1841 / 329 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

Odilon Barrot und Ber heide de ngeklagte uͤbernehmen, ist ein hinlaͤnglicher Beweis, daß die verschiedenen Parteien diese Gelegenheit nicht wollen lassen, g8 in dem genannten Prozeß behandelten besonderen Fall . gemeine Gebiet des constitutionellen Rechtes und die Pafifro⸗ heit uͤberhaupt hinuͤberzuziehen. Nun aber koͤnnen Diskussio⸗

nen der Art dem le vo es, ohne e6e“ Prinzipe unkonsequent zu erscheinen, allen Debatten uͤber parlamentarische Reformen ausweichen moͤchte. Es hat daher zu wiederholtenmalen durch seine Organe nachdruͤcklich genug ausgesprochen, wie in der Gegenwart die sozialen Wirren im Innern des Landes seine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen, und die Prozeß⸗Akten der Kommunisten, welche jetzt von dem Pairshofe gerichtet werden, mußten die das Land bedrohende Gefahren enthuͤllen und die Wahrheit jener Angabe bestaͤtigen. 8 Demnach kann, wie gesagt, der Ausgang des Pro⸗ zesses des Herrn Ledru⸗Rollin nicht ohne Bedeutung fuͤr die Regierung seyn, und die Art, wie das Journal la Presse gestern ausfuͤhrlich den Gegenstand besprach, ließ sogar einige Be⸗ sorgniß von ihrer Seite durchblicken. Es erging darin namentlich an den beruͤhmten Redner der Legitimisten die nachdruͤcklichste Mahnung, nicht fuͤr das seiner Partei so heterogene Prinzip der sogenannten Volks⸗Souverainitaͤt der Radikalen das Wort zu fuͤhren, und wenigstens bei dieser Gelegenheit zu zeigen, daß er eine falsche Richtung, in welcher er sein Talent verbrauche, auf⸗ geben koͤnne. Es ist daher nicht der Deputirte der Sarthe, nicht der Sprecher einer radikale Grundsaͤtze enthaltenen Rede, son— dern ein Prinzip, welches vor dem Assisenhof von Angers von der gesammten Opposition der Regierung gegenuͤber vertheidigt werden wird. Wie aber auch der Ausgang dieses Prozesses seyn mag, die Regierung wird sich, selbst in dem fuͤr sie unguͤnstig⸗ sten Falle, keinesweges kompromittirt haben, da nicht sie, sondern der Gerichtshof von Angers aus freien Stuͤcken den Prozeß ein- geleitet hat.

Großbritanien und Irland. London, 20. Nov. Mistreß Brough, die Amme des Kron⸗ prinzen, empfaͤngt als solche, außer Extrageschenken, eine Besol⸗ dung von 1000 Pf. St. Ihr eigenes Kind ist einer anderen Amme uͤbergeben worden. Mehrere sehr vermoͤgende Frauen hat⸗ ten sich um die Ehre beworben, Amme des Kronprinzen zu seyn. Die praͤchtig eingerichtete Kinderstube ist gerade neben dem Zim⸗ mer der Koͤnigin. Prinz Albrecht fuͤhrt oͤfters Personen hinein, um ihnen den kleinen Thronerben zu zeigen, der so groß und stark ist, wie sonst gewoͤhnlich ein gesundes Kind von zwei Monaten. Der zu Birmingham bestehende Verein gegen die Korngesetze hielt dieser Tage eine Versammlung, um von Herrn Curtis aus Amerika, der dazu aufgefordert worden, eine Vorlesung uͤber jene Gesetze zu vernehmen. Schon zuvor hatten die Chartisten ihre Anhaäͤnger eingeladen, sich in der Versammlung einzustellen, die mehrere tausend Personen zaͤhlte und in der Stadthalle abgehal⸗ ten wurde. Kaum hatte der Praͤsident den Vorsitz eingenommen, als White, ein Chartist, von der Gallerie her einen anderen Vor⸗ itzer verlangte und mit seiner Partei, als dies abgelehnt wurde, in furchtbares Heulen, Pfeifen und Laͤrmen erhob. Es wurde jetzt die Frage gestellt, ob man Herrn Curtis hoͤren wolle, eine ungeheure Majoritaͤt durch Haͤndeaufheben be⸗ ahte; White und seine Anhaͤnger aber, etwa 200 an er Zahl, schrieen und tobten so laut, daß Herr Curtis ich nicht vernehmbar machen konnte. ihn losstuͤrzten und ihn ohne Einmischung des Comité's uͤber die Gallerie hinabgestuͤrzt haͤtten; sein Hut wurde jedoch in Stuͤcken gerissen, und bei einem zweiten Andrange auf ihn verließ er mit seinen Anhaͤngern den Saal, nachdem Herr Sturge die Versamm⸗ lung fuͤr aufgehoben erklaͤrt hatte. Letzterer sah die Gefahr, worin White sich beim Herausgehen befand; er draͤngte sich daher durch die Menge, nahm ihn unter den Arm und geleitete ihn aus dem Gebaͤude; ohne den Beistand dieses einflußreichen Ver⸗ eins⸗Mitgliedes waͤre White von dem erboßten Haufen jedenfalls schlimm zugerichtet, wo nicht todtgeschlagen worden. In der woͤchentlichen Versammlung, welche der Repeal⸗Ver⸗

ein zu Dublin am 16. November hielt, theilte O'Connell mit, daß

er eben aus Amerika 100 Pfd. St. fuͤr die Zwecke des Vereins empfangen habe, und aͤußerte, daß Mac Leod's Freisprechung ihn sehr freue, da sie jeder feindlichen Stimmung, welche etwa zwi⸗ schen beiden Laͤndern geherrscht habe, ein Ende machen muͤsse. Der Lord⸗Mayor hielt alsdann eine ausfuͤhrliche Rede, worin er den Zustand der in- und auslaͤndischen Augelegenheiten als sehr un⸗ guͤnstig schilderte und zugleich die Abnahme der Irlaͤndischen Be⸗ völkerung hervorhob. Die Wochen⸗Einnahme des Vereins wurde zu 229 Pfd. St. angegeben.

