1841 / 321 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

vielleicht dem Herrn Guizot einen Beweis von Anhaͤnglichkeit ge⸗ eben; aber er hat auch bewiesen, daß man in jedem Alter Mangel an Takt zeigen kann, und daß der gewandteste ““

ter eine nationale Politik zu repraͤsentiren haben muß, ““ Worte sinden soll, die von der Nation nicht desavouirt we koͤnnen. veog. se

Briefe aus Algier vom 2ten d. M. melden, daß eEe g.

8ö“ ,e, Strömen niedergieße, so daß Stunden 3 Tagen der Regen in Stroͤmen niedezZasser stehe. Von der lang der untere Theil der Stadt unter 66 Armee des Generals Bugeaud waren an 88 I“ Besorg⸗ Nachrichten eingegangen, und ga fing 116“ nisse in Bezug auf dieselben zu E“ aktioe Schuld . Bd efe e in Folge des Geruͤchts, daß neue Un⸗ bess,in engen Slaͤdten in den Nord⸗Provinzen Spaniens aus⸗ gebrochen waͤren.

* Paris, 13. Nov. Die Differenz, welche in unserem Kabinet in Bezug auf die Entwaffnungs⸗Frage der Flotte herrscht. ist schon mehrmals erwaͤhnt worden. Das Jou rnal des Dée⸗ bats, welches das Kabinet zwar stuͤtzt, aber oftmals hoͤherem Willen unterworfen ist, hat, den dringenden Forderungen Englands widersetzend, mehrmals gegen die Entwaffnung der groͤßeren Schiffe das Wort erhoben, waͤhrend die Piesfe. set einiger Zeit das bestimmte Organ des Kabinets, sich in diesem Punkte in den Willen Englands fuͤgte und nur auf Mittel zu sinnen schien, um der oͤffentlichen Meinung begreiflich zu machen, daß jener Akt, die Entwaffnung der groͤßeren Schiffe, keinesweges zu einer Ver⸗ ringerung der Franzoͤsischen Seemacht fuͤhre. Als daher unlaͤngst eine große Anzahl gedienter, also im Seedienst erfahrener, Ma⸗ trosen verabschiedet und durch neu ausgehobene ersetzt wurde, rechtfertigte die Presse diese Maßregel, während das Journal des Débats daruͤber schwieg. Man ist daher auf die Vermu⸗ thung gekommen, daß man gerade in der Entwaffnungs⸗Frage der Flotte hoͤheren Ortes eine von dem Ministerium verschiedene Mei⸗ nung hege. Es sind naͤmlich nicht die Zustaͤnde im Mittellaͤndischen Meere, welche, England gegenuͤber, die Erhaltung der Flotte noͤthig machen, sondern die Aussicht auf einen etwaigen Krieg, der zwischen England und den Vereinigten Staaten ausbrechen könnte. Einen Beleg dazu giebt heute das Journal la Patrie, welches den Seereisen des Herzogs von Joinville, und besonders seinem Aufenthalte in Nord⸗Amerika, noch eine besondere Mission beilegt, weil, nach der Meinung des genannten Blattes, der Prinz in die⸗ sem Punkte zuverlaͤssiger und unparteiischer seyn wuͤrde, als jeder andere Agent des gegenwaͤrtigen, der Englischen Politik so befreun⸗ deten Kabinets. Der Chef der Expedition nach St. Helena soll sich seiner Mission vortrefflich entledigt haben, und, nach seinem Bericht, waͤren die Freistaaten vollkommen geruͤstet, um einen Krieg mit England nicht bestehen zu koͤnnen.

Großbritanien und Irland.

London, 13. Nov. Die Buͤlletins uͤber das Befinden der regierenden Konigin und des jungen Prinzen einerseits und oͤber das der verwittweten Koͤnigin andererseits dauern fort. Das erste aus dem Buckingham⸗Palast, von gestern Vormittag, lautet: „Die Koͤnigin hat vollkommen gut geschlafen. Das Befinden Ihrer Majestaͤt und des jungen Prinzen ist sortwaͤhrend hoͤchst guͤnstig. Das andere, aus Sudbury⸗Hall, wo die verwittwete Koͤnigin residirt, von vorgestern, besagt: „Die Koͤnigin⸗Wittwe hat in der verflossenen Nacht etwas geschlafen und weniger ge⸗ hustet; Ihre Majestaͤt hat kein Fieber.“ Nach dem Globe waͤre keine Hoffnung mehr fuͤr die Genesung der verwittweten Koͤnigin, und man haͤtte ihrem Hinscheiden taͤglich entgegenzusehen, da die Lungenschwindsucht, an welcher sie leide, bereits die staͤrksten Fort— schritte gemacht habe. Als der Koͤnigin Adelaide die Nachricht von der Geburt eines Thronfolgers und von dem Wohlbefinden der hohen Woͤchnerin und ihres Kindes gemeldet wurde, bezeigte Ihre Majestaͤt, so schwach sie war, die lebhafteste Freude; sie befahl, daß man dem Boten, der ihr die Kunde uͤberbracht hatte, sofort ein Ge— schenk von 100 Pfd. einhaͤndigen solle, ließ sich dann im Bett aufrichten und schrieb ein paar gluͤckwuͤnschende Zeilen an den Prinzen Albrecht und an die Herzogin von Kent. Nach dem Buckingham⸗Palast stroͤmt fortwaͤhrend die ganze vornehme Welt, um sich nach dem Befinden der Königin und ihres Sohnes zu erkundigen. Der kleine Prinz soll in jeder Hinsicht ein eben so stark und huͤbsch gebildetes Kind seyn, als Georg IV. es war, der schon in seinem dritten Jahre von den Bildhauern als Modell fruͤher Schoͤnheit gewaͤhlt wurde. Der Thronfolger ist berechtigt, bereits als Knabe eine Hofhaltung zu fuͤhren, wie denn auch Georg IV. mit neun Jahren in Umge⸗ bung seines Hofstaͤats im Palaste erschien.

