1842 / 194 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

836 in die Kammer sich den Weg bahnten, sind gegenwaͤrtig die feste⸗ sten Pfeiler der konservativen Partei, und zwar⸗ nicht in Folge er⸗ haltener Aemter und Ehrenstellen, da sie jede dffentliche Anstellung Cirkular, daß er auf eine Reform des Hypothekenwesens und auf bestaäͤndig abgelehnt haben, sondern aus innererer aufrichtiger Herstellung des Guͤter⸗Kredits dringen und fuür Mittel zur Ver⸗ Ueberzeugung. tilgung des Wuchers auf dem Lande sorgen wolle. Durch der⸗ in Franzöͤsischen Blaͤtter haben neulich mit einer gewissen gleichen schoͤne Worte, die Herr Leon Faucher, selbst wenn er in Ostentation angezeigt, daß die Spanische Regierung um drei Mil⸗ der Kammer säͤße, nicht wuͤrde verwirklichen koͤnnen, werden sich lionen Franken Rimessen nach London uͤbermacht hat, um die am die Waͤhler schwerlich verlocken lassen. Unter den Journalisten, die 1. Juli faͤlligen ruͤckständigen Zinsen der auswaͤrtigen Schuld da⸗ als Kandidaten aufgetreten sind, haben vorzuͤglich drei die Wahr⸗ mit zu bezahlen. Die Nachrichten, welche wir heute aus London scheinlichkeit des Erfolges fuͤr sich, naͤmlich die Herren von Girar⸗ erhalten, lassen befuͤrchten, daß die Bezahlung dieser Interessen din, Haupt⸗Redacteur der Presse, Chambolle, Haupt⸗Redacteur nicht so leicht erfolgen duͤrfte, als man es vv. laubte. Es des Sieele, und St. Marc Girardin, einer der Redacteure des ist erstens unrichtig, daß das Haus Rothschild in London diese Journal des Débats. Finanz⸗Operation uͤbernommen hat, sondern das Haus Red⸗Irving Die Regierung hat im Moniteur und im Messager einige ist es, welches gegen eine Kommissions⸗Gebuͤhr, die man auf pCt. Vergleichungen uͤber verschiedene Punkte der materiellen Interessen angiebt, sich dazu verstanden hat, die von der Bank St. Fernando zwischen den Jahren 1839 und 1842 anstellen lassen. Daruͤber in Madrid ihr uͤbermachten Spanischen Bons an den Mann zu sind die Oppositionsblätter, und besonders die legitimistischen Zei⸗ tungen, sehr in Zorn gerathen, denn sie wollen es nun einmal, ungeachtet der deutlichsten Thatsachen, nicht Wort haben, daß Frankreich im materiellen Gedeihen fortschreite. Indeß steigt der Ertrag der indirekten Steuern fortwaͤhrend, der auswaͤrtige Han⸗ del nimmt zu, die Zahl der Manufakturen im Innern vermehrt sich, und unser Landbau entwickelt sich sichtbar. Dies Alles ist freilich nicht der Regierung zuzuschreiben, sondern hauptsaͤchlich dem Frieden und der Ruhe, welche jetzt herrschen, aber es ist doch nichtsdestoweniger da, und die Zeitungen moͤgen dagegen sagen, was sie wollen, die Thatsachen sind maͤchtiger als ihre Behaup⸗ tungen. Wenn das Ministerium sich weniger mit der Peo⸗ litik zu beschaͤftigen brauchte und mehr Neit fuͤr die Ver⸗ waltung behielte, wenn es mehr Ansehen und,. Haltung nach außen hin besaͤße, und wenn es unsere Huͤlfsquellen besser zu benutzen und die mißliche Lage unserer Finanzen besser zu beurtheilen verstaͤnde, so wuͤrde gewiß Alles in noch weit bluͤhen⸗ derem Zustande seyn. Aber der Opposition koͤmmt es wenig zu, in dieser Hinsicht die Konservativen mit Vorwuͤrfen zu uͤberhaͤu⸗ fen, denn sie war es, die, als sie die Macht in Haͤnden hatte, üͤberall Verwirrung anrichtete; sie war es, die die materiellen In-: FI E teressen vernachlaͤssigte, sie, die unseren Finanzen einen so schweren Großbritanien und Irland. Schlag versetzte und großentheils das Defizit herbeifuͤhrte. Wir London, 9. Juli. Nach langen Debatten ist endlich heute finden die Taktik des Ministeriums ganz vernuͤnftig, und es scheint fruͤh um 2 Uhr im Unter use der Antrag des Herrn Wallace, uns, daß dasselbe im Interesse seiner Erhaltung wohl berechtigt daß eine Adresse an die Koͤnigin gerichtet werden solle, um Ihre ist, die guͤnstigen Zuͤge seiner Verwaltung hervorzuheben. Die Majestaͤt zu ersuchen, das Parlament nicht eher zu prorogiren, Opposition ist aber eben nicht dieser Meinung. bis eine genaue Untersuchung uͤber die Ursachen der herrschenden Noth angestellt und ein wirksames Abhuͤlfemittel angenommen sey, mit 174 gegen 149, also nur mit der geringen Majoritaͤt von 25 Stimmen, verworfen worden. Zum Beweise, wie schlimm die hohen Steuern und die Mo⸗

Bekanntlich bewirbt sich Herr Leon Faucher, Haupt⸗Redac⸗ teur des Courrier français, um die Stimmen der Waͤhler von St. Valéry en Somme; er verspricht ihnen in seinem

daß die funfzehn Millionen Realen Staatspapiere, welche die Bank St. Fernando jetzt in Haͤnden hat, nichts anders als solche Bons sind, welche dem Amortisations⸗Fonds betruͤgerischerweise entzogen wurden, und die haͤtten vernichtet werden muͤssen. Darum stehen auf der Boͤrse von London die Spanischen Fonds, welche

gedruͤckten Werth keine Kaͤufer. Wie sich das Kabinet von Ma⸗

Diesen Abend wird in Neuilly Besten der Armen jener Gemeinde ein großes Vokal⸗ und nstrumental⸗Konzert gegeben werden, bei welchem der Klavierspieler Lißt unentgeltlich mitwirken wird. Die Koͤnigin, der Herzog von Orleans, die Herzogin von Nemours und die Prinzessin Clementine werden diesem Konzert beiwohnen.

Der beruͤhmte Componist Meyerbeer ist seit vorgestern nach

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einer zweijaͤhrigen Abwesenheit wieder hier eingetroffeu.

