1841 / 305 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

dem Richtplatz auf seinem Lieb⸗ ings⸗Pferde reiten zu duͤrfen, wurde ihm abgeschlagen, sonstige Wuͤnsche zugestanden. Am 15ten ein Uhr Nachmittags sollte er vor dem Thore von Toledo, dem seinem Gefaͤngnisse zunaͤchst ge⸗ legenen, erschossen werden. In den dorthin führenden Straßen war ein Spalier National⸗Milizen gebildet, allein Madrid war veeroͤdet und wie mit einem Leichentuche bedeckt. Kurz vor v2 Leon in glaͤnzender Husaren⸗Uniform, mit den Großkreuzen von 8 Fernando, Carlos III., der Ehren⸗Legion geschmuͤckt, festen Gegeie. tes aus dem Gefaͤngniß und bestieg einen zuruͤckgeschlagenen gen. Neben ihn setzte sich sein Defensor General Roncalh, e gegenuͤber ein Geistlicher und der wachthabende S 878. tional⸗Miliz. Ein Wagen mit dem Sarge folgte und 8 9 pa dron National⸗Miliz umgab beide. Viele Leute sahen bei diese

Gelegenheit zum erstenmale den Mann, der, ein Musterbild maͤnn⸗ licher Schoͤnheit, mit seinem Loͤwenblicke die letzten

eine Stunde. Die Bitte, nach

Gruͤße an seine Bekannte umherwarf; aber schwer ist es zu sagen, voer G. Schmerz litt, denn die, welche ihn zum erstenmale erbli ten, sahen 2 Die bis zum letzten Augen⸗ ihn, wie Alle, auch zum letztenmale. Die bis z etz blicke allgemein herrschende Erwartung, ihn begnadigt zu sehen, 8 vöF“ Thore von Toledo hatte die National⸗Millz, ein nur nach einer Seite geoͤffnetes Viereck gebildet, S 88g die zwoͤlf Soldaten standen, die das Urtheil 8. Der 31 jährige Leon stieg aus dem Wagen und ͤberreichte sein 6 SX. .3,, Parienbild Dieses Bild“, sagte er, „gab Freunde Roncali ein Marienbild. „Dieses Due, ses mir meine Frau mit, als ich vor 8 Jahren in den Krieg - zog. Es hat mich vor allen Kugeln geschuͤtzt; b Krraft haben. Gieb es meiner Frau zuruͤck. Zei C Shel. Dann zog er einen Solitair vom Finger, glaͤnzend wie b“ Augen. „Bring diesen Ring an Espartero als ein Andenken von seinem ehemaligen Waffen⸗Gefaͤhrten.“ Dies war seine letzte an Roncali unter langer Umarmung gerichtete Verfuͤgung. 3 S trat er festen Schrittes vor die Soldaten, und sprach . Worte: „Ich war nie Verraͤther. Ich sterbe unschuldig. Mein einziger Wunsch ist, von neuem als gemeiner Husar in b alten Regimente meinem Vaterlande dienen zu C Dann eichtete er eigenhaͤndig ihre Flinten auf seine Brust. und sein Heaupt, und rief mit geöffneten Augen: „Es lebe Isabella II.! Feuer!“ Als die zitternden Soldaten nicht zu schießen wagten, rief er unerschrocken aus: „Ein braver Soldat gehorcht! Feuer!“ und... exoriare aliquis! Der General Roncali verfiel seit jenem Augenblick in Delirium, und ist noch nicht außer Gefahr. Er hat dem Regenten seine Entlassung und seine Ehrenzeichen eingeschickt.

Der Jäger⸗Bund in Nord⸗Amerika.

Als im Jahre 1837 ein Theil der Kanadischen Bevoͤlkerung in offene Rebellion ausbrach, was nicht sowohl in dem Plan der Raͤ⸗ delsfuͤhrer gelegen zu haben scheint, als vielmehr darin, daß der Gouverneur, Sir John Colborne, durch seine energischen Maß⸗ regeln den im Stillen schleichenden Aufruhr noͤthigte, die Maske abzuwerfen, da gab sich in den Vereinigten Staaten nicht gerin- ges Erstaunen kund: man hatte eine solche Rebellion, wenigstens

den naͤchsten zehn Jahren, noch nicht erwartet. Es koͤnnte Wunder nehmen, daß die Kanadischen Empoͤrer sich nicht dort nach Huͤlfe umsahen, aber die Antipathie der alten Franzoͤsischen

Oypposition in Nieder⸗Kanada, mit Papineau an der Spitze, war

in Hinsicht auf Motive, Ideen und Gefuͤhle weit staͤrker gegen ihre Amerikanischen Nachbarn, als die der loyalen Britischen Ka— nadier gegen die Franzoͤsischen Mißvergnuͤgten. So waren denn auch die Bewegung in Nieder⸗Kanada und das Unternehmen Mackenzie's in Ober⸗Kanada, was Analogie der Intentionen be⸗ trifft, zwei ganz verschiedene Ereignisse. Nachdem indeß die Graͤnz⸗ Bevöͤlkerung der Vereinigten Staaten sich von ihrem ersten Er⸗ staunen gesammelt hatte, fing sie an, den Kanadischen Aufruͤhrern Avancen zu machen. Bouchette wurde nach Swanton im Staate Vermont eingeladen. Eine große Menge Waffen und Munition, einiges Geschuͤtz, Proviant und Geld wurde ihm uͤbergeben, und unter einer Eskorte von 150 Kanadiern ging er damit uͤber die Graͤnze zuruͤck.

Ein Kanadischer Zimmermann, Namens Jones, der zu Mo⸗ sesquoi⸗Bai, dicht an der Graͤnze, drei Englische Meilen von Swanton, lebte, ließ in aller Eile sich einige Flinten von Mont⸗ real holen, bewaffnete seine Nachbarn, legte sich mit ihnen in ei⸗ nen Hinterhalt, nahm Bouchette gefangen, bemaͤchtigte sich seines Convois und zersprengte die Mannschaft. Dieser Jones ist der jetzige Capitain Jones, auf dessen Befehl der sogenannte Oberst Groͤgan, angeblich auf Amerikanischem Gebiet, aufgehoben wurde.

