Acres Land, 168 weibliche
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(1,170,252 Pfd. St.), 6 Pfandhaͤuser, 84 Wechselbanken, 2000 Sklaven.
Expedition hatte Sir Henry Pottinger seine Ankunft durch seinen Secretair Versuch derselben, mit ihm selbst in
Vor dem Abgang der den Chinesischen Behoͤrden anzeigen lassen, aber jeden
BVerhandlung zu treten, zuruͤckgewiesen, vielmehr denselben einen
mungen gegen China einen Einfluß ausuͤben wird.
Vorzuͤglichste von diesen heraus, diese Uebersicht einen allzu großen Umfang erhalten muͤßte.
Da ist zuerst eine „Dorfschule“ von Waldmuͤller in Wien, ein koͤst⸗
Weinhause dar; um ein großes Faß im Vordergrunde sind der
Brief an den Kaiser zur Besorgung uͤbergeben lassen, mit dem Bedeuten, daß er die Antwort in einem noͤrdlichen Hafen abwar⸗ ten werde. Die Chinesischen Behoͤrden, durch ein so entschiedenes Verfahren in Furcht gesetzt, hatten nun (s. den Art. England im gestr. Blatte der St. Z.) noch eine Summe Geldes geboten, um die Abfahrt der Flotte zu verhindern, aber ebenfalls vergeblich. Zugleich mit dieser Notification wurde ein Brief von Lord Palmerston abgedruckt, welcher bestimmt, daß Sir Henry Pottin⸗ ger nur solchen Instructionen Folge leisten soll, die er von Zeit zu Zeit von der Koͤnigin oder einem der Staats⸗Minister erhal⸗ ten werde. Es geht hieraus klar hervor, daß der General⸗Gou⸗ verneur von Indien in keiner Weise auf die weiteren Unterneh⸗
8 “ ssVsVVsgsftlfand. 8 „Kgooblenz, 6. Nov. Se. Excellenz der Wirkliche Geheime Rath und Ober⸗Praͤsident der Rhein⸗Provinz, Herr von B schwingh, ist gestern wieder hier eingetroffen.
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scheinen. Es ist als ob die Landschafts⸗Malerei, nachdem sie die Hi⸗ storie und fast auch das Genre verdraͤngt hat, fuͤr noͤthig faͤnde, wie⸗ der ein belebendes Element in ihre Schilderungen der leblosen Natur aufzunehmen. Ich spreche hier nicht von den Viehstuͤcken, welche im⸗ mer eine besondere Zwischen⸗ und Uebergangs⸗Stufe zwischen der Auf⸗ fassung des Menschlichen und der blos vegekativen Natur bilden, son⸗ dern von den eigentlichen Landschaften mit einer historischen oder genreartigen Staffage, dergleichen ich diesmal mehr als bei einer der fruͤheren Ausstellungen zu entdecken glaube. Bei vielen Bildern ge⸗ hoͤrt eine solche Staffage nothwendig zur Scenerie selbst, z. B. bei Jagdstuͤcken, bei Schiffbruͤchen u. s. w., und hier ist sie auch von je⸗ her mit Gluͤck angewandt worden. Wo dagegen eine so unmittelbare Beziehung zwischen den menschlichen Figuͤren und der natuͤrlichen Umgebung nicht stattfindet, da wird leicht das Interesse getheilt und erschwert, indem bald die historische Staffage die Aufmerksamkeit von der Landschaft ablenkt, bald der Anblick dieser uns jene vergessen laͤßt. Dies Letztere scheint mir z. B. der Fall zu seyn bei den beiden Ge⸗ maͤlden: „Genoveva“, von L. Richter in Dresden und einer „Land⸗ schaft im historischen Charakter“, von Fr. Muͤller in Kassel, mit ei⸗ ner Staffage nach Ariost, „wie Bradamante Ruͤdigern sieht.“
Doch ich muß, um in der Ordnung zu verfahren, zuerst noch von den Viehstuͤcken sprechen. Die Thier- Malerei hat eben so gut, wie die Darstellung der Menschenwelt, ihren Historien⸗Styl und ihr Genre, und von beiden liefert unsere Ausstellung Beispiele. So ist z. B. der große Hammel Verboeckhoven'’s offenbar ein ganz historisches Stuͤck, der Typus eines Hammels, an Vließ, Gestalt und selbst an Nase, Stirn und Blick, ein echt klassischer „Fuͤhrer der Heerde“. Mit glei cher Klassizitaͤt sind behandelt: „das Englische Vollblutpferd“ von Ammon in Berlin, ein „Viehstuͤck“ von Kunkler in Gnadenberg in Schlesien „ein an einem Baume sich reibender Stier“ von van Oosterhout in Dresden; ein „Stier mit Kuͤhen und Schafen“ von van Os in Harlem, ein „Hirteniunge mit seinem Vieh unter einer Eiche“ von Simmler in Geisenhetm im Rheingau; „ein Holländi
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Wilsenschafkt, Kunst und Literatur. Die Leipziger Kunst⸗Ausstellung. (Schluß. Vergl. Staats⸗Ztg. No. 310.) “
Ich gehe nun zu den uͤbrigen Genrebildern fort und hebe das
scher Stier“ von Ryk in Gilvensum (sehr vorzuͤglich)h; „ein Stier und ein Hirt unter einem Baume“ von Voltz in Muͤnchen u. A. In den „kaͤmpfenden Stieren“ von Kuntz in Karlsruhe ist sogar ein episches Motiv sichtbar. Andere Viehstuͤcke, in verschiedenerlei Maß⸗ stab ausgefuͤhrt, zum Theil auch als Staffage benutzt, haben geliefert: Verschuur in Amsterdam, von Kloͤberin Muͤnchen, Adam ebend.,
ohne mich auf eine Beurtheilung oder selbst Erwaͤhnung der minder bedeutenden einzulassen, weil son
um den Preis im Genre streiten diesmal mehrere Gemaͤlde. liches Bildchen, reich an launigen Situationen und freundlichen, lachenden Kindergesichtern. Von demselben sind ein pagr hoͤchst iebliche Koͤpfchen „Kinder aus einem Fenster blickend.“ Ein Sei⸗ tenstuͤck zu der Dorfschule, der „Rundgesang“ von Hentzsch in Dres⸗ den, ist zwar auch nicht ohne Humor, doch mehr karrikirt. Eben⸗ falls in doppelter Behandlung vorhanden ist ein zweiter Stoff, „die Weinprobe.“ Das Bild von Schwingen in Duͤsseldorf, welches die⸗ sen Namen fuͤhrt, stellt eine Scene vor einem Rheinlaͤndischen
Weinkuͤfer, der Wirth und ein paar Gaͤste versammelt, und der Erste, bequem nachlaͤssig aufs Faß gelehnt, haͤlt das halb geleerte Glas pruͤfend vors Auge, waͤhrend seine Zuͤge das schnalzende Behagen
des Wohlgeschmacks ausdruͤcken, welches auch von den Nebenstehen⸗
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Leichtglaͤubigkeit freuen.
