die groͤßten Anstrengungen und durch das Verbrennen der Waͤl⸗ der das erste Ackerland abzugewinnen vermochte, stellten der neuen Kolonie Hindernisse entgegen, mit denen wohl wenig Kolonieen zu kaͤmpfen gehabt haben. Durch die Thaͤtigkeit und den redli⸗ chen Willen des Statthalters und seiner Nachfolger wurden diese alle gluͤcklich uͤberwunden, und die neue Kolonie ward so der Mit⸗ telpunkt aller jener Ansiedelungen an den dortigen Kuͤsten entlang, welche sich immer weiter ausbreiteten und ihrer Lage wegen, wie durch treffliche Haͤfen, von so großer Wichtigkeit fuͤr England sind. Der wohlgesicherte Hafen von Port⸗Jakson allein ist so bedeutend, daß die ganze Kriegs⸗Marine von Alt⸗England daselbst eine nau⸗ tisch sichere Aufstellung finden wuͤrde, wenn es gaͤlte, sie in den dortigen Gegenden der Erde um eines Riesenplanes willen zu⸗ sammenzuziehen. Aber wie hat sich daselbst seit jenen Anfaͤngen der Kultur durch die unerschuͤtterliche Beharrlichkeit von Englands Weltplaͤnen und die Nachhaltigkeit seiner Handels⸗Interessen ge⸗ genwaͤrtig alles veraͤndert. EEETTI 8 Sydney. Am westlichen Ende des anmuthigen, von begruͤnten Sand⸗ stein⸗Felsen umschlossenen Jakson⸗Hafens, in welchen man zwischen zwei hohen und steilen, eine Viertelmeile von einander entfernten Landspitzen hineinfaͤhrt, liegt in einer noch anmuthigeren Bucht (Sydneykowe) die jetzige Hauptstadt der Kolonieen von Neu⸗Suͤd⸗ wallis, die Stadt Sydney. Naht man ihr, so erblickt man erst eine Menge schoͤner Landhaͤuser umher und die weißen Haͤuser der Lootsen; dann tritt die eigentliche Stadt selbst hervor. Zwischen den beiden sich in den Hafen erstreckenden Bergruͤcken der Syd⸗ neybucht liegt sie da in dem Umfange von einer halben Meile durch die kleine Thal⸗Niederung und an den Berghalden entlang ausgebreitet. Die Haͤuser, aus weißen Sandsteinquadern oder aus Backsteinen errichtet, erheben sich nett und zierlich, durch freund⸗ liche Gaͤrten von einander getrennt, und die vordere Einfassung derselben meist mit Geraniumhecken geziert. Die Straßen breit, vor Allem die Hauptstraße der Stadt, die Georgsstraße, welche sich nach Westen uͤber eine Viertelstunde lang hinstreckt; stattliche Kirchen in gothischem Styl, Wohlthaͤtigkeits⸗Anstalten, Regierungs⸗ Gebaͤude, Kasernen, Schiffswerfte mit Kais, Speicher der Kauf⸗ leute, schoͤne Wohnungen von Privaten und einzelne gro⸗ ßere öffentliche und Privatgaͤrten verleihen dem Ganzen ein reiches schmuͤckendes Ansehen; das Fort Philipp endlich, dessen Telegraph zugleich die ein⸗- und auslaufenden Schiffe signalisirt, giebt dem Ganzen die echt nautische Haltung und dominirt die Stadt. Im Hafen selbst wimmelt es von Fahrzeugen aller Art. Kaum ist der Fremde daselbst angelangt, so wird er von einer Menge von Boͤten umringt, die ihm Fruͤchte und andere Erfrischungen anbie⸗ ten; Traͤger und Wagen fuͤhren die Ankommenden und ihr Ge⸗ paͤck in die zahlreichen gut eingerichteten Gasthaͤuser der Stadt, und auch an Miethswohnungen, fuͤr ein Pfund Sterling die Woche, fehlt es durchaus nicht. Unterrichts⸗Anstalten der verschiedensten Art, fuͤr die Kinder der gebildeteren Klasse der Einwohner, wie fuͤr die Kinder der Armen, der Verbrecher und der Ureinwohner des Landes sind errichtet, theils von der Regierung des Landes
nimmt man beim Lustwandeln am Strande in der Stille des
Abends, im aͤußersten Gegensatz gegen einander toͤnend, die sanfte Weise eines Otahaitischen Liedes und den wilden, furchtbaren Schrei des Neu⸗Seelaͤndischen Schlachtgesanges von den Schif⸗ fen heruͤber. Jenes bunte Gewuͤhl der sich Begegnenden wird noch mehr gesteigert durch die Anzahl von kleinen Haͤndlern, die eine Menge praͤchtig gefiederter Papageien zur Schau und zum Kauf bieten, und in reichster Fuͤlle und seltener Schoͤnheit die Goldfruͤchte des Suͤdens, wie das Obst und die Erzeugnisse unse⸗ rer Gaͤrten von der Pfirsiche bis zu der Melone herab, sammt der Purpurtraube unserer Herbstgelaͤnde, das Jahr hindurch den Voruͤbergehenden darbieten. Nur die Verbrecher, die man nach der Dauer ihrer Strafzeit in grauer oder gelber Strafjacke, mit rothen, schwarzen und gelben Nummern bezeichnet und zum Theil mit Ketten belastet durch die Straßen einherziehen sieht, geben diesem Bilde wieder einen duͤsteren Hintergrund und wecken den Ernst des Betrachtenden auf. “ I 1I1öe“ Die Bevoͤlkerung von Sydney, welches im Jahre 1839 zwanzigtausend Einwohner zaͤhlte, so wie die von Neu⸗Suͤdwallis uͤberhaupt, laͤßt sich gegenwaͤrtig in vier Abtheilungen theilen. Der ersten Abtheilung gehoren alle diejenigen an, welche sich hier als Freie und freiwillig zu irgend einem Zwecke niedergelassen haben. Sie bilden mit den Beamten den eigentlichen Kern und Adel des Landes, und sie sind es auch zunaͤchst, durch welche ein besserer Zustand fuͤr die Versunkenheit der Verbrecher herbeigefuͤhrt wer⸗ den kann; die zweite Abtheilung bilden diejenigen, welche um ir⸗ gend eines