1841 / 310 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

den Pruͤfstein, welcher bestimmen muͤsse, ob die Reaction, welche nerste des Volkes eingedrungen sey, wie diese behaupten, und wie

Am bemerkenswerthesten unter diesen Munizipal⸗Wahlen ist in-

8 aa] ie hoͤlzerne Kanone, welche Marlboroughs erbeutete Kanonen, eine hoͤlzerne von Voulogne der Herzog von Suffolk zur Zeit der ö V sen e 2. Einwogaef 2 gö-, welchem Lord orro 1sshe. 4* es Schiffes, X Re 1 1798 von Bonaparte erbeutete Peson fiel, a . der abgenommen wur⸗ Aus der uͤber den Ur⸗

fremde Fahnen, die den eeeeee 1“ Urgersuchung geht hervor, 28 zescheiuli die allzustarke Erhitzung der Heizroͤhren

E bepohnten Theile des abgebrannten Gebaͤudes entstanden ist. Die weitere Verbreitung desselben will man dem Umstande zuschreiben, daß es in dem S an den noͤthigen Wasser⸗Behaͤltern, fehlt, durch die das zum Löschen erfor⸗ derliche Wasser schneller haͤtte herbeigeschafft werden koͤnnen. Die Flammen brachen heute fruͤh von neuem aus, wurden indeß bald gaͤnzlich erstickt. Nach dem Bericht des Standard sollen 250,000 Stüuͤck Gewehre in dem Arsenal gewesen und nur 4000. gerettet worden seyn. Großer Schaden soll auch an der Samm⸗ lung geographischer Karten, welche sich in dem Tower befindet, weniger durch das Feuer, als durch die Fortschaffung derselben waͤhrend des Brandes, angerichtet worden seyn. Nach dem Standard haͤtten sich besonders die Soldaten wieder die Gele⸗ genheit zu Nutze gemacht, Diebstaͤhle an dem Privat⸗Eigenthum der im Tower wohnenden Beamten zu begehen. Wie man aus obigen Angaben uͤber das abgebrannte Gebaͤude ersieht, war das⸗ selbe eines von denen, welche im Lauf der Jahrhunderte dem al⸗ ten eigentlichen Tower hinzugefuͤgt wurden. Dieser letztere wird von Einigen fuͤr ein Denkmal aus der Roͤmerzeit gehalten, wenn auch kein historisches Zeugniß dafuͤr vorhanden ist. Ein Englischer Alterthumsforscher, Dr. Stukeley, ist der Meinung, daß derselbe um die Zeit Konstantin's des Großen gebaut worden, und Dr. Miller meint, daß er die Hauptveste der Roͤmer in Britanien ge⸗ wesen sey. Andere dagegen, und ihre Ansicht ist die all⸗ gemeiner angenommene, glauben, daß der aͤlteste Thurm des Towers erst von den Normanen erbaut worden, deren Fuͤr⸗

sten hier fuͤnf Jahrhunderte lang ihre Residenz hatten. Die Tower⸗Citadelle hat vier Hauptthuͤrme: der weiße Thurm, wo sich das Marine⸗Arsenal befindet; der Thurm von Wakesield, wo Heinrich VI. ermordet wurde; der Thurm von Beauchamp, in welchem Anna Bolena und Johanna Grey gefangen saßen, und der Lowenthurm, der zur Menagerie dient. Von allen diesen ist keiner durch die Feuersbrunst zerstoͤrt worden.

Die hiesigen Zeitungen sind jetzt sehr damit beschaͤftigt, die Resultate der Munizipal⸗Wahlen zu besprechen, welche in allen Theilen des Landes gestern begonnen haben. Sie sehen darin

ie Tories zur Regierung berufen hat, wirklich so tief in das In⸗ auch die letzte allgemeine Parlamentswahl darzuthun geeignet schien.

deß die Lord⸗-Mayors⸗Wahl in Dublin, welche auf gestern ange— setzt war. Dort ist jetzt erst die neue Irlaͤndische Munizipal⸗Re⸗ form-Akte in Wirksamkeit getreten, und die neuen Munizipalitaͤ⸗ ten sollten ihr Amt gestern antreten. O' Connell, der zu den be⸗ reits gewaͤhlten Aldermen gehoͤrt, hatte sich bekanntlich als Kan⸗ didat zu der Wuͤrde des Lord⸗Mayors gemeldet und es schien be⸗ reits feit einigen Tagen so wenig Zweifel an seiner Erwaͤhlung zu herrschen, daß der Morning-Advertiser heute schon von ihm als dem erwaͤhlten Lord⸗Mayor spricht und auch die Mor⸗ ning-Post gegen das Faktum der Wahl nichts mehr einzuwen⸗ den hat und sich nur bemuͤht, dieses Ereigniß dadurch in dem moͤglichst besten Lichte erscheinen zu lassen, daß sie darauf hinweist, O'Connell, mit amtlichen Verpflichtungen belastet, werde nicht mehr mit der vollkommenen Freiheit, wie fruͤher, seinen Repeal⸗ Bestrebungen nachgehen koͤnnen. In Leeds fallen die Munizipal— Wahlen zu Gunsten der Whigs aus, in Liverpool und Dover findet das Gegentheil statt.

Nach der Freisprechung Mac Leod's einerseits, der nach dem Verdikt der Jury zu Utica natuͤrlich sogleich seine volle Freiheit wieder erhielt und jetzt vermuthlich die Vereinigten Staaten schon verlassen haben wird, so wie nach der Freilassung Grogan's ande⸗ rerseits, aus der Citadelle von Montreal, wo dieser Amerikanische Buͤrger gefangen saß, waͤren fuͤrs erste alle Besorgnisse vor einem Friedensbruche zwischen den Vereinigten Staaten und Großbrita⸗ nien beseitigt, wenn nicht etwa Letzteres, was unter Anderem der Globe fuͤr nothwendig erklaͤrt, sich veranlaßt findet, auf Genug— thuung fuͤr die Verhaftung Mac Leod's und auf Entschaͤdigung fuͤr denselben zu dringen. Aber auch fuͤr einen solchen Fall giebt der Toryistische Morning Herald Beruhigung; wenigstens be⸗ hauptet er, aus guter Quelle zu wissen, daß die Englische Regie⸗ rung im voraus die Vermittelung Frankreichs fuͤr alle Differenz⸗ Faͤlle angenommen habe, welche etwa noch uͤber die Mac Leodsche Sache oder die Graͤnzstreitigkeit entstehen moͤchten.

