1841 / 335 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

* slosigkeit herabgedruͤckt, und mit Ausnahme der Sce 8 icher Pedentungslasg 29752 Welt aus Petersburg hier versammelt, berricht große Stille in den alterthuͤmlichen Straßen; unternehmende Maͤnner verlassen Rewal und ziehen sich dahin, wo ihrem Unterneh⸗ mungs⸗Geiste weniger Schwierigkeiten entgegentreten.

Welch ganz verschiedenen Andlick gewaͤhrt dagegen Dorpat. Nach wiederholter gaͤnzlicher Zerstoͤrung hat es nichts von einem alt⸗Gothischen Kerne behalten, Alles ist von Grund auf neugeschaffen. Die Universitaͤt, das wesentliche Lebens⸗Element, durch welches die Stadt sich hebt, liegt wie auf dem Uebergange vom Westen zum Osten. Als Deutsche Universitaͤt muß man sie ansehen, wenn man an die urspruͤngliche und sich immer wiederholende Berufung von Professoren aus Deütsch⸗ land denkt, und wenn man das wissenschaftliche Leben auf ihr mit dem der dstlichen Universitaͤten Rußlands vergleicht. Die Dorpater Universitaͤt steht in ganz Rußland in der hoͤchsten Achtung und nimmt einen wesentlichen Antheil an dem Einflusse, welchen die Deutschen Ostsee⸗Laͤnder uͤberhaupt auf Rußland ausuͤben. In Vergleich da egen mit den Universitaͤten Deutschlands bleibt die literarische 8 atigkeit Dorpats etwas hinter den Erwartungen zuruͤck, welche man an die dort versammelte Zahl gebildeter und gelehrter Maͤnner und an den Reichthum der aͤußeren Mittel knuͤpfen mag.

Von Dorpat aus fuͤhrt uns der Verfasser rasch auf den glatten krystallisirten Winterwegen, den Eisenbahnen des Nordens, nach dem Endpunkte des Deutsch⸗Russischen Gebietes, dem kleinen, aber an historischen Erinnerungen so reichen Narwa. Statistisch schon zu dem Petersburger Gouvernement gerechnet, zeigt es doch in der alten Deutschen Reichsstadt auf der linken Seite der Narowa, die jetzt eine Russische Festung geworden ist, und den Russischen Vor⸗ staͤdten auf dem rechten Ufer zum letztenmale die Verhaͤltnisse, welche in verschiedenen Nuͤanzirungen, die Staͤdte Kur⸗, Liv⸗ und Esthlands charakterisiren. 8 8

Wenn die bisher genannten Staͤdte den Reisenden in den Ost⸗ see⸗Laͤndern am meisten interessiren und darum von dem Verf. am ausfuͤhrlichsten gezeichnet worden, so sind deshalb die kleineren Staͤdte und Staͤdtchen nicht uͤbersehen; ihre Beschreibung bildet zu jenen hervorgehobenen Punkten den natuͤrlichen Hintergrund. Und der Weg von dem einen Orte zum anderen fuͤhrt aus den verschiedenen Gegenden und den verschiedenen Jahreszeiten interessante Bilder der Baltischen Natur vor unsere Augen. Bei einer innigen Ver⸗ tiefung in das Leben jener Laͤnder versteht es der Verf., dem Ein⸗ zelsten und Individuellen die Seite abzugewinnen, durch welche es allgemein charakteristisch wird; bald belebt er den Anblick einer men⸗ schenleeren Gegend durch die Erinnerung an die Kaͤmpfe, welche die urspuͤnglichen Einwohner einst hier bestanden; bald laͤßt er uns bei dem scheinbar Einfoͤrmigen einen Blick in die innere Mannigfaltig⸗ keit thun und so auch das Reizlose einen Reiz gewinnen. Die ein⸗ elnen Strahlen, welche hierdurch fuͤr die Anschauung der Balti⸗ 228 Natur gewonnen sind, sammelt er hernach in den „Baltischen Natur⸗Ansichten.“ Wenn darin die klimatischen Verhaͤltnisse, das Eigenthuͤmliche im Pflanzen⸗ und Thierreiche in ziemlicher Voll staͤndigkeit zur Sprache kommen, so werden doch die Verhaͤltnisse am meisten hervorgehoben, welche sich auf die Bearbeitung der Natur durch menschlichen Fleiß naͤher beziehen und die natuͤrlichen Bedin⸗ ungen fuͤr das Leben der Einwohner ergeben. Es bildet dadurch Nesr Abschnitt den Uebergang zum zweiten Theile des Buches, wel⸗ cher die verschiedenen Staͤmme, die sich im Verlaufe mannigfacher Kaͤmpfe wie Gebirgsschichten neben und uͤber einander gelagert ha⸗ ben, nach den wichtigsten Seiten zu charakterisiren sich zur Aufgabe macht. „Die Letten und Esthen, die ackerbauenden Urbewohner des Landes, die Deutschen, der angesehenste Theil der Bevoͤlke⸗ rung, die theils als guͤterbesitzender Adel im Lande herrschen, theils als Literaten, seehandelnde Kaufleute und Handwerker die Staͤdte bewohnen, und die Russen, die am meisten aufstrebende Klasse, die vielfach spekulirend das Land besuchen und in den Vorstaͤdten siedeln, ohne bis jetzt zu einem bedeutenden Ansehen gelangt zu seyn“; diese vier sind allerdings nicht die einzigen bestimmt unter⸗ scheidbaren Elemente der Bevoͤlkerung, denn außerdem hat der Wech⸗ sel der Herrschaft uͤber diese Laͤnder auch Schweden und Litthauer in dasselbe gebracht, die Juden in Kurland haben ihrer fruͤher mehrmals verordneten „gaͤnzlichen Abschaffung gluͤcklich Trotz ge⸗ boten, und Zigeuner durchziehen als „Pferdehaͤndler und Diebe“ die drei Provinzen, dennoch verschwinden diese Letzteren als voͤllig un⸗ bedeutend in Vergleich zu den erstgenannten vier; diese bestimmen die Physiognomie des ganzen Landes, und eine Charakteristik derselben und ihres gegenseitigen Verhaͤltnisses reicht daher hin, uns das Voͤl⸗ kerleben der Ostsee⸗Provinzen im Ganzen darzustellen.

