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8 lassen. Man nehme jeden einzelnen Deputirten, der irgend einen
Handels⸗ oder Industriezweig betreibt, und man wird Fon .
ganz bestimmt die nämliche Antwort wie von General 2 Sgen
erhalten, sobald es sich darum handelt, einem einzigen Arti 1
. 8 ie in F eich eine Zoll⸗Verminderung zu ge⸗
fremder Industrie in Frankreich eine Zoll⸗Bermn 59 8 99 waͤhren. Das oͤffentliche Wohl dem Privat⸗ Interesse unte üen, ist in der Franzoͤsischen Deputirten⸗Kammer so “ den, daß jeder Partei⸗Chef nur noch diese Saite bert * 86 er die Deputirten fuͤr seine eigenen Zwecke will. 88 hat Herr Thiers mit der Schaͤrfe seines Geistes sogle “ der abzuschließende Handels⸗Vertrag zwischen Frankreich und Bel⸗ gien die Privat⸗Interessen zu vieler
Deputirten beeintraͤchtigt, als daß sich diese nicht mit ihm
zigen Deutschen Mastochsen die Franzoͤsische Graͤnze uͤberschreiten
zum vrn; en vwur⸗ vom Süöeö er welches diesen Vertrag in Vorschlag brachte, vereini⸗ 8 “ . der Deputirten⸗Kammer lassen kaum einen Zweifel uͤbrig, daß Herr Thiers ziemlich richtig gerech⸗ net hat. Herr Guizot, der seinen Ne benbuhler immerfort im Auge behaͤlt und eben so gut als dieser die Deputirten⸗Kammer kennt, er⸗ kannte seinerseits, daß der Handels⸗Vertrag mit Belgien der wunde
Fleck des Kabinets vom 29. Oktober seyn wuͤrde, und deshalb scheint er die Hoffnung aufgegeben zu haben, die Unterhandlungen zu ei⸗
nem erwuͤnschten Endresultat zu fuͤhren. Er sieht sich genoͤthigt, der Belgischen Industrie, die in Deutschland groͤßere Handels⸗ Vortheile finden kann, weit geringere Zugestaͤndnisse zu machen, als er anfangs meinte. Persoͤnlich befindet sich Herr Guizot in einer nicht geringen Verlegenheit. Als Deputirter von Lisieux, dem vorzuͤglichen Sitz der Leinwandhaͤndler der Normandie, kann r die Beschwerden dieser Leute, welche in der Zulassung der Belgischen Leinwand und Garnfabrikate den Untergang ihres Han⸗ dels erblicken, nicht zuruͤckweisen. Die Ermaͤßigung des Einfuhr⸗ zolles hierauf ist aber eine Hauptbedingung Belgiens. Wohl schwerlich wird es dem Herrn Guizot gelingen, sich aus diesem Dilemma zu ziehen, und da nach dem Recht der Selbsterhal⸗ tung das Kabinet eher auf seine eigene Existenz, als auf den Ab⸗ schluß eines Handels⸗Vertrages bedacht ist, so laͤßt sich schon jetzt mit ziemlicher Gewißheit annehmen, daß die schwebenden Un⸗ terhandlungen schwerlich den beabsichtigten Erfolg haben duͤrften.
*, Paris, 11. Nov. Herr Guizot hat seinen Entschluß in Betreff der Wahl⸗Reform gefaßt. Er wird seine Zustimmung dazu geben, daß man den Kreis der Kapazitaͤten erweitere, d. h., daß man die Geschworenen in die Koͤrperschaft der Waͤhler auf— nehme; dadurch wird dieselbe um etwa 18,000 Votirende ver⸗ mehrt, so daß die Gesammtzahl der Waͤhler auf 187,000 bis 188,000 steigt. Hierunter sind jedoch die Waͤhler nicht mitbegrif⸗ fen, welche in Folge des neuen Patent⸗Gesetzes bei der Zaͤhlung das Wahlrecht erlangen.
Der Minister der auswaͤrtigen Angelegenheiten wird gleich⸗ wohl den Antrag bekaͤmpfen, wenn derselbe von der Linken aus— geht, und wird ihn nur annehmen, wenn er von den Centris kommt. Am liebsten waͤre es ihm, wenn diese Frage gar nicht zur Sprache kaͤme und es moͤglich waͤre, die politischen Antraͤge während der Session ganz zu vermeiden. Allein auf eine solche Maͤßigung von Seiten derer, denen nach der Macht geluͤstet, ist nicht zu rechnen; denn schon bereiten sie durch die Presse ihre Angriffe vor, und man wird hoͤchst wahrscheinlich den von Herrn Duvergier de Hauranne vorgezeichneten Feldzugs⸗Plan wenigstens theilweise befolgen. Wenn man sich indeß bereits auf den An⸗ griff vorbereitet, so ist auch die Vertheidigung nicht muͤßig, und die ministeriellen Journale suchen schon jetzt die Reformen oder die angeblichen Reformen als gefaͤhrlich darzustellen, indem sie uns dem Abhange nahe bringen wuͤrden, der zu den kommunistischen Dok— trinen fuͤhre. Diese Gefahr ist, wenn auch nicht illusorisch, doch uͤbertrieben, da ½ der Bevoͤlkerung wesentlich dabei interessirt sind, jene Doktrinen, welche die Moral und den Wohlstand in glei⸗ chem Grade kompromittiren, zuruͤckzuweisen.
Der Prozeß des Quenisset wird den 25sten d. M. beginnen und etwa zehn Tage, d. h. bis zum 6. oder 7. Dezember dauern. Die Kammern werden erst gegen Ende des Monats zusammen⸗ kommen, so daß jenes Ereigniß den Ministern in ihrer Stellung gegenuͤber den Projekten in Betreff der Parlaments⸗ und Wahl⸗ Reform, die von der Linken ausgehen werden, nicht sehr zu stat⸗ ten kommen wird. Man weiß, daß die Kammer in Folge solcher Ereignisse sehr empfaͤnglich, und man kann wohl sagen, sehr leicht zu leiten ist, und wir halten uns uͤberzeugt, daß, wenn man nach dem Attentat des Fieschi die Suspendirung der Charte verlangt haͤtte, die legislative Gewalt darin gewilligt haben wuͤrde. Die September⸗Gesetze, die Gesetze uͤber die Associationen sind uͤbri⸗ gens unter aͤhnlichen Umstaͤnden votirt worden und die Opposition verhielt sich ruhig dabei. Sobald jedoch der erste Schrecken oder die ersten Eindruͤcke voruͤber sind, faͤllt die Kammer in ühre ge⸗ woͤhnliche Haltung zuruͤck und die politischen Gesetz⸗Entwuͤrfe ha⸗ ben weniger Chancen des Erfolgs. Aus dem entgegengesetzten Grunde, d. h., wenn Alles ruhig ist und die Gefahren voruͤber sind, vergroͤßert sich die Opposition und gewinnt an Staͤrke, und selbst die gewoͤhnlich konservativen Maͤnner sind in solchen Augen— blicken der Ausdehnung der politischen Freiheit geneigt. Dieser entgegengesetzte Zustand hat die Nivelleurs und sehr haͤufig auch die Journale der Linken zu der Behauptung veranlaßt, daß die Polizei fuͤr gewisse Beduͤrfnisse Komplotte uͤnd Verschwoͤrungen organisire, um dadurch die Kammern und die National⸗Garde
inzuschuͤchtern.