Verbrechens willen hierher gebracht und nach Verlauf ihrer Strafzeit freigelassen wurden und oft dabei auch von der Regierung mit Laͤndereien beschenkt werden, oder auch sich selbst durch fruͤher Erspartes, oder durch das bisher verborgen gehal⸗ tene Gut ihres Unrechts, durch guͤnstige Heirath oder loͤbliche Fuͤhrung und neu gewonnene Lust an der Arbeit zu heben wissen. Nicht selten jedoch ist ihre Besserung sehr unvollkommen, und nur ihre Kinder bieten und erfuͤllen die Hoffnung eines geregelteren, wohlgeordneten Daseyns. Die dritte Abtheilung machen diejeni⸗ gen Verbrecher aus, welche noch ihre Strafzeit abzuhalten haben, und diese zerfaͤllt wieder nach dem Maß ihrer Besserung oder der Schwere ihres Verbrechens in verschiedene Unter-⸗Abtheilun⸗ gen, so daß die leichtesten und durch ihre Fuͤhrung das meiste Vertrauen erweckenden Straͤflinge fast nur noch einer gemilder⸗ ten polizeilichen Aufsicht oder der Obhut ihrer Dienstherren in der Stadt oder auf den Pflanzungen unterworfen sind, waͤhrend die schwersten und verworfensten Verbrecher stets in Eisen gehen und zu den anstrengendsten Arbeiten in den Haͤfen, an den Land— straßen und in den Kohlengruben benutzt werden. Aus den letzten gehen auch besonders diejenigen sich selbst rantionirenden Verbrecher hervor, welche unter dem Namen der Buschklepper in die Wal⸗ dungen und in das Innere des Landes entfliehen, und sich jeder Gewaltthat gegen die Civilisation, wie nicht selten in der aͤußer⸗ sten Noth, in die sie diese Lage in dem so vielfach noch unwirthbaren Lande versetzt, gegen sich unter einander dahingeben. Die vierte
ausgehend, theils durch besondere, zum Theil auch religidse Ver⸗ eine veranlaßt; eine Seeschule fehlt eben so wenig, wie in der Kaledonischen Akademie ein naturwissenschaftlicher Verein zur Er⸗ forschung des Landes. Bank, Sparkasse und Sternwarte ergaͤn⸗ zen die mannigfaltigen Interessen des Nuͤtzlichen, wie die Mittel der Wissenschaft. Drei Zeitungen verkuͤnden die Neuigkeiten des Tages; Lese⸗Vereine, Buͤchersammlungen und Zeitschriften begeg⸗ nen dem geistigen Beduͤrfniß der wissenschaftlichen Einsicht, wie der angenehmen Unterhaltung, Gewerbe aller Art genuͤgen den ma⸗ teriellen Beduͤrfnissen der Einwohner und dem Komfort der Eng— lischen Sitte, welche auch hier, wie natuͤrlich unter einer Bevoͤl— kerung, deren groͤßter Theil aus Englaͤndern besteht, bei weitem uͤberwiegt.
Aber auch an Fremden fehlt es hier nicht. In reger Mannigfal⸗ tigkeit bewegen sich Fremde aller Voͤlker durch die Straßen, welche der Handel, die Aussicht auf guten Erwerb und selbst die Annehmlich⸗ keit des Klima's hierher gelockt haben. Selbst Chinesen halten sich hier auf. In diesen Verkehr der Fremden erblickt man nicht selten im bunten Gemisch Bewohner von den verschiedenen In⸗ seln der Suͤdsee in ihren eigenthuͤmlichen Trachten hin und her sich ergehend; Otahaiti und Neu⸗Seeland bieten, der Englischen und Rord⸗Amerikanischen Marine besonders so treffliche Matro—
Abtheilung umfaßt endlich die Eingebornen, welche, wie wenig es auch noch ist, doch zum Theil mit den Eingewanderten in einen naͤheren Verkehr zu treten anfangen. “ 8
H 9.
Die beiden ersten Klassen finden ihre Hauptnahrungs⸗Quellen im Handel, im Anbau des Landes, in der Viehzucht und in den Gewer⸗ ken. Der Handel ist in immerwaͤhrendem Steigen begriffen. Im Jahre 1826 kamen funfzig Schiffe nach Neu⸗Suͤdwallis, und der Han⸗ del mit Sydney hat daran den groͤßten Antheil, und es wurden auf ihnen von alt⸗England Waaren zum Betrag von 310,000 Pfd. Ster⸗ ling eingefuͤhrt, einschließlich 30,000 Pfd. aus den Britischen Ko⸗ lonieen; allein im Jahre 1839 betrug die Einfuhr 2,236,171 Pfd. Sterling einschließlich 257,721 Pfd. von den Fischereien und anderen Handels⸗Gegenstaͤnden um und von Neu⸗Seeland, war also fast um zwei Millionen Pfund gestiegen und 563 Britische Schiffe, zu im Ganzen 135,474 Tonnen Ladung, wovon 48,911 Tonnen allein dem Handel nach Sydney angehoͤrten, waren dabei in Thaͤtig— keit; dagegen betrug die Ausfuhr, die natuͤrlich, den dortigen Ver⸗ haͤltnissen entsprechend, viel geringer seyn mußte, im Jahre 1826 106,000 Pfd. Sterling, mithin doch schon etwa z der Einfuhr, und im Jahre 1839 948,776 Pfd. Sterling. Die Kolonie
Tonnen, welche zum Theil dort aus Cedern Mahagoni⸗ und Kasuarienholz gebaut werden. Die großen!/ Kaufleute erhalten ihre Waaren gegen Wechsel und lassen auch den kleinen Kaufleuten dieselben gegen Wechsel ab, welche sie dann erst, wenn die Waaren verkauft worden sind, bezahlen. Auf diese Weise werden die Geschaͤfte leicht ohne baare Geld⸗Auslagen abgemacht, und das meiste in Umlauf befindliche Geld besteht in Papiernoten von Kaufleuten und Grund⸗Eigenthuͤmern, welche sich jedoch schon seit laͤngerer Zeit durch eine Bank groͤßere Ein⸗ heit und Sicherheit des Umsatzes bereitet haben.
(Schluß folgt.)
Meteorologische Beobachtungen.
Nach einmaliger
Abends V Beobachtung.