Nachdem Mackenzie's Unternehmen gegen Toronto mißlungen und er selbst in Buffalo angekommen war, fand die erste offene Demonstration des Sympathisirens von Amerikanischer Seite auf

Kavy⸗Island statt, aber noch bestand nichts, was einem fest or⸗ ganisirten Bunde glich; Privat⸗Geschenke und Subscriptionen wa⸗ ren die einzige Huͤlfe, welche geleistet wurde. Nach der Raͤumung von Navy⸗Island und dem Mißlingen mehrerer Unternehmun⸗ gen gegen die Inseln des Emir⸗Sees schienen die Kanadischen Rebellen sowohl wie ihre Amerikanischen Freunde, die sogenannten Sympathisirer, vollig entmuthigt. Mit der Ankunft Lord Dur⸗ ham's in Kanada begann, in Folge seiner versoͤhnlichen Politik und seiner hochherzigen, fast allgemeinen Amnestie, der alte Groll Lanz zu schwinden. Aber, ein geheimer Einfluß, eine zwar nicht siischtbare, aber fuͤhlbare Macht wirkte den edelsten Bemuͤhungen, eeereundüchsten Handlungen und der vernuͤnftigsten Po⸗ naͤmlich saiun Peneral⸗Gouverneurs entgegen. In diese Zeit ver's Lssociade,nnfang des sogenannten Jaͤger⸗Bundes (Hun- alion), eines geheimen Vereins, uͤber dessen Ursprung,

8 1352

Organisation und Fortschritte sich jetzt in Englischen Blaͤttern naͤ⸗ ere Mittheilungen besinden, denen wir das Nachstehende entlehnen. Ob diese Association in New⸗York oder Vermont entstanden, ob die Mackenzie’s, die Nelson's, die Caat's ihre Stifter waren, oder ob dieselbe auf den Vorschlag des Baron Frattelin oder des Chevalier de Lorimier gebildet wurde, ist nicht ermittelt; eben so wenig, ob sie ganz allein aus freiem Antrieb und Willen ihrer Begruͤnder hervorging, oder ob, wie Einige behaupten wollen, ein fremder Einfluß dabei mit im Spiel war. Letztere Behauptung scheint wohl in dieselbe Kategorie mit jener allzeitfertigen Fabel gestellt werden zu muͤssen, die in Frankreich jedes Attentat fuͤr eine Anstiftung der Polizei ausgiebt.

Im Mai 1838 wurden die ersten Logen oder Bruͤderschaften des Jaͤgerbundes errichtet, und ihre Vorsteher hießen Groß-Adler; als der fuͤr den Staat Vermont gewaͤhlte Groß-Adler wird der Amerikanische Buͤrger Brian genannt. Der Zweck dieses Vereins laͤßt sich am besten aus der Eidesformel ersehen, welche seine Mit⸗ glieder zu beschwoͤren hatten. Sie lautet woͤrtlich wie folgt: „Ich schwoͤre, so viel in meinen Kraͤften steht, in der ganzen Welt re⸗ publikanische Institutionen und Ideen zu foͤrdern, zu pflegen und zu vertheidigen und mich besonders der Verbreitung, Beschuͤtzung und Vertheidigung dieser Institutionen in Nord⸗Amerika zu wei⸗ hen. Ich verpfaͤnde dem Bunde mein Leben, mein Eigenthum und meine Ehre. Ich verpflichte mich seinem Interesse und ver⸗ spreche, daß ich bis in den Tod durch alle Mittel, die mein Vor⸗ gesetzter fuͤr angemessen erachten moͤchte, jedwede Macht oder Ge⸗ walt von Koͤniglichem Ursprung auf diesem Kontinent angreifen, bekaͤmpfen und vernichten helfen und besonders nimmer ruhen will, bis die Britischen Tyrannen keinen Fußbreit Landes oder sonstigen Stuͤtzpunkt mehr in Nord-Amerika besizen. So wahr Gott mir helfe!“ se Die Organisirung des Bundes besteht aus drei Hauptzwei⸗ gen, einer politischen, einer militairischen und einer finanziellen Ab⸗ theilung; diese drei Zweige sind wieder in mehrere Sectionen ge⸗ theilt. Die Klassifizirung der Mitglieder ist folgende: 1) Ein Groß⸗Sassanan oder Großmeister (Ober⸗Praͤsident). 2) Groß⸗ Adler (Praͤsidenten fuͤr die verschiedenen Staaten). 3) Adler (Grafschafts⸗Haͤupter). 4) Groß⸗Fuüͤhrer (Distrikts⸗Haͤupter). 5) Groß⸗Jaͤger (Orts⸗Haͤupter). 6) Ober-⸗Jaͤger (Logen⸗Vorsteher). 7) Jäaͤger, das heißt gewoͤhnliche Mitglieder des Bundes.

Die oberste Loge koͤnnte man das vollziehende und berathende Conseil des Sassanan nennen. Eine gewoͤhnliche Loge besteht aus 20 bis 30 gemeinen Jaͤgern, die einen Ober⸗Jaͤger zum Chef ha⸗ ben; 20 bis 30 solcher Ober⸗Jaͤger bilden eine Groß-⸗Jaͤger⸗Loge, 20 Groß⸗Jaͤger eine Groß⸗Fuͤhrer⸗Loge. Die Groß⸗Fuͤhrer sind Mitglieder einer Raths⸗Bersammlung des Adlers, waͤhrend zwei oder mehr Adler berathende Stimmen bei der unter dem Groß⸗ Adler in jedem Staate stehenden Leitung der Gesellschaft haben. Mißtrauen ist, wie man aus alledem entnehmen kann, das Prin⸗ zip dieser Organisation, und haͤtten die Statuten und die Diszi⸗ plin des Bundes in dem Maße und Umfang, wie es beabsichtigt war ausgefuͤhrt werden koͤnnen, so wuͤrde derselbe unfehlbar die traurigsten Folgen fuͤr die sozialen Verhaͤltnisse Nord⸗Amerika's gehabt haben.