Die Vorsehung, sagt die Times aus Anlaß der Geburt des Thronerben, habe die Hoffnungen der ganzen Nation erfuͤllt und derselben die staͤrkste Garantie geben wollen fuͤr die Erhaltung der zahllosen Vortheile, die in der Regierungsform laͤgen, unter wel⸗ cher zu leben England das Gluͤck habe. Nachdem sie dann die Allmacht gepriesen, welche nicht allein die Fortdauer des Briti⸗ schen Thrones, sondern auch die der jetzigen Koͤniglichen Familie gesichert habe, ruͤhmet sie die Fuͤrsten und Fuͤrstinnen derelben, die allzeit beflissen gewesen seyen, die Freiheiten und Rechte des Ge⸗ meinwesens zu befestigen und auszudehnen. Vor Allem aber ruͤhmt das genannte Blatt die Handlungsweise der Königin Victoria, die bei 11“”“ denjenigen Rathgebern, die das Volk auf dem Wege der Verfassung ihrem Vorgaͤnger zur Seite gestellt, unbedingtes Vertrauen geschenkt habe. So wie das Parlament indessen die Erklaͤrung abgegeben, daß diese Minister das Ver⸗ trauen des Landes verloren haͤtten, habe Ihre Majestaͤt ihr Vertrauen sofort und unbedingt an Andere uͤbertragen, welche die Volksstimme ihr bezeichnet, und keine besondere Meinungen, keine Parteilichkeit, weder zum Vortheile noch zum Nachtheile, haͤtten die Koͤnigin von ihrer Pflicht abbringen koͤnnen. Nach ei⸗ ner solchen Erfahrung muͤsse die Freude allgemein und jeder neue Sproͤßling 92 Koͤniglichen Hauses um so mehr eine Garantie seyn fuͤr die Erhaltung der Ruhe, Ordnung, Freiheit und Bluͤthe des Britischen Reichs. Herz und Geist dieser Sproͤßlinge wuͤr⸗ den dereinst nach einem Muster gebildet werden, welches sowohl im Privat⸗ als im öͤffentlichen Leben alle Eigenschaften darbiete, die ein aufrichtiger Vaterlandsfreund wuͤnschen könne. Reiner und weiblicher als Elisabeth, kraͤftiger von Geist und Khniglicher als Anna, werde Victoria ihren Kindern mit einem Charakter vorleuchten, der hoffentlich nimmer unter den kommenden Geschlech⸗ tern Englischer Koͤnige werde verloren gehen.

Am Abend nach der Geburt des Thronfolgers war glaͤnzende hnete sich die Erleuchtung Strahlen ge⸗ In den meisten Theatern wurde das National⸗Lied gesungen, und das Publikum stimmte jubelnd mit ein; in dem Surrey⸗ wie Nn dem Adelphi⸗Theater

Illumination in London; besonders zeich

des Stadthauses aus, an welchem ein aus 2000 bildeter Stern von Gaslampen brannte.

wurde auf das Ereigniß bezuͤgliche Strophen hinzugefuͤgt.

Beide Parlamentshaͤufer versammelten sich vorgestern Nach⸗ mittag pro forma um die durch drei Koͤnigliche Commissaire, den

abgelehnt werden.

Lord⸗Kanzler, den Herzog von Buckingham und Lord Wharncliffe, ausgesprochene weitere Prorogirung des Parlaments bis zum 21. Dezember zu vernehmen. Parlamentshaͤuser versammelten sich nicht, denn es war auch nicht ein einziges Mitglied derselben anwesend, und das ganze Audito⸗ rium, dessen sich die drei Commissaire zu erfreuen hatten, bestand aus dem Secretair des Unterhauses. Die Kommission hatte die Unterschrift der Koͤnigin mehrere Tage vor der Geburt des Kron⸗ prinzen empfangen. In einem der katholischen Partei in Irland guͤnstig gesinn⸗ ten Morgenblatt wurde gestern berichtet, daß die katholischen Bi⸗

schoͤfe eine Petition um Erhoͤhung der aus Staats⸗Fonds vom

Parlamente bisher bewilligten Unterstuͤtzung fuͤr das Seminar zu

Maynooth vorbereiteten, und daß wahrscheinlich, wenn dieses Ge⸗ such keinen Erfolg haͤtte, die bisherige Bewilligung ganz werde Hierauf bemerkt der ministerielle Standard:

„Da diese Bewilligung, ihrem Grundsatz nach, von dem Parla—

mente zugestanden ist, so kann das Prinzip durch die bewilligte groͤßere oder geringere Geldsumme nicht beruͤhrt werden, und die

Erhohung ist daher, von allen anderen Umstaͤnden abgesehen, eine offene Frage; wenn man aber eine groͤßrre Geld⸗Bewilligung fuͤr die Anstalt zu Maynooth in Anspruch nehmen will, so muͤß diesem Verlan⸗

gen ein befriedigender Nachweis uͤber die bisherigen Ausgaben

vorangehen. Laͤßt es sich darthun, daß dem Staat eine ange⸗ messene Aufsicht uͤber das Unterrichts⸗System zu Maynooth ver— stattet worden, wie es bei der Gruͤndung der Anstalt versprochen wurde, und ist das Kollegium im Stande, als Erfolg seines Sy⸗ stems die Bildung einer Klasse von guten Christen und guten Buͤrgern

aufzuzeigen, so wird kein kleinliches Bedenken der Erweiterung der

Mittel eines so loyalen und heilsamen Institutes entgegentreten. Muͤs⸗ sen hingegen die katholischen Bischoͤfe eingestehen, das aller Staats⸗ Aufsicht scharfsinnig ausgewichen und daß durch das Kollegium nur ein Corps von politischer Agitatoren und Repealern erzielt worden, so wird ihr Gesuch uͤble Aufnahme finden, und man wird es sehr gern sehen, wenn sie die jetzige Bewilligung ganz aufgeben. Es ist klar, daß bald etwas in der Sache geschehen

muß, und die katholischen Bischoͤfe scheinen durch ihr jetziges Ma⸗

noͤver die Ueberzeugung kundzugeben, daß die Untersuchung nicht laͤnger hinausgeschoben werden kann.

Auch in Cork, der zweiten Stadt Irlands, ist dieser Tage ein Katholik, Herr Lyons, zum Mayor gewaͤhlt worden; er be⸗ zieht als solcher ein Jahrgehalt von 1200 Pf. St. Der letzte ka⸗ tholische Lord⸗Mayor von Dublin war Sir Thomas Hackett, wel⸗ cher im Jahre 1688 gewaͤhlt wurde.

Was den durch die Feuersbrunst im Tower angerichteten Schaden anbetrifft, so meint der Spectator, derselbe sey wenig mehr, als eine Sache von Pfunden, Shillingen und Pfennigen;

einige Wochen Arbeit koͤnnten den Verlust aller vernichteten Flin⸗ ten wiederherstellen; aber keine Macht auf der Erde wuͤrde die National⸗Archive, die Juwelen, die alten Waffen und den weißen Thurm haben ersetzen koͤnnen, die alle in drohender Gefahr schweb⸗ ten. „Haͤtte“, faͤhrt das genannte Blatt fort, „ein Funken das Pulver⸗Magazin unter dem weißen Thurm erreicht, welches, wie die Berichte sagen, 9000 Pfund Schießpulver enthaͤlt, die der Sicherheit wegen in die Themse geschaufelt worden sind, so wuͤrde die ganze Festung, mit ihrem unschaͤtzbaren Inhalt, in einem Augen⸗ blicke in Atome zerstoben seyn, ohne der Zerstbrung zu gedenken, welche in der Nachbarschaft entstanden waͤre. Alte Dokumente aus der Zeit Koͤnig Johann's, die vollstaͤndigste Reihe historischer Denk⸗ male in ganz Europa, Juwelen, von welchen einige aus der Zeit Eduard des Bekenners herruͤhren, die auf 1 Million Pfd. St. geschaͤtzt werden, eine Waffen⸗Sammlung, welche die alte Art der Kriegsfuͤhrung erlaͤutert, und das schoͤnste und vollstaͤndigste Muster militairischer Bauart, das unser Land aufweisen kann, Alles wuͤrde unwiderbringlich verloren gegangen seyn. Waͤhrend der letzten fuͤnf Jahrhunderte ist der Tower der sicherste aller Plaͤtze, ein Schatz⸗ haus fuͤr die Aufbewahrung von Dokumenten und Zuwelen ge⸗