O Paris, 9. Juli. Ich komme so eben von einer Rundreise durch mehrere Wahl⸗Sectionen im ersten, zweiten und dritten Arrondissement von Paris zuruͤck. Ueberall herrscht die groͤßte Ordnung und eine wuͤrdige Haltung. Der Sonnabend, gewoͤhnlich nopole auf den Handel eingewirkt, fuͤhrt der Globe an, daß der so belebt und laͤrmend in unserer Hauptstadt, scheint heute ein wah⸗ Tonnengehalt saͤmmtlicher Vririschen Kauffahrteischiffe uͤber 50 Ton⸗ rer Feiertag zu seyn. Die Borse ist geschlossen, die Gerichte ru⸗ nen sich seit 1835 um 115,029 Tonnen vermindert, der Tonnen⸗ hen, die Arbeitsstuben der Staats⸗VBeamten sind verodet, selbst V gehalt der Nord⸗Amerikanischen Handelsschiffe dagegen um etwa die National⸗Garde ist drei Tage von ihrem Dienste enthoben 4100,000 vermehrt habe. worden, damit die Waͤhler ungestoͤrt ihr Wahlrecht ausuͤben Der bekannte Vauxhall⸗Garten wurde am Mittwoch nach moͤgen: Das Ergebniß unterliegt freilich keiner zuverläͤssigen Be⸗ ziemlich langer Schließung dem Publikum, das sich zahlreich ein⸗ rechnung. 8 gefunden hatte, wieder gedssnet. Die Unterhaltungen, welche die Es handelt sich heute lediglich darum, die Büͤreaus, welche Unternehmer angeordnet hatten, waren sehr mannigfach; bei dem die Stimmzettel der Wahlmaͤnner sammeln und den Namen großen Feuerwerke sprach besonders die Darstellung des Brandes

des gewaͤhlten Deputirten proklamiren sollen, zu ernennen. Jedes von Hamburg an. . 1I1n1nu“

Buͤreau besteht aus einem Praͤsidenten mit vier Secretairen oder Niederland v

Scrutateurs, wovon zwei die Stimmzettel den Wahlmaͤnnern ab⸗ eeeaaaaeh nehmen, waͤhrend die zwei anderen die erfolgte Abstimmung eines Aus dem Haag, 10. Juli. Die gestrige (nach dem jeden Waͤhlers zu Protokoll nehmen. Erst wenn dieses Böreau Journal de la Haye gegebene) Nachricht ist dahin zu berich⸗ heute gebildet wird, beginnen morgen dann die eigentlichen Deputirten⸗Wahlen, die deshalb um so lebhafter werden duͤrften, weil sie an einem Sonntag, wo die Waͤhler freier sind h 8 3 stattfinden. Wenn⸗ gleich Alles hoffen laͤßt, daß morgen die erwaͤhnten Wahlen ganz ruhig ablaufen werden, so hat dennoch die Regierung aus Vor⸗ sicht die Truppen fuͤr den morgenden Tag in ihren Kasernen kon⸗ signiren lassen. Die Maßregel ist lediglich gegen Ruhestoͤrungen gerichtet, die außerhalb des Wahl⸗Sitzungs⸗ aales von den poli⸗ tischen Factionen versucht werden koͤnnten, um die Waͤhler bei der bgebung ihres Votums einzuschuͤchtern. Auch hat die National⸗

Volk von dem Minister des Innern aufgefordert wird, Wilhelm von Oranien, dem Schweigsamen, gewidmet seyn soll. Es heißt in der gedachten Aufforderung: Nachdem die Regierung von dem zuerst durch einen beruͤhmten Gelehrten (Herrn Pape in Heusde) ausgesprochenen Wunsch (ein solches Denkmal endlich errichtet zu sehen) Kenntniß erhalten, und da sie denselben vollkom⸗ men theilte, hat sie sich zunaͤchst an das Koͤnigl. Niederlaͤndische Insti⸗ tut gewandt, welches einen Entwurf geliefert hat, auf den wir die Auf⸗ merksamkeit der Nation wohl nur zu richten brauchen, um uns ihrer all⸗ gemeinen Mitwirkung versichert zu halten. Auch ist die Ueberzeugung,

weit entfernt, zu irgend einem Huͤlfsmittel, um staͤrkere Theilnahme zu erwecken, ihre Zuflucht zu nehmen, vielmehr wuͤnscht, daß diese auch in dem Bereich der Mindervermöͤgenden bleibe. Es ist nicht ein bloßes Prunkdenkmal, um das es sich handelt, sondern es gilt vor Allem, ein nationales Zeichen der Dankbarkeit herzustellen, wie die Nachwelt sie Wilhelm dem Ersten schuldig ist. Dieser Zweck darf nicht aus dem Auge gelassen werden, denn er allein ist es, der Se. Majestaͤt bewegen konnte, zu gestatten, daß Theil⸗ nehmer zugelassen werden zu der Erfuͤllung einer Pflicht, die Hoͤchstdemselben, als durch doppelte Bande dazu verbunden, beson⸗ ders theuer ist. Der Geist des Hauses Nassau, uͤberall, wo es

betreffenden Wahl⸗Sectionen uͤbernommen.

Von unseren Ministern haben Herr Guizot und Herr Teste es rathsam gefunden, sich selbst an den Ort zu be eben, wo sie als Wahl⸗Kandidaten auftreten. Wenngleich Herr Guizot in Lisieux ganz sicherlich wieder zum Deputirten ernannt werden wird, so hat doch die Opposition, die den Herrn Berryer als Mitbewerber des Herrn Guizot auf das eifrigste unterstüͤtzt, so viele falsche Geruͤchte und Beschuldigungen gegen die Politik des gegenwaͤrti⸗ gen Kabinets den Waͤhlern von Listeux glaubhaft gemacht, daß der Minister der auswaͤrtigen Angelegenheiten nur mit einer unbedeu⸗ tenden Stimmen⸗Mehrheit erwaͤhlt werden duͤrfte, wenn es ihm nicht gelaͤnge, durch seine persoͤnliche Gegenwart die Um⸗ triebe seiner Gegner bei der morgen vorzunehmenden Wahl im Schach zu halten. Fuͤr einen Mann wie Herr Guizot waͤre die Ernennung zum Deputirten durch eine geringe Majoritaͤt so viel als eine Niederlage, indem die Opposition nicht ermangeln wuͤrde, ihm vorzuwerfen, daß, haͤtte er als Minister die Waͤhler gg nicht bestochen, er schwerlich den Sieg davon getragen

Im Ganzen scheinen die Legitimisten nicht wenig Chancen zu haben, viele Kandidaten der b e. selbst 8189e Kanut⸗ daten der Regierung, bei den begonnenen Wahlen zu ersetzen. 39 vep. nicht etwa jene verkappten Legitimisten, deren Organ 8 n. 8. France ist, sondern jene vernuͤnftigen Glieder

er alten Aristokratie, welche, von der Unmoͤglichkeit einer Restau⸗

anzuschließen, hat auch hier sich offenbart.“

Deutsche Bundesstaaten.

