1841 / 320 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

Ansiedler, den gesetzlichen Schutz von Personen und Eigenthum zu sichern, welchen der Hattischerif von Guͤlhane verheißen hat. Allein gerade bei der Verfolgung dieser Zwecke ergab sich, in wie viel vortheilhafterer Lage der König sich hinsichtlich seiner katho⸗ lischen Unterthanen befand, als hinsichtlich seiner evangelischen. . Es zeigen sich naͤmlich jene Zwecke in einem innigen Zusam⸗ menhange mit gewissen kirchlichen Rechten und 95 Lateinische und Griechische Kirche stehen im beschof⸗ sene Körperschaften mit gemeinschaftlicher Zucht und Ordnung

1 sch in dieser ihrer Einheit em B alter Vertraͤge und haben sich in dieser ihrer Einhen 9 *

einer Anerkennung zu erfreuen, welche ch 9 in scch schließt. Hie Grlechische Kirche genießt uͤberdem den Schutz E“ . Lateinische den der Roͤmisch⸗ des Kaisers von Rußland und die Lateinische a⸗ Sesatee e⸗ katholischen Großmaͤchte. Die Preußische öö ö den Bestrebungen der letzteren nur Hne.e 4 e etwa noch fortdauernden Beeintraͤchtigungen der 8s 8 Faterelten ihrer Roͤmisch⸗katholischen Unterthanen mit Erfolg Aitigeh. 1 Die evangelische Kirche dagegen enthehrte in der 1“ bis auf die neueste Zeit aller gesetzlichen Anerkennung. Welchem Staate des Festlandes konnte der Wunsch, daß derselben bei der gegenwaͤrtigen Weltlage aͤhnliche korporative Berechtigungen zu Theil werden moͤchten, naͤher liegen, als Preußen, welches die roͤßere Haͤlfte saͤmmtlicher Glieder der evangelischen Kirche Deut⸗ scher Nation in seinem Schooße hegt? Und sollte nicht auch die evangelische Kirche als Glied der allgemeinen Kirche Christi das Recht haben, auf dem Schauplatze des Ursprungs der Christen⸗ heit ihre Bekenner zu sammeln und die evangelische Wahrheit frei nach ihrer Konfession und Liturgie zu verkuͤndigen? 1

Die Preußische Regierung durfte unter diesen Umstaͤnden die Schwierigkeiten nicht scheuen, welche sich der Erreichung eines auch mit dem kirchlichen National⸗Gefuͤhle so innig verwebten Zweckes von verschiedenen Seiten her entgegenstellten. Es kam darauf an, in richtiger Wuͤrdigung aller bezuͤglichen Verhaͤltnisse, die Wege

zu suchen, welche am sichersten zum Ziele fuͤhren konnten. Ein⸗ seitige Verhandlungen mit der Pforte boten, so freundlich auch die gegenseitigen Beziehungen zwischen beiden Regierungen sich gestaltet haben, keine Aussicht auf wirklichen Erfolg. Die unmittelbaren Beruͤhrungen Preußens mit dem Morgenlande sind der Tuͤrkischen Regierung zur Zeit noch nicht fuͤhlbar genug. Die Pforte kennt Preußen nur als eine Großmacht von Europa, durch deren Eintracht mit anderen Grroßmaͤchten ihre Sicherheit verbuͤrgt wird. Anders ist das Verhaͤltniß Großbritaniens zur Pforte. England besitzt durch seine Seemacht und durch seinen Handel im Hriente einen gewichtigen Einfluß. Eine Vereinbarung mit Eng⸗ land, dessen Kirche nach Ursprung und Lehre mit der Deutsch⸗ evangelischen innigst verwandt ist, stellte sich demnach als das sicherste Mittel dar, den so wichtigen Zweck zu erreichen.

Die zu diesem Behuf anzuknuͤpfenden Verhandlungen waren indessen von der Vorfrage abhaͤngig, ob Großbritanien geneigt sey, der Selbststaͤndigkeit und National⸗Ehre der Deutsch⸗evangelischen Kirche Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und diese Angelegenheit in vollem Einverstaͤndnisse mit Preußen nach dem festen Grundsatze

zu behandeln, daß die evangelische Christenheit sich unter dem Vor⸗

tritte Englands und Preußens der Tuͤrkischen Regierung als eine Einheit darstelle und so aller Vortheile gesetzlicher Anerkennung von Seiten derselben theilhaftig werde.

Die Schritte, welche zur Erledigung dieser Vorfrage gethan wurden, hatten den erfreulichsten Erfolg. Nicht nur die Groß⸗

britanische Regierung zeigte sich mit entschiedener Zuvorkommen⸗ heit bereit, auf der vorgeschlagenen Grundlage der Sache naͤher zu treten, sondern auch die Haͤupter der Englischen Kirche gingen mit warmer Theilnahme auf den Vorschlag ein. Man vereinigte sich in der Ueberzeugung, daß die Mannigfaltigkeit des christlichen Gottesdienstes nach Zungen und Voͤlkern und nach der Eigen⸗ thuͤmlichkeit und geschichtlichen Ausbildung jeder Kation, nament⸗ ich in der evangelischen Kirche, von einer hoͤheren Einheit, dem Herrn der Kirche selbst, getragen werde, und daß in dieser Einheit, auf welche alle Mannigfaltigkeiten sich als ihren Mittelpunkt beziehen,

der Grund wahrer christlicher Toleranz liege. Neben dieser Ueber⸗

eugung theilen aber Seine Majestaͤt der Koͤnig die religioͤsen National⸗Sympathieen, welche sich an den Ursprung der Augsburg⸗— chen Koͤnfession und an die Erinnerung der Glaubenshelden der Deutschen evangelischen Kirche knuͤpfen, zu innig, als daß Sie die⸗ ser festen gemeinschaftlichen Grundlage der gesammten Deutschen Mational⸗Kirche evangelischen Glaubens irgend etwas haͤtten ver⸗ geben koͤnnen.

