1841 / 316 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

Amerikanische Regierung sie bei ruhiger Pruͤfung oder ungerecht halten kann.“ e

In aͤhnlicher Weise laͤßt sich der mintt erie vernehmen, indem er sagt: „„eir ihn ehrenhafte Weise

Mac Lesd's Prozeß ist f .e⸗ 122 Hermgespsege in beendigt, und zugleich auf cine de Diener der Gerechtigkeit den Vereinigten Staaten, wenn. an duͤrfen, nicht minder zur Ehre ihre Funetionen unbebinders ermusgang dieses Rechtshandels in bei⸗ gereicht. Hoffentlich wird ut, welche auch um den Preis eines den Laͤndern eine Wirkung n Haders nicht zu theuer erkauft ist. In langwierigen und gefabrlichen Sals wir es bisher zu thun pflegten, England werden wir genaucr, „erikanischer Buͤrger unterscheiden

F un verschiedenen Klassen Amerikanischer S 8 zwischen den verschieden intelligenten und moralisch strengen Klasse, eS zwischen alücklicherweise durch ungemischte demokratische welche, obgleic 881 27 Aufgeben einer Staatskirche verhaͤltnißmaͤßig Inchitutiovee g gemacht, als sie in England ist, nichtsdestoweniger 1 nen Bruchtheil der Amerikanischen Volksgemeinde bildet und b-, naottlosen Gesindel politischer Wilden, der Ausgeburt staat⸗ v. Audifferenz gegen die Religion und eines demokratischen Regie⸗

nmng Tystems. Auch jenseits des Atlantischen Meeres wird man diese fruchtbringende Unterscheidung machen. Die guten Buͤrger der Republik koͤnnen nur mit Scham zuruͤckblicken auf die voͤllige Grund⸗ losigkeit der Luͤge, mittelst deren man die Agitation in den noͤrdlichen Staaten uͤber zwei oder drei Jahre unterhalten hat, jener Luͤge, welche, wenn sie in den Justizhoͤfen das Uebergewicht erlangt haͤtte, den ganzen Nordamerikanischen Kontinent in einen Krieg gestuürzt haben wuͤrde, dessen einzige gewisse Wirkung die Zertruͤmmerung der Union und der Beginn einer Anarchie unter den Einzelstaaten gewe⸗ fen seyn wuͤrde, von welcher der trostlose Zustand der Spanisch⸗Ame⸗ rikanischen Staaten ein schwaches Vorbild giebt. Und Alles aus welch unwuͤrdiger Ursache? Durch die Schurkerei eines Haufens Elender, von denen der Kew⸗York Commercial⸗Advertiser in gerechter Entruͤstung sagt: „„Die Art, wie einige von ihnen den Zeugeneid schwuren, zeigte in einem schrecklichen Bilde, bis zu wel⸗ cher Schlechtigkeit die Menschenseele herabsinken kann.““ Wir ha⸗ ben solche Schurken auch in unserem vereinigten Koͤnigreich, wie es zu viele Prozesse gezeigt haben, aber unter unseren Institutionen koͤn nen sie Gottlob nie den Einfluß uͤben, wie jene Elenden, die nach Herrn Maec Leod's Blut lechzten.“

Die Times faßt jene bedenkliche Seite des politischen Zu⸗ standes der Vereinigten Staaten schaͤrfer auf und findet in der Freisprechung Mac Leod's noch keine Beruhigung hinsichtlich der kuͤnftigen Verhaͤltnisse zwischen England und der Amerikanischen Union. Sie spricht sich hieruͤber folgendermaßen aus:

Wenn aus diesem famosen Rechts⸗Handel ein ins innerste Le⸗ ben eingreifender Mangel der Amerikanischen Constitution klar her⸗ vorgetreten, wenn dadurch alle Europaͤischen Maͤchte die Schwie⸗ rigkeit erkannt haben, in Vertraͤge mit einer Regierung zu treten, die in ihrer Politik von den ihr untergeordneten Staaten beherrscht wird, so muß sich bei dieser bedauernswerthen Erscheinung England insbesondere betroffen fuͤhlen. Die Macht der Koͤnigin von Eng⸗ land, ihre Unterthanen zu schuͤtzen, ist eine Frage, die sich nicht so leicht beseitigen laͤßt. Ist es denn erlaubt, daß uͤber diesen wichti⸗ gen Punkt unser glorreiches Reich bei den gnaͤdigen Herren von New⸗York sich Raths erhole? Wie die Sachen jetzt stehen, so ist Ihre Majestaͤt von aufgeblasenen Prahlhaͤnsen gemeinerweise ver⸗ hoͤhnt worden. Mac Leod's Freisprechung ist uns hoͤchst gleichguͤltig. Es ist genug, daß sie ihm, ihrer eigenen Regierung Hohn bietend,

11““ 11“

für uͤbertrieben

Ttandard

wirklich den Prozeß gemacht haben. Wir haben alle Ach⸗ tung fuͤr die constitutionellen Gegenbestrebungen der Regie⸗ rung, denn sie beweisen, daß es unter den dortigen Staats⸗ mäͤnnern noch gesunde Prinzipien giebt. Doch so wichtige inter nationale Anforderungen duͤrfen darum nicht aus den Augen verloren werden. Wir koͤnnen nicht zugeben, daß Englands freundschaftliche Verhaͤltnisse mit Amerika von den Launen einer einzelnen Provinz ab⸗ haͤngig gemacht werden. Dem Kriege ist in Mac Leod's Sache gluͤck⸗ licherweise vorgebeugt worden, keinesweges aber durch seine rein zu⸗ faͤllige Freisprechung, sondern durch die eben so zufaͤllige Thatsache, daß sich gerade die Bundes⸗Regierung seiner Schuldig Erklaͤrung widersetzte. Doch Umstaͤnde koͤnnen dort leicht eine andere Regierung herbeifuͤhren, weniger erleuchtete Maͤnner koͤnnen zur Leitung der Amerikanischen Angelegenheiten berufen werden. Soll dann Groß⸗ britanien dem Wechselfalle, den einsichtigen oder verblendeten Maͤn nern preisgeben seyn, die zufaͤllig in Washington das Steuer fuͤhren? Schon der Gedanke ist unertraͤglich. Die Macht der Koͤnigin von England, ihre Unterthanen zu schuͤtzen, muß ohne Ruͤcksicht auf die moͤglichen Launen der Diplomaten, mit welchen sie Vertraͤge schließt, festgestellt und auf klaren und bestimmten Grundsaͤtzen anerkannt wer⸗ den: das ist der Punkt, woruͤber wir so bald als moͤglich ins Reine kommen muͤssen.“

Der Standard erklaͤrt, daß die Besorgnisse hinsichtlich des Ankaufs falscher Schatzkammerscheine an der heutigen Boͤrse ganz beseitigt worden seyen, indem man entdeckt habe, daß in der That nur ein einziger solcher Schein von 1000 Pfd., und zwar ohne Kenntniß von seiner Unechtheit verkauft worden, so daß Alle, welche sonst Schatzkammerscheine auf diese Weise an sich ge⸗ bracht, uͤber deren Echtheit vollkommen beruhigt seyn koͤnnten.

