1842 / 25 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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8 zeß des vormaligen

5 AQuenisset wird in diesen Tagen nach dem Mont St. Michel abgefuͤhrt 1 Colombier und Brazier werden bis zum Schluß der Instruction, die durch ihre letzten Gestaͤndnisse veranlaßt wor⸗ den ist, in Paris bleiben. 1 b Am 14ten d. ist der Prinz von Joinville mit der „Belle Poule“ in Toulon angekommen. Vor dem hiesigen Zuchtpolizeigerichte ward gestern der Pro⸗

Notars Lehon begonnen. Herr Lehon erschien ndeß nicht persoͤnlich, sondern ließ durch seinen Vertheidiger er⸗ lären, daß er gegen das Urtheil der Anklage⸗Kammer, welches ihn vor das Zuchtpolizeigericht stelle, apellirt habe, und deshalb auf Verschiebung der Sache antrage. Als das Gericht sich hier⸗ auf nicht einlassen wollte, erinnerte der Vertheidiger an das Ur⸗ theil des Gerichtshofes von Limoges, welches in Sachen der Marie Capelle ganz aͤhnlich entschieden habe, wie jetzt von seinem Klienten verlangt werde. Auf diesen Einwand keine Ruͤcksicht neh⸗ mend, verlangte der Praͤsident des Gerichts, daß Herr Lehon vor allen Dingen persoͤnlich zu erscheinen habe, um der Vorlesung des Ankla ..Anres und dem Zeugen⸗Verhoͤr beizuwohnen, und es ward ein Bote des Gerichts nach dem Gefaͤngniß⸗Lokale gesandt, um Herrn Lehon von diesem Beschluß in Kenntniß zu setzen und auf seine persoͤnliche Anwesenheit zu dringen. Er kehrte indeß mit der

Nachricht zuruͤck, daß der Angeklagte sich hartnaͤckig weigere zu er⸗

scheinen, indem er, dies waͤren seine eigenen Ausdruͤcke, sich einer solchen Ungerechtigkeit nicht unterwerfen wolle. Den September⸗ Gesetzen zufolge konnte nun das Gericht ohne Weiteres und in Abwesenheit des Angeklagten die Verhandlungen beginnen; und

dies geschah, obgleich auch der Vertheidiger sich jeder Theilnahme

an den Debatten enthalten zu wollen erklaͤrte. Es wurden in dem nunmehr eingeleiteten Kontumazial⸗Verfahren einige Zeugen ver⸗ hoͤrt, und die weiteren Verhandlungen auf Morgen verschoben.

Die Unpaͤßlichkeit des Herrn von Salvandy war irrigerweise gemeldet worden, und derselbe wohnte gestern und heute den Siz⸗ zungen der Deputirten⸗Kammer bei. Vorgestern, gleich nach sei⸗ ner Ankunft in Paris, begab er sich mit seinem Botschafts⸗Secre⸗ tair nach den Tuilerieen, um die ihm uͤberreichten Kreditive wie⸗ der in die Haͤnde des Koͤnigs zuruͤckzugeben, und die Gruͤnde auseinanderzusetzen, welche ihn verhindert haͤtten, davon Gebrauch zu machen. Die Koͤnigin Christine soll, wie einige Journale ver⸗ sichern, bei jener Audienz zugegen gewesen seyn.

Der verantwortliche Herausgeber und der Drucker des Cha⸗ rivari haben gegen das in Bezug auf sie gefaͤllte Urtheil des Assisenhofes Lassaclog eingelegt.

Boͤrse vom 19. Januar. Die Variationen an der heuti⸗ gen Boͤrse waren nur sehr unbedeutend. Doch zeigte sich weniger Festigkeit als gestern; man schien Besorgniß in Bezug auf die De⸗ 8 8 hegen, zu welchen der Bruch mit Spanien Anlaß ge⸗

en wird.

†¼ Paris, 19. Jan. Die Verurtheilung des Géranten des Sidele durch die Pairs⸗Kammer macht weit weniger Auf⸗ sehen, als einige der kurz zuvor in Preßsachen gefaͤllten Richter⸗ spruͤche. Die einzige ernstliche Einwendung, welche gegen das gestrige Urtheil der Pairs⸗Kammer geltend gemacht werden kann, ist, daß dasselbe von dem Klaͤger in eigener Sache gesprochen worden; allein dieses Bedenken trifft viel mehr das Gesetz, kraft dessen die Kammern ihre Beleidiger zu richten befugt sind, als die Anwendung dieses Gesetzes auf den Géranten des Siècle. Denn da kein Mensch bezweifeln wird, daß die großen Staatskoͤrper einen rechtmaäͤtzigen Anspruch auf oͤffentliche AUchtung haben, und daß die Verletzung dieser Achtung etwas Strafbares ist, ist der

nur von dem inneren Zustande des Landes, aber er sprach dar⸗ uͤber mit Sachkenntniß und betrachtete den Gegenstand vom mo⸗ ralischen Gesichtspunkte aus und in Bezug auf die Zukunft Frankreichs. Wir haben es schon oft in · Briefen gesagt, das Uebel, welches uns druͤckt, ist die Zersplitterung der Meinun⸗ gen, als unvermeidliche Folge des Wahl⸗Systems, die Aemter⸗ Sucht, der ungeregelte dcsc Vieler, welche die öffent⸗ liche Laufbahn einschlagen, die Bestechung, welche die Regierun

ausuͤbt, um die Majoritat in der Kammer zu erhalten. Diess Dinge sind es, welche die Moral verschlechtern, die Einbil⸗ dungskraft verderben, die Kammer zerspalten, die Oppositionen, die Coalitionen, die Desertionen und Apostasieen gese hen ag. Sie haben die Ueberzeugungen aufgehoben, um die Intere

ihre Stelle zu setzen, und welche Interessen? Die individuellen

haͤufig mit den Interessen ene im Widerspruche stehen. Jeder will seine Stellung, seine Sph

man der Regierung in dieser Beziehung macht, ist eben so ernst, als begruͤndet, und Herr von Tocqueville, welcher einige Zuͤge von parla⸗

anfuͤhrte, blieb fast noch hinter der Wahrheit zuruͤck. Aber wenn die Regierung Bestechungen ausuͤbt, so wird sie dazu gewissermaßen durch die Maͤngel unserer Institutionen aufgefordert, die den De⸗

Interessen der Waͤhler und des Wahlbezirks zu sorgen, und die ihn auf der anderen Seite unaufhoͤrlich der Gefahr aussetzen, den ministeriellen Verfuͤhrungen zu erliegen. Unser Wahl⸗

die Regierung haben und in um so groͤßerem Maßstabe werden die Bestechungen stattfinden.