Die Morning Chroniele, welche angeblich noch immer direkte Mittheilungen von Lord Palmerston erhaͤlt, giebt der Mor⸗ ning Post nicht viel weniger als Verrath am Vaterlande Schuld, weil dieselbe in der Spanischen Frage Portei fuͤr die Franzosische Regierung nehme. „Ludwig Philipp“, sagt die Chronicle, „wird seine Entwuͤrfe auf Spanien nicht leicht aufgeben. Die Mor⸗ ning Post, welche die Ehre eines ministeriellen Servilismus an- strebt, hat ein Fuͤhlhorn ausgestreckt, um zu sondiren, inwiefern

ine Französische Invasion in Spanien wuͤrde in England geduldet werden. Es liegt klar zu Tage, daß die Franzoͤsische Regierung oder der Französische Hof entschlossen ist, wo moͤglich einen Akt zu provoziren, der einen Angriff auf Spanien rechtfertigen wuͤrde. Fran⸗ zosische Truppen sammeln sich an der Graͤnze, ein Franzoͤsisches Ge⸗ schwader ist nach Barcelona beordert, der diplomatische Verkehr zwi⸗ schen dem Spanischen Botschafter und dem Kabinet der Tuilerieen wird taͤglich gespannter. Auch wenn der Regent auf Marie Christinens Ausweisung von Paris nicht besteht und er wird es gewiß nicht wird es doch an einer neuen Ursache zum Zwist nicht fehlen. Unmoͤglich koͤnnen wir diesem drohenden Stande der Dinge unsere Augen verschließen. Kein Staatsmann in England, 8 der nicht im Jahre 1823 seine Stimme gegen den damaligen Franzoͤsischen Feldzug erhoben haͤtte. Der Herzog von Wellington Lord Aberdeen, Herr Canning, Herr Peel, die ganze ministerie 18

8 sterielle

Partei jener Tage, war der Meinung, man müͤsse der Französi⸗ schen Politik mit jedem Mittel, wirkliche Feindseligkeit ausgenom⸗ men, entgegenwirken. Die liberale Partei wuͤrde bis zu wirk⸗ licher Feindseligkeit vorgegangen seyn. Nun, wo ist der Un⸗ terschied zwischen den relativen Stellungen beider Laͤnder, Frank⸗ reichs und Spaniens, im Jahre 1841 und im Jahre 18232

Laͤßt sich eine Invasion Spaniens jetzt eher rechtfertigen, als da-

mals?“ Das genannte Blatt getroͤstet sich uͤbrigens der Hoffnung, daß Lord Aberdeen die Ansichten der Morning Post nicht theile. Die Morning Post nun verwahrt sich gegen die von der Whig⸗ zeitung ihm untergeschobenen Absichten; sie habe nichts gesagt, als daß die Englische Regierung billigerweise die Stellung eines Sou⸗ verains zu erwaͤgen habe, dessen Nachbarschaft an Spanien ihn

unvermeidlich in dessen verzweifelte politische Stuͤrme mit hinein⸗

rver die Vertheidigung des Angeklagten

in einem Augenblick um so ungelegener g. 4 %. 2 * Gefahr sich aufzuloͤsen oder auch nur in sei⸗

Die Erbitterung der Ver⸗ sammlung gegen White war so groß, daß mehrere Arbeiter auf

1468

ziehe. Nur fuͤr das monarchische Interesse habe sie gesprochen, das in Spanien und mittelbar durch dieses in Frankreich ge⸗ faͤhrdet sey. Der ebenfalls Toryistische Courier findet es son⸗ derbar, daß Whigblaͤtter jetzt den Rath ertheilten, Spanien fuͤr sich allein gewaͤhren zu lassen, waͤhrend doch Lord Palmer⸗ ston's Politik in Bezug auf dieses Land eine fortgesetzte Einmi⸗ schung gewesen sey.

In Sheffield hielt kuͤrzlich die dortige Gesellschaft fuͤr Be⸗ foͤrderung des freien Handels eine sehr zahlreich besuchte Ver⸗ sammlung, welcher fast alle bedeutenderen Kaufleute und Fabri⸗ kanten beiwohnten. Die gefaßten Beschluͤsse sprachen sich fuͤr Aufhebung aller Einfuhrzoͤlle aus.

Auf dem Theemarkt werden gegenwaͤrtig wenig Geschaͤfte gemacht, da auf den 19ten eine starke Auction angekuͤndigt ist; der Kongothee der Compagnie ging daher etwas herunter.

Der Herzog von Wellington laͤßt die Hauptsaͤle und Zimmer seines Landsitzes zu Strathfieldsaye voͤllig neu moͤbliren, da er im Fruͤhjahre den Besuch der Koͤnigin und des Prinzen Albrecht dort erwartet.

Lord Elgin und Graf von Kincardine, einer der Revpraͤsenta— tiv⸗Pairs von Schottland, General⸗Lieutenant in der Armee, Ge⸗ neral der Schottischen Bogenschuͤtzen, Kurator des Britischen Museums und Mitglied des geheimen Raths, ist zu Paris in sei⸗ nem 76sten Lebensjahe gestorben. Vor etwa 30 Jahren leistete derselbe als Botschafter in Konstantinopel wichtige Dienste. Am bekanntesten hat er sich durch seine in Athen zusammengebrachten Kunstschaͤtze des Alterthums gemacht, welche spaͤter ins Britische Museum kamen. Sein aͤltester Sohn, Lord Bruce, erbt seinen Familientitel. 8

16“”“ FGFelgien.

Brüssel, 21. Nov. In der verflossenen Nacht der großen Haupt-Kirche zu St. Jacob auf Caudenberg ein ge⸗ waltsamer Einbruch veruͤbt, bei welcher Gelegenheit der Kauͤster, der das Geraͤusch vernommen hatte und herbeigeeilt war, von den Raͤubern geknebelt und mißhandelt wurde. Man weiß noch nicht, welche Gegenstaͤnde von den Letzteren, die bis in die Loge der Koͤ— nigin gedrungen waren, mitgenommen worden sind.

Die gestern erwaͤhnte Gas-Explosion in einem Kohlen-Berg— werke bei Quaregaon im Hennegau, hat ungemein betruͤbende Folgen, indem die ganze Mine eingestuͤrzt ist. Von sieben Arbei— tern, die man wieder ans Tageslicht brachte, konnten nur zwei ins Leben zuruͤckgerufen werden; 23 befinden sich noch verschuͤttet.

