im Jahr 1703 erobert. Zu beiden Seiten der Trophaͤe erblickte nan an der Wand zwei große Sterne, den des Hosenband⸗ und des Bath⸗Ordens, welche aus Saͤbeln, Bajonnetten und Pistolen gebildet waren. Darunter sah man zwei Ritter in vergoldeter Tournier⸗Ruͤstung auf verzierten Fußgestellen. Unten an der Treppe
waren ebenfalls zwei Rittergruppen und zu beiden Seiten des raiba, Don Pedro Chaves, gemacht
Eingangs noch zwei Ritter in vergoldeter Ruͤstung aufgestellt. Saͤmmtliche Waffen, die sich in den Ruinen befinden, sind leider vollkommen zerstoͤrt. Darunter gehoͤren eine Unzahl der merkwuͤrdigsten Ruͤstungen und Waffen aus aͤlterer Zeit, die vielen eroberten Geschuͤtze und Siegeszeichen und die ungeheuren Vorraͤthe von Waffen fuͤr die Armee; blos die neuen Perkussions⸗Gewehre sind saͤmmtlich gerettet worden. Es spielen noch fortwaͤhrend zwei Spritzen auf die rauchende und im Innern fortbrennende Truͤmmermasse, deren gaͤnzliche Loͤschung wohl erst in einigen Tagen erfolgen wird. Oberst Peel und meh⸗ rere andere Artillerie⸗Offiziere haben gestern Mittag die Verhoͤre mit den Personen angefangen, welche sich am Sonnabend Abend im runden Thurme befanden; man glaubt jedoch, daß die Ursache des Brandes nie mit voller Gewißheit ermittelt werden duͤrfte. Das Publikum ist fortwaͤhrend von der Brandstaͤtte streng —2 geschlossen; blos die amtlich beschaͤftigten Personen und die e richterstatter der Journale werden zugelassen. Viele der im To⸗ wer wohnenden Angestellten haben ansehnlichen Verlust an Moͤ⸗ be sonstigem Eigenthum erlitten. belm 8 Lonstig 8 EEe die Wahl O'Connell’s zum Lord⸗ Mayor von Dublin geradezu als die aͤrgste Beleidigung, welche den Protestanten in Irland und uͤberhaupt allen Protestanten im ganzen Reiche haͤtte angethan werden koͤnnen. Uebrigens giebt dieses Blatt doch zu, daß der neue Lord⸗Mayor sich bei seiner Erwaͤh⸗ lung ganz gut und sogar verstaͤndig benommen habe. Nach sei⸗ ner Wahl hielt derselbe eine lange Rede, in welcher er sich sehr im Detail uͤber die sinanziellen Beduͤrfnisse der Stadt Dublin verbreitete und schließlich noch einen Beweis seiner versoͤhnlichen Gesinnungen dadurch gab, daß er vorschlug, die vier Assessoren und Auditoren, die dem Lord⸗Mayor beigegeben sind, ohne Ab⸗ stimmung zu gleichen Theilen aus beiden Parteien, den Liberalen und den Tories, zu ernennen, worauf die Tories sehr gern ein⸗ gingen, da sie bei der Abstimmung vermuthlich unterlegen waͤren. Der Prozeß wegen Faͤlschung von Schatzkammerscheinen ge⸗ gen den Schatzkammer⸗Secretair Smith kam vorgestern vor dem Polizei⸗Buͤreau in Bow⸗Street zur vorlaͤufigen Verhandlung. Aus dem Vortrage des mit der Anklage beauftragten Advokaten Waddington geht hervor, daß das Vergehen Smith's am 25. Ok⸗ tober entdeckt worden ist, als im Schatzamte in seiner Gegen⸗ wart Schatzkammerscheine produzirt wurden, die zu den in dem Buͤreau aufbewahrten Contra⸗Folien nicht paßten und sich daher als unecht erwiesen. Smith gestand sogleich Alles einem der an⸗ wesenden Schatz⸗Beamten, Herrn Maule. Er gab an, daß er Tri⸗ plikate von Schatzkammerscheinen einem auch durch seine Betheili— gung bei dem Boulogner Unternehmen Louis Napoleon's bekann⸗ ten Fonds⸗Maͤkler, Namens Rapallo, uͤberliefert habe, um auf die⸗ selben Geld fuͤr Speculationen in Fonds zu erhalten. Wie er sich die Unterschrift Lord Monteagles, des Schatzamts⸗Kontrolleurs, zu den in seinem Gewahrsam befindlichen Blankets der Schatz⸗ kammerscheine verschafft hat, ist nicht ganz klar aus den Verhand⸗ lungen zu ersehen. Der von ihm namhaft gemachte Rapallo, ein Genueser von Geburt, ist vorgestern von dem Lord⸗Mayor im Mansion⸗House verhoͤrt worden, und seine Aussagen stimmen mit denen Smith's im Wesentlichen uͤberein. Er giebt vor, daß er in gutem Glauben gehandelt und die Scheine an Andere ver⸗ V kauft habe, wie denn auch unter Anderen ein Herr Mariner er⸗ klaͤrt, seit dem 19. September 1840 fuͤr 388,000 Pfd. solcher Scheine von ihm erhalten zu haben. Smith ist vorlaͤufig nach Rewgate abgefuͤhrt worden und wird vor die naͤchsten Assisen gestellt werden. B 1 . 1
Der Morning Herald sagt uͤber die kommerziellen Ver⸗ haͤltnisse Englands: „Die Zahl der in England und Wales bekannt gewordenen Bankerotte belaͤuft sich in diesem Jahre bis zum 1. Sktober auf 967, sonach 100 weniger als in demselben Theile des vorigen Jahres, doch 234 mehr als im Jahre 1839. Im ebengenannten Jahre betrug die Zahl der Bankerotte vom Juli bis September einschließlich 294, im vorigen Jahre 319 und im gegenwaͤrtigen nur 259. Eine sehr auffallende Differenz hat sich in der letzten Zeit in allen kommerziellen und industriellen Zweigen herausgestellt. So sind der Handel⸗ und Gewerbetrei⸗ benden um 15 weniger als im vorigen Jahre; der Landbautrei⸗ benden 23 weniger, und in verschiedenen anderen Zweigen zeigt sich ein Defizit von 35.“ 1 8
Aus Portsmouth wird geschrieben, daß dort der Contre⸗ Admiral Mason Befehl erhalten habe, sich mit 3 Linienschiffen nach Lissabon zu begeben. Drei andere Schiffe von demselben Range sollen zu Gibraltar stationirt werden, so daß also eine Escadre von 6 Schiffen jeden Augenblick zur B
zerfuͤgung stehen wuͤrde, um, wie es die Umstaͤnde verlangen, entweder ins Mit— tellaͤndische Meer oder nach den Vereinigten Staaten gesandt zu werden.