Meißen, 12. Juli. Der Besuch unserer alten merk⸗ wuͤrdigen Stadt, im schoͤnsten Theile des Elbthales, das sich dort zu romantischer Enge zusammendraͤngt, gelegen, hat v* durch die eine volle Stunde von ihr entfernt voruͤbergehende Eisenbahn, die den Fremden magnetisch nach einer der Hauptstaͤdte zieht, un⸗ —2 verloren. 18 wer KF be hat, 484 mit Vergnuͤgen seines malerischen losses und des herrlichen Domes. sten Gothischen Bau⸗Denkmaͤler denn 6 g. 1 ine Ausfuͤhrung in jetziger alt vLe. durch ihre Unthäͤtigkeit den tobenden Li⸗ 1 ue. 1 J.n er schöne Bkezude vnen chische Prirai . 43 sind, man muͤsse das monar⸗ spaͤter durch verschiedene Neu⸗ und Anbaue nach und nach seine niche 2, 8ee der Jako⸗ sabih⸗ Gestalt und vielleicht im Jahre 1428 seine Vollendung. eigenen Sicherheit halber, Seaheibigeis . willen, doch um der llein das Schicksal hatte sich gegen eine Erhaltung in dieser Marquis von St. Priest und andere d Herzog von Valmy, der Vollendung verschworen. Die drei Thuͤrme, in welche der soge⸗ bilitaͤten wissen nur zu saezef der Hund een. 58 g b Eb. uͤber dem 12 sich 2 Republikanern ein Mißgriff ist und bleidt; de enoude mit den ebende Thurm auslief, warf im Jahre 1413 sammt den arau Revolution in Frankreich ausbrechen, so 88 haͤngenden sieben Glocken ein Sturmwind herab. Zwar wurden zaiti 1 n sie um 1479 von Bischof Johann von Weißbach wiederhergestellt, Legitimisten die ersten, denen die Radikalen den Garaus machen allein, vom Geschick d Unter iht urden sie am daß es unter den so verleumdeten Legitimisten, die als das einge: sirahl 89 traf raerg zerstoͤrt, in * e e i. fleischte retrograde System dargestellt werden, Maͤnner giebt, wesche wied 7 veeeehese. die Freiheit und den moaralischen Fortschritt besser verstehen und v2. ü ere 4. 8u2 e. aufrichtiger lieben, als die sogenannten Liberalen, die immer das Volkswitz wegen seiver Achnlichkeit hüree Leenn. ne eth⸗ Wort Freiheit im Munde fuͤhren. Gerade diese gemäßigten Legi⸗ schafts⸗Gebaͤude den Namen des Scha 3 ve. 2 gen timisten werden mit der Zeit, wenn die neue Dynastie es geschickt laͤngst war es daher der Wunsch aller Freunde z anzulegen versteht, die sicherste Stauͤtze der Juli⸗Regierung werden. und aller Bewunderer unseres schoͤnen Domes, diesen ihn entstellenden Die Herren Lamartine, Marquis de Labourdonaye, Marquis de Bau einmal wieder beseitigt und die chemalige Gestalt des breiten Lagrange, Denis u. s. w., die als legitimistische Kandidaten zuerst] Thurmes wiederhergestellt oder wenigstens angemessen ersetzt zu sehen

dringen. Die Englischen Kapitalisten, welche nur zu gut wissen, wie die Spanischen Finanzen bestellt sind, wollen aber diese neu ausgegebenen Bons nicht kaufen, denn sie befuͤrchten mit Recht,

die Regierung von Madrid der Bank von St. Fernando um 88 pCt. veraͤußerte, nur auf 30 pCt., und finden selbst um diesen

großen Ehre drid aus dieser Finanz⸗Klemme ziehen wird, ist schwer zu begreifen. 8

tigen, daß das Denkmal, zu dessen Errichtung das Niederlaͤndische

dem gemeinschaftlichen Ruhm gilt, sich der Niederlaͤndischen Nation

Der Dom von Meisßen ist bekanntlich eines der aͤlte⸗ 1 1 wooelle, wie sehr man ihn verehre, zumal man wußte, daß auch sein erlauchter Vater am naͤchsten Tage dort eintreffen werde, um dem

Diesem Wunsche zu entsprechen, hat sich nun Pnt endlich das reiche Kapitel unseres Domstiftes entschlossen. er sogenannte Schafstall ist bereits abgetragen, und es soll eine wuͤrdige Her⸗ stellung des breiten Thurmes erfolgen. Der Wiederaufbau der ihn ehemals schmuͤckenden drei Thaͤrme ist, freilich als zu kostspie⸗ lig, leider abgelehnt worden. Statt dessen soll das Plateau des breiten Thurmes mit Asphalt gedeckt und mit einer im Gothi⸗ schen Geschmacke, dem bekannten hoͤckerigen Thurme des Domes entsprechend, ausgefuͤhrten, mit thurmartigen Verzierungen se⸗ schmuͤckten Gallerie umgeben werden. Die Ausfuͤhrung dieses Baues, dessen Anschlag auf 7000 Rthlr. gemacht ist, wird nicht nur durch einen ungestoͤrteren Genuß beim Anblick unseres scho⸗ nen Domes, sondern auch durch Gewinnung eines der reigendsten

Um⸗ und Fernsichtspunkte belohnt werden, weshalb wir ihm den gedeihlichsten Fortgang und baldige Vollendung wuͤnschen.

—— 12. Juli. Mit dem Befinden des an den Ma⸗ 1 b

sern erkrankten oßherzogs hat es sich so gebessert, daß heute keine Buͤlletins mehr ausgelegt werden.

Unter Protection der Herzogin Louise ist hier bald nach dem Hamburger Brand⸗Ungluͤcke ein Frauen⸗Verein zusammengetreten, der sich die Aufgabe stellte, zum Besten der durch die Feuersbrunst Verarmten Handarbeiten anzufertigen, welche zu dem genannten

mildthaͤtigen Zwecke auf einer dffentlichen Versteigerung veraͤußert

werden sollten. Unsere Damenwelt hat nun auch bei dieser Ge⸗ legenheit eine lobenswerthe Thaͤtigkeit entwickelt, und dadurch einen Wohlthaͤtigkeitssinn an den Tag gelegt, der ihr zur gereicht. Es sind Gaben, und zum großten

