1841 / 323 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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der ein Grundeigenthuͤmer wahrscheinlich aus politischen Gruͤnden

ermordet worden, naͤmlich Herr R. Ch. Walsh. Friedensrichter der Grafschaft, welcher nach seiner Wohnung, Glenard, bei Dun⸗ garvan, zuruͤckfuhr und eine Stunde von seinem Hause todt ge⸗ funden wurde. Der Thaͤter ist noch unentdeckt. 1 Der Orientalist Graf von Munster beschaͤftigt sich mit der Abfassung einer großen Kriegs⸗Geschichte der Muhammedanischen Voͤlker von Muhamed bis auf die jetzige Zeit. Den Transae⸗ tions of the Madras Literary Society zufolge, sammelt er dazu Quellen in der Arabischen, Tuͤrkischen, Tatarischen, + er sischen und Hindostanischen Sprache und in allen in Indien ge⸗ schriebenen Mundarten.

Die Nachricht von dem gewaltsamen Tode der Miß Anson

hat sich als eine Taͤuschung herausgestellt und giebt den schen Blaͤttern Anlaß zu sehr bitteren Bemerkungen uͤber solche unzuverlaͤssige Berichterstatter. 8 v

Belgien.

Brüssel, 15. Nov. Gestern fand in Gegenwart 3. MM. ie Austheilung der Preise an die Konkurrenten bei der großen Gewerbe⸗Ausstellung Statt. Hr. Ch. von Brouckere 98. im Lamen der Pruͤfungs⸗Kommission einen Bericht üͤber die Fort⸗ chritte der Belgischen Industrie ab und erklaͤrte, daß dieselbe Regierung die Austheilung von 41 goldenen, 40 sülbernen und vergoldeten, 102 silbernen, 282 bronzenen I kedaillen und 148 ehren⸗ volle Erwaͤhnungen vorgeschlagen habe. Das Ministerium habe dies nicht nur Alles genehmigt, sondern auch einige hoͤhere Aus⸗ zeichnungen hinzugefuͤgt. Es wurden sodann die Preise ausge⸗ theilt und außerdem die Ernennung mehrerer Fabrikanten zu

Rittern des Leopold⸗Ordens 1I““

Der Observateur berichtet, daß eine Versammlung der Deputirten der katholischen Partei stattgesfunden, um den Vor⸗ schlag des Herrn Brabant, die Universitaͤt Lowen zu einer juristi⸗ schen Person zu erklaͤren, in Erwaͤgung zu ziehen. Ueber die ge⸗ faßten Beschluͤsse zirkuliren mehrfache Geruͤchte; nach einigen soll der Vorschlag zuruͤckgenommen, nach anderen bloß dessen Diskuß⸗ sion verschoben werden.

Brüssel, 15. Nov. In den Kammern ist bis jetzt kein erheblicher Gegenstand zur naͤheren Eroͤrterung gekommen, die Ant⸗ wort des Senats auf die Thronrede ist wie gewoͤhnlich nur eine Paraphrase. Die wenigen Worte, welche der Minister des In⸗ nern in Bezug auf die Handels⸗Negociationen zu aͤußern Gele⸗ enheit hatte, haben noch keinen Aufschluß gegeben. Der Mini⸗ ster erklaͤrte, daß mit mehreren Staaten: Daͤnemark, Oesterreich und Haiti ein Handel⸗ und Schiffs⸗Traktat abgeschlossen sey, und daß mit einigen anderen Laͤndern die Unterhandlungen noch im Gange seyen, die vielleicht zu einem Resultat fuͤhren wuͤrden. In Bezug auf das Unterrichts⸗Gesetz bemerkt der Mi⸗ nister, daß die Thron⸗Rede den im Jahre 1834 vom damaligen Minister Rogier praesentirten Gesetz⸗Entwurf als den zu diskutiren⸗ den habe bezeichnen wollen. Es ist dies bekanntlich der Entwurf, welcher zwar der Geistlichkeit einen angemessenen Antheil an den niederen und mittleren Unterricht einraͤumt, indem derselben der Religions⸗Unterricht zugewiesen, und außerdem eine Stelle in den Unterrichts⸗Kommissionen und Behoͤrden uͤberlassen, die eigentliche Leitung des Unterrichts aber der Regierung vorbehal⸗ ten wird. Die Discussion dieses Entwurfes ist seit 7 Jahren in den Kammern in der katholischen Partei vereitelt worden. In welchem Verfall der öffentliche Unterricht gerathen, ist be⸗ kannt. In der Repraͤsentanten⸗Kammer wird nun die Oppo⸗ sition unstreitig eine naͤhere Erklaͤrung vom Ministerium uͤber diese beiden Hauptpunkte verlangen. Die Prinzipien der Oppo⸗ sition uͤber den Unterricht sind bekannt. Im vorigen Jahre hat— ten gleich beim Beginn der Kammer⸗-Sitzungen die damaligen Minister des Innern und der Justiz sich sehr bestimmt uͤber den respektiven Antheil des Staates und der Geistlichkeit an dem Unterrichte ausgesprochen, und ihre damals entwickelten Grund⸗ sͤtze sind gewissermaßen das Programm der gemaͤßigten liberalen Partei geworden und werden sicherlich auch bei der naͤchsten Dis- kussion ihre heftigen Vertheidiger finden. Ueber den anderen Punkt, die Handels⸗Verhaͤltnisse, hat sich dagegen die Opposition bis jetzt noch nicht ausgesprochen. Wir haben uns bei jedem Erscheinen einer neuen Nummer der unter der Leitung des Herrn Devaur erschei⸗ nenden Revue nationale vergeblich nach einem Artikel uͤber die⸗ sen wichtigen Gegenstand umgesehen; ein gleiches Stillschweigen hat freilich auch das Organ der katholischen Partei beobachtet, aber aus einem erklaͤrlicheren Grunde, da ihr Haupt⸗Redacteur der Deputirte, Herr Deschamps, einer der nach Paris abgesandten Haupt⸗Commissaire war. Wir sind daher auf die Unterhandlun⸗ gen in der Repraͤsentanten⸗Kammer gespannt, da wir voraus⸗ setzen, daß der Gegenstand von den Haͤuptern der Partei, aus einem hoͤheren Standpunkt besprochen werden wird, als dieses von mehreren Tages⸗Blaͤttern geschehen ist. 1 1

Die Regierung hat den von neuem zur Huͤlfe des Grafen Lehon nach Paris abgesandten Handels⸗Commissairen eine beson⸗ dere Discretion zur Pflicht gemacht. Daß es sich um keine Zoll⸗ Vereinigung handelt, koͤnnen wir auch diesmal versichern. Die Hauptartikel woruͤber man von Belgischer Seite einen Traktat wuͤnscht, sind Eisen, Steinkohlen und Leinwand. Die Journale scheinen ebenfalls eine groͤßere Discretion uͤber die wie⸗

er aufgenommenen Unterhandlungen beobachten zu wollen.

Sie haben nicht einmal den Abgang der neuen Commis⸗ saire angezeigt, obgleich derselbe ihnen wohl nicht unbekannt geblieben ist.