Herr Guizot hat fuͤr den Kampf, der sich vorbereitet, noch andere Mittel: er wird die Kammer mit einer Menge von Ge⸗ setz⸗Entwuͤrfen uͤber materielle Interessen uͤberschuͤtten; er wird die Aufmerksamkeit der Deputirten auf die öffentlichen Arbeiten, auf die kommerzielle und industrielle Lage des Landes, auf die Nothwendigkeit eines ausgedehnten Eisenbahn⸗Netzes lenken. Diese Plaͤne werden guͤnstig aufgenommen werden und wenn
nicht die Privat⸗Interessen der Deputirten die Harmonie und das Ganze derselben zerstdren, so wird Frankreich sich swohl da⸗ bei befinden, vorausgesetzt, daß es moͤglich ist, das finanzielle Ppreoblem, welches unstreitig einer der schwierigsten Theile des mi⸗ nisteriellen Projekts ist, auf angemessene Weise zu loͤsen. Die Linke fuͤhlt es wohl, daß der Kampf heftig seyn wird; sie weiß besser als irgend Jemand, wie wenig Anklang die extremen Meinungen und Reformen bei der Masse der Nation und selbst der Kammer finden. Aus diesem Grunde werden ihre Antraͤge, wenn sie die Initiative ergreift, von ihren gemaͤßigtesten Mitgliedern ausgehen, die bereits unzweideutige Beweise ihrer An⸗ haͤnglichkeit an die gegenwaͤrtige Ordnung und die gegenwaͤrtigen Institutionen gegeben haben. Indem sie dies Terrain auswaͤhlt, wird sie einer Taktik gehorchen, die sie in der Vergangenheit nicht immer beobachtet hat, wo die verlorenen Posten der Partei oft durch einen einzigen Schlag die scharfsinnigsten Combinationen vernichteten. Aber von heut bis zur naͤchsten Session kann sich noch mancherlei ereignen;
uͤr jetzt g8 Einigkeit, welche niemals sehr groß war, keinesweges her⸗
denn obgleich die Kabinets⸗Mitglieder ihren gegenseitigen Groll bei Seite gelegt haben, so ist
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gestellt, und es bedarf vielleicht nur eines unbedeutenden Umstan⸗ des, um die Antipathieen und somit die Keime zur Aufloͤsung wie⸗
der zu beleben.
Großbritanien und Irland. London, 11. Nov. Es sind doch bis jetzt taͤgliche Buͤlle⸗ tins uͤber das Befinden der Köͤnigin und des jungen Thronerben ausgegeben worden; indeß lauten dieselben vollkommen beruhi⸗ gend; Ihre Majestaͤt und der kleine Prinz befinden sich ganz wohl. Dagegen sind die aus Marlborough⸗House uͤber das Be⸗ finden der verwittweten Koͤnigin eingehenden Berichte nicht von der Art, daß sie die Besorgnisse entfernen koͤnnten, welche ihr be⸗ denklicher Zustand erregt. Das letzte Baͤlletin lautet: „Die Koͤ⸗ Prx Wittwe leidet noch immer an großer Schwaͤche, aber Ihre Majestaͤt ist weniger von Aufregung und Fieber belaͤstigt, als in den letzten zwei Tagen.“ Uieber die Ordinirung des Bischofs Alexander berichten jetzt die hiesigen Zeitungen folgendes Naͤhere: „Am Sonntag, den Iten d., wurde der Geistliche Michael Salamon Alerander von dem Erzbischof von Canterbury, welchem die Bischoͤfe von Lon⸗ don, Rochester und Neu⸗Seeland assistirten, zum Bischof von England und Irland geweiht. Eine beredte Predigt, auf den An⸗ laß passend, wurde dabei von Dro. Mac Call gehalten. Die Ver⸗ sammlung war zahlreicher als man sich seit jemals erinnern kann. Anwesend waren der Preußische Gesandte, Sir Stratford Can⸗ ning, Sir R. H. Inglis, Sir C. Hunter, Dr. Nicholl, der Ge⸗ neral⸗Vikar Sr. Gnaden, Herr F. H. Dyke, der Registrator und viele Andere. Die Koͤnigliche Licenz bezeichnet Syrien, Chaldaͤa, Aegypten und Abyssinien als die Graͤnzen, innerhalb denen der Bischof die Jurisdiction ausuͤben soll. Bekanntlich war der neue Bischof urspruͤnglich von juͤdischem Glauben, trat aber zum Chri— stenthum uͤber. Dies ist die erste Konsekrirung unter der Akte 5 Victoria's Kap. 6.“
In Dublin wohnte vorigen Sonntag Herr O' Connell, als neu ernannter Lord⸗Mayor dieser Stadt, in Begleitung mehrerer Mitglieder des neuen Stadt⸗Raths dem Gottesdienste in der dor⸗ tigen Roͤmisch-katholischen Metropolitan-Kirche bei. Vor dem Eintritt in dieselbe legte er jedoch seine amtliche Kleidung ab, in— dem in der Emancipations-⸗Akte durch eine besondere Bestimmung streng verboten ist, dieselbe in einem katholischen kirchlichen Ge— baͤude zu tragen.
Der General-Major, Lord Saltoun, ist im Begriff, sich nach China zu begeben, wo er als Zweiter im Kommando unter Ge— neral⸗Lieutenant Sir Hugh Gough eintreten wird. Er nimmt das jetzt in Dublin stehende 98ste Regiment und eine Artillerie⸗ Compagnie mit und wird sich vermuthlich in vier oder fuͤnf Wo— chen einschiffen; bei seiner Ankunft in Mauritius soll sich ihm noch das 50ste dort garnisonirende Regiment anschließen. Die ge⸗ sammte Truppenzahl, die mit ihm nach China geht, wird sich dann auf etwa 1500 Mann belaufen.
