufge— fordert, ihm das Gegentheil zu beweisen. Vertraulich soll Herr Olozaga jedoch angedeutet haben, die Gesinnungen der Koͤnigin Christine seyen ihm hoͤchst verdaͤchtig.
Türkei.
Konstantinopel, 13. Okt. (Oest. B.) Am 8ten d. M. ist der Ottomanische Botschafter am Pariser Hofe, Reschid Pascha, auf dem Franzoͤsischen Dampfboote abgereist, um sich uͤber Malta und Marseille, auf seinen Posten zu begeben. Mit derselben Ge⸗ legenheit ist der Koͤnigl. Sardinische Geschaͤftstraͤger, Marquis Pareto, auf Urlaub nach Turin abgegangen.
Am 9ten d. M. hat der Koͤnigl. Preußische Gesandte, Graf von Koͤnigsmark, auf dem Dampfboote des Oesterreichischen Lloyd „Arciduca Lodovico“ seine Urlaubsreise angetreten. Er gedenkt, seine Quarantaine in Triest zu bestehen, und dann, uͤber Wien, die Reise nach Berlin fortzusetzen. Waͤhrend seiner Abwesenheit fuͤhrt der Legationsrath von Wagner die Geschaͤfte der Preußi— schen Gesandtschaft.
Am 10ten d. M. ist der Koͤnigl. Großbritanische Botschaf⸗ ter, Lord Ponsonby, auf dem Dampfboote „Acheron“ nach Malta abgegangen, worauf der Botschafts⸗Secretair, Herr Bankhead, in der Eigenschaft eines bevollmaͤchtigten Ministers, die Botschafts⸗ geschaͤfte uͤbernahm.
In Folge der am 11ten d. M. stattgefundenen Geburt einer großherrlichen Prinzessin wurde gestern um 11 Uhr Vormittags ein Hattischerif, wodurch dieses erfreuliche Ereigniß verkuͤndet wird, durch den Daruͤs⸗-Saadet Agassi (Obersten der schwarzen Ver— schnittenen) zur hohen Pforte gebracht, und daselbst in Beiseyn saͤmmtlicher Staats⸗Beamten feierlich verlesen. Der neugebore⸗ nen Prinzessin wurde der Name Neire (die Leuchtende) beigelegt. Drei Tage hindurch wurden, wie bei fruͤheren aͤhnlichen Anlaͤssen, fuͤnfmalige Salven von den Batterieen des Bosporus und den Tuͤrkischen Kriegsschiffen gegeben.
Einige Delegirte der schismatisch⸗Armenischen Zuͤnfte wurden wegen ihres ungebuͤhrlichen Benehmens bei Gelegenheit der gegen ihren Patriarchen (der bekanntlich abgesetzt wurde) vorgebrachten Beschwerden zeitweilig aus der Hauptstadt verwiesen.
Hadschi Ali Pascha, Statthalter der heiligen Staͤdte Mekka und Medina, ist mit Tode abgegangen.
General Jochmus ist zum Busch⸗Muallim (Iustructeur en chef) der Tuͤrkischen Armee, mit dem Range eines Feriks oder Divisions⸗Generals, ernannt und als solcher dem Seriasker⸗Pascha beigegeben worden.
Der Koͤnigl. Franzöosische Botschafter, Graf von Pontois, wel⸗ cher taͤglich dem Eintreffen seines Urlaubs entgegensieht, hat bereits heute dem Minister der auswaͤrtigen Angelegenheiten, Rifaat Pascha, seinen Abschieds⸗Besuch abgestattet. 8
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gung des
Inl and.