wesen, die kostbarsten, die zu der Erbschaft des Englischen Volkes gehoͤren.“ Der Spectator giebt dann tadelnd seine Verwun⸗ derung daruͤber zu erkennen, daß man die 20 Fuß dicken, uͤbert 700 Jahre alten Mauern des Thurms vom Bischof Gandolph unterminirt habe, um ein Pulver-Magazin anzulegen, und fuͤhrt

andere Plaͤtze an, wo man Pulver mit weniger Gefahr aufbe⸗ wahren koͤnne.

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Fortwaͤhrend sind noch Abtheilungen von Soldaten an jedem

Ende des Zeughauses im Tower mit Fortraͤumung der Ruinen beschaͤftigt. Ueber den Ursprung des Brandes dauert die Unter⸗ suchung fort; uͤber das Ergebniß weiß man noch immer nichts Zuverlaͤssiges. Unter den zahlreichen Vesuchern der Ruinen be⸗ fand sich auch Herr Ainsworth, Verfasser des Buchs „der Tower von London,“ welches nun in der naͤchsten Auflage natuͤrlich eine völlige Umarbeitung erleiden muß. Der Globe weist nach, daß, wenn in der Brandnacht der ziemlich stark aus NO. blasende Wind aus NW. geweht haͤtte, keine menschliche Anstrengung den Juwelenthurm sammt seinem Inhalte gerettet haben wuͤrde. Der weiße Thurm, der schon zu rauchen anfing, wurde blos durch die unaufhoͤrliche Arbeit von 6 Spritzen und noch mehr durch das Umsetzen des Windes nach Suͤden vor dem Brande bewahrt. Man hat Briefe von den Naturforschern, welche die Niger⸗ Eypedition begleiten, datirt von Cape Coast Castle den 29. Zuli. Der Botaniker, Dr. Vegel, ist sehr gluͤcklich im Einsammeln sel⸗ tener Pflanzen gewesen; unter diesen zeichnet sich namentlich eine Gattung der Belvisia aus, jener schoͤnen blauen Blume, die man den Stolz Afrika's nennt. hat interessante Entdeckungen in geognostischer und mineralogischer Hinsicht gemacht. Die Aschanti⸗Prinzen, die bei dieser Gelegen⸗ heit in ihre Heimath zuruͤckkehrten, haben ebenfalls an ihre Eng⸗ lischen Freunde geschrieben; sie hofften bald nach Kumasi aufzu⸗ brechen. Der Gesundheitszustand unter der Mannschaft der Ex— pedition war sehr erfreulich. Nach Briefen vom 20. August hatte dieselbe bisher nur sechs Individuen verloren, darunter drei durch Ungluͤcksfaͤlle und drei, einen Europaͤer und zwei Farbige, an Krankheiten, aber nicht an dem Afrikanischen Fieber. Die Ge⸗ sammtzahl der an der Bord der Schisse dieser Expedition befind⸗ lichen Individuen belief sich bei ihrer Abfahrt auf 300. Die Durchschnittspreise des Waizens in der am 5. d. M. abgelaufenen Woche betrugen 65 Sh. 5 Pee. fuͤr das Quarter, V und waͤhrend der letzten 6 Wochen 63 Sh. 2 Pere., weshalb der (Einfuhrzoll auf 23 Sh. 8 Pee. heruntergegangen ist. Waͤhrend der naͤchsten Wochen wird jetzt eine stufenweise Verminderung des Zolls eintreten, und die Spekulanten vertrauen fest darauf, den Einfuhrzoll binnen den naͤchsten drei Monaten bis auf 1 hinabzubringen, da sie versichern, daß die gegenwaͤrtig im Lan 1 V 1nhe emäge nicht genuͤgend seyen, um die Bevoͤlkerung bis zur naͤchsten Aerndte zu ernaͤhren. q0. 2 Fuͤr die brodlosen Abbeiter 8. Paisley hat der, Rassisch⸗ Sot⸗ (chafter, Baron Brunow, dem hiesigen Comité 50 Guineen uͤbersandt. ““ „Der diesjaͤhrige Lord⸗Mayors⸗Schmaus stand den cbe 22 dieser Veranlassung gegebenen in keiner Hinsicht nach; 250 Terri⸗

Eigentlich sollte man sagen: beide

nen mit echter Schildkroͤtensuppe eröffneten das Mahl; ferner zaͤhlte man 80 Fasanen, 24 Gaͤnse, 40 Schuͤsseln mit Rebhuͤhnern, 16 mit Kapaunen, 50 Blancmangers und unzaͤhlige andere Speisen. Beim Nachtisch wurden unter Anderen 100 Ananas und 200 Koͤrbe mit Weintrauben aufgetragen. Der erste Toast galt der Koͤnigin, der zweite dem neugeborenen Prinzen; hierauf brachte der neue Lord⸗Mayor die Toaste auf die Minister und die frem den Gesandten aus, deren schon Erwaͤhnung geschehen.

U. London, 12. Nov. Der Franzosische Botschafter, Herr von St. Aulaire, welcher vor kurzem hier angekommen ist und zum erstenmale bei dem großen Buͤrger⸗Banket am 9. November

Auch Dr. Roscher, der Mineralog,«

im Namen des diplomatischen Corps sprach, war nicht wenig er— staunt uͤber das Schauspiel, welches sich an jenem Tage seinen Augen darbot. Es war in der That ein Schauspiel, das von einem Auslaͤnder nicht gleichguͤltig betrachtet werden konnte, und von zuns selbst nicht leicht vergessen werden wird. Schon fruͤh am Morgen kuͤndigte das Schweigen der gewoͤhnlich bei den Kaser⸗

nen der Garde zu Pferde und bei der Parade spielenden Musik⸗

Corps dem Publikum an, daß die Entbindung der Koͤnigin be⸗ gonnen habe. Die Zeit der Erwartung war kurz; um 10¼ Uhr war der Prinz geboren, und schnell verbreitete sich diese Kunde V durch das alte Herz von London. Es war etwa um Mittag, als die Buͤrger in allem Pomp und aller Pracht des Munizipal— Glanzes, womit sie am 9. November die hoͤchste Magistrats⸗Per⸗ son Londons zu inauguriren pflegen, sich außerhalb ihrer Woh⸗ nungen befanden. Die Straßen waren gedraͤngt voll, der En⸗ thusiasmus war allgemein, und die 1200 Gaͤste, die sich in Guild— hall versammelten, um an den von dem neuen Lord-Mayor ver— anstalteten Festlichkeiten Theil zu nehmen, begruͤßten mit dem auf— richtigen und laͤrmenden Enthusiasmus der Englaͤnder den Ein⸗ tritt des konservativen Ministeriums in die City von London und den Eintritt des Englischen Prinzen in die Welt.

