1841 / 351 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

Bedenken, hierauf zu antworten: „Die Kolonisten haben das Recht, Gott zu danken, wenn er durch irgend ein Mittel, das er in seiner Allmacht auswaͤhlt, die Zahl derer vermindert, von wel⸗ chen sie verfolgt werden.“ Diese Zeilen koͤnnen durch jedes Wort, das man ihnen hinzufuͤgt, nur geschwaͤcht werden, aber ich kann doch nicht umhin, auf Eins hinzuweisen: Die Kolonisten erklaͤren es fuͤr eine Verfolgung, wenn die christliche Liebe eines Priesters sich der ungluͤcklichen Opfer ihrer Habsucht und ihrer Grausamkeit annimmt.

* Paris, 13. Dez. General Bugeaud wird in wenigen Tagen in Toulon anlangen und sodann hier in Person seine An⸗ sichten gegen die Reduction der Afrikanischen Armee vortragen. Sie wird von allen praktischen Militairs jetzt als ein Unding betrachtet. Entweder man will die Colonisation und das System Bugeaud fort versuchen und einige Jahre konsequent betreiben oder die alte Unschluͤssigkeit, die schwankende Politik der Kammern, das Hin⸗ und Hertappen ohne ein festes System, soll wieder be⸗ innen. Ohne glaͤnzende Hoffnungen von den Resultaten zu Sg die Frankreich aus der Besitzung Algiers erwachsen werden, liegt es jetzt jedoch sonnenklar zu Tage, daß es unpassend waͤre, in diesem Augenblicke Abd el Kader gegenuͤber die Algierischen Besatzungen aus oͤkonomischen Ruͤcksichten schwaͤchen zu wollen. Lieber die ganze Occupation aufgeben, als stets durch halbe Maß⸗ regel unnuͤtze Summen opfern und sodann durch die großen Aus⸗ gaben und schwachen Resultate erschreckt, wieder zuruͤckzuprallen. Die jetzige Kammer aber ist unentschieden, sie wird weder etwas fuͤr noch gegen Algier zu Tage foͤrdern, sie wird fortlaviren, wenn nicht die derbe uͤberzeugende Sprache des General Bugeaud andere Resultate herbeifuͤhrt. Die letzten Streifzuͤge im Herbste sind in Algier so muͤh⸗ selig gewesen, haben so viel Luͤcken in den Regimentern erzeugt, daß Ersatz⸗Mannschasten durchaus noͤthig waren, um die besetzten Punkte ferner okkupirt zu halten. Der „Marengo“ und das „Crocodil“ haben mehrere Abtheilungen die letzten Wochen in Tou⸗ lon nach Algier eingeschifft, am 23. November gingen gegen 1200 Mann ab; das Schiff „Alger“ hat 900 Mann aus Antibes nach Oran uͤbergeschifft, von wo das 23ste Linien⸗Regiment nach Frank⸗ reich zuruͤckgebracht werden soll. Ob die nach Algier abgegange⸗ nen Ergaͤnzungen bereits das Resultat der energischen Vorstellun— gen des General Bugeaud sind, wage ich nicht zu entscheiden, so viel ist gewiß, der General Lamoricière wird den Winter hindurch das Kommando in Mascara behalten. Sein Expeditions⸗Corps hatte stark gelitten. Es ist neu organisirt worden, man hat in Mostaganem aus den kraͤftigsten Mannschaften der Division 12 Bataillone ge⸗ bildet, aber sehr wenig Kavallerie, weil es unmoͤglich ist viel Fut⸗ ter in Mascara zu schaffen. 1500 Mann behalten Mostaganem in diesem Augenblick besetzt und werden dort, hinlaͤnglich verpro⸗ viantirt, uͤberwintern, der uͤbrige Theil der Besatzung ist unter den Befehlen des Generals Levasseur nach Oran zuruͤckgesandt worden.

In Spanien sind 300 Esel von starkem Bau und so hoher Statur wie moͤglich fuͤr den Transportdienst der Algierischen Ar⸗ mee angekauft und bereits nach Mostaganem hinuͤbergeschafft worden. Man hofft, daß diese Thiere besser dem Klima und den Muͤhse⸗ ligkeiten widerstehen werden, als die bisher zahlreich in Algier ge⸗ brauchten Maulesel. Der Verbrauch der Maulesel und Esel ist bei den Algierischen Streifzuͤgen ungemein groß, bei allen Zuͤgen gehen eine Menge dieser Thiere zu Grunde, die Wege sind schlecht, oft fehlt das Wasser, die Ladungen sind schwer und die kleinen Afri⸗ kanischen Esel oft unbrauchbar. Nach den meisten kleinen Feld⸗ zuͤgen muß wenigstens immer der dritte Theil der Transport— Thiere neu ersetzt werden. General Bugeaud hat auch in die— sem Theile der Verwaltung das Mitschleppen von vieler Bagage, und die große Menge von Transport⸗Thieren, welche die Offiziere und Marketender hinter den Kolonnen mitfuͤhrten, streng geord⸗ net, damit der Marsch der Truppen nicht bei Ruͤckzuͤgen oder starken Maͤrschen durch die Masse von solchen Thieren, die alle eines Fuͤhrers beduͤrfen, gehindert werde.

Großbritanien und Irland.

London, 11. Dez. Als muthmaßliche Pathen des Prinzen von Wales, dessen Taufe kurz nach Eroͤffnung des Parlaments in der Koͤniglichen Kapelle des St. James⸗Pgalastes stattfinden soll, werden der Herzog von Sachsen⸗Koburg, Vater des Prinzen Al⸗ brecht, der Koͤnig und die Koͤnigin der Belgier und die verwitt⸗ wete Koͤnigin von England genannt. Letztere hat, seitdem die Buͤlletins uͤber ihr Befinden zu erscheinen aufgehoͤrt haben, taͤg— lich mehr an Kraͤften gewonnen, und man hofft jetzt zuversichtlich ihre vollkommene Wiederherstellung. Der beunruhigende Husten, der sie so sehr angegriffen hatte, laͤßt immer mehr nach, so daß Ihre Majestaͤt jede Nacht einige Stunden ununterbrochen und ruhig schlafen kann. Die guten Wirkungen dieses staͤrkenden Schlafes haben sich schon gezeigt, denn es macht der Genesenden keine Beschwerde, taͤglich acht bis zehn Stunden außer dem Bett zuzubringen und ab und zu ohne Unterstuͤtzung im Zimmer um⸗ herzugehen.