In diesem Jahre hat die allgemeine Diskussion der Adresse bei weitem nicht so lange gewaͤhrt, wie in fruͤheren Jahren. Es ist dies ein gluͤckliches Ereigniß, denn gewoͤhnlich fuͤhren diese lan⸗ gen vorlaͤufigen Debatten zu keinem Resultate und bringen nur

ufregung in der Kammer hervor. Diesmal ist man weit nuͤch⸗ terner im Reden gewesen, und namentlich war die Opposition sehr gemaͤßigt. Diese Maͤßigung war indeß etwas erzwungen, denn die Oppositions⸗Partei ist seit einiger Zeit so gesunken, daß ihr eine nahe Aufloͤsung bevorzustehen scheint. In dieser Beziehung muß man sagen, daß Herr Thiers dem Lande einen wirklichen Dienst geleistet; indem er waͤhrend seines Ministeriums uͤber die Opposition disponirte, hat er gezeigt, was sie werth ist, und daß 8* saen e Tugend nicht unzugänglich, wenn sie die Gewalt in

ussicht hat. 1

Die Penb uans des Herrn Perrée, Géranten des Sieele, zu 10,000 Fr. Geldstrafe und einmonatlichem Gefaͤngniß, hat die Oppositions⸗Presse ein wenig eingeschuͤchtert. Sie sieht, daß man ein Mittel aufgefunden, sie zu unterdruͤcken; sie sieht, daß sie sich in einer schwierigen Lage befindet und daß die Regierung ent⸗

schlossen ist, einen Krieg auf Lehen und Tod mit ihr zu fuͤ hren.

Herr Guizot wird jetzt die so schoͤn eingeleitete Partie nicht mehr aufgeben. Die Verurtheilung des Druckers des Charivari vermehrt noch jene Besorgnisse; denn wenn die Assisen vier oder fuͤnf aͤhnliche Ausspruͤche faͤllen, so werden gewisse Blaͤtter Muͤhe

Sidele gewiß nicht ungerecht verdammt; denn kein Unbefange⸗ ner kann leugnen, daß in dem angeklagten Artikel die aͤußerste Ge⸗ ringschaͤtzung gegen die lebenslaͤngliche Legislatur zur Schau gestellt wurde. Eine andere Frage ist es freilich, ob die Pairs⸗Kammer nicht vielleicht besser gethan haben wuͤrde, von ihrem Rechte dies⸗ mal keinen Gebrauch zu machen. Mehrere ihrer Mitglieder wa⸗ ren allerdings der Meinung, daß die Umstaͤnde es rathsam mach⸗ ten, den Artikel des Siècle, wie so manchen anderen Angriff der Presse auf die edle Kammer, ganz zu uͤbersehen; da er aber einmal zur Sprache gebracht war, so glaubten sie es den Pflich⸗ ten ihrer Stellung schuldig zu seyn, fuͤr die Verurtheilung des angeklagten Aufsatzes 8 stimmen, dessen Freisprechung wie ein Freibrief fuͤr kuͤnftige Beleidigungen ausgesehen haben wuͤrde. Die uͤberspannten Erwartungen, welche man im ersten Augen⸗ blicke auf die Nachricht von der Unterwerfung mehrerer maͤchti⸗ gen Araberstaͤmme in Afrika zu bauen angefangen, machen allmaͤlig einer ruhigeren und richtigeren Ansicht von der Bedeutung jener Er⸗ elgnisse Platz. Abd el Kader ist so wenig „vernichtet“, daß der Oberst Tempourre ihn nicht in Tlemsen anzugreifen wagte, obgleich er, außer seinem ansehnlichen Expeditions⸗Corps, die ganze waf⸗ fenfaͤhige Mannschaft der Staͤmme, die dem neuen Emir gehul⸗ digt, unter seinem Befehle hatte, und nur fuͤnf Stunden von der genannten Festung entfernt war. Die Schluͤsse, welche sich aus dieser Thatsache ziehen lassen, finden uͤbrigens ihre volle Bestaͤti⸗ gung in den neuesten Berichten des General Bugeaud. Dieser ist weit entfernt, das Ende des Krieges in nahe Aussicht zu stellen. Alles, was er hofft, ist, daß in Folge der neuesten Combinationen Abd el Kader bis zum Fruͤhjahr gezwungen werden koͤnne, die Provinz Oran zu raͤumen, und sich auf die Vertheidigung der Pro⸗ vinzen Algier und Tittery zu beschraͤnken. Welche Wendung nun aber der Kampf fuͤr die Arabische Unabhaͤngigkeit und Nationalitaͤt uch zunaͤchst nehmen möͤge, gewiß ist es, daß die Sache derselben durch einen augenblicklichen Sieg der Franzosen nicht zu Grunde gerichtet werden wird. Die Araber koͤnnen sich nie und nimmer⸗ mehr mit der Franzdsischen Herrschaft aussohnen, und selbst eine zwanzigjaͤhrige Unterwerfung wuͤrde ihre Treue nicht fuͤr einen einzigen Tag verbuͤrgen. Wer der Mann auch seyn moͤge, den die Franzosen an die Spitze der ihnen unterths y 8 stellen, sie haben an ihm einen heimlichen Fen⸗ rrthänigen taͤmme barer werden kann, je mehr Huͤlfsmittel - der vm so furcht⸗ Unterstüͤtzung gefunden, um seine Macht aus 68 der granpö sischen festigen. Ginge daher Abd el Kader wirklich -- und zu be⸗ lich unser Jahrhundert in ihm einen seiner 9. so wuͤrde frei⸗ aber der gefallene Emir duͤrfte leicht seinen Ra P verlieren, leicht in der Person des Nebenbuhlers, den ihm 7 viel⸗ sem Eean edegenwns . ich in die⸗ Das Interesse fuͤr die orientalischen Angelegenheiten 1 waͤrtig sehr schwach, und weder die neges Ffegelcen, m⸗ Absichten der Pforte gegen Griechenland, noch die in der 8 tirten⸗Kammer wieder aufgenommenen Verhandlungen über an Vertraͤge vom 15. und 13. Juli scheinen im Stande in seyn dasselbe zu steigenr. *, Paris 19. 29 8 88 Toc queville ist aris, 19. Jan. e Tocqueville ist ein ge⸗ maͤßigter, dynastischer, einsichtsvoller und vielversprechender 8* Mann; er spricht selten in der Kammer, aber so oft er das Wert nimmt, weiß er sich Gehoͤr zu verschaffen. Noch gestern, obgleich er das Ministerium angriff, hoͤrte ihm die Deputirten⸗ Kammer mit Ruhe, wenn nicht mit Wohlwollen, zu. Er sprach

haben, Drucker zu finden, und einem gewissen Theile der Presse waͤre damit der Todesstoß versetzt.