Die neuerwaͤhlte Munizipal⸗Corporation von Dublin tritt in ein bedeutendes Erbe. Man schaͤtzt das dem Dubliner Stadt⸗ rathe zustehende Eigenthum auf 22,000 Pfd. jaͤhrlich, welche Summe jedoch unter besserer Verwaltung auf 40,000 Pfd. St. gebracht werden koͤnnte. Man hofft wenigstens und spricht laut den Wunsch aus, daß der Stadtrath allen moͤglichen Vortheil
araus ziehen werde, ohne sein Vorrecht, eine Gemeinde⸗Steuer zu erheben, in Ausuͤbung zu bringen.
Der neue General⸗Gouverneur von Kanada, Sir Charles Bagot, der auf dem Dampfschiffe „Styx“ die Reise machen sollte, hat, vom Sturm uͤberfallen, nach Portsmouth zuruͤckkehren muͤs⸗ sen, und da das Dampfschiff waͤhrend des Sturmes sehr beschaͤ— digt worden ist, so daß es bedeutender Reparaturen bedarf, so wird jetzt das Linienschiff „Illustrious“ den Gouverneur nach Ka⸗ nada bringen.
„ Mit dem Transportschiffe „Rochester“ sind Nachrichten aus New⸗York vom 16ten d., einen Tag weiter, als die fruͤheren, eingegangen. Sie lauten sehr beruhigend, nachdem die Mac
1394
daͤhe von Cali, geschlagen und ihm von den 1800 Mann, die er
fuͤhrte, 300 theils getoͤdtet, theils verwundet und 700 gefangen
genommen. 1 5 Nach Berichten aus Rio Janeiro vom 12. September
soll am 21. August ein Mordanfall auf den Praͤsidenten von Pa⸗ worden, aber mißlungen seyn.
Man hat hier Nachrichten aus Chili bis zum 29. Juli. Die Finanzen dieser Republik werden als sehr guͤnstig geschildert,
Leodsche Angelegenheit erledigt ist. Der New⸗York Herald verspricht sich von der Opposition des Praͤsidenten Tyler gegen die Bank sehr guͤnstige Folgen, da die große Mehrzahl der Na⸗ tion diese Ansicht theile. Man erwartet vom naͤchsten Kongresse einen allgemeinen Finanzplan, der sich jedoch von den Diskonto⸗ Banken gaͤnzlich fern halten soll.
Das Paketschiff „Magnet“ hat neuere Nachrichten aus West⸗ indien uͤberbracht. Man ersieht aus denselben, daß Cartagena noch immer von den Insurgenten unter Carmona blokirt war;
am 7. September hatte Letzterer einen Sturm von der Land— und Seeseite gegen die Stadt unternommen, war aber mit be⸗ deutendem Verluste zuruͤckgeschlagen worden. Die Stadt war auf vier Monate verproviantirt und rechnete auf Entsatz von Seiten er Regierungs⸗Truppen. Letztere hatten unter dem Obersten riga den Insurgenten⸗Chef Obando bei La Chanca, in der
und hoffte man in Folge des mit Peru abgeschlossenen Friedens noch mehr Ersparungen einfuͤhren zu koͤnnen. : —
Nachrichten aus Jamaika vom 2. Oktober bringen wenig Neues; man hatte dort mit Erfolg Baumwolle zu bauen ange⸗ fangen. Die Blaͤtter von Jamaika enthalten einen Bericht uͤber Niederlassungen in der Provinz Victoria in Central⸗Amerika, der sehr abschreckend lautet; auch meldet das dortige Morning⸗ Journal, die Republik Hayti sey am Vorabend einer Empb⸗ rung, da die Regierungs⸗Handlungen des Praͤsidenten Boyer die Bevölkerung dieser Republik zu Grunde richteten.
Die letzten Nachrichten aus Sidney sind vom 9. Juni. Der Gouverneur hatte die Kolonial⸗Versammlung eroͤffnet und sich in seiner Rede namentlich uͤber den Zustand der Eingebornen ver⸗ breitet, zu deren Civilisation 18 pCt. von der Einnahme der Kron⸗ Laͤndereien verwendet werden sollen.
Graf Matuschewitsch haͤlt sich fortwaͤhrend hier auf und wird, wie es heißt, nicht auf seinen Posten als Russischer Gesandter in Stockholm zuruͤckkehren.
Niederlande.
Aus dem Haag, 7. Nov. Das Journal de la Haye meldet, Se. Majestaͤt der Koͤnig habe vor einigen Tagen Herrn Dujardin, delegirten Kommissarius der Belgischen bei der diessei⸗ tigen Regierung, empfangen, welcher Hoͤchstdemselben durch den Belgischen Gesandten, Fuͤrsten von Chimay, vorgestellt wurde. Am Tage nach diesem Empfange haben der Fuͤrst von Chimay und Herr Dujardin bei Hofe gespeist. Letztgenannter ist zugleich Bel⸗ gischer Geschaͤftstraͤger bei der Koͤniglichen Regierung von Han⸗ nover und bei den Hansestaͤdten.
V 8 v“ Brüssel, 6. Nov. Herr von Praet, welchen der Koͤnig nach Paris geschickt hatte, um dem Koͤnige der Franzosen Mit⸗ theilungen uͤber das Komplott zu machen, ist wieder in Bruͤssel angekommen.
Brüssel, 7. Nov. Abermals ist einer der Verhafteten, Herr Perrier-Daugenet, in Freiheit gesetzt worden.
Von Seite der General⸗Societaͤt wird erklaͤrt, es sey unge⸗ gruͤndet, daß sie kuͤrzlich Bank⸗Billette, die in Hollaͤndischen Gul⸗ den ausgestellt waren, gegen Gold eingewechselt habe.
Der Independant bezeichnet die von der Augsb. Allg. Zeitung gegebene Nachricht, daß zwischen Oesterreich und Bel⸗ gien ein Handelsvertrag abgeschlossen worden, fuͤr ungegruͤndet.