Durch ein von diesem Geiste geleitetes, inniges Zusammen⸗ wirken ist nun ein besonderes Bisthum in Jerusalem gegruͤndet vworden, an welchem alle evangelische Christen einen gemeinsamen Anhalt und Vereinigungspunkt, der Tuͤrkischen Regierung gegen⸗ uͤber und wo es sonst ihre Vertretung in der Einheit einer Kirche bedarf, finden koͤnnen, dabei aber, namentlich die Deutschen Pro⸗ testanten, die Selbststaͤndigkeit ihrer Kirche in Beziehung auf ihre besondere Konfession und Liturgie behaupten. Die Haͤlfte der Unterhaltungskosten dieses Bisthums bestreiten Seine Majestaͤt der Konig aus Allerhoͤchst Ihrer Dispositions⸗Kasse und theilen dagegen auch das Recht der Ernennung des Bischofs mit der Krone England.

Fuͤr das kirchliche Beduͤrfniß des neuen Bisthums waͤre auf diese Weise zunaͤchst gesorgt. Da aber eine Kirchen⸗Gemeinschaft nur in Verbindung mit dem Unterricht der Jugend und mit Kran⸗ kenpflege ein segensreiches Gedeihen gewinnen kann, so ist fuͤr diese Zwecke noch eine groͤßere Unterstuͤtzung von der frommen Theilnahme und Mildthaͤtigkeit evangelischer Christen Preußens

und anderer Deutschen Laͤnder zu erwarten.

Vorzuͤglich wichtig ist die Gruͤndung eines Hospitals, in wel⸗ chem Reisende, die wissenschaftliche Forschung, kirchliches In⸗ teresse oder auch andere Zwecke immer zahlreicher nach Jeru⸗

c. . . A 81 71 salem fuͤhren werden, im Falle ihrer Huͤlfsbeduͤrftigkeit Aufnahme

finden koͤnnen.

Hierauf insbesondere beziehen sich die nachstehenden Cir⸗ kular Reskripte des Ministers der geistlichen Angelegeheiten an die Koͤniglichen Regierungen und Konsistorien:

Das Koͤnigl. Konsistorium wolle aus der abschriftlich hier beigeschlossenen Cirkular⸗Verfuͤgung an die Koͤniglichen Regierun⸗ en entnehmen, zu welchem wichtigen Zwecke des Konigs Maje⸗ stät geruht haben, eine allgemeine Kollekte in den evangelischen Kirchen der Monarchie anzuordnen. Da dieser Zweck Sr. Ma⸗ jestaͤt dem Koͤnige eben so sehr am Herzen liegt, als er mit der Fuͤrsorge fuͤr huͤlfsbeduͤrftige Glaubensgenossen zugleich die Ehre und die Foͤrderung der evangelischen Kirche betrifft, so wird das Koͤnigliche Konsistorium gern Bedacht nehmen, die Herzen der evangelischen Glaubensgenossen dafuͤr zu erwaͤrmen. Es wird dieses nicht schwer seyn, wenn die Geistlichen erwaͤgen, welch' ein folgenreiches Moment fuͤr die Entwickelung der Deutschen evange⸗ lischen Kirche darin liegt, daß nach so vielen Jahrhunderten an der Wiege der Christenheit und an dem Grabe des Erlbsers das Evangelium in der Konfession und mit Anwendung der Liturgie

jener Kirche nach dem Muster der ersten christlichen Gemeinden frei verkuͤndigt werde.

Das Koͤnigliche Konsistorium hat zur Ausfuͤhrung der Aller⸗ hoͤchsten Absicht eine angemessene Belehrung an saͤmmtliche Su⸗ perintendenten und Prediger zu erlassen und Abschrift davon zur Kenntnißnahme an das Ministerium einzusenden. Den Sonntag, an welchem die Kellekte zu halten ist, hat das Koͤnigliche Konsi— storium zu bestimmen und die Koͤniglichen Regierungen der Pro⸗ vinz davon in Kenntniß zu setzen.

Berlin, den 14. November 1841.

Der Minister der geistlichen ꝛc. Angelegenheiten. (gez.) Eichhorn.

saͤmmtliche Koͤnigliche Koͤnsistorien.

Des Koͤnigs Majestaͤt haben die Gelegenheit Allerhoͤchst Ih⸗ rer Theilnahme an der Erhaltung des Friedens im Orient benutzt, um der evangelischen Kirche fuͤr alle kuͤnftige Zeiten dieselbe ge⸗ setzliche Anerkennung in der Tuͤrkei zu verschaͤffen, deren sich die Griechische und Lateinische Kirche in jenen Gegenden laͤngst zu erfreuen haben. Da mit einer solchen Anerkennung kirchlicher Selbststaͤndigkeit die wichtigsten politischen Rechte verbunden sind, deren Mangel die evangelischen Christen bisher einer druͤckenden Willkuͤr Seitens der Tuͤrkischen Lokal⸗Behoͤrden preisgab, so ist die Wohlthat, welche des Koͤnigs Majestaͤt den evangelischen Glau⸗ bensgenossen durch Ihren maͤchtigen Einfluß zu verschaffen gesucht haben, um so groͤßer, als, abgesehen von den vermehrten Antrie⸗ ben wissenschaftlicher Forschung und kirchlicher Interessen, der zu— nehmende Verkehr der Nationen im Ganzen kuͤnftig evangelische Christen in groͤßerer Anzahl, als bisher, in jene Gegenden fuͤhren und wegen des erlangten Genusses politischer Rechte vielleicht auch bedeutende Ansiedelungen daselbst veranlassen wird. Im Hin⸗ blick auf diese Entwickelung und Ausdehnung des Verkehrs, wie auf die Erleichterung der Ansiedelung, haben des Koͤnigs Maje⸗ staͤt in Verbindung mit der Krone Großbritanien bedeutende Opfer aus Allerhoͤchstihrer Dipositions⸗Kasse nicht gescheut, um der evangelischen Kirche Deutscher Nation, als der Mutter aller evangelischen Bekenntnisse, auf dem Boden des Ursprungs der Christenheit eine ihrer Wuͤrde und ihrer Groͤße angemessene Be⸗ rechtigung neben der Lateinischen und Griechischen Kirche fuͤr alle Zeiten zuͤ sichern. Schon in der naͤchsten Zukunft wird sich in Jerusalem auch fuͤr die Deutschen Protestanten eine Kirche erhe— den und ihrem Gottesdienste nach ihrer Konfession und Litur⸗ gie sich aufthun. Es bleibt aber, um diese neue Pflanzung gehoͤ⸗ rig zu pflegen und zu sichern, ein wesentliches Beduͤrfniß uͤbrig, naͤmlich die Errichtung eines Hospitals fuͤr huͤlfsbeduͤrftige evan⸗ gelische Reisende, welche wissenschaftliche Forschung, Trieb christli⸗ cher Erbauung oder auch andere Zwecke nach Jerusalem fuͤhren; ferner die Errichtung einer Schule. In welchem innigen Zusam⸗ menhange diese Institute mit der kirchlichen Wirksamkeit stehen, bedarf keiner Auseinandersetzung.