Es ist gut, daß dergleichen Ereignisse von Zeit zu Zeit den energischen Ausdruck jener Gefuͤhle der Loyalitaͤt veranlassen, die in dem Herzen des Englischen Volks niemals aufgehoͤrt haben zu existiren; und wenn es noch eines Beweises beduͤrfte, daß die Eigenthuͤmlichkeiten unserer Institutionen und der Einfluß der letz— ten Jahre die herzliche und ehrerbietige Anhaͤnglichkeit der Engli⸗ schen Nation an die Familie ihrer Koͤnige weder veraͤndert noch geschwaͤcht haben, so wuͤrde man ihn in den freiwilligen und all⸗ gemeinen Aeußerungen der Freude gefunden haben, die dieses Er— eigniß uͤberall hervorrief.

Der aͤlteste Sohn der Koͤnigin von England ist geborner Herzog von Cornwall und genießt von dem Augenblicke seiner Ge⸗ burt an alle mit jenem Titel, dem hoͤchsten der Britischen Pairie verbundenen Privilegien. Er bezieht aus dem Herzogthum Cornwall etwa 14,000 Pfd. Revenuen jaͤhrlich, die hauptsaͤchlich aus den Abgaben bestehen, die von seiner Geburt an von den dor⸗ tigen Bergwerken und einigen Landguͤtern erhoben werden. Die Wuͤrde eines Prinzen von Wales wird durch Patent ertheilt und obgleich es im Laufe des letzten Jahrhunderts uͤblich gewesen ist, dem Prinzen schon als Kind jenen Titel zu verleihen, so wurden doch Eduard VI. und Karl IHI. erst in dem Alter von 8 oder 9 Jahren zu Prinzen von Wales ernannt. In dem gegenwaͤrti⸗ gen Falle wird die Ernennung wahrscheinlich nur so lange ver— schoben werden, bis die Koͤnigin so weit hergestellt ist, daß sie die dazu erforderlichen Urkunden unterzeichnen kann. Zu derselben Zeit wird dann auch ein Geheimer Rath gehalten werden, um die Auf⸗ nahme des Namens des muthmaßlichen Thronerben in die Engli— sche Liturgie zu bewirken.

Die bei dieser Gelegenheit zu ertheilenden Ehrenbezeigungen und Befoͤrderungen sollen hauptsaͤchlich auf eine Anzahl Admirale, Post-Capitaine und Stabs-Offiziere beschraͤnkt werden. Man glaubt, es wuͤrden keine neue Pairs ernannt. Gewisse Ehren⸗ bezeigungen werden jedoch von einigen Personen, die am Tage der Geburt des Prinzen von Wales gewisse Aemter bekleideten, als ein Recht in Anspruch genommen, und dadurch haben der Tag und die Stunde, an welchem das Ereigniß eintrat, zu einigen be⸗ lustigenden Diskussionen Anlaß gegeben. So wird z. B. der Ca⸗ pitain der Palast⸗Wache bei der Geburt des Prinzen zum Major ernannt; nun wurde aber die Wache um 15 Minuten vor 11 abgelbst und der Prinz 12 Minuten vor 11 geboren; allein die

Abloͤsung war noch nicht vollendet, obgleich die Schluͤssel und das Losungswort bereits uͤbergeben waren. Unter diesen Umstaͤn⸗ den machen beide Offiziere Anspruͤche auf Befoͤrderung und die Autoritaͤten in Militair⸗Angelegenheiten wissen nicht, wie sie diese Frage entscheiden sollen. Auf gleiche Weise werden der Lord⸗ Mayor von Loͤndon und der Lord-Mayor von Chester zu Baro— nets ernannt, da der Prinz von Wales geborener Graf von Che⸗

ster ist; nun ist aber der ö. November der Tag, an welchem die neugewaͤhlten Lord-Mayors ihr Amt niederlegen und es bleibt der Regierung uͤberlassen, die doppelten Anspruͤche dieser bei⸗ den buͤrgerlichen Wuͤrdentraͤger auszugleichen. 18

Die Zeitungen melden Tag fuͤr Tag die Abreise der neuen Botschafter nach Konstantinopel und Wien, doch hat dieselbe noch nicht stattgefunden. Lord Ellenborough ist am Bord eines Kriegs⸗ schiffes nach Indien abgereist, da man die Landreise der Würde

eines General⸗Gouverneurs nicht angemessen haͤlt. S ir Charles

Bagot hat sich auf einem Dampfboote nach Kanada eingeschifft, wurde aber von einem Sturme uͤberfallen und da das Fahrzeug bis zum Deck mit Kohlen beladen war, so konnte Ce

nicht Trotz bieten, sondern mußte in Cork einlaufen. Von da kehrte Sir Charles Bagot nach Plymouth zuruͤck und wird sich nun am Bord des „ZIllustrious“ von 74 Kanonen einschiffen.

Das Schicksal des „Praͤsident“ und der eben erwaͤhnte Vorfall haben die Zweifel von Neuem bestaͤrkt, welche bisher schon von

ausgezeichneten Maͤnnern der Wissenschaft uͤber die Moͤglichkeit, wusgezeichne 8 odem Wetter mit Dampf zu befah⸗ den Atlantischen Ocean bei jedem Wetts v“ bre ehe rden. Die Menge der Kohlen, welche diese Fahr⸗ ren, gehegt wurden. Die Mens voß, daß sie ihre leichte Be

zeuge mitnehmen muͤssen, ist se 1A11“ 5

weglichkeit verlieren, und wevar Kohlen 1 werden, ehe sie einen er Kohlen verbrannt haben, so kann

F2 55 „no FTolger 6 . 88s Eesar g8h Adelaide besindet sich in einem hoffnungslosern Zustande in Derbyshire. Die Affizirung der Luftroͤhre, welche Ihre Majestaͤt im vorletzten Winter nothigte, sich nach Malta zu degeben, ist mit vermehrter Hestigkeit zuruͤckgekehrt und die erha⸗-

bene Kranke ist bereits durch ihre Leiden im hoͤchsten Grade er schoͤpft. Die Hochachtung, welche das Englische Volk der Koͤnigin

Adelaide zollte, als sie auf dem Throne saß, hat sich in der Zeit

ihres Wittwenstandes noch vermehrt. Dieselbe Verehrung der

Koͤniglichen Tugenden, dasselbe Vertrauen und dieselbe Liebe zu

dem Charakter unserer Beherrscher, welche den Enthusiasmus der

Nation hervorruft, von dem ich zu Anfang dieses Schreibens

sprach, werden auch die Wittwe Wilhelm's IV. bis zu ihrem Grabe begleiten. Haͤufig hoͤrt man unter dem Volke einen armen Teufel, der nicht 100 Pence besitzt, erklaͤren, daß er der Letzte seyn werde, der der Koͤnigin Adelaide ihre 100,000 Pfd. jaͤhrlich nicht goͤnnte. Es ist dies allerdings ein schoͤnes Leibgedinge, aber es ist

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auf edle Weise zu Werken der Barmherzigkeit, der Froͤmmigkeit und des oͤffentlichen Nutzen verwendet worden. Ich zweifle nicht, daß die Trauer tief und allgemein seyn wird.