Belgiens Handel erreichte im Jahre 1840 die Summe von 430 Millionen Fr., fast den fuͤnften Theil des Französischen Han⸗ dels, obwohl die Bevoͤlkerung nur den zehnten Theil der Volks⸗ menge Frankreichs zaͤhlt. Die Einfuhr betrug 246, die Ausfuhr 184 Millionen Fr. Darunter war Transit fuͤr 84 Millionen Fr.; zum eigenen Gebrauch wurden fuͤr 200 Millionen Fr. eingefuͤhrt, an eigenen Produkten fuͤr 140 Millionen Fr. ausgefuͤhrt. Frank⸗ reichs Transit betraͤgt 30 pCt., Belgiens Transit 19 pCt. des gan⸗ zen Handels. In Belgien hat der Transithandel sich in den letz⸗ ten 6 Jahren verdreifacht; in Frankreich nahm er eher ab als zu. Belgien erhielt drei Fuͤnftel der Einfuhr zur See; zwei Drit⸗ tel der Ausfuhr gehen uͤber die Landgraͤnzen. Die Belgische Schifffahrt befoͤrderte von der etwa 60 Millionen Fr. betragen⸗ gen Ausfuhr zur See nur etwa 16 ½ Millionen Fr. Frankreich erhielt fast die Haͤlfte der ganzen Ausfuhr, naͤmlich fuͤr 85 Millio⸗ nen Fr., waͤhrend es selbst nur fuͤr 52 Millionen Fr., worunter blos fuͤr 15 Millionen Fr. eigene Produkte in Belgien einfuͤhrte.

* Brüssel, 22. Nov. Die Adresse auf die Thron⸗Rede ist diesmal, wie Ihnen schon bekannt, von der Repraͤsentanten— Kammer ohne alle Diskussion und Opposition einstimmig ange⸗ nommen worden, ein Fall, der in den parlamentarischen Annalen wohl sehr selten ist. Der fruͤhere Minister, Herr Rogiex, hatte naͤmlich erklaͤrt, daß, da nach den letzten unsinnigen Vorfaͤllen der allgemeine Wunsch sey, die Kammer moͤchte bei dem ersten wich⸗ tigen Akte ihre Einmuͤthigkeit dem Throne kundgeben, seine poli— tischen Freunde keine stoͤrende Opposition machen wollten, zumal da die von der Kommission beantragte Adresse die Prinzipienfra⸗ gen unberuͤhrt lasse. Es zeugt diese Erklaͤrung von parlamentari⸗ schem Takt, so wie von einer richtigen Auffassung der politischen Sachlage, wie sie sich in den Kammern abspiegelt. Die große Majoritaͤt wuͤnscht an die Eroͤrterung der wichtigen, meistens schon seit Jahren vorgelegten Gesetz⸗Entwuͤrfe zu gehen, und diese Richtung wird auch von der verstaͤndigen liberalen Partei entschie⸗ den unterstuͤtzt. Streitigkeiten werden nicht ausbleiben, wir haben deren schon gesehen, auch solche nicht, wo sich persoͤnliche Fragen hinter vorgeschobenen Prinzipien verstecken. Allem Anschein nach wird aber doch diese Session fruchtbarer seyn, als die vorjaͤhrige, die durch das Verschulden einer systematischen Opposition von der katholischen Seite eben so uͤbel endete, als sie angefangen hatte.

Man kann sich von der diesjaͤhrigen Session um so mehr einige Fruͤchte versprechen, als das Ministerium ein wirksames Mittel gefunden zu haben scheint, den hauptsaͤchlichsten Stein des Anstoßes, so wie der Reibung der beiden Parteien, aus dem Wege zu raͤumen. Man versichert naͤmlich auf das bestimmteste, daß die Regierung vermittelst des hiesigen Paͤpstlichen Nuntius den Römischen Hof vermocht hat, den Belgischen Bischoͤfen den Be⸗ fehl zu ertheilen, dem Antrage um die Konstituirung der katholi⸗ schen Universitaͤt von Loͤwen als Civil-Person, mit dem daraus fließenden Rechte, wie fruͤher bei der todten Hand, Grundbesitz zu erwerben, keine weitere Folge zu geben. Wohlunterrichtete wissen, daß der hiesige Paͤpstliche Nuntius mit den geistlichen Haͤuptern Belgiens in einigen nicht unwichtigen, den Unterricht betreffenden Punkten verschiedener Meinung ist, und daß derselbe die hiesigen Zustaͤnde von einem unbefangeneren politischen Stand⸗ punkte aufzufassen vermag. Die Wahlen sind ein bedeutender Fingerzeig gewesen und haben dem besonnenen Beobachter die Ueber⸗ zeugung von der Nothwendigkeit, einzulenken, geben muͤssen. Auch der im letzten Sommer stattgehabte Besuch des Erzbischofs von Paris, Herrn Affre, der sich bekanntlich schon bei mehreren Ge⸗ legenheiten uͤber das Unpassende des Einmischens der Geistlichkeit in die politischen Angelegenheiten ausgesprochen, und der hier in den verschiedenen Provinzen den Zustand der geistlichen Angele⸗ genheiten hat beobachten koͤnnen, wird mit diesem Paͤpftlichen Be⸗ fehl in Verbindung gebracht. Wir muͤßten uns sehr ürren, wenn nicht der Roͤmische Hof bei dieser Maßregel hauptsaͤchlich Ruͤcksicht auf Frankreich genommen haͤtte. Es ist uns naͤmlich aus guter Quelle bekannt, daß die Anspruͤche unserer Geist⸗ lichkeit, in Bezug auf den Unterricht, der Unterrichts⸗Kommission der Deputirten⸗Kammer in Frankreich nicht unbekannt geblieben sind und dort die groͤßte Abneigung und den Entschluß hervorgeru⸗ fen haben, der Geistlichkeit bei dem neuen Gesetze uͤber den Secon⸗ dair⸗Unterricht keine weiteren Konzessionen zu machen. Das vor⸗ eilige Auftreten, und die sich durchkreuzenden und sich widerspre⸗

chenden Anspruͤche der Franzöͤsischen Bischofe hinsichtlich dieses Gegenstandes hatten so schon die Kommission in eine sehr

unguͤnstige Stimmung versetzt. Der Erzbischof von Paris hatte,

wie erinnerlich, eine gemaͤßigte Meinung ausgesprochen, die aber sogar offen von anderen Bischoͤfen angefochten wurde. Wahr⸗ scheinlich hofft man jetzt in Frankreich, durch das Niederschlagen der Anspruͤche der Belgischen Geistlichkeit sich von der einen Seite gedeckt zu sehen und zu einem ungestoͤrteren schrittweisen Wirken den Weg gebahnt zu haben. Daß eine solche Ruͤcksichts⸗ nahme in einer jeden etwas umfassenderen Politik liegt, ist na⸗ tuͤrlich. Denn so wie die Staaten immer mehr gezwungen sind, bei anderen gesellschaftlichen Interessen den Zustand der Nachbar⸗ laͤnder zu beruͤcksichtigen, so wird es auch immer mehr bei den geistlichen Fragen der Fall seyn.