*⸗* Brüssel, 6. Nov. Das Komplot, welches hier allge⸗ mein die Leere-Taschen-Verschwoͤrung (conpiration des paniers percés) benannt wird, um auf den zerruͤtteten Vermoͤgenszustand der dabei Kompromittirten hinzudeuten, hat, wie es jetzt fast ge— wiß ist, keine Verzweigung in den uͤbrigen Staͤdten gehabt. Es sind ungefaͤhr 20 Personen, darunter auch einige Frauen, arre⸗ tirt, wovon vielleicht nur die Haͤlfte ernstlich kompromittirt ist. Man weiß noch immer nicht, wie die Verschwo— renen zu den zwei neuen Kaͤnonen gekommen sind; Munitions⸗ Vorraͤthe sind in den letzteren Tagen noch mehrere ausfindig ge⸗ macht worden. Die Regierung wird die Untersuchung streng fortsetzen, um das Projekt aus dem Grunde kennen zu lernen und um voll— staͤndige Beweise der Jury vorlegen zu koͤnnen. Nach den Gesetzen welche hier wie in Frankreich bestehen, koͤnnen bekanntlich, sobald Civil⸗Personen bei einer Sache betheiligt sind, die Militairs eben⸗ falls nur vor diel Jury gestellt werden und man weiß, daß fuͤr diese immer schlagende Beweise noͤthig sind, welche die Geschick— lichkeit oder die Sophistik der Advokaten ihr nicht unter den Haͤnden zu nichte machen kann. — Eine Haussuchung bei einem bekannten Advokaten in Gent, der vor dem Friedens⸗Traktat manche Verbindungen hatte, haben nichts ergeben, sowie uͤberhaupt bis jetzt keine sichere Thatsache den Verdacht wegen Verbindung der Verschworenen mit dem Auslande bestaͤtigt hat.
Die kommerziellen Unterhandlungen mit Frankreich werden wieder mit groͤßerer Thaͤtigkeit aufgenommen werden. Wir koͤn⸗ nen bestimmt versichern, daß die Belgische Regierung in diesen Tagen neue Kommissare nach Paris absendet. Diese sind jedoch nicht Personen von der politischen Bedeutung wie die fruͤheren, sie sind, ihrem Auftrage nach, nur Huͤlfs⸗Kommissare fuͤr den Belgischen Gesandten in Paris, in dessen Haͤnde die Unterhand⸗ lungen gelegt sind. Die hiesigen Vorfaͤlle, so unbedeutend sie sind, geben doch der Französischen Regierung, den Kammern gegenüͤber, ein neues Motiv, Belgien durch einen Handels⸗Traktat fester an sich zu schließen. Der Franzose ist nun einmal so gestimmt, daß die leichtesten politischen Gruͤnde bei ihm staͤrkeren Anklang finden, als die buͤndigsten, aus der industriellen und kommerziellen Lage des Landes hergenommenen Auseinandersetzungen. Belgien kann freilich in der Handels-Angelegenheit von dieser Stimmung Nutzen ziehen, besonders wenn ihr die Franzoͤsische Regierung noch Vor⸗ schub leistet; allein es ist eine andere Frage, ob es rath⸗ sam ist, solche Tendenzen zu naͤhren. Ein junger Staat, der sich politisch zu koͤnsolidiren hat, muß in diesem Punkte be⸗ sonders vorsichtig seyn. Es ist das Interesse Belgiens mit seinen Nachbarn Handels⸗Vertraͤge einzugehen; allein es muß auch die Gefahren, die von der einen oder anderen Seite seine Unabhaͤn— gigkeit bedrohen koͤnnten, in die Wagschale legen, um diese bei Abmessung der materiellen Vortheile mit in Anschlag zu bringen.
Deutsche Bundesstaaten.
München, 6. Nov. Gestern wurde auf unserem Hof⸗ Theater zum erstenmale Gutzkow's Trauerspiel, „Patkul“, aufge⸗ fuͤhrt. Das Stuͤck erregte gespanntes Interesse und ward vom Publikum beifaͤllig ausgenommen. Ihre Majestaͤten der Koͤnig und die Koͤnigin, so wie Ihre Majestaͤt die Koͤnigin von Preu⸗ ßen und Ihre Koͤnigl. Hoheit die Großherzogin von Baden, wohn⸗ ten der Vorstellung bei.
Ein vorgestern ausgegebenes Regierungsblatt veroͤffentlicht unter Anderem verschiedene Koͤnigliche Privilegien fuͤr neue Er⸗ findungen und Verbesserungen. Von allgemeinem Interesse duͤrf⸗ ten folgende seyn: Die Erfindung Karl Soͤckls aus Preßburg, vermoͤge der er rotirende Dampfmaschinen so konstruirt, daß ihr Dampf seine Kraft in einem immerwaͤhrend zirkulirenden Strome ausuͤbt. Die von den hiesigen Mechanikern Droßbach und Mann⸗ hardt mit Unterstuͤtzung des Handelshauses Erich und Gebruͤder von Ruedorffer gemachte Erfindung einer Flachshechel⸗Maschine, welche durchaus selbstthaͤtig ist, den Flachs selbst ein⸗ und aus⸗
klammert, ihn nach der Hechelung der ersten Haͤlfte umwendet,
1
wieder einklammert und bei vollendeter Hechelung wieder ausklan mert. Außerdem erhielten unsere Maler Knauth und Schott hier ein Privilegium fuͤr ihre Erfindung eines lithographischen Bunt⸗ drucks, Dr. Schafhaͤutl hier ein solches fuͤr eine neue Methode, den Torf so zu verdichten, daß die aus ihm erzeugte Kohle die Holzkohle zu ersetzen vermag.
1 Stuttgart, 7. Nov. (Wuͤrtt. Bl.) Die Kammer der Abgeordneten beschaͤftigt sich fortwaͤhrend mit der Berathung uͤber die Straf⸗Prozeß⸗Ordnung. Die ausfuͤhrlichen Debatten uͤber⸗ “ in ihrer Ausdehnung das Maß der in einem Tagblatt “ — möglichen Mittheilung. Auszuͤge, die in 86 voͤhnlichen Faͤllen zureichen, geben nur eine sehr unzureichende Idee von der durch eine Reihe unter sich abweichender Voten un⸗ gemein erschwerten Behandlung eines rein juridischen Gegenstan⸗ des. Nur wo allgemeine Grundsaͤtze in Frage komme win ““ “ en, gewinnt die Diskussion ein erweitertes Interesse. So ist zu bemerken daß der zweite Artikel des Gesetz⸗Entwurfs, wonach in allen Straf⸗ sachen die Untersuchung von Amtswegen anzustellen ist, wodurch dem inquisitorischen Verfahren der Vorzug vor dem akkusatori⸗ schen eingeraͤumt und die muͤndliche Verhandlung nebst Geschwor⸗ nengericht beseitigt wird, von der Abgeordneten⸗Kammer angenom⸗ men wurde.
Freiburg, 4. Nov. (F. Z.) Wir sind in der angenehmen Lage, die Wiederbesetzung der durch den Tod des Geheimen Raths Duttlinger an hiesiger Universitaͤt erledigten juristischen Lehr⸗Kanzel melden zu koͤnnen. Se. Koͤnigl. Hoheit der Großherzog haben gnaͤdigst geruht, den Herrn Hofgerichts⸗Rath Stabel in Mann⸗ heim unter Verleihung des Charakters als Hofrath zum ordent⸗ lichen oͤffentlichen Professor in der Juristen⸗Fakultäͤt zu ernennen.