Die durch die Faͤlschung von Schatzkammerscheinen in der City veranlaßte Aufregung hat allmaͤlig nachgelassen, und die Stempelung der echten Scheine bei der Schatzkammer wird bald die im Publikum entstandene Verlegenheit ganz beseitigen. Wenn man damit fertig ist, so koͤmmt es nur noch darauf an, was fuͤr die Inhaber der falschen Scheine geschehen soll. Im Allgemei⸗ nen ist man im Publikum der Meinung, daß die Regierung fuͤr die Handlungen ihrer Beamten verantwortlich sey und der Ver⸗ lust also von der Schatzkammer getragen werden muͤsse, nicht aber

von den Leuten, die arglos Vorschuͤsse auf ein Papier geleistet, welches von Seiten der Schatzkammer nach geschehener Vorzei⸗ gung wiederholt fuͤr guͤltig erklaͤrt worden war. Lord Moun⸗ ö der als General⸗Controlleur der Schatzkammer bei der der Scheine jetzt vollauf zu thun hat, ist fortwaͤhrend ein Begenstand des Angrisss der ministeriellen, so wie der Vertheidi⸗ gung der lüberalen Presse. gittleDies ofeZeitung enthaͤlt einen Bexicht des Lieutenant Littlehales von der an der Afrikanischen Küuͤste kreuzenden Bri⸗ gantine „Dolphin“, in welchem er die am 30. Mai d. I auf der Hoͤhe von Whydah durch die Bote des Schiffes herkeigefahnte L.-S,eas -pc s.g,86⁷½4ʃq Boͤte des Schiffes herbeigefuͤhrte Wegnahme der Brasilianischen zum Sklavenhandel ausgerü Brigantine „Firmo“ meldet, welche durch Entern wurde, ehe sie ihren Bestimmungsort an der Kaͤste erreichen konnte. Die Englaͤnder hatten zwei Todt 9 1 d e, zwei schwer und zwei leicht Verwundete, der Sklavenhaͤndler zwei Todte, einen schwer und sechs leicht Verwundete. Die Admiralitaͤt hat den die Bote befehligenden Mate Murray sofort zum Lieutenant befbrdert. Es werden noch immer mehr Truppen nach China beordert So soll jetzt das 98ste Regiment, statt, wie fruͤher bestimmt war, ein Regiment auf Mauritius abzulboͤsen, die Chinesische Expedition verstaͤrken und eben so das 50ste Regiment direkt von Kalkutta nach China abgehen. Lord Ellenborough geht am 6ten d. M. nach Ostindien ab, wenn es nicht noch fuͤr noͤthig gefunden werden sollte, daß er die naͤchste Ostindische Post abwartet. Morgen giebt ihm die Ostin⸗ dische Compagnie ein großes Abschiedsmahl, zu dem die Minister

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Eine Anzahl von Banquiers und Kaufleuten war bekannt⸗ lich zusammengetreten, um der Redaction und den Eigenthuͤmern der Times ein Zeichen ihrer Dankbarkeit fuͤr die mit bedeuten⸗ dem Kosten⸗Aufwande verknuͤpften Bemuͤhungen darzubringen, welche dieses Blatt aufgewendet hatte, um genaue Nachweisungen uͤber die in Europa weit verzweigte Schwindler⸗Association herbei⸗ zuschaffen, welche im vorigen Jahre entdeckt worden ist. Die zu dem obenerwaͤhnten Zwecke unterzeichnete Summe betraͤgt bereits 1670 Pfd. 18 Sh., wie in einer gestern gehaltenen Comité⸗Ver⸗ sammlung angezeigt worden ist. Die Times hat aber schon er⸗ klaͤrt, daß sie einen solchen Lohn fuͤr ihre Bemuͤhungen nicht an—⸗ nehmen werde; man wird also das Geld wohl anders verwenden.

Die AQuebec Gazette vom 4. Oktober meldet die Verun⸗ gluͤckung des Emigrantenschiffes „Amanda“ an der Kuͤste von Ka⸗ nada. Einundvierzig, meist Irlaͤndische Auswanderer, haben das Leben verloren.

Zu dem gestrigen Getraidemarkt war ansehnliche Zufuhr von Weizen aus den Provinzen eingetroffen, der zu 1 bis 2 Schilling hoͤheren Preisen, als am vorigen Montag, willige Abnehmer fand. In fremdem wurde zu den Freitagspreisen ziemlich viel abgesetzt.

Auf die Nachricht von der Freisprechung Mac Leod's gingen die Fonds an der hiesigen Boͤrse sogleich um ½ pCt. in die Hohe.

London, 2. Nov. Das Schicksal will nun einmal, daß wir nicht aus unseren finanziellen Schwierigkeiten herauskommen und dem konservativen Ministerium seine Last nicht erleichtert werde. Noch ehe wir die Nachricht von der Freisprechung Mac Leod's, der Zuruͤcksendung des widerrechtlich auf fremdem Boden verhafteten Grogan und einiger zuruͤckkehrenden Maͤßigen unter

en Amerikanischen Graͤnzern empfangen, welche die Regierung in en Stand setzen mochte, den Bewaffnungen Einhalt zu thun, ar der ungeheuere in dem Finanz⸗Ministerium veruͤbte Betrug ekannt geworden, welcher der Nation hoͤchst wahrscheinlich 00,000 Pfd. kosten wird. Kaum aber war dieses verschmerzt, s ein Feuer im hiesigen Tower ausbricht und in wenigen Stun⸗ n verzehrt, was großentheils unersetzlich ist, die schoͤnste Samm⸗ ng alter National⸗Waffen und Trophaͤen aus allen Weltgegenden; s, was an Gebaͤuden und Waffen wieder ersetzt werden inn, wird auf wenigstens eine Million Sterling angeschlagen. bie Zeitungen geben Ihnen hieruͤber das Naͤhere. (Vergl. oben.)

Aber auch das fast beispiellose Regenwetter traͤgt dazu bei,

Gemuͤther, wie den Himmel, zu truͤben. Der Verkehr stockte

dieser Zeit mehr wie je. Von 26,000 Schneidergesellen, welche

in London geben soll, sollen 17,000 ohne Arbeit seyn, und zum wenigsten 1100 Setzer und an 500 Drucker sind ohne Brod. Wenn dies so fortdauert und die Geschaͤftslosigkeit zunimmt, so duͤr⸗ feh wir auch hier bald Meetings und Aufzuͤgen entgegensehen, welche unsere Gutsherren beunruhigen muͤssen. In den Fabrik⸗ staͤdten steigt die Noth von Wochezu Woche, und die Zahl derer, welche sich bei den Armenpflegern oder den Ausschuͤssen, welchen die Ver⸗ theilung freiwilliger Beitraͤge zugetheilt ist, melden, nimmt immer zu. Da aber weder diese noch jene hinreichend helfen koͤnnen, und es den unbeschaͤftigten Arbeitern und deren Familien eben so sehr an Kleidung als an gesunden Wohnungen gebricht, so vermehren sich auch Krankheiten und Todesfaͤlle unter denselben auf eine schreck⸗ liche Weise. In einer Stadt nach der anderen muͤssen Versamm⸗ lungen gehalten werden, um sich uͤber die Mittel zu berathen, dieser Noth in der eigenen Lokalitaͤt zu begegnen; und die Be⸗ richte, welche dabei von Armenpflegern, Armen⸗Aerzten und anderen Behoͤrden vorgelegt werden, lassen keinen Zweifel