Des Koͤnigs Majestaͤt haben daher zu bestimmen geruht, daß zur Einrichtung und Erhaltung derselben eine allgemeine Kol⸗ lekte in den evangelischen Kirchen der Preußischen Monarchie an⸗ geordnet werde, und wird die Koͤnigliche Regierung demgemaͤß hierdurch aufgefordert, jene Kollekte anzuordnen und die einge⸗ henden Gelder mit Bezeichnung der Muͤnzsorten an die General⸗ Kasse des mir anvertrauten Ministeriums einzusenden.

Wegen des zu diesem Behufe zu bestimmenden Sonntags und wegen naͤherer Anweisung der Geistlichen, in deren Kirchen— Gemeinden die Kollekte zu empfehlen ist, ergeht eine besondere Verfuͤgung an das Koͤnigliche Konsistorium.

Berlin, den 14. November 1841.

Der Minister der geistlichen ꝛc. Angelegenheiten. (gez.) Eichho

An saͤmmtliche Koͤnigliche Regierungen.

Berlin, 16. Nov. Der Wirkliche Geheime Rath und Praͤ⸗ sident der Koͤnigl. Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Pro⸗ fessor von Schelling, eroͤffnete gestern auf der hiesigen Koͤnigl. Universitaͤt den Kursus seiner Vorlesungen uͤber Philosophie der Offenbarung. Es war natuͤrlich, daß schon der Name dieses seit vierzig Jahren mit Ruhm genannten Deutschen Lehrers die Be⸗ gierde, ihn zu hoͤren, rege machte; noch mehr aber mußte diese durch den Gegenstand geweckt werden, welchem seine Vorlesungen gewidmet sind. Ein Auditorium seltener Art, indem es zum Theil aus den ersten Lehrern unserer Universitaͤt und aus Maͤn— nern bestand, die den verschiedensten Zweigen der Wissenschaft an— gehoͤren, versammelte sich um den Lehrstuhl Schellings; aber auch die lernbegierige Jugend war in großer Anzahl da, und obwohl einer der umfangreichsten Hoͤrsaͤle zu diesem Zwecke gewaͤhlt war, konnten doch Viele, wegen Mangels an Raum, keinen Eintritt mehr sfinden. Herr von Schelling beleuchtete in der ersten Stunde sein Verhaͤltniß zu den Zuhdrern, so wie zu dem heutigen Stand— punkte der Deutschen Philosophie, wobei er es an Wuͤrdi⸗ gung und Anerkennung dessen nicht fehlen ließ, was in unserem Preußischen Vaterlande und insbesondere in Berlin, „der Metropole der Deutschen Wissenschaft“, fuͤr die Philosophie gethan worden. Diese Einleitung, welche uns von dem beruͤhmten Lehrer eine voͤllige Darlegung seines Systems verhieß, erregte so lebhafte Theilnaͤhme, daß sich dieselbe am Schlusse der Vorlesung durch laute Zeichen und enthusiastischen Zuruf zu erkennen gab, wor⸗ auf Herr von Schelling nochmals sich erhob und in dankenden Worten die Wichtigkeit des Momentes, fuͤr ihn selbst sowohl als fuͤr die Deutsche Wissenschaft, andeutete.

Berlin-Potsdamer Eisenbahn. In der Woche vom 9. bis incl. 15. November c. sind auf der Berlin⸗Potsdamer Eisenbahn gefahren:

1) Zwischen Berlin und Potsdam 6810 Personen

48 6858 Persoönen.

2) Zwischen Berlin und Steglitz Zusammen....

Berlin-Anhaltische Eilenbahn. Vom 10. September c., dem Tage der Eroͤffnung, bis ult. Sep⸗ tember c. wurden befoͤrdert. 8 25,678 Personen vom 1. bis ult. Oktober . 29,796 8 Summa..... 55,4 74 Personen. Vom 16. September bis ult. September.. 281 Ctr. Eilgut vom 1. Oktober bis ult. Oktober c.... 1875 2 8 Summa. . 2107 Ctr. Eilgut. Vom 16. Oktober bis ult. Oktober.. 7667 Ctr. Frachtguͤter.

8 STotal⸗Summa. 774 Ctr.

Meteorologische Beobachtungen.

Nach einmaliger

s p Morgens Nachmittags Beobachtung.

6 Uhr. 2 Uher

1841. V 10 Ubr.

Abends 15. Nov.

Luftdruek.. . 325,18“ Par. 325,24“ Par. 326,86 Par. Quellwärme 8,20 R. + 3,1 . + 3,30 n. + 0,90 R. Flusswärme 4,50 R. —+— 0,2 0hR. 0,7⁰0 kR. 2,2 0 R. Bodenwärme 5,1° R. 78 pCt. I 71 pCt. 77 pCt. Ausdünstung 0,030, Rh trühe. Regen. halbbeiter. Niederschlag 0,072 Rhb wsWwW. wsw. W. Wüurmewechsel +† 4,10 Wolkenzug. 8 W. 0,9.