den getheilt zu werden scheint. Auf dem zweiten Gemaͤlde, „der Weinprober“ von Becker in Frankfurt a. M., sitzt ein wohlbeleib⸗ ter Herr und kostet, muthmaßlich um einen Kauf zu machen, von dem Weine, dessen Vorzug ihm der Eigenthuͤmer, ein ver⸗ schmitzt aussehender Weinbauer an den Fingern herzaͤhlend anpreist, während hinter seinem Ruͤcken ein paar Knaben sich spottend seiner Das Bild ist komisch genug, doch absicht⸗ licher und darum weniger ansprechend, als das erstgenannte. Hoͤchst charakteristisch ist der „Aufschneider“ von Ritter aus Kanada (jetzt in Duͤsseldorf). Die Scene ist offenbar in einem Amerikanischen Shop oder Wirthshause, und man glaubt unter den Anwesenden, welche in verschiedenen Situationen und Stimmungen dem im Vor⸗ dergrunde nachlaͤssig hingestreckten und, wie es scheint, mit uner⸗ schoͤpflicher Laune seine Puffs zum Besten gebenden Aufschneider
zuhoͤren, die nationellen Phystognomieen der Franzosen, der Yankees,
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welche schon fruͤher einmal in einem Rombergschen Kupferstich ganz
der Hinterwaͤldler u. s. w. wiederzuerkennen, wie sie uns aus Seers⸗ field's Skizzen und Romanen bekannt sind. — In der gewohnten Alt⸗Niederlaͤndischen Manier ist der „froͤhliche Saͤnger“ von H. Schmidt ausgefuͤhrt. Sehr ergoͤtzlich ist der „Naturforscher’“ von Spitzweg in Muͤnchen, mit den auf seiner Muͤtze befestigten Schmetterlingen und mit allerhand anderer Ausbeute seiner, durch Dick und Duͤnn gehenden Sammlerwanderung beladen. Grotesker st die „alte Frau, welcher ein Knabe mit dem Blaserohr in die Schuͤssel platzt“ von Schleissner in Muͤnchen; „Don Quixote, der sich zu seiner abenteuerlichen Fahrt vorbereitet“ von Soltau in Paris, wuͤrde vielleicht mehr Gluͤck gemacht haben, wenn es nich u sehr an ein aͤhnliches Bild von Schroͤder erinnert haͤtte, welche vir auf der Ausstellung von 1837 sahen, und welches allerdings in Aufs fassung und Behandlung origineller und genialer war. Bilder, wi⸗ ‚der froͤhliche Verkehr vor einer Schenke“ von Ghesquiere in Gent ‚der Fischhaͤndler“ von L. Quaglio in Muͤnchen; „der kranke Stie⸗ fel“ von Pistorius in Berlin; „die Mitgift“ von Nordhus in Dresden; „ein Landpfarrer, auf dem Wege zum Filial vom Regen uͤber⸗ rascht“, von W. Ammonin Berlin; die „Neugier“ von Verheyden n Antwerpen; wenn auch viel gebrauchte Motive von neuem be⸗ nutzend, verfehlen doch, bei gluͤcklicher Behandlung, fast nie eines guten Eindrucks und gehoͤren wesentlich zu der fuͤr eine groͤßere Ausstellung nothwendigen Mannigfaltigkeit. Auch die kleine Welt des Stuben⸗ Gelehrten hat ein paar Stoffe zu Humoresken liefern muͤssen; wir sehen „den Philosophen und seine Familic“, die ihn sehr unphilo⸗ sophisch umschwaͤrmt und umlaͤrmt, so daß er sich verzweiflungsvoll beide Ohren zuhaͤlt, von Schumann in Berlin, und „Kosaken bei einem Gelehrten einkehrend“ von Sonderland in Duͤsseldorf, ein sehr gut ausgefuͤhrtes Bild, aber nicht originell in der Conception,
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aͤhnlich da gewesen; das kleinstaͤdtische Soldaten⸗ und Kameraden⸗ thum ist recht ergotzlich persiflirt in dem „Schuͤtzenfest in einem Nassauischen Landstaͤdtchen“ von E. Frederich in Duͤsseldorf, und die aͤrmliche aufsKleine beschraänkte Wirksamkeit eines Duodez⸗Kuͤnstlers in 8 Westphalischen Bildhauer“ von Tillotte in Duͤsseldorf. uch im errn Benre i s Wer evorhande Ic⸗ erwäͤhne hier C ist manches Werthvolle vorhanden. Ich im Haaa’ e zuerst die „Vorlesung aus der Bibel im Waisenhause Netarelbu⸗ b Erckhout im Haag, ein mit aͤcht Niederläͤndischer reue und ergreifender Wahrheit ausgefuͤhrtes Bild; ferner das „Gebet vor dem Essen“, von F ken in Duss “ꝗSeiße. wanberer en, von Franken in Duͤsseldorf; die „Hessischen Auswanderer an der Nordsee“, von Ad. Ri 8 6 5 treftliche Bild von Nahe7. 1Ad. Richter ebendaselbst, und das Ieghr on Rusti ge, „die Ueberschwemmung.“ Auch die „Fischerleute, nach ihren Gefaͤhrten auss 11“ F. bee. G.SS ausschauend“, gehoͤren hierher. Ein paar ruͤhrende Bilder sind „die Waise am Grabe“, von De Kath im Haag, und die Wittwe, von Fuürstenb ra im L.nleldaor. — Das „vergnuͤgte Maͤdchen“, von Sch fvon⸗ 1 in Duͤsseldorf. ein recht lieblicher Kopf, doch mehr mit dem Ausdrucke smra.ehr als des eigentlichen Vergnuͤgens. Auch die Jagd und Sehliger Ruhe fehlen nicht; von ersteren erwaͤhne ich zwei, Hon C. Irer nh üͤcke lin; was die letzteren betrifft, so haben die bekannt hulz in Ber⸗ Maler Heß, Heideck und Schubauer auch Nesmaaf eigkchlachten. Stuͤcke beigesteuert, agußerdem aber Altmann aus Muͤncheg en Rehe ter⸗Gefecht. Die beiden Bilder von E. Rabe in Berlin, „Preußi⸗ sche Militairs im Felde“ und „die Zusammenkunft Bluͤcher's und Wellington's am 16. Juni 1815 sind mehr wegen ihrer patrioti⸗ schen Tendenz schaͤtzbar, als kuͤnstlerisch schoͤn. Doch ich verlasse endlich diese Gattung von Bildwerken, um noch uͤber die Landschafts⸗ und Architektur⸗ Malerei ein paar Worte zu sagen. Im voraus muß ich hier einer Eigenthuͤmlichkeit Erwaͤh⸗ nung thun, welche mir bei einer großen Anzahl der hier gusgestellten Landschaften aufgefallen ist, — des besonderen Gewichts naͤmlich, wel