Ob sich die bis jetzt freilich noch nicht oͤffentlich ausgesprochene Angabe bestaͤtigt, daß die Regierung fuͤr die erlangte Maßregel, als Gegen⸗Konzession, die Militair⸗Freimaurerlogen (in geringer

Anzahh aufheben werde, wird sich spaͤter zeigen.

Die Erklaͤrung des Moniteur parisien uͤber den Grund der schon theilweise ausgefuͤhrten, jetzt aber contremandirten Trup⸗ pen⸗Konzentrirung an der Belgischen Graͤnze hat hier fast eben so viel Verwunderung erregt, als die Sache selbst. Denn selbst im Falle das absurde Komplott in Holland Verzweigungen gehabt haͤtte (was bis jetzt nicht bewiesen ist), wuͤrde die Unbedeutendheit der Sache eine solche militairische Maßregel von einem Nachbar⸗ staate nicht motivirt haben. Was aber noch auffallender ist, ist, daß die hiesige Regierung selbst nichts vorher davon gewußt hat, da der Minister der auswaͤrtigen Angelegenheiten in der Kammer er⸗ klaͤrte, daß er selbst erst die Sache zu seinem nicht geringen Er⸗ staunen durch die oͤffentlichen Nachrichten erfahren habe und von der Franzoͤsischen Regierung Aufklaͤrung verlangen werde. Es sollte ein solcher Fall unter befreundeten Regierungen kaum vermuthet werden. Man ist hier freilich der Meinung, daß der Kriegs⸗ Minister in Frankreich blos einen Vorwand suchte, um die Armee nicht zu verringern und deshalb den hiesigen Auftritten mehr Ge⸗ wicht beilegte, als sie verdienten.

Die Handels⸗Negociationen mit Frankreich, die bekanntlich, wie es auch aus den Erklaͤrungen des hiesigen Ministers der auswaͤrtigen An⸗ gelegenheiten hervorgeht, auf einer beschraͤnkteren Grundlage fortge⸗ fuͤhrt werden, scheinen diesmal groͤßeren Erfolg zu haben. Bevor wir uns aber von dem Gelingen uͤberzeugen, erwarten wir die Ent— scheidung in letzter Instanz bei den Kammern, wo sich moͤglicher— weise eine neue komplizirte politisch- industrielle Coalition bei der Diskussion bilden koͤnnte.

Deutsche Bundesstaaten.

München, 21. Nov. (A. Z.) Se. Majestaͤt der Koͤnig von Preußen ist gestern Abend nach 9 Uhr von Tegernsee wieder hier eingetroffen. Der Monarch traf auf dem Wege mit Sr. Koͤnig⸗ lichen Hoheit dem Kronprinzen zusammen, der ihm entgegenge⸗ fahren war. Diesen Mittag speisen Ihre Majestaͤten der Koͤnig und die Koͤnigin von Preußen am Hofe, Abends ist im Palais des Herzogs Max, wo die Preußischen Herrschaften wohnen, Familienmahl, und auf morgen 7 Uhr fruͤh ist die Abreise Ihrer Majestaͤten festgesetzt. Koͤnig Friedrich Wilhelm besuchte noch diesen Vormittag einige Sammlungen und Kunst⸗Deukmale.

Gestern wurde das Testament der Hoͤchstseligen Koͤnigin Ka— roline eroͤffnet, von seinem Inhalte verlautet bis jetzt nur so viel, daß Se. Koͤnigliche Hoheit der Prinz Karl Tegernsee, und Ihre Koͤnigliche Hoheit die Herzogin Max Biederstein erhaͤlt.

Mainz, 21. Nov. (F. J.) Vorgestern genossen wir hier eines neuen, in seiner Art einzigen Anblicks. Das am Nachmit⸗ tage hierher fahrende Dampfboot der Koͤlnischen Gesellschaft nahm ein, in dem Gartenfelde unterhalb der Stadt vor Anker lie genbev großes Floß an das Schlepptau und zog die wenigstens 8000 Ctr. wiegende Last rheinaufwaͤrts um die Muͤhlen herum durch die in der Mitte des Stromes geoͤffnete Bruͤcke bis zu dem oberhalb der Mainspitze bezeichneten neuen Ankerplatze. Taͤglich sehen wir hier große Floͤße durch die Bruͤcke rheinabwaͤrts gehen, aber noch nie war es gelungen, mehr als einzelne Baumstaͤmme rheinaufwaͤrts zu bringen. Die Aufgabe war dem Urtheile Sachverstaͤndiger zufolge schwer und gewagt; denn abgesehen, daß die Last sehr bedeutend war, stand noch zu befuͤrchten, daß die vorderen Staͤmme, die an dem Schlepptau befestigt wurden, statt der Bewegung des Boo⸗ tes gegen den Strom zu folgen, durch die Gewalt des ihm ent— gegenfließenden Wassers niedergedruͤckt, sich hinten erheben und dadurch die Fortbringung sehr schwierig, ja sogar gefaͤhrlich ma⸗ chen koͤnnten; allein durch das vorsichtige allmaͤlige Anziehen des Bootes gelang es, diesem Hindernisse zu begegnen, und als der Zug einmal im Gange war, folgte er so willig dem ihm gegebenen Impulse, daß alle Zuschauer daruͤber erstaunt waren. Als jedoch alle Schwierigkeiten, die man vor— aussehen konnte, gluͤcklich uͤbercwunden und das Floß an dem Orte seiner Bestimmung angekommen war, so traf das Boot ein unvorhergesehener Unfall; es suhr naͤmlich an einer der seichte— ren Stellen des jenseitigen Ufers auf und hatte beinahe eine Stunde zu arbeiten, bis es durch die Kraft seiner Maschine wie— der flott wurde. Es war bereits 5 Uhr Abends, als es zum zweitenmale durch die ihm geöͤffnete Bruͤcke fuhr, und seinen Lan⸗ dungsplatz erreichte.

Schweiz.