1841. V Morgens 10 Uhr.
11. Dez. 6 Uhr. Luftdruck.... 328,72 Par. 330,04 Par. 331,50 Par. Quellwärme 8,2 ⁰ K. Flusswärme 3,0°9 R. Bodenwärme 4,1 8 R. Ausdünstung 0,029,Rh. Niederschlag 0,021 Rh.
Nachmittags 8
2 Uhr.
. + 2/90 nN. + 3/90 k. + 2,3 °R. 4+ 1,12 R. + 2,32) KR. + 1,3° R. 84 pCt. 81 pCt. 88 pCt. regnig. Regen. trübe. Z“ W. 8 9 W. V Wäaͤrmewechsel +† 4,2“,
Wolkenzug.. — W. — + 0,8⁰. 8„ 2 8 Tagesmittel: 330,09 Par... + 3,00 K.. P 1,60 K. 84 pcCt. W.
Luftwärme .. Thaupunkt . . . Dunstsättigung Wetter
Auswärtige Börsen. 8 Amsterdam, 8. Dez. Niederl. wirkl. Schuld 51 h. 59 do. 99 ⅞. Kanz. Bill. 25 †8. 55½ Span. 22 9%. Pass. —. Zinsl. —. Oesterr. —. Zinsl. 6. Bank-Actien 1615. Engl.
1“ Anl. de 1834 142. de 1839 110 ⅓.
Preuss.
Ausg. —. Präm. Sch. —. Pol. —.
Antwerpen, 7. Dez. Neue Anl. 22.
10. Dez. Russ.
Hamburg,
Wien, 7. Dez. 59 19 —., Bank-Actien 1620.
Königliche Schauspiele.
Montag, 13. Dez. Im Opernhause: Vor hundert Jahren, Sitten⸗Gemaͤlde in 4 Abth., von E. Raupach. Hierauf: Konzert des Herrn H. W. Ernst. Huvertuͤre. Fantasie uͤber den Marsch und die Romanze aus Othello, fuͤr Violine, mit Orchester⸗Beglei tung, komponirt und vorgetragen von Herrn H. W. Ernst. Adagio und Polonaise fuͤr Klarinette, komponirt von J. Muͤl ler, vorgetragen von dem Accessisten der Koͤniglichen Kapelle, Herrn Schubert. Caprices fuͤr Violine uͤber ein Thema aus dem Piraten, mit Orchester⸗Begleitung, komponirt und vorgetra⸗ gen von Herrn H. W. Ernst. Arie von Mercadante, ausgefuͤhrt von Dlle. Tuczek. Andante Spianato. Hierauf: Der Karneval von Venedig, komponirt und vorgetragen von Herrn H. W. Ernst.
Dienstag, 14. Dez. Im Opernhause: Alceste, große Oper in 3 Akten, mit Ballet. Musik von Gluck. — 1
Im Schauspielhause: Spectacle demandé: 1) Un secret, drame-vaudeville nouveau en 3 actes. 2) La seconde repré- sentation de: Tiridate, ou: Comédie et Tragédie, vaudeville nouveau en 1 acte, par Mr. Fournier.
Mittwoch, 15. Dez. Im Schauspielhause: Zum erstenmale wiederholt: Die Stiefmutter, Lustspiel in 1 Akt, nach Scribe, von dem Freiherrn von Lichtenstein. Hierauf: Der Zeitgeist, Possen⸗ spiel in 4 Abth., von E. Raupach.
Königstädtisches Theater. Montag, 13. Dez. (Italienische Opern⸗Vorstellung.) Plta- liana in Algeri. Opera bulta in 2 Atti. Musica den Maestro
Rossini. Dienstag, 14. Dez. 3 Akten, von J. Nestroy.
Der Talisman. Posse mit Gesang in
Verantwortlicher Redacteur Dr. J. W. Zinkeisen.
Gedruckt in der Deckerschen Geheimen Ober⸗Hofbuchdruckerei.
sen, daß man sie auch hier zahlreich erblickt, und nicht selten ver—
Frledigter Steckbrief. 8 Der mittelst Steckbriefes vom 8. Dezember d. J.
verfolgte Maurergeselle JFohann Heinrich M uͤl⸗
ler ist ergriffen und wieder eingebracht worden, da⸗
her jener Steckbrief erledigt ist.
Charlottenburg, den 10. Dezember 1841.
1 Koͤniglich Preußisches Stadtgericht.
Allgemeiner Anzeiger
1Iö6111“
Die beiden Soͤhne des zu Poͤlitz verstorbenen Pre⸗ digers Paul Ernst Stahlkopf und dessen Ehefrau Juliane Luise gebornen Weinholz, namentlich:
1) der am 26. Februar 1774 geborne Bogislaus
Friedrich und 2) der am 19. Juli 1775 geborne Johann Jacob Heinrich, Gebruͤder Stahlkopf, 8 von denen der Erstere, fuͤr welchen sich im Deposito des Koͤniglichen Pupillen⸗Kollegiums hierselbst etwa 140 Thlr. befinden, im Jahre 1807 aus dem Ar
8
e . —, — .„ — Aufkuͤndigung Schlesischer Pfandbriefe. Den Inhabern Schlesischer Pfandbriefe machen wir bekannt, daß die speziellen Verzeichnisse der im Johannis⸗Termine kuͤnftigen Jahres durch Baar⸗ zahlung des Nennwerthes, und der durch Umtausch einzuldsenden Schlesischen Pfandbriefe bei allen Schle⸗ sischen Landschaftskassen und bei den Boͤrsen zu Bres⸗ lau, Berlin und Leipzig ausgehaͤngt, auch mit den Anzeigern der drei Schlesischen Regierungs⸗Amts⸗ blaͤtter und mit den beiden hiesigen Zeitungen aus⸗ gereicht worden sind. Indem wir die erforderliche Aufkuͤndigung dieser Pfandbriefe ergehen lassen, for⸗
ern wir die Inhaber derselben, unter Hinweisung
auf die Allerhoͤchste Kabinetsordre vom 6. August 1840 (G. S. 1840. XVII. 2116.) zugleich auf, nS- dachte Pfandbriefe mit den zugehdrigen Zins⸗Re⸗
cognitionen, sonst aber in coursfreiem Zustande, bei Vermeidung eines auf ihre Kosten zu veranlassenden
oͤffentlichen Aufgebots, schon in dem naäͤchsten, ansibre naͤchsten Intestat⸗-Erben legitimiren werden.