ches neuerdings unsere Landschafts⸗Maler auf die Staffage zu legen
Camphausen in Duͤsseldorf, de Cock in Gent, Kun tz, Kunkler, Habenschaden in Muͤnchen, Lotze ebend., Leypold in Dresden, endlich Georgi in Leipzig, dessen „Vieh auf der Alp“ als Vieh stuͤck wie als Landschafts-Gemaͤlde gleich gut ist. Ein paar niedliche Vieh⸗Genrestuͤcke sind „die Fuͤchse bei ihrem Bau“ von Ulrich in Zuͤrich und die „Katzen-Familie“ von Neu in Berlin. Unter den Landschaften wage ich keiner den EEE13“ vor allen uͤbrigen zuzuerkennen; von der großen Menge vortrefflicher Meisterwerke, welche in diesem Fache vorhanden sind, ist jedes durch eigenthuͤmliche Vorzuͤge ausgezeichnet, und schon die Mannigfaltigkeit der dargestellten Gegenden, die verschiedenartige Wahl der Beleuch tung, der Faͤrbung uͤnd des Lufttons macht die Entscheidung fuͤr das eine oder das andere schwer, wenn nicht unmoͤglich. Eben diese Mannig⸗ faltigkeit aber giebt der Zusammenstellung so vieler Bilder den so noͤthigen Reiz der Abwechselung und des Kontrastes; von den Schrek⸗
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lern aufzuzeigen, z. B. von Wegener in Potsdam, von Hilgers in Duͤsseldorf; die in Perspektive und Beleuchtung vortreffliche Ansicht „eines Klosterganges im Winter“ von Hasenpflug in Halberstadt u. dgl. m. Dagegen ist auf dem Bilde, „Schmuggler“ von W. Krause in Berlin, die Beleuchtung des Schiffes und der Wellen wohl allzu grell roth. 1b Aus der Franzoͤsischen Schule erhalten wir einige gute Stuüͤcke, so von Watelet eine „Landschaft“; von le Poitevin eine, Kuͤstenge gend“, von Gudin eine sehr schoͤne „Marine“, von Rogers eine eben so gelungene „Schiffbruch⸗Scene an der Nordkuͤste von Schottland“ von Roqueplan einige Ansichten aus „der Umgegend von Paris“ von Hildebrandt in Paris ein großartiges Gemaͤlde: „Große Marine Eine gestrandete Brigg an der Englischen Kuͤste’. Von Italienischen Landschaften ist wenig da: ein paar Ansichten von Koͤbel in Muͤn⸗ chen, von Faber in Hamburg, von Reinhardt in Rom u. s. w Unter den architektonischen Bildern moͤchte ich „das Innere des Nonnenklosters zu Salzburg“ von Ainmuͤller in Muͤnchen fuͤr das gelungenste halten. Den Klostergang von Hasenpflug erwaͤhnte ich schon oben. Sehr schoͤn ist auch „das Innere einer Kirche“ von
ken wilder Natur⸗Scenen, wie sie uns Calame (in Genf) in seinem „Bergsturz im Haslithale“ malt, erholen wir uns bei der erhabenen Ruhe und den sanften Tinten einer Suͤd⸗Amerikanischen Landschaft von Krause in Dresden; und von der grellen Beleuchtung des „bren⸗ nenden Dampfschiffes“ (von Ulrich in Zuͤrich), von dessen Gluthen das Meer weit umher aufzuflammen scheint, wendet sich der geblen⸗ dete Blick gern zu dem zitternden Helldunkel einer Mondscheinnacht, aus deren Schatten der Leuchtthurm am Golf von Livorno mit sei⸗ nem roͤthlichen Lampenschein hervortaucht, ein treffliches Bild von Schoͤnberger in Amsterdam. Die genannten vier Bilder gehoͤren un streitig zu dem Ausgezeichnetsten der ganzen Ausstellung; sie sind im großartigsten Style gemalt, und die Beleuchtung besonders ist qguf allen vieren unuͤbertrefflich schoͤn. Ulrich hat außerdem noch eine „Ansicht der Maas bei Rotterdam“ geliefert, gleichfalls ein sehr ge⸗ lungenes Bild. Erst in den letzten Tagen wurde noch eine große Landschaft von Dahl ausgestellt, „die Stadt Bergen in Norwegen“. Dahl'’s Virtuositaͤt in der Darstellung der durch ihre eigenthuͤmlichen Gebirgs Formationen, ihre Vegetation und selbst ihren Luftton aus gezeichneten, aber aͤußerst großartigen Gegenden seines nordischen Va⸗ terlandes ist hinlaͤnglich bekannt. Wenn die bisher genannten Bilder, schon ihres Gegenstandes halber, den staͤrksten Effekt machten, so stan den ihnen an wahrem Kunstwerth viele andere nicht nach, und mit wetteifernder Meisterschaft brachte Jeder der vielen beruͤhmten Land schafts⸗Maler, deren Namen der Katalog enthaͤlt, seine Eigenthuͤm⸗ lichkeit oder die Eigenthuͤmlichkeit seiner Umgebungen und seines Klima's zur Schau. Schulten in Duͤsseldorf gab ein paar tiefdunkele Wald⸗Partieen mit gewaltigen Felsmassen und praͤchtigen Baumgrup⸗ pen, von Jagd⸗Scenen belebt; und in aͤhnlicher grandioͤser Weise ausgefuͤhrt stellten sich dar: „die Gebirgs-Landschaft mit Wasserfall von Dornerin Muͤnchen; mehrere Landschaften von Boͤcking in Duͤs seldorf, Brandes in Braunschweig, Breßlauer in Duͤsseldorf, Ez dorff in Muͤnchen, Achenbach in Duͤsseldorf, Heinzmann in Muͤnchen; drei herrliche Ansichten aus der Umgegend von Berchtes gaden von Rob. Kummer in Dresden; „die Wetterhoͤrner“ von Sparmann ebend.; ganz besondees endlich auch die meisterhaften Bilder von Crola. Mehr im heiteren, lieblichen Charakter sind gehalten: der „Staremberger Sece“ von Fohr in Muͤnchen; eine „Landschaft“ von Mohr ebend.; „Limburg an der Lahn“ von Schoͤnfeld ebend.; zwei Partieen