Daß das Ministerium keine systematische Opposition in den Kammern finden wird, haben wir mehrmals ausgesprochen. Einen ersten Beweis davon liefert im Senate von einen der waͤrmsten

Vertheidiger des fruͤheren Ministeriums abgegebene Erklaͤrung, daß er die gegen die vorigen Minister angewandte und von ihm hart getadelte, nach bloßen Tendenzen richtende Opposition nicht selbst gegen die neuen Minister anzuwenden gedenke, vielmehr die Handlungen derselben abwarten werde und daß er, falls diese vom

Geiste der Unparteilichkeit eingefloͤßt seyen, sich offen dem Mini⸗ sterium anschließen werde. Die Minister koͤnnen unter dieser Bedingung dergleichen Gesinnungen der Majoritaͤt in der Repraͤ⸗ sentanten⸗Kammer versichert seyn. Man ist der blos politischen Diskussion muͤde und wuͤnscht an die Erorterung der, manche Ver⸗ besserungen beantragenden, Gesetz⸗Entwuͤrfe zu gehen.

Von dem verungluͤckten Komplott ist kaum noch die Rede; die Untersuchungen werden indessen noch fortgesetzt. Die Preis⸗Vertheilung fuͤr die Industrie⸗Ausstellung hat gestern

in Gegenwart des Koͤnigs vor einem zahlreichen Publikum statt⸗ gefunden. Das Bemerkenswertheste ist wohl die Rede des Be⸗ richt⸗Erstatters der Jury, Herrn Charles de Brouckere, der offen⸗ bar auf die jetzigen Handels⸗Negociation mit Frankreich anspielte und die Meinung aussprach, daß wenn Belgien nicht einige wich⸗ ige Reductionen des Franzoͤsischen Zolltarifs erhielte, es ebenfalls Prohibitiv⸗Maßregeln nehmen muͤsse, obgleich ein Prohibitiv⸗Sy⸗

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stem fuͤr ein Land zweiten Ranges sich noch weniger passe, als

fuͤr große Laͤnder.

Deutsche Bundesstaaten. München, 15. Nov. (Muͤnch. Z.) Ueber die letzten Augenblicke Ihrer Majestaͤt der Koͤnigin Caroline erfahren wir aus zuverlaͤssiger Quelle noch folgendes Naͤhere: Als die Aerzte gegen 8 Uhr Abends erklaͤrt hatten, daß das Aeußerste zu befuͤrch⸗ ten stehe und der Moment der Aufloͤsung nahe, begaben sich Se. Majestaͤt unser allergnaͤdigster Koͤnig, Se. Majestaͤt der Koͤnig von Preußen und Allerhoͤchstdessen Gemahlin, welche das Kran⸗ kenbett ihrer hohen Mutter seit der Verschlimmerung ihres Zu⸗ standes nicht mehr verlassen hatte, nebst saͤmmtlichen uͤbrigen Mit⸗ gliedern der Koͤniglichen Familie in die Gemaͤcher der Sterben⸗ den. Allmaͤlich draͤngte sich auch die Dienerschaft herzu, um die geliebte Herrin noch einmal zu schauen, so daß bald Alles in dem Gemach der theuren Dahinscheidenden weinend auf den Knieen lag. Der Kabinetsprediger Ihrer Majestaͤt der Koͤnigin⸗ Wittwe, Herr Ministerial⸗Rath von Schmidt, naͤherte sich der hohen Scheidenden, um ihr die letzten Trostesworte der Religion zu spenden, wobei sie mit vollem Bewußtseyn, doch gaͤnzlicher koͤr⸗ perlicher Entkraͤftung, durch mehrmaliges Neigen des Hauptes ihren Antheil zu erkennen gab. Ihre Augen blieben diese Zeit uͤber geoͤffnet und schlossen sich erst mit dem letzten Athemzuge. Nachdem Herr Kabinets⸗Prediger von Schmidt sich von dem Ab⸗ leben Ihrer Majestaͤt uͤberzeugt hatte, sprach er einige ergreifende Worte zu saͤmmtlichen Anwesenden, welche sich hierauf tief er⸗ schuͤttert entfernten. So wurde zu einem hoͤheren seligen Daseyn die edle Fuͤrstin sanft und schmerzlos entruͤckt, welche den Abend ihres Lebens durch eine, der reinsten Herzensguͤte entquellende, uner⸗ schoͤpfliche Wohlthaͤtigkeit zu einer Kette von Segnungen fuͤr Hun⸗ derte von Ungluͤcklichen gemacht, die an ihr eine unersetzliche Stuͤtze verloren und deren heiße Dankesthraͤnen ihr in die dunkle Gruft nachfolgen werden. Noch zwei Tage vor ihrem Tode soll Ihre Majestaͤt hinsichtlich der Bittgesuche mehrerer Armen und Be⸗ draͤngten persoͤnlich verfuͤgt haben. Dem Vernehmen nach wird Se. Majestaͤt der Koͤnig von Preußen erst nach der Leichenfeier von hier abreisen.

München, 15. Nov. (A. Z.) Die entseelte Huͤlle Ihrer Majestaͤt der Koͤnigin Caroline wird nach der heute stattfindenden Obduction und Einbalsamirung morgen auf dem Paradebette aus⸗ gestellt. Das blasse freundliche Antlitz der Entschlummerten (von welchem Hofmaler Stieler so eben eine trefflich gelungene Zeich⸗ nung gefertigt) zeugt von keinem schweren Kampf, und sanft scheint der Engel des Todes sie beruͤhrt zu haben. Ein schoͤuer Trost ist der edlen Fuͤrstin dadurch geworden, daß in der Stunde des Scheidens ihre Lieben um sie versammelt waren. JJ. MM. Koͤnig Ludwig und Koͤnigin Therese, JJ. MM. der Koͤnig und die Koͤnigin von Preußen, JJ. KK. HH. der Kronprinz und Prinz Karl, die Herzogin von Leuchtenberg und Her— zogin Max, die Erbgroßherzogin Mathilde van Hessen, die Prinzessin Adelgunde und der Erbgroßherzog von Hessen knieten weinend um das Lager der Sterbenden, und unter diesen hoͤchsten Personen die Frauen und Diener der Koͤnigin, selbst den untersten Hausbedienten war der Eintritt gestattet, ein erschuͤtternder, aber auch ruͤhrender und erhebender Moment. Ihre Majfestaͤten der Koͤnig und die Koͤnigin von Preußen haben gestern das Palais des Herzogs Max bezogen. Das Programm zur Begraͤbnißfeier, die Freitag Nachmittag stattfinden duͤrfte, ist noch nicht erschienen. Diesen Mittag (von 12 bis 1 Uhr) hat das Gelaͤute begonnen, das sechs Wochen hindurch fortgesetzt wird. Das Hoftheater bleibt 14 Tage geschlossen.