Es ist dies eine heilsame Operation, die sich vorbereitet, denn seitdem die Freiheit der Presse besteht, haben die Journale dem Lande unermeßliches Unheil zugefuͤgt; sie sind es, welche die Re⸗ volution von 1830 gemacht haben; damals waren sie weit maͤch⸗ tiger als heut zu Tage, und die Maͤnner, welche sie redigirten, hatten mehr Konsistenz und mehr Ansehen. Dessenungeachtet ist ihre Wirksamkeit in ihrer gegenwaͤrtigen Verfassung noch sehr nachtheilig fuͤr die Ruhe, die Stabilitaͤt und die Wuͤrde der Re⸗ gierung; sie wirkt nachtheilig, indem sie die Ideen der Ordnung, der Maͤßigung und der Unterwuͤrfigkeit bei einem Theile der Bevoͤlkerung vernichtet; sie wirkt nachtheilig, indem sie den Haß und die heftigen Leidenschaften naͤhrt und den Keim zu Verschwoͤ⸗ rungen entwickelt, wenn nicht den ersten Gedanken dazu anregt.

Die Freisprechungen durch die Jury des Departements der Seine werden kuͤnftig wahrscheinlich seltener seyn. Man hat den Beamten der Praͤfektur, welcher mit Anfertigung der Listen be⸗ auftragt ist, abgesetzt, weil man ihn im Verdacht der Parteilich⸗ keit fuͤr die sogenannten patriotischen Journale hatte. Auf der neuen Liste der Jury, welche mit dem 1. Februar ihre Funktionen beginnt, bemerkt man dreizehn oͤffentliche Beamte, mehrere ange⸗ sehene Banquiers und fuͤnf bis sechs Grundbesitzer. Diese Zu⸗ sammensetzung zeigt an, daß die Preßvergehen diesesmal kein leich⸗ tes Spiel haben werden. Das Ministerium vertheidigt sich leb⸗ haft dagegen, daß es die sogenannte Reinigung der Geschworenen⸗ Listen veranlaßt habe, und in der Kammer selbst hat Herr Du⸗ chatel auf die Interpellation des Herrn Dugabé, legitimistischen Deputirten aus Toulouse, sich dagegen vertheidigt. Es waͤre in⸗ deß ziemlich auffallend, daß eine so bedeutende Veraͤnderung in den Geschworenen⸗Listen auf einmal und ganz zufaͤllig eingetreten seyn sollte; denn diese Veraͤnderung zeigt sich auch in den Depar⸗ tements, wie mehrere neuerdings stattgefundene Verurtheilungen der Presse beweisen. ö

Großbritanien und Irland.

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London, 18. Jan. Se. Majestaͤt der . Preußen wird sich, nach der heutigen Angabe ministerieller Blaͤtter, uͤber⸗ morgen Abends gegen 6 Uhr in Ostende einschiffen und, wie man glaubt, am Freitag Nachmittag um 4 Uhr in England landen, aber nicht in Woolwich, wie es anfangs beabsichtigt war, sondern in Greenwich. Uebermorgen fruͤh verlaͤßt das Koͤnigliche Dampf⸗ schiff „Firebrand“ die Themse und begiebt sich nach Ostende; ihm folgen noch zwei andere ö und zwei Fregatten. Prinz Albrecht wird Se. Majestaͤt bei der Landung in Greenwich em⸗ pfangen und nach Schloß Windsor geleiten. Die Feste, welche dort zu Chren des hohen Gastes angeordnet sind, und die den ausge⸗ zeichnetsten Personen des Vereinigten Koͤnigreichs, die Sr. Ma⸗ jestät vorgestellt zu werden wuͤnschen, zu ertheilenden Audienzen n wie man vermuthet, die kurze Zeit, welche Allerhoͤchstder⸗ selbe fuͤr den Aufenthalt in England bestimmt hat, ganz ausfuͤllen, so daß, wenn Se. Majestaͤt sich nicht zu einer Verlaͤngerung des für die Reise festgesetzten Zeitraums entschließt, manche der ande⸗ ren Festlichkeiten, von denen oͤffentliche Blaͤtter gesprochen haben werden unterbleihen muͤssen. Der Köͤnig der Belgier wird⸗ wie ministerielle Blaͤtter heute erkloͤren 8 dies mal ziche nach England kommen; dagegen heißt es jetzt, daß der Prinz Fervinand von Sachsen⸗Koburg, Bruder des Abnigs der Beigier und der Herzogin von Kent, der Taufe in Person als Zeuge beiwohnen

en an

Interessen der Waͤhler, der Deputirten, die lokalen Interessen, die

re verlassen, die Gesellschaft eraͤth in Unordnung, Niemand will mehr auf ebener Erde blei⸗ en, und Jeder glaubt, berechtigt und im Stande zu seyn, den Gipfel zu erreichen. Die Regierung hat nicht diesen Zustand al⸗ lein hervorgerufen; sie hat nur dazu beigetragen. Der Vorwurf, den Parlamentshaͤuser denselben unterstuͤtzen wuͤrden, und daͤß die öf⸗

mentarischer Bestechung und Verderbniß der öͤffentlichen Moral

putirten zu einem Commis machen, der verpflichtet ist, fuͤr die

gystem ist es, welches dieses Uebel erzeugt und die Repraͤsentation zu einer Fiction oder zu einem Kampfplatze macht, wo schlechte Leiden⸗ schaften und persoͤnliche Interessen sich bekaͤmpfen. Je maͤchtiger die Kammer ist, um so mehr Einfluß werden die Deputirten auf

werde. Die verwittwete Koͤnigin hat sich auf den Rath ihrer Aerzte genoͤthigt gesehen, ihre Absicht, von Sudbury nach London zuruͤckzukehren, fuͤr jetzt noch aufzugeben. Prinz Albrecht, der estern nach der Grundsteinlegung zu dem neuen Vorsen⸗Gebaͤude 8 London einem zur Feier dseses Tages im Mansionhouse veran⸗ stalteten glaͤnzenden Bankett beiwohnte, ist am Abend wieder nach Windsor zuruͤckgekehrt.

Das Hof⸗Journal theilt mit, daß eine uralte Hofsitte es noͤthig mache, sogleich nach der Geburt eines Prinzen von Wales

rechts vom Thron einen Lehnstuhl fuͤr ihn aufzustellen. Demge⸗

maͤß habe man denn auch bereits die erforderlichen Befehle er⸗

theilt, im St. James⸗Palast und im Oberhause Stuͤhle zu diesem Zweck aufzustellen und das Wappen mit dem Motto: „Ich dien“ darauf sticken zu lassen. 2

Die Emigration Gazette erklaͤrt sich zu der Angabe er⸗ maͤchtigt, daß, salls die vom Ministerium vorzuschlagenden Maß⸗ regeln in Betreff der Auswanderung nicht so unnfassend und wirk⸗ sam erscheinen sollten, als das Beduͤrfniß des Landes und der Ko⸗ loniefn erheische, ein neuer und in allen Einzelnheiten vollkommen ausfuͤhrbarer Plan dem Parlamente vorgelegt werden solle. Sie setzt hinzu, daß mehrere der ausgezeichnetsten Mitglieder beider

fentliche Gutheißung und Empfehlung demselben zuverlaͤssig nicht fehlen werde.