Die Times bemerkt mit Hinsicht auf die Verhaͤltnisse zwi⸗ schen England und den Vereinigten Staaten, daß wohl alle er— leuchteten Regierungen jetzt zu der Ueberzeugung gekommen seyen, nur im äaͤußersten Nothfalle den Krieg zur Ausgleichung ihrer etwaigen Differenzen waͤhlen zu duͤrfen, und setzt hinzu, daß wohl wenige Regierungen eine so innige Ueberzeugung von den Wohl⸗ thaten eines gegenseitigen Friedens hegen duͤrften, als die von England und IöerdAneerikes Ihr Verfahren in der Mac Leod⸗ schen Sache und die letzte Proclamation des Praͤsidenten Tyler haͤtten dies klar herausgestellt, und eben so deutlich spreche sich jetzt auf beiden Feiten des Atlantischen Meeres der allgemeine Volkswunsch aus, auch die uͤbrigen, noch zwischen beiden Staaten bestehenden Differenzen ohne Zoͤgern ausgeglichen zu sehen, damit ihr Fortbestehen nicht eine Wiederkehr des letzten unbehaglichen Zustandes fruͤher oder spaͤter hervorrufe. Die Graͤnz⸗ frage und die Frage wegen des Britischer Seits angesprochenen Rechts der Durchsuchung sremder Schiffe zur Verhinderung des Sklavenhandels muͤßten daher alsbald in friedlichem und versbh⸗ nendem Geiste aufgenommen werden. Am leichtesten sey die Graͤnzfrage abzuthun; denn es koͤnne und duͤrfe den beiderseitigen Regierungen, wenn es sich um ein gutes Einvernehmen ihrer Graͤnz⸗ bevoͤlkerungen handle, auf ein paar Morgen Land nicht ankom⸗ men, und jede muͤsse sich zufrieden geben, wenn nur ihre Graͤnze in billiger Weise gezogen und gesichert wuͤrde. Was das Durch⸗ suchungsrecht betreffe, so sey ein Einverstaͤndniß hieruͤber allerdings schwerer, ein friedliches Uebereinkommen aber gerade deshalb um so nothwendiger. Daß ein solches zwischen beiden Regierungen selbst zu Stande kommen sollte, sey kaum zu erwarten; das ein⸗ zige und zugleich zweckmaͤßigste Auskunftsmittel sey daher, die Sache neutralen Maͤchten zur Entschaͤdigung zu uͤbertragen, sich aber zu⸗

gleich schriftlich und unabaͤnderlich zu verpflichten, dieser Entschei⸗ V

dung, wie sie auch ausfalle, unbedingte Folge zu leisten. Zu ei⸗ nem solchem, durch die Wohlfahrt beider Nationen gebotenen Schritte sey aber gerade der jetzige Augenblick besonders geeignet; in beiden Laͤndern sn neue Nesferungee und dadurch auch neue Diploma⸗

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ten und Unterhaͤndler ans Ruder gelangt, denen die etwaigen Er⸗

klaͤrungen und Empfindlichkeiten ihrer Vorgaͤnger kein Hinderniß entgegenstellen koͤnnten. Die Zeit sey somit durchaus guͤnstig, und die Regierungen wuͤrden sie hoffentlich nicht verstreichen lassen, ohne zur Wegraͤumung des alten Sauerteigs von gegenseitigen Mißhelligkeiten und kleinlichen Zwisten ihre vereinten und ange⸗ strengten Kraͤfte mit kaum zu bezweifelndem Erfolge aufzubieten.

Wie verlautet, werden die von Beaumont Smith veruͤbten Faͤlschungen von Schatzkammerscheinen eine Uebertragung der Ausfertigung und Einloͤsung dieser Papiere an die Englische Bank zur Folge haben. Die Minister sind schon von den Be⸗ dingungen unterrichtet, unter welchen die Gouverneure dieses In⸗ stitus jenes Geschaͤft zu uͤbernehmen geneigt seyn wuͤrden, doch wird vor der Zusammenkunft des Parlaments nichts Definitives in der Sache beschlossen werden koͤnnen.

Als Beweis, daß es nur an den Einfuhr⸗Verboten liege, wenn das Volk die noͤthigsten Lebensmittel nicht zu billigeren Preisen erhalte, fuͤhrt die Manchester Times an, daß ihr Proben von Hammelfleisch aus Buenos⸗Ayres zugeschickt worden seyen, welches zu 2 Pce. das Pfund nach England geliefert werden koͤnnte, wenn die Einfuhr nicht durchaus untersagt waͤre. Dasselbe stehe an Wohlgeschmack vollkommen dem Hammelfleisch von Dumfries und Moffat gleich, welches gewoͤhnlich zu 8 und 9 Pre. das Pfund verkauft werde. Gesalzenes Ochsenfleisch, aus Buenos⸗Ayres ein⸗ gefuͤhrt, wuͤrde ebenfalls in England zu 2 P‚re. das Pfund abge— geben werden koͤnnen.

Der Gebrauch der Alpaca-Wolle nimmt in den Englischen Fabriken außerordentlich zu, welche, moͤgen sie dieselbe nun allein oder mit Wolle oder Seide gemischt verarbeiten, schoͤne Stoffe in großer Mannigfaltigkeit daraus verfertigen. Die Ausfuhr dieser Wolle aus Peru begann im Jahre 1834 und betrug in diesem Jahre 57 Centner, seitdem aber bis zum letzten Dezember 1840 im Ganzen 41,090 Centner, im Preise von 16 bis 25 Dollars, und im Gesammtwerthe von 1,059,581 Dollars. Das Alpaca wird blos in Bolivien und in den Sierras des suͤdlichen Peru in großer Anzahl gefunden, und die groͤßte Quantitaͤt Wolle, welche jetzt in Peru und Bolivien davon gewonnen werden kann, schaͤtzt man auf 1 ½ Millionen Pfund. Sollte jedoch die Nachfrage so steigend fortdauern, so wird man sich wohl bestreben, die Heerden dieses nuͤtzlichen Thieres zu vermehren.

Die Ausfuhr der gedruckten Englischen Kattune war in der ersten Haͤlfte des Jahres 1811 um 2,500,000 Yards geringer, als in der ersten Haͤlfte des Jahres 1840.

Die letzte große Befoͤrderung in der Armee und Flotte ver— mehrt die betreffenden Budgets um jaͤhrlich 40,000 Pfd. St.

Mit der neulich zu Woolwich nach China eingeschifften Com- pagnie Soldaten sind auch acht Frauen dorthin abgegangen. Die Regierung beguͤnstigt, wie es heißt, die Verheirathung der nach China gehenden Soldaten, weil man an die Errichtung perma⸗ nenter Besatzungen auf Chinesischem Gebiete denkt.