Tagesmittel: 325,76 Par. + 2/4⁰° nH. 0,90 h. 75 pcCt. Wsw.

Luftwärme .. . Thaupunkt ... Dunstsättigung Wetter

e“

Den 16. November 1841. öu

Pr. Cour.

8 V Pr. Cour. Brief.

Geld. Brief. Geld. 8 161 102 ½ 109 ½ 102 ¼ 104*

Hrl. Pots. Eisenb.

do. do. Prior. Aet.

St. Schuld-Sch. 4 104¼ 103 Pe. Engl. Obl. 30. 4 102

Präm. Sch. der V Mgd. I. pz. Eisenb.

do. do. Peior. Aet,

8 Brl. Anh. Risenb.

do. do. Prior. Act.

Düss Elb. Eisenb.

do. do. Prior. Act Rhein. EBisenb.

do. do. Prior. Aet.

Sechandlung. 8072, 80¼ Kurm. Schuldv. 3. 102 ¼ Berl. Stadt-Obl. 4 103 Elbinger do. 3 ½ Danz. do. in Th. 48 Westp. Pfandbr. 3 ½ 102 ¼ Grossh. Pos. do. 4 105 2 Ostpr. Pfandhr. 3 ½ 102 ½ HSaumst Kur- u. Neum. 10. 3] 10] 2 EETE“ S 15 3 ½ 4 Andere 11“ 8 zen à 5 Th.

Disconto

1013

93

S2rbn

8 31 Gold al marco Pomm. do. Friedcichsd'or

r. Cour. zu 30 Sgr.

6

Amsterdam 250 Fl. Kurz do. 50 PFl. 2 Mt. Hamburg 300 Mk. do. 300 Mh. London 1 ISt. FEaris 44* 300 Fr. Wien in 20 Xr 150 F. Augsburg 150 PFl. Breslau 100 Thle. Leipzig in Courant im 14 Thl. Fuss.. 100 Thlr. FraHIKEH NZ7A7¶. ö Petersburg ... I SRbl.

Kurz

Mt. Mt. Mt. Mt. Mt. Mt. Tage Mt. Woch.

02 o bl bo do bdo o ere

Auswärtige Börsen.

Amsterdam, 12. 0kt. Kanz. Bill. 25.36. 658 Span. 20 %. Passive —. Präm. Sch. —. Pol. —. Oesterr. 105 ½.

Antwerpen, II. Nov. Ziusl. —. Neue Aul. 20 ¼ G.

Frankfurt a. M., 13. Nov. Oesterr. 5 % Met. 107 ½ G. 44 99 g. 2 ½ 55 ¼ G. 1 24 8% Br. Bank-Act. 1899. 1897. Partial -Obl. —. Loose zu 500 Fl. 138 ½. 137 ⅞. Loose zu 100 Fl. —. Preuss. Präm. Seb. 803 do. 4 Aunl. 102 ½ Br. Poln. Loose 745 G. 5 ½¼ Span. Anl. 22 228 Holl. 50 ½. 50 9. ““

Eisenbahn-Actien. St. deo I München-Augsburg —. Dresden 101 G. Köln-Aachen 97 ½ G. Paris, II. Nov. 5 % Kente flu „our. 116. 25. 80. 30. Am. de 1841 dn cour. 81,. 62

Sa 1 0 22 ½. Passive 4 ½.

Niederl. wirkl. Schuld 51 ¶%. 5 % do. 994½.

Ausg. —. Ziuel. —. Preuss.

.

Germain —. Versaiiles rechtes Uifer —.

Strassburg -Basel —. Leipzig-

5. 3 8 Rente fin cour.

Königliche Schauspiele.

Mittwoch, 17. Nov. Im Opernhause: F dramatisches vW1“ Opernhause: Faust, dramatisches

Donnerstag, 18. Nov. Im Opernhause: Die Gesandtin, ko— mische Oper in 3 Abth. Musik von Auber. (Olle. Tuczek: An⸗ toinette; Mad. Pohlmann-Kreßner: Mad. Barneck.)

Im Schauspielhause: Pour le troisiéme début de Alle. Léonide: 1) La Demoiselle majeure. Vaudeville en 1 acte. 2) Bocquet père et fils, Vaudeville en 2 actes.

Freitag, 19. Nov. Im Opernhause: Konzert.

f irag. B 1) Scene und Arie von Pacini, gesungen von Dlle. Turowska.

2) Kon⸗

zert fuͤr die Violine, (Premier Concert), komponirt und vorgetra—

gen von Herrn Camille Sivori, Schuͤler Paganini's und Mitglied der Philharmonischen Akademie in Florenz. 3) Cavatine aus der Oper: Cenerentola, von Rossini, gesungen von Dlle. Turowska. Hierauf: Der Seeraͤuber, großes Ballet in 3 Abth., von Paul Taglioni. Musik von Gaͤhrich.

Königstädtisches Theater. Mittwoch, 17. Nov. (Italienische Opern⸗Vorstellung.) Pari- sina. Opera in 3 Atti. Poesia del Sgr. Romani. Musica del Maestro Gaetano Donizetti.

Donnerstag, 18. Nov. Die Muͤllermeisterin, oder: Die Folgen einer Erbschaft. Gemaͤlde aus dem Leben mit Gesang in 3 Akten, von J. Schickh. Musik von Hebenstreit.

Freitag, 19. Nov. Der Pariser Taugenichts. Lustspiel in 4 Akten, von Dr. Toͤpfer. Hierauf: Der Dachdecker. Komisches Gemaͤlde in 5 Rahmen, von L. Angely.

Marktpreise vom Getraide. Berlin, den 15. November 184ͤ4ͤ4t.

Zu Lande: Roggen 1 Rthlr. 21 Sgr. 3 Pf., auch 1 Rthlr. 17 Sgr. 6 Pf.; große Gerste 1. Rt hlr. 2 Sgr. 6 Pf.: kleine Gerste 1 Rthlr. 2 Sgr. 6 Pf, auch 27 Sgr. 6 Pf.; Hafer 23 Sgr. 9 Pf., auch 21 Sgr. 3 Pf⸗; Erbsen 1 Rthlr. 22 Sgr. 6 Pf., auch 1 Rthlr. 20 Sgr.; Linsen 2 Rthlr. 20 Sgr., auch 2 Rthlr. 18 Sgr.