Der Globe will wissen, daß das Ministerium den Haͤup⸗ tern der Schottischen Kirchen-Partei, welche das Patronatsrecht bekaͤmpft und den Gemeinden keinen Kandidaten ohne deren Zu⸗ stimmung will aufdringen lassen, Eroͤffnungen gemacht, aber die⸗ selben wieder abgebrochen habe. „Zu Parteizwecken“, fuͤgt das genannte Blatt hinzu, „gab man Versprechungen, und aus glei⸗ chem Grunde brach man sie wieder.“

Die Familie Hope scheint von dem jetzigen Ministerium mit Anstellungen besonders wohl bedacht worden zu seyn. Der Exa⸗ miner hat sich die Muͤhe genommen, aus verschiedenen Blaͤttern der Times die darauf bezuͤglichen Anzeigen zusammenzutragen. Es sind folgende: „Herr G. W. Hope ist zum Unter⸗Staats⸗ Secretair fuͤr die Kolonieen ernannt. Der ehrenwerthe Charles

Hope ist zu einem der Kommissare des Invalidenhauses in Green⸗ wich ernannt. Capitain Hope hat das Kommando des Kriegs⸗ schiffes „Thalia“ erhalten. Herr John Hope ist an Stelle des Dr. Boyle, der an Stelle des Herrn Charles Hope zum Lord⸗ Praͤsidenten des Schottischen Ober⸗Gerichtshofes befoͤrdert wurde, um Secretair des Lord⸗Richters dieses Tribunals designirt. Das Beruͤcht verbreitet sich, sagt ein Schottisches Blatt, daß an der

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enthaltene Nachricht, es seyen sechs Franzoͤsische Linienschiffe von Toulon nach Brest beordert, um entwaffnet zu werden, unrichtig sey, und daß diese sechs Schiffe vielmehr ein Beobachtungs⸗Ge⸗ schwader bilden sollten, welches die Franzoͤsische Regierung an den Spanischen Kuͤsten aufstellen wolle.

Miß Adelaide Kemble ist am 2. November im Coventgar⸗ dentheater mit dem glaͤnzendsten Erfolg in der Rolle der Norma

aufgetreten. Belgien.

Brüssel, 8. Nov. Herr Desmaisieres, Minister der oͤffent⸗ lichen Arbeiten, von dem Wunsche beseelt, daß das ganze Land, so viel wie moͤglich, die durch die Eisenbahnen dargebotenen Vortheile genieße, hat Befehle zur Aufnahme der Plaͤne und zur Feststel⸗ lung der fuͤr die Verlaͤngerung aller Koͤniglichen und Provinzial⸗ Straßen, die sich den Eisenbahnen auf 2 oder 3 Meilen naͤhern, noͤthigen Kostenanschlaͤge gegebenen, damit sie entweder direkt oder durch Zweigwege sich bis zu einer oder mehreren Stationen er⸗ strecken. Man begreift, wie sehr die Ausfuͤhrung eines solchen Planes die Verbindungen erleichtern wird, indem man zu⸗ gleich Ersparung und Schnelligkeit bei den Transporten erlangt. Die durch den Minister angedeutete allgemeine Arbeit wird, wie man versichert, fruͤhzeitig genug fertig seyn, um sie den Kammern, waͤhrend der morgen zu eroͤffnenden legislativen Session, vorlegen zu koͤnnen. Ein anderer nicht minder wichtiger Zweig des of⸗ fentlichen Dienstes als die Eisenbahnen hat ebenfalls die Auf⸗ merksamkeit des Herrn Desmaisieres auf sich gezogen, wir meinen die Messagerieen, Omnibus und andere Fuhrwerke, welche die Be⸗ wegung der Eisenbahnen benutzen: zwei besondere Inspektoren werden mit der Aufsicht dieser Bewegungsmittel beauftragt, neue Reglements werden in Kraft gesetzt und im Interesse und fuͤr die Sicherheit Aller strenge ausgefuͤhrt werden.

Der Koͤnig eroͤffnet morgen in Person die Session der Kam⸗ mern, was bekanntlich nicht jedesmal der Fall ist. Diesesmal war es gewissermaßen durch die Umstaͤnde geboten und wird seinen guten Eindruck nicht verfehlen. Von neuen Verhastungen hoͤrt man nicht, doch sollen einige Offiziere, die sich in aktivem Dienste befinden, kompromittirt seyn. Im Ganzen leben wir hier in tie⸗ fer Ruhe, als waͤre nichts vorgefallen.

Zwischen der Stadt Bruͤssel und der Regierung hat ein Uebereinkommen stattgefunden, wonach jetzt das Museum und einige andere staͤdtische Lokalitaͤten Eigenthum des Staates werden.

Deutsche Bundesstaaten.

München, 8. Nov. Se. Majestaͤt der Koͤnig haben dem General⸗Lieutenant, Freiherrn von Zoller, als neues Merkmal der Anerkennung seiner Verdienste, das Lehen Wilhermsdorf J. in Mittelfranken als Mannslehen verliehen, und zwar in der Art, daß, wenn die Linie in ihrem Mannsstamme erlischt, gedachtes Lehen auf die vier Soͤhne seines verstorbenen Bruders, des Ge⸗ neral⸗Lieutenants Friedrich Freiherrn von Zoller uͤbergeht. Der Monarch ehrt so zugleich das Andenken dieses durch Treue und Anhaͤnglichkeit, so wie durch Tapferkeit ausgezeichneten Militairs.

Hannover, 10. Nov. Das Justiz⸗Ministerium macht durch die Hannoversche Zeitung bekannt, daß auch den Mit⸗ gliedern des Ober⸗Appellationsgerichts und der Justiz⸗Kanzeleien, wegen des Umfanges und der Lage ihrer Geschaͤfte, nicht verstat⸗ tet werden koͤnne, als Deputirte bei der naͤchsten Allgemeinen Staͤnde⸗Versammlung zu erscheinen.

Karlsruhe, 9. Nov. Der durch seine Forschungen auf dem Gebiete elektro⸗magnetischer Kraft⸗Anwendungen bekannte J. P. Wagner von Frankfurt a. M. ist bekanntlich seit mehreren Monaten auf einer Eisenhuͤtte des Kunst und Wissenschaft so gern befoͤrdernden Fuͤrsten von Fuͤrstenberg beschaͤftigt, eine große elektro⸗ magnetische Maschine zu bauen. Bis jetzt ist Herr Wagner der Lösung seiner großen Aufgabe allerdings nahe gekommen, das Prin⸗ zip seiner Erfindung steht fest, allein er hat noch ein Hinderniß zu beseitigen, bevor er den Bau der großen Maschine ganz voll⸗ enden kann. Herr Wagner ist deshalb vorerst nach Frankfurt a. M. zuruͤckgekehrt, um weitere theoretische Studien zu machen, und man hofft, daß er bald auf dem Punkte steht, sein Problem voll⸗ kommen zu loͤsen und dafuͤr die ihm versprochene Belohnung ent⸗ gegenzunehmen.