aus dem Bagyerischen Oberlande von A. Sproͤder in Potsdam; eine dergleichen von Kirner in Muͤn⸗ chen; ein „Sonnen⸗Untergang“ und eine „Mondschein Landschaft“ von Sparmann; der „Magdeburger Dom im Mondschein“ von Hintze in Berlin; eine „Landschaft bei Bingen“ von Verreyt in Koͤln; eine „Landschaft in abendlicher Beleuchtung“ von Zim- mermann in Muͤnchen; ein „Schloß bei Abend⸗Beleuchtung“ von Conrad in Duͤsseldorf; „Schloß Stein im Erzgebirge“ von Muͤller in Dresden; „Schloß und Kirche Limburg an der Lahn” von Hancke in Duͤsseldorf; „Eichen am Wasser“ von Jacobiebend. u. A. m. Eine „Landschaft“ von Richter aus Dresden, uͤbrigens gut gemalt, ist bemerkenswerth durch den, wie mir scheint, verungluͤckten Versuch, einen auf die Erde niederreichenden Regenbogen nachzubilden. Die Hollaͤnder haben, wie gewoͤhnlich, tuͤchtige Seestuͤcke, Winter Landschaften und Aehnliches geliefert. Ich erwaͤhne vorzugsweise eine „Marine“ von Schotel in Medemblik; „Niederlaͤndische Kriegsschiffe beim Sturm in der Nordsee“ von Demselben; zwei „Marinen“ von J. van den Blyke in Dordrecht; einen „Fluß mit Fischern, beim Lachsfang beschaͤftigt“, von Abels im Hagg; ein „Gemuͤseschiff auf der Insel Merken“ von Portmann in Amsterdam; eine „Ansicht von der Maas“ von Kleyn im Haag; eine „Hollaͤndische Land schaft mit einem Flusse“ von van Deventer im Hgag; meh⸗ rere „Winter⸗Landschaften“ von van der Eyken in Antwerpen; Mocrenhout im Haag; Moermannin Gent; eine sehr vorzuͤgliche von de Klerk in Dordrecht, welcher auch noch eine andere Landschaft geliefert hat; eine von Kleyn, auf deren Vordergrunde die Muͤhle sichtbar ist, wo Rembrandt geboren ward; ferner eine „Strand Ansicht bei Scheveningen“ und eine „Fluß⸗Ansicht in Gelderland” von Troost im Haag; eineLandschaft“ von van der Sternen in Gent, „das Dorf Allaserden, vorn ein Schiff mit Musikanten“ von de Koningh in Dordrecht; endlich eine „groͤßere Landschaft mit Kuͤhen und Schafen“ von van den Sande Backhuyzen im Haag und eine dergleichen von Quispel in Dordrecht. Doch sind auch in diesen Stosfen, fuͤr welche die Hollaͤnder von jeher gewissermaßen ein Mo⸗ nopol gehabt, einige Deutsche Maler als Nebenbuhler derselben nicht ohne Erfolg aufgetreten. Achenbach's „große Hollaͤndische Marine“ senn 96 kuͤhn mit den besten Werken der Riederlaͤnder messen; eben stack““ L9.8 in amburg Seksturm und H erdorff s(ebend.) „See Schiertz in 18 9 liefert ein „Scestuͤck au der Englischen Kuͤste“, eine „Lootsen⸗S jagen einen „Seesturm,, L. Herrmann in Berlin 7 Station an der Kuͤste der Normandie“. Nicht minder
haben wir einige gelungene Winter Landschaften von Deutschen Kuͤnst⸗
Hauschild. Außerdem sind von A. Herrmann in Dresden zwei Ansichten von Italienischen Kirchen, von Vermersch in Bruͤssel eine Ansicht des Doms in Aschaffenburg, von Stock in Berlin eine „Aus
sicht auf die St. Marien-Kirche in Danzig“ ausgestellt. Die „Kirche
Uspenski in Moskau“ von Ed. Gaͤrtnert in Berlin, interessirt
wenigstens durch ihre fremdartige, fast orientalische Bauart.
luch an Frucht⸗ und Blumenstuͤcken, an Stillleben und leckeren Schaugerichten, mit saftigen Orangen und appetitlichen Krebsen, per lendem Champagner und schwellenden Trauben ist kein Mangel; Holthausen und Lehnen Brasch und Hoppe in Berlin, Jakob ans Berlin, gegenwaͤrtig in Paris, Obermann in Amsterdam, Wentzel in Dresden, Pot⸗ ter in Wien haben dies Genre kultivirt, welches zwar auch einer großen Vollkommenheit faͤhig, aber doch nach meiner Ansicht, eines der undankbarsten ist. 1
Von den Zeichnungen sind bemerkenswerth einige sehr gelungene Genrestuͤcke, z. B. „das Bergmannsleben“ von Th. von Oer, „Deutsch
land in den neunziger Jahren“ von Richter aus Kanada; „Scene in
einem Bayerischen Wirthshause” (aquarell) von Gonne in Dresden; „der Pater Kellermeister” (aquarell) von O. Wagner inDresden u. s. w.,
Landschaften von Abels im Haag und Reinhardt in Rom; „sieben
Marinen“ von Schotel; ein Knupferstich „Fischerleben“ von L. Rausch; mehrere wohlgetroffene Portraits von August Boͤhme in Leipzig; Thorwaldsen’'s Portrait von Gertner in Kopenhagen, ein junges Maͤdchen in Aquarell, von Frau von Loqueysie in Dresden u. A. m. Endlich erwaͤhne ich noch ein Porzellan- Gemaͤlde
von Scholz in Bunzlau, „die heilige Caͤcilie“ nach Carlo Dolcc⸗,
ein Glasgemaͤlde von Voͤrtel in Muͤnchen, eine „Madonna“ nach H. Peß und einige plastische Werke von Cauer in Kreuznach und Knaur in Leipzig.
Meteorologische Beobachtungen.
1841. 9. Nov.
Abends 10 Uhr.
Nach einmaliger Bcobachtung.
Nachmittags Uhr
Morgens 6 Uhr. 2
Quellwärme 8,80 B. Flusswürme 5,80 R. 2 ü. Ausdünstung 0,0 31 Hih.
Luftdruck... 339,18 Par. 338,82“ Par. 338,44 har Luftwärme. + 4,9 R. + 5,4 °R. + 3702 B 1 haupunkt “ V ZZAI1I + 1,60 R. +H 1,0⁰ R. Dunstsättigung 91 pCt. 73 pCt. 84 pCt. Wetter bezogen. halbheiter. trübe. Niederschlag 0. Wind NW. NW. NW. Würmewechsel —+ 5,62 Wolkenzug. .. — NW. — — 2,10⁰. Tagesmittel: 338,91 Par. + 4,40 R.. † 2,1° h. 83 pcCt. NW.
Bodenwärme 6,6
Auswärtige Börsen.