Zu Wasser: Weizen 3 Rthlr. 16 Sgr. 3 Pf., auch 3 Rthlr 10 Sgr.; Roggen 1 Rthlr. 26 Sgr. 3 Pf., auch 1 Rthlr. 22 Sgr. 6 Pf.; große Gerste 1 Rthlr. 2 Sgr. 60 Pf.; Hafer 22 Sgr. 6 Pf., auch

21 Sgr. 3 Pf. Sonnabend, den 13. November 1841. Das Schock Stroh 9 Rthlr. 10 Sgr., auch 8 Rthlr. 15 S Der Centner Heu 1 Rthlr. 5 Sgr., auch 22 Sgcr.

Verantwortlicher Redacteur Dr. J. W. Zinkeisen

Gedruckt in der Deckerschen Geheimen Ober⸗Hofbuchdruckerei.

Inhalt.

8 8 11““ 8

Amtliche Nachrichten.

NA St. Petersburg. material.

Frankreich. Paris. Die Englische Bank. Angebliches Zu⸗ sammenziehen eines Observations⸗Cocps an der Belgischen Graͤnze. Mad. Laffarge. Vermischtes. Brief aus Paris. MNeue⸗ ster Stand der Verhandlungen mit Belgien. ZI Wahl⸗Reform und das Kabinet vom 29. Oktober; der Prozeß Quenisset; Hal⸗ tung der Opposttion bei bevorstehender Eroͤffnung der Sitzung.)

Grosibritanien und Irlaund. London. Befinden der regieren⸗ den und der verwittweten Koͤnigin. Bischof Alexander’s Ordini⸗ rung. O'Connell als Lord⸗Mayor beim Gottesdienst. Neuer Truppen⸗Commandeur fuͤr die Chinesische Expedition. Elliot’s Ernennung zum General⸗Konsul in Teras. Vermischtes.

Niederlande. Haag. Ernennung des Herrn von Scherff zum Gesandten beim Deutschen Bundestage. Eisenbahn von Mastricht.

Belgien. Bruͤssel. Praͤsidentenwahl der zweiten Kammer. Neue Beschlagnahme von Waffen. 8 8 Dentsche Bundesstaaten. Muͤn chen. Befinden Ihrer Maje⸗ staͤt der verwittweten Koͤnigin. Schreiben aus DOresden. (Kunst⸗ Notizen; Graf Zapary als Magnetiseur.) Schreiben aus Leipzig. (Nachtraͤgliches uͤber das Schillerfest; Musikalisches.) Karls⸗ ruhe. Frequenz in Baden⸗Baden. Ebersdorf. Inspection

des Bundes⸗Kontingents.

Hesterreich. Wien. Der Herzog von Bordeaur.

Spanien. Vermischtes. 8 b

Vereinigte Staaten von Nord⸗Amerikg. England und die Insel Cuba. Guiana's und Venezucla's Graͤnze. Verhaͤltnisse im Musquitolande. Attentat auf Britische Dampfschiffe. Praͤsident von Terxas. 1

Inland. Berlin. Ihre Maj. die verwittwete Koͤnigin von Bayern *†. Breslau. Eroͤffnung des neuen Theaters am Ge⸗ burtstage Ihrer Maj. der Koͤnigin.

Beilage. Landtags⸗Angelegenheiten. Rhein ⸗Provinz. Denkschriften zu dem Landtags⸗Abschiede der Rhein⸗Provinzen.

Waldbraͤnde. Reues

Amtliche Nachrichten. Kronik des Tages.

2 .Majestaͤt der Koͤnig haben Allergnaͤdigst geruht: Dem Kurhessischen Staatsrath Koch den Rothen Adler⸗Orden zweiter Klasse mit dem Stern; dem Kurhessischen Geheimen Legations⸗ Rath, Freiherrn von Meysenbug, und dem Kurhessischen Fi⸗ nanzrath Duysing, so wie dem Koͤnigl. Wuͤrttembergischen Fi⸗ nanz⸗Rath Vayhinger den Rothen Adler-⸗Orden dritter Klasse zu verleihen.

Bei der am 15ten und 16ten d. M. fortgesetzten Ziehung der 5ten Klasse S84ster Koͤnigl. Klassen⸗Lotterie fiel 1 Gewinn von 5000 Rthlr. auf Nr. 26,265 nach Sagan bei Wiesenthal; 6 Ge⸗ winne zu 2000 Rthlr. fielen auf Nr. 7611. 38,773. 48,840. 70,826. 90,433 und 1006,614 in Berlin bei Borchardt und bei Seeger, nach Breslau bei Holschau, Coͤln bei Krauß, Koͤnigsberg in Pr. bei Samter und nach Stralsund bei Claussen; 43 Gewinne zu 1000 Rthlr. auf Nr. 332. 1218. G 11,416. 19,626. 21,627. 28,248. 125. 35,887. 37,696. 37,953. 39,488. 40,748. 46,408. 46,691. 4 401. 49,364. 52,394. 5,296. 58,926. 64,483. 65,589. 66,943. 71,038. 72,423. 73,19 1,002. 80,248. 85,816. 89,070. 94,423. 96,742. 97,649. 99,756. 101,425. 106,365. 107,960 und 108,743 in Berlin bei Alevin, bei Aron jun., bei Burg, bei Matzdorf, 2mal bei Mestag, bei Moser, bei Securius und 5mal bei Seeger, nach Brandenburg bei Lazarus, Breslau bei Cohn, bei Gerstenberg und 5mal bei Schreiber, Brieg bei Boͤhm, Duͤsseldorf bei Spatz, Glatz bei Braun, Halberstadt bei Sußmann, Halle bei Lehmann, Juͤterbogk bei Gestewitz, Koͤ⸗ nigsberg in Pr. 2mal bei Borchardt, Liegnitz 2mal bei Leitgebel, Memel bei Kaufmann, Minden bei Wolfers, Muͤnster bei Wind⸗ muͤller, Naumburg bei Kayser, Posen bei Bielefeld, Potsdam 2mal bei Hiller, Sagan bei Wiesenthal, Stettin 2mal bei Wils⸗ nach und nach Stolpe 2mal bei Pflughaupt; 57 Gewinne zu 500 Rthlr. auf Nr. 1144. 3192. 3492. 3832. 4279. 4699. 5682. 7017. 14,109. 27,862. 29,130. 29,959. 30,757. 32,243. 17 33,250. 37,070. 37,618. 37,728. 38,869. 40,832. 43,251. 45, 48,104. 53,379. 54,335. 54,725. 55,279. 56,707. 57,012. 61,174. 61,804. 63,681. 64,641. 65,790. 68,784. 73,083. 75,015. 78,183. 80,496. 81,956. 82,052. 84,487. 85,441. 89,300. 91,500. 91,711.