Oesterreich. 1

* Wien, 8. Nov. Der Koͤnigl. Preußische außerordent⸗ liche Gesandte und bevollmaͤchtigte Minister am hiesigen Hofe, General⸗Major Freiherr von Canitz und Dallwitz, ist vorgestern hier eingetroffen und bis das von ihm gemiethete Hotel auf dem Minoriten⸗Platze eingerichtet seyn wird, im Gasthofe zum Roͤmi— schen Kaiser abgestiegen. Gestern speiste Freiherr von Canitz bei Sr. Durchlaucht dem Fuͤrsten von Metternich.

Die heut angekommene Post aus Konstantinopel vom 27. Oktober bringt, außer der Anzeige, daß mit dem Aegyptischen Dampfboote „Nil“ abermals fuͤnf Millionen Piaster auf Abschlag des Tributs, welchen Mehmed Ali an die Pforte zu entrichten hat, angekommen sind, nichts Neues von Belang.

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Spanien. 8

Madrid, 1. Nov. Die Hof⸗Zeitung enthaͤlt in ihrem heutigen Blatte mehrere Dekrete, wodurch die meisten der gegen⸗ waͤrtig bei der Nord-Armee befindlichen Brigadiers zu General⸗ Majors ernannt werden. Der General⸗Major Den Pedro Chacon hat das Großkreuz des Ordens des heiligen Ferdinand erhalten.

Die Leiche des gestern beerdigten Capitains der National⸗ Garde, de la Guardia, ist, man weiß nicht, ob absichtlich oder zu— faͤllig, neben Don Diego Leon beerdigt worden.

Es heißt, der Herzog von Vitoria werde, bevor er nach Ma⸗

Tafel der Secretaire einige Veraͤnderungen stattfinden sollen, in drid zuruͤckkehrt, noch eine Reise nach Catalonien machen. Be⸗

vwelchem Falle Herr Tytler befoͤrdert und als Kron⸗Agent von Herrn James Hope, dem Bruder des Secretairs bei dem Lord⸗

Richter, ersetzt werden soll.“ In etwa 14 Tagen soll die Telegraphen⸗Linie zwischen Lon⸗

don und Dover eroͤffnet werden; sie besteht aus 14 Stationen, und man wird sich fuͤr dieselbe des Systems bedienen, welches

seit 14 Jahren auf der Telegraphen⸗Linie zwischen Holyhead und Liverpool mit dem groͤßten Erfolge gebraucht worden ist; man kann vermittelst desselben eine Communication in 18 Sekunden 70

Englische Meilen weit befordern.

Kuͤrzlich ist der Geistliche, Herr R. W. Sibthorp, ein Bru⸗ er des bekannten Ultra⸗Tory, Oberst Sibthorp, zur katholischen

Kirche uͤbergetreten.

8 Gestern um 3 Uhr ist ein Theil des Thurmes im Tower, in welchem das Feuer ausgebrochen, unter furchtbarem Krachen

ingestuͤrzt. Zum Gluͤck ist Niemand dabei verungluͤckt.

Der Morning Herald sagt, er habe Grund, zu glauben, daß die neulich in Franzoͤsischen Blaͤttern und in der Ti 28

reits sind starke Detaschements dorthin beordert, und man glaubt, es sey die Absicht der Regierung, diese Gelegenheit zu benutzen, um die fuͤr Catalonien so wichtige Frage in Betreff des Baum— wollen⸗Handels zu entscheiden und dadurch den Weg zu einem mit England abzuschließenden Handels⸗Vertrage zu bahnen.

Das Journal des Debats enthaͤlt Folgendes: „Wir ha⸗

ben heute weder Briefe noch Journale aus Barcelona erhalten; aber die uͤber Perpignan gekommenen Nachrichten melden, daß nachdem die Demolirung des Theils der Citadelle, der der Stadt zu liegt, beendigt worden, die Ruhe in Barcelona wieder herge⸗ stellt sey. Der General van Halen ruͤckt gegen Barcelona an, aber man weiß noch nicht, ob die Junta seine Truppen einlassen wird. Die beiden Kommissarien, welche dem General van Halen entgegengesandt und unterweges aufgefangen worden waren, sind gegen ein Loͤsegeld von 33,000 Fr. wieder freigelassen worden. Der Bischof und die Buͤrger von Barcelona, welche als Repres⸗

setzt, aber zu einer Zahlung von 42,000 Fr. gezwungen worden Ein neues Dekret der Junta besagt, daß Diejenigen, welche ihr Quote an der gezwungenen Anleihe nicht binnen 48 Stunden be⸗ zahlen, fuͤr außerhalb des Gesetzes erklaͤrt und nach dem Thurm der Citadelle gebracht werden sollen.“

Konstantinopel, 27. Okt. (L. A. Z.) Von den verhafte

ten schismatischen Armeniern sind sieben exilirt. Die Verhaftun

dieser Leute soll auf folgende Weise geschehen seyn. Waͤhren

der Sultan vor seinem Palast eine Gondel besteigen wollte, kam ihm das ungeziemende Gebruͤll und Geschrei einer Menschenmasse entgegen. Der Sultan, nicht wissend, was diese Demonstration zu bedeuten habe, ging in seinen Palast zuruͤck, worauf Riza

Pascha erschien und diese ungestuͤme Menge fragte, was sie begehre? Auf ihre Antwort, daß sie gekommen waͤren, den Sultan um Gerechtigkeit zu bitten, wurden sie eingeladen, sich nach dem Pa

laste zu verfuͤgen; aber die hier aufgestellten Truppen nahmen sie in Empfang und brachten sie ins Gefaͤngniß.

Ostindien.

Bombay, 1. Okt. Im Birmanen⸗Reiche setzt Tharawaddie seine Ruͤstungen fort. Sein Marsch gegen die Kuͤste an der Spitze einer Armee von 70,000 Mann auserlesener Truppen, die Befestigung von Ranguhn, die Errichtung von Batterieen zu Mar⸗ tahun, Mulmein gegenuͤber, sind Maßregeln, welche Argwohn er⸗ regen, und Englischerseits hat man daher auch letzteren Platz, aus welchem kuͤrzlich ein Regiment gezogen worden war, von Madras aus wieder verstaäͤrkt, und man wird von Kalkutta zwei Kriegs⸗ Dampfboͤte mit schwerem Geschuͤtz dahin absenden. In Ranguhn und in anderen Plaͤtzen ist das allgemein geglaubte Geruͤcht im Umlauf, daß die Bewegungen Tharawaddie's die Folge einer Auf⸗ munterung des Kaisers von China seyen.

