1841 / 307 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

Eduard von Sachsen⸗Weimar, der von Rotterdam hierher zuruͤck⸗ gekehrt ist, hat sich vorgestern nach Sudbury⸗Hall zum Besuch bei der Koͤnigin⸗Wittwe begeben.

Noch ist zwar O'Connell nicht foͤrmlich zum Lord⸗Mayor von Dublin gewaͤhlt; aber man weiß bereits mit Gewißheit, daß der⸗ selbe die Majoritaͤt der Stimmen des Dubliner Stadtraths fuͤr sich hat, und daß kaum der Versuch einer Opposition gemacht werden wird. Der sonst uͤbliche Zug nach dem Schlosse und die Vereidigung des neuen Lord⸗Mayors vor dem Lord⸗Lieutenant wird nach der neuen Munizipal⸗Verfassung nicht mehr stattfinden, so daß die Ceremonie einerseits viel von ihrer Feierlichkeit verliert, andererseits dem Recorder die peinliche Situation, erspart wird, dem Grafen de Grey denjenigen Mann als den ausgezeichnetsten Buͤrger vorzustellen, dessen einziges Streben seit Jahren auf eine Trennung der Union zwischen Irland und Großbritanien Lush ging. Von den dem Agitator ergebenen Blaͤttern wird schon, an⸗ gedeutet, man werde, falls ein Prinz von Wales geboren wuͤrde und der Lord⸗Mayor von London in Folge dieses Ereignisses dem Gebrauch gemaͤß die e erhielte, Herrn O'Connell diese Wuͤrde nicht fuͤglich versagen koͤnnen. .

In Folge 8 Ablebens 52 Beresford's, des bisherigen 8 schofs von Kilmore in Irland, sind nun die Sprengel Külmore, Ardagh und Elphin in ein Bisthum vereinigt und ein bedeuten⸗ des Einkommen, von 7000 Pfd. St., ist an die gemeinsame Kir⸗ chenkasse von Irland heimgefallen. Bis jetzt sind durch die Wirk⸗ samkeit von Lord Stanley's Bill uͤber die zeitlichen Guͤter der Irlaͤndischen Kirche sieben Irlaͤndische Bischofssitze eingegangen, und noch drei, Dromore, Clogher und Kildare, werden ihnen nachfolgen, sobald die bisherigen Inhaber mit Tode abgehen.

Schon seit mehreren Tagen war die Boͤrse in große Aufre⸗ gung versetzt worden durch das Geruͤcht, daß unechte Schatzkam⸗ merscheine zu sehr bedeutendem Betrage im Umlaufe seyen, und man fand sich daher veranlaßt, Geschaͤfte in diesen Fonds nur un⸗ ter Garantie fuͤr die Echtheit der Scheine einzugehen. Man hat jetzt endlich den Urheber des Betruges in der Person des ersten ausfertigenden Secretairs im Schatzamte, eines gewissen E. Bowman oder Beaumont Smith entdeckt, der sogleich verhaftet worden ist. Wie es scheint, ist er nur das Werkzeug von Spekulanten, welche in der letzten Zeit große Geschaͤfte in Spanischen Fonds gemacht haben, und sein Verbrechen besteht nicht sowohl in direkter Faͤl⸗ schung von Schatzkammerscheinen, als in der Ueberlistung des mit der Ausgabe dieser Scheine beauftragten Controlleurs des Schatz⸗ amtes, Lord Monteagle, der es mit seiner Unterschrift sehr leicht genom⸗ men zu haben scheint, und welchem der Secretair Smith Duplikate und Triplikate von bereits ausgegebenen Scheinen zur Unterschrift vor⸗ gelegt hat. Die auf diese Weise widergesetzlich in Umlauf ge⸗ brachten Scheine sollen auf die Summe von 400,000 Pfd. lau⸗ ten, doch finden sich bereits Scheine zum Belaufe von 200,000 Pfd. wieder in den Haͤnden der Schatzkammer, welche gestern eine Bekanntmachung erlassen hat, durch welche sie eines Theiles er⸗ klaͤrt, daß die im Maͤrz und Juni d. J. ausgegebenen im Um⸗ laufe befindlichen Schatzkammer⸗Scheine alle echt seyen und an⸗ derentheils die Inhaber von Schatzkammer⸗Scheinen aus an⸗ deren Perioden auffordert, dieselben im Schatz⸗Amte vorzuzei⸗ gen, damit deren Echtheit durch einen neuen Stempel kon⸗ statirt werden koͤnne. Es entsteht nun die Frage, ob die Re⸗ gierung verpflichtet ist, diese von einem ihrer Beamten aus— gegebenen Schatzkammerscheine anzuerkennen und seiner Zeit ein⸗ zulosen. Nach der Times scheint der Kanzler der Schatzkammer, Herr Goulburn, die Scheine ganz desavouiren zu wollen, da der Betrug nicht ausschließlich von einem Beamten des Schatzamtes ausgegangen, sondern Herr Smith vielmehr nur als Werkzeug der Spekulanten zu betrachten sey, von denen seine Willfaͤhrigkeit miß⸗ braucht worden und die natuͤrlich aller Kontrolle des Schatzamtes entzogen seyen. Nach der Morning Chronicle dagegen scheint die Regierung nur einen Theil der Steine nicht einloͤsen zu wollen, und es waͤre nur Streit zwischen Herrn Goulburn und Lord Monteagle daruͤber, wer von ihnen die desfalls zu erlassende Be⸗

kanntmachung zu unterzeichnen habe. Der Morning-Herald

hat in dieser Beziehung ein wichtiges Praͤcedenz⸗Beispiel ange⸗ fuͤhrt, naͤmlich den Fall des Herrn Aslett, der als Kassirer der

Bank von England im Jahre 1803 fuͤr 2500 Pfd. St. Schatz⸗

kammerscheine unterschlug. Die gerichtliche Entscheidung lautete dahin, daß diese Papiere, obwohl von einer Person unterzeichnet, die nicht gesetzlich dazu autorisirt war, als guͤltige Effekten in den

Haͤnden von redlichen Kaͤufern anzusehen seyen und daher eine

Forderung an die Regierung begruͤndeten. Die Banken von Eng⸗

land und Irland haben fuͤr etwa 1,250,000 Pfd. St. solcher

Scheine in Haͤnden, die aber alle fuͤr echt gehalten werden. An der Boͤrse werden die Schatzkammerscheine fuͤr jetzt garnicht notirt.