Der Besuch der Ruinen des Zeughauses im Tower hat in den letzten Tagen sehr zugenommen, da seit Montag amtlich an— gekuͤndigt worden ist, daß die Besucher um billige Preise Reliquien des Brandes kaufen koͤnnen. Fuͤr sechs mitunter wenig beschaͤ— digte alte Flinten sind 6 Pence angesetzt; Stuͤcke geschmolzenen Metalls werden je nach der Groͤße mit 1 bis 20 Shilling bezahlt.

Niederlande. Aus dem Haag, 12. Dez. Se. Majestaͤt der Koͤnig ha⸗

ben den bisherigen Legations-Secretair bei der diesseitigen Ge⸗

sandtschaft in Bruͤssel, Herrn Testa, zum Legations⸗Secretair bei der Gesandtschaft in Berlin ernannt. An die Stelle desselben wird Herr G. M. C. Hooft nach Bruͤssel kommen.

Belgien.

Brüssel, 12. Dez. Im Journal de Bruyxelles liest man: „Mehrere Journale verbreiten Geruͤchte von einer Modifi— cation oder neuen Zusammensetzung des Ministeriums. dem Zwecke, den man hierdurch beabsichtigt, die Stellung des Ka— binets zu schwaͤchen, unterhalten diese Geruͤchte die Besorgniß in den Gemuͤthern und schaͤden der Entwickelung der materiellen Interessen, welche Ruhe beduͤrfen, um zu gedeihen, und die uͤbri— gens bei der ministeriellen Unbestaͤndigkeit nichts zu gewinnen ha⸗ ben. Noch gestern sagte ein Journal von Antwerpen, es sey durch eine telegraphische Depesche von einer Modification des Ka— binets benachrichtigt worden; es forderte zugleich seine Leser auf,

die Bestaͤtigung dieser Nachricht abzuwarten, welcher man mit

Muͤhe Glauben schenken koͤnne. Es waͤre besser, sich nicht zum Echo dieser Geruͤchte zu machen, die, wie wir versichern koͤnnen, voͤllig grundlos sind.“

Die Belgische Regierung hat saͤmmtliche Franzöͤsische Minister zur Einweihung der Eisenbahn von Mons eingeladen.

Brüssel, 12. Dez. Nach den heftigen, auf Parteifraͤ⸗ gen beruhenden, Debatten sind diese Woche mehrere Budgets, das wichtigste der Einnahmen, so wie die Budgets des Justiz⸗Ministe⸗ riums und Finanz⸗Ministeriums, und zwar, ein seltener Fall, ein⸗ stimmig von der Kammer angenommen worden. Nur ein Punkt, der einige Aufmerksamkeit verdient, ist von dem Gouverneur der sogenannten alten Bank (Société générale) Graf Meeus, be— ruͤhrt worden. Er betrifft das Muͤnzsystem oder vielmehr den Mangel desselben in Belgien. Es werden hier im Lande keine 5 Frankenstuͤcke und eben so keine Goldstuͤcke geschlagen; die er— steren kommen aus Frankreich, die letzteren meistens aus Holland. Im gegenwaͤrtigen Augenblicke kann man in einem Sinne sagen, daß das Land mit Gold uͤberfuͤllt ist und es schwer haͤlt, sich 5 Frankenstuͤcke zu verschaffen. Der Gouverneur der Bank be⸗ fuͤrchtet nun, daß bei der bevorstehenden Abfindung Belgiens mit Holland das Gold ebenfalls auswandern und so fuͤr, Belgien eine Geldkrise eintrete. Man koͤnnte sich vielleicht uͤber den jetzigen Mangel an Franzoͤsischem Gelde wundern, wenn man er⸗ waͤgt, daß Belgien in seiner Handels⸗Bilanz mit Frankreich um viele Millionen im Vortheil ist, aber es ist zu bemerken, daß es gegen England noch bedeutender im Nachtheil steht, und die an England zahlbaren Effekten auf Paris negoziirt werden. Uebri⸗ gens duͤrften die Befuͤrchtungen des Grafen Meeus jedenfalls zu weit gehen und das Mittel, welches er zwar nicht angegeben, aber doch angedeutet hat, in der Aufstellung eines besonderen Belgischen Muͤnzfüuͤßes bestehend, wuͤrde wohl nicht den Zweck erreichen und außerdem der jetzigen kommerziellen Richtung, die uͤberall auf Uniformirung des Muͤnzfußes geht, entgegengesetzt seyn.

Es moͤchte aber wohl der Muͤhe werth seyn, und die Frage ist auch schon angeregt worden, zu untersuchen, ob Belgien nicht wohl thaͤte, auch dem Vereinsgelde des Deutschen Zoll⸗Systems, einen legalen Fuß zu geben, so gut wie das Geld von zwei anderen Nachbarstaaten ihn hat; die naͤhere Verbindung mit Deutschland vermittelst der Eisenbahn, der in Aussicht gesteꝛlte Handels⸗Vertrag mit dem Zoll⸗Verein duͤrften sehr gewichtige Gruͤnde fuͤr eine solche dem Handel Bel⸗ giens nur zutraͤgliche Maßregel seyn. Wir legen wenig Gewicht auf eine in derselben Diskussion von einem anderen Finanzmanne

Außer

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gemachte Versicherung, daß Belgien in seiner Handels⸗Bilanz mit dem gesammten Auslande in einem jaͤhrlichen Nachtheil von 63 Mill. Fr. sey. Die Theorie, die nach einer sogenannten Handels⸗ Bilanz den Reichthum abmessen will, ist laͤngst als einseitig und verkehrt anerkannt worden; die einfache Bemerkung, die mit der Wirklichkeit den Schein vertreibt, daß naͤmlich Belgien, wenn die sogenannte Bilanz der Maßstab der Berechnung seyn koͤnnte, seit 10 Jahren uͤber 600 Millionen baar Geld, d. h. mehr als im ganzen Lande existirt, ausgefuͤhrt haben muͤßte, ist eine that⸗ saͤchliche Widerlegung. Der Graf Meeus hat uͤbrigens noch eine andere interessante Mittheilung gemacht, die er aus den ihm bekannten statistischen Dokumenten hat ziehen koͤnnen, daß die 800 Mill. Fr., welche vor 10 Jahren die Fremden (Geollaͤnder, Franzosen, Deutsche) noch im Lande besaßen, sich allmaͤlig schon auf 100 Millionen reduzirt haben; will man nun auch annehmen, was nur wahrscheinlich ist, daß ein Theil als Hypothek stehen ge⸗ blieben, so liegt darin doch immer ein Beweis von dem fort⸗ schreitenden Wohlhaben des Landes und spricht abermals gegen die obigen Rechnungen.