Amsterdam, 6. Nov. Niederl. wirkl. Schuld 51 9%. 5 % do. 99 *G Kanz. Bill. 25 83 88 Span. 20 ¼. Ausg. —. Zinsl. 6*8 Präm. Sch Pol. —. Oesterr. —.
Antwerpen, 5. Nov.
Passive —. Preuss. zinsl. —. Neue Anl. 20 ¼ G. Ham burg, 7. Nov. Bauk-Actien 1550. Rugl. S 108 ½. London, 5. Nov. Cons. 3 % 88 ½. Belg. 100 ¼. Neue Anl. 21 ¼. Passive 4 ½. Ausg. Sch. 10 ½. 2 ½ 9 IHHoll. 51 ¼. 5 9 Port. 29 9. 3 ½ 18. Engl. Russ. 113. Bras. 57 ½. Columb. 19. Mex. 25. Chili 66. 19 aris, 5. Nov. 5 Rente üfiu 22 ½. Passive 5. Peters bu rg;, 2. Nov. Lond. 3 Met. 38 ⅞. Poln. à Par. 300 Fl. 68 ½. do. 500 Fl. 73 ½. do. 200 Fl. 25 38 Wien, 5. Nov. 5 1 Met. 105 7., 4 ½ 98 ½. 3 ½ —. 10, —. Hank-Actien —. Aul. de 1831 681 ⅛. 4e 1839 270 ½.
Peru 13 ½. cour. 116. 40. 3 ¼ Rente fin couz. 6“ . 5 59% Neapl. 106. 5 Span. Rente
IHIamb. 341 ½. Paris 408.
Königliche Schauspiele.
Donnerstag, 11. Nov. Im Opernhause: Die Zerstreuten, Posse in 1 Akt. Hierauf: Die Wiener in Berlin, Posse mit Gesang in 1 Akt. (Dlle. Grüͤnbaum: Louise von Schlingen.) Und: Der Polterabend, komisches Ballet in 1 Akt, von Hoguet.
Im Schauspielhause: Pour le premier début de Mr. Delvil: 1) La reprise de: Le dépit amoureux, comédie en 2 actes et en vers, par Molière. 2) La reprise de: L'hotel garni, comédie en 1 acte et en vers, par Mr. Desaugiers. 3) La re- brise de: Les vieux péchés, vaudeville en 1 acte, Mr. Mélesville. (Dans la première piéece Mr. Delvil remplira le role de Grosrené et dans la seconde celui de Mr. Gaillard.)
Freitag, 12. Nov. Im Schauspielhause: Ein Herr und eine Dame, Lustspiel in 1 Akt, von C. Blum. Hierauf: Der reisende Student, musikalisches Quodlibet in 2 Abth. (Dlle. Gruͤnbaum: Hannchen.)
Sonnabend, 13. Nov. Im Opernhause. Zur Feier des Allerhoͤchsten Geburtsfestes Ihrer Majestaͤt der Koͤnigin: Ouver— ture von L. van Beethoven. Hierauf: Rede, gedichtet von Fr. Foörster, gesprochen von Mad. Crelinger. Und: Orpheus und Eurydice, Oper in 3 Abth., von Moline, aus dem Französischen uͤbersetzt von Sander. Musik von Gluck. Ballet von Hoguet. (Neu einstudirt.) 8
Im Schauspielhause: Ouvertuͤre, von B. A. Weber. Dann: Rede, gedichtet von Fr. Foͤrster, gesprochen von Frl. Ch. v. Hagn. Hierauf: Zum erstenmale: Treue Liebe, Schauspiel in 5 Abth., von Eduard Devrient. 8
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Königstädtisches Theater.
Donnerstag, 11. Nov. Der Talismann, Posse mit Gesang in 3 Akten, von J. Nestroy.
Freitag, 12. Nov. Zum erstenmale wiederholt: Die Muͤller meisterin, oder: Die Folgen einer Erbschaft. Gemaͤlde aus dem Leben mit Gesang in 3 Akten, von J. Schickh. Musik von He⸗ benstreit. b
Sonnabend, 13. Nov. Zur Feier des Allerhoͤchsten Geburts⸗ festes Ihrer Majestaͤt der Koͤnigin: Zum erstenmale: Das Herz des Preußen⸗Landes. Alegorisches Festspiel, von Bernhard Goͤr⸗ witz. Hierauf (Italienische Opern⸗Vorstellung.): Vergy. Opera in 3 Atti. Musica del Macsto Donizetti. (Sig⸗ nora Laura Assandri: Gemma.)
Verantwortlicher Redacteur Dr. J. W. Zinkeisen. Gedruckt in der Deckerschen Geheimen Ober⸗Hofbuchdruckerei.
in Duͤsseldorf, — Schartmann,
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Amtliche Nachrichten. 8
Rustland und Polen. St. Petersburg. quatur fuͤr den Britischen Konsul.. 1 1
Frankreich. Paris. Der Constitutionnel uͤber die Frage der Inkompatibilitaͤten. — Quenisset's Mitschuldige. — Ministe⸗ rielle Blaͤtter leugnen die Entwaffnung zur Sec. — Vermischtes. — Brief aus Paris. (Duvergier's de Hauranne Coalitions⸗ Plan und das Ministerium; Espartero und sein juͤngstes Walten in den Provinzen.) 8 1 8
Großbritanien und Irland. London. Abreise Lord Burghersh's.
— Lord Ellenborough's politisches Programm als General⸗Gouver
neur von Ostindien. — Noch einige Notizen uͤber den Towerbrand.
— Torvistisches Urtheil uͤber O'Connell's Wahl zum Lord⸗Mayor und dessen versoͤhnliches Benehmen. — Verhoͤr der bei der Faͤl⸗ schung von Schatzkammerscheinen betheiligten Personen. — Ver mischtes. 8 1
IIVö Haag. Herr Dujardin, als Belgischer Kommissa⸗ rius vom Koͤnige empfangen.
Belgien. Bruͤssel. Verschiedenes. Brief aus Bruͤssel. (Noch Einiges uͤber die juͤngst entdeckte Verschwoͤrung; Wiederauf nahme der Zoll⸗Verhandlungen mit Frankreich.) 8
Deutsche Bundesstaaten. Muͤnchen. Hof⸗Theater. Ersin dungs⸗Patente. — Stuttgart. Zweite Kammer. — Freiburg. Duttlingers Nachfolger an der Universitaäͤt. — Detmold. Zoll⸗ Anschluß.
ö Brief aus Prag. (Die neue Kettenbruͤcke.)