Nach Angabe der Morning Post ist von England allein, ohne Theilnahme einer anderen Macht an diesem Schritt, waͤh⸗ rend der letzten Zeit des Whig⸗Ministeriums eine Note wegen des Stader Zolles an die Hannoversche Regierung gerichtet wor⸗ den, und zwar eine Note, die sich nicht im mindesten von der uͤblichen diplomatischen Hoͤflichkeit entsernt habe. Die Note habe uͤberdies nicht die Absicht gehabt, die Legalitaͤt des Zolles zu be— streiten, sondern nur beantragt, einen einfoͤrmigen, fuͤr alle Waa⸗ ren gleichmäßigen Tarif an die Stelle des jetzt bestehenden, so uͤberaus mannigfaltigen zu setzen. Die Hannoversche Regierung habe auch keinesweges Abneigung gezeigt, auf diesen Antraͤg ein⸗ zugehen, jedoch zur Bedingung gestellt, daß der neue einfoͤrmige

sammen 20,856,028 Seelen.

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der Gemahlin des Don Carlos gescheitert; doch auch diese solle sich neuerdings nachgiebiger gezeigt haben. Dann wuͤrde die Fran⸗ zoͤsische Regierung keinen lweiteren Vorwand haben, Don Carlos in Bourges gefangen zu halten. Das genannte Blatt prophezeiht uͤbrigens Espartero's baldigen Sturz und erblickt nur in dem obigen Plane das Heil Spaniens. Der Morning⸗Herald ist ungleich guͤnstiger fuͤr Espartero gestimmt und sieht die neue⸗ sten Ereignisse als heilbringend an, sofern sie eine gewisse Kraft der jetzigen Regierung bewaͤhrt haͤtten. Die Spanier werden auf⸗ gefordert, ihre inneren Huͤlfsquellen zu entwickeln und sich, mehr als vor Allem, vor Franzoͤsischer Intrigue zu bewahren, die es auf ihre Unabhaͤngigkeit abgesehen habe.

Nach der neuesten Volkszaͤhlung betraͤgt die Bevoͤlkerung von England und Wales 15,901,981, von Schottland 2,624,586, von Irland 8,205,382, von Guernsey, Jersey und Man 124,079, zu⸗ Hierunter ist Heer und Flotte, so

wie auf dem Wasser befindliche Seeleute, die Reisenden im Aus—

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lande und uͤberhaupt solche, die sich am 5. Juni nicht unter Dach und Fach befunden, nicht mitgerechnet. Mit Einschluß dieser wird die Bevoͤlkerung ungefaͤhr 27 Millionen betragen, d. h. 2 Millio⸗ nen mehr als im Jahre 1831.

Dem als protestantischen Bischof nach Palaͤstina bestimmten Herrn Alexander, welcher in kurzem von hier abreisen wird, ist in der Person Dr. Macgowans ein Chef fuͤr das Medizinalwesen zugetheilt. 1

Der Lord-Kanzler von Irland, Sir E. Sugden, ist vorge⸗ stern mit seiner Familie in Dublin eingetroffen und wird naͤchsten Montag seine Functionen im dortigen Kanzleihofe beginnen.

Herr James Bruce ist zum ersten und Herr James Wigram zum zweiten Vice⸗Kanzler am Englischen Kanzleihofe ernannt worden; es sind dies zwei neue, zum erstenmal vergebene Aemter, die durch eine in der letzten Parlaments⸗Session angenommene Bill zur Verbesserung und Beschleunigung der Rechtspflege errich⸗ tet wurden.

Am Mittwoch wurde die Dampf⸗Fregatte „Gyser“, von 1060 Tonnen Gehalt und 300 Pferde Kraft zu Sheerneß vom Stapel gelassen.

Belgien.

rüssel, 31. Okt. Hier ist eine Verschwoͤrung entdeckt wor⸗

ber welche die heutigen Blaͤtter Nachstehendes berichten: „Vorgestern Nachmittag entwickelte die Polizei unserer Hauptstadt eine ungemeine Thaͤtigkeit. Es ist ihr gelungen, wichtige Ent⸗ deckungen zu machen und mehrere Personen zu verhaften, die im Verdachte sind, ein Komplott gegen die Sicherheit des Staates entworfen zu haben. Die Herren Parys, Intendant der Gen⸗ darmerie und Cornelius van Swae, sein Secretair; Karl Cri- spiels, Commissionair; van der Smissen, Bruder des Generals, Capitain der September⸗-Verwundeten, und de Beaumont, Kunst⸗ Feuerwerker, sind gefaͤnglich eingezogen. Die Polizei war auch in den Wohnungen der Generale van der Smissen und van der Meer, doch waren diese nicht anzutreffen. Heute hat man sie, eben so wie den Ex⸗Obersten Farent, bei dem Maler Verwez aufgefunden und verhaftet. Sie sind sofort vom Instructions-⸗Richter verhoͤrt worden. Im Tivoli⸗Garten sind vier Kanonen, von welchen zwei ganz neu waren, mit ihren Laffetten und sonstigem Zubehoͤr, so wie eine große Quantitaͤt Pulver, in Beschlag genommen worden. Man hat auch herausgebracht, daß ein gewisser Malisse, ehemali⸗ ger Unteroffizier, Ritter des Leopold-Ordens und jetzt als Klemp⸗ ner vor dem Namurer Thore etablirt, Cartouchen angefertigt habe, die fuͤr die vorgedachten Kanonen benutzt werden sollten. Bei Herrn G. F.., kleine Dominikaner⸗Straße, hat man ein Fell⸗

Heisen mit Pulver, Blei, drei Pistolen und einigem Zubehoͤr fuͤr Feuer⸗

Tarif die jetzige Zoll⸗Einnahme nicht wesentlich schmaͤlere. So stnden die Unterhandlungen jetzt, und man duͤrfe daher die Hoff⸗ nung hegen, dieselben baldigst erledigt zu sehen. 5 Die Morning Posk, ein ganz ministerielles Blatt, erklaͤrt, 88 habe Grund, zu glauben, daß die Franzoͤsische Regierung die Nachricht Lon der vollstaͤndigen Raͤumung St. Jean d'Acre's . e. säen Truppen mit der Anzeige erhalten habe, es Fon der Naumne 8 Se ooe aus C die Kunde reichischen Streitkraͤfte e üüster. treffen. „So werden denn“, fuͤgt das genannte Blatt hinzu, „saͤmmtliche Verfuͤgungen des Vertrags vom 15. Juli puͤnktlich vollzogen seyn.“ 1 Aus der Sprache der Englischen ministeriellen Presse ergiebt ich nicht die mindeste Sympathie fuͤr die Koͤnigin Christine und en verungluͤckten Umwaͤlzungsplan in Spanien, aber eben so we⸗ nig fuͤr Espartero. Die Basken, meint die Morning Post verspraͤchen sich von der Einen so wenig wie von dem Anderen. Waͤren die Karlistischen Generale uͤber die Graͤnze gekommen so vuͤrden die Basken sich wie Ein Mann erhoben haben. b Villareal habe Befehle ertheilt, solle, und Cabrera, dem die Agenten Christinen's carte blanche versprochen, habe erwiedert, er werde Genehmigung seines Koͤniglichen Herrn nach Bourges sen den. Die Karlistischen Generale sollten den Wunsch geaͤu ßert haben, daß Don Carlos zu Gunsten des 1