Nach der von der Franzoͤsischen Regierung publizirten Han⸗ dels⸗Statistik betrifft die Ausfuhr Belgiens nach Frankreich 75 Millionen Fr., die von Frankreich nach Belgien nur 45 Millionen Fr. Es sind darunter aber auch die Transitwaaren beider Laͤnder begriffen. Das genauere Eingehen auf die Statistik beweist jedoch, daß vermoͤge des Belgischen Zoll⸗Systems die Ausfuhr der wirklichen Franzoͤsischen Waaren, wie Seidenwaaren, Weine u. s. w. im Zunehmen, die Einfuhr der Belgischen Waaren hin⸗ gegen nach Frankreich, vermoͤge des fast prohibitiven Zoll⸗Systems desselben, keine Fortschritte macht, oder gar sich vermindert (die Einfuhr der Leinwand hat im Jahre 1840 um 2 Millionen ab⸗ genommen). Dazu koͤmmt noch, daß die Franzoͤsischen Waaren viel leichter fraudirt werden koͤnnen, als es mit den Belgischen, z. B. den Steinkohlen, der Fall ist; die Statistiker schweigen natuͤrlich davon; es ist aber Jedermann bekannt, daß die Schmuggelei im Großen betrieben wird. Belgien ist daher um so mehr berechtigt, von Seiten Frankreichs eine Zoll-Erniedrigung mehrerer seiner Haupt-Artikel zu verlangen, als es sonst fast ge— zwungen seyn wuͤrde, Repressalien anzuwenden, so mißlich es auch ist, zu dieser zweischneidigen Waffe die Zuflucht zu nehmen.

Ein Flandrisches Journal, welches schon nach dem Scheitern des ersten Versuchs, einen Handels⸗Traktat mit Frankreich zu schließen, unter sichtlicher Eingebung eines der hauptsaͤchlichsten Belgischen Commissaire, etwas indiskreterweise, vielfache persoͤn— liche, aber richtige Details mitgetheilt hatte, enthaͤlt uͤber die ge— genwaͤrtigen Unterhandlungen einen neuen Artikel, der aus der⸗ selben Quelle geflossen zu seyn scheint, jetzt aber blos die weitere Folgerung der fruͤher ausgesprochenen Ansicht entwickelt. Das Blatt daß die ganze Unterhandlung von Seiten Frank⸗ reichs nur auf eine hinhaltende Taͤuschung Belgiens hinauslaufe, da nach der Lage der Dinge, der Zusammensetzung der Kammer, der Stellung der Minister in Frankreich, Belgien keinen billigen Han⸗ dels⸗Traktat hoffen koͤnne, und, dafern wirklich ein Projekt zu Stande kaͤme, es den Kuͤrzeren ziehen wuͤrde. Allein obgleich die jetzigen Unter⸗ handlungen fortwaͤhrend auf große Schwierigkeiten stoßen, die zum Theil auch dadurch hervorgerufen werden, daß die Franzosische Regie⸗ rung, wie man ihr auch nicht verargen kann, die Aussicht auf ei⸗ nen schon seit Jahren projektirten Handels-Vertrag mit England offen erhalten will, England aber mit Belgien similaire Produkte und zwar viel wohlfeiler wie Steinkohlen und Eisen zu liefern vermag, so moͤchten wir doch in dem Artikel des Flandrischen Journals besonders die Vorbereitung zur Opposition erblicken, welche ein Handels-Vertrag, worin nur die Wallonischen Provin⸗ zen einigen Vortheil, die Flandern aber in dem Leinwand-Artikel keinen erhielten, unvermeidlich hervorrufen wird; der Herr de Muelengere, der schon bei manchen Angelegenheiten in der Kam— mer sich an der Spitze der Flandrischen Deputirten gezeigt hat, duͤrfte auch bei dieser Gelegenheit aus mehreren Gruͤnden der Lenker einer solchen Opposition werden.

Deutsche Bundesstaaten.

Würzburg, 13. Dez. (N. W. Z.) Gestern Nachmittag halb 3 Uhr sahen wir zum erstenmale ein Dampfboot an dem Wuͤrzburger Ufer anlanden. Von einer unzaͤhligen Menge Men schen, die neugierig das Ufer umstanden, jubelnd empfangen, von den festlichen Flaggen der hier liegenden Schiffe und von Freuden— schuͤssen freundlich begruͤßt, schwamm es unserer Mainstadt zu, als ein sicherer, froher Bote der Einfuͤhrung der Dampfschifffahrt, der Vergroͤßerung des Handels, des Aufbluͤhens des Wohlstandes fuͤr die Maingegend.

Stuttgart, 10. Dez. (Schwaͤb. M.) In der Sitzung der Kammer der Abgeordneten vom 8. Dezember berieth man uͤber das offentliche Schlußverfahren in den bezirksgerichtlichen Straffaͤllen. Die Kommission unterscheidet folgende Faͤlle: 1) solche, in welchen eine Geld- oder Bezirks⸗Gefaͤngnißstrafe bevorsteht; 2) solche, welche mit Kreis⸗Gefaͤngnißstrafe, oder 3) solche, welche mit zeitlicher oder dauernder Entziehung der buͤrgerlichen Ehren- und der Dienst⸗ Rechte im Strafgesetzbuche bedroht sind. In ersteren Faͤllen wird der Bericht der Kommission uͤber ein in denselben einzufuͤhren⸗ des summarisches Verfahren spaͤter zur Berathung kommen, in letzteren Faͤllen dagegen ist die Kommission der Ansicht, daß der Ausfuͤhrung des oͤffentlichen Schluß⸗Verfahrens vor dem ent⸗ scheidenden Bezirks⸗Gerichts-Kollegium kein erhebliches Hin— derniß im Wege stehe, zumal wenn, wie in fruͤheren Zeiten, die Rathhaͤuser hierfuͤr benuͤtzt wuͤrden, welche meist fuͤr das An⸗ theil nehmende Publikum in den Landstaͤdten genuͤgenden Raum darbieten wuͤrden. In Faͤllen der zweiten Kategorie ging die Kommissson davon aus, daß das Interesse der Gesammtheit bei⸗ Ausuͤbung des Strafrechts des Staates in der Regel ein geringe⸗ res seyn werde, und daß in vielen Faͤllen dieser Art fuͤr den Ange⸗ schuldigten darin, daß er den Augen des Publikums bloßgestellt wird, ein haͤrteres Uebel liegen, als durch die Verurtheilung zur Strafe ihn treffen wuͤrde. Die Kommission beantragt daher, fol⸗ gende zwei Artikel einzuschalten: Art. 199 a. „In denjenigen be zirksgerichtlichen Straffaͤllen, in welchen auf eine entehrende Strafe zu erkennen ist, findet die in den Art. 137 und 138 bezeichnete (öffentliche) Schlußverhandlung vor dem Bezirksgerichts⸗Kol⸗ legium statt; dieses hat sofort auch uͤber die nach Art. 139 etwa gestellten Antraͤge auf Ergaͤnzungen zu erkennen. Auch steht dem Bezirksgerichts⸗Kollegium die Befugniß zu, entweder auf den fuͤr zulaͤssig erkannten Antrag des Angeschuldigten, oder seines Vertheidigers, oder von Amtswegen, sofern dies fuͤr die Ausmittelung der Wahrheit noͤthig zu seyn scheint, die Zeugen vorzuladen und in der oͤffentlichen Sitzung abzuhoͤren. Bei die sem Schlußverfahren vor dem erkennenden Gericht wird erwach senen Personen maͤnnlichen Geschlechts der Zutritt gestattet, ausgenommen, wenn die Untersuchung Verbrechen der Unzucht betrifft.“ Art. 139 b. „Das oöͤffentliche Schlußverfahrrn des Art. 139 a tritt auf Verlangen des Angeschuldigten auch in den uͤbrigen bezirksgerichtlichen Straffaͤllen ein, mit Ausnahme