uͤbrig, daß, wenn auch allenthalben ein politischer Grund zu er— kennen ist, die Uebel als beispiellos darzustellen und solche mit den Getraidegesetzen in Verbindung zu bringen, sie doch nichtsdestoweniger vorhanden sind. Wie nun der Winter vorruͤckt und immer mehr Fabriken die Arbeit einstellen, muͤssen die Aufrufe um milde Bei— traͤge immer dringender und allgemeiner werden und sich den Konservativen, wie den Whigs, empfindbar machen. Auch wird man wahrscheinlich so viel, als man immer kann, von den Ar⸗ beitern nach ihren Doͤrfern zuruͤckschicken, und somit auch die Paͤch⸗ ter zur Einsicht bringen, daß ihr eigenes unmittelbares Interesse das Wohlbefinden der Staͤdter erheischt. Umackehrt aber wer⸗ den diese auch durch die verminderten Einkaͤufe der durch die Ar⸗ mensteuer gedruͤckten Landleute inne werden, daß ein verarmter Bauernstand sie selbst zu Grunde richten muͤsse. Alle diese Er— fahrungen werden dann hoffentlich die Folge haben, daß man die gegenseitigen Vortheile von Stadt und Land als weniger getrennt betrachtet und beide Theile lernen, die Verhaͤltnisse des Tarifs zum Wohle des Landes im Ganzen aufzufassen. Die Gutsherren sind doch wenigstens zu der Einsicht gekom⸗ men, daß selbst solche, welche noch vor wenigen, Monaten die ge⸗ ringste Veraͤnderung an dem Getraidegesetz fuͤr eine Art von Tempelraub gehalten hatten, sich eine Herabsetzung in den Zollen gefallen lassen wollen, so lange nur die veraͤnderliche Skala bei⸗ behalten wuͤrde. Geschieht nun dieses bald und tritt inzwischen in dem Fabrikwesen, gleichviel woher, eine Verbesserung ein, so verliert sich wohl auf einige Jahre hin die Unruhe und Bewe⸗ ung unter den Mittelklassen. Wird aber die Veräaͤnderung nicht edeutend genug und zu lange verschoben, und bleiben die Mittel⸗ klassen bis in den Fruͤhling hinein in ihrer gedruͤckten Lage, so ist nicht vorauszusagen, welchen Grad die Gaͤhrung erreichen duͤrfte. Die Aristokratie verstaͤrkt sich freilich zusehends durch Whigs, de— nen die Bewegung zu bedrohlich wird, oder welche unter einer konservativen Verwaltung die unmittelbaren Vortheile ihrer Par⸗ tei gesicherter waͤhnen, als unter einer, welche die Mittel- und un— teren Klassen mehr auf sich einwirken zu lassen scheint. Es giebt aber auch Whigs, und darunter mehrere aus den aͤltesten und reichsten Familien, die entschlossen scheinen, an der Spitze einer Bewegung zu bleiben, welche, wie sie uͤberzeugt sind, auch ohne sie ihren Gang, und zwar einen noch gefaͤhrlicheren, gehen wuͤrde. Obgleich sie hier und da das Volk aufzuregen scheinen, so thun sie im Grunde doch nicht mehr, als daß sie das allgemeine Verlangen aus⸗ sprechen. Indem sie dieses thun, erlangen sie das Zutrauen der Unzu⸗ friedenen und sind im Stande, deren Bewegung zu maͤßigen. Zu⸗ gleich aber hoffen sie, ihrer Partei durch ihr Verfahren mehr zu dienen, als jene schuͤchternen Seelen, welche durch ihr unbedingtes Anschließen an die Vertheidiger des Bestehenden die Sache dessel⸗ ben noch mehr zu befestigen glauben. Denn sie duͤrfen erwarten, daß, so sehr sie auch von dem Herrenstand und dessen Organen geschmaͤht werden, dieser den Forderungen der Zeit eher Gehoͤr geben werde, als wenn Mittelklassen und Volk ihm gegenuͤber allein stuͤn⸗ den; und daß gerade durch zeitiges Nachgeben das Uebel fuͤr ihren Stand vermindert wuͤrde, wenn es ihnen anders als ein Uebel erscheint. Dieser Art ist die geharnischte Rede, welche Lord Howick so eben zu Sunderland bei Gelegenheit der Feier seiner Erwaͤhlung zum Vertreter jener Stadt gehalten, und wofuͤr er von den konserva⸗ tiven Blaͤttern so mitleidslos geschmaͤht wird. So auch die Whig⸗Versammlung zu Wakefield, unter dem Vorwande, eine Kondolenz⸗Adresse an Lord Morpeth wegen seiner Verwerfung bei der letzten Wahl zu votiren, wobei besonders der Graf Fitz⸗

eingeladen sind.

william als eifriger Berfechter der Konsumenten gegen die Guts⸗

besitzer auftrat. Je kleiner die Zahl dieser Aristokraten, welche sich auf die Seite des Volkes stellen, desto heftiger muß sie in ihren Ausdruͤcken seyn; sie muß es, um diesem Zutrauen einzu⸗ floͤßen und ihre Gegner zu schrecken. Und die Sache, die sie fuͤhren, ist von der Art, daß sie bestaͤndig an Staͤrke gewinnen muß, wenn Peel selbst nicht seinen Anhang zu vermoͤgen weiß, auf einmal durch ein großes Opfer die Volksliebe zu gewinnen.

Was die Amerikanischen Verhaͤltnisse betrifft, so scheint un⸗ sere Regierung so weit Hoffnung zur Erhaltung des Friedens zu schoͤpfen, daß sie vorige Woche (ich weiß nicht, ob nur proviso⸗ risch) dem Bau der zu Woolwich auf dem Stapel liegenden Schiffe Einhalt gethan; jedoch nicht der Ausruͤstung mehrerer neuen Kriegs⸗Dampfschiffe, welche dort ihre Maschinen, Maste u. s. w. erhalten. Auch herrscht hier allgemein die Ueberzeugung, daß wir uns nur dann zufrieden geben duͤrfen, wann wir die Sicherheit erlangt haben, daß uns ein aͤhnlicher Schimpf, wie der Mac Leodsche Prozeß, zum zweitenmale nicht geboten werde. Diese Sicherheit aber kann uns nur durch eine Veraͤnderung in der Foͤderations⸗Akte der Staaten gegeben werden, wodurch der Central⸗Regierung die Macht gegeben wuͤrde, ihren Ueberzeugungen von dem, was sie fremden Staaten gegenuͤber fuͤr recht haͤlt, Wirksamkeit zu ver— schaffen. Die Demagogen wuͤrden sich freilich einem solchen An⸗ sinnen widersetzen, aber die Regierung selbst und die ganze Whig⸗ Partei in den Vereinigten Staaten, deren Grundsatz eine kraͤftige Central⸗Regierung ist, wuͤrde demselben gewiß mit Freuden ent⸗ gegenkommen; und da sie eben die Oberhand hat, es auch durch⸗ setzen. Die Behauptung des Morning Herald, daß unsere Regie⸗ rung bereit sey, den Streit uͤber die nordwestliche Graͤnze der Franzoͤ⸗ sischen Regierung zur Schlichtung anheimzustellen, wird nur von wenigen geglaubt.