Isabella eine Versoͤhnung herbeizufuͤhren und dann die alten Cor

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1 1 Aber daß Alles sich neutral verhalten

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ihre Vorschlaͤäge zur

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Prinzen von Asturien abdanken moͤchte, um durch dessen Vermaͤhlung mit

es por. Estamentos zu berufen. Bisher sey dieser Plan an

waffen, so wie einen kleinen Karabiner, in Beschlag genommen. Herr de Crehen, welchen man bereits verhaftet hatte, suchte beim Herausstei⸗ gen aus dem Wagen zu entwischen, doch hat man ihn in einem Laͤden, wo er sich unter ein Pult versteckte, wieder ergriffen. Vor seiner Verhaftung hatte dieser Herr einen sehr lebhaften Wortwechsel mit dem Kriegsminister im Buͤreau des Ministeriums gehabt. Wie man vernimmt, ist es der Plan der Verschwornen gewesen, die Aufmerksamkeit der Behoͤrden auf den oberen Theil der Stadt zu richten, und in der Zwischenzeit sich des Koͤnigs und der Koͤ⸗ niglichen Familie im Schlosse Lacken zu bemaͤchtigen. Es heißt auch, daß man bei einem der Verschworenen eine orangistische Proclamation gefunden, in welcher die Absetzung des Koͤnigs, die Restauration Wilhelm's II. in Belgien und die Wiedervereinigung mit Holland unter Aufhebung der Zoll⸗Linien aber mit getrennter Admini⸗ stration proklamirt wird. Das Ministerium hat gestern zahlreiche In⸗ structionen nach verschiedenen Provinzen expedirt. Spaͤter erfuhr man, daß vorgestern Abends auch noch im Hause des Generals van der Smissen zu Etterbeck 100 Kilogramm Pulver aufgefun⸗ den worden seyen.“

Es sind Versuche gemacht worden, um mehrere Unteroffiziere der Garnison fuͤr das Komplott zu gewinnen; diese haben es je— doch angezeigt. Dasselbe war bereits seit mehreren Monaten an⸗ gesponnen und sollte eben zum Ausbruch kommen. Es hatte Ver⸗ zweigungen in Gent, Antwerpen und Luͤttich, an welchen Orten auch bereits Verhaftungen stattgefunden hatten. General Lechar⸗ lier ist in der Nacht nach Gent abgegangen, wohin man, so wie nach den beiden anderen Orten, Extra⸗Lokomotiven auf der Eisen⸗ bahn abgesandt. Hier in Bruͤssel ist Alles ruhig. Der Koͤnig befindet sich in diesem Augenblick auf dem Schloß Ardenne, wo⸗ hin ein Courier abgesandt worden.

* Brüssel, 30. Okt. Die Polizei hat gestern Abend, wie Jedermann zu nicht geringer Verwunderung durch die Journale erfaͤhrt, die entdeckten Anstifter eines in kurzem auszufuͤhrenden Komplotts gegen den Umsturz der Regierung festgenommen. Nach den festgesetzten Personen zu urtheilen, scheint das Komplott eine Orangistische Tendenz gehabt zu haben; doch, behauptet man, habe Uneinigkeit unter den Haͤuptern uͤber die letzte Absicht geherrscht. Unter den festgenommenen Personen besinden sich der nach An⸗ nahme des Friedens⸗Traktats mit Holland begnadigte Ex⸗General

mee bekanntlich im Maͤrz 1840 den Umstuürz des Ministeriums de Theux herbeifuͤhrte, sodann der verabschiedete General van der Meer, der vormalige Oberst der Belgischen Freiwilligen (waͤhrend der Revolution) Parent; der Intendant der Gendarmerie, van Parys u. a. m. Es ist dieses Komplott hier Jedermann so un⸗ begreiflich, daß man es nur laͤcherlich finden wuͤrde, wenn es nicht

so strafbar waͤre. Die Verschworenen hatten schon mehrere Ka⸗ nonen in die Raͤhe der Stadt gebracht, Kugeln gießen lassen, Pulver und Waffen⸗Vorraͤthe sind bei Van der Smissen gefun⸗ den worden.

In Erwartung, daß die Untersuchung die Sache weiter auf⸗ hellt, geben wir nur den Haupt⸗Plan an, welchen man dem Kom⸗ plotte unterlegt, und der darin bestand, den König auf seinem Landpalast zu Laeken, in der Naͤhe von Bruͤssel, so wie die Mi⸗ nister in der Stadt gefangen zu nehmen. In den armen und volkreichen Staͤdt⸗Auartieren hatte man schon Geld vertheilen

Van der Smissen, dessen projektirte Einsetzung in die Cadres der Ar⸗

e. lassen, was auf eine projektirte nahe Ausfuͤhrung hindeuten wuͤrde. Bereits waͤhrend des September⸗Festes hatte etwas von orangi⸗ stischen Anschlaͤgen verlautet, und die Regierung war seitdem sehr wachsam geblieben. Das jetzige in Bruͤssel, in der tiefsten Ruyr, ohne irgend einen Anlaß der Aufregung der Gemuͤther und un— ter dem stets wachsenden Flor der Hauptstadt angestiftete Kom⸗ plot muß als baarer Unsinn angesehen werden. Haͤtten dergleichen Umtriebe in anderen volkreichen Staͤdten, z. B. in Gent stattge⸗ funden, so haͤtte man noch einige Befuͤrchtungen haben koͤnnen; allein in Bruͤssel, das so bedeutend unter der neuen Regierung gewonnen hat, konnte ein solcher Plan nur von verwirrten Koͤpfen gefaßt werden. Die Boͤrse, gewoͤhnlich so furchtsam, hat das Komplot nicht einmal durch das mindeste Sinken der Staats⸗ Papiere beachten zu muͤssen geglaubt. Man ist sehr auf die wei⸗ tere Instruction gespannt.

