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prosaische Wendungen, kraftlose Ausdruͤcke und auffallende Gedan—
Stufen hinaufstieg. Die Wand unter dem Logeion oder das Hyposkenion, das heißt die Ruͤckwand der Qrchestra 8xG Buͤhne zu, wurde bei den Alten mit kleinen Saͤulen und 2 as üulen verziert; was sich bei einer groͤßeren Laͤnge und Söh⸗ 4 Wand gewiß anmuthig ausnehmen wuͤrde. Der in der Ore 8 befindliche Altar oder die Dionysische Thymele hat r und allgemein nur die Bedeutung, daß die .. sische sey; in der Antigone ist er jedoch benußt, indem der be bei demselben zum Dionysos fleht. Bei der Auffuͤhrung⸗ 88. welcher wir sprechen, wurde er uͤberdies 1“ M. Dgnas waͤhrend des Vortrages des Chorgesanges zurchaus erforder⸗ Reiz“ einen Ruhepunkt zu gewaͤhren, welcher durchaus erforder⸗
chtung treffen koͤnnen, so
ich scheint. Haͤtte Sophokles diese Einrichtung treften, vobein, lo S ihm eine schickliche Gelegenheit gegeben haben, 2 “ Antigone noch mehr hervorzuheben, falls er sie rewoeiceg Ae aufgeben ließ, oder das Frevelhafte des Kreon zu bezeichnen, wenn sie mit Gewalt weggerissen wurde: da keines von beiden sich fin⸗ det, kann schwerlich daran gedacht werden, daß Antigone an einem Altar verweilte. Aber solche Reflerionen duͤrfen uns nicht abhal⸗
8 daß bei der in Rede stehenden Auffuͤhrung diese
Le anguer zes Alzars passend war n8 den Eindruck nicht ver⸗ fehlte. Wird die Tragoͤdie in einem groͤtzeren Theater aufgefuͤhrt, so wird sie auf der Buͤhne selbst einen laͤngeren Weg durchmessen koͤnnen, waͤhrend der Chor singt, und uͤberdies koͤnnte man an der Seiten⸗Decoration, durch welche sie abgefuͤhrt wird, einen Felsen⸗ sitz oder eine Marmorbank als Ruhesitz fuͤr I Landerer anbringen, etwa wie im Oedipus auf Kolonos; hierdurch wuͤrde der Gebrauch, welcher jetzt vom Altar gemacht ist, vollkommen ersetzt. Auf eine aͤhnliche Weise duͤrfte fuͤr Kreon zu sorgen seyn, der waͤhrend des Chor⸗Gesanges 580 — 626 auf der Buͤhne bleibt; wir stellen uns ihn in der Halle des Palastes auf einem marmornen Thronos oder Kathedra sitzend vor, umgeben von den Dienern, deren Zahl etwas zu vermehren seyn duͤrfte; bei den Worten des Kreon Vers 1093 faͤllt es unangenehm auf, daß nur zwei auf der Buͤhne sind. Ueberhaupt hat man in neueren Zeiten die Vorstellung von der Prunklosigkeit der Tragoͤdie der Griechen uͤbertrieben; sie verschmaͤhten keinesweges die Pracht des Choragiums, und man kann in dieser Hinsicht leicht zu wenig thun. Der Leichnam der Eurydike wurde in der Vorstel⸗ lung durch Oeffnen der Hauptthuͤr des Palastes gezeigt; es war ein unvergleichliches Bild. Doch hatte diese herrliche Vorrich⸗ tung den Nachtheil, daß Kreon dadurch verhindert wurde, wieder in den Palast zuruͤckzugehen, was sicherlich gegen die Absicht des Dichters ist und auf eine geschickte Weise abzuaͤndern seyn duͤrfte. Von der Weglassung der Masken und Aehnlichem ist nicht noͤthig zu sprechen.
Es ist fuͤr diese Vorstellung die Uebersetzung von Donner gewaͤhlt worden, unstreitig weil sie den Vorzug einer gewissen Verstaͤndlichkeit hat, ohne sich zu weit vom Original zu entfernen, und besonders im Dialog meistens anspricht. Sie hat aber nicht immer die Sophokleische Kraft; sie weicht oͤfter ohne alle Noth, und ohne irgend etwas dadurch zu erreichen, von der Urschrift ab, setzt Woͤrter oder Saͤtze voran, welche in der Urschrift nachstehen, und vermindert dadurch den Nachdruck, welcher durch genaues Anschließen an das Original erreicht werden konnte, ohne unserer Sprache den geringsten Zwang anzuthun, giebt, wo Sophokles dasselbe Wort fuͤr denselben Begriff wiederholt hat, fuͤr diesen V Begriff verschiedene Woͤrter, und verdunkelt dadurch den Ein⸗ druck, verwischt manchen geistreichen Zug der Sophokleischen Sprache, laͤßt den Gedanken, weil nicht die richtigen Worte oder Wortfuͤgungen gebraucht sind, getruͤbt und nur wie durch einen Nebel durchscheinen, und oͤfter ist der Sinn, wie in vielen dieser Uebersetzungen, gaͤnzlich verfehlt. Es soll hiermit nicht gelaͤugnet werden, daß die Uebersetzung in vielen Ruͤcksichten verdienstlich seyv; selbst in den Chorgesaͤngen leistet sie viel Dankenswerthes, und dies muß um so mehr anerkannt werden, je schwieriger die Auf⸗ gabe ist; in einigen Partieen der Gesaͤnge konnte jedoch mehr er— reicht werden, obgleich keine Uebersetzung alle Schoͤnheiten des Sophokleischen Chors wiedergeben kann, am wenigsten die rhyth⸗ mische Malerei in demselben, fuͤr welche unsere Sprache nicht geeignet ist: insonderheit waͤre zu wuͤnschen gewesen, daß nicht