Mit unverkennbarer Vorliebe hat der Verfasser das Bild ausge⸗ fuͤhrt, welches er von dem Lettischen Stamme, seinem nationglen Charakter und seinen Sitten entwirft. Wir moͤchten ihn daruͤber nicht tadeln; der natuͤrliche und nationale Charakter eines Volkes, welches Jahrhunderte lang in einem oft druͤckenden Hoͤrigkeits⸗Ver haͤltnisse lebte und dadurch so umgebildet wurde, daß seine guten Seiten in die verwandten Fehler uͤbergingen, seine Schwaͤchen sich⸗ noch vermehrten, der natuͤrliche Charakter eines solchen Volkes laͤßt sich niemals mit voͤlliger Sicherheit in dem wirklich Vor⸗ handenen erkennen, sondern nur aus diesem muthmaßen, und ein liebevolles Eingehen in die Weise des Volkes ist erforderlich, um dabei das Wahre zu treffen. Die Uebereinstimmung aller einzelnen Zuͤge giebt der Darstellung des Verf. im Ganzen das Ge⸗ praͤge der Wahrheit. Mag auch die Weichheit und Bildsamkeit, die Freundlichkeit und Gastfreiheit, welche im natuͤrlichen Charakter des Volkes liegt, in der langen Zeit ihrer Leibeigenschaft so mit einer rauhen Rinde umzogen seyn, daß der als Herr mit ihnen verkehrende Deutsche ungern in dieses Lob einstimmen wuͤrde: die Guͤter, in wel⸗ chen das Volk sein innerstes Wesen am reinsten und festesten auspraͤgt, die Sprache der Letten mit ihrem Reichthume an freundlichen und schmeichelnden Worten und Wortformen und mit ihrer sinnigen Na⸗ tur⸗Auffassung, ihre Poesie, Volks⸗Poesie im vollsten Sinne des Wor⸗ tes, in ihrem lyrisch⸗idyllischen Charakter und dem durchaus zarten, sittigen Tone, ihre Sitten bis herab zu der Farbe ihrer Kleidung, in welcher jedes Grelle vermieden ist Alles dies giebt ein Zeugniß fuͤr die Richtigkeit jener Charakteristik. Nur duͤrfen wir uͤber diese Licht⸗ seiten unser Auge nicht gegen die Schattenseiten verschließen. Wie

Allgemeiner Anzeiger

8 8 Bekanntmachungen. hoe Der Verkauf weiblicher andarbeiten und anderer Gegenstaͤnde Besten der verarmten Weinbauer an der Mosel wird am 8., 9. und 10. Dezemberc. in den Vor⸗ mittagsstunden von 11 bis 3 Uhr in dem roßen Speisesaal Seiner Koͤniglichen Ho

Nr. 41. Berlin, den 30. November 1811.

MNothwendiger Verkauf. 8 DOdber⸗Landesgericht Raumburg. Das im Mejlebucger Kreise belegene Rittergut

Teuditz, abgeschaͤtzt au⸗ 9, 90299 Thlr. 15 Sgr. 8 Pf.,

in unserer Registratur einzusehenden Tare, soll am sp 27. April 1842, Vormittags 10 Uhr, Am 6. Dez

n ordentlicher Gerichtsstelle subhastirt werden.

8

in d ermine zu melden.

Subhastations⸗Patent. 1

—a. dem Rechnungsrath Friedrich Adolph Schnei⸗

1“ der gehoͤrige, in der Potsdamer Straße Nr. 120

heit des Prinzen von Preußen stattfinden. (sonst Potsdamer Chaussee Nr. 42 B.) gelegene, im

Eingang im Palais in der Behrenstraße Hypothekenbuche von Alt Schoͤneberg Vol. III. No. 99.

sol. 33. EEETTE8164* hgehese nach der

in unserem II. Buͤreau nebst Hypothekenschein einzu ATE111““ 3 1 1 1

sehenden Taxe, auf 47,306 Thlr. 29 Sgr. 4 Pf., soll und das 51 Theater Fronte neben einander eine eben so kuͤhne als solide und großartige, nicht

am 31. Maͤrz 1842, Vorm. 11 Uhr, 88

an ordentlicher Gerichtsstelle, Zimmerstraße Nr. 25, gelegene Eingang

offentlich subhastirt werden.

Berlin, den 27. August 1841.

Koͤnigliches Landgericht.

eeI zn Kohzleng. 8 „Dezember d. J. Nachmittags 2 Uhr wir vor unterzeichnetem Notar und in dessen Schreib⸗ V ¹ 1 Alle unbekannte Real⸗Praͤtendenten werden aufge⸗lstube dahier das zu Koblenz in dem angenehmsten Kaͤmmer, welcher mit den großen uͤber dem eigent²

1492

der Lettischen Poesie das Große, Kraͤftige, Erhabene fehlt und sich weder historisches Heldenlied, noch Kriegslied bei ihnen findet, so viel auch die Letten Kaͤmpfe zu bestehen gehabt und so alt viele ihrer Lie⸗ der sind, so fehlt ihrem Charakter maͤnnliche Energie und ein Trieb zu groͤßerer Gesellung. Die Familie ist ihr Staat und ihre Welt; eine Staaten⸗Bildung auch nur bis zur Organisirung von Dorf⸗ und Stadt⸗Gemeinden scheinen sie niemals erreicht zu haben; die Zerstuͤcke⸗ lung und Vereinzelung der Kraͤfte ließ sie auf den untersten Stufen der Entwickelung und in dem kuͤmmerlich kleinlichen Zustande blei⸗ ben, in welchem wir sie noch jetzt finden. . 2