Der Artikel des Journal des Débats (Vergl. das gestern in der Staats-Zeitung gegebene Schreiben aus Bruͤssel) hat hier in mancher Hinsicht Aufmerksamkeit erregt, allein man ist weit entfernt, ihm einen offtziellen Charakter beizulegen; der be⸗ kannte Verfasser hat oft auf eigene Hand eine industrielle Politik entwickelt, welche mit den Ansichten des Ministeriums nicht zu⸗ sammenstimmt; man weiß außerdem, daß derselbe in den in⸗ dustriellen Artikeln des Journals haͤufig weit uͤber die Wirklich⸗ keit hinaussehende Ideen vortraͤgt, die Thatsachen sich nach seinen Wuͤnschen zurechtlegt und nach einer gewissen journalistischen Politik ei⸗ gene Hypothesen und Muthmaßungenals wirkliche Thatsachen anfuͤhrt. Nach dem neuesten Artikel dieses Verfassers sollte man glauben, als haͤtten die Belgischen Kommissare wirklich auf eine Zoll⸗Ver⸗ einigung hin unterhandelt, obgleich sie die bestimmteste Instruction hatten, diese von vorn herein zur Seite zu stellen. Wir glauben jedoch zu wissen, was den Verfasser zu einer solchen Mißdeutung der Verhandlungen hat fuͤhren koͤnnen. Wenn wir naͤmlich recht unter⸗ richtet sind, so hatte der Praͤsident der Belgischen Kommission, Graf de Muelenaere, erklaͤrt, als man stets von Französischer Seite Ausfluͤchte machte, auf ein angemessenes Aequivalent von Seiten Belgiens drang und deshalb fuͤr Frankreich das Mono—

2 „8 8 1 pol des Tabacks, Unterdruͤckung des Nachdrucks u. dgl. vorschob, daß er bereit sey, einmal auf die Hypothese solcher Zugestaͤndnisse von Seiten Belgiens einzugehen, um die Sache weiter zu ver— folgen. Es geschah dies aber blos, um die Franzoͤsischen Kom missare, bei denen man schon ganz andere Ruͤcksichten bemerk hatte, in die Enge zu treiben, was, wie es scheint, auch gescheher ist. Es ist gewiß nicht anzunehmen, daß der gewandte Diploma seine Vollmachten in dem Grade uͤberschritten haben sollte, wie das Pa riser Blatt Glauben machen koͤnnte. Herr de Muelenaere wuͤrde einen schweren Stand vor den Kammern haben, wenn die Unterhand⸗ lungen in diesem Sinne waͤren gefuͤhrt worden. Es hat zwischen dem Belgischen Gesandten in Paris, Graf Lehon, und Graf de Muelenaere allerdings eine Meinungsverschiedenheit uͤber die an Frankreich zu machenden Konzessionen obgewaltet; vielleicht is die von Letzterem versuchsweise angenommene Hypothese der Grun zu dieser Verschiedenheit gewesen; allein im uͤbrigen hat zwischer den Kommissaren keine wesentliche Divergenz stattgesfunden.

Die Handels⸗Angelegenheit ist jetzt hauptsaͤchlich in die Haͤnde des Herrn Lehon niedergelegt, der allerdings sein moͤglichstes ver⸗

suchen wird, um einen Traktat zu Stande zu bringen; wir zwei-⸗—

feln aber noch immer an einem Gelingen, wenn nicht die Fran zoͤsische Regierung durch die Anlegung eines großen Eisenbahn netzes den bezeichneten Ausweg trifft. Allein ein Handels⸗Vertra der sich blos auf Eisen und Steinkohlen beschraͤnkt, kann nur dre Provinzen von Belgien befriedigen, und die Belgische Regierung koͤnnte wohl nicht den uͤbrigen Provinzen die Annahme de ganzen Artikel zumuthen, welche Frankreich als Bedingung de Reziprozitaͤt, als Equivalent anfertigen wuͤrde. Die Majsoritaäͤ der Kammern wuͤrde schwerlich ihre Zustimmung geben. Deutsche Bundesstaaten. München, 29. Okt. (Nuͤrnb. K.) Waͤhrend die Eisen bahn von Nuͤrnberg nach Leipzig, nach Convention mit den be treffenden Graͤnzstaaten, in ihrer Richtung desinitiv bestimmt ist wird uͤber die besondere Richtung der Eisenbahn von Augsbure nach Nuͤrnberg erst Allerhoͤchste Verfuͤgung erfolgen, indem di verschiedenen Petitionen und Wuͤnsche, welche in Bezug auf die Richtung dieser Bahn an den Thron gelangt sind, insbesonder das Gesuch der Stadt Ansbach, gleichzeitig und vereint eine Pruͤfung unterworfen werden duͤrften. Die dahin bezuͤgli chen oͤrtlichen Recognitionen, Vermessungen ꝛc. sind berelts getroffen worden. Die vorlaͤufige Linien⸗Aussteckung in Augsburg beginnt vor dem Bahnhofe der Muͤnchen⸗Augsburger Eisenbahn, und durchschneidet in einer weiten, allmaͤlig fast bogen foͤrmigen Ausdehnung zuerst die Landsberger, dann die Kempten Lindauer Landstraße, die Straße nach Pfersee und die lilmer Land⸗ straße. Ob nun diese Richtung beibehalten wird, oder eine ander bestimmt werde, haͤngt noch von den Beschluͤssen Sr. Majestaͤ ab. Ungefaͤhr die Mitte dieser Straßenlinien, ln der Naͤhe des sogenannten Pferseegaͤßchens, bezeichnet man als denjenigen Punkt wo ein selbststaͤndiger Bahnhof, im Fall ein solcher erbaut wuͤrde am zweckmaͤßigsten zu stehen kommen duͤrfte. Die Fortificationen von Ingolstadt sollen bereits so weit voͤr geruͤckt seyn, daß die Festung schon als sturmfrei gelten kann.

München, 30. Okt. Se. Majestaͤt der Koͤnig haben die erledigte Stelle eines Central⸗Gemaͤlde⸗Galerie⸗Direktors denn bis⸗ herigen Direktor der Sammlung von Handzeichnungen ꝛc., Robert von Langer verliehen. Diese Befoͤrderung des eben so rechtlichen als kenntnißreichen Mannes hat im Publikum viele Freude erregt.

Eine ruͤhmenswerthe Erscheinung der Typographie ist das so eben in Klein-Folioformat herausgekommener 11“ Koͤnig von Bayern; Alllerhoͤchstdessen Leben und Wirken von 1786 bis 1841.“ Der Text in gedrungener Zusammenstellung von Dr. J. H. Wolf, Druck und Verlag G2 Reichel in Augs⸗ burg (in Kommission bei Lampart und Comp.). Eine Reihe in den Text eingedruckter, gelungener

Holzschnitte zeigt Wappen und Orden des Koͤniglichen Hauses und die unter Ludwig's Regierung erstandenen Meisterbauten.

Bremen, 24. Okt. Dem Vernehmen nach ist Herr Francis F. J. Grund, ein Deutscher, bekannt als politischer Schriftsteller, hier zum Konsul der Vereinigten Staaten von Nord⸗Amerika er⸗ nannt. Die Ernennung unterliegt nur noch der Ratification des Senats der Vereinigten Staaten.