8es „ 20. Okt. Die seitherige Frequenz der Koͤln⸗Aachener (Rheinischen) Eisenbahn hat den davon gehegten Erwartungen voͤllig entsprochen. Durchschnittlich fuhren auf jedem Zuge, der sich zwischen den beiden Staͤdten bewegte, vierhundert Personen, was ein aͤußerst guͤnstiges Resultat ist, da selbst in Belgien nur eine Durchschnittszahl von 88 Personen auf jedes Konvoi gerech⸗ net wird. Die Duͤsseldorf⸗-Elberfelder Bahn hat ebenfalls eine sehr befriedigende Frequenz. Ihre Laͤnge von 4 Meilen wurde
taͤglich 4 bis 5mal hin und zuruͤck befahren, so daß auf derselben
eben so viel Meilen taͤglich gefahren wurden, wie auf der Rhei⸗
nischen Eisenbahn, auf welcher die 9 Meilen lange Strecke von Koͤln bis Aachen nur zweimal taͤglich hin und zuruͤck befahren wurde. Waͤhrend nun auf der Duͤsseldorf⸗Elberfelder Bahn in demselben Zeitraume eben so viel Meilen befahren wurden, als auf der Rheinischen, hat letztere doch in gleicher Zeit einen dop⸗ pelt so großen Geld-Ertrag geliefert. Im Sommer, wo taͤglich drei Personen⸗Zuͤge stattfinden werden, wird die Einnahme natuͤr⸗ lich auch noch um so staͤrker seyn. Indessen kann der Haupt⸗Effekt der Bahn erst in ungefaͤhr anderthalb Jahren, nachdem sie ganz fer⸗ tig und mit Belgien in Verbindung seyn wird, recht augenfaͤllig werden; bis dahin ist dieselbe immer nur noch als im provisori
schen Betriebe und als im Bau begriffen zu betrachten.
Die letzten Augenblicke des Generals Don Diego Leon, Grafen von Belascoain.
„O Madrid, 20. Okt. Gegen zwanzig brave, ihrer Koͤnigin treu ergebene Generale sielen im Laufe des Spa— nischen Buͤrgerkrieges durch die meuchlerischen Haͤnde ihrer eigenen Untergebenen oder des Volkes. Dem Bravsten unter den Braven, dem letzten Ritter Spaniens, war das Schicksal vorbehalten, auf den Befehl eines alten Waffen⸗ genossen, der sich an die Stelle jener von Leon mit blinder Treue vertheidigten Koͤnigin gesetzt hatte, von seinen fruͤheren Untergebe⸗ nen erschossen zu werden. Der Held, den die Kugeln des Fein⸗ des, wie der Stachel der Verleumdung verschont, der nach keinem anderen Ziele, als dem Namen eines wackeren Ritters, eines bie⸗ deren Vasallen, eines politischen Intriguen fern stehenden Offiziers, getrachtet hatte, er, den seine Genossen bewunderten, waͤhrend der Einzige, den die Laune des Schicksals uͤber ihn stellte, ihn benei⸗ dete und im Stillen haßte, ist einem Unternehmen zum Opfer ge⸗ worden, in welches er sich aus blindem Pflichtgefuͤhl und von dem Wahne, der Retter seines Vaterlandes zu werden, getrieben, nur den Werth der Sache, nicht das Maß seiner Kraͤfte erwaͤ⸗ gend, zu seinem Verderben stuͤrzte.
So lange Leon als Divisions⸗General unter den Befehlen Espartero's stand, mißbilligte er zwar unverholen dessen Bestreben, die Koͤnigin Christine von der Regentschaft zu verdraͤngen, aber, den Befehlen der Subordination getreu, unterwarf er sich zaͤhne⸗ knirschend seinen Vorschriften. Espartero, zur Regentschaft gelangt, wagte nichts gegen den Bravsten der Armee, gegen den Mann den er selbst fuͤr den Murat Spaniens erklaͤrt hatte, zu unter nehmen. Er begnuͤgte sich damit, ihn in Unthaͤtigkeit zu versetzen. Leon machte eine Reise nach Paris, und nahm dann in Madrid, wo die Familie seiner Gemahlin wohnt, seinen Aufenthalt. Er, wie so viele Andere, betrachtete die Niederlegung der Regentschaft Marie Christinens fuͤr erzwungen, ohne dem neuen Regenten ein Geheimniß aus diesen Gesinnungen zu machen. Um so mehr mußte er es fuͤr seine Pflicht halten, an der Wiederherstellung der Koͤnigin Regentin zu arbeiten, als ihm, wie es scheint, von ihr selbst direkte Aufforderungen zukamen, sich an die Spitze des darauf gerichteten Unternehmens zu stellen. Das von ihm an Espartero gerichtete, auf seiner Flucht bei ihm vorgefundene Schrei⸗ ben, erweist deutlich, daß er seines Erfolges gewiß zu seyn glaubte, indem er darin seinen fruͤheren Waffenbruder auffordert, der Koöͤ⸗ nigin Christine die angemaßte Wuͤrde wieder abzutreten, und, zur Vermeidung des Buͤrgerkrieges, das Land zu verlassen.
