2 2 1 8 of“* - 3 1 1 - des neuen Bevollmaͤchtigten, Sir H. Pottinger⸗
Ober⸗Buͤrgermeister der Stadt
sich die Chinesischen Behoͤrden von Canton zu Unte neigt, und der Kwangtschufu oder O - 4 “ wurde nach Macao geschickt, um eine * 8 Britischen Bevollmaͤchtigten nachzusuchen 8ee 8* Er⸗ 10 Millionen Dollars anzubieken, wenn derselen, lemn⸗
jebe le. Man scheint editi Norden aufschieben wolle. pedition nach dem Norde 1 fzon, oder das Anerbie⸗
ber auf nicht eingegangen zu⸗ 1¹ 28. — von der Aas. wie das “ I-e.2 ge 8 8 Sir H. Pottinger ging am 21. August, nachsem er amn l2s eine Anzeige hinsichtlich der ihm uͤbertragenen Functionen erlassen jtj ch Emoy ter Segel. Der Handel hatte, mit der Expedition nach Emoy unt 9 . n Canton wurde nur noch durch Vermittelung der Amerikaner
etrieben.
Niederlande.
Aus dem Haag, 5. Nov. In der zweiten Kammer der General⸗Staaten kam gestern das Gesuch eines gewissen Herrn Jacobs in Amsterdam zur Sprache, welcher der Kammer seine Erfindung eines Luftschiffes, vermittelst dessen man in 14 Tagen nach Ostindien wuͤrde gelangen koͤnnen und eine atmosphaͤrische Citadelle zu errichten im Stande waͤre, zum Kauf angeboten. Die Kammer fand die Sache zwar sehr interessant, besonders in Betracht der so sehr zu beschleunigenden Verbindung mit den Ostindischen Kolonieen, hielt sich jedoch in ihren Attributionen nicht fuͤr berechtigt, einen solchen Kauf einzugehen.
Belgien.
Brüssel, 5. Nov. Die Behoͤrden haben ihre Nachforschun⸗ gen sowohl in der Hauptstadt als in den Provinzen mit Eifer fortgesetzt, jedoch, wie es scheint, in den letzten Tagen keine Spu⸗ ren einer weiteren Ausdehnung des Komplottes aufgefunden.
Herr van der Smissen, der Sohn, welcher als Unteroffizier im Guiden⸗Regiment dient, und der mit seinem Vater, dem Ge⸗ neral, verhaftet wurde, ist wieder in Freiheit gesetzt worden. Eben so ist auch die an der Hollaͤndischen Graͤnze verhaftete Ma⸗ dame de Bast und der Schneider (ehemalige Capitain der Frei⸗ willigen) Perrin aus dem Gefaͤngniß entlassen.
Der mit der Instruction des Verschwoͤrungs⸗Prozesses be⸗ schaͤftigte Rath des Tribunals erster Instanz heißt Delcourt; die Thaͤtigkeit desselben soll ganz unermuͤdlich seyn.
Unter den Verhafteten befindet sich ein gewisser Roczynski, der fruͤher als Polnischer Ofsizier bezeichnet wurde. Es sindet sich jedoch, daß derselbe kein eigentlicher Pole sey, ja auch nicht einmal Polnisch sprechen koͤnne. Einer der Angeklagten hat vor einigen Tagen bei der hiesigen Bank 7000 Fl. Hollaͤndischer Banknoten gegen Gold umgesetzt.
Deutsche Bundesstaaten.
Leipzig, 8. Nov. Heute Vormittag um halb 12 Uhr trafen Se. Majestaͤt der Koͤnig von Preußen mit einem Gefolge von 19 Personen in einem besonderen Wagenzug auf der Magdeburg⸗ Leipziger Eisenbahn hier ein (Se. Majestaͤt waren nach 5 Uhr Morgens von Berlin abgereist), nahm im Gasthof zur Stadt Rom ein Dejeuner ein, zu dem auch der Kreis⸗Direktor Dr. von Falkenstein, der Ober⸗Post⸗Direktor von Huͤttner, der Komman⸗ dant und Oberst⸗Lieutenant von Buttlar geladen wurden, und setzte halb 1 Uhr die Reise nach Zeitz fort.
München, 3. Nov. (Muͤnch. pol. Z.) Ihre Majestaͤ⸗ ten die verwittwete Koͤnigin, die Koͤnigin Therese und die Koͤni—
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gin von Preußen besuchten gestern Vormittags den wegen des
Allerseelenfestes mit Blumen geschmuͤckten Kirchhof.
Stuttgart, 3. Nov. (Wuͤrt. Bl.) Die Kammer beginnt
in Folge des gestrigen Beschlusses mit der Berathung des Be⸗ richts der Kommission uͤber den Strafprozeß⸗Entwurf. Knapp stellt den Antrag, daß, was schon im allgemeinen Theil des Kom— missions⸗Berichts erwaͤhnt ist, ausgesprochen werde, es sey hier nur von Gesetzen die Rede, welche im Verordnungswege nicht veraͤndert werden koͤnnen, was nach einigen Eroͤrterungen ange⸗ nommen wird. — Art. 2: „In allen Strafsachen, wo das Gesetz nicht ausdruͤcklich eine Ausnahme bestimmt, ist die Unter⸗ suchung von Amtswegen anzustellen, ohne daß es einer Klage oder Anzeige des beleidigten oder beschaͤdigten Theils bedarf. — Die Kommission will statt dieser Fassung beantragen: „ohne daß es einer Klage des Beleidigten oder Beschaͤdigten bedarf.“ — Hier kommt nun sofort die Prinzipien⸗Frage zur Sprache, ob der Anklage⸗ oder der Inquisitions⸗Prozeß beliebt werden wolle oder nicht? In Folge davon verliest der Berichterstatter v. Scheurlen die §§. 17 und 18 des Kommissions⸗Berichtes, wo die Grundzuͤge uͤber Geschworenengericht, die Form des Anklage⸗Preozesses, die Oeffentlichkeit und Muͤndlichkeit des Verfahrens und die Staats⸗Anwaltschaft verzeichnet sind. Die Kommission verwirft in §F. 17 das Geschworenengericht wegen Mangels an juristischer Bildung, Erfahrung und Unabhaͤngigkeit der Jury. Der §. 18 des Berichts handelt von dem Unterschied zwischen Untersuchungs⸗ und Anklage⸗Prozeß. Die Kommission ver⸗ mißt bei dem Anklage⸗Prozeß das haͤufige Wegfallen des Gestaͤndnisses des Angeschuldgten, was der Ermittelung der Wahrheit schade. Dann werde oft eine Anklage des Be⸗ schaͤdigten aus individuellen Gruͤnden unterlassen, was der öf⸗ fentlichen Sicherheit und Moralitaͤt Schaden bringe. Daher sey ein amtlicher Anklaͤger entweder in Person des Richters oder