Capitain Elliot, der von China zuruͤckgekehrt ist, war noch vor Lord Palmerston zum General⸗Konsul in Texas ernannt wor⸗ den, um ihn fuͤr seine Abberusung aus China zu entschaͤdigen. Der Morning Herald wollte nun wissen, daß Graf Aberdeen diese Ernennung annullirt habe oder sie doch annulliren werde. Der Courier aber erklaͤrt diese Behauptung wenigstens fuͤr vor⸗ eilig und versichert, daß bis jetzt an eine solche Maßregel noch nicht gedacht worden; doch, fuͤgt dies Blatt hinzu, sollte Capi— tain Elliot von selbst so viel Schicklichkeitsgefuͤhl haben und auf jene Anstellung Verzicht leisten, um dem Lande doch einige Ge⸗ nugthuung fuͤr sein verkehrtes Benehmen in China geben.
Der neue General-Gouverneur von Kanada, Sir Charles Bagot, ist noch immer nicht abgereist; er wird noch so lange in London verweilen, bis der „Illustrious“ von 74 Kanonen segelfer⸗ tig ist, um ihn an Bord zu nehmen.
Der Globe sagt in seinem Boͤrsen⸗Artikel: „Die ungluͤck⸗ liche Verfaͤlschung der Schatzkammerscheine hat in der City auf mehr als eine Weise viele Unannehmlichkeiten herbeigefuͤhrt. Bis— her hatten viele Banquiers und Kapitalisten den Gebrauch, sich Vorraͤthe von Schatzkammerscheinen zu halten, um damit jede ploͤtzliche Geldforderung bestreiten zu koͤnnen, indem diese Scheine immer sofort in Geld umgewandelt werden konnten. Aber seit jener Verfaͤlschung sind dieselben jetzt keine brauchbare Sicherheit, und man ist daher gezwungen, einen viel groͤßeren Vorrath von Banknoten zu halten, was daher die Wirkung hat, daß diese aus der Circulation gezogen werden, wodurch ein kuͤnstlicher Mangel an Geld entspringt, waͤhrend zu gleicher Zeit die wirkliche Circu⸗ lation von Banknoten zu hohen Preisen steht. Vor einigen Ta— gen fuͤhlte man wegen des zunehmenden Mangels an Geld bei der Diskontirung viele Schwierigkeiten, und Wechsel von erster Sicherheit konnten nur schwierig selbst zu 5 pCt. Zinsen negoziirt werden.“
In der Kron- und Ankertavern wurde am Montag eine oͤffentliche Versammlung zu Ehren des bekannten Chartisten Bron⸗ terre O'Brien gehalten, der 18 Monate im Kastell von Lancaster gesessen hatte. Der Eintritt kostete 2 Pence, und der Saal war ziemlich gefuͤllt. Ein Mann aus der arbeitenden Klasse fuͤhrte den Vorsitz. Nachdem ein Beschluß gefaßt worden, welcher O'Brien's Einkerkerung fuͤr ungerecht und unmenschlich erklaͤrte, nahm dieser, um zu danken, unter lautem Beifallsrufe das Wort, bemerkte aber zugleich, daß er heute Abend die gemeinsame Sache schwer— lich wuͤrdig vertreten koͤnne; er sey naͤmlich sehr angegriffen und schwach, da er in den 45 Tagen seit seiner Freilassung schon 41 öffentlichen Versammlungen beigewohnt und in jeder durchschnitt— lich 3 Stunden lang gesprochen habe. Ueberall sey ihm die erfreu— liche Ueberzeugung geworden, daß der Chartismus, obwohl jetzt himmelweit von jenem der Jahre 1828 und 1829 verschieden, in seinen Bestrebungen nicht nachlasse und ohne wilden Enthusias⸗ mus, ohne Pochen und Prahlen mit physischer Gewalt, entschlos⸗ sen auf das Ziel losgehe, das er erringen muͤsse. Was ihn be— treffe, so habe er nie Verrath gesprochen, sich stets vorsichtig aus- gedruͤckt und sich immer, wenn auch anders denkend, in den Mantel des Gesetzes gehuͤllt; eben darum habe ihn die Regierung als ei⸗ nen gefaͤhrlichen Mann verfolgt. Der Redner kam dann auf die bekannten Klagen und Wuͤnsche der Chartisten und behauptete, daß alles Elend des Volks von der Klassen⸗Legislatur und der schlechten Regierung herruͤhre, und daß alle gesellschaftlichen Uebel— staͤnde in England das Resultat von Parlaments⸗Akten oder des Mangels an Parlaments⸗Akten im Chartistischen Sinne seyen. Sollte er ins Unterhaus kommen — wo er eigentlich schon haͤtte sitzen muͤssen, da er fuͤr Newcastle am Tyne gesetzlich gewaͤhlt worden sey, — so werde er zahlreiche Bills zur Beseitigung der bestehenden Gebrechen vorschlagen und unter anderen eine Bill des Inhalts vorlegen, daß beim Tode jedes Gutsbesitzers seine Laͤndereien an die Nation zuruͤckfallen, jedoch nach ihrem Werthe an die Erben bezahlt werden sollten. Nach dem Schlusse seiner Rede ging die Gesellschaft ruhig auseinander.
Auf den vom Globe der Tory⸗Verwaltung gemachten
Vorwurf wegen Wiederbesetzung der sinekuristischen Gouverneur⸗ stelle der Insel Wight sagt die Times berichtigend, Lord Hey⸗
men, sondern es sey ein bloßer Ehrenposten.
Die Herzogin von Kent besuchte heute fruͤh ihre Koͤnigliche Tochter und kehrte um 12 Uhr zu Fuß aus dem Palast nach Cla⸗ rence⸗House zuruͤck. Im Laufe des Nachmittags wurde Ihre Koͤnigliche Hoheit wieder im Palast erwartet. Prinz Albrecht hat seit der Niederkunft der Koͤnigin ihr Bett kaum verlassen und zeigt die zaͤrtlichste Aufmerksamkeit fuͤr seine Gemahlin.
Gestern um 10 Uhr fuhr der Lord⸗Mayor von London nebst den Sheriffs im Schlosse vor, um sich nach dem Befinden der hohen Woͤchnerin und des Prinzen zu erkundigen.
Die aus China erwartete Thee⸗Zufuhr wird auf 30 Millio⸗ nen Pfd., in einigen Berichten sogar noch hoͤher veranschlagt.
Die Irlaͤndischen Haͤringsmaͤrkte sind in diesem Jahre so uͤberfuͤllt, daß das Faß nur mit 20 bis 22 Sh. bezahlt wird.