31,214. 33,125

7

292 7

92,776. 93,611. 93,819. 94,112. 94,936. 91,983. 95,443. 101,919. 108,663 und 109,791 in Berlin bei Alevin, bei Aron jun., bei Borchardt, 2mal bei Burg, bei Israel und 6mal bei Seeger, nach Barmen 4mal bei Holzschuher, Breslau bei Cohn, 2mal bei Holschau, bei Lowenstein und 5mal bei Schreiber, Bunzlau bei Appun, Coͤln bei Krauß und bei Reimboldt, Danzig Zmal bei Rotzoll, Glatz bei Braun, Glogau bei Levysohn, Hagen bei Roͤ⸗ sener, Koͤnigsberg in Pr. bei Friedmann und bei Heygster, Kro⸗ toschin 2mal hei Albu, Landsberg a. d. W. bei Borchardt, Mag⸗ deburg bei Buͤchting, Mansfeld bei Schüͤnemann, Marienwerder 2mal bei Schroͤder, Merseburg bei Kieselbach, Minden bei Wol⸗ fers, Reisse 2mal bei Jaͤkel, Nordhausen bei Schlichteweg, Posen bei Pulvermacher, Potsdam bei Hiller, Ratibor bei Samojeé, Reichenbach bei Parisien, Stettin bei Rolin, Trier 2mal bei Gall, Waldenburg bei Schuͤtzenhofer und nach Zeitz bei Zuͤrn; 86 Ge⸗ winne zu 200 Rthlr. auf Nr. 158. 310. 1596. 2110. 2122. 4100. 4566. 6278. 6957. 7000. 7489. 8311. 8341. 8804. 8944. 12,047. 12,383. 13,586. 16,171. 16,735. 17,655, 19,075. 20,179. 22,607. 26,200. 26,376. 26,873. 33,696. 37,080. 38,840. 39,285. 40,021. 44,426. 45,613. 50,185. 52,098. 52,447. 53,191. 53,418. 54,395. 55,222. 58,239. 58,468. 60,693. 61,632. 62,237. 65,839. 68,218. 69,250. 70,081. 71,822. 72,210. 75,218. 76,733. 76,854. 77,491. 77,889. 78,461. 78,994. 81,001. 82,8411. 84,106. 84,917. 84,926. 85,648. 89,000. 91,535. 91,848. 92,608.

O5 A40 27,542. 4 4 19,254. 5

57 ;264.

3431. 4468. 4963. 6476. 7491.

Donnerstag den 1'8ten

93,601. 94,199. 96,115.96,478. 98,423. 100,877. 101,0741. 101,174. 103,830. 104,200, 105,095. 108,150. 108,170 und 111,514.

Die Ziehung wird fortgesetzt. 8

Berlin, den 17. November 1841. Koͤnigl. Preußische General⸗Lotterie⸗ Direction.

Angekommen: Se. Erlaucht der Graf von Waldbott⸗ Bassenheim, von Leipzig.

Der Erb⸗Truchseß der Kurmark Brandenburg, von Graͤ⸗ wenitz, von Perleberg.

Abgereist: Se. Excellenz der General⸗Lieutenant und kom⸗ mandirende General des 2ten Armee-Corps, Graf zu Dohna, nach Stettin. b

Se. Excellenz der General-Lieutenant und kommandirende General des IZten Armee-Corps, von Weyrach, nach Frank⸗ surt g. d. O.

Der Hof-Jaͤgermeister, Graf von Kleist vom Loß, nach Werchau.

Der außerordentliche Gesandte und bevollmaͤchtigte Minister der Vereinigten Staaten von Nord⸗Amerika, Henry Wheaton, nach Paris.

Ausland. 1u“ Rußland und Polen.

St. Petersburg, 11. Nov. Der General der Infanterie, Graf Toll, ist von einer laͤngeren Urlaubsreise zuruͤckgekehrt und hat wiederum die obere Leitung des Departements fuͤr die oͤffent⸗ lichen Arbeiten uͤbernommen.

Der Oberst vom Ingenieur⸗Corps, Sobolewsky, der durch mehrere Entdeckungen im Gebiete der Naturwissenschaft und der Technologie ruͤhmlich bekannt, ist am 5ten d. M. ploͤtzlich mit Tode abgegangen. 8

Die MoskauerZeitung meldet, im Departement Kostroma habe im letzten Sommer eine so außerordentliche Hitze geherrscht, daß dadurch mehrere bedeutende Waldbraͤnde entstanden seyen, die noch bis gegen Ende des September gedauert und erst aufgehoͤrt haͤtten, nachdem der erste Schnee gefallen

Professor Schmalz in Dorpat hat in gleicher Weise wie Herr von Weschniakow ein Brennmaterial erfunden, welches in einem großen Theile von Rußland wohlfeiler als die Steinkohle herzustellen und mehr spezifischen Brennstoff enthaͤlt, als diese. Er hat zweierlei Arten zusammengesetzt, welche er Carboléin und Humolüin nennt. 8

Frankreich. 8

Paris, 12. Nov. Der Koͤnig und die Koͤnigliche Familie haben heute St. Cloud verlassen und die Winter⸗Residenz in den Tuilerieen bezogen.