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derjenigen, in welchen nur Geld⸗ oder Bezirks⸗Gefaͤngnißstrafe ge⸗ setzlich angedroht ist.“ Als die Debatte eroͤffnet wurde, erhob sich zuerst Camerer: Es freue ihn, daß die Kommission solche Antraͤge gestellt habe, weil auch in diesen Faͤllen die Oeffentlich⸗ keit wichtig sey. Die Frage, ob dieselbe hier einzutreten habe, sey unbedenklich zu bejahen. Das Recht des Angeschuldigten und des Volkes sey, wie in den hoͤheren Straffaͤllen, gegruͤndet. Die Schwierigkeiten, welche der Einfuͤhrung des oöͤffentlichen Schlußverfahrens bei den hoͤheren Gerichten entgegenstehen, tref⸗ fen bei den Bezirksgerichten nicht zu. Es beduͤrfe keiner Ge⸗ fangenen⸗Transporte, keiner besonderen Gefaͤngnisse, keiner weite⸗ ren Reisen und Kosten der Zeugen und auch keiner Gerichtssaͤle, wie die Kommission schon bemerkt habe; auch trete eine Verzoͤ— gerung der Untersuchungen nicht ein. Ueberdies sprechen noch besondere Gruͤnde fuͤr die Oeffentlichkeit bei den Bezirksgerich⸗ ten, indem das dem Orte des veruͤbten Verbrechens naͤher woh⸗ nende Publikum auch groͤßeren Antheil an den oͤffentlichen Ver⸗ handlungen nehmen werde, als das Publikum in den Kreisstaͤd— ten. Auch werde das Institut der Gerichtsbeisitzer gehoben wer⸗ den und uͤberhaupt Sinn fuͤr Recht sich entwickeln und fortbil⸗ den. Er stelle den Antrag auf das öͤffentliche Schlußverfahren

in allen bezirksgerichtlichen Faͤllen. Nachdem sich noch mehrere

Andere fuͤr oder gegen den Kommissionsantrag ausgesprochen hat⸗ ten, wird uͤber den Antrag Camerers abgestimmt und derselbe mit 18 gegen 28 Stimmen abgelehnt. Sofort wird der von der Kommission beantragte Zusatz⸗Artikel 139 a mit 50 gegen 20 Stim⸗ men angenommen. Auch der Kommissions⸗Antrag, Zusatz⸗Arti⸗ kel 139 b, wird mit 38 gegen 37 Stimmen angenommen.

Darmstadt, 15. Dez. (Hess. Z.) Nachstehende, aus den bei dem Großh. Ministerium des Innern aufgestellten Ueber⸗ sichten geschoͤpfte, statistische Notizen duͤrften unseren Lesern von Interesse seyn:

Nach der neuesten Zaͤhlung betrug die Bevoͤlkerung des Groß⸗ herzogthums Hessen am Schlusse des Jahres 1840 in 162,819 Fami⸗ lien 811,503 Seelen. Sie ist seit der letztvorangegangenen Zaͤhlung, Ende 1837, gestiegen um 27,532 Seelen, von welcher Zahl auf Starkenburg 15,167, auf Rhein⸗Hessen nur 5604, die uͤbrigen

auf Ober⸗Hessen fallen, welches somit aufgehoͤrt hat, die bevoͤlkertste

Provinz des Landes zu seyn, indem die Einwohnerzahl von Star⸗ kenburg, die 1837 noch um 3618 geringer als die Oberhessens war, diese jetzt um 2188 uͤbersteigt. Es vertheilt sich diese Bevoͤlkerung unter die Provinzen folgendermaßen: Starkenburg 300,160, Ober⸗Hessen 297,672, Rheinhessen 213,671 Einwohner.

Das Verhaͤltniß der Bevoͤlkerung zum Flaͤchenraum ist in Ober⸗Hessen 4023 auf die Quadrat⸗Meile, in Starkenburg 5538 und in Rheinhessen 8347. Wenn daher Rheinhessen, im

Verhaͤltniß zu seinem Umfange, zu den bevoͤlkertsten Laͤndern der

Welt gehoͤrt, so ist auch die Durchschnittszahl fuͤr das ganze Groß⸗

herzogthum von 5304 Einwohnern auf die Quadrat⸗Meile groͤßer

als die, welche sich in den meisten Deutschen Nachbarlaͤndern vor—

findet. Dem Alter nach zerfaͤllt jene Bevoͤlkerung in 543,075 V

Personen uͤber 14 Jahre und 268,428 unter diesem Alter. Per⸗

sonen in dem Alter von 70 bis 80 Jahren sind sehr haͤufig;

von 90 bis 100 Jahren und daruͤber befanden sich 1840: 84 Per⸗ sonen im Lande. Dem Geschlechte nach zerfaͤllt die Bevol⸗ kerung in 401,809 mñͤnnliche und 409,694 weibliche Einwohner.

Dem Glaubensbekenntnisse nach in: 396,393 Lutheraner, 35,001 Reformirte, 147,763 unirte Protestanten, 203,632 Katholiken,

1793 andere christliche Religionsverwandte und 26,721 Israeliten.