In Tibet ist ein Corps Sikhs unter Anfuͤhrung von Zora⸗ war Singh eingedrungen und hat Alles vor sich hergetrieben, was ihnen an Tibetanischen Soldaten vorkam. Der Erfolg, der diese Unternehmung begleitete, hat ihre Staͤrke nach Maßgabe ihrer Fortschritte vermehrt. Sie richteten ihren Lauf gegen Osten auf den Mansowoara⸗See zu, und man haͤlt es fuͤr nicht unwahr— scheinlich, daß sie gleich den Pindaries zu einem großen Heere anwachsen und Tibet bis zu den Graͤnzen China's pluͤndern duͤrsten.

Aus Persien und Herat wird nichts von Wichtigkeit gemel⸗ det. Es heißt, Schach Kamram bemuͤhe sich sehr, seinen schlauen und maͤchtigen Minister los zu werden.

Die im Dienste des Nisam von Hyderabad angestellten Ara⸗ bischen Soldaten haben auf dessen Gebiet und in den Graͤnz— Distrikten des Britisch-Ostindischen Reichs einige Ruhestoͤrungen verursacht. Sie machten naͤmlich den Versuch, einige ihrer Ka— meraden, welche einige Monate zuvor Unruhen in der Nachbar— schaft von Budami erregt hatten, aus dem Gefaͤngniß zu befreien, was aber von den Britischen Behoͤrden verhindert wurde. Einige von diesen Freibeutern sind schon verurtheilt und hingerichte worden.

III1

Aus dem Kreise Ziegenrück. Am 9. Novem⸗ ber fruͤh gegen 9 Uhr hatte der hiesige Kreis das Gluͤck, daß Se. Majestaͤt der Koͤnig auf Allerhoͤchstihrer Reise nach Muͤnchen die Stadt Gefell beruͤhrten. Se. Majestaͤt geruhten hier aus— zusteigen und Allerhoͤchstsich mehrere anwesende Ritterguts⸗Besitzer, die staͤdtischen Behoͤrden, die Geistlichen und andere Personen von dem Kreis⸗Landrathe vorstellen zu lassen und Sich hoͤchst huldvoll und herablassend mit denselben zu unterhalten. Nach halbstuͤndi— gem Aufenthalt reisten Allerhoͤchstdieselben, unter den Segenswuͤn⸗ schen und dem lauten Hurrah der versammelten Kreis⸗Einsassen, wieder ab. An der Graͤnze Gefells war die erste, am Eingange der Stadt die zweite Ehrenpforte hoͤchst geschmackvoll erbaut, auch war das Posthaus gruͤn ausgeschmuͤckt. Die Buͤrgerschaft Ge— fells hatte ein Spalier von der letzten Ehrenpforte an gebildet, so daß die Mitte der Straße ganz frei erhalten wurde.

Trotz der großen Zahl der versammelten Menschen herrschte die groͤßte Ordnung und foͤrderte Jeder die getroffenen Anstalten zum festlichen Empfange des geliebten Koͤnigs.

Köln, 9. Nov. (Koͤln. Z.) Gestern fand hier die vierzehnte

Rheinischen (Koͤlnischen) Dampfschifffahrts⸗Gesellschaft statt. Un⸗ ter den Actionairen beehrte auch Se. Excellenz der Wirkliche Ge⸗ heime Rath und Ober⸗Praͤsident von Westphalen, Herr Freiherr von Vincke, die Versammlung mit seiner Gegenwart. Nach aus⸗ fuͤhrlicher Mittheilung der Geschaͤftslage wurde saͤmmtliche An⸗ traͤge des Verwaltungs⸗Raths genehmigt, und dem Letzteren durch die Wiedererwaͤhlung der ausscheidenden Mitglieder, des Herrn. Praͤsidenten der Handels⸗Kammer, Camphausen und der Herren Stadtraͤthe Cassinone, Du Mont und von Wittgenstein, ein er— neuerter Beweis des Vertrauens gegeben. Nach Beendigung der Berathungen, in welchen wie fruͤher, außer den gewoͤhnlichen Zin⸗ sen, noch die Auszahlung einer Dividende von 3 pCt. beschlossen wurde, versammelten sich die Actionaire zu einem heiteren Fest⸗ mahle im „Kaiserlichen Hofe“ hierselbst, an welchem die hoͤchsten Militair⸗ und Civil⸗Behoͤrden Theil nahmen.

eber die Einsetzung von Schiedsgerichten für Hand⸗ ber di setz 8n . Waris.

dicht erst jetzt faͤngt man an, einzusehen, daß die sich selbst uͤberlassene Industrie leicht auf Abwege geraͤth und daß die zu

vße Freiheit, die man der Bewegung der Arbeiter bewilligt häͤuütg Freiheis hcheil fäͤr die ganze Gesellschaft wird. In Frank⸗ reich sind die Institutionen, welche die Arbeit regelten, in der Revolution von 1789 untergegangen und heutiges Tages genießen alle Gewerbe die vollkommenste Unabhaͤngigkeit. Die Arbeiter, wie die Meister sind dem Individualismus preisgegeben; die Er⸗ steren sind in schwierigen Augenblicken ohne Unterstuͤtzung und die Letzteren sind haͤufig den Coalitionen der Arbeiter ausgesetzt. Daher kommen die ernsten Unruhen, das haͤufige Elend und die fuͤr die Production wie fuͤr den Absatz nachtheilige Ungewißheit. Jedermann empfindet diesen Zustand, aber man kennt kein Gegen⸗ mittel, ohne jene Freiheit, jene Unabhaͤngigkeit zu beschraͤnken, die gegenwaͤrtig zu sehr eingewurzelt sind, als daß es moͤglich waͤre, sie anzutasten und die uͤbrigens unbestreitbare Vortheile fuͤr alle unsere produzirenden Kraͤfte haben. Man nimmt daher zu Palliativ⸗Mitteln seine Zuflucht und

salien verhaftet worden waren, sind auch wied Freiheit ge⸗

sucht die Nachtheile zu mildern, die unvermeidlich aus der Jsoli⸗

gewoͤhnliche General-Versammlung der Actionaire der Preußisch⸗

rung der Arbeiter und aus dem Antagonismus zwischen dem Meister und dem Arbeiter entstehen. Die in mehreren Manufak⸗ tur⸗Staͤdten des Koͤnigreichs eingesetzten Schiedsgerichte (Con- seils de Prudhommes) sind eine Institution, welche wahrhafte Dienste leistet und dazu beitraͤgt, das gute Vernehmen zwischen den Meistern und Arbeitern aller industriellen Klassen zu erhalten. Paris hat bis jetzt noch keine Schiedsrichter, aber Alles läͤßt glauben, daß auch die Hauptstadt in kurzem eine solche Einrich⸗ tung besitzen wird. Der Handels⸗Minister und der Praͤfekt der Seine beschaͤftigen sich in diesem Augenblicke mit dieser wichtigen Frage und sie ist den kompetenten Behoͤrden zur Eroͤrterung vor— gelegt worden.