Augsburg, 16. Nov. Se. Majestaͤt der Koͤnig von Preu⸗ ßen traf, von kleinem Gefolge begleitet, gestern Vormittag gegen halb 11 Uhr hier ein und stieg im Gasthof zu den drei Mohren ab, wo Se. Majestaͤt der Koͤnig von Wuͤrttemberg ihn erwartete. Auf der Mitt der Haupttreppe begruͤßten sich beide Monarchen auf das herzlichste und zogen sich sodann zu ungestoͤrter Bespre⸗ chung in ihre Gemaͤcher zuruͤck, bis zur Tafel, die in den Appar— tements Sr. Majestaͤt des Koͤnigs von Wuͤrttemberg stattfand, und zu der die beide Monarchen begleitenden Kavaliere beigezogen wurden. Nach aufgehobener Tafel kehrte Se. Majestaͤt der Koͤ— nig von Preußen mit der gewoͤhnlichen um halb 4 Uhr stattfin⸗ denden Eisenbahnfahrt nach Muͤnchen zuruͤck, waͤhrend Se. Ma⸗ jestaͤt der Koͤnig von Wuͤrttemberg gegen 4 Uhr die Ruͤckreise nach Stuttgart antrat.

Stuttgart, 15. Nov. (Wuͤrtt. Bl.), Berathung uͤber den Gesetzentwurf, die Rekruten⸗Aushebung fuͤr 1842 betreffend. S. das gestr. Bl. der St. Z.)

von Werner: Billig muͤsse man sich die Frage zur ern⸗ sten Pruͤfung vorlegen, ob man nach fuͤnfundzwanzigjaͤhrigem Frie— den noch ferner Frieden erhalten werde. Er habe in dieser Be— ziehung keine solche sanguinischen Hoffnungen; es sey kaum ein Jahr, daß es den diplomatischen Bemuͤhungen gelungen sey, die in Osten und Westen erwachte Kriegsfurie zu beschwoͤren; es werde Niemand dafuͤr buͤrgen koͤnnen, daß es ferner gelinge. Aus die⸗ sen Gruͤnden sey er fuͤr die Verwilligung. Der Redner erbittet sich vom Ministertische Aufklaͤrung uͤber Zahlenverhaͤltnisse, indem nach seiner Berechnung das Erforderniß um 100 Mann sich ge⸗ ringer stelle, beruhigt sich aber mit der erhaltenen Erlaͤuterung. Duͤvernoy: Das Ergebniß der heutigen Berathung lasse sich mit Gewißheit voraussehen; man moͤge Gruͤnde vorbringen, welche man wolle, man werde immer mit Bundes⸗Bestimmungen darauf antworten, obschon auch diese schon viele Interpretationen erfahren haben. Ob eine Erleichterung des Volkes eintreten solle, haͤnge allein von dem guten Willen der Regierung ab. Was das Nationalgefuͤhl betreffe, so koͤnne dasselbe nur dadurch geweckt und gehoben werden, daß allenthalben der Rechtszustand herge⸗ stellt und gesichert werde, wozu der Deutsche Bund gerade jetzt bei einem groͤßeren Volksstamme die beste Gelegenheit habe. Frei⸗ herr von Woͤllwarth: Nicht der verminderte Effektivstand, son⸗ dern die politischen Verhaͤltnisse sehen der Grund des Verlangens der Regierung; denn im Jahre 1839 sey der Monnschaftstand noch geringer gewesen, als jetzt, gleichwohl aber habe die Regie⸗ rung nur 3500) Mann verlangt. Wir leben keinesweges im sicheren Frieden, und nur die Weisheit eines Koͤnigs im We⸗ sten habe bis jetzt den Ausbruch des Ungewitters abgewendet. Wir sollten die nach unseren Verhaͤltnissen moͤglichen Vertheidi⸗ gungs⸗Maßregeln nicht zuruͤckweisen, es sey doch ein Schritt zum Ziele. In unserer Macht liege es nicht, die stehenden weelche allerdings ein Uebel seyen, abzuschaffen; uͤbrigens naͤhere sich unser Militair⸗System der Landwehr. Waaser: Wenn er auch die Nothwendigkeit einer Deckung des Ausfalls im aktiven Heere nicht wi⸗ dersprechen koͤnne, so habe doch die Regierung selbst anerkannt, daß die⸗ ser Zweck auf verschiedenen Wegen erreicht werden koͤnne. In dem von

der Regierung im April dieses Jahres uͤbergebenen Gesetz⸗Entwurfe, betreffend die außerordentliche Aushebung in Kriegszeiten, sey ge⸗

sagt, daß durch diese die staͤrkeren ordentlichen Aushebungen ver⸗

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mieden werden. Welcher Weg der beste sey, koͤnne nur eine Pruͤ⸗ fung beider Entwuͤrfe zeigen, daher er wuͤnsche, die Berathung des heute vorliegenden Entwurfes auf die des im April dieses Jahres eingebrachten Entwurfs auszusetzen.

Minister von Schlayer: Was die Vorwuͤrfe gegen den deutschen Bund betreffe, so sey bereits von dem Ministertische geantwortet worden. Auf die Aeußerung des Abgeordneten Duvernoy, daß es in den Willen der Regierung gestellt sey, das Volk zu erleichtern, muͤsse er erwiedern, daß die Regierung indessenollles gethan habe, um die Bundesbestimmungen in dem gelindesten Sinne auszulegen und anzuwenden. Jetzt liege aber eine bundesgesetzliche Interpretation vor, welcher sich weder Re⸗ gierung noch Staͤnde entziehen koͤnnen.