ken⸗Entstellungen in die Choͤre gekommen waͤren. Diese Gesaͤnge sind die geistvollsten Erzeugnisse, die schoͤnsten Bluͤthen der So— phokleischen Kunst; aber viele dieser Bluͤthen werden uns welk geboten in den meisten Uebersetzungen. Eine Folge der beruͤhrten Maͤngel ist es, daß in den Gesaͤngen der Komponist, im Gespraͤche der Schauspieler sich abmuͤhen muß, dem unvollkommenen Sprach⸗ Ausdruck eine ertraͤgliche Farbe zu geben, was doch beim besten Willen nicht immer gelingen kann; ja der Darstellende muß sogar, wo der Sinn des Originals nicht genau wiedergegeben ist, in der Auffassung der Rolle irregeleitet werden; und wird auch nicht der Eindruck des Gan— zen durch jene Unvollkommenheiten bedeutend gestoͤrt, weil alles Einzelne rasch voruͤbergeht und Vieles nicht erwogen wird, und weil diese Stuͤcke selbst in einiger aͤußeren Entstellung immer noch gefallen, wie die Griechischen Bildsaͤulen, wenn auch die Ober— flaͤche des Marmors zerfressen und rauh geworden ist, nicht auf— hoͤren schoͤn zu seyn, so vermindern und stoͤren doch jene Fehler dem Zuschauer Verstaͤndniß und Genuß. Fuͤr die zweite Auf⸗ fuͤhrung waren einige Stellen verbessert worden, zufaͤllig gerade diese. Zum ferneren Gebrauch, wenn das Stuͤck wiederholt wer⸗ den sollte, wuͤrde die Uebersetzung einer vollstaͤndigen Revision zu unterwerfen seyn, damit nicht dem Sophokles zur Last falle, was er nicht verschuldet hat. Da viele relativ gute Uebersetzungen vor⸗ liegen, kann man debei eklektisch zu Werke gehen, jedoch nicht ohne daß oͤfter Neues versucht werden muß. Auch in dem Text der Chorgesaͤnge kann Einiges veraͤndert werden, da der geistvolle Komponist, wo es ohne zu große Aufopferung geschehen kann, sich gern einem verbesserten Text anschließen wird. 11 Schwierigkeiten, welche der Text mit sich brachte, 1e EEEEö“ das Stuͤck wuͤrdig wiedergegeben, und von maͤchtigs Wirkun ” omenten selbst ergriffen, jene erhebende und achtige Werkung hervorgebracht. Der kunsterfahrene Dichter und die uͤbrigen Kuͤnstler, welche die erforderlichen Anordnungen getroffet haben, die Darstellenden, welche die ganze Uebe 8. gan g 8 guͤnstigen Erfolg versprechen konnte, dem Kunstwerke widmeten verdienen unseren vollen Dank. Antigone war ar e 88 leidenschaftlich und doch nicht unweiblich aufgefaßt gs Aba9n derselben gegen die Schwester mit feinem Maß gehalten; erschien in ihrer ganzen Zartheit; Vortrag und Action G menspielen beider unterstuͤtzten sich, um die tragische Röhsam⸗ hervorzubringen. Der Darsteller des Kreon erreichte die dichns Hoͤhe des Kothurns ohne Bombast, Uebertreibung oder Deelams. tion, woran er besonders in den sententidsen Partieen leicht schei⸗ tern kann; die dochmischen Wehklagen des Koͤnigs, die im Alter⸗ thum gesungen wurden, sind fuͤr den Vortrag als Rede eine fast unausfuͤhrbare Aufgabe, die dennoch angemessen geloͤst wurde. In den uͤbrigen Rollen erschien der Grad der Virtuositaͤt, den wir an ihren Darstellern schaͤtzen und ehren. Der unseren Schau⸗ spielern ungelaͤufige Trimeter schien sie im Allgemeinen wenig zu stoͤren; fuͤr die Wuͤrde des Vortrages war er nur föͤrderlich.
1412 Die Stichomythien oder Unterredungen in einzelnen Schlag auf Schlag fallenden Versen wurden vortrefflich und mit großer Wir⸗ kung gesprochen, so schwierig ihr Vortrag war; man erhielt da⸗ durch die Ueberzeugung von der außerordentlichen Zweckmaͤßigkeit dieser Darstellungsform in den tragischen Redekaͤmpfen. Das erste Gesetz der Hellenischen Kunst ist die Harmonie. Diese ver⸗ langt, daß in der Tragoͤdie die Nebenrollen nicht stark hervortre⸗ ten; die Griechischen Schauspieler haben in diesen, sogar noch in Cicero's Zeit, selbst ihre Stimme gemaͤßigt, obwohl sie lauter spre⸗ chen konnten, um nur die Hauptrollen nicht zu verdunkeln. Der Schauspieler, der eine solche Nebenrolle uͤbernommen hat, deren keine auch eines großen Kuͤnstlers unwuͤrdig ist, muß daher mit Selbstaufopferung sich zuruͤckhalten, und wenn er auch seine Rolle mit groͤßerer Kraft und Leidenschaft vortragen koͤnnte, falls sie isolirt gedacht wuͤrde, dennoch darauf verzichten, um in dem rich⸗ tigen Verhaͤltniß zu den Hauptpersonen zu bleiben. In manchen Sophokleischen Nebenrollen wird er dafuͤr durch die feine Kunst entschaͤdigt, mit welcher der Dichter auch diese gearbeitet hat; denn wenn Sophokles in der Zeichnung der Hauptrollen und heroischen Personen der Macht der Situationen, der Motive und Handlungen vertraute, daß sie den Charakter der Handelnden mit plastischer Klarheit hervortreten lassen wuͤrden, ohne daß es einer
charakterisirenden Faͤrbung durch Nebenzuͤge beduͤrste, so haben
dagegen die Nebenfiguren mehr charakteristische Zuthaten. So hat der Waͤchter in der Antigone einen leichten Anflug von schnur⸗ rigem Humor, der im Alterthum selten ist; er tritt jedoch in der Uebersetzung nicht genug heraus. Der Bote, welcher Haemon's Tod verkuͤndet, steht bedeutend hoͤher als der Waͤchter; aber gro⸗ ßen Seelenadel und erhabene Gesinnung darf man bei ihm nicht suchen. Dem Waͤchter geht seine eigene Wohlfahrt uͤber Alles; dem Boten hat das Leben nur Werth durch das Vergnuͤgen, eine hoͤhere Wuͤrde desselben kennt er nicht und kann sie seiner Stel⸗ lung nach kaum kennen. In diesem Sinne muß man die Sen⸗ tenzen Vers 1148 ff. in seinem Munde fassen und vortragen, nicht als erhabene Spruͤche; sie bleiben auch so immer noch wirk⸗ sam, und sind zugleich charakteristisch fuͤr ihn als richtige Reflexio⸗ nen des gemeinen Mannes uͤber das oft nicht beneidenswerthe Loos der Hohen.