Es giebt in Frankreich 60 solcher Raͤthe von Kunst⸗Verstaͤndigen. Ein Dekret vom 8. Maͤrz 1806 setzte das erste Schiedsgericht dieser Art in Lyon ein, worauf sodann dasselbe nach und nach in 59 anderen Manufaktur⸗Staͤdten geschah. Nach dem Dekret vom 11. Juni 1809 koͤnnen die Schiedsgerichte auf das motivirte Gesuch der Handels⸗Kammern oder der konsultativen Manufak⸗ tur⸗Kammern eingesetzt werden. Sie sind speziell beauftragt, auf dem Wege der Versoͤhnung die Differenzen auszugleichen, die zwi⸗ schen den Fabrikanten und den Arbeitern oder zwischen den Vor⸗ stehern der Werkstaͤtten und den Gehuͤlfen und Lehrlingen entste⸗ hen; sodann haben sie alle Rechtsstreite zwischen denselben Perso⸗ nen zu entscheiden, welches auch der Werth derselben seyn mag. Sie erkennen in letzter Instanz bis zum Belauf von 100 Fr. und unter der Bedingung der Appellation an die Handels⸗Tribu⸗ nale uͤber alle Summen, welche den Gegenstand des Prozesses bil⸗ den. Sie wachen uͤber der Ausfuͤhrung gewisser erhaltender Maßregeln fuͤr den Handel und sind endlich mit einer repressiven Gewalt bekleidet. Sie koͤnnen jedes schwere Vergehen der Lehr- linge gegen die Meister, so wie jedes Vergehen, das die Ordnung und Disziplin in den Werkstaͤtten stoͤren koͤnnte, mit Gefaͤngniß bestrafen, das jedoch die Dauer von drei Tagen nicht uͤbersteigen darf.

Die Schiedsgerichte bestehen nach dem Gesetz aus Kaufleu— ten, Fabrikanten, Vorstehern von Werkstaͤtten und Arbeitern, die aus den achtbarsten Personen ihres Gewerbes gewaͤhlt werden. Die Mitglieder werden in einer allgemeinen Versammlung von Waͤhlern ernannt, die uͤber dreißig Jahre alt und patentirt seyn muͤssen. Die Schiedsrichter bilden zwei Buͤreaus: das spezielle und das allgemeine Buͤreau; das erstere besteht aus zwei Mitgliedern, einem Fabrikanten, der zugleich Kaufmann ist, und einem Fabrik⸗Aufseher oder patentirten Arbeiter; das zweite, je nach der Wichtigkeit der Stadt, aus fuͤnf oder sieben Mitgliedern und im letzteren Falle aus vier Fabrikanten, einem Fabrik⸗ oder Werkstaͤtten⸗Vorsteher und zwei Arbeitern. Das erste Buͤreau hat nur versoͤhnende Pflichten, das zweite uͤbt eine wahrhafte Ge⸗ richtsbarkeit aus.

Nach dem Projekt, womit man sich jetzt beschaͤftigt, wuͤrden in Paris vier Schiedsgerichte errichtet werden, die 16 Kategorieen von Professionen umfassen sollen; jede dieser Kategorieen wuͤrde nur eine beschraͤnkte Anzahl von Individuen enthalten. Die Zahl der Schiedsrichter in jedem Rathe wuͤrde nur sieben betragen, wie es gegenwaͤrtig in den Manufakturstaͤdten der Fall ist, wo die Industrie sich am meisten entwickelt hat.

Dieser letztere Theil des Projekts wird von den Journalen der Linken und von den Arbeitern nicht gebilligt. Diese, unter⸗ stuͤtzt von einigen periodischen Blaͤttern, behaupten, daß sie in den Raͤthen nicht hinreichend repraͤsentirt seyen, daß daselbst immer fuͤnf Mitglieder den zweien gegenuͤberstehen wuͤrden, indem die Vorsteher von Werkstaͤtten oder die Fabrik⸗Aufseher sich stets mehr dem Interesse des Fabrikanten, als dem des Arbeiters anschloͤssen. Die Kritik erstreckt sich sodann noch auf das System der Wah— len, wobei nur die Patentirten figuriren. Unter denen, die das neue Projekt besprochen haben, verlangen mehrere fuͤr die Arbei⸗ ter die Majoritaͤt in dem Schiedsgerichte und dann die Zulas— sung aller Arbeiter ohne Unterschied zu den Wahlen, die in einem oder auch in zwei Graden vorgenommen werden sollten. Es ist nicht schwer, auf den ersten Blick die Resultate wahrzunehmen, die eine Or⸗ ganisation dieser Art in einer so ausgedehnten Stadt wie Paris haben muͤßte. Ließe man alle Arbeiter an den Wahlen theilnehmen, so wuͤrde man die Zahl der Waͤhler ins Unbestimmte vergroͤßern und unfehlbar unruhige Subjekte und die Elemente der Unordnung in den Wahlkoͤrper aufnehmen. Man bedenke nur, was eine Versammlung von 2000 3000 Arbeitern wüuͤrde bewirken koͤnnen, wenn sich einige gewandte und unternehmende Fuͤhrer unter ihnen befaͤnden; es ist dies eine Gefahr, welche die Erfah— rung uns nur zu sehr kennen gelehrt hat und die die Regierung sorgfaͤltig vermeiden muß. Wenn die Arbeiter die Majoritaͤt in den Schiedsgerichten bildeten, wuͤrden sie nicht haͤufig durch ihre Abneigung gegen die Meister und durch die unter den Volks⸗ klassen nur zu sehr verbreitete Ansicht, daß die Reichen ihr Ver— moͤgen nur auf ungerechte Weise besitzen, in ihren Entscheidungen beherrscht werden? Das Schiedsgericht in Lyon, welches dem in Paris zu errichtenden als Muster dienen soll, hat seit den 35 Jah— ren seines Bestehens zu keiner Beschwerde Anlaß gegeben. Die Arbeiter sind freilich nicht immer mit seinen Entscheidungen zu— frieden; aber jedes Gericht wird von den verlierenden Parteien getadelt, ohne daß man deshalb auf eine fehlerhafte Organisation desselben schließen duͤrfte. 1

Die Oppositions⸗Journale haben, wie gewoͤhnlich, aus dieser neuen Schoͤpfung eine politische Frage, eine Frage uͤber ein zu bewilligendes Recht, gemacht; sie haben sich in lange Eroͤrterungen uͤber das Recht der Arbeiter, ihre Wahlfaͤhigkeit und andere Fic⸗ tionen eingelassen, die wir hier nicht aufzaͤhlen wollen. Die Ar— beiter muͤssen allerdings im Schiedsgerichte repraͤsentirt werden, aber sie duͤrfen darin aus dem oben angegebenen Grunde nicht die Majoritaͤt bilden.

an. 8 ner

Ueber die Eingänge zu dem Prosecenium und der Hrchestra des alten Griechischen Theaters.