Bern, 18. Nov. In Genf wird die Gaͤhrung mit jedem Tage heftiger. Die Unbefangensten sind einverstanden, daß die Regierung durch Verweigerung der Einsetzung einer Munizipal⸗ Behoͤrde und Beibehaltung einiger mittelalterlichen Einrichtungen, die selbst unter der aristokratischen Regierung von Bern laͤngst abgeschafft waren, bedeutende Mißgriffe begangen hat, um so mehr, als die Erfahrung lehrt, daß es ihr gaͤnzlich an Kraft gebricht dieselben durchzusetzen. Alle Symptome deuten auf einen Verfas⸗ sungs⸗Rath. Der Verein vom 3. Maͤrz entwickelt, durch glaͤn⸗ zende Fortschritte ermuntert, eine außerordentliche Thaͤtigkeit. Haͤu⸗ sig werden von ihm Bulletins veroͤffentlicht und in großer Menge herausgegeben. Des Abends wird im Theater und in den Stra⸗ ßen die Marsellaise gesungen, was leider auch auf ein fremdes Unschweizerisches Element dabei deuten moͤchte.

Genfer See, 17. Nov. (A. Z.) Der erste Akt de dikalen Bewegung ist zu Ende. Der Staatsrath hat sich von der fast drohenden Adresse der „Association vom 3. Maͤrz“ nicht aus dem Gleichgewicht bringen lassen, sondern auf dieselbe durch das Organ des Erstsyndiks erwiedern lassen, er wolle sich nicht aufhal⸗ ten „uͤber einige Ausdruͤcke, die auf das Conseil einen schmerzlichen Eindruck gemacht. Ohne im Geringsten Hoffnung zu den drin⸗ gend geforderten Veraͤnderungen zu geben, verweist die Regierung auf die Verhandlungen und Diskussionen, die auf konstitutionel⸗ lem Wege in dem naͤchstens zusammentretenden Conseil repré- sentatif uͤber dergleichen Antraͤge ruhig und reiflich vorgenommen werden koͤnnen; einen anderen Weg kenne sie nicht und sey auch von den Genfern uͤberzeugt, daß sie nur auf solchem Wege Ver⸗ aͤnderungen in ihren Institutionen wuͤnschen koͤnnen. Diese wuͤr⸗

dige Erklaͤrung, welcher der bei weitem groͤßte Theil der Einwoh⸗

ner beistimmt, wird bis zur Eröffnung der offiziellen Diskussionen uͤber diesen Gegenstand allen Billigen genuüͤgen. Es ist wahr⸗ scheinlich, daß die große Majoritaͤt des repräͤsentativen Rathe nur fuͤr sehr geringe Veraͤnderungen in der Constitution und Admi⸗ nistration stimmen wird, wenn sie ja zu einigen geneigt ist. 8 Spanien.

Madrid, 14. Nov. Gestern Abend brach in dem Palais der Herzogin von Alba, in einem der prachtvollsten Gebaͤude der Hauptstadt, Feuer aus, dessen man erst nach sieben Stunden Mei⸗ ster werden konnteF.“

General Ricofort ist an der Stelle des General Ayerbe zum General⸗Capitain von Aragonien, und General Carratala zum Ge⸗ neral⸗Capitain von Andalusien ernannt worden. Graf Requena hat heute die Hauptstadt verlassen, um sich in Andalusien nach Portorico einzuschiffen, wo er seine sechsjaͤhrige Strafe erstehen wird.

Barcelona, 13. Nov, (Journal des Débats.) Ein Franzoͤsisches Geschwader, aus den Linienschiffen „la Ville de Marseille“ und „Genereux“ und der Fregatte „Medeg“ bestehend, ist hier vor Anker gegangen. Außerdem befinden sich hier von Franzöͤsischen Schiffen die beiden Briggs „Meleagre“ und „Cerf und die beiden Dampfboote „Tonnerre“ und „Papin.“

Als es bekannt wurde, daß die Mitglieder der Ueberwachungs⸗

Zunta Paͤsse erhalten haͤtten, um Barcelona zu verlassen und

sich nach England zu begeben, versammelte sich auf dem Constitu⸗ tions⸗Platze eine große Menschenmenge, die hauptsaͤchlich aus Arbeitern bestand, welche ihren ruͤckstaͤndigen Arbeitslohn verlang⸗ ten. Einige verlangten, man solle sich des von einigen Compag⸗ nieen Artillerie besetzten Fort Attaragonas bemaͤchtigen. Gegen neun Uhr zerstreute sich indeß der Haufe, ohne daß bie Ruhe waͤre gestoͤrt worden. 1

Heut fruͤh um zwei Uhr hat ein außerordentlicher Courier aus Saragossa ein Manifest des Regenten uͤberbracht. (Siehe Nr. 328 der St. Ztg.) Dies Aktenstuͤck ist zwar noch nicht pu⸗ blizirt worden, allein der Inhalt desselben ist durch die von Sa⸗ ragossa zuruͤckgekehrten Kommissarien der Junta bekannt geworden und hat einen panischen Schrecken unter die Exaltados verbreitet, die jetzt der Ankunft des Regenten, den man in diesen Tagen mit zwanzig Bataillonen erwartet, mit Furcht und Zittern entgegen⸗ sehen. Man glaubt, daß seine erste Maßregel die Entwaffnung der National⸗Garde seyn wird.

Der Messager meldet Folgendes aus Barcelona vom 16. November: „Barcelona ist fortwaͤhrend im Belagerungs⸗ Zustande. Wer von der National⸗Miliz oder den uͤbrigen Ein- wohnern bewaffnet ausgeht, wird ohne weiteres erschossen. Es ist eine Militair⸗Kommission niedergesetzt, und die Entwaffnung des 2ten, 3ten und 8ten Bataillons der National⸗Garde beschlossen worden. Fremde, die sich ferner in Barcelona aufhalten wollen, muͤssen sich mit Certifikaten ihrer Konsuln versehen. Die Natio— nal⸗Garde hat sich in einer Adresse an den Regenten wegen De— molirung der Citadelle entschuldigt. Das Ayuntamiento von 1841 ist durch das vom Jahre 1840 ersetzt worden. Der Constitu⸗ cional enhaͤlt in seiner heutigen Nummer eine Proclamation des Generals van Halen.“

Serbien.