Nach den Vorschriften der Gesellschaft soll jedes Mitglied, ohne Ruͤcksicht auf Rang und Beruf, sich mit einer Buͤchse oder Flinte, einem Degen oder Dolch versehen und stets vierzig Schuß Pulver in seiner Wohnung haben; außerdem sind folgende Bei⸗ traͤge zu zahlen: von einem gewoͤhnlichen Jaͤger 2 Cents woͤchent⸗ lich oder einen Dollar jaͤhrlich; von einem Ober⸗Jaͤger Cents waͤchentlich oder 3 Dollars jaͤhrlich; von einem Groß⸗Jaͤger 12 ½ Cents woͤchentlich oder 6 Dollars jaͤhrlich; von einem Groß⸗Fuͤh⸗ rer 25 Cents möchentlich oder 12 Dollars jaͤhrlich; von einem Adler 37 6 Cents woͤchentlich oder 16 Dollars jaͤhrlich; von einem Groß⸗Adler 50 Cents woͤchentlich oder 20 Dollars jaͤhrlich; von einem Sassanan 1 Dollar woͤchentlich oder 50 Dollars jäͤhrlich; dazu wird noch das Eintrittsgeld 1 Dollar und eben so viel bei der Wahl zu einem hoͤheren Range entrichtet.

Die ganzen Fonds stehen dem obersten Conseil zur Verfuͤ⸗ gung und werden insgemein zu folgenden Zwecken verwendet: zu

Anschaffung von Waffen und Munition fuͤr die aͤrmeren Mit—

glieder, die nicht im Stande sind, sich selbst dergleichen zu kaufen; zu Unterstuͤtzungen von Zeitungen und Flugschriften, die im In⸗ teresse der Association herausgegeben werden; zur Bezahlung von Emissaren, Vorlesungen und Briefporto und zur Ansammlung von Waffen, Kanonen und dergleichen.

Vor fuͤnf Monaten belief sich die Zahl der Logen in Maine auf 99, in Vermont auf 107, in New⸗York auf 283, in Michi⸗ gan auf 54, in Wisconsin auf 7, in Illinois auf 21, in Indiana auf 14, in Ohio auf 86, in Pennsylvanien auf 49, in Kentucky auf 11, in Virginien auf 21, in Maryland auf 16, in Delaware auf 2, in New⸗Persey auf 17, in Missouri auf 39, in Jowa auf 3, in Löouisiana auf 11, in New⸗Hampshire auf 78, in Ober⸗Ka⸗ nada auf 84, in Massachussetts auf 89, in Rhode Island auf 15, in Konnektikut auf 68; in Nieder-Kanada ist fast die ganze Bevoͤlkerung in solche Logen organisirt; in Neu⸗— Braun⸗ schweig giebt es ebenfalls ein paar Logen, und auch in anderen Theilen von Nord-Amerika findet man einige hin und her zerstreut; in den nicht namentlich aufgefuͤhrten Staaten soll sich deren Zahl auf 50 bis 100 belaufen. Die Zahl der waffenfaͤhigen Mitglieder des Bundes wird auf mindestens 80,000 und die Gesammtzahl der Mitglieder auf 120,000 geschaͤtzt. Die Fonds desselben sollen durch Schenkungen, außerordentliche Con— tributionen und strenge Sparsamkeit in den Jahren 1839 bis 1841 so angewachsen seyn, daß als zuruͤckgelegtes Kapital eine Summe von 300,000 Dollars angegeben wird.

Mehrere angesehene Amerikanische Staatsmaͤnner werden der Verbindung mit jener Association bezuͤchtigt, und die Angaben uͤber deren Ausbreitung verfolgen ihre Spuren bis auf den Euro⸗ paͤischen Kontinent. Die Mitglieder des Bundes gehoͤren nicht

Allgemeiner Anzeiger für die Preußisch 8 gemeiner Anzeiger für die Preußischen G 2) die Bela Hillel Mannheimer resp. deren Rechts nachfolger, wegen der Rubrica III. No. 17 ein⸗ getragenen 6715 Thlr. 3 Sgr. 10. Pf. 3) der Ober⸗Amtmann Kayser resp. dessen nachfolger wegen derselben Post, Hlaͤubiger elde 1 1842, Vormittags 4) der Zinngießermeister Emanuel Gottlieb Sat⸗ sung der Richtigkeit ihrer Anspruͤche zum Termine r 3 tig hier, jetzt seine Rechtsnachfolger, wegen der den 6. Dezember cr., fruͤh 9 Uhr, vor uns unter Raubrica III. No. 16 eingetragenen 1500 Thlr. der Warnung vorgeladen, daß die Ausbleibenden mit

Bekanntmachungen.

Nothwendiger Verkauf. „Ober⸗Landesgericht Naumburg. Das im Merseburger Kreise belegene Rittergut dc⸗ Teuditz, abgeschaͤtzt auf güͤtslich 62,237 Thlr. 15 Sgr. 8 Pf.,

27. April 1842, Vormittags 10 Uhr, an ordentlicher Gerichtsstelle subhastirt werden.

Alle unbekannte Reagl⸗Praͤtendenten werden aufge⸗ boten, sich bei Vermeidung der Praͤklusion spaͤtestens in diesem Termine zu melden.

Mahlmann.

“]

1“ 2 V

6 Pf.

Nothwendiger Verkauf bei dem Ober⸗Lan⸗ desgericht zu Glogau.

Zur Subhastation des im Glogauer Kreise belege auf = 25,481 Thlr. 12 Sgr. 8 Pf. landschaft⸗ e abgeschaͤtzten Gutes Mahnau ist ein Bietungs⸗ ermin auf den V ufolge der nebst Hypothekenschein und Bedingungen 8 Uhr, an ordentlicher Gerichtsstelle auf dem in unserer Registratur einzusehenden Tare, soll am Zugleicd ver Landesgericht anberaumt worden. ; - el de Zugleich werden hierzu die theils ihrem Aufent⸗oͤffentlich vorgeladen. ui ks e2 krggehe n. E

Tarxe, Hypothekenschein und Kaufbedingungen koͤn⸗ ihnen deshalb gegen die uͤbrigen Glaͤubiger ein ewi

halte, theils ihr ihrer L. 4 14 4 hrend der gewoͤhnlichen Amtsstunden in der ges Stillschweigen auferlegt werden soll.