Da den Verfasser dieses, wie oben bemerkt worden, sein mu⸗ sikalischer Freund im Stiche gelassen hat, so muß er sich schon bequemen, auch uͤber das Musikalische selber zu sprechen, so wie uͤber das hiermit zusammenhaͤngende Orchestische. Zugegeben, daß wir in diesen Partieen der Alterthumskunde mit vielem üUnbekannt sind, was weder das uͤberlieferte System der Griechischen Musik noch die nicht unbedeutende Zahl vereinzelter Nachrichten, sondern nur die sinnliche Anschauung uns lehren koͤnnte, die wir nicht haben, so wissen doch diejenigen, welche daraus ein Studium gemacht haben, mehr davon, als das große Publikum glaubt: war es aber rathsam, von diesem Wissen fuͤr die Auffuͤhrung der An⸗ tigone Gebrauch zu machen, oder war es auch nur moͤglich? So viel ist gewiß: die Griechen haben in der Musik, wie in der Ma⸗ lerei, in welcher sie sonst ebenfalls fuͤr Stuͤmper galten, durch Mittel, die wir nicht hinlaͤnglich kennen, große Wirkungen hervor⸗ gebracht. Wollen wir diese wieder erreichen, so muͤssen wir unsere Mittel anwenden, und diese hat Herr Kapellmeister Mendelssohn⸗ Bartholdy so in Bewegung gesetzt, wie es dem Charakter der Chorlie⸗ der und der darin enthaltenen Gedanken angemessen ist, folgend der großartigen und erhabenen, der betrachtenden und threnetischen,
der truͤben und der mehr heiteren und hoffenden Stimmung des Chors;
das Edle und Wuͤrdige des Gesammt⸗Eindruckes entscheidet fuͤr die Vortrefflichkeit der Musik auch dem, welcher die einzelnen Schoͤnhei— ten nicht verfolgen kann. Hierdurch darf sich jedes antiquarische Gewissen beschwichtigt fuͤhlen, da zumal kein Antiquar im Stande seyn wird, an die Stelle dieser Musik eine antike zu setzen. Der zweite Chor „Vieles Gewaltige lebt“ ist angefochten worden; uns hat gerade die geistreiche Heiterkeit, welche ihn be— lebt, reizend angesprochen: diese Musik scheint ganz die Anmuth und Suͤßigkeit der Sophokleischen Muse zu athmen. Den Chor— Gesang „Auch der Danaëé Reiz“ denkt sich der Verfasser dieses wenigstens in der choriambischen Partie mehr im Charakter eines Threnos, deren einer von Simonides auch gerade den Mythos von der Dange behandelte; bei solchen Liedern wandten die Al— ten nur Blase-Instrumente an. Der Bacchische Chor-Gesang ist mit Recht am rauschendsten komponirt. Indem wir alles Uebrige kompetentern Kunstrichtern uͤberlassen, sey es gestattet, daß wir uns noch einige Augenblicke auf den antiquarischen Standpunkt versetzen; vielleicht beruͤcksichtigt derselbe Komponist einmal bei einem aͤhnlichen Anlaß eine oder die andere dieser Be⸗ merkungen. Das Chorische der Griechischen Tragoͤdie zerfaͤllt in die Parodos und das Stasimon: jene wurde sicher mit Tanzbe— wegungen ausgefuͤhrt, dieses unseres Erachtens ohne alle Tanzbe⸗ wegung; doch wurde bisweilen aus besonderen Motiven statt ei⸗ nes Stasimon ein Tanzlied eingelegt, von welcher Art der letzte Chor⸗Gesang unserer Antigone ist, wie der Verfasser anderwaͤrts gezeigt hat. Außerdem bietet die alte Tragoͤdie Gesaͤnge von der Scene (εένν τàα αeσο σν—ς), das heißt der Schauspieler, und die sogenannten Kommen dar, welche sich zwischen den Chor und die Schauspieler theilten, so daß der eine Theil dieses Gesanges eben⸗ falls Gesang von der Scene war. Bei unserer Darstellung der Antigone wuͤrde die Parodos (Strahl des Helios) zum Theil in Halbchoͤren gesungen, und der Chor, der wie zu Athen aus funf— zehn Personen bestand, trat auch in Halbchoͤren Mann hinter Mann auf. Ob Halbchoͤre hier bei den Alten statthatten, laͤßt sich weder behaupten noch verneinen, doch beduͤnkt es uns nicht wahrscheinlich. Der Aufmarsch des Chors geschah bei den Alten gewoͤhnlich in einer Kolonne, welche fuͤnf Mann tief war, drei Choreuten in jeder Reihe; doch findet auch eine Stellung von drei Reihen hinter einander statt, jede von fuͤnf Choreuten; der Chor entwickelte sich dann in kunstreichen taktisch-orchestischen Evo⸗ lutionen. Abgerechnet, daß bei unserer Auffuͤhrung hierzu kein Raum vorhanden war, wuͤrde eine lange Einuͤbung der Choreu— ten, wie sie zu Athen stattfand, zur Nachahmung des Antiken er⸗ forderlich gewesen seyn, und die Sache haͤtte vielleicht unseren Zu— schauern doch steif und pedantisch geschienen. Vielleicht waͤre sie jedoch in einem groͤßeren Raum des Versuches werth. Wie die weiteren maͤßigen Tanzbewegungen der tragischen Emmeleia zu regeln seyn wuͤrden, lassen wir unberuͤhrt; nur ein geringer Er⸗ satz dafuͤr lag in den Bewegungen und Stellungen, welche un⸗ sere Choreuten machten. Ginge man tiefer in das Orchestische ein, so wuͤrde sich manche einzelne Schoͤnheit des Sophokleischen Chors herausstellen lassen;z wie die Griechen vorzuͤglich in dem lyrischen Hyporchem den Inhalt der Worte oder die Begriffe durch Musik und Tanz nachahmten, so geschah es auch hier und da in der Tragoͤdie, und fuͤr die Antigone beweisen dies die Rhyth⸗ men an mehreren Stellen der beiden Tanzlieder; indessen ist zu zweifeln, ob fuͤr unsere Augen und Ohren durch die Darstellung dieser feinen Besonderheiten viel wuͤrde gewonnen werden. Die anapastischen Systeme der Parodos, so wie die den uͤbrigen Chor⸗ liedern angefuͤgten, hat der Komponist meistens als Recitativ fuͤr den vollen Chorgesang, selten als Recitativ des Chorfuͤhrers be⸗