Die Agramer Zeitung berichtet unterm 8. Nov. aus Semlin: „Am 6. November sind unweit Belgrad zwei Serbische gemeine Soldaten militairiseh erschossen worden, drei haben Spieß⸗ ruthen gelaufen und mehrere wurden mit S tockstreichen bestraft, die in die diesjaͤhrigen Unruhen verwickelt waren. Heute sollte eben an zwei Individuen. welche in denselben Unruhen Raͤdels⸗ fuͤhrer waren, die Execution vollzogen werden, naͤmlich an Niko⸗ las Kiromana von Belgrad und Blagoje Mihailovics von Kuk, welche erschossen und auf das Rad gelegt werden sollten, die aber Fuͤrst Michael mit 20jaͤhriger Schanzarbeit begnadigt hat. Außer diesen sind noch 30 andere Mitverschuidete, theils auf Schanzar⸗ beit auf mehrere Jahre in schweren und leichten Eisen, theils auch zu mehrjaͤhrigem Arreste kondemnirt worden; unter den Letzteren ist auch der Gajo Wukomanowich, Bruder der Fuͤrstin Ljubicza, auf 15 Jahre in leichten Eisen in Lozniza verurtheilt. Der Fuͤrst hat jedes Appellations⸗Urtel bestaͤtigt. Die Fuͤrstin Ljubicza hat

sich fuͤr diesen Augenblick nach Kragujewaz entfernt.“

Aegypten.

Alerandrien, 26. Okt. (A. Z.) Vor 14 Tagen veroͤffent⸗ lichte Boghos Jussuff Bey ein Dekret Mehmed Ali's, nach wel⸗ chem man aus besonderer Gnade den Europaͤern erlaubte, Var— ken fuͤr eigene Rechnung zu bauen und auf dem Nil und Mah— mudie⸗Kanal zu verwenden, unter folgenden Bedingungen: 1) daß der Reis (Patron) und die Matrosen Einheimische seyen, 2) daß dieselben unter Aegyptischer Flagge fahren, 3) daß die Abgabe „Aveidi Rissale“ dafuͤr entrichtet werde; ein vierter Paragraph droht mit Beschlagnahme derjenigen Barken, welche sich diesen Bedingungen nicht fuͤgen wollten. Seit mehreren Jahren wurde vieles uͤber diese Binnenschifffahrt hin- und widergespro⸗ chen, und nachdem die Regierung einigen Europaͤern Privilegien bewilligt, dieselben wieder zuͤruͤckgenommen oder durch Bedruͤckun⸗ gen und Chikanen aller Art, besonders in letzter Zeit, vernichtet hatte, scheint diese Frage, die unter den jetzigen Umstaͤnden nicht ohne Bedeutung ist, auf einen entscheidenden Punkt gekommen zu seyn. Ueber den Ausgang hegt Niemand Zweifel. Der Eng⸗ lische Konsul, Herr Stoddard, protestirte sogleich im Namen sei— ner Regierung gegen jene Maͤßregel, und bei Boghos Bey auf Widerstand stoßend, bewies er ihm, daß durch den juͤngsten Handels⸗Traktat mit der Pforte den Englaͤndern freie Schifffahrt mit eigenen Schiffen und Mannschaft und unter eigener Flagge auf allen Fluͤssen des Tuͤrkischen Reichs zustehe. Dieser Traktat setzt naͤmlich fest, daß die Englaͤnder in allem was darin nicht er⸗ waͤhnt sey, den beguͤnstigtsten Nationen gleichstehen sollen, und da ein anderer mit Oesterreich (von ziemlich altem Datum) obige Freiheiten den Oesterreichischen Schiffern zugesteht, so zieht er die Schlußzfolge, daß auch die Englaͤnder von denselben Gebrauch ma⸗ Fen dürstsn. Die deßhalb gefuͤhrte Korrespondenz soll nicht ohne Bitterkeit gewesen seyn, und diese steigerte sich in betraͤchtlichem Grade, als Obrist Barnett dem Vicekoͤnig selbst die Sache vortrug.

Allerxandrien, 2%. Okt. (L. A. Z.) Man beschaͤftigt sich hier noch immer mit der ungerechten Maßregel, die Keiner er⸗ warten konnte, daß alle Europaͤer im Dienste des Pascha abge⸗ setzt worden. Waͤre die Regierung, wie sie es jetzt versichert nur aus oͤkonomischen Ruͤcksichten dazu geschritten: so durfte sie wenigstens nicht so ruͤcksichtslos verfahren, sondern mußte alle un⸗ faͤhigen und uͤberfluͤssigen Beamten, mochten es Franken oder Tuͤrken seyn, entlassen, die brauchbaren aber behalten. Dann waͤre sie verstaͤndig zu Werke gegangen. Der Befehl des Pascha ist dagegen so weit ausgedehnt worden, daß selbst Renegaten ihre

Stellen verloren, weil sie Europaͤer seyen.é Die Civilisation Ae⸗ gyptens haͤtte also nur zu einem groͤßeren Fanatismus gefuͤhrt.

Man spricht von einer Note, welche die Pforte mit der Em⸗ pfehlung der Londoner Vertrags⸗Maͤchte an den Pascha gerichtet habe, um gegen das Aufkaufen der Ländereien zu protestiren, wo⸗ durch die Handels⸗Freiheit vernichtet werde. Mehmed Ali hat sich aber bereits in Ober⸗ wie in Unter⸗Aegypten dergestalt einge⸗ richtet, daß das ganze Land ihm gehoͤrt und Niemand ihm vor⸗ schreiben kann, an wen oder wie theuer er verkaufen soll. Waͤh⸗ rend der zwei Monate, die er jetzt zu einer Reise verwenden will, werden keine politischen Angelegenheiten verhandelt, und alle Be⸗ hoͤrden haben Befehl erhalten, in dieser Zeit saͤmmtliche Besitztitel so vollstaͤndig zu ordnen, daß Mehmed Ali sich jeden Augenblick als den Eigenthuͤmer des Bodens ausweisen kann. Die Abreise des Pascha soll gleich nach dem Bairamfeste stattfinden, mit dem der Ramazan schließt.