heile sehr werthvolle, eingegangen, welche nach dem gedruck⸗ ten Verzeichnisse uͤber 600 Nummern ergeben. Darunter befin⸗ den sich die allerniedlichsten Gegenstaäͤnde, Artikel des Luxus und der Mode, elegante und reichgestickte Fußdecken, Ruͤcken⸗ kissen, Oreillers, Geldboͤrsen, Blocenzüge und eine Menge Gaͤchel⸗ chen, die sich durch ihre Zierlichkeit und Schoͤnheit auszeichnen. Auch einige Gemaͤlde wurden unter den vielen geschmackvollen Arbeiten erblickt. Alle diese anmuthigen Spenden waren am 30sten v. M. und 1sten d. M. im Konzertsaale des Großherzogl. Schauspielhauses ausgestellt, und ein zahlreiches Publikum fand sich gegen Erlegung einer Entrée von 4 Sch. ein, um die aller⸗ liebsten Sachen in Augenschein zu nehmen. Die Versleigerung selbst wurde Sonnabend, den 2ten und am 4ten d. vorgenommen. Es sind namentlich am ersten Tage sehr hohe Preise gezahlt wor⸗ den, wie sich denn uͤberhaupt bei der ganzen Veraͤußerung der mildthaͤtigste Sinn der Kaͤufer kundgab. Unter den zum Verkauf ebrachten Arbeiten, von welchen die Namen der Geberinnen dem Verzeichnisse beigefüͤgt sind, waren auch Gaben von der Koͤnigin von Preußen, der Großherzogin, der Herzogin Louise, der Herzo⸗ gin Marie von Altenburg, und anderen hochgestellten Damen ein⸗ geliefert. Die Summe des Ertrages belaͤuft sich dem Vernehmen nach auf 3000 Rthlr. Se. Koͤnigl. Hoheit der Großherzog, wel⸗ cher am 24sten v. M. von Wismar hier wieder eingetroffen ist, befand sich ebenfalls unter der Zahl der Kaͤufer. Es braucht wohl nicht erst versichert zu werden, daß die Auction, welche in dem Saale der Ausstellung Statt hatte, in vielfacher Beziehung das groͤßte Interesse hot, da sie von Personen aus allen Staͤn⸗ den besucht war, vorzuͤglich aber die schoͤnste Bluͤthe der Damen⸗ welt versammelte.

Neu⸗Strelitz, 12. 8 Seit einigen Tagen befindet sich Se. Konigl. Hoheit der Kronprinz von Hannover zum Besuch bei der Großherzoglichen Familie in hiesiger Residenz.

Oesterreich. 4

Triest, 2. Juli. (Oest. Lloyd.) Um dem hiesigen Pu⸗ blikum Gelegenheit zu geben, die im Hafen von Pirano vor An⸗ ker liegende, von Sr. Kaiserl. Hoheit, Erzherzog Friedrich beseh⸗ ligte neue Fregatte „Bellona“ in Augenschein zu nehmen, ging das Dampfboot des Oesterreichischen LAoyd: „Arciduchessa Sofia“, am 29-sten Morgens von Triest mit einer gewaͤhlten, zahlreichen Ge⸗ sellschaft dahin ab. Nachdem das Dampfboot die Höhe von Pi⸗ rano gewonnen hatte, zeigte sich den uͤberraschten Blicken das herrliche Gebaͤude der Fregatte, das sich schon von außen als eine Zierde unserer Kriegeflotte ankuͤndigte und an Schoͤnheit der Form

1 kaum von irgend einem aͤhnlichen Fahrzeuge üͤberboten werden

Garde freiwillig die Wache waͤhrend der Wahl⸗Sitzungen der welche die Regierung in diesem Punkte hegt, so groß, daß sie, 8 2— 7 G

schaft begruͤßte den von seinen Offizieren umgebenen Er h e

regatte und die Gesell⸗ erzog, e

duͤrfte. Das Dampfboot umkreiste die 7 der die Kommenden mit den freundlichsten Gegengruͤßen 5 Nachmittag gestattete man den Fremden den Zutritt am ord der Fregatte; ihr Anblick ist imposant, Alles schimmert und glänzt, und wenn nicht die großartigen Dimensionen das maͤch⸗ tige Haus der Kriegesgoͤttin verkuͤndeten, wuͤrde man eines jener schmucken Schiffsmodelle zu erblicken glauben, wie sie die Saͤle der Marine⸗Schulen in England und Frankreich schmuͤk⸗ ken. Die große Kajäͤte ist so prunklos als geschmackvoll ausge⸗ stattet und schmeichelt dem Auge, das im heiteren Farbenwechsel von Weiß und Blau gern auf dem schoͤnen Bilde Sr. Kaiserl. Hoheit des Erzherzogs Karl ruht, das die Mitte des Raumes, wie jenes der Kriegesgöttin Bellona im slasgenschmuece aus den Wogen tauchend, den einfach geschmackvollen peise saal ziert. Bei dem Anblick dieser mit 52 Feuerschluͤnden, 20 Offizieren und 300 Mann ausgeruͤsteten schwimmenden Festung, die sich jetzt ruhig auf glatten Wogen wiegte, draͤngte sich jedem Betrachtenden der Wunsch auf, daß Himmel und Meer ihr immer so friedlich und freundlich bleiben möͤgen, wie gestern, auf daß sie ihren erlauchten Fuͤhrer,

den jugendlichen Helden von Saida von fernen fremden Gestaden

In Pirano

elbst verkuͤndeten allenthalben Guirlanden, Festons, Leuchtbaͤlle und

8* wieder an die heimischen Ufer zuruͤckfuͤhre. festliche Vorrichtungen, daß man dem scheidenden Prinzen zeigen

geliebten Sohne Lebewohl zu sagen. Se. Kaiserliche Hoheit Erz⸗ herzog Karl ist auch, am 29sten von Wien kommend, am 30sten Morgens mit dem Dampetoot nach Pirano abgegangen und Abends, nachdem die Ankerz der Fregatte gelichtet waren, von

dort zuruͤckgekehrt und wird sich morgen mit seiner Familie nach

Venedig begeben und am 4ten von hier nach Wien zuruͤckreisen.

Schweiz.

Bern, 4. ZJuli. d . Nach dem fuͤr beide Konfessionen uüͤblichen Gottesdienst versammel⸗

ten sich saͤmmtliche Gesandtschaften auf der Stift, vor welcher eine Hier fanden

Compagnie Infanterie in Parade aufgestellt war. sich ebenfalls der eidgendͤssische Kriegsrath und die in Bern woh⸗

nenden Stabs⸗Offiziere des Kantons. Der Zug 529; sich in die Militair aufge⸗

ellt war und mit Musik empfangen wurde. Die Handlung im alleluja von T. begonnen. Der Tscharner von Bern,

heilige Geistkirche, wo wieder Stadt⸗ und Linien

empel wurde mit dem Praͤsident des Vororts, Herr⸗ Schulthe eröͤffnete die Tagsatzung mit einer Anrede, worin er die zu behan

inden Geschaͤfte so wie die Ereignisse seit der leßten Tagsatzung

liche Abgeordnete de

der Versam

es meister. hat ier be teien standen dicht bei einander, als wir Pistolenschuͤsse hoͤrten und

bei dem Gesan

(Eroͤffnung der ordentlichen Tagsatzung.) .

n b kurz anzeigte, den Wunsch aus Versassungs⸗Revisionen u. s. w. . 1 die düsionea egcgenheit, die Klöster des Aargaus be⸗ 2 igung erhalte, und der freundschaftlichen

Erledig t 3 elanhh e ac 21 Ausland erwähnte. Hierauf leisteten saͤmmt⸗

5 vorgeschriebenen Eid und begaben sich in den Situngssaal, wo die Geschäfte mit der Pruͤfung der Kreditive