Der Minister des Innern, Sir J. Graham, soll einer De⸗ putation von Fabrikanten, welche ihm die Noth des Landes vor⸗ stellte, erklaͤrt haben, daß er entschieden fuͤr die Aufhebung der Korngesetze sey; die Deputation wollte sogar aus seinen Aeuße⸗ rungen den Wink entnehmen, daß sie die Agitation zu diesem Ende nur recht lebhaft betreiben solle. Ein liberales Blatt meint, daß es unter diesen Umstaͤnden, bei der entschiedenen Opposition des Herzogs von Buckingham, des Herrn Knatchbull und ande⸗ rer Kabinets⸗Mitglieder gegen die Korngesetze, etwas Außerordent⸗ liches seyn wuͤrde, wenn die Peelsche Verwaltung in ihrer jetzi⸗
gen Zusammensetzung die naͤchste Parlaments⸗Session uͤberlebe. Der Berichterstatter eines Sonntagsblattes hatte gegen einen Soldaten der Fuͤsilier⸗Garde Klage erhoben, der ihm, als er beim Towerbrande, obwohl zuruͤckgewiesen, mit Gewalt in den inneren Raum eindringen wollte, einen Schlag auf den Kopf versetzte. Die Militair⸗Behoͤrde hat erklaͤrt, daß der Soldat vollkommen Recht gehabt und blos seine Pflicht erfuͤllt habe. Der Tower stehe direkt unter der Autoritaͤt der Koͤnigin, und nur ihr sey der Gouverneur verantwortlich, so daß selbst Lord Hill nicht berechtigt sey, aus eigener Autoritaͤt Zulassung in den Tower zu verlangen, wenn der Gouverneur einen Befehl dagegen erlassen habe.
Im Kanal, wenige Meilen von Penzance, stießen in der Nacht vom 1. auf den 2. November der auf dem Wege von Car⸗ diff nach Altona befindliche, mit Eisen beladene Daͤnische Handels⸗ Schooner „Gibson“ und der von London nach Liverpool segelnde Englische Schooner „Mark Breeds“ auf einander. Das Daͤnische Schiff sank augenblicklich, und von seiner Mannschaft rettete sich nur der Capitain durch einen gluͤcklichen Sprung an Bord des Englischen Fahrzeugs. Letzteres war ebenfalls so beschaͤdigt, daß es in Penzance einlaufen mußte.
Miß Anson, Schwester des Schatzmeisters des Prinzen Al⸗ brecht, ist bei einem Spazierritt im Hyde-Park auf eine schreck— iche Art ums Leben gekommen. Ihr Pferd wurde scheu, ging durch und schleuderte sie mit großer Gewalt zur Erde, dicht vor eine vorbeifahrende Kutsche hin, deren Raͤder ihr uͤber den Hals gingen. Nach wenig Sekunden war sie eine Leiche.
Am 4. November stand ein Diestmaͤdchen, Anne Bulling, die sich von der hohen Blackfriarsbruͤcke in die Themse gestuͤrzt hatte, aber wieder herausgezogen worden war, vor dem Polizeigericht in der Guildhall. Der Magistratsbeamte, Sir Peter Laurie, ließ sie als Verbrecherin in das Kriminal⸗Gefaͤngniß Newgate brin⸗ gen, um vor die Assisen gestellt zu werden; denn, sagte er, da die Selbstentleibung durch Ertraͤnken so Mode geworden, daß seit ei niger Zeit blos auf der Blackfriarsbruͤcke manchmal drei bis vier Faͤlle der Art in einer Nacht vorkaͤmen, und da der Selbstmord so gut ein Verbrechen sey wie der Mord eines Nebenmenschen so thue es noth, ein Exempel zu statuiren. 8
In einer der letzten Sitzungen des Gemeinde-Raths der Stadt Loͤndon uͤberreichten Lord Dudley Stuart, der Dichter Thomas Campbell und andere Mitglieder des literarischen Ver⸗ eins von Polenfreunden eine Petition um Bewilligung der Guildhall zu einem Balle, behufs der Unterstuͤtzung nothleidender Polnischer Fluͤchtlinge. Das Gesuch wurde bewilligt.
8 Der Dechant und das Kapitel von Westminster lassen sich fuͤr die Errichtung von Denkmaͤlern so ungeheure Gebuͤhren bezahlen, daß die Bildhauer daruͤber fortwaͤhrend Klage fuͤhren. So kostet das von Bacon ausgefuͤhrte Monument des Grafen Chatham diesen Kuͤnstler an Gebuͤhren nahe an 700 Pfd. Sterl.
Man schreibt aus Maracaibo in Venezuela, daß einige Englische Truppen die Graͤnze des Britischen Guiana uͤberschritten und ein Fort errichtet haͤtten, woruͤber die Behoͤrden von Vene— zuela sehr ausgebracht seyen.
Niederlande. Aus dem Haag, 13. Nov. Die Hollaͤndischen Blaͤtter enthalten die Nachricht von der Ernennung des bisherigen Lega⸗ tionsraths von Scherff zum Gesandten beim Deutschen Bundes⸗ tage, so wie zum bevollmaͤchtigten Minister bei den Hoͤfen von Kurhessen und Nassau, so wie bei der freien Stadt Frankfurt. In Mastricht werden bereits ernstliche Vorbereitungen getrof⸗ fen, um eine Eisenbahn von dort nach der Preußischen Graͤnze (Aachen) zu Stande zu bringen. Man hofft, dieselbe schon bis zum Jahre 1813 beendigt zu sehen.
Belgien.
Brüssel, 3. Die zweite Kammer hat abermals Herrn Fallon zu ihrem Praͤsidenten erwaͤhlt. Zu Vice-⸗Praͤsidenten sind die Herren Duͤbus und de Behr ernannt. Der Alters⸗Praͤsident, Herr Pirson, ließ sich, bevor er den Praͤsidenten⸗Stuhl verließ, folgendermaßen vernehmen: „Nach meiner Gewohnheit sey es mir auch diesmal wieder verstattet, einige Worte an sie zu richten. Nicht will ich von der beruͤchtigten Verschwoͤrung der leeren Taschen, wie man sie eben so richtig als trivial genannt hat, zu Ihnen sprechen, denn dabei ist keine Gefahr. In der That, wer unter uns kann wohl sagen, daß dieses Ereigniß in seinem Kreise die allerge— ringste Aufregung hervorgebracht. Die ploͤtzliche Bekanntwerdung der unvernuͤnftigen Projekte eines Haufens von Uebelwollenden hat alle Welt in Erstaunen gesetzt und das ist Alles. Aber soll ich offen sa⸗ gen, wo die eigentliche Gefahr zu suchen sey? In dem moͤglichen Man⸗ gel an Uebereinstimmung der drei Zweige der legislativen Macht. Wenn dieses Ungluͤck eintraͤte, glauben Sie, daß es nicht eine gewisse Hoffnung, die vielleicht noch nicht ganz aufgegeben, von neuem erwecken wuͤrde? Es beduͤrfe hierzu nur einer Reihe von Sessionen, wie die vorige. Meine Herren! Alle unsere Kom- mittenten sehen mit Spannung der Eroͤffnung unserer Debatten entgegen. Beweisen wir ihnen, daß sie Unrecht haben, friedenstoͤ⸗ rende Gesinnungen unter uns vorauszusetzen.“
Im Finanz⸗Ministerium, und zwar im Lokale der September⸗ Verwundeten, sind zwanzig Gewehre in Beschlag genommen wor⸗ den, die bei dem Prozesse gegen die Verschworenen als Beweis⸗ stuͤcke dienen werden.