Real⸗Interessenten, als: 1) der Handlungsdiene ;H gsdiener (Wilhelm) Lehmann, a

und der Rubrica III. N

Geschwister eingetragenen 5106 Thlr. 22 Sar

11. Mai

egitimation nach unbekannten ¹ nen waͤ

Registratur eingesehen werden. Adolph Carl Herrmann Registratur eingesehe

s Mithesitzer des Guts o. 26 fuͤr ihn und seine

Glogau, den 28. September 1841. Koͤnigl. Ober⸗Landesgericht. Erster Senat.

einer bestimmten Partei oder Klasse an, sondern man findet darin Maͤnner von allen Farben und Staͤnden: Gouverneure von Staaten der Union, Offiziere, Geistliche, Rechtsgelehrte, Land⸗ wirthe, Gewerbtreibende und Soldaten.

Meteorologische Beobachtungen.

Abends 10 Uhr.

Nachmittags Nach einmaliger

2 Uhr

1841. 31. Oktober.

Luftdruck... 336,24 Par. 337,40“ Par. 337,51 Par. Quellwärme 7/40 R. Luftwärme +. 6,40R. +— 7,20 R. + 6,0⁰ R. Fluasswürme 6,1°9 R. Thaupunkt. . + 5,3 °0R. + 5,4 + 5,5 °R. Bodenwärme 8,0⁰% R. Dunstsättigung 89 pCt. 85 pCt. 91 pCt. Ausdünstung 0,032, Rh. Wetter Regen. Regen. Regen. Niederschlag 0,061 Rh. Wind NW. NW. NW. Wärmewechsel + 7,3°. Wolkenzug.. NW. + 5,0°. Tagesmittel: 337,05“ Par. + 6,50 R. + 5,40 R. 88 pct. XW.-

Morgens 6 Uhr.

Beobachtung.

BeOi n e B S6 S 8

Den 1. NNovember 1841.

2r. Cour 116“ Pr. Cour. Geld. [SBrief.] Geld.

Pr. Cour.

Fonds. 8 Brief.

St. Schuld-Sch. 4

Pr. Engl. 0bl. 30. 4

Präm. Sch. der b Seehaudlung.

104114 V 103 ⁷1½ Bel. Pots. Eisenb. V 5 23 I 102 do. do. Prior. Act. 4 ½ 2 * Mgd. Lpz. Eisenb. 8 38 do. do. Prior. Acet. * Kurm. Schuldv. 3 ½ 102 Brl. Anh. Eisenb. 8 103 Berl. Stadt-Obl. 4 103 ¼ do. do. Prior. Aet. d0. 3 ½ Düss Elb. Eisenb. 92² ½ 91 . 48 do. do. Prior. Act. b 102 ¼ 102 ½ Khein. Eisenb. 93 ½ 92 ½ 105 01 1028 b

Ft. 132 10¹¼ 3 8 V 2 1019* Andere Goldmün-

88 zen à 5 Th.

1 Disconto

Elbinger Danz. do. in Th. Westp. Pfandbr. 3 ½ Grossb. Pos. do. 4 Ostpr. Pfandbr. 3 ½ Pomm. do. Kur- u. Neum. do. 3

Schlesische do. 3 ½

do. do. Prior. Act. V Gold al marceo

Friedrichsd'or

8

Auswärtige Börsen. Niederl. wirkl. Schuld 51½. Ausg. —. Zinsl. —.

90 5⁰, 40. 99 ¼.

Amsterdam, 28. 0lt. Preuss.

Kanz. Bill. 25 8. 5 % Span. 17 ½. Peüm. Sch. . I.. O’esterr. 104 .

Antwerpen, 27. Okt. Ziusl. 5. Neue Aul. 17¼ G.

Frankfurt a. M., 29. Okt. Oesterr. 5 % Met. 106 ¼ G. 4 98 ¾ 6. 2 ½ ½ 55 ½ Br. 1 24 15 Br. Bank-Act. 1855 1853. Partial-Obl. —. Loose zu 500 Fl. 137 ½. 136 ⅞. Loose zu 100 Fl. —. Preuss. Präm. Schb. 80 6. do. 49 Anl. 102 G. Poln. Loose 73 G. 5 ½ Span. Aul. 20. 19 ⅞. 2 ½ ½ MHoll. 49 ⁄. 499.

Eisenbahn-Actien. St. München-Augsburg —. Köln-Aachen 96 ½ Br.

Pasasive. —.

Germain —, Versailles rechtes Ufer —.

Strassburg -Basel —. Leipzig-

do. linkes —. Dresden 100 G. Hamburg, 30. Okt. Bank-Actien 1550 Br. Engl. Russ. 108. Paris, 27. 0kt. 5 % Rente fu cour. 115. 65. 3 % Rente fin

79. 60. Anl. de 1841 80. 85. 5 % Neapl. fin cour. 105. 30. 5 % Span. Rente 22 ½. Passive 5 ½. Wien, 27. oökt. 5 % Met. 105 ½. 4 ½ 98 ¼. Bank-Actien 1514. Aul. de 1834 136 ½. de 1839 107 ⅞.

cour,

24+Q%

24⁰ 910 3 0 2 0

Königliche Schauspiele.

Dienstag, 2. Nov. Im Opernhause: Der Freischuͤtz, Oper in 3 Abth., Musik von C. M. von Weber. (Herr Sondheim, vom Großherzoglichen Hoftheater zu Karlsruhe, Max, als Gast⸗ rolle. Dlle. Gruͤnbaum: Annchen.)

Im Schauspielhause: Par ordre: Le verre d'eau, ou: Les effets et les causes, comédie en 5 actes et en prose, du théätre français, par Scribe. (Mad. Delvil continuera ses dé- buts par le rêle de La Reine Anne.)

Mittwoch, 3. Nov. Im Schauspielhause: Egmont, Trauer⸗ spiel in 5 Abth., von Goͤthe. Musik von L. van Beethoven. (Herr Seydelmann wird hierin als Alba wieder auftreten.)