handelt; letzteres entspricht der Meinung der bewaͤhrtesten Phi⸗ lologen, und wenn wir nicht irren, nahm es sich ganz vorzuͤglich aus. Die Durchfuͤhrung dieser Komposition fuͤr alle anapaͤstischen Systeme, namentlich fuͤr die in den mittleren Theilen der Paro⸗ dos, wuͤrde unseres Erachtens eine sehr schoͤne Abstufung gegen den vollen Chorgesang in den lyrischen Strophen und Gegen⸗ strophen geben. Wie die anapaͤstischen Systeme fuͤr die Bew.⸗ gung des Chors in einem groͤßeren Raume zu benutzen waͤren, uͤbergehen wir der Kuͤrze halber. Da der Rhythmus als das Gestaltgebende in der Griechischen Musik unstreitig sehr bestimmt hervortrat, so wird die Komposition sich dem Antiken besonders dann naͤhern, wenn die Rhythmen klar hervorgehoben werden. Am deutlichsten schienen sie in dem Chorgesang „Auch der Da⸗ nae Reiz“ durchzutoͤnen, sind aber hier auch vom Dichter sehr stark bezeichnet. Es kann nicht davon die Rede seyn, den Takt aufzugeben, dessen die alte Musik selbst schwerlich ganz entbehren konnte, wie sich Manche vorstellen. Der im Sylbenmaaße ausge⸗ sprochene Rhythmus fuͤgt sich leicht in den Takt, ohne das Ver⸗ haͤltniß der Laͤngen und Kuͤrzen gegen einander in einer und der⸗ selben rhythmischen Reihe bedeutend zu aͤndern. Daß die Alten nicht blos die beiden Zeitmaße der Mora und ihres Zweifachen (etwa Achtel und Viertel) hatten, sondern mannigfache Maße, war laͤngst bekannt, und vor kurzem hat Herr Professor Beller⸗ mann aus einer von ihm ans Licht gezogenen Schrift fuͤr diese Maße auch die rhythmographischen Zeichen nachgewiesen; auch wer behauptet, die Alten haͤtten ihren Rhythmen nur Kuͤrzen und Laͤngen zu Grunde gelegt, stellt hiermit nicht in Abrede, daß es Kuͤrzen und Laͤngen von sehr verschiedenem Maße gegeben habe, und muß mancherlei Modificationen und besonders motivirte Ausnah⸗ men zugestehen, deren Entwickelung uns hier viel zu weit fuͤhren wuͤrde. Die Anwendung dieser verschiedenen Maße und der Pausen hob die scheinbare Monotonie auf, und erlaubt die Rhythmen der Al⸗ ten, ohne wesentliche Abweichung vom Sylbenmaß, in den Takt zu bringen. Es kommt nur darauf an, diese Mittel so zu ge⸗ brauchen, daß der im Sylbenmaß liegende Rhythmus nicht aufge⸗ hoben werde. Der Einwurf, die Metriker seyen uͤber den Rhyth⸗ mus der Maße, ja uͤber die Maße selbst, haͤufig nicht einig, ist nicht von großem Belang, indem der Komponist schon finden wird, auf welcher Seite die Wahrheit sey, wenn er nur einigen Sin fuͤr die antiken Formen hat; dagegen kann aber der letztere auch wieder verlangen, daß die Uebersetzung nicht, wie so haͤusig, Zwei⸗ fel und Zweideutigkeit in Bezug auf den Rhythmus uͤbrig lasse, sondern diesen deutlich auspraͤge. Unterwirft sich der Komponist dem freilich harten Zwang eines gegebenen Rhythmus, so duͤrfte ihn dieser in einige Naͤhe auch des alten Melos fuͤhren, da beide Elemente uͤbereinstimmen muͤssen. Mißverstaͤndlich hat man behauptet, auch ein Theil des Dia⸗ loges sey bei unserer Auffuͤhrung mit Musik begleitet worden. Die Sache verhaͤlt sich so. Die Lieder von der Scene und was vom Kommos den Schauspielern zufaͤllt, also die Todesklage der Antigone und die Wehklagen des Kreon, welche der Dichter fuͤr den Gesang geschrieben hat, wurden gesprochen, aber mit melo— dramatischer Begleitung, die genial gesetzt ist und eine große Wir⸗ kung macht; der Phantasie des Zuhorers bietet sie einen Ersatz fuͤr den fehlenden Gesang. Der dem Chor zukommende Theil der Kommen wurde in unserer Auffuͤhrung groͤßtentheils vom vollen Chor gesungen. Gegen die Rede der Schauspieler, welche in den Kommen angenommen ist, scheint dies zu stark abzustechen; aber auch wenn der Kommos vom Schauspieler gesungen wuͤrde, moͤchte der chorische Theil desselben, bei genauerer Nachahmung des Antiken, groͤßtentheils vom Chorfuͤhrer oder einem und dem anderen Choreuten recitativisch vorzutragen seyn, am sichersten die darunter befindlichen iambischen Senare, bei welchen der Komponist auch einmal eine Ausnahme zu Gunsten der hier ausgesprochenen Ansicht gemacht hat; dann aber auch die anapaͤstischen Systeme: die kleineren, großentheils in lyrischen Jamben gesetzten Strophen moͤchten am ersten eine Konkurrenz des ganzen Chors oder halber Choͤre im Alterthum gestattet haben; besonders duͤrfte hier das Einfallen des vollen Chors oder eines Halbchors mit dem letzten Vers von gro⸗ zer Wirkung seyn. Vergleicht man also unsere Auffuͤhrung mit der antiken Darstellungsweise, so weit sich diese mit mehr oder weniger Sicherheit oder Wahrscheinlichkeit bestimmen laͤßt, so er⸗ giebt sich, daß in ersterer das musikalische Element bald staͤrker, bald schwaͤcher ist, als es in letzterer war; indem sich aber das Mehr und Minder gegen einander ausgleicht, stellt sich das richtige Ver⸗
haͤltniß fuͤr den Gesammt-Eindruck wieder her, inwiefern es bei
der Substitution der neueren Musik f. Berlin, den 7. November 1841.
uͤr die alte moͤglich ist. Boͤckh.