Die Ereignisse, welche im Laufe dieser Woche so schnell auf

einander gefolgt sind, haben der Stadt eine um die jetzige Jah⸗ reszeit ungewoͤhnliche Lebendigkeit verliehen, und der Nachsommer hat uns einen so schoͤnen Sonnenschein gebracht, wie wir ihn im ganzen Jahre nicht gehabt haben. Der Hof wird sich indeß wie⸗ der nach Windsor begeben, sobald der Zustand der Koͤnigin es erlaubt; bereits haben sehr viele Personen die Stadt wieder ver⸗ lassen und werden erst zuruͤckkehren, wenn das Parlament im Fe⸗ bruar sich versammelt.

5 London, 12. Nov. In mehreren meiner Schreiben habe ich auf die merkwuͤrdigen Bewegungen und Wirren in un⸗ serer Kirche aufmerksam zu machen gesucht; Dinge, welche bei uns weit mehr Bedeutung haben als anderwaͤrts, weil hier Meinun⸗ gen so leicht in Handlungen uͤbergehen. Es ist nicht zu uͤbersehen, daß die erste Veranlassung des Puseyismus politischer Art war. Bei einer Zusammenkunft von 5—6 Geistlichen, worunter auch der verstorbene, unter Deutschen Theologen wohl bekannte Hugh Rose war, wurde die Gefahr bedacht, worin die Kirche von Seiten einer Regierung schwebe, welche so sehr unter dem Einflusse von Papisten und Dissenters stehe. Man fuͤhlte sich besonders durch die Abschaffung von zehn Irlaͤndischen Bisthuͤmern empoͤrt, welche eben auf Veranlassung des Lord Stanley stattgefunden hatte; und man uͤberlegte die Mittel, wodurch fuͤr die Kirche eine Stellung vindizirt werden moͤchte, die sie zugleich als von Rom unabhaͤngig und uͤber alle protestantische Sekten erhaben hinstellen sollte, die einzige vor Gott und Menschen rechtmaͤßige Kirche in England, ein aͤchter Zweig der allgemeinen alleinseligmachenden Kirche, von welcher abzufallen, oder mit wel— cher gar zu konkurriren, schwere Suͤnde sey. Mit diesen An⸗ spruͤchen, meinte man, koͤnnte man den Staat zu sich heruͤber ziehen und zu seinen Zwecken gebrauchen: wo nicht, (wenigstens entwickelte sich dieser Gedanke spaͤter) so muͤsse man sich mit seinen Personen und Eigenthum von demselben trennen, seine eige— nen Bischoͤfe waͤhlen, und mit geistlicher Gewalt, trotz jedem, als Landeskirche verbleiben. Zu diesen Zwecken nun wurde der Kampf begonnen; da sich fuͤrs erste nichts als Erhoͤhung der Kirche, oder auf manchen Seiten auch nur die Befoͤrderung aͤchter Froͤmmigkeit unter ihren Gliedern hervorthat, von vielen Geistlichen und Laien aufgenommen, und fuͤr beide dieser Zwecke, und im Ganzen auf eine nur erfreuliche Art, gefuͤhrt.

Natuͤrlich meinten viele, dadurch nur Papisten und Dissen⸗ ters einigermaßen wieder den Rang abzulaufen und somit dem Toryismus neuen Boden zu gewinnen. Indessen, was auch bei den meisten der Beweggrund gewesen seyn mag, die Kirche er— wachte dadurch zu einem lebendigen Selbstbewußtseyn, und machte Anstrengungen, wie man sie seit Jahrhunderten nicht gesehen hatte. Die Beitraͤge, welche von allen Seiten zum Bau von Kirchen, zur Gruͤndung neuer Pfruͤnden oder Verbesserung von alten, zur Anlegung von Schulen und zu anderen milden Stiftungen in Ver⸗ bindung mit der Kirche zusammenflossen, sind erstaunlich; und es laͤßt sich gar nicht in Abrede stellen, daß die Konservativen ihre jetzige parlamentarische Majoritaͤt vorzuͤglich dem Einfluß der Kirche zu verdanken haben. Inzwischen hat, wie ich die Nation kenne, und wenn ich nach der Masse der in dieser Zeit gehaltenen Reden und erschienenen Schriften urtheilen darf, die Masse von Geistlichen und Laien, welche an der Bewegung Theil genommen, keine Ahnung, daß der Protestantismus, wofuͤr ihre Vorfahren gekaͤmpft und geblutet, und dessen Triumph sie bisher immer ge⸗ wohnt waren, die Groͤße ihres Vaterlandes zuzuschreiben, von der Kirche selbst geschmaͤht und ausgestoßen, oder daß die Ernennung der Praͤlaten der Regierung entzogen und somit der Klerus gaͤnz- lich vom Staate unabhaͤngig gemacht werden sollte. Die meisten nahmen, bei ihrem praktischen Streben, entweder keine Notiz von den Puseyitischen Schriften, oder erkannten nicht, was solche be— zweckten, oder hielten deren Inhalt fuͤr theologische Traͤumereien, welche keine praktischen Folgen haben koͤnnten. Manchen mochte wohl ein kleiner Ruͤckschritt in die alte Zeit, so lange man sich nur nicht mit Rom vermengte, nicht so gar arg duͤnken; wenig— siens mochten sie darum in einer Zeit, wo Einigkeit so nothwen⸗ dig schien,Fkeinen Streit anheben.