Das Gesuch wegen eines Darlehns von 50 Millionen Fr. bei der Franzoͤsischen Bank noch nicht auf foͤrmliche Weise on Seiten der Bank von England eingegangen; aber der Chef ines der ersten Londoner Haͤuser, und der zu gleicher Zeit einer der Direktoren der Englischen Bank ist, befindet sich in diesem Augenblick in Paris, um, wie es heißt, die Unterhandlungen zu erbffnen und sich im Voraus einer guͤnstigen Antwort zu ver⸗ versichern, ehe der foͤrmliche Antrag gestellt wird. Man fuͤgt hinzu, daß die Erklaͤrungen des Grafen d'Argout und der Mitglieder des hiesigen Bank⸗Conseils bis jetzt nicht sehr guͤnstig lauteten.

Das in Lille erscheinende EScho du Nord enthaͤlt Folgendes: Es sind hier so eben Befehle eingegangen, um ein Observations⸗ Corps von 20,000 Mann Infanterie, Kavallerie und Artillerie wischen Lille und Valenciennes zu konzentriren. Der General, Graf Corbineau, soll den Ober⸗Befehl erhalten, und die Generale Bro und l'Etard werden als Brigade⸗Chefs genannt. Die Ent⸗ eckung einer Orangistischen Verschwoͤrung in Belgien wird als ine der Ursachen der Truppen⸗Konzentrirung an der Belgischen

raͤnze angegeben.“ (In Paris wird an der Authentizitaͤt dieser Nachricht gezweifelt.)

Der Cassationshof hat gestern sein definitives Urtheil in Saͤ⸗ chen Marie Capelle's gefaͤllt. Das Cassations⸗Gesuch dersel⸗ ben ward, nachdem alle Gruͤnde ihres Vertheidigers von dem General⸗Advokaten widerlegt worden waren, verworfen und das Urtheil des Tribunals von Tulle bestaͤtigt. Somit ist die letzte Instanz in diesem Prozesse, der die Augen der Welt auf sich ge⸗ zogen hat, erschoͤpft, und Marie Capelle betritt ihren ewigen Ker— ker. Die öffentliche Meinung, die ihr anfaͤnglich guͤnstig war, hat sich gaͤnzlich zu ihrem Nachtheil geaͤndert; aber fuͤr Jeden, der da weiß, ein wie schwankendes Ding es um die öoͤffentliche Meinung ist, liegt in dem Umspringen derselben bei weitem noch nicht der vollguͤltige Beweis fuͤr ihre Schuld. Wer den Prozeß in allen seinen Theilen genau verfolgt hat, dem bleibt noch manches Raͤthsel ungelost. Aus Tulle schreibt man vom 8ten d.: „Seit den letzten Debatten hinsichtlich des Diamanten⸗ Prozesses war Marie Capelle in Vergessenheit gerathen. Man beschaͤftigte sich hier nicht mehr mit ihr; ihre Memoiren, durch welche sie die oͤffentliche Meinung wieder zu ihren Gun⸗ sten anzuregen hoffte, sind bei uns faͤst gar nicht gelesen worden. Seit einiger Zeit sprach man von der baldigen Trans⸗ portirung der Ungluͤcklichen nach einem Central⸗Gefaͤngnisse. Im Laufe des gestrigen Tages erfuhr man, daß dem Praͤfekten von Paris aus der Befehl zugegangen sey, Marie Capelle nach dem Eentral⸗Gefaͤngnisse von Montpellier bringen zu lassen. Die Wittwe Laffarge ward sogleich von dem Obersten der Gendar⸗ merie benachrichtigt, daß sie heute nach ihrem neuen Aufenthalts⸗ ort abgefuͤhrt werden wuͤrde. Sie empfing diesen Befehl anfaͤng⸗ lich mit Fassung; aber lange konnte sie ihre Erschuͤtterung nicht verbergen. Sie legte sich zu Bette, ließ ihren Arzt rufen und Anstalten zu ihrer Abreise treffen. Ihr Advokat, ihr Kurator

und Klementine Servat, ihre Kammerjungfer, uͤbernahmen diese Sorge. Marie Capelle brachte die letzten Augenblicke ihres Au enthaltes in dem Tuller Gefaͤngnisse damit zu, um an den Ge⸗ neral⸗Prokurator und ihre Familie zu schreiben. Die Abreise sollte heute fruͤh um 8 Uhr stattfinden; da aber Madame Laffarge sehr unwohl geworden war, so ward dieselbe um einige Stunden verschoben. Um 3Uhr Nachmittags fuhr eine mit drei Postpferden bespannte Ka⸗ lesche bei dem Haupt-⸗Eingange des Gefaͤngnisses vor, woselbst sich bald eine große Menschenmenge versammelte. Nach Verlauf einer halben Stunde stieg Marie Capelle, schwarz gekleidet und in einen Mantel gehuͤllt, in den Wagen, begleitet von ihrer treuen Kle⸗ mentine und von zwei Gendarmen. In der versammelten Menge herrschte tiefes Schweigen, und der Wagen schlug den Weg nach

Toulouse ein. Man erzaͤhlt sich, daß ihre letzten Worte in unse⸗

rem Gefaͤngnisse nur die Wiederholung ihrer Recriminationen ge⸗ gen die Jury und die Richter, die sie verurtheilt haben, gewesen sind. Als sie beim Abschiede ihrem Kurator die Hand reichte, soll sie zu ihm gesagt haben: „Ich werde uͤber die Schaͤndlichen, welche sich gegen die unschuldig Verurtheilte verbuͤndet haben, zu triumphiren wissen. Der Tag wird kommen, wo meine Unschuld zur Schmach meiner Henker aller Welt klar werden wird.“ Sie hat vor ihrer Abreise ihrem Advokaten das Manuskript des drit⸗ ten und letzten Theiles ihrer Memoiren uͤberreicht.“