Donnerstag, 4. Nov. Im Opernhause: Mit Alllerhoͤchster Genehmigung: Zur Feier der vor hundert Jahren geschehenen Grundsteinlegung des Koͤnigl. Opernhauses: Große musikalisch⸗ dramatische Akademie, bestehend in einer Anthologie der Deutschen Opern⸗Musik, veranstaltet und ausgefuͤhrt von dem Gesammt⸗ Personale der Koͤniglichen Schauspiele. Die Einnahme ist wohl⸗ thaͤtigen Zwecken bestimmt.

Preise der Plaͤtze. Ein Platz in den Logen des ersten Ranges 1 Rthlr. 10 Sgr. ꝛc.

Die bereits eingegangenen Meldungen um Billets sind, so weit der Raum dies gestattet, beruͤcksichtigt worden, und wird er⸗ sucht, solche bis spaͤtestens Dienstog, den 2. November, Mittags, im Billet⸗Verkaufs⸗Buͤreau abzuholen, widrigenfalls uͤber dieselben anderweitig verfuͤgt werden muß.

Fuͤr die resp. Abonnenten werden die Billets ebenfalls bis zu dieser Zeit reservirt bleiben. 1

Donnerstag, 4. Nov. Im Schauspielhause: Der Oh⸗ Lustspiel in 5 Akten. Vorher: Der Bevollmaͤchtigte, Lustspie. v

Königstädtisches Theater.

Dienstag, 2. Nov. Zum erstenmale wiederholt: Der Mu⸗ latte, Lustspiel in 3 Akten, nach Melesville und Beauvoir, von Th. Hell.

Mittwoch, 3. Nov. (Italienische Opern⸗Vorstellung.) Otello, il moro di Venezia. Opera in 3 Atti. Musica del Maestro Rossini. (Signora Assandri: Desdemona.)

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Verantwortlicher Redacteur

er Deckerschen Geheimen Ober⸗Hofbuchdruckerei.

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102

e14“*“ Ueber den Nachlaß des hier am 14. Mai cr. ver⸗ storbenen Gastwirth Kunisch junior ist auf Antrag Rechts⸗ der Erben der Konkurs eroͤffnet worden, und werden⸗ saͤmmtliche Glaͤubiger zur Anmeldung und Nachwei

allen ihren Forderungen an die Masse praͤkludirt und

Auswaͤrti gen werden die Herren Justiz⸗Kommissarien v. Bae renfels zu Schweidnitz und Sturm hier als Manda⸗ tarien in Vorschlag gebracht. Freiburg in Schlesien, den 24. August 1841. Koͤnigl. Preuß. Stadtgericht.

Inhal t. Amtliche Nachrichten. Rustland und Polen.

Warschau. Vermischtes.

Frankreich. Paris. Differenzen im Ministerium in Bezug auf

die Eisenbahnen. Die Belgischen Zoll⸗Verhandlungen. Die politischen Gefangenen auf Mont St. Michel. Ueberschwem⸗ mungen der Rhone. Vermischtes. Brief aus Paris. (Be⸗ wegungen der Flotte; der Almanach populaire.) ““

Großbritanien und Irland. London. Geschenk der Koͤnigin fuͤr die nothleidenden Fabrik⸗Arbeiter. Erkrankung der verwitt⸗ weten Koͤnigin. Vermischtes.

Niederlande. Haag. Noch einige Stellen aus der Adresse der (Generalstaaten. Erwiederung des Koͤnigs in Bezug auf die Luxemburger Verhaͤltnisse. Aufenthalt des Grafen von Nassau im Loo. Fischerei auf der Schelde.

Belgien. Bruͤssel. Audienz der Buchdrucker beim Koͤnige.

Dentsche Bundesstaaten. Muͤnchen. Die Deutschen Bundes⸗ Generale. Stuttgart. Kommissionen der zweiten Kammer und neue Gesetz⸗Entwuͤrfe. Sondershausen. Die neue Ver⸗ fassung und die Landes⸗Kassen.

Schweiz. Bern. Eroͤffnung der Tagsatzung.

Italien. Neapel. Nachrichten aus Sicilien. Rom. Einzug des Papstes in den Vatikan. Bevorstehendes Konsistorium.

Spanien. Neutralitaͤt Frankreichs und Englands in den juͤngsten Haͤndeln. Vermischtes.

Portugal. Unterhandlungen mit Rom. Guerillas.

Türkei. Artikel der Tuͤrkischen Zeitung.

Ueber Gymnasial⸗Erziehung. (Erster Artikel.) Wissenschaft, Kunst und Literatur. B erlin. Musik in der Garnison Kirche.

Amtliche Uachrichten. Kronik des Tages.

Se. Majestaͤt der Koͤnig haben Allergnaͤdigst geruht:

Dem emeritirten Prorektor Grabowski zu Koͤnigsberg in Preußen und dem seitherigen Divisions⸗Prediger Schmidt in Luxemburg den Rothen Adler-Orden vierter Klasse; den beiden Schulzen Lintow zu Bardenitz und Barnack zu Jaͤnickendorf bei Zinna, so wie dem Kantor und Schullehrer Stumm zu Kandien bei Neidenburg, das Allgemeine Ehrenzeichen; auch den beiden Niederlaͤndischen Steuerleuten Jan Zwemmer und Engel Kooper zu Zandvoort die Rettungs⸗Medaille mit dem Bande zu verleihen; so wie

Den seitherigen Ober⸗Landesgerichts⸗Assessor, Freiherrn von Manteuffel auf Drahnsdorf, zum Landrath des Luckauer Krei⸗ vs, im Regierungs⸗Bezirk Frankfurt, zu ernennen.

8

Ihre Koͤnigl. Hoheiten der Prinz und die Prinzessin Albrecht und Hoͤchstderen Kinder, Ihre Koͤnigl. Hoheiten die Prinzessin Charlotte und der Prinz Albrecht, sind aus Schlesien hier eingetroffen. 8

Der beim Landgerichte in Koͤln angestellte Advokat⸗Anwalt Franz Karl Forst ist in gleicher Eigenschaft an den Appella⸗ tionsgerichtshof daselbst versetzt worden.

Abgereist: Der Koͤnigl. Großbritanische außerordentliche 8 8 2 . .—222 e 2 . Gesandte und bevollmaͤchtigte Minister am Koͤnigl. Daͤnischen

Hofe, Wynn, nach Muͤnchen.