8 Se e 1 begonnen wurden. 298 Afghanistan.

Aussage des Iman Utlla Chan uͤber die Er⸗ s 8 vHert schen Gesandten, Sir W. Mac Naghten, lau⸗

n: tet sosgendewmshace. Nachmittag⸗ erhielt der Gesandte eine Bot⸗

5 n 2 un Weah⸗ Chan; derselbe wuͤnschte außerhalb des Lagers mit

schaft vonnnterredung zu haben. Bei dieser Gelegenheit war aber

nelungsplat verschieden von dem disherigen. Er war

suͤdlich vom Lager zwi chen demselben und der Stadt. Die Entfer⸗

nung betrug anen eiden, wenn sie

lintenschuß, hinreichend, um die Leute zu unter⸗

anden, aber nicht wenn sie saßen. Ich und

bn⸗ Andere saßen oben auf dem Thor und bewachten den Gesand⸗

ten, als er nach dem Unterredungs⸗Orte ging, und auch die Engli schen Offztere folgten den Bewegungen desselben und seiner Beglei⸗ mit sören Fernglaäsern. Sir W. Mac Naghten war von den

anischen Reitern, 2 Ordonnanzen, einem Stallmetster und seinem

8 venctatnen Trevor, Lawrence und Mackenzie, einem Defterdar, 8 Af⸗ b

Bedienten begleitet. Als er etwa 200 Schritt von Akbar Chan war, ließ er die Soldaten halten, 100 Pards weiter die Ordonnanzen, und

ingen mit ihm nur die drei Herren, der Bediente und der Stall⸗ Akbar Chan hatte etwa 15 Reiter hei sich. Die heiden Par⸗

die Afghanen zur Stadt eilen sahen. Die Reiter und Sipoys, welche

Vien waren, liefen ins Lager zuruͤck, sie konnten aber nichts weiter berichten, als daß der Gesandte weggetragen worden sey. Dschan Fischan Chan, Pegmani, welcher im Lager war, schickte einen von seinen Leuten, um zu sehen, was vorgefallen sey. Dieser kehrte zurück und sagte, daß er nur die Leichname des Stallmeisters und des Bedienten auf dem Schnee liegen saͤhe; weiter erfuhr man in der Racht nichts. Im Lager herrschte natuürlich die groͤßte Auf regung und Hesrsung. Auch den folgenden Tag erfuhr man nichts Gewisses. Niemand wagte sich heraus.

„Am dritten Morgen kamen zwei Briefe von meinem Herrn, ei⸗ ner an Lady Sale, der andere an den Obersten Pottinger, mit einer Nachricht, wie Sir William und Capitain Trevor ermordet waren. In derselden Nacht erhielt ich von meinem Herrn (dem Lieutenant Co⸗ nolly, der als Geisel bei Simon Chan in Kabul sich befand) den Befehl, zu ihm zu kommen und ihm einige Sachen zu bringen. Ich sang in Begleitung einiger Diener Simon Chan's. Darauf blieb ich bei meinem Herrn etwa 10 Tage, und mein Herr erzaͤhlte mir alle Umstäͤnde von Sir William's Ermordung, wie er sie von den Afghanen achort barte. Unmittelbar bei der Erdffnung der Konferen bat Akbar Chan Sir W. Mac Naabten, ihm zu sagen, wann er Kabul verlassen wolle. Sir W. sagte: „„Nicht an 4*⁴ Freitage, sondern an einem der folgen⸗ den.“ Arvar Chan beschuldigte ihn bierauf des Doppelsinns und Treu⸗ druchs, packte ihn ungestuͤm bei der Hand und sagte ihm, er solle ihn nach der Stadt begleiten. Sir W. blich ruhig, Capitain Trevor aber machte Akbar Chan Vorstellungen, und fragte ihn, was er mit solcher Insolenz gegen den Gesandten beabsichtigte. Hierauf zog Albar Chan ein Pistol aus seinem Guͤrtel (man jaubt, es war eine der doppellaufigen, welche der Gesandte ihm einige Tage vorher ge schenkt hatte) und schoß beide Laͤufe auf Sir W. Mae Naghten ab, der auf der Stelle todt blieb. Capitain Trevor hatte Pistolen bei sich und versuchte es, sie auf Akbar Chan abzudruͤcken, sie versagten aber weimal. Er wurde von Akbar Chan’s Reitern erschossen, der Be⸗ jente und der Stallknecht ebenfalls. Die uüͤbrigen Herren wurden gebunden und nach der Stadt gefuͤhrt. Dem Gesandten schnitt man den Kopf ad und schickte denselben nach Stmon Chan's Hause, wo mein Herr ihn sah. Der Kodrper blieb auf dem Basar. Es ist nicht wahr, daß der Kopf in der Stadt umhergetragen wurde, wie gemeiniglich berichtet wird. Mein Herr suchte Simon Chan zu be wegen, ihm den Leichnam auszuliefern, um ihn zu bestatten; dieser verweigerte es aber.“

Ueber den Abschluß der Unterhandlungen wegen Abzuges des Heeres sagte dieser Bericht:

„Um diese Zeit wurden die Bedingungen des Vertrags in Be⸗ tref der Raäͤumung des Landes und des sicheren Gelcits der Truppen nach Peschauer endlich abgeschlossen. Die von Sir W. Mac Naghten abgeschlossenen Srigiwat Bedim ungen sollen darin bestanden haben, daß man bei der gluͤcklichen Ankunft der Truppen in Peschauer 14 Lak Rupien bezahlen wolle. Es wurden s8 Wechsel zu diesem Belaufe auf Indien gezogen und von Pokar, einem bekannten Banquier in Schikarpur und anderen zu Kabul wohnenden Kaufleuten aus Schi⸗ karpur unter der Bedingung angenommen, daß die Bestimmungen des Vertrages treu erfuͤllt wuͤrden. Rach dem Tode des Gesandten wurden, so weit ich in Erfahrung bringen konnte, die Unterhand⸗ lungen auf dieselben Bedingungen von ajor Pottinger, als erster volitischer Behoͤrde fortgesetzt, und es wurde entschieden, daß das Heer am 6. Januar seinen Marsch antreten sollte. Die Britischer Seits Geiseln waren mein Herr, Lieutenant Airey, Lieute nant Warburton, Capitain Drummond, Lieutenant Walsh und noch einer, dessen Namen ich nicht weiß (Lieutenant Webb). Die Geisel Afghanischer Seits war Nassir Ullah Chan, Bruder des Mohammed Simon Chan. Ich muß hier erwaͤhnen, daß die Capitaine Lawrence und Mackenzie nach dem Tode des Gesandten ergriffen wurden und in Akbar Chan’'s Hause als Gefangene blicben. Als endlich die Schluß bedingungen verabredet waren und der Tag des Abmarsches festgesetzt, ging Emin Ulla Chan (Logherri) zu Akbar Chan, nahm diese Her ren weg und schickte sie ins Lager. Das aͤrgerte Akbar Chan, der sich dadurch beschimpft und von beiden Parteien gering geschaͤtzt glaubte. Man vermuthet, daß diese uͤble Laune vielen Einfluß auf sein spaͤteres Benehmen gegen⸗ die Armee hattce. Am 6ten ruckten die Truppen aus dem Lager. Von den Damen wurden einige in Palankins getragen, einige ritten zu Pferde, und eine oder zwei mit ihren Kindern auf Kameeclen. Die ganze Zahl derer, welche auszogen, wurde auf 22,000 angeschlagen. Die Zahl derer, welche Rationen erhielten, betrug 18,000. Außerdem waren noch ungefahr 4000 Personen aller Art, z. B. Kraͤmer und derglei chen, mit dabei, welche 9₰ nicht regelmaͤßig zur Armee gehoͤrten, sich ihr aber bei der Ruͤckkehr nach Hindostan anschlossen.“