Wegen des Feuers im Tower machen zwar einige Wunder liebende Leute geheimnißvolle Gesichter und mur⸗ meln von Brandstiftung. Im Tower selbst, sowohl unter dem Militair, als unter den daselbst lebenden zahlreichen Civil⸗Beam⸗ ten, scheint Niemand daran zu zweifeln, daß das Feuer in einem Schlot der an den Waffen-Saal stoßenden Werkstaͤtten entstan⸗ den sey.

Belgien.

Brüssel, 3. Nov. Der Koͤnig ist vorgestern Abend vom Schloß Ardenne in Laeken wieder eingetroffen und hat noch an demselben Abend mit dem Kriegs⸗Minister gearbeitet. Der Mo⸗ niteur enthaͤlt heute das Programm der Feierlichkeiten bei der am 9ten d. M. durch Se. Majestaͤt den Koͤnig stattfindenden Eroͤffnung der Kammern.

Seit Sonntag haben keine neuen Verhaftungen stattgefunden. In Bruͤssel herrscht aber auch fortwaͤhrend die vollkommenste Ruhe.

Es heißt, daß die vornehmsten Verschworenen in der letzten Zeit sehr oft naͤchtliche Zusammenkuͤnfte gehalten. Man zechte dort und berauschte sich, wobei es dann an Declamationen gegen die Regierung nicht fehlte. Der Intendant van Parys soll uͤber die Unbesonnenheit seiner Freunde stutzig geworden seyn und sich in den letzten Tagen unter dem Vorwande einer Krankheit etwas von ihnen zuruͤckgezogen haben. Einer der Verschwornen hatte den Beamten der Fourrage⸗-Magazins eine Quantitaͤt Stroh ver⸗ kauft, das am Abend vor Ausbruch des Komplottes abgeliesert werden sollte. In dieses Stroh hatte man Schachteln mit Zuͤnd⸗ schwamm gethan, der sich durch den Druck entzuͤndet und das Gebaͤude in Flammen gesetzt haͤtte, was man alsdann zur Aus⸗ fuͤhrung des Planes benutzen wollte.

Ein Pole, der als Beamter der Regierung angestellt ist, war ebenfalls festgenommen, ist jedoch, da es nur in Folge eines Irr⸗ thums geschehen war, sogleich wieder freigelassen worden. Frau van der Smissen befindet sich, eben so wie die Haupt-Theilneh— mer des Komplotts, im engsten Gewahrsam und darf Niemand sprechen. Die Zahl der Verhafteten belaͤuft sich im Ganzen auf zwanzig. Drei Damen, die sich bereits an der Hollaͤndischen Graͤnze befanden, sind ebenfalls festgenommen worden.

Bei dem wegen seiner orangistischen Gesinnung bekannten Advokaten Metdepenningen in Gent haben Haussuchungen statt— gefunden, ohne daß diese jedoch zu irgend einem Ergebniß gefuͤhrt. Als dies geschah, befand sich Herr Metdepenningen eben auf dem Kasino; auch war damals in Gent von den in Bruͤssel genom⸗ menen Maßregeln noch nichts bekannt.

Die Offiziere des Elite- und des Guiden⸗Regiments, die hier in Bruͤssel garnisoniren, haben Erklaͤrungen unterzeichnet, worin sie ihre Ergebenheit fuͤr den Koͤnig und die Regierung darlegen und gegen die Geruͤchte protestiren, welche ihnen eine gewisse Sym⸗ pathie fuͤr die Verschworenen andichteten. Der General van der Smissen soll sich geruͤhmt haben, daß er der Theilnahme des Elite⸗ Regiments versichert sey. v1“

Alle aus Holland ankommende Briefe sind einige Tage lang einer strengen Kontrolle unterworfen gewesen. b

Eine neue Eisenbahn⸗Strecke in Belgien, naͤmlich die zwi⸗ schen Tubise und Soignies, ist am Sonntag in feierlicher Weise eroͤffnet worden.

Schweden und Norwegen.

Christiania, 20. Okt. (L. A. Z.) Die Storchings⸗Wahlen in hiesiger Stadt regten 14 Tage die Gemuͤther auf das lebhaf⸗ teste an, und der Gang derselben wurde mit steigender öe verfolgt. Auch diesmal gaben sich die unteren Buͤrger⸗Klassen der Victualienhaͤndler und Handwerker unendliche Muͤhe, Zwei aus ihrer Mitte in die gesetzgebende Versammlung zu bringen, um da⸗ selbst ihre Interessen zu vertheidigen. Ihr Augenmerk war insonderheit auf einen vermoͤgenden Gerber und einen sehr gebildeten Kupferschmidt gerichtet. Allein der Beamten— und Handelsstand setzte ihnen einen so nachdruͤcklichen und klug geleiteten Widerstand entgegen, daß sie schon in der Waͤhlerversammlung in der Minoritaͤt blieben, und daß die end⸗ liche Wahl auf die schon fruͤher als Storthingsmaͤnner Ausge⸗ zeichneten, Capitain Foß, Hoͤchsten⸗Gerichts⸗Beisitzer Rye und Landrichter Soͤrenssen, wie auf Herrn Schweigaard, Professor in der juristischen Fakultaͤt, fiel, und selbst unter den naͤchsten Er— satzmaͤnnern nur die Namen Hoͤhergestellter gefunden werden. Die Zahl der Stimmfaͤhigen hier betraͤgt jetzt 1134, mithin die⸗ jenige der Waͤhler 22. Es waren 931 Stimmzettel als guͤltig an⸗ erkannt worden. Alle Verhandlungen waren oͤffentlich, und die Versammlungssaͤle immer gedraͤngt voll, doch ohne daß die Ord⸗ nung auch nur durch den geringsten Zwischenvorfall gestoͤrt wor⸗ den waͤre. Unter den hoͤheren Klassen gab es eine Partei, welche sich der Wahl des Professors Schweigaard widersetzte und an⸗ dere Kandidaten in Vorschlag brachte; allein auch diese konnte die Unbescholtenheit, Arbeitsamkeit, bei mehreren erheblichen Kom⸗ missionen erprobte vielseitige Geschaͤftstuͤchtigkeit des genannten von der studirenden Jugend nicht nur hochgeachteten, sondern auch (was ein seltener Fall ist) fast bis zum Enthusiasmus ge⸗ liebten Gelehrten nicht in Abrede stellen. Auch in den uͤbrigen Norwegischen Handelsstaͤdten sind die Wahlen meist zu Gunsten

der Beamten ausgefallen, was jedoch in den Landdistrikten nichts

b 8 8 1 8 weniger als der Fall gewesen, indem man hier Bauern und Pfar⸗

rer bevorzugt hat.