eines oͤffentlichen Anwalts nothwendig. Der oͤffentliche Anklaͤger
solle jedoch erst nach der Untersuchung eintreten, um nicht uͤber⸗ haͤuft zu werden. Da indeß das bisherige Verfahren in Wuͤrt⸗ temberg, wo amtlicher Anklaͤger, Untersucher, erstinstanzlicher Rich⸗ ter Eine Person ist, keine gehoͤrigen Garantieen buͤrgerlicher Frei⸗ heit darbietet, so tritt die Kommission dem Entwurfe, jedoch er⸗ weiternd, bei, vermoge dessen bei Eroͤffnung des Endverfahrens der
0 . ͤur
“ Anklage⸗Prozeß beginnen soll. Duvernoy: Seit der Lerfassung sey noch nie ein so wichtiges Gesetz vorgekkommen. Der Redner sucht zunaͤchst Punkt fur Punkt die Einwuͤrfe des Kom⸗
—
Ws gegen das Schwurgericht zu entkraͤften. Er sagt: Wer Gesetze machen kann (und wir begruͤßen hier auch den schlichten Landmann), der kann auch die Anwendung derselben nach dem sens commun und seinen Beobachtungen der menschlichen Na⸗ tur finden. Warum findet England, neben der Inamovibilitaͤt der Richter und der Verantwortlichkeit der Minister, dennoch Gefallen an der Jury? Daß dieses Institut kostspieliger und zeitraubender ist, kann wohl nicht in Betracht kommen, wenn es sich um den Schutz des Heiligsten fuͤr den Staat und die Buͤrger handelt Wahr sey leider, daß kein Wunsch auf Geschworenen⸗Gerichte im Lande verlautet habe; daran Schuld seyen aber die Verhaͤltnisse. Nunmehr auf die Frage von Accusations⸗ oder Inquisitions⸗Pro⸗ zeß uͤbergehend, giebt Duvernoy gern inquisitorische Vorunter⸗ suchung zu, will aber bei dem Hauptverfahren eine oͤffentliche ak⸗ kusatorische Reproduction der Anklage vorgenommen wissen. Der nit Anfuͤhrung Feuerbach's, auf das Mißliche
Redner geht nun, n.
““
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W 1““ v einer unparteiischen, leidenschaftslosen und richtigen Protokollfuͤh⸗
rung uͤber. Wegfallen wuͤrde ferner bei dem Anklage⸗Prozeß die Tortur des Antwortenmuͤssens, dessen Verweigerung Strafen nach sich zieht, und namentlich der squalor carceris, das Elend lan⸗ ger Gefangenschaft. Duvernoy stellt den Antrag auf Beschraͤn⸗
ung des Inquisitions⸗Prozesses auf die Voru ntersuchung.
(ßbortsetzung folgt.)
“ Frankfurt a. M., 6. Nov. Die in Belgien ent⸗ deckte, man darf wohl sagen sogenannte Orangistische Verschwo⸗ rung uͤberraschte hier zwar einigermaßen, machte aber sonst nicht den geringsten Eindruck. Die Amsterdamer Boͤrse verharrt unter den gegenwaͤrtigen Umstaͤnden in einer ziemlich flauen Haltung, und die Amsterdamer Briefe lassen einem Ruͤckgange der Hollaͤn⸗ dischen Fends entgegensehen. An unserer Boͤrse ist seit einigen Tagen wieder eine guͤnstigere Stimmung der Effekten eingetreten und namentlich zeigte sich auch in den Oesterreichischen Fonds eine lebhaftere Nachfrage. 5proc. Metalliques stehen fast wieder 107 pCt. und die Bank⸗Actien stiegen auf 1870 Fl. Man sieht auch einer baldigen Besserung des Geldstandes unseres Platzes entgegen und dadurch wurde namentlich heute die Speculation mehr angeregt. Es stiegen die Taunus⸗Eisenbahn⸗Actien auf 367 ¾½ Fl. Diese Ac⸗ tien behaupten eine feste Haltung, und die Frequenz der Bahn entspricht auch ganz dem Vertrauen der Actionaire. Wir moͤchten indessen doch bezweifeln, daß bei der im naͤchsten Fruͤhjahre stattfindenden General⸗ Versammlung der Taunus⸗Eisenbahn⸗Actionaire der Bau einer zwei⸗ ten Schienenlage wieder in Anregung kommt, da die Bahn stark mit Abgaben belastet werden soll: In den letzten Tagen wurde die elfte Dampfmaschine auf der Taunus⸗Eisenbahn in Dienst gestellt und wenn man bedenkt, daß von diesen elf Lokomotiven nur eine in Deutschland gebaut worden, und die elfte, „der Taunus“, allein 33,000 Fl. kostet, waͤre es sehr wuͤnschenswerth, daß die Deutsche Industrie diese Vortheile ziehen koͤnnte. Die Hoffnung, den Elektro⸗Magnetismus bald als bewegende Kraft, d. h. in groͤßerem Maßstabe, in Anwendung bringen zu koͤnnen, duͤrfte so leicht noch nicht in Erfuͤllung gehen, denn es soll unserem J. P. Wagner doch noch schwer halten, sein Problem zu loͤsen, wiewohl er an der endlichen Loͤsung nicht zweifelt.
Heute Morgen wurde unter allgemeiner Theilnahme die Leiche des Senators Dr. Schmid zur Erde bestattet. Der Verewigte war erst vor einigen Wochen von der Revision des Ober⸗Appella⸗ tionsgerichts von Luͤbeck gekommen und auf der Ruͤckreise erkrankt. Wie man allgemein sagt, beabsichtigt auch Herr Schoͤff von Guͤnderode den diesseitigen Staatsdienst zu verlassen und wieder in Großherzoglich Badenschen zu treten, aus welchen er 1823 in unsern Senat gewaͤhlt wurde.
Der Praͤsidirende der Bundes⸗-Central⸗Kommission, Freiherr von Pratobevera, ist von Wien zuruͤckgekehrt. Der Bundes⸗Praͤ⸗ sidial⸗Gesandte, Herr Graf von Muͤn im Fruͤhjahr, der Koͤniglich Preußische Bundestags⸗Gesandte, Herr Baron von Buͤlow, morgen hier erwartet.
Der Koͤniglich Franzoͤsische Gesandte bei der hohen Bundes⸗ Versammlung, Herr Baron von Deffaudis, verlaͤßt in der Mitte dieses Monats unsere Stadt.
unch-Bellinghausen, wird erst
Schweiz.