Die Sache ist aber nun ernsthaft geworden. Auf das Er— scheinen der beruͤchtigten Broschuͤre von Newmann, der Nr. 90. der „Fracts of the Times“ mußte die Universitaͤt die Schrift verdammen, und der Bischof von Orford die Fortsetzung jener Tracts verbieten. Seitdem haben auch die Bischoͤfe von Chester und Exe— ter fulminirende Reden gegen das System gehalten und drucken lassen, und der Bischof von Winchester fand sich genoͤthigt, einem Geistli— chen die Priesterweihe zu verweigern, welcher bisher Predigergehuͤlfe von Keble, einem der geschicktesten Puseyiten, gewesen. Nun kom⸗ men Sibthorps Uebertritt zum Papstthum und Wackerbarts Auffor⸗ derung zum Gesammt⸗-Uebertritt; und wer weiß, was uns noch alles der Art bevorsteht. Diese Wendung ist unstreitig ein harter Schlag fuͤr die Kirche. Viele, wenn sie auch darum nicht Dis— senters werden, koͤnnen doch nicht mehr so freigebig gegen eine Kirche seyn, unter deren Geistlichkeit so manche sich zum Papst⸗ thume hinlehnen, wenn es nicht gar zu einer allzuweit fuͤhrenden protestantischen Reaction fuͤhrt.“

In Schottland sieht es inzwischen noch mißlicher mit der Kirche aus. Die Majoritaͤt hat dort feierlich entschieden, daß, ohne Ruͤcksicht auf Gesetze und Eigenthumsrechte, die Verwerfung eines Kandidaten fuͤr das geistliche Amt von Seiten der Mehr⸗ heit der maͤnnlichen Kommunikanten einer Gemeinde, ohne An— gebung irgend eines Grundes, entscheidend seyn solle. Da nun aber das Recht einer Gemeinde, einen Prediger vorzuschlagen, als

ein Eigenthumsrecht betrachtet wird, indem die Einkuͤnfte der Pfruͤnde gewissermaßen, wenn auch nur unmittelbar, dem Kirchen⸗ patron gehoͤren, und somit auch solches Recht wirklich kaͤuflich ist, so erbieten sich die eifrigsten unter den Eiferern, lieber den „Einkuͤnften gaͤnzlich zu entsagen. Das Entsagen der Einkuͤnfte aber ist Trennung von der Staatskirche, da natuͤrlich Andere das von den Eiferern Verworfene an⸗ nehmen werden und der Staat sie darin, wie in der Behauptung der Pfarrkirche, unterstuͤtzen muß. Die Moderates aber, wie sich diejenigen nennen, welche mit dem gegenwaͤrtigen Stand des Gesetzes zufrieden sind, oder nur eine geringe Veraͤnderung ver⸗ langen, bilden kaum ein Drittel der Kirche und vielleicht nicht ein Fuͤnftel der Landesbevoͤlkerung, und es wuͤrde somit in Schott⸗ 89 eine Anomalie wie in Irland entstehen, wo ebenfalls eine Minoritaͤt, von der Staatsgewalt geschuͤtzt, im Besitz des Kir⸗ chengutes ist, und die Staatskirche bildet. In Schottland sind so schon die Vornehmen fast alle entweder Mitglieder der Angli⸗ kanischen Kirche oder Katholiken, und das Kirchenpatronat, wo es nicht der Regierung oder staͤdtischen Corporationen gehoͤrt, mei⸗ stentheils im Besitz der ersteren. Da nun auch die Moderagten vorzuͤglich zur Geistlichkeit und den Mittelklassen gehoͤren, so wuͤrde die Aehnlichkeit noch auffallender seyn. In manchen Faͤllen schei⸗

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nen die Patrone sich stillschweigend unterworfen, oder doch klug einen Streit vermieden zu haben; in anderen wurden sie zur Nachgiebigkeit genöthigt. Es giebt aber jetzt 3 oder 4 Faͤlle, wo das Presbyterium dem Landesgesetze folgend, Geistliche gegen den Willen der Gemeinden und das Gesetz der Kirchenver⸗ sammlung eingesetzt hat, und diese, zur Strafe von letz⸗ terer (dem hoͤchsten Gerichtshof und selbst der Entscheidung des Oberhauses entgegen) suspendirt worden sind. Diese kla⸗ gen nun bei den Gerichten uͤber die ihnen angethane Gewalt, die Gerichte zoͤgern, kraͤftig einzuschreiten, und die Verwirrung scheint immer groͤßer werden zu wollen. Die heilende Maßregel, welche Graf Aberdeen vor 2 Jahren vorschlug, wird als ein arger Schimpf gegen die Kirche betrachtet; und die Hoffnung, welche man hegte, daß die Bestellung eines von der Non-Intrusion⸗ Partei, des Sir John Rae, zum Advokaten von Schottland, eine Buͤrgschaft sey, daß die neue Regierung den Forderungen dersel⸗ ben nachgeben wuͤrde, scheint seit einigen Wochen immer mehr in Abnahme zu seyn; und jetzt heißt es, die Unterhandlungen, welche die Regierung seit 14 Tagen durch eben diesen mit der Partei gefuͤhrt, seyen abgebrochen. Damit das Mißtrauen voll⸗ kommener werde, soll auf Antrieb der Puseyiten in Schottland ein Anglikanisches Seminarium gestiftet werden und die Times laͤßt gestern einige Winke fallen, daß, obgleich es nur 10000 Epis⸗ kopalen in Schottland gaͤbe, die Zeit wohl gekommen seyn koͤnne, wo die katholische Kirche, naͤmlich die Anglikanische, ihre unver⸗ V aͤußerlichen Rechte in jenem Lande geltend machen koͤnne.

Belgien.

Brüssel, 12. Nov. Der Koͤnig empfing heute die Deputa⸗ tion des Senats, welche mit der Ueberreichung der Adresse, die nur eine gaͤnzliche Billigung und Umschreibung der Thronrede ist, beauftragt war. Der Koͤnig antwortete auf die Adresse: „Meine Herren! Ich danke dem Senat fuͤr die Gesinnungen,

die er Mir ausdruͤckt, und fuͤr die Versicherung, daß er sich gluͤcklich

schaͤtzen werde, dazu beizutragen, Meine Regierung in den Bahnen der Maͤßigung und Unparteilichkeit zu halten, die Ich stets zu befol gen gestrebt. Ich nehme mit lebhaftem Vergnuͤgen die Wuͤnsche der

Eintracht entgegen, welche Ihre Adresse, meine Herren, enthaͤlt. Sie

sprechen von der Nothwendigkeit dieser Eintracht in Ausdruͤcken, de⸗ nen Ich gaͤnzlich beipflichte. Wir werden uns in gegenseitiger Ueber⸗

einstimmung bestreben, alles zu beseitigen, was die Ruhe, die das Land in diesem Augenblicke genießt, schwaͤchen koͤnnte.“ Ein hiesiges Blatt, der Ami de l'Ordre, bemerkt: „Der zur Haft gebrachte Major Kessels ist bisher der einzige in akti— vem Dienst befindliche Offizier, gegen welchen so verfahren wurde. Es steht jedoch zu besorgen, daß er nicht der letzte seyn werde, denn man vernimmt, daß das Kriegs⸗Ministerium bestuͤrmt werde mit Denunciationen gegen Militairs jeden Ranges und insbeson⸗ dere gegen hohe Offiziere. Es giebt gar sehr viele Menschen, die blos eine Gelegenheit suchen, ihren Eifer zu zeigen, wodurch sie dann spaͤter ihren Vortheil zu befoͤrdern denken, und wiederum auch viele Andere, die vor keiner Art ehrloser Handlung zuruͤckbe⸗ ben, sobald es gilt, ihren Leidenschaften zu froͤhnen oder eine nie— drige Rache zu uͤben! Wahrlich, dies sind die gewoͤhnlichen und fast unvermeidlichen Folgen aller Conspirationen. Man blicke nur auf Frankreich!“

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V Deutsche Bundesstaaten.