Eines Aufsehen macht der Abschied des Herrn Adolf B. Sta⸗ bell aus Koͤniglichen Diensten. Nach elfjaͤhriger ruͤhmlicher Thaͤ⸗ tigkeit im Revisions⸗Departement, in welchem er als Bevollmaͤch⸗ tigter arbeitete, verlangte er noch im Alter der Kraft seine Ent⸗ lassung, weil seine amtlichen Verhaͤltnisse sich nicht mit seinen pu⸗ blizistischen vertruͤgen. Ihm verdankt naͤmlich das hiesige Mor⸗ genblatt durch gediegene Artikel allgemeine Verbreitung und ausgedehnten Einfluß. Es verdient bemerkt zu werden, daß un⸗ sere eigentliche Regierung den schriftstellerischen, wenn auch mißbe⸗ liebigen Meinungs⸗Aeußerungen selbst der ihr unmittelbar unter⸗ geordneten Beamten kein Hinderniß in den Weg zu legen pflegt, geschweige irgend einen um dieser Ursache willen verabschiedet hat; allein in den hoͤheren Regionen stoßen allerdings die oppositionellen Publizisten bei ihren Ersuchen um Dienststellen, zu denen sie sonst befaͤhigt und selbst von ihren Obern empfohlen seyn moͤchten, auf unuͤberwindliche Schwierigkeiten, wie denn Solches Herrn Sta⸗ bell mehrmals begegnet ist. Uebrigens bietet die Laufbahn eines selbst beliebten Norwegischen Schriftstellers nichts anderes Ermun⸗ terndes als die durchaus freie Ergießung seines Herzens dar, und noch ist es keinem gelungen, blos auf diesem Wege seinen Lebens⸗ Unterhalt zu sichern.

Zu den neuerlichen Regierungs⸗Veranstaltungen gehoͤrt die Aufhebung des Handels⸗ und Freundschafts⸗Traktats mit Spa⸗ nien aus dem Grunde des von den Cortes beschlossenen Zoll⸗ Tarifs, durch welchen die Einfuhr Norwegischen Klippfisches gegen die fruͤheren Uebereinkommnisse gedruͤckt worden ist. Dessenunge⸗ achtet moͤchten doch die Spanischen Handelshaͤuser fortwaͤhrend ihre Rechnung dabei finden, wie die Neapolitanischen, sich bei den Norwegischen Fischhaͤndlern selbst in ihren eigenen Schiffen mit jenem unentbehrlichen Beduͤrfnisse der katholischen Welt zu ver⸗ sorgen.

Von Herrn Wergeland, dem Dichter, ist in diesen Tagen

zur Begruͤndung seines dem Storthing eingereichten Antrages auf

Ausmerzung der im Grundgesetz enthaltenen Bestimmung in Be⸗ treff der Juden, eine sehr gehaltreiche Schrift erschienen. An dem Erfolge seiner humanen Bemuͤhungen ist jedoch sehr zu zweifeln; denn da schon waͤhrend der langen Vereinigung Norwegens mit Daͤnemark die Juden die Graͤnzen nicht uͤberschreiten durften, kennt man dieses Volk in seinen gegenwaͤrtigen Zustaͤnden zu we⸗ nig, um ein genuͤgendes Urtheil faͤllen zu koͤnnen; und das Bei— spiel anderer Staaten, wo es nur um Emancipation zu thun war, kann hier nichts entscheiden.

In der Naͤhe Toͤnsbergs, im Kirchspiele Stokke, ereignete sich am 28. September Nachmitags 4 Uhr ein im suͤdlichen Nor— wegen seltenes Ungluͤck, naͤmlich ein Erdfall, durch welchen etwa 60 Morgen mit Getraide und Kartoffeln bedeckten Landes nebst zwei Wohn- und mehreren Außengebaͤuden in eine Tiefe von 30 40 Fuß, in einen unten fließenden Bach hinabgestuͤrzt wur⸗ den. Hausgeraͤth, eingesammelte Feldfruͤchte und zwei Kuͤhe wa— ren in einem Augenblicke verschwunden, und der ploͤtzlich schwel⸗ lende Bach riß eine Muͤhle mit sich fort, doch ohne daß ein Men— schenleben eingebuͤßt wurde. Aus einem schwefelartigen Geruche will man auf ein Erdbeben als Ursache schließen. Indessen ge— nuͤgt wohl das allmaͤlige Unterspuͤlen dieses von anhaltendem Re⸗ gen erweichten Erdfleckes zur Erklaͤrung. Jetzt bezeichnet ein un— geheures Grab diese sonst wohlangebaute Stelle. 8

Dänemark. Kopenhagen, 2. Nov. Nach der am Sonnabend Mittag auf dem Christiansburger Schloß stattgefundenen Cour der beiden ersten Rang-Klassen in Veranlassung der Verlobung Sr. Durch⸗ laucht des Prinzen Christian von Gluͤcksburg (geb. den 8. April 1818) mit Ihrer Durchlaucht der Prinzessin Louise von Hessen (geb. den 7. September 1817) war Tafel, und Se. Majestaͤt der Köͤnig geruhten, die Gesundheit der hohen Neuverlobten auszu— bringen. Gegen 7 Uhr war die Tafel beendet, und der Abend dieses Tages ward durch einen Ball bei Sr. Koͤniglichen Hoheit dem Prin⸗ zen Ferdinand gefeiert. Fuͤr das Gluͤcksburger Fuͤrstenhaus hatte im vorigen Monat noch eine andere frohe Begebenheit statt, indem ein aͤlterer Prinz dieses Hauses, Se. Durchlaucht Prinz Friederich (geboren den 23. Oktober 1814) sich am 16. Oktober in Buͤckeburg mit der Tochter des regierenden Fuͤrsten von Lippe⸗ Schaumburg, der zweiten Tochter des Fuͤrsten, vermaͤhlte (wie bereits aus Buͤckeburg berichtet worden).

Deutsche Bundesstaaten. Wieimar, 30. Okt. Wie man hoͤrt, soll unser Erbgroß⸗ herzog gesonnen seyn, die Restauration der beruͤhmten Wartburg noch in groͤßerem Maßstab ausfuͤhren zu lassen, und wird dafuͤr eine bedeutende Summe verwilligt werden. Der bekannte Maler Simon, der sich viel und gluͤcklich mit dem Mittelalter beschaͤf⸗ tigt, soll dabei vorzuͤglich in Thaͤtigkeit gesetzt werden.

Der bekannte Dichter A. von Sternberg ist heute, seinen Lan— desgesetzen folgend, die nur einen bestimmten Aufenthalt im Aus⸗ lande gestatten, nach Rußland zuruͤckgekehrt. Waͤhrend seines hie⸗

2 e 27 2 7 8 g sigen fuͤnfjaͤhrigen Aufenthaltes bewegte er sich in sehr engem

Kreise; die Großherzogin widmete ihm freundliche Aufmerksamkeit, und er wurde oft an Hof gezogen.