Bern, 1. Nov. (A. Z.) Die Walliter Gesandten sind ge⸗ stern in der Bundesstadt eingetroffen; allein fuͤr die Erledigung des Geschaͤfts wied ihre Ankunft unfruchtbar bleiben. Die Er⸗ scheinungen im Kanton Wallis sind traurig und lassen fuͤr die naͤchste Zukunft dieses kleinen Staats wenig Gutes erwarten. Dieses seit Jahrhunderten so vernachlaͤssigte Land ist von der hef⸗ tigsten Parteiwuth zerrissen. Ober⸗Wallis ist vorzuͤglich der Sitz der, Altgesinnten, welche den bisherigen Zustand als das hoͤchste Gluͤck erachten und jeden Versuch, das Volk sittlich, geistig und materiell zu heben, als Versuͤndigung gegen den Glauben der Vaͤ— ter ansehen. In Unter-Wallis wuͤnscht man die Lage der Dinge zu verbessern, waͤhlt aber dazu in der Form bisweilen auf eine ungeschickte Weise die Ausdruͤcke des Franzoͤsischen Radikalismus. Hieruͤber nun bestaͤndige Gaͤhrung, wobei das Feuer besonders durch die Deutsche, mit Luzern in Verbindung stehende Geistlich⸗ keit geschuͤrt wird.
Die Tagsatzung setzte ihre Sitzungen acht Tage lang aus; morgen tritt sie wieder zusammen. Mittlerweile hielt man Kon- ferenzen und suchte auszugleichen. Herr Buͤrgermeister von Mu⸗ ralt befaßte sich vorzuͤglich mit diesem bisweilen schoͤnen aber oft sehr undankbaren Geschaͤft, stieß aber auf durchaus unfruchtbaren Boden. Hoͤchst wahrscheinlich wird die Tagsatzung naͤchster Tage zum drittenmal unfruchtbar aus einander gehen. Die Einen sind hieruͤber sehr erschrocken, die Anderen aber wollen bei der ziem— lich allgemeinen Ruhe des Volkes an keinerlei bedenkliche Folgen glauben.
(St. Galler Erzaͤhler vom 2. Nov.) Die Tagsatzung feiert, und schwerlich werden noch viele Sitzungen gehalten werden. Ge⸗ wiß ist, daß die Neuhaussche Ansicht durch die entgegengesetzten Schlußnahmen mehrerer Staͤnde in Minderheit gekommen ist und keinerlei Aussicht mehr hat, die finalguͤltige zu werden. So weit haben es die unendlichen Anstrengungen fuͤr eine Meinung gebracht, die, wie es die Gesandtschaft von Basel-Stadttheil in der Sitzung der Tagsatzung vom 25. Oktober richtig bemerkte, be⸗ muͤht war, dem §. 12 alle reelle Bedeutung zu entziehen. Man arbeitet nun an anderen Ausgleichungswegen, die jedenfalls be⸗ waͤhren wuͤrden, daß Aargau kluͤger gethan haͤtte, von Anfang her eine andere Bahn einzuschlagen, als es wirklich gethan hat. Wir wollen die Zukunft reden lassen und bescheiden uns einst— weilen auf allgemeine Betrachtungen. Wichtiger als die Kloster⸗ Frage sind die politischen Symptome, welche am kranken Schwei⸗ zerischen Staatskoͤrper sich zeigen. Doctores dissentiunt, und je⸗ denfalls geben Viele um untergeordneter Ruͤcksichten willen die Hauptsache, die Erhaltung der bundesgemaͤßen Ordnung, preis. Die radikale Partei hat eine Thaͤtigkeit entwickelt, die zur Genuͤge beweist, daß sie unter Umstaͤnden bei dem Geschehenen nicht ste— hen bleiben wuͤrde. Ein großer Theil des Volkes hat Grundsaͤtze eingesogen, welche, ins Leben gefuͤhrt, allmaͤhlig oder plotzlich, eine allgemeine Umwaͤlzung der Schweiz hervorrufen, wenigstens be⸗ guͤnstigen koöͤnnen. Zu spaͤt werden alsdann viele Kantone, die nur die Oberflaͤche des obschwebenden Handels beachteten und beurtheilten, sich im Chaos umsehen, und zu retten suchen, was sie selbst aufgeopfert haben. Einmal der Wurf aus der Hand, die Grundsaͤtze und das Steuerruder, das allein im Bundes⸗Ver⸗ trage gefunden werden kann, weggeworfen. ist keine Rettung mehr moͤglich, als in einer Weise, von der wir lieber schweigen, weil sie jederzeit das schlimmste ist, was eine selbststaͤndig seyn sollende Nation treffen kann.
Bern, 2. Nov. Die Tagsatzung hat in ihrer heutigen Siz⸗ zung auf Antrag der Gesandtschaft des Kantons Zuͤrich mit 12 „ Stimmen gegen 8 ½ beschlossen, sich auf unbestimmte Zeit zu ver⸗
sichee, Bei der Umfrage in der Aargauer Klostersache erklaͤrten Stimmen ( aͤnde Solothurn, Schaffhausen, Aargau,
Tessin, Waadt, Thurgau, Appenzell Außerrhoden, Basel⸗Land,
Glarus und Bern) fuͤr befriedigt mit den Zugestaͤndnissen des Kantons Aargau, so daß der Gegenstand aus Abschied und Trak⸗ tanden zu entfernen sey; dagegen waren 10 ½ Stimmen fuͤr Her⸗ stellung aller Kloͤster. Somit bleibt nun eine Frage, die das ganze Schweizerland in Bewegung haͤlt, vorerst unentschieden, und die Abgeordneten der Kantone erklaͤren durch die Vertagung, daß die Eintracht nicht herzustellen ist.
Genf, 29. Okt. (A. Z.) In dem sonst so besonnenen Genf hat die Mouvements⸗Association in einer gewissen Klasse Terrain gewonnen. Am 18. Oktober wurde auf der Wiese des Schieß⸗ hauses eine sogenannte Volks⸗Versammlung gehalten, um gleich jener Association bei der Tagsatzung gegen den Beschluß der Re⸗ gierung und des repraͤsentativen Raths hinsichtlich der Aargauschen Kloͤster zu protestiren; sie wollen die Neuhausische „Staats⸗Rai⸗ son“, volle Zufriedenheits⸗Erklaͤrung mit den Aargauschen Maß⸗ regeln. Es wurde dabei außer der als Versammlungs⸗Zweck an⸗ gegebenen Kloster-Angelegenheit auch noch ganz Anderes verhan⸗ delt, z. B. die Stimmung des repraͤsentativen Raths gegen die Jury, gegen die Wahl⸗Reform, gegen die Veraͤnderung des Mu⸗ nizipal⸗Raths ꝛc. Dabei hoͤrten die sonst auf ihre eigenen Stim⸗ men so stolzen Genfer einen jungen Italiener sehr entschieden uͤber ihre Angelegenheiten sprechen. — In Waadt ist zwar der Radi⸗ kalismus sehr in Achtung und Bedeutung gesunken, die Aargau⸗ sche Kloster-Angelegenheit hat aber auch nicht auf den Standpunkt des Rechts gehoben werden koͤnnen, wie in Neuchatel, Freiburg Wund Wallis. In letzterem Land hat Dr. Barmann und der groͤßte Theil der Regierung seine Entlassung genommen; starke Bewegung des souverainen Volks kuͤndigt einen Umsturz des bis⸗ herigen Zustandes an.