Eine Linie, welche vom Suͤdende des Peipus⸗Sees nach Westen mitten durch Livland hindurchgeht, bezeichnet ungefaͤhr die Graͤnze der Letten gegen ihre noͤrdlichen Nachbarn, die Esthen. Jahrhun derte eines gleichen Looses der Sklaverei haben den Gegensatz nicht verwischen koͤnnen, der, auf Stammes⸗ und Charakter⸗Verschiedenheit begruͤndet, zwischen diesen beiden in scharfen Graͤnzen gegen einander absetzenden und nirgends sich vermischenden Nachbarn besteht. Wie schon die schwierigere Unterwerfung der Esthen ihre groͤßere Energie bewies, so steht noch jetzt dem freundlichen, einnehmenden, schmeicheln⸗ den Benehmen des Letten das rauhe, eckige, schroffe Wesen des Esthen, der Zartheit Lettischer Lieder die maͤnnliche Kraft Esthnischer Poesie und Esthnischer Sagen gegenuͤber; der Deutsche in den Staͤdten, in welchen beide Staͤmme viel verkehren, wie in Dorpat, unterscheidet sie auf den ersten Blick. Doch wenn diese groͤßere Maͤnn⸗ lichkeit dem Esthnischen Stamme eine hoͤhere Achtung verschaffen muͤßte, so fehlen ihm dabei wieder alle die liebenswuͤrdigen Eigen⸗ schaften des Letten, so daß man froh ist, von ihren noch kuͤmmerliche⸗ ren Wohnungen, den Sitzen der Unreinlichkeit, den Blick wieder ab⸗ zuwenden. Vielleicht hat freilich der Verf., wie dort die Lichter, so hier die Schatten, etwas zu stark aufgetragen er ist offen genug, an mehreren Punkten Einwendungen anderer Kenner des Landes zu erwaͤhnen; doch wie dem auch sey, wir sind ihm fuͤr die sorgfaͤltige Darstellung dieser beiden Staͤmme um so dankbarer, da eine genaue Auffassung ihrer Nationalitaͤt immer schwieriger werden wird. In Folge der Verordnungen, naͤmlich von den Jahren 1804 und 1817, ist dekanntlich die Gebundenheit der Letten und Esthen an Grund und Boden aufgehoben und Freizuͤgigkeit eingetreten, mit fester Begraͤn⸗ zung der Pflichten und Rechte und freier Kuͤndigung von beiden Sei⸗ ten. Inwiefern dieser Schritt die Lage dieser Staͤmme schon wesent⸗ lich verbessert habe, da Erwerbung von Eigenthum oder auch nur von Erbpachts⸗Verhaͤltnissen ihnen noch nicht moͤglich ist, mag zweifelhaft seyn; das aber ist gewiß, daß seitdem fuͤr ihre Bildung auf Anre⸗ gung einiger Gutsherren mehr geschehen, und daß mit der Annahme des Unterrichts, der ihnen nur durch Deutsche Vermittelung kam, die feste Anhaͤnglichkeit an ihre nationale Sitte vielfach zum Wanken ge⸗ bracht und eine Umbildung zum Deutschthum eingetreten ist. Bei weiterer Entwickelung auf diesem Wege moͤchten daher die Data fuͤr die Charakteristik der beiden Staͤmme bald um Vieles spaͤrlicher aus⸗ fallen, je mehr sich ihre Eigenthuͤmlichkeit in dem angenommenen Deutschthum verwischt. b

Zeigt sich hier nach den unteren Kreisen der Bevoͤlkerung hin das Germanische Wesen im Fortschritt begriffen, so stellt sich dagegen das umgekehrte Verhaͤltniß dar, wenn wir es mit dem Slavischen Elemente vergleichen, die Deutschen Institutionen gegenuͤber dem Rus⸗ sischen Reiche, das Lutherthum der Ostsce⸗Provinzen gegenuͤber der Griechisch⸗Russischen Kirche. Die Rechte und Privilegien, deren Aufrechterhaltung fuͤr Livland und Esthland bei ihrer Einverleibung in das Russische Reich ausdruͤcklich zugesichert und in aͤhnlicher Weise spaͤter auf Kurland ausgedehnt ist, sind diesen Provinzen, wenn man die kurze Unterbrechung unter Katharing ausnimmt und von den Han⸗ delsbeschraͤnkungen, der Steuer⸗ und Militair⸗Einrichtung absieht, al⸗ lerdings im Ganzen geblieben. Beschraͤnkt freilich durch die Macht des Gouverneurs, bestehen die Deutschen Staͤdte⸗Verfassungen, bestehen die Deutschen Adels⸗Corporationen, besteht das Deutsche Civilrecht. Aber die in bestaͤndigem Steigen begriffene Russische Bevoͤlkerung for dert laut und lauter Gleichstellung ihrer Rechte mit denen der Deut schen. Eben so ist der protestantischen Kirche die ihr zuge⸗ sicherte Freiheit und Selbststaͤndigkeit gehalten; der Staat hat im Lutherthum nie ein Hinderniß bei Erlangung der hoͤchsten Ehrenstellen gesehen, die Kirche hat keine Versuche gemacht, sich unter den Prote⸗ stanten Proselyten zu erwerben. Aber bedenkt man auf der anderen Seite, daß im heaeag des Russischen Reiches der Abfall eines Graͤco⸗ Russen von seinem Glauben unmoͤglich ist, daß in ganz Rußland zu keiner anderen als zur Griechischen Kirche bekehrt werden darf, daß der einzelne Genuß des Abendmahls unter Griechischer Form in den Schoß der Griechischen Kirche versetzt, daß aus gemischten Ehen nur Kinder des Griechischen Glaubens hervorgehen; fuͤgt man noch hinzu, daß das Bekenntniß zur Griechischen Kirche eine Annahme von Rus⸗ sischer Nationalitaͤt nothwendig nach sich zieht: so sieht man auch von dieser Seite, so weit es uͤberhaupt moͤglich ist, die Zukunft zu erra⸗ then, einem langsamen, aber sicheren Fortschritte der Slavischen ge⸗ gen die Germanische Nationalitaͤt in den Ostsee- Provinzen entgegen. Die Wirkung dieser beiden Momente koͤnnte und wuͤrde sich allmaͤlig auch auf die Sprache ausdehnen. Das Deutsche ist noch durchaus Sprache der gebildeten Kreise und Sprache der Zeitungen und Jonr⸗ nale, so wie der meisten dort erscheinenden Buͤcher; die Deutsche Li teratur findet dort ihre eifrigsten Verehrer, waͤhrend die Russische nach des Verfassers Versicherung weniger bekannt ist als in Deutsch land und in den drei Ostsee⸗Provinzen weniger Russich gedruckt wird, als schon in Leipzig allein.

Wir haben aus dem reichen Inhalte der vorliegenden Schrift nur einige wenige Punkte herausheben koͤnnen; doch werden schon diese kurzen Andeutungen hinreichen, um unseren Lesern zu zeigen, was sie von derselben zu erwarten haben und inwiefern sie sich uͤber die Menge der gewoͤhnlichen Reise⸗Literatur erhebt. Die Richtigkeit der Data im Einzelnen zu pruͤfen, auf welchen die Darstellung des Verfassers beruht, wuͤrde nur dem moͤglich seyn, der, wie der Verfasser, einen laͤngeren Aufenthalt in jenen Laͤndern ausdruͤcklich auf das Studium derselben verwendete. Fuͤr das, was der Verfasser aus eigener Erfah rung schoͤpfte, giebt im Ganzen der Charakter der Unbefangenheit und der strengen Wahrheitsliebe, welchen das Buch traͤgt, eine genuͤgende Buͤrgschaͤft; fuͤr das uͤbrige, aus anderweiten schriftlichen und muͤnd⸗ lichen Mittheilungen entlehnte, bezeichnet er selbst in der Vorrede seine

SIeeSe, 2 ——

ür

Mahlmann. Versteigerung ausgesetzt werden.

stere hat 3 in der Mitte der

ben Vorhalle fuͤhren. Zu jeder )

legenes Zimmer, von

straßenwaͤrts und zwei Kammern.