1 Hesterreich.

—**X Wien, 2. Nov. Der gesammte Hof, mit Ausnahme Sr. Koͤnigl. Hoheit des Prinzen von Palermo und seiner Ge⸗ mahlin, hat Schoͤnbrunn zu Ende voriger Woche verlassen und den Winter⸗Aufenthalt in der Hofburg genommen. Das Wet⸗ ter ist fuͤr die vorgeruͤckte Jahreszeit hier noch immer außeror⸗ dentlich warm und gestern Nachmittags zwischen 4 und 5 Uhr hatte man sogar das fuͤr den November seltene Phaͤnomen eines Gewitters; nichtsdestoweniger zeigte heute Morgens das Thermo⸗ meter +† 8 bei truͤbem Himmel.

2 „Der neue Koͤniglich Preußische Gesandte am hiesigen Hofe, Freiherr von Canitz und Dallwitz, wird stuͤndlich hier erwartet. Der Koͤniglich Franzoͤsische Botschafter, Graf von Flahault, und der Großbritanische Botschafter, Sir Robert Gordon, werden jedenfalls noch im Laufe dieses Jahres hier eintreffen. Der neue Koͤniglich Wuͤrttembergische Gesandte, Graf von Mandelslohe, ist schon seit geraume Zeit hier und der neue Koͤniglich Saͤchsische Gesandte, Freiherr von Koͤnneritz, wird unverzuͤglich erwartet.

Spanien. blich Madrid, 26. Okt. Das Kriegsgericht ist in diesem Augen⸗ 888 mit den Prozessen des Oberst⸗Lieuteuants des Infanterie⸗ egiments der Prinzessin, des Don Ramon Nonviles, der auf beichtigem Fuße ist, und mehrerer anderer Offiziere desselben Corps Offizi Der Fiskal hat auf Todesstrafe fuͤr die fluͤchtigen faͤr auf Degradagtion und lebenslaͤngliche Gefaͤngnißstrafe 95 statt 5 c verhaftet sind, angetragen. Heute hat das Ban⸗ rath vo gehabt, welches die Provinzial⸗Deputation und der Stadt⸗ n Madrid den Hellebardieren gab, welche in der Nacht

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derung hin. Durch sie gleichsam eingefuͤhrt, fand die gesammte

vom Ften auf den 8ten den Zugang zu den Gemaͤchern der Kö⸗ nigin so tapfer vertheidigten. Der außerordentliche Botschafter der Mexikanischen Republik ist am 22sten zu Cadix gelandet und wird in einigen Tagen hier erwartet. Nach dem Eco del Comer⸗ cio wird der Infant Don Franciskus de Paula seinen Aufent⸗ V halt vorerst zu Valladolid nehmen und sich uͤber Tudela und Bur⸗ gos dorthin begeben. 8

Portugal.

. Lissabon, 28. Okt. Das Gesetz wegen Aufhebung der Dif⸗ ferenz⸗Zoͤlle ist bereits in dem Diario do Governo publizirt worden. Es tritt fuͤr die Einfuhr aus den Haͤfen Europa's und Amerika's in drei und fuͤr alle uͤbrigen in sechs Monaten in Kraft

Der Senat beschaͤftigt sich ausschließlich mit der Berathung des von der Deputirten⸗Kammer bereits angenommenen Gesetz⸗ Entwurfes wegen Abzugs von 10 pCt. von den Gehalten der offentlichen Beamten, und es scheint derselbe vielen Widerstand zu finden.

In der Deputirten-Kammer wird uͤber ein Projekt wegen Verkaufs der National⸗Guͤter auf den Azoren und Madeira dis⸗ kutirt.

Der Gränz⸗Telegraph hat gemeldet, daß am 22. Oktober ein Spanisches, 250 Mann starkes Bataillon mit einem Brigadier und mehreren Offizieren, welche bei dem Christinischen Aufstande betheiligt gewesen, bei Braganza auf Portugiesisches Gebiet uͤber⸗ getreten seyen. Sie wurden alsbald entwaffnet und sollen, einer dem Spanischen Gesandten gemachten Mittheilung zufolge, ins Innere abgefuͤhrt werden. . Türkei.

Konstantinopel, 20. Okt. (Oest. Beob.) Mond Ramazan, der am Abend des 16ten eingetreten, hat den gewoͤhnlichen Stillstand in Geschaͤften zur Folge, deren Betrei⸗ bung durch den Umstand bedeutend erschwert wird, daß die Tuͤr— kischen Minister erst nach Sonnenuntergang in den Kanzleien erscheinen.

Dem Finanz⸗Minister, Musa Safweti Pascha, ist unlaͤngst, als er aus seinem Hotel nach dem Muͤnz⸗Gebaͤude fuhr, der Unfall zugestoßen, daß die Pferde durchgingen, und er durch voreiliges Herausspringen aus dem Wagen den rechten Arm brach.

1 Franzoͤsische Botschafter, Graf Pontois, welcher im Be⸗ griffe steht, sich mit Urlaub nach Paris zu begeben, hatte am 16ten d. M. seine Abschieds⸗Audienz beim Sultan. An dem⸗ selben Tage hatte der Koͤnigl. Großbritanische bevollmaͤchtigte Mi⸗ nister, Herr Bankhead, die Ehre, seine Beglaubigungs⸗Schreiben dem Großherrn in einer besonderen Audienz zu uͤberreichen. d. die Pruͤfung der Zoͤglinge der medi— inischen Schule von Galata Serai im Beiseyn des S saͤmmtlicher Großwuͤrdentraͤger statt. ““

Durch das Gallatzer Dampfboot ist die Nachricht von einer am 9ten d. M. in Varna ausgebrochenen Feuersbrunst eingetrof⸗ fen, welche einen großen Theil der aͤußeren Stadt und alle Euro⸗ paͤischen Waaren⸗Magazine in Asche verwandelte. Die Thore der Festung blieben die ganze Zeit hindurch verschlossen, so daß es den Bewohnern von Varna an jeder Huͤlfe fehlte, um den Flammen Einhalt zu thun, die, vom Winde angefacht, Alles, was sich ihnen darbot verzehrten.

Vereinigte Staaten von Nord⸗Amerika. MNew⸗York, 16. Okt. Die Vertheidigung Mac Leod's von Seiten des Herrn Spencer beruhte auf drei Gruͤnden: 1) dar⸗ auf, daß der Gebrauch, zu dem das Dampfschiff „Caroline“ im Interesse der Insurgenten verwendet worden sey, die Zerstoͤrung desselben von Seiten der Englaͤnder rechtfe J1 [. S5 daraut, daß die Zerstoͤrung der „Caroline“ von den Britischen Behoͤrden befoh⸗ len, also Mac Leod, selbst wenn er dabei zugegen gewesen waͤre, fuͤr die daraus entstandenen Folgen nicht verantwortlich sey, und 3) daß Mac Leod gar keinen Antheil an der Expedition gegen das Schiff genommen habe. Letzteres wurde, wie schon erwaͤhnt, be— sonders durch die schriftlichen Zeugen⸗Aussagen des Befehlshabers der Expedition, Sir Allan Mac Nab, und anderer bei derselben betheiligten Individuen dargethan.