Die Londoner Blaͤtter enthalten einen Brief von einem der politischen Agenten der Britischen Regierung, welcher aus Peschauer geschrieben ist und uͤber die schon erwaͤhnten Unterhandlungen we⸗ gen Auslieferung der in den Haͤnden der Afghanen befindlichen gefangenen Engländer Folgendes meldet: „Capitain Mac Kenzie, einer der Gefangenen, ist am 25. April in Dschellalabad angekom⸗ men, um Vorschlaͤge wegen der Freilassung der Gefangenen zu machen, und ist am 28sten zu Mahomed Akbar Than zuruͤckgekehrt, mit dem Vorschlage des Generals Pollock, den Gildschi⸗Haͤupt⸗ lingen, in deren Forts die Gefangenen sich befinden, den Besitz ihrer Guͤter und Vorrechte garantiren und außerdem 2 Laks Ru⸗ pien Pßen zu wollen, sobald die Gefangenen bei uns im Lager von Dschellalabad eintreffen.“

Bemerkungen in Bezug auf die sittlichen und ge⸗ werblichen Verhaältnisse der Iuden im Preußischen Staate.

Der in Nr. 141 und 142 der Allgemeinen Preußischen Staatszeitung vom 23. und 24. ai d. J. enthaltene Aufsatz uͤber die Anzahl und Vertheilung der Juden im Preußischen Staate hat die Frage veranlaßt: Ob auf den Grund aͤmtlicher

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837 Aufnahmen auch Zahlen anzugeben waͤren, wodurch eine Uebersicht der sittlichen und gewerblichen Verhäͤltnisse der Juden ebenso zu begruͤnden waͤren, wie der vorbezeichnete Aufsatz eine Uebersicht der Vermehrung der Juden seit 1822 und ihre Vertheilung in Gemeinden am Ende des Jahres 1840 ergiebt? Es ist schon viel⸗ faͤltig von dem Verfasser dieses Aufsatzes daran erinnert worden, wie hoͤchst unsicher Schluͤsse auf sittliche Verhaͤltnisse aus blossen Zahlenangaben bleiben, und auch in gewerblicher Beziehung bedarf es großer Vorsicht bei Begruͤndung von Urtheilen auf solche. Ueberdies sind in den Sammlungen des statistischen Buͤreaus zu Berlin nur wenig Nachrichten vorhanden, welche zur Begruͤndung von Urtheilen uͤber die sittlichen und gewerblichen Verhaͤltnisse der Juden dienen koͤnnten. Die nachstehenden Bemerkungen sind da⸗ 2 auch nicht bestimmt, Urtheile daruͤber aufzustellen, sondern nur eißverständnißen vorzubeugen, welche die Behandlung dieses Ge⸗ genstandes erschweren, und der Unbefangenheit stoͤrend entgegen⸗ treten, die hier besonders unentbehrlich ist. Bereits im Jahre 1781, also vor jetzt mehr als sechszig, Jah⸗ ren, erschien im Verlage der Nicolaischen Buchhandlung zu Berlin die Schrift „Ueber die buͤrgerliche Verbesserung der Juden“. Dohm war, als er sie schrieb, erst dreizig Jahre alt, aber doch schon als Schriftsteller bekannt und geachtet. Er geht von der geschichtlichen Darstellung aus, wonaͤch die Juden, so 225 sie noch einen eigenen selbststaͤndigen Staat bildeten, ein ak⸗ kerbautreibendes Volk waren, daß sie nachmals zerstreut, nament⸗ lich auch in dem weiten Roͤmerreiche nuͤtzliche Buͤrger desselben in manigfachen Lebensverhaͤltnissen waren; daß nur erst unter dem Kaiser Theodosius Beschraͤnkungen ihrer buͤrgerlichen Freiheit ein⸗ traten, welche sich in den folgenden dogrundigeen bis zu grausa⸗ men Verfolgungen ausdehnten, und daß in Folge des Druckes und der Erniedrigung, welche sie dulden mußten, ihr sittlicher Zustand herabgewuͤrdigt und verderbt worden sei, und ihre gewerbliche Thaͤ⸗ tigkeit eine zum Theil gemeinschaͤdliche Richtung erhalten habe. Eine gruͤndliche Verbesserung ihrer sittlichen und gewerblichen Ver⸗ haͤltnisse wird hiernach zunaͤchst bedingt durch gaͤnzliches Ab⸗ stellen der Behandlung, welche die bezeichnete Verschlimmerung derselben erzeugte und fortdauernd unterhielt. Hiermit sollen nach Dohm's Ansichten noch besondere Huͤlfsmittel verbunden werden, um die nachtheiligen Einfluͤsse jener herabwuͤrdigenden Behand⸗ lung schneller und sicherer zu vertilgen, als es bei mehr als tau⸗ sendjaͤhriger Verwoͤhnung außerdem zu hoffen sein duͤrste. Er lei⸗ tet seine hierauf gerichteten Antraͤge mit einer Aeußerung ein, welche hier woͤrtlich zu wiederholen, um so weniger uͤberfluͤssig er⸗ v. als sie auch noch jetzt zeitgemaͤß und maaßgebend fuͤr die ffentliche Verhandlung dieses Gegenstandes sein duͤrfte. „Mit der Bescheidenheit sagt er Seite 109 ohne die ein Privatmann seine Gedanken uͤber offentliche Angelegenheiten nie sagen sollte, und mit der sichern Ueberzeugung, daß allgemeine Vorschlaͤge alle⸗ mal in jedem Staate nach dem besondern Lokal bestimmt werden müͤssen, wenn sie nuͤtzlich angewandt werden sollen, wage ich es, um nach dem bisher Gesagten jetzt noch genauer meine . deen anzugeben, wie die Juden gluͤcklichere und bessere Glieder der buͤr⸗ gerlichen Gesellschaften werden koͤnnten.“ Dohm fuͤhrt nun bis Seite 127 die neun Bedingungen aus, deren Erfuͤllung zur Er⸗ reichung des vorstehend bezeichneten Zweckes nach seiner Ansicht erfordert wird. Sie bestehen wesentlich, neben voͤlliger Gleichstel⸗ lung in allen buͤrgerlichen Rechten und Pflichten, in beson⸗ dern Veranstaltungen, die Juden zur Erlernung und eigen⸗ haͤndigen Betriebe von Handwerkerarbeiten zu veranlassen, welche so weit ausgedehnt werden, daß juͤdische Vaͤter verpflich⸗ tet sein sollen, von mehren Soͤhnen wenigstens einen dem Handwerkerstande zu widmen; serner in Beschraͤnkungen der Handel treibenden Juden in so weit, daß nur eine be⸗ stimmte Zahl derselben an einem Orte wohnen duͤrfte; endlich in einer besondern Aufsicht uͤber den Unterricht in den juͤdischen Schulen und in den Synagogen. In Bezug auf die Zulassung zu Staatsaͤmtern sagt Dohm Seite 118 woͤrtlich Folgendes: „Allerdings, scheint es, wuͤrde man billig den Juden, wenn sie alle Rechte der Buͤrger genießen sollten, auch nicht verwehren koͤnnen, sich um die Ehre, dem Staate zu dienen, zu bewerben, und falls ihre Anspruͤche durch Faͤhigkeit unterstuͤtzt wuͤrden, auch zu dem⸗ selben zuzulassen. Indeß glaube ich, daß bei den naͤchsten Gene⸗ rationen sich diese Faͤhigkeit noch nicht so haͤusig zeigen, und daß dem Staate auch nicht so sehr daran gelegen seyn duͤrfte, sie bei ihm zu entwickeln. In den meisten Landen ist gar kein Mangel an geschickten Bedienten, und ohne Zuthun der Regierung sind deren noch immer genug, welche zu offentlichen Aemtern sich faͤhig zu machen bemuͤhn. 3. einer Art derselben wird Gelehrsamkeit und fruͤh erworbene Kenntniß erfordert, die in der jetzigen 4 woͤhnlichen Erziehung des Juden schwerer erworben werden. Zu andern gehoͤrt eine gewisse Entfernung von allem Verdacht der aus Gewinnsucht enkstehenden Vergehungen, die bei den jetzigen und naͤchst kuͤnftigen Juden auch nicht immer stattfinden duͤrfte. Der noch zu enszaatsche Geist der meisten Juden wird besser durch starke koͤrperliche Arbeiten, als durch die stillsitzende des of⸗ fentlichen Bedienten gebrochen werden; und fuͤr den Staat, wie fuͤr ihn selbst, wird es in den meisten Faͤllen besser sein, wenn der Zude mehr in der Werkstaͤtte und hinter dem Pfluge, als in den anzeleien arbeitet. Der beste Mittelweg wuͤrde vermuthlich sein, wenn man die Juden, ohne sie zu ermuntern, auch nicht abhielte, die Kenntnisse, die zum Dienst des Staates leiten, sich zu erwer⸗ ben, und wenn man sie in den Faͤllen, da sie sich vorzuͤglich faͤhig bewiesen, auch gebrauchte, waͤre es auch nur, um dem ohne Zwei⸗ fel noch lange herrschenden Vorurtheil entgegen zu⸗ arbeiten. In⸗ deß wuͤrde die gerechte Unparteilichkeit auch fordern, daß, wenn ein Jude mit einem gleich geschickten Christen sich zeigte, dieser einen Vorzug vor jenem verdiente. Dies scheint ein ganz billiges Recht der zahlreichern Nation zu fein wenigstens bis dahin, daß die Juden durch weisere Behandlung zu voͤllig⸗ gleichen Buͤr⸗ * umgeschaffen, und alle Unterscheidungen abgeschliffen sein werden.“