Es ist unglaublich, mit welcher Frechheit in Frankreich auf Waadtlaͤnder⸗Graͤnze, nahe beim Lac de Jeux, Contrebande, Raͤu⸗ berei und, wenn es seyn muß, Mord veruͤbt wird. Dort hat sich aus ruinirten Schmugglern, jungen, muͤßigen, dem Trunk und der Liederlichkeit ergebenen Leuten eine Bande gebildet, die am “ Tage und mit Waffen⸗Gewalt in den Waadtlaͤndischen Wald Rizoux eindringt, dort große Tannenstaͤmme umhaut und weg— fuͤhrt. Es ist mit den Waadtlaͤndischen Waldschuͤtzen neulich zum Gesecht gekommen, wobei heruͤber und hinuͤber geschossen wurde und Einige Wunden bekamen. Die Franzoͤsischen Behoͤrden zei⸗
gen allerdings Thaͤtigkeit und guten Willen, den Kanton Monthe
No †8 922 ( 2 4 C . „ (Departement du Doubs) von dieser Bande zu reinigen; bald aber
wird sie sich auf einer anderen Stelle zeigen.
— 2 Spanien. Kriegs⸗Minister und dem des Innern und seinem Vertrauten Linage, am 22sten Mittags in Vitoria angekommen. Der General Rodil marschirte am 28sten von dort nach Pampelona aus. Berichte von Bilbao fehlen uns. Musäagorri ist erschossen worden.
Gestern trafen die Pariser Posten bis zum 12ten ein, so daß nun noch 7 fehlen. Nur wenige Briefe sind bis jetzt ausgegeben worden.
Die hiesige Regierung ist sehr aufgebracht gegen den Franzoͤ⸗ sischen Geschaͤftstraͤger, Herrn Pageot, und soll dessen Abberufung verlangt haben. Dadurch wuͤrde sie seinen eigenen Wuͤnschen nur zuvorgekommen seyn. Auch ist Herr Olozaga beauftragt worden, die Entfernung der Koͤnigin Christine aus Frankreich zu verlangen.
Das Eco del comerceio setzt heute seine gegen das Fran⸗ zoͤsische Kabinet gerichtete Polemik fort. Nachdem es den Satz aufgestellt hat, daß Ludwig XIV. bei dem Absterben Karl's II. das Interesse seiner Familie dem Frankreichs vorgezogen haͤtte, sagt es: „Wenngleich jetzt die Umstaͤnde verschieden sind, so ist doch das System dasselbe, und jetzt wie damals, wuͤrden die Interessen Fraͤnkreichs denen der Familie aufgeopfert werden, und, weit entfernt die zwischen beiden Monarchieen bestehenden politischen Verbindungen auf eine Gemeinschaft von Interessen und Prinzipien zu gruͤnden, wuͤnscht man nichts anders seit dem Tode Ferdinand's VII., als die Spanische Krone der Familie Bourbon zu sichern; und wenn man gleich von Don Carlos spricht, so wuͤrde man nichts dagegen haben, wenn ein Anderer zum Ge— mahl Isabella's II. gewaͤhlt wuͤrde.“ Nun wird die Politik Thiers vor⸗ genommen. Dann heißt es: „Die Entsagung Marie Christinens und der Austritt des Herrn Thiers aus dem Ministerium geben der Politik des Franzoͤsischen Kabinetts eine andere Richtung. Von dem Kriegs⸗ geschrei zu dem Frieden Atout prix uͤbergehend, kam man von Drohun⸗ gen zu Intriguen, zu Verschwoͤrungen, und man dachte daran, das plus de Pyrenées zu verwirklichen, indem man die Koͤnigin Mut⸗ ter in die Regentschaft wieder einsetzte, worauf dann eine Heirath, sey es mit einem Sohne des Don Carlos, wofuͤr sich der Papst verwendete, sey es mit einem Franzoͤsischen Prinzen, und dies wuͤnschte man vor allen Dingen, folgen sollte. — Hierin besteh das ganze Geheimniß der Mitschuld der Franzoͤsischen Regierung an der Verschwoͤrung zu Gunsten Marien Christinens. Wenn die Fran zoͤsischen Minister bessere Staatsmaͤnner waͤren, und diese Nation rich tig zu beurtheilen verstaͤnden und die wahren Interessen beider Laͤnde studirt, die Uebereinstimmung unserer politischen Grund saͤtze in Betrncht gezogen haͤtten, so wuͤrde die liberale Parte sehr wirkfam dazu beigetragen haben, die Bande, welche beide be nachbarte Nationen vereinigen muͤssen, fester zu schließen. — Das absolutistische Europa haßt unsere Institutionen, sey dem so; abe die Zunahme der Macht Frankreichs ist fuͤr die Ruhe Europa's bedrohlicher, als der Grad von Freiheit, dessen wir genießen. Di Unabhaͤngigkeit Spaniens ist fuͤr das Gleichgewicht Europa's nothwendig; an das eine Ende desselben gestellt, hat Spanien die Kraft, die ein Arm erwirbt, der sich auf einen Pfahl stuͤtzt. Wir bezweifeln nicht, daß die letzten Ereignisse schon jetzt die Aufmerk— samkeit aller Kabinette beschaͤftigen, und wenn in den Cortes, mit deren Zusammenberufung die Regierung sich zu beeilen hat, alle Umstaͤnde eines so ungerechten wie verbrecherischen, in einem aus⸗ schließlich dynastischen Interesse unternommenen Angriffes eroͤrtert seyn werden, so werden vielleicht eben jene Maͤchte anerkennen, daß man nicht ungestraft uͤber eine Nation das Interdikt verhaͤngt, und daß Spanien, welchem sie, die jetzt Undankbaren, 1814 ihre Rettung verdankten (2), dieselbe Nation ist, welche unerschrocken der kolossalen Macht Napoleon's ins Auge sah, sie ohne zu ermuͤ den bekaͤmpfte, mit Heldenmuth duldete und ruhmvoll siegte.“
Durch diesen Artikel will das Eco, die monarchischen Maͤchte uͤberzeugen, es liege in ihrem Interesse, daß eine auf Gleichheit der Prinzipien gestuͤtzte Vereinigung der Spanischen und Franzoösischen Demokraten zu Stande kaͤme, um dadurch an⸗ ö“ ehrgeizige Plaͤne der Bourbonischen Dynastie zu eiteln ““
“ vI1111X.4“*““
In der Malta Chroniecle liest man: „Unser Hafen ha wieder ein lebhaftes Ansehen gewonnen, da sich, außer den frem— den Schiffen, 9 Britische Linienschiffe, 2 Fregatten, 2 Briggs und 8 Kriegs⸗Dampfschiffe, zusammen also 21 Schiffe, hier befinden.