Auswärtige Börsen.
Amsterdam „ 10. Okt. Niederl. wirkl. Schuld 51. 153. 5 5 do. 99 5¼. Kanz. Eill. 25 ⅛. 5 Spapn. 20 55 Passive —. Ausg. —. Zinegl. —. Preuss. Präm. Sch. —. Pol. —. Oesterr. 105 ¾
Antwerpen, 9. Nov. Zinsl. —. Neue Aul. 20 ⅛.
Hamburg, 12. Nov. Bank-Actien 1580 G. Engl. Russ. 108 ½.
London, 9. Nov. Cons. 3 8 89 5. Belg. 100 ¼.
Passive 4 ¼. Ausg. Sch. 10 ½. 2 ½˖ G Moll. 51 ¼. 5 9G% Port. 29 ½. 3 ½ 18. Engl. Russ. 112 ¾%. Bras. 57. Columb. 19 ½. Mex. 25 ⅓. Peru 13 ½. Chili 69.
Pa ris, 9. Novr. 5 G Rente fin cour. II16. 20. 3 % Rente fin cour. 80. 40. Aunl. de 1841 fin cour. 81. 10. 59 Neapl. 106. 10. 5 G Span. Rerο 22 ½. Passive 5.
Wien, 9. Nov. 5 ½ Met. 105 7⁄2. 4½ 98 ½. 3 ½ —. 19½ —. Bank-Actien 1560. Aul. de 1834 137. de 1839 108 ¾.
Königliche Schauspiele.
Montag, 15. Nov. Im Schauspielhause: Zum erstenmale wiederholt: Treue Liebe, Schauspiel in 5 Akten, von Eduard Devrient.
Dienstag, 16. Nov. Im Opernhause: Orpheus und Eury⸗ dice, Oper in 3 Abth., von Moline, aus dem Franzoͤsischen uͤber⸗ setzt von Sander, Musik von Gluck. Ballet von Hoguet. (Dlle. Tuczek: Amor.)
Im Schauspielhause: 1) La Marquise de Senneterre, co- médie en 3 actes, par Melesville. 2) La première représenta- tion de: La soeur de Jocrisse, folie-vaudeville en 1 acte
Königstädtisches Theater. Montag, 15. Nov. (Italienische Opern⸗Vorstellung.) Gemm di Vergy. Opera in 3 Atti. Poesia del Sgr. Bidera. Musica del Maestro Gaectano Donizetti. (Signora Laura Assandri: Gemma. Signor Agostino Zucconi: Conte di Vergy.) Dienstag, 16. Nov. Zum funfzigstenmale: Der Talisman. Posse mit Gesang in 3 Akten, von J. Nestroy.
““ Verantwortlicher Redacteur Dr. J. W. Zinkeisen.
Gedruckt in der Deckerschen Geheimen Ober⸗Hofbuchdruckerei.
ssalt.
mtliche Nachrichten. Tanpnehe Angelegenheiten. Rhein⸗Provinz. Landtags⸗ Abschied fuͤr die Provinzial⸗Staͤnde der Rhein⸗Provinzen. Frankreich. Paris. Angeblicher Antrag des Ministeriums uͤber einen Kongreß in Betreff der Spanischen Angelegenheiten. Großbritanien und Irland. London. Notizen in Bezug auf
die Geburt des Thronfolgers. b “ Deutsche Bundesstaaten. Muͤnchen. Befinden Ihrer Maje⸗
staͤt der verwittweten Koͤnigin. “ Spanien. Madrid. Naͤheres uͤber Quiroga's Hinrichtung. — Die Apanage der Koͤnigin Christine suspendirt. 8— 8 Inland. Bromberg. Regierungs⸗Chef⸗Praͤsident Wißman f. Beilage. Landtags⸗Angelegenheiten. Rhein⸗Provinz Landtags⸗Abschied. (Schluß.) — Deutsche Bundesstaaten. Hannover. Koͤnigl. Proclamation und Verordnung, die neue Staͤnde⸗Versammlung und eine von den Gewaͤhlten zu unter⸗ zeichnende Erklaͤrung betreffend. — Luxemburg. Stand der Parteien in Bezug auf die Zollfrage. vW“
Amtliche Nachrichten. Kronik des Tages.
hre Durchlaucht die Frau Fuͤrstin von Liegnitz ist von
Dresden hier eingetroffen.
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Bei der am 12ten und 13ten d. M. fortgesetzten Ziehung der 5ten Klasse S4ster Koͤnigl. Klassen⸗Lotterie fiel der zweite Haupt⸗ Gewinn von 100,000 Rthlr. auf Nr. 41,937 nach Coͤln bei Reim⸗ bold; 1 Haupt⸗Gewinn von 30,000 Rthlr. auf Nr. 98,698 nach Breslau bei Schreiber; 1 Haupt⸗Gewinn von 20,000 Rthlr. auf Nr. 101,447 nach Potsdam bei Hiller; 2 Haupt⸗Gewinne von 10,000 Rthlr. sfielen auf Nr. 31,930 und 42,324 nach Breslau bei Schreiber und nach Liegnitz bei Leitgebel; 2 Gewinne zu 5000 Rthlr. auf Nr. 101,547 und 110,750 nach Breslau bei Schreiber und nach Stettin bei Rolin; 13 Gewinne zu 2000 Rthlr. auf Nr. 45,338. 46,792. 54,857. 65,955. 67,873. 73,356. 79,441. 81,654. 85,770. 86,157. 94,908. 96,957 und 110,813 in Berlin bei Seeger, nach Breslau 4mal bei Schreiber, Crefeld bei Meyer, Danzig bei Rotzoll, Halle bei Lehmann, Juͤterbog 2mal bei Geste⸗ witz, Minden bei Wolfers, Posen bei Bielefeld und nach Sagan bei Wiesenthal; 37 Gewinne zu 1000 Rthlr. auf Nr. 3034. 3829. 6078. 9041. 16,530. 19,240. 20,307. 21,191. 24,028. 29,392. 29,419. 29,958. 31,310. 37,469. 37,931. 40,053. 45,893. 46,278. 48,087. 50,544. 51,388. 54,612. 55,844. 56,475. 58,988. 60,133.