Es bedurfte einer woͤrtlichen Einschaltung dieser ganzen Stelle der Dohmschen Schrift, um klar darzustellen, was der Verfasser derselben eigentlich wollte. Die große Mehrheit der Urtheilsfaͤhigen bevorwortet auch jetzt keine unbedingte Ausschließung der Juden von Staatsaͤmtern, sondern nur Bedingungen bei der Zulassung be denselben, welche sogar in den meisten Beziehungen ehrenhafter egruͤndet, und milder aufgestellt seyn duͤrften, als es dem Ver⸗ fasser jener Schrift, so sehr er sich auch als Freund der Juden⸗ schaft zeigt, damals noch erforderlich schien. Nur Wenige der Zeitgenossen koͤnnen noch aus eigener Anschauung einen Begriff von dem Eindrucke haben, welchen die Dohmsche Schrift hervor⸗ brachte. Eine zweite Auflage derselben ward schon im Jahre 1783 nothwendig, und Dohm fuͤgte derselben einen zweiten Theil bei, welcher wesentlich aus Rechtfertigungen der im ersten Theile dar⸗ gestellten Meinungen gegen Einwuͤrfe besteht, die jetzt fast durch⸗ aus keiner Widerlegung mehr beduͤrfen.

Sechszehn Jahre späͤter, naͤmlich im Jahre 1799, erschien das bereits in dem oben bezeichneten Aufsatze angefuͤhrte Send⸗

schreiben einiger Hausvpaͤter juͤdischer Religion an den Probst

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ward das gleiche Vertrauen jedoch nicht bezeigt. Sie konnten zwar im Staate verbleiben, wenn ihnen der Aufenthalt darin durch

Teller. Die Verfasser desselben, selbst geachtete Mitglieder der Judengemeinde, gehen von einer Ansicht aus, welche sich sehr we⸗ sentlich von der Grundidee des Herrn von Dohm unterscheidet. Sie verkennen zwar ebenfalls nicht, daß der Druck und die Er⸗ niedrigung, worin die Juden seit einer langen Reihe von Jahren im christlichen Europa lebten, sehr nachtheilig auf ihre Lebensan⸗ sichten, auf die Ausbildung ihrer natuͤrlichen Anlagen, und auf die Wahl ihrer Beschaͤftigungen gewirkt habe; aber sie weisen gan bestimmt den Verdacht zuruͤck, daß eine sittliche Herabwuͤrdigung der Juden daraus hervorgegangen sei, und behaupten vielmehr daß die Verbrechen und Vergehen, wozu Gewinnsucht verleitet bei den Juden nicht haͤufiger vorkaͤmen, als unter der gleichen An ahl Christen, welche sich von eben den Gewerben naͤhrten ee . Juden sich bisher beschraͤnkt sahen. Aber diese Beschränkun segt nach ihrer Ansicht nicht allein in den Anordnungen der chri⸗ 4 lichen Regierungen, sondern einem sehr großen Theile nach 8. 2 8 fortdauernden Beobachtung von Gebraͤuchen, worauf f Jaden mit religidser Gewissenhaftigkeit bisher streng beharrten sie keinesweges dem Kern ihrer Religion angehdren, und als gaͤnz⸗ lich unpassend fuͤr ihre gegenwaͤrtigen Verhaͤltnisse laͤngst haͤtten aufgegeben werden sollen. Da diese Gebraͤuche einen sehr be⸗ stimmten und entscheidenden Einfluß auf die buͤrgerlichen Ver⸗ häͤltnisse der Juden haben; so haͤngt eine Verbesserung derselben nach der Ansicht der Verfasser dieses Sendschreibens auch nicht bloß von Anordnungen der Regierungen ab, sondern auch sehr we⸗ sentlich von einer Veraͤnderung in den religidsen Ueberzeugungen der Judenschaft.