Spanien. Die Junta von Barcelona besteht auf Schleifung der Eitadelle. — Schreiben aus Madrid. (Fortdauernde Verfol gungen unter den offenen oder angeblichen Christinos, namentlich der hoͤheren Staͤnde; der Infant Don Francisco de Paula; Diffe⸗ renzen der Regierung mit dem Franzoͤsischen Geschaͤftstraͤger; mi litatrische Matregeln zur Sicherung des Landes im Innern und nach außen; Plan zur Mobilisirung saͤmmtlicher National⸗Milizen; Einberufung der Cortes.) . ““
Türkei. Konstantinopel. Konflikt der schismatischen Armenier.
Ostindien. Besetzung von Schirkapore. — Erstuͤrmung Arabischer Forts bei Aden. 11“
Ching. Wortlaut der Pottingerschen Notification und der Palmer⸗ stonschen Instruction. — Muthmaßungen uͤber die Operationen der Nord⸗Expedition. Neue Ruͤstungen in Canton. 8
Juland. Pleß.
Fuͤrst Ludwig von Anhalt⸗Coͤthen⸗Pleß †. Wissenschaft, Kunst und Literatur.
Warsche
Ruͤckert.
Beilagec. Großbritanien und Irland. Schreiben aus Lon⸗ don. Kirchliches.) — Deutsche Bundesstaagten. Hannover. Bittschrift aus Osnabruͤck, den Anschluß an den Deutschen Zoll⸗-Ver ein betreffend. — Italien. Rom. Herrn Capaccini’'s Mission in Holland. — Portugiesischer Gesandte. — Asien. Missions Angelegenheiten. — Proöͤtestantismus in Kurdistan und Katholizis mus in Cochinchina. — Wissenschaft, Kunst und Literatnur. Musikalisches aus Leipzig.
Kronik des Tages.
Se. Majestaͤt der Koͤnig haben Allergnaͤdigst geruht:
Dem Haupt⸗Amts⸗Assistenten Hecht in Salzwedel zu gestat⸗ ten, die von dem Koͤnige von Hannover Majestaͤt ihm verliehene, am 11. Mai dieses Jahres fuͤr das Jahr 1813 gestiftete Kriegs⸗ Denkmuͤnze anzulegen; so wie
Den bisherigen Ober⸗Landesgerichts⸗Assessor Rocholl zum Ober⸗Landesgerichts⸗Rath und Mitgliede des Ober⸗Landesgerichts in Hamm, und
Den bisherigen Superintendenten in Stolp, Dr. Siedler, zum Konsistorial⸗Rathe bei dem Konsistorium und zum evangeli⸗ schen geistlichen Rathe bei der Regierung in Posen zu ernennen.
Angekommen: Der Kaiserl. Russische Kammerherr und Wirkliche Staatsrath, außerordentliche Gesandte und bevollmaͤch⸗ tigte Minister am Koͤnigl. Wuͤrttembergischen Hofe, Graf von Medem, von Weimar.
Abgereist: Se. Erlaucht der Graf Alfred
2 zu Stolberg— Stolberg, nach Stolberg. 116“
Nußland und Polen.
St. Petersburg, 5. Nov. Am 30. Oktober ist der Kriegs⸗Minister, Fuͤrst Tschernyscheff, von Petersburg nach der Preußischen Graͤnze abgereist.
Am 16ten v. M. krafen die Frau Großfuͤrstin Helena Paw⸗ lowna und der Herr Großfuͤrst Michael Nikolajewitsch in Char— kov ein und reisten am 19. Oktober nach Moskau weiter.
Warschan, 7. Nov. dem Fuͤrsten Statthalter angezeigt, daß der Oberst Du Plat, der kuͤrzlich in Warschau angekommen, von Sr. Majestaͤt als Groß⸗ britanischer Konsul fuͤr das Koͤnigreich Polen anerka
Frankreich. 1
Paris, 6. Nov. Ueber die Frage wegen der Inkome die jetzt wieder an der Tagesordnung ist, aͤußert sich der Constitu⸗ tionnel in folgender Weise: „Das Wahlgesetz enthaͤlt einen Artikel der eine gewisse Anzahl von administrativen Functionen fuͤr unver⸗ traͤglich mit der Deputation erklaͤrt. Jede Function, die den Auf⸗ enthalt fern von Paris gebieterisch verlangt; jedes Amt, welches
Der Vice-Kanzler des Reichs hat
den Besitzer solidarisch mit der ministeriellen Politik verpflichtet; jede Stelle, die dem, welcher sie ausfuͤllt, nicht die Unabhaͤngigkeit und Freiheit des Geistes lassen kann, welche nothwendig sind, um als Deputirte die Handlungen der Regierung zu kontroliren und die Gesetze zu votiren, schließen von der Waͤhlbarkeit aus. Dies ist der Grundsatz, der in dem Gesetze auf eine mehr oder weniger vollstaͤndige Weise angewendet worden ist. Der Gesetzgeber hat nicht Alles dem Ermessen des Wahlkoͤrpers uͤberlassen wollen. Er hat gewisse Bedingungen gestellt, die zum Zweck ha⸗ ben, nicht allein die Aufrichtigkeit und Freiheit der Wahl, sondern
auch die Aufrichtigkeit und die Freiheit der Repraͤsentation zu
sichern. Jene Beschraͤnkungen haben noch einen Vortheil; sie zwingen eine gewisse Anzahl von Beamten, ihre ganze Zeit und ihren ganzen Eifer der oͤffentlichen Verwaltung zu widmen. Das Gesetz sah voraus, daß in einem demokratischen Lande, wo die großen Vermoͤgen selten sind, und wo nach den Stellen gestrebt wird, zu befuͤrchten sey, daß die Verwaltung in die Kammer und die Kammer in die Verwaltung eindraͤnge. Was haben nun meh— rere Deputirte und die Kammer selbst unter 3 verschiedenen Mi⸗ nisterien offenbar gewuͤnscht? daß man an die Stelle des gemaͤ⸗ ßigten Prinzips, welches sich in den Gesetzen befindet, ein absolu⸗ tes Prinzip aufstellt? daß jeder Beamter, selbst vom hoͤchsten Range, von der Kammer ausgeschlossen werde? daß man der vor— handenen Gefahr noch eine andere Gefahr hinzufuͤge? Davon ist durchaus nicht die Rede, sondern man verlangt nur, daß die in dem Wahl⸗Gesetz aufgezaͤhlte Anzahl von Inkompatibilitaͤten in einem billigen Maße vermehrt werde. Es ist also darauf ab⸗ gesehen, das Prinzip, welches sich schon in dem Gesetze befindet, auf eine wirksamere Weise in Anwendung zu bringen. Hoffen wir etwa, daß eine solche Maßregel die Bestechung fuͤr immer un⸗ moͤglich machen, Herrn Guizot jedes Mittel rauben werde, die Stim⸗ men zu verhandeln, die Deputirten durch seine Gunstbezeugungen zu kompromittiren? Auch dies nicht. Wir uͤberlassen uns nicht einer solchen chimaͤrischen Hoffnung, und wenn das Journal des Débats uns versichert, daß man doch immer Mittel fin⸗ den werde, den Ehrgeiz der Deputirten zu reizen und zu befriedi⸗ gen, so wollen wir ihm das aufs Wort glauben; aber das Uebel wird geringer seyn; einige Theile der Verwaltung werden geschuͤtzt, einige Stellen mehr werden dem natuͤrlichen und regelmaͤßigen Avancement vorbehalten werden, und die legislative Gewalt wird den Ministern und den Waͤhlern eine nuͤtzliche und moralische Lehre gegeben haben.“
Die Zahl der als der Mitschuld an Quenisset's Attentat ver⸗ daͤchtigten und verhafteten Personen belaͤuft sich auf 19 oder 20. Man glaubt aber, daß in der Anklage⸗Akte 13 bis 14 derselben außer Verdacht werden gestellt werden, so daß nur 4 oder 5 Mit⸗ schuldige in den Prozeß verwickelt werden duͤrften. Die Letzteren sollen zu der Zeit, als das Attentat begangen wurde, bewaffnet in der Rue Traversière gewesen seyn, um gleichzeitig mit Quenisset zu schießen; sie sind auf Denunciation desselben verhaftet worden.