Zeitungs-Nachrichten.

Ausland.

Rußland und Polen.

Warschau, 29. Okt. Der Minister Staats⸗Secretair des Koͤnigreichs Polen hat den Fuͤrsten Statthalter benachrichtigt, daß Se. Majestaͤt der Kaiser dem Polnischen Fluͤchtling Joseph Wasilewski, Sohn des verstorbenen Raths bei der Ober-Rech⸗ nungskammer, auf sein Gnadengesuch die Ruͤckkehr ins Koͤnig— reich verstattet hat.

Der Geheime Rath Fuhrmann, Mitglied des Administra⸗ tions⸗Raths und Praͤsident der Regierungs⸗Kommission der Finan⸗ zen, und der Ober⸗-Mundschenk, Senator Graf Wladislaus Bra— nizki, sind gestern von hier nach St. Petersburg abgereist.

Frankreich.

Paris, 28. Okt. Das Ministerium soll vor einigen Tagen aber⸗ mals auf dem Punkt gewesen seyn, sich aufzuloͤsen, und zwar in Folge er uͤber das große Eisenbahn⸗Projekt eingetretenen Meinungs⸗Ver⸗

jedenheit zwischen den Mitgliedern des Kabinets. Die Herren Soult,

ste, Cunin⸗Gridaine und Duperrer haͤtten erklaͤrt, daß man den mmern durchaus ein vollstaͤndiges Eisenbahn⸗System vorlegen isse, und die anderen Minister, mit Herrn Humann an der Spitze, haͤtten entgegnet, daß man sich in einem Augenblicke, wo sich der Staat im Desizit befinde, auf so betraͤchtliche Arbeiten nicht einlassen koͤnne. Der Vermittelung zweier hohen Personen sey es indeß gelungen, jede der beiden Parteien zu einigen Zuge⸗ staͤndnissen zu veranlassen, und es waͤre beschlossen worden, den Kammern vorlaͤufig nur den Plan zu zwei großen Eisenbahnlinien vorzulegen. 8

Die Konferenzen wegen Abschluß eines Handels⸗Traktats mit Belgien scheinen wieder aufgenommen werden zu sollen; aber statt daß bisher drei Kommissarien von jeder Seite an den Unterhand⸗ lungen Theil nahmen, soll jetzt nur jede Regierung von einem Kommissarius vertreten werden. Der Belgische Gesandte, Graf Lehon, wird als Unterhaͤndler fuͤr seine Regierung und Herr

Magnier von Maisonneuve, Direktor im Handels⸗Ministerium, fuͤr die Franzoͤsische Regierung auftreten

In Bezug gewordenen Bescht erden ) strenge Behandlung der Gefangenen auf dem Mont St. Michel aͤußert sich heute die Presse in folgender Weise: „Wir haben wenig Theilnahme fuͤr die Maͤnner, welche waͤhrend der ersten Jahre der jetzigen Regierung versuchten, dieselbe zu stuͤrzen. Wir trauen auch nicht sehr den Klagen, die man gegenwaͤrtig in ihrem Namen erhebt. Wenn wir hoͤren, wie man die Menschlichkeit zu ihren Gunsten anruft, so koͤnnen wir nicht umhin, daran zu den⸗ ken, in welche Trauer sie so viele Familien versetzt und wie viel Blutvergießen sie veranlaßt haben. Nichtsdestoweniger darf die Gesellschaft sich ihre unbarmherzige Wuth nicht zum Beispiel neh— men; es muß Menschlichkeit geuͤbt werden, selbst in Bezug auf diejenigen, die dieselbe am grausamsten verkannt haben; die Strenge der Strafbestimmungen darf, selbst gegen die groͤßten Ver⸗ brecher, nicht willkuͤrlich erschwert werden. Wir wuͤrden uns da⸗ her den Journalen, die in diesem Augenblicke das Ministerium draͤngen, sich in Betreff der angeblichen Grausamkeiten zu erklaͤ⸗ ren, denen die politischen Gefangenen auf dem Mont Saint Mi⸗ chel ausgesetzt waͤren, zugesellen, wenn wir nicht uͤberzeugt waͤren, daß die Explicationen, die man verlangt, vollkommen unnuͤtz sind. Wenn die Mißbraͤuche, woruͤber man sich beklagt, in der That existiren, so ist es die Pflicht der Regierung, dieselben untersuchen und auf das schleunigste abstellen zu lassen. Wenn jene Miß⸗ braͤuche aber nur in der Einbildung der Journale existiren, die so viel Laͤrm davon machen, so wuͤrden alle Explicationen nichts gegen die hartnaͤckige Boͤswilligkeit der Oppositions⸗Journale ver⸗ moͤgen, denn sie wuͤrden keinen Anstand nehmen, die ministeriellen Behauptungen fuͤr Luͤgen zu erklaͤren. Das Ministerium schweige daher und stelle die Uebel ab, wenn sie wirklich vorhanden sind.“ Heute hier eingegangenen telegraphischen Depeschen zufolge, ist das Rhone⸗Departement neuen Verwuͤstungen durch die Was⸗ serfluthen ausgesetzt. Die Rhone hat in der Nacht vom 25sten zum 26sten den Deich von Montfaucon und den, der von St. De⸗ nis nach Beaucaire fuͤhrt, durchbrochen. Die Ebene, die sich von letzterer Stadt bis zum Meere erstreckt, ist, wie im vorigen Jahre um diese Zeit, uͤberschwemmt. Der Praͤfekt des Gard-Departe— ments hat sich unverzuͤglich nach Beaucaire begeben. Bei Avignon ist die Rhone am 25sten d. so sehr gestiegen, daß die Haͤlfte der Stadt unter Wasser steht. Alle Maßregeln zur Huͤlfleistung wa⸗ ren getroffen. Den Depeschen aus Lyon zufolge, war auch dort die Rhone uͤbergetreten, und die Saone war sehr angeschwollen; heute meldet man indeß, daß die Rhone in ihr Bett zuruͤckgekehrt ist, und daß das Steigen der Saone aufgehoͤrt hat. Der Regen hatte aufgehoͤrt.