Weihnachten dieses Jahres eintretenden Zins⸗
ahlungs⸗Termine, entweder bei der General⸗Land⸗
schaft, oder bei einer der Fuͤrstenthums⸗Landschaften einzuliefern
Breslau, am 9. Dezbr. 1841. Schlesische General⸗Landschafts⸗Direction.
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und dagegen die Le S Einziehungs⸗Retognitionen in Empfang zu nehmen, Verkauf (r 1u1““ b welche demnaͤchst in dem Johannis⸗Termine kuͤnf⸗ auf der Spiegel⸗Manufaktur bei Neu⸗
tigen Jahres durch Baarzahlung und bezuͤglich durch Ausreichung von Pfandbriefen werden eingeldst wer⸗
menhause in Prenzlau sich heimlich entfernt; der Letztere aber, fuͤr welchen in dem gedachten Deposito etwa 25 Thlr. befindlich sind, schon vor laͤnger als 40 Jahren von hier heimlich fortgegangen und seit den angegebenen Zeiten keine Nachricht von sich ge⸗ geben haben sollen, werden gauf den Antrag ihres Vor⸗ mundes nebst ihren etwa zuruͤckgelassenen unbekannten Erben und Erbnehmern hierdurch aufgefordert, sich schriftlich oder perfoͤnlich, oder durch einen bei uns an⸗ gestellten Justiz⸗Kommissarius, von denen die Justiz raͤthe Zitelmann, Boehmer und Kruͤger in Vorschlag gebracht werden, bei uns und zwar spaͤtestens in dem am 23. September 1842, Vormitt. 11 Uhr, vor dem Ober⸗Landesgerichts⸗Referendarius Kolbe, in unserem Geschaͤfts⸗Lokale anberaumten Termine zu melden und weitere Anweisung zu erwarten, wi drigenfalls die genannten beiden Gebruͤder Stahl— kopf werden fuͤr todt erklaͤrt und ihr Vermoͤgen den⸗ jenigen wird ausgeantwortet werden, welche sich als
Stettin, den 4. Oktober 1841. Koͤnigliches Ober⸗Landesgericht. Erster Senat.
p
stadt a. d. Dosse.
Der Besitzer der Spiegel⸗Manufaktur bei Neu⸗ stadt g. d. Dosse, der einzigen Gußspiegel⸗Fabrik im Koͤnigl. Preuß. Staate, will dieselbe mit allen dazu gehoͤrigen Fabrik⸗Gebaͤuden und Geraͤthschaften,
selbst hat Schooner von 30 bis 60 Tonnen, Briggs von 250
rechtigkeiten und Vorraͤthen gegossener Spiegel ver⸗ kaufen; dieselbe liegt 12 Meilen von Berlin, am Dossefluß, welcher die Werke treibt, ¼ Meile von der Eisenbahn, welche Berlin mit Hamburg verbinden soll, in einer fruchtbaren und freundlichen Gegend und ist mit einem sehr schoͤnen herrschaftlichen Wohn⸗ hause und Garten versehen. Hierauf Reflektirende wollen sich an den Herrn von Karstedt auf Fretz⸗ dorf bei Wittstock muͤndlich oder schriftlich in porto⸗ freien Briefen wenden, das zu verkaufende Etablisse⸗ ment aber jederzeit nach geschehener Meldung bei dem Fabriken⸗Inspektor Laspeyres zu Neustadt a. d. D. in Augenschein nehmen.
Literarische Anzeigen. Im Verlage der J. F. Castschen Buchhdlg. in Stuttgart ist so eben erschienen und in allen Buch⸗ handlungen zu haben, in Berlin bei E. S. Mitt ler (Stechbahn 3):
Muͤnch, E. v., Erinnerungen, Reisebilder, Phan⸗ tasie⸗-Gemaͤlde und Fasten⸗Predigten aus den Jahren 1840 — 1841. 2r Theil.
Herausgegeben von F. E. Pipitz. brosch. 1 Thlr. 11 ¼ Sgr.
Dessen 1r Theil, welcher zu Anfang dieses Jahres erschien, eleg. brosch. 2 Thlr.
Aus der Schule des Lebens. 1““ Roman in 3 11“ b “ von 8 t . ““ A. Quednow. 1
gr. 8. eleg. brosch. 1 Thlr. 18 ¾ Sgr.
Memoiren eines Apostaten. Aus dessen Papieren herausgegeben von C Fyitb. .8. eleg. brosch. 2 Thlr. 15 Sgr.
gr. 8. eleg.
Bei F. E. C. Leuckart in Breslau ist erschienen und in allen Buchhandlungen, in Berlin bei Stuhr,
sgas ib-“ „ 6 [Eug. Verboeckhoven, Hunt, Prout, Tailor
Reglement fuͤr die Subal
Geschaͤfts⸗ Koͤnigl. Gerichte vom
tern⸗Buͤreaus der 3. August 1841. 8. geh. 7 ⅞ Sgr.
Bei dem großen Interesse, welches das neue Ge⸗ schaͤfts⸗Reglement fuͤr Justiz⸗Beamte hat, wird ein wohlfeiler Abdruck desselben in bequemem Format Vielen sehr willkommen seyn. 8
Bei E. Anton in Halle ist erschienen: Heinrich Leo, Geschichte der Franzoͤsischen Revo lution. gr. 8. Preis 2 ½ Thlr.
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Ein reiches, aus den vortrefflichsten Blättern der Deutschen, Französischen, Niederländischen und Eng lischen Schule zusammengestelltes Album, mit Beiträ- gen von Paul Delaroche, Décamps, Dela- croix, Finart, Grenier, Gué, Gu- din VWIII leret, Watelet, Jacob Becker, Mücke Stielke, Jordan, Hasenclever, Preyer, Be- Biermann, Hosemann, Koeckoeck,
ete. etc. wird durch die unterzeichnete Kunsthand-
[lung einzeln Lund zu mässigen Preisen verkauft und
mag den Liebhabern von ausgezeichneten Aquarellen und Handzeichnungen als eine willkommene Gelegen- heit zur Bereicherung ihrer Sammlungen, wie zu ge- haltvollen Geschenken, hiermit empfohlen seyn.