Der Vortrag des Richters Gridley, der bekanntlich die Ver⸗ handlungen zusammenfaßte und dies mit großer Ruhe und zu Gunsten Mac Leod's that, wurde von dem Auditorium, welches theilweise aus Damen bestand, mit der groͤßten Aufmerksamkeit angehoͤrt.

Nachdem das Verdikt der Jury verkuͤndigt worden war nahm Herr Mac Leod, der sich waͤhrend des ganzen Prozesses mit dem groͤßten Anstand und nur vielleicht mit zu großer Gleich⸗ guͤltigkeit benommen hatte, die Gluͤckwuͤnsche seines Rechts⸗Beistan⸗ des und seiner Freunde entgegen, die sich um ihn draͤngten und ihn nach seinem Gasthofe brachten, wo er die Nacht hindurch blieb.

Dem hiesigen Morning Courier zufolge, gedachte Mac Leod am 20sten nach Albany, von da nach Boston, und am 23sten von diesem letzteren Platze mit dem Dampfboote nach England abzugehen, um selbst die Nachricht von seiner Freisprechung dahin zu bringen. In Ultica hat uͤbrigens fortwaͤhrend, sowohl wäͤh⸗ rend der Dauer des Prozesses, als nach dem Ausspruch der Jury die groͤßte Ruhe geherrscht.

Niederländisches Indien.

Batavia, 3. Juli. Aus Sumatra erfaͤhrt man, daß dort abermals das Hollaͤndische Gebiet um einige Qua- dratmeilen vergroͤßert worden ist, indem sich daselbst der Radj der Dellaban⸗ (d. i. Acht) Kotta's S8 Neun⸗- und den Funfzig-Kotta's gelegenen Lande dem hiesigen Gouvernement unterworfen hat. Eine aͤhnliche Unterwerfung ist nun aber auch von Seiten des Radja's der Ambad⸗ bullo⸗ (d. i. Vierzig) Kotta's zu erwarten, da mit diesem schon sehr bejahrten und friedliebenden Fuͤrsten jetzt Unter⸗ handlungen stattfinden, die, wie man hier allgemein er⸗ wartet, das Reich Ambadbullo-Kotta in kurzer Zeit in eine Hollaͤndische Provinz verwandeln werden. Wie guͤnstig sich nun aber auch die Verhaͤltnisse im Innern des mittleren Suma⸗ tra's fuͤr die Hollaͤnder gestalten, so ist dies in den noͤrdlicher und suͤdlicher gelegenen Theilen dieser Insel doch keinesweges der Fall; denn wie man aus Benkulen, auf der Suͤdwestkuͤste Sumatra's, ver⸗ nimmt, weigern sich die Eingeborenen in den zwischen dort und Palembang gelegenen Distrikten Uhlu und Mussu unserer Regie⸗ rung noch ferner unterthan zu seyn. Nichtsdestoweniger haben auch die zwischen den Hollaͤndern und dem Radja von Tromo (ein zwischen Padang und Tapanuli, auf der Nordwest⸗ kuͤste Sumatra's gelegenes jetzt noch von Europaͤischer Herrschaft befreites kleines Gebirgsland) gegenwaͤrtig stattfinden⸗ den Unterhandlungen bis jetzt noch keinesweges einen guͤnstigen Erfolg gehabt; denn der Radja von Tromo will durchaus nichts von einem Hollaͤndischen Protektorat uͤber sein Land wissen.

Waͤhrend in Europa und Amerika noch immer viel uͤber Skla⸗ verei gesprochen und geschrieben wird, und man dort gar sehr

Der Fasten⸗

gegen den schaͤndlichen Menschenhandel eifert, werden im Nieder⸗ laͤndischen Indien nach wie vor noch immer Malayische Sklaven offentlich zum Verkaufe ausgeboten und auf den Auctionen an die Meistbietenden verkauft, so daß es hier gar nicht selten vorkommt, daß ganze Sklaven⸗Familien, bestehend aus Mann, Frau und Kindern, auf offener Straße versteigert werden. Wie schrecklich man sich nun aber im civilisirten Europa das Loos sol⸗ cher Sklaven auch vorstellen mag, so ist dasselbe doch keinesweges so schrecklich und die hier uͤbliche Sklaverei die Menschheit nicht so sehr entehrend, wie man dort glaubt; denn die hiesigen Skla⸗ ven welche Malayische Eingeborene und keine Afrikanische Ne⸗ ger sind sind meist mit ihrem Schicksale sehr zufrieden und wuͤrden sich wohl schwerlich geneigt fuͤhlen, ihr Loos mit dem der freien Handarbeiter in Deutschland zu vertauschen. Ich muß nämlich bemerken, daß die hiesigen Sklaven keinesweges willkuͤr⸗ lich von ihren Herren gezuͤchtigt werden duͤrfen; vielmehr muͤssen die Letzteren uͤber die Vergehen ihrer Sklaven Anzei⸗ gen bei der Obrigkeit machen, wo die Sklaven alsdann nach den Gesetzen und nicht eben hart bestraft werden. Ferner sind die hiesigen Sklavenbesitzer nicht nur verpflichtet, ihren Sklaven alle bendthigte, nothwendige Lebensbeduͤrfnisse (Kleidung, Woh⸗ nung und Speisen), sondern auch Sirih (Betel) und ein woͤchent⸗ liches Taschengeld zukommen zu lassen. Auch sind die Arbeits⸗ stunden der Sklaven gesetzlich bestimmt und waͤhrend der Mit⸗ tagshitze duͤrfen dieselben nicht zu vielen Arbeiten außer dem Hause gebraucht werden, so daß daher die Skla⸗ ven im Niederlaͤndischen Indien wohl nur selten ihr Brod im Schweiße ihres Angesichts zu essen brauchen; zumal da es hier uͤblich ist und zum Lurxus der Europaͤer, Lipplappen -9 Chinesen gehoͤrt, fuͤr jede Art der Arbeiten einen besonderen Dienstboten zu haben; weshalb die Sklaven denn auch hier nicht mit vielen Arbeiten geplagt werden. Da nun aber die Sklaven, wenn sie krank, alt und schwach geworden, von ihren Herren, auch ohne denselben Dienste leisten zu koͤnnen, auf gleiche Weise, wie in ihren gesunden und jungen Tagen, erhalten werden muͤssen, so sind die Sklaven im Niederlaͤndischen Indien mit der hiesigen Sklaverei meist sehr zufrieden und wuͤnschen keinesweges, freie Einge⸗ borene zu seyn, welche ihr Brod sehr oft gar schwer verdienen muͤssen und im Alter nicht so gut versorgt sind, wie die Sklaven. Daher ist es hier schon oͤfter vorgekommen, daß Sklaven, welche von ihren Herren freigegeben wuͤrden, sich bitter uͤber die⸗ ses Freigeben beklagten; am meisten faͤllt dieses bei den Sklavin- nen vor, welche, sobald sie von ihren Herren schwanger werden, nach den hiesigen Gesetzen mit der Geburt des Kindes frei sind, und der Herr und Vater sich alsbdann weder um seine fruͤhere Sklavin noch um sein Kind bekuͤmmert.