von Stump: Die Mehrheit der Kommissionen, zu der er gehoͤre, sey von dem einfachen Grundsatz ausgegangen, daß da das Erforderniß zu Erfuͤllung der Bundespflicht 21,000 Mann be⸗ trage, der Effektivbestand aber nur 18,839 Mann sey, eine Ver⸗ mehrung der auszuhebenden Rekrutenzahl (4000 statt 3500) statt⸗ haben muͤsse. Man koͤnne nicht sagen, daß die 500 Mann es nicht ausmachen, sie bilden einen Theil des Deutschen Bundes⸗ heeres, von dessen Kompletirung es sich handle. Holzinger: Regie⸗ rung und Staͤnde gingen bei der Exigenz und beziehungsweise Verwil⸗ ligung der Rekruten seit 1820 einerseits von der noͤthigen Erfuͤllung der Bundespflicht, andererseits von dem hiernach sich ergebenden jaͤhr⸗ lichen Beduͤrfnisse der auszuhebenden Mannschaft aus, bei dessen Erhebung die Groͤße des Ausfalls in Folge von Befreiungen haupt⸗ saͤchlich maßgebend war. Daß jetzt ein groͤßerer Ausfall als in den fruͤheren Jahren stattfinde, ist nicht behauptet, und es reduzirt sich der Grund fuͤr die neue Exigenz auf die Sicherheit des Deutschen Vaterlandes in dieser Zeit. Daß der Bundespflicht mit der seit 1827 verwilligten Rekrutenzahl von 3500 genüuͤgt wurde, ist in den staͤndischen Verhandlungen wiederholt anerkannt. Diese Bundespflicht wurde nicht erweitert. Die Interpretation der Bundes⸗Kriegs⸗Ver⸗ fassung vom Juni d. J. bezieht sich nur auf die Reserve, welche ja erst nach ausgebrochenem Kriege in Folge eines besonderen Bundes⸗ beschlusses aufgerufen werden kann. Stahl ist mit den Verthei⸗ digern des Kommissions⸗Antrages der Ansicht, daß durch die Aus⸗ hebung von 4000 Mann eine gleichere Vertheilung auf die Al⸗ tersklassen erzielt werde und wuͤnscht Aufhebung aller Standes⸗ Befreiungen ohne Ausnahme, und der Beschraͤnkung auf das Normalmaß, denn kleine Leute seyen auch Leute und haͤufig staͤr— ker und ausdauernder. Knapp: Er koͤnne sich nicht enthalten, seine Verwunderung daruͤber auszusprechen, wie man uͤber einen Gesetzes-Entwurf lange streiten koͤnne, der sich lediglich auf Zahlen stuͤtze. Wenn die Regierung ihre Verpflichtung gegen den Bund kenne und in der bisherigen Erfah⸗ rung den Maßstab fuͤr die erforderliche Mannschaft ge⸗ funden habe, so haͤtte das Ergebniß laͤngst klar seyn sollen; seyen die genannten beiden Factoren gleichgeblieben, so sehe er keinen Grund ein, warum man eine groͤßere Mannschaft verlange. Der Ministertisch habe waͤhrend der Debatte die Interpretation der Bundesbestimmung als neuen Grund geltend gemacht. Er koͤnne uͤbrigens sein Befremden nicht zuruͤckhalten, daß dieses entschei⸗ denden Grundes in dem Begleitungs-Vortrag mit keinem Wort erwaͤhnt worden sey, was ihn, wenn er auf einen Erfolg rechnen koͤnnte, zu dem Antrag bestimmen wuͤrde, die Sache an die Kom⸗ mission zuruͤckzuweisen. Durch die Zeitumstaͤnde finde er diese Maßregel nicht gerechtfertigt, und wenn auch Vorkehrungen nothig wäͤren, so sey diese Maßregel Jebensalls unzureicheno. 8

Minister von Schlayer: Er sey mit dem Abgeordneten, der so eben gesprochen habe, darin einverstanden, daß es sich von einem einfachen Rechnungs-Exempel handle, weswegen er auch nicht begreifen koͤnne, wie man zur Loͤsung dieses Rechnungs— Exempels die Kommission beauftragen solle. Ein Faktor sey das Bundes⸗Erforderniß, der andere der Ausfall; beide stehen fest, und die Kommission haͤtte daruͤber die befriedigendste Auskunft erhalten können, wenn sie solche verlangt haben wuͤrde. Die Bemerkung, daß man in Erwartung eines neuen Rekrutirungs-Gesetzes die jetzt beantragte Abaͤnderung im Anstand lassen solle, scheine ihm ganz unbegruͤndet, denn beide Gesetze stehen in keinem Kausal⸗ Zusammenhange: das eine Gesetz bestimme die Normen der Aus⸗ hebung, das andere aber die Zahl der erforderlichen Mannschaft.

Deffner: Gerade dieses sey der Zusammenhang dieser bei⸗ den Gesetze, wenn nach dem neuen Gesetze die Befreiungsgruͤnde beschraͤnkt werden, der Ausfall von selbst geringer werden muͤsse. Uebrigens muͤsse er sich die bestimmte Anfrage an das Kriegs— Ministerium erlauben, ob sichere Aussicht vorhanden sey, daß wir die schon lange zugesicherten Bundesfestungen endlich er⸗ halten werden; was von dem Kriegs-Minister bejaht wird. Frhr. von Berlichingen: Er danke unsern Nachbarn im Westen, daß sie uns aus unserem Suͤndenschlafe der letzten 25 Jahre geweckt haben; sie haben Einen Ausdruck von Kraft und Einigkeit in Deutschland hervorgerufen; sie haben uns die Hoff⸗ nung gebracht, daß wir eine Bundesfestung am Ober⸗Rheine er⸗ halten; wir sollten uns nicht wieder in den Schlaf lullen lassen, vielmehr die Regierung in ihren Maßregeln zur Sicherung des Vaterlandes unterstuͤtzen. Der Praͤsident bringt sofort die Frage zur Abstimmung: Soll der Kommissions⸗Antrag angenommen wer den? Diese Frage wird mit 62 gegen 14 Stimmen bejaht.

Schweiz.

Zürich, 12. Nov. (Schweizer Blaͤtter.) Ingenieur Wild schlaͤgt die Herstellung einer Handelsstraße von Basel nach Mailand vor, so daß der Weg von einem dieser Punkte zu dem anderen in fuͤnfundzwanzig Stunden Zeit zuruͤckgelegt wuͤrde und Waaren in Einer Fracht und Spedition einen Ende der Straße zu dem anderen gelangen koͤnnten. Die Basel⸗Mallaͤnder Straße ist ein Glied der Ostende⸗Koͤln⸗Straßburger Straße auf der einen, der Mailand⸗Venediger auf der anderen Seite. Wird die Basel⸗Mailaͤnder Straße so eingerichtet, wie Wild sie vor⸗ schlaͤgt, und die Mailand⸗Venediger Eisenbahn vollendet, so macht ber. Seisende tte 350 Wegstunden von der Nordsee an das Adriatische Meer in 75 Stunden, eine Geschwindigkeit, welche nur bei diesem Alpenpaß erreicht werden kann. Ueberdies fuͤhren zu der Ostende⸗Venediger Linie zu beiden Seiten Straßen, Fluͤsse, Kanaͤle und Eisenbahnen; in ihrer ganzen Laͤnge ist sie mit Staͤdten besetzt, um sie herum wohnt eine dichte Bevoͤlkerung, laͤngs derselben Wohlstand, Handel und Gewerbe. Daß der Zug des Welthandels wieder die Richtung uͤber Alexandrien nimmt, ist kaum zu bezweifeln, so daß von und nach England Personen und Waaren durch das kontinentale Europa ihre Straßen nach dem Mittellaͤndischen Meere nehmen; und da ist dann allerdings die Linie, welche am leichtesten und schnellsten durchlaufen werden kann, diejenige von der Rheinmuͤndung zur Pomuͤndung. Das Projekt von Hrn. Wild verdient um so mehr alle Aufmerksam⸗ keit, da bereits von zwei Seiten darauf hin gearbeitet wird, der Schweiz den großen Verkehr zu entreißen; Oesterreich zieht naͤm⸗ lich durch die Donau-Dampfschiffe und durch die Commmuni⸗ ; Triest aus den Handel nach Wien, Frankreich nach

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Paris von Marseille uͤber Lyon und Muͤhlhausen. Wer wird da nicht mit dem Verfasser ausrufen: Schweizer, wendet Eure Kraͤfte dem nuͤtzlichen Leben zu. Und was antwortet die Wirk⸗ lichkeit? Drei Klostertagsatzungen! 8

v Livorno, 10. Nov. Heute Morgen um 8 Uhr ist unser Großherzog mit seiner erlauchten Familie Gemahlin, Schwe⸗ ster und Tochter, so wie der Großherzogin⸗Wittwe und der Prin⸗ zessin Amalie von Sachsen mit einem ansehnlichen Gefolge, auf dem Toskanischen Dampfschiffe Leopold II. von hier nach Teapel abgereist, woselbst diese hohen Herrschaften einige Zeit zu verweilen gedenken. Das schoͤnste Wetter begleitet sie. Zu Montevideo in Suͤd⸗Amerika leben dermalen so viele po⸗ litische Fluͤchtlinge aus Italien, daß sie ein demokratisches Journal in ihrer Sprache herauszugeben angefangen haben.