Nachdem man seit einiger Zeit so viel und mit so großer Bestimmtheit von der Entwaffnung der Flotte gesprochen hat, wird dieselbe jetzt ploͤtzlich, und zwar durch ein Organ des Mi⸗ nisteriums, in Abrede gestellt. Die Presse, welche selbst fruͤher den Entschluß des Ministeriums, eine Entwaffnung eintreten zu lassen, verkuͤndet hatte, erklaͤrt jetzt, daß die Regierung durchaus nicht an eine solche Maßregel denke. Man habe allerdings 2000 Matrosen verabschiedet, aber dieselben haͤtten ausgedient und wuͤr— den sogleich durch neue Rekruten ersetzt werden.
Waͤhrend eines Theils der vergangenen Nacht war die hie⸗ sige Polizei auf den Beinen, und heute, bei Anbruch des Tages, begaben sich 4 Kommissarien, von der bewaffneten Macht unter— stuͤtzt, nach verschiedenen Wohnungen, um Verhaftungen vorzu⸗ nehmen, die, wie es heißt, mit der in Bruͤssel entdeckten Verschwoͤ⸗ rung in Verbindung stehen sollen. Man will wissen, daß alle Personen, gegen die Mandate erlassen waren, sich der Verhaftung durch die Flucht entzogen haben.
Der Russische Botschafter, Graf von Pahlen, steht, wie es heißt, im Begriffe, einen ihm ertheilten mehrmonatlichen Urlaub zu einer Reise nach St. Petersburg zu benutzen.
Mehrere legitimistische Journale erscheinen heute, als am To⸗ destage Karl's X., mit einem Trauerrande, und in mehreren Kir⸗ chen wurden Seelenmessen gelesen.
Am 11ten d. M. wird der Prozeß Laffarge (Diamanten⸗ Diebstahl) vom Cassationshofe wieder aufgenommen werden.
Die Schwester Marat's ist hier vor einigen Tagen im tief— sten Elende gestorben. Dieses Maͤdchen, deren stark ausgepraͤgte Zuͤge an ihren Bruder erinnerten, war in ihren Sitten, in ihrem Wesen, in ihren Arbeiten und selbst in ihren Vergnuͤgungen durch⸗ aus maͤnnlich. Lange Zeit lebte sie von der Verfertigung von Uhrzeigern, eine Arbeit, in der sie ausgezeichnet gewesen seyn soll, sie war vollkommen geuͤbt in der Lateinischen Sprache und blies ziemlich gut die Floͤte. Sie hat ein Alter von 83 Jahren erreicht.
Boͤrse vom 6. November. Obgleich die Englischen Fonds fortfahren zu steigen, so war doch heute zu Anfang der hiesigen Boͤrse die Franzoͤsische Rente sehr schwach. Man schien sich uͤber die Nichtpublizirung der gestern abgebrochenen telegraphischen De⸗ pesche zu beunruhigen, und es hieß, daß in Barcelona sehr ernste Ereignisse stattgefunden haͤtten. Die Spekulanten schienen außer— dem eine nahe bevorstehende Veraͤnderung des Ministeriums zu gewaͤrtigen. Es wurde indeß von mehreren Seiten Alles aufgeboten, die Renten zu halten, und von 3 Uhr an trat eine Steigerung in den Couͤrsen ein. Nach⸗ schrift. 4 ½ Uhr. Es verbreiten sich, nachdem die Boͤrse ge⸗ schlossen ist, Nachrichten sehr ernster Art, von denen einige Ein⸗ geweihte, die bedeutende Verkaͤufe gemacht haben, schon vor meh⸗ reren Stunden unterrichtet gewesen seyn sollen. Man versichert, daß Unruhen in Barcelona ausgebrochen waͤren, daß der Poͤbel das Hotel des Franzoͤsischen Konsuls gestuͤrmt und ihn persoͤnlich insultirt habe. Man fuͤgt hinzu, das Ministerium habe bereits Befehle abgesandt, um eine glaͤnzende Genugthuung von Espartero zu verlangen, und mehrere Schiffe haͤtten bereits die Weisung er⸗ halten, vor Barcelona zu kreuzen. Diese Nachrichten sollen schon gestern durch den Telegraphen hier eingegangen seyn. 1
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†I Paris, 6. Nov. Das von Herrn Duvergier de Hau⸗ ranne aufgestellte Programm fuͤr die bevorstehende parlamentarische Sitzung findet bei allen constitutionellen Parteien lebhaften An⸗ klang, und es ist beinahe wahrscheinlich, daß es die Grundlage einer Coalition werden koͤnnte, der sich das Ministerium wohl an⸗ schließen muͤßte, wenn es nicht von ihr gestuͤrzt werden will. Schon jetzt zeigt sich die Regierung geneigt, den von Herrn Duvergier de Hauranne formulirten Ideen einige Zugestaͤndnisse zu machen. Man versichert, daß in einem gestern gehaltenen Kabinets⸗Rath unter dem Vorsitze des Koͤnigs uͤber die Erweiterung des Wahl⸗ koörpers durch die Ertheilung des Wahlrechts an die zu Sitz und Stimme im Geschworenengerichte befaͤhigten Buͤrger verhandelt worden, und man zweifelt kaum, daß sich das Kabinet uͤber einen in diesem Sinne abgefaßten Gesetz⸗Vorschlag verstaͤndigen werde. Dagegen will Herr Guizot, wie es scheint, nicht von der Vermehrung der Inkompatibilitaͤten reden hoͤren; auch zeigt er sich eben so wenig geneigt, auf eine Ver⸗ aͤnderung in den September⸗ Gesetzen einzugehen, denn er befuͤrchtet, daß eine erste Luͤcke in diesen, in ihrer Gesammtheit fuͤr unentbehrlich erachteten Gesetzen, den Eifer ihrer Gegner nur anfeuern und ihnen die weiteren Eingriffe in dieselben auch ob⸗ jektiv erleichtern werde. Dieser Widerstand ist natuͤrlich fuͤr die Urheber und Anhaͤnger des Duvergierschen Programms ein Grund mehr, auf ihrer Forderung zu bestehen, denn es ist ihnen, wie man leicht erraͤth, weit weniger um die Transaction zu thun, die sie zu ihrer Devise gemacht haben, als darum, den erschlafften Geist der Opposition zu staͤrken, um dieselbe mit frischer Kraft gegen das Ministerium fuͤhren zu koͤnnen. Daß dies der eigentliche Zweck der ganzen Machination sey, wird schon durch den Umstand deutlich, daß Herr Thiers die Fa⸗ den derselben hinter den Coulissen fuͤhrt; Herr Duvergier de Hauranne fuͤr seine Person mag bis zu einem gewissen Punkte guten Glaubens seyn, und man darf sich nicht daruͤber wundern, daß er, nachdem er seine naive Bewunderung geistiger Ueberlegen⸗ heit von Herrn Guizot auf Herrn Thiers uͤbertragen, in den ge⸗ wandten Haͤnden dieses Mannes zum Werkzeuge eines Plans individueller Selbstsucht wird, waͤhrend er der Verfassung und dem Landeswohle zu dienen glaubt.