(Vergl. Staats⸗Zeitung Nr. 308.)

Es. war meine Absicht, die von dem wackeren Genelli, dem vieljaͤhrigen vertrauten Freunde und Genossen des Dichters, den wir jetzt wieder den unseren nennen, und von anderen verdienten Forschern verfochtenen irrigen Ansichten uͤber die Einrichtung des Griechischen Theaters durch eine ausfuͤhrliche Eroͤrterung zu wi⸗ derlegen. Inzwischen wird mir von allen Seiten versichert, daß schon mein erster Aufsatz in Nr. 308 dieser Zeitung fuͤr die Feststel⸗ lung der Hauptsache vollkommen uͤberzeugend sey. Ich glaube daher mich auf eine kurze Zusammenfassung der wesentlichsten Punkte beschraͤnken zu duͤrfen, indem ich nur fuͤr den Fall, daß Jemand fuͤr irgend eine der aͤlteren Ansichten den Schild erheben sollte mir vorbehalte, den Kampf in aller Form wieder aufzunehmen. Der Aufsatz uͤber die „Auffuͤhrung der Antigone“ in Nr. 307 der Staats⸗Zeitung, den, wie ich hoͤre, Viele mir auch zuschreiben, ruͤhrt nicht von mir her; auch erlaube ich mir, zu bemerken, daß

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in Nr. 308, Seite 1369, Sp. 3 statt „Rhiniasta“ Rhiniassa zu lesen ist, ein Ort im suͤdlichen Albanien, 2 ½ Meilen nord⸗ lich von Prevesa-). Uebrigens muß! ich um Entschuldigung bitten, wenn meine Darstellung den meisten Lesern noch viel zu umstaͤndlich scheinen moͤchte. Es handelt sich um die Herstellung untergegangener Dinge; nur die genaueste Wortauslegung kann hier einen sicheren Anhalt bieten, da die Denkmaͤler nur unvoll⸗ staͤndig reden. Aus duͤrftigem Material soll ein ganzer Bau aufgefuͤhrt werden, um, wo moͤglich, wieder ins Leben zu treten. Die Meinungen, die ich bekaͤmpfen muß, fuͤllen ganze Baͤnde. Wenigstens werde ich mich bemuͤhen, so kurz als moͤglich zu seyn.

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1) Die Griechischen Benennungen 60610½, 6⁴.0008, ⁴ο⁹ο

im Lateinischen: iter, aditus, itinera bezeichnen allerdings die Zu⸗ gaͤnge zu der Orchestra. Allein schon die Wahl jener Worte, die saͤmmtlich blos „Weg“, „Gang“ oder dergleichen bedeuten, ver⸗ bietet, darunter weite breite Raͤume zu verstehen, wie man sie zwischen den Zuschauersitzen und dem Proscenium voraussetzt. Ist denn die Griechische Sprache so arm, um sich mit den un⸗ deutlichsten Ausdruͤcken behelfen zu muͤssen? Schon durch die Wahl jener Worte allein wird die hergebrachte Vorstellung von der Einrichtung des Griechischen Theaters, die Genelli nuͤr va⸗ riirt, nicht rektifizirt hat, eine Unmoͤglichkeit.

2) Das Wort x⁴οαασσ*νμαον, gewoͤhnlich pluralistisch: 0 raeageznzee gebraucht und im Lateinischen nicht vorkommend kann nicht jene vorausgesetzten breiten und hohen Mauern bedeu⸗ ten, welche zu beiden Seiten der dekorirten Scena den Zuschauern bestaͤndig zugleich sichtbar gewesen seyn sollen, gleichsam als Ne— ben⸗ oder Seiten⸗Scenen, wodurch jede Illusion unmöglich wird. Da das Wort geinwn, scena, an und fuͤr sich blos die Decoratio⸗ nen bezeichnet, wie alle Ausleger eingestehen, so hatten solche nicht dekorirten Nebenwaͤnde, waͤren sie vorhanden gewesen, nur 8 g.ενν, mꝓτποεσνοαναι heißen koͤnnen. Allein diese Ausdruͤcke kom⸗ men nirgend vor. Die gewaͤhlte neutrale Form lehrt deutlich, daß so wie rooœσννννιον, proscenium, den vor den Decorationen und von ihnen eingeschlossenen Raum bezeichnet, wo die Schau⸗ spieler auftraten, die Parascenien nicht Waͤnde, sondern Raͤume waren, zu beiden Seiten des Prosceniums, welche durch die De— eorationen dem Anblick der Zuschauer entzogen waren. Worauf auch die Nachricht fuͤhrt, daß die Schauspieler in den Parasce— nien Kleidung und Masken wechselten, wenn dies waͤhrend der Auffuͤhrung erforderlich war. Oder soll etwa dies vor Aller Au⸗ gen im angeblich offenen weiten Dromos geschehen seyn?

3) Der Ausdruck versurae bei Vitruv, den Genelli ebenfalls von den supponirten weiten Raͤumen zu beiden Seiten der Buͤhne zwischen den Enden der Zuschauer-Sitze und der, wie man an— nimmt, sichtbaren hohen Ruͤckwand versteht: „weil man in die— selben hinein sich wenden muß (Genelli, S. 44)“, kann deren Vorhandenseyn noch viel weniger darthun. Wie waͤren, bei sol— cher Bedeutung des Wortes, Zusammenstellungen, wie itinera ver- surarum oder versurae procurrentes, prominentes nur dentbar? Versura heißt: „Wendung“; und versura procurrens: „vortre-— tende Wendung“, „Wendung nach vorn.“ Von dem Proscenium gebraucht, bezeichnet es die nach vorn sich wendenden Graͤnzen des⸗ selben. Uebrigens nicht Mauern (wie Stieglitz und Andere meinen, was aber das Wort eben so wenig bedeuten kann); sondern die Linie der Seiten-⸗Decorationen. Das Ganze wird erst bei der allgemeinen Schilderung des Griechischen Theaters, die ich mir vorbehalte, deutlich werden; allein man lese die Stelle Vi⸗ truv's lib. V. cap. 7. „sSpatia adornatus comparata etc.“ (nur nicht in Uebersetzungen!), um jeden Zweifel schwinden zu sehen. Uebrigens hat der sorgsame Genelli wunderbarer Weise außer Acht gelassen, daß Vitruv l. V. c. 6 die itinera versurarum, das heißt, um es gleich herauszusagen: die Eingaͤnge durch die Sei⸗ ten⸗Coulissen, welche bei Griechen und Roͤmern durch Drehen verwandelt wurden (obwohl der Ausdruck: versura sich nicht zu— naͤchst hierauf bezieht), gerade bei dem Roͤmischen Theater er⸗ waͤhnt, wo jene vorgeblichen weiten Zwischenraͤume, nach Genelli's eigenem Gestaͤndniß, gar nicht stattfanden.