Mehrere Journale melden, daß eine gemeinschaftlich von den Herren Arago, J. Favre, Ledru-⸗Rollin, Ploque und St. Amand abgefaßte Consultation gegen die Behandlung protestire, der die politischen Gefangenen auf dem Mont St. Michel unterworfen waͤren. Die genannten Rechtsgelehrten erklaͤren, daß die fort⸗ dauernde Anwendung des Cellular-Systems auf jene politischen Gefangenen eine offenbare Verletzung des Gesetzes sey, und daß der Direktor des genannten Gefaͤngnisses durch die mehrmonat⸗ liche Verlaͤngerung einer solchen Strafe die ihm zustehende Ge⸗ walt gemißbraucht habe. Die Herren Marie, Berryer und Odi⸗ lon Barrot haͤtten sich jener Protestation angeschlossen, und die Frage wuͤrde ohne Zweifel vor die Kammern gebracht werden, wo die beiden letztgenannten Deputirten die Gruͤnde ihres Gut⸗ achtens auseinandersetzen wuͤrden.

Die waͤhrend der letzten Unruhen in Toulouse aufgeloste Mu⸗ nizipal⸗Verwaltung ist bei den kuͤrzlich stattgehabten neuen Wah⸗ len vollstaͤndig wieder ernannt worden. Man glaubt, daß die Re⸗ gierung von ihrem Rechte, den neuen Munizipal⸗Rath abermals aufzulbsen, Gebrauch machen werde.

Gestern kamen Herr Deffaudis als Repraͤsentant Frankreichs und der Graf Lehon, als Belgischer Kommissarius, im Hotel des Ministers der auswaͤrtigen Angelegenheiten zusammen, und be⸗ gannen in Anwesenheit des Herrn Guizot die Praͤliminarien wegen des projektirten Handels⸗Vertrages zwischen den beiden Nationen.

Nach einem Privatschreiben aus London waͤre der Befehl nach Malta abgeschickt worden, neue Truppen nach Syrien zu schicken, um die Maroniten zu bekaͤmpfen, welche sich nicht unter⸗ werfen wollen, und von denen die Englaͤnder fast unter den Ka— nonen von Beirut angegriffen wuͤrden.

Die hiesige Polizei laͤßt jetzt, wie man vernimmt, alle gefaͤhr⸗ lichen Verbrecher, die ihr in die Haͤnde fallen, daguerreotypiren, und fuͤgt den sie betreffenden Aktenstuͤcken ihre Portraits hinzu. Wenn nun einer jener Verbrecher freigelassen wird oder entwischt, so wird saͤmmtlichen Polizei⸗Agenten das Portrait gezeigt, die dann einen wirklichen Eindruck von den Gesichtszuͤgen der betreffenden Person empfangen.

Es scheint gewiß, daß der Herzog und die Herzogin von Ne⸗ mours naͤchsten Januar eine Reise nach Deutschland antreten werden. Wie es heißt, wuͤrden auch der Herzog und die Herzo— gin von Orleans naͤchstes Jahr eine Reise nach Deutschland machen.

Marie Christine soll sehr unwohl seyn und selbst ihre ver trautesten Freunde nicht vor sich lassen.

Der Christinische General Concha ist von Marseille durch Bayonne gekommen. Er begiebt sich nach Macon.

Der Freiherr Alexander von Humboldt hat vorgestern Pari verlassen, um nach Berlin zuruͤckzukehren.

Boͤrse vom 12. November. Die Franzoͤsischen Renten waren diesen Morgen auf der kleinen Boͤrse des Café de Paris stark angeboten, die Zproc. Rente sank auf 80. 22 ½.,. Man ver⸗ breitete das Geruͤcht, die Regierung habe sehr unguͤnstige Nach⸗ richt aus Algier erhalten, und man wuͤrde genoͤthigt seyn, Trup⸗ pen⸗Verstaͤrkungen dahin zu senden. An der Boͤrse zeigten sich jsedoch die Spekulanten wieder beruhigter, und die Course hoben sich wieder etwas.

S Paris, 10. Nov. Die Unterhandlungen zwischen Frank⸗ reich und Belgien wegen Abschluß eines Handels⸗Vertrages sind wirklich von neuem aufgenommen worden, und gestern noch haben die beiderseitigen Commissaire eine mehrstuͤndige Sitzung im Hotel der auswaͤrtigen Angelegenheiten gehalten. Ob diese Unterhand⸗ lungen jetzt, nachdem die einzelnen Fragen naͤher studirt worden sind, ein besseres Resultat als die vorigen haben werden, ist noch sehr problematisch. Die Franzoͤsische Regierung, welche die Wichtigkeit dieses Vertrages in politischer Beziehung voll⸗ kommen begreift, waͤre ihrerseits bereit, alle nur ihr moͤg⸗ lichen Zugestaͤndnisse zu machen, um eine Annaͤherung zwischen Belgien und Deutschland zu verhindern. An der Spitze der Opposition, welche man jetzt gegen den fraglichen Han⸗ dels⸗Vertrag zwischen Frankreich und Belgien zu orga⸗ nisiren beschaͤftigt ist, steht Herr Thiers, und es könnte wohl seyn, daß es ihr gelaͤnge, die deshalb gepflogenen Unterhand⸗ lungen gleichfalls zu vereiteln. Herr Thiers ist bekanntlich der Haupt⸗Verfechter des Franzoͤsischen Prohibitiv⸗Systems, urid als solchem ist es ihm leicht, alle Fabrikanten, Bergwerks⸗Inhaber und andere Industrie⸗Maͤnner, womit leider die Deputirten⸗ Kammer uͤbervoͤlkert ist, um sich zu sammeln und auf 28 bce seinen durch die Mißgriffe der Verwaltung vom 1. w- ö, nen Einfluß in der Kammer wieder zu gewinnen. an 89 cherlich gefunden, daß General Bugeaud vor zwel Jahren in d - Kammer ausrief, er werde lieber 100,000 Kosaken als einen ein⸗