Der Leeds Mercury will wissen, daß das Ministerium in naͤchster Session eine Maßregel zur Erledigung der Kirchensteuer⸗

Frage einbringen und dabei den von Lord Althorp als Kanzler

der Schatzkammer vorgeschlagenen Plan zu Grunde legen werde, nach welchem die Kirchensteuer durch eine aus der Grundsteuer oder dem konsolidirten Fonds zu entnehmende Summe von jaͤhr⸗ lich 250,000 Pfd. St. ersetzt werden sollte. Dieser Plan wurde damals vom Whig⸗Kabinet aufgegeben, weil er die Dissenters gegen sich hatte, welche meinten, daß dies eine Kirchensteuer unter anderem Namen sey, und weil es ungehoͤrig gefunden wurde, daß das Volk von Irland und Schottland mittelst der allgemeinen Besteuerung des Koͤnigreichs zur Fuͤllung der Koffer der Anglika⸗ nischen Kirche herangezogen werden solle.

Der Sun meldet: „Eine so eben von der Hrlaͤndischen Queens⸗Bench gefaͤllte Entscheidung wird Schrecken in viele 2 milien bringen. Alle in Irland von presbyterischen Geistlichen getraute Ehen, in denen nicht beide Eheleute der presbyterischen Kirche angehören, sind fuͤr unguͤltig, erklaͤrt worden. Nun leben aber in der Provinz Ulster allein uͤber 600,000 Presbyterianer. und es war bisher nichts gewoͤhnlicher, als daß Ehen zwischen Presbyterianern und Mitgliedern anderer Konfessionen von pres⸗ byterischen Geistlichen eingesegnet wurden.“ 2

Die Französische Regierung laͤßt in England fortwaͤhrend große Pferde⸗Ankaͤufe 9G indem sie die Absicht haben soll, 9..

en 15,000 Kavalleriepferde ihrer Armee auszumustern und durch essere Thiere von Britischer Zucht zu ersetzen. Auf den Pferde maͤrkten in Lancaster und Preston am 1. und 3. Januar, au welche gegen 8000 Pferde gebracht wurden, kaufte der Agent lips aus London, von zwei Franzosen begleitet, gegen 309 Pfe zu 20 bis 30 Pf. St. das Stuͤck.

Das Verfahren mehrerer Staaten der Nord⸗Amerikanische Union hinsichtlich ihrer oͤffentlichen Schulden wird vom hiesige Globe als hoͤchst empoͤrend bezeichnet. Maryland hat angezeig daß es die am 1. Januar faͤlligen Zinsen seiner Schuld nicht be⸗ zahlen koͤnne. Illinois hat, neben der Weigerung, seine Zinsen zu zahlen, auch die als Buͤrgschaft fuͤr eine Anleihe von 321,000 Dollars bei einem New⸗Yorker niedergelegten Obligationen fuͤr null und nichtig erklaͤrt. Die Legislatur von Indiana hat ein Gesetz erlassen, wodurch alle Pfaͤndungen und Verkaͤufe durch Sheriffs oder deren Beamte bis zum 1. Februar suspendirt wer⸗ den, und der Gouverneur hat das Gesetz genehmigt. „Dies“, sagt das obengenannte Blatt, „ist der naͤchste Schritt zur Nichtigkeits⸗ Erklaͤrung aller Schulden und Verbindlichkeiten. Solch' ein ab scheuliches Verfahren muß natuͤrlich allen Glauben an Amerikani sche Redlichkeit zerstören und alle Fonds niederdruͤcken; wiele der selben sind unverkaͤuflich und werden gar nicht notirt.

Direkte Berichte aus Mexiko bestaͤtigen es, daß die Texia⸗ nische Expedition nach Santa Fe, welche aus 200 Mann bestand, in Gefangenschaft gerathen ist, und daß zugleich 200 Flinten nebst Munition, eine Kanone, 76 Pferde, eben so viele Ochsen, 5 Wa⸗ gen und Waaren im Werthe von 25,000 Dollars erbeutet wor⸗ den sind. 8

Ein Schreiben aus Buenos⸗Ayres vom 2. November bestaͤtigt die Nachricht von dem Tode des Generals Lavalle, des unermuͤdeten Gegners von Rosas. Admiral King wurde von Montevideo zu Buenos⸗Ayres erwartet. Den Englischen Boots⸗ leuten war von der Regierung zu Buenos⸗Ayres befohlen worden, ein Abzeichen als Beweis ihrer Anhaͤnglichkeit an die Bundessache zu tragen; sie hatten dies aus Besorgniß, daß sie dadurch spaͤterem Pressen unterworfen werden koͤnnten, verweigert und sich um Schutz an den Britischen Gesandten gewendet. 9

Ueber das bereits erwaͤhnte Erdbeben in der Provinz Cartago im Staate Costa Rica in Mittel⸗Amerika sagt ein Schreiben aus Heredia vom 3. September: „Der Stoß kam so ploͤtzlich, daß die Leute, welche mit dem Leben davongekommen sind, kaum die Zeit hatten, ihre Haͤuser zu verlassen, bevor diese einstuͤrzten. In einer einzigen Sekunde war die Provinz Cartago mit Ruinen bedeckt. Die Verwuͤstung ist so groß, daß man kaum den Platz erkennen kann, wo die bedeutendsten Haͤuser standen. In dieser Stadt wurden selbst steinerne Haͤuser von der Erschuͤtterung gleichsam in die Luft geschleudert, worauf sie als Ruinen niederfielen. Man vermag nicht ohne Schauder an diesen Vorfall zu denken. Viel Leute aus allen Staͤnden und Lebensjahren sind umgekommen. Noch ist es nicht moͤglich, auch nur ungefaͤhr ihre Zahl anzugeben. Die Be⸗ wohner der Doͤrfer in dieser Provinz, welche am wenigsten ge⸗ litten, haben sich auf Befehl der Regierung mit Hacken und Schaufeln versammelt, um die Leichen auszugraben. Sie sind noch damit beschaͤftigt und werden ihr Werk fortsetzen, bis jeder Stein umgekehrt worden ist. Nicht blos in den Wohnhaͤusern sind Leute umgekommen, sondern auch in den Kirchen, auf den Straßen, auf den öͤffentlichen Plaͤtzen. Alle unsere Vorraͤthe liegen unter den Ruinen, und wir sind einer schrecklichen Hungers⸗ noth ausgeseht, da die Einfriedigung der Gaͤrten und Felder zexstört worden und die wilden Thiere dort hineindringen und alles verwuͤsten.