Der General Nypels, Ober⸗Befehlshaber der Bruͤsseler Na⸗ tional⸗Garde, seine beiden Soͤhne, Offiziere im Guiden⸗Regiment,
1“
„ Nov.
tersbury sey allerdings zum Gouverneur und Capitain dieser Insel und ihrer Schloͤsser ernannt, beziehe aber, wie sein Bestallungs⸗ Patent ausdruͤcklich besage, als solcher nicht einen Penny Einkom⸗
Besuche in keiner
1““
1] „ C I 8 01. EEö und mehrere andere Offiziere sind vom Instructions⸗Richter uͤber
mehrere mit dem Komplott zusammenhaͤngende Dinge vernommen worben. “ Deutsche Bundesstaaten. München, 12. Nov. (A. Z.) Se. Majestäͤt der Koͤnig von Preußen verweilt hier in strengem Inkognito. Die ersehnte Ankunft des geliebten Schwiegersohnes scheint auf den Gesund⸗ heitszustand Ihrer Majestaͤt der verwittweten Koͤnigin wohlthaͤtig △ 5 9s% 9 , gewirkt zu haben. Ihre Majestaͤt genoß diese Nacht mehrere Stunden hindurch eines staͤrkenden Schlafes, und das heutige Bulletin lautet erfreulich. Ob der Preußische Monarch diesen Abend, wie man hofft, in der Oper erscheinen wird, duͤrfte zwei⸗ felhaft seyn, wie auch der Tag der Abreise der Preußischen Herr⸗ schaften bis jetzt nicht bestimmt ist. JI In den letzten Tagen sind wieder zwei neue Geschichts⸗Tha⸗ ler aus der hiesigen Koͤniglichen Muͤnzstätte hervorgegangen, der eine zeigt das Standbild, das voriges Jahr Albrecht Duͤrer in Nuͤrnberg gesetzt ward, und der andere jenes fuͤr Jean Paul, das uͤbermorgen in Bayreuth mit großer Feierlichkeit enthuͤllt wird. Es sind nunmehr 29 solcher Muͤnzen gefertigt, die das Andenken interessanter Begebnisse waͤhrend der, Regierungs⸗Epoche unseres Koͤnigs dem Andenken der Nachwelt uͤberliefern.
X Dresden, 15. Nov. Unsere Bruͤhlsche Terrasse, mit Recht der Lieblingspunkt aller Besucher Dresdens, wird im kuͤnf⸗ tigen Jahre mit einer wichtigen Verbesserung und Verschoͤnerung uͤberraschen. Der bisherige Wirthschofts⸗Pavillon, durch unzweck⸗ maͤßige Einrichtung unbrauchbar und dem jaͤhrlich wachsenden Weise mehr genuͤgend, ist abgetragen worden und wird durch ein großes nach einem sehr geschmackvollen Plane gebautes Haus ersetzt werden, welches bereits zum Mai vollkom⸗ men fertig und in Stand seyn soll. Man arbeitet daher haͤufig bis spaͤt in die Nacht bei Kienkörben, deren Feuer uͤber die Elbe heruͤberleuchtend, von der Bruͤcke aus einen malerischen Anblick gewaͤhrt. ““ 1 Auch an der aͤußeren Ausschmuͤckung des neuen Theater⸗ Gebaͤudes wird noch immer gearbeitet, namentlich sucht man den unvortheilhaften Eindruck, welchen die vielen großen, leeren Felder am oberen Theile des Gebaͤudes machten, nachtraͤglich durch In— schriften und Sinnbilder von S tukkatu r⸗A rbeit zu mindern, welche freilich wegen ihres Widerspruches mit der Soliditaͤt des ganzen Gebaͤudes nicht allgemeinen Weifall findet. Von den Bild⸗ hauer-Arbeiten, welche außen angebracht werden sollen, sind erst die trefflich gelungenen Arbeiten Rietschel's, Schiller und Goͤthe, die halbrunde Haupttreppe einfassend, aufgestellt. An der Auf⸗ stellung selbst hat man wohl nicht mit Unrecht getadelt, daß Schil⸗ ler, welcher den Blick aufwaͤrts gerichtet hat, dadurch, daß er den Platz zur Linken erhalten hat, nicht in das Freie blickt, sondern seine Augen starr auf die ihm zur Rechten stehende Saͤule gehef⸗ tet haͤlt. 1
Die Leistungen der Buͤhne betreffend, so ist das Bestreben, sie in Einklang mit dem schoͤnen Aeußeren zu erhalten, nicht zu verkennen. Das Repertorium ist, etwas zu haͤufige Birch⸗ Pfeiffereien etroa abgerechnet, gut zu nennen, namentlich bringt die Oper woͤchentlich dreimal, auch viermal, manches Gute. Tichatscheck ist durch ein erhoͤhtes Gehalt (2400 Rthlr.), die Zu⸗ sicherung einer lebenslaͤnglichen Pension von 800 Rthlr. nach 8 Jahren und eines jaͤhrlichen mehrmonatlichen Urlaubes unserer Buͤhne erhalten, waͤhrend in Pauli's Abgang, den man wegen seines koͤrperlichen und geistigen Zustaͤndes fuͤr gewiß haͤlt, uns ein nicht leicht zu ersetzender Verlust bevorsteht. Als Gast hoͤrten wir mehrfach den mit vielem Beifall aufgenommenen Barytonisten Herrn Dettmer. den interessanten Fremden, die diesen Winter bei uns zubringen werden, ist der als Magnetiseur ausgezeichnete Ungari⸗ sche Graf Zapary zu bemerken. Zur magnetischen Behandlung eines jungen Maͤdchens aus guter Familie durch einen hiesigen hochgestellten Arzt nach Dresden zu kommen veranlaßt, hat sich bald ein ganzer Kreis verzweifelter Kranken aus den hoͤheren Stäaͤnden in einem von ihm gemietheten Landhause an der Bautzner Straße um ihn versammelt, deren Behandlung er mit der groͤßten Uneigennüͤtzig⸗ keit Zeit und Kraͤfte widmet. Sein Erscheinen hat sogar unsere Gesetzgebung beruͤhrt, indem es das Unzureichende einer erst in diesem Jahre erschienenen Verordnung uͤber magnetische Kuren
herausgestellt und die Veranlassung zu einem auf hoͤchsten Antrag⸗
vom Professor Dr. Choulaut ausgearbeiteten Gesetz⸗Entwurf uͤber diesen Gegenstand gegeben hat. “ 8
Der hiesige praktische Arzt, Dr. Bernhard Hirschel, durch seine literarische Thaͤtigkeit, namentlich sein unter dem Namen Hydria⸗ tica erschienenes Werk uͤber die Kaltwasserkur auch in weiteren Kreisen bekannt, ist von der Gesellschaft der Russischen Aerzte zu St. Petersburg, unter Zusendung eines Diploms in Russischer Sprache, zum korrespondirenden Mitgliede ernannt worden.