88 61,257. 66,200. 67,030. 71,569. 91,232. 92,375. 92,626. 95,374. 96,490. 100,522 und 110,586 in Berlin 7 „ un 7
bei Alevin, 2mal bei Burg, bei Klage, 2mal bei Matzdorf, bei Meyer und 2mal bei Seeger, nach Beeskow bei Grell, Brandenburg bei Lazarus, Bres⸗ lau bei Holschau, 4mal bei Schreiber, Brieg bei Boͤhm, Bunzlau bei Appun, Coblenz bei Gevenich, Coͤln bei Krauß und bei Reim⸗ bold, Danzig Zmal bei Rotzoll, Duͤsseldorf 2mal bei Spatz, Frank⸗ furt bei Salzmann, Hirschberg bei Raupbach, Jauer bei Guͤrtler, Juͤlich bei Mayer, Liegnitz bei Leitgebel, Muͤhlhausen bei Blach⸗ stein, Neisse bei Jaͤkel, Posen bei Pulvermacher, Ratibor bei Sa⸗ mojé, Stettin bei Wilsnach und nach Tilsit bei Lowenberg; 46 Ge⸗ winne zu 500 Rthlr. auf Nr. 1285. 2062. 8550. 8752. 9166. 16,143. 18,116. 23,729. 26,789. 29,455. 30,191. 32,046. 33,191. 33,379. 36,099. 38,057. 38,436. 39,479. 45,042. 47,223. 47,932. 48,116. 51,131. 55,674. 56,433. 65,335. 66,589. 67,103. 67,374. 67,970. 75,020. 76,168. 78,816. 79,344. 81,830. 85,009. 85,779. 86,053. 93,965. 97,677. 101,134. 105,333. 105,916. 107,875. 110,308 und 110,705 in Berlin bei Alevin, bei Aron jun., 2mal bei Burg, 2mal bei Grack, bei Klage, bei Matzdorf, bei Mestag und 7mal bei Seeger, nach Brandenburg bei Lazarus, Breslau bei Bethke, bei Gerstenberg und 9mal bei Schreiber, Coͤln bei Krauß, Danzig 2mal bei Reinhardt und bei Rotzoll, Halberstadt bei Sußmann, Halle 2mal bei Lehmann, Magdeburg Zmal bei Tuns, Marienwerder bei Schroͤder, Merseburg bei Kieselbach, Minden 2mal bei Wolfers, Sagan bei Wiesenthal, Schöͤnebeck bei Flittner, Stettin bei Rolin und nach Tilsit bei Loͤwenberg; 85 Gewinne zu 200 Rthlr. auf Nr. 193. 964. 1552. 3785. 5405. (828. 9973. 40,683 11 . 6161609. 15,844. 16,104. 18,392. 21,845. 29,144. 30,539. 30,722. 31,953. 32,253. 37,191. 39,396. 40,198. 43,053. 43,841. 45,748. 46,835. 48,649. 49,328. 51,229. 55,109. 56,368. 57,184. 57,785. 61,582. 62,242. 65,245. 65,428. 65,998. 66,065. 66,795. 68,488. 69,478. 70,385. 70,555. 71,936. 73,546. 73,579. 75,407. 75,600. 75,681. 77,622. 78,745. 78,822. 78,844. 80,301. 81,425. 81,676. 81,899. 82,632. 87,909. 88,471. 88,649. 89,281. 91,044. 91,300. 91,332. 91,592. 91,884. 92,840. 94,554. 94,878. 96,621. 101,442. 103,790. 101,975. 105,318. 105,376. 107,826. und 111,623. Die Ziehung wird fortgesetzt. Berlin, den 15. November 1841. Koͤnigl. Preußische General⸗Lotterie⸗
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Angekommen: Se. Excellenz der General⸗Lieutenant und General⸗Adjutant Sr. Majestaͤt des Koͤnigs, Graf von Nostitz, aus Schlesien. 2
Abgereist: Se. Excellenz der Wirkliche Geheime Rath und Ober⸗Praͤsident der Provinz Sachsen, Flottwell, nach
Magdeburg 8 “
Landtags-Angelegenheiten.
Rhein⸗Provinz.
Landtaaas6sschi e b fuͤr die Provinzial⸗Staͤnde der Rhein⸗Provinzen.
Wir Friedrich Wilhelm, von Gottes Gnaden, König von Preußen ꝛc. ꝛc. Entbieten Unseren, zum diesjaͤhrigen Provinzial⸗Landtage der Rhein⸗ Provinzen versammelt gewesenen getreuen Staͤnden Unseren gnaͤ⸗ digen Gruß.
Der vaterlaͤndische Geist, welcher Unsere getreuen Rhein⸗Pro⸗ vinzen waͤhrend der politischen Verwickelungen Unseres ersten Re⸗ gierungs⸗Jahres belebte, und das Vertrauen, welches sie Uns in den schwierigen kirchlichen Verhaͤltnissen bewiesen haben, hat in Uns die stets gehegte, Unserem Herzen wohlthuende Ueberzeugung verstaͤrkt, daß das Band, welches sie mit Unserer Monarchie und dadurch mit dem uͤbrigen Deutschland verknuͤpft, mit jedem Jahre fester werde, und daß die treue Anhaͤnglichkeit, welche sie Unseres in Gott ruhenden Herrn Vaters Majestaͤt gewidmet hatten, als ein koͤstliches Erbtheil auch auf Uns uͤbergegangen ist. Wir ha⸗ ben in den Uns von den getreuen Staͤnden uͤberreichten Denk⸗ schriften und den gesammten Verhandlungen des diesjaͤhrigen Land⸗ tages das erfreuliche Zeugniß eben jenes Geistes, wie der ernsten und gewissenhaften Sorgfalt gefunden, womit dieselben ihre Auf⸗ gabe ins Auge gefaßt und zum Besten des Landes erfuͤllt haben, und Wir sind mit freudiger Zuversicht in der Ueberzeugung be⸗ festigt, daß ihre in solchem Geiste geuͤbte Wirksamkeit immer eine segensreiche bleiben und daß Wir an ihrer Liebe und Treue in guter und in boͤser Zeit eine feste Stuͤtze haben werden. Zur be⸗ sonderen Genugthuung gereicht es Uns, Unseren getreuen Staͤnden eroͤffnen zu koͤnnen, daß die Ungewißheit uͤber die Feststellung der Dibzesen⸗Verwaltung in Köͤln und Trier, welche die Gemuͤther in Unserer Rhein⸗Provinz in Spannung und Unruhe erhalten hat, nunmehr beseitigt ist und die desfalls mit dem Roͤmischen Hofe gepflogenen Verhandlungen ein voͤllig befriedigendes Resultat her⸗ beigefuͤhrt haben.