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29. Okt. Der Herzog von Bordeaux wird taͤglich

hier erwartet; seine Anwesenheit, die etwa drei Wochen dauern wird, soll jedoch keinen anderen Zweck haben, als um durch die persoͤnliche Erscheinung jene Geruͤchte zu widerlegen, daß der letzte Unfall des Herzogs irgend ein andauerndes koͤrperliches Gebrechen zur Folge gehobt habe. Auch dieser Punkt ist bei einem Theile

der eleganten und chevaleresken großen Nation noch wichtig ge⸗

blieben, wie die sorgsamen, fast aͤngstlichen Nachrichten daruͤber in einigen Französischen Blaͤttern gezeigt haben. So wie man nun mit Sicherheit erfaͤhrt, werden bei unserer

Armee nun wirklich einige Reductionen stattsinden, die in der

Hauptsache in Beurlaubung von 20 Mann per Compagnie und in Aufloͤsung von 11 Batterieen bei der Artillerie bestehen.

Der Bischof von Großwardein, welcher den ersten Hirten⸗ brief in Ungarn wegen der gemischten Ehen erlassen, hat bekannt⸗ lich in Folge dessen, im Konflikte naͤmlich mit der constitutionellen Opposition der betreffenden Komitate, auf seine Stelle resignirt und sich in ein Franziskaner⸗Kloster zuruͤckgezogen. Der Staats⸗ Verwaltung, wiewohl sie das Auftreten des Praͤlaten vielleicht mit mehr zeitgemaͤßer besonnener Haltung gewuͤnscht haͤtte, ist gleichwohl der Verlust eines durch Kenntnisse und ehrwuͤrdigen Charakter so ausgezeichneten Oberhirten bedauerlich, und die geist⸗ liche Leitung der Dioͤzese wurde fortwaͤhrend von demselben aus seiner Zuruͤckgezogenheit gefuͤhrt, um so mehr, als der Papst die Resignation des Bischofs in geistlichen Angelegenheiten nicht an⸗ genommen hatte. Nun, hoͤrt man, werde derselbe, nach allseitig beigelegten Differenzen, auch die Verwaltung seiner Didzese in temporalibus in der naͤchsten Zukunft wieder antreten.

Die sogenannten Ungarischen strengen Patrioten, die gern die Welt, wenn auch friedlicherweise, und namentlich die Aus⸗ dehnung der constitutionellen Alleinherrschaft im Vaterlande, den miteinwohnenden anderen Staͤmmen gegenuͤber, durch die Ver⸗ breitung der Magyarischen Sprache erobern moͤchten, strecken und dehnen unablaͤssig an den Rechten und Konsequenzen jener Konzession des Koͤnigs, wonach auf dem letzten Landtage die Ungarische Sprache statt der Lateinischen als die offizielle im Konigreich eingefuͤhrt wurde. Diese Bestrebungen aber, denen jedenfalls, zum mindesten in Bezug auf das Ausland, ein litera⸗ risches Interesse fuͤr die linguistische Propaganda vorangehen sollte, schießen meist in allzu großem Eifer uͤber das Ziel, wie dies auch bei dem neuerlichen Beschlusse der Mehrzahl der Komitate der Fall ge— wesen, daß naͤmlich die Paͤsse der nun außer Landes reisenden Ungarn nur in Ungarischer Sprache verfaßt seyn sollen. In un— seren Deutschen Erblaͤndern aber verstehen nur die allerwenigsten Beamten Ungarisch, in den auswaͤrtigen Staaten aber fast Nie⸗ mand, und sie werden es aus diesem Grund auch sicher nicht lernen, oder Gerichtsbarkeiten sich vielleicht uͤberall einen beeide— ten Ungarischen Dolmetsch halten. Es wird daher durch einen solchen Schritt nur eine Verlegenheit, wenn nicht Nachtheile selbst bereitet. Aus den Deutschen Bundesstaaten, namentlich von Wuͤrt— tembergischen Behoͤrden, sind in dieser Beziehung in Erbschafts- Angelegenheiten schon wiederholt Ungarische Dokumente, aus den angefuͤhrten Gruͤnden, retournirt worden.

Gestern legte der Bank-Gouverneur, Freiherr von Lederer, wegen der neuen, vom Kaiser erlassenen Statuten, seinen Eid in die Haͤnde des Hof-Kammer⸗Praͤsidenten, Freiherrn von Kuͤbeck ab, so wie er seinerseits die Angelobung der versammelten Bank⸗ Direktoren spaͤter im Bank-Gebaͤude entgegennahm.

Aus Comorn in Ungarn ist die Nachricht eingegangen, daß daselbst am 24. Oktober gegen 2 Uhr ein bedeutendes Erdbeben verspuͤrt worden ist. Fast, kein einziges Haus dieser Koͤniglichen Freistadt blieb ganz unberuͤhrt und unbeschaͤdigt, und es stuͤrzten bei vielen die Schornsteine herunter. Auch hier hat sich seit jenem Tage die Luft ungewoͤhnlich schwuͤl gezeigt, und wir fuͤhlten uns von einem dem Sirocco aͤhnlichen Winde heimgesucht.

Der neue Bischof von Gurk, Herr Gindl, ist am 21. Okto⸗ ber im 55sten Jahre seines Alters mit Tode abgegangen, nach— dem er erst zehn Wochen vorher in seinem bischoͤflichen Amte eierlich installirt worden war.

v“ʒ Der Messager enthaͤlt nachstehende telegraphische De— peschen:

EEE‚‚samn Hden Minister des Innern. Madrid war am 25sten ruhig. Der Brigadier AQuiroga y Frias ist zur Todesstrafe verurtheilt worden.“

„Perpignan, 29. Okt. Der General⸗Kommandant der 21sten Militair⸗Division an den Kriegs⸗Minister. Die Demolirung der Bastionen des Koͤnigs und der Koͤnigin der Citadelle von Barcelona hat am 26sten um 9 Uhr Morgens be⸗ gonnen, in Gegenwart der Ueberwachungs⸗Junta und des Stadt⸗ raths. Die National⸗Garde defilirte hierauf auf dem Constitu⸗ tionsplatze vor den Mitgliedern der Junta; jeder Soldat hielt einen Stein der Citadelle in der Hand. General Zabala und der politische Chef haben protestirt. Die Linientruppen, die noch in Barcelona geblieben waren, wurden am 25sten nach der Graͤnze abgeschickt; am Nachmittage desselben Tages nahm das 3te Ba⸗ taillon der National⸗Miliz Besitz von der Citadelle.“

Der Moniteur parisien enthaͤlt Folgendes: „In Cata⸗ lonien ist die Gaͤhrung noch immer groß; 2 Bataillone sind, das eine nach Olot, das andere nach der Serdagna abgesandt worden. In Barcelona fanden bei Gelegenheit der Stiergefechte Unruhen statt, die indeß durch die energischen Maßregeln der Beaufsichti⸗ gungs⸗Junta unterdruͤckt wurden. Ueber Bayonne erfaͤhrt man, daß der Regent sich noch immer in Vitoria befindet, und daß er sich, wie man glaubt, von dort nach St. Sebastian bege⸗ ben wird. Die Citadelle von Pampelona hat sich unterworfen. In Bilbao sollen viele Verhaftungen stattgefunden haben.“