8 e g zuruͤck.
“
Der „Ganges“ von 81, „Revenge“ von 76 und „Vanguard“ von 80 Kanonen, kamen, die beiden ersten von Tunis, das sie am 19ten Abends verlassen hatten, hier an; der „Vanguard“, welcher an demselben Tage von hier unter Segel ging, kehrte mit ihnen Die „Daphne“ von 18 Kanonen war am 19ten von Smyrna hier eingetroffen. 8
Konstantinopel, 17. Okt. Herr Bankhead, erster Se⸗ cretair der Britischen Gesandtschaft, stattete dem Groß⸗Wesir und den uͤbrigen Ministern am Freitag seinen ersten Besuch ab, und hatte gestern eine Audienz beim Sultan, dem er seine Beglaubi⸗ gungs⸗Schreiben als bevollmaͤchtigter Minister bei der hohen Pforte uͤberreichte. Herr Pontois hatte gestern seine Abschieds⸗ Audienz beim Sultan. Er erwartet die Ankunft des Franzoͤsischen Kriegs⸗Dampfboots, das Herrn von Bourqueney nach Konstan⸗ tinopel bringt.
Konstantinopel, 20. Okt. (A. Z.) Auf dem Serias⸗ kerate (Kriegs⸗Ministerium) wurde der Vorschlag gemacht, die fast ganz offen stehende Hauptstadt mit ihren vielen Vorstaͤdten auf der Europaͤischen Seite mit einer Vertheidigungs⸗Linie zu umge⸗ ben. Dieser Vorschlag fand großen Beifall und man ist sehr geneigt, ihn in Ausfuͤhrung zu bringen. Das Vertheidigungs⸗ System soll aus in gehbrigen Distanzen von einander liegenden befestigten Kasernen bestehen, die unter sich durch fortlaufende Schanzen verbunden werden. Seine Ausfuͤhrung waͤre nicht mit großen Schwierigkeiten verknuͤpft. Zwei sehr große steinerne Ka⸗ sernen, die von Daud Paschaͤ*) und die von Ramistschiftlik, von denen die erste zehn-, die zweite aber fuͤnftausend Mann fassen kann, existiren schon in einer Entfernung von ½ bis „ Stunden von den Mauern der Stadt gegen Suͤdwesten und Westen, da wo sich die Hauptstraße von Europa nach Adrianopel zieht. Eine dritte eben so große wird in kurzem in St. Stephano, welches die suͤdliche Graͤnze des Sprengels von Konstantinopel bildet und zwei Stunden von der Stadt entfernt liegt, erbaut werden. Es waͤre also diese Linie dann nur noch von Westen gegen Norden fortzusetzen. 8
Ein neuer Beweis, welches Zutrauen die Pforte in die mi— litairischen Kenntnisse und Erfahrungen der Preußischen Offiziere setzt, ist, daß sie kuͤrzlich bei der Preußischen Gesandtschaft das Ansuchen gestellt hat, es moͤge an die Stelle des verstorbenen Falk ein Preußischer Ingenieur⸗Capitain zur Direction des Ge⸗ niewesens hiehergeschickt werden. Auch sind diese Woche abermals zwei Preußische Militaire zur Instruction der Artillerie und ein Veterinairarzt (bis jetzt existirte in der Tuͤrkei kein einziger Vete⸗ rinairarzt, bei der Kavallerie versahen rohe Tuͤrkische Schmiede diesen Dienst), um welche die Pforte vor einiger Zeit gebeten hatte, von Berlin hier eingetroffen.
Aegypten.
Alerandrien, 16. Sept. (Malta Chronicle.) Am Sten trafen Said Pascha und Sami Pascha am Bord des Dampfbootes „Nil“ hier ein und begaben sich sogleich nach Kahira. Auch der Britische General⸗Konsul Oberst Barnett ist dorthin abgereist, und es scheint hiernach, als ob der Vice-Koͤnig wieder wie fruͤher den Winter in Kahira zubringen wolle.
Die einzigen Kriegsschiffe im hiesigen Hafen sind die Fran⸗ zoͤsischen Fregatten „Medea“ und „Cornaline“.
Es heißt, der Pascha werde in kurzem eine Reise von Ka— hira, den Nil aufwaͤrts, bis Siout machen, offenbar, um den
Konsuln der vier Maͤchte zu entgehen und Zeit zu gewinnen. Von
1
deem freien Handel ist nicht die Rede, und alle uͤbrigen Bestim—
mungen des Traktats vom 15. Juli sind, mit Ausnahme des Pa⸗ ragraͤphen, der sich auf den Tribut bezieht, ein todter Buchstabe. Von der Reduction der Armee hoͤrt man nichts, die Bemannung der Flotte waͤhrt fort, die Geldmuͤnzen bleiben in demselben ge—
ringhaltigen Zustande, und den Europaͤern, welche Doͤrfer der Re⸗
gierung in Pacht haben, werden unzaͤhlige Schwierigkeiten in den Weg gelegt; auch wird der Sklavenhandel nach wie vor in Aegyp⸗ ten betrieben.
Der Nil hat jetzt seinen hoͤchsten Stand, 24 Kubitus, er— reicht und beginnt nunmehr zu fallen. Obgleich er denselben Stand erreicht hat, wie im vorigen Jahre, so scheint er doch nicht so großen Schaden angerichtet zu haben, was wohl den groͤßeren Vorsichtsmaßregeln der Einwohner zuzuschreiben ist, die endlich, durch traurige Erfahrungen belehrt, den Nutzen der Ein— deichungen eingesehen haben.