Zu Padang, auf der Westkuͤste Sumatra's, ist nunmehr eine katholische Kirche erbaut und ein katholischer Pfarrer daselbst an⸗ gestellt worden; es ist die einzige Roͤmisch⸗katholische Kirche, die sich jetzt auf der Insel Sumatra befindet; denn seitdem die Por⸗ tugiesen dieses Land verlassen mußten, ist kein katholischer Got⸗ tesdienst mehr dort gehalten worden.

Alus dem Javaschen Hochlande erfaͤhrt man, daß sich dort seit kurzem eine Raͤuberbande furchtbar macht; vorzuͤglich soll die selbe dadurch gefaͤhrlich werden, daß diese Raͤuber in diejenigen Wohnhaͤuser, aus denen etwas gestohlen oder geraubt werden soll, erst den Rauch gewisser mit Opiuüm bestrichener angebrannter Kraͤu⸗ ter zu bringen suchen, wodurch die darinnen anwesenden Personen eine halbe Viertel⸗Stunde lang eine Art Starrkrampf bekommen 2 ganz ruhig zusehen, wie ihnen die Sachen gestoh en werden.

Witsenschalt, Kunst und Literatur. Die Leipziger Kunst⸗Ausstellung.

V 4ℳ Leipzig, 21. Okt. Die von dem hiesigen Kunst⸗Verein ver⸗ anstalteten Ausstellungen haben kein blos lokales, nicht einmal ein 1 sondern ein allgemeines Kunst⸗Interesse, insofern 15— 11“ v ist, lediglich die Fortschritte der Saͤchsischen

ver der. S schen Kunst zu zeigen, oder die Rheinischen Kuͤnstler zu unterstuͤtzen und zu ermuthigen, sondern der hoͤhere, unbeschraͤnktere, den Stand und die Entwickelung der Malerei uͤberhaupt durch eine Total Uebersicht ihrer neuesten Schoͤpfungen zu veranschaulichen. Und so verdienstlich es unstreitig ist, wenn andere Kunst⸗Vereine (wie z. B. der Sächsische, welcher in Dresden seinen Sitz hat) oder Regierun⸗ gen sich die entgegengesetzte Aufgabe stellen, naͤmlich vorzugsweise die inlaͤndische Kunst durch Aussteüungen und Ankaͤufe zu foͤrdern, so noͤthig ist es doch, daß von einer anderen Seite her die kuͤnstlerische Production auch unter dem allgemeineren, kosmopolitischen Gesichts⸗ punkte aufgefaßt und gepflegt werde, noͤthig sogar fuͤr das nationale Kunststreben selbst, welches erst durch die Konkurrenz des auslaͤndi⸗ schen und durch die vergleichende Zusammenstellung ihrer beiderseiti⸗ gen Erzeugnisse recht angespornt und uͤber seine eigentliche Bestim⸗ mung aufgeklaͤrt wird. Zugleich wird das Publikum durch eine solche Anschauung vielseitiger Kunstrichtungen in den Stand gesetzt, sich ein freies und selbststaͤndiges Urtheil zu bilden, waͤhrend im anderen Falle, wenn naͤmlich immer blos eine oder einige wenige Schulen ihm vor⸗ gefuͤhrt werden, es fast nothwendig, durch deren vorherrschenden Ein⸗ fluß und durch die Autoritaͤt eines kleinen Kreises eigentlicher Kunst⸗ genossen und Kunstkenner bestimmt wird. So wenig aber diese letz⸗ tere Autoritaͤt ganz entbehrt werden kann, sobald es sich uͤberhaupt von der Begruͤndung und Fortbildung einer wahren Kunstrichtung handelt, so wenig reicht sie hin, eine nationale und volksthuͤmliche Kunst zu schaffen; vielmehr setzt eine solche eine lebendige Betheili⸗ gung auch von Seiten der groͤßeren Gesellschaftskreise voraus, welche ihr Kunst⸗Urtheil mehr aus einem natuͤrlichen und gebildeten Sinne füͤr das Schoͤne, als aus einer schulgerechten Kunst⸗Ansicht schdpfen. In dieser Hinsicht ist auch der Eifer, womit unsere Tagespresse die Vermittelung zwischen dem strengeren Kunst⸗Urtheile und dem unbe⸗ fangenen Kunstgefuͤhl des groͤßeren Publikums herzustellen und dies letztere uͤber die eigentlichen Motive seines Wohlgefallens oder Mißfal⸗ lens an den einzelnen Kunstwerken aufzuklaͤren bemuͤht ist, jedenfalls von nicht geringem Werthe; und so wenig auch vielleicht die doctri⸗ nairen Kunstkenner sich durch die in den verschiedenen Blaͤttern aus⸗ gesprochenen Ansichten befriedigt finden moͤgen, so werden sie doch zugestehen, muͤssen, daß, wenn uͤberhaupt die groͤßere Masse der Ge⸗ bildeten fuͤr die Werke der Kunst interessirt werden soll, es nur auf diesem Wege, d. h. durch eine solche Art der Kritik geschehen koͤnne, welche nicht in bestimmten Kunstregeln, nicht in einer doctrinairen Kenntniß oder gar einer Prarxis des Technischen, sondern in denieni gen. Momenten des aͤsthetischen Urtheils wurzelt, welche dem Gemein⸗ gefuͤhle aller Gebildeten zugaͤnglich sind. Eine derartige Kritik ist es auch allein, was hier gegeben werden soll, nicht ein Ken ner⸗Urtheil, sondern einen Reflex der Ansichten und Stimmungen, welche sich als die der Mehrzahl der Beschauenden bei der diesjahri⸗

gen Ausstellung kund gaben. 1

Zunaͤchst muß ich hier einen Blick ruͤckwaͤrts auf die beiden fruͤ⸗ heren Ausstellungen werfen. Die erste derselben im Jabre 1837 war reich an historischen Bildern im großen Style. Die Duͤfseldorfer hatten damals den Vorrang vor allen anderen Schulen, sowohl an

Zahl als an Werth des Gelieferten. Bilder, wie Bendemann's Je⸗

remias und Lessing's Hussiten⸗Predigt, sicherten der Richtung, die sie

vertraten, ein unbestrittenes Uebergewicht, das elegische Pathos und der ideale Schwung, hier unter so gewaltigen Foͤrmen und mit so großartigem Ausdruck erscheinend, rissen unwiderstehlich zur Bewun⸗