2 Leipzig, 15. Nov. Schillers Geburtstag wurde auch dieses Jahr feierlich bei uns begangen. Am Vorabende gab man Don Carlos, wozu R. Heller einen Prolog gedichtet. Am 11. November begann das „Schillerfest“, nachdem schon die Dryade des Rosenthals, wo Schiller das „Lied an die Freude“ dichtete, sich im Tagesblatte poetisch ergossen hatte, mit einem Feste der Schuljugend in Gohlis (wo Don Carlos groͤßtentheils entstand), die da feierlich aufzog und durch Absingung nichtschillerscher Gedichte den Tag feierte, mit ihr vereinigte sich dann ein Zug aus der Stadt, der besonders bezweckte, dem Haͤuschen, das der Verehrte einst in der laͤndlichen Abgeschlossenheit bewohnte, eine Votivtafel zu errichten. Abends war in den Saͤlen des Hotel de Pologne eine Art musikalisch⸗deklamatorische Abend⸗Unterhaltung veranstaltet, wo besonders einige sehr ansprechende Gedichte vor- getragen wurden; hier waren auch einige „Reliquien“ aus des Dichters Nachlaß ausgestellt, eine Weste nebst vielen Handschrif⸗ ten. Das Ganze schloͤß ein Festmahl. — Ist es auch nicht zu leugnen, daß diese Anhaͤnglichkeit der Deutschen an ihre großen Geister etwas Erfreuliches, ja Ruͤhrendes hat, so duͤrfen wir doch nicht verkennen, daß man von Tage zu Tage mehr das Maß zu uͤberschreiten anfaͤngt, daß aus der Verehrung eine Vergoͤtterung wird, ein Wort, das wir an dem Festabende von so manchem Munde als Urtheil hoͤrten. Ob der Aufzug der Bauernkinder, die schwerlich den Sinn des Festes sfaßten, und ihr nach einer Choral⸗Melodie abgesungenes Lied — Mißgriffe waren oder nicht, lassen wir dahin gestellt. Mißgriffe aber waren jedenfalls theils die Art, wie die Reliquien ausgestellt waͤren, theils ihre Wahl. Daß das so Manchem fuͤhlbar geworden, bezeugte das im Tages⸗ blatte erschienene, durchaus nicht witzlose Gedicht, „Shakspeare's Strumpf“ uͤberschrieben.
Das wegen des Schillerfestes auf den Sonnabend (13. No⸗ vember) verlegte 6te Abonnements⸗Konzert begann mit lautem Jubel. Denn Mendelssohn⸗Bartholdy trat an das Dirigentenpult, begruͤßt von Trompeten und Pauken (einem Leipziger Effektstuͤck⸗ chen) und unaufhoͤrlichem Bravorufen. Und es ist gewiß nicht
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Einbildung, wenn wir behaupten, daß uͤber dem Orchester und dem Publikum wieder ein anderer Geist geschwebt, hier sich aͤußernd in gespanntester Aufmerksamkeit, dort in der strengsten Puͤnktlich⸗ keit. Man gab die Ouvertuͤre zu Oberon und Beethoven's 7te Symphonie (Adur); die Auffuͤhrung war wohl im strengsten Sinne der Meisterwerke wuͤrdig. Herr Metzner (Herzogl. Mei⸗ ningscher Kammermusikus) ließ als Violoncellist, obgleich ihm das nun einmal so hergebrachte Beifallszeichen nicht versagt blieb, doch im Ganzen kalt, wovon jedoch ohne allen Zweifel die nicht gluͤck— liche Wahl seiner Konzertstuͤcke (Concertino und Introduction und Variation von Kummer), besonders des ersten, die meiste Schuld Karlsruhe, 12. Nov. Nach der amtlichen Uebersicht uͤber die Frequenz des Kurortes Baden waren dortselbst vom 1. Mai bis 31. Oktober d. J.: Fuͤrstliche Personen mit Gefolge 163, Inlaͤnder 4631, sonstige Deutsche 5178, Ungarn und Boͤhmen N, Englaͤnder 3556, Franzosen 5650, Russen 632, Hollaͤnder 476, Belgier 282, Schweizer 753, Daͤnen 81, Schweden und Norwe⸗ ger 6“ Italiener 178, Spanier 35, Portugiesen 12, Griechen 5, Moldauer 5, Polen 46, aus Amerika 262, aus Asien 6, aus Afrika 8. Im Ganzen 22,089 Individuen; die gebliebenen Win⸗ tergaͤste, so wie die im Monat April schon angekommenen Frem⸗
den nicht mitgerechnet.
— — Ebersdorf, 2. Nov. Die vom Deutschen Bunde dem Bayerischen General-Major Grafen Ysenburg aufgetragene Inspection des dem Fuͤrstlichen Hause Reuß aͤlterer und juͤngerer Linie gemeinschaftlichen Infanterie⸗Bataillons, ist vom 12. bis 15. Oktober d. J. bei Zeulenroda geschehen. Es wurde dieselbe sehr genau mit Pruͤfung aller Details durchgefuͤhrt, dann das Bataillon nebst den Cadres der Reserve in den beiden ersten Taͤ— gen, sowohl in Parade als auf dem Exerzier⸗Platze, inspizirt, und die zwei folgenden Feld⸗Manoͤver ausgefuͤhrt. Alles dies fand von Seiten des Herrn Generals die lobendste Anerkennung, und dies Lob hat unser Militair nicht blos dem Eifer und Dienstkenntniß seiner Offiziere, sondern vorzugsweise Sr. Durchlaucht unserem Fuͤrsten mit zu verdanken, der demselben seine besondere Aufmerk⸗ samkeit widmet.
Hesterreich.
„ 8. Nov. (A. Z.) Der Zustand des Herzogs von hat sich nicht wesentlich gebessert; Fe. Hoheit sieht sich noch immer genoͤthigt, das Bett zu huͤten und die Anlegung der Maschine bei Tag und Nacht zeigt sich wieder als unentbehrlich. Vor dem neuen Jahr kann von der Fortsetzung der Reise nach Goͤrz keine Rede seyn. Der hiesige Franzoͤsische Geschäͤftstraͤger, Marquis von St. Aulaire, soll sich immer genau uͤber den Zu⸗ stand des hohen Kranken unterrichten.