Zu Turodaba, Tres⸗Rios, Cartago, Pararso, Ujames und selbst in der

Nachbarschaft von Matina ist nicht eine Huͤtte stehen geblieben Ueberall auf dem Lande ist die Zerstoͤrung eben so allgemein. Von San Jose bis hierher und bis Alajuela findet man nichts als Truͤmmer. die Ruinen empor, aber auch sie sind nicht me müuͤssen abgetragen werden.

r bewohnbar und

Verwirrung ist schrecklich. Bis jetzt hat noch kein neuer Aus⸗ bruch des 18 Vulkans stattgefunden, die Erdstoͤße dauern aber

noch immer fort, und Niemand weiß, wann und wie das enden

Zu San Jose ragen nur noch 88 98g üͤber

Man graͤbt Leichen aus, die völlig unkennbar sind und nur noch unfoͤrmliche Klumpen vüden; de 3

soll. Die große Erschuͤtterung fand am 2. September, um 6 Uhr 8, att. 2 . 2

me 8e zu Daventry haben der Königin eine mit 240

———1 en um Aufhebung der Korn⸗ und

zebensmittel-Gesetze uͤberschickt.

4 Der Lecbse von Dublin hat eingewilligt, das Vice⸗Patro⸗

nat des Vereins zur Bekehrung der Juden zu uͤbernehmen.

An der gestrigen Boͤrse sind die Fonds wieder etwas gewichen, weil ein einflußrescher Maͤkler eine bedeutende Masse Consols los⸗ schlug und der Regierungs⸗Maͤkler abermals fuͤr 300,000 Pfd. St. Consols zu einem niedrigeren Preise verkaufte. Geld ist zu 4 pCt.

in Menge zu haben.

15 Belgien. Lüttich, 20. Jan. Se. Majestaͤt der Koͤnig von Preußen

ig heute Morgens um 10 Uhr durch unsere Stadt gekommen, Gebrauche nach den Bedaͤrsnissen der allgemeinen Wohlfahrt,

ohne sich hier esbaen. Der Koͤnigliche Reisende begab Sich direkt nach der Station Ans, wo ein außerordentliches Convoy der Eisenbahn Seiner wartete.

Brüssel, 20. Jan. Der Koͤnig ist gestern Vormittag um 11 Uhr nach Ostende abgereist, wo er heute eine Zusammenkunft mit Sr. Majestaͤt dem Koͤnige von Preußen hat. Im Gefolge unseres Koͤnigs befanden sich der Intendant der Civilliste, Herr Conway, der General v. Hane und der Baron Dieskau.

Die Anklage⸗Kammer hat gestern ihren Erlaß in Betreff des orangistischen Komplottes bekannt gemacht. Neun Angeklagte sind vor den Assisenhof verwiesen: Graf van der Meeren, zur Dis⸗ position gestellter General⸗Major; Jacques van der Smissen, Ex⸗ Brigade⸗General; Parys, Gendarmerie⸗Intendant; Jos. van der Smissen, Kaufmann; Louise Graves, Gattin des Ex⸗Generals van der Smissen; Crehen, pensionirter Militair; Parent, Ex⸗Ko⸗ lonel der Volontaire; Verpraet, Er⸗Korporal im 1sten Regiment der Chasseurs zu Fuß; van Laethem, Ex⸗Offizier (fluͤchtig oder versteckt). Außer Anklage sind gesetzt: Roczynski, ein Lithauer, der Mathematik, Ex⸗Chef einer Polnischen Schwadron;

andenplas, Herausgeber des Journals Lynx; Ernst van der Smissen, ohne Geschoft; Graumont, Ex⸗Offizier der Volontaire; van den Elsken, bekannter unter dem Namen Borremans, Ex⸗ Kolonel (fluͤchtig).

Deutsche Bundesstaaten.

.““

München, 18. Jan. In der Koͤnigl. Erzgießerei ist kuͤrz⸗

lich die Statue des Kurfuͤrsten Johann Wilhelm, des Gruͤnders der Duͤsseldorfer Gallerie, in Guß und Ciselirung vollendet, auf⸗ gestellt worden. Sie gehoͤrt in die Reihenfolge, die zum Schmuck des neuen großen Thronsaales bestimmt ist. Fuͤr den Guß ist nur noch ein Theil der letzten Statue in dieser R

len dert Centner Erz verwendet werden. b

Die Hinterbliebenen Jean Pauls haben Sr. Majestaͤt dem Koͤnig die eigenhaͤndige Handschrift vom letzten Werke des Dich⸗ ters, „Selina oder uͤber die Unsterblichkeit der Seele“ verehrt und Se. Majestaͤt hat diese Gabe huldvoll angenommen und der hie⸗ sigen Koͤnigl. Hof⸗ und Staats⸗Bibliothek einverleiben lassen.

Se. Rajestat haben den Koͤnigl. Kaͤmmerer, Grafen Eduard von Arsch, Hof⸗Marschall Ihrer Majestaͤt der hoͤchstseligen Koͤ⸗ nigin Karoline, zum Intendanten des Koͤnigl. Hof⸗Theaters er⸗ nannt. Herr von Kuͤstner verlaͤßt in den ersten Tagen Februars Muͤnchen, um sich nach Italien zu begeben, von wo er Ende April in Berlin eintreffen wird.

Mainz, 16. Jan. (L. A. Z.) Der Schluß der Dampf⸗ schifffahrt kam diesmal so spaͤt als moͤglich, naͤmlich mit dem neuen Jahr, und diesem Umstande verdankt die hiesige Handels⸗ welt sehr viel, denn sie konnte so noch bedeutende Produkten⸗Ver⸗ sendungen effektuiren, welche in anderem Falle zum großen Nach⸗ theile der Eigenthuͤmer haͤtten unterbleiben muͤssen. Jetzt, da der Großhandel einen Augenblick durch die Unterbrechung der Dampf⸗ schifffahrt stockt, kann man mit Ruhe einen Ruͤckblick auf unseren Handel im abgelaufenen Jahre werfen, und mit Ueberraschung wird man finden, daß in diesem Jahre der Großhandel von der Art war, daß wir uns mit einem Seeplatze messen koͤnnen. Nicht weniger als 20,000 Lasten Getraide wurden aus dem hiesigen Ha⸗ fen versendet, was einer halben Million Malter und einem Geld⸗ werthe von fuͤnf Millionen Fl. gleichkam. Dies war der effektive Umsatz; allein durch Praͤmien⸗Zahlungen der Getraide⸗Haͤndler wurde wohl dieselbe uantitaͤt in den Verkehr gezogen, und Ne⸗ benplaͤtze versendeten uͤber Mainz ebenfalls Auantitaͤten von Be⸗ land. In Wein, Ruͤbol, Kolonial⸗Waaren, Holz ꝛc. war der Ver⸗ kehr zwar nicht so großartig als in Getraide, aber doch auch nicht unbedeutend, und jedenfalls mit mehreren Millionen Gulden nicht aufgewogen. Darf man sich, bei dieser Wichtigkeit des hiesigen Platzes, wundern, daß sich die Handelswelt nach der Realisirung einiger Projekte sehnt, die schon laͤngst gefaßt sind, aber ohne die

beinahe nicht laͤnger mehr zu bestehen ist? Diese Projekte beste⸗ 8 3 Minister⸗Praͤsidenten eine Note der Franzoͤsischen Regierung, in hercchee diese erklaͤrt haben soll, daß sie, in Betracht der gegen die Unnahme Hobwürrigkeiten, küesseiobin keinen Spanischen Agenten von

hen vor allen Dingen in der Errichtung einer Mainzer Bank, durch deren Huͤlfe der Handelswelt Geld gegen 88 Signaturen oder gute Sicherheit zu maͤßigen Zinsen vorgeschossen wird; ferner in der Errichtung großer Raͤume (Magazine, Keller und Speicher) in der s des Hafens; endlich in der Errichtung einer selbst⸗ staͤndigen Mainzer Dampf⸗Schleppschifffahrt.