Spanien.

O Madrid, 1. Nov. Am 15ten v. M. uͤberreichte Herr Olozaga dem Franzoͤsischen Kabinet eine Note, in welcher er auf Befehl seiner Regierung verlangte, „que le gouvernement français ordonnat“ die Vertreibung der Koͤnigin Christine aus Frank⸗ reich. Am 18ten erhielt er eine kurze, aber aͤußerst scharfe Ant⸗ wort, die ungefaͤhr so lautet: „Man wolle vor der Hand den ungebuͤhrlichen Ton, in welchem seine Note vom 15ten abgefaßt gewesen, unberuͤcksichtigt lassen und nur die Hauptsache beruͤh⸗ ren. Die Koͤnigin Christine sey in Folge einer gegen sie als Regentin gerichteten Bewegung genoͤthigt worden, Spanien zu verlassen, und habe in Frankreich ein Asyl gesucht. Einer Schutz suchenden, verfolgten Fuͤrstin, zumal aber einer Nichte der Koͤnigin der Franzosen, koͤnne die Franzoͤsische Regierung, ohne sich zu entehren, ihren Schutz nicht versagen und muͤsse daher das Ansuchen des Spanischen Gesandten nachdruͤcklichst zuruͤckweisen. Dieser von Sr. Maäjestaͤt dem Koͤnige in Gemeinschaft mit seinem Ministerrathe gefaßte Beschluß werde dem Gesandten hiermit zu erkennen gegeben.“

Herr Olozaga hat sich nunmehr insofern In eine zweideutige Stellung versetzt, als er zuerst hierher meldete, die Koͤnigin Christine habe, ihrer ihm gemachten Erklaͤrung zufolge, durchaus keine Theilnahme an der Bewegung genommen, und dann doch von der Franzoͤsischen Regierung verlangte, die Koͤnigin aus Frankreich zu vertreiben.

Außerdem verlangte er, daß der Spanische General Cleonard, der in Bayonne thaͤtig war, von dort ins Innere geschickt und daß der Franzoͤsische Konsular⸗Agent in Bilbao, der an der dorti⸗ gen Bewegung Theil genommen haben soll, zur Verfuͤgung der Spanischen Behoͤrden gestellt werde. Ersterer Punkt wurde ihm bewilligt, ruͤcksichtlich des letzteren sagte man ihm, falls ich mich recht erinnere, wuͤrde man Erkundigung einziehen. Der wirkliche Konsul war schon seit zwei Monaten von Bilbao abwesend.

Unterdessen ist das Verhaͤltniß zwischen dem hiesigen Minister⸗ Praͤsidenten und dem Franzoͤsischen Geschaͤftstraͤger noch gespann⸗ ter geworden. Letzterer hatte, wie ich Ihnen neulich meldete, von Ersterem die Zusicherung erhalten, daß die Regierung alle Vor⸗ kehrungen getroffen habe, um sein Hotel vor jedem Angriffe sicher zu stellen. Darauf kamen aber die Franzoͤsischen Blaͤtter mit der von dem Franzoͤsischen Geschaͤftstraͤger am Sten v. M. nach Paris abgefertigten telegraphischen Depesche hier an, und diese mißsiel dem Minister⸗Praͤsidenten Gonzalez so, daß Li vbiesev Wieißsecer in einer Note dem Herrn Pageot zu erkennen gab und die Er— wartung aussprach, dieser werde den Text jener Depesche berich⸗ tigen. Herr Paͤgest erwiederte darauf, er habe nur E16“ Regierung Vorschriften zu empfangen und nur an diese Rechen⸗ schaft uͤber seine Schritte abzulegen. 8

Darauf richtete Herr Gonzalez eine neue Note an Herrn

Tageot, indem er ihm sein Befremden zu erkennen gab, daß er etwar fuͤr seine persoͤnliche Sicherheit befuͤrchte, da doch ganz Europa Zisse, daß keine Bevoͤlkerung so großmuͤthig gegen Fremde waͤre, wie Uo von Madrid. Herr Pageot erwiederte ihm darauf, der Minister haͤcg seine erste (in meinem letzten Briefe erwaͤhnte) Note offenbar nicht vrstanden; er (Pageot) haͤtte keinen Schutz fuͤr sich persoͤnlich, sondeen fuͤr das unter dem Voͤlkerrechte ste⸗ hende Hotel der Franzoͤsischen Botschaft verlangt. Dieser Noten⸗ wechsel verlaͤngerte sich, und die Litterkeit des Tones wurde ge— teigert. Die Munizipalitaͤt von Madrid bestane darauf, daß der Ge⸗ neral Concha sich im Hotel der Franzoͤsischen Woetschaft befaͤnde, und daß man in dasselbe eindringen muͤßte. Ein Mitglied machte den Vorschlag, an ein an dasselbe stoßendes hoͤlzernes Gebaade Feuer zu legen, um unter diesem Vorwande in das Hotel eindringen zu koͤnnen. Dieser Vorschlag wurde jedoch natuͤrlich nicht ange— nommen. ““

Herr Pageot hat die Nachricht erhalten, daß die Abreise des Herrn von Salvandy auf unbestimmte Zeit verschoben worden sey. Etwa acht Tage vorher hatte Herr Pageot verlangt, von hier versetzt zu werden. Die Franzoͤsische Regierung hat uͤbrigens, wie ich hoͤre, sein ganzes Benehmen gebilligt.

Der Kriegs⸗Minister hat befohlen, die von den Cortes am 14. August dekretirte Aushebung von 50,000 Mann zu beschleu⸗ nigen, und sogar von Cadix sind alle Truppen nach dem Innern abmarschirt, so daß die National⸗Miliz dort den Dienst versieht. Diese Maßregel scheint mit dem im Englischen Interesse von dem hiesigen Ministerium befolgten Plane in Verbindung zu stehen.