Spanien.
Nach dem Courrier francais haͤtte das Ministerium durch den Telegraphen die Nachricht erhalten, daß in Barceleona die Ruhe wieder hergestellt sey, und der General-Capitain van Ha⸗ len, ohne auf den geringsten Widerstand zu stoßen, die Verwal⸗ tung wieder uͤbernommen habe.
Dem Moniteur parisien wird aus Bayonne mitgetheilt, daß der Partei⸗Chef Leguina verhaftet und auf Befehl Zurbano's erschossen worden ist. Der Brigadier Pezuela, einer der Chefs der in der Nacht vom 7. Oktober in Madrid stattgesundenen Bewegung, hat sich nach Portugal gefluͤchtet. Man versichert, der Stadtrath von Vitoria habe gegen die dieser Stadt aufer⸗ legte Contribution von 2 Millionen Realen protestirt. Die Junta von Valencia hat zu Grundlagen ihres Programmes die Consti— tution von 1837, die Koͤnigin Isabella II. und den Regenten ge⸗ nommen.
Vereinigte Staaten von Nord⸗Amerika.
New⸗York, 20. Okt. Im hiesigen Journal of Com⸗ merce ist von Geruͤchten die Rede, nach denen es Großbrita— niens Absicht waͤre, die Insel Cuba in Besitz zu nehmen. Dieses Blatt selbst haͤlt jedoch dies Gerede fuͤr ganz grundlos. „Aller— dings“, sagt es, „wird Spanien von Großbritanien gedraͤngt, seine Vertrags⸗Verpflichtungen zur Unterdruͤckung des Sklavenhandels zu erfuͤllen, und moͤglich ist es, daß England, falls Spanien die Cubaner nicht zur Vollziehung der Vertrags⸗Vorschriften anhalten will oder kann, selbst den Stock in die Hand nimmt. England weiß aber, daß es die Vereinigten Staaten mit großer Unruhe erfuͤllen muͤßte, Cuba im Besitze einer anderen Macht als Spa— nien zu sehen, und wir glauben daher nicht an einen solchen Eroberungsplan. Wir haben mit den Englaͤndern bereits so manche Streitfragen, daß wir wohl hoffen duͤrfen, deren Zahl nicht vermehrt zu sehen.“ 1
Was die angeblichen Graͤnzstreitigkeiten betrifft, die sich zwi— schen den Britischen Behoͤrden in Guiana und der Regierung von Venezuela erhoben haben sollen, so meint ein hiesiges Blatt,
die Graͤnze zwischen Guiana und Venezuela sey nie genau festge⸗ stellt worden, und jedenfalls scheine es sonderbar, daß ein Gebiets⸗ theil, der noch unlaͤngst bloße Wuͤste gewesen, jetzt schon Gegen- stand des Streites seyn sollte. 1
Der Courrier des Etats Unis zeigt an, daß Capitain Roberts mit der Brigg „Francis“ in 38 Tagen von San Juan de Nicaragua zu New⸗York mit einer Nachricht eingetroffen sey, welche sich auf die fruͤher gemachte Mittheilung beziehe, daß der im Anfange dieses Jahres verstorbene Koͤnig der Musquitos, ei— nes Indianischen Stammes in der Provinz Honduras, sein Koͤ⸗ nigreich der Koͤnigin von England vermacht habe. Nach Capi⸗ tain Roberts Berichten haͤtte naͤmlich Letztere dies Vermaͤchtniß als guͤnstig betrachtet, und am 15. August sey der von ihr er⸗ nannte neue Koͤnig des Musquitos auf einer Englischen Kriegs⸗ brigg und in Begleitung des Englischen Gouverneurs von Beliza zu San Juan eingetroffen, welches innerhalb seines Gebietes liege. Er habe alsbald allen Auslaͤndern befohlen, vor dem 1. Maͤrz 1842 sein Land zu verlassen, und bedrohe die Ungshorsamen mit Englands Rache. Hierauf habe derselbe sich nach Bocotoro, ei⸗ nem anderen Hafen, begeben und dort einen aͤhnlichen Befehl er⸗ lassen. 11 b 1u1““
Ueber den schon erwaͤhnten Versuch, die bei Tschippewa vor Anker liegenden Britischen Dampfschiffe „Toronto“ und „Minos“ zu verbrennen, erfaͤhrt man jetzt, daß derselbe am 17. Oktober, Morgens um 3 Uhr gemacht, jedoch durch die Wachsamkeit der Schildwache, welche schnell Laͤrm erhob, vereitelt wurde. Der zum Zuͤnder bestimmte Brander flog auf, ohne weiteren Schaden zu thun. Die Thaͤter, obwohl sogleich von einem Boote des „Toronto“ verfolgt, entkamen gluͤcklich. Als es hell wurde, fand man dicht am Ufer und nahe bei der Stelle, wo die Explosion stattfand, ein Faß mit 100 Pfund Pulver im Sumpfe stecken. Eine gerichtliche Untersuchung hat die Thaͤter noch nicht ermitteln koͤnnen.
Ein Schreiben aus Texas vom 22. September meldet, daß der General Houston zum zweitenmale zum Praͤsidenten dieser Republik ernannt worden ist.
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19, d.
Berlin, 17. Nov. Wir erhalten so eben aus Muͤnchen auf außerordentlichem Wege die betruͤbende Nachricht, daß Ihre Majestaͤt die verwittwete Koͤnigin Karoline von Bayern am 13ten d. M. Abends 10 Uhr an einer Lungenlaͤhmung verstorben ist.
*Breslau, 14. Nov. Gestern hat die laͤngsterwartete Eroͤffnung und feierliche Einweihung des hiesigen neuen Theater gebaͤudes stattgesunden, nachdem am 11ten das alte, fast 60 Jahre hindurch benutzte Haus geschlossen worden war. Diesen Schluß machten zwei Stuͤcke von Breslauer Dichtern, Schall's „unter⸗ brochene Whistpartie“ und von Holtei's „Wiener in Berlin“. Ein Epilog, in Gegenwart des gesammten Buͤhnen⸗Personals vom Regisseur Wohlbruͤck gesprochen, leitete ein Abschiedslied nach W. Muͤller's Molodie: „So lebe wohl, Du altes Haus“, ein, in welches das ganze Publikum einstimmte.