4) Bei allem bis hierher Eroͤrtertem ist fuͤr Jeden, der in der Kenntniß der alten Sprachen nicht fest begruͤndet ist, was Archaͤo⸗ logen und Kuͤnstlern wohl begegnen mag, das Irren erklaͤrlich und deshalb zu entschuldigen. Allein was soll man sagen zu dem nun Fo'genden? Vitruv giebt J. V. c. 7. eine Vorschrift uͤber die Verhäͤltnisse, welche die in die Orchestra hineinfuͤhrenden Ein⸗ gaͤnge erhalten muͤssen. Hier weiß nun unter allen Auslegern Niemand, von welchen Thuͤren die Rede ist, weil man naͤmlich die Orchestra ganz offen gelassen hatte. Stieglitz schweigt voͤllig davon. Der Architekt Newton meint, es sey von einem Gang um die QOrchestra die Rede; Andere denken an die Thuͤren auf der Buͤhne. Genelli klagt, daß die Vorschrift undeutlich sey, spricht von Gewoͤlbe⸗Bogen und scheint, da Vitruv blos die Hoͤhe angiebt (indem das Verhaͤltnißmaß der Breite schon fruͤ— her von ihm bestimmt worden), einen Augenblick auf eine Ueber⸗ woͤlbung seines ganzen dreißig bis vierzig Fuß breiten vorgeblichen Dromos zu sinnen; verwirft aber dies, weil dann die fingirten hohen Seitenwaͤnde nicht sichtbar bleiben, und eilt schnell uͤber die gefaͤhrliche Stelle hinweg, indem er sie in eine Note verweist (S. 45.), um nirgend darauf zuruͤckzukommen. Allein Vitruv's Ausdruͤcke sind so genau, daß ein Mißverstaͤndniß kaum moͤglich scheint und sich nur erklaͤrt durch die schon starr gewordene falsche Ansicht. Man hoͤre den Alten selbst. Nachdem er bemerkt hat, daß die Sitze eben so hoch wie die Scena ringsum bis an diese hinaufgefuͤhrt werden muͤssen, weil sonst der Schall der Stimme sich verliere, faͤhrt er also fort: Orchestra inter gradus imos quam diametron habuerit, ejus sexta pars sumatur, et in cor- nibus (ad aditus) ad ejus mensurae perpendiculum inferiores sedes pracecidantur, et qua praecisio fuerit, ibi constituantur itinerum supercilia: ita enim satis altitudinem habebunt eorum conformationes. Dies heißt woͤrtlich: „Welchen Durchmesser die Orchestra zwischen den untersten Sitzstufen haben mag, so nehme man davon den sechsten Theil und auf beiden vortretenden Enden werden nach einem Perpendikel dieses Maßes fuͤr die Zu⸗ gaͤnge die untersten Sitzstufen weggeschnitten, und wo dieser Aus⸗ schnitt faͤllt, dahin lege man die Ueberschwellen (supercilia) der Eingaͤnge: auf solche Art wird ihre Gestaltung die ange⸗ messene Hoͤhe haben.“ Man muß von aller mathema⸗ tischen Phantasie entbloͤßt seyn, um hier Undeutlichkeit zu finden;

vielmehr haͤngt nun erst alles harmonisch zusammen. Die unte⸗ ren Sitzstufen konnten nicht ohne Uebelstand bis an das Preosce⸗ nium selbst fortgefuͤhrt werden; also war hier der bequemste Ort

*) Bei dieser Gelegenheit bitte ich auch, in der Beilage zur Stäaats⸗Zeitung Nr. 311, S. 1383, Sp. 3 statt „Goussin“ Poussin, zweimal statt „Aegytos“ Aepytos und statt „geringen Standes“ geringeren Standes lesen zu wollen, anderer Versehen zu ge⸗ schweigen, was ich mir um so mehr zu bemerken erlaube, da der vollstaͤndige Abdruck jener Rede dadurch verzoͤgert wird, daß demselben

fuͤr die Eingangsthuͤren. Eben so stattlich ist das Verhaͤltnißmaß. Bei dem von Polyklet erbauten Theater bei Epidaurus, dem schoͤn⸗ sten von allen Griechischen, wie Pausanias versichert, obwohl bei weitem nicht dem groͤßten, hatte die Orchestra einen Durchmesser von 96, jene Thuͤren also eine Hoͤhe von 16 Fuß; was nach do⸗ rischem Verhaͤltniß eine Breite von 7 ½, nach Jonischem von 9⁄ Fuß ergiebt: so daß der Chor von seinem Auletes (Flotenspieler) und dem Choragen gefuͤhrt, in Reihen zu drei oder fuͤnf nach der Vorschrift geordnet, in feierlichem Tanzschritt bequem durch sie hereintrat. InFolge der weiterhin zu schildernden allgemeinen Conformation des Baues waren sie um ein Weniges gegen die Zuschauer gekehrt und da⸗ durch allenthalben sichtbar. Ueberdies wurde das Podium, da wo die Sitze aufhoͤrten, nicht scharf abgeschnitten, sondern wandte sich, wie Reste zeigen, in einer sanften Schwingung herum. Die Worte Vitruv's, daß man die unteren Sitzstufen wegschneiden solle, beweisen zugleich, daß die Reihen uͤber den Thuͤren bis an die Seitenwand des Prosceniums fortliefen; was schon Barthelemy, obwohl allerdings in unrichtiger Weise, behauptet haben muß, da Genelli (S. 46) gegen ihn bemerkt, daß solche Pläͤtze, unbrauchbar gewesen seyen, und dadurch die ganze Sache zu beseitigen glaubt. Allein er, vergißt, daß die Sitzstufen nach einer vorgeschriebenen, eigenthuͤmlich gebogenen Linie sich um die Orchestra zogen, und daß das Logeum, der eigentliche Schau⸗ platz fuͤr die handelnden und rezitirenden Schauspieler, tief in die Drchestra hereintrat; also von allen Stellen der ihn rings ein⸗ schließenden Sitze sichtbar blieb. Ließ doch der Imperator Nero fuͤr sich einen Kaiserlichen Ehrenplatz sogar uͤber dem Proscenium einrichten, an dem Orte, wo die Goͤtter erschienen, und der deshalb der

theologische (Xeono„ 0) hieß, um gleichsam als gegenwaͤrtiger Divus selbst einen Theil des Schauspiels 2ns es bne. zugleich mit anzusehen. Koͤnnte uͤbrigens irgend ein Zweifel uͤber den Sinn jener ganz vom Hellenischen Kunstgeist eingegebenen Vorschrift obwalten, so wird derselbe beseitigt durch das fast ganz im Felsen ausgehauene und deshalb auch in diesen, anderswo zer⸗ storten Theilen genugsam erhaltenen Theater zu Rhiniassa *).