11“

sthuͤren, welche zu einer geraͤumi⸗ e⸗ ren. Zu 1 88 dieser Vor⸗ hoch alle befindet sich ein geraͤumiges straßenwaͤrts ge⸗ 1 denen das eine noch mit Kuͤche, Sachkenners erregt.

Im Dachgeschoß ist ein großer Speicher mit einer

Quellen. Die Darstellung ist fließend und ; in bestimmter Auffassung der mannigfachen Gestaltungen des Lebens geuͤbt, besitzt der Verfaßer das gluͤckliche Talent, sie in leichten Zͤgen arakteristisch zu zeichnen, ohne gerade ins Idealisiren oder Karrikiren zu verfallen. In Folge der oben bezeichneten Anordnung des Ganzen finden sich zu⸗ weilen Wiederholungen, doch ohne besonders laͤstig zu werden; hier und da versucht auch wohl der Verfasser, einen witzigen oder humori⸗ stischen Ton anzunehmen, der ihm nicht natuͤrlich ist und nicht recht gelingen will. Doch diese Ausstellungen sind zu unerheblich, als daß sie den Werth des Buches beeintraͤchtigen koͤnnten. 1*

SEEE“

mMeteorologische Beobachtungen.

Nachmittags 2 Uhr

1841. Morgens 30. Nov. 6 Uhr.

Abends V Nach einmaliger

10 Uhr. Beobachtung.

Luftdruck.. 331,48 8 Par. 331,64 Par. 331,96“ Par. Quellwärme 8,20 R. + 8,1° R. + 10,80° R. + 10,0°n. Flusswärme 3,/32 K. + 4,7 n. + 5,00 K. + 3/5 °R. Bodenwärme 4/40 K. 76 pCt. 63 pCt. 60 PpCt. Ausdüustung 0,030, Rb. Wetter.. trübe. halbheiter. trübe. Niederschlag 0,011 nün. Wind 817; W. V W. V Wärmewechsel +† 10,9 , Wolkenzug... W. 7,1.

. 2˙2 11 &ꝙ Tagesmittel: 331,96 Par.. + 9,609 R... Z66see 8 / 2 1

Luftwärme .. Thaupunkt... Dunstsöttigung

Auswärtige Börsen.

Amsterdam, 27. Nov. Niederl. wirkl. Schuld 51 25 . Kanz. Hill. 25 16 5% Span. 22 16 Passive —. Ausg. —. Zinsl. Präm. Sch. —. Pol. —. Oesterr. 105 ½. .

Neue Aul. 23 G.

Bngl. Russ. 108 ½.

Antwerpen, 26. Nov. Zinsl. —.

Hamburg, 29. Nov. Bank-Actien 1605.

290 Neue Aul. 232

London, 26. Nov. Cons. 3 9% 89 %. Belg. 100 ½. . Ausg. Sch. I11 ½. 2 ½ Holl. 52. 5 % Port. 32 ½. 3 ½ 19 ⅞.

2 0 Bras. 58. Columb. 19 ⁄. Mex. 25 ½. Peru 14. Chili 71. Paris 406.

Rente fiu cour. I116. 50. 3 % Rente fin cour. 5 G Neapl. 106. 80. 5 % Span. Rente

0

Passive 5 8⅔.

Engl. Russ. 113.

Peters bu rg, 23. Nov. Lond. 3 Met. 38 5. Hamb. 345.

Faris, 260 Nov. 6 % 80. 45. Aunl. de 1841 fin cour. 81. 15. 25 Passive 5 ½.

Wien, 26. Nov. 12 —. Bank-Actien —.

5 Met. 105 ½. 44 99 8%. 3 —. Aul. de 1834 638 ¾. de 1839 273 75.

Kshnigliche Schauspiele.

Donnerstag, 2. Dez. Im Schauspielhause: Egmont, Trauer⸗ spiel in 5 Abthl.

Freitag, 3. Dez. Im Opernhause: Don Juan, Oper in 2 Abthl., Musik von Mozart. (Dlle. Tuczek: Zerline.)

Im Schauspielhause: Abonnement suspendu. Représen- tation extraordinaire au bénéfice de Mad. Saint-Aubin. Le spectacle se composera de: 1) La première représentation de: Tiridate, ou: Tragédie et comédie, vaudeville nouvcau en 1 acte, par M. Fournicr. 2) La première représentation des 2d et 3me actes de Kean, ou: Désordre et génie, comédie par Mr. A. Dumas. 3) La première représentation de: Cicily, ou: Le lion amoureux, vaudeville nouveau en 2 actes, par Scribe.

Billets zu dieser Vorstellung sind taͤglich, von 9 bis 2 Uhr Vormittags, in der Wohnung der Mad. Saint⸗Aubin, Französi⸗ sche Straße Nr. 60, zu haben. Die Abonnements⸗Billets blei⸗ ben bis Donnerstag den 2ten d. M., Mittags 2 Uhr, reservirt.

Sonnabend, 4. Dez. Im Schauspielhause: Zum erstenmale: Die Stiefmutter, Lustspiel in 1 Akt, nach dem Franzoͤsischen des Scribe, von dem Freiherrn von Lichtenstein. Hierauf: 1) Romanze von Mercadante, gesungen von Herrn Ludovico Ricciardi. 2) Duett aus der Oper Tancred, von Rossini, gesungen von der Kaiserl. Koͤnigl. Kammersaͤngerin Dlle. Haͤhnel und Herrn Ricciardi. 3) Arie, gesungen von der Kaiserl. Koͤnigl. Saͤngerin Dlle Tuczek. 4) Duett aus der Oper Belisar, gesungen von Herrn Ricciardi und Herrn Boͤtticher. Und: Erziehungs-Resultate, Luspiel in 2 Abthl., von C. Blum.

Sonntag, 5. Dez. Im Opernhause: Robert der Teufel, Oper in 5 Abth., mit Ballets. Musik von J. Meyerbeer. (Dlle. Tuc⸗ zek: die Prinzessin.)