England haͤlt naͤmlich jetzt den Zeitpunkt fuͤr guͤnstig, den Franzoͤsischen Einfluß von der Halbinsel ganz. auszuschließen, und zugleich den Englischen Baumwollen⸗Waaren die freie Einfuhr in die Spanischen Haͤfen zu eroͤffnen. Zu diesem Behufe ieht de Spanische Regierung alle ihre Truppen an die Nordgraͤnze, um in den Baskischen Provinzen die Fueros zu unterdruͤcken und die Zoll⸗Linie an die Franzoͤsische Graͤnze zu ver⸗ legen, wie in diesem Augenblicke geschieht. Zu gleicher Zeit nimmt man aber aus der in Barcelona stattfindenden Volks⸗ bewegung Veranlassung, Truppen nach Catalonien zu schicken, und allem Anschein nach wird sich Espartero, ehe er nach Madrid zuruͤckkehrt, selbst dorthin begeben, um Vorkehrungen ge⸗ gen einen Aufstand zu treffen, auf den man fuͤr den Fall der Freigebung der Einfuhr der Englischen Baumwollen⸗Waaren ge⸗ faßt seyn muß. Diese wird, wie kaum zu bezweifeln, von Seiten der Englischen Regierung gegen einen Tarif, neben welchem die Fabrikanten Cataloniens nicht bestehen koͤnnen, binnen kurzem erreicht werden, und um Espartero um so geneigter zu einem solchen Zugestaͤndnisse zu machen, setzt man ihm das Messer auf die Brust, indem die Journale des Englischen Ministeriums (Standard, Post) auf der einen Seite eine boͤse Miene gegen ihn persoͤnlich annehmen, und auf der anderen ihm doch zeigen, daß England die einzige Macht sey, die ihn noch unterstuͤtzen und retten könne. Er muß daher zugreifen, und sich zum Herrn von Ca⸗ talonien machen, ehe die Bewegung von Barcelona zu weit um sich greift. Ein Dekret des Regenten vom 27sten befiehlt

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demnach, daß alle „Sicherheits⸗Junten“, als nicht mehr

erforderlich, sich sofort aufloͤsen sollen. Wir erhielten zwar grade vorgestern die Nachricht, daß die Einwohner Barcelona's, sobald (man weiß nicht recht warum?) die Truppen von dort ausmarschirt waren, die gegen die Stadt gerichtete Seite der Ci⸗ tadelle demolirten; indessen glaube ich, daß, wenn die Regierung ernstlich will, die dortige Junta sich, so wie die uͤbrigen, aufloͤsen werde. Denn nur mit der (freilich geheimen) Einwilligung und Beguͤnstigung der Regierung ist sie zusammengetreten.

Durch die Freigebung der Einfuhr Englischer Baumwollen⸗ Waaren erreicht England seinen Hauptzweck, und macht sich Spa⸗ nien so zinsbar, wie Portugal es ihm bereits ist. Natuͤrlich wird Frankreich alles aufbieten, um jenes Zugestaͤndniß zu verhindern, oder doch, da jenes nicht mehr zu hintertreiben seyn moͤchte, Spa⸗ nien seinen Zorn entgelten zu lassen. Franzoͤsische Baumwollen⸗ Waaren koͤnnen mit den Englischen nicht konkurriren, und die einzigen Artikel, deren freie Einfuhr in Spanien Frankreich nach Aequivalent verlangen koͤnnte, naͤmlich Weine und Seiden⸗ waaren, schließen sich von selbst vom Spanischen Markte aus, da dieses Land Wein im Ueberfluß erzeugt, und Franzbsische Seidenwaaren, obgleich verboten, von Spanischen Fabrikanten uͤberall fuͤr inlaͤndische Fabrikate verkauft werden.

Allein die Franzoͤsische Regierung hat an Spanien wegen der Kriegskosten von 1823 noch eine Forderung von 80 Mil⸗ lionen Fr. Kapital und 25 Millionen ruͤckstaͤndiger Zinsen geltend zu machen, und vielleicht duͤrfte sie durch Bestehen auf schleunige Zahlung das Spanische Kabinet in Verlegenheit zu setzen suchen, falls dieses die von Seiten Englands verlangten Konzessionen macht.

Die hiesigen ministeriellen Blaͤtter beharren bei ihrer den ge— waltigsten Propagandismus predigenden Sprache und fordern das Franzoͤsische Kabinet, im Gegensatz zu der Nation, in sehr hohem Tone zum Kampfe heraus. Die meisten dieser Artikel schreibt der bekannte Marliani.

Hier in Madrid ist die Mehrzahl der den hoͤheren Staͤnden angehoͤrenden Familien in tiefe Trauer versetzt. Die naͤchtlichen Haussuchungen dauern fort und fuͤhren bisweilen, wie neulich in den Palaͤsten des Herzogs von Frias und der Graͤfin del Mon⸗ tijo, zu Verhaftungen.

Der in die Ereignisse der Nacht vom 7ten v. M. verwickelte Brigadier Quiroga y Frias, obgleich von dem Kriegsgericht nur zur Gefaͤngnißstrafe verurtheilt, soll auf Espartero's Befehl er— schossen werden. Gleiches Schicksal werden die beiden Bruͤder Fulgosio erdulden, die fruͤherhin unter Don Carlos dienten.

Der Marschall Saldanha ist eigentlich nur deshalb hierher gekommen, um sich von dem Zustande der Dinge zu unterrichten. Er wird nicht in das Hauptquartier Espartero's, sondern gerade nach Valencia gehen, um sich von dort nach Italien einzuschiffen und sich auf seinen Gesandtschaftsposten nach Wien zu begeben.

Die Thore sind hier seit vorgestern wieder geoͤffnet.

Die Regierung scheint nun doch entschlossen zu seyn, die Cortes auf den Dezember einzuberufen.

Mexiko.

Die Hamburger Neue Zeitung theilt uͤber den Ver⸗ lauf des Ausstandes, welcher am 31. August in der Stadt Mexiko ausgebrochen, folgende Auszuͤge aus Privatbriefen mit, die ihr aus dieser Hauptstadt zugegangen und bis zum 14. September reichen:

21. AA88 ti t1. v“ 1“ B „„ 1u“ 8 der in diesen Tropen so heftigen Gewitter mit Sturm und Regen sich entladen wollte, wurde ich durch ein sonst ungewoͤhnliches Geraͤusch auf der Straße ans Fenster gerufen; ich erblickte nun, wie große Massen Leute hin und her liefen und Jeder seiner Wohnung zueilte. Anfangs glaubte ich, die Leute fuͤrchteten sich vor dem Regen, allein da ich bemerkte, daß unsere Nachbaren ihre Fensterladen zumachten so stellte ich Nachfragen an und erfuhr zu meinem Erstaunen, daß ein naher Verwandter des Praͤsidenten Bustamente, der General Va leneig, welcher im vorigen Jahre gegen die Revolution kaͤmpfte und der deshalb noch vor wenigen Wochen einen werthvollen Ehren⸗Sä⸗ bel erhalten hatte, sich gegen die Regierung erklaͤrt habe. Hier nennt man dies nicht rebelliren, sondern pronunziren, und die Rebellen nen nen sich Pronunciados. General Valencig hat sich mit den besten Truppen pronunzirt und die sogenannte Citadelle eigentlich Ta⸗ backsfabrik, ein isolirtes mit Graͤben umgebenes Gebaͤude am Rande der Stadt in Besitz genommen. Die Anzahl dieser Truppe wird verschieden angegeben und schwebt zwischen 700 und 2000 Mann, je⸗ denfalls haben sie eine bessere und zahlreichere Artillerie als die Re⸗ gierung, Man vermuthet, daß General Valencia sich ruhig verhal- ten wird, bis Santana von Veraeceruz und die Generale Paredes und Cortazar aus dem Innern kommen. S. . B