Türkei. 6 Konstantinopel, 13. Okt. (A. Z.) Die ganze Flotte hat sich seit vorgestern aus den Gewaͤssern des Bosporus in den Golf des Arsenals zuruͤckgezogen. Es verbreitete sich deshalb das Ge⸗ ruͤcht, sie werde hier uͤberwintern und die Expedition nach Tunis sey aufgeschoben. Der Tuͤrkische Oberst Hassan Bey wurde von hier mit bedeutenden Geldsummen nach Tripolis (Berberei) ge⸗ schickt, um den mehr als ein Jahr ruͤckstaͤndigen Sold den Trup⸗ pen zu zahlen und dadurch ihre Unzufriedenheit zu beseitigen. Zu⸗ Aeich ist er beauftragt, die Differenzen, die zwischen dem Bey von Lripolis und einigen Europaͤischen Konsuln, namentlich dem Spa⸗ nischen, stattgefunden haben, auszugleichen. Auch sagt man, er habe von der Pforte geheime Befehle in Betreff der Expedition nüch Wn⸗ wie . B. in Tripolis Waffen⸗, Pulver⸗ und Lebens⸗ fRig s fuͤr die Flotte anzulegen. väischemn Ehn Hktober fand bei den suͤßen Wassern auf der Euro⸗ be Grö deed, n. 31s Mandoͤver statt, dem der Sultan mit Inee zeneragern des Reichs beiwohnte: 1 Kgvallerie⸗, 1 3000 Mant⸗ lallrtillerie⸗Regiment und das Genie⸗Corps, eirca Ircer desselben 8 Kerntruppen, nahmen daran Theil. Der Preußen ee ern den Sultan die Fortschritte des von den Genie⸗Corps, zu vehisn und Sg Artillerie⸗Regiments und (wirklicher Töhreischens Z. r Kuzkowsky worfen und dirigirte di 8. hatte den Plan des Mandvers ent⸗

1 Haupt⸗Bewegungen. Schnelles Werfe E1“ 2 DBewegungen. 9 es Werfen ““ uͤber einen Arm des Flusses, den die ganze 2 9. Kavallerie passirte, mehrere gut ausgefuͤhrte An⸗ griffe auf die von dem verstorbenen Ober⸗Lieutenant Falk erbaute

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Redoute, Sprengen von Minen, rasche Evolutionen der reitenden Artillerie, die sich vor der sie verfolgenden Kavallerie zuruͤckzog ꝛc., bildeten die Haupt-Momente dieses Mandvers. Dem Sultan schien das neue Schauspiel viel Vergnuͤgen, zu gewaͤhren.

Die Nachrichten aus Syrien lauten taͤglich unguͤnstiger. Die Scheiks des Libanon haben die von der Pfoörte bestimmte Tribut⸗ Summe abermals verworfen, die Drusen und Maroniten bekrie⸗ gen sich unter einander, alle Straßen werden durch zahlreiche Be— duinenhorden, welche die Reisenden ausrauben, beunruhigt, die Tuͤrkischen Beamten erlauben sich die groͤßten Erpressungen und Willkuͤrlichkeiten. Was dafuͤr spricht, daß diese Nachrichten nicht aus der Luft gegriffen oder uͤbertrieben sind, ist, daß das Echo de lOrient (ein Organ der Pforte) jetzt nicht mehr, wie fruͤher, die verwirrte und bedraͤngte Lage Syriens leugnet, ja so⸗ gar selbst die schlechte Auffuͤhrung mehrerer Beamten, namentlich der Douaniers, erzaͤhlt. Man spricht hier davon, daß man eine Armee von 20,000 Mann nach Syrien schicken werde.

Smyrna, 9. Okt. Das Journal de Smyrne hat mit dem Journal des Débats eine Polemik in Bezug auf den Aufstand der Kandioten begonnen. Erstgenanntes Blatt sagt bei dieser Gelegenheit: „Was am meisten in den Artikeln des Jour⸗ nal des Déöbats auffaͤllt, ist seine Ungenauigkeit in der Haupt⸗ sache. Das Journal setzt in der That voraus, daß Kreta sich in Masse erhoben habe, um sich der muselmaͤnnischen Herrschaft zu

entziehen, und von dieser falschen Angabe ausgehend, sind alle seine,

Raisonnements, wie sehr sie auch den Schein fuͤr sich haben mo⸗ gen, in den Augen der Maͤnner, welche sich mit den orientalischen Angelegenheiten beschaͤftigen, ohne Werth und ohne Kraft, weil sie ohne Wahrheit sind.

die von außerhalb gekommen sind, um die Insurrection anzuschuͤ⸗ ren, und daß es ihr einziger Zweck war, nicht Kandia von der Herrschaft des Sultans zu befreien, sondern es durch diese verbrecherische Demonstration mit Griechenland zu vereinigen. Das ist das ganze Geheimniß jener Empoͤrung und es ist denen, welche die Tages-Geschichte schreiben, nicht gestattet, dasselbe zu ignoriren. Somit erweisen sich alle Declamationen uͤber die schlechte Behandlung, welche die Kretenser zur Empoͤ⸗ rung getrieben haben soll, als falsch; denn die Kretenser dachten gar nicht daran, sich zu empoͤren, sie widerstanden selbst lange Zeit den Einfluͤsterungen der Agenten, die gekommen waren, um den Buͤrgerkrieg im Lande zu organisiren, und weigerten sich foͤrmlich, an einer Empoͤrung Theil zu nehmen, von der sie we— der die Ursache, noch den Zweck kannten. Man mußte zu den groͤßten Kunstgriffen seine Zuflucht nehmen, um ihre Unschluͤssig- keit zu besiegen, und man ging selbst so weit, daß man ihnen eine angebliche Proclamation der Schutzmaͤchte Griechenlands vor⸗ zeigte, worin dieselben sich verpflichteten, die Insurrection durch alle ihnen zu Gebote stehende Mittel zu unterstuͤtzen, und selbst, wenn es noͤthig seyn sollte, mit den Waffen zu interveniren.“ „Mit Huͤlfe so veraͤchtlicher Mittel ist es einer Handvoll In⸗ triganten, aufgereizt von einigen Ehrgeizigen, die sich hinter dem Vorhange hielten, gelungen, einfache und unwissende Menschen durch die verfuͤhrerischsten Versprechungen und die furchtbarsten Drohungen irre zu leiten.