Im Schauspielhause: Treue Liebe, Se von Eduard Devrient.

Donnerstag, 2. Dez. Der Talisman. Posse mit Gesang in 3 Akten, von J. Nestroy. Musik von A. Muͤller.

Freitag, 3. Dez. Das bemooste Haupt, oder: Der lange Israel. Lustspiel in 4 Akten, von Roderich Benedix. Sonnabend, 4. Dez. (Italienische Opern⸗Vorstellung.) Lu- cia di Lammermoor. Opera in 3 Atti. Musica del Maestro

Donizetti. (Signora Laura Assandri: Lucia.)

Verantwortlicher Redacteur Dr. J. W. Zinkeisen.

Gedruckt in der Deckerschen Geheimen Ober⸗Hofbuchdruckerci.

die Preuszischen Staaten.

8 3., * 4— Vermeidung der Praͤklusion spaͤtestens Theile der Reustadt, dem Clemens⸗ oder großen Pa⸗lichen Theatergebaͤude befindlichen Speichern durch rade⸗Platze gegenuͤber, gelegene Theater⸗Gebaͤude, Thuͤren verbunden ist. üunter vortheilhaften Bedinguͤngen, einer oͤffentlichen

Aus der Vorhalle des Vorderhauses fuͤhren un⸗ mittelbar 3 Thuͤren in das eigentliche Theater⸗Ge⸗ baͤude selbst, und so steigt aus derselben zu jeder

Dieses Schauspielhaus wurde nach dem Modelle rnene 1, u Treppe aufwaͤrts zu der des Mannheimer Theaters im Jahre 1788 neu und Faite e 8 618e 03 ““ massiv aufgefuͤhrt; es hat eine Breite von 65 und Raumen de eine Tiefe von 167 Fuß; nach dem Paradeplatze zu ender freier Raum, welcher von den Besitzungen hat es eine Fronte von 7 Fenstern, ist dreistoͤckig des Eigenthuͤmers des angraͤnzenden Trierischen Ho⸗ und zerfaͤllt in ein vorderes, großartig konstruirtes, fes umgeben ist.

zu einer großen Restauration geeignetes Wohnhaus,⸗ ⸗Gebaͤude; das er⸗

Hinter dem Theater⸗Gebaͤnde ist noch ein bedeu⸗

Das Gebaͤude zeichnet sich in seinem Innern durch

weniger aber auch durch seine optisch und al 1isch richtige und gluͤckliche Construction i -.8—88 solchen Grade aus, daß es die Bewunderung ieo Nicht mit Unrecht wirdd dieses Theater⸗Gebaͤude als eines der schoͤnsten⸗

ben und Kammer versehen ist. Im mittleren 4, 8 1 88 Ekoazen venden sich ein geraäumiger Iu Konzerten nach den richtigsten Grundsätzen errichtetes Gebäud.

f st othekenschein und Bedingungen Oeffentli Ver 8g 9 geeigneter Saal mit einem anstoßenden eleganten geschildert. ufolge der nebst Hypothekensch gung eff iche Versteigerung des Schau⸗ Feebenet. Der dritte Stock hat vier große Zimmer Koblenz, den 1. November 1841.

8 8 8

Diese Einwendungen scheinen uns nicht richtig.

velche Herr Arago in Angers gehalte

ANlIg

1 Inhalt.

Amtliche Nachrichten. 8 8 1

Frankreich. Paris. Noch Einiges zum Prozeß Ledruͤ⸗Rollin. Nachrichten aus Algier: Zug nach Medeah. Vermischtes. Briefe aus Paris. (Der Prozeß des Herrn Ledruͤ⸗Rollin und das Journal des Débats. Das Geruͤcht uͤber einen Kongreß wegen der Sventhsen öe wird von ministeriellen Journalen

iderlegt; Lord Cowley. 1 rezer Aeaen uut Irlaund. London. Besserung im Befinden der verwittw. Koͤnigin. Erste Durchfahrt durch den Tunnel. soth in Nottingham. Vermischtes. Brief gus London. (Revision des Prozesses der angeblichen Hamburger Sklavenhaͤndler; Lord Palmerston; O'Connell's Einfluß im Sinken; Ausschmuͤk⸗ kung der Parlamentshaͤuser; Avancement.)

Belgien. Bruͤssel. Revpraͤsentanten⸗Kammer. Das Dampf⸗ boot „British Queen.“ b

Deutsche Bundesstaaten. Stuttgart. Abgeordneten⸗Kammer. Deffentlichkeit und Muͤndlichkeit der Rechtspflege. Verwerfung

es Antrages auf Ernennung eines Staats⸗Anwalts. Leipzig. Privat⸗Auffuͤhrung der Antigone des Sophokles. Karlsruhe. Bankerott in Straßburg. Wiesbaden. Verlobung der Prin⸗ zessin Marie von Rassau. Frankfurt a. M. Gesetzgebende Versammlung. 1

Oesterreich. Schreiben aus Wien. (Graf Flahault. Ungluͤcks⸗ faͤlle in den hoͤheren Gesellschafts⸗Kreisen.)

Schweiz. Genf. Naͤheres uͤber Bewilligung des Verfassungsra⸗ thes in Folge von Desertionen der bewaffneten Macht. Bern. Einzug des Paͤpstlichen Nuntius. Neuchatel. Neue Akademie.

Spanien. Madrid. Vermischtes. Schreiben aus Madrid. (Naͤheres uͤber die juͤngsten Ereignisse in Barcelona; Espartero's Ruͤckkehr; das Feanzbstsche Geschwader vor Barcelona.)

Griechenland. Athen. Griechische Zeitungen in der Tuͤrkei ver⸗ boten. Politischer Prozeß. Prozeß des Priesters Kairis.

Syrien. Beirut. Anarchie und innerer Krieg.

Inland. Paderborn. Bischofswahl. Minden. Dampfschiff⸗ fahrt auf der Ober-Weser. 3

1

Amtliche Nachrichten. Kronik des Tages.

Se. Majestaͤt der Koͤnig haben Allergnaͤdigst geruht, dem Koͤnigl. Bayerischen Obersten im General⸗Quartiermeister⸗Stabe und ersten Adjutanten Sr. Koͤnigl. Hoheit des Prinzen Karl von Bayern, Freiherrn von Leistner, den Rothen Adler⸗Orden zweiter Klasse zu verleihen.