Briefe aus Jerusalem entwerfen eine traurige Schilderung von dem Zustande des Landes. Ohne die Berichte der wenigen daͤselbst noch anwesenden Britischen Offiziere wuͤrde man von den blutigen Scenen, die dort taͤglich stattfinden, niemals in Europa etwas erfahren haben. Durch die Ruͤckkehr der muͤßigen Syri⸗ schen Soldaten hat man nur Oel ins Feuer gegossen. Es heißt jetzt, daß der Sultan dringend die Entfernung der Britischen Of⸗ fiziere verlange, die sich noch in Syrien aufhalten; dann werden ohne Zweifel noch empoͤrendere Scenen vorfallen, wenn nicht viel⸗ leicht ein Aufstand des Volkes in Masse erfolgt. 8
Vereinigte Staaten von Nord⸗Amerike
New⸗York, 16. Okt. Aus den Verhandlungen in dem Mac Leodschen Prozesse ist noch einiges Naͤhere nachzutragen. Bekanntlich waͤhrte der Prozeß acht Taͤge. Ueber die beiden er⸗ sten ist bereits fruͤher berichtet worden. Am dritten Tage wur— den noch mehrere Zeugen abgehoͤrt, welche behaupteten, aus Mac Leods eigenem Munde gehoͤrt zu haben, daß er Durfee erschossen habe. Einer gab sogar vor, Mac Leod habe Pistol und Degen gezeigt, mit denen er ihn umgebraächt, und zwar mit den Worten: „Hier sitzt noch das Blut eines verdammten Yankie!“ Alle diese Zeugen waren indessen sehr parteiisch und hatten selbst an den Kanadischen Unruhen Theil genommen. Einer derselben wurde von den Vertheidigern gefragt, ob er zu den patriotischen Logen des Jaͤgerbundes gehoͤrt habe; allein das Gericht hemmte die wei— tere Befragung in dieser Beziehung, weil man gerichtlich von solchen Logen nichts wissen duͤrfe. Der Vertheidiger, Herr Spencer, hielt einen sehr glaͤnzenden Vortrag und suchte in Abrede zu stellen, daß üͤberhaupt ein Mord begangen, jedenfalls aber, daß Mac Leod einer der Moͤrder gewesen sey. Das Erstere naͤmlich suchte er dadurch zu beweisen, daß kein Mord habe begangen werden koͤnnen, indem der Angriff auf die „Caroline“ auf Befehl der Kanadischen Pro⸗
*) Sie liegt gauf einer sanften Anhoͤhe in der großen Ebene glei⸗ chen Namens auf dem Wege nach Buiuk Tschekmedsche (der ersten Station von Konstantinopel auf der Straße nach Rumelien). Diese Ebene war zur Zeit der Byzantiner der Ort, wo die ausziehenden
Heere sich versammelten und die Kaiser den Huldigungs⸗Eid empfin
gen. Auch unter den Tuͤrken wurde sie der Sammelplatz der zum
Kriege auf dieser Seite ausmarschirenden Armeen. Wenn die Fahne des Propheten nach Europa zieht, so wird sie auf der Ebene von Daud Paschg aufgepflanzt, geht der Feldzug aber nach Asien, auf der breiten Wiese von Seutari. ö
A. d. A.
vinzial⸗Regierung durch Britische Waffen stattgefunden habe. Ob dies recht gewesen oder nicht, gehore nicht hierher, nur so viel sey gewiß, daß eine gewisse Anzahl Kanadier unter Beistand Amerikanischer Buͤrger einen foͤrmlichen Krieg gegen Kanada gefuͤhrt habe. Von diesem Gesichtspunkte sey auch die Amerika⸗ nische Bundes⸗Regierung ausgegangen, indem sie von der Briti⸗ schen Regierung Genugthuung verlangt habe; ein einzelnes Indi⸗ viduum aber, welches zu der bewaffneten Macht Großbri⸗ taniens gehoͤrt habe, koͤnne unmoͤglich fuͤr die Folgen der ihr ertheilten Befehle verantwortlich seyn. Der zweite Theil der Vertheidigung bezog sich auf den Beweis des alibi unter sehr umstaͤndlicher Eroͤrterung. Namentlich setzte der Redner die Widerspruͤche in den Aussagen der Belastungszeugen sehr klar aus einander. Am vierten Tage wurden noch mehrere Entlassungszeugen gehoͤrt, darunter befand sich eine wichtige Aus⸗ sage eines Britischen Marine⸗Lieutenants, welcher geradezu er⸗ klaͤrte, er glaube, die bewußte Person sey von ihm durch einen Faustschlag getoͤdtet worden. Im weiteren Verlaufe der Sitzung wollte Herr Spencer die offiziellen Dokumente uͤber die Verhand⸗ lungen zwischen den Vereinigten Stagaten und Großbritanien ver⸗ lesen, um zu beweisen, daß die Zerstoͤrung der „Caroline“ und die Toͤdtung Durfee's aus einem Kriegszustande hervorgegangen, oder doch aus Umstaͤnden, welche der Provinzial⸗Regierung von Kanada das Recht der Nothwehr gegeben. Das Gericht ließ jedoch dieses Argu⸗ ment nicht gelten, weil es sich lediglich an den Anklage⸗Akt des Ober⸗ Gerichts von New-York zu halten habe; letzteres aber sey der An⸗ sicht gewesen, daß keine kriegerischen Umstaͤnde obgewaltet haͤtten, welche die Toͤdtung von Individuen rechtfertigten, folglich auch kein Grund vorhanden sey, in die Jurisdiction des Staates New⸗ York einzugreifen. Das Recht der Selbstvertheidigung koͤnne den Kanadischen Behoͤrden nicht abgesprochen werden, aber dadurch
waͤren diejenigen nicht gerechtfertigt, welche die Insurgenten auf
neutrales Gebiet verfolgt haͤtten. Am fuͤnften und sechsten Tage kamen wieder Zeugen⸗Verhoͤre vor, am siebenten replizirte der General Prokurator des Staates New⸗York mit sehr großer Bit⸗ terkeit. Die Zerstoͤrung der „Taroline“ bezeichnete er als eine höchst grausame Handlung, welche durch die Nothwendigkeit keinesweges gerechtfertigt sey. Am folgenden Tage setzte er seine Replik fort und suchte besonders das alibi zu entkraͤften, wobei er keinen Anstand nahm, den Zeugen der Gegenpartei Meineid vorzuwerfen. Nach ihm resumirte der Richer Grindley die ganze Sache. Nachdem er die Ruhe gelobt, mit welcher das Publikum diesen Verhandlun⸗ gen beigewohnt, beseitigte er zuvoͤrderst das Argument der Nicht— verantwortlichkeit Mac Leod's, insbesondere weil gar nicht erwie⸗ sen sey, daß das Dampfschiff „Caroline“ an den Ereignissen in Kanada Theil genommen habe. Die Art und Weise, wie er das Zeugen⸗Verhoͤr resumirte, war indeß fuͤr den Angeklagten im Gan⸗ zen guͤnstig. Am Schlusse ermahnte er jedoch die Jury, so wenig mit Ruͤcksicht auf einen eventuellen Krieg, als auf etwanige Dro⸗ hungen ihre Entscheidung abzugeben. Die Jury berieth sich etwa eine halbe Stunde und erklaͤrte darauf, wie bekannt, Alexander Mac Leod fuͤr nicht schuldig. 8