Ankunft des Kapudan Pascha die Eingebornen sich unterwarfen;

dies geschah in einem Theile der Ebene. Distrikte von Sphakia wurden sie durch die treulosen Vorstellun— gen der Griechen des Kontinents, der Haupt-Anstifter des Auf— standes, von diesem Entschlusse zuruͤckgebracht. Aber nur mit Widerstreben beharrten sie in dem Widerstande und benutzten jede Gelegenheit, um ihren Widerwillen kund zu geben. Endlich nach mehreren Niederlagen sahen sie die Nothwendigkeit ein, durch durften sich ihrer Waffen gegen dieselben Auslaͤnder bedienen, von denen sie verfuͤhrt worden und die alles das Elend uͤber ihr Va— terland gebracht hatten, welches die Zwietracht und die innere Uneinigkeit begleiten.“

„Wenn daher das Journal des Doébats behauptet, daß es nie eine mehr zu entschuldigende Empdrung gegeben habe, als die von Kreta; daß die Kretenser vor kurzem nur die Waffen ergriffen haͤtten, um sich nicht systematisch bis auf den letzten Mann ver— tilgen zu lassen u. s. w., so behauptet es Dinge, die aller Be⸗ gruͤndung und aller Wahrheit entbehren. Nicht in Kandia muß man die Ursache der letzten Insurrection suchen, sondern in den Comité's, die in Athen mit der stillschweigenden Genehmigung eines eben so unvorsichtigen, als ungeschickten Ministeriums gebil⸗ det wurden. Dort wurden alle jene so laͤcherlich emphatischen Dokumente jenes Schattenbildes einer Kretensischen Regierung ausgearbeitet, deren ephemere Existenz nur durch Betrug, Prahle⸗ reien und schimpfliche Flucht sich ausgezeichnet hat. Dort hatte man vor Allem ein Interesse dabei, die Insurrection zu unterstuͤz⸗ zen und sie fuͤr sehr ernstlich auszugeben, um Europa zur Inter⸗ vention zu bewegen, denn dort hatte man namentlich von dieser Insurrection getraͤumt und große Hoffnungen darauf gebaut.“

„Das Journal des Débats will, Europa solle seinen Ein⸗ fluß dazu anwenden, daß die Kretenser nicht wieder unter das Joch der Tuͤrken kommen, nachdem sie das Joch der Aegypter abge⸗ schuͤttelt, und daß ihre Empoͤrung gegen Mehmed Ali ihnen An⸗ spruͤche auf die Gunst der Europaͤlschen Maͤchte gebe. Wir ge⸗ stehen, daß wir dies nicht begreifen. Die Aegyptische Herrschaft ist auf Kreta nur durch die einfache Ausfuͤhrung des Traktats vom 15. Juli gestuͤrzt worden. Dergleichen historische Fakta soll— ten die Redacteure des Journal des Doébats doch nicht ignori⸗ ren. Wir legen um so mehr Gewicht auf diesen Umstand, weil

daraus folgt, daß die Kretenser, die nach ihrem isolirten Versuch im Weite Ein Uebergang.

Jahre 1834, sich auf Wuͤnsche gegen die Aegyptische Tyrannei beschraͤnkten, sich gewiß nicht gegen die legitime Herrschaft des Sultans empoͤrt haben wuͤrden, welche das durch den Despotis⸗ mus und die unersaͤttliche Habsucht der vorhergehenden Verwal⸗ tung entstandene Elend zu heben versprach.“

„Das Journal des Doebats wuͤnscht das Loos der christ⸗ lichen Bevoͤlkerung des Osmanischen Reichs, und namentlich Kreta's, verbessert zu sehen und schlaͤgt zu diesem Ende vor, daß Europa in Kreta wie in Syrien die Einfuͤhrung eines gemischten Ver⸗ waltungs⸗Systems, wobei die Christen Theil an der Gewalt haͤt⸗ ten, von der Pforte verlangen solle. Wir lesen indeß in demsel⸗ ben Artikel bei Gelegenheit der unter der Aegyptischen Regierung in Kandia eingesetzten Conseils, daß diese Conseils eine sehr gute Institution haͤtten werden koͤnnen, daß aber die Menschen weni⸗ ger taugten, als die Institution, und daß die Griechen die servil⸗ sten und feigsten Mitglieder dieser Conseils gewesen, die bald ein neues Werkzeug der Unterdruͤckung geworden seyen. Somit wi⸗ derlegt das Journal des Débats selbst seinen Verbesserungs⸗ Vorschlag durch die Erfahrung der Vergangenheit, und wir koͤn⸗ nen ihm kein triftigeres Argument entgegenstellen, als sein eigenes.“

„Nicht gluͤcklicher ist das Journal des Débats, wenn es

- Nein, es ist nicht richtig, zu sagen, daß Kreta sich gegen die Pforte empoͤrt hat, weil es seit laͤngerer Zeit klar bewiesen ist, daß es die der Insel fremden Griechen waren,

Der Beweis unserer Behauptung er⸗ giebt sich aus dem, was auf Kreta vorging, wo gleich nach der

In dem Gebirgs⸗

I

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eine schnelle Unterwerfung groͤßerem Ungluͤck vorzubeugen, und sie Kammern angezeigt, daß das auf 8,817,693,191

schweig hier durch, nachdem Hoͤchstdieselben seit dem

die Aufnahme der Konsuln in diese gemischte Verwaltung, oder wenigstens das Recht, darin gehoͤrt zu werden, fuͤr dieselben ver⸗ langt, indem es sich schmeichelt, dies werde hinreichen, um Kreta zu einem gluͤcklichen und reichen Lande zu machen. Man muß eine sehr unvollkommene Idee haben von den kleinlichen Rivali⸗ taͤten, den Eifersuͤchteleien aller Art, den entgegengesetzten Interes⸗ sen, welche oftmals die Konsuln, namentlich in den kleineren Han⸗ delsplaͤtzen, beherrschen, um einen Vorschlag zu wagen, wodurch ihr Einfluß und ihre Eigenliebe in bestaͤndige Beruͤhrung kaͤmen.“ „Aber das Journal des Débats msdge sich beruhigen. Die Regierung Sr. Hoheit hatte in ihrer vaͤterlichen Sorgfalt bereits die Uebel, welche zu heilen, die Mißbraͤuche, welche aus⸗ zurotten waren, erkannt und in dem Hattischerif von Guͤlhane ist fuͤr Alles gesorgt. Seine Ausfuͤhrung in Kreta, wie in dem uͤbri⸗ gen Reiche, wird allen Unterthanen des Sultans ohne Unterschied die gesetzlichen Garantieen gewaͤhren, wodurch ihre Sicherheit, ihre Rechte und ihre Wohlfahrt gesichert werden.“ 1