Mlünchen, 13. Nov. (Morgens.) Se. Majestaͤt der Koͤnig von Preußen erschien gestern in der vorderen Hof⸗Loge des uͤber⸗ fuͤllten Theaters, jedoch erst nach der Haͤlfte der Oper und ver⸗ ließ vor deren Schluß wieder das Schauspielhaus. Das Ge—

V burtsfest Ihrer Majestaͤt der Koͤnigin von Preußen, welche heute

die Gluͤckwuͤnsche der gesammten Koͤöniglichen Familie empfing, wird wegen der Krankheit Ihrer Majestaͤt der verwittweten Koͤ— nigin, nur im Stillen begangen. Morgen 2 Uhr empfaͤngt der Preußische Monarch das diplomatische Corps.

München, 13. Nov. (Nachts.) So eben wird nachstehendes aͤrztliches Bulletin ausgegeben: „Ihre Majestaͤt die Koͤnigin Wittwe sind, einem langwierigen Brustleiden erliegend, heute Abend 10 Uhr, sanft entschlafen. Muͤnchen 13. Rovember 1841. von

Stuttgart, 10. Nov. (Kammer der Abgeordneten. Fort⸗ setzung der Berathung des Entwurfs einer Straf⸗Prozeß⸗Ord⸗ nung.) (Stuttg. Bl.) Der Art. 28 handelt von der Aufstel⸗ lung eines außerordentlichen Untersuchungsrichters durch die Ober⸗ Gerichte. Nach dem Gesetz⸗Entwurf sollen diese hiezu die Be⸗ sugniß haben, wenn 1) nach den besonderen Verhaͤltnissen des Falles der Zweck eines gruͤndlichen und ungehinderten Verfah⸗

rens eine solche Verfuͤgung nothwendig mache, und 2) wenn bei dem ordentlichen Gericht Gruͤnde der Verhinderung eintreten, welche nicht anders beseitigt werden koͤnnen. Der F. 26 der V Verfassung enthaͤlt den Grundsatz, daß Niemand seinem ordent— lichen Richter entzogen werden duͤrfe, die Kommission erkennt aber, daß den hoͤheren Gerichten die Befugniß zustehen muͤsse, in gesetzlich bestimmten Faͤllen die Untersuchung und Entscheidung einer Prozeßsache von dem an sich zustaͤndigen Richter an einen anderen zu verweisen, weil sie ganz unentbehrlich sey; schon das IvYte organische Edikt vom Jahre 1818 uͤber die Gerichtsverfassung enthalte diesfalls eine allgemein lautende Bestimmung. Die Kammer V ist mit dieser Ansicht der Kommission einverstanden, der Antrag der⸗ selben aber, daß die unter Ziffer 1 und 2 des Entwurfs der Straf⸗ prozeß⸗Ordnung angefuͤhrten Faͤlle nicht blos beispielsweise angege⸗ ben, sondern die einzigen seyn sollen, in welchen ein außerordent— licher Untersuchungs-Commissair solle aufgestellt werden koͤnnen, fand von Seiten des Ministertisches Widerspruch. Hiernach sol⸗ len, da nicht aller moͤglichen Faͤlle in dem Gesetz speziell gedacht werden koͤnne, die in dem Entwurfe erwaͤhnten nur leitende Ge⸗ sichtspunkte und Beispiele seyn, in welchen und nach deren Ana— logie das Obergericht zu Aufstellung eines außerordentlichen Un⸗ tersuchungs⸗Commissairs befugt seyn solle. Nach der Ansicht des Departements⸗Chefs ist das IVte Edikt durch die Verfassung nicht aufgehoben, vielmehr sollen beide neben einander stehen, und durch die letztere nur Kabinets-⸗Justiz ausgeschlossen werden, waͤhrend auch das Interesse des Angeschuldigten oͤfters die Auf⸗ stellung eines Untersuchungs⸗Commisfairs erfordere. Alle Gesetz⸗ gebungen haͤtten eine aͤhnliche allgemeine Bestimmung im Ge⸗ fuͤhle der Unmoͤglichkeit bestimmte Faͤlle aufzustellen. Er muͤsse hier aͤußerte der Departements⸗Chef ein Vertrauens⸗Votum von der Kammer nicht fuͤr die Regierung, sondern fuͤr die Ober⸗ gerichte verlangen, welche indessen so sparsam hierin gehandelt, daß daß sie ein Mißtrauen nicht verdienen. Der Berichterstatter Scheurlen, die Abgeordneten Knapp, von Zwergern, Duvernoy u. A. vertheidigen die Ansicht der Kommission, von Gmelin und von Probst sprechen sich dagegen aus. Bei der Abstimmung wird der Kommissions⸗Antrag mit 73 Stimmen gegen 3 angenommen. V Sofort wird auf die speziellen Faͤlle uͤbergegangen, in welchen die Obergerichte befugt seyn sollen, einen außerordentlichen Unter⸗ suchungs⸗Commissair zu bestellen; die Antraͤge der Kommission zu 8 8 1“

Ziffer 1 werden angenommen. Einige Faͤlle zur Ziffer 2 wer⸗ den auf spaͤtere Berathung ausgesetzt, gegen die Bestimmung im Gesetz⸗Entwurf, daß ein außerordentlicher Untersuchungs⸗Richter von dem Ober⸗Gericht dann solle bestellt werden koͤnnen, wenn der ordentliche Richter sich zu Behandlung eines Falles untaug⸗ lich gezeigt habe, spricht namentlich Knapp und von Zwergern. Die Bestimmung des Gesetz⸗Entwurfs wird mit 39 Stimmen gegen 35 angenommen,

Gießen, 13. Nov. Die Universitaͤt Gießen zaͤhlt in die⸗ sem Semester: 328 inlaͤndische Studirende und 107 auslaͤndische. Die Nichtdeutschen unter den letzteren sind folgende: aus der Schweiz 2, aus Frankreich 5, aus England 5, aus Spanien 1, aus Polen 1, aus Daͤnemark 1, aus Nord⸗Amerika 1, aus Me⸗ riko 1, aus Ostindien 1. Die außerdeutschen sind vorzuͤglich

der Chemie Beflissene.

Luremburg, 10. Nov. Se. Majestaͤt der Koͤnig⸗Groß herzog hat durch Beschluß vom 31. Okt. einen neuen Tarif fuͤr⸗ die Ein⸗ und Ausfuhr⸗Zölle an die Stelle desjenigen vorgeschrie⸗ ben, den der Beschluß vom 20. Juli 1840 eingefuͤhrt hatte, und welcher, wie die Bewegungsgruͤnde sagen, der gegenwaͤrtigen Lage des Großherzogthums nicht angemessen war. Dieser Tarif wird spaͤtestens am 12. d. M. in Vollziehung gesetzt werden.