Frankfurt a. M., 21. Jan. Die Bundes⸗Ver⸗ sammlung wird in dieser Woche keine Sitzung halten, da der zeit⸗ weilig praͤsidirende Koͤnigl. Preußische Bundestags⸗Gesandte, Aerr Baron von Buͤlow, erst in den naͤchsten Tagen von seiner zur Begruͤßung seines hohen Herrn an den Nieder⸗Rhein unternom⸗ menen Reise zuruͤckkehren wird. Auch der Koͤnigl. Niederlaͤn⸗ dische Bundestags⸗Gesandte, Herr von Scherff, ist noch nicht hier angekommen, wiewohl er Berlin bereits verlassen hat.

In dieser Woche zeigte sich der Boͤrsen⸗Umsatz zwar nicht sehr belebt, doch im Allgemeinen eine guͤnstige Haltung in den Fonds, und, so wie in den letzteren Tagen, erfuhren auch heute die meisten eine Besserung, und selbst die Hollaͤndischen, wiewohl sie von Amsterdam nicht hoͤher kamen. Von den Oesterreichischen Effekten erfuhren namentlich die Bank⸗Actien eine anhaltende Steigerung. Der wieder sehr guͤnstige Geldstand unseres Platzes ist die Haupt⸗Ursache der willigen Haltung der Fonds. Das Dis⸗ konto steht 3 pCt.

Oesterreich.

% Aus Böhmen, 15. Jan. Eine kuͤrzlich erflossene um⸗ fassende Anordnung die in Beziehung auf Fluß⸗Polizei auch auswaͤrts Mterese erregen duͤrfte uͤber die Beseitigung der ortlichen Schifffahrts⸗Hindernisse auf der Moldau und Elbe, welche

bisher die an diesen Stroͤmen befindlichen Wasserwerke verursach⸗

ten, ist ganz geeignet, die Klagen des Handelsstandes uͤber die hier⸗

eihenfolge uͤbrig. Im Herbst dieses Jahres werden sie saͤmmtlich an ihrem Bestim⸗ mungsorte aufgestellt seyn. Naͤchstdem wird der Guß der kolossa⸗

. des Großherzogs von Hessen beginnen, wozu an hun⸗

Spanien

Der Minister⸗Praͤsident, Herr Gonzalez, versprach, dem Henos.

durch so oft beschraͤnkte Fnubuag sene⸗ Stroͤme, als auch die meisi uͤbertriebenen Entschaͤdigungs⸗Anspruͤche, welche von den Pri⸗ vatbesitzern jener zum Muͤhlenbetrieb erbauten Wasserwerke gel⸗ tend zu machen versucht wurden, fuͤr immer zu beseitigen. Bereits im Jahr 1775 war zu Folge Allerhoͤchsten Befehls angeordnet wor⸗ den, die der Schifffahr. hinderlichen Wehren ganz abzureißen und den Mahlmaͤllern nur zu gestatten, auf eine fuͤr den Schiffsverkehr unschaͤd⸗

liche, vorher der Genehmigung des Guberniums zu unterziehende Art

Wasser⸗Antriebe zur Beföͤrderung ihres Mahlwerks sich zu errich⸗ ten. Einspruͤchen gegen diese vor Regulirung des Fahrwassers wurde damals schon nicht statt egeben, weil man von dem Rechtsgrund⸗ satze ausging, daß schiffbare Fluͤsse, welche zum allgemeinen Ver⸗ mögen des Staates gehoͤren und unter die Regalia Principis zu zaͤhlen, nicht in das Privat⸗Eigenthum kommen koͤnnen, somit der obersten Staatsgewalt vorbehalten bleiben und daher in ihrem

diese erzielt sehen will, einzurichten seyen. Wenn daher ungeachtet der damals angeordneten Kassi⸗ rung oder Durchschneidung aller Wehren, da, wo die Ruͤcksichten fuͤr einen offenen und bequemen Schiffszug dies er⸗ fordern, dennoch neue Schifffahrts⸗Hindernisse dadurch entstanden sind, weil mehrere Muͤller eine eigenmaͤchtige und unerlaubte Zu⸗ sperrung der Wehrbruͤche oder Erhoͤhung der Wasserschwellen be⸗ werkstelligt hatten, so konnte eine solche ungesetzliche Handlung nimmermehr zur Rechtskraft erwachsen, und daher weder Eigen⸗ thums⸗Rechte noch Entschaͤdigungs⸗Anspruͤche begruͤnden. Indem daher die unverweilte Beseitigung aller durch die bisherigen Was⸗ serbauten an den schiffbaren Fluͤssen entstandenen Navigations⸗ Hindernisse neuerlich ausgesprochen und der Fortbestand nur solcher Triebwerke fuͤr den Muͤhlen⸗ und Fabriksgebrauch als geduldet erklaͤrt wurde, welche die freie und bequeme Schifffahrt nicht be⸗ schraͤnken, sind gleichzeitig die Insassen an den Ufern der Moldau und Elbe von Hohenfurth bis an die saͤchsische Graͤnze verpflichtet worden, an diesen Fluͤssen, weder einen Neubau irgend einer Art, noch eine Reparatur der bisher geduldeten Wasserbauten vorzu⸗ nehmen, ohne vorherige Untersuchung und Bewilligung der Lan⸗ des⸗Behoͤrde. Da uͤbrigens ohne diese Bewilligung auch die ver⸗ schiedenen Baugewerbe, unter sonstiger strenger Strafe bei solchen Wasserbauten keine Dienste leisten duͤrfen, so ist nunmehr die er⸗ freuliche Hoffnung gewaͤhrt, die Verkehrs⸗Hindernisse, welche be⸗ sonders groͤßeren Guͤterkaͤhnen auf unseren beiden schiffbaren Fluͤssen entgegenstanden, fuͤr immer hinweggeraͤumt zu sehen, durch die von dem Gubernium den Lokal⸗Behoͤrden in einem ausfuͤhrlichen sehr zweckmaͤßigen Regulativ hieruͤber aufgetragene genaue Kontrolle.

Italien.