Der Beschaͤftigung nach in: Diener des Hofes, des Staates,

der Kirche, der Schule, der Standes- und Gerichtsherren 6721; Ackerleute 49,374; Gewerbsleute 43,528; Acker⸗ und Gewerbsleute zugleich 20,193; Tagloͤhner beiderlei Geschlechts 51,365; Dienst⸗ boten desgleichen 42,165; Fabrik⸗Arbeiter desgleichen 4046; Hand⸗ werks⸗Gesellen und Lehrlinge 18,732. Die zum Militairstande gehbrige Bevoͤlkerung betrug 11,218 und verhaͤlt sich zu der dem Tivilstande angehorigen wie 1 zu 72. Unter den Staͤdten

betraͤgt die Bevoͤlkerung von Darmstadt mit Bessungen 29,007,

die von Mainz 32,142, Offenbach 9883, Gießen 8659, Worms 8358, Bingen 5222, Alzey 4849, Bensheim 4569, Friedberg 4429,

Heppenheim 4246; alle uͤbrigen zaͤhlen unter 4000 Seelen.

Auslaͤnder hielten sich im Lande auf 11,016; Inlaͤnder voruͤber⸗ gehend im Auslande 12,247.

Die Zahl der Elementarschulen betrug Ende des Jahres 1840 1594 und hat sich seit 1837 um 90 vermehrt. Durch⸗ schnittlich kmmt eine Schule auf 509 Seelen und 87 schulpflich— tige Kinder auf eine Schule.

Die Zahl der Wohngebaͤude betraͤgt 113,939 und hat sich -S- 1837 um 2829 vermehrt; die Zahl der oͤffentlichen Gebaͤude 4042.

Harburg, 13. Dez. (Hannov. Z.) Wir haben in die⸗ sem Herbste die Freude gehabt, eine ziemliche Anzahl von See⸗ schiffen in unserem Hafen zu sehen, welche hier ihre Ladungen loͤschten. Die meisten derselben kamen von Hull und hatten Stangen⸗Eisen und Eisenbahn⸗Schienen, letztere fuͤr die Braun⸗ schweig⸗Magdeburger Bahn bestimmt, geladen; einige andere brach-⸗ ten auch Kolonial⸗Waaren von Amsterdam hierher. Noch vor einigen Jahren haͤtte man es fuͤr unmoͤglich gehalten, mit solchen Schiffen, welche zwar nicht zu den groͤßten gehoͤren, von denen einige jedoch 9 Fuß tief gingen und uͤber 50 Schiffslasten geladen hatten, bei gewoͤhnlichem Wasserstande nach Harburg heraufzukom⸗

men. Jetzt aber sind die Saͤnde im Koͤhlbrande, welche fruͤher der Fahrt hierher so gefaͤhrlich waren, durch die Strom-Arbeiten der letzten Jahre schon so weit weggeschafft, daß jene Seeschiffe saͤmmtlich mit gewoͤhnlicher Fluth ohne Lootsen heraufpassiren konnten, obgleich das Fahrwasser noch gar nicht durch Tonnen oder sonstige Merkmale bezeichnet ist.

Schweiz.

Bern, 8. Dez. (A. Z.) Ungeachtet des kleinen Sturms in Genf geht alles in der Eidgenossenschaft seinen ruhigen Gang. In Geenf selbst hat die Regierung die organischen Gesetze zur Aufstellung des Verfassungs⸗Raths erlassen, und man faͤngt nun

bereits an, vom Wahlsieber ergriffen zu werden. Wie bei der

Umgestaltung in Bern, so giebt es auch dort Leute, welche das Heil nur in gaͤnzlicher Zuruͤckziehung von den Geschaͤften, wo nicht in Auswanderung sehen. Indessen ist das Beispiel von Bern fuͤr die Genfer belehrend gewesen, und es steht nicht zu er⸗ warten, daß die trostlose Ansicht die Oberhand gewinne, vielmehr ist es wahrscheinlich, daß wer nicht gaäͤnzlich iu den bisherigen Verhaͤltnissen befangen ist, in die neue Ordnung der Dinge uͤber⸗ gehen wird.

Nom, 6. Dez. Gestern traf Se. Koͤnigl. Hoheit der Prinz Luitpold von Bayern mit Gefolge hier ein und bezog die fuͤr ihn in Bereitschaft gesetzte Villa Malta. In Abwesenheit des Bay⸗ rischen Gesandten, Grafen von Spaur, wird der Oesterreichische

Botschafter, Graf von Luͤtzow, den Prinzen bei Sr. Heiligkeit

dem Papst morgen in einer Privat⸗Audienz einfuͤhren.

Der Kardinal⸗Staatssecretair Lambruschini, durch anhaltende Arbeiten der letzten Zeit sehr angegriffen, war vorige Woche von einem Unwohlseyn befallen, das fuͤr seine Gesundheit gefaͤhrlich zu werden drohte. Gestern und heute aber haben die Aerzte ihn au⸗ ßer Gefahr erklaͤrt.

Der Bankier Fuͤrst A. Torlonia hat eine Gesellschaft Fran⸗ zoͤsischer Schauspieler hierherkommen lassen, die zur Unterhaltung der dieses Jahr nicht sehr zahlreichen Fremden in einem seiner Palaͤste eine Reihe Vorstellungen giebt.

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Spanien. Madrid, 6. Dez. Man glaubt, daß der Infant Don Francisco de Paula zum 11ten oder 12ten hier eintreffen werde. Die Nord⸗Armee, unter dem Kommando des Generals Ro⸗ dil, besteht, außer der Reserve-Division in Alfaro, Tudela und Co⸗ rella, aus 32,000 Mann.

Vereinigte Staaten von Nord⸗Amerika.