Lurxemburg, 13. Nov. (L. A. Z.) Die Hauptbestimmun⸗ gen des neuen Grundgesetzes des Großherzogthums Luxemburg sind folgende: Es soll in dem Großherzogthum Luxemburg eine Deputirtenkammer gebildet werden, wozu die Wahlfaͤhigen de Landes die Mitglieder, ohne Unterschied des Standes, zu waͤhlen haben. Die Sitzungen derselben sollen nicht oͤffentlich seyn. Di Mitglieder dieser Kammer haben nur auf eine Entschaͤdigung ihrer Reisekosten Anspruch, welche jedoch nach deren Entfernung von dem Orte, wo die Sitzungen stattfinden, berechnet werden und auf jeden Fall nicht die Summe von 1500 Fl. uͤberschreiten duͤrfen. Als Mitglieder sind waͤhlbar Alle, die geborene Luxem⸗ burger oder daselbst naturalisirt sind. Die Sitzungen, welche eine Dauer von 14 Tagen haben, werden durch den Koͤnig⸗Großherzog oder in dessen Namen eroͤffnet und geschlossen. Der Koͤnig⸗Groß⸗ herzog hat das Recht, die Kammer nach Belieben zu vertagen oder ganz aufzuldsen und deren Mitglieder durch andere Wahlen erneuern zu lassen. Der Koͤnig⸗Großherzog kann sich in Luxem⸗ burg durch einen Bevollmaͤchtigten vertreten lassen. Der Stell⸗ vertreter muß jedoch ein Prinz seines Koͤniglichen Hauses und in Luxemburg residirend seyn.

.— Frankfurt a. M., 15. Nov. Der seitherige Ge⸗ schaͤftstraͤger bei unserer freien Stadt, Herr von Scherff, ist vor wenigen Tagen aus dem Haag hier eingetroffen und scheint vor⸗ erst unsere Stadt nicht wieder zu verlassen. Herr von Scherf ist nun indessen an die Stelle des Herrn Grafen von Grunne zum Koöoͤnigl. Niederlaͤndischen Bundestags⸗Gesandten ernannt worden und hat in dieser seiner neuen Eigenschaft heute seine B

suche beim diplomatischen Corps begonnen.

Italien.

RNom, 6. Nov. (A. Z.) Vorgestern ist Herr von Buch, bisheriger Geschaͤftstraͤger des Preußischen Hofes, hier eingetroffen und wird in naͤchster Woche Sr. Heiligkeit dem Papst sein Be⸗ glaubigungsschreiben als Minister⸗Resident uͤberreichen. Alle Dif⸗ ferenzen sind zur Zufriedenheit beider Hoͤfe beigelegt.

Spanien. Madrid, 6. Nov. Der Befehl fuͤr die Aufloͤsung der Junta von Valencia traf am 2ten d. in dieser Stadt ein. Trotz einer lebhaften Opposition von Seiten des Volks versammelte sich die Nationalgarde am Zten in aller Eile, und es wurde die Demolirung der Citadelle fortgesetzt; mehrere Petitionen wurden an den Stadtrath gerichtet, unter anderen eine Petition dafuͤr, daß man den Gouverneur von Morella, der Grausame, erschieße. Dieser wurde wirklich am 4ten er⸗ schossen. Auch alle uͤbrigen Forderungen wurden erfuͤllt. Die Bevoͤlkerung von Arcos, bei Cadix, hat sich aus Anlaß einer Vertheilung von Grundstuͤcken aufgelehnt und sich in der Stadt verbarrikadirt. Es wurden einige Regimenter von Peres und Cadix abgeschickt, und man zweifelte nicht daran, daß die Ordnung bald wieder hergestellt seyn wird. Es ist heute wenigstens doch eine gute Nachricht hier eingetroffen. Die von dem Kriegsgerichte gegen den Lieutenant Boria ausgesprochene Todesstrafe ist umgewandelt worden, und es soll von nun an kein Blut mehr vergossen werden. Einige Personen glauben, daß der Regent nicht vor dem 165ten hier zuruͤck seyn wird. Ist all⸗ gemein akkredirten Geruͤchten Glauben zu schenken, so wuͤrde die Zusammenberufung der Cortes auf den 15ten des naͤchsten Mo⸗ nates festgesetzt werden. Die kleine Promenade auf dem Prado, bekannt unter dem Namen Pariser Promenade, ist verschwunden; sie wurde aus revolutionairem Haß gegen die Aristokratie zerstoͤrt, die dort ihre Spaziergaͤnge zu machen pflegte, oder vielleicht auch aus Haß gegen den Namen, den sie trug.

genannt Don Pedro

Bayonne, 10. Nov. Aus Bilbao schreibt man, Zurbano habe ein Individuum, Namens Vial, erschießen lassen, dessen gan⸗ zes Verbrechen darin bestand, in einem Kaffeehaus in einem Ge⸗ spraͤch mit Freunden das Verfahren jenes Offiziers kritisirt zu haben. Dem armen Vial wurde nur eine halbe Stunde Zeit gelassen, um sich zum Tode vorzubereiten. Einem anderen Indi⸗ viduum ließ Zurbano 200 Stoöckschlaͤge geben. Erschießen und Geldstrafen sind in Bilbao an der Tagesordnung. Zurbano ver⸗ faͤhrt nach einem wahren Schreckens⸗Systeme.

La⸗Plata⸗Staaten. Buenos⸗Ayres, 41. Sept. (Brem. Z.) Ueber die Kriegs⸗Operationen im Norden sind wir ohne sichere Nachrichten. Die hiesigen Zeitungen publizirten einige Vortheile, welche man uͤber die Unitarier unter Lavalle errungen haben will, dagegen enthalten die Montevideo-Blaͤtter ausfuͤhrlichere Berichte vom Gegentheil; so viel scheint uͤbrigens außer Zweifel, daß es ein Krieg der hartnaͤckigsten Art wird, welcher noch lange Jahre dauern kann und unfehlbar das Land ungemein erschoͤpfen wird. Lei⸗ der werden wir, dem Anscheine nach, mit einer beinahe noch schlimme⸗ ren Plage als die des Krieges heimgesucht werden, und dieses ist eine anhaltende Duͤrre, in deren Folge bereits Viehseuchen, gleich denen des Jahres 1832, ausgebrochen sind. Die gewoͤhnlichen anhaltenden Regenguͤsse in den Monaten Juli und August sind in diesem Jahre ausgeblieben, denn seit Mai hat es nicht geregnet. Das Land ist so trocken, duͤrr und staubig, wie man es sonst nur in der Mitte des Sommers kennt, und wenn nicht der Monat September un noch vielen anhaltenden Regen bringt, so wird dies Uebel unbere⸗ chenbares Ungluͤck uͤber das Land verbreiten. Die hiesigen Schlaͤch⸗ tereien sind schon in großer Verlegenheit, weil, wegen Mangel an

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