Der bisherige Ober-Landesgerichts⸗Assessor Ritter ist zum Justiz⸗Kommissarius fuͤr die Gerichts⸗Aemter und Patrimonial⸗

1 521 .5 jc 17 „raer Kreise fu ir 4 b gerichte im landraͤthlich Herzberger Kreise, mit der Befugniß zur der Prozeß der Herren Arzac, Gasc und Roaldes, vormaligen

Mitglieder des Munizipal⸗Rathes von Toulouse, eroͤffnet. Man erinnert sich, daß in Folge der Unordnungen, die im Laufe des Monats Juli in Toulouse ausbrachen, durch eine Koͤnigliche Or⸗

Praxis bei dem Landgerichte zu Torgau in Angelegenheiten der Kreis⸗Eingesessenen, unter Anweisung seines Wohnsitzes zu Herz⸗ berg, und zugleich zum Notar in dem Bezirke des Ober⸗Landes⸗ gerschts zu Naumburg bestellt worden.

Abgereist: Der General⸗Major und Inspecteur der 1sten Artillerie⸗Inspection, von Scharnhorst, nach Stettin.

Zeitungs-Uachrichten. Ausland.

8 Frankreich

Paris, 27. Nov. Ueber die Frage, ob Herr Ledruͤ⸗Rollin schon jetzt als Deputirter betrachtet werden und auf die Privile- gien eines Deputirten Anspruch machen koͤnne, aͤußert sich das Journal des Dobats heute in einer Weise, die seiner Unpar⸗ teilichkeit zur Ehre gereicht und im Widerspruche mit der gestern aufgestelllten Ansicht der Presse steht. „Man hat“, sagen die Debats, „gegen Herrn Ledruͤ eingewendet, daß seine Vollmach⸗ ten noch nicht verifizirt waͤren, daß er den Eid noch nicht gelei— stet habe, daß dies die unumgaͤnglich nothwendigen Bedingungen zu seinem Eintritt in die Kammern waͤren, und ‚daß er also bis nach Erfuͤllung jener Formalitaͤten nur ein erwaͤhlter Kandidat, aber nicht wirklich Mitglied der Kammer sey und also auch auf die Privilegien eines Deputirten keinen Anspruch zu machen habe. Durch die Wahl ein Buͤrger zum Deputirten gemacht. Kraft der keinesweges kraft der Verifizirung wird er ein Mitglied der Kammer. Die Verifizirung fuͤgt seinen Voll⸗ machten nichts hinzu und raubt ihnen nichts; sie stellt nur die Existenz derselben fest. Die Kammer revidirt die Wahl nicht, sondern sie pruͤft und verifizirt nur die Regelmaͤßigkeit der⸗ selben. Wird die Regelmaͤßigkeit anerkannt, so gehen die Rechte des Deputirten bis zu dem Tage seiner Wahl hinauf; es wird angenommen, daß er von jenem Tage an Mitglied der Kammer war; denn, wir wiederholen es, durch den Willen seiner Waͤhler tritt er in die National⸗Repraͤsentation ein; aus jenem durch die Wahl ausgedruͤckten Willen schoͤpft er seine Rechte. Es ist aller⸗ dings moͤglich, daß die Wahl fuͤr unregelmaͤßig befunden wird, in diesem Falle annullirt die Kammer dieselbe; aber ist nicht „Zenscheinlich die Vermuthung zu Gunsten des erwaͤhlten Depu⸗ aa und der Waͤhler, die ihn ernannt haben? Man kann nur

ben, daß das Recht des Deputirten, an den Berathungen der Kammer Theil zu nehmen, bis nach der Verifizirung der Voll⸗ machten aufgeschoben wird; sein Titel existirt deshalb nicht min⸗ der. Unserer Meinung nach erleidet es deshalb keinen Zweifel, vaß der Vortheil des Artikels 43 der Charte Herrn Ledruͤ⸗Rollin vollstaͤndig zu Gute kommt.“

Das Journal des Débats widmet außerdem der Rede,

allein wird Wahl und

Algier vom S8ten d. folgenden Inhaltes:

t, einen besonderen Ar⸗

tikel, in welchem alle Pfeile des Spottes und der Satyre, die den in diesem Genre gewandten Débats zu Gebote stehen, auf den radikalen Gelehrten geschleudert werden. Es wird kaum an- ders seyn koͤnnen, als daß die Laͤcherlichkeiten, welche das Jour⸗ nal des Débats auf Herrn Arago haͤuft, seinem persoͤnlichen Ansehen nicht allein in der Kammer, denn dort ist es unbedeu— tend, aber auch in seiner wissenschaftlichen Stellung Eintrag thun werden. Wenn es wahr ist, was das Franzoͤsische Spruͤchwort sagt: le ridicule tue, so kann Herr Arago in politischer Hinsicht so ziemlich als ein Abgeschiedener betrachtet werden. 3

Die Sentinelle de Toulon enthaͤlt ein Schreiben aus „Gestern ist das nach Medeah bestimmte große Convoi von hier abgegangen. Das Voruͤberdesiliren des Convois und der eskortirenden Truppen dauerte ungefaͤhr 4 Stunden. Die ganze Kavallerie der Provinz Algier, gefuͤhrt von den Generalen Changarnier und Bedeau, be— gleitet den Transport, welcher in diesem Jahre der letzte seyn wird und eine sechsmonatliche Verproviantirung vervollstaͤndigt. Es ist keinesweges die Rede davon, den Effektiv⸗Bestand der Afri⸗ kanischen Armee zu verringern. Die Truppen, welche nach Europa

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zuruͤckkehren, werden durch neue Regimenter ersetzt werden. Der General⸗ Gouverneur beabsichtigt, gleich nach dem Beginn der schoͤnen Jahreszeit die militairischen Operationen wieder aufzuneh⸗

men und sie mit der groͤßten Energie zu betreiben.“

Nach dem Moniteur parisien wird die Regierung in

der bevorstehenden Session den Kammern ein vollstaͤndiges Eisen⸗

bahn⸗System fuͤr ganz Frankreich vorlegen, allein fuͤr dieses Jahr nur die Ausfuͤhrung zweier Linien beantragen, naͤmlich der Linie von Paris nach Lille und der Linie von Paris nach Lyon durch die Bourgogne. Die uͤbrigen großen Verzweigungen wuͤrden erst spaͤter zur Ausfuͤhrung gebracht werden, und unter ihnen stehen vörnean die Linie von Paris nach Marseille und diejenige, welche Bordeaux und Bayonne mit der Hauptstadt in Verbindung

V setzen soll.