Als die Pforte an eine Expedition gegen Tunis dachte, fuͤhlte sie das Beduͤrfniß eines kraͤftigen Beistandes und wendete ihre Augen wieder auf Aegypten. Demgemäͤß soll Tewfik⸗Bey den Auftrag gehabt haben, bei Mehmed⸗Ali anzufragen, ob die Pforte auf seine Unterstuͤtzung rechnen koͤnne, die er freilich nach dem Wortlaut des Traktats, sobald es verlangt wird, gewaͤhren muß. Im Fall Mehmed⸗Ali sich willfaͤhrig bezeige, hatte Tewfik⸗Bey, wie man sagt, den Auftrag, ihm anzukuͤndigen, daß die Pforte

.“

die Verstaͤrkung seines Heeres bis auf 36,000 Mann gestatte. Außerdem soll Said⸗Pascha seinem Vater einen Ferman uͤber⸗ bracht haben, worin ihm die Erlaubniß ertheilt worden, Aegyp⸗ ten noch fuͤnf Jahre auf die bisherige Weise, d. h. nach seinem Belieben, zu verwalten. Jedenfalls ist Tewfik⸗Bey sehr zufrieden wieder abgereist. Der Pascha ließ ihm 15,000 Talari als Ersatz seiner Reisekosten einhaͤndigen, stellte das Dampfboot Nil zu sei⸗ ner Verfuͤgung und befahl, ihn bei der Einschiffung mit einer Kanonensalve zu begruͤßen. 1 Die Ruͤstungen werden ununterbrochen fortgesetzt, und die Truppen arbeiten noch immer an den Kuͤstenbatterieen.

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Die Bevölkerung von Großbritanien im Jahre 1841.

Die Berichte uͤber die Zaͤhlung der Bevoͤlkerung Großbrita⸗ niens sind gedruckt und ausgegeben worden. Die erste Tabelle enthaͤlt eine Uebersicht der gesammten gegenwaͤrtigen maͤnnlichen⸗ und weiblichen Bevoͤlkerung des Landes, verglichen mit der vom Jahre 1831, so wie die Zahl der Haͤuser. Die Totalsumme fuͤr England, Wales und Schottland ergiebt sich folgendermaßen:

1841.

1831. Zunahme 1841.

Maͤnner. Frauen. Summe.

ahl im 8 Jahte Einwohner. 184 h in pCt.

Im Bau begriffene Haͤuser.

Unbewohnte Haͤuser.

Bewohnte Haͤuser.

7,673,633 463,788

2202523 1,382,530

England.... Wales ““ ““

Personen auf der Reise 0. 893 4,896 Inseln in den Britischen Mee⸗

66,481

1““ 9,587,325

Die Verhaͤltnisse der Zunahme weichen, wie sich aus vorste⸗ hender Tabelle ergiebt, in den verschiedenen Theilen des Vereinig⸗ ten Koͤnigreichs sehr wesentlich von einander ab. In Schottland ist die Zunahme der Bevoölkerung sehr langsam, naͤmlich nur 1,1 pCt. jaͤhrlich; auf den kleineren Inseln Jersey, Guernsey und

14,995,508 911,321

2,628,957

124,079 18,664,761

13,091,005 806,132 2,365,114

2,753,295 162,756 25,882 188,196 10,133 1,769

503,357 24,307 2,760

103,710 16,366,011

19,159 865 220 3,404,007 198,061 30,031

Man betraͤgt sie dagegen fast das Doppelte der Zunahme in Schottland. Fuͤr ganz Großbritanien ist die Zunahme bedeutend geringer, als in der fruͤheren zehnjaͤhrigen Periode, wie die nach⸗ stehende Tabelle zeigt.

Zu⸗ V nahme in 1811. pCt.

nahme

Zunahme oder Ab⸗ nahme im Jahre 1841 in pEt. 1841.

Zunahme. Abnahme.

Zu⸗ Zu⸗

nahme

in 82 in pCt.

1831.

England

Wales

Personen, von denen es erwiesen ist, daß sie in der Nacht vom 6. Juni 1841 auf Eisenbahnen oder Kanaͤ— len reisten

13,091,005 806,182

14,995,508

911,321

4,896

10,150,615

England und Wales .. 8,872,980 14 11

Schottland 1,599,008 Inseln in den Britischen Meeren.

7mö7SVEs ,,S 1., [5,0775v2' 16 2,093,456 2,365,114 11, 2,628,957 ““ 103,7101 ß19 124,079

Großbritanien 14 1“

14 18,664,761

Es geht aus dieser Tabelle hervor, daß seit dem Jahre 1811 die Vermehrung der Bevoͤlkerung progressiv abgenommen hat. Das bedeutende Verhaͤltniß der Zunahme in jener Zeit ist den un— mittelbaren Folgen des Friedens zugeschrieben worden; allein es ergiebt sich jetzt, daß es nicht nothwendig ist, anzunehmen, eine Bevoͤlkerung habe die Tendenz, in der ruhigen Zeit des Friedens sich schneller zu vermehren, als waͤhrend eines verwuͤstenden Krie⸗ ges. Das Verhaͤltniß der Zunahme von 1821—1841 ist genau dasselbe, wie von 1801 1811, naͤmlich 14 pCt. jaͤhrlich. In ei⸗ nigen Theilen des Vereinigten Koͤnigreichs ist dies Verhaͤltniß na⸗ tuͤrlich weit uͤber diesem Mittel: in Lancashire betraͤgt es 24,7; in Cheshire 18,0; in Monmouthshire 36,9; in Durham 27,2; in Stafford 24,2. Die Bergwerks⸗Distrikte scheinen hiernach die Zunahme der Bevoͤlkerung mehr zu befoͤrdern, als die Manufak⸗ tur-Distrikte. In Schottland ist dagegen die Zunahme der Be⸗ voͤlkerung in den Grafschaften, wo Paisley, Glasgow und die gro⸗ ßen Mittelpunkte der Industrie liegen, ungeheuer groß, und sie kontrastiren auffallend mit den wilderen und mehr Ackerhau trei⸗ benden Theilen dieses Landes. So betraͤgt dies Verhaͤltniß in Lanarkshire 34,s; in Dumbarton 33,3; Clockmannanshire 29,; da⸗ gegen sindet sich in Argyle, Dumfries, Kinroß und Sutherland— shire eine Abnahme von 1—3 pCt. In der Wallisischen Graf⸗ schaft Glamorganshire, wo sich einige der groͤßten Eisenwerke des Koͤnigreichs befinden, erreicht das Verhaͤltniß der Zunahme das Maximum, naͤmlich 37 pCt.; aber dessenungeachtet bleibt das all⸗ gemeine Zunahme⸗Verhaͤltniß in dem Fuͤrstenthum Wales unter dem des Vereinigten Koͤnigreichs.