62 Arbeiter⸗Wohnungen, Gaͤrten und Wiesen, Ge⸗
Mittler, Logier, Jonas zu haben:
G. G. nsthandlung, Linden 30.
Englische, Französische Dund Deutsche Almanache für
865
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Ruß d. St. Petersburg.
Frankreich. Paris. Vermischtes. — Pairshof. Prozeß Que⸗ nisset. — Briefe aus Paris. (Geruͤcht uͤber die Anlage einer Ci⸗ tadelle im Innern von Paris; General Bugeaud und das Budget 2g. “ — Die Praͤsidentschaftsfrage; Lord Cowley; Reschid Pascha.
GHroßbritanien und Irland. London. Titel des Thronerben. — Geruͤchte von Veraͤnderungen im Ministerium. Erklaͤrung hinsichtlich der Chinesischen Ranzion. — Projekt gußeiserner Ka⸗
sernen fuͤr Westindien. — Noth unter den Seidenwebern in Spi⸗
talfields. — Nachrichten von der Niger⸗Expedition. — Ueber⸗ schwemmungen. — Große Feuersbrunst zu St. Johns. — Aufre⸗ gung in Kanada. — Vermischtes. — Brief aus London. (Aus⸗ wanderungs⸗Plan; Thaͤtigkeit der Anti⸗Korn⸗Law⸗League; Nach richten aus Asien.)
Niederland. Amsterdam. Zucker⸗Fabrication in Holland.
Belgien. Bruͤssel. Einnahme⸗Budget. 8
Deutsche Bundesstaaten. Schreiben aus Dresden. (Liszt's Konzert.) — Hannover. Bischofswahl in Hildesheim. — Fchhechen aus Frankfurt. (Boͤrse; Personal⸗Nacheichten; Ver⸗ mischtes.
Spanien. Vermischtes. — Schreiben aus Madrid. (Die Soͤhne des Don Carlos in Genug; Staͤrke der Truppen an den Pyrenaͤen; Vermischtes.)
Portugal. Vermischtes.
Türkei. Salonichi. Bankerotte.
Vereinigte Staaten von Nord⸗Amerika. Ueber die bevor stehende Kongreß⸗Eroͤffnung. — Besorgnisse hinsichtlich der Ruͤckzah⸗ lung der Schulden einzelner Ghe; — Vermischtes
Merxikv. Regierungswechsel.
Brasilien. Verkuͤrzung des verlangten Kredits
Griechische Emissaire in Macedonien. —
Zeitungs-Uachrichten.
Ausland.
8 Rußland und Polen. 28 St. Petersburg, 7. Dez. Der Ober⸗Kammerherr von Tatischtscheff ist aus Wien hier eingetroffen.
Die Newa war wieder voͤllig frei von Eis und die Isaaks⸗ bruͤcke am 5. Dezember von neuem aufgestellt worden. In der vorigen Nacht kam jedoch wieder so viel Treibeis an, daß die Bruͤcke abermals abgenommen werden mußte. An der neuen Anitschkow⸗Bruͤcke ist bereits das zweite der schoͤnen, vom Baron v. Klott gearbeiteten ehernen Rosse auf seinem Piedestal errichtet.
Frankreich.
Paris, 8. Dez. Die provisorische Zuruͤckberufung des Ge⸗
neral Bugeaud erklaͤrt man sich jetzt dadurch, daß das Ministe-
rium bei der Diskussion des speziellen Budgets fuͤr Algier in der Deputirten⸗Kammer eine Niederlage zu erleiden fuͤrchte, da die Ausgaben fuͤr jene Kolonie in diesem Jahre auf 100 Millionen Franken gestiegen sind; es habe daher gewuͤnscht, daß der General Bugeaud bei dieser Gelegenheit in der Kammer zugegen sey, um einen Theil der Verantwortlichkeit fuͤr jene Summe auf sich zu nehmen.
Im Commerce liest man: „Das Publikum erinnert sich vielleicht noch, daß wir bei der Diskussion des Fortifications⸗ Gesetzes als eine natuͤrliche Folge desselben die Nothwendigkeit hervorhoben, eine Festung anzulegen, worin die Kriegs⸗Munition und der Mundvorrath gegen eine etwaige Empoͤrung der belager⸗ ten Bevoͤlkerung gesichert sey. Wir glauben nun anzeigen zu können, daß die Regierung den Plan zu einer inneren Citadelle hat entwerfen lassen, um darin die großen Kriegsvorraͤthe, deren eine Stadt wie Paris bedarf, sicher unterzubringen. Man hatte Anfangs fuͤr die Citadelle die Insel St. Louviers ausersehen, aber wieder darauf verzichtet, weil die Seine diesen Platz nicht mehr voͤllig umgiebt, indem ein Arm derselben ausgefuͤllt worden ist. Die fuͤr die Vertheidigung des Koͤnigreichs ernannte Kom— mission, welcher der Plan vorgelegt worden war, hat sich uͤber den Ort fuͤr die Citadelle noch nicht einigen koͤnnen.“
Ungeachtet der Erklaͤrung des Messager, daß die im gestrigen Blatte des Constitutionnel enthaltenen Angaben in Bezug auf den Handels⸗Traktat zwischen Belgien und Frankreich falsch seyen, behauptet das letztere Blatt dennoch in seiner heu⸗ tigen Nummer die Richtigkeit seiner Mittheilungen. Ein hiesiges Blatt bemerkt hieruͤber: „Aus den von uns eingezogenen Erkun⸗ digungen ergiebt sich, daß die Kommission, welcher Herr Rossi praͤsidirt, in der That mit der Vorbereitung mehrerer Handels⸗ Traktate beauftragt ist, unter denen sich jedoch derjenige, uͤber welchen in diesem Augenblick zwischen Belgien und Frankreich unterhandelt wird, nicht befindet, indem derselbe speziell den Herren Deffaudis und Maisonneuve uͤbertragen worden ist, hier⸗ auf bezieht sich wahrscheinlich das von dem ministeriellen Journal dem Constitutionnel gegebene Dementi.“
Herr Conte, Direktor der Posten, beschaͤftigt sich unausgesetzt mit seiner umfassenden Reform des Postwesens, die mit dem naͤch⸗ sten 1. Januar ins Leben treten duͤrfte. Am 1. Januar 1841 be⸗ schaͤftigte die Post⸗Verwaltung
953 Post⸗Directricen mit einem Gehalte von 1,446,112 Fr.
612 Post⸗Direktoren.... 914,888 ⸗
Also 1565 Beamte, zusammen mit einem Gehalte von 2,3071,000 Fr. Dies giebt im Durchschnitt 1510 Fr. fuͤr jedes Individuum.