Galignani's Messenger widerspricht der von der Ga⸗

zette de France gegebenen Nachricht, daß der Englische Mini⸗

ster der auswaͤrtigen Angelegenheiten der Franzoͤsischen Regierung eine Note habe zugehen lassen, in welcher er verlange, daß die nach der Pyrenaͤen⸗Graͤnze gesandten Franzoͤsischen Truppen zu⸗ ruͤckgezogen wuͤrden. Es existire keine solche Note.

Herr von Salvandy ist gestern in Paris eingetroffen und hatte sogleich eine lange Konferenz mit Herrn Guizot. Seine Abreise nach Madrid ist, wie es heißt, auf die ersten Tage der kuͤnftigen Woche festgesetzt.

Es heißt, Herr Dufaure habe die Kandidatur zum Praͤsiden— tenstuhle, welche das Ministerium ihm angetragen haͤtte, abgelehnt, und ein Theil der konservativen Partei wolle nunmehr seine

Stimme dem Herrn von Lamartine geben.

Am 24sten d. ward vor dem Zucht-⸗Polizeigerichte zu Pau

donnanz die Aufloͤsung des Munizipal⸗Rathes jener Stadt aus⸗ gesprochen wurde. Der außerordentliche Regierungs⸗Kommissarius, Herr Moritz Duval, ernannte demzufolge eine provisorische Mu⸗ nizipalitaͤt. Als dieselbe sich auf der Mairie einfand, um ihre

Functionen anzutreten, erklaͤrten die Herren Arzac, Gasc und Reoaldes, daß sie einer Koͤniglichen Ordonnanz nicht Folge leisten

koͤnnten, die, dem Gesetze zuwider, die Zeit der Wiedererwaͤhlung einer Munizipalitaͤt nicht festsetze. Sie reichten eine schriftliche Protestation ein, die mit der Erklaͤrung schloß, daß sie nur der Gewalt weichen wuͤrden. Wegen dieser Protestation sind die ge⸗ nannten Munizipal⸗Raͤthe vor Gericht gestellt worden.

Der vormalige General⸗Prokurator von Toulouse, Herr Plou⸗ goulm, scheint alle Hoffnung auf Wiederanstellung verloren zu ha⸗ ben, da er bei dem Conseil des Pariser Advokatenstandes darauf angetragen hat, wieder in die Reihe der Advokaten bei dem Koͤ⸗ nigl. Gerichtshofe aufgenommen zu werden.

Ein Theil der Garnison von Paris war gestern in saͤmmt⸗ lichen Kasernen in Folge mehrerer Arbeiter-Coalitionen konsignirt.

Boͤrse vom 27. November. Da heute sichere Notirun⸗ gen aus London eingegangen waren, so zeigten sich zu Anfang der Boͤrse viele Kaͤufer, spaͤter aber gingen die Course schnell zuͤruͤck, und die Zproc. Rente schloß zu 80.35. Man sprach viel von dem Fallissement des Hauses Balguerie u. Comp. in Bordeaux. Fast alle industriellen Interessen des Gironde-Departements sind bei dem Sturze dieses angesehenen Hauses betheiligt. 1“

½4 ½ Paris, 27. Nov. Von Seiten der Regierung nicht minder als von Seiten der Opposition strengt man sich an, um den Ausspruch des Geschwornen-Gerichts von Angers zu einem Ereignisse zu machen. Der Ausgang der gegen Herrn Ledruͤ⸗Rol⸗ lin erhobenen Anklage ist allerdings eine Art Triumph fuͤr das Ministerium, aber doch jedenfalls nur ein halber Sieg, der es der Opposition gestattet, daruͤber zu frohlocken, daß ihre Nieder— lage nicht vollstaͤndiger gewesen. Aber nicht genug, daß das Ge⸗ sammt⸗Resultat ziemlich zweideutiger Natur ist, die Neben⸗Um⸗ staͤnde sind fuͤr beide Theile so unvortheilhaft, daß keiner von ihnen Ursache hat, sich dessen zu ruͤhmen. Die schlimmste Wir⸗ kung dieser Sucht, Rechtssachen auf das Gebiet der Politik hin⸗ uͤberzuziehen, ist die Verfaͤlschung des Rechtssinnes im Publikum und die Gefaͤhrdung der Lauterkeit und der Unparteilichkeit der Justizpflege. Auf solche Weise werden Konßikte zwischen der Pflicht gegen das Gesetz und zwischen dem politischen Meinungs⸗ Interesse nicht selten kuͤnstlich geschaffen oder doch wenigstens kuͤnstlich gesteigert, und es ist leicht zu sehen, daß solche Kon⸗ flikte in der Regel zum Nachtheile des Gesetzes und zur Demo⸗ ralisirung der naͤher oder entfernter Betheiligten ausschlagen muͤssen.

Einen sonderbaren Mißbrauch macht das Journal des Débats von der Verurtheilung des Herrn Ledruͤ⸗Rollin, indem es dieselbe fuͤr eine gleichzeitige Verdammung der Ansichten der verschiedenen Anwalte des Angeklagten auszugeben sucht. Es ist

sehr moͤglich, es ist sogar wahrscheinlich, daß die Geschworene

gresse berufenen Diplomaten gab.

Franzoͤsischen Hofe, angefuͤhrt. haltbarkeit dieser Angabe wohl auch auf die anderen schließen.

Platz

von Angers weder Legitimisten noch Republikaner, noch Barro⸗ tisten sind, aber es ist unbegreiflich, daß das Journal des Dé⸗ bats die politischen Meinungen dieser Maͤnner aus einem rich⸗ terlichen Ausspruche derselben zu deduziren sucht. „Die Jury hat sich durch die Argumente der Herren Berryer, Arago und Odilon Barrot nicht von der Unschuld der Rede des Herrn Ledruͤ⸗Rollin uͤberzeugen lassen, folglich verwirft sie die politischen Grundsaͤtze, welche von diesen drei Maͤnnern vertreten werden.“ Das Journal des Débats richtet zugleich seine Angriffe gegen die von der Jury von Angers halb besiegte Coalition und bemuͤht sich dieselbe, in ihren Repraͤ⸗ sentanten laͤcherlich zu machen. Einen gluͤcklichen Gegensatz zu diesen Mißgriffen bildet die Unparteilichkeit, mit der das Jour⸗ nal des Débats die verfassungsmaͤßigen Rechte der Deputirten auch in der Person des Herrn Ledruͤ⸗Rollin vertheidigt, indem es die Unzulaͤssigkeit der von einer anderen Seite aufgestellten Be⸗ hauptung nachweist, daß das Urtheil von Angers an dem Depu⸗ tirten von Mans ohne Weiteres wie an jedem Privatmanne voll⸗ zogen werden koͤnne, weil seine Wahl zum Deputirten noch nicht von der Kammer gepruͤft und als guͤltig anerkannt sey.