New⸗York, 23. Nov. Einen Gegensatz zu General Scott's Erklaͤrung bildet ein Schreiben des alten Generals Jackson von seinem Laͤndsitz Hermitage im Staate Tennessee, datirt vom 20. Oktober, als Antwort auf die Einladung eines demokratischen Wahl⸗Comité's zu einem Festmahle, das dem ehemaligen Gou⸗ verneur dieses Staats, Herrn J. K. Polk, gegeben werden sollte. Der alte Mann haͤlt felsenfest an dem Buchstaben der Verfassung. Nachdem er versprochen, bei dem Festmahl zu erscheinen, wenn ihm das Wetter und seine Gesundheit bis Nashville zu reisen

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der Ueberschuß der Gebornen uͤber die Gestorbenen besonders be⸗ deutend gewesen war in der Provinz Posen und in Oberschlesien, das ist in groͤßtentheils katholischen Landestheilen: uͤberdies duͤrfte auch der freilich nur scheinbare Zuwachs, welchen die fortschrei tende Vervollkommnung der Zaͤhlungen ergiebt, in diesen Gegen⸗ den betraͤchtlicher gewesen sein, als in denjenigen Provinzen, worin eine allgemeiner verbreitete Bildung schon fruͤher genauere Zaͤh⸗ lungen erwarten ließ. Auch vermehrten sich die Juden noch etwas staͤrker als die Einwohnerzahl uͤberhaupt durchschnitt⸗ lich: dies ist auch schon bei fruͤhern Vergleichungen be⸗ merkt worden, und hat im Allgemeinen seinen Grund darin, daß unter den Juden die Sterblichkeit der kleinen Kinder geringer, und die Lebensdauer groͤßer ist, als unter den Christen; ersteres wahrscheinlich weil die Frauen der Juden nicht leicht so harte Arbeiten verrichten, als die Frauen der unteren Volksklassen bei den Christen, und letzteres wegen der groͤßern Maͤßigkeit im Gebrauche berauschender Getraͤnke. Die Zahl der Mennoniten und der Angehoͤrigen der griechischen Kirche ist uͤberhaupt gering im Verhaͤltnisse gegen die Gesammtzahl der Einwohner; sie be⸗ traͤgt naͤmlich nur wenig uͤber ein Tausendtheil. Die Ver⸗ minderung, welche dieselben erlitten haben, bleibt daher auch ganz ohne erheblichen Einfluß auf die Bevoͤlkerung des Staats im Allgemeinen. Die hier aufgezaͤhlten Angehoͤrigen der griechisch christlichen Kirche bestehen dem groͤßten Theile nach aus Philipponen, welche sich in Ostpreußen angesiedelt haben, da dieselben ebenso wie die Mennoniten die Theilnahme an Kriegs⸗ diensten verweigern; so bleiben sie auch in Bezug auf die Faͤhig⸗ keit, Grundstuͤkke zu erwerben, wie diese beschraͤnkt. In dieser

Beschraͤnkung duͤrfte wohl auch der Grund der hier bezeichneten

erlaubten, nimmt er die Gluͤckwuͤnsche zu dem „glanzenden Triumphe demokratisch⸗republikanischer Grundsaͤtze in den Kongreßwahlen der

Staaten Maine, Maryland, Georgien u. s. w.“ an und faͤhrt fort: „Ich kann nicht sagen, daß ich diese Reaction nicht erwartet haͤtte, denn ich glaubte immer, daß trotz der Ereignisse von 1840 die maͤchti⸗ gen Wahrheiten des Republikanismus sich wieder siegreich erheben wuͤrden. Indessen auf eine so fruͤhzeitige Umwaͤlzung der oͤffent— lichen Meinung war ich doch nicht vorbereitet, und um so herz— licher freue ich mich, an dem Spaͤtabend meines Lebenstages mei— nen Glauben an das Amerikanische Volk noch so herrlich be⸗ waͤhrt zu finden. Zu den Ursachen, welche dieses Erwachen un— seres Volksgeistes herbeigefuͤhrt haben, rechne ich die ungerechten und unklugen Maßregeln der letzten außerordentlichen Session, wo die Tyrannei einer diktatorischen Mehrheit obsiegte uͤber eine große und hochachtbare Minoritaͤt. Auch hat diese Ür— sache sich gewiß nicht blos in den Staaten fuͤhlbar gemacht, wo die Wahlen bereits vor sich gegangen sind. Die Vertheilung des Erloses aus den Staats⸗Laͤndereien ehne constitutionelle Ermaͤch⸗ tigung, die Einfuͤhrung elnes gesetzlichen Bankerott-Systems im ganzen Umfange der Union, die Autorisation einer Anleihe von 12 Millionen Dollars u. s. w. dies sind so hand⸗ greifliche Willkuͤr -Maßregeln, daß das Volk deren Wi⸗ derruf wuͤnschen muß, und ich hege die feurige Hoffnung, daß die Stunde zur Wiederuͤberlegung, zur Sparsamkeit im Staats⸗Haus⸗ halt und zur Reform nahe ist. Ich wuͤnsche Ihnen, meine Her⸗ ren, und unserem Vaterlande Gluͤck dazu, daß wir an der Spitze der Regierung einen Praͤsidenten haben, welcher, in einer Frage wenigstens, die Verfassung gewissenhaft achtet, der bei Ausuͤbung einer der hoͤchsten Pflichten der Exekutiv⸗Gewalt in seiner Recht— lichkeit nicht gewankt hat, der sich selbst getreu geblieben ist, indem er von unserer Freiheit den Schlag abwandte, der auf sie gezielt wurde durch das Attentat, wieder eine Geld-Corporation zu schaf⸗ fen, ausgeruͤstet mit hinreichender Macht, die individuelle Wahl— freiheit zu zerstoören und die Segnungen unserer republikanischen Institutionen zu vereiteln. Ja, Herr Tyler hat furchtlos und treu seine verfassungsmaͤßige Praͤrogative ausgeuͤbt, auf daß unser freies und vollkommenstes Buͤrger-Staatswesen auch fernerhin durch Menschen gelenkt werden moͤge, und nicht durch Geld. Das ist reiner Republikanismus. So soll es seyn und bleiben. Der Ihrige, Andrew Jackson.“

Zahlenverhältniße der Einwohner des Preußischen Staats nach den kirchlichen Genossenschaften.

Bei den Zaͤhlungen der Einwohner des Preußischen Staats, welche die Polizei⸗Behoͤrden am Ende jedes dritten Jahres voll— ziehn, wird auch verzeichnet, zu welchen von der Staats⸗Regierung anerkannten kirchlichen Genossenschaften dieselben gehoͤren. Die Zaͤhlungen am Ende der Jahre 1837 und 1840 ergeben in dieser Beziehung Folgendes:

1840

9,084,481 5,612,550

1832 8,604,748

Evangelische Christen .. 5,294,003

Roͤmisch⸗katholische Christen

Der Griechisch-christlichen Kirche Ange⸗ hoͤrige... 1

Mennoniten ..