Durch eine Koͤnigliche Ordonnanz vom 2. Dezember ist das Bisthum Cambrai zu einem Erz⸗Bisthum erhoben und dem Bischof von Rhodez verliehen worden.
Die Regierung hat die Nachricht erhalten, daß die Rhone in Avignon bereits anfaͤngt wieder zu fallen, und daß man die niedrigen Stadttheile bald vom Wasser befreit zu sehen hoffte.
Die Kommission, welche von dem Minister des Innern be⸗ auftragt war, unter den eingesandten Modellen zu einem Grab⸗ Monument fuͤr Napoleon eine Auswahl zu treffen, hat sie saͤmmt⸗
lich verworfen und beschlossen, den Minister zur Ausschreibung eines neuen Konkurses zu ersuchen.
Der Capitain Coz, welcher mit der Brigg „Marne“ aus New⸗York in Havre angekommen ist, hat ausgesagt, daß die Fregatte „Belle Poule“ und die Kriegsbrigg „Césare“ am 15ten November New⸗York verlassen und sich nach Lissabon begeben wuͤrden.
Pairshof. Sitzung vom 7. Dezember. Verhoͤr wird fortgesetzt. Du rville erscheint zunaͤchst.
Frage. Ihr wißt, daß die geheimen Gesellschaften sich bei Colombier versammelt haben, und 545 ihr selbst Ir Wafgnen icheset. ben gewesen seyd? — Antwort: Ich hatte schon genug als Mit⸗ glied meiner Familie zu thun. — Der General⸗Prokurator: Kennt ihr Quenisset schon lange? — Durville: Zwischen 3 und 6 Wochen. — Quenisset: Er kennt mich wenigstens schon 2 Jahre. Wenn er sagt, daß er nicht in die Gesellschaft aufgenommen worden ist, so kann ich das Gegentheil beweisen. Er hat in der Nacht, da er aufgenommen wurde, sich in den Straßen herumgetrieben und einen Munizipal⸗Gardisten insultirt. Er begegnete mir am folgen⸗ den Morgen in der Rue St. Martin und zahlte mein Morgen⸗ Schnaͤpschen. — Fr. Welche Personen waren gegenwaͤrtig⸗ — Que⸗ nisset: Dufour, Auguste, Just; man stieg zuerst in das schwarze Kabinet hinab, welches im Keller lag, und Durville fuͤgte seinem Schwure die Worte bei: „Ich bin ein treuer Buͤrger, ein wackerer Republikaner, ich bin 1832 im Triumph eingeholt worden. — Bou cheron: Ich kenne den Zeugen seit 5 Jahren und bin ebenfalls bei seiner Aufnahme zugegen gewesen. — Der Zeuge Durville: Das ist Alles falsch; ich kann 30 Personen nennen, die fuͤr mich sprechen werden. — Quenisset: Was, ihr, schlechter Zahler? Ihr werdet nicht einen Einzigen finden; ich aber stelle euch 2000 entgegen! Der Zeuge tritt ab, und es erscheint die Wittwe Pailroux: Sie sagt aus, daß sie den Angeklagten Chasseur kenne, weil er oͤfter allein oder in Gesellschaft zu ihr gekommen sey, um seine Flasche zu trinken. Auch habe sie nichts gegen ihn, als daß, durch seine Aus⸗ sagen veranlaßt, ihr Name jetzt in den Zeitungen figuriren muͤsse, welches ihr sehr unangenehm sey. — Auf die Frage des General⸗ Prokurators, ob nicht die Mitglieder der geheimen Gesellschaft sich bei ihr versammelt und republikanische Agenten gewaͤhlt haͤtten, ant⸗ wortete sie mit nein, da sie nur ein Trinkzimmer gehabt habe, wel⸗ ches Jedermann ungehindert haͤtte besuchen koͤnnen. — Duru, der bei der oben erwaͤhnten Wittwe Pailroux in Dienst gewesen und jetzt krank ist, sagt in seiner schriftlichen Aussage, daß un⸗
gefaͤhr 20 Maͤnner in einer oberen Stube getruͤnken haͤtten. Waͤhrend der Instruction mit den Angeklagten konfrontirt, hat der Zeuge Quenisset und August Petit erkannt. Eben so sagt er aus, seine Herrin habe ihm verboten, von Allen, die mit Launois (Chasseur) kaͤmen, Geld anzunehmen. — Wiltwe Pailroux. Das ist Alles falsch. Ich will die Wahrheit sagen. Waͤhrend der 3 Wochen, da jener Mensch bei mir diente, ist Herr Chasseur nicht in mein Haus gekommen; es sind nur ungefaͤhr ein Dutzend Maͤnner dagewesen⸗ die ich alle nicht keune. Duru ist ein Betruͤger. — Der Praͤsident Duru ist ein schlichter Landmann; unmoͤglich kann er so feine Luͤgen ersinnen; ihr selbst aber habt eure fruͤhere Aussage widerrufen denn ihr sagtet, es haͤtte nie eine Versammlung bei euch stattgefunden. — Die Zeugin bleibt bei ihrer Aussage, nichts zu wissen, und der General⸗Prokurator fordert nuͤt jenisset auf, dem Gerichts⸗ hofe zu sagen, was sich bei der Wittwe Poilroux zugetragen habe. Dieser sagt aus: Ich war von Martin aufgefordert, ihn zu Colom⸗ bier zu begleiten. Als ich mich wieder von dort entfernen wollte, sagte er: „Du bist ein guter Kerl, fuͤr den wir kein Geheimniß ha ben; wir wollen dir den Angriffsplan mittheilen. Wir gingen nun zu dieser Dame, die ich noch nicht kannte, die mir aber als die schwarze Dame bezeichnet wurde. Dufour war noch nicht da, aber er kam bald, Fournerat dagegen wartete schon. Wenn man nach dem Aufwaͤrter klingelte, war Alles still, bis dieser sich wieder entfernt hatte. — Der General⸗Prökurator: Was wurde in dieser Versammlung vorgenommen? — Quenisset: Auguste nahm das Wort und-sagte: Wir sind drei; bis auf so we⸗ nige hat die Polizei uns auseinandergesprengt. Wir muͤssen wieder stark werden, und deshalb sind wir hier. Matthieu verlangte dann die Bildung eines Comité, und