4 Paris, 27. Nov. Unsere Journale haben seit einigen Tagen zu wiederholtenmalen von einem zu Wien abzuhaltenden Kongreß gesprochen, auf welchem die Repraͤsentanten der großen

Maͤchte, auf die Veranlassung Frankreichs, die Spanischen Ange⸗ legenheiten gemeinschaftlich regeln wuͤrden. Dieses hier allgemein verbreitete Geruͤcht erhielt noch mehr Wahrscheinlichkeit, als ein

Deutsches Blatt eine foͤrmliche Liste aller zu dem genannten Kon⸗ berꝛ Unter diesen wird, als der Be⸗ vollmaͤchtigte Englands, Lord Granville, der fruͤhere Gesandte am Nun aber laͤßt sich aus der Un⸗

Lord Granville befindet sich in einem so geschwaͤchten Gesund⸗ heitszustand, daß er in der letzten Zeit seiner hiesigen Gesandt⸗ schaft nicht einmal die laufenden Geschaͤfte, welche seine Stellung

mit sich brachte, besorgen konnte. Ueberdies ist es gar nicht denk bar, daß dieser Staatsmann, ein so hervorragendes Mitglied de

Whigs, einen so bedeutenden politischen Auftrag von Seiten einer

Tory⸗Regierung annehmen wuͤrde. Da man aber hier von den genannten Kongreß in den verschiedensten Kreisen als von etwa Gewissem sich unterhielt, so scheint es, als habe unser Kabinet

fuͤr noͤthig gefunden, diesem Geruͤchte, wenn auch nicht geradezu

auf offiziellem Wege, zu widersprechen. Wenigstens deutet man so die heute vom Journal l'Univers, einem ministeriellen

Blatte, veroͤffentlichte Anzeige, „daß dieses Projekt eines Kon⸗

gresses niemals existirt habe.“

V Der Mittelpunkt der Diplomatie, sagt man, wird diesen Win⸗ ter in dem Hause Lord Cowley's zu finden seyn. Wenigstens schließt man dies aus dem außerordentlichen Aufwand, mit dem

er das Gesandtschafts-Hotel einrichten laͤßt. Das saͤmmtliche Mobiliar, welches jedesmal der Nachfolger des vorhergehenden Ge⸗ sandten uͤbernimmt, ist diesmal verkauft und durch ein neues viel

kostbareres ersetzt worden.

Großbritanien und Irland.

London, 27. Nov. Das Befinden der verwittweten Koͤ⸗ nigin hat sich schon so gebessert, daß man nicht mehr taͤgliche Buͤlletins ausgeben wird. Ihre Majestaät hat ruhigeren Schlaf und fuͤhlt sich daher am Tage weit gestaͤrkter, so daß sie einige Stunden außerhalb des Bettes zubringen kann.

Die Hof⸗Zeitung von gestern Abend enthaͤlt nun auch noch eine Reihe von Befoͤrderungen, welche in der Ostindischen Armee vorgenommen worden sind.

Der Herzog von Cornwallis ist durch den Umstand, daß sein Vater vor einiger Zeit in die Goldschmiedezunft eingetreten, ein geborner Freibuͤrger von London und kann also, wenn er muͤndig

wird und seine Gebuͤhren zahlt, sein Buͤrgerrecht ausuͤben. Es ist dies das erste Mal, daß gedachtes Recht einem Thronerben durch Geburt zu Theil geworden ist.

Vorgestern wurde die Durchfahrt im Tunnel eroͤffnet, und die Direction legte zum ersten Male den Weg unter der Themse ungehindert zuruͤck. Innerhalb drei Wochen werden die Arbeiten gaͤnzlich beendet seyn.

In Nottingham ist die

Noth so groß, daß außer denen, die

gertode nahe sind. Jeden Tag durchziehen verhungerte und in Lumpen gekleidete Horden von 100 bis 400 Mann die Stadt, als Fahne ein Brett umhertragend, auf welchem zu lesen ist: „In Elend und außer Arbeit.“ Andere ziehen, 30 bis 40 Mann hoch, Karren, mit Sand beladen, durch die Stadt und betteln an allen Thuͤren. Die Liste des Arbeitshauses enthaͤlt 3600 Recipienten. Es ist eine Versammlung von der Geistlichkeit des Ortes einbe⸗ rufen worden, um sich uͤber Mittel zur Abhuͤlfe des Elends zu berathen. Herr Macaulay, der sich in der Naͤhe von Notting⸗ ham befindet, hat der Versammlung gerathen, eine große Suppen⸗ kuͤche nach dem Muster der in Edinburg angelegten zu errichten, die ungefaͤhr 100 Pfd. die Woche kosten wird.

Erst am 23sten Nachmittags hat das Wetter dem Schiffe „Jllustrious“, an dessen Bord sich der neue Gouverneur von V Kanada, Sir Ch. Bagot, besfindet, von Portsmouth abzugehen

erlaubt.

Gestern war man im Publikum sehr neugierig, zu erfahren, wie es mit den unter den Truͤmmern im Tower wieder aufgefun⸗ denen Geschuͤtzen staͤnde, da man wußte, daß die bei der Aufraͤu⸗ mung des Schutts beschaͤftigten Arbeiter und Soldaten an denje⸗ nigen Theil der Ruͤstkammer gelangt seyen, wo die Artillerie ihren hatte, unter der sich mehrere der interessantesten Trophaͤen aus Englands Siegen befanden. Man hatte gehofft, daß wenig⸗ stens die groͤßten Geschuͤtzstuͤcke vermoͤge ihrer massiven Construc⸗ tion wenig oder gar keinen Schaden von der Hitze oder von den

uͤber sie zusammengestuͤrzten Pfeilern und Mauern wuͤrden gelit⸗

ten haben; hierin aber sah man sich sehr getaͤuscht; die Ge schuͤtze waren alle, ganz ruinirt, zum Theil zusammengeschmolzen, zum Theil zertruͤmmert.

vom Kirchspiel Unterstuͤtzung erhalten, 2000 Menschen dem Hun⸗