RNom, 8. Jan. (A. Z.) In Folge eines apostolischen Briefes hat das hiesige Vikariat eine ganz neue Prozedur eingefuͤhrt, wo⸗ nach alle vor diesem Tribunal Belangten einen Defensor waͤhlen koͤnnen und in gewissen Faͤllen selbst eine Appellation stattfindet.

wie der Staat

Bei der bisher befolgten Praxis war der Betheiligte ganz dem

Gutduͤnken eines Richters ausgesetzt, der sein Schuldig und die

Strafe nach Belieben aussprach. Diese Verbesserung, die fuͤr Rom von der groͤßten Wichtigkeit ist, hat man dem neulich er⸗ nannten General⸗Vikar, Kardinal Patrizi, und dem jetzigen Vice⸗ Gerenten zu danken, welche Se. Heiligkeit auf die Mißbraͤuche des bisherigen Verfahrens aufmerksam machten. Vielleicht nie ist eine Maßregel der Regierung mit solch einstimmigem Lob von allen Bewohnern der Stadt aufgenommen worden. Ein Beamter dieses Tribunals, uͤber welchen viele Klagen laut geworden, wurde seiner Stelle entsetzt. Manche hoffen auch auf eine Abaͤnderung bei den Vikariaten in den Orten außerhalb Roms, wo freilich Un⸗ ordnungen wie hier nicht vorkommen koͤnnen, indem die Bischoͤfe dort daruͤber wachen.

Der Hollaͤndische Gesandte beim heiligen Stuhl, Graf von

Liedekerke⸗Beauffort, ist nach einer achtmonatlichen Abwesenheit Prinzen Georg von Preußen und Sr. Koͤnigl. Hoheit dem Er

aus dem Haag, wohin er bekanntlich von seiner Regierung zu den Unterhandlungen mit Monsignore Capaccini berufen wurde, uͤber

F r v “*“ uruͤckgekehrt. b 8 ün es icterats ishe hierher zurgag keh 11.“

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Madrid, 11. Jan. Man erwartete heute in der Deputir⸗ ten⸗Kammer interessante Debatten uͤber einen gestern von Herrn

Gonzales Bravo und dessen politischen Freunden gestellten Antrag,

der auf ein Tadels⸗Votum gegen das Ministerium berechnet war. Herr Gonzales Bravo verzichtete indeß heute auf das Wort, und alsbald erklaͤrte der Conseils⸗Präͤsident, durch seines Gegners Schwaͤche und Schuͤchternheit ermuthigt, daß die Regierung keine Interpellation scheue. Wie es heißt, waren es die Herren Olo⸗ zaga und Cortina, die Herrn Bravo dazu bewogen, seinen Antrag fallen zu lassen. vin 1

O Madrid, 12. Jan. In vergangener Nacht traf bei der hiesigen Franzoͤsischen Botschaft ein Courier ein, welcher eine „an den Franzoͤsischen Geschaͤftstraͤger“ gerichtete Depesche von Paris uͤberbrachte.é In Folge derselben verfuͤgte sich der Herzog von Gluͤcksberg diesen Mittag in die Staats⸗Kanzlei und verlas dem

des Herrn von Salvandy in Madrid erhobenen

herem Rang als dem eines Geschaͤftstraͤgers annehmen werde. on Gluͤcksberg eine Antwort zur Befoͤrderung an das Franzöͤsi⸗ che Kabinet zuzuschicken. Als jene Note von Paris abging, konnte an dort noch nicht wissen, daß Herr von Salvandy, ohne seine Kreditive zu uͤbergeben, zuruͤckgereist war; da aber die Depesche in „den Franzoͤsischen Geschaͤftstraͤger“ gerichtet war, so darf man

wohl annehmen, daß die Franzoͤsische Regierung voraussetzte, Herr pon Salvandy sey bereits, mii Zuräͤcktasse schaft gehoͤrenden Person, von Madrid abgereist. Herr von Sal⸗

bandy konnte die Ruͤckreise nur sehr langsam bewerkstelligen, da

en fast unfahrbar gemacht hat, und durch Eis und Schnee nicht rchzukommen ist. Hier in Madrid haben wir die letzten kaͤchte hindurch bis acht Grad Kaͤlte gehabt und in einer Pacht erfroren beim Koͤniglichen Palaste drei Schildwachen. der Teich im Buen Retiro bietet das hier hoͤchst seltene Schau⸗ Piel einer Menge Schlittschuhlaͤufer dar. Uebrigens duͤrfte rankreich Ursache haben, zu bereuen, hier gaͤnzlich ohne einen ge⸗ brig bevollmaͤchtigten Vertreter geblieben zu seyn. Der Englische Pesandte scheint diesen Umstand mit seiner bekannten Ge⸗ chicklichkeit zu benutzen, um endlich die Freigebung der Einfuhr Englischer Baumwollen⸗Waaren gegen maͤßige Bebuͤhren zu errei⸗

en. Es heißt, eine Menge Deputirter, an deren Spitze Herr Mendizabal stehen soll, sey fuͤr diesen Plan gewonnen 2 werde,

pevor die Mißhelligkeiten mit Frankreich beigelegt waͤren, denselben in den Cortes durchzusetzen suchen. eat 8b

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ung irgend einer zur Bot⸗

9 u† Vereinigte Staaten von Nord⸗Amerika.

New⸗York, 2. Jan. Am 27sten v. M. wurde im Se⸗ nate zu Washington der Vorschlag eines Herrn Allan angenom⸗ men, daß der Praͤsident ersucht werden moͤge, dem Senate, fall es ohne Nachtheil der oͤffentlichen Interessen geschehen koͤnne, all Korrespondenzen vorzulegen, welche seit dem 4. Maͤrz 1840 zwi⸗ schen der Britischen und Amerikanischen Regierung uͤber das Durchsuchungs⸗Recht stattgefunden. 21

Die Legislatur von Suͤd⸗Karolina hat mit großer Mehrheit zwei Beschlusse gegen das Durchsuchungs⸗Recht, welches England geltend macht, und gegen dessen Weigerung angenommen, die durch Freilassung von Sklaven beeintraͤchtigten Bäͤrger der Union

zu entschaͤdigen.

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Inland.