Mallet trug auf die Ernennung re⸗ volutiongirer Agenten an. Dieser Vorschlag wurde angenommen; Dufour verlaͤngte darauf Papier zum Aufschreiben der Namen, und ich gab ihm meine Schreibtafel. Dufour schrieb, und Just zog die Zettel. Der erste war mit Auguste, der zweite mit Chasseur bezeich⸗ net; Beide wurden zu revolutionairen Agenten ernannt. — Der Ge neral⸗Prokurator zu Auguste Petit: Was habt ihr hierauf zu sagen? — Petit: Er hat die Unwahrheit gesagt. — Fr. Seid ihr bei der Wittwe Poilroux gewesen? — Antw. Dreimal. — Fr Mit Martin, Mallet und Chasseur? — Antw. Das weiß ich nicht mehr. Fr. Ihr versammeltet euch im oberen Zimmer; was machtet ihr da7 — Antw. Ich weiß es nicht mehr; es kamen auch noch andere Personen hin, die sich Kommunisten nannten und uns den Vorwurf machten, daß wir stets zuruͤckblieben. Petit sagte noch aus, daß er sich nur dort befunden habe, um zu hoͤren, und als der General⸗Prokurator ihm vorhaͤlt, daß alle bei der Instruction auf ihn bezuͤglichen Dokumente bewei⸗ sen, daß er eigentlich die handelnde Person gewesen, entgegnet er daß er nicht der Redner sey, zu welchem man ihn machen wolle 824 En ault, genannt Manceau, sagt aus: Ich kenne Quenisset. Am 10. September haben wir auf dem Greveplatze Arbeit gesucht, und am 11ten besuchten wir mehrere Schenken, unter anderen die Co⸗ lombiers, den Quenisset fragte, was es Neues gaͤbe. Der Zeuge glaubt sich zu erinnern, daß Quenisset ihn auf den folgenden Tag nach dem Carré Saint Martin bestellt habe. — Quenisset: Ich that dies, weil Colombier gesagt hatte, es befaͤnden sich dort ganze Haufen von Enthustasten, denen es nur an Anfuͤhrern fehle, und daß man ihnen solche geben muͤsse. — Es erschien jetzt der Zeuge Claude Rollin, 68 Jahr alt, und sagte, daß er mit Colombier in einem Hause wohne, bei dem er oft ein Glaͤschen getrunken. Ich bin nur aus und eingegangen, fuhr er fort, und habe mich nicht um die Leute bekuͤmmert, die ihn besuchten. Doch habe ich Quenisset mehreremale dort gesehen, den ich kenne, weil wir oͤfter zusammen arbeiteten. Ich bin in meinem Alter nicht mehr der Mann, auf den Straßen herumzuschlendern, und lege mich gleich nach dem Essen schlafen. Kein Mensch hat mir etwas von Patro⸗ nen gesagt, und auch Colombiers Frau hat nicht zu der meinigen gesagt, daß bei ihr Patronen gemacht wuͤrden. — Que nisset: und doch habt ihr mir das selbst gesagt. — Rollin: Das ist falsch! Meine Frau hat mir gesagt, daß sie Kugeln goͤffen bei Colombier. (Gelaͤchter) — Der General⸗Prokurator: Habt ihr einer Vesammlung beigewohnt, worin man eine Rede gehalten? — RNollin: Moͤglich. Man hat in meinem Alter ein schwaches Ge⸗ daͤchtniß. — Fr.: Haben nicht Quenisset und Boucheron euch ande⸗
Das Zeugen⸗
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„Hp I 1 & H 4 0ĩq⁷⁶ s. . 1 Antw.: Ja. — Fr.: Kennt ihr Jarasse? — Antw.: Ja⸗ 2 12 nie gesagt, was er in den Versammlungen mache. — on, Polizei⸗Commissair am Quai St. Michel, sagt — am September beauftragt worden sey, bei Just eine E1“ g zu halten, wo er verschiedene revolutionaire Schriften “ er oberen Schublade der Kommode graues Papier gefunden e, das zu Patronen zugeschnitten gewesen se 1 8 8 Pulver, Salpeter u s. w. ih ienger eeser, ch/in dersenhon eüt⸗ „Salpeter u s. w. Die jungen Leute, die in demselben Zim⸗ “ Die jungen Leute, die in demselben Zim ter schliefen, sagten, daß diese Sachen Just geht t stimmte bei. Auch fand ich ein Recept uͤber nie⸗ Senng nes Faths. — Die Aussaaene vna d ich ein Recept uͤber die Anfertigung des Pulvers. Die Aussagen einiger anderer Zeugen, die jetzt folgen, sind ganz unb EV1“ geugen, die jetzt folgen, sind ganz unbe ütend. — Herr Chevallier, Professor an der pharmaceutischen Schule, ist eö — pharmaceutischen Schule, is Pistol zu er Articlerte, Herrn Gazan, beauftragt worden, das zistol zu ichen, welches zu dem Attentat gedie z ist fuͤr ein Kavallerie⸗Pistol Nr. 1 erkannt und 8 Lche Köb;. “ „ n d war mit groben Pulver 8 82½ 1 Der Maler Clemency. sagt aus: Ich kam am 20. Au⸗ gust mi 1 Flinte nach Hause, die ich zu Cblombier brachte, der mein näͤchster Nachbar ist. Quenisset nahm sie in die Hand und F „Sie ist leicht! Wenn sie mein waͤre, wollte ich sie schon ge⸗ brauchen; er fuͤgte noch hinzu, daß er nicht nur mit den Waffen der Infanterie⸗ sondern auch mit denen der Kavallerie umzugehen wisse da er bei den Dragonern gestanden habe. Aus dem weiteren Verhöͤr des Zeugen ergiebt sich, daß dieser auch Launois und Petit kennt, und er geraͤth dadurch in Widerspruͤche. Er widerruft fruͤhere Aussa⸗ gen, die er nur gemacht haben will, um jeden Verdacht einer Theil⸗ nahme von sich abzuwaͤlzen. — Quenisset erklart ihn fuͤr einen fallchen Zeugen, der ihn haͤtte uͤberreden wollen, mit ihm nach Ame⸗ rika auszuwandern, wo es keine Bastillen, aber desto mehr brave Re⸗ publikaner gaͤbe. — Die Sitzung wird um 6 Uhr geschlossen.