Auf die von Unseren getreuen Staͤnden abgegebenen Erklaͤ⸗ rungen und angebrachten Bitten ertheilen Wir denselben folgende Bescheide:
Die Propositionen betreffend:
1 8 1. Staͤndische Ausschuͤsse. 1
Aus der Erklaͤrung Unserer getreuen Staͤnde auf die erste Proposition Unseres Dekrets vom 23. Februar d. J. haben Wir
Zu A. gern ersehen, daß dieselben in den Bestimmungen we⸗ gen Vorbereitung der dem Landtage vorzulegenden Propositionen durch desfalls einzuberufende Ausschuͤsse ein wesentliches Mittel zu Foͤrderung einer gruͤndlichen Bearbeitung der vorliegenden Sachen erkennen.
Dem Antrage, daß die Propositionen den Mitgliedern des Landtages vor ihrer Einberufung zugefertigt werden moͤchten, wol⸗ len Wir insoweit entsprechen, als dies in Ansehung der einzelnen Gegenstaͤnde zweckmaͤtig erscheint und Bedenken nicht entgegenstehen.
Es ist dagegen Nichts zu erinnern, daß, wie Unsere getreuen Staͤnde es wuͤnschen, der Referent von dem Dirigenten des Aus⸗ schusses ernannt werde.
Was die Erledigung der auf dem Landtage nicht definitiv beendigten Sachen durch einen zu diesem Behuf zu bestellenden Ausschuß betrifft, so uͤberlassen Wir es lediglich der freien Be⸗ schlußnahme Unserer getreuen Staͤnde, inwiefern sie von diesem Zugestaͤndnisse Gebrauch zu machen noͤthig finden. — Daß die zur Berathung vorliegenden Gegenstaͤnde auf jedem Landtage voͤl⸗ lig erledigt werden, bleibt immer hoͤchst wuͤnschenswerth. Wir haben uͤbrigens bei dieser Anordnung vorausgesetzt, daß die einem solchen Ausschusse zu uͤberweisenden Angelegenheiten in ihren Grundzuͤgen vom Landtage berathen werden und jener nur die Bestimmung habe, sie im Detail weiter durchzuarbeiten.
Zu B. und C. haben Unsere getreuen Staͤnde, wie Wir wohlgefaͤllig bemerkt, in den Anordnungen wegen Veroͤffentlichung der staͤndischen Verhandlungen und Zusammenberufung der Land⸗ tage aller Provinzen der Monarchie von zwei zu zwei Jahren Un— sere landesvaͤterliche Absicht, die staͤndische Wirksamkeit zu foͤrdern und zu beleben, richtig erkannt und gewuͤrdigt.
Zu D hat die abgegebene gutachtliche Erklaͤrung bereits durch Unseren gnaͤdigsten Bescheid vom 14. Juli c. ihre Erledigung ge⸗ funden.
Was die Uns angezeigten Wahlen der Ausschuß⸗Mitglieder betrifft, so haben Wir solche genehmigt und behalten Uns die in Unserem Dekrete vom 14. Juli d. J. zugesagte Erlassung einer besonderen Verordnung uͤber die Einrichtung des Ausschusses vor.
2. Wahl⸗Reglement.
Die zu dem Reglement fuͤr die Wahlen der Landtags⸗Ab⸗ geordneten und deren Stellvertreter gemachten Bemerkungen wer⸗ den bei der weiteren Bearbeitung des Gegenstandes in reifliche Erwaͤgung gezogen werden.
3. Kreisstaͤndische Befugnisse.
Nicht minder werden die zu dem Entwurfe einer Verordnung uͤber die Befugnisse der Kreisstaͤnde, Ausgaben zu beschließen und die Kreis⸗Eingesessenen dadurch zu verpflichten, gemachten Bemer⸗ kungen bei der weiteren Bearbeitung des Gegenstandes erwogen werden. Dem Uns vorgetragenen Wunsche, daß diese Verord⸗ nung erst nach Publication der neuen Gemeinde⸗Ordnung fuͤr die dortige Provinz moͤge erlassen werden, wird von Uns Genuͤge geschehen.
4. Die Stadt Reustadt betreffend. Da Unsere getreuen Staͤnde sich mit dem geschehenen An⸗
trage, daß die Ortschaft Neustadt in den Stand der Staͤdte auf⸗
genommen werde, einverstanden erklaͤrt haben, so genehmigen Wir solchen und bestimmen, daß diese Stadt kuͤnftig an der Kollektiv⸗ Stimme der Staͤdte Deutz, Muͤhlheim, Gladbach, Gummersbach, Wipperfuͤrth, Siegburg und Koͤnigswinter Theil nehme. Diese
Bestimmung soll durch die Gesetzsammlung bekannt gemacht
werden.
5. Lehrer⸗Pensionen. 1 Die zu dem Pensions⸗Reglement fuͤr die Beamten der hoͤhe⸗ ren Lehr⸗Anstalten gemachten Bemerkungen, nicht minder 6. Forst⸗ und Jagd⸗Polizei⸗Ordnung. diejenigen, welche bei der Begutachtung des Entwurfs einer Forst⸗ und Jagd⸗Polizei⸗Ordnung, ferner 1 7. Holz⸗Defraudation und Jagd⸗Vergehen. uͤber die Entwuͤrfe a) eines Gesetzes wegen Bestrafung des Diebstahls an Holz und anderen Wald⸗Produkten und b) wegen der Jagd⸗Vergehen, so wie 8. Civil⸗Einreden in Wald⸗ ꝛc. Frevelsachen. uͤber den Entwurf wegen des Verfahrens uͤber Civil⸗Einreden in Wald⸗, Feld⸗ und Jagd⸗Frevelsachen gemacht worden sind, wer⸗ den bei der ferneren Berathung uͤber diese Gesetze ebenfalls i weitere Erwaͤgung kommen.