2 Vereinigte Staaten von Nord⸗Amerika. New⸗York, 7. Okt. Mac Leod hat aus seinem Gefaͤng⸗ nisse in Utica ein Schreiben an einen Freund gerichtet, worin er aͤußert, daß seine Anwalte wegen des Resultats seines Prozesses in Besorgniß seyen; er selbst aber halte seine Verurtheilung nicht fuͤr wahrscheinlich, obwohl sie nicht unmoͤglich sey, da die soge⸗ nannten Amerikanischen Patrioten so viel falsche Zeugen aufbrin⸗ gen wuͤrden, als sie nur aufbringen koͤnnten. Uebrigens sey er froh, daß seine Sache zu Ende gehe und er nicht darauf gedrun⸗ gen habe, sie vor den obersten Gerichtshof der Vereinigten Staa⸗ ten zu bringen, wo vor Juli 1842 keine Entscheidung erfolgt waͤre; denn seine Gesundheit habe durch die enge Gefangenschaft sehr gelitten, und so langer Verzug wuͤrde ihn sicherlich toͤdten. Was uͤbrigens die vielfach ausgesprengte Behauptung anbelange, daß er an der Amerikanischen Graͤnze sich geruͤhmt haͤtte, an der Zerstoͤrung des Piratenboots „Caroline“ Theil genommen zu ha⸗ ben, so sey diese feige Verlaͤumdung eine schaͤndliche Luͤge, die blos deshalb von Millionen geglaubt werde, weil ihr nie uͤber⸗ zeugend widersprochen worden sey. Als er am 21. September 1840 zu Manchester im Staate New⸗York verhaftet worden, haͤt⸗ ten sich gleich etwa 100 Personen um ihn versammelt, denen er ruhig erklaͤrt habe, der Zerstoͤrung des Bootes fremd zu seyn. Diese Erklaͤrung habe er vor der Behoͤrde widerholt und hinzu— gesetzt: er betrachte die Vernichtung der „Caroline“ als eine lo⸗ benswerthe und preiswuͤrdige Handlung und wuͤrde es frei her⸗ aussagen, wenn er daran Theil genommen haͤtte; eben so wenig aber wolle er auf eine Ehre Anspruch machen, zu der er nicht be⸗ rechtigt sey. Mac Leod schließt sein Schreiben mit der Bemer⸗ kung, daß er auch bei seiner zweiten Verhaftung, am 12. Novem⸗ ber, sogleich von einem Haufen Menschen umringt gewesen sey; wenn er also jene Prahlerei ausgestoßen haͤtte, so wuͤrde es an Beweisen dafuͤr nicht fehlen; bisher sey aber noch kein einziger Beweis von achtbaren Leuten gegen ihn vorgebracht worden; blos ein paar meineidige Schufte wollten zu Tschippewa eine solche Aeußerung von ihm gehoͤrt haben.

Dem hiesigen Courier wird aus Utica berichtet, daß sich mehr als 400 Mitglieder des sogenannten Jaͤger⸗Bundes in dor⸗ tiger Grafschaft allmaͤlig um jene Stadt sammelten, ols ob sie den Ausgang des Mac Leodschen Prozesses abwarteten, und dann ein gewaltsames Vorhaben ausfuͤhren wollen. Zu Whitesborough, wo Mac Leod eingesperrt war, hielten jede Nacht 10 Mann der Buͤrger⸗Garde die Wache. Fuͤr die Zeit des Prozesses sind ihnen 30 bewaffnete Soldaten fuͤr Tag und Nacht beigegeben; gegen einen Ueberfall haben uͤbrigens die Behoͤrden noch anderweitige Maßregeln getroffen.

Brasilien.

Rio⸗Janeiro, 1. Sept. Der Finanz⸗Minister hat den Defizit des laufenden Jahres sich Realen (1,100,000 Pfd. St.) belaufe. Zur Deckung dieses Defizits wurde beschlossen, den Zoll-Tarif zu re⸗ vidiren und den Eingangszoll von allen Waaren auf nicht weni— ger als 2 und nicht mehr als 60 pCt. festzusetzen. Der defini⸗ tive Ausfall soll durch eine Anleihe gedeckt werden, zu deren Kon— trahirung der Finanz⸗Minister autorisirt worden ist.

Mit vielem Beifall ist von der Kammer die Erklaͤrung auf⸗ genommen worden, daß der Handels⸗Traktat mit England im Jahre 1842, nicht, wie Lord Palmerston behauptet hat, erst im Jahre 1844, ablaufe.

1

Breslau, 29. Okt. Die Leitung des Baues der Ober⸗

Schhlesischen Eisenbahn ist seit dem 18. September von dem Bau⸗

Inspektor Manger, welcher sie bisher interimistisch und zur voll⸗ sten Zufriedenheit und Anerkennung der Gesellschaft fuͤhrte, an den als Ober⸗Ingenieur engagirten fruͤheren Ober⸗Ingenieur der Berlin⸗Anhaltischen Bahn, Herrn Rosenbaum, uͤbergegangen. Nach dem Schlußberichte des Herrn Manger stellt sich durchweg das hoͤchst guͤnstige Resultat heraus, daß die wirkliche Verwendung die Anschlagkosten der Bahn nirgend uͤbersteigen, sondern vielmehr dieselben nicht einmal erreichen wird. Bei der ersten bis zur Le⸗ gung der Schinen vollendeten Bahnsection von Breslau bis Oh⸗ lau war die Feststellung der Ueberfahrten mit den Grundbesitzern nicht ohne große Schwierigkeiten zu bewerkstelligen. Mit wenig

Ausnahmen erfolgte sie durch Kommissare der Koͤniglichen Regie⸗

rung bei Gelegenheit der Vorfluts⸗Eroͤrterungen und Bestimmun⸗ gen, und es ergiebt sich hiernach fuͤr diese Strecke auf 82 Ruthen Die Legung der Schienen selbst ist üunerwarteter Weise durch den ungemein niedrigen Wasser⸗ stand der Oder, auf welcher die Befoͤrderung der Schie⸗ nen (aus Belgien) erfolgen sollte, aufgehalten worden. Seit Anfang Juli sind auf der zweiten Seckion der Bahn zwischen Ohlau und Brieg (3830 Ruthen) woöchentlich 1200 Arbeiter be schaͤftigt gewesen. Hier waren die Arbeiten bei weitem bedeuten⸗ der, als auf der ersten Section, weil die Dammhoͤhe zum großen Theil mehr als 12 Fuß betraͤgt und an einzelnen Stellen auf 18 und 21 Fuß steigt. Auch diese Strecke ist beendet, so daß sich der ganze Bahndamm uͤber Winter vollstaͤndig konsolidiren kann. In der dritten Section zwischen Brieg und Oppeln sind seit dem Anfange September gegen 200 Arbeiter mit der Dammschuͤttung durch die Neiße⸗Niederung bei Loͤwen beschaͤftigt gewesen.

Breslau, 1. Nov. Heute kam Se. Durchlaucht der re⸗ gierende Herzog von Braunschweig auf der Ruͤckreise nach Braun⸗

8 23. Oktober

auf Schloß Sybillenort verweilt und auf den dortigen reichen

Jagd⸗Revieren einige glaͤnzende Jagden abgehalten haben.