Einem Manne wie Leon, dessen biederer Haͤndedruck fuͤr einen Wohlgesinnten beredter war, als die tausend taͤglich in der Ga⸗ ceta erscheinenden, an den „unuͤberwindlichen Degen“ gerichteten, Adressen, hatten die Feinde der Koͤnigin Christine laͤngst den Tod geschworen, und, nach seiner Gefangenschaft den Haͤnden der Na⸗ tional⸗Miliz ausschließlich uͤbergeben, konnte er auf gewissen furcht⸗ baren Tod rechnen, auch wenn hohen Lippen ein erheucheltes Wort der Gnade entflossen waͤre. Das permanente Kriegsgericht ver⸗ urtheilte ihn am 13ten mit vier Stimmen gegen drei zum Tode, und um Mitternacht erfolgte die Bestaͤtigung von Seiten des Re⸗ genten. Als diese dem General Leon verkuͤndigt wurde, gerieth er anfangs in eine so lebhafte Aufregung, daß 2 National⸗Milizen mit gespanntem Hahn ihn zur Seite gestellt wurden. Von nun an behielt er einen Geistlichen und seinen Vertheidiger, den jungen General Roncali, bis an sein Ende zur Seite. In dem ihm zum Gefaͤngniß dienenden aufgehobenen Kloster Santo Tomas blieb ein Bataillon National⸗Miliz zu seiner Bewachung, ein anderes hielt die dorthin fuͤhrenden Straßen besetzt, um einen etwaigen Versuch, ihn zu befreien, zu vereiteln.
Unterdessen konnten nur die blutgierigsten Menschen daran glauben, daß Espartero das Todes⸗Urtheil wuͤrde vollziehen lassen. Ein in der Nacht vom 7ten schwer verwundeter Offizier der Na⸗ tional⸗Miliz richtete selbst an den Regenten die schriftliche Bitte um Leon's Begnadigung. Ein Gleiches that der greise Beltran de Lys, der drei Soͤhne auf dem Schaffot verloren und selbst am Fuße desselben gestanden hatte. Eine aͤhnliche Bittschrift wurde unter der National⸗Miliz in Umlauf gesetzt, allein kaum mit eini⸗ gen Namen bedeckt, von dieser selbst in Stuͤcke gerissen.
Am Abende vor der Hinrichtung stellten sich die Graͤfin von Altamira und die Schwiegermutter Leon's, Marquisin von Zam⸗ brano, mit den beiden kleinen Toͤchtern des bei Huesca gefallenen Bruders des ungluͤcklichen Generals, im Koͤniglichen Schlosse ein, warfen sich der Koͤnigin zu Fuͤßen mit der Bitte, von dem Regenten des Reichs die Begnadigung zu erflehen, welche Ihre Maͤzjestaͤt selbst, in Betracht ihrer Unmuͤndigkeit, nicht gewaͤhren konnte. Alle Gegenwaͤrtigen, und namentlich der Offizier, welcher in der Nacht vom 7ten die Hellebardiere befehligt hatte, schlossen sich unter Thraͤnen dieser Bitte an, und eben ergriff die Koͤnigin eine Feder, um ihrem eignen Gefuͤhl nachzukommen, als die Gouver⸗ nantin, die Wittwe Mina's, ihr erklaͤrte, daß sie ohne Einwilli⸗ Vormundes nichts schreiben duͤrfe. Um diesen zu erwarten, stellte die Koͤnigin die beabsichtigte Spazierfahrt a- Herr Arguölles erklaͤrte bei seiner Ankunft, eine solche Bittschrift nicht befoͤrdern zu koͤnnen. 8 88
3 Rüfhnerr L. erste Schmerz, „der suͤßen Gewohnheit 88 ve. seyns“ entsagen zu muͤssen, uͤberwaͤltigt war, beschloß . zu sterben, wie er gelebt hatte. Nur der. EE“ Vhes Vater entlockte ihm Thraͤnen. Dann schrieb er Briefe un schlief
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