Detmold, 8. Nov. In der heute vorgenommenen Ab⸗ stimmung der hiesigen Landstaͤnde uͤber den Anschluß des Fuͤrsten⸗ thums Lippe an den Deutschen Zoll⸗Verein hat sich die Majori— taͤt fuͤr den Anschluß erklaͤrt. Die Ratification des vom Herrn Praͤsidenten Eschenburg in Berlin abgeschlossenen Vertrages wird nun wohl bald von Sr. Durchlaucht dem regierenden Fuͤrsten ertheilt werden. 8
„ Prag, 4. Nov. Die herrschende Baulust hat auch in diesem Jahre unsere Stadt mit vielen groͤßeren Bauten bereichert, worunter natuͤrlich die fast vollendete Kettenbruͤcke uͤber die Moldau den ersten Platz behauptet. Dieses großartige Unternehmen wird demnaͤchst fuͤr den allgemeinen Gebrauch des Publikums eroͤffnet, und die Stadt dadurch im Besitze eines Denkmals des Unter⸗ nehmungsgeistes unserer Zeit, seyn, das unserer beruͤhmten von Karl IV. erbauten Bruͤcke wuͤrdig zur Seite stehen wird, sowohl in Hinsicht der kuͤhnen Konzeption, wie der gelungenen Ausfuͤh⸗ rung, welche Letztere selbst die fruͤheren Gegner des Unternehmens jetzt anerkennen, da das im edlen, geschmackvollen Styl durchge— fuͤhrte Kunstwerk, im Ganzen wie in den sorgfaͤltig berechneten und gepruͤften einzelnen Details auch von der moͤglichsten Soli⸗ ditaͤt zeugt. Die Frage uͤbrigens, ob die Aktiengesellschaft, welche die Mittel zu diesem Baue zusammenlegte, auch eines entspre⸗ chenden Ertrags sich erfreuen werde, erscheint hier nur von untergeordneter Bedeutung bei einem Unternehmen, das von den groͤßeren Guͤterbesitzern und den reichsten Buͤrgern des Landes aufs bereitwilligste unterstuͤtzt wurde, die hierbei weniger von den Berechnungen des moͤglichen Geldgewinnes als von dem gemeinnuͤtzigen Bestreben geleitet wurden, ein fuͤr die erleichterte Kommunikation der zahlreichen Bevoͤlkerung der Hauptstadt noth⸗ wendiges Unternehmen auch so durchzufuͤhren, daß es den vielen Baudenkmalen unserer Stadt aus fruͤhern Zeiten wuͤrdig zur Seite stehe. Zu wuͤnschen bleibt nur, daß dieses gelungene oͤffent— liche Monument auch unsern vielen Privatbauten ein kraͤftiger Impuls werden moͤge, den Anforderungen des guten Geschmackes, der Soliditaͤt und der zweckmaͤßigen innern Eintheilung mehr Genuͤge zu leisten, als dies bei der Mehrzahl derselben bis jetzt noch der Fall ist
Spanien.
Das Journal des Doébats enthaͤlt nachstehendes Schrei⸗ ben aus Barcelona vom 28. Oktober:
„Die Nachricht, welche ich in Betreff der, von der Beaufsichtigungs⸗-Junta angeordneten Maßregel der Demo⸗ lirung der Citadelle eingezogen habe, verdienen bekannt zu werden. Bevor der General Zabala der National⸗ Garde gestattete, die Forts zu besetzen, hatte er von den kom— mandirenden Offsizieren das Versprechen erhalten, daß sie sich aus allen Kraͤften der Zerstoͤrung jener Forts widersetzen wollten; aber dieses Versprechen wurde nicht lange gehalten, denn kaum war das dritte Bataillon im Besitz der Citadelle, als sich auch sogleich in der Stadt das Geruͤcht verbreitete, daß man waͤhrend der Nacht anfangen wuͤrde, sie zu demoliren. Diese Nachricht erregte in allen Gemuͤthern lebhafte Besorgnisse. Die Behoͤrde versammelte sich in einer außerordentlichen Sitzung, der der politische Chef und die Offiziere der Miliz beiwohnten. Die Er— oͤrterung war lebhaft; die Meinungen waren getheilt. Mehrere Mitglieder der Munizipalitaͤt boten ihre Entlassung an, wenn man der Forderung der Miliz nicht nachgaͤbe, und fuͤgten hinzu, daß sie alsdann nicht mehr fuͤr die oͤffentliche Ruhe einstehen koͤnnten. In diese Alternative versetzt, beschloß die Beaufsichtigungs⸗Junta, daß die Demolirung am anderen Tage stattsinden und daß die National⸗Garde zusammenberufen werden solle. Der politische Chef, Praͤsident der Junta, protestirte gegen eine solche Maßregel; dasselbe that auch der General Zabala; da er aber keine Streit⸗ kraͤfte zu seiner Verfuͤgung hatte, um sich der Ausfuͤhrung jenes Planes zu widersetzen, so sah er sich genoͤthigt, den Dingen ihren Lauf zu lassen. Die Demolirung ward daher an dem solgenden Tage unter den Augen der Behoͤrde be⸗ gonnen und wird seitdem mit Thaͤtigkeit fortgesetzt; aber der General Zabala hat jetzt aus Madrid Befehle erhalten, sich der ferneren Zerstoͤrung der ts 8g- Gewalt zu widersetzen. Er hat sich beeilt, diesen 2 efehl der Beaufsichtigungs⸗Junta mitzu⸗ theilen und sie aufgefordert, die Arbeiten einstellen zu lassen. Aber die Junta hat einstimmig beschlossen, daß die Operation fortgesetzt werden solle, und in der Besorgniß, daß der General⸗Capitain van Halen, der mit zahlreichen Streitkraͤften hierher zuruͤckkehrt sich jenem Beschlusse widersetzen koͤnnte, hat sie ihm zwei Kommissarien entgegengesandt, die ihm andeuten sollen, daß wenn er die Absicht zu erkennen gaͤbe, die Befehle Espar— tero's auszufuͤhren, man ihm, bis die Demolirung der Cita delle beendigt sey, die Thore der Stadt verschließen wuͤrde. Un 8 emolirungs⸗Arbeiten zu beschleunigen, hat man jetzt nahe arn . Personen dabei beschaͤftigt. Dies ist die Lage der Dinge. Man erwartet natuͤrlich die Ruͤckkehr der Kommissarien mit gro-⸗ ßer Ungeduld. Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, in welcher Be sorgniß wir uns hier befinden; der Haß gegen den Franzöͤsischen
Namen ist an der Tagesordnung und wenn eine Volksbewegung
stattfindet, so haben wir zu befuͤrchten, daß man uns Alle nieder⸗ 0 24
8 8 Moniteur parisien scheint neuere Nachrichten aus
Barcelona erhalten zu haben, denn er meldet, daß daselbst das
Geruͤcht zirkulirt haͤtte, die dem General van Halen entgegen ge⸗
sandten Kommissarien waͤren ermordet worden.