5) Daß außer den drei Eingaͤngen im Grunde des Prosce⸗ niums sich auf jeder Seite desselben noch ein Eingang befunden habe, vor welchen die drehbaren Decorationswaͤnde standen, sagt Pollux (l. IV, 126) so deutlich, daß Genelli die Stelle derselben sowohl in seinem Grundriß, als im Laͤngen⸗Durchschnitt des Thea⸗ ters angiebt. In mehreren Truͤmmern Griechischer Theater sind diese Eingaͤnge noch erkennbar. Winckelmann fand sogar vor einem derselben auf dem Proscenium des Theaters zu Herkulanum noch im Fußboden die eherne Mutter, worin sich die Welle einer der Drehmaschinen bewegte. Eben so deutlich aͤußert sich Vitruv L. V. c. 7. fin.). Man sollte meinen, es sey unmoͤglich, nicht einzusehen, daß hier, wo die Decorationen standen, die rechts die Stadt, links Wald, Feld und dergleichen darstellten, auch die Schauspieler aufgetreten seyen. Nein! ruft Genelli, wie vor ihm andere: Nein! Denn die Decorationen standen ja davor; also gingen durch jene Thuͤren blos die Arbeiter, welche bei diesen zu thun hatten. Dort standen die Winden zum Drehen, zum Zie⸗ hen, zum Rollen u. s. w. (Genelli S. 49 und 57 und folg.) Also stiegen die Schauspieler von vorn vermittelst Treppen auf das Proscenium. Wer freilich die Augen recht fest verschließt, sieht auch die Sonne nicht! Jene Drehmaschinen waren ja das⸗ selbe, was bei unserer Theaterpraxis die viel weniger kuͤnstlichen Coulissen sind. Ein kuͤnftiger Antiquar, welcher dereinst unsere Buͤhnen⸗Einrichtung erforscht, muß nach dieser Schlußfolge sagen: Auf den Seiten der Buͤhne standen die Coulissen, also konnte

von dorther Niemand auf dieselbe gelangen, sondern man stieg aus dem Orchester auf das Proscenium. Ganz im Gegentheil.

Eben dort, wo auf dem Griechischen Theater jene Decorationen aufgestellt waren, fanden auch die Schauspieler ihren Eingang.

Daß die wirklichen Thuͤren weiter zuruͤck lagen, versteht sich von selbst und erhellt aus den Resten. Gerade hier befanden sich hinter den Decorationen und durch sie vor den Zuschauern ver⸗ deckt, die Proscenien, von denen bereits oben die Rede war. 6) Nur noch ein Punkt und wir sind am Ziele. Der einzige scheinbare Grund suͤr die von Genelli und vor ihm von anderen in aͤhnlicher oder noch weit ungeschickterer Weise ange⸗ nommene Einrichtung des Griechischen Theaters, welchen man deshalb auch nicht muͤde wird zu wiederholen, ist der, daß sehr haͤufig eine schon auf der Buͤhne befindliche Per⸗ son eine andere von weitem kommen sieht und uͤber sie spricht, lange bevor diese wirklich auftritt. Also ist es doch offenbar, daß die Eingaͤnge weit, ganz ungeheuer weit entfernt seyn mußten; was, bei der bekannten Enge der Griechischen Buͤhne, einen maßlo⸗ sen, sichtbaren Raum außerhalb derselben voraussetzt, damit der Zuschauer die Herankommenden sehen kann. Wenn aͤltere Ita⸗ lienische Gelehrte, die noch kein Theater kannten, oder Leute, die, auf dem Lande wohnend, nie vor einer Schaubuͤhne standen, also reden; das laͤßt sich entschuldigen. Allein wir sollten glaͤubig uns vorsagen lassen, daß, weil der Schauspieler nach Vorschrift seiner Rolle Jemanden kommen sieht, so muͤßten die Zuschauer diesen sofort wirklich erblicken, wie er allmaͤlig immer naͤher ruͤckt? Kommt denn auf unserem Theater nicht oft genug dasselbe vor? Im Gegentheil scheint die bei den Griechen so haͤufige Anmel⸗ dung der Auftretenden durch jene kunstlose Wendung, den Ne⸗ benzweck zu haben, sowohl die Zuschauer nicht in ⸗Ungewißheit zu lassen uͤber die erwartete Person, als auch den Schauspieler da⸗ durch aufzurufen, damit er sich fertig macht, um im rechten Moment aus dem Parascenium hervorzutreten. Allein selbst die Geister ruft man auf, die bekanntlich in den Griechischen Tragoͤdien, dem alten Volksglauben gemaͤß, sehr zahlreich sind. Die Ver⸗ senkung (dνααισαμα), wo sie verschwanden, befand sich in der Orchestra; dies meldet Polluxr. Wie konnten die Gei⸗ ster dorthin gelangen, wenn sie nicht die Treppe hinabstiegen? Und damit nicht zufrieden, ersinnt Genelli ein immer offen stehen⸗ des Thor des Hades mitten unter den Zuschauersitzen (Tafel II., B.) und eine zweite Treppe, die hinabfuͤhrt. Der verschwindende Geist tritt aus dem Proscenium auf das Logeum, steigt eine der dort befindlichen Treppen herab, durchschreitet die Orchestra und gelangt mittelst der zweiten Treppe vor Aller Augen in die Unter⸗ welt. Ein offener Schlund des Hades? Farcet linguis! Nimmermehr haͤtte ein Grieche in einem solchen Theater sich niedergelassen. Zum Gluͤcke sind wir hier ganz genau be⸗ richtet. Unter der Buͤhne befand sich das Hyposcenium, welches durch seinen Namen hinlaͤnglich erklaͤrt wird, obwohl man auch hier es an Mißgriffen nicht hat fehlen lassen. Durch eine Versenkung gelangte man hinauf oder hinab. Mit der Orchestra stand jener Raum unter der Buͤhne durch Eingaͤnge in Verbin⸗ dung, deren Saͤulen den Zuschauern gegenuͤber ausdruͤcklich er waͤhnt werden; wie denn dies bei der Conformation des Griechi⸗ schen Theaters nicht anders seyn konnte. Vor diesen Eingaͤngen, nicht unter den Sitzen der Zuschauer, dicht an der dort in der

Orchestra befindlichen Thymele, dem Altar des Bacchus, der be⸗

außer Abbildungen der antiken Darstellungen der Merope auch ein Kupferstich des gekroͤnten Preis⸗Reliefs beigefuͤgt werden soll

*) Hughes travels in Vol. II. p. 340.