Abends 7 Uhr. Der alte Praͤsident scheint noch fest ent⸗ schlossen zu seyn, seine Herrschaft zu vertheidigen; ich sah ihn an der Spitze seiner ihm treu gebliebenen Truvpen durch die Stadt vom Palaste ausziehen; es moͤgen wohl 300 Mann Infanterie und 350 Mann Kavallerie seyn; um sich vor der Bevoͤlkerung den An⸗ schein zu geben, als waͤre er noch im Besitz vieler Truppen, waren sie zwei und zwei aufgestellt. Da ich als Neuling in diesem Lande zum erstenmal in meinem Leben die Soldaten sich zur Schlacht vorbereiten sah, so erschuͤtterte mich sehr der tiefe Ernst, der auf allen Gesichtern war, und die bedeutungsvollen Bewegungen des Ganzen. Die Merikaner sind gewohnt, sich zu schlagen, allein jetzt sollen diese Soldaten gegen Regimenter kaͤmpfen, worunter viele ihrer Freunde, Bekannte und Verwandte, mit denen sie noch vor einigen Tagen in Eintracht lebten. Der Praͤsident Bustamente wohnt schon seit einiger Zeit im Kloster St. Agustin, welches er sicherer als den Palast glaubt. Der Palast ist dadurch besonders vertheidigt, daß die Thuͤrme der nebenstehenden Kathedrale mit Ka⸗ nonen besetzt wurden. In diesem Lande sind alle Gewoͤlbe und Mauern erstaunlich solid gearbeitet; jedes Haus kann eine gute Verschanzung werden.

Abends 10 Uhr. uUm fuͤr den Fall einer Sperrung der Stra⸗ ßen keinen Hunger zu leiden, haben wir uns verprovigntirt und, um uns gegen Pluͤnderer zu vertheidigen, alle Waffen in Ordnung ge— bracht, Kugeln gegossen und Patronen angefertigt. Zu⸗ Morgen fruͤh erwartet man einen Angriff auf die Citadelle.

1. September. Da das Haus, in welchem ich wohne, ganz in der Raͤhe des Klosters St. Agustin liegt, so hoͤrte ich waͤhrend der ganzen Nacht das Rufen der Schildwachen „quien vive! „sen- tinela alerta!“ Mit Recht wird dem Praͤsidenten Bustamente vorge⸗ worfen, daß er die besten Augenblicke unbenutzt voruͤbergehen lasse, und so ist es auch jetzt der Fall. Als ich heute Morgen vor der Stadt spazieren ging, sah ich, wie die Pronunzirten sich ungestoͤrt mit Mu⸗ nition und Lebensmitteln versorgten. Die Pronunzirten haben schoͤne Kanonen und sind die am besten gekleideten Soldaten. Die eigent⸗ liche Ursache, daß es dem General Valencia gelang, rasch so viele Truppen an sich zu ziehen, ist, daß er jedem seiner Soldgten taͤglich einen harten Spanischen Thaler giebt, waͤhrend die Regierungstrup⸗ peu fast keine Loͤhnung erbalten. Bustgmente hat die Zugaͤnge des Klosters St. Agustin mit Wollsaͤcken verschanzt; bei den Kanonen vor dem Päalaste stehen brennende Lunten. 1“] .

Abends 11 Uhr. Eben wurde hier unsere starke Thuͤr noch mit Balken und Sandsaͤcken verrammelt; andere auslaͤndische Haͤuser haben dasselbe gethan. Waͤhrend dieser Zeit hoͤrten wir von St. Agustin schießen. 8 88

* 2. Seprember. Die Kanonade von gestern war nur auf einige Deserteurs gerichtet, die aus St. Agustin fortliefen. Valeneig hat

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am Rande der Stadt nach und nach alle feste Punkte in Besitz ge⸗ nommen, namentlich die Kirchen; derselbe erließ eine Proclamation, worauf die Regierung antwortete und auch darin sagte, daß die Aus

laͤnder an diesem Buͤrgerkriege Schuld seyen; indessen haben die Ge⸗

sandten gleich darauf Noten uͤberreicht, worin sie erklaͤren, daß sie fuͤr alle daraus den Auslaͤndern entstehenden Nachtheile die Mitglie⸗ der der jetzigen Regierung persoͤnlich verantwortlich machten. Seit gestern sind alle Waarenlager geschlossen und ist der Befehl ergangen, die Haͤuser nicht zu verlassen. Heute Mittag wurde heftig gefeuert, mehrere Bomben geworfen, wovon aber nur wenige trafen, wir hoͤr⸗ . netae das Pfeifen der Kugeln, welche uͤber unser Haus weg⸗ ogen.

5. September. Der Kampf waͤhrt laͤnager, als man erwartete, in diesen Tagen sind manche Granaten und Bomben aus den Ver⸗ schanzungen geworfen worden, ein eigentlicher Angriff fand aber nicht statt; es sind wohl mehr Menschen, die zufaͤllig auf der Straße kamen, als Soldaten erschossen. Der Magistrat hat dem Praͤsiden⸗ ten alle Vollmachten uͤbergeben, dieser hat die 15 pCt. Konsumozoll aufgehoben, aber nur auf unbestimmte Zeit. Man redet viel davon, daß eine Pluͤnderung stattfinden werde.

7. September. Die Stadt ist in Belagerungsstand erklaͤrt worden, Santana ist noch in Perote und soll sich vorlaͤufig nicht weiter wagen, weil 700 Mann ganz vorzuͤglicher Kavallerie der Re⸗ gierung ihn verhindert, die Ebene vor Puebla zu passiren.

11. September. Heute zog der Praͤsident mit seinen Truppen

gegen die Citadelle, kehrte aber bei Zeiten wieder zuruͤck, weil er fuͤrchtete, abgeschnitten zu werden. 1.214. September. Da die Regierung seit der Franzdsischen Blokade eine große Furcht vor Reclamationen Europaͤischer Mächte hat, so erließ sie in einem Buͤlletin die Aufforderung, daß die Aus⸗ länder ihre National⸗Flagge von den Haͤusern wehen lassen moͤchten, damit im Fall einer Pluͤnderung nur die Mexikaner heimgesucht wuͤr⸗ den, aber noch ist keine Flagge erschienen. Der Kongreß giebt sich alle erdenkliche Muͤhe, um noch bis zum 31. Dezember zu regieren. Gestern war der Erzbischof in der Citadelle, um ein Triumvirat zwi⸗ schen Santana, Valencia und Bustamente zu Stande zu bringen, die bronuziirten wollen aber nichts von solchen Vertraͤgen wissen und al⸗ ein herrschen. General Paredes wird am 17ten d. mit 14 Kanonen und 3000 Mann erwartet; wahrscheinlich wird dann Bustamente von allen seinen Truppen verlassen werden; bis dahin sitzen wir in unse⸗ ren verschanzten Haͤusern. 8

Der Praͤsident der Republik hat unterm 10. Sept. eine Pro⸗ den an seine Mitbuͤrger gerichtet, welche solgendermaßen eginnt:

„Mexikaner! Die politische Krisis, in welche die Republik durch die Militair⸗Revolutionen in Guadalaxara unddieserHauptstadt versetzt wor⸗ den ist, das dadurch uͤberall erregte Aufsehen und die große Aengstlichkeit, womit alle Staͤnde des Landes erfuͤllt sind, veranlaßt mich, Euch aufs neue anzureden. Es ist meine Pflicht, Euch heilsame Wahrheiten einzupraͤgen, die Ihr niemals aus dem Gesicht verlieren muͤßt, indem ich uͤberzeugt bin, daß Euer gesunder Verstand hinreichen wird, um den Strom der Revolution aufzuhalten. Erlaubt mir, daß ich Euch das Gewebe ecklaͤre, welches die Stoͤrer des Landfriedens gemacht ha⸗ ben, daß ich ihnen die Maske abreiße, womit sie ihre Machinationen bekleiden, und daß ich die Widerspruͤche ihrer Plaͤne und die Unge⸗ rechtigkeit, womit sie als blutige und grausame Richter ihrer Mit⸗ buͤrger auftreten, darlege. Daß die Nation schwere Leiden erduldet hat, daß sie sich nicht in dem Zustande der Bluͤthe befindet, wozu sie von der Vorsehung berufen ist, daß sie wichtiger Reformen in ihren Institutionen und Verwaltungszweigen beduͤrfe, das ist so notorisch und unbestritten, daß nicht ein einziger Mexikaner vernuͤnf⸗ tigerweise daran zweifeln kann. Die hohe Regierung hat es in vielen offiziellen Dokumenten wiederholt, und ich habe es in den Reden be⸗ kannt, die ich an die National⸗Versammlung richtete. Es ist schon erklaärt worden, welches die verschiedenen Ursachen dieser Uebel gewe⸗ uno verg gnd mehr oder weniger treffend hat man uübee die Erfolge

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schiedenen NeorernnennneeeEn. 4. 89 Wie nun auch das Urtheil ausfallen mag, welches uͤber den Einfluß eines jeden Elementes der Desorganistrung und der Unordnung gefaͤllt wird, die oͤffentliche Meinung ist gegen die Umwaͤlzungen, welche der Ehrgeiz von Militair⸗Chefs und ihr wiederholter Abfall veranlaßte. Ohne diese wuͤrde der Friede erhalten worden seyn, Ueberlegung und die Macht der Zeit und der Aufklaͤrung wuͤrden unsere politischen Jrrthuͤmer verbessert haben, es wuͤrden die Leidenschaften nicht aufgeregt, noch die heiligen Namen der Freiheit und des Pa⸗ triotismus gemißbraucht worden seyn; unsere verarmte Schatzkammer wuͤrde geordnet seyn und Ueberfluß an Geld haben; in den hoͤchsten Graden der Gesellschaft wuͤrden nur Verdienst und Tugend sich zei⸗ gen, welcher Art auch die politische Ansicht seyn moͤchte, ohne sie end⸗ lich wuͤrde Mexiko eine ausgezeichnete Stellung unter den civilisirten Voͤlkern der Erde einnehmen. Aber durch einen unerklaͤrlichen Wi⸗ derspruch haben Einige, welche fuͤr unseren Ruhm und unsere Gluͤck⸗ seligkeit fochten, sich immer gegen die rechtmaͤßigen Behoͤrden empoͤrt, indem sie das Ungluͤck, die Unordnung, Fruͤchte ihrer Verraͤthereien, benutzen. Sie beklagen sich daruͤber, daß die Autoritaͤten keine Ener⸗ gie besitzen, und sind selbst die Ersten, welche Insubordination und Ungehorsam proklamiren; sie beklagen das oͤffentliche Elend und hö⸗ ren nicht auf, sich auf Unkosten des Volks zu vergroͤßern und ihre Leidenschaften zu befriedigen; sie nennen die Regierung despotisch, waͤhrend sie mit hoͤchster Milde und Nachsicht handelt, und sie ver⸗ letzen die der ganzen Nation gebuͤhrende Achtung, indem sie sich Re⸗ formatoren und Befreier derselben nennen.“

Der Praͤsident spricht dann noch weiter uͤber die Charakter⸗ losigkeit dieser Parteifuͤhrer, worauf er zu einer Rechtfertigung seiner Verwaltung uͤbergeht und hieruͤber unter Anderem sagt:

„Umgeben von Schwierigkeiten, waͤhrend die Republik von so verschiedenen Meinungen und Parteien bewegt wurde, die Triebfedern des Gehorsams und der Achtung gegen die Gesetze und Behoͤrden schlaff waren und jene von inneren und aͤußeren Feinden angegriffen war, lasteten auf mir alle Unordnungen der fruͤheren Revolutionen. Meiner immer reinen und patriotischen Absicht standen Ereignisse im Wege, die ich, wenn ich sie auch voraussah, nicht verhindern konnte; und die Nation kann nicht vergessen, wie groß die Verlegenheiten waren, in welche mich der Ehrgeiz der einen, das ausschweifende Be⸗ nehmen anderer, und mehr als Alles die verschiedenen Urtheile der guten Mexikaner uͤber die Maßregeln des Heils und der Ver⸗ groͤßerung des Vaterlandes versetzten. Und wie kann ich einen einstimmigen Beifall haben, wenn sich die Gemuͤther entzuͤnden und sich die blutigste und ungluͤckseligste Anarchie vorbereitet? Ich kann mich jedoch auf Euren unparteiischen Ausspruch be⸗ rufen, und Euch mit Freimuth und Wahrheit versichern, daß ich kein Mittel irgend einer Art versaͤumt habe, um die revolutionaire Unordnung im Zaum zu halten. Ich habe lebhaft (mit gutem Er⸗ folg, so weit es im Bereiche der erhabenen Kammern stand) auf constitutionelle Reformen gedrungen; ich habe zur Bekleidung der Ministerien Maͤnner von bekannter Rechtlichkeit und Geschicklichkeit berufen; ich habe so viele Verbesserungen eingeleitet, als mir in den Zweigen der Staats⸗Verwaltung angemessen schien; ich babe mich bemuͤht, gewissenhaft die Verpflichtungen des oͤffentlichen Schatzes zu erfuͤllen; ich habe puͤnktlich die zur Deckung der Zinsen der auswaͤrtigen Schuld bestimmten Summen bezahlt, und ich habe die individuellen Garantieen aufs hoͤchste geachtet und vertheidigt. Ich habe mehr gethan; ich habe die Beleidigungen und die Angriffe vergessen, welche der Ehrgeiz oder die Verkehrtheit auf mich machte; und ich habe waͤhrend der bedenklichen Periode meiner Verwaltung eine Politik verfolgt, welche vielleicht nicht das Richrige 1557 die aber gewiß das Verdienst der Nachsicht und der 2 uldung hat.

Nachdem der Praͤsident ferner erklaͤrt hat, daß er sich stets nur als Organ des im Kongresse ausgesprochenen Nationolwillens betrachtet habe, vergleicht er hiermit das Benehmen der Ches

Partei, indem er von ihr sagt: 1

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