8 Merxiko.
Mexiko, 9. Sept. (Hamb. N. Z.) Seeit gestern fruͤh ist die Stadt in Belagerungs⸗Zustand erklaͤrt — es ertoͤnen keine Glocken, und es rasselt kein Wagen, und die einzigen Leute, die wir vernehmen, sind einzelne Flintenschuͤsse, welche zwischen den Posten auf den Kirchthuͤrmen gewechselt werden, und dann und wann das Traben der Kavallerie⸗Patrouillen, welche Ordnung in der Stadt halten. Seit laͤngerer Zeit schon hatten die Maß— regeln einer unvernuͤnftigen Kammer und ceiner schwachen unent⸗ schlossenen Regierung einen sehr allgemeinen Unwillen erregt; alle Vorstellungen, alle guten Rathschlaͤge, alle Warnungen hal⸗ fen nichts. Blindlings beharrte die Regierung auf ihrem gefahr— vollen Pfade, bis die oͤffentliche Meinung sich derb aussprach, und dieselben Generale, welche vor einem Jahre gegen die Demokra— ten die jetzige Regierung vertheidigten, ergriffen kuͤrzlich die Waffen, um das Volk von der priesterlichen Tyrannei und des⸗ potischen Erpressungen zu befreien. Paredes in Guadalaxara, Santana in Veracruz und zuletzt Valencia hier ergriffen die Waffen und forderten eine Regierungs⸗Veraͤnderung. Am 31. August Nachmittags um 3 Uhr brach die Sache hier los und wuͤrde wahrscheinlich in wenigen Stunden durchgefuͤhrt worden seyn, wenn nicht einer jener Zufaͤlle, welche oft die bestberechne— ten Plaͤne vereiteln, es verhindert haͤtten. Waͤhrend Valencia sich der Citadelle bemaͤchtigte, sandte er eine Ordre an das Regi⸗ ment, welches im Palaste war, auch diesen Punkt zu sichern. Diese Ordre fiel in die Haͤnde eines entschlossenen Obersten, eines Freundes von Bustamente, welcher gleich Gegenmaßregeln traf, und diese, verbunden mit der dem Praͤsidenten in militairischen Sachen nicht abzuleugnenden Energie, verhinderten den Umsturz der Regierung. Valencia blieb mit etwa 1300 Mann auserlese⸗ ner Truppen Herr der Citadelle und aller der Punkte um die Alameda und Paseo, waͤhrend die Regierung mit etwa 1000 Mann die Kloͤster von San Francisco, San Augustine, Merced und den Palast inne hatte. Ungleich aber den Schrecknissen des vorigen Jahres, greift keine Partei die andere an, um nicht die Stadt wieder dem Kriegsgetuͤmmel preiszugeben. Wie lange wir noch in dieser Lage verbleiben werden, das mag der Himmel wissen! Einstweilen hat die Regierung seit gestern verschiedene Verordnungen ergehen lassen, welche die gehaͤssigen Gesetze zum Theil abschaffen. Vielleicht bringt dies eine guͤtliche Beilegung der Streitfragen zu Wege. Fuͤr das Privat⸗Eigenthum ist wohl nichts zu besorgen, aber wenn die Mißhelligkeiten fortdauern und unsere Verbindungen mit dem Innern oder der Kaͤste gestört bleiben, so leidet natuͤrlich der Handel darunter.
Hier im Lande befuͤrchtet man gar sehr eine Theurung in diesem Jahre, denn im Juni zerstoͤrten Nachtfroͤste die Saaten von Mais, und spaͤter hat es so wenig geregnet, daß nichts ge⸗ wachsen ist, und der Preis des Korns ist jetzt schon auf das Dop⸗ pelte gestiegen; auch ist viel Vieh auf der großen Ebene wegen der Duͤrre umgekommen.
Mexiko, 11. Sept. (Brem. Z.) Seit dem 31. August haben wir auch hier eine Revolution. An jenem Tage pronun⸗ zirte sich, wahrscheinlich im Einverstaͤndnisse mit Santana, der General Valencia und besetzte mit seinen Anhaͤngern die Citadelle und einige andere Punkte am Ende der Stadt. Der Praͤsident Bustamente, dessen Truppen eben so zahlreich und besser seyn moͤ⸗ gen, waͤhrend Valencia mehr Artillerie hat, haͤlt den Palast und einige Klöster inne. Beide Theile sitzen aber ziemlich ruhig hinter Mauern und Schanzen, Keiner wagt hervorzukommen und den Anderen anzugreifen, und nur abwechselnd wird einmal ein Stuͤnd⸗ chen mit Flinten und Kanonen geschossen, aber selten ein Soldat verwundet, sondern meistens nur die Leute auf den Stra⸗ ßen. Der Verkehr stockt daher, alle Laͤden sind geschlossen, und bald wird sich bei den untersten Volksklassen die schrecklichste Noth offenbaren, da aller taͤgliche Verdienst wegfäͤllt. Sehr viele der anstaͤndigeren Familien sind aufs Land gefluͤchtet. Es scheint, Je⸗
der der beiden feindlichen Heerfuͤhrer wartet, bis dem Anderen Geld und Geduld ausgehen oder sich sonst ein Umstand zu seinen Gunsten ereignet. So koͤnnte Paredes mit 1800 Mann in wenigen Tagen eintreffen, und auch Queretaro soll sich der Bewegung ange⸗ schlossen haben. Vielleicht wird daher Bustamente als letzten Versuch ei⸗ nen Angriff auf die Citadelle unternehmen. Inzwischen sind die meisten Beschwerden der Insurgenten vorlaͤufig erledigt, namentlich das 15 pCt. Gesetz ist abgeschafft und auf den alten Stand von 5 pCt. reduzirt. Der Kongreß wird demnaͤchst noch definitiv uͤber diese Maßregel zu entscheiden haben, einstweilen aber verschaffte sie der Regierung etwas Geld, da fast Jeder, der Guͤter in der Douane liegen hatte, sich beeilte, sie zu dem niedrigeren Satze zu verzollen. Auch das allgemein verhaßte Confiscations⸗Gesetz, wel⸗ ches bei dem geringsten Versehen Jedermann der ungestraften Willkuͤr der Unter⸗Beamten aussetzte, soll provisorisch abgeschafft seyn. Freilich aber ist mit den Vorwaͤnden zur Revolution diese selbst noch nicht gehoben, da der eigentliche Grund in persoͤnlichem Ehrgeize liegt.
Inland.