Es vergeht fast kein Tag, wo die Kommission des Pairsho⸗ fes nicht neue Verhaftungen vornehmen laͤßt. Die Zahl der als des Einverstaͤndnisses mit Quenisset verdaͤchtigen und deshalb ver— hafteten Personen belaͤuft sich schon auf 70; 30 davon sind indeß bereits wieder freigelassen worden.

Man hat bemerkt, daß der Graf Mols seit seiner Ruͤckkehr taͤglich in Saint⸗Cloud Privat⸗Audienzen beim Koͤnige hat.

Man giebt die Zahl der mit O'Donnell nach Frankreich uͤber⸗ getretenen Militairs auf 718 Soldaten, 48 Unteroffiziere, 40 Kor⸗ porale, 134 Lieutenants und 42 Stabs⸗Offiziere an.

Boͤrse vom 28. Oktober. Die Rente haͤlt sich fortwaͤh⸗ rend sehr fest, und obgleich keine steigende Bewegung stattfand, so war doch augenscheinlich Niemand zum Verkaufe geneigt. Man scheint zu glaͤuben, daß die Nachricht von der Freisprechung Mac Leod's noch vor der Liquidation in Paris eintreffen koͤnnte, und da sie ein starkes Steigen veranlassen wuͤrde, so will sich Niemand auf Blanco⸗Verkaͤufe einlassen. Die neue Anleihe stieg auf 80. 90, und man bemerkte, daß der Agent des Hauses Roöthschild viele Ankaͤufe machte. Man unterhielt sich an der heutigen Boͤrse lebhaft von der Entwaffnung unserer Land⸗ und See⸗Streitkraͤfte, und es hieß, der Moniteur wuͤrde in wenigen Tagen einen jene Maßregeln erklaͤrenden Artikel enthalten. Man fuͤgte hinzu, daß England schon Befehle abgesandt habe, um alle seine Truppen von der Syrischen Kuͤste zuruͤckzuberufen. Am Schlusse der Boͤrse vernahm man, daß der Regierung auf telegraphischem Wege die Nachricht von der Ankunft Espartero's in Pampelona zuge⸗ gangen sey. Die Truppen, welche sich noch in der Citadelle hiel⸗ ten, sollen sich gleich nach seiner Ankunft ergeben haben.

†† Paris, 28. Okt. Der Contre⸗Admiral Casy ist mit seiner Division, bestehend aus den Linienschiffen „Suffren“, „Jupiter““ „Scipion“ und „Triton“, aus dem Hafen von Toulon abgesegelt, um sich nach Brest zu begeben. Ist diese Maßregel eine Folge der Reclamationen Englands, welches schon lange daruͤber klagt, daß Frankreich eine uͤbertrieben starke Flotte im Mittellaͤndischen Meere halte und dadurch Großbritanien zur Unterhaltung eines gleich⸗ falls uͤbervollzaͤhligen Geschwaͤders in diesen Gewaͤssern zwinge? Eine solche Einraͤumung waͤre ein erfreuliches Zeichen fuͤr das Wechselverhaͤltniß der Franzoͤsischen und der Englischen Politik, welches, maͤnchen Befuͤrchtungen zufolge, gerade in diesem Augen⸗ blicke eine unguͤnstige Wendung zu nehmen drohte. Vorlaͤufig muß es indessen noch den Ereignissen uͤberlassen bleiben, das Ge⸗ ruͤcht von einer ernstlichen Differenz zwischen den Ansichten und Plaͤnen der beiden Kabinette von Paris und London hinsichtlich der Spanischen Angelegenheiten zu bestaͤtigen oder zu widerlegen.

Die Absendung eines Theils der Flotte von Toulon nach Brest wird wohl manchen Tadel finden; denn man betrachtet hier einmal allgemein das Mittellaͤndische Meer als den natuͤrlichen Schauplatz der wichtigeren See⸗Ereignisse, welche Europa bevor⸗ stehen koͤnnen. Nach dieser Ansicht wird die Verminderung der dortigen Station von der Opposition aller Farben wenigstens fuͤr unzeitig erklaͤrt werden. Es ist uͤbrigens hoͤchst unwahrscheinlich, dat die Regierung, selbst wenn sie den Friedensstand auf Jahre hinaus fuͤr gesichert hielte, den Bestand der Flotte uͤberhaupt her⸗ absetzen wuͤrde. Die Entwaffnung zur See ist noch weit unpo— pulairer als die Entwaffnung zu Lande, und es steht sehr zu be— zweifeln, daß irgend ein Ministerium die Verantwortlichkeit fuͤr eine Maßregel jener Art wuͤrde uͤbernehmen wollen. Dauert die Europaͤische Ruhe, so wird man die allmaͤlige Entlastung des Bud⸗

gets von einer mit den Friedensbeduͤrfnissen in Mißverhaͤltnisse stehenden Marine wohl der Zeit uͤberlassen. Das Ministerium hat den demokratischen Almanach popu⸗ laire, wie gewoͤhnlich, gleich nach seinem Erscheinen in Beschlag nehmen lassen, und zwar diesmal nicht wegen seines Textes, den man, durch die fruͤheren Erfahrungen vorsichtig gemacht, sehr ge⸗ maͤßigt gehalten, sondern der darin enthaltenen Pignetten halber. Da diese saͤmmtlich, den gesetzlichen Vorschriften gemaͤß, von der fuͤr Kupferstiche und sonstige Bildwerke bestehenden Censur gut— geheißen sind, so behauptet die Regierung, daß das Anstoͤßige und Strafbare derselben aus ihrer Zusammenstellung mit dem Texte Almanachs hervorgehe, und daß dadurch Beschlagnahme und Prozeß gerechtfertigt werde. Man zweifelt jedoch an der Bestaͤti⸗ gung dieser Rechts⸗Ansicht durch die Justiz. Die Einwohnerschaft von Algier klagt bitter uͤber den schwe⸗ ren National⸗Garden⸗Dienst, den ihr die lange Abwesenheit des General⸗Gouverneurs mit allen Truppen auferlegt hat.

Großbritanien und Irland.