ꝓ† Paris, 8. Dez. Der Commerce, welcher den Plan der Befestigung von Paris von Anfang an mit unermuͤdlicher Energie und Ausdauer bekaͤmpft hat, will wissen, daß die Regie⸗ rung damit umgehe, auch im Innern der Stadt unter dem Na⸗ men eines Zeughauses eine Citadelle zu bauen. Dieser Nachricht liegt etwas Wahres zum Grunde. Es ist natuͤrlich, daß Paris als Festung ein großes Arsenal fuͤr das unermeßliche zu seiner Ausruͤstung erforderliche Kriegsmaterial noͤthig hat, und die Kriegs⸗ verwaltung beschaͤftigt sich mit der Ausarbeitung eines Planes und der Aufsuchung eines Platzes fuͤr die zu diesem Zwecke be⸗ stimmten Gebaͤude. Aber von einer Befestigung derselben kann in der gegenwaͤrtigen Lage der Dinge und in der gegenwaͤrtigen Verfassung der Geister nicht die Rede seyn, denn es ist offenbar, daß man die Pariser nicht uͤberzeugen wird, es sey zweckmaͤßig, das Zeughaus der Stadt gegen ihre eigenen etwaigen Angriffe sicher zu stellen; eine Citadelle in der Stadt wuͤrde sich vielmehr unfehlbar allen Blicken als eine neue Bastille darstellen, Paris wuͤrde nie seine Einwilli⸗ gung zu ihrer Auffuͤhrung geben, und wider den Willen von Pa⸗ ris ist heutzutage die Durchfuͤhrung einer Unternehmung dieser Art nicht wohl denkbar. Jenes gewagte Projekt wuͤrde aber am wenigsten in dem gegenwaͤrtigen Augenblicke zum Vorschein kom⸗ men, wo die oͤffentliche Meinung uͤber die Befestigung von Paris eine Wendung genommen hat, welche durch die geringste Veran⸗ lassung zur allgemeinen und heftigen Opposition werden kann, und durch die schon jetzt, nach dem Urtheile guter Beobachter, die EI des fraglichen Werkes ziemlich problematisch gewor⸗
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„Der General Bugeaud ist nie so populair gewesen als gegen⸗ waͤrtig, wo man, ungeachtet der beruhigenden Versicherungen der offiziellen Blaͤtter, seine Stellung als Gouverneur von Algier be⸗ droht glaubt. Obgleich sich in diese Stimmung viel Geist des bloßen Widerspruchs mischt, so scheint sie doch durch den bisheri⸗
gen Gang und die bisherigen Ergebnisse der Verwaltung des Ge⸗ nerals Bugeaud einigermaßen gerechtfertigt. Wenn es ihm nicht gelungen ist, bedeutende militairische Resultate zu erlangen so hat er doch fuͤr die buͤrgerliche Organisation der ihm anvertrauten
Provinz und zur Vorbereitung einer endlichen Kolonisirung mehr Pehen als irgend einer seiner Vorgaͤnger. Eines seiner großen Verdienste besteht darin, daß er einige Ordnung in das Rechnungswesen gebracht hat, in welchem bisher die kolossalsten Unregelmaͤßigkeiten an der Tagesordnung waren. Dadurch hat sich denn der General⸗Gouverneur aber auch unter den hohen Beamten in Algerien heftige Feinde gemacht, die unter der Hand alles Moͤgliche thun, um sich seiner laͤstigen Kontrolle zu entledigen. In diesem Verhaͤltnisse liegt eine Art der Rechtfertigung jener Zweifel, ob sich der Urlaub des G 1 nerals Bugeaud nicht doch zuletzt in eine Abberufung verwandeln werde. Trotz der Sparsamkeit, welche sich der Gouverneur ur ersten Verwaltungs⸗Regel gemacht hat, soll das Afrikanische Ahes⸗ gabe⸗Budget fuͤr das nunmehr beinahe abgelaufene Jahr schon jetzt hundert Millionenzuͤbersteigen. Es ist nicht allein keine Aus⸗ sicht vorhanden, daß dasselbe fuͤr 1843 werde vermindert werden,
ren Tages schwoͤren lassen, nichts von dem zu verrathen, was ihr
sondern man muß sich sogar auf eine bedeutende Vergroͤß 1 3 . nde Vergroͤßeru desselben gefaßt machen. “
⸗ Paris, 7. Dez. Gleich zu Anfang, als sich hier das eruͤcht von der Praͤsentation des Herrn von Lamartine ur raͤsidentschaft der Deputirten⸗Kammer verbreitete, waren näig. lle seine Freunde und Anhaͤnger fuͤr die Kandidatur. Viele 8 ereits erwaͤhnt worden, waren der Meinung, daß, ungeachtet dk⸗ er durch seine Talente ihm gesicherte Berechtigung zu diesen An⸗ pruͤchen, sein jetziges Auftreten noch zu fruͤh sey. Sie waren ewiß, daß er dies auch selbst fuͤhlen wuͤrde, denn man hatte stets on ihm geruͤhmt, daß er unter den Franzoͤsischen Notabilitaͤten ast der einzige sey, der sich zu gedulden weiß und den richtigen eitpunkt abzuwarten versteht. Deshalb haben die Maͤnner seiner dartei, die reinen Konservativen, ihre Zukunft an die sei⸗ ige geknuͤpft und, den fruͤher getroffenen Vorbereitungen ud Verabredungen zufolge, ihre politische Rolle erst in eine aͤtere Zeit verlegt, wo sie mit dem gegenwaͤrtigen Kabinet keine Kollision mehr gerathen wuͤrden. Als daher unlaͤngst e große Fraction der konservativen Deputirten sich zu jenem erwaͤhnten Vorschlage versammelten, so war dies, bei der zur Zeit stattfindenden Abwesenheit des Herrn von Lamartine, ohne sein Wissen geschehen. Sie stuͤtzten den Vorschlag auf Gruͤnde, die von uns fruͤher hier angefuͤhrt wurden, und waren des vollkom-⸗ menen Sieges fuͤr den Kandidaten gewiß. . Diejenigen aber unter seinen Freunden, welche die gegenwaͤr⸗