Madrid, 27. Okt. Privatnachrichten zufolge ist die
Bewegung in den Baskischen Provinzen und Navarra vollstaͤn⸗
dig unterdruͤckt, die Citadelle von Pampelona aufgegeben worden, und nur wenige der betheiligten Personen sind nach Frankreich entkommen. Montes de Oca wurde auf eine schauderhafte Weise niedergemacht.
lich in das Ohr schoß. In Bilbao ließ Zurbano sogleich acht Buͤrger erschießen. Auch Castor soll erschossen seyn. In Vitoria wurde der Oberst des ersten leichten Kavallerie⸗Regimentes er⸗ schossen. Die Marquisin von Santa Cruz, fruͤherhin Oberhofmei⸗ sterin und Gouvernante der Koͤnigin Isabella, der junge Marquis von Santa Cruz (ihr Sohn, und Schwiegersohn des Marquis von Malpica) und eine Menge anderer Personen von Bedeu⸗ tung, die sich zur See von Bilbao nach Frankreich fuͤchten woll⸗ ten, wurden aufgefangen, und in Sebastian ins Gefaͤngniß ge⸗ worfen. Sie koͤnnen sich denken, in welche Trauer und Bestuͤr⸗ zung hier in Madrid die meisten den hoͤheren Staͤnden angehoͤren⸗ den Familien versetzt worden sind, und nun macht das republika⸗ nische Blatt el Huracan der „Aristokratie“ ein Verbrechen dar⸗ aus, daß sie nicht mehr oͤffentlich auf Spaziergaͤngen und im Thea⸗ ter erscheine. Seltsames Zusammentreffen: am 15. Oktober 1815 wurde Murat erschossen und am 15. Oktober 1811 Don Diego Leon, genannt der Spanische Murat. In Barcelona gelang es dem General Pavia, in Malaga dem General Baron del Solar, sich an Bord eines Französischen Kriegsschiffes zu retten.
Gestern wurde hier uͤber den Oberst⸗Lieutenant Nouvilas, die Majors Lurzundi und Rabenet, welche die am 7ten in den Palast eindringenden Truppen befehligten und jetzt fluͤchtig sind, Kriegs⸗ gericht gehalten. Der Fiskal verlangte die Todesstrafe. b Die National⸗Miliz hat es sehr uͤbel aufgenommen, daß die Brigadiers Norzagaray und Quiroga y Frias und der Graf Re⸗ quena nicht zum Tode verurtheilt wurden. Saͤmmtliche Batall⸗ lons-Chefs derselben stellten dem Minister-Praͤsidenten vor, sie koͤnnten nicht fuͤr die Ruhe der Hauptstadt einstehen, wenn nicht die Todesstrafe erfolgte. Darauf wurde der Fiskal, der in jener Angelegenheit thaͤtig gewesen war, zu viermonatlichem Gefaͤngnisse verurtheilt, und maͤn hat andere Fiskale ernannt. Die Urtheile werden uͤbrigens dem Regenten zur Bestaͤtigung zugeschickt. Die bedeutendsten Personen, deren man bisher nicht habhaft werden konnte, sind der General Concha, die oben angegebenen Offiziere Nouvilas ꝛc., der Brigadier Pezuela, die Obersten Marquesi und Cordova, der Herzog von San Carlos, der Graf del Povar (Sohn des Marquis von Malpica), Isturiz. Der General Con⸗ cha ist ein Mann von etwa 38 Jahren, und seit etwa sechs Mo⸗ naten mit einer steinreichen Graͤsfin verheirathet. Sein juͤngerer Bruder, Don José, war Oberst eines Kavallerie⸗Regimentes, und ist mit der Schwester der Herzogin de la Victoria vermaͤhlt. Er hat seinen Abschied genommen. Ein dritter Bruder, Don Juan, war Legations⸗Secretair in Berlin, Wien, Lissabon, London, und ist gegenwaͤrtig Minister⸗Resident in Griechenland.
Der Infant Don Francisco de Paula hat nunmehr die Er⸗ laubniß erhalten, sich nach Valladolid zu begeben, jedoch ohne die Hauptstadt zu beruͤhren. Er betheuert, seinen letzten Blutstropfen fuͤr die Regentschaft Espartero's vergießen zu wollen. — Der Marschall Saldanha ist vorgestern Abend hier eingetrossen, und bei dem bekannten Herrn Marliani abgestiegen.
Die Ansicht, daß das Franzoͤsische Kabinet, wenn auch nur durch Mitwissenschaft, bei der gegen Espartero gerichteten Bewe⸗ gung betheiligt sey, gewinnt hier in Folge der von Herrn Olozaga von Paris aus gemachten Mittheilungen immer festeren Fuß. In⸗ dessen hat die hiesige Regierung nicht (wie ich Ihnen vorgestern irrig meldete) die Abberufung des Franzosischen Geschaͤftstraͤgers verlangt, da sie erfahren hat, daß der neue Botschafter, Herr von Salvandy, naͤchstens hier eintreffen wird. Der Minister⸗Praͤsi⸗ dent, Herr Gonzalez, hat sich darauf beschraͤnkt, an den Franzsi⸗ schen Geschaͤftstraͤger, Herrn Pageot, eine Note zu richten, in wel— cher er die Erwartung ausspricht, Herr Pageot werde den Inhalt seiner die Vorgaͤnge der Nacht vom 7ten nach Paris berichten- den telegraphischen Depesche fuͤr irrig anerkennen, und als solchen berichtigen. Herr Pageot erwiederte darauf schriftlich, er werde die eingegangene Note an seine Regierung befoͤrdern, da er nur dieser und keiner fremden Behoͤrde Rechenschaft uͤber seine Schritte abzulegen habe. 1
Unterdessen scheint die Regierung keine Maßregel zu vernach⸗ laͤssigen, um auf alle Faͤlle gefaßt zu seyn. Alle disponiblen Trup⸗ pen jeder Gattung marschiren von Cadix, Sevilla und Cordova auf Madrid, von Estremadura auf Alt⸗Castilien, von dort auf die Baskischen Provinzen und Navarra, von Valencia auf Aragonien, so daß vor Einbruch des Winters 80 bis 100,000 Mann in den Nord⸗Provinzen versammelt seyn koͤnnen. In Folge der letzten Freignisse fehlt es jedoch einem großen Theile der Regimenter an Ofsizieren und Obersten; auch sind die Truppen des Kriegsdienstes hoͤchst muͤde. Die namhaftesten Generale, welche jetzt noch an der Spitze der Armee stehen, beschraͤnken sich auf Rodil, van Halen, Lorenzo, San Miguel, saͤmmtlich durch ihre Niederlagen bekannt.
alte General Ricafort ist sc eben zum General⸗Capitain von Andalusien, Ribero, der in Navarra befehligte, zum General⸗Ca⸗ pitain von Alt⸗Castilien (Valladolid) und der General D. Isidoro de Hoyos zum General⸗ Capitain von Burgos ernannt worden.