Man wartet hier mit Spannung auf den Erfolg der beiden großen Maßregeln, welche Espartero fast gleichzeitig gewagt hat, die Aufloͤsung der in Catalonien, Valencia, Aragonien und ande⸗ ren Provinzen aufgetretenen Junten und die Aufhebung der Bas⸗ kischen und Navarresischen Fueros in mehreren ihrer wesentlichsten Bestimmungen. Indem das den letzteren Gegenstand betreffende Dekret die bisherige Gemeinde- und Provinzial⸗Verfassung der Baskenlaͤnder umstoͤßt, beleidigt es freilich nur die Interessen eines wenig zahlreichen Patriziats, dessen Privilegien es zum Vortheile der Wahl⸗Freiheit u. s. w. der Masse der Buͤr⸗ ger umstoͤßt; allein neben diesen Verfuͤgungen steht die Einfuͤh⸗ rung der Graͤnzzoͤlle, die den Basken fuͤr eine unertraͤgliche Be⸗ druͤckung gelten, und denen sie sich nimmermehr ohne Vorbehalt fuͤr die Zukunft unterwerfen werden. Von dem Tabacks⸗ und Salzmonopol und von der Einfuͤhrung der Conscription ist dies⸗ mal nicht die Rede, aber man darf mit Gewißheit voraussagen, daß alle diese Dinge den ersten gluͤcklichen Versuchen zur Gel⸗ tendmachung des gemeinen Spanischen Rechts in den bisher be⸗ vorzugten Provinzen bald nachfolgen werden. Das Dekret, in welchem den Junten befohlen wird, sich aufzuloͤsen, da das rasche Ende des Aufstandes die Gruͤnde ihres Zusammentre⸗ tens alle beseitigt habe, ist allerdings weniger bedenklich, allein man darf gleichwohl befuͤrchten, daß es wenigstens in Barcelona Widerstand finden werde, wo die Gemuͤther durch den verwege⸗ nen Entschluß, die Citadelle eigenmaͤchtig abzutragen, in einen Zu⸗ stand hoher Exaltation versetzt sind. “
Großbritanien und Irland.
London, 6. Nov. Lord Burghersh, der neue Gesandte Großbritaniens am Berliner Hofe, ist bereits nach seiner Bestim⸗ mung abgegangen.
Lord Ellenborough hat nur die neuesten Nachrichten aus China und Ostindien abgewartet, um sich auf seinen Posten als General⸗ Gouverneur von Ostindien zu begeben. Von seiner Verwaltung verspricht man sich bessere Folgen, als von der des Lord Auckland. Vorgestern gaben die Direktoren der Compagnie ihm ein Abschieds⸗ Diner, bei welchem er eine Rede hielt und es sich zur Aufgabe stellte, den Krieg in China auf eine fuͤr England ehrenvolle Weise durch einen dauerhaften Frieden zu beendigen und die Ruhe auf beiden Seiten des Indus herzustellen, so wie die Finanzen zu re⸗ guliren und die Ueberschuͤsse zu oͤffentlichen Arbeiten und zur Ver⸗ edlung der Eingeboͤrenen zu verwenden. In letzter Beziehung stellte der neue General-Gouverneur den Satz auf, daß seine erste Pflicht jetzt nicht die gegen England, sondern die gegen Ostin⸗ dien sey.
Außer dem Zeug- oder Ruͤsthause und dem runden Thurme sind im Tower noch drei andere große Gebaͤude gaͤnzlich nieder⸗ oder doch ausgebrannt, naͤmlich der sogenannte Schenkenthurm, welcher viel groͤßer als der runde Thurm ist, und zwei Magazin⸗ Gebaͤude von 30 und 60 Fuß Läͤnge zu beiden Seiten des run⸗ den Thurmes, welche Waffen⸗Vorraͤthe fuͤr die Marine enthielten. Bis vorgestern Abend spaͤt brannte noch das ganze Innere des Zeughauses; von Zeit zu Zeit brachen noch Flammen hervor, waͤhrend die gluͤhende Kohlenmasse die Ruinen fortwaͤhrend beleuchtete; ein Theil der noch stehenden Mauern, welche jeden Augenblick den Einsturz drohten, ist durch Balken gestuͤtzt worden. Dem großen Eingange gegenuͤber erblickt man noch die Ueberreste der großen Treppe, ei⸗ ner der praͤchtigsten in Europa. Oben auf derselben befand si eine große Trophaͤe, die aus alten und neuen Waffen von fast 200 Gattungen bestand, welche saͤmmtlich in Form oder Mo⸗ dell abwichen. Im Mittelpunkte derselben stand auf einer Halb⸗ saͤule die Marmorbuͤste Georg's IV., welche im Jahre 1830 bei seinem Besuche im Tower von ihm geschenkt und dort aufge⸗ stellt wurde. Die Trophaͤe ruhte auf einer Plattform, die von acht bronzenen, bei Waterloo erbeuteten Kanonen getragen ward. Die Pauken in der Trophaͤe hatte Marlborough bei Blenheim