9. Strom⸗ und Deich⸗Ordnung.
Dem Antrage, die zu erlassenden Gesetze uͤber das Deichwe— sen und uͤber die Strom- und Ufer-⸗Polizei nicht abgesondert fuͤr das eine Ufer des Rheinstromes in Guͤltigkeit treten zu lassen, dieselben auch vorerst dem Gutachten einer aus orts⸗ und sachkun⸗ digen Regierungs⸗ und Deich⸗Beamten, so wie aus staͤndischen Deputirten, zusammengesetzten Kommission zu unterwerfen und sodann dem naͤchsten Landtage, unter Mittheilung des erwaͤhnten Gutachtens, wieder vorlegen zu lassen, wird Folge gegeben werden. Hierdurch wird zugleich der Zweck einer sorgfaͤltigen Kenntniß⸗ nahme von den durch jene Gesetze beruͤhrten oͤrtlichen Verhaͤltnis⸗ sen erreicht werden, welcher bei der Zuziehung einiger Kreisstände bei der Vorberathung dieser Gesetze beabsichtigt wurde.
10. Nachtweide.
Den Gesetz⸗Entwurf wegen des Verbots der Nachtweide ha⸗ ben Wir noch Unserem Staatsrathe zur Berathung uͤberwiesen, daher Unsere baldige definitive Entschließung zu erwarten ist.
11. Parzellirungen.
Da Unsere getreuen Staͤnde die Festsetzung gewisser Graͤnzen fuͤr die Theilbarkeit der Grundstuͤcke, wie solche nach dem ihnen vorgelegten Entwurf einer Verordnung wegen Beschraͤnkung der Parzellirungen beabsichtigt worden, mit den eigenthuͤmlichen Ver⸗ haͤltnissen, Sitten und Gebraͤuchen der Provinz fuͤr unvereinbar, die in jenem Entwurf enthaltenen Bestimmungen uͤber die Kon⸗ solidirungen aber fuͤr unausfuͤhrbar halten, so wollen Wir, ihrem Wunsche gemaͤß, den desfallsigen Vorschlaͤgen fuͤr jetzt keine Folge geben, obgleich die dagegen gemachten Ausstellungen nach dem, was daruͤber in dem anliegenden Promemoria Unseres Ministers des Innern und der Polizei bemerkt, groͤßtentheils nicht begruͤndet erscheinen, auch mit dem Antrag wegen Bewilligung der Sportel⸗ und Stempelfreiheit und anderer Verguͤnstigungen fuͤr einzelne “ und Zusammenlegungen nicht ganz in Einklang stehen.
Zur Gewaͤhrung dieses Antrages koͤnnen Wir Uns indeß, in Erwaͤgung der aus der Anlage ersichtlichen Bedenken, nicht bewo— gen finden, so gern Wir uͤbrigens jede der allgemeinen Wohlfahrt foͤrderliche Maßregel genehmigen und unterstuͤtzen.
Eben so wenig koͤnnen Wir fuͤr jetzt auf die von neuem nachgesuchte Abaͤnderung der Ordre vom 24. Dezember 1834, wodurch der §. 10 des Stempel⸗Gesetzes vom 7. Maͤrz 1822 aufgehoben worden, eingehen, sondern muͤssen die desfallsige Be⸗ schlußnahme bis dahin vorbehalten, daß die schon auf Grund des fruͤheren Antrages angeordneten mit der allgemeinen Revision des Stempel⸗Gesetzes in Verbindung stehenden Berathungen beendigt seyn werden.
12. Legitimations⸗Atteste beim Pferde⸗Handel.
Der Antrag in Beziehung auf den dem Landtage vorgelegten Gesetzes-Entwurf, wegen Wiedereinfuͤhrung der Legitimations⸗ Atteste beim Pferde⸗Handel, hat Uns, da er mit demjenigen uͤber⸗ einstimmt, was auch von den Staͤnden der Provinz Westphalen gegen die Nothwendigkeit einer derartigen gesetzlichen Anordnung angefuͤhrt worden, bewogen, von Erlaß des proponirten Gesetzes in Ansehung der beiden westlichen Provinzen Abstand zu nehmen.
13. Die Pfandschaften im Bergischen.
Wegen Erlassung der Unseren getreuen Staͤnden im Entwurfe vorgelegten Verordnung, betreffend die im Herzogthum Berg vor dem Jahre 1810 entstandenen Pfandschaften, gegen welche keine Erinnerungen gemacht worden, behalten Wir Uns die definitive Beschlußnahme bevor, und wird dabei der Antrag, diese Verord⸗ nung auch auf die zum Ober⸗Landesgerichts⸗Bezirke Hamm gehdoͤ⸗ rige Herrschaft Broich zu erstrecken, in naͤhere Erwaͤgung gezo gen werden.
14. Bergisches Provinzialrecht.
Wenn Unsere getreuen Staͤnde uͤber den nach dem Antrage des vorletzten Provinzial⸗Landtages ihnen wieder vorgelegten Ent⸗ wurf des Provinzialrechts fuͤr das Herzogthum Berg, die vormals Kur⸗Koͤlnischen Enklaven desselben und die Herrschaften Gimborn, Neustadt, Homburg an der Mark und Wildenburg sich deshalb nicht erklaͤrt haben, weil ihrer Ansicht nach die Wiedereinfuͤhrung der der Vergangenheit angehoͤrigen, den dermaligen eennn. und Anforderungen wenig entsprechenden, durch “ Rheinische Recht verdraͤngten und ersetzten † . 8 bei wünschenswerth erscheine, so haben dieselben uͤbersehen, & der Revision jenes Provinzialrechts, wie Unseren getreuen Staͤn⸗ den in den Propositions⸗Dekreten Unseres in Gott ruhenden