Zurbano, dieser fruͤhere Straßenraͤuber, der im vorigen Kriege ammestirt wurde, weil er ein Frei⸗Corps gegen Don Carlos auf die Beine brachte, ist in Folge der Besetzung von Vitorig und Bilbao zum Marechal de Camp befoͤrdert worden. Dieser Mann legt nie Uniform an, sondern traͤgt bestaͤndig eine Jacke von Lamm⸗ fell und eine Voyna (rothe Muͤtze). Rodil hat nunmehr den Ruhm, zum drittenmal als Vollstrecker der Blutgerichte in Na⸗ varra aufzutreten; 1830 ließ er dort die Patrioten, welche be⸗ waffnet, um die Regierung Ferdinand's umzustuͤrzen, unter Mina's Befehlen uͤber die Franzoͤsische Graͤnze kamen, haufenweise erschie— ßen, waͤhrend die sie uͤberlebenden Genossen so eben von der Re⸗ gierung ein Ehrenzeichen erhalten haben; 1834 verheerte er Na— varra im Namen Marie Christinen's mit Feuer und Schwerdt, und jetzt laͤßt er die Leute erschießen, welche das Banner jener Frau wieder aufrichten wollten.
Waͤhrend nun die Regierung verkuͤndigt, der Aufstand sey unterdruͤckt und das Volk der Basken weit entfernt gewesen, Theil daran zu nehmen, mag es auffallend erscheinen, daß fast die ganze Armee an die Pyrenaͤengraͤnze gezogen wird. Noch bedeu⸗ kungsvoller aber muß das Aufgebot in Masse seyn, welches man vorbereitet.
Der General⸗Inspecteur der National⸗Miliz des Reichs, Don
Zuerst erhielt er vier Kugeln in den Leib, darauf 1 7 5 1 8 9 — mehrere andere, die ihn ebenfalls nicht toͤdteten, bis man ihm end⸗
1395
Valentin Ferraz, hat naͤmlich unter dem 19ten dem Regenten den Entwurf eines Dekrets vorgelegt, vermoͤge dessen die ganze Na⸗ tional⸗Miliz mobil gemacht werden soll. Zugleich spricht er die Erwartung aus, daß der Regent dieses Dekret sanctioniren werde. Er giebt die Stäͤrke der National⸗Miliz auf 975 Bataillone, 72 Schwadronen, 79 Compagnieen Artillerie und 17 Compagnieen Sa⸗ peurs, zusammen auf etwa 917,000 Mann an, von denen 250,000 Mann Infanterie, 11,000 Mann Kavallerie und die noͤthige Anzahl von Artillerie vollkommen bewaffnet und ausgeruͤstet waͤren. Der groͤßte Theil dieser Miliz besteht aus ausgedienten Soldaten, die, wie es in der Einleitung des Dekrets heißt, gewiß sind, neue Lorbeeren zu erwerben, „wo auch immer die National⸗Institutio⸗ nen Gefahr laufen, oder von welchem entlegendsten Theile des Erd⸗ balls her die Herausforderung erfolgen moͤge.“ In jeder Pro⸗ vinz soll demnach eine Mobilisationsjunta niedergesetzt werden, und diese aus dem resp. General⸗Capitain oder General⸗Komman⸗ danten, dem Gefe⸗Politico, Subinspektor der National⸗Miliz, In⸗ tendanten, und zwei Mitgliedern der Provinzial⸗ Deputation, so wie zwei anderen des Ayuntamiento der Hauptstadt bestehen. Alle unverheirathete National-Milizen unter 40 Jahren, werden fuͤr mobilisirt erklaͤrt, so wie ebenfalls alle verabschiedete Soldaten, welche eintreten wollen. Auch die Beamten sind in die Dienst⸗ pflicht eingeschlossen. Diese Milizen werden vollkommen auf den Kriegsfuß gesetzt, und die Regierung behaͤlt sich vor, sie nach den Punkten zu schicken, die sie fuͤr passend haͤlt, oder sie als Reserve⸗ Armee zu organisiren, oder als Besatzung in die Festungen zu ver⸗ legen. Fuͤr jetzt, meint der General⸗Inspecteur, koͤnne man sich darauf beschraͤnken, die festen Plaͤtze der Kuͤste und des Innern und die großen Staͤdte mit National⸗Miliz zu besetzen, um aus ihnen die Linientruppen ziehen und zu Operationen des Feldzuges verwenden zu koͤnnen, und die National⸗Miliz gleichzeitig vorruͤk⸗ ken zu lassen, um aus ihr bei Madrid, Saragossa und Burgos drei Reserve⸗Corps zu bilden. Das Eco del Comercio spricht sich unbedingt fuͤr diesen Plan aus, verlangt aber, daß sogleich 600,000 National⸗Milizen mobilisirt werden und 300,000 als Reserve bleiben sollen, „zum sich vor den Augen Europa's in achtbarer und imponirender Haltung aufzustellen.“ „Dies ist“, sagt dieses Blatt, „die beste und bedeutungsvollste Antwort, die das Castilische Volk⸗ den Beleidigungen und Herausforderungen seiner Feinde von In⸗ nen und Außen entgegensetzen kann.“
Die durch das Eco del Comercio vertretene Partei, naͤm⸗ lich die, welche eine dreifache Regentschaft errichten wollte, und den Kern der September-Junten vom vorigen Jahr in sich schließt, besteht immer lauter auf unmittelbare Einberufung der Cortes, namentlich auch um von der Regierung Aufschluͤsse uͤber die Franzoͤsische Politik zu verlangen. Die Blaͤtter des Ministe⸗ riums bekaͤmpfen hartnaͤckig dieses Verlangen. Nun erklaͤren aber die Deputirten von Barcelona, der Minister⸗Praͤsident habe ihnen gerathen, jetzt nicht in ihre Provinz zuruͤckzukehren, da er die Cortes binnen kurzem einberufen gedenke.
Die Republikaner bestehen laut darauf, daß hier in Madrid ein aͤhnlicher Sicherheits⸗Ausschuß eingesetzt werde, wie in Bar— celona. Die Regierung sieht sich dadurch in Verlegenheit gesetzt.