— — Stettin, 6. Nov. Nach einem Schrei
deaux vom 16ten v. M. hatte der Preußische Konsul Michaelsen daselbst den dort anwesenden zehn Preußischen Schiffs⸗Capitains beim Praͤfekten die Erlaubniß ausgewirkt, den gestrigen Geburts⸗ tag unseres hochgeehrten Koͤnigs mit einem Salut von 21 Ka⸗ nonenschuͤssen begruͤßen zu duͤrfen. Bei dem ersten Schusse hiß⸗ ten saͤmmtliche Preußische Schiffe ihre vaterlaͤndische Flaggen auf und die im Hafen liegenden Schiffe aller anderen Nationen, selbst ein großer Theil der Französischen Schiffe, folgte diesem Beispiele, so daß der Fluß einen wahrhaft festlichen Anblick gewaͤhrte. Am Morgen des festlichen Tages machten die Franzoͤsischen Behoͤrden dem Konsul eine Gratulations⸗Visite und dieser hatte zum Mit⸗ tag saͤmmtliche Preußische Schiffs⸗Capitaine zu einem Festmahle ein⸗ geladen, bei welchem er das Wohl des erhabenen Monarchen und der verehrten Landesmutter ausbrachte. Am folgenden Sonntage wollte sich der Konsul mit der Besatzung der Schiffe, welcher er zur Feier des genannten Tages eine Ration Wein hatte austheilen lassen, in die Kirche begeben, um vereint mit dem Deutschen Prediger, welcher sich einer jaͤhrlichen, ihm durch die Gnade Sr. Majestaͤt bewilligten Unterstuͤtzung zu erfreuen hat, ein Dankgebet fuͤr Al⸗ lerhoͤchstdieselben zu sprechen.
Duvergier de Hauranne “ uͤber ““ die Parteien in Frankreich und die Nothwendigkeit, sie zu vereinigen*).
ꝓ½ ½ Paris, 3. Nov. Die fruchtbare Feder des Herrn Du⸗ vergier de Hauranne hat fuͤr die vorgestrige Nummer der Revue des deux mondes schon wieder eine sehr ausfuͤhrliche publi⸗ zistische Arbeit geliefert, deren Gegenstand durch die vorstehende Ueberschrift mit genuͤgender Bestimmtheit bezeichnet wird. Herr Duvergier de Hauranne hat den Ruf, so gut als irgend ein Fran⸗ zösischer Politiker in die parlamentarischen Verhaͤltnisse, in den Geist und die Statistik der Kammer eingeweiht zu seyn, und die Autoritaͤt seiner Worte uͤber die dieser Sphaͤre angehoͤrigen Fra⸗ gen, wird selbst von seinen Meinungs⸗Gegnern nur bis zu einem gewissen Punkte bestritten. Die Untersuchungen, welche Herr Duvergier in dem vorliegenden Aufsatze anstellt, greifen so tief in das Verfassungsleben Frankreichs ein, daß eine Uebersicht der Resul⸗ tate derselben auch fuͤr das Deutsche Publikum von In⸗ teresse seyn wird, um so mehr, als dasselbe darin die Ansichten und Urtheile eines, als durchaus kompetent anerkannten Richters, kennen lernen wird.
Herr Duvergier de Hauranne geht von dem Satze aus: „daß die Repraͤsentativ⸗Regierung ohne dauerhaft konstituirte Par⸗ teien weder Wuͤrde noch Macht haben koͤnne.“ Wenn die Par⸗ teien im Gegentheil weder feste Grundsaͤtze haben, noch ein poli⸗ tisches Ehrgefuͤhl, das sie zusammenhaͤlt, alsdann fehlt es der Re⸗ gierung an einem zuverlaͤssigen Stuͤtzpunkte fuͤr die Gegenwart, an der nothwendigen Gewaͤhr fuͤr die Zukunft; die Majoritaͤten werden wie vom Winde zusammengeweht, die Ministerien kommen und verschwinden wie Schatten, das oͤffentliche Leben siecht und die Theilnahme des Volks an den Angelegenheiten des Staats er⸗ kaltet. „Leider“, sagt Herr Duvergier de Hauranne, „befindet sich Frankreich in diesem Zustande. Seitdem die alte Majoritaͤt, welche Casimir Pérrier geschaffen und disziplinirt hatte, gesprengt ist, seit dieser Zeit ist das zum repraͤsentativen Staatsleben un⸗ entbehrliche parlamentarische Parteiwesen zerruͤttet, und daher alle jene politischen und administrativen Uebel, an denen der oͤffent⸗ liche Zustand Frankreichs seit einer Reihe von Jahren leidet, die ein Jeder mitfuͤhlt, und die Keiner zu heilen weiß.“
Der Verfasser sucht durch die innere Geschichte der Kammer seit 1830 die gegenwaͤrtige Aufloͤsung der parlamentarischen Par⸗ teien zu motiviren, und die verschiedenen Stadien dieses Prozesses anschaulich zu machen. Wir uͤbergehen diesen Theil seiner Arbeit, um bei seiner Schilderung des heutigen Zustandes der Grup⸗ pen, welche die verschiedenen Meinungen in der Kammer repraͤ⸗ sentiren, zu verweilen. .
Herr Duvergier sieht ab von den verschiedenen sozialen Sek⸗ ten, welche seit einiger Zeit zum Theil sehr energische Lebens⸗ zeichen geben, und zaͤhlt nur die eigentlich politischen Parteien, deren er sechs findet: Legitimisten, Republikaner; die Rechte, be⸗ stehend aus den Resten der Anhaͤnger des weiland Ministeriums Molé⸗Montalivet; das rechte Centrum, dessen Kern die Doctri⸗ nairs bilden; das linke Centrum, unter der Fahne des Herrn Thiers, und endlich die constitutionelle Linke, gefuͤhrt von Herrn Odilon Barrot.
„Die Legitimisten“, sagt der Verfasser, „haben sich eine durchaus falsche Stellung dadurch gegeben, daß sie es zu ihrer leitenden Maxime gemacht, die Revolution durch die Revolution zu bekaͤm⸗ pfen. Um konsequent zu seyn, mußten sie anerkennen, daß noch 1830 die wichtigste Aufgabe war, die gesellschaftliche Ordnung zu retten, und daß die dynastische Frage der Aufrechterhaltung des mo⸗ narchischen Prinzips untergeordnet seyv. Was haben sie statt dessen gethan? Sie sind binnen drei Tagen von der Censur zur unbeschraͤnkten Preßfreiheit, von den doppelten Wahlen zum all⸗ gemeinen Stimmrechte, von der reinen Monarchie zur Monarchie
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*) Obgleich wir gestern bereits Einiges aus bem in def ⸗5 Nummer der Revue des deur mondes enthaltenen Auff q Herrn Duvergier de Hauranne: „De l'stat EI1 en France et la nécessité d'une transaction; 5S 8.. einige wir doch hier nochmals darauf zuruͤckkommen ige Punkte schaͤrfer herauszuheben, welche dort nur un⸗ vr ruͤhrt wurden Anmerk. d. Redact. sa