Fuͤr Irland sind die Berichte noch nicht bekannt gemacht, doch zeigen sie dieselbe Tendenz einer langsameren Zunahme der Bevoͤlkerung, und sie werden dazu dienen, die Verbesserungen dar⸗ zuthun, die in dem sozialen und politischen Zustande Irlands statt⸗ gefunden haben. II.

Vergl. St. Z. Nr. 328.)

8 8 IX. einenwanwven.

Die Frage in Betreff der Mittel, die Leinweberei in Schwung zu erhalten, uͤber die man seit einigen Jahren so lebhaft sich streitet, ist wichtig und schwer zu entscheiden. Jederman erkennt die Nothwen⸗ digkeit, der Leinweberei zu Huͤlfe zu kommen, doch welche Mittel hat man anzuwenden, durch welche Maßregeln kann die Gesetzgebung zu einem vortheilhaften Resultate gelangen? Dies ist der Streitpunkt. Mehrere Interessen kreuzen sich, die Einen verlangen, daß man den Lein frei ausfuͤhren duͤrfe, die Anderen fordern ein Verbot in Be⸗ treff der Ausfuhr, damit das Volk nicht des Stoffes zu den Arbeiten ermangele, welche einem so großen Theile desselben Brod schaffen.

Die Regierung ist nicht unthaͤtig geblieben; eine Kommisston hat mit gewissenhafter Genauigkeit die Gruͤnde des Verfalles dieses wichtigen Gewerbszweiges untersucht und auf Mittel gedacht, demselben zu

steuern. Wir warten die Veroͤffentlichung des Berichtes der Kom⸗ V mtsston ab, um die Zweckmaͤßigkeit der Mittel zu beurtheilen, die sie V in Vorschlag bringen wird. Moͤge sie die Ürsachen des Veifalls

wegraͤumen, ohne die Interessen einer Partei zu verletzen. Dies ist eine schwierige Aufgabe.

Die Maschinenspinnerei besteht in Belgien seit 15 bis 18 Jah⸗ ren; doch erst seit 4 bis 5 Jahren steht sie in eigentlicher Bluͤthe; die ungemeine Ausdehnung, welche man ihr in England gegeben, har zur Hebung derselben auch bei uns beigetragen. In England sind eine Million Spindeln in Bewegung, so sagt man; doch es scheint, daß sich einige Uebertreibung in diese Angabe gemischt hat. Die Englaͤnder nun kaufen unseren Flachs und schicken uns ihr Garn dafuͤr. Die zehn oder zwoͤlf Spinnereien in Belgien haben etwa 60,000 Spindeln im Gang, und jede Spindel liefert ungefaͤhr 50 Kilogramme Garn.

Die Einfuͤhrung des auf Maschinen gesponnenen Garns hat dem Erwerbe unserer Spinnereien sehr geschadet, deren traurige Lage man allgemein und mit Recht beklagt. Dieser Fall war vorauszuse⸗ hen, doch wir glauben nicht, daß die Handspinnerei ganz aufhoͤren wird. Wir wollen hieruͤber kein entscheidendes Urtheil abgeben, man ist gegenwaͤrtig noch im hitzigsten Streit uͤber den Unterschied beider Arten begriffen, doch scheint uns, wenn wir den geringen Lohn, den die Spinnerinnen erhalten, mit den im Allgemeinen großen Kosten der Svinnmaschinen vergleichen, daß der pecuniaire Unterschied nicht bedeutend seyn wird. 1

Die Hauptfrage betrifft die Guͤte des Garnes. Hieruͤber sind die Ansichten getheilt; die Einen behaupten, das auf Maschinen gespon⸗ nene Garn erreiche bei der groͤßten Sorgfalt nie die Vollkommen⸗ heit des mit der Hand gefertigten, vorzuͤglich lasse es sich leicht wie⸗ der zu Flachs aufdrehen, was bei dem letzteren unmoͤglich ist; die Anderen stellen beide Gattungen an Feinheit, Festigkeit und Regel⸗ maͤßigkeit vollkommen gleich. Wir glauben, daß das Maschinengarn regelmaͤßiger, das andere fester ist, wenn es daher gelaͤnge, dem mit der Hand gesponnenen dieselbe Regelmaͤßigkeit zu geben, wodurch allein ein sorgfaͤltiges Sortiren moͤglich wird, so haͤtte die Hand⸗ spinnerei durch die Zunahme der Spinnmaschinen nicht zu viel zu fuͤrchten. Nach diesem Ziel haben daher die Vertheidiger der alten Bereitung hinzuarbeiten.

Zum Verfall der Leinweberei haben mehrere Ursachen beigetra⸗ gen. Den ersten Anstoß dazu hat die groͤßere Verbreitung der Baum⸗ wollenzeuge gegeben, die, obwohl sie an Haltbarkeit weit hinter den leinenen zuruͤckstehen, doch wegen ihrer Billigkeit im Vortheil sind, ferner haben einige Fabrikanten die Stoffe, um sie wohlfeiler geben zu koͤnnen, weniger gut geliefert, wodurch ihre Fabriken im Ruf ge⸗ sunken sind; der Hauptgrund aber ist auch hier, daß durch die hohe Besteuerung uns die Ausfuhr auf auslaͤndische Maͤrkte abgeschnitten ist. Hierauf hat die Regierung vorzuͤglich zu achten. 8

Wir hielten es fuͤr noͤthig, so speziell zu seyn, weil kein Gewerbs⸗ zweig in Belgien mehr daniederliegt und der Unterstuͤtzung mehr be⸗ darf, als dieser. Die Existenz einer ganzen Volksklasse steht auf dem Spiele. Schaaren von Handarbeitern erwarten mit Sehnsucht, daß eine schuͤtzende, rettende Hand sie dem Ungluͤcke entreiße, das sie bedroht. Ihre Hoffnung wird sie nicht taͤuschen.

Wenn man die Produkte der Leinweberei betrachtet, kann man sich freilich schwer von dem traurigen Zustand einen Begriff ma chen, in den sie versunken ist; denn dieselben sind schoͤn und machen einen herrlichen Eindruck.

X. Baumwollenwaaren.

Der groͤßere Theil der Gewerbe, die auf der diesjaͤbrigen Aus⸗ stellung erschtenen sind, hat große Fortschritte gemacht, nur eines, die Baumwollenweberei, kann ibren Verfall nicht verdergen. Man hat den Spinnerinnen und Fabrikanten oft vorgeworfen, daß sie sich derzMuthlosigk t zu sehr bingegeben; och wenn man sich die