N. S. Der gefluͤchtete Brigadier Pezuela ist in Almeida in Portugal angekommen. — Uns sehlen abermals vier Pariser Posten. — Der General van Halen marschirt bereits nach Cata⸗ lonien zuruͤck. .
Türkei.
Konstantinopel, 20. Okt. (L. A. Z.) Es ist viel uͤber einen Streit berichtet worden, den die hiesigen schismatisch-Arme⸗ nischen Gewerbs⸗Corporationen mit mehreren Hauptstadt fuͤhren.
pels. Sie besitzen daher zahlreiche Schulen, Hospitaͤler und son— stige Wohlthaͤtigkeits⸗Anstalten. Diese anstaͤndig zu unterhalten, legten der Kaufmannsstand und die sonstigen Gewerbs⸗Corpora⸗ tionen dieser Nation bedeutende Summen bei hiesigen Banquiers nieder und vermehrten das Kapital durch monatliche Beitraͤge. Seit mehreren Jahren hatten die Banquiers der Kommission keine Rechnung abgelegt. Da diese nun in Erfahrung gebracht, daß mit den Summen schlecht hausgehalten wurde, forderte sie von den Banquiers die Vorlegung der Buͤcher und den Nachweis der Ausga⸗ ben. Das verweigerten diese. Man erhob Klage bei der Pforte, die unberuͤcksichtigt blieb. Endlich vor ungefaͤhr vierzehn Tagen begab sich die Armenische Bevoͤlkerung in Masse zu dem Sultan, um ihre unterthaͤnigste Bitte und Beschwerde zu den Fuͤßen des Mo— narchen zu legen. Es sollte eine Ausgleichung stattfinden, die aber nicht zu Stande kam, worauf einige 60 Armenier verhaftet wur— den, die aber Alle bis auf sechs wieder freigelassen sind. Nun haben die meisten schismatischen Armenier erklaͤrt, daß, wenn ihnen nicht Gerechtigkeit wiederfuͤhre, sie entweder nach Rußland aus— wandern oder saͤmmtlich zur Kirche der katholischen Armenier uͤber⸗ treten wuͤrden. Wenn die Pforte hier jetzt nicht weise berathen wird, so verliert der Staat, vorzuͤglich die Hauptstadt, einen be— deutenden und zwar reichen Theil seiner Bevoͤlkerung, oder die schismatisch⸗Armenische Kirche hat in Konstantinopel und an meh⸗ reren Orten des Reiches zu seyn aufgehoͤrt.
Ostindien.
Bombay, 1. Okt. In Sind ist nichts von Bedeutung vorgefallen, außer der Besetzung von Schirkapore durch die Eng⸗ laͤnder, denen es in Folge von Unterhandlungen mit den Emirs von Sind abgetreten worden ist.
Man hat hier Berichte aus Aden vom 10. September, de⸗ nen zufolge 600 Mann der Garnison dieses Platzes, mit Verlust von fuͤnf Verwundeten, zwei Arabische Forts, 8 Englische Meilen landeinwaͤrts gelegen, erstuͤrmt hatten.
Macavo, 24. Aug. Die von dem Britischen Bevollmaͤch⸗ tigten, Sir H. Pottinger, bei seiner Ankunft in China erlassene Notification lautet vollstaͤndig folgendermaßen:
„Sir Henry Pottinger, indem er das Amt eines alleinigen Be⸗ vollmaͤchtigten und außerordentlichen Gesandten und das eines Ober⸗ Intendanten des Britischen Handels in China uͤbernimmt, haͤlt fuͤr noͤthig und angemessen, oͤffentlich bekannt zu machen, wie er in seinen hochwichtigen Functionen das Wohl und die Sicherheit der Unter thanen Ihrer Majestaͤt, so wie der Fremden, — insofern solche durch sein Verfahren beruͤhrt werden duͤrften, — welche gegenwaͤrtig in irgend einem Theil der Lande des Kaisers von China ver weilen, nach allen Kraͤften zu foͤrdern sich wird angelegen seyn lassen, auch zu allen Zeiten und unter allen Umstaͤnden be⸗ reit ist, die ihm vorgelegten Anfragen moͤglichst bn Dabei zeigt es sich aber als seine erste Pflicht, bestimmt auszuspre chen und zur allgemeinsten Kenntniß zu bringen, daß es seine Ab sicht ist, seine ungetheilte Energie und alle seine Gedanken einem Hauptgegenstande zuzuwenden, naͤmlich der Sicherung eines baldigen und befriedigenden Ausgangs des Kriegs; und daß er bei den stren gen Maßegeln gegen die Chinesische Regierung und ihre Untertha nen, wozu er Ermaͤchtigung zu geben sich bewogen sehen duͤrfte, in der Absicht einen ehrenvollen und dauernden Frieden zu erzwingen,
keinerlei Ruͤcksicht auf die Verhaͤltnisse und Interessen des Handels nehmen kann. Sir Henry Pottinger weiß, daß unter den Personen, an welche gegenwaͤrtige Notification gerichtet ist, nur wenige sind, die nicht eben so gut als er selbst im Stande waͤren, richtig beurthei len zu koͤnnen, wie weit sich auf die Zusagen der Provinzial⸗Regie⸗ rung von Canton zu verlassen ist. Er hat dieser Behoͤrde erdffnen lassen, wie er gesonnen sey, den bestehenden Waffenstillstand vorerst fort⸗ dauern zu lassen; jedoch wuͤrde die geringste Verletzung der Bedingungen dieser Waffenruhe augenblicklich zur Erneuerung der Feindseligkei⸗ ten Anlaß geben. Es ist wohl zu bedenken und stets im Auge zu halten, daß ein solcher Fall hoͤchstwahrscheinlich eintreten duͤrfte, sowohl in Betracht der bekannten Treulosigkeit und Wortbruͤchigkeit der Provinzial⸗Beamten, als auch weil diese selbst jeden Augenblick durch Befehle vom Kaiserlichen Kabinet aus gendthigt werden koͤn⸗ nen, ihre eigenen Handlungen und Versprechungen unbeachtet zu lassen, ia abzuleugnen. Bei so bewandten Umstaͤnden bleibt dem Bevollmaͤchtigten nichts uͤbrig, als Ihrer Majestaͤt Unterthanen und alle Fremden zu warnen, daß sie waͤhrend der Dauer des gegenwaͤr⸗ tigen abnormen und untergeordneten Standes unserer Verhaͤltnisse mit dem Kaiser von China weder sich, noch ihr Eigenthum in die Gewalt der Chinesischen Autoritaͤten setzen moͤgen; zugleich aber zu erklaͤren, daß, wenn sie es dennoch thun, sie solches auf ihre eigene Gefahr hin wagen. Sir Henry Pottinger benutzt diese Gelegenheit, um zu verkuͤnden, daß die Einrichtungen, welche von seinem Vor⸗ gänger im Amt in Bezug auf die Insel Hong⸗Kong getroffen wor⸗ den sind, in Kraft bleiben, bis die Absichten Ihrer Majestaͤt, dieses Eiland und jene Einrichtungen betreffend, bekannt seyn werden. (Gez.) Henry Pottinger, Ihrer Majestaͤt Bevollmaͤchtigter.“