52 1,257

14,474 183,579 194,323 14,098,125 14,907,091

1,300 14,495

Ueberhaupt Hiernach befanden sich durchschnittlich un— ter einer Million Einwohner Evange— lische Christen 610,3 609,407 Roͤmisch⸗katholische Christen... 375,5 376,502 der Griechisch⸗christlichen Kirche Angehoͤrige 92 84 0“ 1,028 971 Juden u 13,022 13,036 Ueberhaupt 1,000,000 1,000,000

Ueberhaupt hatte sich in dem hier betrachteten dreijaͤhrigen Zeitraume vermehrt die Zahl⸗ der Evangelischen Christen um ... der Roͤmisch⸗katholischen Christen der Juden.. X

Ueberhaupt Vermehrung Dagegen hatten sich vermindert die Angehoͤ⸗ rigen der Griechisch⸗christlichen Kirche um der Mennoniten um.... 1 Ueberhaupt Verminderung Lach deren Abzug bleibt uͤberhaupt Vermehrung 808,966

Verhaͤltnißmaͤßig gegen die zu Ende des Jahres 18397 gefundene Anzahl hatten sich bis zu Ende des Jahres 1840 ver⸗ mehrt die Evangelischen Christen um 5,375 oder nahe 5*, pro Cent die Roͤmisch⸗katholischen Christen um 6,01 —⸗ die Juden 5,853 2 die Gesammtzahl aller Einwohner

hatte sich gleichzeitig vermehrt um 5,739 ä 2 Verhaͤltnißmaͤßig die staͤrkste Vermehrung zeigte sich demnach bei den roͤmisch⸗katholischen Christen, weil in den letzten Jahren

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Verminderung zu suchen sein.

Die abendlaͤndischen Christen sowohl evangelischen als roͤmisch⸗ katholischen Glaubensbekenntnisses bilden zusammengenommen der⸗ gestalt uͤberwiegend die Hauptmasse der Einwohner des Staats, daß noch nicht ganz ein Siebzigtheil derselben aus andern Glaubensgenossen besteht. Sie selbst verhielten sich gegeneinander der Zahl nach in dem hier betrachteten Zeitraume beinahe wie Acht zu Fuͤnf: die Veraͤnderungen in ihrer Anzahl, welche die Zaͤhlungen zu Anfang und zu Ende dieses Zeitraums ergeben, waren so wenig erheblich, daß sie auf ein in so kleinen Ziffern ausgedruͤcktes Verhaͤltniß noch ohne Einfluß bleiben. Im Allge⸗ meinen bewohnen sie den Preußischen Staat in einer solchen Verbindung, daß nicht allein in einem jeden seiner 25 Regie— rungsbezirke, sondern selbst in jedem der einzelnen landraͤthlichen Kreise neben evangelischen Christen auch katholische, oder neben katholischen auch evangelische wohnen. Doch ist allerdings das Zahlneverhaͤltniß der Glaubensgenossen beider Theile in den einzel⸗ nen Provinzen, Regierungsbezirken, landraͤthlichen Kreisen, und sogar in einzelnen Ortschaften eines und desselben Kreises sehr verschieden. Wie sich dasselbe in den nachstehend bezeichneten groͤßern Abtheilungen des Preußischen Staats nach der Zaͤhlung zu Ende des Jahres 1840 stellte, ergiebt folgende Nachweisung:

C

19 22

2

1 Men⸗

2 %

che sche Christen. Christen.

1

Roͤmisch V

noni aller Ein⸗ ten.

b

31

wohner.

baqobuz

Polab

1) Preußen. a. Ostpreußen oder die Regierungs bezirke Koͤnigs⸗ berg und Gum⸗ binnen 1,217,034 . Westpreußen oder die Regierungs bezirke Danzig u. 1 Marienwerder . 450,227 434,002 15 12,016 20,122 916,282 2) Posen. 372,789 783,916 42 177,402 1,233,850 3) Brandenburg 1,797,432 24,638 82 30 13,520] 1,835,702 4) Pommern . 11,040,083 9,360 17 3 6,824] 1,056,287 5) Schlesien. a. Niederschlesien oder die Regic rungsbez. Liegnitz und Breslau, je doch mit Aus nahme der Kreise Glatz, Habel schwerdt, Fran kenstein u. Muͤn sterberg 11,366,396 368,983 b. Oberschlesien od. der Regierungs bez. Oppeln nebst den vier vorste— hend genannten Kreisen des Re⸗ gierungsbezirks Breslau 108,377 988,347 3 15,012 6) Sachsen 1,529,591] 103,354 10 4 4,262 7) Westfalen 591,684 777,757 4 107] 13,766 8) Rheinprovinz. n610,868 1,953,165 1 1,320 26,367 Im ganzen Staate [9,087,4815,012,550 1257 11EI57,551

169,034 107. 5,657

1,393,790

1,747,081

Es ergiebt sich hieraus, daß die Zahl der roͤmisch⸗katholischen Glaubensgenossen bei weitem am uͤberwiegensten ist in Oberschle⸗ sien, wo sich durchschnittlich Neun Katholiken gegen Einen Evangelischen befinden. Es sind also noch etwas mehr als neun Zehntheile der gesammten Einwohnerzahl katholisch: die Evan⸗ gelischen bestehn hauptsaͤchlich aus angezogenen Niederschlestern oder Fremden, welche zerstreut unter der Hauptmasse der Bevoͤlkerung leben. Naͤchst diesen ist das Uebergewicht der roͤmisch⸗katholischen Einwohner noch am bedeutendsten in der Rheinprovinz: jedoch bil⸗ den dieselben daselbst nicht viel uͤber drei Viertheile der ge⸗ sammten Bevoͤlkerung, indem hier durchschnittlich neben Sech⸗ zehn Katholiken Fuͤnf Evangelische leben. In dieser aus vielen vormals zu den drei Rheinischen Reichskreisen gehbrigen Landen zusammengesetzten Provinz hat mehrentheils die Religion, welcher der Landesherr zugethan war, den Glauben der Mehrzahl seiner Unterthanen bestimmt. Neben den Besitzungen der drei geistlichen Kurfuͤrsten und mehrer Reichsstifte befinden sich hier ausgedehnte vormals Pfaͤlzische Landestheile, worin erst die Reformation an⸗ genommen, dann aber nach dem Ruͤktritte von Pfalz⸗Neuburg zum roͤmisch-katholischen Glaubensbekenntnisse wieder in ihrer Ausbreitung gehemmt wurde. Der zu der Rheinprovinz gekom⸗ mene Theil der weiland Spanischen, dann Oestreichischen Nieder⸗ lande ist bei weitem uͤberwiegend katholisch, weil daselbst vormals die öͤffentliche Ausuͤbung keines andern Gottesdienstes gestattet wurde. Eben dies Verhaͤltniß bestand auch vormals in den Reichs⸗ staͤdten Koͤln und Achen. Von den eingeschlossene Besisungen