Der Geburtstag Ihrer Majestaͤt der Koͤnigin bot den wuͤr⸗ digsten Zeitpunkt zur Eroͤffnung des neuen Gebaͤudes, welches eine neue Epoche im hiesigen Kunstleben zu begruͤnden bestimmt ist. Bei der Vertheilung der Eintrittskartenhatte man dankenswerthe Ruͤcksicht auf die zu Gebote stehenden Raͤume genommen und etwa 1600 aus⸗ gegeben, waͤhrend dieselben wohl einige hundert mehr zu fassen vermoͤgen. Sichtbar uͤberrascht war jeder Eintretende von dem heiteren Eindrucke, der ihn empfing, obgleich das Talent von Langhans, bei vielen Gelegenheiten bewaͤhrt, laͤngst hinreichend gekannt ist. Auch wer das Gaͤnstigste erwartete, fuͤhlte diese Er⸗ wartung uͤbertroffen. Wenn bei mehreren Theatern, die kuͤrzlich in Deutschland entstanden sind, Reichthum und blendender Glanz vorherrschen, so sind es hier anmuthige Verhaͤltnisse von echt architek⸗ tonischer Schoͤnheit, welche die Seele in wuͤrdige Stimmung ver⸗ setzen, den Genuß eines Kunstwerkes der Poesie oder Musik zu empfangen. Die Verzierung (weißer Grund, goldene Leisten, rothe Draperte) vermeidet jede Ueberladung und bewahrt die feine Graͤnze des Ebenmaßes. Der Plafond hat einen eleganten Lustre und ist mit einfacher, passender Malerei verziert. Ueber dem Proscenium blicken die Koͤpfe von sieben Deutschen Dichtern und Komponisten herab. Die Saͤulenreihe, welche die Logen des ersten und zweiten Ranges traͤgt, giebt dem ganzen Bau etwas Leicht⸗ emporstrebendes. Die rechts und links von der Buͤhne und die⸗ ser gegenuͤber gelegene Loge sind durch farbige Lampen besonders erhellt. Ueber der letztgenannten befindet sich das Wappen der Stadt. Der Vorhang, von Grepius gemalt, zeigt einfachen Fal⸗ tenwurf. Die Einrichtung eines Foyers, an dessen beiden Seiten Konditorei und Restauration liegen, kann auf den sozialen Zustand der Zuschauerwelt nur um so guͤnstiger wirken, als diese bisher auch nicht im entferntesten etwas Aehnliches hatte. Man gelangt aus dem Foyer auf den Balkon des Hauses, der seine letzte Zier, vier kolossale allegorische Statuen, noch erwartet, so wie das Giebelfeld ein nothwendiges Haut⸗Relief.
Es ist natuͤrlich, daß man auf nichts so gespannt war, als auf die akustischen Eigenthuͤmlichkeiten des Gebaͤudes. Die Musik nun klingt vortrefflich. Der Dialog wird durchaus verstanden, zumal freilich bei enger begraͤnztem Buͤhnenraume, und wenn man bei ganz eroͤffneter Buͤhne, deren Raum von sehr betraͤchtlichen Dimensionen ist, einigen Wiederhall vernahm, so ist noch zu er⸗ mitteln, um wie viel daran Zufaͤlligkeiten Schuld sind. Der Abend wurde mit einer glaͤnzenden Fest⸗Quvertuͤre vom hiesigen Kapellmeister Seidelmaänn eroͤffnet. Der Regisseur Rott⸗ mayer trat vor und sprach den von dem Direktor des Theaters, Baron von Vaerst, verfaßten Prolog; derselbe erinnerte an die beruͤhmte Epoche der hiesigen Buͤhne, wo dieselbe eine Pflanzschule der groͤßten Talente gewesen, und sprach den Wunsch aus, daß, so wie einst bald nach Eroͤssnung des alten Hauses die Deutsche Dichtkunst ihren Glanzpunkt gefeiert habe, auch jetzt die Gaben der Poesie sich reichhaltig einfinden moͤchten; der Dank fuͤr die Gnade Sr. Majestaͤt des Koͤnigs, welcher das Unter⸗ nehmen der Actionaire so huldvoll unterstuͤtzt, und der Ausdruck der Huldigung gegen die erhabene Landesmutter, deren Wiegenfest dieser Tag feiert, schloß die Rede, welche die ganze Versammlung sich zu erheben und Ihro Majestaͤt ein dreifaches Lebehoch darzu⸗ bringen veranlaßte. Der Vorhang siel, und wie aus einem Munde ertoͤnte der Ruf: „Langhans“. Der Kuͤnstler, der unsere Stadt durch schon so manches Bauwerk verschoͤnert hat, erschien unter donnerndem Beifalle, der sich bis zu minutenlanger Dauer wiederholte, als der Regisseur Rottmayer ihn mit einem Lorbeerkranze schmuͤckte. — Es solgte die Darstellung des Goͤthe⸗ schen „Egmont“, nicht nach der Schillerschen Bearbeitung, sondern ganz nach dem Originale und mit der Beethovenschen Musik und neuen trefflichen Decorationen von Gropius, Gerst, Weihwach und Pape. — So ist denn mit der Eroͤffnung des neuen Gebaͤudes ein langjaͤhriger Wunsch Vieler erfuͤllt, und ein Schritt geschehen, der fuͤr die Foͤrderung des aͤsthetischen Sinnes nicht ohne guͤnstige Folgen bleiben wird. 11“
Berichtigung. Im gestr. Bl. d. St. Z., Beilage, S Sp. 3. 12 tt statt; „Inb
Meteorologische Beobachtungen. 16. Nov.
Abeads 10 Uhr.
Morgens
6 Uhr.
Nechmittags 2 Uhr
Nach einmaliger Beobachtung.
328,8 Fkr. 328,15 Par. 329,32 ael quellwärme 8,2°0 R. + 0,80 h. + 2,60 . + 1,39 R. Plusswürme 4,20 R. Thaupunkt ... — 4, 1 0R. on — 2,4° R. Bodenwürme 5,0⁰° R. Dunstsättigung 65 pCt. 80 pCt. 72 pCt. Ausdünstung 0,031, Rh. Wetter heiter. heiter. beiter. Niederschlag 0,041 Rh. Wind AIWw Würmewechsel + 3,1 ˙, Wolkenzug.. — NW. — 0,0.
Tagesmittel: 328,48 Par. +† 1,6° R. — 2 2 ⁰0 h. 72 pct. NW.
Luftdenck ...
Luftwärme ..
Auswärtige Börsen. I 59, 40. 99 ¾.
Peeuss,
1 Amsterdam, 13. OXt. Niederl. wizkl. Sebuld 51 b. Kanz. Eill. 25 10h. 5 % Span. 20 ½,. Paszive —. Ausg. —. Zinsl. Präm. Sehb. —. Ppol. —. Oesterr. —. Neue Aunl. 20 ½ 6.
Antwerpen, 12. Nov. Ziusl. —.