’1 Banquiers der Die schismatischen Armenier bilden den bei . 4 G F r9 b r. . weitem groͤßeren Theil der christlichen Bevoͤlkerung Konstantino—
Schon bevor Sir Henry Pottinger durch den vorstehenden Erlaß sein Amt foͤrmlich antrat, hatte er gleich am Tage nach seiner Ankunft in Macao, am 10. August, durch seinen Secretair, Major Malcolm, folgenden Auszug aus einer Depesche Lord Pal⸗ “ in welchem seine Beglaubigung enthalten ist, publiziren assen:
„Auswaͤrtiges Amt, 15. Mai. Nachdem die Koͤnigin geruht hat, Sie zu ihrem Bevollmaͤchtigten in einer Spezial⸗Mission bei der Chinesischen Regierung zu ernennen und zu verfuͤgen, daß Sie zu⸗ gleich als Ober Aufseher des Handelsverkehrs der Unterthanen Ihrer Maiestaͤt mit jenem Lande functioniren sollen, so uͤbermache ich Ih⸗ nen hierbei in Bezug auf die erste jener Functionen eine Vollmacht, durch welche sie autorisirt und ermäaͤchtigt werden, mit dem auf gleiche Weise ermaͤchtigten und bevollmaͤchtigten Minister des Kaisers von China, einen Traktat oder eine Vereinbarung irgend einer Art zur Erledigung der jetzt zwischen Großbritanien und China bestehenden Differenzen zu unterhandeln und abzuschließen; so wie auch ein mit der Koͤniglichen Unterschrift und dem Koͤniglichen Siegel versehenes Patent, durch welches Sie zum Ober⸗Aufseher des Handels in China konstituirt werden. Diese beiden Dokumente verleihen Ihnen zur Erfuͤllung der Ihnen uͤbertragenen Amtspflichten alle erforderliche Gewalt und Autoritaͤt. (Unterz.) Palmerston.“ b
Ueber die naͤchsten Plaͤne Sir Henry Pottinger's herrscht natuͤr⸗ lich noch große Ungewißheit. Daß die am 21. August nordwaͤrts abgegangene Expedition Emoy besetzen solle, scheint allein sicher zu seyn. Nach Einigen haͤtte der Bevollmaͤchtigte die Absicht gehegt, sofort zum Angriffe auf Peking zu schreiten, wovon ihm indeß der Befehlshaber der Truppen, Sir Hugh Gough, abgerathen habe, weil die Truppenzahl, etwa 3000 Mann, zu klein sey und man daher nothwendigerweise erst Verstaͤrkungen abwarten muͤsse. Personen, welche sich fuͤr gut unterrichtet ausgeben, warnen vor allzu sanguinischen Hoffnungen in Betreff einer schleunigen Been⸗ digung des Krieges. Sie meinen, daß die Flotte nach der Besitz⸗ nahme von Emoy und Ningpo wohl sechs Monate lang unthaͤtig bleiben werde, weil Tschusan, auf welche Insel es zunaͤchst abgese⸗ hen sey, nicht eher besetzt werden koͤnne, bis die im September und Oktober dort herrschenden Krankheiten gaͤnzlich verschwunden seyen. Die Expedition nach der Gelben See und Peking werden dann so fruͤh wie moͤglich im Fruͤhjahre 1842 statthaben. Der Aldmiral Sir William Parker soll bei seiner Anwesenheit in Bom⸗ bay die Dauer des Krieges auf nicht weniger als 16—20 Mo nate angeschlagen haben.
Waͤhrend der Anwesenheit des Secretairr Malcolm in Can⸗ ton ging dort das Geruͤcht, daß alle Tatarische Truppen zuruͤck⸗ beordert und daß zwei Boͤte mit solchen schon wirklich zuruͤckge⸗
kehrt seyen; auch schien man nicht daran zu zweifeln, daß die Festungswerke von Canton wieder hergestellt und mit Kanonen und Truppen besetzt werden wuͤrden, sobald die Britischen Trup⸗ pen nordwaͤrts gingen. “ “
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5. Nov. Heute fruͤh, funfzehn Minuten nach 7 Uhr, entschlief sanft Se. Durchlaucht der Prinz Ludwig zu Anhalt⸗Coͤthen, Fuͤrst von Pleß, nach einem fuͤnfwoͤchentlichen Krankenlager. Das ganze Fuͤrstenthum ist durch diesen schweren Jerlust in die tiesste Krauer verseit. 8
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Die Bekanntmachung, die gerichtliche Niederlegung der von der Haupt⸗Verwaltung der Staats⸗Schulden im Jahre 1840 fͤr den Amortisations⸗Fonds eingeloͤseten Staats⸗Schuld⸗Verschrei⸗ bungen betreffend, ist dem heutigen Blatte beigefuͤgt worden.
Wissenschaft, Kunst und Literatur. Rückert.
Gedichte von Friedrich Ruͤckert. Frankfurt a. M.
1841.
Nur ein muͤhsam erworbener Gewinn pflegt ein dauernder zu
seyn, so auch der Dichterruhm. Mancher Lorbeerkranz ist gewunden 8 . 5 24* IF 238 8 6 5.2, + 11 worden und schnell verwelkt, waͤhrend die Leier Ruͤckert's fast unbeach tet klang. Noch ist es nicht allzulange, daß er im Unmuth uͤber die Theilnahmlosigkeit seines Volkes und in gerechtem Selbstbewußtseyn die Worte schrieb: Die ihr nur Erfolge richtet Laͤchelt auf mein Feuer kuͤhl,
Weil nicht weit, was ich gedichtet, Drang durch's dumpfe Zeitgewuͤhl. Doch in jedem Athemzuge— Blieb ich meiner selbst bewußt, Fuͤhle, daß vor meinem Fluge, Flatt'rer, du verzagen mußt. Einst wenn Secel' und Leib sich tre Sieht mein Auge noch und bricht, Daß mein Volk es wird erkennen,⸗ Wen es hatt' und wußt' es nicht. Wie anders spricht der Dichter ietzt von sich und seit folgenden Zeilen: Erst hattest du deine Freude dran, Nun haben sie andre Leute dran: Das ist nun deine Freude dran.