Das Schwanken zwischen diesen beiden, fast entgegengesetzten Ansichten verzögerte wohl hauptsaͤchlich entscheidende Anordnungen uͤber den Zustand der Juden im Preußischen Staate bis zum Jahre 1812, wo das Edikt, betreffend die buͤrgerlichen Verhaͤltnisse der Juden, am 11. Maͤrz erlassen wurde. Nach der am Ende des Jahres 1811 aufgenommenen statistischen Ta⸗ belle befanden sich damals im Preußischen Staate, nach der Be⸗ grenzung, worauf der Frieden zu Tilsit ihn beschraͤnkt hatte, 6136 privilegirte oder geschuͤtzte Judenfamilien, welche 29,538 Personen enthielten. Außerdem lebten im Staate noch 3079 Juden, als bloß geduldete Fremde. Nur den Erstern allein bewilligte das bezeichnete Edikt das Staatsbuͤrgerrecht unter der Bedingung, daß sie Familiennamen annehmen, bei der Fuͤhrung ihrer Han⸗ delsbuͤcher und schriftlichen Willenserklaͤrungen sich nur einer le⸗ benden Sprache bedienen, und zur Unterzeichnung ihres Namens nur deutsche oder lateinische Schriftzuͤge gebrauchen sollten. Ihre Gleichstellung in Rechten und Pflichten mit den christlichen Staats⸗ buͤrgern erlitt nur allein Ausnahmen, welche sich auf ihre religid⸗ sen Vorstellungen und Verhaͤltnisse beziehen. Hierher gehoͤrt nicht allein, was wegen Praͤsentation von Wechseln an Sabbathen und Feiertagen, Erfordern von Zeugnissen in Kriminalfaͤllen, Ablei⸗ stung von Eiden, Schließen und Trennen der Ehen verordnet wird sondern auch der Vorbehalt von Bestimmungen, wie die wegen der Militaͤrpflichtigkeit bestehenden Gesetze auf die Juden ange⸗ wandt, wiefern dieselben zu oͤffentlichen Bedienungen und Staats⸗ aͤmtern zugelassen, ihr kirchlicher Zustand geordnet, und ihr Un⸗ terricht verbessert werden solle. Die Gesetzgebung hielt sich hier⸗ bei wesentlich an eben die Ansichten, welche das Sendschreiben der Hausvaͤter juͤdischer Religion aufstellte. Es wird kein Miß⸗ trauen auf die Sittlichkeit der bisher schon dem Staate durch Privilegien oder Schutzbriefe angeeigneten Juden gesetzt, und kein Zwang angeordnet, um ihrer Gewerbsamkeit eine derselben min⸗ der gefaͤhrliche Richtung zu geben. Ein großer Theil der akade⸗ mischen Lehr⸗, Schul⸗ und Gemeindeaͤmter erfordert keine Ver⸗ richtungen, welche mit den religiösen Vorstellungen der Juden im Widerspruche stehen, oder nach denselben abgeaͤndert werden muͤt⸗ ten; zu solchen auch Juden zu berufen, welche sich dazu geschickt haͤtten, konnte daher auch der Beurtheilung derjenigen

ehoͤrden und Korporationen anheimgestellt werden, welchen das Recht, dazu vorzuschlagen, zu waͤhlen und zu bestaͤtigen, zusteht. Bei andern oͤffentlichen und Staatsaͤmtern, sowie auch bei der Ableistung der Kriegsdienste tritt dagegen in der Regel schon die strenge Feier der Sabbathe und jüͤdischen Feiertage stoͤrend ein. Es mußten daher die Bestimmungen in dieser Beziehung jeden⸗ falls bis dahin vorbehalten bleiben, daß Mittel gefunden wuͤrden die Standes⸗ und Amtserfordernisse mit den religibsen ohne Ver⸗ letzung der Gewissensfreiheit zu vereinigen. Den mit Privilegien oder Schutzbriefen dem Staate nicht bereits angeeigneten Juden

das sogenannte Geleite bisher gestattet war; aber sie wurden auch ferner als fremde Juden betrachtet, und konnten, gleich diesen, als Inlaͤnder und Staatsbuͤrger nur unter besonderer Ver⸗ willigung der Regierung, und mit Genehmigung des Ministeriums des Innern aufgenommen werden.

Wciie sich die gewerblichen Verhaͤltnisse der Juden im Preußi⸗ schen Staate eben gestaltet hatten, als das Edikt vom 11. Maͤrz 1812 erschien, ist aus den bei dem statistischen Buͤreau vorhandenen Nachrichten nicht unmittelbar nachzuweisen. Wahrscheinlich hat⸗ ten sich jedoch diese Verhaͤltnisse bis zum Ende des Jahres 1813 noch nicht erheblich veraͤndert, und fuͤr diesen Zeitpunkt ergeben die vorhandenen Nachrichten Folgendes. Damals befanden sich im Preußischen Staate 30,884 Juden mit Staatsbuͤrgerrecht, und 1107 ohne dasselbe. Die Zahl derjenigen Juden, welche das Edikt vom 11. Maͤrz 1812 fuͤr Inlaͤnder und Staatsbuͤrger erklaͤrte hatte sich demnach um 1346 vermehrt, die Zahl der bloß ge⸗ duldeten nach jenem Gesetz auch ferner als Fremde betrachteten dagegen um 1972 vermindert. Ueberhaupt lebten diesen Anga⸗ ben nach also damals 626 Juden weniger im Preußischen Staat als zwei Jahre fruͤher. In diesen truͤben Zeiten war uͤberhaupt die Zahl, der Einwohner fortdauernd im Abnehmen; die Zahl der Sterbefaͤlle uͤberstieg fast jaͤhrlich die Zahl der Geburten. Allein die anscheinende Verminderung entstand doch wohl nur daher, daß theils die ziemlich ansehnliche Judengemeinde in Gr. Glogau nicht in die Zaͤhlung zu Ende des Jahres 1813 einbegriffen werden konnte, da diese befestigte Stadt damals noch von franzoͤsischen Truppen besetzt und von Preußischen eingeschlossen war; theils auch junge Leute aus der Judenschaft dem allgemeinen Aufrufe zu den Waffen gefolgt, und als Freiwillige in das Heer eingetreten waren, welches in die damals aufgenommene Zaͤhlung nicht mit einbegriffen ist. Von den mit Staatsbuͤrgerrecht beliehenen Ju⸗ den lebten damals nahe sechs Siebentheile, naͤmlich 26,508 in den Staͤdten, und zwar namentlich

in Koöͤnigsber . 5

8 Also in diesen 3 Hauptstaͤdten.. 7

Danzig und Magdeburg waren noch der Preußischen Landeshohen entfremdet. Außerdem enthielten damals, wie

auch noch jetzt drei kleine Staͤdte eine besonders betraͤcht⸗ liche Zahl von Juden mit Staatsbuͤrgerrecht, naͤmlich 8,