London, 26. Okt. Zu dem Fonds, welcher fuͤr die armen Fabrik⸗Arbeiter von Paisley zusammengebracht wird, hat die Koͤ⸗ nigin durch Sir R. Peel 100 Pf. St. mit dem Bemerken ein⸗ geschickt, wie sehr leid es ihr thue, daß die Bildung eines solchen Fonds nothwendig sey

Die verwittwete Koͤnigin ist zu Sudbury-Hall erkrankt.

Der Northampton⸗Herald erzaͤhlt, daß die Koͤnigin, als nach dem Amts-⸗Antritte des jetzigen Kabinets der erste Minister— Rath bei ihr stattfand, mit der Kronprinzessin auf dem Arme in das Rathszimmer getreten sey und das Kind unter muͤtterlichen Liebkosungen ihren neuen Ministern gezeigt habe. Die Regierung ist Willens, eine sehr große Geldsumme zur Verstaͤrkung der Festungswerke von Gibraltar zu verwenden.

Der Su n meint, daß jetzt Espartero's erste Sorge dahin gehen muͤsse, die Koͤnigin Isabella moͤglichst schnell mit ihrem Vetter, dem Sohne des Infanten Don Francisco de Paula, zu verloben. Nicht blos haͤtten sich Herr Thiers und viele der ein⸗ flußreichsten Staatsmaͤnner Frankreichs fuͤr diese Heirath ausge⸗ sprochen, sondern diese Verbindung werde uͤberhaupt alle Gemaͤ⸗ ßigten in Frankreich befriedigen und uͤberdies England in keiner Art beunruhigen koͤnnen.

Der Courier bemerkt, daß der Verein gegen die Korngesetze setzt auch Auslaͤnder angestellt habe, um seine Grundsaͤtze durch Vorlesungen zu verbreiten. So sey z. B. ein Herr Curtys aus Ohio in Nord⸗Amerika letzte Woche zu diesem Zwecke nach Yorkshire abgeschickt worden. b

In der naͤchsten Session des Unterhaufes wird eine Bill fuͤr den Bau einer Eisenbahn von Yarmouth nach Norwich nachge⸗ sucht werden. Die Gesellschaft hat fuͤr die 20 ½ Englische Mei⸗ len lange Bahn den Plan des Herrn R. Stephenson angenom men; die Kosten sind auf 10,000 Pfd. St. die Meile abgeschaͤtzt und man rechnet, daß der jaͤhrliche Ertrag 12 pCt. des Bau⸗Ka⸗ pitals von 200,000 Pfd. St. abwerfen werde.

Am vorigen Sonntage hielt der hiesige katholische Pfarrer von Lincoln's Innfields eine Predigt zu Gunsten der verlassenen Armen seines Bezirks. Er betheuerte feierlich, daß in seinem Kirchspiele Tausende selbst von den noͤthigsten Unterhaltsmitteln gaͤnzlich entbloͤßt, daß die Dachstuben mit Hungernden und Nak⸗ kenden uͤberfuͤllt sehen, und daß er bei seinen Besuchen die Ael⸗ tern auf dem Krankenlager treffe, waͤhrend ihre fast vor Hunger sterbenden Kinder umsonst nach Brod schrieen. Dabei sey der wohlhabendere Theil seiner Gemeinde so durch Unterstuͤtzungen einzelner Elenden in Anspruch genommen und andererseits selbst in so beschraͤnkter Lage, daß er zur allgemeinen Armenbuͤchse we⸗ nig beisteuern koͤnne und diese jetzt woͤchentlich kaum 6—8 Sh. empfange. Ohne schnelle und kraͤftige Beihuͤlfe sey daher die Geistlichkeit genoͤthigt, die gewohnten Unterstuͤtzungen an Haus⸗ Arme zu vermindern.

Der „Vorlaͤufer“, fuͤr die oͤstliche Dampfschifffahrts⸗Gesell⸗ schaft erbaut und das erste der Dampfschiffe fuͤr den Post- und Passagierdienst, welche zwischen Kalkutta, Bombay und dem Ro⸗ then Meere fahren sollen, wurde am letzten Mittwoch vom Sta— pel gelassen. Es ist das groͤßte Dampfschiff, welches jemals au⸗ ßerhalb des Werfts gebaut wurde; seine Laͤnge betraͤgt 261, seine auf dem Verdeck 41 ¼ Fuß, und es hat 1780 Tonnen Ge⸗ halt.

Die Limerick Chronicle will wissen, daß die Britischen Truppen in China so bedeutend durch Krankheiten und Klima gelitten haͤtten, daß die Armee in Ostindien um 2 Regimenter ver⸗ mehrt worden sey.

1 Das Britische Museum in London, erst im Jahre 1753 ge⸗ gruͤndet, besitzt jetzt, naͤchst Orford, die groͤßte Bibliothek Englands indem dieselbe 225,000 Baͤnde Druckschriften und 22,500 Manu⸗ skripte enthaͤlt. Unter Anderen umfaßt die Bibliothek eine voll⸗ staͤndige Sammlung aller seit Beginn des Zeitungswesens in England, d. h. seit 1588, daselbst erschienenen Journale und po⸗ litischen Flugschriften. Vor nicht langer Zeit wurde die werth⸗ volle Buͤcher⸗Sammlung des Barons von Mohl aus Muͤnchen angekauft und ihr einverleibt. 1

Herr William Peel, der dritte Sohn von Sir Robert Peel, welcher unter Sir R. Stopford als Faͤhnrich auf dem Schiffe „Prinzessin Charlotte“ an der Syrischen Kuͤste diente, wird sich jetzt mit dem „Cambrian“, unter Capiain Chads, nach China be⸗

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Aus dem Haag, 28. Okt. In der gestern erwaͤhnten Antworts⸗Adresse beider Kammern heißt es nochV

„Indem wir uns auf die Gerechtigkeit und Billigkeit einer Sache stuͤtzen, deren Feststellung das wohlverstandene Interesse bei⸗ der Nationen verlangt, hatten wir Grund, zu erwarten, daß es der Regierung Ew. Majestaͤt gelungen sey, eine endliche Erledigung der Belgischen Finanz⸗Frage berbeizufuͤhren. Wir verharren da⸗ her in der Erwartung einer hüd zen Erfuͤllung der von Ew. Ma⸗ jestaͤt in Bezug auf diesen Gegenstand gegebenen Hoffnung. 1