Aachen, 19. Jan. (Aach. Z.) Unsere Stadt war heute in lebhafter Bewegung; schon seit Wochen hatte man mit freudiger Erwartung dem Augenblick entgegengesehen, wo uns das Gluͤck beschieden seyn sollte, den verehrten Monarchen in unserer Mitte zu sehen, und die Freude wurde noch durch die Botschaft erhoht, daß Se. Majestaͤt beschlossen hatte, die letzte der Staͤdte Preußens

auf seinem Wege, aber nicht die letzte an Rang und an treuer Liebe fuͤr Krone und Vaterland, nicht zu durcheilen, sondern den

Abend und die Nacht in Aachen zu bleiben. Es war ein gleicher Festtag fuͤr alle Bewohner, denn Allen galt es, den geliebten Herrscher zu sehen, Ihn zu begruͤßen. Man wußte, daß es spaͤt werden wuͤrde, ehe Er ankommen konnte, aber nur um so mehr wuchs die Menge, welche sich auf den Punkten zusammendraͤngte, wo es moͤglich seyn wuͤrde, des Monarchen ansichtig zu wer⸗ den, um so mehr steigerte sich Aller Erwartung. Die warme Zuneigung, mit welcher jedes Preußen Herz dem Köͤnige schon bei Seiner Thronbesteigung entgegenschlug, ist laͤngst seitdem durch zahlreiche Handlungen tiefer Weisheit und erprob⸗ ten Wohlwollens fuͤr alle seine Unterthanen gerechtfertigt worden und die Verehrung hat sich an der Dankbarkeit noch gestaͤrkt und gehoben. Sie laut auszusprechen war Allen ein Beduͤrfniß, war eine tiefgefuͤhlte Pflicht, denn die Liebe des Volkes ist der schoͤnste Lohn des Fuͤrsten. Auch war es ein erhebender Anblick, der der unzaͤhligen Menschenmasse, welche durch die Straßen wogte und besonders in der Naͤhe der Eisenbahn⸗Station, wo wir Se. Ma⸗ jestaͤt zuerst erblicken sollten, sich zusammendraͤngte. Das Dunkel des Abends war durch die glänzend erleuchteten Straßen, in Aa⸗ chen, wie in Burtscheid, besonders durch den Bahnhof selbst, der von einer Menge helllodernder Flammen umgeben war, zum Tage gewandelt. Aber jeder blickte nur in die Ferne, aus welcher end⸗ lich der sehnlichst erwartete Zug ankommen sollte.

Se. Majestaͤt waren erst um 4 Uhr von Koͤln abgefahren und hatten Sich einige Zeit in Duͤren aufgehalten, auf dessen Bahnhofe Allerhöchstdieselben von dem stellvertretenden Landrathe, der Geistlichkeit, dem Buͤrgermeister und einer Deputation des Stadt⸗Rathes begruͤßt wurden. Es war daher 6 ½ Uhr, als der mit vielen Fahnen geschmuͤckte Wagenzug sich Aachen naͤherte. Aus Aller Brust erhob sich ein tausendstimmiger Jubelruf, und der Eindruck, welchen dieser Ausbruch eines verhaltenen Gefuͤhls hervorbringen mußte, war schoͤner noch, als der wirklich zauber⸗ hafte Anblick, welchen die uͤberall lichtstrahlenden Gebaͤude, der Viadukt, das aus dem Dunkel hell hervortretende pittoreske Fran⸗ kenberg, das Burtscheider Kasino, das erleuchtete Belvedere des Louisberges, alle Hoͤhen um Aachen, die in Bengalischem Feuer aufflammende Kuppel des ehrwuͤrdigen Domer gewaͤhrte. Aber jedes Auge wandte sich nur nach dem Koͤnige, welcher nebst den Ihn begleitenden Prinzen, Sr. Koͤnigl. Hoheit dem

prinzen von Mecklenburg⸗Schwerin, mit Seinem Gefolge ausge⸗ stiegen und in den festlich gezierten Saal des Stations⸗Gebaͤudes gefuͤhrt wurde, wo der Praͤsident unserer Regierung, der Klerus die Buͤrgermeister nebst einer Deputation des Stadt⸗Rathes Aller⸗ hoͤchstdenselben begruͤßten. Se. Majestaͤt, die Prinzen, und das hohe Gefolge bestiegen darauf die schon bereit stehenden Wage und fuhren unter dem Gelaͤute aller Glocken durch die glaͤnzend erleuchteten Straßen nach dem Theater, wo Se. Majestaͤt unendlichem Jubel begruͤßt, und vom ganzen Publikun. „Heil Dir im Siegerkranz“! angestimmt wurde. Allerhoͤch die⸗ selben wohnten einem halben Akte der Oper bhei und fuh c⸗ darauf, dem Elisenbrunnen und dem Lokale der Erholune 8 schaft voruͤber, welches Letztere besonders sich durch seine 8 sch 82 volle Erleuchtung hervorhob, nach der Wohnung des Seleenss 8 gierungs⸗Praͤsidenten, wo Allerhoͤchstdieselben Ihr Absgesheqnartier 8 nehmen geruhten. Auf dem ganzen Wege waren Straßen u alkone mit Menschen dicht bedeckt und bei jedem Schritt neuerte sich das Zujauchzen der frohen Menge. Da Se Majc. staͤt sich jede besondere Festlichkeit verbeten hatten, so fand —2 keine Cour statt, und außer dem hohen Gefolge, dem Ober⸗P 4 sidenten, den kommandirenden Generalen war nur den Chefs 27 Behoͤrden, den Buͤrgermeistern, einigen Stadtraͤthen und meh b5vö . S die Ehre zu Theil geworden z1 8 Souper eingeladen zu werden, lefelben 3 z welches Allerhoͤchstdieselben Se. Majestaͤt werden uns heute Morgen Mer es 88 nach She. 98 Gestern Morgen ist der Preußische Gesandt 2 dischen Hofe, Herr Graf von e

Aachen, 20. Jan. Se. Majestaͤt unser Allergnaͤdi 1

1 8 digster Koͤ⸗ nig haben heute Morgen nach 6 1 ergnaͤdig Stadt wieder verlasseg. nach 6 Uhr mit Ihrem Gefölg unsere

Unter den Huldigungen, welche unsere i sei 1 . 3 m Landesvater bei sei⸗ nem leider nur zu kurzen Aufenthalt in unserer Stadt 8.

sind, darf diejenige nicht unbeachtet bleib ie hi bbeeSe ae e bewansseltgen, de ch eiben, welche die hiesige Lie⸗

dertafel Allerhoͤchstdemselben mittelst einer Serenade in der Woh⸗

nung des Regierungs⸗Chef⸗Praͤsidenten dargebracht hat. Nachdem

fuͤnf Choͤre und namentlich auf Verlangen auch „das Deu 3 Vaterland“ von Reinhardt, gesungen 2262 traten Se. Deutsche unter die Mitglieder der Gesellschaft, mit welchen Allerhoͤchstdie⸗ selben sich auf das freundlichste unterhielten. Alle Pulse chluge

hoͤher und vertrauensvoll dem Koͤnig entgegen, der sich uͤber di

Leistungen der Gesellschaft dahin dagerre, „daß er in seinem Leben fast nie einen besseren Chor gehoͤrt“, und im Lauf der Unterhal⸗ tung ferner bemerkte, „daß die Liedertafel in den Niederlanden einen schoͤnen Triumph gefeiert, was Ihn unendlich gefreut habe.“

Ii be.

wilscenschaft, Kunst und Literatur.

Berlin. In der Versammlung des wi 1 Kunst⸗Vereins am 15ten d. M. theilte e ern- ,8 r